DirectNews
Die auflagenstärkste Zeitschrift für Direct Marketing                 | 2012
                                                                    1




  Testen
  Die Kosten  
  senken,  
  den Erfolg  
  steigern. 
  Seite 12

  Auffallen
  Zwei  
  inspirierende  
  Mailings.  
  Seite 18




                                                 Unternehmen
                                                 2.0       Social Media-Expertin  
                                                           Su Franke erklärt, worauf  
                                                           KMU achten müssen.  
                                                           Seite 6
DirectFocus




Wie man sich verhält,
so kommt es zurück
                                Web-2.0-Plattformen haben heute bereits einen grossen
                                Einfluss auf die Meinungsbildung. Social-Media-Portale spielen
                                daher auch in der Marketingkommunikation zusehends
                                eine wichtigere Rolle. Entscheidend für Unternehmen ist der
                                richtige Einsatz.




                                                    E
                                                          s gibt weltweit über 800 Millionen Facebook-Mit-
                                                          glieder. Jede Sekunde tritt jemand Linkedin bei. Pro
                                                          Tag werden 64 Millionen Tweets gepostet. Bei Flickr
                                                     werden pro Minute 3000 Fotos hochgeladen. Täglich
                                                     werden auf Youtube zwei Milliarden Videos angeschaut.
                                                     Diese eindrücklichen Zahlen beweisen: Social Media ist
                                                     kein Hype, Social Media ist ein ernstzunehmender
                                                     Kommunikationskanal. Social-Media-Beraterin und In-
                                                     haberin von Corporate Dialog Su Franke ist überzeugt:
                                                     «Facebook, Twitter, Xing, Youtube oder Flickr lassen sich
                                                     nicht mehr wegdenken.»

                                                     Angriff ist die beste Verteidigung
                                                     Doch was steckt hinter dem Erfolg des Web 2.0? «Social
                                                     Media basieren auf einem demokratischen Mitmach-
                                                     prinzip», sagt Franke. «Jeder kann sich zu einem Thema
                                                     äussern und wird auch gehört. Für Unternehmen be-
                                                     deutet das, dass Kunden, Mitarbeiter oder Unbeteiligte
                                                     leichter mit ihnen interagieren können.» Was gerne ver-
                                                     gessen wird: Auch jemand, der nur Inhalte liest, ist be-
                                                     teiligt. Und auch wer nicht aktiv ist, kann ins Zentrum
                                                     des Interesses rücken. «Unternehmen sollten sich der
                                                     neuen Kommunikation daher nicht verschliessen. Im
                                                     Gegenteil, sie sollen bewusst in eine Interaktion treten.»



6   DirectNews | Februar 2012
DirectFocus




Ob klein, mittel oder gross: Für alle Unternehmen, deren
Zielgruppe einen Onlinezugang haben, werden Social
Media früher oder später zu einem bedeutenden Marketing-
                                                             35 %
                                                             der Schweizer besitzen
baustein. «Wollen Unternehmen mit ihren Kunden in           ein iPhone, 13 Prozent einen
regelmässigem Austausch stehen, sie informieren, von         Tablet-PC oder ein iPad.
ihnen lernen oder ihr Netzwerk pflegen und es durch          Damit haben sie im techno­
Empfehlungen erweitern, dann sind Social Media das          logischen DACH-Länder­
Richtige für sie», sagt Franke. «Elementar ist, dass die     vergleich die Nase vorn.
Massnahmen einerseits zum Markenbild passen und             (Quelle: Media Use Index 11)
andererseits dem Konsumenten einen eindeutigen
Mehrwert bieten.» Weiter sei entscheidend, dass die
Aktivitäten gut geplant und das Zusammenspiel der  
Plattformen sorgfältig gewählt werden, denn Social-
Media-Marketing sollte weniger als Kampagne verstanden
werden, sondern vielmehr als langfristiges Engagement.

Wer A sagt, muss auch B sagen
Wer sich für Social Media entscheidet, muss sich aber
auch verpflichten, die gewählten Kanäle zu pflegen. Und
ganz wichtig: Social Media lassen sich nicht für reine
Werbezwecke missbrauchen. Empfehlenswert sind Tipps,
ein Blick hinter die Kulissen, Gutscheine oder Service-
angebote. «Wer das beherzigt, wird weiterempfohlen und
macht beiläufig ein Geschäft», erklärt Franke. «Wer nur
Werbebotschaften senden will, wird von den Nutzern
abgestraft. So einfach läuft das im Social Web.» Ob die
Social-Media-Aktionen ankommen, kann gemessen
werden. «Unternehmen müssen vor dem Start festlegen,
was sie erreichen wollen und Messgrössen wie Anzahl
echter Fans, Erwähnungen, Empfehlungen, Kommentare,
Anmeldungen zur Veranstaltung, Onlinekäufe oder Such-
maschinenergebnisse bestimmen.»
    «Viele Unternehmen scheuen Social Media übrigens
nach wie vor aus Angst vor Kontrollverlust. Dabei kön-
nen sie viel besser auf negative Aussagen reagieren,
wenn sie dabei sind», weiss Franke. Hilfreich sind hierbei
Monitoringtools wie Netbreeze, socialmention.com und
Google Alerts oder Dienstleistungen von Argus und news
aktuell. Gemäss Franke lauert die grösste Gefahr meist
sowieso im Unternehmen selbst beziehungsweise in
dessen Umgang mit Kritik. «Wenn sich zum Beispiel
jemand auf Facebook über ein fehlerhaftes Produkt be-
schwert, darf der Marketingverantwortliche auf keinen




       Link

   Hilfreiches zum Thema
   Expertenbeiträge und das Seminar zum Thema
   sowie Tipps und Tricks zum Social-Media-Marketing
   finden Sie unter www.post.ch/directpoint. Im
   Kapitel 4.1.5 des Online-Fachwerks DirectExpert
   erfahren Sie mehr über die wichtigsten Web-2.0-
   Instrumente. Eine Übersicht deutscher Social Media
   Guidelines gibt es unter http://goo.gl/qTD6q.




                                                                                            DirectNews | Februar 2012   7
DirectFocus




Die wichtigsten Social-Media-Plattformen im Überblick                                                              4 %
                                                                                                                   der befragten Konsumenten
                                                                                                                   sind für Werbebotschaften
                                                                                                                   empfänglich, während sie sich
Plattform                       Einsatzgebiet                            Vor-/Nachteile                            in den sozialen Netzwerken
                                                                                                                   bewegen. 48 Prozent der Ver-
Facebook                        Facebook eignet sich für den             Wer auf Facebook aktiv ist, muss          treter der Schweizer Werbe-
www.facebook.com                direkten Kontakt mit Dialog- und         mit seinen Fans kommunizieren und         wirtschaft halten das Potenzial
                                Zielgruppen, Sonderpromotionen           zwar regelmässig und in nützlicher        von Werbung über Social-Media-
                                und Empfehlungsmarketing. Auf            Frist. Genügend personelle Ressourcen     Kanäle daher für überschätzt.
                                der Profilseite lassen sich Fotos        sind unabdingbar.                         (Quelle: publisuisse, Medien der
                                veröffentlichen und Videos oder                                                    Zukunft 2017)
                                Blogeinträge einbinden.

Twitter                         Der Microblogging-Dienst ist ein         Die Bereitschaft, in eine Interaktion
www.twitter.com                 idealer Multiplikator, um Nach-          zu treten und personelle Ressourcen
                                richten schnell zu verbreiten. Unter-    vorausgesetzt, eignet sich das
                                nehmen können Twitter zudem              kostenlose Tool zur Echtzeitsuche
                                als Dialog- und Servicekanal sowie       und zur schnellen Nachrichten-
                                zur Markt- und Wettbewerbs-              verbreitung. Sehr interessant ist
                                beobachtung nutzen.                      Twitter auch für Unternehmen, die
                                                                         einen eigenen Blog betreiben.

Xing und Linkedin               Mit den Businessplattformen              Für regional tätige Unternehmen
www.xing.com                    lassen sich persönliche Kontakte         ist Xing gut geeignet; eine Premium-
www.linkedin.com                aus dem beruflichen Umfeld               Mitgliedschaft ist kostenpflichtig.
                                pflegen. Interessant sind die Platt-     Linkedin ist international ausgerichtet
                                formen auch im HR-Bereich                und bislang kostenlos.
                                und für die Teilnahme an und den
                                Aufbau von Themengruppen.



Youtube und Vimeo               Mit Videoplattformen können die          Kostenintensiv, wenn Videos erstellt
www.youtube.com                 Stärken des Unternehmens                 werden müssen. Wer sowieso
www.vimeo.com                   audiovisuell gezeigt werden. Jeder       Videos einsetzt, sollte diese über die
                                kann die Videos bewerten und             kostenlosen Plattformen veröffent-
                                kommentieren.                            lichen. Sie können direkt in die
                                                                         Firmenwebsite eingebunden werden.



Flickr und Instagram            Fotoportale ermöglichen es, Bilder       Die kostenlosen Portale können
www.flickr.com                  öffentlich oder nur für gewisse          eine Bilddatenbankfunktion
www.instagram.com               Nutzergruppen sichtbar zu machen.        wahrnehmen. Zudem können
                                Bilder können hier bearbeitet,           Bilder via RSS-Feed in die Firmen-
                                kommentiert, strukturiert, favorisiert   website eingebunden werden.
                                und mit Tags versehen werden.



                                Jedes Unternehmen muss sich gut überlegen, welche Social-Media-Platt-
                                formen zu ihm passen. Je nach Bedürfnis können auch weniger bekannte
                                Dienste interessant sein. Entscheidend ist, dass die eigenen Kunden die
                                gewählten Dienste nutzen. Daher flexibel monitoren und rasch reagieren.




8   DirectNews | Februar 2012
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Fall lapidar antworten: ‹Dieses Produkt entspricht den
Erwartungen all unserer Kunden.› Solche Kommentare
müssen ernst genommen werden.» Sogenannten Shit-
storm-Fällen liegt oft ein schlechtes Produkt oder eine
ungeschickte Äusserung zugrunde. Statt sie zu korrigieren,
wird sie fälschlicherweise oft beibehalten.

Ein klares Konzept ist die halbe Miete
Jedes Unternehmen braucht ein Konzept, klar definierte
Social Media Guidelines und gut ausgebildete, erfahrene
Social-Media-Verantwortliche, die direkt dem Geschäfts-
führer unterstellt sind. «Wichtig ist, dass die verantwort-                      Social-Media-Kampagne
lichen Personen selbst Entscheidungen treffen dürfen,
sonst sind die Wege zu lang», sagt Franke. «Natürlich                            Wer rettet Walter?
können auch mehrere Leute die Plattformen nutzen. Es
sollten aber Mitarbeiter im eigenen Unternehmen sein.
Wenn diese Kommunikation ausgelagert wird, geht die
Echtheit verloren.»
                                                                                 I m vergangenen Oktober tauchte auf Youtube ein Video auf,
                                                                                   in dem ein Wanderer am Albula-Pass in ein Unwetter gerät.
                                                                                 Auf der Suche nach Unterschlupf entdeckt er einen still-
    Während Franke davon abrät, die Bewirtschaftung                              gelegten Bunker. Während der Wanderer sich, von seiner
der sozialen Plattformen auszulagern, empfiehlt sie KMU,                         Neugier getrieben, auf eine Entdeckungstour begibt, fällt
vor allem vor dem Start Social-Media-Berater ins Boot zu                         hinter ihm die Tür ins Schloss. Er ist eingesperrt. Wie die
holen. «In der Schweiz gibt es mittlerweile eine Vielzahl                        Geschichte weitergeht und wer hinter dem Video steckt,
von Experten. Ich würde bei der Wahl eines Partners                              bleibt unklar. Ein Autor von 20 Minuten Online lancierte
schauen, wie er selbst Social Media nutzt, ob er einen                           daraufhin ein sogenanntes Crowdsourcing-Projekt, bei dem
Facebook-, Twitter- oder Xing-Account hat, wie er diese                          sich Leser aktiv an der journalistischen Arbeit beteiligen. Die
einsetzt, was er über diese Kanäle kommuniziert und                              kollektive Recherchearbeit, auch Schwarmintelligenz ge-
wie gross seine eigene Reichweite in etwa ist. Im besten                         nannt, zeigte vielversprechende Ansätze, stiess allerdings
Fall hat er auch einen Blog, den Leser kommentieren.                             auch an ihre Grenzen. Die Umfrage zeigte: 9 Prozent der
Und auch eine Google-Suche zur Person schadet nie.»                              1338 Teilnehmer vermuteten hinter dem Clip die Swisscom,
                                                                                 12 Prozent Schweiz Tourismus, 17 Prozent die Post und
                                                                                 13 Prozent ein anderes Unternehmen. 21 Prozent glaubten,
                                                                                 es sei ein Trailer für einen Kinofilm. Anfang November
                                                              Print und Online   wurde das Rätsel schliesslich durch 20 Minuten Online
                                                              in perfekter       aufgelöst: Hinter der Kampagne «SOS-Albula» steckt die
                                                              Kombination.       Schweizerische Post.

                                                                                         Walter aufspüren und gewinnen
                                                                                           Ziel der Kampagne «www.sos-albula.ch» war es,
                                                                                               den Wanderer Walter aus seiner Gefangenschaft
                                                                                                im Bunker zu befreien. Aber wie? Walter fand
                                                                                                 im Bunker eine alte Schreibmaschine, eine
                                                                                                  Rohrpostanlage, ein paar Goldbarren, aber
                                                                                                    nur einen Teil des Türöffnungscodes. Um
                                                                                                     sich zu befreien, war Walter auf Hilfe
                                                                                                      angewiesen. Er entschied sich, einen
                                                                                                       Brief zu schreiben und den Zuschauer
                                                                                                        um Hilfe zu bitten. Am Ende des
                                                                                                          Films erschien eine Adress­ ingabe.
                                                                                                                                      e
                                                                                                           Wer sie ausfüllte, erhielt wenige
                                                                                                            Tage später tatsächlich einen
                                                                                                             individualisierten Brief mit Hin-
                                                                                                           weisen für Walters Befreiung.
                                                                                                      Jetzt brauchte der Leser nur noch der
                                                                                            Anleitung zu folgen und Walter den Tür­
                                                                                  öffnungscode zu übermitteln. Nun zeigte das Video, wie
                                                                                 sich Walter dank diesen Informationen aus der Gefangen­
                                                                                 schaft befreien konnte. Ende gut, alles gut!



                                                                                                                           DirectNews | Februar 2012   9

DirectNews Unternehmen 2.0

  • 1.
    DirectNews Die auflagenstärkste Zeitschriftfür Direct Marketing | 2012 1 Testen Die Kosten   senken,   den Erfolg   steigern.  Seite 12 Auffallen Zwei   inspirierende   Mailings.   Seite 18 Unternehmen 2.0 Social Media-Expertin   Su Franke erklärt, worauf   KMU achten müssen.   Seite 6
  • 2.
    DirectFocus Wie man sichverhält, so kommt es zurück Web-2.0-Plattformen haben heute bereits einen grossen Einfluss auf die Meinungsbildung. Social-Media-Portale spielen daher auch in der Marketingkommunikation zusehends eine wichtigere Rolle. Entscheidend für Unternehmen ist der richtige Einsatz. E s gibt weltweit über 800 Millionen Facebook-Mit- glieder. Jede Sekunde tritt jemand Linkedin bei. Pro Tag werden 64 Millionen Tweets gepostet. Bei Flickr werden pro Minute 3000 Fotos hochgeladen. Täglich werden auf Youtube zwei Milliarden Videos angeschaut. Diese eindrücklichen Zahlen beweisen: Social Media ist kein Hype, Social Media ist ein ernstzunehmender Kommunikationskanal. Social-Media-Beraterin und In- haberin von Corporate Dialog Su Franke ist überzeugt: «Facebook, Twitter, Xing, Youtube oder Flickr lassen sich nicht mehr wegdenken.» Angriff ist die beste Verteidigung Doch was steckt hinter dem Erfolg des Web 2.0? «Social Media basieren auf einem demokratischen Mitmach- prinzip», sagt Franke. «Jeder kann sich zu einem Thema äussern und wird auch gehört. Für Unternehmen be- deutet das, dass Kunden, Mitarbeiter oder Unbeteiligte leichter mit ihnen interagieren können.» Was gerne ver- gessen wird: Auch jemand, der nur Inhalte liest, ist be- teiligt. Und auch wer nicht aktiv ist, kann ins Zentrum des Interesses rücken. «Unternehmen sollten sich der neuen Kommunikation daher nicht verschliessen. Im Gegenteil, sie sollen bewusst in eine Interaktion treten.» 6 DirectNews | Februar 2012
  • 3.
    DirectFocus Ob klein, mitteloder gross: Für alle Unternehmen, deren Zielgruppe einen Onlinezugang haben, werden Social Media früher oder später zu einem bedeutenden Marketing- 35 % der Schweizer besitzen baustein. «Wollen Unternehmen mit ihren Kunden in ein iPhone, 13 Prozent einen regelmässigem Austausch stehen, sie informieren, von Tablet-PC oder ein iPad. ihnen lernen oder ihr Netzwerk pflegen und es durch Damit haben sie im techno­ Empfehlungen erweitern, dann sind Social Media das logischen DACH-Länder­ Richtige für sie», sagt Franke. «Elementar ist, dass die vergleich die Nase vorn. Massnahmen einerseits zum Markenbild passen und (Quelle: Media Use Index 11) andererseits dem Konsumenten einen eindeutigen Mehrwert bieten.» Weiter sei entscheidend, dass die Aktivitäten gut geplant und das Zusammenspiel der Plattformen sorgfältig gewählt werden, denn Social- Media-Marketing sollte weniger als Kampagne verstanden werden, sondern vielmehr als langfristiges Engagement. Wer A sagt, muss auch B sagen Wer sich für Social Media entscheidet, muss sich aber auch verpflichten, die gewählten Kanäle zu pflegen. Und ganz wichtig: Social Media lassen sich nicht für reine Werbezwecke missbrauchen. Empfehlenswert sind Tipps, ein Blick hinter die Kulissen, Gutscheine oder Service- angebote. «Wer das beherzigt, wird weiterempfohlen und macht beiläufig ein Geschäft», erklärt Franke. «Wer nur Werbebotschaften senden will, wird von den Nutzern abgestraft. So einfach läuft das im Social Web.» Ob die Social-Media-Aktionen ankommen, kann gemessen werden. «Unternehmen müssen vor dem Start festlegen, was sie erreichen wollen und Messgrössen wie Anzahl echter Fans, Erwähnungen, Empfehlungen, Kommentare, Anmeldungen zur Veranstaltung, Onlinekäufe oder Such- maschinenergebnisse bestimmen.» «Viele Unternehmen scheuen Social Media übrigens nach wie vor aus Angst vor Kontrollverlust. Dabei kön- nen sie viel besser auf negative Aussagen reagieren, wenn sie dabei sind», weiss Franke. Hilfreich sind hierbei Monitoringtools wie Netbreeze, socialmention.com und Google Alerts oder Dienstleistungen von Argus und news aktuell. Gemäss Franke lauert die grösste Gefahr meist sowieso im Unternehmen selbst beziehungsweise in dessen Umgang mit Kritik. «Wenn sich zum Beispiel jemand auf Facebook über ein fehlerhaftes Produkt be- schwert, darf der Marketingverantwortliche auf keinen Link Hilfreiches zum Thema Expertenbeiträge und das Seminar zum Thema sowie Tipps und Tricks zum Social-Media-Marketing finden Sie unter www.post.ch/directpoint. Im Kapitel 4.1.5 des Online-Fachwerks DirectExpert erfahren Sie mehr über die wichtigsten Web-2.0- Instrumente. Eine Übersicht deutscher Social Media Guidelines gibt es unter http://goo.gl/qTD6q. DirectNews | Februar 2012 7
  • 4.
    DirectFocus Die wichtigsten Social-Media-Plattformenim Überblick 4 % der befragten Konsumenten sind für Werbebotschaften empfänglich, während sie sich Plattform Einsatzgebiet Vor-/Nachteile in den sozialen Netzwerken bewegen. 48 Prozent der Ver- Facebook Facebook eignet sich für den Wer auf Facebook aktiv ist, muss treter der Schweizer Werbe- www.facebook.com direkten Kontakt mit Dialog- und mit seinen Fans kommunizieren und wirtschaft halten das Potenzial Zielgruppen, Sonderpromotionen zwar regelmässig und in nützlicher von Werbung über Social-Media- und Empfehlungsmarketing. Auf Frist. Genügend personelle Ressourcen Kanäle daher für überschätzt. der Profilseite lassen sich Fotos sind unabdingbar. (Quelle: publisuisse, Medien der veröffentlichen und Videos oder Zukunft 2017) Blogeinträge einbinden. Twitter Der Microblogging-Dienst ist ein Die Bereitschaft, in eine Interaktion www.twitter.com idealer Multiplikator, um Nach- zu treten und personelle Ressourcen richten schnell zu verbreiten. Unter- vorausgesetzt, eignet sich das nehmen können Twitter zudem kostenlose Tool zur Echtzeitsuche als Dialog- und Servicekanal sowie und zur schnellen Nachrichten- zur Markt- und Wettbewerbs- verbreitung. Sehr interessant ist beobachtung nutzen. Twitter auch für Unternehmen, die einen eigenen Blog betreiben. Xing und Linkedin Mit den Businessplattformen Für regional tätige Unternehmen www.xing.com lassen sich persönliche Kontakte ist Xing gut geeignet; eine Premium- www.linkedin.com aus dem beruflichen Umfeld Mitgliedschaft ist kostenpflichtig. pflegen. Interessant sind die Platt- Linkedin ist international ausgerichtet formen auch im HR-Bereich und bislang kostenlos. und für die Teilnahme an und den Aufbau von Themengruppen. Youtube und Vimeo Mit Videoplattformen können die Kostenintensiv, wenn Videos erstellt www.youtube.com Stärken des Unternehmens werden müssen. Wer sowieso www.vimeo.com audiovisuell gezeigt werden. Jeder Videos einsetzt, sollte diese über die kann die Videos bewerten und kostenlosen Plattformen veröffent- kommentieren. lichen. Sie können direkt in die Firmenwebsite eingebunden werden. Flickr und Instagram Fotoportale ermöglichen es, Bilder Die kostenlosen Portale können www.flickr.com öffentlich oder nur für gewisse eine Bilddatenbankfunktion www.instagram.com Nutzergruppen sichtbar zu machen. wahrnehmen. Zudem können Bilder können hier bearbeitet, Bilder via RSS-Feed in die Firmen- kommentiert, strukturiert, favorisiert website eingebunden werden. und mit Tags versehen werden. Jedes Unternehmen muss sich gut überlegen, welche Social-Media-Platt- formen zu ihm passen. Je nach Bedürfnis können auch weniger bekannte Dienste interessant sein. Entscheidend ist, dass die eigenen Kunden die gewählten Dienste nutzen. Daher flexibel monitoren und rasch reagieren. 8 DirectNews | Februar 2012
  • 5.
    DirectFocus Fall lapidar antworten:‹Dieses Produkt entspricht den Erwartungen all unserer Kunden.› Solche Kommentare müssen ernst genommen werden.» Sogenannten Shit- storm-Fällen liegt oft ein schlechtes Produkt oder eine ungeschickte Äusserung zugrunde. Statt sie zu korrigieren, wird sie fälschlicherweise oft beibehalten. Ein klares Konzept ist die halbe Miete Jedes Unternehmen braucht ein Konzept, klar definierte Social Media Guidelines und gut ausgebildete, erfahrene Social-Media-Verantwortliche, die direkt dem Geschäfts- führer unterstellt sind. «Wichtig ist, dass die verantwort- Social-Media-Kampagne lichen Personen selbst Entscheidungen treffen dürfen, sonst sind die Wege zu lang», sagt Franke. «Natürlich Wer rettet Walter? können auch mehrere Leute die Plattformen nutzen. Es sollten aber Mitarbeiter im eigenen Unternehmen sein. Wenn diese Kommunikation ausgelagert wird, geht die Echtheit verloren.» I m vergangenen Oktober tauchte auf Youtube ein Video auf, in dem ein Wanderer am Albula-Pass in ein Unwetter gerät. Auf der Suche nach Unterschlupf entdeckt er einen still- Während Franke davon abrät, die Bewirtschaftung gelegten Bunker. Während der Wanderer sich, von seiner der sozialen Plattformen auszulagern, empfiehlt sie KMU, Neugier getrieben, auf eine Entdeckungstour begibt, fällt vor allem vor dem Start Social-Media-Berater ins Boot zu hinter ihm die Tür ins Schloss. Er ist eingesperrt. Wie die holen. «In der Schweiz gibt es mittlerweile eine Vielzahl Geschichte weitergeht und wer hinter dem Video steckt, von Experten. Ich würde bei der Wahl eines Partners bleibt unklar. Ein Autor von 20 Minuten Online lancierte schauen, wie er selbst Social Media nutzt, ob er einen daraufhin ein sogenanntes Crowdsourcing-Projekt, bei dem Facebook-, Twitter- oder Xing-Account hat, wie er diese sich Leser aktiv an der journalistischen Arbeit beteiligen. Die einsetzt, was er über diese Kanäle kommuniziert und kollektive Recherchearbeit, auch Schwarmintelligenz ge- wie gross seine eigene Reichweite in etwa ist. Im besten nannt, zeigte vielversprechende Ansätze, stiess allerdings Fall hat er auch einen Blog, den Leser kommentieren. auch an ihre Grenzen. Die Umfrage zeigte: 9 Prozent der Und auch eine Google-Suche zur Person schadet nie.» 1338 Teilnehmer vermuteten hinter dem Clip die Swisscom, 12 Prozent Schweiz Tourismus, 17 Prozent die Post und 13 Prozent ein anderes Unternehmen. 21 Prozent glaubten, es sei ein Trailer für einen Kinofilm. Anfang November Print und Online wurde das Rätsel schliesslich durch 20 Minuten Online in perfekter aufgelöst: Hinter der Kampagne «SOS-Albula» steckt die Kombination. Schweizerische Post. Walter aufspüren und gewinnen Ziel der Kampagne «www.sos-albula.ch» war es, den Wanderer Walter aus seiner Gefangenschaft im Bunker zu befreien. Aber wie? Walter fand im Bunker eine alte Schreibmaschine, eine Rohrpostanlage, ein paar Goldbarren, aber nur einen Teil des Türöffnungscodes. Um sich zu befreien, war Walter auf Hilfe angewiesen. Er entschied sich, einen Brief zu schreiben und den Zuschauer um Hilfe zu bitten. Am Ende des Films erschien eine Adress­ ingabe. e Wer sie ausfüllte, erhielt wenige Tage später tatsächlich einen individualisierten Brief mit Hin- weisen für Walters Befreiung. Jetzt brauchte der Leser nur noch der Anleitung zu folgen und Walter den Tür­ öffnungscode zu übermitteln. Nun zeigte das Video, wie sich Walter dank diesen Informationen aus der Gefangen­ schaft befreien konnte. Ende gut, alles gut! DirectNews | Februar 2012 9