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G 1.5
Kommunikation neuer Hochschulgebäude




                                       Markus Greitemann
                                         Patrick Honecker



Den ersten Eindruck vermitteln Gebäude. Sie fallen als Erstes dem Betrachter auf, sie spre-
chen eine klare Sprache über das Selbstverständnis ihrer Betreiber(innen). Bestehende Ge-
bäude müssen daher genauso in ein strategisches Kommunikationskonzept aufgenommen
werden wie künftige oder aktuelle Baustellen. Die beiden Autoren machen deutlich, wa-
rum Bauten im Wissenschaftsraum eine politische Aussage sind. Dabei legen sie auch dar,
wie Bauen in das Beziehungsmarketing integriert werden kann und welche Phasen in der
Kommunikation neuer Gebäude begleitet werden müssen.


Gliederung                                                                            Seite

1.      Vom Nutzer zum Kunden – Hochschulbauten als Teil der Hochschulpolitik            2
2.      Reform des Hochschulbaus                                                         6
3.      Bauen als Teil des Beziehungsmarketings                                          8
4.      Kommunikation von neuen Gebäuden                                                10




HWK 1 12 11 03                                                                            1
G 1.5                        Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil?

Profil entwickeln, Nischen besetzen




                               1.      Vom Nutzer zum Kunden –
                                       Hochschulbauten als Teil der
                                       Hochschulpolitik
                               Die Geschichte der Universität beginnt mit einer Gemeinschaft. Wiss-
                               begierige junge Menschen suchten sich akademische Lehrer, um von
                               ihnen etwas zu lernen. Für die kleineren, zumeist lokal verteilten
                               Gruppen war die Frage der Gebäude erst einmal unbedeutend. Fast
                               700 Jahre nach den ersten Universitätsgründungen im Deutschen
                               Reich hat sich die Einstellung zur Hochschularchitektur komplett ge-
                               wandelt. Hochschulen werden an der Qualität ihrer Gebäude gemes-
                               sen, Corporate Architecture ist Teil der Hochschulpolitik. Dabei kön-
                               nen sich Hochschulen entscheiden, ihre eigene Identität durch die Art
                               und Weise zu unterstreichen, in der sie Gebäude errichten.

Politik nimmt Einfluss         Alternativ können Bauten ein Abbild der jeweiligen politischen Rah-
auf den Hochschulbau           menbedingungen sein, wie eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2010
                               eindrucksvoll dokumentiert. Darin lädt die HIS-GmbH zum Forum
                               Hochschulbau ein und macht deutlich, wie der Bologna-Prozess zur
                               Schaffung eines europäischen Hochschulraums Einfluss auf die Ge-
                               staltung der Universität oder Fachhochschule „vor Ort“ nimmt.


                                 Forum Hochschulbau 2010 – Bauen für Bologna?

                                 Mit der Bologna-Reform verändern sich die Studienorganisation und
                                 das Studierverhalten. Parallel dazu wandelt sich der Bedarf der Stu-
                                 dierenden nach Räumen und Arbeitsplätzen. Der Bologna-Prozess
                                 stellt daher für die Planungsabteilungen der Hochschulen eine be-
                                 sondere Herausforderung dar. Umstritten ist die Frage, wie der kon-
                                 krete bauliche Veränderungsbedarf tatsächlich ausfällt. Das diesjähri-
                                 ge Forum Hochschulbau der HIS Hochschul-Informations-System
                                 GmbH widmet sich ausführlich dem baulichen Veränderungsbedarf in
                                 Zeiten von Bologna.

                                 […]

                                 Nach den aktuellen Ergebnissen der 19. Sozialerhebung nimmt das
                                 Studium heute mehr Zeit in Anspruch als noch vor drei Jahren: Wö-
                                 chentlich 36 Stunden ihrer Zeit verwenden Studierende im Schnitt auf
                                 ihr Studium. Außerdem sind zahlenmäßig mehr Studierende für eine
                                 längere Zeit täglich an ihrer Hochschule beschäftigt. Gleichzeitig
                                 wächst die Zahl der Vollzeitstudierenden.




2                                                                                          HWK 1 12 11 03
Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil?                                      G 1.5

                                                                      Profil entwickeln, Nischen besetzen




  Bachelor- und Masterstudiengänge sehen Gruppenarbeiten, Selbst-
  studium und Laborphasen in engen zeitlichen Fenstern vor. Dies alles
  lässt vermuten, dass sich im Zuge der Bologna-Reform der Raumbe-
  darf der Studierenden verändert: Sollten daher Hörsäle zukünftig eher
  kleiner oder größer ausfallen? Brauchen die Hochschülerinnen und -
  schüler mehr Laborplätze und Raum für das Selbststudium? Oder ist
  am Ende alles gar keine Raumfrage, sondern eine Frage der Organi-
  sation im Lehr- und Lernbetrieb? Welchen konkreten baulichen Ver-
  änderungsbedarf die Bologna-Reform nach sich zieht, ist bislang
  nicht geklärt.

  […]

  Ein weiterer Themenblock widmet sich verschiedenen Teilbereichen
  des Flächenbedarfs, beispielsweise für Laborarbeitsplätze, für Prakti-
  ka und Studienabschlussarbeiten sowie für Arbeitsplätze zum Selbst-
  studium. Zum Abschluss der Tagung wird ein Gesamtkonzept für stu-
  dentische Arbeitsflächen vorgestellt.
  (http://idw-online.de/pages/de/event31235)


Mit den Studierenden ist eine wichtige Anspruchsgruppe hier explizit
angesprochen worden – zahlenmäßig nehmen junge Menschen mit
Sicherheit den meisten Raum ein; allerdings gibt es noch weitere
wichtige Gruppen, für die in Wissenschaftseinrichtungen gebaut wird.
Man kann dabei diese Spezialimmobilien in verschiedene Typen un-
terscheiden: erstens in Gebäude, die in der Regel nur auf einem Cam-
pus zu finden sind und zweitens in Immobilien, die zwar von der
Hochschule genutzt werden, die es in ähnlicher Verwendung aber auch
in anderen Umgebungen gibt. Hörsäle sind beispielsweise typisch für
Hochschulen, ebenso sind Labore und Seminarflächen Ausdruck der
Kernaufgabe von Forschung und Lehre. Dagegen sind Verwaltungs-
flächen auch für andere Einrichtungen des öffentlichen Dienstes not-
wendig, ebenso wie für Unternehmen der Privatwirtschaft.




HWK 1 12 11 03                                                                                         3
G 1.5                        Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil?

Profil entwickeln, Nischen besetzen




                               Literatur

                               [1]    Alfen, H. W.; Fischer, K.; Schwanck, A.; Kiesewetter, F.; Steinmetz, F.; Gürtler,
                                      V. (2008): Lebenszyklusorientiertes Management öffentlicher Liegenschaften
                                      am Beispiel von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Schriftenreihe
                                      der Professur Betriebswirtschaftslehre im Bauwesen, Band Nr. 4. Weimar.
                               [2]    CHE-Marketingrunde (2005): Imagemanagement von Hochschulen.
                                      http://www.che.de/downloads/CHE_8_Thesen_Image_400.pdf
                               [3]    Haerdle, B (2010): Neue Räume für die Lehre. Die Umstellung auf Bachelor und
                                      Master verändert nicht nur die Lehre, sondern auch den Raumbedarf. In: Deut-
                                      sche Universitätszeitung, 11 (66. Jg.), S. 19.




  Informationen zu den Autoren:

  Dr. Patrick Honecker MBA leitet die Stabsstelle Presse- und Kommunikation der Universität zu
  Köln. Bevor er die Stabsstelle in Köln aufgebaut hat, war er mit der Leitung eines Referats bei der
  Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung beauftragt. Patrick Hone-
  cker ist Fellow Wissenschaftsmanagement des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und
  Sprecher der Initiative Qualität in der Hochschulkommunikation.

  Markus Greitemann ist verantwortlich für das Dezernat Gebäude – und Liegenschaftsmanagement
  der Universität zu Köln. Der diplomierte Architekt hat, bevor er 2010 die Verantwortung an der UzK
  übernahm, das Gebäudemanagement eines großen deutschen mittelständischen Unternehmens
  aufgebaut und über zehn Jahre geleitet.




16                                                                                                     HWK 1 12 11 03

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Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude

  • 1. G 1.5 Kommunikation neuer Hochschulgebäude Markus Greitemann Patrick Honecker Den ersten Eindruck vermitteln Gebäude. Sie fallen als Erstes dem Betrachter auf, sie spre- chen eine klare Sprache über das Selbstverständnis ihrer Betreiber(innen). Bestehende Ge- bäude müssen daher genauso in ein strategisches Kommunikationskonzept aufgenommen werden wie künftige oder aktuelle Baustellen. Die beiden Autoren machen deutlich, wa- rum Bauten im Wissenschaftsraum eine politische Aussage sind. Dabei legen sie auch dar, wie Bauen in das Beziehungsmarketing integriert werden kann und welche Phasen in der Kommunikation neuer Gebäude begleitet werden müssen. Gliederung Seite 1. Vom Nutzer zum Kunden – Hochschulbauten als Teil der Hochschulpolitik 2 2. Reform des Hochschulbaus 6 3. Bauen als Teil des Beziehungsmarketings 8 4. Kommunikation von neuen Gebäuden 10 HWK 1 12 11 03 1
  • 2. G 1.5 Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil? Profil entwickeln, Nischen besetzen 1. Vom Nutzer zum Kunden – Hochschulbauten als Teil der Hochschulpolitik Die Geschichte der Universität beginnt mit einer Gemeinschaft. Wiss- begierige junge Menschen suchten sich akademische Lehrer, um von ihnen etwas zu lernen. Für die kleineren, zumeist lokal verteilten Gruppen war die Frage der Gebäude erst einmal unbedeutend. Fast 700 Jahre nach den ersten Universitätsgründungen im Deutschen Reich hat sich die Einstellung zur Hochschularchitektur komplett ge- wandelt. Hochschulen werden an der Qualität ihrer Gebäude gemes- sen, Corporate Architecture ist Teil der Hochschulpolitik. Dabei kön- nen sich Hochschulen entscheiden, ihre eigene Identität durch die Art und Weise zu unterstreichen, in der sie Gebäude errichten. Politik nimmt Einfluss Alternativ können Bauten ein Abbild der jeweiligen politischen Rah- auf den Hochschulbau menbedingungen sein, wie eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2010 eindrucksvoll dokumentiert. Darin lädt die HIS-GmbH zum Forum Hochschulbau ein und macht deutlich, wie der Bologna-Prozess zur Schaffung eines europäischen Hochschulraums Einfluss auf die Ge- staltung der Universität oder Fachhochschule „vor Ort“ nimmt. Forum Hochschulbau 2010 – Bauen für Bologna? Mit der Bologna-Reform verändern sich die Studienorganisation und das Studierverhalten. Parallel dazu wandelt sich der Bedarf der Stu- dierenden nach Räumen und Arbeitsplätzen. Der Bologna-Prozess stellt daher für die Planungsabteilungen der Hochschulen eine be- sondere Herausforderung dar. Umstritten ist die Frage, wie der kon- krete bauliche Veränderungsbedarf tatsächlich ausfällt. Das diesjähri- ge Forum Hochschulbau der HIS Hochschul-Informations-System GmbH widmet sich ausführlich dem baulichen Veränderungsbedarf in Zeiten von Bologna. […] Nach den aktuellen Ergebnissen der 19. Sozialerhebung nimmt das Studium heute mehr Zeit in Anspruch als noch vor drei Jahren: Wö- chentlich 36 Stunden ihrer Zeit verwenden Studierende im Schnitt auf ihr Studium. Außerdem sind zahlenmäßig mehr Studierende für eine längere Zeit täglich an ihrer Hochschule beschäftigt. Gleichzeitig wächst die Zahl der Vollzeitstudierenden. 2 HWK 1 12 11 03
  • 3. Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil? G 1.5 Profil entwickeln, Nischen besetzen Bachelor- und Masterstudiengänge sehen Gruppenarbeiten, Selbst- studium und Laborphasen in engen zeitlichen Fenstern vor. Dies alles lässt vermuten, dass sich im Zuge der Bologna-Reform der Raumbe- darf der Studierenden verändert: Sollten daher Hörsäle zukünftig eher kleiner oder größer ausfallen? Brauchen die Hochschülerinnen und - schüler mehr Laborplätze und Raum für das Selbststudium? Oder ist am Ende alles gar keine Raumfrage, sondern eine Frage der Organi- sation im Lehr- und Lernbetrieb? Welchen konkreten baulichen Ver- änderungsbedarf die Bologna-Reform nach sich zieht, ist bislang nicht geklärt. […] Ein weiterer Themenblock widmet sich verschiedenen Teilbereichen des Flächenbedarfs, beispielsweise für Laborarbeitsplätze, für Prakti- ka und Studienabschlussarbeiten sowie für Arbeitsplätze zum Selbst- studium. Zum Abschluss der Tagung wird ein Gesamtkonzept für stu- dentische Arbeitsflächen vorgestellt. (http://idw-online.de/pages/de/event31235) Mit den Studierenden ist eine wichtige Anspruchsgruppe hier explizit angesprochen worden – zahlenmäßig nehmen junge Menschen mit Sicherheit den meisten Raum ein; allerdings gibt es noch weitere wichtige Gruppen, für die in Wissenschaftseinrichtungen gebaut wird. Man kann dabei diese Spezialimmobilien in verschiedene Typen un- terscheiden: erstens in Gebäude, die in der Regel nur auf einem Cam- pus zu finden sind und zweitens in Immobilien, die zwar von der Hochschule genutzt werden, die es in ähnlicher Verwendung aber auch in anderen Umgebungen gibt. Hörsäle sind beispielsweise typisch für Hochschulen, ebenso sind Labore und Seminarflächen Ausdruck der Kernaufgabe von Forschung und Lehre. Dagegen sind Verwaltungs- flächen auch für andere Einrichtungen des öffentlichen Dienstes not- wendig, ebenso wie für Unternehmen der Privatwirtschaft. HWK 1 12 11 03 3
  • 4. G 1.5 Das Leid mit dem Leitbild: Wie kommuniziere ich mein Profil? Profil entwickeln, Nischen besetzen Literatur [1] Alfen, H. W.; Fischer, K.; Schwanck, A.; Kiesewetter, F.; Steinmetz, F.; Gürtler, V. (2008): Lebenszyklusorientiertes Management öffentlicher Liegenschaften am Beispiel von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Schriftenreihe der Professur Betriebswirtschaftslehre im Bauwesen, Band Nr. 4. Weimar. [2] CHE-Marketingrunde (2005): Imagemanagement von Hochschulen. http://www.che.de/downloads/CHE_8_Thesen_Image_400.pdf [3] Haerdle, B (2010): Neue Räume für die Lehre. Die Umstellung auf Bachelor und Master verändert nicht nur die Lehre, sondern auch den Raumbedarf. In: Deut- sche Universitätszeitung, 11 (66. Jg.), S. 19. Informationen zu den Autoren: Dr. Patrick Honecker MBA leitet die Stabsstelle Presse- und Kommunikation der Universität zu Köln. Bevor er die Stabsstelle in Köln aufgebaut hat, war er mit der Leitung eines Referats bei der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung beauftragt. Patrick Hone- cker ist Fellow Wissenschaftsmanagement des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und Sprecher der Initiative Qualität in der Hochschulkommunikation. Markus Greitemann ist verantwortlich für das Dezernat Gebäude – und Liegenschaftsmanagement der Universität zu Köln. Der diplomierte Architekt hat, bevor er 2010 die Verantwortung an der UzK übernahm, das Gebäudemanagement eines großen deutschen mittelständischen Unternehmens aufgebaut und über zehn Jahre geleitet. 16 HWK 1 12 11 03