F 6.3
Für Projekte werben
Erfolge feiern!




                                                                     Iris Klaßen



Wissenschaftsmanagement steht hoch im Kurs. Dabei geht es auch darum, Lehre und Forschung in
Projekten zu verankern und dafür Geld einzuwerben. Sowohl projekt- oder hochschulintern als
auch gegenüber Förderern und der interessierten Öffentlichkeit gilt es, für Projekte zu werben. Mit
Kommunikation und Projektmarketing gelingt der Projekterfolg.
Projekte werden nicht zum Selbstzweck initiiert. Auch nicht an Hochschulen. Forschungs- und
Strukturprojekte haben Ziele und sind ergebnisorientiert angelegt. Projektarbeit gewinnt an Bedeu-
tung und Professionalität. In der Hochschulentwicklung tummeln sich zahlreiche Projekte. Idealer-
weise sind diese miteinander verzahnt, und es entsteht eine auf die Hochschulstrategie abgestimmte
Projektlandschaft. Aber es geht auch um Wettbewerb in der Hochschul- und Forschungslandschaft.
Der Begriff „Projektkannibalismus“ taucht auf. Was zeichnet nun dieses oder jenes Projekt aus?
Weshalb ist gerade diese Idee förderungswürdig und für die Hochschule unverzichtbar? Hier auf
den Punkt zu kommunizieren, das gelingt durch Projektmarketing. Der Beitrag ist in dieser Hin-
sicht ein Plädoyer.


Gliederung                                                                                   Seite

1.      Agieren statt reagieren                                                                  2
2.      Warum Marketing?                                                                         5
3.      Keine Nabelschau. Es geht um Ziele!                                                      7
4.      Ein Spiel mit vielen Akteuren: Die Projekttaktik                                         8
5.      Showdown: Das Projekt auf dem Laufsteg                                                  11
6.      Projektabschluss: Und danach?                                                           12




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F 6.3     Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige?

Interne Kommunikation mit Konzept




                              1.    Agieren statt reagieren
                                Der Projektleiter berichtet in einer Sitzung des Projektteams davon,
                                dass es in der Hochschule Gegenwind für das Projekt gibt. Ein Fach-
                                bereich fühle sich nicht ausreichend eingebunden, obwohl er im Vor-
                                                          feld über den Dekan informiert wurde. Von
                                                          dort wurde der Vorwurf geäußert, dass die
                                                          fachliche Kompetenz im Projekt zur Be-
                                                          handlung des interdisziplinären Themenfel-
                                                          des nicht ausreichend vorhanden sei und
                                                          man in dem Wissenschaftsprofil der Hoch-
    Man muss mögliche Projektgegner kennen und            schule andere Schwerpunkte setze. Es gebe
    sich ihre Interessen bewusst machen. Das
                                                          zudem Ärger, weil Projektmitglieder Förde-
    Hineinversetzen in deren Denken ermöglicht
    einen strategischen Einsatz für das Projekt.
                                                          rer angesprochen hätten, die bisher nur mit
    Idealerweise gelingt es, sie soweit einzubin-         anderen Vertretern der Hochschule koope-
    den, dass sie sich mit den Zielen identifizieren,     rierten. Im Projektteam herrschte die Mei-
    auch für sich Vorteile erkennen und folglich zu       nung vor, dass man durch eine Informati-
    Unterstützern werden.                                 onsveranstaltung ausreichend informiert
                                                          habe, Vertreter des betreffenden Fachbe-
                                reichs an dem Projektauftrag beteiligt waren und auch das Herantreten
                                an Sponsoren anderer Bereiche nicht verboten sei.

                              Der Projektleiter betont, dass man unbedingt etwas für das Image des
                              Projektes tun müsse, um zu verhindern, dass das Präsidium in Aus-
                              sicht gestellte Mittelzuweisungen für eine Ausweitung des Projektauf-
                              trags auf Eis lege.

Erfolgreiche Projekte         In dem beschriebenen Fall lief das Projekt reibungslos nach Projekt-
wirken bedrohlich             plan. Es gab keine Verzögerungen, Meilensteine wurden im Plan er-
                              reicht und gute Ergebnisse nachgewiesen. Und dennoch oder vermut-
                              lich gerade deswegen kam der Angriff aus einem anderen Fachbe-
                              reich. Vielleicht wurde mit erfolgreichem Projektverlauf deutlich, dass
                              das Projekt Auswirkungen auf die bisherige Zuordnung von Zustän-
                              digkeiten haben könnte. In einem solchen Fall geht es den Angreifern
                              vor allem um Bestandssicherung und das Festhalten an Strukturen.

Meinungsbildner               Es wird deutlich, dass erreichte Ziele die Nachhaltigkeit des Projekter-
einbinden                     folgs nicht allein garantieren. Vielmehr müssen Auswirkungen der
                              Projektziele von Beginn im Auge behalten werden.

                              • Wer könnte sich benachteiligt fühlen?

                              • Wer hat Änderungen zu erwarten?

                              • Wer hat sich bisher mit dem Thema beschäftigt?

                              • Wer musste diesem Projekt den Vortritt lassen?

                              • Wer hätte gerne mitgewirkt? und, und, und.




2                                                                                       HWK 1 05 09 06
Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige?                   F 6.3

                                                                   Interne Kommunikation mit Konzept




So lassen sich zahlreiche Fragen formulieren, deren Beantwortung
allein dem Ziel folgen, die frühzeitige Einbindung von Meinungsbild-
nern zu sichern.


Eine Meetingkultur schafft Identität
Die sichersten Fürsprecher eines Projekts sind die Projektmitglieder –
oder sollten es zumindest sein. Wenn sie von Projektsitzungen oder
Tagungen an ihren eigentlichen Arbeitsplatz zurückkehren, sollten sie
stolz sein, an dem Projekt mitzuarbeiten und die Projektziele nach-
vollziehen können. Das erfordert eine umfassende Information und
einen kontinuierlichen Austausch im Team.

Es zeigt sich immer wieder, dass Projektbeteiligte sich vom Projekt               Unterschiedliche
distanzieren, weil sie Entscheidungen und Vorgehensweisen nicht                     Gewohnheiten
nachvollziehen können. Vielleicht weil ihnen Dinge unbekannt sind                  berücksichtigen
oder sie auch benötigte Methoden nicht beherrschen. Die Folge ist,
dass sie sich daran orientieren, was ihnen bekannt ist. Das können
Strukturen, Einstellungen, Vorurteile oder auch Techniken sein. Wer
seine Projekte immer in Excel dargestellt hat, wird sich nur ungern in
eine neue Software einarbeiten wollen. Wer sich in der Linienstruktur
aufgrund seiner darin mittlerweile erreichten Position sicher fühlt,
wird sich im Projekt ungern einem Projektleiter unterordnen, der in
der Organisationshierarchie unter ihm arbeitet. Auch stehen ältere oder
langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neuen oder jüngeren
Kolleginnen und Kollegen eher misstrauisch gegenüber.

Nach dem Projektauftakt, der Kick-off-Veranstaltung, helfen regelmä-          Regelmäßige Treffen
ßige Projekttreffen, den Teamgedanken im Projekt zu fördern, und
sind wichtige Bestandteile der Projektarbeit. Die Projektleitung kann
aus unterschiedlichen Arten von Treffen eine passende Verschränkung
von persönlichen und virtuellen Meetings zusammenstellen:

• Workshops (ggf. mit externen Beratern)
• Methodenschulung als Angebot
• Runde der Teilprojektverantwortlichen/Arbeitsgruppen
• Gemeinsamer Besuch von Konferenzen/Tagungen
• Foren zu häufigen Fragestellungen
• Videokonferenzen
• Chats
• Statussitzungen
• Projektfrühstück
• Treffen mit Partnern, …




HWK 1 05 09 06                                                                                    3
Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige?                   F 6.3

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  Iris Klaßen, Dr., war 10 Jahre Pressesprecherin der Universität Hildesheim und hat den Bereich
  Kommunikation und Medien geleitet. 2002 bis 2004 war sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der
  deutschen Hochschulpressesprecher. Sie ist Kommunikationswissenschaftlerin, freie Journalistin
  und übernimmt Beratungstätigkeiten in der Organisationsentwicklung. Sie war in der Gesundheits-
  wirtschaft für den Bereich Changemanagement/Organisationsentwicklung u. a. für die Klinikum Re-
  gion Hannover GmbH tätig. Seit Juni 2009 ist sie Wissenschaftsmanagerin der Hansestadt Lübeck.




HWK 1 05 09 06                                                                                   13

Iris Klaßen: Für Projekte werben

  • 1.
    F 6.3 Für Projektewerben Erfolge feiern! Iris Klaßen Wissenschaftsmanagement steht hoch im Kurs. Dabei geht es auch darum, Lehre und Forschung in Projekten zu verankern und dafür Geld einzuwerben. Sowohl projekt- oder hochschulintern als auch gegenüber Förderern und der interessierten Öffentlichkeit gilt es, für Projekte zu werben. Mit Kommunikation und Projektmarketing gelingt der Projekterfolg. Projekte werden nicht zum Selbstzweck initiiert. Auch nicht an Hochschulen. Forschungs- und Strukturprojekte haben Ziele und sind ergebnisorientiert angelegt. Projektarbeit gewinnt an Bedeu- tung und Professionalität. In der Hochschulentwicklung tummeln sich zahlreiche Projekte. Idealer- weise sind diese miteinander verzahnt, und es entsteht eine auf die Hochschulstrategie abgestimmte Projektlandschaft. Aber es geht auch um Wettbewerb in der Hochschul- und Forschungslandschaft. Der Begriff „Projektkannibalismus“ taucht auf. Was zeichnet nun dieses oder jenes Projekt aus? Weshalb ist gerade diese Idee förderungswürdig und für die Hochschule unverzichtbar? Hier auf den Punkt zu kommunizieren, das gelingt durch Projektmarketing. Der Beitrag ist in dieser Hin- sicht ein Plädoyer. Gliederung Seite 1. Agieren statt reagieren 2 2. Warum Marketing? 5 3. Keine Nabelschau. Es geht um Ziele! 7 4. Ein Spiel mit vielen Akteuren: Die Projekttaktik 8 5. Showdown: Das Projekt auf dem Laufsteg 11 6. Projektabschluss: Und danach? 12 HWK 1 05 09 06 1
  • 2.
    F 6.3 Zielgruppen im Visier: Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? Interne Kommunikation mit Konzept 1. Agieren statt reagieren Der Projektleiter berichtet in einer Sitzung des Projektteams davon, dass es in der Hochschule Gegenwind für das Projekt gibt. Ein Fach- bereich fühle sich nicht ausreichend eingebunden, obwohl er im Vor- feld über den Dekan informiert wurde. Von dort wurde der Vorwurf geäußert, dass die fachliche Kompetenz im Projekt zur Be- handlung des interdisziplinären Themenfel- des nicht ausreichend vorhanden sei und man in dem Wissenschaftsprofil der Hoch- Man muss mögliche Projektgegner kennen und schule andere Schwerpunkte setze. Es gebe sich ihre Interessen bewusst machen. Das zudem Ärger, weil Projektmitglieder Förde- Hineinversetzen in deren Denken ermöglicht einen strategischen Einsatz für das Projekt. rer angesprochen hätten, die bisher nur mit Idealerweise gelingt es, sie soweit einzubin- anderen Vertretern der Hochschule koope- den, dass sie sich mit den Zielen identifizieren, rierten. Im Projektteam herrschte die Mei- auch für sich Vorteile erkennen und folglich zu nung vor, dass man durch eine Informati- Unterstützern werden. onsveranstaltung ausreichend informiert habe, Vertreter des betreffenden Fachbe- reichs an dem Projektauftrag beteiligt waren und auch das Herantreten an Sponsoren anderer Bereiche nicht verboten sei. Der Projektleiter betont, dass man unbedingt etwas für das Image des Projektes tun müsse, um zu verhindern, dass das Präsidium in Aus- sicht gestellte Mittelzuweisungen für eine Ausweitung des Projektauf- trags auf Eis lege. Erfolgreiche Projekte In dem beschriebenen Fall lief das Projekt reibungslos nach Projekt- wirken bedrohlich plan. Es gab keine Verzögerungen, Meilensteine wurden im Plan er- reicht und gute Ergebnisse nachgewiesen. Und dennoch oder vermut- lich gerade deswegen kam der Angriff aus einem anderen Fachbe- reich. Vielleicht wurde mit erfolgreichem Projektverlauf deutlich, dass das Projekt Auswirkungen auf die bisherige Zuordnung von Zustän- digkeiten haben könnte. In einem solchen Fall geht es den Angreifern vor allem um Bestandssicherung und das Festhalten an Strukturen. Meinungsbildner Es wird deutlich, dass erreichte Ziele die Nachhaltigkeit des Projekter- einbinden folgs nicht allein garantieren. Vielmehr müssen Auswirkungen der Projektziele von Beginn im Auge behalten werden. • Wer könnte sich benachteiligt fühlen? • Wer hat Änderungen zu erwarten? • Wer hat sich bisher mit dem Thema beschäftigt? • Wer musste diesem Projekt den Vortritt lassen? • Wer hätte gerne mitgewirkt? und, und, und. 2 HWK 1 05 09 06
  • 3.
    Zielgruppen im Visier:Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? F 6.3 Interne Kommunikation mit Konzept So lassen sich zahlreiche Fragen formulieren, deren Beantwortung allein dem Ziel folgen, die frühzeitige Einbindung von Meinungsbild- nern zu sichern. Eine Meetingkultur schafft Identität Die sichersten Fürsprecher eines Projekts sind die Projektmitglieder – oder sollten es zumindest sein. Wenn sie von Projektsitzungen oder Tagungen an ihren eigentlichen Arbeitsplatz zurückkehren, sollten sie stolz sein, an dem Projekt mitzuarbeiten und die Projektziele nach- vollziehen können. Das erfordert eine umfassende Information und einen kontinuierlichen Austausch im Team. Es zeigt sich immer wieder, dass Projektbeteiligte sich vom Projekt Unterschiedliche distanzieren, weil sie Entscheidungen und Vorgehensweisen nicht Gewohnheiten nachvollziehen können. Vielleicht weil ihnen Dinge unbekannt sind berücksichtigen oder sie auch benötigte Methoden nicht beherrschen. Die Folge ist, dass sie sich daran orientieren, was ihnen bekannt ist. Das können Strukturen, Einstellungen, Vorurteile oder auch Techniken sein. Wer seine Projekte immer in Excel dargestellt hat, wird sich nur ungern in eine neue Software einarbeiten wollen. Wer sich in der Linienstruktur aufgrund seiner darin mittlerweile erreichten Position sicher fühlt, wird sich im Projekt ungern einem Projektleiter unterordnen, der in der Organisationshierarchie unter ihm arbeitet. Auch stehen ältere oder langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neuen oder jüngeren Kolleginnen und Kollegen eher misstrauisch gegenüber. Nach dem Projektauftakt, der Kick-off-Veranstaltung, helfen regelmä- Regelmäßige Treffen ßige Projekttreffen, den Teamgedanken im Projekt zu fördern, und sind wichtige Bestandteile der Projektarbeit. Die Projektleitung kann aus unterschiedlichen Arten von Treffen eine passende Verschränkung von persönlichen und virtuellen Meetings zusammenstellen: • Workshops (ggf. mit externen Beratern) • Methodenschulung als Angebot • Runde der Teilprojektverantwortlichen/Arbeitsgruppen • Gemeinsamer Besuch von Konferenzen/Tagungen • Foren zu häufigen Fragestellungen • Videokonferenzen • Chats • Statussitzungen • Projektfrühstück • Treffen mit Partnern, … HWK 1 05 09 06 3
  • 4.
    Zielgruppen im Visier:Wie gewinne ich Studierende, Mitarbeiter, Ehemalige? F 6.3 Interne Kommunikation mit Konzept Iris Klaßen, Dr., war 10 Jahre Pressesprecherin der Universität Hildesheim und hat den Bereich Kommunikation und Medien geleitet. 2002 bis 2004 war sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Hochschulpressesprecher. Sie ist Kommunikationswissenschaftlerin, freie Journalistin und übernimmt Beratungstätigkeiten in der Organisationsentwicklung. Sie war in der Gesundheits- wirtschaft für den Bereich Changemanagement/Organisationsentwicklung u. a. für die Klinikum Re- gion Hannover GmbH tätig. Seit Juni 2009 ist sie Wissenschaftsmanagerin der Hansestadt Lübeck. HWK 1 05 09 06 13