Soziale	
  Medien	
  und	
  öffentliche	
  Ins4tu4onen	
  -­‐	
  
einige	
  konzep4onelle	
  Überlegungen
Prof. Dr. Thomas Pleil
ikum – Institut für Kommunikation und Medien
Leipzig, im Juni 2013
2
• Professor für Public Relations, Hochschule Darmstadt
• Direktor Institut für Kommunikation und Medien (ikum.h-
da.de)
• Leiter eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg
(Kompetenzzenrum für Social Media & E-Learning)
(ebusiness-info.de)
about.me/thomaspleil
ÖFFENTLICHKEIT
& MEDIEN
Öffentlichkeit
Organisation
Gatekeeper
(Journalisten)
Massenmedien
Stakeholder
Organisation
Gatekeeper
(Journalisten)
Massenmedien
Stakeholder
Organisation
vormedialer
Raum
(Stakeholder)
Massenmedien
Stakeholder
Pleil 2007
SOZIALER
WANDEL
Soziale Beziehungen
Netzwerk als Organisationsform
im Informationszeitalter (Castells)
• Unterstützung
• Orientierung
• keine zentralisierten Hierarchien
• Koordinierungsaufwand
• Rollen
Soziale Beziehungen
Netzwerk als Organisationsform
im Informationszeitalter (Castells)
• Unterstützung
• Orientierung
• keine zentralisierten Hierarchien
• Koordinierungsaufwand
• Rollen
➡ Selbstorganisation
• Crowdsourcing
◦ Guttenplag
◦ Wikipedia
◦ Innovationsprozesse
◦ Frankfurt Gestalten
◦ Hochwasser
• Nachrichtenfilter
Netzkultur
• Emanzipation (Cluetrain)
• Transparenz
• Freiheit 
• Tempo
• Personalisierung
• Authentizität
• Vertrauen
• Tonalität: informell
Öffentlichkeit der Gatekeeper
• Nachrichtenwerte
• Massenmedien
Öffentlichkeit der ProdUser
• Eigene Interessen
• Bedürfnisse & Kontext
• Suchmaschinen
• Vernetzung
• Direkte Beziehung zu
Stakeholdern
Öffentlichkeit der ProdUser
Mikroöffentlichkeiten bzw.
persönliche Öffentlichkeiten
• Long Tail
• PR: Irrelevanz der Quantität?
FÜNF THESEN
These 1:
Vielfältige Diskussionsansätze zu
Social Media und Institutionen:
Bestandsaufnahmen und
strategische Zielsetzungen
stehen am Anfang.
Open Data
E-Democracy
Government 2.0
Social Innovation
Online-PR und -Marketing
etc.
These 2:
Klassische Bürokratie mit
hierarchischen Strukturen
kommt im Social Web an
Grenzen.
One Voice-Policy
Dienstweg
Zuständigkeit
9to5
vs.
vernetzte Kommunikation
Geschwindigkeit
Persönlichkeit, Authentizität
etc.
These 3:
Institutionen kommunizieren mit
breiter Öffentlichkeit („dem
Bürger“). Sie haben die Pflicht,
sich an geänderte
Mediennutzung anzupassen.
Problem:
Social Media mit ihren stärker
spezialisierten Kanälen zwingen
zu stärkerer Differenzierung der
Bezugsgruppen
Herausforderung:
Demokratieprinzip
These 4:
Beteiligung I: Internet-Tools und
eine partizipative Grund-
stimmung in einzelnen Milieus
fördern Selbstorganisation.
Institutionen als Einrichtungen
aller können dies nutzen oder
ignorieren, aber nicht
verhindern.
These 5:
Beteiligung II: Trotzdem gilt
90:9:1.
Das bedeutet:
Man kann Anregungen &
Argumente sammeln oder
Interessierte an Aufgaben
beteiligen, aber keine
Entscheidungen im
demokratischen Sinne treffen.
HERAUSFORDERUNGEN
Praktische Herausforderungen
Organisationales Zuhören
• Identifikation: Orte, Akteure &
Bedürfnisse
• Issues / eigene Themen
• Integration in Prozesse der
Organisation
• Kommunikatoren als Anwälte
der Nutzer
Praktische Herausforderungen
Qualifikation
Kommunikationsmanager
• PR-Management allg.
• Online-Kommunikation (sozial,
redaktionell, technisch)
• Beratungsfähigkeit
• Didaktische Kompetenz
Praktische Herausforderungen
Mittel und Ressourcen
• tendenziell kleine
Kommunikationsabteilungen
• Stelleninhaber vermutlich oft
nicht online-affin
• geringe Budgets
Praktische Herausforderungen
Inhaltliche Fragen, z.B.:
• Visual Turn der PR
• Mobil und Jederzeit
• Content Strategie
Rahmenbedingungen
„Dabei ist besonders hervorzuheben, dass
angesichts enger datenschutz-rechtlicher
Grenzen Soziale Netzwerke (z.B. facebook,
Twitter) für den Austausch dienstlicher Daten
nicht geeignet sind. Auch ein Auftritt der Schule
in bzw. ein Konnex zu diesen Netzwerken
(Profile, Fan-Seiten, Like- it-Buttons, etc.) ist
rechtlich sehr problematisch und hat daher zu
unterblei ben. Entsprechendes gilt für die
dienstliche Verwendung von Webseiten durch
Lehrkräfte und sonstiges schulische Personal
(z.B. Blogs).“
25
STATUS
Kommunen im Social Web
• Top 30 sind präsent
• meist: Distributionskanäle für
Infos
• Dialogische, authentische,
transparente, personalisierte
Kommunikation ist Ausnahme
• Städte, die dennoch so
kommunizieren, sind besonders
erfolgreich i.S. von erkennbarer
Interaktion (Likes, Kommentare,
Retweets)
Hannappel 2012
Machbarkeitsstudie:
Städt. Jugendamt ins Social
Web?
• Schwierigkeiten:
• One Voice Policy: Nur
Pressesprecherin /
Dezernentin
• Persönlichkeitsrechte
(Mitarbeiter/Klienten)
• Jugendschutz
• Datenschutz
• Vorbehalte Mitarbeiter
(Arbeitsbelastung,
Medienkompetenz)
Feldmann et.al. 2013
Machbarkeitsstudie:
Städt. Jugendamt ins Social
Web?
• Herausforderungen
• Zielgruppen haben Social
Web in Alltag integriert
• bisherige Kommunikation
kommt bei Zielgruppen
kaum an
• Amt: Ressourcenproblem
Feldmann et.al. 2013
Kommunikationsbedürfnis findet seinen Weg
30
TYPOLOGIE
Typen der Online-PR
Digitalisierte PR Internet-PR Cluetrain-PR
Paradigma Internet-GalaxieInternet-Galaxie Google-Welt
Kommuni-
kations-
modell
monologisch Monologisch (mit in-
direktem Rückkanal)
Dialogbereit,
netzwerkorientiert
Typische
Elemente
Text, Bild,
Webdesign
Kontaktformular,
Usability-Tests, statist.
Auswertung
Web Monitoring, Social
Software, Dominanz der
Inhalte
Strategie/
Maßnah-men
Präsenz zeigen,
Basisinformation
vermitteln
Durchsetzung von
Interessen
Aufbau digitaler
Reputation, Schaffen von
Mehrwert, Web als
Handlungsraum,
Personalisierung,
Storytelling etc.
User Rezipient Rezipient mit be-
grenzten Interak-
tionsmöglichkeiten
Kommunikationspart-ner,
organisiert in Netzwerken
Pleil 2007
Typen der Online-PR
Digitalisierte PR Internet-PR Cluetrain-PR
Anforder-
ungen an
Online-PR
PR-Kompetenz der
analogen Welt,
Verständnis von
Hypermedialität
Content Management,
Sozialforschung
Hohe strategische und
soziale Kompetenz,
besondere Vertrauens-
position, CoachingAufwand für
PR
Rel. gering, oft
Zusatzleistung der
PR-Abteilung
Eigene Stelle für
Online-PR, höherer
techn. Aufwand
Hoher Zeitaufwand,
kontinuierliche Aufgabe
(„always on“)
Rolle der
Online-PR
ausführend kanalisierend Herstellen von Offenheit,
Empowerment
Hauptziel Information Persuation Verständigung und
Integration
Aufwand, Kompetenz, Kultur
Pleil 2007
Gesellschaft
Umwelt
Organisation
Personen
Technik
Art der
Online-PR
Strategieentwicklung
Pleil 2010
Fazit
#DANKE
das-textdepot.de
@tp_da

Öffentliche Institutionen und Social Media

  • 1.
    Soziale  Medien  und  öffentliche  Ins4tu4onen  -­‐   einige  konzep4onelle  Überlegungen Prof. Dr. Thomas Pleil ikum – Institut für Kommunikation und Medien Leipzig, im Juni 2013
  • 2.
    2 • Professor fürPublic Relations, Hochschule Darmstadt • Direktor Institut für Kommunikation und Medien (ikum.h- da.de) • Leiter eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg (Kompetenzzenrum für Social Media & E-Learning) (ebusiness-info.de) about.me/thomaspleil
  • 3.
  • 4.
  • 5.
  • 6.
  • 7.
    Soziale Beziehungen Netzwerk alsOrganisationsform im Informationszeitalter (Castells) • Unterstützung • Orientierung • keine zentralisierten Hierarchien • Koordinierungsaufwand • Rollen
  • 8.
    Soziale Beziehungen Netzwerk alsOrganisationsform im Informationszeitalter (Castells) • Unterstützung • Orientierung • keine zentralisierten Hierarchien • Koordinierungsaufwand • Rollen ➡ Selbstorganisation • Crowdsourcing ◦ Guttenplag ◦ Wikipedia ◦ Innovationsprozesse ◦ Frankfurt Gestalten ◦ Hochwasser • Nachrichtenfilter
  • 9.
    Netzkultur • Emanzipation (Cluetrain) •Transparenz • Freiheit  • Tempo • Personalisierung • Authentizität • Vertrauen • Tonalität: informell
  • 10.
    Öffentlichkeit der Gatekeeper •Nachrichtenwerte • Massenmedien
  • 11.
    Öffentlichkeit der ProdUser •Eigene Interessen • Bedürfnisse & Kontext • Suchmaschinen • Vernetzung • Direkte Beziehung zu Stakeholdern
  • 12.
    Öffentlichkeit der ProdUser Mikroöffentlichkeitenbzw. persönliche Öffentlichkeiten • Long Tail • PR: Irrelevanz der Quantität?
  • 13.
  • 14.
    These 1: Vielfältige Diskussionsansätzezu Social Media und Institutionen: Bestandsaufnahmen und strategische Zielsetzungen stehen am Anfang. Open Data E-Democracy Government 2.0 Social Innovation Online-PR und -Marketing etc.
  • 15.
    These 2: Klassische Bürokratiemit hierarchischen Strukturen kommt im Social Web an Grenzen. One Voice-Policy Dienstweg Zuständigkeit 9to5 vs. vernetzte Kommunikation Geschwindigkeit Persönlichkeit, Authentizität etc.
  • 16.
    These 3: Institutionen kommunizierenmit breiter Öffentlichkeit („dem Bürger“). Sie haben die Pflicht, sich an geänderte Mediennutzung anzupassen. Problem: Social Media mit ihren stärker spezialisierten Kanälen zwingen zu stärkerer Differenzierung der Bezugsgruppen Herausforderung: Demokratieprinzip
  • 17.
    These 4: Beteiligung I:Internet-Tools und eine partizipative Grund- stimmung in einzelnen Milieus fördern Selbstorganisation. Institutionen als Einrichtungen aller können dies nutzen oder ignorieren, aber nicht verhindern.
  • 18.
    These 5: Beteiligung II:Trotzdem gilt 90:9:1. Das bedeutet: Man kann Anregungen & Argumente sammeln oder Interessierte an Aufgaben beteiligen, aber keine Entscheidungen im demokratischen Sinne treffen.
  • 19.
  • 20.
    Praktische Herausforderungen Organisationales Zuhören •Identifikation: Orte, Akteure & Bedürfnisse • Issues / eigene Themen • Integration in Prozesse der Organisation • Kommunikatoren als Anwälte der Nutzer
  • 21.
    Praktische Herausforderungen Qualifikation Kommunikationsmanager • PR-Managementallg. • Online-Kommunikation (sozial, redaktionell, technisch) • Beratungsfähigkeit • Didaktische Kompetenz
  • 22.
    Praktische Herausforderungen Mittel undRessourcen • tendenziell kleine Kommunikationsabteilungen • Stelleninhaber vermutlich oft nicht online-affin • geringe Budgets
  • 23.
    Praktische Herausforderungen Inhaltliche Fragen,z.B.: • Visual Turn der PR • Mobil und Jederzeit • Content Strategie
  • 24.
    Rahmenbedingungen „Dabei ist besondershervorzuheben, dass angesichts enger datenschutz-rechtlicher Grenzen Soziale Netzwerke (z.B. facebook, Twitter) für den Austausch dienstlicher Daten nicht geeignet sind. Auch ein Auftritt der Schule in bzw. ein Konnex zu diesen Netzwerken (Profile, Fan-Seiten, Like- it-Buttons, etc.) ist rechtlich sehr problematisch und hat daher zu unterblei ben. Entsprechendes gilt für die dienstliche Verwendung von Webseiten durch Lehrkräfte und sonstiges schulische Personal (z.B. Blogs).“
  • 25.
  • 26.
    Kommunen im SocialWeb • Top 30 sind präsent • meist: Distributionskanäle für Infos • Dialogische, authentische, transparente, personalisierte Kommunikation ist Ausnahme • Städte, die dennoch so kommunizieren, sind besonders erfolgreich i.S. von erkennbarer Interaktion (Likes, Kommentare, Retweets) Hannappel 2012
  • 27.
    Machbarkeitsstudie: Städt. Jugendamt insSocial Web? • Schwierigkeiten: • One Voice Policy: Nur Pressesprecherin / Dezernentin • Persönlichkeitsrechte (Mitarbeiter/Klienten) • Jugendschutz • Datenschutz • Vorbehalte Mitarbeiter (Arbeitsbelastung, Medienkompetenz) Feldmann et.al. 2013
  • 28.
    Machbarkeitsstudie: Städt. Jugendamt insSocial Web? • Herausforderungen • Zielgruppen haben Social Web in Alltag integriert • bisherige Kommunikation kommt bei Zielgruppen kaum an • Amt: Ressourcenproblem Feldmann et.al. 2013
  • 29.
  • 30.
  • 31.
    Typen der Online-PR DigitalisiertePR Internet-PR Cluetrain-PR Paradigma Internet-GalaxieInternet-Galaxie Google-Welt Kommuni- kations- modell monologisch Monologisch (mit in- direktem Rückkanal) Dialogbereit, netzwerkorientiert Typische Elemente Text, Bild, Webdesign Kontaktformular, Usability-Tests, statist. Auswertung Web Monitoring, Social Software, Dominanz der Inhalte Strategie/ Maßnah-men Präsenz zeigen, Basisinformation vermitteln Durchsetzung von Interessen Aufbau digitaler Reputation, Schaffen von Mehrwert, Web als Handlungsraum, Personalisierung, Storytelling etc. User Rezipient Rezipient mit be- grenzten Interak- tionsmöglichkeiten Kommunikationspart-ner, organisiert in Netzwerken Pleil 2007
  • 32.
    Typen der Online-PR DigitalisiertePR Internet-PR Cluetrain-PR Anforder- ungen an Online-PR PR-Kompetenz der analogen Welt, Verständnis von Hypermedialität Content Management, Sozialforschung Hohe strategische und soziale Kompetenz, besondere Vertrauens- position, CoachingAufwand für PR Rel. gering, oft Zusatzleistung der PR-Abteilung Eigene Stelle für Online-PR, höherer techn. Aufwand Hoher Zeitaufwand, kontinuierliche Aufgabe („always on“) Rolle der Online-PR ausführend kanalisierend Herstellen von Offenheit, Empowerment Hauptziel Information Persuation Verständigung und Integration Aufwand, Kompetenz, Kultur Pleil 2007
  • 33.
  • 34.
  • 35.