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1
Schön, Sandra & Ebner, Martin (2013).
Gute Lernvideos … so gelingen Web-Videos zum Lernen!
Online zugänglich unter: http://bimsev.de/
Anmerkung: Teile des Textes wurden bereits als Gastautorenbeiträge
im Medienpädagogik Praxisblog (http://www.medienpaedagogik-
praxis.de/) veröffentlicht.


Dieses Buch ist im Buchhandel gedruckt erhältlich:
ISBN 9783732233168
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
Kaufpreis: 17,90 €
Mit dem Kauf des Buchs unterstützen
Sie die Tätigkeiten des BIMS e.V.!


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die
Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Der BIMS e.V. (Bad Reichenhall) ist ein als gemeinnützig anerkannter
Verein, der sich durch zahlreiche Bildungsinitiativen und -innovatio-
nen auszeichnet, u.a. durch zahlreiche Unternehmungen die den frei-
en Zugang zu Information und Lernmaterialien unterstützen.
(http://bimsev.de ).




                        2
Inhaltsverzeichnis
Hier geht’s um..............................................................................................................................5
   … Lernvideos fürs Web..........................................................................................................6
Hintergrund................................................................................................................................. 7
   Das Projekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“..............................................................................8
   Positives Feedback.................................................................................................................. 9
Einsatzformen und Arten von Lernvideos................................................................................. 11
   Einsatz von Lernvideos........................................................................................................ 12
   Videoarten............................................................................................................................13
Ideen dazu, was gute Lernvideos sind....................................................................................... 19
   Ein paar Hinweise aus Literatur und Forschung..................................................................20
   Erarbeitung mit Kindern: Kriterien für gute Lernvideos.................................................... 22
Jetzt aber richtig: Das gute Lernvideo....................................................................................... 25
    Ein erster Entwurf................................................................................................................ 26
    Der Inhalt.............................................................................................................................27
    Das Drehbuch...................................................................................................................... 29
    Quellen und Materialien...................................................................................................... 31
    Technik und Gestaltung....................................................................................................... 35
    Das Drumherum.................................................................................................................. 39
Das erste Lernvideo mit dem iPad.............................................................................................41
   Wir empfehlen zum Start einen Screencast......................................................................... 42
   Im Workshop oder allein: Das erste Lernvideo als Screencast.............................................43
   Mehr zur App „Explain Everything“...................................................................................44




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4
Hier geht’s um...
… Lernvideos fürs Web
Videos zum Lernen haben viele Vorteile: Man kann etwas zeigen, was sonst nur schwer in
Worte zu fassen ist, beispielsweise wie man den Moonwalk, Gangnam Style oder argentini-
schen Tango tanzt. Auch lassen sich Dinge präsentieren, die sonst nur schwer zu sehen sind:
Mikroskopaufnahmen, seltene Tiere oder einmalige (teure) Vorgänge wie z.B. Experimente. Es
gibt aber eventuell auch ganz andere Gründe: Lernvideos sind auch geeignet, wenn man sich
schwer mit dem Lesen oder Hören tut oder wenn man verhindert ist eine Vorlesung zu besu-
chen.
In den letzten Jahren hat sich das Word Wide Web vom passiven Medium zu einem durch die
Benutzer gestaltbaren gewandelt. Dieses Mitmachweb sorgt dafür, dass es vergleichsweise
leicht ist, eigene Inhalte oder Medien im Web zu veröffentlichen. Die immer günstiger werden-
de Ausrüstung und die Tatsache, dass Smartphones, Notebooks und auch Tablet-Computer
über Kameras verfügen, macht die Videoerstellung für das Web immer einfacher – auch für
Laien. (Lern-)Videos im Web sind nicht nur gut erreichbar und verteilbar (man verschickt ein-
fach die URL zum Video) sondern zudem auch in Webseiten und Weblogs integrierbar. Sie
sind auch immer wieder aufrufbar, wenn man etwas oftmals anschauen will.
                                             Die Nachfrage nach „Lernvideos“ scheint zuzu-
                                             nehmen, zumindest wenn man den Service von
                                             Google Insights for Search verwendet und nach
                                             „Lernvideos“ in „Deutschland“ recherchiert. Seit
                                             2006 steigt – relativ gesehen – das Suchvolumen
                                             an. Die Abbildung schaut in etwa so aus wie die
                                             Skizze links.
Link zur Original-Darstellung bei Google Insights for Search:
http://www.google.de/trends/explore#q=lernvideos&geo=DE&cmpt=q
Das – und viele weitere – sind wohl gute Gründe dafür, sich zu interessieren, wie man (gute)
Lernvideos fürs Web produziert!


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Hintergrund
Das Projekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“
Film, Schnitt und Veröffentlichung von kurzen (Lern-) Videos ist
mit Tablet-Computern wesentlich einfacher als mit herkömmli-
chen Ausrüstungen bei akzeptabler Qualität. Im medienpädago-
gischen Praxisprojekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“ (kurz IZE-
D2), bei dem 9- bis 12-Jährige Lernvideos mit iPads produzier-
ten, ging es nicht nur um Videotechniken wie Trickfilm und
Greenbox, sondern auch um die einfache Frage: Was ist eigent-
lich ein gutes Lernvideo?
                                                     Das Projekt wurde von Oktober 2012
                                                     bis März 2013 vom BIMS e.V. in Bad
                                                     Reichenhall durchgeführt und ist u.a. im
                                                     Weblog zum Projekt ausführlich doku-
                                                     mentiert (http://ized2.wordpress.com).
                                                     IZED2 wurde (teil-)finanziert von peer 3,
                                                     einem Projekt des JFF – Institut für Me-
                                                     dienpädagogik in Forschung und Praxis
                                                     in Zusammenarbeit mit Dialog Internet,
                                                     gefördert vom Bundesministerium für
                                                     Familien, Senioren, Frauen und Jugend.
                                                     Kooperationspartner von IZED2 waren
                                                     das Haus der Jugend in Bad Reichenhall
                                                     sowie die Technische Universität Graz
                                                     (wissenschaftliche Begleitforschung).
An dieser Stelle unser Dank an die IZED2-Experten Gerald Geier, Thorsten Jost, Werner Mo-
ser und Martin Schön, an unsere peer3-Betreuerinnen Kerstin Heinemann und Gisela Schu-
bert vom JFF, an Jennifer Frey für's Lektorat und natürlich ganz besonders an die IZED2-Kids:
Anna, Elisa, Klara, Magda, Leopold, Sonja, Tim, Urban und Zofia!

                                              8
Positives Feedback
Dieses Booklet baut auf IZED2 auf, war aber nicht geplant, sondern ist von außen angeregt
worden: Wir selbst sind keine Profis, haben aber (trotzdem) immer wieder gehört, dass unsere
(Lern-) Videos unterhaltsam und auch lustig wären – und wurden gefragt wie das ginge bzw.
ob wir auch weiterverbreiten könnten, wie es geht.




Wir dachten uns: Wow, da scheint Bedarf zu sein! Für alle, die Interesse am Thema „Lernvi -
deo“ haben: Hier nun alles, was uns wichtig und mitteilenswert ist.




                                             9
10
Einsatzformen und
     Arten von
    Lernvideos
Einsatz von Lernvideos
Lernvideos aus dem Internet werden auf ganz unterschiedliche Weise eingesetzt.


Viele stoßen auf sie, wenn sie schnell wissen wollen, wie etwas geht: Sie schauen dann bei-
spielsweise Koch- oder Heimwerkervideos oder Tutorien für die Benutzung der neuesten Soft-
ware an. Kinder (und ihre Eltern) suchen ebenso immer häufiger gezielt – und bevorzugt – Vi-
deos, wenn sie etwas kompakt erklärt haben möchten. Es geht also
um eine gute, visualisierte Informationsaufbereitung zu einem be-
stimmten Themenfeld.
Lernvideos kommen auch im Präsenzunterricht zum Einsatz:
Zum Beispiel, wenn man etwas zeigen möchte, das nur schwer in
Worten und Bildern erklärbar ist. Auch ist ein Video immer eine Ab-
wechslung. Man kann damit etwas illustrieren oder auch eine Übung
dazu gestalten: Welche Krankheit hat der dargestellte Patient? Was sehen Sie in diesem Expe -
riment?
                           Weil man sich intensiv mit einem Lerngegenstand auseinander-
                           setzt, wenn man versucht ihn anderen zu erklären, werden Schüle-
                           rinnen und Schüler angehalten, Referate zu machen oder in ande-
                           ren Formen des kooperativen Lernens Lerninhalte zu vermitteln.
                           Die Erstellung eines Lernvideos, um etwas zu lernen, kann
                           eine aktuelle und reizvolle Alternative sein.
                           Natürlich werden Videos auch im Online-Unterricht eingesetzt,
um Lerninhalte adäquat zu unterrichten. Beispielsweise sind das sog. „Blended-Learning“-Sze-
narien, bei denen vor dem eigentlichen Präsenzunterricht Online-Videos die wichtigsten In-
halte einführen und vermitteln, um dann die Präsenzzeit gezielt für Fragen und Übungen nut-
zen zu können („inverted classroom“ oder „flipped classroom“).


                                             12
Videoarten
Es gibt unterschiedliche Formen von Lernvideos. Die wichtigsten Formen, die es derzeit im In-
ternet zu finden gibt, möchten wir hier kurz vorstellen.

Der Screencast (und Slidescasts)
Der Screencast ist eine Aufnahme des Geschehens am Bildschirm. Das Wortteil „screen“
kommt vom englischen „Bildschirm“, das „cast“ vom englischen „to broadcast“, also senden.
Screencasts werden häufig eingesetzt, wenn die Handhabung von Software erklärt werden soll:
Es geht am einfachsten, wenn man sehen kann, wie etwas genau bedient werden muss.
Die Screencast-Technik hat sich jedoch auch als eine häufig eingesetzte Methode für andere
Lernvideos durchgesetzt: Wird beispielsweise einfach aufgenommen, was man auf ein weißes
Papier am Bildschirm tippt oder wie man durch einen Powerpoint-Vortrag blättert und was
man dazu sagt, ist dies gleich eine simple und zweckdienliche Form des Lernvideos. Mit dieser
einfachen Methode kann auch die Aufzeichnung einer Live-Unterrichtsstunde erfolgen. Solche
„Slidecasts“ können übrigens auch webbasiert erstellt werden, dazu müssen die Vortragsfolien
sowie das Audiofile hochgeladen werden und kann dann im Web entsprechend geschnitten
werden (z.B. bei slideshare.com).
Bei den Tablet-Computern wird es noch ein wenig einfacher, wenn man auch gerne zeichnet
oder handschriftlich arbeitet: Hier kann mit den entsprechenden Apps einfach aufgenommen
und als Video veröffentlicht werden, was man mit Hilfe von Schrift, Zeichnung und Ton ver-
deutlichen möchte. Wie es mit dem iPad und der App „Explain Everything“ geht, zeigen wir
im letzten Abschnitts dieser Veröffentlichung.
Beispiele für einfach Screencasts sind die Mathe-Videos eines studenti-
schen Projekts an der TU Graz: http://mathe.tugraz.at/videos/
Kurzkritik: Toll, da einfach zu produzieren und perfekt, wenn es um Software geht.
Achtung: Wer zu langsam schreibt und malt, macht das Zusehen manchmal ermüdend.


                                              13
Das Legetechnik-Erklärvideo (nach Art von Common Craft)
Mit den Videos von „Common Craft“ wurde Anfang des Jahrtausends ein ganz neues Video-
format populär: Mit Hilfe von ausgeschnittenen Figuren und Abbildungen die zu kurzen Tex-
ten gelegt und verschoben werden, wurde beispielsweise erklärt, wie Wikis und andere Dinge
im „Social Web“ funktionieren (http://www.commoncraft.com/videolist).
Eine paar Ausschnitte eines Videos das (auch) mit dieser Technik gemacht wurde sieht man im
Folgenden. Es handelt sich dabei um den Trailer zum offenen Kurs zu offenen Bildungsres-
sourcen COER13, mit dem erklärt werden soll, was offene Bildungsressourcen eigentlich sind.




Der Link zum Video: http://youtu.be/72YstgfvVeI mehr zum Kurs: http://www.coer13.de
Kurzkritik: Prima, weil mit Kreativität tolle Effekte erreichbar sind, aber Achtung: ein Stativ
ist notwendig und das Ganze ist aufwändig.

Die Tafel- oder Whiteboardanschrift
Wem das Schreiben am Computer oder das Malen auf dem Tablet-Computer nicht liegt, ist
vielleicht mit einer Aufnahme von Tafelbild oder Whiteboardanschrift gut beraten. Man
nimmt dabei auf, was man da eben zeigt und malt: quasi Frontalunterricht mit Illustrationen.
Kurzkritik: Toll, da einfach; Achtung vor schlechter Beleuchtung, und dass Hand und Kör-
per nichts verdecken – ein Stativ ist außerdem meist notwendig. Zumeist ist eine Kamerafüh-
rung durch eine weitere Person nötig, da das Tafelbild sonst schlecht lesbar ist.


                                              14
Der Vortrag für die (Web-) Cam
Wer sich heute einen Laptop kauft, kommt vermutlich gar nicht darum herum, eine integrierte
Kamera zu besitzen. Aufnahmen von sich selbst, wie man beispielsweise vor der Webcam sit-
zend etwas erklärt, beispielsweise den Aufbau
von Goethes Faust oder den Charakter des
Mephisto: Das geht so ganz schnell.
Kurzkritik: Toll, da simpel zu produzieren,
vor allem wenn es um Dinge geht, die man gut
mit Sprache und durch Sprechen erklärt; Ach-
tung, weil die Person (ihr Aussehen etc.) im
Vordergrund steht und gesprochener Text
nicht immer alles ist.

Aufzeichnungen von Live-Vorträgen und Web-Konferenzen
Werden Live-Vorträge und Web-Konferenzen aufgenommen und als Lernvideos zur Verfü-
gung gestellt, sind in aller Regel auch Folien, zum Beispiel Powerpoint-Präsentationen, Teil des
Geschehens. Aufzeichnungen von Live-Vorträgen als Lernvideos werden in der Lehre u.a. zur
Wiederholung vom Stoff durch Studierende genutzt. Wenn (auch) live gestreamt, also über das
                                                              Web gesendet wird, ist es so auch
                                                              möglich, Vorträgen von anderen
                                                              Orten aus zuzuhören.
                                                            Kurzkritik: Toll, da sprachlich
                                                            oft dynamischer als Vorträge vor
                                                            der Kamera – allerdings ist eine
                                                            gute Aufnahme was für Profis;
                                                            Achtung vor zeit- und personenbe-
                                                            zogenen Aussagen!




                                               15
Weitere Techniken für Lernvideos …
Die vorgestellten Formen von Lernvideos werden sehr häufig mit einzelnen Techniken kombi-
niert. Einige davon, die häufiger und leicht eingesetzt werden können, skizzieren wir hier.
Trickfilm-Technik
Beim Trickfilm wird aus vielen einzelnen Fotos, beispielsweise von einem Teddybären in unter-
schiedlichen Positionen, ein Film gemacht. Jede/r kennt das vom Daumenkino: Wenn man 24
Bilder pro Sekunde betrachtet und die Bewegungsübergänge natürlich verlaufen, hat man den
Eindruck, der Teddybär bewegt sich selbst.
Insbesondere für Smartphones und Tablet-Computer gibt es Apps, die die Erstellung von sol-
chen Trickfilmen erleichtern (auf engl. „Stop Motion“). So werden dann z.B. in Lernvideos
Playmobil-Figuren eingesetzt, um den Stoffwechsel zu erläutern, oder andere Dinge in Bewe-
gung gesetzt. Da ist es dann auch nicht schlimm, wenn die Bewegungen ruckeln.




Zwei Beispiele: Ein Video zu L3T 2.0 (http://youtu.be/244PEtc5at8) sowie ein Erklärvideo
zum Persönlichen-Druck-Dienst von L3T, der „bildungsforschung“ sowie der ZFHE
(http://youtu.be/2DdFMOiQNt0)




                                             16
Trickfilmeffekte können auf ganz unterschiedliche Arten eingesetzt werden, beispielsweise
kann mit Hilfe eines Whiteboards einiges „gezaubert“ werden. Hier erscheinen auf einmal
Texte und verschwinden mit einer Handbewegung wieder. Solche kleinen, unterhaltsamen
Einlagen werden häufig mit auf Trickfilm-Technik basierenden Verfahren gelöst.




Mit Hilfe der Trickfilm-Technik können so z.B. mit zwei Fingern Grafiken „gezogen“ werden.
(http://youtu.be/kiEHS0lKH44)
Kurzkritik: Damit gelingen die kleinen, witzigen, unterhaltsamen „Extras“, Achtung: immer
auch aufwändig, trotz hilfreicher Apps für Tablet-Computer.

Zeitraffer-Technik
Während es mit herkömmlichen Videoausstattungen nicht möglich ist, Dinge zu filmen und zu
zeigen, die sehr schnell ablaufen, beispielsweise chemische Reaktionen, ist die Zeitraffer-Tech-
nik (engl. „time lapse“) auch für die Videoproduktion am Heim- oder Arbeitsplatz das gewähl-
te Verfahren, wenn Dinge gezeigt werden sollen, die ansonsten lange brauchen, beispielsweise
die Schneeschmelze, das Wachstum eines Baumes oder die Verpuppung einer Raupe.
Kurzkritik: Toll, wenn es passt, Achtung vor wechselnder Beleuchtung!




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Green-Screen-Technik
Bei der Green-Screen-Technik werden grüne Bestandteile des Bildes, in der Regel der grüne
Hintergrund, durch ein Foto oder ein anderes Video ersetzt. Beim Fernsehen wird häufig mit
der Farbe Blau gearbeitet, daher heisst die Technik auch Blue-Box-Technik. Die Wettervorher-
sagen werden so vor einer Blauwand aufgenommen, die in den Nachrichten durch die Wetter-
karten ersetzt wird. Green-Screen-Technik kann dann interessant sein, wenn man einen „Er-
klärer“ oder „Experten“ in eine Szenerie setzen will, in die er sonst kaum oder nur schwer
kommen könnte: Beispielsweise in den Orbit, in die Arktis oder in eine Ohrmuschel. Und ei-
gentlich ist die Green-Screen-Technik auch nicht mehr unbedingt etwas für Anfänger. Ver-
gleichsweise unkompliziert kann man sich mit Apps für Smartphones und Tablets daran wa-
gen, beispielsweise haben wir bei IZED2 mit Green Screen Mobile Effects (Einbinden von Fo-
tos) und Green Screen Movie FX Studio (Einbinden von Videos) gearbeitet. Neben den Apps
benötigt man auch: ein großes Stück gespannten, grünen Filz für den Hintergrund sowie eine
sehr gute Ausleuchtung (keine Schatten).




Kurzkritik: Toll für ausgewählte Settings und Themen, aber trotz Apps für Tablet-Compu-
ter: Achtung, ist aufwändig, auch werden eine grüne Filzwand und gute Beleuchtung benötigt.



                                             18
Ideen dazu, was
gute Lernvideos sind
Ein paar Hinweise aus Literatur und Forschung
Natürlich haben wir erst einmal versucht herauszufinden, was die entsprechende Literatur und
Forschung zur Erstellung und Gestaltung von Lernvideos empfiehlt. Überraschenderweise wa-
ren unsere Rechercheergebnisse eher übersichtlich.
Beispielsweise haben wir von dem Miterfinder der Legetechnik-Erklärvideos von Common
Craft ein Buch gefunden, in dem er beschreibt, was gute Erklärvideos bzw. eher, was gute Er-
klärungen sind (LeFever, 2012). Ihm zu Folge gilt: Eine gute Erklärung ist eine gute Geschichte.
Er würde beispielsweise nicht einen neuen Begriff definieren, sondern ihn in einer Geschichte
erklären. Für uns war interessant: Das dauert gar nicht unbedingt länger. Ein Beispiel für eine
– traditionelle – Definition:
„Offene Bildungsressourcen nennt man auch im deutschsprachigen Raum wie im englisch-
sprachigen Raum 'Open Educational Resources' oder kurz OER. Damit werden Lern- und
Lehrmaterialien bezeichnet, die so lizensiert wurden, dass sie frei verfügbar und einsetzbar
sind, im besten Falle sogar auch modifiziert wiederveröffentlicht werden dürfen.“
Die „Geschichte“ dazu lautet dann zum Beispiel:
„Die Trainerin Theresa sucht für ihren Sportclub Lernvideos, die sie im Unterricht einsetzen
darf. Sie recherchiert daher gezielt nach Videos die entsprechend lizensiert wurden, und deren
Nutzung erlaubt ist. Bei manchen Videos sind sogar Veränderungen erlaubt. Solche Materiali-
en heißen 'offene Bildungsressourcen' oder 'Open Educational Resources' bzw. kurz OER.“
Wir finden das einleuchtend und kannten Ähnliches unter der Überschrift „Storytelling“. Wie
man genau zu guten Erklärungen kommt, leitet LeFever (2012) in seinem Buch aber leider
kaum an.
In der Literatur zur (didaktischen) Gestaltung von Lernmaterialien werden Lernvideos kaum
dezidiert genannt, beispielsweise tauchen sie im „Studientext Didaktisches Design“ von Gabi
Reinmann (2012) auf. Hinweise aus ihrer Übersicht sind beispielsweise, dass die Videos hand-



                                              20
werklich gut gestaltet sein sollten und dass die Darstellung und Sprache den Sehgewohnheiten
der Zielgruppe angepasst ist.
In einem Lehrbuchkapitel zum Thema Educasting haben wir wiederum eine hilfreiche Liste
gefunden, welche Fragen bei der Drehbuch-Erstellung grundsätzlich geklärt sein sollten (Zorn,
Auwärter & Seehagen-Marx, 2011):
    •   Welche Zielgruppe möchte ich erreichen?
    •   Welche Lernziele sollen erreicht werden?
    •   Welches technische Educast-Format (zum Beispiel Audiocast, Screencast) soll zum Einsatz kom-
        men?
    •   Welche Ressourcen (technisch, personell) sind vorhanden?
    •   Wie kann ich das Informationsmaterial auf das Wesentliche eingrenzen, strukturieren?
    •   Wie gestalte ich die Lerninhalte?
    •   Wie sichere und fördere ich die Motivation (Rekapitulieren, Feedback)?

Wir waren mit diesen ersten Ergebnissen und Einsichten noch nicht zufrieden, aber es sollte ja
auch mit den Kindern gemeinsam erarbeitet werden, was gute Lernvideos ausmacht. Wir wa-
ren also gespannt auf unseren IZED2-Workshop.


                                 Reinmann, Gabi (2012). Studientext Didaktisches Design. München.
                                                        URL: http://lernen-unibw.de/studientexte

                                                      LeFever, Lee (2012). The Art of Explanation.
                                                                     New York: John Wiley & Sons.

                                    Zorn, Isabel; Auwärter, Andreas; Seehagen-Marx, Heike (2011).
                                 Educasting - Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden.
                                                         In: Martin Ebner & Sandra Schön (Hrsg.),
                                         Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T),
                                  URL: http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook/kapitel/o/id/20




                                                 21
Erarbeitung mit Kindern: Kriterien für gute Lernvideos
In einem zweistündigen Workshop – es war der fünfte Workshop im Projekt IZED2 – wollten
wir mit den 10- bis 12-jährigen Jugendlichen erarbeiten, was ein gutes Lernvideo ist. Nachdem
die Kinder schon Einführungen zu Screencast, Stimme, Kamera und Schnitt sowie Trickfilm
(Stop Motion) am iPad erhalten und etliche Lernvideos produziert hatten, war dies auch ein
guter Zeitpunkt.
Folgende Videos wurden vorher ausgewählt und gemeinsam mit den Kindern angeschaut: Sie
sind alle mal besser, mal weniger gut gelungen und abwechslungsreich. Auch konnten die Kin-
der jeweils einschätzen, ob die Inhalte überhaupt korrekt wiedergegeben wurden. Beim Moon-
walk für Anfänger haben wir natürlich gleich ausprobiert, ob wir mit der Anleitung klar kom -
men und haben mitgetanzt. Der QR-Code rechts führt zu einer Seite mit allen Links.
    •   Begriff “Mauer” (Fussball ABC) (0:22)
    •   Englisch für Kinder: Vegetables (Gemüse) (0:42)
    •   Wir lernen die Uhrzeit auf Englisch (4:56)
    •   Was ist das Abseits? (2:36)
    •   Moonwalk für Anfänger – Eberhard erklärt´s (2:50)
    •   Sendung mit der Maus: Sauerteigbrot backen mit Christoph (5:35)
    •   Test Your Awareness (1:09)
Gemeinsam wurde dazu auf einem Plakat gesammelt, was ein richtig schlechtes Lernvideo
ausmacht. Manchmal mussten dazu Aspekte ins Gegenteil formuliert werden, die ein gut ge-
lungenes Video ausmachten – und so wurden zahlreiche Aspekte gefunden.




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Das Ergebnis dieser Gruppenarbeit sah so aus:




Aus Sicht der Kinder machen unter anderem folgende Dinge ein schlechtes Lernvideo aus:
wenn langweilig erzählt wird, zu langsam, zu schnell, zu leise oder zu stottrig gesprochen wird,
wenn im Hintergrund Ablenkendes passiert, Begriffe nicht erklärt werden oder mit der Kame -
ra gewackelt wird. Da kommen ja ganz konkrete Dinge zusammen!


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Auch weil es nach all dem Wissen über gute Lernvideos auf einmal sehr schwierig erschien,
ein richtig gutes Lernvideo zu machen, waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein wenig
erleichtert, als die Aufgabe dann hieß: Wir machen nun Videos darüber, wie ein richtig
schlechtes Lernvideo aussieht. Alle nahmen sich einen oder mehrere Zettel aus der Sammlung
oder packten gleich mehrere Aspekte in ihre Videos. Es wurde zu langsam gesprochen, zu
schnell, mit viel zu vielen Fremdwörtern, mit Gummibärchen im Mund. Es wurde gestört, ge-
wackelt und unpassende Hintergründe verwendet. Und natürlich kam keiner auf die Idee zu
sagen, um was es in seinem Lernvideo überhaupt geht und alles Mögliche veranstaltet, um
vom eigentlichen Inhalt des Lernvideos abzulenken. Da musste dann auch ein Schaumkuss auf
die Nase, als die „Metamorphose“ erklärt wurde. Wir haben nach dem Workshop alles zusam-
mengeschnitten und heraus kam das Video zum „perfekten Lernvideo“.




                                      Direktlink zum Video: http://youtu.be/T0JUBbieiFY
Was ist nun ein gutes Lernvideo? – Die Teilnehmer/innen bemerkten zu Recht, dass sie nun
gut Stärken und Schwächen von anderen Videos erkennen, aber dass sie selbst noch nicht so
richtig wüssten, wie man es anpackt. Es ist sicher auch ein Lernprozess, ein Drehbuch so zu
entwerfen, dass ein wirklich gutes Lernvideo entsteht. Und wir „Großen“ sind von Perfektion
auch noch weit entfernt. :o)



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Jetzt aber richtig:
Das gute Lernvideo
Ein erster Entwurf
Die Zielsetzung
Warum planen Sie ein Lernvideo? Welches Ziel verfolgen Sie damit?
Diese Frage können Sie auf eine Reihe von weiteren Fragen herunterbre-
chen und mit den Antworten, die Sie sich selbst – oder auch Ihre Ziel-
gruppe Ihnen geben, sollten Sie schon ein Stückchen weiter sein.
    •    Was soll im Video gelernt werden können, was soll damit vermittelt werden?
    •    Warum ist ein Video hier die richtige Wahl (vielleicht gibt es ja eine viel weniger auf-
         wändige und passende Alternative)?
    •    Wer ist die Zielgruppe – genau? Welches Lernvideo ist warum für Sie geeignet? Wie
         lang soll das Video werden?
    •    Was sind Kernaussagen des Lernvideos, die ggf. auch wiederholt werden sollten oder
         auf unterschiedliche Arten erklärt werden müssen?

Inspirationen und Kopfkino
Was natürlich nicht verboten ist: Lassen Sie sich inspirieren! Stöbern Sie nach Lernvideos, die
andere schon in Ihrem Themenfeld gemacht haben. Was gefällt Ihnen? Was gefällt Ihnen
                                    nicht? Was können Sie technisch (bereits) realisieren?
                                    … und dann am besten noch: das Kopfkino einschalten.
                                    Manche machen das am liebsten für sich alleine, mit ge-
                                    schlossenen Augen auf einer Sommerwiese. Andere quat-
                                    schen dazu am liebsten mit einem Kumpel. Wie auch im-
                                    mer: Eine grobe Zielsetzung und ein Traum oder ein paar
                                    vage Ideen sind keine schlechten ersten Schritte auf dem
                                    Weg zum Drehbuch.



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Der Inhalt
Informative Geschichten erzählen
Klar geht es bei Lernvideos um Informationen, die müssen auch enthalten sein. Aber warum
nicht Informationen in eine gute Geschichte packen, in ein Abenteuer, eine Reportage, eine
persönliche Geschichte?

Passende und anschauliche Visualisierung
Der gesprochene Texte sollte in jedem Fall zu dem gezeigten Bild passen. Wer über die Höhe
des Eiffelturms spricht, sollte auf alle Fälle den Eiffelturm zeigen (und keinen Park in Paris).
Noch besser wäre es, wenn beispielsweise durch das Hineinzeichnen von gestapelten Einfamili-
enhäusern oder Fussballfeldern auf ein Foto des Eiffelturms gezeigt wird, wie hoch der Eiffel-
turm im Vergleich mit bekannten Größen ist.

Wenig Personenaufnahmen
Es ist manchmal schön zu sehen, wie Expertinnen oder Experten aussehen oder dass ein
gleichaltriges Kind etwas erklärt, woran man selbst noch knabbert. Natürlich ist es auch gut,
wenn einem vorgetanzt wird, wenn man erklärt bekommt, wie z.B. der Moonwalk geht. Perso-
nenaufnahmen sind auch interessant, wenn anhand der Geschichten von Personen etwas auf-
geklärt wird: Das beste Beispiel sind wohl die Sachgeschichten der „Sendung mit der Maus“,
bei der ein Reporter loszieht um etwas aufzuklären. In der Regel aber können Lerngegenstän -
de oder Probleme viel besser mit der Sache selbst oder passenden Darstellungsweisen erklärt
werden. Mit dem Titel unseres Projekts ausgedrückt ist nicht das „ich“ sondern das „es“ zu be -
tonen: „Ich zeig ES Dir“.




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Keine Ablenkung
Tanzt ein Bär im Hintergrund? Sieht man
Adventskerzen wenn man über Ostern
spricht? Sitzt die Krawatte des Sprechers
schief ? Das alles kann für unfreiwilliges La-
chen sorgen, vom Inhalt werden die Be-
trachter aber nicht mehr viel mitbekom-
men.




Unterhaltung darf dann auch sein
Unterhaltung darf dann doch sein: Ein Lernvideo sollte sich auf die Inhalte konzentrieren,
darf aber natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert haben. Geschichten-Erzählen ist
eine Variante, zu unterhalten. Auch ein Lernvideo darf einen „Spannungsbogen“ haben. Bei-
spielsweise kann ein Rätsel gelöst werden, eine Forschungsfrage geklärt oder etwas Unvorher-
gesehenes passieren.
Auch kreative und überraschende Gestaltungsformen können „nebenbei“ für Unterhaltung,
d.h. auch Aufmerksamkeit, sorgen. Die Common-Craft-Legetechnik-Videos oder auch die ge-
rade populären, professionellen Whiteboard-Technik-Videos sind hier Beispiele dafür. Die
Grenze zur Ablenkung ist dabei fließend.




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Das Drehbuch

Ja, ja, ja! Wir empfehlen ein Drehbuch!
Unbedingt aufschreiben, was man sagen und machen will!

Titel
Der Titel soll einfach, klar und unmissver-
ständlich sein – mit dem Titel wird vieles
assoziiert bzw. wird das Video oft so gefun-
den.

Einführung und Schluss
Hat man nach den ersten Sekunden ein
(passendes) Bild davon, was einem in dem
Video erwartet? Gibt es am Ende eine kur-
ze Zusammenfassung?

Länge
Das Video soll auch „nicht zu kurz und nicht zu lang“ sein. Für ein Lernvideo im Internet soll-
te es daher in der Regel etwa zwischen 2 und 5 Minuten lang sein. Aber das kommt natürlich
auch auf den Zweck und Inhalt des Videos an.

Textgestaltung
Gesprochenes und Geschriebenes sollte möglichst einfach und an die Zielgruppen angepasst
sein. Fremdwörter sollten beispielsweise bei Lernvideos für Kinder grundsätzlich vermieden
oder erklärt werden.

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Zeichnungen
Oftmals helfen Zeichnungen dabei, etwas einfacher oder schneller darstellen zu können, aber
auch hier gilt „so einfach wie möglich“. Auch sollte der Aufbau wohl überlegt werden – kann
der Zuhörer diesen nachvollziehen, ist alles Wesentliche beschriftet, stimmt die Farbwahl und
erkennt man das Objekt.

Wiederholung, Wiederholung
Kompliziertes darf gerne wiederholt werden – in veränderter Form oder in anderem Modus,
d.h. ein Fachbegriff kann definiert werden, anschließend an einem Beispiel erklärt werden und
ergänzend eingeblendet werden.

… und bitte fehlerfrei!
Auch bei den von uns präsentierten Lernvideos zeigte sich: Fehler passieren häufig. Ein fehler-
haftes Lernvideo sollte aber natürlich in jedem Fall vermieden werden. Einzige Ausnahme ist,
wenn Fehler das Programm selbst sind („Finde den Fehler“, „Lügengeschichten“).




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Quellen und Materialien
Abbildungen von Personen
Bei der Vorbereitung des Drehbuchs und Drehplans sollte klar sein: Videoaufnahmen von nie-
manden, der nicht ausdrücklich zugestimmt hat, dürfen im Internet veröffentlicht werden.
Eine (kleine) Ausnahme stellen Aufnahmen von öffentlichen Veranstaltungen dar, auf der viele
Personen gleichzeitig gezeigt werden. Das Gleiche gilt für Aufnahmen zum Beispiel für Denk-
mäler, bei denen Touristen abgebildet werden. Ein weitere Herausforderung ist, auf welche
Weise das Ergebnis im Internet veröffentlicht wird: Darf es weiterverwendet und neu gemixt
werden? Daran hat nicht jede/r Interesse und nicht jede/r stimmt zu! Vor den Aufnahmen
von anderen Personen gilt also: Selbst wissen, was mit den Aufnahmen passiert, wie und unter
welchen Bedingungen sie veröffentlicht werden sollen. Das klar kommunizieren und im besten
Falle das schriftliche Einverständnis, ggf. der Eltern, einholen.
Allgemein gilt: Das Persönlichkeitsrecht schreibt vor, dass, abgesehen von obigen Ausnahmen,
Aufnahmen von Personen jederzeit, auch nachträglich, gelöscht werden müssen.

Nutzung von fremden Materialien
Warum das Rad immer wieder neu erfinden? Ja, das ist eine richtige Überlegung und deshalb
ist es sinnvoll nach Materialien Ausschau zu halten, die einem selbst weiterhelfen.
Achtung: Das Urheberrecht im deutschsprachigen Europa schränkt die Verwendung von
Texten, Abbildungen oder anderen Videos stark ein. Es ist beispielsweise nicht erlaubt, in ei-
nem Lernvideo, das im Internet veröffentlicht wird, Abbildungen aus Lehr- und Schulbüchern
zu integrieren. Das gleiche gilt für Fotos, die man im Web gefunden hat oder Texte, die einem
gut gefallen. Auch eine korrekte Zitation ändert nichts daran, dass eine solche Nutzung
nicht zulässig ist! Anders als Beispielsweise das „große Zitationsrecht“ der Wissenschaft oder
ggf. geltende „Schrankenregelungen“ der Schulen, gilt Ähnliches nicht für allgemein zugängli-
che Lernvideos.


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Es gibt dennoch eine Reihe von Ressourcen, die genutzt werden können, allen voran die Wiki-
pedia oder Materialien aus entsprechend lizenzierten Projekten zu offenen Bildungsressourcen.
Für jemanden, der gut Englisch beherrscht, kann es auch hilfreich sein, entsprechend lizensier-
te englischsprachige Texte zu nehmen und zu übersetzen (und entsprechend auf die Quelle zu
verweisen).
Hilfreiche Unterstützung bei der Suche nach nutzbaren Quel-
len gibt es im OER Wiki (http://oer.tugraz.at) sowie aktuell
(aber auch nach Abschluss des Kurses) im offenen Kurs zu of-
fenen Bildungsressourcen COER13 (http://www.coer13.de).
Dabei ist zu beachten: In aller Regel muss der Urheber des
Textes bzw. die Quelle des Textes angegeben werden.
Achtung: Manche Anbieter von offenen
Ressourcen bestimmen, dass Nutzer der
Ressourcen weitere Materialien unter be-
stimmten Lizenzen (z.B. der Creative Com-
mons Lizenz BY SA) veröffentlichen müs-
sen, damit sie genutzt werden dürfen.

Texte
Wo gibt es Texte, die ich schon verwenden kann? – Allgemein gilt hier natürlich: Das kommt
darauf an. Erschwerend kommt hinzu, dass Texte, beispielsweise in der Wikipedia, in aller Re-
gel nicht so formuliert sind, dass sie ohne Überarbeitungen eingesprochen werden können.
Geeignete Texte, v.a. für Definitionen, finden sich jedoch häufig in der Wikipedia. Für den
Schulbereich ist das ZUM-Wiki eine gute Quelle. Weiteres findet sich in den oben vorgestellten
Ressourcen.




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Bilder
Am unproblematischsten ist es bei Illustrationen, wenn man sie selber macht. Mit dem Zeich-
nen hat es jedoch nicht jede/r. Dabei benötigt man nur sehr selten künstlerisches Talent für
eine gute Abbildung oder auch eine gute Tafelanschrift. Es gibt eine Reihe von Büchern die
                  sich z.B. mit Illustrationen für Seminare beschäftigten. Ganz einfache
                  Strichmännchen, die aber dennoch (halbwegs) professionell aussehen, ha-
                  ben wir links dargestellt.
                  Wenn Fotos benötigt werden, muss ebenso auf die Nutzungsbedingungen
                  geachtet werden. Bei der Fotodatenbank FlickR.com und auch bei den be-
                  kannten Suchmaschinen gibt es Suchoptionen, die das Suchen nach ent-
                  sprechend lizenzierten Fotos erlauben. Einfach mal ausprobieren!

Musik
Hintergrundmusik bei Lernvideos ist Geschmackssache. Das
heißt, sie ist mit Vorsicht zu genießen: Manche Hörende
bzw. Lernende reagieren regelrecht aggressiv auf das Her-
umgedudel im Hintergrund. Lernen ist so nicht sinnvoll
möglich. Oft passt ein kurzes Musikstück zu Beginn oder am
Ende oder sorgt auch, wie im Kinofilm, für eine passende
Stimmung. Einfach das Lieblingslied hinzuzufügen ist jedoch
– wir wiederholen uns – verboten. Wie und wo man an freie
Musik kommt, die man für Lernvideos, die im Web veröf-
fentlicht werden dürfen, kann man zum Beispiel auf einer Projektseite der TU Graz nachlesen
(http://oermusic.tugraz.at/).
Eine umfangreiche Sammlung von möglichen Quellen findet sich auch im Mediepädogogik
Praxisblog (http://www.medienpaedagogik-praxis.de/kostenlose-medien/freie-musik/).




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Videos
Videos müssen nicht unbedingt völlig neu gemacht werden. Es gibt zahlreiche Videos im Netz,
die zur Wiederveröffentlichung und Bearbeitung zugelassen sind. Bei YouTube lässt sich bei-
spielsweise die Suche entsprechend einstellen. Beispielsweise können so Sequenzen aus ande-
ren Videos genutzt werden oder komplette Videos neu vertont (z.B. übersetzt werden). Das ist
besonders dann attraktiv, wenn man zu dem Videomaterial selbst nur schwer gelangt, weil es
z.B. Aufnahmen von seltenen Vorgängen sind oder aufwändige Illustrationen. Das Herunterla-
den von Videos auf den Webplattformen und der Schnitt am Computer ist dabei nur eine
Möglichkeit. Die Videos lassen sich auch direkt mit Hilfe einer Webanwendung bei Youtube
neu mixen. Etwas komfortabler erscheint uns die Anwendung „PopcornMaker“ von Mozilla
(https://popcorn.webmaker.org/).




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Technik und Gestaltung
Videoqualität
Für das Internet muss es nicht unbedingt High-Definition- (HD-) und Hollywood-Qualität ha-
ben, aber es muss dringend auch im „Kleinformat“ das Wichtigste erkenn- und lesbar sein.
Wackeln, schlechte Beleuchtung, blöde Schnitte – solche Dinge sollten vermieden werden, weil
sie beim Betrachten ablenken und damit das Lernen stören können.
Tipp: Das Video so planen, dass es auch im kleinen Einbettungs- bzw. Vorschau-Modus
„funktioniert“, d.h dass man möglichst auch dort alles verstehen und auch lesen kann, was
wichtig ist.

Produktionsmittel
Es gibt heute zahlreiche Kameras und Aufnahmemöglichkeiten für digitale Videos: Laptops
mit integrierter Kamera, das Mobiltelefon mit Kamera, die Digitalkamera selbst oder ein Ta-
blet Computer. Oft erfolgt der Schnitt der Videoaufnahmen und weitere Aufbereitungen mit
Anwendungen am Computer, ist aber auch mit Webanwendungen möglich.
Im und mit dem Projekt IZED2 (http://ized2.wordpress.com) haben wir gezeigt, dass das iPad
derzeit eine vergleichsweise günstige Möglichkeit als Allrounder für die Videoerstellung ist. Mit
zwei Kameras ausgerüstet lässt sich das iPad mit einigen Apps zu einem vielseitige Arbeitsgerät
ausstatten: Kamera, Schnitt, Effekte, Veröffentlichung: Mehr braucht es gar nicht. Erstaunen
rufen insbesondere die Stop-Motion-Anwendungen (für das vergleichs-
weise einfache Erstellen von Trickfilmen) sowie die Green-Box-Apps her-
vor. Wer hiermit z.B. vor einer grünen Filzwand Aufnahmen macht,
kann das grün im Hintergrund durch andere Videos austauschen. Wir
vermuten, dass all das, was gerade am iPad geht, bereits jetzt oder über
kurz oder lang auch für andere Tablet-Computer und Smartphones zur
Verfügung steht.


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Geschriebenes und Gesprochenes
Geschriebenes sollte lesbar sein und Gesprochenes verständlich.
Gesprochenes sollte nicht vorgelesen wirken: Einfach mal im Probedurchlauf den geplanten
Text laut vorlesen: Man stolpert schnell über die Stellen, die man zwar gut lesen könnte, aber
nur schwer vorlesen kann – ohne dass es kompliziert, lang und schwierig wird. Dialekt ist na -
türlich eine Sache: Manch einer ist überrascht, wer alles das Lernvideo eigentlich gerne nutzen
würde aber dann einfach nicht den gesprochenen Ausführungen folgen kann. Für uns selber
gilt die Regel: Langsam sprechen! Bei Euch heißt sie vielleicht: Laut sprechen! Deutlich reden!
Pausen machen! Zum Publikum und nicht zur Tafel reden! Einfach mal aufnehmen und ande-
re um Feedback bitten.
Nicht vergessen: Vor dem Sprechen Stimme aufwärmen. Wer schon mal ein Rhetorik-Trai-
ning gemacht hat, kennt den Tipp: Auf den Daumen beißen und versuchen, einen Zungen-
brecher laut und deutlich zu artikulieren. Klingt dämlich, hilft aber wirklich und Profis beim
Radio lockern sich so – oder ähnlich – regelmäßig die Stimme!
Tipp: Wenn man oft bei Hintergrundgeräuschen
oder in einem Raum aufnehmen muss, der hallt,
empfiehlt sich das Basteln einer kleinen „Sprecher-
box“: Eine Schachtel in Größe eines Schuhkartons,
ausgekleidet mit Noppenschaumstoff (Verpackungs-
material). Dort hinein wird das Aufnahmegerät (z.B.
Mobiltelefon) gelegt und hineingesprochen. Die
schnelle, allerdings auch bald unangenehme Variante
– sie klingt kuschliger als sie ist – ist eine Wolldecke
über dem Kopf.




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Kamera und Schnitt
Für den Anfänger ist wichtig: Von wo und mit welchem Ausschnitt eine Person aufgenommen
wird, beeinflusst die Wahrnehmung von ihr. Wird beispielsweise jemand „von oben“ aufge-
nommen, führt das dazu, dass er „hinaufblicken muss“: Er/Sie wirkt kleiner, manchmal auch
„dümmer“ oder „kleinlaut“. Umgekehrt wirkt jemand, den man „von unten“ aufnimmt, auch
größer, „von oben herab“ und aufgeblasen. Also am besten: Auf Augenhöhe aufnehmen. Auch
auf den Lichteinfall sollte man achten. Wer nicht gerade einen Gruselfilm dreht – was bei ei-
nem Lernvideo kaum der Fall sein sollte – sollte auf keinen Fall von unten beleuchten. Im
Theater wird so eine Beleuchtung gezielt für den Bösewicht eingesetzt.
Welche Kameraeinstellung gewählt wird, sollte eher vom Zweck und Inhalt des Videos abhän-
gig sein als von dramaturgischen Einfällen. Aber klar: Möglichkeiten gibt es viele.




Auch gilt es, möglichst auf Zooms oder Schwenke mit der Kamera zu verzichten! Das bedeu-
tet: Möglichst mit einem Stativ arbeiten oder sonst für einen ruhigen Halt sorgen (z.B. beim
Filmen Anlehnen, Arme abstützen). Bei Interviewsituationen ist auch ein Schwenk zwischen
den Gesprächspartnern zu vermeiden. Lieber erst die Szene mit dem Fragesteller aufnehmen
und dann (ohne Schwenk) eine Szene mit dem Interviewten. Das Hin-und-Her sorgt auch da-
für, dass die Antworten präziser sind.
Für Effekte beim Schneiden gilt das Gleiche wie für Powerpoint-Folien vor 10 Jahren: Es ist
verlockend, die unterschiedlichen Übergänge und Effekte auszuprobieren, aber weniger ist
hier mehr. In der Regel sollte im ganzen Video der gleiche Übergang gewählt werden und Ef-
fekte nur gezielt eingesetzt werden. Statt einem Zeitraffer können z.B. längere Verwisch-Über-
gänge andeuten, dass Zeit vergangen ist.


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Hilfsmittel: Beleuchtung und Stativ
Für ein gutes Video braucht es u.a. eine gute, gleichmäßige Beleuchtung. Um die zu gewähr-
leisten, heißt das dann leider oft auch: Vorhang zu, Licht an. Gute Vorbereitung macht hier
vieles aus, eine Sammlung von Lampen zum Ausleuchten ist hilfreich und eine Investition in
ein Stativ lohnt sich schnell.

Visualisierungen
Einmal abgesehen davon, dass es je nach Videoart und -technik prinzipiell unterschiedliche Vi-
sualisierungsmöglichkeiten gibt, gelten folgende allgemeine Hinweise:
Visualisierungen sollten einfach sein (wenn man sie selbst zeichnet) und eindeutig. Wenn uns
eine Idee fehlt, wie ein bestimmter Sachverhalt, beispielsweise „Internationalität“ oder „Mobi-
lität“ gut visuell dargestellt werden kann, nutzen wir Suchmaschinen: Wir geben den Begriff
ein, wählen bei Optionen den Typ „Bild“ und lassen uns dann von
den Treffern inspirieren. Etwas das häufig gefunden wird, sollte eine
„typische“ und damit verständliche Visualisierung sein. Und wir
wählen natürlich etwas, das man leicht selber zeichnen kann. Links
ein Beispiel für „Internationalität“.
Werden unterschiedliche Farben eingesetzt – gleiches gilt für Mate-
rialien oder Gegenstände – die für einen gewissen Sachverhalt, einen
Vorgang oder Ähnliches stehen, sollte unbedingt darauf geachtet
werden, dass dabei Konsistenz herrscht. Ist eine kritische Anmerkung in rot geschrieben, sollte
die nächste Kritik auch in rot geschrieben werden usw.




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Das Drumherum
Der richtige Ort im Web fürs Video
YouTube ist die bekannteste und größte Videoplattform im Internet, auf der man auch Lern-
videos veröffentlichen kann. Youtube hat bei seiner Gründung davon profitiert, dass es den
Leuten gefallen hat, dass man die Videos leicht auf anderen Seiten, z.B. im eigenen Weblog
einbetten kann. Heute können das auch andere Videoplattformen, beispielsweise Vimeo.com.
Auch ist der Speicherplatz für (kurze) Lernvideos nicht mehr das ganz große Problem: Wer
beispielsweise einen kostenfreien Weblog bei Wordpress hat, kann hier auch etliche Videos
hochladen.
Da Lernvideos so unterschiedliche Gegenstände, wie es Themen- und Fragestellungen auf der
Welt gibt, zum Thema haben können, ist es schwierig, allgemeine Empfehlungen zu geben:
Am besten sind Videos dort aufgehoben, wo sie von potentiellen Nutzer/innen auch gefunden
werden können. Das können auch einschlägige kleinere Video-Portale sein. Ergänzend sollten
die Videos auch dort eingebettet und verknüpft werden, wo Lernende (oder Lehrende) allge-
mein nach Lernmaterialien zum Gegenstand suchen.

Videobeschreibung
Geht aus der Beschreibung des Videos (z.B. Titel und Beschreibung bei Youtube) klar hervor
um was es geht, was erklärt, gezeigt oder gelehrt werden soll? Sind die richtigen, wichtigen
Schlagworte (Tags) angeführt? Wird beschrieben, an wen sich das Video richtet? Ist auch klar,
wer er zur Verfügung stellt? Gerade bei längeren Aufnahmen, z.B. von Vorlesungen sind An-
notationen notwendig, um die Videos gut durchsuchbar zu machen. Auch sollte bei der Video-
beschreibung auf den Kontext bzw. weitere Materialien verwiesen werden. Beispielsweise emp-
fiehlt Prof. Dr. Jörn Loviscach begleitend zu Vorlesungsaufzeichnungen „Lückentexte“ anzu-
bieten, die eine konzentrierte Mitarbeit unterstützen sollen.




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Die richtige Lizenz
Ein Lernvideo sollte nicht nur „einfach so“ oder sogar mit einem dicken © versehen im Web
veröffentlicht werden,, wenn man will, dass es von anderen genutzt wird. So ist nämlich unklar,
wie der Urheber folgende Fragen beantwortet: Darf ich es beispielsweise überhaupt im Unter-
richt vorführen oder in meinem Online-Kurs einbetten? Darf ich es herunterladen und offline
präsentieren? Haben die Urheber vielleicht sogar das Interesse, dass ihr Video von anderen
auch modifiziert und wiederveröffentlicht werden kann? – Wenn Sie ein Video ins Web stellen,
bedeutet dies nicht, dass es ohne weiteres für die Lehre oder den Unterricht genutzt werden
darf. Eine entsprechende Lizenzierung ist also wichtig, damit potentielle Nutzer/innen genau
wissen, was sie tun dürfen, ohne persönlich um Erlaubnis fragen zu müssen.
Bekannt und verbreitet sind dabei die Lizenzen von Creative Commons. Sechs unterschiedli-
che Varianten gibt es dabei. Die Lizenz mit der Nutzer/innen am meisten mit dem Video ma-
chen können – modifizieren, wiederveröffentlichen, auch zu kommerziellen Zwecken – ist die
„BY“ Lizenz, im Folgenden an erster Stelle aufgeführt: Wichtig ist hier nur, dass der Urheber
genannt wird.

                  Namensnennung

                  Namensnennung-KeineBearbeitung

                  Namensnennung-NichtKommerziell

                  Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung

                  Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedin-
                  gungen

                  Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Auf den Webseiten von Creative Commons gibt es übersichtliche Darstellungen und Hilfen
dazu (http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/).

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Das erste
Lernvideo mit
  dem iPad
Wir empfehlen zum Start einen Screencast
Bei anderen Ausrüstungen – beispielsweise Digitalkamera und PC – sind vielleicht andere
Techniken und Vorgehensweisen für das erste Lernvideo empfehlenswert. Weil die Videoarbeit
mit iPads bzw. Tablet-Computern noch Neuland ist, stellen wir abschließend ausführlich vor,
wie wir mit Kindern und Erwachsenen in Workshops innerhalb von 30 Minuten zu befriedi-
genden Lernvideos kommen. Benötigt wird dabei nur ein vorbereitetes Drehbuch und ggf.
Präsentationen sowie ein iPad.
Alle, die selbst erste Versuche mit der Videoerstellung am Tablet-Computer machen oder die
dies gemeinsam mit Kindern ausprobieren wollen, empfehlen wir, es mit einer Screen-
cast-App zu starten. Aufbau und Funktionen sind leicht erklärt und die Ergebnisse befriedi-
gend – sie machen Lust auf mehr!

Screencast mit „Explain Everything“
Mit „Explain Everything“ kann nicht nur ein Film von einer x-beliebigen Aktion am iPad ge -
macht werden, sondern es können Texte, Zeichnungen und Ton in der App aufgenommen
werden. Es wird alles gespeichert und aufgenommen, was man sagt bzw. auf den leeren Seiten
schreibt oder malt. Was die App besonders attraktiv aus Lernvideo-Einsteiger-Sicht macht, ist,
dass „seitenweise“ aufgenommen wird und Aufnahmen auch immer wieder neu gemacht oder
erweitert werden können. Man schreibt beispielsweise auf der ersten Seite den Titel des Lern-
videos und sagt dazu, um was es geht. Auf den weiteren Seiten schreibt, malt und spricht man
über den Lerninhalt. Auch die Reihenfolge der „Seiten“ inkl. der damit verbundenen Videos
(oder Audios, wenn man nur z.B. spricht) lässt sich nachträglich verändern. Besonders „schick“
ist, dass man nicht auf leeren weißen Seiten arbeiten muss, sondern auch eine Präsentation
(PDF, Powerpoint oder Keynote) verwenden kann. Beispielsweise eine PDF-Datei mit einer Ti-
tel- und einer Abspannseite. Nutzt man eine solche Vorlage, schaut das Ergebnis schnell recht
professionell aus. Es klingt hier geschrieben mit Sicherheit komplizierter und weniger eingän-
gig, als es ist. Einfach mal das Video dazu anschauen: http://youtu.be/I4JOsrEsyo0



                                              42
Im Workshop oder allein: Das erste Lernvideo als Screencast
Im Workshop selbst haben wir wie folgt gearbeitet: An einem iPad, das an einem Beamer an-
geschlossen ist, so dass alle gut nachvollziehen konnten, was gerade passiert, wird gemeinsam
ein kurzes Lernvideo aufgenommen. Damit das Ganze auch „schick“ wird, haben wir mit ei-
ner Vorlage gearbeitet, die für den Vor- und Abspann das Logo des Projekts und Hinweise
zum Projekt und zur Lizenz enthält. Die Materialien können natürlich auch für das erste eige-
ne Testprojekt verwendet werden:
    •   Die Vorlage fürs Video: (Vor- und Abspann):
        http://ized2.files.wordpress.com/2012/12/vorlage_screencast.pdf
    •   Zum PDF des Drehbuchs:
        http://ized2.files.wordpress.com/2012/12/drehbuch_screencast.pdf

Das Ergebnis: Ein Screencast zum „Screencast“.
Das Video sollte dann beispielsweise folgende Szenen haben.




Das Video findet sich hier: http://youtu.be/x-whx_63iOM




                                             43
Mehr zur App „Explain Everything“
Das Angebot von Apps unterliegt ja einem schnellen Wandel, und vermutlich gibt es eh bald
bessere oder auch vergleichbare Produkte. Der Vollständigkeitshalber aber noch ein paar kurze
Hinweise zu den aktuellen Stärken und Schwächen der App „Explain Everything“ und weitere
Nutzungsmöglichkeiten:
Für den skizzierten Einsatz ist die App optimal: Man konzentriert sich bei der Erstellung des
Lernvideos auf die Inhalte, ggf. Zeichnung, Schrift und Sprache (aber zum Beispiel nicht dar-
auf, wie man selbst oder andere im Video aussehen). Auch ohne erste oder weitere Schnitt-
kenntnisse oder Kameraerfahrung kann man schnell herzeigbare Lernvideos produzieren.
Bei kürzen Vorträgen ist die App derzeit erste Wahl, um einen Mitschnitt des Vortrags anzu-
fertigen: Man kann sogar in die vorbereiteten Folien hineinzoomen, etwas markieren, malen,
etc. Das Exportieren und Umwandeln der Datei wird aber immer aufwändiger, je länger der
Vortrag ist – ab etwa einer halben Stunde kann es dann mühselig werden.
Die Zeichnungen selbst sind (natürlich) pixelig, auch arbeitet die App offensichtlich mit Ebe-
nen, ohne dass man explizit damit hantieren kann. Wer zum Beispiel immer wieder an einer
Zeichnung weiterarbeitet und neue Dinge ergänzt, wird sich tierisch ärgern.
Zu guter Letzt: Mehr zur App und ein Tutorial hier: http://www.explaineverything.com/. Die
App kostet derzeit 2,69€.




                                              44
Zu den Autoren:

                  Dr. Sandra Schön ist Erziehungswissenschaftlerin und forscht bei
                  der Salzburg Research Forschungsgesellschaft zum Lernen und Arbei-
                  ten mit dem Web. Nachdem sie für unterschiedliche Projekte Webvi-
                  deos produzierte, leitete sie nun beim BIMS e.V. das Projekt „Ich zeig
                  es Dir – HOCH 2“, bei dem Kinder mit iPads Lernvideos gestalten
                  (http://ized2.wordpress.com).
                  Mehr hier: http://sandra-schoen.de (sandra.schoen@l3t.eu)

                  Univ.-Doz. Dr. Martin Ebner leitet die Abteilung Vernetztes Ler-
                  nen an der Technischen Universität Graz, forscht und lehrt als Me-
                  dieninformatiker am Institut für Informationssysteme Computer Me-
                  dien rund um technologiegestütztes Lernen, u.a. zu E-Lectures, und
                  kooperiert bei vielen OER-Projekten mit dem BIMS e.V. Bei IZED2
                  war er verantwortlich für die Begleitforschung und leitete den Work-
                  shop „Gute Lernvideos“ (martin.ebner@l3t.eu).




                                                        Über Rückmeldungen freuen wir uns!




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Einladung
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Gute Lernvideos ... so gelingen Web-Videos zum Lernen!

  • 1. 1
  • 2. Schön, Sandra & Ebner, Martin (2013). Gute Lernvideos … so gelingen Web-Videos zum Lernen! Online zugänglich unter: http://bimsev.de/ Anmerkung: Teile des Textes wurden bereits als Gastautorenbeiträge im Medienpädagogik Praxisblog (http://www.medienpaedagogik- praxis.de/) veröffentlicht. Dieses Buch ist im Buchhandel gedruckt erhältlich: ISBN 9783732233168 Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt Kaufpreis: 17,90 € Mit dem Kauf des Buchs unterstützen Sie die Tätigkeiten des BIMS e.V.! Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Der BIMS e.V. (Bad Reichenhall) ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein, der sich durch zahlreiche Bildungsinitiativen und -innovatio- nen auszeichnet, u.a. durch zahlreiche Unternehmungen die den frei- en Zugang zu Information und Lernmaterialien unterstützen. (http://bimsev.de ). 2
  • 3. Inhaltsverzeichnis Hier geht’s um..............................................................................................................................5 … Lernvideos fürs Web..........................................................................................................6 Hintergrund................................................................................................................................. 7 Das Projekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“..............................................................................8 Positives Feedback.................................................................................................................. 9 Einsatzformen und Arten von Lernvideos................................................................................. 11 Einsatz von Lernvideos........................................................................................................ 12 Videoarten............................................................................................................................13 Ideen dazu, was gute Lernvideos sind....................................................................................... 19 Ein paar Hinweise aus Literatur und Forschung..................................................................20 Erarbeitung mit Kindern: Kriterien für gute Lernvideos.................................................... 22 Jetzt aber richtig: Das gute Lernvideo....................................................................................... 25 Ein erster Entwurf................................................................................................................ 26 Der Inhalt.............................................................................................................................27 Das Drehbuch...................................................................................................................... 29 Quellen und Materialien...................................................................................................... 31 Technik und Gestaltung....................................................................................................... 35 Das Drumherum.................................................................................................................. 39 Das erste Lernvideo mit dem iPad.............................................................................................41 Wir empfehlen zum Start einen Screencast......................................................................... 42 Im Workshop oder allein: Das erste Lernvideo als Screencast.............................................43 Mehr zur App „Explain Everything“...................................................................................44 3
  • 4. 4
  • 6. … Lernvideos fürs Web Videos zum Lernen haben viele Vorteile: Man kann etwas zeigen, was sonst nur schwer in Worte zu fassen ist, beispielsweise wie man den Moonwalk, Gangnam Style oder argentini- schen Tango tanzt. Auch lassen sich Dinge präsentieren, die sonst nur schwer zu sehen sind: Mikroskopaufnahmen, seltene Tiere oder einmalige (teure) Vorgänge wie z.B. Experimente. Es gibt aber eventuell auch ganz andere Gründe: Lernvideos sind auch geeignet, wenn man sich schwer mit dem Lesen oder Hören tut oder wenn man verhindert ist eine Vorlesung zu besu- chen. In den letzten Jahren hat sich das Word Wide Web vom passiven Medium zu einem durch die Benutzer gestaltbaren gewandelt. Dieses Mitmachweb sorgt dafür, dass es vergleichsweise leicht ist, eigene Inhalte oder Medien im Web zu veröffentlichen. Die immer günstiger werden- de Ausrüstung und die Tatsache, dass Smartphones, Notebooks und auch Tablet-Computer über Kameras verfügen, macht die Videoerstellung für das Web immer einfacher – auch für Laien. (Lern-)Videos im Web sind nicht nur gut erreichbar und verteilbar (man verschickt ein- fach die URL zum Video) sondern zudem auch in Webseiten und Weblogs integrierbar. Sie sind auch immer wieder aufrufbar, wenn man etwas oftmals anschauen will. Die Nachfrage nach „Lernvideos“ scheint zuzu- nehmen, zumindest wenn man den Service von Google Insights for Search verwendet und nach „Lernvideos“ in „Deutschland“ recherchiert. Seit 2006 steigt – relativ gesehen – das Suchvolumen an. Die Abbildung schaut in etwa so aus wie die Skizze links. Link zur Original-Darstellung bei Google Insights for Search: http://www.google.de/trends/explore#q=lernvideos&geo=DE&cmpt=q Das – und viele weitere – sind wohl gute Gründe dafür, sich zu interessieren, wie man (gute) Lernvideos fürs Web produziert! 6
  • 8. Das Projekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“ Film, Schnitt und Veröffentlichung von kurzen (Lern-) Videos ist mit Tablet-Computern wesentlich einfacher als mit herkömmli- chen Ausrüstungen bei akzeptabler Qualität. Im medienpädago- gischen Praxisprojekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“ (kurz IZE- D2), bei dem 9- bis 12-Jährige Lernvideos mit iPads produzier- ten, ging es nicht nur um Videotechniken wie Trickfilm und Greenbox, sondern auch um die einfache Frage: Was ist eigent- lich ein gutes Lernvideo? Das Projekt wurde von Oktober 2012 bis März 2013 vom BIMS e.V. in Bad Reichenhall durchgeführt und ist u.a. im Weblog zum Projekt ausführlich doku- mentiert (http://ized2.wordpress.com). IZED2 wurde (teil-)finanziert von peer 3, einem Projekt des JFF – Institut für Me- dienpädagogik in Forschung und Praxis in Zusammenarbeit mit Dialog Internet, gefördert vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Kooperationspartner von IZED2 waren das Haus der Jugend in Bad Reichenhall sowie die Technische Universität Graz (wissenschaftliche Begleitforschung). An dieser Stelle unser Dank an die IZED2-Experten Gerald Geier, Thorsten Jost, Werner Mo- ser und Martin Schön, an unsere peer3-Betreuerinnen Kerstin Heinemann und Gisela Schu- bert vom JFF, an Jennifer Frey für's Lektorat und natürlich ganz besonders an die IZED2-Kids: Anna, Elisa, Klara, Magda, Leopold, Sonja, Tim, Urban und Zofia! 8
  • 9. Positives Feedback Dieses Booklet baut auf IZED2 auf, war aber nicht geplant, sondern ist von außen angeregt worden: Wir selbst sind keine Profis, haben aber (trotzdem) immer wieder gehört, dass unsere (Lern-) Videos unterhaltsam und auch lustig wären – und wurden gefragt wie das ginge bzw. ob wir auch weiterverbreiten könnten, wie es geht. Wir dachten uns: Wow, da scheint Bedarf zu sein! Für alle, die Interesse am Thema „Lernvi - deo“ haben: Hier nun alles, was uns wichtig und mitteilenswert ist. 9
  • 10. 10
  • 11. Einsatzformen und Arten von Lernvideos
  • 12. Einsatz von Lernvideos Lernvideos aus dem Internet werden auf ganz unterschiedliche Weise eingesetzt. Viele stoßen auf sie, wenn sie schnell wissen wollen, wie etwas geht: Sie schauen dann bei- spielsweise Koch- oder Heimwerkervideos oder Tutorien für die Benutzung der neuesten Soft- ware an. Kinder (und ihre Eltern) suchen ebenso immer häufiger gezielt – und bevorzugt – Vi- deos, wenn sie etwas kompakt erklärt haben möchten. Es geht also um eine gute, visualisierte Informationsaufbereitung zu einem be- stimmten Themenfeld. Lernvideos kommen auch im Präsenzunterricht zum Einsatz: Zum Beispiel, wenn man etwas zeigen möchte, das nur schwer in Worten und Bildern erklärbar ist. Auch ist ein Video immer eine Ab- wechslung. Man kann damit etwas illustrieren oder auch eine Übung dazu gestalten: Welche Krankheit hat der dargestellte Patient? Was sehen Sie in diesem Expe - riment? Weil man sich intensiv mit einem Lerngegenstand auseinander- setzt, wenn man versucht ihn anderen zu erklären, werden Schüle- rinnen und Schüler angehalten, Referate zu machen oder in ande- ren Formen des kooperativen Lernens Lerninhalte zu vermitteln. Die Erstellung eines Lernvideos, um etwas zu lernen, kann eine aktuelle und reizvolle Alternative sein. Natürlich werden Videos auch im Online-Unterricht eingesetzt, um Lerninhalte adäquat zu unterrichten. Beispielsweise sind das sog. „Blended-Learning“-Sze- narien, bei denen vor dem eigentlichen Präsenzunterricht Online-Videos die wichtigsten In- halte einführen und vermitteln, um dann die Präsenzzeit gezielt für Fragen und Übungen nut- zen zu können („inverted classroom“ oder „flipped classroom“). 12
  • 13. Videoarten Es gibt unterschiedliche Formen von Lernvideos. Die wichtigsten Formen, die es derzeit im In- ternet zu finden gibt, möchten wir hier kurz vorstellen. Der Screencast (und Slidescasts) Der Screencast ist eine Aufnahme des Geschehens am Bildschirm. Das Wortteil „screen“ kommt vom englischen „Bildschirm“, das „cast“ vom englischen „to broadcast“, also senden. Screencasts werden häufig eingesetzt, wenn die Handhabung von Software erklärt werden soll: Es geht am einfachsten, wenn man sehen kann, wie etwas genau bedient werden muss. Die Screencast-Technik hat sich jedoch auch als eine häufig eingesetzte Methode für andere Lernvideos durchgesetzt: Wird beispielsweise einfach aufgenommen, was man auf ein weißes Papier am Bildschirm tippt oder wie man durch einen Powerpoint-Vortrag blättert und was man dazu sagt, ist dies gleich eine simple und zweckdienliche Form des Lernvideos. Mit dieser einfachen Methode kann auch die Aufzeichnung einer Live-Unterrichtsstunde erfolgen. Solche „Slidecasts“ können übrigens auch webbasiert erstellt werden, dazu müssen die Vortragsfolien sowie das Audiofile hochgeladen werden und kann dann im Web entsprechend geschnitten werden (z.B. bei slideshare.com). Bei den Tablet-Computern wird es noch ein wenig einfacher, wenn man auch gerne zeichnet oder handschriftlich arbeitet: Hier kann mit den entsprechenden Apps einfach aufgenommen und als Video veröffentlicht werden, was man mit Hilfe von Schrift, Zeichnung und Ton ver- deutlichen möchte. Wie es mit dem iPad und der App „Explain Everything“ geht, zeigen wir im letzten Abschnitts dieser Veröffentlichung. Beispiele für einfach Screencasts sind die Mathe-Videos eines studenti- schen Projekts an der TU Graz: http://mathe.tugraz.at/videos/ Kurzkritik: Toll, da einfach zu produzieren und perfekt, wenn es um Software geht. Achtung: Wer zu langsam schreibt und malt, macht das Zusehen manchmal ermüdend. 13
  • 14. Das Legetechnik-Erklärvideo (nach Art von Common Craft) Mit den Videos von „Common Craft“ wurde Anfang des Jahrtausends ein ganz neues Video- format populär: Mit Hilfe von ausgeschnittenen Figuren und Abbildungen die zu kurzen Tex- ten gelegt und verschoben werden, wurde beispielsweise erklärt, wie Wikis und andere Dinge im „Social Web“ funktionieren (http://www.commoncraft.com/videolist). Eine paar Ausschnitte eines Videos das (auch) mit dieser Technik gemacht wurde sieht man im Folgenden. Es handelt sich dabei um den Trailer zum offenen Kurs zu offenen Bildungsres- sourcen COER13, mit dem erklärt werden soll, was offene Bildungsressourcen eigentlich sind. Der Link zum Video: http://youtu.be/72YstgfvVeI mehr zum Kurs: http://www.coer13.de Kurzkritik: Prima, weil mit Kreativität tolle Effekte erreichbar sind, aber Achtung: ein Stativ ist notwendig und das Ganze ist aufwändig. Die Tafel- oder Whiteboardanschrift Wem das Schreiben am Computer oder das Malen auf dem Tablet-Computer nicht liegt, ist vielleicht mit einer Aufnahme von Tafelbild oder Whiteboardanschrift gut beraten. Man nimmt dabei auf, was man da eben zeigt und malt: quasi Frontalunterricht mit Illustrationen. Kurzkritik: Toll, da einfach; Achtung vor schlechter Beleuchtung, und dass Hand und Kör- per nichts verdecken – ein Stativ ist außerdem meist notwendig. Zumeist ist eine Kamerafüh- rung durch eine weitere Person nötig, da das Tafelbild sonst schlecht lesbar ist. 14
  • 15. Der Vortrag für die (Web-) Cam Wer sich heute einen Laptop kauft, kommt vermutlich gar nicht darum herum, eine integrierte Kamera zu besitzen. Aufnahmen von sich selbst, wie man beispielsweise vor der Webcam sit- zend etwas erklärt, beispielsweise den Aufbau von Goethes Faust oder den Charakter des Mephisto: Das geht so ganz schnell. Kurzkritik: Toll, da simpel zu produzieren, vor allem wenn es um Dinge geht, die man gut mit Sprache und durch Sprechen erklärt; Ach- tung, weil die Person (ihr Aussehen etc.) im Vordergrund steht und gesprochener Text nicht immer alles ist. Aufzeichnungen von Live-Vorträgen und Web-Konferenzen Werden Live-Vorträge und Web-Konferenzen aufgenommen und als Lernvideos zur Verfü- gung gestellt, sind in aller Regel auch Folien, zum Beispiel Powerpoint-Präsentationen, Teil des Geschehens. Aufzeichnungen von Live-Vorträgen als Lernvideos werden in der Lehre u.a. zur Wiederholung vom Stoff durch Studierende genutzt. Wenn (auch) live gestreamt, also über das Web gesendet wird, ist es so auch möglich, Vorträgen von anderen Orten aus zuzuhören. Kurzkritik: Toll, da sprachlich oft dynamischer als Vorträge vor der Kamera – allerdings ist eine gute Aufnahme was für Profis; Achtung vor zeit- und personenbe- zogenen Aussagen! 15
  • 16. Weitere Techniken für Lernvideos … Die vorgestellten Formen von Lernvideos werden sehr häufig mit einzelnen Techniken kombi- niert. Einige davon, die häufiger und leicht eingesetzt werden können, skizzieren wir hier. Trickfilm-Technik Beim Trickfilm wird aus vielen einzelnen Fotos, beispielsweise von einem Teddybären in unter- schiedlichen Positionen, ein Film gemacht. Jede/r kennt das vom Daumenkino: Wenn man 24 Bilder pro Sekunde betrachtet und die Bewegungsübergänge natürlich verlaufen, hat man den Eindruck, der Teddybär bewegt sich selbst. Insbesondere für Smartphones und Tablet-Computer gibt es Apps, die die Erstellung von sol- chen Trickfilmen erleichtern (auf engl. „Stop Motion“). So werden dann z.B. in Lernvideos Playmobil-Figuren eingesetzt, um den Stoffwechsel zu erläutern, oder andere Dinge in Bewe- gung gesetzt. Da ist es dann auch nicht schlimm, wenn die Bewegungen ruckeln. Zwei Beispiele: Ein Video zu L3T 2.0 (http://youtu.be/244PEtc5at8) sowie ein Erklärvideo zum Persönlichen-Druck-Dienst von L3T, der „bildungsforschung“ sowie der ZFHE (http://youtu.be/2DdFMOiQNt0) 16
  • 17. Trickfilmeffekte können auf ganz unterschiedliche Arten eingesetzt werden, beispielsweise kann mit Hilfe eines Whiteboards einiges „gezaubert“ werden. Hier erscheinen auf einmal Texte und verschwinden mit einer Handbewegung wieder. Solche kleinen, unterhaltsamen Einlagen werden häufig mit auf Trickfilm-Technik basierenden Verfahren gelöst. Mit Hilfe der Trickfilm-Technik können so z.B. mit zwei Fingern Grafiken „gezogen“ werden. (http://youtu.be/kiEHS0lKH44) Kurzkritik: Damit gelingen die kleinen, witzigen, unterhaltsamen „Extras“, Achtung: immer auch aufwändig, trotz hilfreicher Apps für Tablet-Computer. Zeitraffer-Technik Während es mit herkömmlichen Videoausstattungen nicht möglich ist, Dinge zu filmen und zu zeigen, die sehr schnell ablaufen, beispielsweise chemische Reaktionen, ist die Zeitraffer-Tech- nik (engl. „time lapse“) auch für die Videoproduktion am Heim- oder Arbeitsplatz das gewähl- te Verfahren, wenn Dinge gezeigt werden sollen, die ansonsten lange brauchen, beispielsweise die Schneeschmelze, das Wachstum eines Baumes oder die Verpuppung einer Raupe. Kurzkritik: Toll, wenn es passt, Achtung vor wechselnder Beleuchtung! 17
  • 18. Green-Screen-Technik Bei der Green-Screen-Technik werden grüne Bestandteile des Bildes, in der Regel der grüne Hintergrund, durch ein Foto oder ein anderes Video ersetzt. Beim Fernsehen wird häufig mit der Farbe Blau gearbeitet, daher heisst die Technik auch Blue-Box-Technik. Die Wettervorher- sagen werden so vor einer Blauwand aufgenommen, die in den Nachrichten durch die Wetter- karten ersetzt wird. Green-Screen-Technik kann dann interessant sein, wenn man einen „Er- klärer“ oder „Experten“ in eine Szenerie setzen will, in die er sonst kaum oder nur schwer kommen könnte: Beispielsweise in den Orbit, in die Arktis oder in eine Ohrmuschel. Und ei- gentlich ist die Green-Screen-Technik auch nicht mehr unbedingt etwas für Anfänger. Ver- gleichsweise unkompliziert kann man sich mit Apps für Smartphones und Tablets daran wa- gen, beispielsweise haben wir bei IZED2 mit Green Screen Mobile Effects (Einbinden von Fo- tos) und Green Screen Movie FX Studio (Einbinden von Videos) gearbeitet. Neben den Apps benötigt man auch: ein großes Stück gespannten, grünen Filz für den Hintergrund sowie eine sehr gute Ausleuchtung (keine Schatten). Kurzkritik: Toll für ausgewählte Settings und Themen, aber trotz Apps für Tablet-Compu- ter: Achtung, ist aufwändig, auch werden eine grüne Filzwand und gute Beleuchtung benötigt. 18
  • 19. Ideen dazu, was gute Lernvideos sind
  • 20. Ein paar Hinweise aus Literatur und Forschung Natürlich haben wir erst einmal versucht herauszufinden, was die entsprechende Literatur und Forschung zur Erstellung und Gestaltung von Lernvideos empfiehlt. Überraschenderweise wa- ren unsere Rechercheergebnisse eher übersichtlich. Beispielsweise haben wir von dem Miterfinder der Legetechnik-Erklärvideos von Common Craft ein Buch gefunden, in dem er beschreibt, was gute Erklärvideos bzw. eher, was gute Er- klärungen sind (LeFever, 2012). Ihm zu Folge gilt: Eine gute Erklärung ist eine gute Geschichte. Er würde beispielsweise nicht einen neuen Begriff definieren, sondern ihn in einer Geschichte erklären. Für uns war interessant: Das dauert gar nicht unbedingt länger. Ein Beispiel für eine – traditionelle – Definition: „Offene Bildungsressourcen nennt man auch im deutschsprachigen Raum wie im englisch- sprachigen Raum 'Open Educational Resources' oder kurz OER. Damit werden Lern- und Lehrmaterialien bezeichnet, die so lizensiert wurden, dass sie frei verfügbar und einsetzbar sind, im besten Falle sogar auch modifiziert wiederveröffentlicht werden dürfen.“ Die „Geschichte“ dazu lautet dann zum Beispiel: „Die Trainerin Theresa sucht für ihren Sportclub Lernvideos, die sie im Unterricht einsetzen darf. Sie recherchiert daher gezielt nach Videos die entsprechend lizensiert wurden, und deren Nutzung erlaubt ist. Bei manchen Videos sind sogar Veränderungen erlaubt. Solche Materiali- en heißen 'offene Bildungsressourcen' oder 'Open Educational Resources' bzw. kurz OER.“ Wir finden das einleuchtend und kannten Ähnliches unter der Überschrift „Storytelling“. Wie man genau zu guten Erklärungen kommt, leitet LeFever (2012) in seinem Buch aber leider kaum an. In der Literatur zur (didaktischen) Gestaltung von Lernmaterialien werden Lernvideos kaum dezidiert genannt, beispielsweise tauchen sie im „Studientext Didaktisches Design“ von Gabi Reinmann (2012) auf. Hinweise aus ihrer Übersicht sind beispielsweise, dass die Videos hand- 20
  • 21. werklich gut gestaltet sein sollten und dass die Darstellung und Sprache den Sehgewohnheiten der Zielgruppe angepasst ist. In einem Lehrbuchkapitel zum Thema Educasting haben wir wiederum eine hilfreiche Liste gefunden, welche Fragen bei der Drehbuch-Erstellung grundsätzlich geklärt sein sollten (Zorn, Auwärter & Seehagen-Marx, 2011): • Welche Zielgruppe möchte ich erreichen? • Welche Lernziele sollen erreicht werden? • Welches technische Educast-Format (zum Beispiel Audiocast, Screencast) soll zum Einsatz kom- men? • Welche Ressourcen (technisch, personell) sind vorhanden? • Wie kann ich das Informationsmaterial auf das Wesentliche eingrenzen, strukturieren? • Wie gestalte ich die Lerninhalte? • Wie sichere und fördere ich die Motivation (Rekapitulieren, Feedback)? Wir waren mit diesen ersten Ergebnissen und Einsichten noch nicht zufrieden, aber es sollte ja auch mit den Kindern gemeinsam erarbeitet werden, was gute Lernvideos ausmacht. Wir wa- ren also gespannt auf unseren IZED2-Workshop. Reinmann, Gabi (2012). Studientext Didaktisches Design. München. URL: http://lernen-unibw.de/studientexte LeFever, Lee (2012). The Art of Explanation. New York: John Wiley & Sons. Zorn, Isabel; Auwärter, Andreas; Seehagen-Marx, Heike (2011). Educasting - Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden. In: Martin Ebner & Sandra Schön (Hrsg.), Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T), URL: http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook/kapitel/o/id/20 21
  • 22. Erarbeitung mit Kindern: Kriterien für gute Lernvideos In einem zweistündigen Workshop – es war der fünfte Workshop im Projekt IZED2 – wollten wir mit den 10- bis 12-jährigen Jugendlichen erarbeiten, was ein gutes Lernvideo ist. Nachdem die Kinder schon Einführungen zu Screencast, Stimme, Kamera und Schnitt sowie Trickfilm (Stop Motion) am iPad erhalten und etliche Lernvideos produziert hatten, war dies auch ein guter Zeitpunkt. Folgende Videos wurden vorher ausgewählt und gemeinsam mit den Kindern angeschaut: Sie sind alle mal besser, mal weniger gut gelungen und abwechslungsreich. Auch konnten die Kin- der jeweils einschätzen, ob die Inhalte überhaupt korrekt wiedergegeben wurden. Beim Moon- walk für Anfänger haben wir natürlich gleich ausprobiert, ob wir mit der Anleitung klar kom - men und haben mitgetanzt. Der QR-Code rechts führt zu einer Seite mit allen Links. • Begriff “Mauer” (Fussball ABC) (0:22) • Englisch für Kinder: Vegetables (Gemüse) (0:42) • Wir lernen die Uhrzeit auf Englisch (4:56) • Was ist das Abseits? (2:36) • Moonwalk für Anfänger – Eberhard erklärt´s (2:50) • Sendung mit der Maus: Sauerteigbrot backen mit Christoph (5:35) • Test Your Awareness (1:09) Gemeinsam wurde dazu auf einem Plakat gesammelt, was ein richtig schlechtes Lernvideo ausmacht. Manchmal mussten dazu Aspekte ins Gegenteil formuliert werden, die ein gut ge- lungenes Video ausmachten – und so wurden zahlreiche Aspekte gefunden. 22
  • 23. Das Ergebnis dieser Gruppenarbeit sah so aus: Aus Sicht der Kinder machen unter anderem folgende Dinge ein schlechtes Lernvideo aus: wenn langweilig erzählt wird, zu langsam, zu schnell, zu leise oder zu stottrig gesprochen wird, wenn im Hintergrund Ablenkendes passiert, Begriffe nicht erklärt werden oder mit der Kame - ra gewackelt wird. Da kommen ja ganz konkrete Dinge zusammen! 23
  • 24. Auch weil es nach all dem Wissen über gute Lernvideos auf einmal sehr schwierig erschien, ein richtig gutes Lernvideo zu machen, waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein wenig erleichtert, als die Aufgabe dann hieß: Wir machen nun Videos darüber, wie ein richtig schlechtes Lernvideo aussieht. Alle nahmen sich einen oder mehrere Zettel aus der Sammlung oder packten gleich mehrere Aspekte in ihre Videos. Es wurde zu langsam gesprochen, zu schnell, mit viel zu vielen Fremdwörtern, mit Gummibärchen im Mund. Es wurde gestört, ge- wackelt und unpassende Hintergründe verwendet. Und natürlich kam keiner auf die Idee zu sagen, um was es in seinem Lernvideo überhaupt geht und alles Mögliche veranstaltet, um vom eigentlichen Inhalt des Lernvideos abzulenken. Da musste dann auch ein Schaumkuss auf die Nase, als die „Metamorphose“ erklärt wurde. Wir haben nach dem Workshop alles zusam- mengeschnitten und heraus kam das Video zum „perfekten Lernvideo“. Direktlink zum Video: http://youtu.be/T0JUBbieiFY Was ist nun ein gutes Lernvideo? – Die Teilnehmer/innen bemerkten zu Recht, dass sie nun gut Stärken und Schwächen von anderen Videos erkennen, aber dass sie selbst noch nicht so richtig wüssten, wie man es anpackt. Es ist sicher auch ein Lernprozess, ein Drehbuch so zu entwerfen, dass ein wirklich gutes Lernvideo entsteht. Und wir „Großen“ sind von Perfektion auch noch weit entfernt. :o) 24
  • 25. Jetzt aber richtig: Das gute Lernvideo
  • 26. Ein erster Entwurf Die Zielsetzung Warum planen Sie ein Lernvideo? Welches Ziel verfolgen Sie damit? Diese Frage können Sie auf eine Reihe von weiteren Fragen herunterbre- chen und mit den Antworten, die Sie sich selbst – oder auch Ihre Ziel- gruppe Ihnen geben, sollten Sie schon ein Stückchen weiter sein. • Was soll im Video gelernt werden können, was soll damit vermittelt werden? • Warum ist ein Video hier die richtige Wahl (vielleicht gibt es ja eine viel weniger auf- wändige und passende Alternative)? • Wer ist die Zielgruppe – genau? Welches Lernvideo ist warum für Sie geeignet? Wie lang soll das Video werden? • Was sind Kernaussagen des Lernvideos, die ggf. auch wiederholt werden sollten oder auf unterschiedliche Arten erklärt werden müssen? Inspirationen und Kopfkino Was natürlich nicht verboten ist: Lassen Sie sich inspirieren! Stöbern Sie nach Lernvideos, die andere schon in Ihrem Themenfeld gemacht haben. Was gefällt Ihnen? Was gefällt Ihnen nicht? Was können Sie technisch (bereits) realisieren? … und dann am besten noch: das Kopfkino einschalten. Manche machen das am liebsten für sich alleine, mit ge- schlossenen Augen auf einer Sommerwiese. Andere quat- schen dazu am liebsten mit einem Kumpel. Wie auch im- mer: Eine grobe Zielsetzung und ein Traum oder ein paar vage Ideen sind keine schlechten ersten Schritte auf dem Weg zum Drehbuch. 26
  • 27. Der Inhalt Informative Geschichten erzählen Klar geht es bei Lernvideos um Informationen, die müssen auch enthalten sein. Aber warum nicht Informationen in eine gute Geschichte packen, in ein Abenteuer, eine Reportage, eine persönliche Geschichte? Passende und anschauliche Visualisierung Der gesprochene Texte sollte in jedem Fall zu dem gezeigten Bild passen. Wer über die Höhe des Eiffelturms spricht, sollte auf alle Fälle den Eiffelturm zeigen (und keinen Park in Paris). Noch besser wäre es, wenn beispielsweise durch das Hineinzeichnen von gestapelten Einfamili- enhäusern oder Fussballfeldern auf ein Foto des Eiffelturms gezeigt wird, wie hoch der Eiffel- turm im Vergleich mit bekannten Größen ist. Wenig Personenaufnahmen Es ist manchmal schön zu sehen, wie Expertinnen oder Experten aussehen oder dass ein gleichaltriges Kind etwas erklärt, woran man selbst noch knabbert. Natürlich ist es auch gut, wenn einem vorgetanzt wird, wenn man erklärt bekommt, wie z.B. der Moonwalk geht. Perso- nenaufnahmen sind auch interessant, wenn anhand der Geschichten von Personen etwas auf- geklärt wird: Das beste Beispiel sind wohl die Sachgeschichten der „Sendung mit der Maus“, bei der ein Reporter loszieht um etwas aufzuklären. In der Regel aber können Lerngegenstän - de oder Probleme viel besser mit der Sache selbst oder passenden Darstellungsweisen erklärt werden. Mit dem Titel unseres Projekts ausgedrückt ist nicht das „ich“ sondern das „es“ zu be - tonen: „Ich zeig ES Dir“. 27
  • 28. Keine Ablenkung Tanzt ein Bär im Hintergrund? Sieht man Adventskerzen wenn man über Ostern spricht? Sitzt die Krawatte des Sprechers schief ? Das alles kann für unfreiwilliges La- chen sorgen, vom Inhalt werden die Be- trachter aber nicht mehr viel mitbekom- men. Unterhaltung darf dann auch sein Unterhaltung darf dann doch sein: Ein Lernvideo sollte sich auf die Inhalte konzentrieren, darf aber natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert haben. Geschichten-Erzählen ist eine Variante, zu unterhalten. Auch ein Lernvideo darf einen „Spannungsbogen“ haben. Bei- spielsweise kann ein Rätsel gelöst werden, eine Forschungsfrage geklärt oder etwas Unvorher- gesehenes passieren. Auch kreative und überraschende Gestaltungsformen können „nebenbei“ für Unterhaltung, d.h. auch Aufmerksamkeit, sorgen. Die Common-Craft-Legetechnik-Videos oder auch die ge- rade populären, professionellen Whiteboard-Technik-Videos sind hier Beispiele dafür. Die Grenze zur Ablenkung ist dabei fließend. 28
  • 29. Das Drehbuch Ja, ja, ja! Wir empfehlen ein Drehbuch! Unbedingt aufschreiben, was man sagen und machen will! Titel Der Titel soll einfach, klar und unmissver- ständlich sein – mit dem Titel wird vieles assoziiert bzw. wird das Video oft so gefun- den. Einführung und Schluss Hat man nach den ersten Sekunden ein (passendes) Bild davon, was einem in dem Video erwartet? Gibt es am Ende eine kur- ze Zusammenfassung? Länge Das Video soll auch „nicht zu kurz und nicht zu lang“ sein. Für ein Lernvideo im Internet soll- te es daher in der Regel etwa zwischen 2 und 5 Minuten lang sein. Aber das kommt natürlich auch auf den Zweck und Inhalt des Videos an. Textgestaltung Gesprochenes und Geschriebenes sollte möglichst einfach und an die Zielgruppen angepasst sein. Fremdwörter sollten beispielsweise bei Lernvideos für Kinder grundsätzlich vermieden oder erklärt werden. 29
  • 30. Zeichnungen Oftmals helfen Zeichnungen dabei, etwas einfacher oder schneller darstellen zu können, aber auch hier gilt „so einfach wie möglich“. Auch sollte der Aufbau wohl überlegt werden – kann der Zuhörer diesen nachvollziehen, ist alles Wesentliche beschriftet, stimmt die Farbwahl und erkennt man das Objekt. Wiederholung, Wiederholung Kompliziertes darf gerne wiederholt werden – in veränderter Form oder in anderem Modus, d.h. ein Fachbegriff kann definiert werden, anschließend an einem Beispiel erklärt werden und ergänzend eingeblendet werden. … und bitte fehlerfrei! Auch bei den von uns präsentierten Lernvideos zeigte sich: Fehler passieren häufig. Ein fehler- haftes Lernvideo sollte aber natürlich in jedem Fall vermieden werden. Einzige Ausnahme ist, wenn Fehler das Programm selbst sind („Finde den Fehler“, „Lügengeschichten“). 30
  • 31. Quellen und Materialien Abbildungen von Personen Bei der Vorbereitung des Drehbuchs und Drehplans sollte klar sein: Videoaufnahmen von nie- manden, der nicht ausdrücklich zugestimmt hat, dürfen im Internet veröffentlicht werden. Eine (kleine) Ausnahme stellen Aufnahmen von öffentlichen Veranstaltungen dar, auf der viele Personen gleichzeitig gezeigt werden. Das Gleiche gilt für Aufnahmen zum Beispiel für Denk- mäler, bei denen Touristen abgebildet werden. Ein weitere Herausforderung ist, auf welche Weise das Ergebnis im Internet veröffentlicht wird: Darf es weiterverwendet und neu gemixt werden? Daran hat nicht jede/r Interesse und nicht jede/r stimmt zu! Vor den Aufnahmen von anderen Personen gilt also: Selbst wissen, was mit den Aufnahmen passiert, wie und unter welchen Bedingungen sie veröffentlicht werden sollen. Das klar kommunizieren und im besten Falle das schriftliche Einverständnis, ggf. der Eltern, einholen. Allgemein gilt: Das Persönlichkeitsrecht schreibt vor, dass, abgesehen von obigen Ausnahmen, Aufnahmen von Personen jederzeit, auch nachträglich, gelöscht werden müssen. Nutzung von fremden Materialien Warum das Rad immer wieder neu erfinden? Ja, das ist eine richtige Überlegung und deshalb ist es sinnvoll nach Materialien Ausschau zu halten, die einem selbst weiterhelfen. Achtung: Das Urheberrecht im deutschsprachigen Europa schränkt die Verwendung von Texten, Abbildungen oder anderen Videos stark ein. Es ist beispielsweise nicht erlaubt, in ei- nem Lernvideo, das im Internet veröffentlicht wird, Abbildungen aus Lehr- und Schulbüchern zu integrieren. Das gleiche gilt für Fotos, die man im Web gefunden hat oder Texte, die einem gut gefallen. Auch eine korrekte Zitation ändert nichts daran, dass eine solche Nutzung nicht zulässig ist! Anders als Beispielsweise das „große Zitationsrecht“ der Wissenschaft oder ggf. geltende „Schrankenregelungen“ der Schulen, gilt Ähnliches nicht für allgemein zugängli- che Lernvideos. 31
  • 32. Es gibt dennoch eine Reihe von Ressourcen, die genutzt werden können, allen voran die Wiki- pedia oder Materialien aus entsprechend lizenzierten Projekten zu offenen Bildungsressourcen. Für jemanden, der gut Englisch beherrscht, kann es auch hilfreich sein, entsprechend lizensier- te englischsprachige Texte zu nehmen und zu übersetzen (und entsprechend auf die Quelle zu verweisen). Hilfreiche Unterstützung bei der Suche nach nutzbaren Quel- len gibt es im OER Wiki (http://oer.tugraz.at) sowie aktuell (aber auch nach Abschluss des Kurses) im offenen Kurs zu of- fenen Bildungsressourcen COER13 (http://www.coer13.de). Dabei ist zu beachten: In aller Regel muss der Urheber des Textes bzw. die Quelle des Textes angegeben werden. Achtung: Manche Anbieter von offenen Ressourcen bestimmen, dass Nutzer der Ressourcen weitere Materialien unter be- stimmten Lizenzen (z.B. der Creative Com- mons Lizenz BY SA) veröffentlichen müs- sen, damit sie genutzt werden dürfen. Texte Wo gibt es Texte, die ich schon verwenden kann? – Allgemein gilt hier natürlich: Das kommt darauf an. Erschwerend kommt hinzu, dass Texte, beispielsweise in der Wikipedia, in aller Re- gel nicht so formuliert sind, dass sie ohne Überarbeitungen eingesprochen werden können. Geeignete Texte, v.a. für Definitionen, finden sich jedoch häufig in der Wikipedia. Für den Schulbereich ist das ZUM-Wiki eine gute Quelle. Weiteres findet sich in den oben vorgestellten Ressourcen. 32
  • 33. Bilder Am unproblematischsten ist es bei Illustrationen, wenn man sie selber macht. Mit dem Zeich- nen hat es jedoch nicht jede/r. Dabei benötigt man nur sehr selten künstlerisches Talent für eine gute Abbildung oder auch eine gute Tafelanschrift. Es gibt eine Reihe von Büchern die sich z.B. mit Illustrationen für Seminare beschäftigten. Ganz einfache Strichmännchen, die aber dennoch (halbwegs) professionell aussehen, ha- ben wir links dargestellt. Wenn Fotos benötigt werden, muss ebenso auf die Nutzungsbedingungen geachtet werden. Bei der Fotodatenbank FlickR.com und auch bei den be- kannten Suchmaschinen gibt es Suchoptionen, die das Suchen nach ent- sprechend lizenzierten Fotos erlauben. Einfach mal ausprobieren! Musik Hintergrundmusik bei Lernvideos ist Geschmackssache. Das heißt, sie ist mit Vorsicht zu genießen: Manche Hörende bzw. Lernende reagieren regelrecht aggressiv auf das Her- umgedudel im Hintergrund. Lernen ist so nicht sinnvoll möglich. Oft passt ein kurzes Musikstück zu Beginn oder am Ende oder sorgt auch, wie im Kinofilm, für eine passende Stimmung. Einfach das Lieblingslied hinzuzufügen ist jedoch – wir wiederholen uns – verboten. Wie und wo man an freie Musik kommt, die man für Lernvideos, die im Web veröf- fentlicht werden dürfen, kann man zum Beispiel auf einer Projektseite der TU Graz nachlesen (http://oermusic.tugraz.at/). Eine umfangreiche Sammlung von möglichen Quellen findet sich auch im Mediepädogogik Praxisblog (http://www.medienpaedagogik-praxis.de/kostenlose-medien/freie-musik/). 33
  • 34. Videos Videos müssen nicht unbedingt völlig neu gemacht werden. Es gibt zahlreiche Videos im Netz, die zur Wiederveröffentlichung und Bearbeitung zugelassen sind. Bei YouTube lässt sich bei- spielsweise die Suche entsprechend einstellen. Beispielsweise können so Sequenzen aus ande- ren Videos genutzt werden oder komplette Videos neu vertont (z.B. übersetzt werden). Das ist besonders dann attraktiv, wenn man zu dem Videomaterial selbst nur schwer gelangt, weil es z.B. Aufnahmen von seltenen Vorgängen sind oder aufwändige Illustrationen. Das Herunterla- den von Videos auf den Webplattformen und der Schnitt am Computer ist dabei nur eine Möglichkeit. Die Videos lassen sich auch direkt mit Hilfe einer Webanwendung bei Youtube neu mixen. Etwas komfortabler erscheint uns die Anwendung „PopcornMaker“ von Mozilla (https://popcorn.webmaker.org/). 34
  • 35. Technik und Gestaltung Videoqualität Für das Internet muss es nicht unbedingt High-Definition- (HD-) und Hollywood-Qualität ha- ben, aber es muss dringend auch im „Kleinformat“ das Wichtigste erkenn- und lesbar sein. Wackeln, schlechte Beleuchtung, blöde Schnitte – solche Dinge sollten vermieden werden, weil sie beim Betrachten ablenken und damit das Lernen stören können. Tipp: Das Video so planen, dass es auch im kleinen Einbettungs- bzw. Vorschau-Modus „funktioniert“, d.h dass man möglichst auch dort alles verstehen und auch lesen kann, was wichtig ist. Produktionsmittel Es gibt heute zahlreiche Kameras und Aufnahmemöglichkeiten für digitale Videos: Laptops mit integrierter Kamera, das Mobiltelefon mit Kamera, die Digitalkamera selbst oder ein Ta- blet Computer. Oft erfolgt der Schnitt der Videoaufnahmen und weitere Aufbereitungen mit Anwendungen am Computer, ist aber auch mit Webanwendungen möglich. Im und mit dem Projekt IZED2 (http://ized2.wordpress.com) haben wir gezeigt, dass das iPad derzeit eine vergleichsweise günstige Möglichkeit als Allrounder für die Videoerstellung ist. Mit zwei Kameras ausgerüstet lässt sich das iPad mit einigen Apps zu einem vielseitige Arbeitsgerät ausstatten: Kamera, Schnitt, Effekte, Veröffentlichung: Mehr braucht es gar nicht. Erstaunen rufen insbesondere die Stop-Motion-Anwendungen (für das vergleichs- weise einfache Erstellen von Trickfilmen) sowie die Green-Box-Apps her- vor. Wer hiermit z.B. vor einer grünen Filzwand Aufnahmen macht, kann das grün im Hintergrund durch andere Videos austauschen. Wir vermuten, dass all das, was gerade am iPad geht, bereits jetzt oder über kurz oder lang auch für andere Tablet-Computer und Smartphones zur Verfügung steht. 35
  • 36. Geschriebenes und Gesprochenes Geschriebenes sollte lesbar sein und Gesprochenes verständlich. Gesprochenes sollte nicht vorgelesen wirken: Einfach mal im Probedurchlauf den geplanten Text laut vorlesen: Man stolpert schnell über die Stellen, die man zwar gut lesen könnte, aber nur schwer vorlesen kann – ohne dass es kompliziert, lang und schwierig wird. Dialekt ist na - türlich eine Sache: Manch einer ist überrascht, wer alles das Lernvideo eigentlich gerne nutzen würde aber dann einfach nicht den gesprochenen Ausführungen folgen kann. Für uns selber gilt die Regel: Langsam sprechen! Bei Euch heißt sie vielleicht: Laut sprechen! Deutlich reden! Pausen machen! Zum Publikum und nicht zur Tafel reden! Einfach mal aufnehmen und ande- re um Feedback bitten. Nicht vergessen: Vor dem Sprechen Stimme aufwärmen. Wer schon mal ein Rhetorik-Trai- ning gemacht hat, kennt den Tipp: Auf den Daumen beißen und versuchen, einen Zungen- brecher laut und deutlich zu artikulieren. Klingt dämlich, hilft aber wirklich und Profis beim Radio lockern sich so – oder ähnlich – regelmäßig die Stimme! Tipp: Wenn man oft bei Hintergrundgeräuschen oder in einem Raum aufnehmen muss, der hallt, empfiehlt sich das Basteln einer kleinen „Sprecher- box“: Eine Schachtel in Größe eines Schuhkartons, ausgekleidet mit Noppenschaumstoff (Verpackungs- material). Dort hinein wird das Aufnahmegerät (z.B. Mobiltelefon) gelegt und hineingesprochen. Die schnelle, allerdings auch bald unangenehme Variante – sie klingt kuschliger als sie ist – ist eine Wolldecke über dem Kopf. 36
  • 37. Kamera und Schnitt Für den Anfänger ist wichtig: Von wo und mit welchem Ausschnitt eine Person aufgenommen wird, beeinflusst die Wahrnehmung von ihr. Wird beispielsweise jemand „von oben“ aufge- nommen, führt das dazu, dass er „hinaufblicken muss“: Er/Sie wirkt kleiner, manchmal auch „dümmer“ oder „kleinlaut“. Umgekehrt wirkt jemand, den man „von unten“ aufnimmt, auch größer, „von oben herab“ und aufgeblasen. Also am besten: Auf Augenhöhe aufnehmen. Auch auf den Lichteinfall sollte man achten. Wer nicht gerade einen Gruselfilm dreht – was bei ei- nem Lernvideo kaum der Fall sein sollte – sollte auf keinen Fall von unten beleuchten. Im Theater wird so eine Beleuchtung gezielt für den Bösewicht eingesetzt. Welche Kameraeinstellung gewählt wird, sollte eher vom Zweck und Inhalt des Videos abhän- gig sein als von dramaturgischen Einfällen. Aber klar: Möglichkeiten gibt es viele. Auch gilt es, möglichst auf Zooms oder Schwenke mit der Kamera zu verzichten! Das bedeu- tet: Möglichst mit einem Stativ arbeiten oder sonst für einen ruhigen Halt sorgen (z.B. beim Filmen Anlehnen, Arme abstützen). Bei Interviewsituationen ist auch ein Schwenk zwischen den Gesprächspartnern zu vermeiden. Lieber erst die Szene mit dem Fragesteller aufnehmen und dann (ohne Schwenk) eine Szene mit dem Interviewten. Das Hin-und-Her sorgt auch da- für, dass die Antworten präziser sind. Für Effekte beim Schneiden gilt das Gleiche wie für Powerpoint-Folien vor 10 Jahren: Es ist verlockend, die unterschiedlichen Übergänge und Effekte auszuprobieren, aber weniger ist hier mehr. In der Regel sollte im ganzen Video der gleiche Übergang gewählt werden und Ef- fekte nur gezielt eingesetzt werden. Statt einem Zeitraffer können z.B. längere Verwisch-Über- gänge andeuten, dass Zeit vergangen ist. 37
  • 38. Hilfsmittel: Beleuchtung und Stativ Für ein gutes Video braucht es u.a. eine gute, gleichmäßige Beleuchtung. Um die zu gewähr- leisten, heißt das dann leider oft auch: Vorhang zu, Licht an. Gute Vorbereitung macht hier vieles aus, eine Sammlung von Lampen zum Ausleuchten ist hilfreich und eine Investition in ein Stativ lohnt sich schnell. Visualisierungen Einmal abgesehen davon, dass es je nach Videoart und -technik prinzipiell unterschiedliche Vi- sualisierungsmöglichkeiten gibt, gelten folgende allgemeine Hinweise: Visualisierungen sollten einfach sein (wenn man sie selbst zeichnet) und eindeutig. Wenn uns eine Idee fehlt, wie ein bestimmter Sachverhalt, beispielsweise „Internationalität“ oder „Mobi- lität“ gut visuell dargestellt werden kann, nutzen wir Suchmaschinen: Wir geben den Begriff ein, wählen bei Optionen den Typ „Bild“ und lassen uns dann von den Treffern inspirieren. Etwas das häufig gefunden wird, sollte eine „typische“ und damit verständliche Visualisierung sein. Und wir wählen natürlich etwas, das man leicht selber zeichnen kann. Links ein Beispiel für „Internationalität“. Werden unterschiedliche Farben eingesetzt – gleiches gilt für Mate- rialien oder Gegenstände – die für einen gewissen Sachverhalt, einen Vorgang oder Ähnliches stehen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dabei Konsistenz herrscht. Ist eine kritische Anmerkung in rot geschrieben, sollte die nächste Kritik auch in rot geschrieben werden usw. 38
  • 39. Das Drumherum Der richtige Ort im Web fürs Video YouTube ist die bekannteste und größte Videoplattform im Internet, auf der man auch Lern- videos veröffentlichen kann. Youtube hat bei seiner Gründung davon profitiert, dass es den Leuten gefallen hat, dass man die Videos leicht auf anderen Seiten, z.B. im eigenen Weblog einbetten kann. Heute können das auch andere Videoplattformen, beispielsweise Vimeo.com. Auch ist der Speicherplatz für (kurze) Lernvideos nicht mehr das ganz große Problem: Wer beispielsweise einen kostenfreien Weblog bei Wordpress hat, kann hier auch etliche Videos hochladen. Da Lernvideos so unterschiedliche Gegenstände, wie es Themen- und Fragestellungen auf der Welt gibt, zum Thema haben können, ist es schwierig, allgemeine Empfehlungen zu geben: Am besten sind Videos dort aufgehoben, wo sie von potentiellen Nutzer/innen auch gefunden werden können. Das können auch einschlägige kleinere Video-Portale sein. Ergänzend sollten die Videos auch dort eingebettet und verknüpft werden, wo Lernende (oder Lehrende) allge- mein nach Lernmaterialien zum Gegenstand suchen. Videobeschreibung Geht aus der Beschreibung des Videos (z.B. Titel und Beschreibung bei Youtube) klar hervor um was es geht, was erklärt, gezeigt oder gelehrt werden soll? Sind die richtigen, wichtigen Schlagworte (Tags) angeführt? Wird beschrieben, an wen sich das Video richtet? Ist auch klar, wer er zur Verfügung stellt? Gerade bei längeren Aufnahmen, z.B. von Vorlesungen sind An- notationen notwendig, um die Videos gut durchsuchbar zu machen. Auch sollte bei der Video- beschreibung auf den Kontext bzw. weitere Materialien verwiesen werden. Beispielsweise emp- fiehlt Prof. Dr. Jörn Loviscach begleitend zu Vorlesungsaufzeichnungen „Lückentexte“ anzu- bieten, die eine konzentrierte Mitarbeit unterstützen sollen. 39
  • 40. Die richtige Lizenz Ein Lernvideo sollte nicht nur „einfach so“ oder sogar mit einem dicken © versehen im Web veröffentlicht werden,, wenn man will, dass es von anderen genutzt wird. So ist nämlich unklar, wie der Urheber folgende Fragen beantwortet: Darf ich es beispielsweise überhaupt im Unter- richt vorführen oder in meinem Online-Kurs einbetten? Darf ich es herunterladen und offline präsentieren? Haben die Urheber vielleicht sogar das Interesse, dass ihr Video von anderen auch modifiziert und wiederveröffentlicht werden kann? – Wenn Sie ein Video ins Web stellen, bedeutet dies nicht, dass es ohne weiteres für die Lehre oder den Unterricht genutzt werden darf. Eine entsprechende Lizenzierung ist also wichtig, damit potentielle Nutzer/innen genau wissen, was sie tun dürfen, ohne persönlich um Erlaubnis fragen zu müssen. Bekannt und verbreitet sind dabei die Lizenzen von Creative Commons. Sechs unterschiedli- che Varianten gibt es dabei. Die Lizenz mit der Nutzer/innen am meisten mit dem Video ma- chen können – modifizieren, wiederveröffentlichen, auch zu kommerziellen Zwecken – ist die „BY“ Lizenz, im Folgenden an erster Stelle aufgeführt: Wichtig ist hier nur, dass der Urheber genannt wird. Namensnennung Namensnennung-KeineBearbeitung Namensnennung-NichtKommerziell Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedin- gungen Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Auf den Webseiten von Creative Commons gibt es übersichtliche Darstellungen und Hilfen dazu (http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/). 40
  • 42. Wir empfehlen zum Start einen Screencast Bei anderen Ausrüstungen – beispielsweise Digitalkamera und PC – sind vielleicht andere Techniken und Vorgehensweisen für das erste Lernvideo empfehlenswert. Weil die Videoarbeit mit iPads bzw. Tablet-Computern noch Neuland ist, stellen wir abschließend ausführlich vor, wie wir mit Kindern und Erwachsenen in Workshops innerhalb von 30 Minuten zu befriedi- genden Lernvideos kommen. Benötigt wird dabei nur ein vorbereitetes Drehbuch und ggf. Präsentationen sowie ein iPad. Alle, die selbst erste Versuche mit der Videoerstellung am Tablet-Computer machen oder die dies gemeinsam mit Kindern ausprobieren wollen, empfehlen wir, es mit einer Screen- cast-App zu starten. Aufbau und Funktionen sind leicht erklärt und die Ergebnisse befriedi- gend – sie machen Lust auf mehr! Screencast mit „Explain Everything“ Mit „Explain Everything“ kann nicht nur ein Film von einer x-beliebigen Aktion am iPad ge - macht werden, sondern es können Texte, Zeichnungen und Ton in der App aufgenommen werden. Es wird alles gespeichert und aufgenommen, was man sagt bzw. auf den leeren Seiten schreibt oder malt. Was die App besonders attraktiv aus Lernvideo-Einsteiger-Sicht macht, ist, dass „seitenweise“ aufgenommen wird und Aufnahmen auch immer wieder neu gemacht oder erweitert werden können. Man schreibt beispielsweise auf der ersten Seite den Titel des Lern- videos und sagt dazu, um was es geht. Auf den weiteren Seiten schreibt, malt und spricht man über den Lerninhalt. Auch die Reihenfolge der „Seiten“ inkl. der damit verbundenen Videos (oder Audios, wenn man nur z.B. spricht) lässt sich nachträglich verändern. Besonders „schick“ ist, dass man nicht auf leeren weißen Seiten arbeiten muss, sondern auch eine Präsentation (PDF, Powerpoint oder Keynote) verwenden kann. Beispielsweise eine PDF-Datei mit einer Ti- tel- und einer Abspannseite. Nutzt man eine solche Vorlage, schaut das Ergebnis schnell recht professionell aus. Es klingt hier geschrieben mit Sicherheit komplizierter und weniger eingän- gig, als es ist. Einfach mal das Video dazu anschauen: http://youtu.be/I4JOsrEsyo0 42
  • 43. Im Workshop oder allein: Das erste Lernvideo als Screencast Im Workshop selbst haben wir wie folgt gearbeitet: An einem iPad, das an einem Beamer an- geschlossen ist, so dass alle gut nachvollziehen konnten, was gerade passiert, wird gemeinsam ein kurzes Lernvideo aufgenommen. Damit das Ganze auch „schick“ wird, haben wir mit ei- ner Vorlage gearbeitet, die für den Vor- und Abspann das Logo des Projekts und Hinweise zum Projekt und zur Lizenz enthält. Die Materialien können natürlich auch für das erste eige- ne Testprojekt verwendet werden: • Die Vorlage fürs Video: (Vor- und Abspann): http://ized2.files.wordpress.com/2012/12/vorlage_screencast.pdf • Zum PDF des Drehbuchs: http://ized2.files.wordpress.com/2012/12/drehbuch_screencast.pdf Das Ergebnis: Ein Screencast zum „Screencast“. Das Video sollte dann beispielsweise folgende Szenen haben. Das Video findet sich hier: http://youtu.be/x-whx_63iOM 43
  • 44. Mehr zur App „Explain Everything“ Das Angebot von Apps unterliegt ja einem schnellen Wandel, und vermutlich gibt es eh bald bessere oder auch vergleichbare Produkte. Der Vollständigkeitshalber aber noch ein paar kurze Hinweise zu den aktuellen Stärken und Schwächen der App „Explain Everything“ und weitere Nutzungsmöglichkeiten: Für den skizzierten Einsatz ist die App optimal: Man konzentriert sich bei der Erstellung des Lernvideos auf die Inhalte, ggf. Zeichnung, Schrift und Sprache (aber zum Beispiel nicht dar- auf, wie man selbst oder andere im Video aussehen). Auch ohne erste oder weitere Schnitt- kenntnisse oder Kameraerfahrung kann man schnell herzeigbare Lernvideos produzieren. Bei kürzen Vorträgen ist die App derzeit erste Wahl, um einen Mitschnitt des Vortrags anzu- fertigen: Man kann sogar in die vorbereiteten Folien hineinzoomen, etwas markieren, malen, etc. Das Exportieren und Umwandeln der Datei wird aber immer aufwändiger, je länger der Vortrag ist – ab etwa einer halben Stunde kann es dann mühselig werden. Die Zeichnungen selbst sind (natürlich) pixelig, auch arbeitet die App offensichtlich mit Ebe- nen, ohne dass man explizit damit hantieren kann. Wer zum Beispiel immer wieder an einer Zeichnung weiterarbeitet und neue Dinge ergänzt, wird sich tierisch ärgern. Zu guter Letzt: Mehr zur App und ein Tutorial hier: http://www.explaineverything.com/. Die App kostet derzeit 2,69€. 44
  • 45. Zu den Autoren: Dr. Sandra Schön ist Erziehungswissenschaftlerin und forscht bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft zum Lernen und Arbei- ten mit dem Web. Nachdem sie für unterschiedliche Projekte Webvi- deos produzierte, leitete sie nun beim BIMS e.V. das Projekt „Ich zeig es Dir – HOCH 2“, bei dem Kinder mit iPads Lernvideos gestalten (http://ized2.wordpress.com). Mehr hier: http://sandra-schoen.de (sandra.schoen@l3t.eu) Univ.-Doz. Dr. Martin Ebner leitet die Abteilung Vernetztes Ler- nen an der Technischen Universität Graz, forscht und lehrt als Me- dieninformatiker am Institut für Informationssysteme Computer Me- dien rund um technologiegestütztes Lernen, u.a. zu E-Lectures, und kooperiert bei vielen OER-Projekten mit dem BIMS e.V. Bei IZED2 war er verantwortlich für die Begleitforschung und leitete den Work- shop „Gute Lernvideos“ (martin.ebner@l3t.eu). Über Rückmeldungen freuen wir uns! 45
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