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VORBESICHTIGUNG
Hardturmstrasse 102
8031 Zürich, Schweiz
Do. 21. März 2019, 10 - 21 Uhr
Fr. 22. - Mo. 25 März 2019, 10 - 18 Uhr
AUKTION
Hardturmstrasse 102
8031 Zürich, Schweiz
GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JH.
ZEICHNUNGEN, ALTE GRAPHIK
FREITAG, 29. MÄRZ 2019
English descriptions are available on our website:
www.kollerauctions.com
3049
ALTE GRAPHIK
Freitag, 29. März 2019
10.00 Uhr
Lot 3601 - 3653
ZEICHNUNGEN
Freitag, 29. März 2019
11.00 Uhr
Lot 3401 - 3490
GEMÄLDE ALTER MEISTER
Freitag, 29. März 2019
14.00 Uhr
Lot 3001 - 3096
GEMÄLDE DES 19. JH.
Freitag, 29. März 2019
16.00 Uhr
Lot 3201 - 3256
GEMÄLDE ALTER MEISTER, GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS,
GRAFIK & ZEICHNUNGEN ALTER MEISTER, BÜCHER & AUTOGRAPHEN
Auktion Dienstag, 2. April 2019 - Mitbieten ab Montag 18. März
GROSSUHREN, MÖBEL, VARIA, PORZELLAN
Auktion Mittwoch, 3. April 2019 - Mitbieten ab Montag 18. März
Vorbesichtigung in Zürich:
Do. 21. März 2019, von 10 – 21 Uhr und Fr. 22. bis Mo. 25. März 2019, von 10 – 18 Uhr
Koller ibid online only - Kataloge und Auktionen:
www.kollerauktionen.ch
AUKTIONSPROGRAMM
MÄRZ 2019
VORBESICHTIGUNG
Hardturmstrasse 102 + 121
8031 Zürich, Schweiz
Do. 21. März 2019, 10 - 21 Uhr
Fr. 22. - Mo. 25 März 2019, 10 - 18 Uhr
ALTE GRAPHIK
Freitag, 29. März 2019
10.00 Uhr
Lot 3601 - 3653
ZEICHNUNGEN
Freitag, 29. März 2019
11.00 Uhr
Lot 3401 - 3490
GEMÄLDE ALTER MEISTER
Freitag, 29. März 2019
14.00 Uhr
Lot 3001 - 3096
GEMÄLDE DES 19. JH.
Freitag, 29. März 2019
16.00 Uhr
Lot 3201 - 3256
A188/1 A188/2 A188/3 A188/4
TEPPICHE
Donnerstag, 28. März 2019
10.00 Uhr
Lot 1601 - 1700
MÖBEL, PENDULEN,
SKULPTUREN, MINIATUREN,
SILBER, PORZELLAN
Donnerstag, 28. März 2019
13.30 Uhr
Lot 1001 - 1318
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66
office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch
A188/2
MÄRZ2019GEMÄLDEALTERMEISTERUNDDES19.JH.,ZEICHNUNGENUNDALTEGRAPHIK
Auktion: 28. März 2019
GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH.
ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAPHIK
weiz
Auktion: 28. März 2019
DECORATIVE ARTS
DECORATIVEARTS
A188 / 1
MÄRZ2019
BÜCHER
Dienstag, 26. März 2019
14.00 Uhr
Lot 101 - 374
BUCHMALEREI &
AUTOGRAPHEN
Dienstag, 26. März 2019
17.00 Uhr
Lot 501 - 563
SCHMUCK TEIL 1
Mittwoch, 27. März 2019
10.00 Uhr
Lot 2001 - 2150
SCHMUCK TEIL 2
Mittwoch, 27. März 2019
14.00 Uhr
Lot 2151 - 2332
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Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66
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MÄRZ2019
AUKTION: 26. MÄRZ 2019
BÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN
BÜCHER,BUCHMALEREI&AUTOGRAPHEN
A188/3
A188
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SCHMUCK&JUWELENDEZEMBER2018
Auktion: 27. März 2019
SCHMUCK & JUWELEN
AUKTION
Hardturmstrasse 102
8031 Zürich, Schweiz
Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und
einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen.
EURO-Schätzungen
Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.14 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung.
Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken.
	 241	 SERVICE	
									
	
	 241	 Adressen 	
	 242	 Künstlerregister Gemälde Alter Meister 	
	 243	 Künstlerregister Gemälde des 19. Jahrhunderts	
	 246	 Auktionsbedingungen 
	 248	 Auction Conditions	
	 250	 Conditions de vente aux enchères	
	 252	 Auktions-Auftrag
Gemälde Alter Meister
Lot 3001 - 3096
Auktion: Freitag, 29. März 2019, 14.00 Uhr
Vorbesichtigung: Donnerstag 21. bis Montag 25. März 2019
Bearbeitung:
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Weitere Bearbeitung: Stella Burkart
Gemälde Alter Meister
| 2
3001
MEISTER VON ASTORGA (UMKREIS, UM 1520)
(tätig in Astorga um 1510 – 1530)
Johannes der Täufer.
Öl auf Holz.
48,8 x 39,2 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Diese Darstellung Johannes des Täufers,
mit zwei von Engeln getragenen Kronen, ist
eine ikonographische Seltenheit und spielt
möglicherweise auf die Wiedervereinigung der
zwei Königreiche von Aragonien und Kastilien
um 1469 – 1516 an, wodurch das Königreich
Spaniens begründet wurde. Das Gemälde wird
in seinem ursprünglichen Rahmen aus der Zeit
verkauft.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 140 / 8 770)
| 3
Gemälde Alter Meister
| 4
3002
BARTOLOMEO DI GIOVANNI
(ZUGESCHRIEBEN)
(1475 Florenz 1501)
Der ungläubige Thomas.
Öl auf Holz.
35,8 x 39 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 390 / 6 140)
3003*
MARCO CARDISCO
(1486 Neapel 1546)
Madonna mit Kind. 1533.
Öl auf Holz.
Unten links in römischen Ziffern datiert:
MDXXXIII.
84 x 50,5 cm.
Gutachten:
Prof. Marco Tanzi (in Kopie vorhanden).
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dass es sich bei vorliegendem Gemälde um
ein eigenhändiges Werk des neapolitanischen
Künstlers Marco Cardisco, auch Marco
Cala­brese ­genannt, handelt, bestätigt Professor
Marco Tanzi in seinem ausführlichen Gutachten.
Ihm zufolge fügt sich die Tafel stilistisch über-
zeugend in das Werk des Künstlers, dem Vasari
(1511 – 1574) als einzigen süd­italienischen
Künstler neben Girolamo Santacroce (um
1480/85 – um 1556) eine Vita widmete (Middio-
ne, R.: Marco Cardisco, in: Allgemeines Künstler-
lexikon, München u.a. 1997, Bd. 16,
S. 361).
Anfänglich geprägt von ibero-lombardischen
Tendenzen, die über spanische Künstler wie
Pedro Fernández (tätig um 1489 – 1523) und
Pedro Machuca (um 1490 – 1550) oder den
Mailänder Künstler Cesare da Sesto (1477 –
1523) nach Neapel gelangten, erklärt sich die
Modernität in Cardiscos Werken vor allem durch
den Einfluss des Polidoro da Caravaggio (um
1499 – 1543) und des Niederländers Jan van
Scorel (1495 – 1562), die er wohl beide bei einer
Reise nach Rom kennenlernte.
Professor Marco Tanzi weist darauf hin, dass
sich vergleichbare Werke des Künstlers, etwa
die „Madonna con il Bambino in gloria, San
Giovannino e angeli“ in der Galleria Nazionale
di Capodimonte und die „Madonna in adora-
zione del bambino incoronata da angeli“ in der
­Pinacoteca Nazionale di Palazzo Arnone in
Cosenza befinden.
Im Vergleich mit eben diesen, stellt er fest,
dass es sich bei vorliegendem Gemälde um ein
Exemplar aus der reifen Phase des Meisters
handelt, das in stilistischem Einklang mit seinen
bedeutendsten Werken steht. Besonders
eindrucksvoll ist es auch aufgrund seiner
­einzigartigen Ikonizität, die, durch die isolierte
und prominente Darstellung der Jungfrau Maria
und dem Kind, eine monumentale Bedeutung
erhält.
CHF 25 000 / 30 000
(€ 21 930 / 26 320)
3002
3003
Gemälde Alter Meister
| 6
3004
FLORENTINISCHER MEISTER
DES 14. JAHRHUNDERTS
Kreuzigung Christi.
Tempera auf Holz.
32,3 x 11,8 cm.
Provenienz:
- Sammlung Giorgio Augusto Wallis, Florenz,
vor 1895.
- Auktion J. M. Heberle (H. Lempertz), Berlin,
24.5.1895, Los 28.
- Seit mindestens 1953 im heutigen
schweizerischen Familienbesitz.
Literatur:
Katalog der ausgewählten und reichhaltigen
Gemälde-Galerie aus dem Nachlasse des zu
Florenz verstorbenen Giorgio Augusto Wallis.
Auktion J. M. Heberle (H. Lempertz), Berlin,
24.5.1895, S. 4, Los 28.
Das über ein Jahrhundert verborgen ge­bliebene
Täfelchen – vermutlich zugehörend zum
­rechten Flügel eines Flügelaltars zur Privatan-
dacht – figuriert in der Fototeca Federico Zeri
(Scheda 7713) unter Zuschreibung an den
sogenannten Maestro della Crocefissione di
Cristo nel Camposanto als pisanische Arbeit
um 1330 – 1350. Das namengebende Fresko im
Camposanto gilt heute mehrheitlich als Arbeit
des Francesco Traini (1321 – 1365).
Insbesondere der imposante Christus am Kreuz
liefert die Grundlage für die kunsthistorische
Einschätzung des hier angebotenen Werks.
Die monumentale Konzeption seines ­nach
­vorne überhängenden Körpers, die so als
eine spätere Besinnung auf Giottos (um 1270
– 1337) Santa Maria Novella Croce Dipinta
erscheint, sowie die wunderbar fein ausgeführte
Modellierung des treffend artikulierten
Christus­körpers – besonders schön das
transparente Lendentuch, das mehr offenbart
als verhüllt – weisen auf eine Autorschaft der
grossen florentinischen Malergeneration der
ersten Hälfte des Trecento um Bernardo Daddi
(um 1295 – um 1348) und den Meister von­
­S. Martino alla Palma (um 1334 – 1366) hin.
Selbst der narrative Aspekt in der ­Schilderung
unserer Kreuzigung präsentiert sich als Kurz-
form von Bilderfindungen, wie sie Giotto für
seine Kreuzigungsbilder um ca. 1315 formuliert
hatte, etwa jene in der Staatlichen Gemälde
Sammlung in Berlin (Inv. Nr. 1074 A) und im
Musée des Beaux-Arts in Strassburg. Dies
bestärkt den Eindruck, dass für vorliegendes
Kreuzigungsbildchen ein florentinischer Maler
der Giotto Nachfolge am Werk war.
Andere graphische Details in unserem Bild, wie
beispielsweise die sorgfältig stilisierten Haar-
wellen des Christus, lassen eine Autorschaft
vermuten, die womöglich auch im Bereich der
Buchmalerei tätig gewesen sein könnte. Die
Erzählfreude, wie sie uns im unteren ­Bereich
der expressiv anmutenden (und deshalb emi-
lianisch wirkenden) Figuren zutage tritt, steht
den ­Werken Bernardo Daddis und jenen seiner
späteren Zeitgenossen nahe.
CHF 80 000 / 120 000
(€ 70 180 / 105 260)
Gemälde Alter Meister
| 8
3005
NÜRNBERGER MEISTER,
FRÜHES 16. JAHRHUNDERT
Der Heilige Sebastian.
Öl auf Holz.
41 x 36 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 020 / 10 530)
3005
| 9
3006
NIEDERRHEINISCHER MEISTER, UM 1539
Porträt wohl der Anna Wachendorf. 1539.
Öl auf Holz.
Oben mittig bezeichnet und datiert:
Anna Wachendorf[.]s Anno dni 1539 [.]hr[..]
alter[.] 30.
49,3 x 36,3 cm.
Gutachten: Dr. Michaela Schedl, 10.2.2019.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Am oberen Bildrand steht, in einer der Schreib-
schrift nahestehenden humanistischen Minu-
skel, folgende Inschrift: „Anna Wachendorf[.]
s Anno dni 1539 [.]hr[..] alter[.] 30“, die gemäss
Dr. Michaela Schedl wahrscheinlich wie folgt
zu ergänzen ist: „Anna Wachendorf[f]s Anno
d(omi)ni 1539 [y]hr[es] alter[s] 30“.
Im Fazit ihres ausführlichen Gutachtens
schreibt Dr. Schedl: „Das Bildnis der Anna
Wachendorf ist 1539 datiert. Möglicherweise
handelt es sich dabei um ein Verlöbnisbildnis,
zu dem es ein Pendant gab. Wie Vergleiche
mit Porträts des in Köln tätigen Bartholomäus
Bruyn dem Älteren zeigen, lassen sich gewisse
stilistische Ähnlichkeiten sowie ikonographische
Übereinstimmungen finden.“
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 260 / 7 020)
3006
Gemälde Alter Meister
| 10
3007
LUCAS CRANACH D. Ä. UND WERKSTATT
(Kronach 1472 – 1553 Weimar)
Bildnis des sächsischen Kurfürsten
Friedrich der Weise. 1525.
Öl auf Buchenholz.
Oben links über der Schulter mit Schlange
signiert und mit Datum: 1528.
38,7 x 25,3 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, Binningen bei Basel, 1974.
- durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer
Privatbesitz.
Ausstellung:
Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druck-
graphik, Kunstmuseum Basel, 15.6.-8.9.1974,
Nr. 189.
Literatur:
Koepplin, Dieter / Falk, Tilman: Lukas Cranach.
Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Basel
1974, Kat. Nr. 189, S. 298.
Lucas Cranach d. Ä. wurde 1505 von Herzog
Friedrich dem Weisen (1463 – 1525), Kurfürst
von Sachsen, als Hofmaler nach Wittemberg
berufen und war fast ein halbes Jahrhundert
lang für drei aufeinanderfolgende Kurfürsten
tätig. 1508 verlieh Kurfürst Friedrich Cranach
das Wappen mit der geflügelten Schlange, das
die Grundlage für seine Unterschrift bilden
­sollte, wie im vorliegenden Werk ersichtlich.
Herzog Friedrich der Weise war für seine
Förderung der Künste und des Humanismus
von signifikanter Bedeutung. Er gründete
1502 die Universität zu Wittenberg, die den
Renaissance Humanismus förderte und später
als Lehrzentrum der Reformation fungierte.
1512 wurde Martin Luther dort Professor für
Theologie.
Das hier angebotene Bildnis Friedrich des
Weisen aus Schweizer Privatbesitz, war zuletzt
1974 anlässlich der von Dr. Dieter Koepplin
kuratierten Ausstellung „ Lucas Cranach“ im
Kunstmuseum in Basel zu sehen, wo es als ein
eigenhändiges Werk des Meisters bezeichnet
wurde (siehe Literatur).
Jüngste Untersuchungen vertreten nun die
Meinung, dass die alleinige Autorschaft Lucas
Cranachs d. Ä. bei keinem ihm zugewiesenen
Werk eindeutig zu belegen ist und grundsätzlich
von einer Beteiligung der Werkstatt, ­darunter
auch seines Sohnes Lucas Cranachs d. J.
(1515 – 1586), auszugehen ist. Dieser Meinung
schliesst sich Dr. Dieter Koepplin in unserem Fall
ebenfalls an.
Mit diesem Ansatz bringt Dr. Michael Hof-
bauer, der unsere Tafel ebenfalls im Original
untersucht hat und wofür wir ihm danken,
unsere Darstellung (Corpus Cranach Nr. CC-
POR-160-026) mit einer Gruppe von sechs
heute noch erhaltenen Bildnissen Friedrichs des
Weisen (CC-POR-160-026, CC-POR-160-027,
CC-POR-160-028, CC-POR-160-029,
CC-POR-160-030, CC-POR-160-031) in
­Verbindung, die trotz leichter motivischer
und maltechnischer Abweichungen in einem
ähnlichen Zeitraum entstanden sind. Alle
sechs Versionen tragen am linken Bildrand die
­Schlange nach rechts.
Die Version in Schleswig, Museum für Kunst
und Kulturgeschichte Schloss Gottorf (Leih-
gabe der Stiftung Rolf Horn), ist 1525 datiert.
Da bei diesem Werk, übereinstimmend mit
der vorliegenden Version, die Locken rechts
des Auges mit einem Schwung nach außen
enden, dürften beide Werke zeitlich eng bei-
einander ­entstanden sein. Aus dem Infrarot­
reflektogramm (IRR-Untersuchung durch Dr.
­Michael Hofbauer am 27. November 2018 mit
OSIRIS A1) und dem Oberflächenbild unseres
­Gemäldes lässt sich ablesen, dass im Bereich
der Schlange Übermalungen vorgenommen
wurden und die Ziffer 8 in unserem Gemälde
ursprünglich eine 5 war. Es muss deshalb davon
ausgegangen werden, dass auch das vorliegen-
de Bild 1525 entstanden ist.
Bei dieser Werkgruppe ist die Inschrift mit
Lobesversen auf den Dargestellten im un-
teren Drittel der Tafel, wie auch bei unserer
­Darstellung, kalligraphiert, im Unterschied zu
den späteren, bei denen die Texttafel gedruckt
ist. Tatsächlich gab Friedrichs Nachfolger,
­Herzog Johann der Beständige (1468 – 1532),
nach Friedrichs Tod 1525 mehrere Bildnisse sei-
nes Bruders bei Lucas Cranach d. Ä. in Auftrag.
Das Infrarotreflektogramm zeigt zudem Unter-
zeichnungen, die im Werkstattbetrieb bei der
Mehrfachanwendung von Motivvorlagen zur
Anwendung gekommen sein dürften.
Im unteren Bereich des Gemäldes, am Über-
gang von Malerei zu aufgeklebtem Papier ist zu
erkennen, dass der Papierstreifen erst auf die
fertige Malerei aufgeklebt worden sein dürfte,
denn an Stellen mit Ausrissen ragen die Pinsel­
spuren des Pelzes unter das aufgeklebte Papier.
CHF 90 000 / 120 000
(€ 78 950 / 105 260)
Gemälde Alter Meister
| 12
3008
PEDRO FERNÁNDEZ DE MURCIA
(WERKSTATT)
(tätig um 1489 – 1523)
Die Kreuztragung Christi.
Öltempera auf Leinwand auf Holz.
115,8 x 83,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Dieses bisher unveröffentlichte Gemälde mit
der Kreuztragung gewährt Einblick in ein
faszinierendes Kapitel der iberischen
­Renaissance Malerei des frühen 16. Jahrhun-
derts. Die grossen durch das Dreigestirn Leo-
nardo (1452 – 1519), Raphael (1483 – 1520) und
Michelangelo (1475 – 1564) hervorgebrachten
künstlerischen Erneuerungen der italienischen
Hochrenaissance und politische Gegeben-
heiten in Italien begünstigten und motivierten
iberische Maler, gegen Ende des 15. Jahr-
hunderts nach Italien zu reisen, um sich dort
künstlerisch weiter zu entwickeln. Dies geschah
zunächst in der Lombardei in unmittelbarer
Nähe zu Leonardo da Vinci, der damals (1482
– 1499) am Sforzahof in Mailand wirkte und
nach seiner temporären Rückkehr nach Florenz
(1500 – 1506) dort – jetzt unter französischer
Herrschaft – erneut tätig wurde.
Zu den iberischen, nach Italien eingewanderten
Malern, deren Wege sich mit Leonardo gekreuzt
haben müssen, gehörten Fernando Llanos
(tätig um 1506 – 1516) und Fernando Yanez (um
1475 – 1536), Alfonso Berruguette (um 1488 –
1561) und Pedro Fernández. Während Fernando
Yanez und Fernando Llanos, Leonardo wohl
von Mailand aus nach Florenz begleiteten, wo
sie den ­Florentiner an der Arbeit für die Anghari
Schlacht unterstützten, um nach dessen
Rückkehr nach Mailand, wieder in die ­spanische
­Heimat zurückzukehren, führten Pedro
Fernández die Wege von Mailand nach Neapel
und Rom, wo er bis in das 2. Jahrzehnt des
16. Jahrhunderts wirkte. Im Zusammenhang
mit unserer Tafel hat uns Pedro ­Fernández zu
interessieren, dessen künstlerische Formation
zunächst eng an die künstlerischen Vorgänge
in der Mailänder Metropole gebunden war, die
damals von Leonardo da Vinci, Zenale (um 1460
– 1526) und Bramantino (um 1456 – um 1530)
geprägt waren.
Nicht zufällig wurde unser Maler vor seiner
biographischen Identifizierung als ­Pedro
Fernández von der Kunstgeschichte unter
dem Notnamen Pseudo-Bramantino geführt.
Dieser Maler ist nach seinen ersten Mailänder
Jahren in Neapel und Rom verbürgt und sein
eigenwilliger mitunter höchst ­expressiver Stil
präsentiert sich – vereinfacht auf einen Nenner
gebracht – als eine Art Synthese aus Leonardo
da Vinci und ­Bramantino gepaart mit Anflügen
an ­Michelangelos und Raphaels römischen
Werke. Im Laufe des zweiten Jahrzehnts des
16. Jahrunderts dürfte der Spanier wieder in sei-
ne Heimat zurückgekehrt sein, wo er 1521 den
der Heiligen Elena geweihten Hochaltar für die
Kathedrale von Girona schuf. Es ist eben dieser
Altar, zu dem vorliegende Tafel die deutlichsten
Stilbezüge erkennen lässt. Das gilt für die mäch-
tigen ­Rückenfiguren, die gerne an den Bildvor-
dergrund gerückt sind und auch im vorliegenden
Gemälde Bild bestimmend sind. So sind Figuren,
wie der junge in Rückenansicht gezeigte und
das Kreuz schleifende Recke mit seinen eng an-
haftenden und so die Gesässmuskeln betonen-
den Beinkleidern, ähnlich auch im Elena Zyklus
von Girona wieder zu finden. Solche Figuren wie
auch die sich etwas windenden Rückenansich-
ten bezeugen unverkennbar eine Kenntnis von
Michelangelos Sixtina Fresken (1508 – 1512)
gleich wie sich die in unserem Bild zu erkennen-
den ­Greisengesichter von Leonardos Typen
herleiten lassen. Die Figuren mit ihren leicht
karikierten, an ­Leonardos ­Charakterstudien
gemahnenden Gesichtszügen erscheinen eng
verbunden mit dem Typenrepertoire des Pedro
Fernández, in dessen Werkstatt das Bild wohl
gegen 1520 entstanden ist.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für die
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses
Gemäldes.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
Gemälde Alter Meister
| 14
3009*
ADRIAEN ISENBRANDT (UMKREIS)
(vor 1510 Brügge 1551)
Kreuzigung Christi.
Öl auf Holz.
39 x 26,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 390 / 6 140)
3009
| 15
3010
ROGIER VAN DER WEYDEN
(NACHFOLGER DES 16. JAHRHUNDERTS)
(Tournai 1400 – 1464 Brüssel)
Madonna mit Kind.
Öl auf Holz.
32,2 x 22,7 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 50 000 / 70 000
(€ 43 860 / 61 400)
3010
Gemälde Alter Meister
| 16
3011
ANTONIO VIVARINI
(um 1440 Venedig um 1484)
Madonna dell’Umiltà.
Tempera auf Holz.
49,5 x 29,7 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Antonio Vivarini, dem das hier angebotene
Madonnenbild zugewiesen werden kann, stand
am Anfang einer berühmten venezianischen
Malerdynastie des 15. Jahrhunderts, die aus
einer Glasbläserfamilie in Murano hervorgegan-
gen ist. Mit seinem Bruder Bartolomeo Vivarini
(1432 – 1499) und dessen Sohn Alvise (um 1442
– um 1503) sowie seinem Schwager Giovanni
d’ Allemagna (um 1411 – 1450) führte er die
sogenannte Muraneser Schule an, die sich zu
Beginn aus der spätgotischen Kunst des Gentile
da Fabriano (um 1370/85 – 1427), dem frühen
Jacopo Bellini (um 1400 – um 1470/71) und
besonders der späteren Gentile-Interpreten
Zanino di Pietro (um 1380 – um 1443) und
Michele Giambono (um 1400 – 1462) ent­
wickelte, und später auch an den Neuerungen
in Padua um Squarcione (um 1395 – um 1468)
und den jungen Mantegna (1431 – 1506) ori-
entiert. Vorliegende Tafel vereint jedoch noch
die Vorgaben der genannten spät­gotischen
Meister, was über einen Vergleich mit Miche-
le ­Giambonos (um 1400 – um 1462) nach
ähnlichem Bildvorwurf konzipierter Madonna
dell‘Umiltà in der Walters Art Collection in
Baltimore (Inv. Nr. 37.537) und Zanino di Pietros
(tätig um 1389 – 1448) Madonna mit dem
Heiligen Hieronymus und weiterer Heiligen
(ehemals Bellesi Collection, London) leicht
überprüft werden kann. Antonio Vivarini wird
diesen Zusammenhang mit Gentiles Bildtra-
dition mit seiner Madonna im Museo Bargellini
in Bologna selbst noch klarer zum Ausdruck
bringen, wo er die gleiche Figurenkonfiguration
von Mutter und Kind in Manier des Gentile da
Fabriano und Michele Giambono auf eine üppige
Wiese vor dem Hintergrund eines Wäldchens
setzte. Die Stilverwandtschaft mit einer frühen
um 1441 gemalten Madonna in der Galeria dell’
Accademia in Venedig scheint darauf hinzuwei-
sen, dass unsere Madonna vermutlich Antonio
Vivarinis Frühwerk in den frühen 1440er Jahren
zuzurechnen ist.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses
Gemäldes.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
Gemälde Alter Meister
| 18
3012
SCHWEIZ, 16. JAHRHUNDERT
Porträt eines Mannes.
Öl auf Holz.
Oben rechts mit Monogramm und Datierung:
CL (ligiert): O.M. 1555.
48,6 x 36,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
3012
| 19
3013
TOMMASO DI CREDI
(tätig in Florenz um 1490 – 1510)
Madonna mit Kind und Johannes der Täufer.
Öl auf Holz.
57,3 x 53,2 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Das vorliegende Gemälde ist stilistisch sehr
nahe an dem Oeuvre des Lorenzo di Credi
(1459 – 1537), einem der einflussreichsten
Künstler im Florenz der Hochrenaissance. Credi
begann seine Ausbildung mit Leonardo da Vinci
(1452 – 1519) in Andrea del Verrocchios (1435
– 1488) Werkstatt, die er nach dem Tod des
Meisters übernahm. Er stellte hauptsächlich
Andachtsdarstellungen mit der Madonna und
der Anbetung des Christuskindes für ­private
Mäzene her. Tommaso di Credi, der Maler
der hier angebotenen Tafel, war einer seiner
Schüler, der ebenfalls unter dem Namen Master
of the Sacra Conversazione of Santo Spirito be-
kannt ist, und sich auf Tondos mit den Darstell­
ungen der Maria mit dem Kind und dem Heiligen
Johannes vor einer Landschaft spezialisierte.
Auch das hier angebotene Gemälde wurde allen
Anschein nach für einen privaten florentini-
schen Palazzo ausgeführt.
Die Bildidee unserer Tafel, welche die Maria auf
einer Bank vor einer weiten Landschaft sitzend
verbildlicht, entwickelte sich im frühen 16.
Jahrhundert in Florenz zu einem hoch erfolgrei-
chen Bildtypus und findet sich unter anderem
auch um 1505 in Raffaels Terranuova Madonna
weiter interpretiert, die sich heute in den Staat­
lichen Museen zu Berlin befindet.
Tommasos Madonnenbild vereinigt damit ver-
schiedene erfolgreiche Vorgaben der grössten
Renaissance Maler zu einem attraktiven Zeug-
nis der glanzvollen florentinischen Maltradition
zu Beginn des 16. Jahrhunderts.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine
Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 21 930 / 30 700)
3013
Gemälde Alter Meister
| 20
3014*
GIOVANNI BATTISTA VOLPONI
(tätig in Pistoia, frühes 16. Jh.)
Madonna mit Jesuskind und Heiligem Franziskus
und Bernhardin von Siena.
Öl auf Holz.
125 x 124 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Das vorliegende Werk stammt von Giovanni
Battista Volponi, genannt lo Scalabrino, wie
Professor Mauro Lucco bestätigt.
Lo Scalabrino war Schüler des Fra‘ Paolino da
Pistoia (1488 – 1547), seinerseits Schüler des
Fra‘ Bartolomeo (1472 – 1517). Des Weiteren
arbeitete Scalabrino mit Gerino da Pistoia
(1480 – 1529), weshalb seine Arbeiten auch den
Einfluss romagnolischer Künstler, wie etwa den
von Gasparo Sacchi da Imola (tätig um 1517 –
1536) aufweisen.
Weitere Arbeiten des Künstlers befinden sich
beispielweise im Museo Civico in Pistoia (Foto-
teca Zeri, Nr. 37759), im Palazzo Arcivescovile
in Viterbo (Fototeca Zeri, Nr. 37763) und der
Pinakothek in Parma (Inv. Nr. 158, Kat. Nr. 233).
Prof. Mauro Lucco bestätigt die Eigenhändigkeit
anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
3014
| 21
3015*
SCHULE VON ROUSSILLON, UM 1500
Szenen aus dem Leben eines Pilgers.
Öl auf Holz.
80 x 62 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s, London, 22.4.1994,
Los 191.
- Europäischer Privatbesitz.
CHF 18 000 / 25 000
(€ 15 790 / 21 930)
3015
Gemälde Alter Meister
| 22
3015A
BARTOLOMEO RAMENGHI
(Bagnacavallo 1484 – 1542 Bologna)
Madonna mit Kind.
Öl auf Holz.
34,5 x 28,2 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 260 / 7 020)
3015A
3015A (mit Rahmen)
| 23
3016
EUSEBIO DA SAN GIORGIO
(ZUGESCHRIEBEN)
(1470 Perugia 1550)
Maria mit Kind.
Öl auf Holz.
79,5 cm Durchmesser (rund).
Provenienz:
- Sammlung Vincent, Zürich, 1954.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
Gemälde Alter Meister
| 24
3017*
RIDOLFO DEL GHIRLANDAIO
(1483 Florenz 1561)
Porträt des Agostino Dini.
Öl auf Holz.
Unten links bezeichnet: Anno Agostino Dini.
89 x 69,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Wie bereits Giorgio Vasari (1511 – 1574)
in seinen Viten berichtet, zählt Ridolfo del
­Ghirlandaio (Grillandajo Bigordi) zu den erfolg-
reichen Künstlern seiner Zeit (Vasari, Le vite
dei più ecellenti Pittori, Scultori ad Architettori,
ed. Milanesi 1871, Bd. VI, S. 531 – 548). Auf
Anraten seines Onkels und Ziehvaters Davide
Ghirlandaios (Davide Bigordi, 1452 – 1525)
hin, begann Ridolfo seine künstlerische Aus­
bildung in dessen Werkstatt bereits in jungen
Jahren. Studien belegen seine Faszination für
die älteren Meister, wie etwa für die Fresken
von Masaccio (1401 – 1428) oder die Arbeiten
des Fra’ Bartolomo (1472 – 1517) und Piero
di Cosimo (1462 – 1522). So verwundert es
kaum, dass sich in seinen Werken die strenge
Konturierung der Zeichnung des Masaccio mit
der ruhigen Komposition und der reduzierten
Farbigkeit eines Fra’ Bartolomeo und Piero di
Cosimo verbunden findet (Kecks, R.G.: Ridolfo
de Ghirlandaio, in: Allgemeines Künstler Lexikon,
München/ Leipzig 2007, S.79).
Seine Werke, wie beispielsweise das Mosaik der
„Verkündigung Mariae“ über dem Eingangs-
portal des Chiostrino dei Voti von ­SS. Annun-
ziata (Florenz 1513), wurden von Künstlern
wie Monte di Giovanni (1448 – 1533), Mariotto
di Biagio (1474 – 1515) und Lorenzo di Credi
(1459 – 1537) geschätzt (Magini, E.: Un clas-
sicista fiorentino, 1968, S. 23, Anm. 31), wobei
Vasari insbesondere Ghirlandaios Talent für die
Porträtmalerei hervorhebt. Bildnisse wie das der
Lukrezia Sommaria (Washington DC, National
Gallery of Art, Inv. Nr. 1942.9.23) oder das Bildnis
des Cosimo I (1519 – 1574) als junger Mann
(Palazzo Vecchio, Florenz, Fototeca Zeri, Nr.
34523) zeugen von einer „überaus lebendigen,
individuellen und psychologisch einfühlsamen
Charakterisierung“, die immer wieder auch mit
Leonardo in Zusammenhang gebracht wurde
(Kecks 2007, S. 80). Folglich stand er auch mit
den Künstlern seiner Zeit in regem Austausch.
So beispielsweise nicht nur mit Leonardo
(1452 – 1519), sondern auch mit Raffael (1483
– 1520), mit dem er, Vasari zufolge, freund-
schaftlich verbunden war und für den er, nach
dessen Weggang nach Rom, sogar ein Gemälde
vollendet (vermutlich die Belle Jardinière, Musée
du Louvre, Paris, Inv. Nr. 602) und ein anderes
restauriert (Madonna of the Goldfinch, Uffizien
Florenz, Inv. 11890, Nr. 1447) haben soll.
Ridolfo Ghirlandaio stand in engem Kontakt
mit den bedeutendsten Persönlichkeiten von
Florenz, darunter die Familie de Medici, und er
führte zahlreiche offizielle Aufträge aus wie die
Ausstattung der päpstlichen Gemächer in Santa
Maria Novella für den Besuch von Papst Leo X
im Jahre 1515 (Kecks 2007, S. 80).
So ver­wundert es kaum, dass er auch ­Antonio
di Francesco Dini (? – 1552) porträtierte,
der ebenfalls zu einer der einflussreichsten
Florentiner Familien der Renaissance zählt,
und unter ­anderem die Kreuzabnahme von
Francesco ­Salviati (1510 – 1563) für den Altar in
Santa Croce in Florenz in Auftrag gegeben hat
(Hamburgh, H. E.: Rosso Fiorentino‘s Descent
from the Cross in a Franciscan Context, in: The
Sixteenth Century Journal, Vol. 19, Nr. 4, Winter
1988, S. 581).
Weitere vergleichbare Werke finden sich unter
anderem in der National Gallery in London
(Bildnis des Girolamo Benivieni, Inv. Nr. NG2491)
sowie im Museum Thyssen-Bornemisza in
Madrid (Bildnis eines Mannes aus dem Hause
Capponi, Inv. Nr. 159.1977.69).
Das Gemälde ist in der Fototeca Zeri archiviert
(Nr. 34533).
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 020 / 10 530)
Gemälde Alter Meister
| 26
3018*
HENDRICK GOLTZIUS (UMKREIS)
(Bracht 1558 – 1617 Haarlem)
Vier Tafeln mit den Evangelisten.
Öl und Goldgrund auf Holz.
Je 37,9 x 26,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 35 090 / 52 630)
30183018
| 27
30183018
Gemälde Alter Meister
| 28
3019
JAN GOSSAERT GENANNT MABUSE
(UMKREIS)
(Maubeuge 1478 – 1532 Antwerpen)
Triptychon mit der Darstellung von Maria und
dem Jesuskind, Johnnes des Täufers und einem
Auftraggeber.
Öl auf Holz.
55 x 36,5 cm (Zentraltafel).
Je 55,5 x 16 cm (Flügel).
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 10 000
(€ 7 020 / 8 770)
3020*
FRANS FRANCKEN D. J.
(1581 Antwerpen 1642)
Das Jüngste Gericht. 1606.
Öl auf Kupfer.
Unten mittig schwer leserlich signiert und datiert: D.I. F.FRANKEN FECIT/
INVENTOR Ao 1606. Rückseitig mit Stempel des Kupfertafelmachers
Pieter Stas (um 1565 – nach 1616), datiert „Anno 1604“ sowie der Marke
der Antwerpener Gilde und der Inschrift: Guido/Vniuo/del/Franch Ollan/
dese/N. 11.
66,3 x 50,3 cm.
Provenienz:
- Sammlung Arundel.
- Sammlung Madame Marie Jeanne De Blieck, Burghman.
- Auktion Koller, Zürich, 18.3.2008, Los 3106.
- Europäischer Privatbesitz.
Diese Darstellung des Jüngsten Gerichts lässt sich mit einer anderen Ver-
sion vergleichen, die bei Sotheby‘s Amsterdam am 2.11.2004 als Los 46
versteigert wurde (vgl. auch Härting, Ursula: Frans Francken der Jüngere.
Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1989, Bd. 2, Nr. 174, S.
276). Diese signierte und 1606 datierte Tafel trägt auf der Rückseite, wie
auf unserem Gemälde, das Monogramm des Kupferschmieds Pieter Stas
sowie das Entstehungsjahr 1604. Kompositorisch sind diese beiden Ver­
sionen sehr verwandt und zeigen die markante Figur des Teufels in der Mit-
te, der die Seelen antreibt. Es ist anzunehmen, dass sie beide in einem ähn-
lichen Kontext entstanden, wobei dies vor dem Waffenstillstand zwischen
Spanien und den nördlichen Provinzen im Jahr 1609 stattgefunden haben
muss. 1585 war Antwerpen von den Spaniern unter Alexander ­Farnese er-
obert und der katholische Glaube als Hauptreligion übernommen ­worden.
Dies spiegelte sich auch in den Künsten wieder, wie im Frühwerk Frans
Franckens II. und am Beispiel dieser beiden Werke zu sehen ist.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 26 320 / 35 090)
3019
3020
Gemälde Alter Meister
| 30
3021*
JAN WELLENS DE COCK
(Leiden um 1470 – 1521 Antwerpen)
Die Versuchung des Heiligen Antonius.
Öl auf Holz.
27,7 x 37,2 cm.
Gutachten:
Dr. Luuk Pijl, 19.7.2005 (in Kopie vorhanden).
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Diese in einer Privatsammlung entdeckte
„Versuchung des Heiligen Antonius“ lässt sich
als eine eigenhändige Arbeit des Jan Wellens de
Cock identifizieren, wie Dr. Luuk Pijl in seinem
Gutachten bestätigt.
Bislang ist nur wenig über das Leben des Jan
Wellens de Cock bekannt. Einträge der Antwer-
pener Malergilde aus den Jahren 1506 und 1516
belegen seine Tätigkeit als Lehrmeister sowie
seine Funktion als Dekan der Gilde, die er sich
mit seinem Malerkollegen Joos van Cleve (1485
– 1540) teilte.
Unter anderem lernten auch de Cocks Söhne,
Hieronymus (1518 – 1570) und Matthys (1505
– 1548), in seiner Werkstatt, wobei vor allem
ersterer nicht nur als Maler und Kupferstecher
bekannt wurde, sondern zum wichtigsten
Verleger des 16. Jahrhunderts avancierte,
und massgeblich zur Verbreitung von Zeich-
nungen und Stichen, wie beispielsweise jene
seines einstigen Lehrlings Pieter Brueghel d. Ä.
(1525/30 – 1569), beitrug.
Da bislang keine signierten Werke des Künstlers
bekannt sind, rekonstruierte Max J. Friedländer
das Oeuvre des Jan Wellens de Cock basierend
auf dem Gemälde „Landschaft mit Heiligem
Christopherus“, das in einem Stich reproduziert
wurde, welcher mit Pictum J. Kock bezeichnet
war.
Dr. Luuk Pijl weist auf die starken Parallelen des
Werks von de Cocks zu jenem von Cornelis
Engelbrechtsz (1468 – 1533) aus Leiden hin,
was ihm zufolge vermuten lässt, dass de Cock
ursprünglich aus eben dieser Stadt stammt und
eventuell identisch mit Jan van Leyen ist, der
sich 1503 in Antwerpen niederliess.
Jan Wellens de Cock zählt, so Dr. Luuk Pijl, zu
jener Gruppe von Malern, die als Antwerpener
Manieristen bezeichnet werden. Ihre Arbeiten
florierten in einem kulturellen Klima, das von der
Wirtschafts- und Handelskraft des unangefoch-
tenen kommerziellen Zentrums des damaligen
Europas geprägt war. Meister wie etwa Goossen
van der Weyden (um 1465 – 1538), der frühe
Jan Gossaert (1478 – 1532), Jan de Beer (um
1475 – vor 1528), Herri met de Bles (1510
– 1555/1560) oder Jan Meyden (1500/02 –
1559/60) zählen zu den Protagonisten der Ant-
werpener Manieristen. Mit ihnen teilt de Cock
seine Vorliebe für überspitzte figurale Formen,
ausladende Posen, reiche Kostüme und kräftige
Farben, die auch in dem hier offerierten Werk
deutlich wird:
Die Darstellung zeigt den Heiligen Antonius in
Meditation, der Versuchung des Weins wider-
stehend, der ihm von einer prachtvoll gekleide-
ten Dame und ihrem Begleiter in einem edlen
Kelch angeboten wird. Mehrere vom Teufel
gesandte, fantastische Kreaturen beobachten
den Abt. Eingebettet ist diese Szene in eine
Ruinenlandschaft, in der sich weitere fantasti-
sche Kreaturen finden, die ebenso detailreich
wie beeindruckend fein ausgeführt sind.
Bei diesem Gemälde handelt es sich, wie
Dr. Luuk Pijl bestätigt, um eine neue Entdeckung
und bedeutsame Erweiterung des Oeuvres
von Jan Wellens de Cock. Die Komposition des
Werks ähnelt einem bekannten Stich von de
Cock, der auf das Jahr 1522 datiert und sich
Abb. 1. Jan Wellens de Cock: The Temptation of Saint Anthony, 1522, Holz-
schnitt, Rosenwald Collection, Inv. Nr. 1954.12.225. Courtesy National Gallery
of Art, Washington.
heute in der National Gallery of Arts in Washing-
ton befindet (Abb. 1, Inv. Nr. 1954.12.225; Holl-
stein´s Dutch and Flemish etchings, engravings
and woodcuts 1450–1700, Amsterdam 1954,
IV, Nr. 1, Abb. 11).
Das Motiv des Stichs ist nicht seitenverkehrt
zu jenem des Gemäldes, sodass der Stich
dem Gemälde vorausgegangen sein und das
Gemälde folglich zwischen 1522 und 1527, dem
Todesjahr de Cocks, entstanden sein muss.
Das Thema der „Versuchung des Heiligen
­Antonius“ hat in der westlichen Kunst lange
­Tradition und war vor allem um 1500 ein belieb-
tes Thema. Künstler wie Hieronymus Bosch (um
1450 – 1516), Joachim Patinir (um 1475/1480
– 1524), Quentin Massys (um 1466 – 1530) und
Mathias Grünewald (um 1475/80 – ca. 1530)
zeigten den Einsiedler häufig in einer infernalen
Landschaft. Im Gegensatz zu ihnen, zeigt de
Cock den Heiligen in einer friedlichen Umge-
bung und in Meditation. Er führt ein standhaftes
Leben und lässt sich nicht von den weltlichen
Freuden, die ihm von der reizenden Dame
­dargeboten werden, ablenken.
Dr. Luuk Pijl macht darauf aufmerksam, dass
sich eine weitere Darstellung desselben Motivs
in der Sammlung Thyssen in Madrid befindet,
die ebenfalls von der Hand Jan Wellens de Cock
stammt (Inv. Nr. 93(1928.5)), Die Versuchung
des heiligen Anthonius, Öl auf Holz, 60 x 45,5
cm).
CHF 50 000 / 70 000
(€ 43 860 / 61 400)
| 31
Gemälde Alter Meister
| 32
3022
ANTWERPEN, 17. JAHRHUNDERT
Gegenstücke: Verkündigungsdarstellung mit
der Jungfrau Maria und dem Engel.
Öl auf Kupfer.
Je 11,8 x 9,5 cm (oval).
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 750 / 2 630)
| 33
3023
ABRAHAM VAN DIEPENBEECK
(s‘-Hertogenbosch 1596 – 1675 Antwerpen)
Die Rettung des Heiligen Paulus nach dem
Schiffbruch.
Öl auf Holz.
34,5 x 27,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Helene Tepelmann, geborene
Vieweg, wohl vor 1890.
- Auktion Lempertz, Köln, 1.2.1940, Los 87
(Peter Paul Rubens zugeschrieben).
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Steadman, David W.: Abraham van Diepenbe-
eck. Seventeenth-Century Flemish Painter, Ann
Arbor 1982, Abb. 9.
Das hier angebotene Gemälde ist eine der Vor-
studien von Abraham van Diepenbeeck für die
Glasfenster der Dominikanerkirche St. Paulus
in Antwerpen, welche um 1638 zum Leben
des Heiligen Paulus angefertigt wurden, heute
jedoch nicht mehr erhalten sind.
Abraham van Diepenbeeck studierte Glas­
malerei bei seinem Vater und war danach in der
Werkstatt Peter Paul Rubens (1577 – 1640)
tätig.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 630 / 3 510)
3023
Gemälde Alter Meister
| 34
3024*
MEISTER DES VERLORENEN SOHNES
(tätig in Antwerpen, 2. Hälfte 16. Jahrhundert)
Lot und seine Töchter.
Öl auf Holz.
74,5 x 103,5 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, Schweden.
- Auktion Christie‘s, London, 6.4.1984, Los 19.
(als Meister des Verlorenen Sohnes).
- Sammlung Marten Wurfbain, Oegstgeest,
1990.
- Auktion Sotheby‘s, London, 9.7.1998, Los 160
(als Antwerpener Schule, um 1570).
- Auktion Sotheby‘s, London, 14.4.2011, Los 13.
- Europäische Privatsammlung.
Literatur:
Wurfbain, M. L.: Wurfbain fine art III, 1990, S. 104
– 110 (als Antwerpener Schule, 1560 – 80).
Der Meister des Verlorenen Sohnes war ein
Antwerpener Maler, der eine Werkstatt betrieb
und seinen Namen nach einem Bild des Gleich-
nis des verlorenen Sohnes erhielt, mit dem
unser Gemälde stilistisch verglichen werden
kann (Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr.
GG_986, nach 1550, Öl auf Eichenholz, 128,5 x
214,5 cm).
Eine fast identische Version unserer Kom-
position befindet sich im Koninklij Museum in
Antwerpen (siehe Marlier: L‘Atelier du Maître
du Fils Prodigue, in: Jaarboek van het Koninklijk
Museum voor Schone Kunsten, 1961, S. 97),
wobei M. L. Wurfbain die Meinung vertritt, dass
aufgrund der meisterhaften Unterzeichnungen
unsere Version die erste war (siehe Literatur).
Peter van den Brink bestätigt die Eigenhändig-
keit dieses Gemäldes anhand einer Fotografie,
wofür wir ihm danken.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 35 090 / 52 630)
3024
| 35
Gemälde Alter Meister
| 36
3025*
CARLO PORTELLI
(Loro 1539 – 1574 Florenz)
Porträt des Hl. Johannes Chrysostomos.
Öl auf Holz.
34 x 25,3 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 260 / 7 020)
3025
| 37
3026*
JACOB DE BACKER
(um 1540 Antwerpen um 1595)
Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers.
Öl auf Holz.
46,2 x 63 cm.
Provenienz:
- Kunstsammlung Max Minkowski (1844 – 1924),
Königsberg (Sohn aus Russland nach Königs-
berg eingewanderter Juden, Konsul Königs-
berg, erfolgreicher Unternehmer, Stifter des
Neubaus des Kunstmuseums Königsberg).
- Auktion Rudolph Lepke, Berlin, 12.5.1925,
Los 243 (als Jean Baptist Lambrechts).
- Europäischer Privatbesitz.
Jacob de Backer zählt mit Frans Floris (1517 –
1570) und Otto van Veen (1556 – 1629) zu den
bedeutendsten flämischen Malern, die durch
ihre Aufenthalte in Italien die flämische Malerei
des 16. und frühen 17. Jahrhunderts geprägt
haben. Die Werke, die Jacob de Backer nach
seinem Aufenthalt in Florenz in den 1560er
Jahren schuf, zeigen deutlich, dass er den
Florentiner Manierismus verinnerlicht hat. So
offenbaren die elegante Figur der Salome, der
kraftvolle Akt des Henkers und das Kolorit des
hier angebotenen Gemäldes eine eindeutige
Kenntnis der Kunst Giorgio Vasaris (1511 –
1574), Alessandro Alloris (1535 – 1607) und
Francesco Salviatis (1510 – 1562).
Zurück in Antwerpen schuf Jacob de Backer
bedeutende kirchliche Aufträge und malte
mythologische Szenen für wohlhabende Bürger
und Adelige, so auch für den in Brüssel residie-
renden Statthalter der Spanischen Niederlande
Erzherzog Ernst von Österreich und Kaiser
Rudolf II. in Prag. Auch die hier angebotene
biblische Szene war mit hoher Wahrscheinlich-
keit für das Kabinett eines gebildeten Bürgers
bestimmt, der sich an der eleganten Maniera
des Künstlers erfreute.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 35 090 / 52 630)
3026
Gemälde Alter Meister
| 38
3027
BENEDETTO GENNARI
(Cento 1633 – 1715 Bologna)
Rückkehr des verlorenen Sohnes.
Öl auf Leinwand.
118,5 x 166 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 390 / 6 140)
3027
| 39
3028
JACOPO PALMA D. J.
(1544 Venedig 1628)
Bildnis zweier venezianischer Magistraten.
Öl auf Leinwand.
55 x 50 cm.
Provenienz:
- Auktion Eberhart, 1997.
- Seither in Schweizer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 260 / 7 020)
3028
Gemälde Alter Meister
| 40
3029*
GIOVANNI MARTINELLI (ZUGESCHRIEBEN)
(Montevarchi um 1600 – 1659 Florenz)
Christus am Ölberg.
Öl auf Leinwand.
122 x 104 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Rom, bis 1770 (verso Etikett).
- Sammlung Mr. Morris of Dunkettle House,
Cork, ab 1770 (verso Etikett).
- durch Erbschaft, Sammlung Mr. J.H. Corchrane
Merton, Queenstown (verso Etikett).
- Privatsammlung Cork (verso Etikett).
- Privatsammlung Mr. Ievers of Inchera, Cork
(verso Etikett).
- Europäischer Privatbesitz.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
3029
| 41
3030*
FRANÇOIS DE L‘ANGE
(Annecy 1675 – 1756 Turin)
Bildnis der Jungfrau Maria mit Buch vor einer
Landschaft.
Öl auf Kupfer.
Oben links signiert: L‘ANGE PINX.
Links mittig bezeichnet: A CUNCTIS OPTIMA.
49 x 37 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 390 / 6 140)
3030
Gemälde Alter Meister
| 42
3031*
JOHANN KÖNIG
(1586 Nürnberg 1642)
Die eherne Schlange.
Öl auf Kupfer.
Unten rechts signiert: Jo: König f.
33,5 x 26,5 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Als die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten
in der Wüste ungeduldig wurden und gegen
Gott klagten, schickte dieser Giftschlangen zur
Strafe, die viele der Israeliten töteten. Diese
wandten sich hilfesuchend an Moses, der auf
Befehl Gottes ein Kreuz mit einer eherenen
Schlange – das Abbild einer Schlange aus
Kupfererz – errichtete. Wer gebissen wurde
sollte die Schlange anschauen und wurde geret-
tet (Nm XXI, 4 – 9). In der Kunst steht die Heilung
der Israeliten durch die eherne Schlange oft
bildhaft für das Heil, das Jesus durch seinen Tod
am Kreuz erwirkte.
Der Blick des Betrachters wird in unserem
Gemälde zunächst auf das Leid der Israeliten
im Vordergrund gelenkt, die in überzeichne-
ten Posen monumental dargestellt sind. Die
geschickte Anordnung der Figuren lenkt den
Blick dynamisch in die obere rechte Ecke des
Gemäldes, zu dem Hügel mit Moses und der
ehernen Schlange, wo die geheilten Israeliten
sich dankend für ihre Erlösung dem Kreuz
betend zuwenden. Durch die Platzierung des
Hauptmotivs in den hinteren Mittelgrund ent-
steht eine starke räumliche Tiefe und eine sehr
dynamische Dramaturgie. Diese Anordnung des
Geschehens entlang einer vertikalen Achse hat
der Nürnberger Künstler Johann König, der in
jungen Jahren in Augsburg bei Johannes Rot-
tenhammer (1564 – 1625) studierte, vermutlich
während seines Aufenthaltes in Venedig vor
1610 kennengelernt, wie beispielsweise durch
das Studium des monumentalen Deckengemäl-
des Jacopo Tintorettos (1518 – 1594) gleichen
Themas in der Scuola Grande di San Rocco.
Gekonnt interpretiert Johann König ­Tintorettos
monumentale Hell-Dunkel-Malerei in eine
weiche, klare Komposition in zartem Kolorit und
kleinem Format auf Kupfer, die vermutlich für
das private Kabinett eines gebildeten Sammlers
gedacht war.
Dr. Gode Krämer bestätigt die Eigenhändigkeit
dieses Gemäldes und datiert es um 1630, wofür
wir ihm danken. Er weist zudem auf eine weitere
Version des gleichen Themas hin, die ebenfalls
um 1630 entstanden ist und sich im Statens
Museum for Kunst in Kopenhagen befindet (Öl
auf Kupfer, 54 x 76 cm).
Auf Wunsch kann ein Gutachten zu diesem
­Gemälde bei Dr. Gode Krämer angefordert
werden.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 35 090 / 52 630)
| 43
Gemälde Alter Meister
| 44
3032*
VENEDIG, 17. JAHRHUNDERT
Grisaille: Moses verteilt Manna ans Volk.
Öl auf Leinwand.
108 x 86 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 020 / 10 530)
3032
| 45
3033*
AGOSTINO CARRACCI (ZUGESCHRIEBEN)
(Bologna 1557 – 1602 Parma)
Porträt einer edlen Dame mit einem Hund.
Öl auf Leinwand.
118 x 95,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 9 000 / 12 000
(€ 7 890 / 10 530)
3033
Gemälde Alter Meister
| 46
3034
GIUSEPPE PUGLIA GENANNT IL BASTARO
(1600 Rom 1636)
Abraham und Sarah, die Hagar und Ismael mit
Brot und Wasser versorgen und sie in die Wüste
schicken (Genesis 21:14).
Öl auf Leinwand.
102 x 132,5 cm.
Gutachten: Dr. Massimo Francucci, 17.1.2019.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz, mindestens seit 1984.
Dr. Massimo Francucci identifiziert das hier
angebotene Gemälde aufgrund stilistischer
Merkmale als ein charakteristisches Werk des
römischen Malers Giuseppe Puglias il Bastaro
und vergleicht unser Gemälde mit um 1633
entstandenen Werken des Künstlers (siehe
Francucci, Massimo: Giuseppe Puglia, il Bastaro.
Il classicismo naturalizzato nella Roma di Urbano
VIII, San Casciano Val di Pesa, 2014), vor allem
der Darstellung gleicher Thematik, die Erich
Schleier ebenfalls Giuseppe Puglia zuweist
(siehe Schleier, Erich: Giuseppe Puglia, detto
il Bastaro: inediti e nuove proposte, in: Napoli,
l’Europa. Ricerche di Storia dell’arte in onore di
Ferdinando Bologna, hrsg. von Abbate, Frances-
co, Catanzaro 1995, S. 219 – 222).
Auch in anderen Kompositionen unterschied-
licher Thematik stellt Puglia besonders das
Gefühlsempfinden der Charaktere biblischer
Szenen mit derselben Genauigkeit dar und
3034
modelliert sie in einer Manier, die von Guido Reni
(1575 – 1642), der sich zu Lebzeiten Puglias
mehrmals in Rom aufhielt, beeinflusst ist. Der
Künstler verstarb bereits im jungen Alter von 36
Jahren auf dem Höhepunkt seines künstleri-
schen Schaffens, nur wenige Tage nach seiner
Ehefrau Artemisia, die Tochter des römischen
Malers Antiveduto Gramatica (1571 – 1626).
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 020 / 10 530)
| 47
3035
JOOS DE MOMPER
(1564 Antwerpen 1635)
Gottesdienst in einer Felsgrotte.
Öl auf Holz.
73 x 70 cm (oval).
Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 5.2.2019.
Provenienz:
- Sammlung Comte et Comtesse de Marnix,
1836 aus Neapel mitgebracht (verso Etikett).
- Schweizer Privatbesitz.
Dr. Klaus Ertz bestätigt die Eigenhändigkeit nach
Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken,
und datiert das Gemälde gegen Ende der
1620er Jahre. Die Figuren dürften laut Ertz in
der Werkstatt von David Teniers d. Ä. (1582 –
1649) in die Landschaft eingefügt worden sein.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 21 930 / 30 700)
Gemälde Alter Meister
| 48
3036*
ANTHONIE PALAMEDESZ.
(Delft 1601 – 1673 Amsterdam)
Bankettszene im Freien. 1632.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert:
A. PALAMEDES. 1632.
47,5 x 78,5 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s, London, 20.3.1936, Los 71.
- Auktion Sotheby‘s, London, 18.10.1989,
Los 97.
- Kunsthandel Richard Green, London, 1991,
Nr. 11.
- Privatsammlung, Wien.
Diese Darstellung einer edlen Gesellschaft
bei einem Bankett im Freien ist ein charakte-
ristisches Werk des Figurenmalers Anthonie
Palamedesz. von herausragender Qualität.
Es zeigt in besonderer Detailvielfalt eine adlige
Gesellschaft beim Musizieren und Speisen an
einer langen Tafel in einer Waldlichtung.
Im Hintergrund ist ein Anwesen mit einem Park
zu sehen. Die Stimmung von unbeschwertem
Wohlstand wird durch die elegante Bekleidung
der Figuren verstärkt.
Anthonie Palamedesz., der sich auf Genre-,
Porträt- und Stilllebenmalerei spezialisierte, ist
insbesondere für seine fröhlichen und vielfigu-
rigen Interieurszenen bekannt. Er wurde 1601
in Delft als Sohn eines Gemmenschneiders ge-
boren, der kurz darauf in den königlichen Dienst
James I von England trat, wo auch sein Bruder,
der Schlachtenmaler Palamedes Palamedesz.
(1607 – 1638), geboren wurde. Seine künstleri-
sche Ausbildung erhielt Anthonie wohl in Delft
bei dem Hofmaler Michiel van Mierevelt (1566 –
1641) und dem Genremaler Hendrick Pot (1580
– 1657). Palamedesz. wurde 1621 als Mitglied
der Delfter St. Lukasgilde aufgenommen. Um
1625 begann er unter dem Einfluss des Den
Haager Künstlers Esaias van de Velde (1587 –
1630) Festgesellschaften zu malen und wurde
zum Meister dieses Genres in Delft bis er sich in
den 1650er Jahren der Portätmalerei zuwandte.
1673 siedelte er nach Amsterdam über, wo er
am 27. November verstarb. Zu seinen Schülern
gehörten nicht nur sein Bruder und sein Sohn
Palamedes Palamedesz. d. J. (1632 – 1705),
sondern auch der Rotterdamer Porträt- und
Genremaler Ludolf de Jongh (1616 – 1679).
Dieses museale Gemälde ist im RKD, Den Haag,
als ein eigenhändiges Werk von Anthonie
Palamedesz. registriert.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 26 320 / 35 090)
| 49
Gemälde Alter Meister
| 50
3037
ANTWERPEN, UM 1625
Waldlandschaft mit Figuren an einem Fluss.
Öl auf Kupfer.
13 x 16,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Berthold Ségal (1867 – 1939),
Basel.
- Kunsthandel Ségal, Basel, 2003 (erworben für
CHF 23‘000 als Jasper van der Laanen).
- Schweizer Privatbesitz, bei obigem erworben.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 140 / 8 770)
3037
| 51
3038*
ROELANDT SAVERY
(Courtrai 1576 – 1639 Utrecht)
Felsige Landschaft mit Gebirgsbach, Löwen,
Leoparden, Papagei und anderen Vögeln.
Öl auf Holz.
Unten mittig signiert: ROELANDT. SAVERY.
44,5 x 63 cm.
Provenienz:
- Sammlung J. Leger  Son, London, 24.6.1955.
- Europäische Privatsammlung.
Ausstellung:
Roelandt Savery. 1576-1639, Musée des
Beaux-Arts, Gent, 10.4.-13.6.1954, Nr. 87 (verso
Etikett).
Roelandt Savery zählt zu den Pionieren der
eigenständigen Wald- und Tierlandschaften zu
Beginn des 17. Jahrhunderts. Seine Gemälde
sind von einer Vielfalt an Flora und Fauna be-
stimmt, in die sich zahlreiche Tierarten einfügen
und die Szenerie beleben. Mit besonderem
Augenmerk werden die unterschiedlichen Tier-
arten in natürlichem Umfeld präsentiert.
Savery war ab 1604 als Hofmaler unter Kaiser
Rudolfs II. (1552 – 1612) und später unter
seinem Nachfolger Mathias (1557 – 1619) in
Prag tätig, wo er besonders das landschaftliche
Umfeld in seiner Malerei aufgriff und auch die
verschiedenen Tiere, die am kaiserlichen Hof in
grossen Gehegen gehalten wurden, studieren
konnte. Auf Wunsch Rudolfs II. bereiste Savery
von 1606 – 1608 Tirol um die lokale Pflanzen-
welt zu erkunden und malerisch festzuhalten.
Während dieser Zeit wurde Gillis d‘Hondecoeter
(um 1575 – 1638) sein Schüler.
Ab 1618 kehrte Savery zurück in die Niederlan-
de und liess sich in Utrecht nieder, wo er bis zu
seinem Lebensende verweilte. In dieser Zeit
entstand die hier angebotene Waldlandschaft
mit Löwen, einem Papagei, Leoparden an einem
felsigen Bachlauf und anderen Vögeln im Him-
mel. Savery greift hier auf seine, während der
Reise ins Tirol gesammelten, Eindrücke zurück.
Das Motiv der links im Bildraum platzierten
Löwenfamilie an einem Bergbach findet sich
auch in der 1625 datierten Landschaft mit dem
heiligen Hieronymus II, heute im Rheinischen
Landesmuseum, Bonn (Müllenmeister, Kurt,
J.: Roelant Savery, die Gemälde mit kritischem
Oeuvrekatalog, Freren 1988, Kat. Nr. 248, Ft. 49,
S. 157), bei der die Haltung des im Vordergrund
platzierten Löwens sehr an unsere erinnern
lässt.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als eine
eigenhändige Arbeit von Roelandt Savery
registriert.
CHF 30 000 / 50 000
(€ 26 320 / 43 860)
3038
Gemälde Alter Meister
| 52
3039*
JOOS DE MOMPER
(1564 Antwerpen 1635)
Gebirgige Waldlandschaft mit Reisenden.
Öl auf Holz.
22,2 x 31,2 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby‘s, London, 19.3.1975.
- Galerie Müllenmeister, Solingen, 1978.
- Privatsammlung, Deutschland.
- Auktion Koller, Zürich, 20.-22.3.1996, Los 38.
- Europäischer Privatbesitz.
Literatur:
Ertz, Klaus: Joos de Momper der Jüngere,
Freren 1986, Kat. Nr. 511, S. 275 – 277,
Abb. 313.
Joos de Momper gilt als einer der wichtigsten
flämischen Vertreter des Übergangs vom
Manierismus zur realistischen Naturdarstellung.
Oft beanspruchte er - wie in dieser Zeit weit
verbreitet - die Mitarbeit anderer Maler für die
Staffagefiguren. Dr. Klaus Ertz, der dieses
Gemälde ins erste Jahrzehnt des 17. Jahr-
hunderts datiert, vertritt die Ansicht, dass Jan
Brueghel der Ältere (1568 – 1625) die Figuren
der hier angebotenen Tafel geschaffen hat.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 140 / 8 770)
3040
JOHANNES BAERS
(vor 1600 Utrecht nach 1641)
Blumenstillleben mit Tulpen und Biene.
Öl auf Holz.
Unten rechts monogrammiert: JB.
36,5 x 26,5 cm.
Gutachten: Dr. Walther Bernt, 13.8.1958, als
Johannes Bosschaert (in Kopie vorhanden).
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz, seit den 1950er Jahren.
Dr. Fred G. Meijer identifiziert dieses Blumen-
stillleben anhand einer Fotografie als ein eigen-
händiges Werk des Utrechter Stilllebenmalers
Johannes Baers. Noch 1958 vermutete Dr.
Walther Bernt in der Malweise und im Mono-
gramm Johannes Bosschaert (um 1607 – 1628)
zu erkennen, der, wie auch Johannes Baers, mit
den Initialen J.B. monogrammierte.
Meijer verweist auf die Ähnlichkeit dieses
Blumenbouquets mit Baers‘ grossformatigem
„Früchtestilleben mit Blumen in einer Delfter
Porzellanvase“, das sich heute in einer Privat-
sammlung befindet (monogrammiert JB f.t., Öl
auf Leinwand, oktogonal, ca. 120 x 160 cm, RKD
Nr. 1001127695). Dabei hebt er insbesondere
die stilistische Nähe der beiden Vasen hervor,
die die Faszination des Künstlers für chinesi-
sches Porzellan zum Ausdruck bringen.
Anhand eines Vergleiches zu einem weiteren
Blumenstillleben von Johannes Baers (Bernt,
Walther: Die Niederländischen Maler des 17.
Jahrhunderts, München 1969, Vol. 1, Abb. 49),
datiert Dr. Fred G. Meijer dieses Werk vor 1639.
Johannes Baers war gemäss eines Inventars
von 1638, in dem ein „von Johannes Baers aus
Utrecht gemaltes Küchenstilleben und eine
bäuerliche Genreszene“ aufgelistet sind, in
Utrecht tätig (siehe Meijer, Fred G. / Willigen,
Adriaan van der: A Dictionary of Dutch and
Flemish Still-life Painters Working in Oils, 1525 –
1725, Leiden 2003, S. 30).
Er war 1618 als Mitglied der Antwerpener Mal-
ergilde eingetragen. Seine Blumenstillleben sind
erstmals in einer Amsterdamer Versteigerung
vom 22. April 1749 erwähnt und zeigen den
Einfluss Roelandt Saverys (um 1576 – um 1639)
und Balthasar van der Asts (1593 – um 1657),
die beide in den 1620er Jahren in Utrecht tätig
waren (siehe ebd.).
Wir danken Dr. Fred G. Meijer für die Bestätigung
der Eigenhändigkeit dieses Gemäldes anhand
einer Fotografie.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
3039
| 53
3040
Gemälde Alter Meister
| 54
3041*
JOOST CORNELISZ. DROOCHSLOOT
(1586 Utrecht 1666)
Dorflandschaft mit Figuren. 1653.
Öl auf Holz.
Unten links monogrammiert und datiert:
JC DS 1653.
60,7 x 84 cm.
Provenienz:
Privatsammlung, Wien.
Das hier angebotene Gemälde ist ein
charakteristisches Beispiel des künstlerischen
Schaffens von Joost Cornelisz. Droochsloot
aus seinem Reifewerk der späten 1640er und
frühen 1650er Jahre. Vergleichbare architekt-
onische Elemente und figürliche Konstellatio-
nen finden sich beispielsweise in der grossen
1649 datierten Dorflandschaft, die sich im
Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam
befindet (Inv. Nr. 1176). Die detailreichen Figu-
ren, die feine Tonalität und die stimmungsvolle
Komposition machen dieses Gemälde zu einer
besonders qualitätsvollen Arbeit des Künstlers.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 10 530 / 15 790)
3041
| 55
3042*
ADAM WILLAERTS
(London 1577 – 1664 Utrecht)
Flussmündung mit Galeere. 1620.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert: A.willarts.1620.
41,5 x 69,7 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie’s, London, 23.1.1953,
Los 109.
- Europäischer Privatbesitz.
Diese charakteristische Flussmündung mit einer
Galeere ist vergleichbar mit einer Marineland-
schaft von Adam Willaerts, welche sich in der
Kunsthalle in Hamburg befindet (siehe Giltay,
J. / Kelch, J.: Lof der Zeevaart, De Hollandse
zeeschilders van de 17e eeuw, Ausst. Kat.
Rotterdam / Berlin 1996, S. 114 – 6, Kat. Nr. 12,
Abb. S. 113).
Adam Willaert, dessen Familie urspünglich
aus Antwerpen stammte und der in London
geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten
Marinemaler des Goldenen Zeitalters in den
Niederlanden. Er wanderte Ende des 16. Jahr-
hunderts in die nördlichen Niederlande aus und
spezialisierte sich auf Genre- und Marinemale-
rei. 1611 trat er in Utrecht als einer der Grün-
dungsmitglieder der Lukasgilde in Erscheinung,
wo er als Dekan von 1620 – 1622, 1624 – 1631
und letzlich von 1636 – 1637 fungierte. Auch
seine beiden Söhne Abraham (1603 – 1669)
und Isaac (1620 – 1693), deren Lehrmeister er
war, folgten dem Vater in der Spezialisierung auf
Marinemalerei.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein
eigenhändiges Werk von Adam Willaerts unter
der Nummer 217635 archiviert.
CHF 70 000 / 100 000
(€ 61 400 / 87 720)
3042
Gemälde Alter Meister
| 56
3043*
PETER BINOIT
(Köln 1590/91 – 1632 Hanau)
Blumenstillleben mit Tulpe, Schneeglockenrispe
und Schachblume in einer Engobevase auf einer
Steinplinthe mit Insekten.
Öl auf Kupfer.
Unten links monogrammiert: P B.
20,5 x 15,8 cm.
Gutachten: Prof. Dr. Gerhard Bott, 29.9.2017.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Das hier angebotene Gemälde aus einer
europäischen Privatsammlung stellt ein gut
erhaltenes und charakteristisches Beispiel des
Hanauer Stilllebenmalers Peter Binoit dar. Unten
links findet sich das Monogramm des Malers
„P B“, welches er in fast allen seinen Werken
verwendete.
Über die Anfänge des in 1590 in Köln geborenen
Peter Binoits und dessen spätere Übersiedlung
nach Frankfurt sind uns so gut wie keine Daten
überliefert. Das früheste erhaltene Stillleben
ist eine auf Kupfer gemalte Porzellanvase mit
Blumen, das mit seinem Monogramm und einer
Datierung versehen ist: P/B Fe 1611 (Öl auf
Kupfer, 48 x 32 cm, Hessisches Landesmuse-
um, Darmstadt, in: Bott, Gerhard: Ein Stück von
allerlei blumenwerk - einstück von früchten
– zwei stück auf tuch mit hecht. Die Stilleben-
maler Soreau, Codino und Marrell in Hanau und
Frankfurt 1600 – 1650, Hanau 2001, WV. B. 1,
S. 196). Es ist nicht geklärt, ob dieses Gemälde
im Atelier des in Hanau anerkannten Meisters
Daniel Soreau (1586 – 1619) entstand, denn
urkundliche Hinweise, die den Aufenthalt Binoits
in Frankfurt belegen, sind erst aus der Zeit nach
dem Tod Soreaus bekannt. Binoit heiratete in
Hanau am 15. Februar 1627 die Nichte Soreaus,
Sarah Soreau, welche die Tochter seines in
Frankfurt lebenden Bruders Simon Soreau war
(Bott, ebenda, 2001, S. 25).
Binoit musste allerdings bereits vor seiner
Heirat in Hanau zu Ansehen gelangt sein, denn
am 7. September 1623 wurde „Peter Benoi, ein
Malergesell“ bei einer Taufe in der reformierten
Kirche der Alstadt Hanau als Pate für Maria
Neidhart, Tochter des Schneiders Hector Neid-
hart, eingetragen (ebd.). Aber auch der Künstler
selbst belegt seinen Aufenthalt in Frankfurt in
dem Gemälde einer Porzellanvase mit Blumen
im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt
(ebd., WV.B 14; Abb. 43, S. 50), das er wie folgt
bezeichnet hat: „P. Binoit. Francfort 1620“.
Bei der Komposition des frühsten Blumenstill-
lebens von 1611 und bei späteren Gemälden
greift Binoit auf druckgrafische Vorlagen zurück,
die in Frankfurt in dieser Zeit erschienen waren.
So finden sich in den Kupferstichen von Jacob
Hoefnagel (1573 – um 1632) „Architeypa
Studiaque Patris Goergil Hoefnagelil“, die nach
Originalen seines Vaters Joris Hoefnagel (1542
– 1600) gestochen wurden, ähnliche üppige
Blumensträusse in Vasen, die alle symmetrisch
arrangiert zu sein scheinen. Ingvar Bergström
bezeichnet dieses Arrangement als „radial
composition“, das sich als Besonderheit der
Blumenmalerei in Frankfurt und Hanau identifi-
zieren lässt (Bergström, Ingvar: Flower-Pieces
of Radial Composition in European 16th und
17th Century Art, in: Album Amicorum J.G. van
Gelder, Den Haag 1973, S. 22ff.).
Professor Bott, der die Eigenhändigkeit des
Gemäldes anhand einer Fotografie bestätigt,
verweist auf die kompositorische Nähe der vor-
liegenden Tafel zu jener, die sich im Staatlichen
Puschkin Museum in Moskau befindet (vgl. Kat.
Gemälde Puschkin Museum 1948, Nr. 2587).
Seine Entstehung dürfte somit vermutlich ins
Frühwerk des Künstlers zu datieren sein. Wie
auch im Moskauer Bild, zeigt auch das hier offe-
rierte ein Arrangement verschiedenster Blumen
in einer braunen Engobevase sowie eine, in
beiden Kompositionen an gleicher Stelle, nach
rechts ausladende, weisse Schneeglockenrispe,
wobei die minutiös gemalten Blumen Binoits
unverkennbare Farbvielfalt aufweisen.
Die Vase ist zentral im Bild und auf einer hell­
grauen Tischplatte platziert, während der
nahezu schwarze Hintergrund jene Vielfalt der
Blüten hervorhebt, die sich gleichsam in ihren
Farben spiegelt. Das von links auf die Kom-
position einfallende Licht betont den Strauss,
der von den alternierend rot, blau und weiss
gefärbten Blüten rhythmisiert wird, wobei eine
hellrosafarbene und nach rechts geneigte Tulpe
den Gesamteindruck dominiert. Das derart
einfallende Licht spiegelt sich in zartem Rot
auf der braunen Vase und wirft zugleich einen
Schatten auf jene Blumen, die sich im unteren,
rechten Teil des Arrangements befinden, unter
anderem eine seltene Schachblume. Auch der
Rosenzweig rechts der Vase droht zunächst im
Schatten zu verschwinden, bis seine Blüten, aus
dem Schatten hervortretend, über den vorde-
ren Rand des Tisches lugen und dem Betrachter
so zum Greifen nahe scheinen.
Wie im Moskauer Bild finden sich auch in diesem
Stillleben Insekten, die die Szenerie beleben.
So ist am unteren linken Rand des Tisches
ein Maikäfer zu erkennen und oben rechts ein
Marien­käfer, die gleich der unterschiedlichen
Welkstadien der kostbaren Schnittblumen
ebenfalls auf die Vergänglichkeit der Zeit
verweisen.
CHF 80 000 / 120 000
(€ 70 180 / 105 260)
Gemälde Alter Meister
| 58
3044
FLÄMISCHE SCHULE, 17. JAHRHUNDERT
Serie von 12 Landschaftsdarstellungen mit
Figurenstaffagen.
Öl auf Holz.
Querformate je ca.: 9,5 x 24 cm.
Kleine Hochformate je ca.: 24,5 x 12 cm.
Grosse Hochformate je ca.: 53 x 41 cm (Licht-
mass).
Provenienz:
- William Hallsborough Ltd., London, 1956.
- Schweizer Privatbesitz.
Diese 12 Tafeln schmückten einst ein Kunst-
kabinett, wie sie in der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts in Antwerpen entstanden, und
die überaus gefragt waren: Die acht kleinen
länglichen Tafeln bildeten die Schubladen, wäh-
rend die grossen Tafeln wahrscheinlich auf der
Innenseite der Türen oder an den Aussenseiten
des Schrankes platziert wurden. Die beiden
halbrunden Tafeln zierten die Innenseite des
Schrankdeckels oder die Vorderseite zwischen
den Schubladen (siehe Abb. 1 eines vergleich-
baren Kunstkabinetts).
Wie es bei diesen Gemälden für Kabinett-
schränke durchaus üblich ist, sind die Tafeln
nicht signiert. Stilistisch können sie mit dem
flämischen Landschaftsmaler Jaspar van der
Laanen (1585 – 1634) in Verbindung gebracht
werden, von dem einige vergleichbare Darstel-
lungen bekannt sind (siehe RKD, Den Haag).
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
Abb. 1. Kunstkabinett (anonym), RH.M.166, Sammlung der Stadt
Ant­werpen, Rubenshuis, Foto: Bart Huysmans, Michel Wuyts
| 59
Gemälde Alter Meister
| 60
| 61
Gemälde Alter Meister
| 62
3045
| 63
3045*
AMBROSIUS BOSSCHAERT D. J.
(Middelburg 1609 – 1645 Utrecht)
Blumen in einer blau-weissen Porzellanvase mit
einer Eidechse, Trauben und Kirschen.
Um 1630 – 35.
Öl auf Holz.
Unten rechts signiert und datiert:
A.Bosschaert 163(...).
39,3 x 25,2 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit
dieses Gemäldes anhand einer Fotografie und
datiert es in die frühen 1630er Jahre, wofür wir
ihm danken.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
3046
FRIEDRICH BRENTEL
(Lauingen 1580 – 1651 Strassburg)
Aktaion überrascht Diana beim Bade.
Gouache auf Pergament.
Unten links signiert: F. Brentel.
11,8 x 16,6 cm.
Gutachten: Dr. Luuk Pijl, 20.1.2019.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Diese äusserst qualitätsvolle und detaillierte
Gouache wurde kürzlich in einer Schweizer
Privatsammlung entdeckt. Sie zeigt die Szene
aus Ovids Metarmorphosen (3, 177 – 182), in
welcher der Jäger Aktaion die Göttin Diana beim
Bade mit ihren Nymphen belauscht, worauf
er von der erzürnten Göttin in einen Hirsch
verwandelt und von seinen eigenen Hunden
angegriffen wird.
Das Thema erfreute sich grosser Beliebt-
heit und wurde von zahlreichen Künstlern,
darunter auch Tizian (1488 – 1576), dargestellt.
Besonders um 1600 fand das Thema durch
Kupfer­stiche, wie beispielsweise diejenigen von
Antonio Tempesta (1555 – 1630), Verbreitung.
Friedrich Brentel, einer der bedeutends-
ten deutschen Meister der 1. Hälfte des 17.
Jahrhunderts, kannte sicherlich Tempestas
Stiche von Diana und Aktaion und schuf mit
dieser hier angebotenen Gouache seine eigene
Interpreta­tion der mythologischen Szene, die er
besonders fein und farbenfroh in Szene setzte.
Friedrich Brentel war ab 1587 in Strassburg
angesiedelt und hatte seine künstlerische
Ausbildung bei seinem Vater erhalten. Später
reiste er in die Niederlande, wo er die Technik
der Miniaturmalerei perfektionierte. Während
seiner erfolgreichen Karriere als Kupferstecher,
Radierer und Maler erfüllte Brentel zahl­reiche
bedeutende Aufträge für den Adel, unter
anderem eine Serie zu den Trauerfeierlichkeiten
von Herzog Karl II. Herzog von Lothringen. Seine
älteste bekannte Miniatur stammt aus dem Jahr
1618 und zeigt starke Reminiszenzen mit dem
Oeuvre Hans Bols (1534 – 1593). Dies lässt sich
auch deutlich bei dieser Arbeit vermerken, die
qualitativ sehr nahe bei Hans Bol anzusiedeln ist.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
3046
Gemälde Alter Meister
| 64
3047*
HIERONYMUS FRANCKEN D. J.
(1578 Antwerpen 1623)
Festliche Gesellschaft.
Öl auf Kupfer.
Unten rechts signiert: DEN ION frank(k) f.
Verso die Punze des Kupfertafelmachers
Pieter Stas (ca. 1565 - nach 1616) und der
Antwerpener Gilde sowie drei weitere
einzelne Punzen: PGK.
44 x 65,5 cm.
Gutachten: Dr. Ursula Härting, 3.12.2015.
Provenienz:
- Europäischer Privatbesitz.
- Auktion Koller, Zürich, 18.3.2013, Los 3032.
- Europäische Privatsammlung.
Dr. Ursula Härting schreibt zu diesem Gemälde
in ihrem Gutachten: „Das mir im Original be-
kannte Bild eines Tanzbanketts ist ein Werk des
Antwerpener Kleinfigurenmalers Hieronymus
Francken d. J. Es entstand vermutlich um 1607,
aus diesem Jahr datiert eine ähnliche, von
Hieronymus Francken d. J. monogrammierte
und datierte Version einer solchen Festgesell-
schaft (siehe Härting, Ursula: Frans Francken II –
Die Gemälde, Freren 1989, S. 178, Abb. 150).
Hieronymus Francken d. J. ist der drei Jahre
ältere Bruder des bekannten Frans Francken
d. J. (1581 – 1642). Beide arbeiteten im väter-
lichen Atelier von Frans Francken d. Ä. (1542
– 1616), „in dem vermaltes Gold, Braun, Ocker,
Braunrot, die zu dieser Zeit favorisierten Farben
waren, so wie sie sich auch hier im Bild finden.“
Dargestellt ist eine noble Gesellschaft, die
sich zu einer Pavane d’Espagne erhoben hat,
einem spanischen Schreittanz mit Degen und
Umhang.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
3047
| 65
3048*
JAN PHILIP VAN THIELEN
(vor 1618 Mechelen 1667)
Blumengirlande mit Rosen, Tulpen, Nelken,
Maiglöckchen, Veilchen und Effeu an blauen
Schleifen.
Öl auf Holz.
33,8 x 43 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Wir danken Prof. Claus Grimm für seine Hilfe bei
der Katalogisierung dieses Gemäldes.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 21 930 / 30 700)
3048
Gemälde Alter Meister
| 66
3049*
JAN VAN NOORDT
(1623 Amsterdam 1681)
Die Begegnung von Preziosa und Don Juan –
eine amouröse Szene.
Öl auf Leinwand.
131,5 x 172,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung T. Ockley.
- Auktion C. Fairfax Murray and others, Chris-
tie‘s, London, 20.1.1920, Los 353
(als Gerbrand van den Eeckhout, Vertumnus
and Pomona).
- Kunsthandlung A. Tooth  Sons, London.
- Auktion Christie‘s, London, 15.2.1929, Los 81
(als J. van Noordt, Cavalier and a Young Lady,
with sporting figures and gypsies).
- Privatsammlung J. Leger  Son, London,
1930/31.
- Auktion Sotheby‘s, London, 15.12.1976,
Los 17.
- Auktion Boetto, Genua, 23. – 24.2.1998
(als Französische Schule, 17. Jahrhundert,
Scène allégorique).
- Kunsthandel Adam Williams Fine Art, New
York, 1999.
- Europäische Privatsammlung.
Literatur:
- Staring, Adolph: Weinig bekende portettisten.
III. Joannes van Noordt, Oud Holland, Vol. 61,
1946, S. 74.
- Bénézit, Emmanuel: Dictionnaire critique
et documentaire des Peintres, Sculpteurs,
Dessinateurs et Graveurs de tous les temps
et de tous les pays par un groupe d‘ècrivains
spécialistes français et étrangers, Paris 1956,
Bd. 6, S. 381.
- Gudlaugsson, Sturla Jonasson: The Comedi-
ans in the Work of Jan Steen and his contem-
poraries, Soest 1975, S. 29-33, Abb. 25.
- Schatborn, Peter: Tekeningen van Jan van
Noordt, Bulletin van het Rijksmuseum, Jg. 27,
Nr. 3, 1979, S. 119 – 120, Abb. 3.
- Gaskell, Ivan: Transformations of Cervantes
“La Gitanilla”, in: Dutch Art, Journal of the War-
burg and Courtauld Institutes, 45, 1982,
S. 263, 267, Abb. 46 A.
- Sumowski, Werner: Gemälde der Rembrandt
– Schüler, 1983 – 1996, Bd. VI, S. 3534 – 3535,
Anm. 88.
- Ausst. Kat. Het Gedroomde Land. Pastorale
schilderkunst in de Gouden Eeuw, hrsg. von
Peter van den Brink (u.a.), Utrecht 1993, S. 22,
235 – 238.
- Sumowski, Werner: Remarks on Jacob
Adriaensz. Backer and Jan van Noordt, in:
Master Drawings 36, 1998, S. 79, Anm. 15.
- Witt, David de: Jan van Noordt. Painter of
History and Portraits, London u.a. 2007,
Kat. Nr. 31, S. 146 – 149, Abb. 147.
Dieses imposante und gut erhaltene Gemäl­
de, welches kürzlich in einer europäischen
Sammlung wiederentdeckt wurde, legt Zeugnis
ab von Jan van Noordts extraordinärem und
ausdrucksstarkem Oeuvre.
Kompositorisch spannungsvoll und mit einem
aussergewöhnlichen Kolorit, thematisiert er die
erste Begegnung zwischen Preziosa und Don
Juan. Rechts positioniert er Don Juan, der sich
gegen einen grossen Felsen lehnt. Er dreht sich
nach links und schaut zu Preziosa, die, in einem
prachtvollen Satinkleid, auf einem Steinvor-
sprung links des Zentrums sitzt und seinen
Blick erwidert. Hinter ihr befindet sich eine alte
Hexe, die in einen braunen Umhang mit Kapuze
gehüllt ist. Im Hintergrund sind weitere Figuren
zu sehen, darunter ein junger Mann, der einen
Falken hält.
Dr. David de Witt, der Jan van Noordts Oeuvre
2007 erstmalig umfassend zusammengetragen
und analysiert hat, verweist auf die Historie
dieses Gemäldes, der zufolge es zu Beginn des
20. Jahrhunderts zunächst noch als „Cavalier
et une Jeune Femme“ betitelt oder mit der
klassischen Geschichte von „Vertumnus und
Pomona“ identifiziert wurde. Ihm zufolge steht
Noordts Darstellung, dem von Mattheus Gans-
neb Tengnagel verfassten Theaterstück „De
Spaensche Heidin“ von 1643 nahe (Mattheus
Gansneb Tengnagel. Het leven van Konstance:
Waer af volgt het Toneelspel, De Spaensche
Heidin, Amsterdam 1643). Dabei handelt es sich
um eine niederländische Adaption von Miguel
de Cervantes‘ (1547 – 1616) Stück „La Gitanilla“,
das erstmals 1610 veröffentlicht wurde. Dort
finden sich in Don Juans Monolog, der die erste
Begegnung mit Preziosa reflektiert, vor allem
die Rosen in ihren Haaren und Händen, sowie
ihr aufwendiges Kleid explizit erwähnt. Somit
schildert unser Gemälde den bei Tengnagel
thematisierten Moment, in dem der jüngst vom
Verlust seiner Mutter getroffene Don Juan auf
seiner Jagd, die prachtvoll gekleidete Preziosa
für die hilflose Göttin Diana hält, die von einer
Gruppe von Teufeln tief im Wald gefangen ge-
nommen wird, und in dem er sich, nicht zuletzt
aufgrund ihrer vermeintlichen Hilflosigkeit, in sie
verliebt (Tengnagel 1643, S. 74–75).
Dabei entwickelte Noordt für die Figur des
Don Juan eine Geste, die seinen emotio-
nalen Zustand ausdrückt, gekennzeichnet
von Betroffenheit und Faszination zugleich.
Studienvorzeichnungen des Künstlers, die sich
im British Museum in London befinden (drei
Kreiden auf grauem Papier, ca. 1660, Inv. Nr.
1852.5.19.6, Sumowski 1983-1996, Bd. VI,
S.3535 und Schatborn 1979, S. 121, Abb. 4, De
Witt 2007, S. 300) zeugen von der aufwendigen
und sorgfältigen Erfindung des Noordtschen
Don Juans. Dieser erhält hier nun, entgegen
seiner charakteristischen Konnotationen als
massloser Grenzübergänger und Frauenheld,
weiche und verletzliche Züge.
Jan van Noordt, der Lehrer des Johannes
Voorhout (1647 – 1723) gewesen war und
seinerseits bei Jacob Adraensz. Backer (1609
– 1651) lernte (De Witt 2007, S. 3, 16ff.), malte
dieses Bild um 1660. Seine Komposition ist
einzigartig und bezieht sich nicht auf frühe-
re Darstellungen anderer Künstler. Vielmehr
gleicht die Komposition seinem Triumph des
David (135 x 176 cm, schwer leserlich signiert
und datiert: JvanNoo...(ligiert) 166(x), Privat-
sammlung, De Witt 2007; S. 96, Kat. Nr. 4), der
wohl einige Jahre zuvor entstanden ist. Auch
hier arrangiert Noordt die Bildprotagonisten
in einiger Entfernung voneinander im Vorder-
grund und erzeugt derart eine spannungsreiche
Atmosphäre.
Das hier angebotene Gemälde nimmt einen be-
sonderen Stellenwert im Schaffen des Jan van
Noordt ein. Es ist das einzig bekannte in seinem
Oeuvre, das als Prototyp für eine weitere eigen-
händige Version desselben Motivs diente, sowie
in zwei weiteren Kopien existiert. Es belegt die
Faszination des Künstlers für die Thematik und
die Nachfrage bei seinen Auftraggebern.
Ebenfalls bemerkenswert ist der imposan-
te und aufwendig geschnitze Rahmen mit
Jagdmotiven, bei dem es sich wohl um den
Originalrahmen handelt. Er greift zum einen
die Rahmenbedingungen auf, die Don Juan
zu Preziosa führen, nämlich seine Tätigkeit als
Jäger im Wald, und spiegelt zum anderen – im
übertragenen Sinne – dessen Charakterisierung
als Frauenheld wieder.
CHF 100 000 / 140 000
(€ 87 720 / 122 810)
| 67
Ausklapper
Gemälde Alter Meister
| 68
3050*
PIETER CLAESZ. (UMKREIS)
(Berchem um 1597 – 1661 Haarlem)
Stillleben mit Brot und Römer auf einem Tisch.
1643.
Öl auf Holz.
Unten link mit Monogramm und Datierung:
PC (ligiert) Ao 1643.
56,5 x 47.3 cm.
Provenienz:
- wohl Sammlung Château de Saint-Cloud
gemäss Inschrift verso: “St Cloud tableau
Reclame 14”.
- Privatsammlung, Schweden.
- Europäische Privatsammlung.
CHF 8 000 / 10 000
(€ 7 020 / 8 770)
3050
| 69
3051*
JOSEPH PLEPP (ZUGESCHRIEBEN)
(1595 Bern 1642)
Stillleben mit Äpfeln und einem Rettich, sowie
einem Messer und Rosen in einer Vase.
Öl auf Leinwand.
30 x 51 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby‘s, London, 4.12.2014,
Los 167.
- Europäischer Privatbesitz.
Der Schweizer Künstler Joseph Plepp war Sohn
eines Glasmalers und Neffe des Bildhauers
Daniel Heintz d. Ä. (1530 – 1596) und des
Joseph Heintz (1564 – 1609), der als Kammer-
maler Kaiser Rudolfs II. in Prag tätig war. Plepp
selbst war sowohl als Tafel- und Fassadenmaler
als auch als Architekt und Kartograf tätig. Nach
einem Aufenthalt in Süddeutschland um 1620
zog er nach Bern zurück, wo er zunächst in der
Werkstatt von Daniel Heintz d. J. (1575 – 1633)
tätig war. Für den Festungsbaumeister in ber-
nischen Diensten schuf er die Plangrundlagen
3051
zu Stadt und Schloss Lenzburg und zu Aarburg.
Durch staatliche und private Aufträge, die er
in seiner eigenen Malerwerkstatt ausführ-
te, gelang es Joseph Plepp, wirtschaftliche
Unabhängigkeit zu erlangen. Die Vielfältigkeit
seiner Spezialitäten und seine internationalen
Kontakte machten Plepp zu einem Pionier der
bernischen Landschafts- und Stilllebenmalerei
des 17. Jahrhunderts. Ein 1632 datiertes Still-
leben mit gedecktem Tisch mit Früchten, Käse
und Weinglas von Joseph Plepp im Kunstmuse-
um Bern ist stilistisch vergleichbar mit dem hier
angebotenen Gemälde.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 17 540 / 26 320)
Gemälde Alter Meister
| 70
3052*
THOMAS DE KEYSER
(um 1596 Amsterdam 1667)
Edle Gesellschaft in einem Interieur. 1638.
Öl auf Holz.
Unten links monogrammiert und datiert:
TDK (ligiert) 1638.
44,8 x 59,5 cm (oktogonal).
Provenienz:
- Privatsammlung Hans A. Wetzlar, Amsterdam,
1952, Inv. Nr. 53.
- Kunsthandel Nystad Antiquairs N. V., Lochen/
Den Haag, 1962.
- Sammlung Dir. A. T. Thustrup, Djursholm, 1966
(verso Etikett).
- Auktion Uppsala Auktions Kammare, Uppsala,
9.-12.6.2015, Los 9.
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
- Kunstmesse Delft, 1963.
- Hollands meesters in Zweeds bezit, National-
museum Stockholm, Stockholm, 1967, Nr. 83.
Literatur:
Ingvar Bergström: Maîtres Hollandais au Musée
de Stockholm, in: L‘Oeil Magazine, Paris, Mai
1967, S. 4, Abb. 9.
Das vorliegende Gemälde ist ein charakter­ist­
isches Beispiel für das Werk von Thomas de
Keyser, der zu den bedeutendsten Amster-
damer Porträtisten seiner Zeit gehört. Seine
innovativen Kompositionen, die vom Werk des
Dirk Hals (1591 – 1656) beeinflusst sind, waren
auch für den jungen Rembrandt (1606 – 1669)
prägend. Dieses Interieur stellt eine wertvolle
Ergänzung seiner in Innenräumen platzierten
Familienporträts dar.
De Keyser zeigt dem Betrachter hier jenen
Moment, da ein edel gekleideter Herr um die
Hand einer gleichwohl edel gekleideten Dame
anhält. Vor einem dunklen Vorhang sitzend, fällt
das Licht auf das Gesicht der jungen Schönen,
die im Profil gezeigt, zu jenem Mann schaut, der
im Begriff ist, sich mit ausgestreckten Armen,
ihr entgegen auf die Knie zu senken.
Eine subtile Geste der Dame, die ihre Rechte
zur Brust hält, verrät ihre freudige Über­
raschung. Dem hier dargestellten Ereignis woh-
nen einige Zuschauer bei, die im Hintergrund
an einem Tisch vor einem steinernen Kamin
sitzen, der – gleich einem Fenster – Ausblick auf
eine Landschaftsmalerei gibt. Einer von ihnen
hat sein Glas bereits zum Prosit erhoben und
verweist derart auf den positiven Ausgang der
sich ereignenden Szene.
Sowohl die Komposition der Gruppe als auch
die Posen der zukünftigen Braut und ihres
Bräuti­gams, sowie das Zusammenspiel ihrer
Gesten sind besonders ausdrucksstark, und
verleihen der Darstellung ihren individuellen
Charakter. Dieser wird darüber hinaus durch die
detail­reiche Darstellung der Kostüme und des
Interieurs, sowie durch deren feines Kolorit, von
schlichter Eleganz geprägt.
Das hier offerierte Gemälde ist im RKD (Rijks­
bureau voor Kunsthistorische Documenta-
tie, Den Haag) unter der Nummer 198809
verzeichnet. Weitere Interieurdarstellungen mit
Familien­porträts befinden sich im Nasjional­
museet in Oslo (Inv. Nr. NG.M.01389), im
Thyssen Bornemisza Museum in Madrid (Inv. Nr.
209.1962.11) und im Walraff-Richartz Museum
in Köln (Inv. Nr. WRM 2550).
CHF 60 000 / 80 000
(€ 52 630 / 70 180)
| 71
Gemälde Alter Meister
| 72
3053*
NICOLAES VAN VERENDAEL
(1640 Antwerpen 1691)
Blumenstillleben.
Öl auf Leinwand.
Links mittig Teile einer Signatur: ...ndael.
53 x 41 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s, Paris, 14.9.2016, Los 22.
- Europäischer Privatbesitz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag als ein
eigenhändiges Werk von Nicolaes van
Verendael registriert (Nr. 292359).
Nicolaes van Verendael, der vermutlich bei
seinem Onkel oder Vater Willem (1640 – 1691)
seine künstlerische Ausbildung erhielt, war ab
1657 in der Antwerpener Lukas-Gilde als Sohn
eines Meisters aufgenommen. Er verblieb in der
flämischen Handelsmetropole bis zu seinem
Tod und war besonders in seinen jungen Jahren
sehr angesehen.
Koproduktionen sind mit David Teniers d. J.
(1610 – 1690), Christiaan Luyckx (1623 – um
1675) und Jan Davisdz. de Heem (1606 – 1684)
bekannt.
Das hier angebotene Blumenstillleben zeigt
die für ihn so charakteristische Blumenpracht,
wobei es ihm gelingt, die Blüten in ihrer indivi-
duellen Erscheinung lebendig und farbenfroh
wiederzugeben.
Vergleichbare Werke finden sich im Metro­
politan Museum of Art in New York City (Inv. Nr.
81.1.652), im Musée Fabre in Montpellier (Inv.
Nr. 837-1-90) und im Kunst- und Geschichts­
museum in Genf (Inv. Nr. CR 137).
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
3053
| 73
3054*
FRANS FRANCKEN D. J.
(1581 Antwerpen 1642)
Die Grossmut des Scipio. 1634.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert:
Dou ffranck fe cT. IN Ao1634.
53 x 78,5 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel G. de Salvatore, Dijon, 1961.
- Privatsammlung, Bern, 1978.
- Auktion Drouot, Paris, 7.12.1981, Los 26.
- Galerie Robert Noortman, Maastricht, 1982.
- Norddeutsche Privatsammlung.
- Auktion Dorotheum, Wien, 17.10.2012,
Los 830.
- Europäische Privatsammlung.
Literatur:
- Weltkunst, 52. Jg., Heft 15, 1982, S. 2037.
- Härting, Ursula: Frans Francken der Jüngere,
Die Gemälde, mit kritischem Oeuvrekatalog,
Freren 1989, Bd. II, S. 66, S. 77, Farbtafel 13,
S. 155, S. 333f., Kat. Nr. 323.
„Die Grossmut des Scipio“ nimmt in Frans
­Franckens reifem Werk eine besondere Posi-
tion ein. Wenngleich Franckens Spätwerk, der
kolorist­ischen Entwicklung im Flandern und Hol-
land der 1620er bis 1640er Jahre entsprechend,
von einer zunehmend monochrom angepassten
Farbwahl geprägt ist, setzt er bei der „Grossmut
des Scipio“ ein abgewandeltes koloristisches
Schema ein, um die beiden dargestellten Lager
kompositorisch klar voneinander zu trennen: Mit
routiniertem Pinselstrich, der sich in Franckens
Spätwerk nun mehr durch einen lockeren und
schnellen Duktus, als von starrer Kontur aus-
zeichnet, spaltet er die Komposition diagonal
auf. Umgeben von Gefolge, thront der Feldherr
zentral im Bild. Er gibt „die unberührt gebliebene
Celtiberin“, die sich zu seiner Rechten befin-
det, ihrem Verlobten Alluscius zurück, welcher,
umgeben von Familie und Gefolge, rechts unten
im Bild kniet. Die sich so ergebende Gasse stützt
die diagonale Bildanlage und hebt die beiden
dargestellten Figurengruppen klar voneinander
ab, wobei die kräftigen, alternierenden Farben der
Gewänder die beiden Parteien kompositorisch
zusammenhalten. Francken schafft so, laut Här-
ting, eine überzeugende „stimmungsvolle Szene
aus Huldigung, spannungsvollem Ab­warten und
grossmütiger Geste des Mächtigeren“ (Härting
1989, S. 66-68).
CHF 25 000 / 35 000
(€ 21 930 / 30 700)
3054
Gemälde Alter Meister
| 74
3055*
HANS ROTTENHAMMER
(München 1564 – 1625 Augsburg)
Die Auferweckung des Lazarus.
Öl auf Kupfer.
26,5 x 36 cm.
Provenienz:
- Auktion Lempertz, Köln, 20.5.2006, Los 1148.
- Europäische Privatsammlung.
Literatur:
Ausst. Kat. Hans Rottenhammer, begehrt –
vergessen – neu entdeckt, München 2008,
Kat. Nr. 21, S. 115 – 116.
Ausstellung:
Hans Rottenhammer, begehrt – vergessen –
neu entdeckt, Weserrenaissance-Museum
Schloss Brake, Lemgo,17.8. – 16.11. 2008 und
Nationalgalerie, Prag, 11.12.2008 – 22.2.2009,
Nr. 21.
Diese qualitätsvolle Arbeit von Hans Rotten-
hammer wurde zuletzt anlässlich der Ausstel-
lung zum Oeuvre des Künstlers im Weser-
renaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo
(2008) und in der Nationalgalerie in Prag (2009)
öffentlich präsentiert.
Das leuchtende Kolorit sowie die Figurenkom-
position lassen vermuten, dass das Gemälde
während Rottenhammers zweitem Aufenthalt
in Venedig, und demnach zwischen 1595 und
1606, entstand. In dieser Schaffenszeit lag sein
Schwerpunkt auf kleinformatigen, auf Kupfer
gemalten Andachts- und Kabinettbildern, die im
Zuge der Gegenreformation, vor allem in den
katholisch geprägten Gebieten, erneut aufblüh-
ten und Rottenhammer zu beachtlichem Erfolg
verhalfen.
Rottenhammer thematisiert in diesem Werk
die Auferstehung des Lazarus (Johannes, XI, 1
– 44). Er schildert jenen Moment, da der bereits
verstorbene Lazarus, auf Befehl von Jesus
hin und von mehreren Männern gestützt, aus
seinem Grab emporsteigt. Lazarus‘ Schwestern,
Martha und Maria, wenden ihren Blick, sichtlich
erleichtert zu Christus, der seine Rechte zum
Segensgestus erhoben hält. Das der Szene in
grosser Zahl beiwohnende Volk bestaunt das
Ereignis, das Rottenhammer kompositorisch
dramatisch zu steigern weiss.
Entgegen der meisten Darstellungen, die
Lazarus aus einem Bodengrab steigend zeigen,
wählt Rottenhammer hier einen auf einem
Hügel stehenden Sarkophag, sodass sich ein
diagonaler Bezug zwischen den Bildprotago-
nisten ergibt, der durch die Komposition der
zueinander weisenden Hände von Jesus, Maria
Magdalena und Lazarus verstärkt wird.
Das Thema der Lazaruserweckung be­schäftigt
­Rottenhammer bis nach 1600. So schuf er
neben dem hier angebotenen Gemälde, dessen
Gesamtkomposition an die Lazaruserweckung
Giuseppe Cesaris (1568 – 1640) von 1593 er-
innert, heute im Palazzo Barberini in Rom (Rött-
gen 2002, S. 257, Nr. 34), eine weitere Version,
die sich im Wiener Kunsthistorischen Museum
befindet (Inv. Nr. GG 1141) sowie mehrere
Stiche des gleichen Themas, unter anderem in
der Albertina in Wien sowie in der Devonshire
Collection in Chatsworth (Ausst. Kat. 2008-
2009, S. 115, Abb. 163 und Abb. 165).
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 160 / 21 930)
3055
| 75
3056
DAVID CORNELISZ. DE HEEM
(Antwerpen 1663 – um 1701 Den Haag)
Stillleben mit einem Hering, Früchten und
Rosen.
Öl auf Leinwand.
55 x 46 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, Washington D.C.
(als C. de Heem).
- Kunsthandel Jean Moust, Brügge.
- Schweizer Privatsammlung.
Ausstellung:
From Botany to Bouquets: Flowers in Northern
Art, National Gallery of Art, Washington D.C.,
Januar bis Februar 1999, Nr. 15, S. 64, 65, 66
und 84 (als C. de Heem).
Dieses Gemälde ist im RKD, Den Haag, als
eigenhändiges Werk von David Cornelisz. de
Heem unter der Nummer 69429 archiviert.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 160 / 17 540)
3056
Gemälde Alter Meister
| 76
3057*
JOOST CORNELISZ. DROOCHSLOOT
(1586 Utrecht 1666)
Dorfszene. 1645.
Öl auf Holz.
Unten links monogrammiert und datiert:
JC (ligiert) DS (ligiert) 1645.
38,3 x 58,3 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby’s, London, 1.7.1986, Los 367.
- Europäischer Privatbesitz.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 770 / 13 160)
3057
| 77
3058
NICOLAES BERCHEM
(Haarlem 1620 – 1683 Amsterdam)
Falkner und Hirte in einer Landschaft.
Öl auf Holz.
Unten rechts signiert: Berchem fe.
57 x 71 cm.
Provenienz:
- Sammlung J. Duclos, 1847 (verso Etikett).
- Schweizer Privatbesitz.
Nicolaes (Claes Pietersz.) Berchem, der unter
anderem Schüler von Jan van Goyen (1596 –
1656), Nicolaes Maeyaert (1592 – 1655) und
Jan Wils (um 1600 – um 1666) und seit 1642
Mitglied der Haarlemer Lukasgilde war, zählt
zur zweiten Generation der niederländischen
„Italianisanten“, wobei auch die nieder­länd­
ische ­Tradition der Landschaftsmalerei eine
grosse Rolle in seinem Werk spielt. In ­sei­nen
Darstellungen, die von italianisierenden
Land­schaften, über imaginäre Hafenbilder,
Allegorien, mythologischen und religiösen
Darstellungen bis hin zu Genrestücken reichen,
entwickelt Berchem in über dreissig Jahren
einen eigenen ­markanten Stil. Indem er impo-
sante Land­schaften von ausserordentlicher
räumlicher Tiefe schafft und diese mit den sich
darin abspielenden historischen beziehungs­
weise ­Genre-Szenen ins Gleichgewicht setzt,
­thematisiert Berchem in zahlreichen Land-
schaften, wie etwa jenen mit Hirten und Vieh,
die ­Harmonie zwischen Mensch und Natur.
Sowohl das hier angebotene Gemälde, wie auch
eine diesem ähnelnde italienische Landschaft
mit Viehherde und Hirten im Abendlicht, die sich
heute in der Alten Pinakothek in ­München be­
findet (Italianisierende Landschaft im Abend-
licht, signiert, um 1660, Öl auf Holz, 41,2 x 54,5
cm, Inv. Nr. 266), zeugen von diesem etwa bis
1680 andauernden thematischen Schwerpunkt
in Berchems Werk, den er mittels warmen
­Sonnenlichts gekonnt und stimmungsvoll in
Szene zu setzen weiss.
Dr. Pieter Biesboer bestätigt die Echtheit des
hier angebotenen Gemäldes anhand einer
Fotografie. Er verweist auf die fein ausgearbei-
teten Figuren, Bäume und Gebirge und datiert
dieses Werk des Haarlemer Malers auf die
1660er Jahre.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 10 530 / 15 790)
3058
Gemälde Alter Meister
| 78
3059*
GERRIT DOU
(1613 Leiden vor 1675)
Eine Heringsverkäuferin mit Dienstmädchen in
einer Nische.
Öl auf Holz.
Mit Signatur und Datum auf der Brüstung der
Nische: G. DOUW. 1651.
46 x 36,2 cm (oben abgerundet).
Provenienz:
- Graf Lothar Franz von Schönborn (1655 –
1729), Pommersfelden, erworben vor 1719;
aufgelistet im Inventar von R. Bys,1719, unter
den Mahlereyen in dem Audienzzimmer des
Churfürstlichen Privatschlosses zu Pommers-
felden Nr.17: Eine Krämerin/ so Häring, Fisch
und Krauter verkauffet. V. Gerard Dau (1/7;
1/3).
- Auktion Graf Schönborn, Pommersfelden,
Paris, 17.5.1867, Los 19 (ffrs 42.000).
- Russische Sammlung Prinz B. Narischkine,
Paris, 1867 bis 1883.
- Auktion Prinz B. Narischkine,bei Chevalier
Paris, 5.4.1883, Los 11, mit Abb. (50.000 ffrs.).
- Auktion Sammlung Sydney Lamon, New York,
Christie‘s, London, 29.6.1973, Los 23, mit Abb.
(11.000 gns. an Braendle).
- Europäische Privatsammlung.
- Auktion Koller, Zürich, 21.9.2007, Los 3050.
- Schweizer Privatsammlung, bei obiger Auktion
erworben.
Ausstellung:
Pictures of Every Day Life. Genre Painting in Eu-
rope 1500 – 1900, Carnegie Institute, Pittsburg,
Oktober – Dezember 1954, Nr. 33, mit Abb.
Literatur:
- Martin, Wilhelm: Het Leven en de Werken van
Gerard Dou, Leiden 1901, S. 222, Nr. 254.
- Martin, Wilhelm: Gerard Dou. Des Meisters
Gemälde, in: Klassiker der Kunst, Berlin 1913,
S. 132 (Abbildung des Stiches von Le Faivre).
- Hofstede de Groot, Cornelis: A Catalogue
Raisonne, etc., London 1913, Nr. 193.
- Hantsch, Hugo / Scherf, Andreas: Quellen zur
Geschichte des Barocks in Franken unter dem
Einfluss des Hauses Schönborn, 1931, S. 253.
- Bys, Rudolf / Bott, Katharina (Hg.): Fürtreff­
licher Gemähld- und Bilderschatz. Die
Gemälde­sammlung des Lothar Franz von
Schönborn in Pommersfelden, Weimar 1977,
Nr. 191.
Gutachten:
- Prof. Werner Sumowski, 12.2.2006, nach Be-
gutachtung des Originals (als Gerrit Dou).
- Mikroanalytisches Labor Prof. Dr. Elisabeth
Jägers und Dr. Erhard Jägers, 21.6.2006.
- Dr. Albert Blankert hat 2007 die Eigenhän-
digkeit dieses Gemäldes nach Ansicht des
Originals mündlich bestätigt (als Gerrit Dou).
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein
eigenhändiges Werk von Gerrit Dou archiviert.
Gerrit Dou gilt als der berühmteste Schüler
Rembrandts (1606 – 1669) und war Gründer
und Hauptvertreter der Leidener Feinmalerei.
Seine herausragende künstlerische Fähigkeit
und die jüngst geprägte Gattung der Genre­
malerei – insbesondere die Marktszenen in einer
Nische – führten zu einer grossen Nachfrage
seiner Gemälde, die bei Sammlern hochge-
schätzt waren.
Sowohl Prof. Werner Sumowski als auch Dr.
Albert Blankert, die das Gemälde im Original
begutachtet haben, bestätigen die Eigen-
händigkeit. Im Auktionskatalog von 1883 wird
die herausragende Qualität hervorgehoben:
„Tableau de premier ordre dans l‘oeuvre du
maître. Finesse exquise. La tête de la jeune fille
est fraîche et naïve. Tous les accessoires sont
peints avec une délicatesse incomparable“.
Sumowski vermutet, dass die Signatur und
Datierung von fremder Hand ergänzt wurde.
Sowohl im Inventar von Schönborn von 1719 als
auch im Schönborn Auktionskatalog von 1867
fand diese bereits früh aufgetragene Signatur
Erwähnung. Ein solcher früher Nachtrag ist
nicht verwunderlich, da zahlreiche Werke von
Dou unsigniert und undatiert sind. Sumowski
datiert das Gemälde in die frühen 1670er Jahre
und reiht es stilistisch in die Werkgruppe des
„Lebensmittelladen“ von 1672 im Buckingham
Palace und des „Geflügelhändler“ der National
Gallery in London aus demselben Jahr.
Dr. Ronni Baer ist anhand von Fotografien
unsicher in Hinblick auf die Signatur und Datier­
ung. Dr. Blankert sieht in diesem Gemälde
das Original, nach welchem die grafischen
Reproduktionen im Bridgewater House (HdG,
Nr. 193 a, Martin 254 a) und im Wingfield Castle
(Sammlung Graham Baron Ash, Norfolk) (HdG,
Nr. 193 b) sowie das Gemälde in der Eremitage,
St. Petersburg (HdG 192, Martin, 253) gefertigt
worden sind.
Diese „Heringsverkäuferin mit Mädchen“ stellt
ein kunsthistorisch interessantes Dokument
dar; die Komposition ist gelungen und weist
im Gesamtbild bis ins Detail die wesentlichen
Charakteristiken Dous auf. Die Komposition
lässt sich vor allem mit der „Heringsver­käuferin“
im Puschkin Museum, Moskau, Nr. 640, ver­
gleichen, welche von Katharina der Grossen
1770 erworben wurde.
Die Provenienz dieser „Heringsverkäuferin mit
Mädchen“ beginnt bei Graf Lothar Franz von
Schönborn (1655 – 1729) in Pommersfelden,
der es wohl über seinen Agenten Jan Joost van
Cossiau auf einer Auktion in den Niederlanden
zu Beginn des 18. Jahrhunderts erwarb. Anhand
des Inventars des Schlosses Weissenstein bei
Pommersfelden wissen wir, dass R. Bys 1719
das Gemälde für sein Audienzzimmer erwarb,
wo sich zwei Gemälde von Anthonis van Dyck,
„Achilles bei der Tochter von Lycomedes“ und
„Amaryllis und Mirtillo“ befanden, die ursprüng-
lich für die Empfangsräume des Stadthalters
Frederik Hendrik in Den Haag gemalt und 1713
in Amsterdam versteigert wurden (in situ; S.J.
Barnes u.a., Van Dyck. A Complete Catalogue of
His Paintings, 2004, Nr. III 58 und III 59, mit Abb.).
Die Schönborner Sammlung gilt als eine der
bedeutendsten Sammlungen des 18. Jahr-
hunderts und diente der Repräsentation und
Machtdarstellung des Grafen Lothar Franz,
der sich mit den fürstlichen Häusern in Wien
und München mass. 1867 wurde das Ge-
mälde als Teil der Schönborn Sammlung in
Paris versteigert. Im Auktionskatalog wird das
Gemälde als von feinster Qualität gelobt und als
ein Hauptwerk des Meisters betitelt. Dieselbe
Beschreibung wird 1883 verwendet, als das Ge-
mälde erneut, dieses Mal als Teil der russischen
Sammlung Narischkine, zur Auktion angeboten
wird. Im Vorwort findet dieses Werk von Dou
spezielle Erwähnung als dasjenige Gemälde
„que W. Burger appellait a juste titre un chef
d‘oeuvre“. Die damalige hohe Bewertung des
Gemäldes hatte sicherlich mit der Tatsache zu
tun, dass das Gemälde in jedem Detail exempla-
risch ist für die Kunst von Gerrit Dou.
Ronni Baer erwähnt, dass es Gerrit Dou war, der
um 1650 die Marktszene in die holländische
Malerei einführte (Gerrit Dou. 1613 – 1675,
Master Painter in the Age of Rembrandt, 2000,
S. 39). Die erste Darstellung einer Fenster-
rahmung Dous entstand 1652 und zeigt ein
Küchenmädchen, heute in der Staatlichen
Kunsthalle, Karlsruhe. Wie Hecht erwähnt, gab
diese Erfindung Dou wunderbare Möglichkei-
ten, die von ihm so geliebten illusionistischen
malerischen Spielereien umzusetzen (Hecht,
P.: Art beats Nature, and painting does so best
of all. The paragone competition in Duques-
noy, Dou and Schalcken, in: Simiolus, 2002, ­S.
186). Es ging ihm dabei um die Wiedergabe
von überzeugenden Szenen der Wirklichkeit,
die mit der Natur selbst in Konkurrenz treten.
Weitere Beispiele mit der Fensterrahmung aus
dem Oeuvre Dous finden sich im Louvre, in der
Sidney van den Bergh Sammlung, Wassenaar
(HdG, 194), in der Eremitage (HdG, Nr. 190), im
Pushkin Museum und in der Sammlung H.M. The
Queen, Buckingham Palace (HdG, Nr. 187).
Kurz nachdem Dou das Fenstermotiv einsetzte,
verwendete er auch zum ersten Mal François
Duquesnoys Relief „Putti mit einer Ziege” als
Dekoration seiner Fensterbrüstung. Die
Gemälde vom „Geigenspieler” von 1653 in
Vaduz und vom „Quacksalber” aus dem­selben
Jahr in der Gemäldegalerie Wien sind die
frühesten bekannten Beispiele dieses Motivs.
Das Relief wurde danach immer wieder von
Dou in seinen Kompositionen verwendet; eines
der letzten Beispiele ist das Gemälde „Lebens­
mittelladen” von 1672 in der Sammlung der H.M.
The Queen.
Hecht hebt hervor, dass Dous Motivation das
Relief von Duquesnoy zu verwenden, darin
liegt, die Überlegenheit der Malerei über die
Bildhauerei darzustellen und im Speziellen die
Überlegenheit seiner eigenen Malerei. Die
„Heringsverkäuferin mit Mädchen“ sowie auch
die anderen genannten Beispiele zeigen dies
wie folgt: Während bei Duquesnoy die Putti sich
bemühen eine Ziege durch eine Maske in die Irre
zu führen, bietet Dou in dem vom Fenster um-
rahmten illusionistischen Raum ein aufregendes
visuelles Spiel von lebensecht gemalten Details
an, wovon der Genuss vor allem in der Über­
zeugungskraft der Scheinwirklichkeit steckt
(Hecht, ebd., S. 190/196).
CHF 80 000 / 120 000
(€ 70 180 / 105 260)
Gemälde Alter Meister
| 80
3060*
PIETER CODDE
(vor 1599 Amsterdam vor 1678)
Edle Dame in einem Interieur.
Öl auf Holz.
Unten mittig monogrammiert: PC.
37,2 x 30,7 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dennis Weller bestätigt die Eigenhändigkeit
dieses Gemäldes anhand einer Fotografie,
wofür wir ihm danken.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 260 / 7 020)
3060
Koller gemalde alter meister auktion freitag, 29. marz 2019
Koller gemalde alter meister auktion freitag, 29. marz 2019
Koller gemalde alter meister auktion freitag, 29. marz 2019
Koller gemalde alter meister auktion freitag, 29. marz 2019
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Koller gemalde alter meister auktion freitag, 29. marz 2019

  • 1.
  • 2.
  • 3. VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz Do. 21. März 2019, 10 - 21 Uhr Fr. 22. - Mo. 25 März 2019, 10 - 18 Uhr AUKTION Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JH. ZEICHNUNGEN, ALTE GRAPHIK FREITAG, 29. MÄRZ 2019 English descriptions are available on our website: www.kollerauctions.com 3049 ALTE GRAPHIK Freitag, 29. März 2019 10.00 Uhr Lot 3601 - 3653 ZEICHNUNGEN Freitag, 29. März 2019 11.00 Uhr Lot 3401 - 3490 GEMÄLDE ALTER MEISTER Freitag, 29. März 2019 14.00 Uhr Lot 3001 - 3096 GEMÄLDE DES 19. JH. Freitag, 29. März 2019 16.00 Uhr Lot 3201 - 3256
  • 4. GEMÄLDE ALTER MEISTER, GEMÄLDE DES 19. JAHRHUNDERTS, GRAFIK & ZEICHNUNGEN ALTER MEISTER, BÜCHER & AUTOGRAPHEN Auktion Dienstag, 2. April 2019 - Mitbieten ab Montag 18. März GROSSUHREN, MÖBEL, VARIA, PORZELLAN Auktion Mittwoch, 3. April 2019 - Mitbieten ab Montag 18. März Vorbesichtigung in Zürich: Do. 21. März 2019, von 10 – 21 Uhr und Fr. 22. bis Mo. 25. März 2019, von 10 – 18 Uhr Koller ibid online only - Kataloge und Auktionen: www.kollerauktionen.ch
  • 5. AUKTIONSPROGRAMM MÄRZ 2019 VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 102 + 121 8031 Zürich, Schweiz Do. 21. März 2019, 10 - 21 Uhr Fr. 22. - Mo. 25 März 2019, 10 - 18 Uhr ALTE GRAPHIK Freitag, 29. März 2019 10.00 Uhr Lot 3601 - 3653 ZEICHNUNGEN Freitag, 29. März 2019 11.00 Uhr Lot 3401 - 3490 GEMÄLDE ALTER MEISTER Freitag, 29. März 2019 14.00 Uhr Lot 3001 - 3096 GEMÄLDE DES 19. JH. Freitag, 29. März 2019 16.00 Uhr Lot 3201 - 3256 A188/1 A188/2 A188/3 A188/4 TEPPICHE Donnerstag, 28. März 2019 10.00 Uhr Lot 1601 - 1700 MÖBEL, PENDULEN, SKULPTUREN, MINIATUREN, SILBER, PORZELLAN Donnerstag, 28. März 2019 13.30 Uhr Lot 1001 - 1318 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch A188/2 MÄRZ2019GEMÄLDEALTERMEISTERUNDDES19.JH.,ZEICHNUNGENUNDALTEGRAPHIK Auktion: 28. März 2019 GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH. ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAPHIK weiz Auktion: 28. März 2019 DECORATIVE ARTS DECORATIVEARTS A188 / 1 MÄRZ2019 BÜCHER Dienstag, 26. März 2019 14.00 Uhr Lot 101 - 374 BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN Dienstag, 26. März 2019 17.00 Uhr Lot 501 - 563 SCHMUCK TEIL 1 Mittwoch, 27. März 2019 10.00 Uhr Lot 2001 - 2150 SCHMUCK TEIL 2 Mittwoch, 27. März 2019 14.00 Uhr Lot 2151 - 2332 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch MÄRZ2019 AUKTION: 26. MÄRZ 2019 BÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN BÜCHER,BUCHMALEREI&AUTOGRAPHEN A188/3 A188 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch SCHMUCK&JUWELENDEZEMBER2018 Auktion: 27. März 2019 SCHMUCK & JUWELEN AUKTION Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz
  • 6. Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen. EURO-Schätzungen Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.14 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung. Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken. 241 SERVICE 241 Adressen  242 Künstlerregister Gemälde Alter Meister  243 Künstlerregister Gemälde des 19. Jahrhunderts 246 Auktionsbedingungen  248 Auction Conditions 250 Conditions de vente aux enchères 252 Auktions-Auftrag
  • 7. Gemälde Alter Meister Lot 3001 - 3096 Auktion: Freitag, 29. März 2019, 14.00 Uhr Vorbesichtigung: Donnerstag 21. bis Montag 25. März 2019 Bearbeitung: English descriptions are available on our website: www.kollerauctions.com Karoline Weser Tel. +41 44 445 63 35 weser@kollerauktionen.ch Stéphanie Egli Tel. +41 44 445 63 32 egli@kollerauktionen.ch Sabrina Hagel Tel. +41 44 445 63 31 hagel@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Tel. +41 44 445 63 62 wepler@kollerauktionen.ch Weitere Bearbeitung: Stella Burkart
  • 8. Gemälde Alter Meister | 2 3001 MEISTER VON ASTORGA (UMKREIS, UM 1520) (tätig in Astorga um 1510 – 1530) Johannes der Täufer. Öl auf Holz. 48,8 x 39,2 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Diese Darstellung Johannes des Täufers, mit zwei von Engeln getragenen Kronen, ist eine ikonographische Seltenheit und spielt möglicherweise auf die Wiedervereinigung der zwei Königreiche von Aragonien und Kastilien um 1469 – 1516 an, wodurch das Königreich Spaniens begründet wurde. Das Gemälde wird in seinem ursprünglichen Rahmen aus der Zeit verkauft. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 140 / 8 770)
  • 9. | 3
  • 10. Gemälde Alter Meister | 4 3002 BARTOLOMEO DI GIOVANNI (ZUGESCHRIEBEN) (1475 Florenz 1501) Der ungläubige Thomas. Öl auf Holz. 35,8 x 39 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 390 / 6 140) 3003* MARCO CARDISCO (1486 Neapel 1546) Madonna mit Kind. 1533. Öl auf Holz. Unten links in römischen Ziffern datiert: MDXXXIII. 84 x 50,5 cm. Gutachten: Prof. Marco Tanzi (in Kopie vorhanden). Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dass es sich bei vorliegendem Gemälde um ein eigenhändiges Werk des neapolitanischen Künstlers Marco Cardisco, auch Marco Cala­brese ­genannt, handelt, bestätigt Professor Marco Tanzi in seinem ausführlichen Gutachten. Ihm zufolge fügt sich die Tafel stilistisch über- zeugend in das Werk des Künstlers, dem Vasari (1511 – 1574) als einzigen süd­italienischen Künstler neben Girolamo Santacroce (um 1480/85 – um 1556) eine Vita widmete (Middio- ne, R.: Marco Cardisco, in: Allgemeines Künstler- lexikon, München u.a. 1997, Bd. 16, S. 361). Anfänglich geprägt von ibero-lombardischen Tendenzen, die über spanische Künstler wie Pedro Fernández (tätig um 1489 – 1523) und Pedro Machuca (um 1490 – 1550) oder den Mailänder Künstler Cesare da Sesto (1477 – 1523) nach Neapel gelangten, erklärt sich die Modernität in Cardiscos Werken vor allem durch den Einfluss des Polidoro da Caravaggio (um 1499 – 1543) und des Niederländers Jan van Scorel (1495 – 1562), die er wohl beide bei einer Reise nach Rom kennenlernte. Professor Marco Tanzi weist darauf hin, dass sich vergleichbare Werke des Künstlers, etwa die „Madonna con il Bambino in gloria, San Giovannino e angeli“ in der Galleria Nazionale di Capodimonte und die „Madonna in adora- zione del bambino incoronata da angeli“ in der ­Pinacoteca Nazionale di Palazzo Arnone in Cosenza befinden. Im Vergleich mit eben diesen, stellt er fest, dass es sich bei vorliegendem Gemälde um ein Exemplar aus der reifen Phase des Meisters handelt, das in stilistischem Einklang mit seinen bedeutendsten Werken steht. Besonders eindrucksvoll ist es auch aufgrund seiner ­einzigartigen Ikonizität, die, durch die isolierte und prominente Darstellung der Jungfrau Maria und dem Kind, eine monumentale Bedeutung erhält. CHF 25 000 / 30 000 (€ 21 930 / 26 320) 3002
  • 11. 3003
  • 12. Gemälde Alter Meister | 6 3004 FLORENTINISCHER MEISTER DES 14. JAHRHUNDERTS Kreuzigung Christi. Tempera auf Holz. 32,3 x 11,8 cm. Provenienz: - Sammlung Giorgio Augusto Wallis, Florenz, vor 1895. - Auktion J. M. Heberle (H. Lempertz), Berlin, 24.5.1895, Los 28. - Seit mindestens 1953 im heutigen schweizerischen Familienbesitz. Literatur: Katalog der ausgewählten und reichhaltigen Gemälde-Galerie aus dem Nachlasse des zu Florenz verstorbenen Giorgio Augusto Wallis. Auktion J. M. Heberle (H. Lempertz), Berlin, 24.5.1895, S. 4, Los 28. Das über ein Jahrhundert verborgen ge­bliebene Täfelchen – vermutlich zugehörend zum ­rechten Flügel eines Flügelaltars zur Privatan- dacht – figuriert in der Fototeca Federico Zeri (Scheda 7713) unter Zuschreibung an den sogenannten Maestro della Crocefissione di Cristo nel Camposanto als pisanische Arbeit um 1330 – 1350. Das namengebende Fresko im Camposanto gilt heute mehrheitlich als Arbeit des Francesco Traini (1321 – 1365). Insbesondere der imposante Christus am Kreuz liefert die Grundlage für die kunsthistorische Einschätzung des hier angebotenen Werks. Die monumentale Konzeption seines ­nach ­vorne überhängenden Körpers, die so als eine spätere Besinnung auf Giottos (um 1270 – 1337) Santa Maria Novella Croce Dipinta erscheint, sowie die wunderbar fein ausgeführte Modellierung des treffend artikulierten Christus­körpers – besonders schön das transparente Lendentuch, das mehr offenbart als verhüllt – weisen auf eine Autorschaft der grossen florentinischen Malergeneration der ersten Hälfte des Trecento um Bernardo Daddi (um 1295 – um 1348) und den Meister von­ ­S. Martino alla Palma (um 1334 – 1366) hin. Selbst der narrative Aspekt in der ­Schilderung unserer Kreuzigung präsentiert sich als Kurz- form von Bilderfindungen, wie sie Giotto für seine Kreuzigungsbilder um ca. 1315 formuliert hatte, etwa jene in der Staatlichen Gemälde Sammlung in Berlin (Inv. Nr. 1074 A) und im Musée des Beaux-Arts in Strassburg. Dies bestärkt den Eindruck, dass für vorliegendes Kreuzigungsbildchen ein florentinischer Maler der Giotto Nachfolge am Werk war. Andere graphische Details in unserem Bild, wie beispielsweise die sorgfältig stilisierten Haar- wellen des Christus, lassen eine Autorschaft vermuten, die womöglich auch im Bereich der Buchmalerei tätig gewesen sein könnte. Die Erzählfreude, wie sie uns im unteren ­Bereich der expressiv anmutenden (und deshalb emi- lianisch wirkenden) Figuren zutage tritt, steht den ­Werken Bernardo Daddis und jenen seiner späteren Zeitgenossen nahe. CHF 80 000 / 120 000 (€ 70 180 / 105 260)
  • 13.
  • 14. Gemälde Alter Meister | 8 3005 NÜRNBERGER MEISTER, FRÜHES 16. JAHRHUNDERT Der Heilige Sebastian. Öl auf Holz. 41 x 36 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 020 / 10 530) 3005
  • 15. | 9 3006 NIEDERRHEINISCHER MEISTER, UM 1539 Porträt wohl der Anna Wachendorf. 1539. Öl auf Holz. Oben mittig bezeichnet und datiert: Anna Wachendorf[.]s Anno dni 1539 [.]hr[..] alter[.] 30. 49,3 x 36,3 cm. Gutachten: Dr. Michaela Schedl, 10.2.2019. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Am oberen Bildrand steht, in einer der Schreib- schrift nahestehenden humanistischen Minu- skel, folgende Inschrift: „Anna Wachendorf[.] s Anno dni 1539 [.]hr[..] alter[.] 30“, die gemäss Dr. Michaela Schedl wahrscheinlich wie folgt zu ergänzen ist: „Anna Wachendorf[f]s Anno d(omi)ni 1539 [y]hr[es] alter[s] 30“. Im Fazit ihres ausführlichen Gutachtens schreibt Dr. Schedl: „Das Bildnis der Anna Wachendorf ist 1539 datiert. Möglicherweise handelt es sich dabei um ein Verlöbnisbildnis, zu dem es ein Pendant gab. Wie Vergleiche mit Porträts des in Köln tätigen Bartholomäus Bruyn dem Älteren zeigen, lassen sich gewisse stilistische Ähnlichkeiten sowie ikonographische Übereinstimmungen finden.“ CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 260 / 7 020) 3006
  • 16. Gemälde Alter Meister | 10 3007 LUCAS CRANACH D. Ä. UND WERKSTATT (Kronach 1472 – 1553 Weimar) Bildnis des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise. 1525. Öl auf Buchenholz. Oben links über der Schulter mit Schlange signiert und mit Datum: 1528. 38,7 x 25,3 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Binningen bei Basel, 1974. - durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer Privatbesitz. Ausstellung: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druck- graphik, Kunstmuseum Basel, 15.6.-8.9.1974, Nr. 189. Literatur: Koepplin, Dieter / Falk, Tilman: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Basel 1974, Kat. Nr. 189, S. 298. Lucas Cranach d. Ä. wurde 1505 von Herzog Friedrich dem Weisen (1463 – 1525), Kurfürst von Sachsen, als Hofmaler nach Wittemberg berufen und war fast ein halbes Jahrhundert lang für drei aufeinanderfolgende Kurfürsten tätig. 1508 verlieh Kurfürst Friedrich Cranach das Wappen mit der geflügelten Schlange, das die Grundlage für seine Unterschrift bilden ­sollte, wie im vorliegenden Werk ersichtlich. Herzog Friedrich der Weise war für seine Förderung der Künste und des Humanismus von signifikanter Bedeutung. Er gründete 1502 die Universität zu Wittenberg, die den Renaissance Humanismus förderte und später als Lehrzentrum der Reformation fungierte. 1512 wurde Martin Luther dort Professor für Theologie. Das hier angebotene Bildnis Friedrich des Weisen aus Schweizer Privatbesitz, war zuletzt 1974 anlässlich der von Dr. Dieter Koepplin kuratierten Ausstellung „ Lucas Cranach“ im Kunstmuseum in Basel zu sehen, wo es als ein eigenhändiges Werk des Meisters bezeichnet wurde (siehe Literatur). Jüngste Untersuchungen vertreten nun die Meinung, dass die alleinige Autorschaft Lucas Cranachs d. Ä. bei keinem ihm zugewiesenen Werk eindeutig zu belegen ist und grundsätzlich von einer Beteiligung der Werkstatt, ­darunter auch seines Sohnes Lucas Cranachs d. J. (1515 – 1586), auszugehen ist. Dieser Meinung schliesst sich Dr. Dieter Koepplin in unserem Fall ebenfalls an. Mit diesem Ansatz bringt Dr. Michael Hof- bauer, der unsere Tafel ebenfalls im Original untersucht hat und wofür wir ihm danken, unsere Darstellung (Corpus Cranach Nr. CC- POR-160-026) mit einer Gruppe von sechs heute noch erhaltenen Bildnissen Friedrichs des Weisen (CC-POR-160-026, CC-POR-160-027, CC-POR-160-028, CC-POR-160-029, CC-POR-160-030, CC-POR-160-031) in ­Verbindung, die trotz leichter motivischer und maltechnischer Abweichungen in einem ähnlichen Zeitraum entstanden sind. Alle sechs Versionen tragen am linken Bildrand die ­Schlange nach rechts. Die Version in Schleswig, Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf (Leih- gabe der Stiftung Rolf Horn), ist 1525 datiert. Da bei diesem Werk, übereinstimmend mit der vorliegenden Version, die Locken rechts des Auges mit einem Schwung nach außen enden, dürften beide Werke zeitlich eng bei- einander ­entstanden sein. Aus dem Infrarot­ reflektogramm (IRR-Untersuchung durch Dr. ­Michael Hofbauer am 27. November 2018 mit OSIRIS A1) und dem Oberflächenbild unseres ­Gemäldes lässt sich ablesen, dass im Bereich der Schlange Übermalungen vorgenommen wurden und die Ziffer 8 in unserem Gemälde ursprünglich eine 5 war. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass auch das vorliegen- de Bild 1525 entstanden ist. Bei dieser Werkgruppe ist die Inschrift mit Lobesversen auf den Dargestellten im un- teren Drittel der Tafel, wie auch bei unserer ­Darstellung, kalligraphiert, im Unterschied zu den späteren, bei denen die Texttafel gedruckt ist. Tatsächlich gab Friedrichs Nachfolger, ­Herzog Johann der Beständige (1468 – 1532), nach Friedrichs Tod 1525 mehrere Bildnisse sei- nes Bruders bei Lucas Cranach d. Ä. in Auftrag. Das Infrarotreflektogramm zeigt zudem Unter- zeichnungen, die im Werkstattbetrieb bei der Mehrfachanwendung von Motivvorlagen zur Anwendung gekommen sein dürften. Im unteren Bereich des Gemäldes, am Über- gang von Malerei zu aufgeklebtem Papier ist zu erkennen, dass der Papierstreifen erst auf die fertige Malerei aufgeklebt worden sein dürfte, denn an Stellen mit Ausrissen ragen die Pinsel­ spuren des Pelzes unter das aufgeklebte Papier. CHF 90 000 / 120 000 (€ 78 950 / 105 260)
  • 17.
  • 18. Gemälde Alter Meister | 12 3008 PEDRO FERNÁNDEZ DE MURCIA (WERKSTATT) (tätig um 1489 – 1523) Die Kreuztragung Christi. Öltempera auf Leinwand auf Holz. 115,8 x 83,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Dieses bisher unveröffentlichte Gemälde mit der Kreuztragung gewährt Einblick in ein faszinierendes Kapitel der iberischen ­Renaissance Malerei des frühen 16. Jahrhun- derts. Die grossen durch das Dreigestirn Leo- nardo (1452 – 1519), Raphael (1483 – 1520) und Michelangelo (1475 – 1564) hervorgebrachten künstlerischen Erneuerungen der italienischen Hochrenaissance und politische Gegeben- heiten in Italien begünstigten und motivierten iberische Maler, gegen Ende des 15. Jahr- hunderts nach Italien zu reisen, um sich dort künstlerisch weiter zu entwickeln. Dies geschah zunächst in der Lombardei in unmittelbarer Nähe zu Leonardo da Vinci, der damals (1482 – 1499) am Sforzahof in Mailand wirkte und nach seiner temporären Rückkehr nach Florenz (1500 – 1506) dort – jetzt unter französischer Herrschaft – erneut tätig wurde. Zu den iberischen, nach Italien eingewanderten Malern, deren Wege sich mit Leonardo gekreuzt haben müssen, gehörten Fernando Llanos (tätig um 1506 – 1516) und Fernando Yanez (um 1475 – 1536), Alfonso Berruguette (um 1488 – 1561) und Pedro Fernández. Während Fernando Yanez und Fernando Llanos, Leonardo wohl von Mailand aus nach Florenz begleiteten, wo sie den ­Florentiner an der Arbeit für die Anghari Schlacht unterstützten, um nach dessen Rückkehr nach Mailand, wieder in die ­spanische ­Heimat zurückzukehren, führten Pedro Fernández die Wege von Mailand nach Neapel und Rom, wo er bis in das 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts wirkte. Im Zusammenhang mit unserer Tafel hat uns Pedro ­Fernández zu interessieren, dessen künstlerische Formation zunächst eng an die künstlerischen Vorgänge in der Mailänder Metropole gebunden war, die damals von Leonardo da Vinci, Zenale (um 1460 – 1526) und Bramantino (um 1456 – um 1530) geprägt waren. Nicht zufällig wurde unser Maler vor seiner biographischen Identifizierung als ­Pedro Fernández von der Kunstgeschichte unter dem Notnamen Pseudo-Bramantino geführt. Dieser Maler ist nach seinen ersten Mailänder Jahren in Neapel und Rom verbürgt und sein eigenwilliger mitunter höchst ­expressiver Stil präsentiert sich – vereinfacht auf einen Nenner gebracht – als eine Art Synthese aus Leonardo da Vinci und ­Bramantino gepaart mit Anflügen an ­Michelangelos und Raphaels römischen Werke. Im Laufe des zweiten Jahrzehnts des 16. Jahrunderts dürfte der Spanier wieder in sei- ne Heimat zurückgekehrt sein, wo er 1521 den der Heiligen Elena geweihten Hochaltar für die Kathedrale von Girona schuf. Es ist eben dieser Altar, zu dem vorliegende Tafel die deutlichsten Stilbezüge erkennen lässt. Das gilt für die mäch- tigen ­Rückenfiguren, die gerne an den Bildvor- dergrund gerückt sind und auch im vorliegenden Gemälde Bild bestimmend sind. So sind Figuren, wie der junge in Rückenansicht gezeigte und das Kreuz schleifende Recke mit seinen eng an- haftenden und so die Gesässmuskeln betonen- den Beinkleidern, ähnlich auch im Elena Zyklus von Girona wieder zu finden. Solche Figuren wie auch die sich etwas windenden Rückenansich- ten bezeugen unverkennbar eine Kenntnis von Michelangelos Sixtina Fresken (1508 – 1512) gleich wie sich die in unserem Bild zu erkennen- den ­Greisengesichter von Leonardos Typen herleiten lassen. Die Figuren mit ihren leicht karikierten, an ­Leonardos ­Charakterstudien gemahnenden Gesichtszügen erscheinen eng verbunden mit dem Typenrepertoire des Pedro Fernández, in dessen Werkstatt das Bild wohl gegen 1520 entstanden ist. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für die Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320)
  • 19.
  • 20. Gemälde Alter Meister | 14 3009* ADRIAEN ISENBRANDT (UMKREIS) (vor 1510 Brügge 1551) Kreuzigung Christi. Öl auf Holz. 39 x 26,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 390 / 6 140) 3009
  • 21. | 15 3010 ROGIER VAN DER WEYDEN (NACHFOLGER DES 16. JAHRHUNDERTS) (Tournai 1400 – 1464 Brüssel) Madonna mit Kind. Öl auf Holz. 32,2 x 22,7 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 50 000 / 70 000 (€ 43 860 / 61 400) 3010
  • 22. Gemälde Alter Meister | 16 3011 ANTONIO VIVARINI (um 1440 Venedig um 1484) Madonna dell’Umiltà. Tempera auf Holz. 49,5 x 29,7 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Antonio Vivarini, dem das hier angebotene Madonnenbild zugewiesen werden kann, stand am Anfang einer berühmten venezianischen Malerdynastie des 15. Jahrhunderts, die aus einer Glasbläserfamilie in Murano hervorgegan- gen ist. Mit seinem Bruder Bartolomeo Vivarini (1432 – 1499) und dessen Sohn Alvise (um 1442 – um 1503) sowie seinem Schwager Giovanni d’ Allemagna (um 1411 – 1450) führte er die sogenannte Muraneser Schule an, die sich zu Beginn aus der spätgotischen Kunst des Gentile da Fabriano (um 1370/85 – 1427), dem frühen Jacopo Bellini (um 1400 – um 1470/71) und besonders der späteren Gentile-Interpreten Zanino di Pietro (um 1380 – um 1443) und Michele Giambono (um 1400 – 1462) ent­ wickelte, und später auch an den Neuerungen in Padua um Squarcione (um 1395 – um 1468) und den jungen Mantegna (1431 – 1506) ori- entiert. Vorliegende Tafel vereint jedoch noch die Vorgaben der genannten spät­gotischen Meister, was über einen Vergleich mit Miche- le ­Giambonos (um 1400 – um 1462) nach ähnlichem Bildvorwurf konzipierter Madonna dell‘Umiltà in der Walters Art Collection in Baltimore (Inv. Nr. 37.537) und Zanino di Pietros (tätig um 1389 – 1448) Madonna mit dem Heiligen Hieronymus und weiterer Heiligen (ehemals Bellesi Collection, London) leicht überprüft werden kann. Antonio Vivarini wird diesen Zusammenhang mit Gentiles Bildtra- dition mit seiner Madonna im Museo Bargellini in Bologna selbst noch klarer zum Ausdruck bringen, wo er die gleiche Figurenkonfiguration von Mutter und Kind in Manier des Gentile da Fabriano und Michele Giambono auf eine üppige Wiese vor dem Hintergrund eines Wäldchens setzte. Die Stilverwandtschaft mit einer frühen um 1441 gemalten Madonna in der Galeria dell’ Accademia in Venedig scheint darauf hinzuwei- sen, dass unsere Madonna vermutlich Antonio Vivarinis Frühwerk in den frühen 1440er Jahren zuzurechnen ist. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160)
  • 23.
  • 24. Gemälde Alter Meister | 18 3012 SCHWEIZ, 16. JAHRHUNDERT Porträt eines Mannes. Öl auf Holz. Oben rechts mit Monogramm und Datierung: CL (ligiert): O.M. 1555. 48,6 x 36,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) 3012
  • 25. | 19 3013 TOMMASO DI CREDI (tätig in Florenz um 1490 – 1510) Madonna mit Kind und Johannes der Täufer. Öl auf Holz. 57,3 x 53,2 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Das vorliegende Gemälde ist stilistisch sehr nahe an dem Oeuvre des Lorenzo di Credi (1459 – 1537), einem der einflussreichsten Künstler im Florenz der Hochrenaissance. Credi begann seine Ausbildung mit Leonardo da Vinci (1452 – 1519) in Andrea del Verrocchios (1435 – 1488) Werkstatt, die er nach dem Tod des Meisters übernahm. Er stellte hauptsächlich Andachtsdarstellungen mit der Madonna und der Anbetung des Christuskindes für ­private Mäzene her. Tommaso di Credi, der Maler der hier angebotenen Tafel, war einer seiner Schüler, der ebenfalls unter dem Namen Master of the Sacra Conversazione of Santo Spirito be- kannt ist, und sich auf Tondos mit den Darstell­ ungen der Maria mit dem Kind und dem Heiligen Johannes vor einer Landschaft spezialisierte. Auch das hier angebotene Gemälde wurde allen Anschein nach für einen privaten florentini- schen Palazzo ausgeführt. Die Bildidee unserer Tafel, welche die Maria auf einer Bank vor einer weiten Landschaft sitzend verbildlicht, entwickelte sich im frühen 16. Jahrhundert in Florenz zu einem hoch erfolgrei- chen Bildtypus und findet sich unter anderem auch um 1505 in Raffaels Terranuova Madonna weiter interpretiert, die sich heute in den Staat­ lichen Museen zu Berlin befindet. Tommasos Madonnenbild vereinigt damit ver- schiedene erfolgreiche Vorgaben der grössten Renaissance Maler zu einem attraktiven Zeug- nis der glanzvollen florentinischen Maltradition zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 25 000 / 35 000 (€ 21 930 / 30 700) 3013
  • 26. Gemälde Alter Meister | 20 3014* GIOVANNI BATTISTA VOLPONI (tätig in Pistoia, frühes 16. Jh.) Madonna mit Jesuskind und Heiligem Franziskus und Bernhardin von Siena. Öl auf Holz. 125 x 124 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Das vorliegende Werk stammt von Giovanni Battista Volponi, genannt lo Scalabrino, wie Professor Mauro Lucco bestätigt. Lo Scalabrino war Schüler des Fra‘ Paolino da Pistoia (1488 – 1547), seinerseits Schüler des Fra‘ Bartolomeo (1472 – 1517). Des Weiteren arbeitete Scalabrino mit Gerino da Pistoia (1480 – 1529), weshalb seine Arbeiten auch den Einfluss romagnolischer Künstler, wie etwa den von Gasparo Sacchi da Imola (tätig um 1517 – 1536) aufweisen. Weitere Arbeiten des Künstlers befinden sich beispielweise im Museo Civico in Pistoia (Foto- teca Zeri, Nr. 37759), im Palazzo Arcivescovile in Viterbo (Fototeca Zeri, Nr. 37763) und der Pinakothek in Parma (Inv. Nr. 158, Kat. Nr. 233). Prof. Mauro Lucco bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320) 3014
  • 27. | 21 3015* SCHULE VON ROUSSILLON, UM 1500 Szenen aus dem Leben eines Pilgers. Öl auf Holz. 80 x 62 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s, London, 22.4.1994, Los 191. - Europäischer Privatbesitz. CHF 18 000 / 25 000 (€ 15 790 / 21 930) 3015
  • 28. Gemälde Alter Meister | 22 3015A BARTOLOMEO RAMENGHI (Bagnacavallo 1484 – 1542 Bologna) Madonna mit Kind. Öl auf Holz. 34,5 x 28,2 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 260 / 7 020) 3015A 3015A (mit Rahmen)
  • 29. | 23 3016 EUSEBIO DA SAN GIORGIO (ZUGESCHRIEBEN) (1470 Perugia 1550) Maria mit Kind. Öl auf Holz. 79,5 cm Durchmesser (rund). Provenienz: - Sammlung Vincent, Zürich, 1954. - Schweizer Privatbesitz. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320)
  • 30. Gemälde Alter Meister | 24 3017* RIDOLFO DEL GHIRLANDAIO (1483 Florenz 1561) Porträt des Agostino Dini. Öl auf Holz. Unten links bezeichnet: Anno Agostino Dini. 89 x 69,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Wie bereits Giorgio Vasari (1511 – 1574) in seinen Viten berichtet, zählt Ridolfo del ­Ghirlandaio (Grillandajo Bigordi) zu den erfolg- reichen Künstlern seiner Zeit (Vasari, Le vite dei più ecellenti Pittori, Scultori ad Architettori, ed. Milanesi 1871, Bd. VI, S. 531 – 548). Auf Anraten seines Onkels und Ziehvaters Davide Ghirlandaios (Davide Bigordi, 1452 – 1525) hin, begann Ridolfo seine künstlerische Aus­ bildung in dessen Werkstatt bereits in jungen Jahren. Studien belegen seine Faszination für die älteren Meister, wie etwa für die Fresken von Masaccio (1401 – 1428) oder die Arbeiten des Fra’ Bartolomo (1472 – 1517) und Piero di Cosimo (1462 – 1522). So verwundert es kaum, dass sich in seinen Werken die strenge Konturierung der Zeichnung des Masaccio mit der ruhigen Komposition und der reduzierten Farbigkeit eines Fra’ Bartolomeo und Piero di Cosimo verbunden findet (Kecks, R.G.: Ridolfo de Ghirlandaio, in: Allgemeines Künstler Lexikon, München/ Leipzig 2007, S.79). Seine Werke, wie beispielsweise das Mosaik der „Verkündigung Mariae“ über dem Eingangs- portal des Chiostrino dei Voti von ­SS. Annun- ziata (Florenz 1513), wurden von Künstlern wie Monte di Giovanni (1448 – 1533), Mariotto di Biagio (1474 – 1515) und Lorenzo di Credi (1459 – 1537) geschätzt (Magini, E.: Un clas- sicista fiorentino, 1968, S. 23, Anm. 31), wobei Vasari insbesondere Ghirlandaios Talent für die Porträtmalerei hervorhebt. Bildnisse wie das der Lukrezia Sommaria (Washington DC, National Gallery of Art, Inv. Nr. 1942.9.23) oder das Bildnis des Cosimo I (1519 – 1574) als junger Mann (Palazzo Vecchio, Florenz, Fototeca Zeri, Nr. 34523) zeugen von einer „überaus lebendigen, individuellen und psychologisch einfühlsamen Charakterisierung“, die immer wieder auch mit Leonardo in Zusammenhang gebracht wurde (Kecks 2007, S. 80). Folglich stand er auch mit den Künstlern seiner Zeit in regem Austausch. So beispielsweise nicht nur mit Leonardo (1452 – 1519), sondern auch mit Raffael (1483 – 1520), mit dem er, Vasari zufolge, freund- schaftlich verbunden war und für den er, nach dessen Weggang nach Rom, sogar ein Gemälde vollendet (vermutlich die Belle Jardinière, Musée du Louvre, Paris, Inv. Nr. 602) und ein anderes restauriert (Madonna of the Goldfinch, Uffizien Florenz, Inv. 11890, Nr. 1447) haben soll. Ridolfo Ghirlandaio stand in engem Kontakt mit den bedeutendsten Persönlichkeiten von Florenz, darunter die Familie de Medici, und er führte zahlreiche offizielle Aufträge aus wie die Ausstattung der päpstlichen Gemächer in Santa Maria Novella für den Besuch von Papst Leo X im Jahre 1515 (Kecks 2007, S. 80). So ver­wundert es kaum, dass er auch ­Antonio di Francesco Dini (? – 1552) porträtierte, der ebenfalls zu einer der einflussreichsten Florentiner Familien der Renaissance zählt, und unter ­anderem die Kreuzabnahme von Francesco ­Salviati (1510 – 1563) für den Altar in Santa Croce in Florenz in Auftrag gegeben hat (Hamburgh, H. E.: Rosso Fiorentino‘s Descent from the Cross in a Franciscan Context, in: The Sixteenth Century Journal, Vol. 19, Nr. 4, Winter 1988, S. 581). Weitere vergleichbare Werke finden sich unter anderem in der National Gallery in London (Bildnis des Girolamo Benivieni, Inv. Nr. NG2491) sowie im Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid (Bildnis eines Mannes aus dem Hause Capponi, Inv. Nr. 159.1977.69). Das Gemälde ist in der Fototeca Zeri archiviert (Nr. 34533). CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 020 / 10 530)
  • 31.
  • 32. Gemälde Alter Meister | 26 3018* HENDRICK GOLTZIUS (UMKREIS) (Bracht 1558 – 1617 Haarlem) Vier Tafeln mit den Evangelisten. Öl und Goldgrund auf Holz. Je 37,9 x 26,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 40 000 / 60 000 (€ 35 090 / 52 630) 30183018
  • 34. Gemälde Alter Meister | 28 3019 JAN GOSSAERT GENANNT MABUSE (UMKREIS) (Maubeuge 1478 – 1532 Antwerpen) Triptychon mit der Darstellung von Maria und dem Jesuskind, Johnnes des Täufers und einem Auftraggeber. Öl auf Holz. 55 x 36,5 cm (Zentraltafel). Je 55,5 x 16 cm (Flügel). Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 8 000 / 10 000 (€ 7 020 / 8 770) 3020* FRANS FRANCKEN D. J. (1581 Antwerpen 1642) Das Jüngste Gericht. 1606. Öl auf Kupfer. Unten mittig schwer leserlich signiert und datiert: D.I. F.FRANKEN FECIT/ INVENTOR Ao 1606. Rückseitig mit Stempel des Kupfertafelmachers Pieter Stas (um 1565 – nach 1616), datiert „Anno 1604“ sowie der Marke der Antwerpener Gilde und der Inschrift: Guido/Vniuo/del/Franch Ollan/ dese/N. 11. 66,3 x 50,3 cm. Provenienz: - Sammlung Arundel. - Sammlung Madame Marie Jeanne De Blieck, Burghman. - Auktion Koller, Zürich, 18.3.2008, Los 3106. - Europäischer Privatbesitz. Diese Darstellung des Jüngsten Gerichts lässt sich mit einer anderen Ver- sion vergleichen, die bei Sotheby‘s Amsterdam am 2.11.2004 als Los 46 versteigert wurde (vgl. auch Härting, Ursula: Frans Francken der Jüngere. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1989, Bd. 2, Nr. 174, S. 276). Diese signierte und 1606 datierte Tafel trägt auf der Rückseite, wie auf unserem Gemälde, das Monogramm des Kupferschmieds Pieter Stas sowie das Entstehungsjahr 1604. Kompositorisch sind diese beiden Ver­ sionen sehr verwandt und zeigen die markante Figur des Teufels in der Mit- te, der die Seelen antreibt. Es ist anzunehmen, dass sie beide in einem ähn- lichen Kontext entstanden, wobei dies vor dem Waffenstillstand zwischen Spanien und den nördlichen Provinzen im Jahr 1609 stattgefunden haben muss. 1585 war Antwerpen von den Spaniern unter Alexander ­Farnese er- obert und der katholische Glaube als Hauptreligion übernommen ­worden. Dies spiegelte sich auch in den Künsten wieder, wie im Frühwerk Frans Franckens II. und am Beispiel dieser beiden Werke zu sehen ist. CHF 30 000 / 40 000 (€ 26 320 / 35 090) 3019
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  • 36. Gemälde Alter Meister | 30 3021* JAN WELLENS DE COCK (Leiden um 1470 – 1521 Antwerpen) Die Versuchung des Heiligen Antonius. Öl auf Holz. 27,7 x 37,2 cm. Gutachten: Dr. Luuk Pijl, 19.7.2005 (in Kopie vorhanden). Provenienz: Europäische Privatsammlung. Diese in einer Privatsammlung entdeckte „Versuchung des Heiligen Antonius“ lässt sich als eine eigenhändige Arbeit des Jan Wellens de Cock identifizieren, wie Dr. Luuk Pijl in seinem Gutachten bestätigt. Bislang ist nur wenig über das Leben des Jan Wellens de Cock bekannt. Einträge der Antwer- pener Malergilde aus den Jahren 1506 und 1516 belegen seine Tätigkeit als Lehrmeister sowie seine Funktion als Dekan der Gilde, die er sich mit seinem Malerkollegen Joos van Cleve (1485 – 1540) teilte. Unter anderem lernten auch de Cocks Söhne, Hieronymus (1518 – 1570) und Matthys (1505 – 1548), in seiner Werkstatt, wobei vor allem ersterer nicht nur als Maler und Kupferstecher bekannt wurde, sondern zum wichtigsten Verleger des 16. Jahrhunderts avancierte, und massgeblich zur Verbreitung von Zeich- nungen und Stichen, wie beispielsweise jene seines einstigen Lehrlings Pieter Brueghel d. Ä. (1525/30 – 1569), beitrug. Da bislang keine signierten Werke des Künstlers bekannt sind, rekonstruierte Max J. Friedländer das Oeuvre des Jan Wellens de Cock basierend auf dem Gemälde „Landschaft mit Heiligem Christopherus“, das in einem Stich reproduziert wurde, welcher mit Pictum J. Kock bezeichnet war. Dr. Luuk Pijl weist auf die starken Parallelen des Werks von de Cocks zu jenem von Cornelis Engelbrechtsz (1468 – 1533) aus Leiden hin, was ihm zufolge vermuten lässt, dass de Cock ursprünglich aus eben dieser Stadt stammt und eventuell identisch mit Jan van Leyen ist, der sich 1503 in Antwerpen niederliess. Jan Wellens de Cock zählt, so Dr. Luuk Pijl, zu jener Gruppe von Malern, die als Antwerpener Manieristen bezeichnet werden. Ihre Arbeiten florierten in einem kulturellen Klima, das von der Wirtschafts- und Handelskraft des unangefoch- tenen kommerziellen Zentrums des damaligen Europas geprägt war. Meister wie etwa Goossen van der Weyden (um 1465 – 1538), der frühe Jan Gossaert (1478 – 1532), Jan de Beer (um 1475 – vor 1528), Herri met de Bles (1510 – 1555/1560) oder Jan Meyden (1500/02 – 1559/60) zählen zu den Protagonisten der Ant- werpener Manieristen. Mit ihnen teilt de Cock seine Vorliebe für überspitzte figurale Formen, ausladende Posen, reiche Kostüme und kräftige Farben, die auch in dem hier offerierten Werk deutlich wird: Die Darstellung zeigt den Heiligen Antonius in Meditation, der Versuchung des Weins wider- stehend, der ihm von einer prachtvoll gekleide- ten Dame und ihrem Begleiter in einem edlen Kelch angeboten wird. Mehrere vom Teufel gesandte, fantastische Kreaturen beobachten den Abt. Eingebettet ist diese Szene in eine Ruinenlandschaft, in der sich weitere fantasti- sche Kreaturen finden, die ebenso detailreich wie beeindruckend fein ausgeführt sind. Bei diesem Gemälde handelt es sich, wie Dr. Luuk Pijl bestätigt, um eine neue Entdeckung und bedeutsame Erweiterung des Oeuvres von Jan Wellens de Cock. Die Komposition des Werks ähnelt einem bekannten Stich von de Cock, der auf das Jahr 1522 datiert und sich Abb. 1. Jan Wellens de Cock: The Temptation of Saint Anthony, 1522, Holz- schnitt, Rosenwald Collection, Inv. Nr. 1954.12.225. Courtesy National Gallery of Art, Washington. heute in der National Gallery of Arts in Washing- ton befindet (Abb. 1, Inv. Nr. 1954.12.225; Holl- stein´s Dutch and Flemish etchings, engravings and woodcuts 1450–1700, Amsterdam 1954, IV, Nr. 1, Abb. 11). Das Motiv des Stichs ist nicht seitenverkehrt zu jenem des Gemäldes, sodass der Stich dem Gemälde vorausgegangen sein und das Gemälde folglich zwischen 1522 und 1527, dem Todesjahr de Cocks, entstanden sein muss. Das Thema der „Versuchung des Heiligen ­Antonius“ hat in der westlichen Kunst lange ­Tradition und war vor allem um 1500 ein belieb- tes Thema. Künstler wie Hieronymus Bosch (um 1450 – 1516), Joachim Patinir (um 1475/1480 – 1524), Quentin Massys (um 1466 – 1530) und Mathias Grünewald (um 1475/80 – ca. 1530) zeigten den Einsiedler häufig in einer infernalen Landschaft. Im Gegensatz zu ihnen, zeigt de Cock den Heiligen in einer friedlichen Umge- bung und in Meditation. Er führt ein standhaftes Leben und lässt sich nicht von den weltlichen Freuden, die ihm von der reizenden Dame ­dargeboten werden, ablenken. Dr. Luuk Pijl macht darauf aufmerksam, dass sich eine weitere Darstellung desselben Motivs in der Sammlung Thyssen in Madrid befindet, die ebenfalls von der Hand Jan Wellens de Cock stammt (Inv. Nr. 93(1928.5)), Die Versuchung des heiligen Anthonius, Öl auf Holz, 60 x 45,5 cm). CHF 50 000 / 70 000 (€ 43 860 / 61 400)
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  • 38. Gemälde Alter Meister | 32 3022 ANTWERPEN, 17. JAHRHUNDERT Gegenstücke: Verkündigungsdarstellung mit der Jungfrau Maria und dem Engel. Öl auf Kupfer. Je 11,8 x 9,5 cm (oval). Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 750 / 2 630)
  • 39. | 33 3023 ABRAHAM VAN DIEPENBEECK (s‘-Hertogenbosch 1596 – 1675 Antwerpen) Die Rettung des Heiligen Paulus nach dem Schiffbruch. Öl auf Holz. 34,5 x 27,5 cm. Provenienz: - Sammlung Helene Tepelmann, geborene Vieweg, wohl vor 1890. - Auktion Lempertz, Köln, 1.2.1940, Los 87 (Peter Paul Rubens zugeschrieben). - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Steadman, David W.: Abraham van Diepenbe- eck. Seventeenth-Century Flemish Painter, Ann Arbor 1982, Abb. 9. Das hier angebotene Gemälde ist eine der Vor- studien von Abraham van Diepenbeeck für die Glasfenster der Dominikanerkirche St. Paulus in Antwerpen, welche um 1638 zum Leben des Heiligen Paulus angefertigt wurden, heute jedoch nicht mehr erhalten sind. Abraham van Diepenbeeck studierte Glas­ malerei bei seinem Vater und war danach in der Werkstatt Peter Paul Rubens (1577 – 1640) tätig. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 630 / 3 510) 3023
  • 40. Gemälde Alter Meister | 34 3024* MEISTER DES VERLORENEN SOHNES (tätig in Antwerpen, 2. Hälfte 16. Jahrhundert) Lot und seine Töchter. Öl auf Holz. 74,5 x 103,5 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Schweden. - Auktion Christie‘s, London, 6.4.1984, Los 19. (als Meister des Verlorenen Sohnes). - Sammlung Marten Wurfbain, Oegstgeest, 1990. - Auktion Sotheby‘s, London, 9.7.1998, Los 160 (als Antwerpener Schule, um 1570). - Auktion Sotheby‘s, London, 14.4.2011, Los 13. - Europäische Privatsammlung. Literatur: Wurfbain, M. L.: Wurfbain fine art III, 1990, S. 104 – 110 (als Antwerpener Schule, 1560 – 80). Der Meister des Verlorenen Sohnes war ein Antwerpener Maler, der eine Werkstatt betrieb und seinen Namen nach einem Bild des Gleich- nis des verlorenen Sohnes erhielt, mit dem unser Gemälde stilistisch verglichen werden kann (Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. GG_986, nach 1550, Öl auf Eichenholz, 128,5 x 214,5 cm). Eine fast identische Version unserer Kom- position befindet sich im Koninklij Museum in Antwerpen (siehe Marlier: L‘Atelier du Maître du Fils Prodigue, in: Jaarboek van het Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, 1961, S. 97), wobei M. L. Wurfbain die Meinung vertritt, dass aufgrund der meisterhaften Unterzeichnungen unsere Version die erste war (siehe Literatur). Peter van den Brink bestätigt die Eigenhändig- keit dieses Gemäldes anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 40 000 / 60 000 (€ 35 090 / 52 630) 3024
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  • 42. Gemälde Alter Meister | 36 3025* CARLO PORTELLI (Loro 1539 – 1574 Florenz) Porträt des Hl. Johannes Chrysostomos. Öl auf Holz. 34 x 25,3 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 260 / 7 020) 3025
  • 43. | 37 3026* JACOB DE BACKER (um 1540 Antwerpen um 1595) Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers. Öl auf Holz. 46,2 x 63 cm. Provenienz: - Kunstsammlung Max Minkowski (1844 – 1924), Königsberg (Sohn aus Russland nach Königs- berg eingewanderter Juden, Konsul Königs- berg, erfolgreicher Unternehmer, Stifter des Neubaus des Kunstmuseums Königsberg). - Auktion Rudolph Lepke, Berlin, 12.5.1925, Los 243 (als Jean Baptist Lambrechts). - Europäischer Privatbesitz. Jacob de Backer zählt mit Frans Floris (1517 – 1570) und Otto van Veen (1556 – 1629) zu den bedeutendsten flämischen Malern, die durch ihre Aufenthalte in Italien die flämische Malerei des 16. und frühen 17. Jahrhunderts geprägt haben. Die Werke, die Jacob de Backer nach seinem Aufenthalt in Florenz in den 1560er Jahren schuf, zeigen deutlich, dass er den Florentiner Manierismus verinnerlicht hat. So offenbaren die elegante Figur der Salome, der kraftvolle Akt des Henkers und das Kolorit des hier angebotenen Gemäldes eine eindeutige Kenntnis der Kunst Giorgio Vasaris (1511 – 1574), Alessandro Alloris (1535 – 1607) und Francesco Salviatis (1510 – 1562). Zurück in Antwerpen schuf Jacob de Backer bedeutende kirchliche Aufträge und malte mythologische Szenen für wohlhabende Bürger und Adelige, so auch für den in Brüssel residie- renden Statthalter der Spanischen Niederlande Erzherzog Ernst von Österreich und Kaiser Rudolf II. in Prag. Auch die hier angebotene biblische Szene war mit hoher Wahrscheinlich- keit für das Kabinett eines gebildeten Bürgers bestimmt, der sich an der eleganten Maniera des Künstlers erfreute. CHF 40 000 / 60 000 (€ 35 090 / 52 630) 3026
  • 44. Gemälde Alter Meister | 38 3027 BENEDETTO GENNARI (Cento 1633 – 1715 Bologna) Rückkehr des verlorenen Sohnes. Öl auf Leinwand. 118,5 x 166 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 390 / 6 140) 3027
  • 45. | 39 3028 JACOPO PALMA D. J. (1544 Venedig 1628) Bildnis zweier venezianischer Magistraten. Öl auf Leinwand. 55 x 50 cm. Provenienz: - Auktion Eberhart, 1997. - Seither in Schweizer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 260 / 7 020) 3028
  • 46. Gemälde Alter Meister | 40 3029* GIOVANNI MARTINELLI (ZUGESCHRIEBEN) (Montevarchi um 1600 – 1659 Florenz) Christus am Ölberg. Öl auf Leinwand. 122 x 104 cm. Provenienz: - Privatsammlung Rom, bis 1770 (verso Etikett). - Sammlung Mr. Morris of Dunkettle House, Cork, ab 1770 (verso Etikett). - durch Erbschaft, Sammlung Mr. J.H. Corchrane Merton, Queenstown (verso Etikett). - Privatsammlung Cork (verso Etikett). - Privatsammlung Mr. Ievers of Inchera, Cork (verso Etikett). - Europäischer Privatbesitz. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320) 3029
  • 47. | 41 3030* FRANÇOIS DE L‘ANGE (Annecy 1675 – 1756 Turin) Bildnis der Jungfrau Maria mit Buch vor einer Landschaft. Öl auf Kupfer. Oben links signiert: L‘ANGE PINX. Links mittig bezeichnet: A CUNCTIS OPTIMA. 49 x 37 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 390 / 6 140) 3030
  • 48. Gemälde Alter Meister | 42 3031* JOHANN KÖNIG (1586 Nürnberg 1642) Die eherne Schlange. Öl auf Kupfer. Unten rechts signiert: Jo: König f. 33,5 x 26,5 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Als die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste ungeduldig wurden und gegen Gott klagten, schickte dieser Giftschlangen zur Strafe, die viele der Israeliten töteten. Diese wandten sich hilfesuchend an Moses, der auf Befehl Gottes ein Kreuz mit einer eherenen Schlange – das Abbild einer Schlange aus Kupfererz – errichtete. Wer gebissen wurde sollte die Schlange anschauen und wurde geret- tet (Nm XXI, 4 – 9). In der Kunst steht die Heilung der Israeliten durch die eherne Schlange oft bildhaft für das Heil, das Jesus durch seinen Tod am Kreuz erwirkte. Der Blick des Betrachters wird in unserem Gemälde zunächst auf das Leid der Israeliten im Vordergrund gelenkt, die in überzeichne- ten Posen monumental dargestellt sind. Die geschickte Anordnung der Figuren lenkt den Blick dynamisch in die obere rechte Ecke des Gemäldes, zu dem Hügel mit Moses und der ehernen Schlange, wo die geheilten Israeliten sich dankend für ihre Erlösung dem Kreuz betend zuwenden. Durch die Platzierung des Hauptmotivs in den hinteren Mittelgrund ent- steht eine starke räumliche Tiefe und eine sehr dynamische Dramaturgie. Diese Anordnung des Geschehens entlang einer vertikalen Achse hat der Nürnberger Künstler Johann König, der in jungen Jahren in Augsburg bei Johannes Rot- tenhammer (1564 – 1625) studierte, vermutlich während seines Aufenthaltes in Venedig vor 1610 kennengelernt, wie beispielsweise durch das Studium des monumentalen Deckengemäl- des Jacopo Tintorettos (1518 – 1594) gleichen Themas in der Scuola Grande di San Rocco. Gekonnt interpretiert Johann König ­Tintorettos monumentale Hell-Dunkel-Malerei in eine weiche, klare Komposition in zartem Kolorit und kleinem Format auf Kupfer, die vermutlich für das private Kabinett eines gebildeten Sammlers gedacht war. Dr. Gode Krämer bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes und datiert es um 1630, wofür wir ihm danken. Er weist zudem auf eine weitere Version des gleichen Themas hin, die ebenfalls um 1630 entstanden ist und sich im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen befindet (Öl auf Kupfer, 54 x 76 cm). Auf Wunsch kann ein Gutachten zu diesem ­Gemälde bei Dr. Gode Krämer angefordert werden. CHF 40 000 / 60 000 (€ 35 090 / 52 630)
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  • 50. Gemälde Alter Meister | 44 3032* VENEDIG, 17. JAHRHUNDERT Grisaille: Moses verteilt Manna ans Volk. Öl auf Leinwand. 108 x 86 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 020 / 10 530) 3032
  • 51. | 45 3033* AGOSTINO CARRACCI (ZUGESCHRIEBEN) (Bologna 1557 – 1602 Parma) Porträt einer edlen Dame mit einem Hund. Öl auf Leinwand. 118 x 95,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 9 000 / 12 000 (€ 7 890 / 10 530) 3033
  • 52. Gemälde Alter Meister | 46 3034 GIUSEPPE PUGLIA GENANNT IL BASTARO (1600 Rom 1636) Abraham und Sarah, die Hagar und Ismael mit Brot und Wasser versorgen und sie in die Wüste schicken (Genesis 21:14). Öl auf Leinwand. 102 x 132,5 cm. Gutachten: Dr. Massimo Francucci, 17.1.2019. Provenienz: Schweizer Privatbesitz, mindestens seit 1984. Dr. Massimo Francucci identifiziert das hier angebotene Gemälde aufgrund stilistischer Merkmale als ein charakteristisches Werk des römischen Malers Giuseppe Puglias il Bastaro und vergleicht unser Gemälde mit um 1633 entstandenen Werken des Künstlers (siehe Francucci, Massimo: Giuseppe Puglia, il Bastaro. Il classicismo naturalizzato nella Roma di Urbano VIII, San Casciano Val di Pesa, 2014), vor allem der Darstellung gleicher Thematik, die Erich Schleier ebenfalls Giuseppe Puglia zuweist (siehe Schleier, Erich: Giuseppe Puglia, detto il Bastaro: inediti e nuove proposte, in: Napoli, l’Europa. Ricerche di Storia dell’arte in onore di Ferdinando Bologna, hrsg. von Abbate, Frances- co, Catanzaro 1995, S. 219 – 222). Auch in anderen Kompositionen unterschied- licher Thematik stellt Puglia besonders das Gefühlsempfinden der Charaktere biblischer Szenen mit derselben Genauigkeit dar und 3034 modelliert sie in einer Manier, die von Guido Reni (1575 – 1642), der sich zu Lebzeiten Puglias mehrmals in Rom aufhielt, beeinflusst ist. Der Künstler verstarb bereits im jungen Alter von 36 Jahren auf dem Höhepunkt seines künstleri- schen Schaffens, nur wenige Tage nach seiner Ehefrau Artemisia, die Tochter des römischen Malers Antiveduto Gramatica (1571 – 1626). CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 020 / 10 530)
  • 53. | 47 3035 JOOS DE MOMPER (1564 Antwerpen 1635) Gottesdienst in einer Felsgrotte. Öl auf Holz. 73 x 70 cm (oval). Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 5.2.2019. Provenienz: - Sammlung Comte et Comtesse de Marnix, 1836 aus Neapel mitgebracht (verso Etikett). - Schweizer Privatbesitz. Dr. Klaus Ertz bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken, und datiert das Gemälde gegen Ende der 1620er Jahre. Die Figuren dürften laut Ertz in der Werkstatt von David Teniers d. Ä. (1582 – 1649) in die Landschaft eingefügt worden sein. CHF 25 000 / 35 000 (€ 21 930 / 30 700)
  • 54. Gemälde Alter Meister | 48 3036* ANTHONIE PALAMEDESZ. (Delft 1601 – 1673 Amsterdam) Bankettszene im Freien. 1632. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: A. PALAMEDES. 1632. 47,5 x 78,5 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s, London, 20.3.1936, Los 71. - Auktion Sotheby‘s, London, 18.10.1989, Los 97. - Kunsthandel Richard Green, London, 1991, Nr. 11. - Privatsammlung, Wien. Diese Darstellung einer edlen Gesellschaft bei einem Bankett im Freien ist ein charakte- ristisches Werk des Figurenmalers Anthonie Palamedesz. von herausragender Qualität. Es zeigt in besonderer Detailvielfalt eine adlige Gesellschaft beim Musizieren und Speisen an einer langen Tafel in einer Waldlichtung. Im Hintergrund ist ein Anwesen mit einem Park zu sehen. Die Stimmung von unbeschwertem Wohlstand wird durch die elegante Bekleidung der Figuren verstärkt. Anthonie Palamedesz., der sich auf Genre-, Porträt- und Stilllebenmalerei spezialisierte, ist insbesondere für seine fröhlichen und vielfigu- rigen Interieurszenen bekannt. Er wurde 1601 in Delft als Sohn eines Gemmenschneiders ge- boren, der kurz darauf in den königlichen Dienst James I von England trat, wo auch sein Bruder, der Schlachtenmaler Palamedes Palamedesz. (1607 – 1638), geboren wurde. Seine künstleri- sche Ausbildung erhielt Anthonie wohl in Delft bei dem Hofmaler Michiel van Mierevelt (1566 – 1641) und dem Genremaler Hendrick Pot (1580 – 1657). Palamedesz. wurde 1621 als Mitglied der Delfter St. Lukasgilde aufgenommen. Um 1625 begann er unter dem Einfluss des Den Haager Künstlers Esaias van de Velde (1587 – 1630) Festgesellschaften zu malen und wurde zum Meister dieses Genres in Delft bis er sich in den 1650er Jahren der Portätmalerei zuwandte. 1673 siedelte er nach Amsterdam über, wo er am 27. November verstarb. Zu seinen Schülern gehörten nicht nur sein Bruder und sein Sohn Palamedes Palamedesz. d. J. (1632 – 1705), sondern auch der Rotterdamer Porträt- und Genremaler Ludolf de Jongh (1616 – 1679). Dieses museale Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Anthonie Palamedesz. registriert. CHF 30 000 / 40 000 (€ 26 320 / 35 090)
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  • 56. Gemälde Alter Meister | 50 3037 ANTWERPEN, UM 1625 Waldlandschaft mit Figuren an einem Fluss. Öl auf Kupfer. 13 x 16,5 cm. Provenienz: - Sammlung Berthold Ségal (1867 – 1939), Basel. - Kunsthandel Ségal, Basel, 2003 (erworben für CHF 23‘000 als Jasper van der Laanen). - Schweizer Privatbesitz, bei obigem erworben. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 140 / 8 770) 3037
  • 57. | 51 3038* ROELANDT SAVERY (Courtrai 1576 – 1639 Utrecht) Felsige Landschaft mit Gebirgsbach, Löwen, Leoparden, Papagei und anderen Vögeln. Öl auf Holz. Unten mittig signiert: ROELANDT. SAVERY. 44,5 x 63 cm. Provenienz: - Sammlung J. Leger Son, London, 24.6.1955. - Europäische Privatsammlung. Ausstellung: Roelandt Savery. 1576-1639, Musée des Beaux-Arts, Gent, 10.4.-13.6.1954, Nr. 87 (verso Etikett). Roelandt Savery zählt zu den Pionieren der eigenständigen Wald- und Tierlandschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Seine Gemälde sind von einer Vielfalt an Flora und Fauna be- stimmt, in die sich zahlreiche Tierarten einfügen und die Szenerie beleben. Mit besonderem Augenmerk werden die unterschiedlichen Tier- arten in natürlichem Umfeld präsentiert. Savery war ab 1604 als Hofmaler unter Kaiser Rudolfs II. (1552 – 1612) und später unter seinem Nachfolger Mathias (1557 – 1619) in Prag tätig, wo er besonders das landschaftliche Umfeld in seiner Malerei aufgriff und auch die verschiedenen Tiere, die am kaiserlichen Hof in grossen Gehegen gehalten wurden, studieren konnte. Auf Wunsch Rudolfs II. bereiste Savery von 1606 – 1608 Tirol um die lokale Pflanzen- welt zu erkunden und malerisch festzuhalten. Während dieser Zeit wurde Gillis d‘Hondecoeter (um 1575 – 1638) sein Schüler. Ab 1618 kehrte Savery zurück in die Niederlan- de und liess sich in Utrecht nieder, wo er bis zu seinem Lebensende verweilte. In dieser Zeit entstand die hier angebotene Waldlandschaft mit Löwen, einem Papagei, Leoparden an einem felsigen Bachlauf und anderen Vögeln im Him- mel. Savery greift hier auf seine, während der Reise ins Tirol gesammelten, Eindrücke zurück. Das Motiv der links im Bildraum platzierten Löwenfamilie an einem Bergbach findet sich auch in der 1625 datierten Landschaft mit dem heiligen Hieronymus II, heute im Rheinischen Landesmuseum, Bonn (Müllenmeister, Kurt, J.: Roelant Savery, die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1988, Kat. Nr. 248, Ft. 49, S. 157), bei der die Haltung des im Vordergrund platzierten Löwens sehr an unsere erinnern lässt. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als eine eigenhändige Arbeit von Roelandt Savery registriert. CHF 30 000 / 50 000 (€ 26 320 / 43 860) 3038
  • 58. Gemälde Alter Meister | 52 3039* JOOS DE MOMPER (1564 Antwerpen 1635) Gebirgige Waldlandschaft mit Reisenden. Öl auf Holz. 22,2 x 31,2 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s, London, 19.3.1975. - Galerie Müllenmeister, Solingen, 1978. - Privatsammlung, Deutschland. - Auktion Koller, Zürich, 20.-22.3.1996, Los 38. - Europäischer Privatbesitz. Literatur: Ertz, Klaus: Joos de Momper der Jüngere, Freren 1986, Kat. Nr. 511, S. 275 – 277, Abb. 313. Joos de Momper gilt als einer der wichtigsten flämischen Vertreter des Übergangs vom Manierismus zur realistischen Naturdarstellung. Oft beanspruchte er - wie in dieser Zeit weit verbreitet - die Mitarbeit anderer Maler für die Staffagefiguren. Dr. Klaus Ertz, der dieses Gemälde ins erste Jahrzehnt des 17. Jahr- hunderts datiert, vertritt die Ansicht, dass Jan Brueghel der Ältere (1568 – 1625) die Figuren der hier angebotenen Tafel geschaffen hat. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 140 / 8 770) 3040 JOHANNES BAERS (vor 1600 Utrecht nach 1641) Blumenstillleben mit Tulpen und Biene. Öl auf Holz. Unten rechts monogrammiert: JB. 36,5 x 26,5 cm. Gutachten: Dr. Walther Bernt, 13.8.1958, als Johannes Bosschaert (in Kopie vorhanden). Provenienz: Schweizer Privatbesitz, seit den 1950er Jahren. Dr. Fred G. Meijer identifiziert dieses Blumen- stillleben anhand einer Fotografie als ein eigen- händiges Werk des Utrechter Stilllebenmalers Johannes Baers. Noch 1958 vermutete Dr. Walther Bernt in der Malweise und im Mono- gramm Johannes Bosschaert (um 1607 – 1628) zu erkennen, der, wie auch Johannes Baers, mit den Initialen J.B. monogrammierte. Meijer verweist auf die Ähnlichkeit dieses Blumenbouquets mit Baers‘ grossformatigem „Früchtestilleben mit Blumen in einer Delfter Porzellanvase“, das sich heute in einer Privat- sammlung befindet (monogrammiert JB f.t., Öl auf Leinwand, oktogonal, ca. 120 x 160 cm, RKD Nr. 1001127695). Dabei hebt er insbesondere die stilistische Nähe der beiden Vasen hervor, die die Faszination des Künstlers für chinesi- sches Porzellan zum Ausdruck bringen. Anhand eines Vergleiches zu einem weiteren Blumenstillleben von Johannes Baers (Bernt, Walther: Die Niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts, München 1969, Vol. 1, Abb. 49), datiert Dr. Fred G. Meijer dieses Werk vor 1639. Johannes Baers war gemäss eines Inventars von 1638, in dem ein „von Johannes Baers aus Utrecht gemaltes Küchenstilleben und eine bäuerliche Genreszene“ aufgelistet sind, in Utrecht tätig (siehe Meijer, Fred G. / Willigen, Adriaan van der: A Dictionary of Dutch and Flemish Still-life Painters Working in Oils, 1525 – 1725, Leiden 2003, S. 30). Er war 1618 als Mitglied der Antwerpener Mal- ergilde eingetragen. Seine Blumenstillleben sind erstmals in einer Amsterdamer Versteigerung vom 22. April 1749 erwähnt und zeigen den Einfluss Roelandt Saverys (um 1576 – um 1639) und Balthasar van der Asts (1593 – um 1657), die beide in den 1620er Jahren in Utrecht tätig waren (siehe ebd.). Wir danken Dr. Fred G. Meijer für die Bestätigung der Eigenhändigkeit dieses Gemäldes anhand einer Fotografie. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) 3039
  • 60. Gemälde Alter Meister | 54 3041* JOOST CORNELISZ. DROOCHSLOOT (1586 Utrecht 1666) Dorflandschaft mit Figuren. 1653. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: JC DS 1653. 60,7 x 84 cm. Provenienz: Privatsammlung, Wien. Das hier angebotene Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel des künstlerischen Schaffens von Joost Cornelisz. Droochsloot aus seinem Reifewerk der späten 1640er und frühen 1650er Jahre. Vergleichbare architekt- onische Elemente und figürliche Konstellatio- nen finden sich beispielsweise in der grossen 1649 datierten Dorflandschaft, die sich im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam befindet (Inv. Nr. 1176). Die detailreichen Figu- ren, die feine Tonalität und die stimmungsvolle Komposition machen dieses Gemälde zu einer besonders qualitätsvollen Arbeit des Künstlers. CHF 12 000 / 18 000 (€ 10 530 / 15 790) 3041
  • 61. | 55 3042* ADAM WILLAERTS (London 1577 – 1664 Utrecht) Flussmündung mit Galeere. 1620. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: A.willarts.1620. 41,5 x 69,7 cm. Provenienz: - Auktion Christie’s, London, 23.1.1953, Los 109. - Europäischer Privatbesitz. Diese charakteristische Flussmündung mit einer Galeere ist vergleichbar mit einer Marineland- schaft von Adam Willaerts, welche sich in der Kunsthalle in Hamburg befindet (siehe Giltay, J. / Kelch, J.: Lof der Zeevaart, De Hollandse zeeschilders van de 17e eeuw, Ausst. Kat. Rotterdam / Berlin 1996, S. 114 – 6, Kat. Nr. 12, Abb. S. 113). Adam Willaert, dessen Familie urspünglich aus Antwerpen stammte und der in London geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten Marinemaler des Goldenen Zeitalters in den Niederlanden. Er wanderte Ende des 16. Jahr- hunderts in die nördlichen Niederlande aus und spezialisierte sich auf Genre- und Marinemale- rei. 1611 trat er in Utrecht als einer der Grün- dungsmitglieder der Lukasgilde in Erscheinung, wo er als Dekan von 1620 – 1622, 1624 – 1631 und letzlich von 1636 – 1637 fungierte. Auch seine beiden Söhne Abraham (1603 – 1669) und Isaac (1620 – 1693), deren Lehrmeister er war, folgten dem Vater in der Spezialisierung auf Marinemalerei. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Adam Willaerts unter der Nummer 217635 archiviert. CHF 70 000 / 100 000 (€ 61 400 / 87 720) 3042
  • 62. Gemälde Alter Meister | 56 3043* PETER BINOIT (Köln 1590/91 – 1632 Hanau) Blumenstillleben mit Tulpe, Schneeglockenrispe und Schachblume in einer Engobevase auf einer Steinplinthe mit Insekten. Öl auf Kupfer. Unten links monogrammiert: P B. 20,5 x 15,8 cm. Gutachten: Prof. Dr. Gerhard Bott, 29.9.2017. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Das hier angebotene Gemälde aus einer europäischen Privatsammlung stellt ein gut erhaltenes und charakteristisches Beispiel des Hanauer Stilllebenmalers Peter Binoit dar. Unten links findet sich das Monogramm des Malers „P B“, welches er in fast allen seinen Werken verwendete. Über die Anfänge des in 1590 in Köln geborenen Peter Binoits und dessen spätere Übersiedlung nach Frankfurt sind uns so gut wie keine Daten überliefert. Das früheste erhaltene Stillleben ist eine auf Kupfer gemalte Porzellanvase mit Blumen, das mit seinem Monogramm und einer Datierung versehen ist: P/B Fe 1611 (Öl auf Kupfer, 48 x 32 cm, Hessisches Landesmuse- um, Darmstadt, in: Bott, Gerhard: Ein Stück von allerlei blumenwerk - einstück von früchten – zwei stück auf tuch mit hecht. Die Stilleben- maler Soreau, Codino und Marrell in Hanau und Frankfurt 1600 – 1650, Hanau 2001, WV. B. 1, S. 196). Es ist nicht geklärt, ob dieses Gemälde im Atelier des in Hanau anerkannten Meisters Daniel Soreau (1586 – 1619) entstand, denn urkundliche Hinweise, die den Aufenthalt Binoits in Frankfurt belegen, sind erst aus der Zeit nach dem Tod Soreaus bekannt. Binoit heiratete in Hanau am 15. Februar 1627 die Nichte Soreaus, Sarah Soreau, welche die Tochter seines in Frankfurt lebenden Bruders Simon Soreau war (Bott, ebenda, 2001, S. 25). Binoit musste allerdings bereits vor seiner Heirat in Hanau zu Ansehen gelangt sein, denn am 7. September 1623 wurde „Peter Benoi, ein Malergesell“ bei einer Taufe in der reformierten Kirche der Alstadt Hanau als Pate für Maria Neidhart, Tochter des Schneiders Hector Neid- hart, eingetragen (ebd.). Aber auch der Künstler selbst belegt seinen Aufenthalt in Frankfurt in dem Gemälde einer Porzellanvase mit Blumen im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt (ebd., WV.B 14; Abb. 43, S. 50), das er wie folgt bezeichnet hat: „P. Binoit. Francfort 1620“. Bei der Komposition des frühsten Blumenstill- lebens von 1611 und bei späteren Gemälden greift Binoit auf druckgrafische Vorlagen zurück, die in Frankfurt in dieser Zeit erschienen waren. So finden sich in den Kupferstichen von Jacob Hoefnagel (1573 – um 1632) „Architeypa Studiaque Patris Goergil Hoefnagelil“, die nach Originalen seines Vaters Joris Hoefnagel (1542 – 1600) gestochen wurden, ähnliche üppige Blumensträusse in Vasen, die alle symmetrisch arrangiert zu sein scheinen. Ingvar Bergström bezeichnet dieses Arrangement als „radial composition“, das sich als Besonderheit der Blumenmalerei in Frankfurt und Hanau identifi- zieren lässt (Bergström, Ingvar: Flower-Pieces of Radial Composition in European 16th und 17th Century Art, in: Album Amicorum J.G. van Gelder, Den Haag 1973, S. 22ff.). Professor Bott, der die Eigenhändigkeit des Gemäldes anhand einer Fotografie bestätigt, verweist auf die kompositorische Nähe der vor- liegenden Tafel zu jener, die sich im Staatlichen Puschkin Museum in Moskau befindet (vgl. Kat. Gemälde Puschkin Museum 1948, Nr. 2587). Seine Entstehung dürfte somit vermutlich ins Frühwerk des Künstlers zu datieren sein. Wie auch im Moskauer Bild, zeigt auch das hier offe- rierte ein Arrangement verschiedenster Blumen in einer braunen Engobevase sowie eine, in beiden Kompositionen an gleicher Stelle, nach rechts ausladende, weisse Schneeglockenrispe, wobei die minutiös gemalten Blumen Binoits unverkennbare Farbvielfalt aufweisen. Die Vase ist zentral im Bild und auf einer hell­ grauen Tischplatte platziert, während der nahezu schwarze Hintergrund jene Vielfalt der Blüten hervorhebt, die sich gleichsam in ihren Farben spiegelt. Das von links auf die Kom- position einfallende Licht betont den Strauss, der von den alternierend rot, blau und weiss gefärbten Blüten rhythmisiert wird, wobei eine hellrosafarbene und nach rechts geneigte Tulpe den Gesamteindruck dominiert. Das derart einfallende Licht spiegelt sich in zartem Rot auf der braunen Vase und wirft zugleich einen Schatten auf jene Blumen, die sich im unteren, rechten Teil des Arrangements befinden, unter anderem eine seltene Schachblume. Auch der Rosenzweig rechts der Vase droht zunächst im Schatten zu verschwinden, bis seine Blüten, aus dem Schatten hervortretend, über den vorde- ren Rand des Tisches lugen und dem Betrachter so zum Greifen nahe scheinen. Wie im Moskauer Bild finden sich auch in diesem Stillleben Insekten, die die Szenerie beleben. So ist am unteren linken Rand des Tisches ein Maikäfer zu erkennen und oben rechts ein Marien­käfer, die gleich der unterschiedlichen Welkstadien der kostbaren Schnittblumen ebenfalls auf die Vergänglichkeit der Zeit verweisen. CHF 80 000 / 120 000 (€ 70 180 / 105 260)
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  • 64. Gemälde Alter Meister | 58 3044 FLÄMISCHE SCHULE, 17. JAHRHUNDERT Serie von 12 Landschaftsdarstellungen mit Figurenstaffagen. Öl auf Holz. Querformate je ca.: 9,5 x 24 cm. Kleine Hochformate je ca.: 24,5 x 12 cm. Grosse Hochformate je ca.: 53 x 41 cm (Licht- mass). Provenienz: - William Hallsborough Ltd., London, 1956. - Schweizer Privatbesitz. Diese 12 Tafeln schmückten einst ein Kunst- kabinett, wie sie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Antwerpen entstanden, und die überaus gefragt waren: Die acht kleinen länglichen Tafeln bildeten die Schubladen, wäh- rend die grossen Tafeln wahrscheinlich auf der Innenseite der Türen oder an den Aussenseiten des Schrankes platziert wurden. Die beiden halbrunden Tafeln zierten die Innenseite des Schrankdeckels oder die Vorderseite zwischen den Schubladen (siehe Abb. 1 eines vergleich- baren Kunstkabinetts). Wie es bei diesen Gemälden für Kabinett- schränke durchaus üblich ist, sind die Tafeln nicht signiert. Stilistisch können sie mit dem flämischen Landschaftsmaler Jaspar van der Laanen (1585 – 1634) in Verbindung gebracht werden, von dem einige vergleichbare Darstel- lungen bekannt sind (siehe RKD, Den Haag). CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) Abb. 1. Kunstkabinett (anonym), RH.M.166, Sammlung der Stadt Ant­werpen, Rubenshuis, Foto: Bart Huysmans, Michel Wuyts
  • 65. | 59
  • 67. | 61
  • 69. | 63 3045* AMBROSIUS BOSSCHAERT D. J. (Middelburg 1609 – 1645 Utrecht) Blumen in einer blau-weissen Porzellanvase mit einer Eidechse, Trauben und Kirschen. Um 1630 – 35. Öl auf Holz. Unten rechts signiert und datiert: A.Bosschaert 163(...). 39,3 x 25,2 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes anhand einer Fotografie und datiert es in die frühen 1630er Jahre, wofür wir ihm danken. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320) 3046 FRIEDRICH BRENTEL (Lauingen 1580 – 1651 Strassburg) Aktaion überrascht Diana beim Bade. Gouache auf Pergament. Unten links signiert: F. Brentel. 11,8 x 16,6 cm. Gutachten: Dr. Luuk Pijl, 20.1.2019. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Diese äusserst qualitätsvolle und detaillierte Gouache wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckt. Sie zeigt die Szene aus Ovids Metarmorphosen (3, 177 – 182), in welcher der Jäger Aktaion die Göttin Diana beim Bade mit ihren Nymphen belauscht, worauf er von der erzürnten Göttin in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden angegriffen wird. Das Thema erfreute sich grosser Beliebt- heit und wurde von zahlreichen Künstlern, darunter auch Tizian (1488 – 1576), dargestellt. Besonders um 1600 fand das Thema durch Kupfer­stiche, wie beispielsweise diejenigen von Antonio Tempesta (1555 – 1630), Verbreitung. Friedrich Brentel, einer der bedeutends- ten deutschen Meister der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, kannte sicherlich Tempestas Stiche von Diana und Aktaion und schuf mit dieser hier angebotenen Gouache seine eigene Interpreta­tion der mythologischen Szene, die er besonders fein und farbenfroh in Szene setzte. Friedrich Brentel war ab 1587 in Strassburg angesiedelt und hatte seine künstlerische Ausbildung bei seinem Vater erhalten. Später reiste er in die Niederlande, wo er die Technik der Miniaturmalerei perfektionierte. Während seiner erfolgreichen Karriere als Kupferstecher, Radierer und Maler erfüllte Brentel zahl­reiche bedeutende Aufträge für den Adel, unter anderem eine Serie zu den Trauerfeierlichkeiten von Herzog Karl II. Herzog von Lothringen. Seine älteste bekannte Miniatur stammt aus dem Jahr 1618 und zeigt starke Reminiszenzen mit dem Oeuvre Hans Bols (1534 – 1593). Dies lässt sich auch deutlich bei dieser Arbeit vermerken, die qualitativ sehr nahe bei Hans Bol anzusiedeln ist. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320) 3046
  • 70. Gemälde Alter Meister | 64 3047* HIERONYMUS FRANCKEN D. J. (1578 Antwerpen 1623) Festliche Gesellschaft. Öl auf Kupfer. Unten rechts signiert: DEN ION frank(k) f. Verso die Punze des Kupfertafelmachers Pieter Stas (ca. 1565 - nach 1616) und der Antwerpener Gilde sowie drei weitere einzelne Punzen: PGK. 44 x 65,5 cm. Gutachten: Dr. Ursula Härting, 3.12.2015. Provenienz: - Europäischer Privatbesitz. - Auktion Koller, Zürich, 18.3.2013, Los 3032. - Europäische Privatsammlung. Dr. Ursula Härting schreibt zu diesem Gemälde in ihrem Gutachten: „Das mir im Original be- kannte Bild eines Tanzbanketts ist ein Werk des Antwerpener Kleinfigurenmalers Hieronymus Francken d. J. Es entstand vermutlich um 1607, aus diesem Jahr datiert eine ähnliche, von Hieronymus Francken d. J. monogrammierte und datierte Version einer solchen Festgesell- schaft (siehe Härting, Ursula: Frans Francken II – Die Gemälde, Freren 1989, S. 178, Abb. 150). Hieronymus Francken d. J. ist der drei Jahre ältere Bruder des bekannten Frans Francken d. J. (1581 – 1642). Beide arbeiteten im väter- lichen Atelier von Frans Francken d. Ä. (1542 – 1616), „in dem vermaltes Gold, Braun, Ocker, Braunrot, die zu dieser Zeit favorisierten Farben waren, so wie sie sich auch hier im Bild finden.“ Dargestellt ist eine noble Gesellschaft, die sich zu einer Pavane d’Espagne erhoben hat, einem spanischen Schreittanz mit Degen und Umhang. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) 3047
  • 71. | 65 3048* JAN PHILIP VAN THIELEN (vor 1618 Mechelen 1667) Blumengirlande mit Rosen, Tulpen, Nelken, Maiglöckchen, Veilchen und Effeu an blauen Schleifen. Öl auf Holz. 33,8 x 43 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Wir danken Prof. Claus Grimm für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 25 000 / 35 000 (€ 21 930 / 30 700) 3048
  • 72. Gemälde Alter Meister | 66 3049* JAN VAN NOORDT (1623 Amsterdam 1681) Die Begegnung von Preziosa und Don Juan – eine amouröse Szene. Öl auf Leinwand. 131,5 x 172,5 cm. Provenienz: - Sammlung T. Ockley. - Auktion C. Fairfax Murray and others, Chris- tie‘s, London, 20.1.1920, Los 353 (als Gerbrand van den Eeckhout, Vertumnus and Pomona). - Kunsthandlung A. Tooth Sons, London. - Auktion Christie‘s, London, 15.2.1929, Los 81 (als J. van Noordt, Cavalier and a Young Lady, with sporting figures and gypsies). - Privatsammlung J. Leger Son, London, 1930/31. - Auktion Sotheby‘s, London, 15.12.1976, Los 17. - Auktion Boetto, Genua, 23. – 24.2.1998 (als Französische Schule, 17. Jahrhundert, Scène allégorique). - Kunsthandel Adam Williams Fine Art, New York, 1999. - Europäische Privatsammlung. Literatur: - Staring, Adolph: Weinig bekende portettisten. III. Joannes van Noordt, Oud Holland, Vol. 61, 1946, S. 74. - Bénézit, Emmanuel: Dictionnaire critique et documentaire des Peintres, Sculpteurs, Dessinateurs et Graveurs de tous les temps et de tous les pays par un groupe d‘ècrivains spécialistes français et étrangers, Paris 1956, Bd. 6, S. 381. - Gudlaugsson, Sturla Jonasson: The Comedi- ans in the Work of Jan Steen and his contem- poraries, Soest 1975, S. 29-33, Abb. 25. - Schatborn, Peter: Tekeningen van Jan van Noordt, Bulletin van het Rijksmuseum, Jg. 27, Nr. 3, 1979, S. 119 – 120, Abb. 3. - Gaskell, Ivan: Transformations of Cervantes “La Gitanilla”, in: Dutch Art, Journal of the War- burg and Courtauld Institutes, 45, 1982, S. 263, 267, Abb. 46 A. - Sumowski, Werner: Gemälde der Rembrandt – Schüler, 1983 – 1996, Bd. VI, S. 3534 – 3535, Anm. 88. - Ausst. Kat. Het Gedroomde Land. Pastorale schilderkunst in de Gouden Eeuw, hrsg. von Peter van den Brink (u.a.), Utrecht 1993, S. 22, 235 – 238. - Sumowski, Werner: Remarks on Jacob Adriaensz. Backer and Jan van Noordt, in: Master Drawings 36, 1998, S. 79, Anm. 15. - Witt, David de: Jan van Noordt. Painter of History and Portraits, London u.a. 2007, Kat. Nr. 31, S. 146 – 149, Abb. 147. Dieses imposante und gut erhaltene Gemäl­ de, welches kürzlich in einer europäischen Sammlung wiederentdeckt wurde, legt Zeugnis ab von Jan van Noordts extraordinärem und ausdrucksstarkem Oeuvre. Kompositorisch spannungsvoll und mit einem aussergewöhnlichen Kolorit, thematisiert er die erste Begegnung zwischen Preziosa und Don Juan. Rechts positioniert er Don Juan, der sich gegen einen grossen Felsen lehnt. Er dreht sich nach links und schaut zu Preziosa, die, in einem prachtvollen Satinkleid, auf einem Steinvor- sprung links des Zentrums sitzt und seinen Blick erwidert. Hinter ihr befindet sich eine alte Hexe, die in einen braunen Umhang mit Kapuze gehüllt ist. Im Hintergrund sind weitere Figuren zu sehen, darunter ein junger Mann, der einen Falken hält. Dr. David de Witt, der Jan van Noordts Oeuvre 2007 erstmalig umfassend zusammengetragen und analysiert hat, verweist auf die Historie dieses Gemäldes, der zufolge es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst noch als „Cavalier et une Jeune Femme“ betitelt oder mit der klassischen Geschichte von „Vertumnus und Pomona“ identifiziert wurde. Ihm zufolge steht Noordts Darstellung, dem von Mattheus Gans- neb Tengnagel verfassten Theaterstück „De Spaensche Heidin“ von 1643 nahe (Mattheus Gansneb Tengnagel. Het leven van Konstance: Waer af volgt het Toneelspel, De Spaensche Heidin, Amsterdam 1643). Dabei handelt es sich um eine niederländische Adaption von Miguel de Cervantes‘ (1547 – 1616) Stück „La Gitanilla“, das erstmals 1610 veröffentlicht wurde. Dort finden sich in Don Juans Monolog, der die erste Begegnung mit Preziosa reflektiert, vor allem die Rosen in ihren Haaren und Händen, sowie ihr aufwendiges Kleid explizit erwähnt. Somit schildert unser Gemälde den bei Tengnagel thematisierten Moment, in dem der jüngst vom Verlust seiner Mutter getroffene Don Juan auf seiner Jagd, die prachtvoll gekleidete Preziosa für die hilflose Göttin Diana hält, die von einer Gruppe von Teufeln tief im Wald gefangen ge- nommen wird, und in dem er sich, nicht zuletzt aufgrund ihrer vermeintlichen Hilflosigkeit, in sie verliebt (Tengnagel 1643, S. 74–75). Dabei entwickelte Noordt für die Figur des Don Juan eine Geste, die seinen emotio- nalen Zustand ausdrückt, gekennzeichnet von Betroffenheit und Faszination zugleich. Studienvorzeichnungen des Künstlers, die sich im British Museum in London befinden (drei Kreiden auf grauem Papier, ca. 1660, Inv. Nr. 1852.5.19.6, Sumowski 1983-1996, Bd. VI, S.3535 und Schatborn 1979, S. 121, Abb. 4, De Witt 2007, S. 300) zeugen von der aufwendigen und sorgfältigen Erfindung des Noordtschen Don Juans. Dieser erhält hier nun, entgegen seiner charakteristischen Konnotationen als massloser Grenzübergänger und Frauenheld, weiche und verletzliche Züge. Jan van Noordt, der Lehrer des Johannes Voorhout (1647 – 1723) gewesen war und seinerseits bei Jacob Adraensz. Backer (1609 – 1651) lernte (De Witt 2007, S. 3, 16ff.), malte dieses Bild um 1660. Seine Komposition ist einzigartig und bezieht sich nicht auf frühe- re Darstellungen anderer Künstler. Vielmehr gleicht die Komposition seinem Triumph des David (135 x 176 cm, schwer leserlich signiert und datiert: JvanNoo...(ligiert) 166(x), Privat- sammlung, De Witt 2007; S. 96, Kat. Nr. 4), der wohl einige Jahre zuvor entstanden ist. Auch hier arrangiert Noordt die Bildprotagonisten in einiger Entfernung voneinander im Vorder- grund und erzeugt derart eine spannungsreiche Atmosphäre. Das hier angebotene Gemälde nimmt einen be- sonderen Stellenwert im Schaffen des Jan van Noordt ein. Es ist das einzig bekannte in seinem Oeuvre, das als Prototyp für eine weitere eigen- händige Version desselben Motivs diente, sowie in zwei weiteren Kopien existiert. Es belegt die Faszination des Künstlers für die Thematik und die Nachfrage bei seinen Auftraggebern. Ebenfalls bemerkenswert ist der imposan- te und aufwendig geschnitze Rahmen mit Jagdmotiven, bei dem es sich wohl um den Originalrahmen handelt. Er greift zum einen die Rahmenbedingungen auf, die Don Juan zu Preziosa führen, nämlich seine Tätigkeit als Jäger im Wald, und spiegelt zum anderen – im übertragenen Sinne – dessen Charakterisierung als Frauenheld wieder. CHF 100 000 / 140 000 (€ 87 720 / 122 810)
  • 74. Gemälde Alter Meister | 68 3050* PIETER CLAESZ. (UMKREIS) (Berchem um 1597 – 1661 Haarlem) Stillleben mit Brot und Römer auf einem Tisch. 1643. Öl auf Holz. Unten link mit Monogramm und Datierung: PC (ligiert) Ao 1643. 56,5 x 47.3 cm. Provenienz: - wohl Sammlung Château de Saint-Cloud gemäss Inschrift verso: “St Cloud tableau Reclame 14”. - Privatsammlung, Schweden. - Europäische Privatsammlung. CHF 8 000 / 10 000 (€ 7 020 / 8 770) 3050
  • 75. | 69 3051* JOSEPH PLEPP (ZUGESCHRIEBEN) (1595 Bern 1642) Stillleben mit Äpfeln und einem Rettich, sowie einem Messer und Rosen in einer Vase. Öl auf Leinwand. 30 x 51 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s, London, 4.12.2014, Los 167. - Europäischer Privatbesitz. Der Schweizer Künstler Joseph Plepp war Sohn eines Glasmalers und Neffe des Bildhauers Daniel Heintz d. Ä. (1530 – 1596) und des Joseph Heintz (1564 – 1609), der als Kammer- maler Kaiser Rudolfs II. in Prag tätig war. Plepp selbst war sowohl als Tafel- und Fassadenmaler als auch als Architekt und Kartograf tätig. Nach einem Aufenthalt in Süddeutschland um 1620 zog er nach Bern zurück, wo er zunächst in der Werkstatt von Daniel Heintz d. J. (1575 – 1633) tätig war. Für den Festungsbaumeister in ber- nischen Diensten schuf er die Plangrundlagen 3051 zu Stadt und Schloss Lenzburg und zu Aarburg. Durch staatliche und private Aufträge, die er in seiner eigenen Malerwerkstatt ausführ- te, gelang es Joseph Plepp, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen. Die Vielfältigkeit seiner Spezialitäten und seine internationalen Kontakte machten Plepp zu einem Pionier der bernischen Landschafts- und Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts. Ein 1632 datiertes Still- leben mit gedecktem Tisch mit Früchten, Käse und Weinglas von Joseph Plepp im Kunstmuse- um Bern ist stilistisch vergleichbar mit dem hier angebotenen Gemälde. CHF 20 000 / 30 000 (€ 17 540 / 26 320)
  • 76. Gemälde Alter Meister | 70 3052* THOMAS DE KEYSER (um 1596 Amsterdam 1667) Edle Gesellschaft in einem Interieur. 1638. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: TDK (ligiert) 1638. 44,8 x 59,5 cm (oktogonal). Provenienz: - Privatsammlung Hans A. Wetzlar, Amsterdam, 1952, Inv. Nr. 53. - Kunsthandel Nystad Antiquairs N. V., Lochen/ Den Haag, 1962. - Sammlung Dir. A. T. Thustrup, Djursholm, 1966 (verso Etikett). - Auktion Uppsala Auktions Kammare, Uppsala, 9.-12.6.2015, Los 9. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: - Kunstmesse Delft, 1963. - Hollands meesters in Zweeds bezit, National- museum Stockholm, Stockholm, 1967, Nr. 83. Literatur: Ingvar Bergström: Maîtres Hollandais au Musée de Stockholm, in: L‘Oeil Magazine, Paris, Mai 1967, S. 4, Abb. 9. Das vorliegende Gemälde ist ein charakter­ist­ isches Beispiel für das Werk von Thomas de Keyser, der zu den bedeutendsten Amster- damer Porträtisten seiner Zeit gehört. Seine innovativen Kompositionen, die vom Werk des Dirk Hals (1591 – 1656) beeinflusst sind, waren auch für den jungen Rembrandt (1606 – 1669) prägend. Dieses Interieur stellt eine wertvolle Ergänzung seiner in Innenräumen platzierten Familienporträts dar. De Keyser zeigt dem Betrachter hier jenen Moment, da ein edel gekleideter Herr um die Hand einer gleichwohl edel gekleideten Dame anhält. Vor einem dunklen Vorhang sitzend, fällt das Licht auf das Gesicht der jungen Schönen, die im Profil gezeigt, zu jenem Mann schaut, der im Begriff ist, sich mit ausgestreckten Armen, ihr entgegen auf die Knie zu senken. Eine subtile Geste der Dame, die ihre Rechte zur Brust hält, verrät ihre freudige Über­ raschung. Dem hier dargestellten Ereignis woh- nen einige Zuschauer bei, die im Hintergrund an einem Tisch vor einem steinernen Kamin sitzen, der – gleich einem Fenster – Ausblick auf eine Landschaftsmalerei gibt. Einer von ihnen hat sein Glas bereits zum Prosit erhoben und verweist derart auf den positiven Ausgang der sich ereignenden Szene. Sowohl die Komposition der Gruppe als auch die Posen der zukünftigen Braut und ihres Bräuti­gams, sowie das Zusammenspiel ihrer Gesten sind besonders ausdrucksstark, und verleihen der Darstellung ihren individuellen Charakter. Dieser wird darüber hinaus durch die detail­reiche Darstellung der Kostüme und des Interieurs, sowie durch deren feines Kolorit, von schlichter Eleganz geprägt. Das hier offerierte Gemälde ist im RKD (Rijks­ bureau voor Kunsthistorische Documenta- tie, Den Haag) unter der Nummer 198809 verzeichnet. Weitere Interieurdarstellungen mit Familien­porträts befinden sich im Nasjional­ museet in Oslo (Inv. Nr. NG.M.01389), im Thyssen Bornemisza Museum in Madrid (Inv. Nr. 209.1962.11) und im Walraff-Richartz Museum in Köln (Inv. Nr. WRM 2550). CHF 60 000 / 80 000 (€ 52 630 / 70 180)
  • 77. | 71
  • 78. Gemälde Alter Meister | 72 3053* NICOLAES VAN VERENDAEL (1640 Antwerpen 1691) Blumenstillleben. Öl auf Leinwand. Links mittig Teile einer Signatur: ...ndael. 53 x 41 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s, Paris, 14.9.2016, Los 22. - Europäischer Privatbesitz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag als ein eigenhändiges Werk von Nicolaes van Verendael registriert (Nr. 292359). Nicolaes van Verendael, der vermutlich bei seinem Onkel oder Vater Willem (1640 – 1691) seine künstlerische Ausbildung erhielt, war ab 1657 in der Antwerpener Lukas-Gilde als Sohn eines Meisters aufgenommen. Er verblieb in der flämischen Handelsmetropole bis zu seinem Tod und war besonders in seinen jungen Jahren sehr angesehen. Koproduktionen sind mit David Teniers d. J. (1610 – 1690), Christiaan Luyckx (1623 – um 1675) und Jan Davisdz. de Heem (1606 – 1684) bekannt. Das hier angebotene Blumenstillleben zeigt die für ihn so charakteristische Blumenpracht, wobei es ihm gelingt, die Blüten in ihrer indivi- duellen Erscheinung lebendig und farbenfroh wiederzugeben. Vergleichbare Werke finden sich im Metro­ politan Museum of Art in New York City (Inv. Nr. 81.1.652), im Musée Fabre in Montpellier (Inv. Nr. 837-1-90) und im Kunst- und Geschichts­ museum in Genf (Inv. Nr. CR 137). CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) 3053
  • 79. | 73 3054* FRANS FRANCKEN D. J. (1581 Antwerpen 1642) Die Grossmut des Scipio. 1634. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: Dou ffranck fe cT. IN Ao1634. 53 x 78,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel G. de Salvatore, Dijon, 1961. - Privatsammlung, Bern, 1978. - Auktion Drouot, Paris, 7.12.1981, Los 26. - Galerie Robert Noortman, Maastricht, 1982. - Norddeutsche Privatsammlung. - Auktion Dorotheum, Wien, 17.10.2012, Los 830. - Europäische Privatsammlung. Literatur: - Weltkunst, 52. Jg., Heft 15, 1982, S. 2037. - Härting, Ursula: Frans Francken der Jüngere, Die Gemälde, mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1989, Bd. II, S. 66, S. 77, Farbtafel 13, S. 155, S. 333f., Kat. Nr. 323. „Die Grossmut des Scipio“ nimmt in Frans ­Franckens reifem Werk eine besondere Posi- tion ein. Wenngleich Franckens Spätwerk, der kolorist­ischen Entwicklung im Flandern und Hol- land der 1620er bis 1640er Jahre entsprechend, von einer zunehmend monochrom angepassten Farbwahl geprägt ist, setzt er bei der „Grossmut des Scipio“ ein abgewandeltes koloristisches Schema ein, um die beiden dargestellten Lager kompositorisch klar voneinander zu trennen: Mit routiniertem Pinselstrich, der sich in Franckens Spätwerk nun mehr durch einen lockeren und schnellen Duktus, als von starrer Kontur aus- zeichnet, spaltet er die Komposition diagonal auf. Umgeben von Gefolge, thront der Feldherr zentral im Bild. Er gibt „die unberührt gebliebene Celtiberin“, die sich zu seiner Rechten befin- det, ihrem Verlobten Alluscius zurück, welcher, umgeben von Familie und Gefolge, rechts unten im Bild kniet. Die sich so ergebende Gasse stützt die diagonale Bildanlage und hebt die beiden dargestellten Figurengruppen klar voneinander ab, wobei die kräftigen, alternierenden Farben der Gewänder die beiden Parteien kompositorisch zusammenhalten. Francken schafft so, laut Här- ting, eine überzeugende „stimmungsvolle Szene aus Huldigung, spannungsvollem Ab­warten und grossmütiger Geste des Mächtigeren“ (Härting 1989, S. 66-68). CHF 25 000 / 35 000 (€ 21 930 / 30 700) 3054
  • 80. Gemälde Alter Meister | 74 3055* HANS ROTTENHAMMER (München 1564 – 1625 Augsburg) Die Auferweckung des Lazarus. Öl auf Kupfer. 26,5 x 36 cm. Provenienz: - Auktion Lempertz, Köln, 20.5.2006, Los 1148. - Europäische Privatsammlung. Literatur: Ausst. Kat. Hans Rottenhammer, begehrt – vergessen – neu entdeckt, München 2008, Kat. Nr. 21, S. 115 – 116. Ausstellung: Hans Rottenhammer, begehrt – vergessen – neu entdeckt, Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, Lemgo,17.8. – 16.11. 2008 und Nationalgalerie, Prag, 11.12.2008 – 22.2.2009, Nr. 21. Diese qualitätsvolle Arbeit von Hans Rotten- hammer wurde zuletzt anlässlich der Ausstel- lung zum Oeuvre des Künstlers im Weser- renaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo (2008) und in der Nationalgalerie in Prag (2009) öffentlich präsentiert. Das leuchtende Kolorit sowie die Figurenkom- position lassen vermuten, dass das Gemälde während Rottenhammers zweitem Aufenthalt in Venedig, und demnach zwischen 1595 und 1606, entstand. In dieser Schaffenszeit lag sein Schwerpunkt auf kleinformatigen, auf Kupfer gemalten Andachts- und Kabinettbildern, die im Zuge der Gegenreformation, vor allem in den katholisch geprägten Gebieten, erneut aufblüh- ten und Rottenhammer zu beachtlichem Erfolg verhalfen. Rottenhammer thematisiert in diesem Werk die Auferstehung des Lazarus (Johannes, XI, 1 – 44). Er schildert jenen Moment, da der bereits verstorbene Lazarus, auf Befehl von Jesus hin und von mehreren Männern gestützt, aus seinem Grab emporsteigt. Lazarus‘ Schwestern, Martha und Maria, wenden ihren Blick, sichtlich erleichtert zu Christus, der seine Rechte zum Segensgestus erhoben hält. Das der Szene in grosser Zahl beiwohnende Volk bestaunt das Ereignis, das Rottenhammer kompositorisch dramatisch zu steigern weiss. Entgegen der meisten Darstellungen, die Lazarus aus einem Bodengrab steigend zeigen, wählt Rottenhammer hier einen auf einem Hügel stehenden Sarkophag, sodass sich ein diagonaler Bezug zwischen den Bildprotago- nisten ergibt, der durch die Komposition der zueinander weisenden Hände von Jesus, Maria Magdalena und Lazarus verstärkt wird. Das Thema der Lazaruserweckung be­schäftigt ­Rottenhammer bis nach 1600. So schuf er neben dem hier angebotenen Gemälde, dessen Gesamtkomposition an die Lazaruserweckung Giuseppe Cesaris (1568 – 1640) von 1593 er- innert, heute im Palazzo Barberini in Rom (Rött- gen 2002, S. 257, Nr. 34), eine weitere Version, die sich im Wiener Kunsthistorischen Museum befindet (Inv. Nr. GG 1141) sowie mehrere Stiche des gleichen Themas, unter anderem in der Albertina in Wien sowie in der Devonshire Collection in Chatsworth (Ausst. Kat. 2008- 2009, S. 115, Abb. 163 und Abb. 165). CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 160 / 21 930) 3055
  • 81. | 75 3056 DAVID CORNELISZ. DE HEEM (Antwerpen 1663 – um 1701 Den Haag) Stillleben mit einem Hering, Früchten und Rosen. Öl auf Leinwand. 55 x 46 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Washington D.C. (als C. de Heem). - Kunsthandel Jean Moust, Brügge. - Schweizer Privatsammlung. Ausstellung: From Botany to Bouquets: Flowers in Northern Art, National Gallery of Art, Washington D.C., Januar bis Februar 1999, Nr. 15, S. 64, 65, 66 und 84 (als C. de Heem). Dieses Gemälde ist im RKD, Den Haag, als eigenhändiges Werk von David Cornelisz. de Heem unter der Nummer 69429 archiviert. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 160 / 17 540) 3056
  • 82. Gemälde Alter Meister | 76 3057* JOOST CORNELISZ. DROOCHSLOOT (1586 Utrecht 1666) Dorfszene. 1645. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: JC (ligiert) DS (ligiert) 1645. 38,3 x 58,3 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby’s, London, 1.7.1986, Los 367. - Europäischer Privatbesitz. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 770 / 13 160) 3057
  • 83. | 77 3058 NICOLAES BERCHEM (Haarlem 1620 – 1683 Amsterdam) Falkner und Hirte in einer Landschaft. Öl auf Holz. Unten rechts signiert: Berchem fe. 57 x 71 cm. Provenienz: - Sammlung J. Duclos, 1847 (verso Etikett). - Schweizer Privatbesitz. Nicolaes (Claes Pietersz.) Berchem, der unter anderem Schüler von Jan van Goyen (1596 – 1656), Nicolaes Maeyaert (1592 – 1655) und Jan Wils (um 1600 – um 1666) und seit 1642 Mitglied der Haarlemer Lukasgilde war, zählt zur zweiten Generation der niederländischen „Italianisanten“, wobei auch die nieder­länd­ ische ­Tradition der Landschaftsmalerei eine grosse Rolle in seinem Werk spielt. In ­sei­nen Darstellungen, die von italianisierenden Land­schaften, über imaginäre Hafenbilder, Allegorien, mythologischen und religiösen Darstellungen bis hin zu Genrestücken reichen, entwickelt Berchem in über dreissig Jahren einen eigenen ­markanten Stil. Indem er impo- sante Land­schaften von ausserordentlicher räumlicher Tiefe schafft und diese mit den sich darin abspielenden historischen beziehungs­ weise ­Genre-Szenen ins Gleichgewicht setzt, ­thematisiert Berchem in zahlreichen Land- schaften, wie etwa jenen mit Hirten und Vieh, die ­Harmonie zwischen Mensch und Natur. Sowohl das hier angebotene Gemälde, wie auch eine diesem ähnelnde italienische Landschaft mit Viehherde und Hirten im Abendlicht, die sich heute in der Alten Pinakothek in ­München be­ findet (Italianisierende Landschaft im Abend- licht, signiert, um 1660, Öl auf Holz, 41,2 x 54,5 cm, Inv. Nr. 266), zeugen von diesem etwa bis 1680 andauernden thematischen Schwerpunkt in Berchems Werk, den er mittels warmen ­Sonnenlichts gekonnt und stimmungsvoll in Szene zu setzen weiss. Dr. Pieter Biesboer bestätigt die Echtheit des hier angebotenen Gemäldes anhand einer Fotografie. Er verweist auf die fein ausgearbei- teten Figuren, Bäume und Gebirge und datiert dieses Werk des Haarlemer Malers auf die 1660er Jahre. CHF 12 000 / 18 000 (€ 10 530 / 15 790) 3058
  • 84. Gemälde Alter Meister | 78 3059* GERRIT DOU (1613 Leiden vor 1675) Eine Heringsverkäuferin mit Dienstmädchen in einer Nische. Öl auf Holz. Mit Signatur und Datum auf der Brüstung der Nische: G. DOUW. 1651. 46 x 36,2 cm (oben abgerundet). Provenienz: - Graf Lothar Franz von Schönborn (1655 – 1729), Pommersfelden, erworben vor 1719; aufgelistet im Inventar von R. Bys,1719, unter den Mahlereyen in dem Audienzzimmer des Churfürstlichen Privatschlosses zu Pommers- felden Nr.17: Eine Krämerin/ so Häring, Fisch und Krauter verkauffet. V. Gerard Dau (1/7; 1/3). - Auktion Graf Schönborn, Pommersfelden, Paris, 17.5.1867, Los 19 (ffrs 42.000). - Russische Sammlung Prinz B. Narischkine, Paris, 1867 bis 1883. - Auktion Prinz B. Narischkine,bei Chevalier Paris, 5.4.1883, Los 11, mit Abb. (50.000 ffrs.). - Auktion Sammlung Sydney Lamon, New York, Christie‘s, London, 29.6.1973, Los 23, mit Abb. (11.000 gns. an Braendle). - Europäische Privatsammlung. - Auktion Koller, Zürich, 21.9.2007, Los 3050. - Schweizer Privatsammlung, bei obiger Auktion erworben. Ausstellung: Pictures of Every Day Life. Genre Painting in Eu- rope 1500 – 1900, Carnegie Institute, Pittsburg, Oktober – Dezember 1954, Nr. 33, mit Abb. Literatur: - Martin, Wilhelm: Het Leven en de Werken van Gerard Dou, Leiden 1901, S. 222, Nr. 254. - Martin, Wilhelm: Gerard Dou. Des Meisters Gemälde, in: Klassiker der Kunst, Berlin 1913, S. 132 (Abbildung des Stiches von Le Faivre). - Hofstede de Groot, Cornelis: A Catalogue Raisonne, etc., London 1913, Nr. 193. - Hantsch, Hugo / Scherf, Andreas: Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn, 1931, S. 253. - Bys, Rudolf / Bott, Katharina (Hg.): Fürtreff­ licher Gemähld- und Bilderschatz. Die Gemälde­sammlung des Lothar Franz von Schönborn in Pommersfelden, Weimar 1977, Nr. 191. Gutachten: - Prof. Werner Sumowski, 12.2.2006, nach Be- gutachtung des Originals (als Gerrit Dou). - Mikroanalytisches Labor Prof. Dr. Elisabeth Jägers und Dr. Erhard Jägers, 21.6.2006. - Dr. Albert Blankert hat 2007 die Eigenhän- digkeit dieses Gemäldes nach Ansicht des Originals mündlich bestätigt (als Gerrit Dou). Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Gerrit Dou archiviert. Gerrit Dou gilt als der berühmteste Schüler Rembrandts (1606 – 1669) und war Gründer und Hauptvertreter der Leidener Feinmalerei. Seine herausragende künstlerische Fähigkeit und die jüngst geprägte Gattung der Genre­ malerei – insbesondere die Marktszenen in einer Nische – führten zu einer grossen Nachfrage seiner Gemälde, die bei Sammlern hochge- schätzt waren. Sowohl Prof. Werner Sumowski als auch Dr. Albert Blankert, die das Gemälde im Original begutachtet haben, bestätigen die Eigen- händigkeit. Im Auktionskatalog von 1883 wird die herausragende Qualität hervorgehoben: „Tableau de premier ordre dans l‘oeuvre du maître. Finesse exquise. La tête de la jeune fille est fraîche et naïve. Tous les accessoires sont peints avec une délicatesse incomparable“. Sumowski vermutet, dass die Signatur und Datierung von fremder Hand ergänzt wurde. Sowohl im Inventar von Schönborn von 1719 als auch im Schönborn Auktionskatalog von 1867 fand diese bereits früh aufgetragene Signatur Erwähnung. Ein solcher früher Nachtrag ist nicht verwunderlich, da zahlreiche Werke von Dou unsigniert und undatiert sind. Sumowski datiert das Gemälde in die frühen 1670er Jahre und reiht es stilistisch in die Werkgruppe des „Lebensmittelladen“ von 1672 im Buckingham Palace und des „Geflügelhändler“ der National Gallery in London aus demselben Jahr. Dr. Ronni Baer ist anhand von Fotografien unsicher in Hinblick auf die Signatur und Datier­ ung. Dr. Blankert sieht in diesem Gemälde das Original, nach welchem die grafischen Reproduktionen im Bridgewater House (HdG, Nr. 193 a, Martin 254 a) und im Wingfield Castle (Sammlung Graham Baron Ash, Norfolk) (HdG, Nr. 193 b) sowie das Gemälde in der Eremitage, St. Petersburg (HdG 192, Martin, 253) gefertigt worden sind. Diese „Heringsverkäuferin mit Mädchen“ stellt ein kunsthistorisch interessantes Dokument dar; die Komposition ist gelungen und weist im Gesamtbild bis ins Detail die wesentlichen Charakteristiken Dous auf. Die Komposition lässt sich vor allem mit der „Heringsver­käuferin“ im Puschkin Museum, Moskau, Nr. 640, ver­ gleichen, welche von Katharina der Grossen 1770 erworben wurde. Die Provenienz dieser „Heringsverkäuferin mit Mädchen“ beginnt bei Graf Lothar Franz von Schönborn (1655 – 1729) in Pommersfelden, der es wohl über seinen Agenten Jan Joost van Cossiau auf einer Auktion in den Niederlanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts erwarb. Anhand des Inventars des Schlosses Weissenstein bei Pommersfelden wissen wir, dass R. Bys 1719 das Gemälde für sein Audienzzimmer erwarb, wo sich zwei Gemälde von Anthonis van Dyck, „Achilles bei der Tochter von Lycomedes“ und „Amaryllis und Mirtillo“ befanden, die ursprüng- lich für die Empfangsräume des Stadthalters Frederik Hendrik in Den Haag gemalt und 1713 in Amsterdam versteigert wurden (in situ; S.J. Barnes u.a., Van Dyck. A Complete Catalogue of His Paintings, 2004, Nr. III 58 und III 59, mit Abb.). Die Schönborner Sammlung gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen des 18. Jahr- hunderts und diente der Repräsentation und Machtdarstellung des Grafen Lothar Franz, der sich mit den fürstlichen Häusern in Wien und München mass. 1867 wurde das Ge- mälde als Teil der Schönborn Sammlung in Paris versteigert. Im Auktionskatalog wird das Gemälde als von feinster Qualität gelobt und als ein Hauptwerk des Meisters betitelt. Dieselbe Beschreibung wird 1883 verwendet, als das Ge- mälde erneut, dieses Mal als Teil der russischen Sammlung Narischkine, zur Auktion angeboten wird. Im Vorwort findet dieses Werk von Dou spezielle Erwähnung als dasjenige Gemälde „que W. Burger appellait a juste titre un chef d‘oeuvre“. Die damalige hohe Bewertung des Gemäldes hatte sicherlich mit der Tatsache zu tun, dass das Gemälde in jedem Detail exempla- risch ist für die Kunst von Gerrit Dou. Ronni Baer erwähnt, dass es Gerrit Dou war, der um 1650 die Marktszene in die holländische Malerei einführte (Gerrit Dou. 1613 – 1675, Master Painter in the Age of Rembrandt, 2000, S. 39). Die erste Darstellung einer Fenster- rahmung Dous entstand 1652 und zeigt ein Küchenmädchen, heute in der Staatlichen Kunsthalle, Karlsruhe. Wie Hecht erwähnt, gab diese Erfindung Dou wunderbare Möglichkei- ten, die von ihm so geliebten illusionistischen malerischen Spielereien umzusetzen (Hecht, P.: Art beats Nature, and painting does so best of all. The paragone competition in Duques- noy, Dou and Schalcken, in: Simiolus, 2002, ­S. 186). Es ging ihm dabei um die Wiedergabe von überzeugenden Szenen der Wirklichkeit, die mit der Natur selbst in Konkurrenz treten. Weitere Beispiele mit der Fensterrahmung aus dem Oeuvre Dous finden sich im Louvre, in der Sidney van den Bergh Sammlung, Wassenaar (HdG, 194), in der Eremitage (HdG, Nr. 190), im Pushkin Museum und in der Sammlung H.M. The Queen, Buckingham Palace (HdG, Nr. 187). Kurz nachdem Dou das Fenstermotiv einsetzte, verwendete er auch zum ersten Mal François Duquesnoys Relief „Putti mit einer Ziege” als Dekoration seiner Fensterbrüstung. Die Gemälde vom „Geigenspieler” von 1653 in Vaduz und vom „Quacksalber” aus dem­selben Jahr in der Gemäldegalerie Wien sind die frühesten bekannten Beispiele dieses Motivs. Das Relief wurde danach immer wieder von Dou in seinen Kompositionen verwendet; eines der letzten Beispiele ist das Gemälde „Lebens­ mittelladen” von 1672 in der Sammlung der H.M. The Queen. Hecht hebt hervor, dass Dous Motivation das Relief von Duquesnoy zu verwenden, darin liegt, die Überlegenheit der Malerei über die Bildhauerei darzustellen und im Speziellen die Überlegenheit seiner eigenen Malerei. Die „Heringsverkäuferin mit Mädchen“ sowie auch die anderen genannten Beispiele zeigen dies wie folgt: Während bei Duquesnoy die Putti sich bemühen eine Ziege durch eine Maske in die Irre zu führen, bietet Dou in dem vom Fenster um- rahmten illusionistischen Raum ein aufregendes visuelles Spiel von lebensecht gemalten Details an, wovon der Genuss vor allem in der Über­ zeugungskraft der Scheinwirklichkeit steckt (Hecht, ebd., S. 190/196). CHF 80 000 / 120 000 (€ 70 180 / 105 260)
  • 85.
  • 86. Gemälde Alter Meister | 80 3060* PIETER CODDE (vor 1599 Amsterdam vor 1678) Edle Dame in einem Interieur. Öl auf Holz. Unten mittig monogrammiert: PC. 37,2 x 30,7 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dennis Weller bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 260 / 7 020) 3060