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Auktion: 25. September 2020
GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH.
IBID 114: 29. SEPTEMBER - 1. OKTOBER 2020
17. bis 21. September, 10–18 Uhr, 22. September, 10–16 Uhr
SCHMUCK, MÖBEL, UHREN & VARIA, PORZELLAN, BACKMODEL
GEMÄLDE, ALTE GRAPHIK & ZEICHNUNGEN, BÜCHER
IBID ALTEGRAFIK&ZEICHNUNGEN
Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020
IBID BÜCHER & AUTOGRAPHEN
Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020
IBIDMÖBEL,UHREN,VARIA,SKULPTUREN
Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020
IBID SLG. BACKMODEL
Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020
IBID PORZELLAN
Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020
IBID SCHMUCK
Bieten ab 15.09. bis 29.09.2020
IBID GEMÄLDE
Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020
AUKTIONSPROGRAMM
AUKTIONEN IBID 114 / A194 - SEPTEMBER 2020
MÖBEL, PENDULEN,
SKULPTUREN, PORZELLAN
Donnerstag,24.09.2020,10.00 Uhr
Lot 1001 – 1159
PORZELLAN
SAMMLUNG DUCRET
Donnerstag,24.09.2020,14.00 Uhr
Lot 1201 – 1376
WAFFEN & RÜSTUNGEN
SAMMLUNG SIEGRIST
Donnerstag,24.09.2020,17.00 Uhr
Lot 1401 – 1442
TEPPICHE
Donnerstag,24.09.2020,17.30 Uhr
Lot 1501 – 1567
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 
office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch
DECORATIVEARTS
A194
SEPTEMBER2020
Auktion: 24. September 2020
DECORATIVE ARTS
Porzellane aus dem Nachlass R. Schmidt-Ducret
Waffen aus der Sammlung M. Siegrist
Möbel, Uhren, Skulpturen, Teppiche
BÜCHER
Mittwoch, 23.09.2020, 14.00 Uhr
Lot 101 – 253
BUCHMALEREI &
AUTOGRAPHEN
Mittwoch, 23.09.2020, 16.00 Uhr
Lot 501 – 547
SEPTEMBER2020
Auktion: 23. September 2020Auktion: 23. September 2020
BÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHENBÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN
BÜCHER,BUCHMALEREI&AUTOGRAPHEN
A194
ALTE GRAFIK
Freitag, 25.09.2020, 10.00 Uhr
Lot 3601 – 3634
ZEICHNUNGEN
Freitag, 25.09.2020, 10.30 Uhr
Lot 3401 – 3496
GEMÄLDE ALTER MEISTER
UND DES 19. JH.
Freitag, 25.09.2020, 14.00 Uhr
Lot 3001 – 3107
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 
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A194
SEPTEMBER2020GEMÄLDEALTERMEISTERUNDDES19.JH.,ZEICHNUNGENUNDALTEGRAPHIK
Auktion: 25. September 2020
GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH.
ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAPHIK
Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
VORBESICHTIGUNG
17. bis 21. September, 10–18 Uhr
22. September, 10–16 Uhr
Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und
einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen.
EURO-Schätzungen
Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung.
Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken.
Gemälde Alter Meister		  S. 1
Gemälde des 19. Jahrhunderts		  S. 135
Zeichnungen des 15. – 20. Jahrhunderts		  S. 169
Alte Graphik		  S. 193
Künstlerregister		  S. 196
Adressen 		  S. 199
Auktionsbedingungen 		  S. 204
Auction Conditions		  S. 206
Conditions de vente aux enchères		  S. 208
Auktions-Auftrag		  S. 210
AUKTIONEN
Hardturmstrasse 102
8031 Zürich, Schweiz
Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts
Lot 3001 – 3107
AUKTION
Freitag, 25. September 2020, 14.00 Uhr
VORBESICHTIGUNG
17. -21. September, 10-18 Uhr, 22. September, 10-16 Uhr
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Weitere Bearbeitung: Laura Järmann, Daniela Maier
Gemälde Alter Meister
| 2
3001
FLORENTINISCHER MEISTER, UM 1400
Kreuzigung Christi.
Goldgrund und Tempera auf Holz.
58 × 31 cm.
Gutachten:
Mina Gregori, 10.10.1976 (als Umkreis Agnolo Gaddi (um 1350
Florenz 1396), Gutachten in Kopie vorhanden).
Provenienz:
- Kunsthandel Pino Donati, Lugano.
- Schweizer Privatbesitz.
Vorliegende Tafel mit der Kreuzigung Christi lässt sich in der Tradi-
tion der spätgotischen Malerei ansiedeln, wie auch im Gutachten
von Mina Gregori erwähnt ist, die das Werk dem Umkreis von Ag-
nolo Gaddi (um 1350–1396) zuschreibt. Das aus Bildideen der flo-
rentinischen Malerei um Bernardo Daddi (1280–1348) geschöpfte
Kreuzigungsbild lässt spätgotische Tendenzen erkennen, wie sie
gegen 1400 von Lorenzo Monaco (1350–1425) in vollendeter
Manier formuliert wurden.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
Gemälde Alter Meister
| 4
3002
CATARINO DI MARCO DA VENEZIA (UMKREIS),
WOHL MARCO DI MARTINO DE ROXATIS
(tätig in Venedig, 14. Jahrhundert) (tätig in Venedig um 1375)
Die Heilige Christina von Bolsena. Um 1375.
Tempera auf Holz.
Oben links bezeichnet: S[ancta] XP[isti]NA.
98 × 39,5 cm.
Gutachten:
Prof. Andrea De Marchi, 6.7.2020.
Provenienz:
- Auktion Fischer, Luzern, 21.–22.6.1968, Los 69
(als Paolo Veneziano).
- Auktion Fischer, Luzern, 12.–16.11.1974, Los 1755
(als Lorenzo Veneziano).
- Schweizer Privatbesitz.
Diese eindrucksvolle Tafel wurde sehr wahrscheinlich als autono-
mes Bild zu Ehren der dargestellten Heiligen Christina geschaf-
fen. Die in einem äusserst reich ornamentierten Kleid und rotem
Mantel dargestellte Heilige kann dank der Inschrift XP[isti]NA als
Heilige Christina identifiziert werden. Diese wurde in Venedig
besonders verehrt. Die Heilige Christina erscheint in dieser Tafel
als imposante Figur, deren leichte Körperdrehung und Blick auf
den Bildbetrachter gerichtet sind. Mit ihrer Linken hebt sie ihren
roten Mantel leicht an, als wolle sie dem vor ihr knienden betenden
Stifter Schutz gewähren.
Die vorliegende Tafel wurde aufgrund ihres archaisierenden Er-
scheinungsbildes in der Vergangenheit mit dem Gründervater der
venezianischen Malerei, Paolo Veneziano (um 1333–1358), sowie
mit Lorenzo Veneziano (1336–1379) in Zusammenhang gebracht
(siehe Provenienz Fischer Luzern 1968 und 1974). Wie Prof. Dr.
Gaudenz Freuler hervorhebt, deuten die naturalistischen Tenden-
zen des Stifterprofils sowie die technischen Details der Goldde-
koration jedoch auf eine spätere Entstehungszeit, in der zweiten
Hälfte des 14. Jahrhunderts, hin. Auch wenn die eindrucksvolle,
höchst raffiniert gemalte Tafel in Observanz von Paolo Venezia-
nos Kunst angesiedelt werden kann, ist sie wahrscheinlich in den
Jahren um 1370–80 entstanden.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 80 000 / 120 000
(€ 74 070 / 111 110)
Gemälde Alter Meister
| 6
3003
GIROLAMO DA BRESCIA (ZUGESCHRIEBEN)
(um 1490 Florenz 1529)
Der Heilige Antonius von Padua und
der Heilige Nicolo da Tolentino.
Tempera auf Holz.
123,5 × 42,2 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
Literatur:
- Lionello Puppi: Giovanni Buonconsiglio detto Marescalco, in:
Rivista dell‘Istituto Nazionale d‘Archeologia e Storia dell‘Arte, Jg.
XIII-XIV, 1964–1965, S. 358, Abb. 76–77 (als Giovanni Speranza ?).
- Walter Angelelli und Andrea G. De Marchi: Pittura dal Duecento al
primo Cinquecento nelle fotografie di Girolamo Bombelli, Mailand
1991, S. 260, Kat.-Nr. 549 (als Giovanni Speranza, cerchia di ?).
- Mauro Natale: Alberto e Martino Piazza: problemi aperti, in: I
Piazza da Lodi. Una tradizione di pittori nel Cinquecento, Mailand
1989, S. 110, Anm. 11.
- Francesco Frangi: Girolamo da Brescia, pittore carmelitano, in:
Arte Cristiana, Jg. 82, 1994, S. 408–409, Anm. 31.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 7
Gemälde Alter Meister
| 8
3004
MAESTRO DI SAN JACOPO A MUCCIANA
(tätig um 1390 Florenz 1420)
Madonna mit Kind und den Heiligen Franziskus und Katharina.
Goldgrund und Tempera auf Holz.
38,5 × 20,5 cm.
Gutachten:
Mina Gregori, 14.7.1971 (in Kopie vorhanden).
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Die vorliegende Tafel kann zweifellos dem nach seinem datierten
Altarwerk aus der Kirche San Jacopo a Mucciana benannten an-
onymen florentinischen Künstler zugewiesen werden. Sicherlich
war die Tafel einst zentrales Element eines kleinen Flügelaltars,
dessen seitliche Elemente noch unbekannt sind.
Das Œuvre unseres anonymen Meisters wurde erstmals 1946
von Richard Offner (Offner, Parke-Bernet Galleries, New York, 5.–
6.6.1946, Los 149) unter der provisorischen Bezeichnung Meister
X identifiziert. Dieser provisorische Œuvrekatalog wurde in der
Folge von Federico Zeri (La mostra „Arte in Valdelsa“ a Certaldo, in:
Bollettino d’arte, Ser. 4, Vol. 48, Juli–September 1963, S. 247) und
von Miklos Boskovits (M. Boskovits: Pittura Fiorentina alla vigilia
del Rinascimento, Florenz 1975, S. 238, Nr. 164) erweitert, die den
Maler nach seinem bereits erwähnten Altarbild aus San Jacopo in
Mucciana tauften. In den nachfolgenden Jahren nahm das Œuvre
des Maestro di San Jacopo a Mucciana um zahlreiche Werke zu.
Die künstlerischen Wurzeln unseres Malers reichen weit zurück
bis hin zu Bernardo Daddi (1290–1348) und zum Milieu der Brüder
Orcagna. Unter dem Einfluss von Agnolo Gaddis (um 1350–1396),
in dessen Umkreis er womöglich ausgebildet wurde, und auch Lo-
renzo Monacos (um 1370–1425) schloss sich der Meister von San
Jacopo a Mucciana den sich in Florenz ausbreitenden gotischen
Tendenzen an. Er reiht sich unter die spätgotischen Florentiner
Maler, wie Giovanni di Tano Fei (tätig 1384–1405), Maestro di
Sant’Ivo (um 1255–1318), Scolaio di Giovanni (um 1386–1434)
und andere ein.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
Gemälde Alter Meister
| 10
3005
GIOVANNI DEL BIONDO
(Pratovecchio 1356–1399 Florenz)
Madonna dell’Umiltà und zwei Engel.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
95,5 × 61 cm.
Gutachten:
Prof. Andrea De Marchi, 23.7.2020.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Die bisher unveröffentlichte Tafel mit der Darstellung der Ma-
donna dell’Umiltà, die im Beisein von zwei anbetenden Engeln
ihr Kind stillt, zählt zum Œuvre des erfolgreichen florentinischen
Malers Giovanni del Biondo. Das hier dargestellte Bildthema der
demütig am Boden sitzenden Muttergottes mit Kind, das sich auf
eine Komposition Simone Martinis (1284–1344) zurückführen
lässt (Portal von Notre-Dame des Doms in Avignon), war in Italien,
insbesondere in der Toskana, im Verlauf der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts sehr beliebt.
Bei der in der Auktion angebotenen Madonna dell’Umiltà handelt
es sich um eine florentinische Umformung des Bildthemas, wie es
um ca. 1350, beispielsweise im Werk des Maestro di San Lucchese
(um 1340–1370) verkörpert wurde. Ein weiterer florentinischer
Typus dieses Motivs entwickelte sich innerhalb der Werkstatt der
Brüder Orcagna (Andrea (gest. nach 1368) und Jacopo di Cione
(um 1325–1390)) (Washington National Gallery) und wurde auch
von Don Silvestro di Gherarducci (um 1339–1399) (Florenz, Galle-
ria dell’Accademia) tradiert.
Giovanni del Biondo setzte im Laufe seines Schaffens mehrere
Varianten dieses Bildsujets um. Dementsprechend ist aus seiner
Werkstatt eine stattliche Anzahl Gemälde hervorgegangen, die
das Thema der Madonna dell’Umiltà variierend interpretieren. In
seinem jüngsten Gutachten postuliert Andrea De Marchi für un-
sere Tafel eine späte Entstehungszeit, gegen 1390. Diese letzten
Schaffensjahre del Biondos standen im Zeichen einer zunehmend
expressiven Erstarrung seiner Figuren und des Versuchs, die plas-
tische Monumentalität seiner Figuren spätgotischen Tendenzen
anzupassen. Laut Prof. Dr. Gaudenz Freuler zeigt unsere Madonna
dell‘Umiltà Tendenzen einer seelischen Kommunikation mit dem
Bildbetrachter, wie sie auf einer gegen 1380 datierbaren Madonna
in italienischem Privatbesitz (ehemals Sammlung Chalandon in
Parcieux Già Firenze) zu greifen sind. Dies deutet darauf hin, dass
die Entstehungszeit des vorliegenden Madonnenbildes wohl in die
frühen 1380er-Jahre anzusetzen ist.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 90 000 / 140 000
(€ 83 330 / 129 630)
Gemälde Alter Meister
| 12
3006*
SIENESISCHER MEISTER, UM 1440
Madonna mit Kind.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
48 × 33 cm.
Gutachten:
Dr. Federico Giannini, als Benedetto di Bindo (Siena 1370–1417
Perugia) (Gutachten in Kopie vorhanden).
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Die bislang unveröffentlichte Tafel mit der Madonna mit Kind
in Halbfigur entstammt der Hand eines Sienesischen Meisters
und entstand um 1440. Ein Gutachten von Dr. Federico Gian-
nini verwendet sich für eine Autorschaft Benedetto di Bindos
(gest. 1419), der zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Siena und in
Umbrien wirkte. Ganz im Zeichen der Zeit wandte sich Bindo, wie
viele andere sienesische Künstler, der Wiederbelebung Simone
Martinis (1284–1344) Kunst zu. Dieser Ansicht folgt auch Carl
Brandon Strehlke, der darüber hinaus Bezüge zu Andrea di Bartolo
(1360–1428) sieht. Eine früher geäusserte mündliche Meinung
vertrat eine Zugehörigkeit in den Umkreis des höchst produktiven
sienesischen Malers Sano di Pietro (1406–1481), namentlich zu
dessen Frühwerk (um 1430–40), der von der Kunstgeschichte
lange unter dem Notnamen „Maestro dell’ Osservanza“ geführt
wurde.
Der lineare Zuschnitt des Madonnengesichts ist zweifelsfrei eine
Fortführung der mechanisch von Simone Martini abgeleiteten
linearen Formeln, wie sie im Werk des Andrea di Bartolo gleich wie
in Benedetto di Bindos zu greifen sind und auch Ausgangspunkt
für die Madonnen der späteren Malergeneration Sienas, eines
Sano di Pietro oder des frühen Giovanni di Paolo (1403–1482),
waren. Eine Zugehörigkeit zur frühen im späten 14. Jahrhundert
formierten Generation um Andrea di Bartolo und Benedetto di
Bindo erweist sich als unzutreffend für den hier beobachtbaren
Versuch der naturalistischen Wiedergabe der Stoffe. Dieser
Aspekt fällt besonders deutlich in der sorgfältigen Wiedergabe der
Knitterfalten des Hemdchens des Jesusknaben ins Auge.
Generell ist die Erscheinung des Jesusknaben von beachtlicher
Anmut und Eleganz. Solche Tendenzen der stofflichen Wiederga-
be sind in Sano di Pietros Frühwerk zu beobachten und verbreiten
sich in der sienesischen Kunst erst später (ab 1435–40) über Vec-
chiettas (1410–1480) Erfahrungen mit florentinischen Renaissan-
ce Malern. Wir neigen zur Vermutung, dass dieses Bild von einem
Sano di Pietro nahestehenden sienesischen Zeitgenossen um
ca. 1440 gemalt wurde. Die künstlerische Nähe zu Sano di Pietros
Werkstatt ist auch in der Nimben Punzierung (eine Ellipse in Kreis)
zu ermitteln. Wir vermuten, dass es sich hier um einen zuweilen
etwas retrospektiven sienesischen Maler der Künstlergeneration
Sano di Pietros handelt, der Vecchiettas künstlerischen Neue-
rungen zwischen 1435 und 45 punktuell umzusetzen vermochte.
Deshalb scheint für unsere Madonna eine Entstehungszeit gegen
1440 wahrscheinlich.
CHF 35 000 / 45 000
(€ 32 410 / 41 670)
Gemälde Alter Meister
| 14
3007
CRISTOFORO DI BINDOCCIO UND MEO DI PERO
(tätig in Siena um 1350–1407)
Thronende Madonna mit Kind im Beisein von Johannes d. Täufer,
Petrus, Paulus und Maria Magdalena sowie Schmerzensmann im
Giebel. Um 1380–90.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
52,4 × 22,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung James S. Harlan (verso mit Etikett).
- wohl Auktion Christie‘s, New York, 1978.
- Auktion Sotheby‘s Parke Bernet, New York, 9.1.1980, Los 21.
- Privatsammlung Saint Louis (Missouri), 1982.
- Galerie Antichità Scardeoni, Mendrisio/Lugano, 1982.
- Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
Ausstellung:
Arte Sacra dal XIV al XVII Secolo, Museo d`arte Sacra, Mendrisio,
17.3.1984–17.6.1984 (als Paolo di Giovanni Fei).
Literatur:
- Serena Padovani: Sulla traccia di Cristoforo di Bindoccio e Meo di
Pero, in: Bolletino d‘arte, Bd. XV, 1982, S. 55–98.
- Ausst.–Kat. Arte Sacra dal XIV al XVII Secolo, hrsg. von Silvano
Colombo, Mendrisio 1984, S. 1–19, Abb. 4 (als Paolo di Giovanni
Fei).
- Serena Padovani: Un aggiornamento del Catalogo di Cristoforo
di Bindoccio e Meo di Pero, in: Opere e Giorni. Studi su mille anni
d’ arte europea dedicati a Max Seidel, Venedig 2001, S. 223–230,
Abb. 10.
Vorliegende Tafel mit einer Maestà ist das zentrale Element
eines kleinen Triptychons zur Privatandacht. Anlässlich ihrer
Versteigerung in New York (1980), wurde die Tafel dem anony-
men, nach seiner Altartafel in San Leolino in Panzano benannten
sienesischen Maler aus dem Umfeld des Luca di Tommè (um
1330–1389) zugewiesen. Alsbald wurde die Zuschreibung an den
Meister von Panzano (tätig im 14. Jahrhundert) von Serena Pado-
vani mit Recht verworfen, die es dem unter den Namen Cristoforo
di Bindoccio und Meo di Pero signierenden sienesischen Malerge-
spann zuwies (Padovani 1982). Wohl in Unkenntnis der überzeu-
genden Zuschreibungsthese Serena Padovanis von 1982, wurde
das Bild – nun im Besitz von Bruno Scardeoni – nur zwei Jahre
später anlässlich einer Ausstellung in Mendrisio (Tessin) als ein
Werk des sienesischen Malers Paolo di Giovanni Fei (1345–1411)
verstanden. Serena Padovani hat jüngst die Autorschaft Cristo-
foro di Bindoccios und Meo di Peros, die diesem Katalogeintrag
zugrunde liegt, erneut bestätigt (Padovani 2001).
Die chronologischen Eckpfeiler der beiden Künstler sind die
gemeinsam signierten Freskenzyklen in der Cappella del Manto im
Ospedale Santa Maria della Scala in Siena („Hoc opus pinserunt
Cristofanus magistri Bindocci et Meus Peri de Senis M.CCC.LXX“)
und der Zyklus mit dem Marienleben in der Apsis der Kirche S.
Maria in Campagnatico. Dort kamen durch eine Restaurierung in
den Jahren 1979 und 1980 die Künstlersignatur und das Entste-
hungsjahr 1393 zum Vorschein („Questa chappella di Sca Maria
fecer dipegnare / e loperari nomati cioè Giacomo Vannucci / e
Fruosino Donati maestri cioè Cristofano del maestro Bindocio / e
Meio di Pero dipentori / da Siena e‘ q[u]ali Dio guardi / dogni cosa
ria / e lanni domini / M.O.C.C.C. LXXXXIII / al tempo di ...“).
Vorliegende Tafel lässt sich, ebenso wie ein sehr ähnliches Ex-
emplar in der Städelschen Kunstsammlung in Frankfurt am Main
(Inv.-Nr. 996A) und ein weiteres in einer Prateser Privatsammlung
(Padovani 1982, 2001), am ehesten in der späten Schaffensphase
der Maler um circa 1380–1400 ansiedeln. In dieser Zeit orientier-
ten sie sich an den glanzvollen spätgotischen Flügelaltärchen des
Paolo di Giovanni Fei. In der Folge lösten sie sich also zugunsten
einer hochgotischen Formensprache von ihren früheren, etwas
schwerfällig erscheinenden Interpretationen der Gemälde von
Pietro Lorenzetti (um 1280–1348) und seinen Nachfolgern
Niccolò di Ser Sozzo (tätig um 1334–1363), Biagio di Goro Ghezzi
(1325–1384) und Luca di Tommè (tätig um 1355–1389).
Wer im Einzelnen für die Ausführung der gemeinsam signierten
Gemälde verantwortlich war, ist nicht klar. Doch wird vermutet,
dass Cristoforo di Bindoccio innerhalb dieses Malergespanns die
treibende Kraft war, während Meo di Pero vermutlich mehr für
die ökonomischen Aspekte des Malerunternehmens zuständig
gewesen ist.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
Gemälde Alter Meister
| 16
3008
BERNARDINO LANINO
(Mortara 1512–1578 Vercelli)
Heiliger Hieronymus.
Öl auf Holz. 32 × 17,6 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
Das elegante Gemälde mit dem als Denker dargestellten Kirchen-
vater und Bibelexegeten Hieronymus ist ein charakteristisches
Gemälde des Bernardino Lanino. Der auf Gaudenzio Ferraris (um
1477/1478–1546) Typenrepertoire fussende bärtige Heilige mit
seinem aufwärts gerichteten Blick erscheint wiederholt in ähn-
licher Form im Werk Laninos. So etwa beim Heiligen Nikodemus
des auf 1545 datierten Gemäldes mit der Beweinung Christi in der
Galleria Sabauda oder dem Bärtigen am linken Bildrand der beiden
Versionen des Letzten Abendmahls in San Nazaro in Mailand und
im Santuario della Madonna in Oropa. Letzteres ist vermutlich
mit Werkstattbeteiligung entstanden. Im Vergleich zu Laninos
späteren Gemälden, erscheint uns der Heilige etwas freier und
summarischer ausgeführt. Ähnliches kann für Laninos Frühwerk
festgestellt werden, wie zum Beispiel für die um 1540 freskierten
Lünetten über den Portalen der Kirche San Sebastiano in Biella.
Die hier erkennbare engere Beziehung zur Kunst Gaudenzio
Ferraris, mit dem er von 1530 bis zu dessen Übersiedlung nach
Mailand zusammenwirkte, um nach dessen Tod auch in der lom-
bardischen Metropole sein künstlerisches Erbe zu übernehmen,
lässt vermuten, dass das Werk in einer frühen Schaffensphase des
Künstlers entstanden ist. Aufgrund der oben genannten Stilbezü-
ge unserer Tafel zu Laninos frühen Fresken in Biella von circa 1540
und zum erwähnten datierten Gemälde in der Galleria Sabauda
(1545) spricht einiges für eine Entstehungszeit um 1540–45.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 17
3009
GIACOMO FRANCIA
(1484 Bologna 1557)
Maria mit Kind vor einer Landschaft.
Öl auf Holz.
36,5 × 26,7 cm.
Provenienz:
- Auktion Fischer, Luzern, 6.11.1981, Los 1623.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Emilio Negro und Nicosetta Roio: Francesco Francia e la sua scuo-
la, Modena 1998, S. 168, Kat.-Nr. 40 (als Schule von Francesco
Francia).
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
Gemälde Alter Meister
| 18
3010*
PIETER COECKE VAN AELST
(NACHFOLGER DES 16. JAHRHUNDERTS)
(Aalst 1502–1550 Brüssel)
Flügel eines Triptychons: Anbetung der Hirten.
Öl auf Holz.
60,7 × 28,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
3011
TOMASO D’ANTONIO MANZUOLI genannt MASO
DA SAN FRIANO
(um 1531 Florenz 1571)
Madonna mit Kind und Johannes dem Täufer.
Öl auf Holz.
60,5 × 43 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby’s, London, 21.3.1973, Los 50.
- Kunsthandel Colnaghi, London, 1978.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Luisa Vertova: Il prestigio delle corti e il clan dei Traballesi, in: Kunst
des Cinquecento in der Toskana, München 1992, S. 287 und 291,
Fussnote 10, Abb. 13.
Diese Heilige Familie ist ein seltenes erhaltenes Beispiel für das
Spätwerk des Malers Tomaso d’Antonio Manzuoli, besser bekannt
als Maso da San Friano. Wir kennen zwei grössere, jedoch nicht
identische Versionen dieser Komposition, die sich im Dom von
Prato und in der Birmingham Art Gallery (Inv.-Nr. 1966P41) erhal-
ten haben.
Über die Ausbildung und den Werdegang von Maso da San Friano
ist nur sehr wenig überliefert. In den zeitgenössischen Künst-
lerbiografien fand der Künstler kaum Beachtung: die Bedeutung
seines künstlerischen Schaffens fand erst Anerkennung, als
Vasari die zweite Edition seiner Künstlerviten vollendet hatte; und
Masos Tod lag schon einige Zeit zurück, bevor Raffaello Borghini „Il
Riposo“ publizierte. Offenbar verbrachte er sein gesamtes Leben
in Florenz, wo er von Andrea del Sarto (1486–1530) und Pontor-
mo (1494–1557) ausgebildet wurde. Insbesondere wird dies in
der monumentalen Konstruktion seiner Figuren sowie in der von
Pontormos koloristischen Feinfühligkeit geprägten Farbpalette
greifbar. Gegen Ende seines Schaffens, um 1570, wurde Maso mit
der Ausstattung des Studiolo von Francesco I. (1541–1587) im
Palazzo Vecchio betraut. „Die Diamantmine“ (heute im Palazzo
Vecchio, Florenz) und „Der Sturz des Ikarus“ (ebenda) gehen auf
diese Auftragsarbeit zurück. Dennoch haben sich sehr wenige
Arbeiten von Maso da San Friano erhalten.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
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Gemälde Alter Meister
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3012*
LUCAS CRANACH D. Ä. (WERKSTATT),
WOHL HANS CRANACH
(Kronach 1472–1553 Weimar) (Wittenberg 1513–1537 Bologna)
Bildnis einer Frau in schmuckvollem Kleid mit Haube. Um 1535.
Öl auf Holz.
50,3 × 35,5 cm.
Provenienz:
- Galerie Reinhardt, 1929.
- Sammlung William Goldman, New York (aus dessen Besitz 1930
ausgestellt bei Van Diemen).
- Auktion Sotheby‘s, London, 5.7.1967, Los 112 (als Lucas
Cranach d. Ä.).
- Schweizer Privatbesitz.
Das Bildnis einer Frau in Halbfigur nach links (50,3 x 35,5 cm, Bu-
chenholz) ist im Werkverzeichnis CORPUS CRANACH unter der
Nummer CC-POR-820-072 mit der Zuschreibung C1 verzeich-
net. (Innerhalb der Zuschreibungskategorie „C1“ werden alle Wer-
ke zusammengefasst, die entsprechend des Forschungsstandes
zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als „mit großer Wahrschein-
lichkeit“ innerhalb der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren (1)
entstanden angesehen werden können. Dazu zählen Werke, die
sich nach Ansicht des Autors stilistisch und phänomenologisch
in das entsprechende Oeuvre eingliedern. Eine Unterscheidung
einzelner Hände im Sinne einer Zuschreibung an den Meister
selbst bzw. identifizierbare Mitarbeiter steht der erkennbar
arbeitsteiligen Werkstattpraxis entgegen und muss als kenner-
schaftliche Wertung unterbleiben. Werke von identifizierbaren
Mitarbeitern, die eine von der Cranach-Schlange abweichende
Signatur oder ein Monogramm tragen, werden als außerhalb der
Werkstatt hergestellt angesehen. Eine Ausnahme bilden die mit
„HC“ monogrammierten Werke, die für Hans Cranach in Anspruch
genommen werden).
Erstmals nachweisbar ist die vorliegende Tafel in der Galerie
Reinhardt (1929). Offensichtlich ging sie von dort in die Sammlung
William Goldman in New York über, aus dessen Besitz sie 1930 bei
Van Diemen ausgestellt war. Am 5. Juli 1967 taucht das Bildnis bei
Sotheby‘s London als Lot 112 (als Cranach d. Ä.) wieder auf.
Die Haube der Frau mittleren Alters zeigt eine ganz ähnliche Mo-
dellierung (z.B. durchscheinender Hautton der Stirn) wie auf dem
2019 bei Hampel versteigerten Bild CC-MHM-120-028 (Fragment
aus einer Herkules-bei-Omphale-Darstellung) und deutet damit
in einen Entstehungszeitraum um 1535.
Deutliche Übereinstimmungen bestehen auch mit einem Frauen-
bildnis in Bergen, Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-036 (Bergen,
KODE Kunstmuseene i Bergen, Inv. Nr. BB-M-76, 47,5 x 31 cm,
Holz).
Weitere Werke der Cranach-Werkstatt lassen stilistische Überein-
stimmungen erkennen, so unter anderen:
Weibliches Bildnis, Kopenhagen, FR 281
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-800-020
Kopenhagen, Statens Museum for Kunst, Inv. Nr. KMSsp724
51,5 x 36 cm, Holz Halbfigur einer Frau in schmuckvollem Gewand
mit bestickter Haube. Bildnispaar mit gleichartigem, signierten
und 1534 datierten Männerporträt (CC-POR-800019), dessen
Provenienz das Bild teilt.
Johann II. von Anhalt, Dorotheum 2003
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-250-003
Wörlitz, Gotisches Haus, Inv. Nr. M17-2006
51,6 x 36,3 cm, Holz
Joachim I. von Anhalt, Dorotheum 2003
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-225-001
Wörlitz, Gotisches Haus, Inv. Nr. M16-2006
51,6 x 36,3 cm, Holz
Bildnis einer jungen Frau, Madrid, FR 337
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-059
Madrid, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Inv. Nr. 113
61,5 x 42,2 cm, Buchenholz
Bildnis einer Frau, Paris, FR 283e
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-065
Paris, Petit Palais, Inv. Nr. PTUCK4
51 x 35,5 cm, Holz
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Gemälde Alter Meister
| 22
Die genannten Werke zeigen Gemeinsamkeiten, was auf densel-
ben ausführenden Maler hindeuten könnte. Da das letztgenannte
Porträt in Paris das weibliche Pendant zum Bildnis des Reformat-
ors Johannes Brenz (CC-POR-810-028) darstellt, welches mit
„HB“ signiert ist, könnte auch dieses von der Hand Hans Cranachs
stammen. Obwohl die Werkstatt Cranachs einen einheitlichen
Werkstattstil pflegte, der für individuelle Stilmerkmale wenig
Raum ließ, kann deshalb im vorliegenden Fall des Frauenbildnisses
die Vermutung geäußert werden, dass Hans Cranach als Urheber
in Frage kommt. Gerade dem erstgeborenen Sohn Cranachs des
Älteren, der traditionsgemäß die Werkstatt übernommen hätte,
könnte das Recht zugestanden haben, sich mehr gestalterische
Freiheit zu nehmen, als sie den übrigen Mitarbeitern erlaubt
war. Damit ließe sich die von der Werkstattroutine abweichende
Zusammenstellung modischer Accessoires erklären, die auch das
hier untersuchte Bild auszeichnet. Die Tatsache, dass ein weiteres
vergleichbares Bild mit „1538“ datiert ist und damit erst nach dem
Tod Hans Cranachs signiert wurde, muss der „Hans-Cranach-
These“ nicht widersprechen. Gerade dieses Bildnis zeigt einen
hohen Grad an Übereinstimmung, die es als mögliches Pendant
eines Ehegatten-Bildpaars erscheinen lassen.
Bildnis eines bärtigen Mannes, dat. 1538, FR 334
Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-810-046
Kansas City, Nelson-Atkins Museum of Art, Inv. Nr. 31-112
50,2 x 35,7 cm, Buchenholz
Das florale Stickmuster auf dem Hemdkragen des Dargestellten
sowie dessen Handhaltung lassen an eine mögliche Zusam-
mengehörigkeit mit dem Frauenbildnis denken, das dieselben
Stickmuster und den schmalen, abstehenden Finger zeigt. Die
Werkstattorganisation bei Cranach ist sichtbar auf arbeitsteiliges
Arbeiten ausgelegt gewesen, sodass nach dem unverhofften
Tod Hans Cranachs 1537 begonnene Arbeiten von anderer Hand
beendet worden sein können und das Bildnispaar erst 1538 aus-
geliefert wurde.
Das Infrarotreflektogramm (siehe Abb. 1) zeigt die für ein Porträt
üblichen Übertragungsspuren durch Pausen einer Vorzeichnung
auf den Malgrund der Tafel. An verschiedenen Stellen, insbe-
sondere im Gesicht der Frau, erscheinen dünne Linien eines
trockenen Zeichenstifts, mit dem Kinn, Nase Lippenkontur sowie
die Außenkontur des Kopfes markiert sind. Am linken Tafelrand
zeigen sich in der Vergrößerung mechanische Kratzspuren, die zu
Abplatzungen der Bildoberfläche geführt haben. Diese Gras-
halm-ähnlichen Beschädigungen wurden möglicherweise bei
einer alten Restaurierung falsch gedeutet und als Bestandteil der
Malerei angesehen. Sie wurden durch Pinselzüge in Ocker ver-
bunden und betont und gehören sicher nicht zur ursprünglichen
Malerei. Die mit einem spitzen Stichel eingekratzten Rillen zeigen
an ihrer Basis noch Reste der eingedrückten, einst oben liegen-
den blauen Hintergrundfarbe und die teils pastos aufgesetzten
Retuschen verlaufen durchweg über das originale Alterskraquelee
hinweg.
In Kassel befindet sich ein motivgleiches Bild (Werkverzeich-
nis-Nr.: CC-POR-820-073,Gemäldegalerie Alte Meister, Inv. Nr. GK
1137, 51,2 x 36,6 cm, Holz) das als spätere Kopie unseres Bildes
anzusehen ist.
Wir danken Dr. Michael Hofbauer vom Corpus Cranach Archiv für
diesen Katalogeintrag und für die Untersuchung des Gemäldes im
Original.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Abb. 1 Infrarotreflektogramm. ©Cranach Research Institute
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Gemälde Alter Meister
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3013*
OBERDEUTSCHER MEISTER,
ENDE 16. JAHRHUNDERT
Beidseitig bemalte Tafel mit dem Jüngsten Gericht
und Kalvarienberg.
Öl auf Holz.
118 × 70,5 cm.
Gutachten:
Dr. Michaela Schedl, 3.7.2020.
Provenienz:
- Kunsthandel Malmedé  Geissendörfer, Köln 1926 (als Meister
von Messkirch).
- Seither in europäischem Familienbesitz.
Dr. Michaela Schedl, der wir für ihr ausführliches Gutachten
danken, vermutet, dass die hier angebotene Tafel ursprünglich für
einen Altar oder als Epitaph geschaffen worden sein könnte.
Die vorliegende Komposition des Jüngsten Gerichts auf der einen
Seite und des Kalvarienbergs auf der anderen Seite basiert auf
zwei Holzschnitten aus der „Kleine(n) Passion“ Albrecht Dürers
(1471–1528), wobei unsere Darstellung stilistisch nicht nur Ein-
flüsse der Renaissance, sondern ebenso Einflüsse der Spätgotik
aufweist: So scheint unser Meister in der Darstellung des Leich-
nams Christi einen Kupferstich von Martin Schongauer zu zitieren
(Christus am Kreuz mit vier Engeln und Maria und Johannes
Evangelist, um 1475–79, 29,1 × 19,5 cm, London, British Muse-
um). Auch die Scheibennimben der sechs Hauptfiguren erinnern
an jene Schongauers und sind somit der Spätgotik verpflichtet.
Basierend auf einem stilistischen und motivischen Vergleich mit
der Darstellung des Klavarienberg eines unbekannten Meisters auf
dem Hochaltarretabel in der evangelischen Stadtkirche in Baben-
hausen bei Aschaffenburg, datiert Dr. Schedl unsere Tafel auf das
ausgehende 16. Jahrhundert. Nadelholz als Bildträger legt nahe,
dass sie aus einer Gegend südlich von Köln stammt.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Gemälde Alter Meister
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3014*
LORENZ STRAUCH
(1554 Nürnberg 1630)
Porträt einer edlen Dame. 1602.
Öl auf Holz.
Oben links bezeichnet, datiert und monogrammiert: AETATIS
SUAE 24. ANO 1602. LS (ligiert).
50 × 38 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die Nürnberger
Porträtmalerei eine neue Blütezeit. Die niederländischen Maler Ni-
colas Neufchâtel (1525/27–1573) und Nicolaus Juvenel d. Ä. (vor
1540–1597) brachten die hochentwickelte Antwerpener Bildnis-
malerei mit in die Reichsstadt, was die städtische Kunstentwick-
lung massgeblich beeinflusste. Einer ihrer wichtigsten Nachfolger
war der gebürtige Nürnberger Maler und Kupferstecher Lorenz
Strauch. Obwohl Strauch heute vor allem durch seine Stadtan-
sichten Nürnbergs bekannt ist, gehörte er zu den erfolgreichsten
und gefragtesten Porträtmalern der Stadt und war mehrere Jahre
Vorsteher der Malerzunft. Dabei führte er eine effiziente Werk-
statt, die es ihm erlaubte, je nach Anforderung der Auftraggeber
in unterschiedlichen Qualitätsstufen (und damit Preiskategorien)
zu produzieren. Als Qualitätssiegel und „Werkstattmarke“ benutz-
te Strauch das aus einer Verschlingung seiner Initialen L und S
gebildete Monogramm.
Trotz starrer Pose und schlichter Farbgebung gelingt es Strauch,
die junge Frau auf dem Brustbild als lebendig und aufgeweckt zu
charakterisieren. Die feinabgestimmte Tonalität im Kolorit zeugt
von dem Einfluss der Niederländer Neufchâtel und Juvenel. Die
Frau trägt ein schwarzes, besticktes Gewand mit einer prächti-
gen, feinmalerisch gestalteten Halskrause. Ihren Kopf ziert ein
ebenfalls mit Stickereien verziertes Barett, unter dem das zu
einem Zopf geflochtene Haar auf den Rücken fällt. Auffällig ist
die prächtige, vielgliedrige Goldkette, die auf den hohen sozialen
Status der Porträtierten deutet. Wer genau die 24-Jährige war, ist
nicht bekannt. Es könnte sich aber um eine Nürnberger Patrizierin
gehandelt haben, da Strauch vornehmlich Angehörige der städ-
tischen Oberschicht porträtierte. Auch die vergleichsweise hohe
Qualität der malerischen Ausführung könnte für einen prominen-
ten Auftraggeber sprechen. Anlass für die Fertigung des Tafelbil-
des 1602 war vielleicht eine bevorstehende Vermählung, da es
üblich war, bei Verlobungsverhandlungen Bildnisse auszutauschen
oder, nach erfolgter Eheschliessung, ein Doppelporträt anfertigen
zu lassen. Da die Porträtierte, wie bei Ehepaarbildnissen üblich,
nach links gewandt ist, war das Tafelgemälde vermutlich einst das
Pendant zu einem zugehörigen Männerporträt.
Ein vergleichbares Damenbildnis von Lorenz Strauch, das 1589
entstanden ist und die Nürnbergerin Clara Praun darstellt, befin-
det sich im Germanisches Nationalmuseum (Inv.-Nr. Gm1540).
Wir danken Judith Hentschel für die Bestätigung der Eigenhändig-
keit anhand einer Fotografie und ihre wissenschaftliche Unter-
stützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
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Gemälde Alter Meister
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3015*
ADRIAEN VAN OVERBEKE
(tätig um 1508 Antwerpen 1529)
Anbetung der Heiligen drei Könige.
Öl auf Holz.
72 × 55,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Mr. John Frank Atkinson (1818–1898), Micklegate
House, Pontefract, Yorkshire.
- Sammlung Mr. und Mrs. Hepworth Francis Atkinson, Carlton
House, Wakefield, Yorkshire, 1950.
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
Leeds 1950, Treasures from Yorkshire Houses, Leeds City Art
Gallery, Februar 1950, Nr. 33 (als Schule von Mabuse).
Die zur Auktion angebotene Tafel wurde bis in die 1950er-Jahre
für eine Arbeit des Antwerpener Malers Jan Gossaerts, genannt
Mabuse (um 1478–1532), gehalten. Heute setzt sich Dr. Peter
van den Brink für eine Autorschaft Adriaen van Overbekes ein
und datiert die Arbeit um 1510–15. Insbesondere sprechen die
ausdrucksstarken Gesichter der Figuren, die entschlossene
Farbgestaltung sowie die Ausführung der Vegetation am vorderen
Bildrand für diesen Befund.
Ob die Arbeit einst Element eines mehrteiligen Altargemäldes
oder vielmehr eines kleiner angelegten Triptychons bildete, lässt
sich nicht mehr rekonstruieren. Die detailreiche Gestaltung der
Tafel deutet in jedem Fall auf einen intimeren Verwendungskon-
text, wie beispielsweise die private Andacht in einer Kapelle, hin.
Der überwältigende Detailreichtum wird nicht nur im Hintergrund,
wo sich das Gefolge der Könige versammelt, greifbar. Die prächtig
gemalten Geschenke, die die drei Könige dem Christuskind
darbieten, würden mit Sicherheit an Relevanz verlieren, wenn sie
hinter dem Flügel eines mehrteiligen Altargemäldes versteckt
geblieben wären, der darauf konzipiert war, aus der Distanz be-
trachtet zu werden.
Arbeiten Adriaen van Overbekes, der nicht nur seine eigene
Werkstatt leitete, sondern in den unterschiedlichsten Konstel-
lationen auch mit anderen Künstlern kooperierte, haben sich in
bedeutenden Museumssammlungen (Nationalmuseum War-
schau, Bonnefantenmuseum Maastricht, Museum Maagdenhuis
Antwerpen und Musée des Arts décoratifs Paris) sowie in ihren
ursprünglichen sakralen Kontexten (Dom zu Köln, Petrikirche
Dortmund, Propsteikirche St. Maria Kempen und St.-Viktor-Kirche
Schwerte) erhalten.
Dr. Peter van den Brink bestätigt die Eigenhändigkeit in einer aus-
führlichen schriftlichen Bestätigung, wofür wir ihm danken.
CHF 35 000 / 50 000
(€ 32 410 / 46 300)
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Gemälde Alter Meister
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3016*
MEYNNART WEWYCK (UMKREIS) /
ANGLO-FLÄMISCHE SCHULE UM 1520
(tätig um 1502 England 1525)
Bildnis eines jungen Edelmannes. Um 1520.
Öl auf Holz.
30,6 × 20,6 cm.
Provenienz:
- Deutscher Adelsbesitz, seit dem 19. Jahrhundert.
- Europäischer Privatbesitz.
Das Dreiviertelporträt zeigt vor blauem Hintergrund leicht nach
rechts gewandt einen jungen Mann in höfischer Tracht bestehend
aus schwarzem Barett mit Brosche, grün-grauem Schulterum-
hang, schwarzem Gewand und weissem Hemd. Das Haar trägt
der Dargestellte kinnlang, seinen Hals ziert ein schmales Band,
an dem sich wahrscheinlich ein Anhänger befindet, der unter
dem Gewand verschwindet (siehe hierzu Vergleiche in: Eleri Lynn:
Tudor Fashion, Yale 2017). In seiner rechten Hand findet sich ein
Handschuh. Dieses Motiv ist besonders bemerkenswert, da es
sich wohl um eines der frühesten Beispiele in der nordeuropäi-
schen Porträtmalerei handelt, das einen Handschuhträger zeigt.
Bei der um 1520 entstandenen Tafel werden sowohl Einflüsse
der flämischen als auch englischen Malerei zu Beginn des 16.
Jahrhunderts greifbar. Sie dürfte demnach von einem in den Nie-
derlanden gebürtigen sowie ausgebildeten und in England tätigen
Künstler gemalt worden sein. Das Porträt zeigt Anklänge an die
Porträtmalerei von Quentin Massys (um 1466–1530), so z. B. das
Porträt in der Kunsthalle Karlsruhe von 1517 (Inv.-Nr. 2458).
Mit Hilfe von Infrarotreflektographie werden feine Unterzeichnun-
gen mit Silberstift um die Augen, die Nase und den Mund sowie
entlang der Gesichtskonturen und dem Hals sichtbar (siehe Abb.
1). Hierbei handelt es sich um eine charakteristische Vorgehens-
weise im Arbeitsprozess der altniederländischen Malerei (siehe
auch Andreas Siejek und Kathrin Kirsch: Die Unterzeichnung auf
dem Malgrund, Graphische Mittel und Übertragungsverfahren im
15.–17. Jahrhundert, München 2004).
Die Kleidung des jungen Mannes sowie das Barett mit Brosche
verweisen auf einen in England im ersten Viertel des 16. Jahr-
hunderts zur Zeit der Tudor unter Heinrich VII. und Heinrich VIII.
tätigen Künstler hin, der mit den Werken der Hofmaler Meynnart
Wewyck und Lucas Horenbout (1490–1544) vertraut gewesen
sein muss (vgl. Ausst.-Kat. Artists of the Tudor Court – The
Portrait Miniature rediscovered 1520–1620, hrsg. von Roy Strong
und V. J. Murrell, VA Museum, London 1983). So findet sich
ein nahezu identisches Barett auf einem in den 1990er-Jahren
wiederentdeckten, wahrscheinlich um 1500 entstandenen Porträt
von Arthur Tudor, Prinz von Wales (vgl. Ausst.-Kat. Dynasties.
Painting in Tudor and Jacobean England 1530–1630, hrsg. von
Karen Hearn, Tate Gallery, London 1995, Kat.-Nr. 1, S. 36).
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
Abb. 1
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Gemälde Alter Meister
| 32
3017*
MEISTER DES MORRISON-TRIPTYCHONS
(WERKSTATT)
(tätig in Antwerpen um 1500–1510)
Maria mit Kind, umgeben von musizierenden Engeln.
Öl auf Holz.
56,3 × 42,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Robert Leroy Shalkop (1922–2008), Salisbury, North
Carolina.
- Europäischer Privatbesitz.
Als Meister des Morrison-Triptychons wird ein niederländischer
Maler des angehenden 16. Jahrhunderts bezeichnet, der seinen
Notnamen nach dem Gemälde einer thronenden Madonna mit
Kind erhielt, das einst Teil der Sammlung des englischen Textilfab-
rikanten Alfred Morrison in Fonthill House in Wiltshire war und sich
heute im Toledo Museum of Art befindet.
Stilistische Einflüsse des Antwerpener Malers Quentin Massys
(1466–1530), als dessen Schüler der Meister des Morrison-Trip-
tychons manchmal betrachtet wurde, sind nicht zu übersehen,
ebenso wie gewisse Ähnlichkeiten zum Œuvre Hans Memlings
(um 1433–1494). Die hier angebotene Komposition ist dabei auch
im Œuvre von Memling bekannt, so die Tafel eines Diptychons um
1480–90, die sich heute in der Pinakothek in München befindet
(Inv.-Nr. 680).
Eventuell könnte der Meister des Morrison-Triptychons mit dem
Maler Simon von Haarlem (tätig 1501–1529) identifiziert werden,
der um 1510 eine angesehene Werkstatt in Antwerpen betrieb
und Werke auch nach Spanien lieferte.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
Gemälde Alter Meister
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3018*
HERRI MET DE BLES (UMKREIS)
(Dinant um 1510–um 1560 Antwerpen)
Hieronymus in einer Landschaft.
Öl auf Holz.
62 × 75,3 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 35
3019*
PIETER COECKE VAN AELST (UMKREIS)
(Aalst 1502–1550 Brüssel)
Triptychon: Anbetung der Heiligen drei Könige (Mitteltafel), Ver-
kündigung (links), Flucht nach Ägypten (rechts).
Öl auf Holz.
85,5 × 63 cm (Zentraltafel). Je 85,5 × 31 cm (Flügel).
Provenienz:
- Sammlung Duke of Norfolk, London.
- Auktion Bollag, Zürich, 24.–25.11.1948, Los 76 (als Antwerpener
Schule 16. Jh., verso mit Etikett).
- Kunsthandel Marc Rogge, Belgien, 1980er-Jahre.
- Privatbesitz, Belgien.
- Europäischer Privatbesitz.
CHF 50 000 / 70 000
(€ 46 300 / 64 810)
Gemälde Alter Meister
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3020
FLÄMISCHE SCHULE, UM 1600
Weite Flusslandschaft mit Dorffest „gans trekken“.
Öl auf Holz.
40,5 × 60 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Das vorliegende Gemälde basiert auf einem Stich von Hans Bol
(1534–1593), der sich im Rijksmuseum Amsterdam befindet (Inv.-
Nr. RP-P-1883-A-7621). Das dargestellte Spiel ist im Holländi-
schen bekannt als „gans trekken“ oder „Het trekken om de gans“
(im deutschsprachigen Raum bekannt als „Gansabhauet“).
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 37
3021*
SCHULE VON FONTAINEBLEAU, UM 1570
Diana auf der Jagd.
Öl auf Holz.
68,8 × 92,8 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
Gemälde Alter Meister
| 38
3022*
ANTWERPENER MANIERIST, UM 1520
Anbetung der Heiligen drei Könige.
Öl auf Holz.
70,8 × 47,3 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 60 000 / 80 000
(€ 55 560 / 74 070)
| 39
Gemälde Alter Meister
| 40
3023*
HIERONYMUS BOSCH (NACHFOLGER)
(um 1450 ‚s-Hertogenbosch um 1516)
Dornenkrönung Christi.
Öl auf Holz.
34,8 × 28,6 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Schweiz.
- Europäischer Besitz.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 41
3024
QUENTIN MASSYS (UMKREIS)
(Löwen 1466–1530 Antwerpen)
Mater Dolorosa.
Öl und Goldgrund auf Holz.
51 × 35,2 cm.
Provenienz:
- Sammlung von Muralt, Bern, bis 1936.
- Auktion Fischer / Kunstsalon Dr. Pfisterer, Zürich, 13.–16.5.1936,
Los 1992.
- Schweizer Privatsammlung bis 1956.
- Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer Privatbesitz.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Diese Darstellung der Mater Dolorosa,
der schmerzensreichen Mutter Christi,
begleitet vom Heiligen Johannes wurde
einst mit Dirk Bouts (1410–1475) in
Verbindung gebracht. Diese Annahme
schliesst Dr. Valentine Hendriks aus und
vermutet eine Entstehung im Umkreis
von Quentin Massys oder etwas später.
Dieser Meinung folgen auch Dr. John
Oliver Hand, Dr. Larry Silver und Dr.
Stephan Kemperdick, denen wir für ihre
Hilfe danken. Als möglicher Autor zieht
Dr. Kemperdick auch den Meister des
Morrison Triptychons (tätig in Antwer-
pen um 1500–10) in Betracht (siehe als
Vergleich Max J. Friedländer: Die altnie-
derländische Malerei, Leiden 1924–37,
Bd. VII, Nr. 81 ff.).
Ursprünglich dürfte die Tafel als ein Dip-
tychon für die Privatandacht vorgese-
hen worden sein, mit einer Kreuzabnah-
me auf der gegenüberliegenden Seite.
Gemälde Alter Meister
| 42
3026
CORNELIS CORNELISZ. VAN HAARLEM
(1562 Haarlem 1638)
Bildnis eines Mannes im Alter von 29 Jahren. 1622.
Öl auf Holz.
Oben links bezeichnet und datiert: Aetatis. svae. 29. 1622.
65 × 52 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel Herner Wengraf, London, 1975.
- Kunsthandel Alex Wengraf, London, 1999.
- Kunsthandel Lawrence Steigrad Fine Arts, New York, 2003.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Pieter J. J. van Thiel: Cornelis Cornelisz. van Haarlem 1562–1638:
a monograph and catalogue raisonné, Doornspijk 1999, S. 487
(als südholländische Schule, später von van Thiel als eigenhändig
anerkannt).
Cornelis Cornelisz. van Haarlem ist mit Hendrick Goltzius
(1558–1616) und Karel van Mander (1548–1606) einer der bedeu-
tendsten Vertreter des niederländischen Manierismus. In seiner
Arbeit finden sich Einflüsse der Schule von Fontainebleau und es
werden auch in der Darstellungsweise seiner Figuren Bezüge zu
Hofkünstlern Rudolphs II. greifbar. Neben mythologischen, selte-
ner auch religiösen Themen setzte Cornelisz. van Haarlem sich
insbesondere mit der Porträtmalerei auseinander.
Für die malerische Ausgestaltung von Gesichtern entwickelte
Cornelisz. van Haarlem eine besondere Faszination. Nicht nur
versah er seine grossformatigen Historiengemälde mit Porträts
von Zeitgenossen. In seinen spärlich erhaltenen Porträtgemäl-
den zeigt sich diese Begeisterung in der Hingabe, mit der er die
Nuancen der menschlichen Haut wiedergab. Nicht zuletzt machte
ihn die Fähigkeit, die Persönlichkeit der Dargestellten eindrucksvoll
und eindringlich in seine Gemälde zu transportieren, seinerzeit zu
einem gefragten Bildnismaler. In dem zur Auktion angebotenen
Porträt eines Mannes kommen Cornelisz. van Haarlems Vorliebe
für ineinandergreifende Volumina sowie seine Darstellungsweise
für flache und rundliche Gesichter zum Ausdruck. Seine imposan-
te und zugleich persönliche Malweise, wie sie ihm bereits von van
Mander attestiert wurde, wird hier ebenso offensichtlich.
Pieter J. J. van Thiel bestätigte 2009 die Eigenhändigkeit in einer
schriftlichen Mitteilung.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Cornelis Cornelisz. van Haarlem registriert.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
| 43
Gemälde Alter Meister
| 44
3027
PIETER AERTSEN (WERKSTATT)
(1508 Amsterdam 1575)
Anbetung des Kindes.
Öl auf Holz.
84 × 115 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s, London, 26.2.1997, Los 4 (als Werkstatt von
Pieter Aertsen).
- Schweizer Privatbesitz.
Dieses Gemälde geht auf eine Komposition von Pieter Aertsen
zurück, die sich im Amsterdams Historisch Museum befindet (Inv.-
Nr. A 6061, 1554, Öl auf Holz, 97 × 141 cm). Gewisse Bereiche
sind künstlerisch besonders versiert ausgeführt und zeigen die
Nähe zu Pieter Aertsen, wie beispielsweise die prominente Kuh,
deren fixierender Blick den Betrachter ins Bildgeschehen einlädt.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, registriert.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
| 45
3028*
FRANS FLORIS D. Ä. (UMKREIS)
(1515 Antwerpen 1570)
Lot und seine Töchter.
Öl auf Holz.
76,5 × 107,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dr. Peter van den Brink, dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisie-
rung danken, erkennt die Nähe zu Frans Floris und besonders zu
dessen Schüler Anthonie Blocklandt (1533–1583), der in Utrecht
tätig war. Als stillisticher Vergleich sind die Frauenköpfe in dem
Gemälde „Drei singende Frauen“ (siehe Ausst.-Kat. Kunst voor de
beeldenstorm, Rijksmuseum Amsterdam, 1986, S. 151, Kat.-Nr.
321; Ingrid Jost: Studien zu Anthonis Blocklandt, Köln 1960, S. 38
f. und 147 f., Kat.-Nr. I, 6) zu nennen.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
Gemälde Alter Meister
| 46
3029
JACOB JORDAENS
(1593 Antwerpen 1678)
Venus und Adonis. Um 1615.
Öl auf Leinwand.
119 × 152 cm.
Gutachten:
Michael Jaffé, 8.2.1995 (in Kopie vorhanden).
Provenienz:
- wohl Auktion, Amsterdam, 16.5.1696.
- wohl Privatsammlung Wigmore Street, London seit dem 18.
Jahrhundert.
- Privatsammlung, London, bis 1989.
- Sammlung Alex Wengraf, London, 1995.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
- wohl Max Rooses: Jordaens’ Leben und Werke, Stuttgart 1890,
S. 282 (als Venus und Adonis, Versteigerung 16.5.1696, Amster-
dam).
- wohl Max Rooses: Jordaens sa vie et ses œuvre, Paris 1906, S.
278.
Diese kürzlich in einer langjährigen Privatsammlung entdeck-
te Darstellung von Venus und Adonis stellt eine bedeutende
Ergänzung des bisher bekannten Frühwerks von Jacob Jordaens
dar, einem der wichtigsten flämischen Barockmaler, der zusam-
men mit Peter Paul Rubens (1577–1640) und Anthonis van Dyck
(1599–1641) die Antwerpener Schule des 17. Jahrhunderts
wesentlich prägte.
Das Werk präsentiert eine Szene aus Ovids Metamorphosen:
Adonis war ein schöner Jüngling und königlicher Waisenknabe,
der seine Zeit mit der Jagd verbrachte. Venus, die Göttin der
Liebe, verliebte sich in ihn, nachdem sie versehentlich von einem
der Pfeile Amors getroffen wurde. Eines Tages, als Adonis alleine
auf die Jagd ging, weckten seine Hunde ein Wildschwein, das ihn
angriff, und obwohl Venus ihm zur Hilfe eilte, kam sie zu spät und
konnte ihn nicht retten. Aus dem Blut ihres Geliebten erschafft
Venus eine zerbrechliche Blume namens Anemone, deren Blüten-
blätter sie im Wind zerstreute.
Bereits in den frühen 1990er-Jahren bestätigte der Jordaens Ex-
perte Roger-Adolf d’Hulst die Eigenhändigkeit unseres Gemäldes
und sah es als wertvolle Erweiterung seines Frühwerks an. Weiter
vergleicht Michael Jaffé 1995 in seinem Gutachten unser Ge-
mälde stilistisch mit dem um 1615 entstandenen „Kampf der La-
pithen und Zentauren“, das eines der frühesten bekannten Werke
Jordaens darstellt (siehe Roger-Adolf d’Hulst: Jacob Jordaens,
Stuttgart 1982, S. 46, Abb. 14). Auch Prof. Dr. Hans Vlieghe und
Brecht Vanoppen vom Rubenianum bestätigen die Eigenhändig-
keit anhand einer Fotografie, wofür wir ihnen danken und datieren
das Gemälde ebenfalls um 1615.
Prof. Vlieghe erkennt dabei die Verwandtschaft mit anderen
Frühwerken von Jordaens in dieser Zeit, u. a. in den Gewandfalten,
der Verkürzung der Figuren und der Darstellung der Hunde, und
nennt in diesem Zusammenhang als stilistischen Vergleich das
Gemälde „Entführung der Europa“, das um 1615–16 entstanden
ist und sich heute in der Gemäldegalerie in Berlin befindet (Inv.-Nr.
81.2, Öl auf Leinwand, 172,6 × 236,2 cm). Brecht Vanoppen hebt
ferner den deutlich sichtbaren Einfluss von Jordaens’ Lehrmeister,
Adam van Noort (1562–1641) in unserem Gemälde hervor.
Wie auch Rubens studierte Jordaens bei Adam van Noort und trat
1615 als Meister in die Sankt-Lucas-Gilde ein. Nur wenige Jahre
später, um 1616–17 nähert sich Jordaens’ Stil bereits stärker
demjenigen von Peter Paul Rubens. 1621 wurde Jordaens zum
Dekan der Lukasgilde und hatte bereits Ende der 1630er-Jahre
sechzehn Schüler und Gehilfen unter sich. In dieser Zeit machte
sich Jordaens einen Namen als „waterschilder“ (Wasserfarbenma-
ler), da er zahlreiche Entwürfe für Wandteppiche und Radierungen
entwarf. Später konzentrierte er sich jedoch auf das Malen mit Öl-
farben, welches gewinnbringender war, und spezialisierte sich auf
die Darstellungen von Genreszenen, Sprichwörtern und mytho-
logischen Szenen. Religiöse Sujets gehörten ebenfalls zu seinem
Repertoire und Jordaens, der zwar öffentlich zum Protestantis-
mus konvertiert war, nahm mehrere Aufträge zur Ausschmückung
katholischer Kirchen im spanisch besetzten Antwerpen an. Nach
Rubens’ Tod 1640 vollendete Jordaens zahlreiche seiner Werke
und etablierte sich als bedeutendsten Künstler Antwerpens, so-
dass er zahlreiche Aufträge von der Kirche, wie auch von Fürsten
und Königen über die Grenzen der Stadt hinaus erhielt. Jordaens
stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, seine Familie gelangte
durch den Tuchwarenhandel zu Wohlstand, der sich für Jordaens
durch die Hochzeit mit der vermögenden Tochter seines Lehr-
meisters, Catharina van Noort (1589–1659), vermehrte. Er besass
mehrere Häuser in Antwerpen, die er mit eigenen Wand- und
Deckengemälden ausschmückte.
Das hier angebotene Gemälde könnte ursprünglich als Decken-
gemälde entstanden sein. Es befand sich laut Michael Jaffé bis
1989 als Deckenausschmückung eines Stadthauses des 18.
Jahrhunderts in der Wigmore Street in London, das heute nicht
mehr erhalten ist. Allgemein dienten mythologische Szenen zu
Lebzeiten von Jacob Jordaens häufig zum Schmuck offizieller
Gebäude, Gildekammern oder Prachtwohnungen höherer Stände
(siehe d’Hulst 1982, S. 52).
CHF 140 000 / 200 000
(€ 129 630 / 185 190)
| 47
Ausklapper
Gemälde Alter Meister
| 48
3030
PIETER CLAESZ. UND ROELOF KOETS
(Berchem um 1597–um 1660 Haarlem) (1592 Haarlem 1655)
Tafel mit Früchtekorb und Weinlaub, Bartmannkrug und Stan-
genglas, grossem Berkemeyer mit Wein auf einem Teller mit
Auster, grossem Rippenstück, Salzfass und Brötchen. Um 1650.
Öl auf Holz.
89 × 122 cm.
Provenienz:
- Sammlung Sir John Turning, Bt.
- Auktion Christie‘s, London, 11.12.1987, Los 14.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Martina Brunner-Bulst: Pieter Claesz, Lingen 2004, Kat.-Nr. 183, S.
182 und 312.
Das hier angebotene Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel
der Zusammenarbeit von Pieter Claesz. mit dem Früchtema-
ler Roelof Koets, der die linke Bildseite ausführte. Koets, der
insgesamt zehn Gemälde mit Claesz. malte, war auf Früchte-
malerei spezialisiert und mit Pieter Claesz. befreundet (siehe
Brunner-Bulst 2004, S. 180–182). Als Paradebeispiel dieser
Zusammenarbeit und Grundlage für alle Zuschreibungen von
gemeinschaftlichen Bildern dieser beiden Maler dient das 1644
datierte und von beiden Künstlern signierte Stillleben, das sich im
Szepmuveszeti Muzeum in Budapest befindet (Inv.-Nr. 53.478,
siehe ebd., Kat.-Nr. 136, Abb. S. 91). Die Doppelsignatur in diesem
Werk belegt, dass sich beide Künstler als gleichwertige Urheber
betrachteten. Andere Werke, in denen einer der beiden Künstler
einen grösseren Anteil ausführte, sind nur von einem der beiden
signiert.
Die hier angebotene Bankettdarstellung, die um 1650 datiert
werden kann, beeindruckt insbesondere durch ihr grosses Format
und die besondere Harmonie in der gemeinsamen Gestaltung,
wie Martina Brunner-Bulst in ihrem Werkverzeichnis hervorhebt
(siehe ebd., S. 182). Die Jahre 1640 bis 1650 zählten dabei zu
den produktivsten des Malers Pieter Claesz., in denen zahlreiche
grossformatige „Banketjes“ und auch kleinere Stillleben hervor-
gingen, so beispielsweise eine prunkvolle Austernmalzeit mit
grossem Römer und silbernem Salzständer von 1643, das sich im
Saint Louis Art Museum befindet (Inv.-Nr. 141:1922, siehe ebd.,
Kat.-Nr. 117, S. 272, Farbabb. S. 81).
Während der heutige Betrachter in der hier angebotenen Darstel-
lung primär eine festliche Mahlzeit vermutet, wird der zeitgenös-
sische Betrachter neben der Zurschaustellung des bürgerlichen
Wohlstands auch die moralische Anspielungen verstanden haben,
wie beispielsweise der Wein und das Brot mit dem Hinweis auf
das Sakrament und die Ermahnung, sich der Vergänglichkeit des
irdischen Lebens und der Besitztümer zu vergegenwärtigen.
Die geöffnete Walnuss, die häufig als Vanitassymbol eingesetzt
wurde, mag diese Bedeutung noch unterstreichen. Dieses Motiv
ist mehrmals im Œuvre von Pieter Claesz. zu finden, so beispiels-
weise in der 1643 datierten Mahlzeit in der Narodni Galerie in Prag
(Inv.-Nr. 0-9970, siehe ebd., Kat.-Nr. 122, S. 276). Dieses, wie auch
das hier angebotene Stillleben, zeichnen sich durch eine ausge-
wählte Licht- und Schattenwahl aus, wodurch die Szene noch
verstärkt an Lebendigkeit gewinnt.
CHF 80 000 / 120 000
(€ 74 070 / 111 110)
| 49
Gemälde Alter Meister
| 50
3031
GERRIT VAN HONTHORST
(1592 Utrecht 1656)
Büssende Maria Magdalena. Um 1625.
Öl auf Holz.
74,3 × 58,3 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby’s, London, 3.4.1985, Los 124.
- Privatsammlung Alex Wengraf, London.
- Schweizer Privatbesitz.
Ausstellung:
Bourg-en-Bresse 2016, Marie Madeleine, La Passion Révélée,
Monastère royal de Brou à Bourg-en-Bresse, 29.10.2016–
5.2.2017, Kat.-Nr. 92.
Literatur:
- Richard Judson: New Light on Honthorst. Hendrick ter Brugghen
und die Nachfolger Caravaggios in Holland , Braunschweig 1988,
S. 113–114, Abb. 149.
- Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe, Turin 1989–1990,
revised and enlarged by Luisa Vertova, Bd. I, S. 123, Bd. III, Abb.
1286 (als bessere Replik).
- Rüdiger Klessmann: Johannes Hertz, ein Nachfolger Cara-
vaggios in Nürnberg. Festschrift für Bruno Bushart, Deutscher
Kunstverlag, 1994, S. 143–144, Abb. 4.
- Richard Judson und Rudolf E. O. Ekkart: Gerrit van Honthorst,
Doornspijk 1999, Kat.-Nr. 84, Abb. XXIX (als Replik nach der Ver-
sion in der Eremitage, St. Petersburg, Inv.-Nr. 6060).
Dieses bedeutende Werk von Gerrit van Honthorst mit der Büs-
senden Magdalena war über mehrere Jahrzehnte nicht mehr auf
dem Kunstmarkt zugänglich und zuletzt in der Ausstellung „Marie
Madeleine, La Passion Révélée“ in Bourg-en-Bresse gezeigt
worden. An der Eigenhändigkeit Gerrit van Honthorsts besteht
kein Zweifel, wie dies Richard Judson und Rudolf E. O. Ekkart in
ihrem Werkverzeichnis darlegen und auch kürzlich Prof. Wayne
Franits nochmals anhand einer Fotografie bestätigt hat, wofür
wir ihm danken. Im Werkverzeichnis wird eine weitere Version
der büssenden Magdalena erwähnt, die sich in der Eremitage in
St. Petersburg befindet (Judson/Ekkart 1999). Wie bei unserer
besteht auch deren Malträger aus drei vertikalen Holztafeln. Beide
Bilder zeichnen sich durch ein eindrückliches Wechselspiel aus
weichen und härteren Partien aus, die besonders durch die Licht-
führung geprägt wird. Benedict Nicolson und Luisa Vertova (siehe
Literatur) bezeichnen unsere Version als die qualitativ bessere.
Gerrit van Honthorst, der am 4. November 1592 in Utrecht als
Sohn des Herman Gerritsz. van Honthorst und dessen Ehefrau
Maria Willemsdr. van der Halm, geboren wurde, stammte aus
einer Künstlerfamilie. Sein Vater, wie auch sein Grossvater waren
Maler. Sein Bruder Herman erhielt eine Ausbildung als Bildhauer
und sein jüngerer Bruder Willem wurde ebenfalls Maler und ging
vermutlich bei ihm in die Lehre. Honthorst erlernte die Malerei
wohl unter dem väterlichen Einfluss, aber vor allem unter Abra-
ham Bloemaert (1564–1651). Um 1610–15 begab er sich auf eine
Studienreise nach Rom, wo ihn besonders Caravaggios Werk ins-
pirierte. Er spezialisierte sich auf nächtliche Ansichten und erhielt
den Beinamen „Gherardo delle Notti“. Zu seinen Auftraggebern
zählten u. a. der Kunstliebhaber und Sammler Marchese Vincenzo
Giustiniani und Kardinal Barberini, späterer Papst Urban VII.
Gerrit van Honthorst war 1620 aus Rom zurückgekehrt, wo er
die Einflüsse Carravaggios (1571–1610) nach Utrecht brachte
und zusammen mit seinen Zeitgenossen Hendrick ter Brugghen
(1588–1629) und Dirck van Baburen (1595–1624) prägend für
den nördlichen Caravaggismus war. Auch seinen Lehrer Abraham
Bloemaert beeinflusste Honthorst nach seiner Rückkehr aus Rom
massgeblich, der die künstlerischen Besonderheiten aus der Heili-
gen Stadt in sein Œuvre einfliessen liess.
Die hier angebotene büssende Magdalena wird in die Jahre um
1625 datiert. Das Thema dürfte besonders den Ideologien der
Gegenreformation der Katholischen Kirche entsprochen haben,
die nach einer Neubesinnung und Purifikation strebten, wofür
Maria Magdalena sinnbildlich steht. Der Betrachter vereint sich mit
der Dargestellten und erfährt somit eine Form der Reinigung und
Kontemplation. Die eindrückliche Lichtführung verleiht der Szene
eine dramaturgische Ausstrahlung und zieht den Betrachter
damals wie heute in bewegter Weise in ihren Bann.
CHF 150 000 / 250 000
(€ 138 890 / 231 480)
| 51
Gemälde Alter Meister
| 52
3031
GERRIT VAN HONTHORST
(1592 Utrecht 1656)
Penitent Mary Magdalene. Circa 1625.
Oil on panel.
73.5 × 58 cm.
Provenance:
- Auction Sotheby’s, London, 3.4.1985, lot 124.
- Private collection Alex Wengraf, London.
- Private collection, Switzerland.
Exhibited:
Bourg-en-Bresse 2016, Marie Madeleine, La Passion Révélée,
Monastère royal de Brou à Bourg-en-Bresse, 29.10.2016–
5.2.2017, cat. no. 92.
Literature:
- Richard Judson: New Light on Honthorst. Hendrick ter Brugghen
und die Nachfolger Caravaggios in Holland, Braunschweig 1988,
pp. 113–114, ill. 149.
- Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe, Turin 1989-1990,
revised and enlarged by Luisa Vertova, Vol. I, p. 123, Vol. III, ill.
1286 (as a better replica).
- Rüdiger Klessmann: Johannes Hertz, ein Nachfolger Cara-
vaggios in Nürnberg. Commemorative publication for Bruno
Bushart, Deutscher Kunstverlag, 1994, pp. 143–144, ill. 4.
- Richard Judson and Rudolf E. O. Ekkart: Gerrit van Honthorst,
Doornspijk 1999, cat. no. 84, ill. XXIX (as a replica after the versi-
on in the Hermitage, St. Petersburg, inv. no. 6060).
This important work by Gerrit van Honthorst with the penitent
Magdalene was not accessible on the art market for several
decades and was last shown in the exhibition „Marie Madeleine,
La Passion Révélée“ in Bourg-en-Bresse. There is no doubt about
Gerrit van Honthorst‘s authorship, as Richard Judson and Rudolf
E. O. Ekkart point out in their catalogue raisonné, and Prof. Wayne
Franits recently confirmed this on the basis of a photograph, for
which we thank him. The catalogue raisonné mentions another
version of the penitent Magdalene, which is in the Hermitage
in St Petersburg (Judson/Ekkart 1999). Like ours, its painting
support consists of three vertical wooden panels. Both pictures
are characterised by an impressive interplay of softly and crisply
rendered elements, particularly accented by the light. Benedict
Nicolson and Luisa Vertova (see literature) describe our version as
the qualitatively better one.
Gerrit van Honthorst, who was born in Utrecht on 4 November
1592 as the son of Herman Gerritsz. van Honthorst and his wife
Maria Willemsdr. van der Halm, came from an artistically influen-
ced family. His father and his grandfather were both painters. His
brother Herman was trained as a sculptor, and his younger brother
Willem also became a painter and probably trained with him.
Honthorst probably learned painting under his father‘s influence,
but above all under Abraham Bloemaert (1564–1651). Around
1610–15 he went on a study trip to Rome, where he was particu-
larly influenced by Caravaggio‘s work. He specialized in nocturnal
views and received the epithet „Gherardo delle Notti“. Among his
clients were the art lover and collector Marchese Vincenzo Giusti-
niani and Cardinal Barberini, later Pope Urban VII.
Gerrit van Honthorst returned from Rome in 1620, from where
he brought the influences of Carravaggio (1571–1610) to Utrecht
and, together with his contemporaries Hendrick ter Brugghen
(1588–1629) and Dirck van Baburen (1595–1624), was an import-
ant proponent of northern Caravaggism. After his return from
Rome, Honthorst also had a decisive influence on his teacher
Abraham Bloemaert, who incorporated the artistic trends of the
Holy City into his oeuvre.
The penitent Magdalene offered here is dated around 1625. The
theme is likely to have corresponded in particular to the ideologies
of the Counter-Reformation of the Catholic Church, which strove
for a new reflection and purification, for which Mary Magdalene
stands symbolically. The viewer unites with the sitter and thus ex-
periences a form of purification and contemplation. The impres-
sive lighting lends the scene a dramatic aura and captivates the
viewer in a moving way, then as now.
CHF 150 000 / 250 000
(€ 138 890 / 231 480)
| 53
Gemälde Alter Meister
| 54
3032*
FRANS FLORIS D. Ä.
(UMKREIS, 3. VIERTEL DES 16. JAHRHUNDERTS)
(1515 Antwerpen 1570)
Die Bejubelung Davids nach dem Kampf mit Goliath.
Öl auf Holz.
Unten rechts mit Monogramm: „HO“.
99 × 141,7 cm.
Provenienz:
Privatsammlung, Norddeutschland.
Diese vielfigurige und farbenfrohe Komposition thematisiert den
feierlichen Einzug Davids nach dem Kampf gegen Goliath, der
Krieger der Philister, wie es im Alten Testament berichtet wird
(Samuel, Kapitel 18, Vers 5-9). Dieser ereignete sich während dem
Krieg zwischen dem Königreich Israel unter König Saul und den
Philistern. Der Hirtenjunge David, der jüngste Sohn Isais (Jesse),
der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und
Käse bringen sollte, ertrug die lästerlichen Verhöhnungen des
Vorkämpfers der Philister, des Riesen Goliath, nicht und tötete
ihn mit einer einfachen Steinschleuder. Daraufhin erkundigte
sich König Saul, wessen Sohn dieser tapfere Junge sei, und liess
ihn an seinen Hof kommen. Das Alte Testament erzählt, wie die
Frauen sangen und jubelten, als David vom Sieg über die Philister
zurückkehrte.
CHF 18 000 / 25 000
(€ 16 670 / 23 150)
| 55
3034
PIETER CRIJNSE VOLMARIJN
(1629 Rotterdam 1679)
Bacchanal.
Öl auf Holz.
38 × 32,3 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Dr. Bert Schepers vom Rubenianum bestätigt die Eigenhän-
digkeit anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
3033*
JAN ADRIAENSZ. VAN STAVEREN
(um 1613 Leiden 1669)
Tronie eines bärtigen Mannes in orientalischer Kleidung.
Öl auf Holz.
15 × 12,1 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
Gemälde Alter Meister
| 56
3035*
JAN VAN GOYEN
(Leiden 1596–1656 Den Haag)
Flusslandschaft mit Blick auf Amerongen. 1651.
Öl auf Holz.
Unten rechts monogrammiert und datiert: VG 1651.
30,7 × 49,4 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dr. Hans-Ulrich Beck bestätigte 2008 die Eigenhändigkeit dieses
Gemäldes in einem Schreiben (in Kopie vorhanden) und wies
dabei insbesondere auf die für die 1650er-Jahre charakteristische
Farbgebung und Motivwahl dieses Werkes hin.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Jan van Goyen registriert.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 27 780 / 37 040)
3036*
HARMEN LOEDING
(um 1637 Leiden um 1673)
Stillleben mit Hummer und Rose.
Öl auf Leinwand.
55,8 × 47,3 cm.
Provenienz:
- Auktion Bonhams, London, 3.12.2014, Los 59.
- Europäischer Privatbesitz.
Dieses Stillleben mit Hummer und Rose ist ein charakteristi-
sches Werk des Leidener Malers Harmen Loeding und entstand
wahrscheinlich in den 1660er-Jahren. Über Loedings Werdegang
ist wenig überliefert. Geboren in Leiden, besuchte er die dortige
Malergilde im Jahre 1664, war vermutlich jedoch schon zuvor als
Maler tätig. Möglicherweise wurde er in der Werkstatt Pieter de
Rings (tätig vor 1648–1660) ausgebildet, dessen Arbeit Loeding
ohne Zweifel massgeblich beeinflusste. Auch der gleichaltrige
Leidener Maler Nicolaes van Gelder (um 1636–1676) scheint auf
Loeding gewirkt zu haben.
Loedings Arbeiten zeichnen sich durch eine detailreiche und
gründlich ausgearbeitete Darstellungsweise aus. Einige Elemen-
te der zur Auktion stehenden Arbeit – wie beispielsweise das
kontrastreich schattierte Weinblatt, die transluzente Zitrone, die
Wurmlöcher auf der Tischplatte – finden sich auch in anderen
Stillleben des Malers, wie sie unter anderem im Frankfurter Städel
oder in der Hamburger Kunsthalle vorhanden sind.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des
Originals, wofür wir ihm danken.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
| 57
Gemälde Alter Meister
| 58
3037*
LUCAS ACHTSCHELLINCK
(1626 Brüssel 1699)
Felsige Landschaft mit Wasserfall und Figuren.
Öl auf Holz.
Unten rechts monogrammiert: LA. 19 × 24,8 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
3038*
JOHANNES HANNOT
(1633 Leiden 1684)
Blumen und Früchte in einer Vase auf einem Tisch. 1664.
Öl auf Holz.
Links auf der Tischplatte monogrammiert und datiert:
IH (ligiert) 1664. 53,8 × 40,8 cm.
Provenienz:
- Sammlung Siegfried Buchenau, Niendorf (als Jan Davidsz. de
Heem).
- Kunsthandel Jacques Goudstikker, Amsterdam, Inv.-Nr. 892 (als
Jan Davidsz. de Heem, verso mit Wachssiegel und Etikett).
- Auktion Koller, Zürich, 21.5.1977, Los 5175 (als Jan Davidsz. de
Heem).
- Auktion Koller, Zürich, 18.3.1999, Los 130 (als Umkreis Jan
Davidsz. de Heem).
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
Amsterdam 1933, Het stilleben, Kunsthandel J. Goudstikker,
18.2.–19.3.1933, Nr. 142 (als Jan Davidsz. de Heem, verso mit
Etikett).
Dieses Blumen- und Früchtestillleben identifiziert Dr. Fred G. Mei-
jer als ein charakteristisches Werk des Leidener Malers Johannes
Hannots, wofür wir ihm danken.
Das heute bekannte Œuvre des Künstlers erscheint relativ
klein, da viele seiner Werke in der Vergangenheit Jan Davidsz. de
Heem (1606–1684) zugewiesen wurden, dessen künstlerischen
Schaffen er besonders nahegestanden hat und sich ebenfalls auf
prunkvolle Stillleben spezialisierte. Gleichfalls war er als Weinhänd-
ler tätig.
Über Johannes Hannots Biografie ist nur wenig bekannt, seine
Werke hingegen geben uns einige Hinweise auf sein künstleri-
sches Schaffen preis. Stilistisch finden sich darin vergleichbare
Eigenschaften zu jenen Werken von Jan Davidsz. de Heem oder
Pieter de Ring (vor 1648–1660). Die Vermutung liegt nahe, dass
Hannot von einem der beiden Künstler unterrichtet worden war.
Entgegen seiner Vorliebe für Stillleben mit Kompositionen von
Früchten, Garnelen, Krebsen, Porzellan und Glas, konzentriert sich
bei dem vorliegenden Bespiel der Schwerpunkt auf ein Blumenar-
rangement aus Tulpen und Rosen, einem eher seltenen Motiv im
Œuvre von Hannot. Hingegen sind die Kirschen in dieser Kompo-
sition ein charakteristisches Merkmal seiner Werke.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 27 780 / 37 040)
| 59
Gemälde Alter Meister
| 60
3039
ANTWERPEN, ENDE 16. JAHRHUNDERT
Bildnis einer Dame im Alter von 28 Jahren.
Öl auf Holz.
Rechts auf dem Ring mit Monogramm: AC. Oben links bezeichnet:
AETATIS 28. Oben rechts bezeichnet: ANo 1522.
99 × 76,5 cm.
Provenienz:
- Basler Privatbesitz, 1951.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 61
3040*
JACQUES DE CLAEUW
(Dordrecht 1623–1694 Leiden)
Vanitasstillleben mit Totenkopf und Violine. Um 1645.
Öl auf Holz.
37 × 47 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Edmond du Robert, Nancy, 1954.
- Auktion Christie‘s, London, 3.9.2000, Los 23.
- Kunsthandel Johnny van Haeften, London, 2002.
- Kunsthandel Otto Naumann, New York.
- Europäischer Privatbesitz.
In der Lukasgilde in Dordrecht, die der Künstler Jacques Adolphsz.
de Claeuw 1642 mitbegründete, finden sich die Anfänge seines
beachtlichen Lebenswerkes. 1646 wurde er Mitglied der Lukasgil-
de in Den Haag und heiratete dort 1649 die Tochter von Jan van
Goyen (1596–1656). 1651 siedelte das Ehepaar nach Leiden über,
wo Claeuw bis an sein Lebensende wohnhaft blieb, mit einem
kurzem Aufenthalt 1666 in Zeeland, wie dies in der Leidener Gilde
vermerkt ist. Auch in Haarlem dürfte der Künstler eine Zeitlang
tätig gewesen sein.
Er spezialisierte sich auf Stillleben, vorwiegend mit Blumen- und
Bankettdarstellungen. Seinen grössten Erfolg verzeichnete De
Claeuw im Bereich der Vanitas-Stillleben, in dem er als Meister
seines Fachs galt. So finden sich diese in einer Vielzahl an Gemäl-
den in seinem Œuvre wieder. Verwelkende Blumen, verglühende
Kerzen, Musikinstrumente, zerknitterte Briefe oder auch mensch-
liche Schädel stehen im Fokus seiner Kunst. In ihrer Symbolik
verkörpern sie die Vergänglichkeit des Lebens, durch die nichts für
die Ewigkeit geschaffen ist, sowie die Flüchtigkeit und die Vergeb-
lichkeit, die das menschliche Dasein umgibt. Eine freie Pinselfüh-
rung, die die Spontanität des Künstlers zum Ausdruck bringt und
dem Gemälde zu einer modernen Erscheinung verhilft, begleitet
diese symbolische Aussagekraft, wie dies auch in dem hier ange-
botenen Stillleben charakteristisch zum Ausdruck kommt.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer
Fotogafie, wofür wir ihn danken, und datiert das hier angebotene
Stillleben um 1645 (schriftliche Mitteilung von 2007).
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Jacques de Claeuw registriert.
CHF 25 000 / 30 000
(€ 23 150 / 27 780)
Gemälde Alter Meister
| 62
3041*
JAN DAVIDSZ. DE HEEM (UMKREIS)
(Utrecht 1606–1684 Antwerpen)
Stillleben mit Früchten, einer Lapislazuli-Schachtel
und einer Wan-Li Schale.
Öl auf Leinwand.
80 × 68,3 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, Berlin.
- Auktion Lempertz, Köln, 18.11.2017, Los 2092.
- Europäischer Privatbesitz.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 63
3042*
JAN VAN GOYEN
(Leiden 1596–1656 Den Haag)
Flusslandschaft mit einem Schloss. 1635.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert: VGoyen 1635.
43,5 × 70,5 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Jean Baptiste Bollermann (1776–1852), Mainz.
- Auktion Scholz  de Zabern, Mainz, 5.9.1853, Los 247.
- Privatsammlung Edmund Hardy (1816–1878), Mainz.
- Auktion Kohlbacker  Bangel, Frankfurt-am-Main, 14.10.1878,
Los 57.
- Privatsammlung Carl Seb. Goedecker.
- Auktion Prestel, Mainz, 8.6.1886, Los 59.
- Privatsammlung, Berlin, um 1920–90.
- Auktion Sotheby’s, London, 12.12.1990, Los 91.
- Europäischer Privatbesitz.
Literatur:
- Cornelis Hofstede de Groot: A catalogue raisonné, London
1927, Bd. VIII, S. 225, Kat.-Nr. 891.
- Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen, Amsterdam 1973, Bd. II, S.
287, Kat.-Nr. 631A.
CHF 50 000 / 70 000
(€ 46 300 / 64 810)
Gemälde Alter Meister
| 64
3043
WYBRAND DE GEEST (UMKREIS)
(1592 Leeuwarden nach 1672)
Bildnis eines edlen Knaben. 1648.
Öl auf Leinwand.
Oben rechts mit Monogramm und datiert: KT. Pict: Ano 1648.
Verso auf der Leinwand bezeichnet: Geh: R. Anud: Thott: Som:
Baren.
101,5 × 75,7 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 65
3044*
JAN PHILIP VAN THIELEN
(vor 1618 Mechelen 1667)
Blumengirlande mit Rosen, Tulpen, Nelken, Maiglöckchen,
Veilchen und Effeu an blauen Schleifen.
Öl auf Holz.
31 × 42 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Wir danken Prof. Claus Grimm für seine Hilfe bei der Katalogisierung
dieses Gemäldes.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
Gemälde Alter Meister
| 66
3045*
JAN MIENSE MOLENAER
(um 1610 Haarlem 1668)
Christus im Haus von Maria und Martha.
Öl auf Holz.
Mittig auf dem Stuhl signiert: Molenaer.
41,5 × 57 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Marchese Giovanni Battista Mansi, Lucca, vor
1969.
- Auktion Christie‘s, London, 29.3.1969, Los 21.
- Galleria Giorgio Caretto, Turin.
- Privatsammlung, Turin, 1969–2009.
- Salomon Lilian, Amsterdam, 2009.
- Galleria Caretto, Turin, 2013.
- Europäischer Privatbesitz.
Literatur:
Dennis P. Weller: Jan Miense Molenaer: The Life and Art of a
Seventeenth-Century Dutch Painter, University of Maryland 1992,
S. 97–98 und 216, Abb. 34 (dort fälschlicherweise als in einer
Schweizer Privatsammlung).
Diese farbenfrohe Darstellung von Christus im Haus von Ma-
ria und Martha, die um 1635 ausgeführt wurde, ist eines der elf
biblischen Sujets, die Jan Miense Molenaer zwischen etwa 1632
und 1646 malte. Die neutestamentarische Geschichte (Lukas 10:
38-42) wird oft in einem Kücheninterieur dargestellt und erzählt
wie Martha, die das Oberhaupt des Haushalts war, Jesus in ihrem
Haus empfing. Ihre Schwester Maria sass dabei neben Jesu und
hörte gebannt seinen Erzählungen zu. Martha, die durch ihre
vielen Aufgaben abgelenkt war, fragte ihn: „Herr, kümmert es dich
nicht, dass meine Schwester mich verlassen hat, um mich die
ganze Arbeit allein erledigen zu lassen? Dann sag ihr, sie soll mir
helfen.“ Aber Jesus antwortete: „Martha, Martha, du machst dir
Sorgen und bist durch viele Dinge abgelenkt; es bedarf nur einer
Sache. Maria hat den besseren Teil gewählt, der ihr nicht wegge-
nommen werden wird.“
Molenaer stellt den Schauplatz dieser religiösen Erzählung sehr
detailliert dar, einschliesslich vieler Stillebenelemente, die in ande-
ren Werken aus dieser Zeit wiederzufinden sind. Der Vorhang, der
über die Tür zu einem anderen Raum hochgezogen wurde, fügt
der Darstellung eine theatralische Dimension hinzu. Die Interak-
tion zwischen den drei Hauptfiguren wird in Gesten erzählt. Die
reichen Farben und Materialien der Gewänder Jesu und Marias
heben sie von den erdigeren Farbtönen der Kücheneinrichtung ab
und betonen so den Kontrast zwischen dem Bereich des Geisti-
gen und demjenigen des Irdischen.
Das hier angebotene Gemälde veranschaulicht die ausserge-
wöhnlich hohe Qualität und Erzählkraft von Molenaers biblischen
Szenen, in denen er religiöse Wahrheiten sichtbar und verständ-
lich vermittelt. Das Gemälde positioniert sich damit an der Grenze
zwischen Religiösem und Genre. Die exquisiten Stilllebenele-
mente, darunter das Gemüse, ein grosser hängender Fasan mit
Kalbskopf, silberne Gefässe auf einer prächtigen blauen Tisch-
decke sowie der verzierte Stuhl Marias weisen auf einen wohlha-
benden Haushalt hin. Die göttliche Erscheinung Jesu in einem
solchen Haushalt macht den Betrachter darauf aufmerksam, wie
wichtig es ist, sich an die Lehre Jesu zu halten, wie sie in den heili-
gen Büchern auf dem Schoss Marias, erzählt werden.
Unser Gemälde entstand in Haarlem, einer Stadt, in der in den
späten 1620er Jahren eine ganze Generation von Künstlern, die
Haarlemer Klassizisten, auf literarische Themen zurückgriffen,
in Anlehnung an die vorherige Generation der Mannieristen, wie
Hendrick Goltzius (1558–1617), Cornelis van Haarlem (1562–
1638) und Karel van Mander (1548–1606). Zu dieser neuen Ge-
neration gehörten neben Jan Miense Molenaer auch Salomon de
Bray (1597–1664) und Pieter de Grebber (um 1600–1654). Dabei
scheint Jan Miense Molenaer sich insbesondere in der Theatrali-
tät der Inszenierung an ein Werk Pieter de Grebbers anzulehnen,
der alttestamentlichen Erzählung „Ester, Ahasveros und Haman“,
welches 1628 entstand und sich im National Museum in Stock-
holm befindet (Inv.-Nr. 448, Öl auf Holz, 73,5 × 94 cm).
Im Inventar, das nach Molenaers Tod 1668 erstellt wurde, sind
mehrere eigene Werke mit religiösen Motiven erwähnt und es ist
gut möglich, dass auch unser Gemälde kein Auftragswerk war,
sondern für den persönlichen Gebrauch des Künstlers gemalt
wurde. Stilistisch kann unser Gemälde mit dem 1633 datierten
Gemälde „Allegorie der Eitelkeit“ verglichen werden, das sich im
Toledo Museum of Art befindet (Inv.-Nr. 1975.21, Öl auf Leinwand,
102 × 127 cm).
Wir danken Dr. Dennis P. Weller für seine Hilfe bei der Katalogisie-
rung dieses Gemäldes.
CHF 30 000 / 50 000
(€ 27 780 / 46 300)
| 67
Gemälde Alter Meister
| 68
3046*
CORNELIS DE HEEM UND DAVID CORNELISZ. DE
HEEM
(Leiden1631–1695Antwerpen)(Antwerpen1663–1701DenHaag)
Blumen in einer Glasvase auf einer Steinplatte mit Insekten und
Aprikosen.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert: C DE HEEM.
54,3 × 42,5 cm.
Provenienz:
- wohl Privatsammlung Loveless.
- wohl Auktion Christie‘s, London, 7.7.1929, Los 65 (als J. van
Huysum).
- Privatsammlung Sir William Churchman, Melton Lodge, 1929.
- Durch Erbschaft, Privatsammlung, bis 1995.
- Auktion Sotheby‘s, London, 6.12.1995, Los 49.
- Kunsthandel Johnny van Haeften, London, 2003.
- Privatsammlung, Niederlande.
- Auktion Sotheby‘s, New York, 29.1.2015, Los 283.
- Europäischer Privatbesitz.
Mit einer ausführlichen schriftlichen Untersuchung von Dr. Fred G.
Meijer, 29.7.2020.
Diesen farbenfrohen und detaillierten Blumenstrauss in einer
Glasvase auf einer Steinplatte identifiziert Dr. Fred G. Meijer
nach Begutachtung des Originals als eine Zusammenarbeit von
Cornelis de Heem und David Cornelisz. de Heem. Es entstand in
Den Haag in dem Zeitraum um ca. 1680 bis ca. 1687, in welchem
Jahr Cornelis nach Antwerpen übersiedelte. Cornelis Jansz. de
Heem war ein Schüler seines Vaters, dem hochgepriesenen Still-
lebenmaler, Jan Davidsz. de Heem (1606–1684). Wie sein Vater
vermittelte auch Cornelis sein künstlerisches Wissen an seinen
Sohn David Cornelisz. de Heem.
Die Zusammenarbeit von Vater und Sohn, Cornelis und David, ist
in mehreren Stillleben belegt, wie beispielsweise in dem Blu-
menstrauss in einer Glasvase (Öl auf Leinwand, ca. 66 x 46 cm)
im Schloss Mosigkau Dessau. Dieses zeigt einige Blumen, die in
unserer Version ebenfalls aufgegriffen sind, wie die rosafarbige
und weisse Rose im Zentrum, die zwei Narzissen, die zwei gelben
Lilien unten links und die Gartenanemonen.
Cornelis Jansz. De Heems Malweise zeichnet sich durch eine
Detailvielfalt und vielschichtige Lasurentechnik aus, wodurch eine
weichere und luzide Erscheinung der Motive, wie bei den Blüten
und Insekten, kreiert wird. Diese sind in unserem Gemälde vor
allem in den Tulpen und den Orangenblättern zu erkennen.
Eine weitere Kollaboration von Cornelis und David belegt die
Blumen- und Früchtegirlande (Öl auf Leinwand, 56 × 69 cm) in der
Sammlung im Hofje van Aerden in Leerdam.
CHF 120 000 / 150 000
(€ 111 110 / 138 890)
3046*
CORNELIS JANSZ. DE HEEM AND DAVID CORNE-
LISZ. DE HEEM
(Leiden 1631–1695 Antwerp) (Antwerp 1663–1701 The Hague)
Flowers in a glass vase on a stone slab with insects and apricots.
Oil on canvas.
Signed lower right: C DE HEEM.
54.3 × 42.5 cm.
Provenance:
- Most likely Loveless private collection.
- Most likely auction Christie‘s, London, 7 July 1929, lot 65 (as J.
van Huysum).
- Sir William Churchman private collection, Melton Lodge, 1929.
- Thence by family descent, private collection, until 1995.
- Auction Sotheby‘s, London, 6 December 1995, lot 49.
- Johnny van Haeften gallery, London, 2003.
- Private collection, Netherlands.
- Auction Sotheby‘s, New York, 29 January 2015, lot 283.
- European private collection.
With a detailed written analysis by Dr Fred G. Meijer, 29.7.2020.
After examining the original, Dr Fred G. Meijer identifies this co-
lourful and detailed bouquet of flowers in a glass vase on a stone
slab as a collaboration between Cornelis Jansz. de Heem and Da-
vid Cornelisz. de Heem. It was painted in The Hague between ca.
1680 and ca. 1687, the year Cornelis moved to Antwerp. Cornelis
Jansz. de Heem was a pupil of his father, the highly praised still life
painter Jan Davidsz. de Heem (Utrecht 1606–1684 Antwerp). Like
his father, he passed on his artistic knowledge to his son, David
Cornelisz. de Heem.
The collaboration of father and son, Cornelis and David, is docu-
mented in several still lifes, for example in the bouquet of flowers
in a glass vase (oil on canvas, ca. 66 x 46 cm) in the Mosigkau Cast-
le in Dessau. This work shows some flowers that are also featured
in our version, such as the pink and white rose in the centre, the
two narcissuses, the two yellow lilies in the lower left and the
poppy anemones.
Cornelis Jansz. De Heem‘s painting style is characterised by a
richness of detail and a multi-layered glaze technique, which
renders subjects like flowers and insects softer and more trans-
parent. In our painting, this can be seen above all in the tulips and
orange leaves.
Another collaboration between Cornelis and David is a garland of
fruit and flowers (oil on canvas, 56 x 69 cm) in the collection of the
Hofje van Aerden museum in Leerdam, the Netherlands.
CHF 120 000 / 150 000
(€ 111 110 / 138 890)
| 69
Gemälde Alter Meister
| 70
3047*
PIETER STALPAERT
(Brüssel 1572–1636 Amsterdam)
Waldlanschaft mit Figuren an einem Fluss.
Öl auf Holz.
Unten rechts auf dem Stein monogrammiert und datiert: PIESTL
(ligiert) 16[?]. fecit.
47,5 × 75,5 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Prof. Dr. Jan de Maere bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer
Fotografie, wofür wir ihm danken.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 71
3048*
JAN BRUEGHEL D. J. UND
(1601 Antwerpen 1678)
HENDRICK VAN BALEN D. Ä. (WERKSTATT)
(um 1575 Antwerpen 1632)
Der Triumph des Bacchus.
Öl auf Kupfer.
32,4 × 42,3 cm.
Gutachten:
Klaus Ertz, 16.6.2010.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Das hier angebotene Gemälde ist ein charakteristisches Werk des
Antwerpener Malers Jan Brueghel d. J., welches Dr. Klaus Ertz in
die 1630er-Jahre datiert. Ertz weist zudem darauf hin, dass die
Figuren von einem Künstler aus der Werkstatt von Hendrik van
Balen ausgeführt wurden, wobei einige qualitativ sehr versiert sind
und an die Malweise des Meisters erinnnern.
Die hier dargestellte Szene mit dem „Triumph des Bacchus“
geht auf Ovid zurück (Fastes, III, 713–771) und beschreibt die
triumphale Heimkehr des Weingottes aus dem kultisch unter-
worfenen Asien. Das Thema wurde in der italienischen Renais-
sance häufig aufgegriffen und in Kupferstichen verbreitet. Diese
Vorbilder dürften Jan Brueghel d. J. und Hendrick van Balen sowie
desssen Werkstatt als Anregung gedient haben.
Jan Brueghel d. J. schuf mehrere mythologische Szenen, insbe-
sondere in den 1620er- bis 1650er-Jahren und beschäftigte sich
dabei immer wieder mit Vorlagen seines Vaters Jan Brueghel d.
Ä. (1568–1625). In unserem Fall dürfte ein berühmtes Werk von
Jan Brueghel d. Ä. und Hendrick van Balen als Inspiration gedient
haben, das um 1610-20 entstanden ist und sich im Art Gallery
and Museum in Glasgow befindet (Inv.-Nr. 57, Öl auf Kupfer, 28,7
× 39,5 cm, siehe Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Jan Brueghel
der Ältere. Kritischer Katalog der Gemälde, Lingen 2008-10, Bd. II,
Kat.-Nr. 340). Dabei unterscheidet sich das hier angebotene Ge-
mälde sowohl kompositorisch wie auch in der Ausführung deutlich
vom Vater und zeugt von der eigenständigen künstlerischen Per-
sönlichkeit Jan Brueghels d. J. In diesem Gemälde schöpfen beide
Maler aus eigenem Gedankengut und verstehen es, alte Vorbilder
mit neuen Formen und eigenen stilistischen Mitteln meisterhaft
zu verknüpfen und so zu neuen Bildinhalten zu kommen.
Zwei Varianten der hier angebotenen Komposition sind bekannt
und zeugen von deren Beliebtheit: die erste befindet sich in der
Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe (Inv.-Nr. 809), die zweite in der
Gemäldegalerie Schloss Weissenstein in Pommersfelden (siehe
Bettina Werche: Hendrick van Balen (1575–1632). Ein Antwer-
pener Kabinettbildmaler der Rubenszeit, Turnhout 2004, Bd. I,
Kat.-Nr. E17).
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
Gemälde Alter Meister
| 72
3049
HENDRIK MOMMERS
(Haarlem um 1623–vor 1693 Amsterdam)
Italienische Landschaft mit Hirten und Schafen.
Öl auf Holz.
Unten rechts schwer leserlich signiert: Mommers.
37 × 44 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung England, vor 2001.
- Schweizer Privatbesitz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Hendrik Mommers registriert.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 73
3050
LUCAS VAN UDEN
(1595 Antwerpen 1672)
Bewaldete Landschaft.
Öl auf Holz.
Unten rechts signiert: lucas van uden.
48 × 73,5 cm.
Provenienz:
- Auktion Tajan, Paris, 10.4.1992, Los 5.
- Auktion Christie‘s, Amsterdam, 6.5.1993, Los 137A.
- Kunsthandel Hoogsteder  Hoogsteder, Den Haag, 1994.
- Schweizer Privatbesitz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Lucas van Uden registriert.
CHF 6 000 / 10 000
(€ 5 560 / 9 260)
Gemälde Alter Meister
| 74
3051*
JAN VAN DALEM
(vor 1610 Brüssel 1662)
Lachender Bacchus. 1662.
Öl auf Leinwand.
Rechts mittig monogrammiert und datiert: J.v.d. f 1662.
74 × 62,8 cm.
Provenienz:
- Auktion Lempertz, Köln, 1993.
- Europäischer Privatbesitz.
Literatur:
Guido M. C. Jansen: Jan van Dalem. The Four Ages of Man, in: B.
Haboldt et. al.: Singular vision: Haboldt  Co.‘s Old master pain-
tings and drawings since 1983, Amsterdam/New York/Paris 2012,
S. 334.
Dieser monogrammierte und 1662 datierte lustige Bacchus
identifiziert Guido M. C. Jansen anhand einer Fotografie als ein
charakteristisches Werk des Brüsseler Malers Jan van Dalem,
wofür wir ihm danken.
Wenig ist über die frühen Jahre des Künstlers bekannt, der ver-
mutlich vor 1610 in Brüssel als Sohn des gleichnamigen Gold-
schmieds geboren wurde. Einem Gemälde zufolge, das signiert
und mit den Worten „in Roma“ bezeichnet ist, führte ihn sein Weg
in die italienische Hauptstadt. Seine Begegnung mit Michelangelo
Merisi da Caravaggio (1571–1610) zeugt von entscheidender
Inspiration, die van Dalem in seine Werke einfliessen liess. So
lassen sich auch in diesem Beispiel Einflüsse Caravaggios in der
Expresivität und Lichtführung nachweisen. Ebenso verkehrte
van Dalem in der Gesellschaft von sogenannten Bamboccianten,
einer Gruppe von Künstlern aus dem Norden Europas, die im
17. Jahrhundert in Rom tätig waren. In ihren Werken stellten sie
vorwiegend das ländliche Leben und südliche Landschaften sowie
auch antike Ruinen und Baudenkmäler dar.
Dem vorliegenden Gemälde „Lachender Bacchus“ wird eine
wichtige Bedeutung zugeordnet, da dieses als eines der wenigen
gesicherten Werke seines Œuvres gilt und vermutlich kurz vor
seinem Tod entstanden ist. Das Motiv des Bacchus greift Jan
van Dalem bereits 1648 in der leicht variierten Version, heute im
Kunsthistorische Museum in Wien (Inv.-Nr. Gemäldegalerie, 1687),
auf, die ebenfalls monogrammiert ist. Dort zeigt sich Bacchus mit
einem Weinglas in der Hand und einem üppigeren Efeukranz auf
seinem Haupt. Eine weitere Version des Bacchus findet sich im
Szépmüvészeti Múzeum in Budapest (Inv.-Nr. 67.9). Eine vierte
Version zu diesem Thema, die einst als ein Werk Salomon de
Braysverstanden wurde, konnte Jansen ebenfalls dem Œuvre Jan
van Dalems zuweisen (siehe Jansen 2012, S. 336–337).
Im selben Jahr wie unser Bacchus, entstand auch ein datiertes
und mit Jan van Dalem voll signiertes Bildnis einer jungen Frau mit
Palmzweig, das heute als verschollen gilt. Mit diesem und unse-
rem Bacchus lassen sich die Eckdaten des Spätwerkes von Jan
van Dalem bestimmen, der kurz darauf verstarb.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
| 75
Gemälde Alter Meister
| 76
3052*
ANTHONIS LISAERT
(1578 Antwerpen nach 1626/27)
Das Jüngste Gericht.
Öl auf Kupfer.
26,5 × 21 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Die Darstellung des Jüngsten Gerichts war ein beliebtes Motiv in
der Werkstatt der Malerfamilie Lisaert. Es wird davon ausgegan-
gen, dass ein Prototyp der Komposition vom Vater, Pieter Lisaert
II., der 1549 Freimeister in Antwerpen war, im Atelier als Vorlage
diente. Eine weitere Version des Jüngsten Gerichts von Pieter
Lisaert IV. (1595–1629) befindet sich im Musée des Beaux-Arts
de Dijon.
Anthonis Lisaert wurde 1614 Freimeister in Antwerpen und nahm
1617 Cornelis de Baellieur (1607–1671) als Lehrling in seiner
Werkstatt auf. Dr. Ursula Härting, welche die Eigenhändigkeit
unseres Gemäldes anhand einer Fotografie mündlich bestätigt
und wofür wir ihr danken, weist diesbezüglich auf eine gewisse
technische Nähe sowohl in der Ausführung wie auch in der Cha-
rakteristik der Figuren zu Baellieurs Werk hin.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 77
3053*
PIETER GALLIS
(Enkhuizen 1633–1697 Hoorn)
Früchtegirlande mit Pfirsichen, Pflaumen, Brombeeren, Nüssen,
Mais und Schmetterling in einer Nische.
Öl auf Leinwand.
Unten links signiert: PGallis.
51 × 41 cm.
Provenienz:
- Duits Gallery, London, vor 1979 (verso mit Etikett).
- Europäischer Privatbesitz.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des
Originals, wofür wir ihm danken.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 27 780 / 37 040)
Gemälde Alter Meister
| 78
3054*
HOLLÄNDISCHE SCHULE, 17. JAHRHUNDERT
Flusslandschaft.
Öl auf Holz.
19,5 × 56,5 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
3055*
HAARLEMER SCHULE, 17. JAHRHUNDERT
Bewaldete Landschaft mit Hirten.
Öl auf Leinwand.
74,5 × 60,5 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 79
3056*
ABRAHAM JANSZ. BEGEYN
(Leiden 1637–1697 Berlin)
Mediterrane Küstenszene.
Öl auf Leinwand.
Unten links signiert: ABegeyn. f.
71 × 89,5 cm.
Provenienz:
- Auktion Dorotheum, Wien, 13.10.2010, Los 642.
- Europäischer Privatbesitz.
Der in Leiden geborene Landschaftsmaler Abraham Jansz.
Begeyn unternahm zahlreiche Reisen nach Italien, England und
Brandenburg und war als Hofmaler unter Kurfürst Friedrich III. in
Berlin tätig.
Seine frühen Werke, so auch das hier angebotene Gemälde,
waren von den Landschaften von Jan Asselijn (1610–1652) und
Nicolaes Pietersz. Berchem (1620–1683) inspiriert. Seine Kennt-
nis der Perspektive wurde besonders gerühmt.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Gemälde Alter Meister
| 80
3057
NICOLAES MAES
(Dordrecht 1632–1693 Amsterdam)
Porträt einer Edeldame. 1691.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert und datiert: N MAE. 1691.
61,5 × 50 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby‘s, London, 19.4.2005, Los 184.
- Schweizer Privatbesitz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Nicolaes Maes registriert.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 81
3058
WILLEM VAN HERP D. Ä.
(um 1613 Antwerpen 1677)
Christus vor Kaiphas.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts Reste einer Signatur: G. V. Herp.
109,8 × 162 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Louis P. Durr, New York, bis 1880.
- Gallery of Art of the New York Historical Society, New York,
1882–1995.
- Auktion Sotheby’s, New York, 12.1.1995, Los 29.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Catalogue of the Gallery of Art of the New York Historical Society,
New York 1915, S. 107, Kat.-Nr. D-46.
Willem van Herp war ein vielseitiger Künstler, der sich insbeson-
dere auf die Darstellung historischer Bildthemen spezialisierte
und mit verschiedenen Künstlern zusammenarbeitete, darunter
Erasmus Quellinus II. (1607–1678) und Anton Goubau (1616–
1698). Das zur Auktion angebotene Werk befand sich einst in der
Sammlung der New York Historical Society, wo es, gemeinsam mit
zwei weiteren von van Herp ausgeführten Tafeln, rund 100 Jahre
verwahrt wurde. Die Tafeln haben gemein, dass sie Szenen aus
der Passion Christi zeigen und damit möglicherweise Teil einer
umfangreicheren Bildserie waren.
CHF 25 000 / 40 000
(€ 23 150 / 37 040)
Gemälde Alter Meister
| 82
3059
ISAACK LUTTICHUYS (UMKREIS)
(London 1616–1673 Amsterdam)
Porträt eines edlen Herren.
Öl auf Leinwand.
115 × 93,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 83
3060
JAN VAN VUCHT
(1603 Rotterdam 1637)
Kircheninterieur mit Figurenstaffage.
Öl auf Holz.
59 × 83,7 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Charakteristisch für Jan van Vucht sind imaginäre Kircheninteri-
eurs mit reduzierter Figurenstaffage, die symmetrisch kompo-
niert sind und in denen er wiederkehrende Ausstattungselemente
beliebig kombinierte. Vergleichbare Kompositionen des Künstlers
befinden sich beispielsweise in der Kunsthalle Bremen (Inv.-Nr.
150-1833/99, siehe Bernard G. Maillet: Intérieurs d‘églises 1580–
1720. La peinture architecturale des écoles du Nord, Wijnegem
2012, Kat.-Nr. M1712) und im Museum Boijmans van Beuningen in
Rotterdam (Inv.-Nr. 1945, siehe ebd., Kat.-Nr. 1723).
Bernard G. Maillet bestätigt die Eigenhändigkeit des hier angebo-
tenen Gemäldes anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
Gemälde Alter Meister
| 84
3061
JAN FRANS VAN BLOEMEN genannt ORIZONTE
(Antwerpen 1662–1749 Rom)
Mediterrane Landschaft mit Figuren.
Öl auf Leinwand.
74,5 × 99,3 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Das hier angebotene Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein
eigenhändiges Werk von Jan Frans van Bloemen registriert. Ellis
Dullaart vom RKD, Den Haag, datiert es aufgrund seiner deutlich
italianisierenden Elemente im Anschluss an Bloemens Reise nach
Italien 1689.
CHF 18 000 / 28 000
(€ 16 670 / 25 930)
| 85
Gemälde Alter Meister
| 86
3062*
ROM, 17. JAHRHUNDERT (NACH CARLO MARATTA)
(Camerano 1625–1713 Rom)
Danae.
Öl auf Holz.
31 × 40 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dieses Gemälde greift einen Stich auf, der sich im British Museum
in London befindet (Inv.-Nr. P_1877-1013.1030) und auf eine
Komposition Carlo Marattas zurückgeht.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 87
3063
LEANDRO BASSANO
(Bassano 1557–1622 Venedig)
Moses schlägt Wasser aus dem Stein.
Öl auf Leinwand.
94,5 × 127 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Die hier angebotene Komposition ist in einer weiteren Version von
Leandro Bassano bekannt, die sich in der Gemäldegalerie in Dres-
den befindet (Inv.-Nr. 256, Moses am Felsenquell, 113 × 175 cm).
Dabei ist anzumerken, dass unser Gemälde qualitativ hochwerti-
ger gefertigt ist und sich in einigen Abweichungen im Himmel, in
der Landschaft, in der Verteilung der Zelte und Gesteine sowie bei
den Figuren mittig von der Dresdner Version unterscheidet.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Gemälde Alter Meister
| 88
3064
FAUSTINO BOCCHI
(1659 Brescia 1742)
Grotteske Szene mit Zwergen, Katze und Meerschweinchen.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts schwer leserlich signiert und bezeichnet: FAUSTIN.
BOCH F. BRECIA.
72 × 95 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel Max Wydler, Zürich, 1956.
- Seither in Schweizer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 89
3065*
SIMONE PIGNONI (ZUGESCHRIEBEN)
(1611 Florenz 1698)
Martyrium der heiligen Barbara.
Öl auf Leinwand.
144,5 × 188 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dieses sehr qualitätsvolle und imposante Gemälde, das kürzlich
in einer Privatsammlung entdeckt wurde, ist stilistisch sehr nahe
am Œuvre von Simone Pignoni. Es könnte möglicherweise aber
auch von seinem besten Schüler, Francesco Botti (1640–1711),
gefertigt worden sein.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 27 780 / 37 040)
Gemälde Alter Meister
| 90
3066*
GIACOMO CERUTI (UMKREIS)
(1698 Mailand 1767)
Gemäldezyklus: Vier Genredarstellungen mit Strassenkindern.
Öl auf Leinwand.
Je 128 × 96 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 8 000 / 10 000
(€ 7 410 / 9 260)
| 91
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Koller Gemalde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts sep 2020 2

  • 1. Auktion: 25. September 2020 GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH.
  • 2. IBID 114: 29. SEPTEMBER - 1. OKTOBER 2020 17. bis 21. September, 10–18 Uhr, 22. September, 10–16 Uhr SCHMUCK, MÖBEL, UHREN & VARIA, PORZELLAN, BACKMODEL GEMÄLDE, ALTE GRAPHIK & ZEICHNUNGEN, BÜCHER IBID ALTEGRAFIK&ZEICHNUNGEN Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020 IBID BÜCHER & AUTOGRAPHEN Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020 IBIDMÖBEL,UHREN,VARIA,SKULPTUREN Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020 IBID SLG. BACKMODEL Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020 IBID PORZELLAN Bieten ab 15.09. bis 30.09.2020 IBID SCHMUCK Bieten ab 15.09. bis 29.09.2020 IBID GEMÄLDE Bieten ab 15.09. bis 1.10.2020 AUKTIONSPROGRAMM AUKTIONEN IBID 114 / A194 - SEPTEMBER 2020
  • 3. MÖBEL, PENDULEN, SKULPTUREN, PORZELLAN Donnerstag,24.09.2020,10.00 Uhr Lot 1001 – 1159 PORZELLAN SAMMLUNG DUCRET Donnerstag,24.09.2020,14.00 Uhr Lot 1201 – 1376 WAFFEN & RÜSTUNGEN SAMMLUNG SIEGRIST Donnerstag,24.09.2020,17.00 Uhr Lot 1401 – 1442 TEPPICHE Donnerstag,24.09.2020,17.30 Uhr Lot 1501 – 1567 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch DECORATIVEARTS A194 SEPTEMBER2020 Auktion: 24. September 2020 DECORATIVE ARTS Porzellane aus dem Nachlass R. Schmidt-Ducret Waffen aus der Sammlung M. Siegrist Möbel, Uhren, Skulpturen, Teppiche BÜCHER Mittwoch, 23.09.2020, 14.00 Uhr Lot 101 – 253 BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN Mittwoch, 23.09.2020, 16.00 Uhr Lot 501 – 547 SEPTEMBER2020 Auktion: 23. September 2020Auktion: 23. September 2020 BÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHENBÜCHER, BUCHMALEREI & AUTOGRAPHEN BÜCHER,BUCHMALEREI&AUTOGRAPHEN A194 ALTE GRAFIK Freitag, 25.09.2020, 10.00 Uhr Lot 3601 – 3634 ZEICHNUNGEN Freitag, 25.09.2020, 10.30 Uhr Lot 3401 – 3496 GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JH. Freitag, 25.09.2020, 14.00 Uhr Lot 3001 – 3107 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch A194 SEPTEMBER2020GEMÄLDEALTERMEISTERUNDDES19.JH.,ZEICHNUNGENUNDALTEGRAPHIK Auktion: 25. September 2020 GEMÄLDE ALTER MEISTER & DES 19. JH. ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAPHIK Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz VORBESICHTIGUNG 17. bis 21. September, 10–18 Uhr 22. September, 10–16 Uhr
  • 4. Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen. EURO-Schätzungen Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung. Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken. Gemälde Alter Meister   S. 1 Gemälde des 19. Jahrhunderts   S. 135 Zeichnungen des 15. – 20. Jahrhunderts   S. 169 Alte Graphik   S. 193 Künstlerregister   S. 196 Adressen    S. 199 Auktionsbedingungen    S. 204 Auction Conditions   S. 206 Conditions de vente aux enchères   S. 208 Auktions-Auftrag   S. 210 AUKTIONEN Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz
  • 5. Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts Lot 3001 – 3107 AUKTION Freitag, 25. September 2020, 14.00 Uhr VORBESICHTIGUNG 17. -21. September, 10-18 Uhr, 22. September, 10-16 Uhr English descriptions and additional photos: www.kollerauctions.com Stéphanie Egli Tel. +41 44 445 63 32 egli@kollerauktionen.ch Karoline Weser Head of Department Tel. +41 44 445 63 35 weser@kollerauktionen.ch Sabrina Hagel Tel. +41 44 445 63 31 hagel@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Tel. +41 44 445 63 62 wepler@kollerauktionen.ch Weitere Bearbeitung: Laura Järmann, Daniela Maier
  • 6. Gemälde Alter Meister | 2 3001 FLORENTINISCHER MEISTER, UM 1400 Kreuzigung Christi. Goldgrund und Tempera auf Holz. 58 × 31 cm. Gutachten: Mina Gregori, 10.10.1976 (als Umkreis Agnolo Gaddi (um 1350 Florenz 1396), Gutachten in Kopie vorhanden). Provenienz: - Kunsthandel Pino Donati, Lugano. - Schweizer Privatbesitz. Vorliegende Tafel mit der Kreuzigung Christi lässt sich in der Tradi- tion der spätgotischen Malerei ansiedeln, wie auch im Gutachten von Mina Gregori erwähnt ist, die das Werk dem Umkreis von Ag- nolo Gaddi (um 1350–1396) zuschreibt. Das aus Bildideen der flo- rentinischen Malerei um Bernardo Daddi (1280–1348) geschöpfte Kreuzigungsbild lässt spätgotische Tendenzen erkennen, wie sie gegen 1400 von Lorenzo Monaco (1350–1425) in vollendeter Manier formuliert wurden. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520)
  • 7.
  • 8. Gemälde Alter Meister | 4 3002 CATARINO DI MARCO DA VENEZIA (UMKREIS), WOHL MARCO DI MARTINO DE ROXATIS (tätig in Venedig, 14. Jahrhundert) (tätig in Venedig um 1375) Die Heilige Christina von Bolsena. Um 1375. Tempera auf Holz. Oben links bezeichnet: S[ancta] XP[isti]NA. 98 × 39,5 cm. Gutachten: Prof. Andrea De Marchi, 6.7.2020. Provenienz: - Auktion Fischer, Luzern, 21.–22.6.1968, Los 69 (als Paolo Veneziano). - Auktion Fischer, Luzern, 12.–16.11.1974, Los 1755 (als Lorenzo Veneziano). - Schweizer Privatbesitz. Diese eindrucksvolle Tafel wurde sehr wahrscheinlich als autono- mes Bild zu Ehren der dargestellten Heiligen Christina geschaf- fen. Die in einem äusserst reich ornamentierten Kleid und rotem Mantel dargestellte Heilige kann dank der Inschrift XP[isti]NA als Heilige Christina identifiziert werden. Diese wurde in Venedig besonders verehrt. Die Heilige Christina erscheint in dieser Tafel als imposante Figur, deren leichte Körperdrehung und Blick auf den Bildbetrachter gerichtet sind. Mit ihrer Linken hebt sie ihren roten Mantel leicht an, als wolle sie dem vor ihr knienden betenden Stifter Schutz gewähren. Die vorliegende Tafel wurde aufgrund ihres archaisierenden Er- scheinungsbildes in der Vergangenheit mit dem Gründervater der venezianischen Malerei, Paolo Veneziano (um 1333–1358), sowie mit Lorenzo Veneziano (1336–1379) in Zusammenhang gebracht (siehe Provenienz Fischer Luzern 1968 und 1974). Wie Prof. Dr. Gaudenz Freuler hervorhebt, deuten die naturalistischen Tenden- zen des Stifterprofils sowie die technischen Details der Goldde- koration jedoch auf eine spätere Entstehungszeit, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, hin. Auch wenn die eindrucksvolle, höchst raffiniert gemalte Tafel in Observanz von Paolo Venezia- nos Kunst angesiedelt werden kann, ist sie wahrscheinlich in den Jahren um 1370–80 entstanden. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 80 000 / 120 000 (€ 74 070 / 111 110)
  • 9.
  • 10. Gemälde Alter Meister | 6 3003 GIROLAMO DA BRESCIA (ZUGESCHRIEBEN) (um 1490 Florenz 1529) Der Heilige Antonius von Padua und der Heilige Nicolo da Tolentino. Tempera auf Holz. 123,5 × 42,2 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. Literatur: - Lionello Puppi: Giovanni Buonconsiglio detto Marescalco, in: Rivista dell‘Istituto Nazionale d‘Archeologia e Storia dell‘Arte, Jg. XIII-XIV, 1964–1965, S. 358, Abb. 76–77 (als Giovanni Speranza ?). - Walter Angelelli und Andrea G. De Marchi: Pittura dal Duecento al primo Cinquecento nelle fotografie di Girolamo Bombelli, Mailand 1991, S. 260, Kat.-Nr. 549 (als Giovanni Speranza, cerchia di ?). - Mauro Natale: Alberto e Martino Piazza: problemi aperti, in: I Piazza da Lodi. Una tradizione di pittori nel Cinquecento, Mailand 1989, S. 110, Anm. 11. - Francesco Frangi: Girolamo da Brescia, pittore carmelitano, in: Arte Cristiana, Jg. 82, 1994, S. 408–409, Anm. 31. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670)
  • 11. | 7
  • 12. Gemälde Alter Meister | 8 3004 MAESTRO DI SAN JACOPO A MUCCIANA (tätig um 1390 Florenz 1420) Madonna mit Kind und den Heiligen Franziskus und Katharina. Goldgrund und Tempera auf Holz. 38,5 × 20,5 cm. Gutachten: Mina Gregori, 14.7.1971 (in Kopie vorhanden). Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Die vorliegende Tafel kann zweifellos dem nach seinem datierten Altarwerk aus der Kirche San Jacopo a Mucciana benannten an- onymen florentinischen Künstler zugewiesen werden. Sicherlich war die Tafel einst zentrales Element eines kleinen Flügelaltars, dessen seitliche Elemente noch unbekannt sind. Das Œuvre unseres anonymen Meisters wurde erstmals 1946 von Richard Offner (Offner, Parke-Bernet Galleries, New York, 5.– 6.6.1946, Los 149) unter der provisorischen Bezeichnung Meister X identifiziert. Dieser provisorische Œuvrekatalog wurde in der Folge von Federico Zeri (La mostra „Arte in Valdelsa“ a Certaldo, in: Bollettino d’arte, Ser. 4, Vol. 48, Juli–September 1963, S. 247) und von Miklos Boskovits (M. Boskovits: Pittura Fiorentina alla vigilia del Rinascimento, Florenz 1975, S. 238, Nr. 164) erweitert, die den Maler nach seinem bereits erwähnten Altarbild aus San Jacopo in Mucciana tauften. In den nachfolgenden Jahren nahm das Œuvre des Maestro di San Jacopo a Mucciana um zahlreiche Werke zu. Die künstlerischen Wurzeln unseres Malers reichen weit zurück bis hin zu Bernardo Daddi (1290–1348) und zum Milieu der Brüder Orcagna. Unter dem Einfluss von Agnolo Gaddis (um 1350–1396), in dessen Umkreis er womöglich ausgebildet wurde, und auch Lo- renzo Monacos (um 1370–1425) schloss sich der Meister von San Jacopo a Mucciana den sich in Florenz ausbreitenden gotischen Tendenzen an. Er reiht sich unter die spätgotischen Florentiner Maler, wie Giovanni di Tano Fei (tätig 1384–1405), Maestro di Sant’Ivo (um 1255–1318), Scolaio di Giovanni (um 1386–1434) und andere ein. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520)
  • 13.
  • 14. Gemälde Alter Meister | 10 3005 GIOVANNI DEL BIONDO (Pratovecchio 1356–1399 Florenz) Madonna dell’Umiltà und zwei Engel. Tempera und Goldgrund auf Holz. 95,5 × 61 cm. Gutachten: Prof. Andrea De Marchi, 23.7.2020. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Die bisher unveröffentlichte Tafel mit der Darstellung der Ma- donna dell’Umiltà, die im Beisein von zwei anbetenden Engeln ihr Kind stillt, zählt zum Œuvre des erfolgreichen florentinischen Malers Giovanni del Biondo. Das hier dargestellte Bildthema der demütig am Boden sitzenden Muttergottes mit Kind, das sich auf eine Komposition Simone Martinis (1284–1344) zurückführen lässt (Portal von Notre-Dame des Doms in Avignon), war in Italien, insbesondere in der Toskana, im Verlauf der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sehr beliebt. Bei der in der Auktion angebotenen Madonna dell’Umiltà handelt es sich um eine florentinische Umformung des Bildthemas, wie es um ca. 1350, beispielsweise im Werk des Maestro di San Lucchese (um 1340–1370) verkörpert wurde. Ein weiterer florentinischer Typus dieses Motivs entwickelte sich innerhalb der Werkstatt der Brüder Orcagna (Andrea (gest. nach 1368) und Jacopo di Cione (um 1325–1390)) (Washington National Gallery) und wurde auch von Don Silvestro di Gherarducci (um 1339–1399) (Florenz, Galle- ria dell’Accademia) tradiert. Giovanni del Biondo setzte im Laufe seines Schaffens mehrere Varianten dieses Bildsujets um. Dementsprechend ist aus seiner Werkstatt eine stattliche Anzahl Gemälde hervorgegangen, die das Thema der Madonna dell’Umiltà variierend interpretieren. In seinem jüngsten Gutachten postuliert Andrea De Marchi für un- sere Tafel eine späte Entstehungszeit, gegen 1390. Diese letzten Schaffensjahre del Biondos standen im Zeichen einer zunehmend expressiven Erstarrung seiner Figuren und des Versuchs, die plas- tische Monumentalität seiner Figuren spätgotischen Tendenzen anzupassen. Laut Prof. Dr. Gaudenz Freuler zeigt unsere Madonna dell‘Umiltà Tendenzen einer seelischen Kommunikation mit dem Bildbetrachter, wie sie auf einer gegen 1380 datierbaren Madonna in italienischem Privatbesitz (ehemals Sammlung Chalandon in Parcieux Già Firenze) zu greifen sind. Dies deutet darauf hin, dass die Entstehungszeit des vorliegenden Madonnenbildes wohl in die frühen 1380er-Jahre anzusetzen ist. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 90 000 / 140 000 (€ 83 330 / 129 630)
  • 15.
  • 16. Gemälde Alter Meister | 12 3006* SIENESISCHER MEISTER, UM 1440 Madonna mit Kind. Tempera und Goldgrund auf Holz. 48 × 33 cm. Gutachten: Dr. Federico Giannini, als Benedetto di Bindo (Siena 1370–1417 Perugia) (Gutachten in Kopie vorhanden). Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Die bislang unveröffentlichte Tafel mit der Madonna mit Kind in Halbfigur entstammt der Hand eines Sienesischen Meisters und entstand um 1440. Ein Gutachten von Dr. Federico Gian- nini verwendet sich für eine Autorschaft Benedetto di Bindos (gest. 1419), der zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Siena und in Umbrien wirkte. Ganz im Zeichen der Zeit wandte sich Bindo, wie viele andere sienesische Künstler, der Wiederbelebung Simone Martinis (1284–1344) Kunst zu. Dieser Ansicht folgt auch Carl Brandon Strehlke, der darüber hinaus Bezüge zu Andrea di Bartolo (1360–1428) sieht. Eine früher geäusserte mündliche Meinung vertrat eine Zugehörigkeit in den Umkreis des höchst produktiven sienesischen Malers Sano di Pietro (1406–1481), namentlich zu dessen Frühwerk (um 1430–40), der von der Kunstgeschichte lange unter dem Notnamen „Maestro dell’ Osservanza“ geführt wurde. Der lineare Zuschnitt des Madonnengesichts ist zweifelsfrei eine Fortführung der mechanisch von Simone Martini abgeleiteten linearen Formeln, wie sie im Werk des Andrea di Bartolo gleich wie in Benedetto di Bindos zu greifen sind und auch Ausgangspunkt für die Madonnen der späteren Malergeneration Sienas, eines Sano di Pietro oder des frühen Giovanni di Paolo (1403–1482), waren. Eine Zugehörigkeit zur frühen im späten 14. Jahrhundert formierten Generation um Andrea di Bartolo und Benedetto di Bindo erweist sich als unzutreffend für den hier beobachtbaren Versuch der naturalistischen Wiedergabe der Stoffe. Dieser Aspekt fällt besonders deutlich in der sorgfältigen Wiedergabe der Knitterfalten des Hemdchens des Jesusknaben ins Auge. Generell ist die Erscheinung des Jesusknaben von beachtlicher Anmut und Eleganz. Solche Tendenzen der stofflichen Wiederga- be sind in Sano di Pietros Frühwerk zu beobachten und verbreiten sich in der sienesischen Kunst erst später (ab 1435–40) über Vec- chiettas (1410–1480) Erfahrungen mit florentinischen Renaissan- ce Malern. Wir neigen zur Vermutung, dass dieses Bild von einem Sano di Pietro nahestehenden sienesischen Zeitgenossen um ca. 1440 gemalt wurde. Die künstlerische Nähe zu Sano di Pietros Werkstatt ist auch in der Nimben Punzierung (eine Ellipse in Kreis) zu ermitteln. Wir vermuten, dass es sich hier um einen zuweilen etwas retrospektiven sienesischen Maler der Künstlergeneration Sano di Pietros handelt, der Vecchiettas künstlerischen Neue- rungen zwischen 1435 und 45 punktuell umzusetzen vermochte. Deshalb scheint für unsere Madonna eine Entstehungszeit gegen 1440 wahrscheinlich. CHF 35 000 / 45 000 (€ 32 410 / 41 670)
  • 17.
  • 18. Gemälde Alter Meister | 14 3007 CRISTOFORO DI BINDOCCIO UND MEO DI PERO (tätig in Siena um 1350–1407) Thronende Madonna mit Kind im Beisein von Johannes d. Täufer, Petrus, Paulus und Maria Magdalena sowie Schmerzensmann im Giebel. Um 1380–90. Tempera und Goldgrund auf Holz. 52,4 × 22,5 cm. Provenienz: - Sammlung James S. Harlan (verso mit Etikett). - wohl Auktion Christie‘s, New York, 1978. - Auktion Sotheby‘s Parke Bernet, New York, 9.1.1980, Los 21. - Privatsammlung Saint Louis (Missouri), 1982. - Galerie Antichità Scardeoni, Mendrisio/Lugano, 1982. - Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. Ausstellung: Arte Sacra dal XIV al XVII Secolo, Museo d`arte Sacra, Mendrisio, 17.3.1984–17.6.1984 (als Paolo di Giovanni Fei). Literatur: - Serena Padovani: Sulla traccia di Cristoforo di Bindoccio e Meo di Pero, in: Bolletino d‘arte, Bd. XV, 1982, S. 55–98. - Ausst.–Kat. Arte Sacra dal XIV al XVII Secolo, hrsg. von Silvano Colombo, Mendrisio 1984, S. 1–19, Abb. 4 (als Paolo di Giovanni Fei). - Serena Padovani: Un aggiornamento del Catalogo di Cristoforo di Bindoccio e Meo di Pero, in: Opere e Giorni. Studi su mille anni d’ arte europea dedicati a Max Seidel, Venedig 2001, S. 223–230, Abb. 10. Vorliegende Tafel mit einer Maestà ist das zentrale Element eines kleinen Triptychons zur Privatandacht. Anlässlich ihrer Versteigerung in New York (1980), wurde die Tafel dem anony- men, nach seiner Altartafel in San Leolino in Panzano benannten sienesischen Maler aus dem Umfeld des Luca di Tommè (um 1330–1389) zugewiesen. Alsbald wurde die Zuschreibung an den Meister von Panzano (tätig im 14. Jahrhundert) von Serena Pado- vani mit Recht verworfen, die es dem unter den Namen Cristoforo di Bindoccio und Meo di Pero signierenden sienesischen Malerge- spann zuwies (Padovani 1982). Wohl in Unkenntnis der überzeu- genden Zuschreibungsthese Serena Padovanis von 1982, wurde das Bild – nun im Besitz von Bruno Scardeoni – nur zwei Jahre später anlässlich einer Ausstellung in Mendrisio (Tessin) als ein Werk des sienesischen Malers Paolo di Giovanni Fei (1345–1411) verstanden. Serena Padovani hat jüngst die Autorschaft Cristo- foro di Bindoccios und Meo di Peros, die diesem Katalogeintrag zugrunde liegt, erneut bestätigt (Padovani 2001). Die chronologischen Eckpfeiler der beiden Künstler sind die gemeinsam signierten Freskenzyklen in der Cappella del Manto im Ospedale Santa Maria della Scala in Siena („Hoc opus pinserunt Cristofanus magistri Bindocci et Meus Peri de Senis M.CCC.LXX“) und der Zyklus mit dem Marienleben in der Apsis der Kirche S. Maria in Campagnatico. Dort kamen durch eine Restaurierung in den Jahren 1979 und 1980 die Künstlersignatur und das Entste- hungsjahr 1393 zum Vorschein („Questa chappella di Sca Maria fecer dipegnare / e loperari nomati cioè Giacomo Vannucci / e Fruosino Donati maestri cioè Cristofano del maestro Bindocio / e Meio di Pero dipentori / da Siena e‘ q[u]ali Dio guardi / dogni cosa ria / e lanni domini / M.O.C.C.C. LXXXXIII / al tempo di ...“). Vorliegende Tafel lässt sich, ebenso wie ein sehr ähnliches Ex- emplar in der Städelschen Kunstsammlung in Frankfurt am Main (Inv.-Nr. 996A) und ein weiteres in einer Prateser Privatsammlung (Padovani 1982, 2001), am ehesten in der späten Schaffensphase der Maler um circa 1380–1400 ansiedeln. In dieser Zeit orientier- ten sie sich an den glanzvollen spätgotischen Flügelaltärchen des Paolo di Giovanni Fei. In der Folge lösten sie sich also zugunsten einer hochgotischen Formensprache von ihren früheren, etwas schwerfällig erscheinenden Interpretationen der Gemälde von Pietro Lorenzetti (um 1280–1348) und seinen Nachfolgern Niccolò di Ser Sozzo (tätig um 1334–1363), Biagio di Goro Ghezzi (1325–1384) und Luca di Tommè (tätig um 1355–1389). Wer im Einzelnen für die Ausführung der gemeinsam signierten Gemälde verantwortlich war, ist nicht klar. Doch wird vermutet, dass Cristoforo di Bindoccio innerhalb dieses Malergespanns die treibende Kraft war, während Meo di Pero vermutlich mehr für die ökonomischen Aspekte des Malerunternehmens zuständig gewesen ist. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
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  • 20. Gemälde Alter Meister | 16 3008 BERNARDINO LANINO (Mortara 1512–1578 Vercelli) Heiliger Hieronymus. Öl auf Holz. 32 × 17,6 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. Das elegante Gemälde mit dem als Denker dargestellten Kirchen- vater und Bibelexegeten Hieronymus ist ein charakteristisches Gemälde des Bernardino Lanino. Der auf Gaudenzio Ferraris (um 1477/1478–1546) Typenrepertoire fussende bärtige Heilige mit seinem aufwärts gerichteten Blick erscheint wiederholt in ähn- licher Form im Werk Laninos. So etwa beim Heiligen Nikodemus des auf 1545 datierten Gemäldes mit der Beweinung Christi in der Galleria Sabauda oder dem Bärtigen am linken Bildrand der beiden Versionen des Letzten Abendmahls in San Nazaro in Mailand und im Santuario della Madonna in Oropa. Letzteres ist vermutlich mit Werkstattbeteiligung entstanden. Im Vergleich zu Laninos späteren Gemälden, erscheint uns der Heilige etwas freier und summarischer ausgeführt. Ähnliches kann für Laninos Frühwerk festgestellt werden, wie zum Beispiel für die um 1540 freskierten Lünetten über den Portalen der Kirche San Sebastiano in Biella. Die hier erkennbare engere Beziehung zur Kunst Gaudenzio Ferraris, mit dem er von 1530 bis zu dessen Übersiedlung nach Mailand zusammenwirkte, um nach dessen Tod auch in der lom- bardischen Metropole sein künstlerisches Erbe zu übernehmen, lässt vermuten, dass das Werk in einer frühen Schaffensphase des Künstlers entstanden ist. Aufgrund der oben genannten Stilbezü- ge unserer Tafel zu Laninos frühen Fresken in Biella von circa 1540 und zum erwähnten datierten Gemälde in der Galleria Sabauda (1545) spricht einiges für eine Entstehungszeit um 1540–45. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 21. | 17 3009 GIACOMO FRANCIA (1484 Bologna 1557) Maria mit Kind vor einer Landschaft. Öl auf Holz. 36,5 × 26,7 cm. Provenienz: - Auktion Fischer, Luzern, 6.11.1981, Los 1623. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Emilio Negro und Nicosetta Roio: Francesco Francia e la sua scuo- la, Modena 1998, S. 168, Kat.-Nr. 40 (als Schule von Francesco Francia). CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 22. Gemälde Alter Meister | 18 3010* PIETER COECKE VAN AELST (NACHFOLGER DES 16. JAHRHUNDERTS) (Aalst 1502–1550 Brüssel) Flügel eines Triptychons: Anbetung der Hirten. Öl auf Holz. 60,7 × 28,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) 3011 TOMASO D’ANTONIO MANZUOLI genannt MASO DA SAN FRIANO (um 1531 Florenz 1571) Madonna mit Kind und Johannes dem Täufer. Öl auf Holz. 60,5 × 43 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby’s, London, 21.3.1973, Los 50. - Kunsthandel Colnaghi, London, 1978. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Luisa Vertova: Il prestigio delle corti e il clan dei Traballesi, in: Kunst des Cinquecento in der Toskana, München 1992, S. 287 und 291, Fussnote 10, Abb. 13. Diese Heilige Familie ist ein seltenes erhaltenes Beispiel für das Spätwerk des Malers Tomaso d’Antonio Manzuoli, besser bekannt als Maso da San Friano. Wir kennen zwei grössere, jedoch nicht identische Versionen dieser Komposition, die sich im Dom von Prato und in der Birmingham Art Gallery (Inv.-Nr. 1966P41) erhal- ten haben. Über die Ausbildung und den Werdegang von Maso da San Friano ist nur sehr wenig überliefert. In den zeitgenössischen Künst- lerbiografien fand der Künstler kaum Beachtung: die Bedeutung seines künstlerischen Schaffens fand erst Anerkennung, als Vasari die zweite Edition seiner Künstlerviten vollendet hatte; und Masos Tod lag schon einige Zeit zurück, bevor Raffaello Borghini „Il Riposo“ publizierte. Offenbar verbrachte er sein gesamtes Leben in Florenz, wo er von Andrea del Sarto (1486–1530) und Pontor- mo (1494–1557) ausgebildet wurde. Insbesondere wird dies in der monumentalen Konstruktion seiner Figuren sowie in der von Pontormos koloristischen Feinfühligkeit geprägten Farbpalette greifbar. Gegen Ende seines Schaffens, um 1570, wurde Maso mit der Ausstattung des Studiolo von Francesco I. (1541–1587) im Palazzo Vecchio betraut. „Die Diamantmine“ (heute im Palazzo Vecchio, Florenz) und „Der Sturz des Ikarus“ (ebenda) gehen auf diese Auftragsarbeit zurück. Dennoch haben sich sehr wenige Arbeiten von Maso da San Friano erhalten. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
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  • 24. Gemälde Alter Meister | 20 3012* LUCAS CRANACH D. Ä. (WERKSTATT), WOHL HANS CRANACH (Kronach 1472–1553 Weimar) (Wittenberg 1513–1537 Bologna) Bildnis einer Frau in schmuckvollem Kleid mit Haube. Um 1535. Öl auf Holz. 50,3 × 35,5 cm. Provenienz: - Galerie Reinhardt, 1929. - Sammlung William Goldman, New York (aus dessen Besitz 1930 ausgestellt bei Van Diemen). - Auktion Sotheby‘s, London, 5.7.1967, Los 112 (als Lucas Cranach d. Ä.). - Schweizer Privatbesitz. Das Bildnis einer Frau in Halbfigur nach links (50,3 x 35,5 cm, Bu- chenholz) ist im Werkverzeichnis CORPUS CRANACH unter der Nummer CC-POR-820-072 mit der Zuschreibung C1 verzeich- net. (Innerhalb der Zuschreibungskategorie „C1“ werden alle Wer- ke zusammengefasst, die entsprechend des Forschungsstandes zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als „mit großer Wahrschein- lichkeit“ innerhalb der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren (1) entstanden angesehen werden können. Dazu zählen Werke, die sich nach Ansicht des Autors stilistisch und phänomenologisch in das entsprechende Oeuvre eingliedern. Eine Unterscheidung einzelner Hände im Sinne einer Zuschreibung an den Meister selbst bzw. identifizierbare Mitarbeiter steht der erkennbar arbeitsteiligen Werkstattpraxis entgegen und muss als kenner- schaftliche Wertung unterbleiben. Werke von identifizierbaren Mitarbeitern, die eine von der Cranach-Schlange abweichende Signatur oder ein Monogramm tragen, werden als außerhalb der Werkstatt hergestellt angesehen. Eine Ausnahme bilden die mit „HC“ monogrammierten Werke, die für Hans Cranach in Anspruch genommen werden). Erstmals nachweisbar ist die vorliegende Tafel in der Galerie Reinhardt (1929). Offensichtlich ging sie von dort in die Sammlung William Goldman in New York über, aus dessen Besitz sie 1930 bei Van Diemen ausgestellt war. Am 5. Juli 1967 taucht das Bildnis bei Sotheby‘s London als Lot 112 (als Cranach d. Ä.) wieder auf. Die Haube der Frau mittleren Alters zeigt eine ganz ähnliche Mo- dellierung (z.B. durchscheinender Hautton der Stirn) wie auf dem 2019 bei Hampel versteigerten Bild CC-MHM-120-028 (Fragment aus einer Herkules-bei-Omphale-Darstellung) und deutet damit in einen Entstehungszeitraum um 1535. Deutliche Übereinstimmungen bestehen auch mit einem Frauen- bildnis in Bergen, Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-036 (Bergen, KODE Kunstmuseene i Bergen, Inv. Nr. BB-M-76, 47,5 x 31 cm, Holz). Weitere Werke der Cranach-Werkstatt lassen stilistische Überein- stimmungen erkennen, so unter anderen: Weibliches Bildnis, Kopenhagen, FR 281 Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-800-020 Kopenhagen, Statens Museum for Kunst, Inv. Nr. KMSsp724 51,5 x 36 cm, Holz Halbfigur einer Frau in schmuckvollem Gewand mit bestickter Haube. Bildnispaar mit gleichartigem, signierten und 1534 datierten Männerporträt (CC-POR-800019), dessen Provenienz das Bild teilt. Johann II. von Anhalt, Dorotheum 2003 Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-250-003 Wörlitz, Gotisches Haus, Inv. Nr. M17-2006 51,6 x 36,3 cm, Holz Joachim I. von Anhalt, Dorotheum 2003 Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-225-001 Wörlitz, Gotisches Haus, Inv. Nr. M16-2006 51,6 x 36,3 cm, Holz Bildnis einer jungen Frau, Madrid, FR 337 Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-059 Madrid, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Inv. Nr. 113 61,5 x 42,2 cm, Buchenholz Bildnis einer Frau, Paris, FR 283e Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-820-065 Paris, Petit Palais, Inv. Nr. PTUCK4 51 x 35,5 cm, Holz
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  • 26. Gemälde Alter Meister | 22 Die genannten Werke zeigen Gemeinsamkeiten, was auf densel- ben ausführenden Maler hindeuten könnte. Da das letztgenannte Porträt in Paris das weibliche Pendant zum Bildnis des Reformat- ors Johannes Brenz (CC-POR-810-028) darstellt, welches mit „HB“ signiert ist, könnte auch dieses von der Hand Hans Cranachs stammen. Obwohl die Werkstatt Cranachs einen einheitlichen Werkstattstil pflegte, der für individuelle Stilmerkmale wenig Raum ließ, kann deshalb im vorliegenden Fall des Frauenbildnisses die Vermutung geäußert werden, dass Hans Cranach als Urheber in Frage kommt. Gerade dem erstgeborenen Sohn Cranachs des Älteren, der traditionsgemäß die Werkstatt übernommen hätte, könnte das Recht zugestanden haben, sich mehr gestalterische Freiheit zu nehmen, als sie den übrigen Mitarbeitern erlaubt war. Damit ließe sich die von der Werkstattroutine abweichende Zusammenstellung modischer Accessoires erklären, die auch das hier untersuchte Bild auszeichnet. Die Tatsache, dass ein weiteres vergleichbares Bild mit „1538“ datiert ist und damit erst nach dem Tod Hans Cranachs signiert wurde, muss der „Hans-Cranach- These“ nicht widersprechen. Gerade dieses Bildnis zeigt einen hohen Grad an Übereinstimmung, die es als mögliches Pendant eines Ehegatten-Bildpaars erscheinen lassen. Bildnis eines bärtigen Mannes, dat. 1538, FR 334 Werkverzeichnis-Nr.: CC-POR-810-046 Kansas City, Nelson-Atkins Museum of Art, Inv. Nr. 31-112 50,2 x 35,7 cm, Buchenholz Das florale Stickmuster auf dem Hemdkragen des Dargestellten sowie dessen Handhaltung lassen an eine mögliche Zusam- mengehörigkeit mit dem Frauenbildnis denken, das dieselben Stickmuster und den schmalen, abstehenden Finger zeigt. Die Werkstattorganisation bei Cranach ist sichtbar auf arbeitsteiliges Arbeiten ausgelegt gewesen, sodass nach dem unverhofften Tod Hans Cranachs 1537 begonnene Arbeiten von anderer Hand beendet worden sein können und das Bildnispaar erst 1538 aus- geliefert wurde. Das Infrarotreflektogramm (siehe Abb. 1) zeigt die für ein Porträt üblichen Übertragungsspuren durch Pausen einer Vorzeichnung auf den Malgrund der Tafel. An verschiedenen Stellen, insbe- sondere im Gesicht der Frau, erscheinen dünne Linien eines trockenen Zeichenstifts, mit dem Kinn, Nase Lippenkontur sowie die Außenkontur des Kopfes markiert sind. Am linken Tafelrand zeigen sich in der Vergrößerung mechanische Kratzspuren, die zu Abplatzungen der Bildoberfläche geführt haben. Diese Gras- halm-ähnlichen Beschädigungen wurden möglicherweise bei einer alten Restaurierung falsch gedeutet und als Bestandteil der Malerei angesehen. Sie wurden durch Pinselzüge in Ocker ver- bunden und betont und gehören sicher nicht zur ursprünglichen Malerei. Die mit einem spitzen Stichel eingekratzten Rillen zeigen an ihrer Basis noch Reste der eingedrückten, einst oben liegen- den blauen Hintergrundfarbe und die teils pastos aufgesetzten Retuschen verlaufen durchweg über das originale Alterskraquelee hinweg. In Kassel befindet sich ein motivgleiches Bild (Werkverzeich- nis-Nr.: CC-POR-820-073,Gemäldegalerie Alte Meister, Inv. Nr. GK 1137, 51,2 x 36,6 cm, Holz) das als spätere Kopie unseres Bildes anzusehen ist. Wir danken Dr. Michael Hofbauer vom Corpus Cranach Archiv für diesen Katalogeintrag und für die Untersuchung des Gemäldes im Original. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410) Abb. 1 Infrarotreflektogramm. ©Cranach Research Institute
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  • 28. Gemälde Alter Meister | 24 3013* OBERDEUTSCHER MEISTER, ENDE 16. JAHRHUNDERT Beidseitig bemalte Tafel mit dem Jüngsten Gericht und Kalvarienberg. Öl auf Holz. 118 × 70,5 cm. Gutachten: Dr. Michaela Schedl, 3.7.2020. Provenienz: - Kunsthandel Malmedé Geissendörfer, Köln 1926 (als Meister von Messkirch). - Seither in europäischem Familienbesitz. Dr. Michaela Schedl, der wir für ihr ausführliches Gutachten danken, vermutet, dass die hier angebotene Tafel ursprünglich für einen Altar oder als Epitaph geschaffen worden sein könnte. Die vorliegende Komposition des Jüngsten Gerichts auf der einen Seite und des Kalvarienbergs auf der anderen Seite basiert auf zwei Holzschnitten aus der „Kleine(n) Passion“ Albrecht Dürers (1471–1528), wobei unsere Darstellung stilistisch nicht nur Ein- flüsse der Renaissance, sondern ebenso Einflüsse der Spätgotik aufweist: So scheint unser Meister in der Darstellung des Leich- nams Christi einen Kupferstich von Martin Schongauer zu zitieren (Christus am Kreuz mit vier Engeln und Maria und Johannes Evangelist, um 1475–79, 29,1 × 19,5 cm, London, British Muse- um). Auch die Scheibennimben der sechs Hauptfiguren erinnern an jene Schongauers und sind somit der Spätgotik verpflichtet. Basierend auf einem stilistischen und motivischen Vergleich mit der Darstellung des Klavarienberg eines unbekannten Meisters auf dem Hochaltarretabel in der evangelischen Stadtkirche in Baben- hausen bei Aschaffenburg, datiert Dr. Schedl unsere Tafel auf das ausgehende 16. Jahrhundert. Nadelholz als Bildträger legt nahe, dass sie aus einer Gegend südlich von Köln stammt. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
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  • 30. Gemälde Alter Meister | 26 3014* LORENZ STRAUCH (1554 Nürnberg 1630) Porträt einer edlen Dame. 1602. Öl auf Holz. Oben links bezeichnet, datiert und monogrammiert: AETATIS SUAE 24. ANO 1602. LS (ligiert). 50 × 38 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die Nürnberger Porträtmalerei eine neue Blütezeit. Die niederländischen Maler Ni- colas Neufchâtel (1525/27–1573) und Nicolaus Juvenel d. Ä. (vor 1540–1597) brachten die hochentwickelte Antwerpener Bildnis- malerei mit in die Reichsstadt, was die städtische Kunstentwick- lung massgeblich beeinflusste. Einer ihrer wichtigsten Nachfolger war der gebürtige Nürnberger Maler und Kupferstecher Lorenz Strauch. Obwohl Strauch heute vor allem durch seine Stadtan- sichten Nürnbergs bekannt ist, gehörte er zu den erfolgreichsten und gefragtesten Porträtmalern der Stadt und war mehrere Jahre Vorsteher der Malerzunft. Dabei führte er eine effiziente Werk- statt, die es ihm erlaubte, je nach Anforderung der Auftraggeber in unterschiedlichen Qualitätsstufen (und damit Preiskategorien) zu produzieren. Als Qualitätssiegel und „Werkstattmarke“ benutz- te Strauch das aus einer Verschlingung seiner Initialen L und S gebildete Monogramm. Trotz starrer Pose und schlichter Farbgebung gelingt es Strauch, die junge Frau auf dem Brustbild als lebendig und aufgeweckt zu charakterisieren. Die feinabgestimmte Tonalität im Kolorit zeugt von dem Einfluss der Niederländer Neufchâtel und Juvenel. Die Frau trägt ein schwarzes, besticktes Gewand mit einer prächti- gen, feinmalerisch gestalteten Halskrause. Ihren Kopf ziert ein ebenfalls mit Stickereien verziertes Barett, unter dem das zu einem Zopf geflochtene Haar auf den Rücken fällt. Auffällig ist die prächtige, vielgliedrige Goldkette, die auf den hohen sozialen Status der Porträtierten deutet. Wer genau die 24-Jährige war, ist nicht bekannt. Es könnte sich aber um eine Nürnberger Patrizierin gehandelt haben, da Strauch vornehmlich Angehörige der städ- tischen Oberschicht porträtierte. Auch die vergleichsweise hohe Qualität der malerischen Ausführung könnte für einen prominen- ten Auftraggeber sprechen. Anlass für die Fertigung des Tafelbil- des 1602 war vielleicht eine bevorstehende Vermählung, da es üblich war, bei Verlobungsverhandlungen Bildnisse auszutauschen oder, nach erfolgter Eheschliessung, ein Doppelporträt anfertigen zu lassen. Da die Porträtierte, wie bei Ehepaarbildnissen üblich, nach links gewandt ist, war das Tafelgemälde vermutlich einst das Pendant zu einem zugehörigen Männerporträt. Ein vergleichbares Damenbildnis von Lorenz Strauch, das 1589 entstanden ist und die Nürnbergerin Clara Praun darstellt, befin- det sich im Germanisches Nationalmuseum (Inv.-Nr. Gm1540). Wir danken Judith Hentschel für die Bestätigung der Eigenhändig- keit anhand einer Fotografie und ihre wissenschaftliche Unter- stützung bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
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  • 32. Gemälde Alter Meister | 28 3015* ADRIAEN VAN OVERBEKE (tätig um 1508 Antwerpen 1529) Anbetung der Heiligen drei Könige. Öl auf Holz. 72 × 55,5 cm. Provenienz: - Sammlung Mr. John Frank Atkinson (1818–1898), Micklegate House, Pontefract, Yorkshire. - Sammlung Mr. und Mrs. Hepworth Francis Atkinson, Carlton House, Wakefield, Yorkshire, 1950. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: Leeds 1950, Treasures from Yorkshire Houses, Leeds City Art Gallery, Februar 1950, Nr. 33 (als Schule von Mabuse). Die zur Auktion angebotene Tafel wurde bis in die 1950er-Jahre für eine Arbeit des Antwerpener Malers Jan Gossaerts, genannt Mabuse (um 1478–1532), gehalten. Heute setzt sich Dr. Peter van den Brink für eine Autorschaft Adriaen van Overbekes ein und datiert die Arbeit um 1510–15. Insbesondere sprechen die ausdrucksstarken Gesichter der Figuren, die entschlossene Farbgestaltung sowie die Ausführung der Vegetation am vorderen Bildrand für diesen Befund. Ob die Arbeit einst Element eines mehrteiligen Altargemäldes oder vielmehr eines kleiner angelegten Triptychons bildete, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Die detailreiche Gestaltung der Tafel deutet in jedem Fall auf einen intimeren Verwendungskon- text, wie beispielsweise die private Andacht in einer Kapelle, hin. Der überwältigende Detailreichtum wird nicht nur im Hintergrund, wo sich das Gefolge der Könige versammelt, greifbar. Die prächtig gemalten Geschenke, die die drei Könige dem Christuskind darbieten, würden mit Sicherheit an Relevanz verlieren, wenn sie hinter dem Flügel eines mehrteiligen Altargemäldes versteckt geblieben wären, der darauf konzipiert war, aus der Distanz be- trachtet zu werden. Arbeiten Adriaen van Overbekes, der nicht nur seine eigene Werkstatt leitete, sondern in den unterschiedlichsten Konstel- lationen auch mit anderen Künstlern kooperierte, haben sich in bedeutenden Museumssammlungen (Nationalmuseum War- schau, Bonnefantenmuseum Maastricht, Museum Maagdenhuis Antwerpen und Musée des Arts décoratifs Paris) sowie in ihren ursprünglichen sakralen Kontexten (Dom zu Köln, Petrikirche Dortmund, Propsteikirche St. Maria Kempen und St.-Viktor-Kirche Schwerte) erhalten. Dr. Peter van den Brink bestätigt die Eigenhändigkeit in einer aus- führlichen schriftlichen Bestätigung, wofür wir ihm danken. CHF 35 000 / 50 000 (€ 32 410 / 46 300)
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  • 34. Gemälde Alter Meister | 30 3016* MEYNNART WEWYCK (UMKREIS) / ANGLO-FLÄMISCHE SCHULE UM 1520 (tätig um 1502 England 1525) Bildnis eines jungen Edelmannes. Um 1520. Öl auf Holz. 30,6 × 20,6 cm. Provenienz: - Deutscher Adelsbesitz, seit dem 19. Jahrhundert. - Europäischer Privatbesitz. Das Dreiviertelporträt zeigt vor blauem Hintergrund leicht nach rechts gewandt einen jungen Mann in höfischer Tracht bestehend aus schwarzem Barett mit Brosche, grün-grauem Schulterum- hang, schwarzem Gewand und weissem Hemd. Das Haar trägt der Dargestellte kinnlang, seinen Hals ziert ein schmales Band, an dem sich wahrscheinlich ein Anhänger befindet, der unter dem Gewand verschwindet (siehe hierzu Vergleiche in: Eleri Lynn: Tudor Fashion, Yale 2017). In seiner rechten Hand findet sich ein Handschuh. Dieses Motiv ist besonders bemerkenswert, da es sich wohl um eines der frühesten Beispiele in der nordeuropäi- schen Porträtmalerei handelt, das einen Handschuhträger zeigt. Bei der um 1520 entstandenen Tafel werden sowohl Einflüsse der flämischen als auch englischen Malerei zu Beginn des 16. Jahrhunderts greifbar. Sie dürfte demnach von einem in den Nie- derlanden gebürtigen sowie ausgebildeten und in England tätigen Künstler gemalt worden sein. Das Porträt zeigt Anklänge an die Porträtmalerei von Quentin Massys (um 1466–1530), so z. B. das Porträt in der Kunsthalle Karlsruhe von 1517 (Inv.-Nr. 2458). Mit Hilfe von Infrarotreflektographie werden feine Unterzeichnun- gen mit Silberstift um die Augen, die Nase und den Mund sowie entlang der Gesichtskonturen und dem Hals sichtbar (siehe Abb. 1). Hierbei handelt es sich um eine charakteristische Vorgehens- weise im Arbeitsprozess der altniederländischen Malerei (siehe auch Andreas Siejek und Kathrin Kirsch: Die Unterzeichnung auf dem Malgrund, Graphische Mittel und Übertragungsverfahren im 15.–17. Jahrhundert, München 2004). Die Kleidung des jungen Mannes sowie das Barett mit Brosche verweisen auf einen in England im ersten Viertel des 16. Jahr- hunderts zur Zeit der Tudor unter Heinrich VII. und Heinrich VIII. tätigen Künstler hin, der mit den Werken der Hofmaler Meynnart Wewyck und Lucas Horenbout (1490–1544) vertraut gewesen sein muss (vgl. Ausst.-Kat. Artists of the Tudor Court – The Portrait Miniature rediscovered 1520–1620, hrsg. von Roy Strong und V. J. Murrell, VA Museum, London 1983). So findet sich ein nahezu identisches Barett auf einem in den 1990er-Jahren wiederentdeckten, wahrscheinlich um 1500 entstandenen Porträt von Arthur Tudor, Prinz von Wales (vgl. Ausst.-Kat. Dynasties. Painting in Tudor and Jacobean England 1530–1630, hrsg. von Karen Hearn, Tate Gallery, London 1995, Kat.-Nr. 1, S. 36). CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560) Abb. 1
  • 35. | 31
  • 36. Gemälde Alter Meister | 32 3017* MEISTER DES MORRISON-TRIPTYCHONS (WERKSTATT) (tätig in Antwerpen um 1500–1510) Maria mit Kind, umgeben von musizierenden Engeln. Öl auf Holz. 56,3 × 42,5 cm. Provenienz: - Sammlung Robert Leroy Shalkop (1922–2008), Salisbury, North Carolina. - Europäischer Privatbesitz. Als Meister des Morrison-Triptychons wird ein niederländischer Maler des angehenden 16. Jahrhunderts bezeichnet, der seinen Notnamen nach dem Gemälde einer thronenden Madonna mit Kind erhielt, das einst Teil der Sammlung des englischen Textilfab- rikanten Alfred Morrison in Fonthill House in Wiltshire war und sich heute im Toledo Museum of Art befindet. Stilistische Einflüsse des Antwerpener Malers Quentin Massys (1466–1530), als dessen Schüler der Meister des Morrison-Trip- tychons manchmal betrachtet wurde, sind nicht zu übersehen, ebenso wie gewisse Ähnlichkeiten zum Œuvre Hans Memlings (um 1433–1494). Die hier angebotene Komposition ist dabei auch im Œuvre von Memling bekannt, so die Tafel eines Diptychons um 1480–90, die sich heute in der Pinakothek in München befindet (Inv.-Nr. 680). Eventuell könnte der Meister des Morrison-Triptychons mit dem Maler Simon von Haarlem (tätig 1501–1529) identifiziert werden, der um 1510 eine angesehene Werkstatt in Antwerpen betrieb und Werke auch nach Spanien lieferte. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
  • 37.
  • 38. Gemälde Alter Meister | 34 3018* HERRI MET DE BLES (UMKREIS) (Dinant um 1510–um 1560 Antwerpen) Hieronymus in einer Landschaft. Öl auf Holz. 62 × 75,3 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 39. | 35 3019* PIETER COECKE VAN AELST (UMKREIS) (Aalst 1502–1550 Brüssel) Triptychon: Anbetung der Heiligen drei Könige (Mitteltafel), Ver- kündigung (links), Flucht nach Ägypten (rechts). Öl auf Holz. 85,5 × 63 cm (Zentraltafel). Je 85,5 × 31 cm (Flügel). Provenienz: - Sammlung Duke of Norfolk, London. - Auktion Bollag, Zürich, 24.–25.11.1948, Los 76 (als Antwerpener Schule 16. Jh., verso mit Etikett). - Kunsthandel Marc Rogge, Belgien, 1980er-Jahre. - Privatbesitz, Belgien. - Europäischer Privatbesitz. CHF 50 000 / 70 000 (€ 46 300 / 64 810)
  • 40. Gemälde Alter Meister | 36 3020 FLÄMISCHE SCHULE, UM 1600 Weite Flusslandschaft mit Dorffest „gans trekken“. Öl auf Holz. 40,5 × 60 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Das vorliegende Gemälde basiert auf einem Stich von Hans Bol (1534–1593), der sich im Rijksmuseum Amsterdam befindet (Inv.- Nr. RP-P-1883-A-7621). Das dargestellte Spiel ist im Holländi- schen bekannt als „gans trekken“ oder „Het trekken om de gans“ (im deutschsprachigen Raum bekannt als „Gansabhauet“). CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 41. | 37 3021* SCHULE VON FONTAINEBLEAU, UM 1570 Diana auf der Jagd. Öl auf Holz. 68,8 × 92,8 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
  • 42. Gemälde Alter Meister | 38 3022* ANTWERPENER MANIERIST, UM 1520 Anbetung der Heiligen drei Könige. Öl auf Holz. 70,8 × 47,3 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 60 000 / 80 000 (€ 55 560 / 74 070)
  • 43. | 39
  • 44. Gemälde Alter Meister | 40 3023* HIERONYMUS BOSCH (NACHFOLGER) (um 1450 ‚s-Hertogenbosch um 1516) Dornenkrönung Christi. Öl auf Holz. 34,8 × 28,6 cm. Provenienz: - Privatsammlung Schweiz. - Europäischer Besitz. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 45. | 41 3024 QUENTIN MASSYS (UMKREIS) (Löwen 1466–1530 Antwerpen) Mater Dolorosa. Öl und Goldgrund auf Holz. 51 × 35,2 cm. Provenienz: - Sammlung von Muralt, Bern, bis 1936. - Auktion Fischer / Kunstsalon Dr. Pfisterer, Zürich, 13.–16.5.1936, Los 1992. - Schweizer Privatsammlung bis 1956. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer Privatbesitz. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890) Diese Darstellung der Mater Dolorosa, der schmerzensreichen Mutter Christi, begleitet vom Heiligen Johannes wurde einst mit Dirk Bouts (1410–1475) in Verbindung gebracht. Diese Annahme schliesst Dr. Valentine Hendriks aus und vermutet eine Entstehung im Umkreis von Quentin Massys oder etwas später. Dieser Meinung folgen auch Dr. John Oliver Hand, Dr. Larry Silver und Dr. Stephan Kemperdick, denen wir für ihre Hilfe danken. Als möglicher Autor zieht Dr. Kemperdick auch den Meister des Morrison Triptychons (tätig in Antwer- pen um 1500–10) in Betracht (siehe als Vergleich Max J. Friedländer: Die altnie- derländische Malerei, Leiden 1924–37, Bd. VII, Nr. 81 ff.). Ursprünglich dürfte die Tafel als ein Dip- tychon für die Privatandacht vorgese- hen worden sein, mit einer Kreuzabnah- me auf der gegenüberliegenden Seite.
  • 46. Gemälde Alter Meister | 42 3026 CORNELIS CORNELISZ. VAN HAARLEM (1562 Haarlem 1638) Bildnis eines Mannes im Alter von 29 Jahren. 1622. Öl auf Holz. Oben links bezeichnet und datiert: Aetatis. svae. 29. 1622. 65 × 52 cm. Provenienz: - Kunsthandel Herner Wengraf, London, 1975. - Kunsthandel Alex Wengraf, London, 1999. - Kunsthandel Lawrence Steigrad Fine Arts, New York, 2003. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Pieter J. J. van Thiel: Cornelis Cornelisz. van Haarlem 1562–1638: a monograph and catalogue raisonné, Doornspijk 1999, S. 487 (als südholländische Schule, später von van Thiel als eigenhändig anerkannt). Cornelis Cornelisz. van Haarlem ist mit Hendrick Goltzius (1558–1616) und Karel van Mander (1548–1606) einer der bedeu- tendsten Vertreter des niederländischen Manierismus. In seiner Arbeit finden sich Einflüsse der Schule von Fontainebleau und es werden auch in der Darstellungsweise seiner Figuren Bezüge zu Hofkünstlern Rudolphs II. greifbar. Neben mythologischen, selte- ner auch religiösen Themen setzte Cornelisz. van Haarlem sich insbesondere mit der Porträtmalerei auseinander. Für die malerische Ausgestaltung von Gesichtern entwickelte Cornelisz. van Haarlem eine besondere Faszination. Nicht nur versah er seine grossformatigen Historiengemälde mit Porträts von Zeitgenossen. In seinen spärlich erhaltenen Porträtgemäl- den zeigt sich diese Begeisterung in der Hingabe, mit der er die Nuancen der menschlichen Haut wiedergab. Nicht zuletzt machte ihn die Fähigkeit, die Persönlichkeit der Dargestellten eindrucksvoll und eindringlich in seine Gemälde zu transportieren, seinerzeit zu einem gefragten Bildnismaler. In dem zur Auktion angebotenen Porträt eines Mannes kommen Cornelisz. van Haarlems Vorliebe für ineinandergreifende Volumina sowie seine Darstellungsweise für flache und rundliche Gesichter zum Ausdruck. Seine imposan- te und zugleich persönliche Malweise, wie sie ihm bereits von van Mander attestiert wurde, wird hier ebenso offensichtlich. Pieter J. J. van Thiel bestätigte 2009 die Eigenhändigkeit in einer schriftlichen Mitteilung. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Cornelis Cornelisz. van Haarlem registriert. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 47. | 43
  • 48. Gemälde Alter Meister | 44 3027 PIETER AERTSEN (WERKSTATT) (1508 Amsterdam 1575) Anbetung des Kindes. Öl auf Holz. 84 × 115 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s, London, 26.2.1997, Los 4 (als Werkstatt von Pieter Aertsen). - Schweizer Privatbesitz. Dieses Gemälde geht auf eine Komposition von Pieter Aertsen zurück, die sich im Amsterdams Historisch Museum befindet (Inv.- Nr. A 6061, 1554, Öl auf Holz, 97 × 141 cm). Gewisse Bereiche sind künstlerisch besonders versiert ausgeführt und zeigen die Nähe zu Pieter Aertsen, wie beispielsweise die prominente Kuh, deren fixierender Blick den Betrachter ins Bildgeschehen einlädt. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, registriert. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520)
  • 49. | 45 3028* FRANS FLORIS D. Ä. (UMKREIS) (1515 Antwerpen 1570) Lot und seine Töchter. Öl auf Holz. 76,5 × 107,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dr. Peter van den Brink, dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisie- rung danken, erkennt die Nähe zu Frans Floris und besonders zu dessen Schüler Anthonie Blocklandt (1533–1583), der in Utrecht tätig war. Als stillisticher Vergleich sind die Frauenköpfe in dem Gemälde „Drei singende Frauen“ (siehe Ausst.-Kat. Kunst voor de beeldenstorm, Rijksmuseum Amsterdam, 1986, S. 151, Kat.-Nr. 321; Ingrid Jost: Studien zu Anthonis Blocklandt, Köln 1960, S. 38 f. und 147 f., Kat.-Nr. I, 6) zu nennen. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 50. Gemälde Alter Meister | 46 3029 JACOB JORDAENS (1593 Antwerpen 1678) Venus und Adonis. Um 1615. Öl auf Leinwand. 119 × 152 cm. Gutachten: Michael Jaffé, 8.2.1995 (in Kopie vorhanden). Provenienz: - wohl Auktion, Amsterdam, 16.5.1696. - wohl Privatsammlung Wigmore Street, London seit dem 18. Jahrhundert. - Privatsammlung, London, bis 1989. - Sammlung Alex Wengraf, London, 1995. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: - wohl Max Rooses: Jordaens’ Leben und Werke, Stuttgart 1890, S. 282 (als Venus und Adonis, Versteigerung 16.5.1696, Amster- dam). - wohl Max Rooses: Jordaens sa vie et ses œuvre, Paris 1906, S. 278. Diese kürzlich in einer langjährigen Privatsammlung entdeck- te Darstellung von Venus und Adonis stellt eine bedeutende Ergänzung des bisher bekannten Frühwerks von Jacob Jordaens dar, einem der wichtigsten flämischen Barockmaler, der zusam- men mit Peter Paul Rubens (1577–1640) und Anthonis van Dyck (1599–1641) die Antwerpener Schule des 17. Jahrhunderts wesentlich prägte. Das Werk präsentiert eine Szene aus Ovids Metamorphosen: Adonis war ein schöner Jüngling und königlicher Waisenknabe, der seine Zeit mit der Jagd verbrachte. Venus, die Göttin der Liebe, verliebte sich in ihn, nachdem sie versehentlich von einem der Pfeile Amors getroffen wurde. Eines Tages, als Adonis alleine auf die Jagd ging, weckten seine Hunde ein Wildschwein, das ihn angriff, und obwohl Venus ihm zur Hilfe eilte, kam sie zu spät und konnte ihn nicht retten. Aus dem Blut ihres Geliebten erschafft Venus eine zerbrechliche Blume namens Anemone, deren Blüten- blätter sie im Wind zerstreute. Bereits in den frühen 1990er-Jahren bestätigte der Jordaens Ex- perte Roger-Adolf d’Hulst die Eigenhändigkeit unseres Gemäldes und sah es als wertvolle Erweiterung seines Frühwerks an. Weiter vergleicht Michael Jaffé 1995 in seinem Gutachten unser Ge- mälde stilistisch mit dem um 1615 entstandenen „Kampf der La- pithen und Zentauren“, das eines der frühesten bekannten Werke Jordaens darstellt (siehe Roger-Adolf d’Hulst: Jacob Jordaens, Stuttgart 1982, S. 46, Abb. 14). Auch Prof. Dr. Hans Vlieghe und Brecht Vanoppen vom Rubenianum bestätigen die Eigenhändig- keit anhand einer Fotografie, wofür wir ihnen danken und datieren das Gemälde ebenfalls um 1615. Prof. Vlieghe erkennt dabei die Verwandtschaft mit anderen Frühwerken von Jordaens in dieser Zeit, u. a. in den Gewandfalten, der Verkürzung der Figuren und der Darstellung der Hunde, und nennt in diesem Zusammenhang als stilistischen Vergleich das Gemälde „Entführung der Europa“, das um 1615–16 entstanden ist und sich heute in der Gemäldegalerie in Berlin befindet (Inv.-Nr. 81.2, Öl auf Leinwand, 172,6 × 236,2 cm). Brecht Vanoppen hebt ferner den deutlich sichtbaren Einfluss von Jordaens’ Lehrmeister, Adam van Noort (1562–1641) in unserem Gemälde hervor. Wie auch Rubens studierte Jordaens bei Adam van Noort und trat 1615 als Meister in die Sankt-Lucas-Gilde ein. Nur wenige Jahre später, um 1616–17 nähert sich Jordaens’ Stil bereits stärker demjenigen von Peter Paul Rubens. 1621 wurde Jordaens zum Dekan der Lukasgilde und hatte bereits Ende der 1630er-Jahre sechzehn Schüler und Gehilfen unter sich. In dieser Zeit machte sich Jordaens einen Namen als „waterschilder“ (Wasserfarbenma- ler), da er zahlreiche Entwürfe für Wandteppiche und Radierungen entwarf. Später konzentrierte er sich jedoch auf das Malen mit Öl- farben, welches gewinnbringender war, und spezialisierte sich auf die Darstellungen von Genreszenen, Sprichwörtern und mytho- logischen Szenen. Religiöse Sujets gehörten ebenfalls zu seinem Repertoire und Jordaens, der zwar öffentlich zum Protestantis- mus konvertiert war, nahm mehrere Aufträge zur Ausschmückung katholischer Kirchen im spanisch besetzten Antwerpen an. Nach Rubens’ Tod 1640 vollendete Jordaens zahlreiche seiner Werke und etablierte sich als bedeutendsten Künstler Antwerpens, so- dass er zahlreiche Aufträge von der Kirche, wie auch von Fürsten und Königen über die Grenzen der Stadt hinaus erhielt. Jordaens stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, seine Familie gelangte durch den Tuchwarenhandel zu Wohlstand, der sich für Jordaens durch die Hochzeit mit der vermögenden Tochter seines Lehr- meisters, Catharina van Noort (1589–1659), vermehrte. Er besass mehrere Häuser in Antwerpen, die er mit eigenen Wand- und Deckengemälden ausschmückte. Das hier angebotene Gemälde könnte ursprünglich als Decken- gemälde entstanden sein. Es befand sich laut Michael Jaffé bis 1989 als Deckenausschmückung eines Stadthauses des 18. Jahrhunderts in der Wigmore Street in London, das heute nicht mehr erhalten ist. Allgemein dienten mythologische Szenen zu Lebzeiten von Jacob Jordaens häufig zum Schmuck offizieller Gebäude, Gildekammern oder Prachtwohnungen höherer Stände (siehe d’Hulst 1982, S. 52). CHF 140 000 / 200 000 (€ 129 630 / 185 190)
  • 52. Gemälde Alter Meister | 48 3030 PIETER CLAESZ. UND ROELOF KOETS (Berchem um 1597–um 1660 Haarlem) (1592 Haarlem 1655) Tafel mit Früchtekorb und Weinlaub, Bartmannkrug und Stan- genglas, grossem Berkemeyer mit Wein auf einem Teller mit Auster, grossem Rippenstück, Salzfass und Brötchen. Um 1650. Öl auf Holz. 89 × 122 cm. Provenienz: - Sammlung Sir John Turning, Bt. - Auktion Christie‘s, London, 11.12.1987, Los 14. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Martina Brunner-Bulst: Pieter Claesz, Lingen 2004, Kat.-Nr. 183, S. 182 und 312. Das hier angebotene Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel der Zusammenarbeit von Pieter Claesz. mit dem Früchtema- ler Roelof Koets, der die linke Bildseite ausführte. Koets, der insgesamt zehn Gemälde mit Claesz. malte, war auf Früchte- malerei spezialisiert und mit Pieter Claesz. befreundet (siehe Brunner-Bulst 2004, S. 180–182). Als Paradebeispiel dieser Zusammenarbeit und Grundlage für alle Zuschreibungen von gemeinschaftlichen Bildern dieser beiden Maler dient das 1644 datierte und von beiden Künstlern signierte Stillleben, das sich im Szepmuveszeti Muzeum in Budapest befindet (Inv.-Nr. 53.478, siehe ebd., Kat.-Nr. 136, Abb. S. 91). Die Doppelsignatur in diesem Werk belegt, dass sich beide Künstler als gleichwertige Urheber betrachteten. Andere Werke, in denen einer der beiden Künstler einen grösseren Anteil ausführte, sind nur von einem der beiden signiert. Die hier angebotene Bankettdarstellung, die um 1650 datiert werden kann, beeindruckt insbesondere durch ihr grosses Format und die besondere Harmonie in der gemeinsamen Gestaltung, wie Martina Brunner-Bulst in ihrem Werkverzeichnis hervorhebt (siehe ebd., S. 182). Die Jahre 1640 bis 1650 zählten dabei zu den produktivsten des Malers Pieter Claesz., in denen zahlreiche grossformatige „Banketjes“ und auch kleinere Stillleben hervor- gingen, so beispielsweise eine prunkvolle Austernmalzeit mit grossem Römer und silbernem Salzständer von 1643, das sich im Saint Louis Art Museum befindet (Inv.-Nr. 141:1922, siehe ebd., Kat.-Nr. 117, S. 272, Farbabb. S. 81). Während der heutige Betrachter in der hier angebotenen Darstel- lung primär eine festliche Mahlzeit vermutet, wird der zeitgenös- sische Betrachter neben der Zurschaustellung des bürgerlichen Wohlstands auch die moralische Anspielungen verstanden haben, wie beispielsweise der Wein und das Brot mit dem Hinweis auf das Sakrament und die Ermahnung, sich der Vergänglichkeit des irdischen Lebens und der Besitztümer zu vergegenwärtigen. Die geöffnete Walnuss, die häufig als Vanitassymbol eingesetzt wurde, mag diese Bedeutung noch unterstreichen. Dieses Motiv ist mehrmals im Œuvre von Pieter Claesz. zu finden, so beispiels- weise in der 1643 datierten Mahlzeit in der Narodni Galerie in Prag (Inv.-Nr. 0-9970, siehe ebd., Kat.-Nr. 122, S. 276). Dieses, wie auch das hier angebotene Stillleben, zeichnen sich durch eine ausge- wählte Licht- und Schattenwahl aus, wodurch die Szene noch verstärkt an Lebendigkeit gewinnt. CHF 80 000 / 120 000 (€ 74 070 / 111 110)
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  • 54. Gemälde Alter Meister | 50 3031 GERRIT VAN HONTHORST (1592 Utrecht 1656) Büssende Maria Magdalena. Um 1625. Öl auf Holz. 74,3 × 58,3 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby’s, London, 3.4.1985, Los 124. - Privatsammlung Alex Wengraf, London. - Schweizer Privatbesitz. Ausstellung: Bourg-en-Bresse 2016, Marie Madeleine, La Passion Révélée, Monastère royal de Brou à Bourg-en-Bresse, 29.10.2016– 5.2.2017, Kat.-Nr. 92. Literatur: - Richard Judson: New Light on Honthorst. Hendrick ter Brugghen und die Nachfolger Caravaggios in Holland , Braunschweig 1988, S. 113–114, Abb. 149. - Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe, Turin 1989–1990, revised and enlarged by Luisa Vertova, Bd. I, S. 123, Bd. III, Abb. 1286 (als bessere Replik). - Rüdiger Klessmann: Johannes Hertz, ein Nachfolger Cara- vaggios in Nürnberg. Festschrift für Bruno Bushart, Deutscher Kunstverlag, 1994, S. 143–144, Abb. 4. - Richard Judson und Rudolf E. O. Ekkart: Gerrit van Honthorst, Doornspijk 1999, Kat.-Nr. 84, Abb. XXIX (als Replik nach der Ver- sion in der Eremitage, St. Petersburg, Inv.-Nr. 6060). Dieses bedeutende Werk von Gerrit van Honthorst mit der Büs- senden Magdalena war über mehrere Jahrzehnte nicht mehr auf dem Kunstmarkt zugänglich und zuletzt in der Ausstellung „Marie Madeleine, La Passion Révélée“ in Bourg-en-Bresse gezeigt worden. An der Eigenhändigkeit Gerrit van Honthorsts besteht kein Zweifel, wie dies Richard Judson und Rudolf E. O. Ekkart in ihrem Werkverzeichnis darlegen und auch kürzlich Prof. Wayne Franits nochmals anhand einer Fotografie bestätigt hat, wofür wir ihm danken. Im Werkverzeichnis wird eine weitere Version der büssenden Magdalena erwähnt, die sich in der Eremitage in St. Petersburg befindet (Judson/Ekkart 1999). Wie bei unserer besteht auch deren Malträger aus drei vertikalen Holztafeln. Beide Bilder zeichnen sich durch ein eindrückliches Wechselspiel aus weichen und härteren Partien aus, die besonders durch die Licht- führung geprägt wird. Benedict Nicolson und Luisa Vertova (siehe Literatur) bezeichnen unsere Version als die qualitativ bessere. Gerrit van Honthorst, der am 4. November 1592 in Utrecht als Sohn des Herman Gerritsz. van Honthorst und dessen Ehefrau Maria Willemsdr. van der Halm, geboren wurde, stammte aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater, wie auch sein Grossvater waren Maler. Sein Bruder Herman erhielt eine Ausbildung als Bildhauer und sein jüngerer Bruder Willem wurde ebenfalls Maler und ging vermutlich bei ihm in die Lehre. Honthorst erlernte die Malerei wohl unter dem väterlichen Einfluss, aber vor allem unter Abra- ham Bloemaert (1564–1651). Um 1610–15 begab er sich auf eine Studienreise nach Rom, wo ihn besonders Caravaggios Werk ins- pirierte. Er spezialisierte sich auf nächtliche Ansichten und erhielt den Beinamen „Gherardo delle Notti“. Zu seinen Auftraggebern zählten u. a. der Kunstliebhaber und Sammler Marchese Vincenzo Giustiniani und Kardinal Barberini, späterer Papst Urban VII. Gerrit van Honthorst war 1620 aus Rom zurückgekehrt, wo er die Einflüsse Carravaggios (1571–1610) nach Utrecht brachte und zusammen mit seinen Zeitgenossen Hendrick ter Brugghen (1588–1629) und Dirck van Baburen (1595–1624) prägend für den nördlichen Caravaggismus war. Auch seinen Lehrer Abraham Bloemaert beeinflusste Honthorst nach seiner Rückkehr aus Rom massgeblich, der die künstlerischen Besonderheiten aus der Heili- gen Stadt in sein Œuvre einfliessen liess. Die hier angebotene büssende Magdalena wird in die Jahre um 1625 datiert. Das Thema dürfte besonders den Ideologien der Gegenreformation der Katholischen Kirche entsprochen haben, die nach einer Neubesinnung und Purifikation strebten, wofür Maria Magdalena sinnbildlich steht. Der Betrachter vereint sich mit der Dargestellten und erfährt somit eine Form der Reinigung und Kontemplation. Die eindrückliche Lichtführung verleiht der Szene eine dramaturgische Ausstrahlung und zieht den Betrachter damals wie heute in bewegter Weise in ihren Bann. CHF 150 000 / 250 000 (€ 138 890 / 231 480)
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  • 56. Gemälde Alter Meister | 52 3031 GERRIT VAN HONTHORST (1592 Utrecht 1656) Penitent Mary Magdalene. Circa 1625. Oil on panel. 73.5 × 58 cm. Provenance: - Auction Sotheby’s, London, 3.4.1985, lot 124. - Private collection Alex Wengraf, London. - Private collection, Switzerland. Exhibited: Bourg-en-Bresse 2016, Marie Madeleine, La Passion Révélée, Monastère royal de Brou à Bourg-en-Bresse, 29.10.2016– 5.2.2017, cat. no. 92. Literature: - Richard Judson: New Light on Honthorst. Hendrick ter Brugghen und die Nachfolger Caravaggios in Holland, Braunschweig 1988, pp. 113–114, ill. 149. - Benedict Nicolson: Caravaggism in Europe, Turin 1989-1990, revised and enlarged by Luisa Vertova, Vol. I, p. 123, Vol. III, ill. 1286 (as a better replica). - Rüdiger Klessmann: Johannes Hertz, ein Nachfolger Cara- vaggios in Nürnberg. Commemorative publication for Bruno Bushart, Deutscher Kunstverlag, 1994, pp. 143–144, ill. 4. - Richard Judson and Rudolf E. O. Ekkart: Gerrit van Honthorst, Doornspijk 1999, cat. no. 84, ill. XXIX (as a replica after the versi- on in the Hermitage, St. Petersburg, inv. no. 6060). This important work by Gerrit van Honthorst with the penitent Magdalene was not accessible on the art market for several decades and was last shown in the exhibition „Marie Madeleine, La Passion Révélée“ in Bourg-en-Bresse. There is no doubt about Gerrit van Honthorst‘s authorship, as Richard Judson and Rudolf E. O. Ekkart point out in their catalogue raisonné, and Prof. Wayne Franits recently confirmed this on the basis of a photograph, for which we thank him. The catalogue raisonné mentions another version of the penitent Magdalene, which is in the Hermitage in St Petersburg (Judson/Ekkart 1999). Like ours, its painting support consists of three vertical wooden panels. Both pictures are characterised by an impressive interplay of softly and crisply rendered elements, particularly accented by the light. Benedict Nicolson and Luisa Vertova (see literature) describe our version as the qualitatively better one. Gerrit van Honthorst, who was born in Utrecht on 4 November 1592 as the son of Herman Gerritsz. van Honthorst and his wife Maria Willemsdr. van der Halm, came from an artistically influen- ced family. His father and his grandfather were both painters. His brother Herman was trained as a sculptor, and his younger brother Willem also became a painter and probably trained with him. Honthorst probably learned painting under his father‘s influence, but above all under Abraham Bloemaert (1564–1651). Around 1610–15 he went on a study trip to Rome, where he was particu- larly influenced by Caravaggio‘s work. He specialized in nocturnal views and received the epithet „Gherardo delle Notti“. Among his clients were the art lover and collector Marchese Vincenzo Giusti- niani and Cardinal Barberini, later Pope Urban VII. Gerrit van Honthorst returned from Rome in 1620, from where he brought the influences of Carravaggio (1571–1610) to Utrecht and, together with his contemporaries Hendrick ter Brugghen (1588–1629) and Dirck van Baburen (1595–1624), was an import- ant proponent of northern Caravaggism. After his return from Rome, Honthorst also had a decisive influence on his teacher Abraham Bloemaert, who incorporated the artistic trends of the Holy City into his oeuvre. The penitent Magdalene offered here is dated around 1625. The theme is likely to have corresponded in particular to the ideologies of the Counter-Reformation of the Catholic Church, which strove for a new reflection and purification, for which Mary Magdalene stands symbolically. The viewer unites with the sitter and thus ex- periences a form of purification and contemplation. The impres- sive lighting lends the scene a dramatic aura and captivates the viewer in a moving way, then as now. CHF 150 000 / 250 000 (€ 138 890 / 231 480)
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  • 58. Gemälde Alter Meister | 54 3032* FRANS FLORIS D. Ä. (UMKREIS, 3. VIERTEL DES 16. JAHRHUNDERTS) (1515 Antwerpen 1570) Die Bejubelung Davids nach dem Kampf mit Goliath. Öl auf Holz. Unten rechts mit Monogramm: „HO“. 99 × 141,7 cm. Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland. Diese vielfigurige und farbenfrohe Komposition thematisiert den feierlichen Einzug Davids nach dem Kampf gegen Goliath, der Krieger der Philister, wie es im Alten Testament berichtet wird (Samuel, Kapitel 18, Vers 5-9). Dieser ereignete sich während dem Krieg zwischen dem Königreich Israel unter König Saul und den Philistern. Der Hirtenjunge David, der jüngste Sohn Isais (Jesse), der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und Käse bringen sollte, ertrug die lästerlichen Verhöhnungen des Vorkämpfers der Philister, des Riesen Goliath, nicht und tötete ihn mit einer einfachen Steinschleuder. Daraufhin erkundigte sich König Saul, wessen Sohn dieser tapfere Junge sei, und liess ihn an seinen Hof kommen. Das Alte Testament erzählt, wie die Frauen sangen und jubelten, als David vom Sieg über die Philister zurückkehrte. CHF 18 000 / 25 000 (€ 16 670 / 23 150)
  • 59. | 55 3034 PIETER CRIJNSE VOLMARIJN (1629 Rotterdam 1679) Bacchanal. Öl auf Holz. 38 × 32,3 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Dr. Bert Schepers vom Rubenianum bestätigt die Eigenhän- digkeit anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) 3033* JAN ADRIAENSZ. VAN STAVEREN (um 1613 Leiden 1669) Tronie eines bärtigen Mannes in orientalischer Kleidung. Öl auf Holz. 15 × 12,1 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 60. Gemälde Alter Meister | 56 3035* JAN VAN GOYEN (Leiden 1596–1656 Den Haag) Flusslandschaft mit Blick auf Amerongen. 1651. Öl auf Holz. Unten rechts monogrammiert und datiert: VG 1651. 30,7 × 49,4 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dr. Hans-Ulrich Beck bestätigte 2008 die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes in einem Schreiben (in Kopie vorhanden) und wies dabei insbesondere auf die für die 1650er-Jahre charakteristische Farbgebung und Motivwahl dieses Werkes hin. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Jan van Goyen registriert. CHF 30 000 / 40 000 (€ 27 780 / 37 040) 3036* HARMEN LOEDING (um 1637 Leiden um 1673) Stillleben mit Hummer und Rose. Öl auf Leinwand. 55,8 × 47,3 cm. Provenienz: - Auktion Bonhams, London, 3.12.2014, Los 59. - Europäischer Privatbesitz. Dieses Stillleben mit Hummer und Rose ist ein charakteristi- sches Werk des Leidener Malers Harmen Loeding und entstand wahrscheinlich in den 1660er-Jahren. Über Loedings Werdegang ist wenig überliefert. Geboren in Leiden, besuchte er die dortige Malergilde im Jahre 1664, war vermutlich jedoch schon zuvor als Maler tätig. Möglicherweise wurde er in der Werkstatt Pieter de Rings (tätig vor 1648–1660) ausgebildet, dessen Arbeit Loeding ohne Zweifel massgeblich beeinflusste. Auch der gleichaltrige Leidener Maler Nicolaes van Gelder (um 1636–1676) scheint auf Loeding gewirkt zu haben. Loedings Arbeiten zeichnen sich durch eine detailreiche und gründlich ausgearbeitete Darstellungsweise aus. Einige Elemen- te der zur Auktion stehenden Arbeit – wie beispielsweise das kontrastreich schattierte Weinblatt, die transluzente Zitrone, die Wurmlöcher auf der Tischplatte – finden sich auch in anderen Stillleben des Malers, wie sie unter anderem im Frankfurter Städel oder in der Hamburger Kunsthalle vorhanden sind. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
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  • 62. Gemälde Alter Meister | 58 3037* LUCAS ACHTSCHELLINCK (1626 Brüssel 1699) Felsige Landschaft mit Wasserfall und Figuren. Öl auf Holz. Unten rechts monogrammiert: LA. 19 × 24,8 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) 3038* JOHANNES HANNOT (1633 Leiden 1684) Blumen und Früchte in einer Vase auf einem Tisch. 1664. Öl auf Holz. Links auf der Tischplatte monogrammiert und datiert: IH (ligiert) 1664. 53,8 × 40,8 cm. Provenienz: - Sammlung Siegfried Buchenau, Niendorf (als Jan Davidsz. de Heem). - Kunsthandel Jacques Goudstikker, Amsterdam, Inv.-Nr. 892 (als Jan Davidsz. de Heem, verso mit Wachssiegel und Etikett). - Auktion Koller, Zürich, 21.5.1977, Los 5175 (als Jan Davidsz. de Heem). - Auktion Koller, Zürich, 18.3.1999, Los 130 (als Umkreis Jan Davidsz. de Heem). - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: Amsterdam 1933, Het stilleben, Kunsthandel J. Goudstikker, 18.2.–19.3.1933, Nr. 142 (als Jan Davidsz. de Heem, verso mit Etikett). Dieses Blumen- und Früchtestillleben identifiziert Dr. Fred G. Mei- jer als ein charakteristisches Werk des Leidener Malers Johannes Hannots, wofür wir ihm danken. Das heute bekannte Œuvre des Künstlers erscheint relativ klein, da viele seiner Werke in der Vergangenheit Jan Davidsz. de Heem (1606–1684) zugewiesen wurden, dessen künstlerischen Schaffen er besonders nahegestanden hat und sich ebenfalls auf prunkvolle Stillleben spezialisierte. Gleichfalls war er als Weinhänd- ler tätig. Über Johannes Hannots Biografie ist nur wenig bekannt, seine Werke hingegen geben uns einige Hinweise auf sein künstleri- sches Schaffen preis. Stilistisch finden sich darin vergleichbare Eigenschaften zu jenen Werken von Jan Davidsz. de Heem oder Pieter de Ring (vor 1648–1660). Die Vermutung liegt nahe, dass Hannot von einem der beiden Künstler unterrichtet worden war. Entgegen seiner Vorliebe für Stillleben mit Kompositionen von Früchten, Garnelen, Krebsen, Porzellan und Glas, konzentriert sich bei dem vorliegenden Bespiel der Schwerpunkt auf ein Blumenar- rangement aus Tulpen und Rosen, einem eher seltenen Motiv im Œuvre von Hannot. Hingegen sind die Kirschen in dieser Kompo- sition ein charakteristisches Merkmal seiner Werke. CHF 30 000 / 40 000 (€ 27 780 / 37 040)
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  • 64. Gemälde Alter Meister | 60 3039 ANTWERPEN, ENDE 16. JAHRHUNDERT Bildnis einer Dame im Alter von 28 Jahren. Öl auf Holz. Rechts auf dem Ring mit Monogramm: AC. Oben links bezeichnet: AETATIS 28. Oben rechts bezeichnet: ANo 1522. 99 × 76,5 cm. Provenienz: - Basler Privatbesitz, 1951. - Schweizer Privatbesitz. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 65. | 61 3040* JACQUES DE CLAEUW (Dordrecht 1623–1694 Leiden) Vanitasstillleben mit Totenkopf und Violine. Um 1645. Öl auf Holz. 37 × 47 cm. Provenienz: - Privatsammlung Edmond du Robert, Nancy, 1954. - Auktion Christie‘s, London, 3.9.2000, Los 23. - Kunsthandel Johnny van Haeften, London, 2002. - Kunsthandel Otto Naumann, New York. - Europäischer Privatbesitz. In der Lukasgilde in Dordrecht, die der Künstler Jacques Adolphsz. de Claeuw 1642 mitbegründete, finden sich die Anfänge seines beachtlichen Lebenswerkes. 1646 wurde er Mitglied der Lukasgil- de in Den Haag und heiratete dort 1649 die Tochter von Jan van Goyen (1596–1656). 1651 siedelte das Ehepaar nach Leiden über, wo Claeuw bis an sein Lebensende wohnhaft blieb, mit einem kurzem Aufenthalt 1666 in Zeeland, wie dies in der Leidener Gilde vermerkt ist. Auch in Haarlem dürfte der Künstler eine Zeitlang tätig gewesen sein. Er spezialisierte sich auf Stillleben, vorwiegend mit Blumen- und Bankettdarstellungen. Seinen grössten Erfolg verzeichnete De Claeuw im Bereich der Vanitas-Stillleben, in dem er als Meister seines Fachs galt. So finden sich diese in einer Vielzahl an Gemäl- den in seinem Œuvre wieder. Verwelkende Blumen, verglühende Kerzen, Musikinstrumente, zerknitterte Briefe oder auch mensch- liche Schädel stehen im Fokus seiner Kunst. In ihrer Symbolik verkörpern sie die Vergänglichkeit des Lebens, durch die nichts für die Ewigkeit geschaffen ist, sowie die Flüchtigkeit und die Vergeb- lichkeit, die das menschliche Dasein umgibt. Eine freie Pinselfüh- rung, die die Spontanität des Künstlers zum Ausdruck bringt und dem Gemälde zu einer modernen Erscheinung verhilft, begleitet diese symbolische Aussagekraft, wie dies auch in dem hier ange- botenen Stillleben charakteristisch zum Ausdruck kommt. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fotogafie, wofür wir ihn danken, und datiert das hier angebotene Stillleben um 1645 (schriftliche Mitteilung von 2007). Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Jacques de Claeuw registriert. CHF 25 000 / 30 000 (€ 23 150 / 27 780)
  • 66. Gemälde Alter Meister | 62 3041* JAN DAVIDSZ. DE HEEM (UMKREIS) (Utrecht 1606–1684 Antwerpen) Stillleben mit Früchten, einer Lapislazuli-Schachtel und einer Wan-Li Schale. Öl auf Leinwand. 80 × 68,3 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Berlin. - Auktion Lempertz, Köln, 18.11.2017, Los 2092. - Europäischer Privatbesitz. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 67. | 63 3042* JAN VAN GOYEN (Leiden 1596–1656 Den Haag) Flusslandschaft mit einem Schloss. 1635. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: VGoyen 1635. 43,5 × 70,5 cm. Provenienz: - Privatsammlung Jean Baptiste Bollermann (1776–1852), Mainz. - Auktion Scholz de Zabern, Mainz, 5.9.1853, Los 247. - Privatsammlung Edmund Hardy (1816–1878), Mainz. - Auktion Kohlbacker Bangel, Frankfurt-am-Main, 14.10.1878, Los 57. - Privatsammlung Carl Seb. Goedecker. - Auktion Prestel, Mainz, 8.6.1886, Los 59. - Privatsammlung, Berlin, um 1920–90. - Auktion Sotheby’s, London, 12.12.1990, Los 91. - Europäischer Privatbesitz. Literatur: - Cornelis Hofstede de Groot: A catalogue raisonné, London 1927, Bd. VIII, S. 225, Kat.-Nr. 891. - Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen, Amsterdam 1973, Bd. II, S. 287, Kat.-Nr. 631A. CHF 50 000 / 70 000 (€ 46 300 / 64 810)
  • 68. Gemälde Alter Meister | 64 3043 WYBRAND DE GEEST (UMKREIS) (1592 Leeuwarden nach 1672) Bildnis eines edlen Knaben. 1648. Öl auf Leinwand. Oben rechts mit Monogramm und datiert: KT. Pict: Ano 1648. Verso auf der Leinwand bezeichnet: Geh: R. Anud: Thott: Som: Baren. 101,5 × 75,7 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 69. | 65 3044* JAN PHILIP VAN THIELEN (vor 1618 Mechelen 1667) Blumengirlande mit Rosen, Tulpen, Nelken, Maiglöckchen, Veilchen und Effeu an blauen Schleifen. Öl auf Holz. 31 × 42 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Wir danken Prof. Claus Grimm für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670)
  • 70. Gemälde Alter Meister | 66 3045* JAN MIENSE MOLENAER (um 1610 Haarlem 1668) Christus im Haus von Maria und Martha. Öl auf Holz. Mittig auf dem Stuhl signiert: Molenaer. 41,5 × 57 cm. Provenienz: - Privatsammlung Marchese Giovanni Battista Mansi, Lucca, vor 1969. - Auktion Christie‘s, London, 29.3.1969, Los 21. - Galleria Giorgio Caretto, Turin. - Privatsammlung, Turin, 1969–2009. - Salomon Lilian, Amsterdam, 2009. - Galleria Caretto, Turin, 2013. - Europäischer Privatbesitz. Literatur: Dennis P. Weller: Jan Miense Molenaer: The Life and Art of a Seventeenth-Century Dutch Painter, University of Maryland 1992, S. 97–98 und 216, Abb. 34 (dort fälschlicherweise als in einer Schweizer Privatsammlung). Diese farbenfrohe Darstellung von Christus im Haus von Ma- ria und Martha, die um 1635 ausgeführt wurde, ist eines der elf biblischen Sujets, die Jan Miense Molenaer zwischen etwa 1632 und 1646 malte. Die neutestamentarische Geschichte (Lukas 10: 38-42) wird oft in einem Kücheninterieur dargestellt und erzählt wie Martha, die das Oberhaupt des Haushalts war, Jesus in ihrem Haus empfing. Ihre Schwester Maria sass dabei neben Jesu und hörte gebannt seinen Erzählungen zu. Martha, die durch ihre vielen Aufgaben abgelenkt war, fragte ihn: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich verlassen hat, um mich die ganze Arbeit allein erledigen zu lassen? Dann sag ihr, sie soll mir helfen.“ Aber Jesus antwortete: „Martha, Martha, du machst dir Sorgen und bist durch viele Dinge abgelenkt; es bedarf nur einer Sache. Maria hat den besseren Teil gewählt, der ihr nicht wegge- nommen werden wird.“ Molenaer stellt den Schauplatz dieser religiösen Erzählung sehr detailliert dar, einschliesslich vieler Stillebenelemente, die in ande- ren Werken aus dieser Zeit wiederzufinden sind. Der Vorhang, der über die Tür zu einem anderen Raum hochgezogen wurde, fügt der Darstellung eine theatralische Dimension hinzu. Die Interak- tion zwischen den drei Hauptfiguren wird in Gesten erzählt. Die reichen Farben und Materialien der Gewänder Jesu und Marias heben sie von den erdigeren Farbtönen der Kücheneinrichtung ab und betonen so den Kontrast zwischen dem Bereich des Geisti- gen und demjenigen des Irdischen. Das hier angebotene Gemälde veranschaulicht die ausserge- wöhnlich hohe Qualität und Erzählkraft von Molenaers biblischen Szenen, in denen er religiöse Wahrheiten sichtbar und verständ- lich vermittelt. Das Gemälde positioniert sich damit an der Grenze zwischen Religiösem und Genre. Die exquisiten Stilllebenele- mente, darunter das Gemüse, ein grosser hängender Fasan mit Kalbskopf, silberne Gefässe auf einer prächtigen blauen Tisch- decke sowie der verzierte Stuhl Marias weisen auf einen wohlha- benden Haushalt hin. Die göttliche Erscheinung Jesu in einem solchen Haushalt macht den Betrachter darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, sich an die Lehre Jesu zu halten, wie sie in den heili- gen Büchern auf dem Schoss Marias, erzählt werden. Unser Gemälde entstand in Haarlem, einer Stadt, in der in den späten 1620er Jahren eine ganze Generation von Künstlern, die Haarlemer Klassizisten, auf literarische Themen zurückgriffen, in Anlehnung an die vorherige Generation der Mannieristen, wie Hendrick Goltzius (1558–1617), Cornelis van Haarlem (1562– 1638) und Karel van Mander (1548–1606). Zu dieser neuen Ge- neration gehörten neben Jan Miense Molenaer auch Salomon de Bray (1597–1664) und Pieter de Grebber (um 1600–1654). Dabei scheint Jan Miense Molenaer sich insbesondere in der Theatrali- tät der Inszenierung an ein Werk Pieter de Grebbers anzulehnen, der alttestamentlichen Erzählung „Ester, Ahasveros und Haman“, welches 1628 entstand und sich im National Museum in Stock- holm befindet (Inv.-Nr. 448, Öl auf Holz, 73,5 × 94 cm). Im Inventar, das nach Molenaers Tod 1668 erstellt wurde, sind mehrere eigene Werke mit religiösen Motiven erwähnt und es ist gut möglich, dass auch unser Gemälde kein Auftragswerk war, sondern für den persönlichen Gebrauch des Künstlers gemalt wurde. Stilistisch kann unser Gemälde mit dem 1633 datierten Gemälde „Allegorie der Eitelkeit“ verglichen werden, das sich im Toledo Museum of Art befindet (Inv.-Nr. 1975.21, Öl auf Leinwand, 102 × 127 cm). Wir danken Dr. Dennis P. Weller für seine Hilfe bei der Katalogisie- rung dieses Gemäldes. CHF 30 000 / 50 000 (€ 27 780 / 46 300)
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  • 72. Gemälde Alter Meister | 68 3046* CORNELIS DE HEEM UND DAVID CORNELISZ. DE HEEM (Leiden1631–1695Antwerpen)(Antwerpen1663–1701DenHaag) Blumen in einer Glasvase auf einer Steinplatte mit Insekten und Aprikosen. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: C DE HEEM. 54,3 × 42,5 cm. Provenienz: - wohl Privatsammlung Loveless. - wohl Auktion Christie‘s, London, 7.7.1929, Los 65 (als J. van Huysum). - Privatsammlung Sir William Churchman, Melton Lodge, 1929. - Durch Erbschaft, Privatsammlung, bis 1995. - Auktion Sotheby‘s, London, 6.12.1995, Los 49. - Kunsthandel Johnny van Haeften, London, 2003. - Privatsammlung, Niederlande. - Auktion Sotheby‘s, New York, 29.1.2015, Los 283. - Europäischer Privatbesitz. Mit einer ausführlichen schriftlichen Untersuchung von Dr. Fred G. Meijer, 29.7.2020. Diesen farbenfrohen und detaillierten Blumenstrauss in einer Glasvase auf einer Steinplatte identifiziert Dr. Fred G. Meijer nach Begutachtung des Originals als eine Zusammenarbeit von Cornelis de Heem und David Cornelisz. de Heem. Es entstand in Den Haag in dem Zeitraum um ca. 1680 bis ca. 1687, in welchem Jahr Cornelis nach Antwerpen übersiedelte. Cornelis Jansz. de Heem war ein Schüler seines Vaters, dem hochgepriesenen Still- lebenmaler, Jan Davidsz. de Heem (1606–1684). Wie sein Vater vermittelte auch Cornelis sein künstlerisches Wissen an seinen Sohn David Cornelisz. de Heem. Die Zusammenarbeit von Vater und Sohn, Cornelis und David, ist in mehreren Stillleben belegt, wie beispielsweise in dem Blu- menstrauss in einer Glasvase (Öl auf Leinwand, ca. 66 x 46 cm) im Schloss Mosigkau Dessau. Dieses zeigt einige Blumen, die in unserer Version ebenfalls aufgegriffen sind, wie die rosafarbige und weisse Rose im Zentrum, die zwei Narzissen, die zwei gelben Lilien unten links und die Gartenanemonen. Cornelis Jansz. De Heems Malweise zeichnet sich durch eine Detailvielfalt und vielschichtige Lasurentechnik aus, wodurch eine weichere und luzide Erscheinung der Motive, wie bei den Blüten und Insekten, kreiert wird. Diese sind in unserem Gemälde vor allem in den Tulpen und den Orangenblättern zu erkennen. Eine weitere Kollaboration von Cornelis und David belegt die Blumen- und Früchtegirlande (Öl auf Leinwand, 56 × 69 cm) in der Sammlung im Hofje van Aerden in Leerdam. CHF 120 000 / 150 000 (€ 111 110 / 138 890) 3046* CORNELIS JANSZ. DE HEEM AND DAVID CORNE- LISZ. DE HEEM (Leiden 1631–1695 Antwerp) (Antwerp 1663–1701 The Hague) Flowers in a glass vase on a stone slab with insects and apricots. Oil on canvas. Signed lower right: C DE HEEM. 54.3 × 42.5 cm. Provenance: - Most likely Loveless private collection. - Most likely auction Christie‘s, London, 7 July 1929, lot 65 (as J. van Huysum). - Sir William Churchman private collection, Melton Lodge, 1929. - Thence by family descent, private collection, until 1995. - Auction Sotheby‘s, London, 6 December 1995, lot 49. - Johnny van Haeften gallery, London, 2003. - Private collection, Netherlands. - Auction Sotheby‘s, New York, 29 January 2015, lot 283. - European private collection. With a detailed written analysis by Dr Fred G. Meijer, 29.7.2020. After examining the original, Dr Fred G. Meijer identifies this co- lourful and detailed bouquet of flowers in a glass vase on a stone slab as a collaboration between Cornelis Jansz. de Heem and Da- vid Cornelisz. de Heem. It was painted in The Hague between ca. 1680 and ca. 1687, the year Cornelis moved to Antwerp. Cornelis Jansz. de Heem was a pupil of his father, the highly praised still life painter Jan Davidsz. de Heem (Utrecht 1606–1684 Antwerp). Like his father, he passed on his artistic knowledge to his son, David Cornelisz. de Heem. The collaboration of father and son, Cornelis and David, is docu- mented in several still lifes, for example in the bouquet of flowers in a glass vase (oil on canvas, ca. 66 x 46 cm) in the Mosigkau Cast- le in Dessau. This work shows some flowers that are also featured in our version, such as the pink and white rose in the centre, the two narcissuses, the two yellow lilies in the lower left and the poppy anemones. Cornelis Jansz. De Heem‘s painting style is characterised by a richness of detail and a multi-layered glaze technique, which renders subjects like flowers and insects softer and more trans- parent. In our painting, this can be seen above all in the tulips and orange leaves. Another collaboration between Cornelis and David is a garland of fruit and flowers (oil on canvas, 56 x 69 cm) in the collection of the Hofje van Aerden museum in Leerdam, the Netherlands. CHF 120 000 / 150 000 (€ 111 110 / 138 890)
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  • 74. Gemälde Alter Meister | 70 3047* PIETER STALPAERT (Brüssel 1572–1636 Amsterdam) Waldlanschaft mit Figuren an einem Fluss. Öl auf Holz. Unten rechts auf dem Stein monogrammiert und datiert: PIESTL (ligiert) 16[?]. fecit. 47,5 × 75,5 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Prof. Dr. Jan de Maere bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 75. | 71 3048* JAN BRUEGHEL D. J. UND (1601 Antwerpen 1678) HENDRICK VAN BALEN D. Ä. (WERKSTATT) (um 1575 Antwerpen 1632) Der Triumph des Bacchus. Öl auf Kupfer. 32,4 × 42,3 cm. Gutachten: Klaus Ertz, 16.6.2010. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Das hier angebotene Gemälde ist ein charakteristisches Werk des Antwerpener Malers Jan Brueghel d. J., welches Dr. Klaus Ertz in die 1630er-Jahre datiert. Ertz weist zudem darauf hin, dass die Figuren von einem Künstler aus der Werkstatt von Hendrik van Balen ausgeführt wurden, wobei einige qualitativ sehr versiert sind und an die Malweise des Meisters erinnnern. Die hier dargestellte Szene mit dem „Triumph des Bacchus“ geht auf Ovid zurück (Fastes, III, 713–771) und beschreibt die triumphale Heimkehr des Weingottes aus dem kultisch unter- worfenen Asien. Das Thema wurde in der italienischen Renais- sance häufig aufgegriffen und in Kupferstichen verbreitet. Diese Vorbilder dürften Jan Brueghel d. J. und Hendrick van Balen sowie desssen Werkstatt als Anregung gedient haben. Jan Brueghel d. J. schuf mehrere mythologische Szenen, insbe- sondere in den 1620er- bis 1650er-Jahren und beschäftigte sich dabei immer wieder mit Vorlagen seines Vaters Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625). In unserem Fall dürfte ein berühmtes Werk von Jan Brueghel d. Ä. und Hendrick van Balen als Inspiration gedient haben, das um 1610-20 entstanden ist und sich im Art Gallery and Museum in Glasgow befindet (Inv.-Nr. 57, Öl auf Kupfer, 28,7 × 39,5 cm, siehe Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Jan Brueghel der Ältere. Kritischer Katalog der Gemälde, Lingen 2008-10, Bd. II, Kat.-Nr. 340). Dabei unterscheidet sich das hier angebotene Ge- mälde sowohl kompositorisch wie auch in der Ausführung deutlich vom Vater und zeugt von der eigenständigen künstlerischen Per- sönlichkeit Jan Brueghels d. J. In diesem Gemälde schöpfen beide Maler aus eigenem Gedankengut und verstehen es, alte Vorbilder mit neuen Formen und eigenen stilistischen Mitteln meisterhaft zu verknüpfen und so zu neuen Bildinhalten zu kommen. Zwei Varianten der hier angebotenen Komposition sind bekannt und zeugen von deren Beliebtheit: die erste befindet sich in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe (Inv.-Nr. 809), die zweite in der Gemäldegalerie Schloss Weissenstein in Pommersfelden (siehe Bettina Werche: Hendrick van Balen (1575–1632). Ein Antwer- pener Kabinettbildmaler der Rubenszeit, Turnhout 2004, Bd. I, Kat.-Nr. E17). CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
  • 76. Gemälde Alter Meister | 72 3049 HENDRIK MOMMERS (Haarlem um 1623–vor 1693 Amsterdam) Italienische Landschaft mit Hirten und Schafen. Öl auf Holz. Unten rechts schwer leserlich signiert: Mommers. 37 × 44 cm. Provenienz: - Privatsammlung England, vor 2001. - Schweizer Privatbesitz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Hendrik Mommers registriert. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 77. | 73 3050 LUCAS VAN UDEN (1595 Antwerpen 1672) Bewaldete Landschaft. Öl auf Holz. Unten rechts signiert: lucas van uden. 48 × 73,5 cm. Provenienz: - Auktion Tajan, Paris, 10.4.1992, Los 5. - Auktion Christie‘s, Amsterdam, 6.5.1993, Los 137A. - Kunsthandel Hoogsteder Hoogsteder, Den Haag, 1994. - Schweizer Privatbesitz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Lucas van Uden registriert. CHF 6 000 / 10 000 (€ 5 560 / 9 260)
  • 78. Gemälde Alter Meister | 74 3051* JAN VAN DALEM (vor 1610 Brüssel 1662) Lachender Bacchus. 1662. Öl auf Leinwand. Rechts mittig monogrammiert und datiert: J.v.d. f 1662. 74 × 62,8 cm. Provenienz: - Auktion Lempertz, Köln, 1993. - Europäischer Privatbesitz. Literatur: Guido M. C. Jansen: Jan van Dalem. The Four Ages of Man, in: B. Haboldt et. al.: Singular vision: Haboldt Co.‘s Old master pain- tings and drawings since 1983, Amsterdam/New York/Paris 2012, S. 334. Dieser monogrammierte und 1662 datierte lustige Bacchus identifiziert Guido M. C. Jansen anhand einer Fotografie als ein charakteristisches Werk des Brüsseler Malers Jan van Dalem, wofür wir ihm danken. Wenig ist über die frühen Jahre des Künstlers bekannt, der ver- mutlich vor 1610 in Brüssel als Sohn des gleichnamigen Gold- schmieds geboren wurde. Einem Gemälde zufolge, das signiert und mit den Worten „in Roma“ bezeichnet ist, führte ihn sein Weg in die italienische Hauptstadt. Seine Begegnung mit Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610) zeugt von entscheidender Inspiration, die van Dalem in seine Werke einfliessen liess. So lassen sich auch in diesem Beispiel Einflüsse Caravaggios in der Expresivität und Lichtführung nachweisen. Ebenso verkehrte van Dalem in der Gesellschaft von sogenannten Bamboccianten, einer Gruppe von Künstlern aus dem Norden Europas, die im 17. Jahrhundert in Rom tätig waren. In ihren Werken stellten sie vorwiegend das ländliche Leben und südliche Landschaften sowie auch antike Ruinen und Baudenkmäler dar. Dem vorliegenden Gemälde „Lachender Bacchus“ wird eine wichtige Bedeutung zugeordnet, da dieses als eines der wenigen gesicherten Werke seines Œuvres gilt und vermutlich kurz vor seinem Tod entstanden ist. Das Motiv des Bacchus greift Jan van Dalem bereits 1648 in der leicht variierten Version, heute im Kunsthistorische Museum in Wien (Inv.-Nr. Gemäldegalerie, 1687), auf, die ebenfalls monogrammiert ist. Dort zeigt sich Bacchus mit einem Weinglas in der Hand und einem üppigeren Efeukranz auf seinem Haupt. Eine weitere Version des Bacchus findet sich im Szépmüvészeti Múzeum in Budapest (Inv.-Nr. 67.9). Eine vierte Version zu diesem Thema, die einst als ein Werk Salomon de Braysverstanden wurde, konnte Jansen ebenfalls dem Œuvre Jan van Dalems zuweisen (siehe Jansen 2012, S. 336–337). Im selben Jahr wie unser Bacchus, entstand auch ein datiertes und mit Jan van Dalem voll signiertes Bildnis einer jungen Frau mit Palmzweig, das heute als verschollen gilt. Mit diesem und unse- rem Bacchus lassen sich die Eckdaten des Spätwerkes von Jan van Dalem bestimmen, der kurz darauf verstarb. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520)
  • 79. | 75
  • 80. Gemälde Alter Meister | 76 3052* ANTHONIS LISAERT (1578 Antwerpen nach 1626/27) Das Jüngste Gericht. Öl auf Kupfer. 26,5 × 21 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts war ein beliebtes Motiv in der Werkstatt der Malerfamilie Lisaert. Es wird davon ausgegan- gen, dass ein Prototyp der Komposition vom Vater, Pieter Lisaert II., der 1549 Freimeister in Antwerpen war, im Atelier als Vorlage diente. Eine weitere Version des Jüngsten Gerichts von Pieter Lisaert IV. (1595–1629) befindet sich im Musée des Beaux-Arts de Dijon. Anthonis Lisaert wurde 1614 Freimeister in Antwerpen und nahm 1617 Cornelis de Baellieur (1607–1671) als Lehrling in seiner Werkstatt auf. Dr. Ursula Härting, welche die Eigenhändigkeit unseres Gemäldes anhand einer Fotografie mündlich bestätigt und wofür wir ihr danken, weist diesbezüglich auf eine gewisse technische Nähe sowohl in der Ausführung wie auch in der Cha- rakteristik der Figuren zu Baellieurs Werk hin. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 81. | 77 3053* PIETER GALLIS (Enkhuizen 1633–1697 Hoorn) Früchtegirlande mit Pfirsichen, Pflaumen, Brombeeren, Nüssen, Mais und Schmetterling in einer Nische. Öl auf Leinwand. Unten links signiert: PGallis. 51 × 41 cm. Provenienz: - Duits Gallery, London, vor 1979 (verso mit Etikett). - Europäischer Privatbesitz. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken. CHF 30 000 / 40 000 (€ 27 780 / 37 040)
  • 82. Gemälde Alter Meister | 78 3054* HOLLÄNDISCHE SCHULE, 17. JAHRHUNDERT Flusslandschaft. Öl auf Holz. 19,5 × 56,5 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) 3055* HAARLEMER SCHULE, 17. JAHRHUNDERT Bewaldete Landschaft mit Hirten. Öl auf Leinwand. 74,5 × 60,5 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 83. | 79 3056* ABRAHAM JANSZ. BEGEYN (Leiden 1637–1697 Berlin) Mediterrane Küstenszene. Öl auf Leinwand. Unten links signiert: ABegeyn. f. 71 × 89,5 cm. Provenienz: - Auktion Dorotheum, Wien, 13.10.2010, Los 642. - Europäischer Privatbesitz. Der in Leiden geborene Landschaftsmaler Abraham Jansz. Begeyn unternahm zahlreiche Reisen nach Italien, England und Brandenburg und war als Hofmaler unter Kurfürst Friedrich III. in Berlin tätig. Seine frühen Werke, so auch das hier angebotene Gemälde, waren von den Landschaften von Jan Asselijn (1610–1652) und Nicolaes Pietersz. Berchem (1620–1683) inspiriert. Seine Kennt- nis der Perspektive wurde besonders gerühmt. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 84. Gemälde Alter Meister | 80 3057 NICOLAES MAES (Dordrecht 1632–1693 Amsterdam) Porträt einer Edeldame. 1691. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert und datiert: N MAE. 1691. 61,5 × 50 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s, London, 19.4.2005, Los 184. - Schweizer Privatbesitz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Nicolaes Maes registriert. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 85. | 81 3058 WILLEM VAN HERP D. Ä. (um 1613 Antwerpen 1677) Christus vor Kaiphas. Öl auf Leinwand. Unten rechts Reste einer Signatur: G. V. Herp. 109,8 × 162 cm. Provenienz: - Privatsammlung Louis P. Durr, New York, bis 1880. - Gallery of Art of the New York Historical Society, New York, 1882–1995. - Auktion Sotheby’s, New York, 12.1.1995, Los 29. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Catalogue of the Gallery of Art of the New York Historical Society, New York 1915, S. 107, Kat.-Nr. D-46. Willem van Herp war ein vielseitiger Künstler, der sich insbeson- dere auf die Darstellung historischer Bildthemen spezialisierte und mit verschiedenen Künstlern zusammenarbeitete, darunter Erasmus Quellinus II. (1607–1678) und Anton Goubau (1616– 1698). Das zur Auktion angebotene Werk befand sich einst in der Sammlung der New York Historical Society, wo es, gemeinsam mit zwei weiteren von van Herp ausgeführten Tafeln, rund 100 Jahre verwahrt wurde. Die Tafeln haben gemein, dass sie Szenen aus der Passion Christi zeigen und damit möglicherweise Teil einer umfangreicheren Bildserie waren. CHF 25 000 / 40 000 (€ 23 150 / 37 040)
  • 86. Gemälde Alter Meister | 82 3059 ISAACK LUTTICHUYS (UMKREIS) (London 1616–1673 Amsterdam) Porträt eines edlen Herren. Öl auf Leinwand. 115 × 93,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 87. | 83 3060 JAN VAN VUCHT (1603 Rotterdam 1637) Kircheninterieur mit Figurenstaffage. Öl auf Holz. 59 × 83,7 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Charakteristisch für Jan van Vucht sind imaginäre Kircheninteri- eurs mit reduzierter Figurenstaffage, die symmetrisch kompo- niert sind und in denen er wiederkehrende Ausstattungselemente beliebig kombinierte. Vergleichbare Kompositionen des Künstlers befinden sich beispielsweise in der Kunsthalle Bremen (Inv.-Nr. 150-1833/99, siehe Bernard G. Maillet: Intérieurs d‘églises 1580– 1720. La peinture architecturale des écoles du Nord, Wijnegem 2012, Kat.-Nr. M1712) und im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam (Inv.-Nr. 1945, siehe ebd., Kat.-Nr. 1723). Bernard G. Maillet bestätigt die Eigenhändigkeit des hier angebo- tenen Gemäldes anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 88. Gemälde Alter Meister | 84 3061 JAN FRANS VAN BLOEMEN genannt ORIZONTE (Antwerpen 1662–1749 Rom) Mediterrane Landschaft mit Figuren. Öl auf Leinwand. 74,5 × 99,3 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Das hier angebotene Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Jan Frans van Bloemen registriert. Ellis Dullaart vom RKD, Den Haag, datiert es aufgrund seiner deutlich italianisierenden Elemente im Anschluss an Bloemens Reise nach Italien 1689. CHF 18 000 / 28 000 (€ 16 670 / 25 930)
  • 89. | 85
  • 90. Gemälde Alter Meister | 86 3062* ROM, 17. JAHRHUNDERT (NACH CARLO MARATTA) (Camerano 1625–1713 Rom) Danae. Öl auf Holz. 31 × 40 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dieses Gemälde greift einen Stich auf, der sich im British Museum in London befindet (Inv.-Nr. P_1877-1013.1030) und auf eine Komposition Carlo Marattas zurückgeht. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 91. | 87 3063 LEANDRO BASSANO (Bassano 1557–1622 Venedig) Moses schlägt Wasser aus dem Stein. Öl auf Leinwand. 94,5 × 127 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotene Komposition ist in einer weiteren Version von Leandro Bassano bekannt, die sich in der Gemäldegalerie in Dres- den befindet (Inv.-Nr. 256, Moses am Felsenquell, 113 × 175 cm). Dabei ist anzumerken, dass unser Gemälde qualitativ hochwerti- ger gefertigt ist und sich in einigen Abweichungen im Himmel, in der Landschaft, in der Verteilung der Zelte und Gesteine sowie bei den Figuren mittig von der Dresdner Version unterscheidet. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 92. Gemälde Alter Meister | 88 3064 FAUSTINO BOCCHI (1659 Brescia 1742) Grotteske Szene mit Zwergen, Katze und Meerschweinchen. Öl auf Leinwand. Unten rechts schwer leserlich signiert und bezeichnet: FAUSTIN. BOCH F. BRECIA. 72 × 95 cm. Provenienz: - Kunsthandel Max Wydler, Zürich, 1956. - Seither in Schweizer Privatbesitz. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 93. | 89 3065* SIMONE PIGNONI (ZUGESCHRIEBEN) (1611 Florenz 1698) Martyrium der heiligen Barbara. Öl auf Leinwand. 144,5 × 188 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dieses sehr qualitätsvolle und imposante Gemälde, das kürzlich in einer Privatsammlung entdeckt wurde, ist stilistisch sehr nahe am Œuvre von Simone Pignoni. Es könnte möglicherweise aber auch von seinem besten Schüler, Francesco Botti (1640–1711), gefertigt worden sein. CHF 30 000 / 40 000 (€ 27 780 / 37 040)
  • 94. Gemälde Alter Meister | 90 3066* GIACOMO CERUTI (UMKREIS) (1698 Mailand 1767) Gemäldezyklus: Vier Genredarstellungen mit Strassenkindern. Öl auf Leinwand. Je 128 × 96 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 8 000 / 10 000 (€ 7 410 / 9 260)
  • 95. | 91