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Auktion: 30. September 2021
Auktion: 30. September 2021
ANTIKE WAFFEN
ANTIKE WAFFEN
AUKTION IBID 122
Bieten ab 21.09 bis 5./6.10.2021 Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
Gemälde,ZeichnungenGrafikAlterMeisterdes19.Jhs.
BücherAutographen,Schmuck,Möbel,Uhren,Varia,Porzellan
IBID ALTEGRAFIKZEICHNUNGEN
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
IBID BÜCHER  AUTOGRAPHEN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBIDMÖBELUHREN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBIDVARIASKULPTUREN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBID PORZELLAN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBID SCHMUCK
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
IBID GEMÄLDE ALTER MEISTER  DES 19. JHS.
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
AUKTIONSPROGRAMM
AUKTIONEN SEPTEMBER 2021 (A198  IBID 122)
TEPPICHE
Donnerstag,30.September2021,9.30 Uhr
Lot 1501 – 1583
SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN
Donnerstag,30.September2021,11.00 Uhr
Lot 1301 – 1368
MÖBEL, PENDULEN,
SKULPTUREN, SILBER, PORZELLAN
Donnerstag,30.September2021,13.00 Uhr
Lot 1001 – 1248
ANTIKE WAFFEN
Donnerstag,30.September2021,17.00 Uhr
Lot 1401 – 1498
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 
office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch
Auktion: 30. September 2021
DECORATIVE ARTS
MÖBEL, UHREN, SILBER, PORZELLAN, TEPPICHE
ANTIKE WAFFEN, SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN
DECORATIVE
ARTS
A198
SEPTEMBER
2021
BÜCHER  AUTOGRAPHEN
Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr
Lot 101 – 363  501 – 527
SEPTEMBER
2021
Auktion: 29. September 2021
BÜCHER, BUCHMALEREI  AUTOGRAPHEN
BÜCHER,
BUCHMALEREI

AUTOGRAPHEN
A198
ALTE GRAFIK
Freitag, 1. Oktober 2021, 10.30 Uhr
Lot 3601 – 3636
ZEICHNUNGEN
Freitag, 1. Oktober 2021, 11.00 Uhr
Lot 3401 – 3488
GEMÄLDE ALTER MEISTER
Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr
Lot 3001 – 3072
GEMÄLDE DES 19. JH.
Freitag, 1. Oktober 2021, 16.00 Uhr
Lot 3201 – 3253
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A198
OKTOBER
2021
GEMÄLDE
ALTER
MEISTER
UND
DES
19.
JH.,
ZEICHNUNGEN
UND
ALTE
GRAFIK
Auktion: 1. Oktober 2021
GEMÄLDE ALTER MEISTER  DES 19. JH.
ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK
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VORBESICHTIGUNG
Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und
einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen.
EURO-Schätzungen
Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung.
Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken.
Decorative Arts		  S. 1
Sammlung von Elfenbeinobjekten		  S. 145
Antike Waffen		  S. 193
Teppiche		  S. 193
Adressen 		  S. 256
Auktionsbedingungen 		  S. 260
Auction Conditions		  S. 262
Auktions-Auftrag		  S. 264
AUKTIONEN
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Antike Waffen
AUKTION
Donnerstag, 30. September 2021, 17.00 Uhr
VORBESICHTIGUNG
Freitag 24. bis Dienstag 28. September 2021, 10–18 Uhr
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Konsulent für Antike Waffen: Jürg A. Meier
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Möbel  Dekorationen
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| 184
Decorative Arts | Antike Waffen
1401
SPIESS
Deutsch, letztes Viertel 15. Jh., für Kavallerie oder Infanterie.
Schmales Blatt von rhombischem Querschnitt, in der Orthälfte
vierkantig. Lange konische Tülle mit graviertem ornamentalem
Dekorband. Rundschaft neuere Ergänzung. L 229 cm.
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern.
Seltenes spätgotisches Spiesseisen aus der Zeit der Burgunder-
kriege 1476/77.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1402*
AHLSPIESS
Österreichisch-deutsch, um 1500. Sehr lange, pfriemartige Vier-
kantspitze (L ca. 87 cm), welche in einer konischen Achtkanttülle
endet. Korrosionsspuren. Aufgeschobene Handschutzscheibe
aus Eisenblech etwas defekt. Rundschaft ergänzt. H 270 cm.
Ausserordentlich seltene Stangenwaffe. Die hussitische Waf-
fenkombination von Ahlspiess und Setzschild (Tartsche, Pavese)
aus dem 2. Quartal 15. Jh. wurde vor allem von den städtischen
Truppen Österreichs übernommen. Vgl. Das Wiener Bürgerliche
Zeughaus, Katalog Schallaburg 1977, S.77, Nr. 59, Abb. 55.
CHF 600 / 1 200
(€ 560 / 1 110)
1403
LOT VON DREI ARMBRUSTBOLZEN
Schweizerisch, 15./16. Jh.
- KRIEGSBOLZEN, vierkantige Spitze von rhombischem Quer-
schnitt in Tülle übergehend, Zain aus Eichenholz, zwei dünne
langdreieckige Holzfiederungen, L 35,5 cm.
- KRIEGSBOLZEN, vierkantig Spitze in länglicher Pyramidenform
mit Hals in Tülle übergehend, Zain aus Eichenholz, zwei dünne
langdreieckige Holzfiederungen, L 35,7 cm.
- KRIEGSBOLZEN, vierkantige längliche Spitze in Tülle überge-
hend, langer Zain, zwei langdreieckige Lederfiederungen,
L 48,7 cm.
Armbrustbolzen von seltener Vollständigkeit und Erhaltung. Vgl.
H. Lüken, J. Sensfelder: Die Armbrust, Berlin 2019, S. 84-86.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
| 185
1404
KLAPPVISIER EINER BECKENHAUBE
ODER HUNDSGUGEL
Ende 14. Jh. Eisen, teilweise etwas korrodiert, aus einem Stück
schnauzenartig vorgetrieben, im Verlauf einer alten Reparatur
wurden beidseitig Fortsätze mit zwei Scharnieren eingenietet. Die
langrechteckigen Sehschlitze sind bogenförmig. Die Unterkanten
der Sehschlitze gehen in hervortretende, gekantete Wulsten über.
Nasenfläche des Visiers durch drei Kanten symmetrisch geteilt.
Die Visierspitze seitlich von ca. 40 kreisrunden kleinen Löchern
durchbrochen. Zweiteilige aus langrechteckigen Schlitzen beste-
hende Mundöffnung. H 15 cm, Gewicht 0,809 kg.
Ausserordentlich seltenes Visier. Die Hundsgugel war der charak-
teristische Helm der Österreicher in der Schlacht bei Sempach
1386, in der Luzerner Bilderchronik des Diebold Schilling von
1513 deutlich abgebildet. Die anfänglich absteckbaren Visiere
erhielten im Verlauf der Zeit seitliche Scharniere. Vgl. Walter
Schaufelberger: Kriegsführung und Kriegertum zur Sempacher-
zeit (1385-1389), GMS Heft Nr.4, 1986. Schweiz. Landesmuseum
Zürich Jahresbericht 1966, S.20, 21, 57 und Abb. 42, Hundsgugel.
Nolfo di Carpegna: Antiche Armi dal sec. IX al XVIII già Collezione
Odescalchi, 1969, S. 7, Nr. 22. R. Wegeli: Schutzwaffen, Bern 1929,
S. 20, 21, 25, Nrnr. 37, 38.
Provenienz:
- Slg. Karsten Klingbeil (1925-2016), Berlin.
CHF 6 000 / 9 000
(€ 5 560 / 8 330)
1405
HALBARTE
Schweizerisch oder deutsch, 1. Quartal 16. Jh. Massive kurze
Vierkantspitze, flächiger Ansatz mit Rücken, langes schmales
trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter, gerader Schneide,
Schlagspur (Schwertstreich ?), Blattober- und Unterkante minim
konkav, Schnabelhaken über langer schmaler Basis, Marke: in
Fünfeck mit zugespitzter Basis „U“–förmige Marke. Zwei Schaftfe-
dern. Achtkantschaft erg. L 191,5 cm.
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern.
Seltene frühe Halbartenform aus der Zeit von Marignano 1515
und Pavia 1525. Waffe aus der gleichen Werkstatt in der Slg. Altes
Zeughaus Solothurn und im Metropolitan Museum N.Y. Vgl. Rudolf
Beglinger/Marco A. R. Leutenegger: Die Stangenwaffen im Muse-
um Altes Zeughaus Solothurn, Solothurn 2004, S.20, Nr. 3. John
Waldmann: Hafted Weapons in Medieval and Renaissance Europe,
Boston 2005, S. 50, Abb. 49.
CHF 2 400 / 3 200
(€ 2 220 / 2 960)
Decorative Arts | Antike Waffen
1406*
HALBARTE
Österreichisch-deutsch, 1. Viertel 16. Jh., maximilianische Form.
Massive Vierkantspitze, im Ansatz flächig, beidseitig gleiche Mar-
ke, Blatt in unregelmässiger Trapezform, Ober- und Unterkante
sowie die schräg gestellte Schneide leicht konkav. Flacher Schna-
belhaken, Basis fünffach eingeschnitten. Gekantete Schaftfüh-
rung mit geradem Abschluss, eine Kante gerade die andere leicht
gebogen. Lange Schaftfedern, Achtkantschaft ergänzt, ebenso
die Schaftnägel. L 225 cm.
In den Zeugbüchern Kaiser Maximilian I. (1502–1515), die vor al-
lem über die Artillerie Auskunft geben, finden sich auch Abbildun-
gen von „Helmparten“, welche über die charakteristischen Merk-
male maximilianischer Halbarten informieren. Vgl. Egg, Pfaundle:
Maximilian und Tirol, 1969, S. 90/91.
CHF 800 / 1 400
(€ 740 / 1 300)
1407
HALBARTE
Schweizerisch, 2./3. Quartal 16. Jh. Massive Vierkantspitze,
flächiger Ansatz mit Rücken, trapezförmiges Blatt mit schräg
gestellter, gerader Schneide, Blattober- und Unterkanten sowie
Schnabelhaken mit bogenförmigen Einschnitten, Marke: Fünfeck
mit achtstrahligem Stern. Zwei gewellte Schaftfedern und Bänder.
Originaler Achtkantschaft mit geschnittenen Initialen des Besit-
zers „FB“ und stilisiertem Baum- oder Blattzeichen. L 234 cm.
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern.
Formschöne Kampfhalbarte mit originalem gemarktem Schaft.
Vgl. Gessler, Waffensammlung Schweiz. Landesmuseum 1928,
Tafel 18.
CHF 1 600 / 2 400
(€ 1 480 / 2 220)
| 186
| 187
1408*
SCHWERT
Deutsch, im Stil Mitte 16. Jh., Arbeit 2. Hälfte 19. Jh. Eisengefäss,
Kugelknauf original um 1550, ganzflächig von einem geschnit-
tenen feinen Perlmuster bedeckt, flacher Nietkopf. S-förmig
geschweifte, achtkantige Parierstange endet in kugelförmigen
Abschlüssen mit Perlmuster in abgegrenzten Bahnen. Grosse
Fingerbügel, Eselshuf dient terzseitig als Basis für drei Spangen
die mit einem grossen Parierring verbunden sind. Spangen und
Parierring enden wie die Parierstange in kugelförmigen Abschlüs-
sen. Quartseitig ein grosser Daumenbügel durch Spangenkreuz
mit dem Eselshuf verbunden. Belederter Holzgriff. Zweischneidige
Klinge ( L 102 cm), Fehlschärfe, Ansatzdrittel mit Mittelkannelüre.
L 120 cm
Der ausserordentlich seltene „Renaissanceknauf“ um 1550
wurde im 19. Jh. handwerklich sorgfältig und „kongenial“ zu einem
Schwert komplettiert. Originale Waffen mit derartigen Knäufen
sind praktisch unbekannt. Vgl. R. Forrer: Die Schwerter und Knäufe
der Sammlung Carl von Schwerzenbach, 1905, S. 47, Tafel XI.
CHF 700 / 1 200
(€ 650 / 1 110)
1409*
SCHWERT, SOGENANNTER KREUZDEGEN
Im deutschen Stil um 1500, Arbeit Ende 19. Jh. Eisengefäss, lan-
ger konischer, zehnkantiger, gekehlter Knauf, Nietfläche halbku-
gelförmig. Dreikantige Parierstange mit horizontal leicht geboge-
nen Armen, auf der Unterseite Scheidenabdeckung. Belederter
Holzgriff von ovalem Querschnitt, im Knaufbereich schmaler.
Vierkantklinge (L 109 cm), alle vier Seiten gekehlt. L 133,8 cm
Das mit einer langen Stossklinge ausgestattete Schwert wurde in
der Eidgenossenschaft als „Kreuzdegen“ bezeichnet. Die Waffe
scheint von Söldnern aus Frankreich mitgebracht worden zu sein.
Man verbot sie anlässlich der Tagsatzung vom 11.3.1409, weil sie
vergleichsweise mit den Schwertern zu Hieb und Stich (Schwei-
zerdegen) nur begrenzt einsetzbar waren. Gute Replik einer im
Original nicht erhältlichen Waffe. Vgl. E. A. Gessler: Vom Kreuzde-
gen, ASA NF 24, 1922, S. 158 ff.
CHF 700 / 1 200
(€ 650 / 1 110)
1410*
PRUNKGLEFE
Im Stil 1. Hälfte 16. Jh., Historismus 19. Jh. Langes, zweischnei-
diges Blatt, im Ort schnabelartig gebogen, im unteren Drittel
rechtwinklig angesetzter, verzierter Rückendorn sowie an der Ba-
sis ein ähnlicher Fortsatz. Ganzflächiger Ätzdekor vor schwarzem
gepunktetem Grund: Blattränder mit geschnürltem Dekor, dichte
Blattrankenmuster, im Mittelfeld drei Kronen, welche durch Bänder
miteinander verbunden sind. Zwischen den Rückendornen die
im Blatt verschraubte Figur eines grimmen Löwen, am Blattan-
satz eine Delphinfigur, beide aus vergoldetem Messing. Massive
konische Achtkanttülle. Rundschaft mit Quaste und Stelldorn
ergänzt. Eisenlänge 81,3 cm.
Mit den drei Kronen und dem Löwen (als Schildhalter) nimmt die
Waffe Bezug auf das Wappen des schwedischen Königreiches; der
Delphin steht für die Nähe Schwedens zum Meer. Diese sehr de-
korative sorgfältig gearbeitete Historismuswaffe dürfte im Auftrag
entstanden sein. Sie wurde in der Auktion Fischer, Luzern 2000
unter der Nr. 16 für 14‘000.- als Original verkauft.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 188
Decorative Arts | Antike Waffen
1411*
VISIERHELM
Im deutschen Stile 1. Hälfte 16. Jh., Arbeit 2.
Hälfte 19. Jh. Eisen blank, einteilige Helmglocke
mit niedrigem geschnürltem Kamm, Glocke
beidseitig fünffach geriefelt, dazu gravierte
Zierlinien, Federtülle. Zweiteiliges Visier mit Seh-
und Luftschlitzen, wie das Kinnreff aufschlagbar,
seitlicher Visierstengel, Drucksperre. Dreifach
geschobener, zehnfach geriefelter Nacken-
schirm. Basis mit umlaufender, versenkt getrie-
bener, geschnürter Borte. H ca. 28 cm.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 390 / 1 850)
1412
HALBARTE
Schweizerisch, letztes Viertel 16.Jh., Ringier–Zofingen. Vierkant-
spitze, trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter, gerader Schnei-
de, Dekor bestehend aus einfachen Bogengravuren u. Dreier-
gruppen von Punktdurchbrechungen, Blattober- und Unterkanten
sowie Schnabelhaken bogenförmig eingeschnitten, geschlagene
Marke: Quadrat mit diagonalem Balken und drei Kugeln (= verein-
fachtes Ringierwappen). Zwei Schaftfedern, eine Feder gekürzt,
zwei Schaftbänder, Zwinge. Achtkantschaft, Wurmfrassspuren,
gekerbte Besitzerinitialen. L 231,5 cm
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist.
Seltene Schweizer Halbarte. Der Sohn Michael des in Zofingen
eingebürgerten Hans Ringier (erwähnt 1538–1567) bekleidete
1587 – 1605 das Amt des Schultheissen. Die Brüder Michael (erw.
1546–1605) und Jakob (erw. 1540–1586) übten das Messer- und
Waffenschmiedehandwerk aus. Sie stellten auch Halbarten her.
Vgl. H. Schneider: Schweizer Waffenschmiede, 1976, S. 176,
falsche Zuschreibung der Marke.
CHF 1 600 / 2 200
(€ 1 480 / 2 040)
1413
MORION
Deutsch, Nürnberg, um 1580. Eisen geschwärzt, eintei-
lige Glocke mit hohem Kamm, hochgezogene Krempe,
beidseitig spitz endend, Nürnberger Beschau verwischt,
geschnürlte Borten. Glocke mit leichter Delle, Löcherpaare
zur Befestigung eines Innenfutters. H 26,7 cm.
Vgl. Gessler, Waffensammlung Schweiz. Landesmuseum
1928, Tafel 25.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 189
1414
GANZER HARNISCH
Deutsch um 1580. Eisen blank, Messing-
nieten, bestehend aus: Sturmhaube,
einteilige Glocke mit hohem Kamm,
Mittelgrat, in spitz endenden Augen-
schirm übergehend, gebörtelter Rand.
Nackenschirm eingenietet. Wangenklap-
pen mit Punktdurchbrechungen, Ränder
gebörtelt. Federhülse. Harnischkragen,
zweiteilig, einfach geschobener Hals-
ausschnitt, gebörtelt. Brust, gewölbt,
Mittelgrat, tiefer Tapul, Halsauschnitt
gebörtelt, geschobene Armausschnitte.
Bauchreifen, daran angeschnallt zwei
zehnfach geschobene Knieschösse.
Rücken, Gesässreifen. Armzeug mit
sechsfach geschobenen Schultern,
Oberarmzeug geschlossen, offene
Muscheln, Unterarmzeug aufklappbar,
Scharnier und Druckverschluss. Hand-
schuhe mit kurzen, geschlossenen
Stulpen, Handrücken fünffach gescho-
ben, Buckel mit Zierkerben, Daumen und
Finger geschuppt. Beinzeug, Kniebuckel.
Aufklappbare Beinröhren mit achtfach
geschobenen Schuhen. Sorgfältig res-
taurierter Harnisch, Belederung erneuert.
Inklusive Ständer. H 174 cm.
Provenienz:
- Auktion Galerie Fischer Luzern, 2011,
Nr. 290.
- Schweizer Privatsammlung
Dieser Rüstungstyp wird in der Literatur
als leichter Feldharnisch bezeichnet. Auch
in der Eidgenossenschaft bei Offizieren
gebräuchlicher Harnisch mit dem selten
vorhandenen Beinzeug, elegante Form;
seltene Vollständigkeit. Vgl. Harnische im
Alten Zeughaus Solothurn, Rudolf Wegeli:
Katalog der Waffen-Sammlung im Zeug-
hause zu Solothurn, 1905.
CHF 18 000 / 25 000
(€ 16 670 / 23 150)
| 190
Decorative Arts | Antike Waffen
1415*
STURMHAUBE
Deutsch, um 1580. Eisen teilweise geschwärzt,
einteilige Glocke mit hohem geschnürltem Kamm.
Die Glocke mündet in die spitz endenden Augen- und
Nackenschirme, beide weisen versenkt getriebene,
blanke, geschnürlte Randleisten auf, Wangenklappen
mit blanken Rändern und rosettenförmig angeordne-
ten Punktdurchbrechungen. Glocke und Wangenklap-
pen mit originalen Messingrosetten. H ca. 32 cm.
Formschöne und sehr gut erhaltene Sturmhaube, wie
sie auch in der Eidgenossenschaft Verwendung fand,
qualitätsvolle Schmiedearbeit. Vgl. Gessler: Waffen-
sammlung Schweiz. Landesmuseum 1928, Tafel 24.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1416*
RICHTSCHWERT
Deutschland, Ende 16. Jh. Eisengefäss, achtkantiger grosser
Scheibenknauf, beidseitig abgeschrägte Kantenflächen, die
jeweils in einer achteckigen Zentrumsfläche enden, achtkantige
Parierstange mit kolbenförmigen Armen und Knopfabschlüssen.
Belederter vierkantiger Holzgriff, konisches Griffende schmaler
mit feiner Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge (L 84,2
cm, B 5,3 cm), kurzer Mittelhohlschliff, im Ort gerade respekti-
ve stumpf endend. In Passauer Manier in Messing tauschierter
Galgen und Rad mit nachträglich im 19. Jh. gravierter Beschriftung
„VIM VI REPELLERE LICET“ mit Totenkopf. L 109,5 cm.
Richtschwert in gutem Zustand, das im 19. Jh neu gefasst wurde.
Vgl. H .R. Uhlemann: Die mittelalterlichen Gerichts- und späteren
Richtschwerter von Passau, in: Blankwaffen, hg. Stüber und Wet-
ter, 1982, S. 33-44.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 191
1417
PULVERIN/FLACON
Im italienischen Renaissance-Stil des 3. Quartal 16. Jh., Historis-
mus, 19. Jh. Durchbrochener Messingguss versilbert in zugespitz-
ter Flaconform mit Glaskern, Vorder- und Rückseite mit symmet-
risch angelegtem reichem Dekor, im Zentrum das von einer Krone
überhöhte Mediciwappen sowie das Allianzwappen Medici-Öster-
reich, beidseitig geflügelte Putten als Schildhalter. Seitliche Henkel
in Form von geschmückten Halbfiguren mit Tragringen für die
kurze Kette. Oben ein Maskaron samt Ausguss und beweglichem
Stutzen. L 10,5 cm
Das pulverinförmige Flacon fand möglicherweise als Streusand-
oder Parfumbehälter Verwendung. Die Wappen erinnern an die
1565 stattgefundene Hochzeit von Francesco I. de Medici mit
Erzherzogin Johanna von Österreich. Schönes Beispiel eines
Historismusobjekts.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1419
PULVERFLASCHE
Deutsch oder schweizerisch, letztes Viertel 16. Jh. Hirschhorn-
körper (Geweihgabelstück), zweiteiliges Gabelende. Vorderseite
geglättet und graviert, Darstellung eines vornehmen Ehepaars,
bärtiger Gatte mit hohem Hut, Wams und Pluderhosen, Gattin mit
weitem Rock und Hut. Eisengarnitur original, zwei Verschlusskap-
pen, ein Deckelabschluss fehlt, Flaschendeckel verschraubt, lange
Tülle mit Federverschluss und an der Basis eine Federsperre, vier
Tragringe. L 24,8cm
Schöne Pulverflasche in gutem Originalzustand, vgl. Ray Riling:
The Powder Flask Book, 1953, S. 238-239, Abb. 37.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1418
HALBARTE
Deutsch, um 1586, Claus Lerchli, Kempten, für das Zeughaus
Zürich. Vierkantspitze, an der Basis Meistermarke: in Schild ein
dreiblätteriges Kleeblatt, etwas verschliffen, trapezförmiges Blatt
mit schräg gestellter leicht konkaver Schneide. Blattober- und Un-
terkante sowie Schnabelhaken mit bogenförmigen Einschnitten.
Zwei Schaftfedern und zwei Schaftbänder. Originaler Achtkant-
schaft, wenige Wurmfrassspuren. L 233,5 cm.
Seltene Halbarte des in Kempten im Allgäu aktiven Waffen-
schmieds Claus Lerchli, der das Zeughaus Zürich 1586 mit 336
Halbarteneisen dieses Typs belieferte. Die Schäftung der Eisen
erfolgte in Zürich. Vgl. Jürg A. Meier: Stangenwaffen aus Kempten
für Zürich, die Lieferungen Claus Lerchlis in den Jahren 1585-
1591, in: Rapport 3 / 4, Schweiz. Waffeninstitut, Grandson 1979,
S. 213-224.
CHF 1 100 / 1 600
(€ 1 020 / 1 480)
| 192
Decorative Arts | Antike Waffen
1420
HALBARTE
Österreichisch-steirisch, um 1580. Lange Vierkantspitze,
halbmondförmiges Blatt mit breitem Hals und schräg gestellter
konkaver Schneide. Blatt und Schnabelhaken mit Gruppen von
Punktdurchbrechungen, Marke: Schild durch diagonales Kreuz
unterteilt, in den Feldern kleine blanke Scheiben (Pangraz Taller).
Lange Schaftfedern und Bänder, Zwinge. Vierkantiger Original-
schaft, Kanten gerillt. L 277 cm.
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern
Von Pangraz Taller, Bürger und Waffenschmied an der Sulz bei
Steyr hergestellte Halbarten sind Landeszeughaus Graz in grosser
Zahl vorhanden. Vgl. Pichler, Landeszeughaus in Graz, 1880, Tafel
XXVII, Fig.5.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1421*
RAPIER
Italienisch, Ende 16. Jh. Eisengefäss geschwärzt, birnförmiger
Knauf, Halsansatz bandartig mit Zackenmuster, flacher Nietkopf,
offener Griffbügel, terzseitiger Seitenbügel in Parierstange samt
zugespitztem Mittelstück mündend, Parierstange mit dreiteiligem
Spangenfortsatz der im Eselshuf mit einem kleinem durchbro-
chenen Stichblatt endet. Grosse Fingerbügel. Quartseitig ein
weiterer Seitenbügel, der mit zwei Parierringen verbunden ist. Alle
Bügel und Spangen weisen gehämmerte, gekantete Flächen auf.
Spiralig gekehltes Griffstück, feine Kupferdrahtwicklung. Zwei-
schneidige Klinge (L 101 cm), Fehlschärfe, dann gedacht, schmale
Mittelbahn. L 118,4 cm
Formschönes ausgewogenes Rapier. Die gehämmerten, astarti-
gen Bügel und Spangen entsprechen einer italienischen Dekor-
technik, die sich bei Rapieren zu Ende des 16. Jahrhunderts in und
um Mailand nachweisen lässt. Vgl. Simone Picchiani: Le Spade da
lato al Museo Stibbert, 2019, Nr. 92.
CHF 1 400 / 2 400
(€ 1 300 / 2 220)
1422*
REITSCHWERT
im Stil 2. Hälfte 16. Jh., Arbeit 2. Hälfte 19. Jh. Eisengefäss,
Kugelknauf, bestehend aus sieben Bügeln mit drei kettenartig
verbundenen rechteckigen Gliedern, Nietkopf. Parierstange,
Parierring sowie Fingerbügel und Eselshuf bestehen ebenfalls aus
Kettengliedern. Quartseitig Spangenpaar. Rhombisch gerillter
Griff mit feiner Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge ( L
107,3 cm), Fehlschärfe, sig. „JUANEZ URIZIA“ (für „Juan Ruiz,
Toledo). L 127,5 cm
In der Slg. Carl von Schwerzenbach und der Slg. H.C.M. Dreger
befanden sich Schwerter mit den gleichen attraktiven, vorzüglich
gearbeiteten Kettengefässen, die alle aus derselben Werkstatt
stammen und als Original eingestuft wurden. Die assortierten
Klingen weisen Signaturenimitate bekannter Meister auf. Vgl.
R. Forrer: Die Schwerter und Schwertknäufe der Slg. Carl von
Schwerzenbach, 1905, Tafel LII, Nr. 2. Waffensammlung Dreger,
1926, Nr. 77.
CHF 700 / 1 200
(€ 650 / 1 110)
| 193
1423*
HALBARTE
Österreichisch-steirisch, um 1580. Lange Vierkantspitze,
halbmondförmiges Blatt mit breitem Hals und schräg gestellter
konkaver Schneide. Blatt und Schnabelhaken mit Gruppen von
Punktdurchbrechungen, Marke: Kreisfläche in durch Balken in drei
Segmente aufgeteilt, darin kleine blanke Scheiben (Peter
Schreckeisen). Lange Schaftfedern und Bänder, Zwinge. Original-
schaft, minim gekürzt, Kanten gerillt. L 233 cm.
Von Peter Schreckeisen aus Wald-Neukirchen bei Steinpach an
der Steyr hergestellte Halbarten sind im Landeszeughaus Graz
in Varianten zahlreich vertreten. Vgl. Pichler: Landeszeughaus in
Graz, 1880, Tafel XXVII, Fig. 5, Tafel XXVI, Fig. 6.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1424*
LUNTENSPIESS
Italienisch, Ende 16. Jh., Artilleriegerät. Breites und kurzes durch-
brochen gearbeitetes Blatt mit Chiffre „JHS“ und Kreuz, in der
Basis verlötet, welche beidseitig Bronzeplaketten mit behelmten
Kriegerköpfen bedecken, dazu in Eisen geschnittene, spangen-
förmige Fabelwesen. Die beiden ebenfalls in Eisen geschnittenen
gebogenen Arme unterhalb der Basis enden in Monsterköpfen,
die als Luntenhalter dienen. Über der konischen Rundtülle mit
figürlichen Gravuren ein Kranz von sechs Eisenspangen mit
Köpfen. Zwei kurze Schaftfedern, Zierquaste, Achtkantschaft mit
Messingnägeldekor und Eisenstiefel. L 205 cm.
Seltener italienischer Luntenspiess. Vgl. L’Armeria: Reale Torino,
1982, Abb. 216.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1425
LUZERNERHAMMER
Schweizerisch, im Stil um 1600, Arbeit 2. Hälfte 19. Jh., Luzern.
Vierkantspitze mit breiterer Basis, gemeisseltes „L“ (Pseudomar-
ke). Der aufgesetzte Hammerteil besteht aus vier divergierenden
langen Vierkantspitzen und endet rückwärtig in einem leicht
gebogenen langen Vierkantschnabel. In der Mitte des Hammer-
teils zwei vierkantige Parierdornen. Zwei Schaftfedern und Bänder,
Achtkantschaft. L 231,5 cm.
Die Bezeichnung „Luzernerhammer“ wurde um 1850/60 vom Lu-
zerner Sammler J. Meyer-Bielmann kreiert und fand 1869 Eingang
in die Fachliteratur. Die Waffe ist als „Mordaxt“ in den Luzerner
Inventaren Ende 16./17.Jh. nachweisbar. Gute Repliken wurden
in Luzern mangels Originalwaffen in stattlicher Zahl für Samm-
ler und Touristen als „Souvenir“ angefertigt. Provenienz: Slg. M.
Sigrist, Luzern.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
| 194
1426*
RAPIER
Französisch, im Stil um 1600, Historismus, 3. Quartal 19. Jh.
Eisengefäss, konischer, walzenförmiger Knauf, geschnittener
Dekor, Medaillons mit behelmtem Kriegerkopf (Mars ?) und Kopf
der Mondgöttin Selene, Nietkopf. Offener Griffbügel, terzseitiger
Seitenbügel in grossen Parierring mündend, zwischen Eselshuf
und Parierring ein weiterer Parierbügel. Die Enden der Parierstan-
ge sind knauf- und ortwärts gebogen. Massiver Griff, geschnitte-
ner Dekor: Besitzerinitialen „TR“ von Krone überhöht, Kartusche
mit gepanzertem Krieger. Das Gefäss weist terzseitig einen
ganzflächigen tauschierten Silberdekor auf, Linienornamente und
Punkte, quartseitig teilweise dekoriert. Zweischneidige Klinge (L
109,5 cm), deutsch, 17. Jh., sig. „ANTONIO RUIZ IN TOLEDO“,
rhombischer Querschnitt. L 125,8 cm.
Dekoratives, aufwändig verarbeitetes Rapier aus der Zeit des
französischen 2. Kaiserreiches. Solingerklinge mit imitierter spani-
scher Signatur eines bekannten Toledaner Waffenschmieds.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1427
KORSEKE/CORSESCA
Italienisch, Anfang 17. Jh. Lange Vierkantspitze, am Ansatz beid-
seitig flügelartig gebogene, zweischneidige Bandfortsätze, die in
Vierkantspitzen enden. Konische gekantete Tülle, Schaftfedern
gekürzt. Rundschaft erg. L 276 cm.
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern.
Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli I, S. 351, 484/85. Seitz:
Blankwaffen I, S.391, Abb.296.
CHF 400 / 700
(€ 370 / 650)
1428
LUZERNERHAMMER
Schweizerisch, 1. Drittel 17. Jh. Vierkantspitze mit breiterer Basis.
Der aufgesetzte Hammerteil besteht aus vier divergierenden
langen Vierkantspitzen und endet rückwärtig in einem leicht
gebogenen, langen Vierkantschnabel. Im Zentrum des Hammer-
teils beidseitig auch der Fixation dienende vierkantige Parierdor-
nen. Zwei Schaftfedern und Bänder, Zwinge und Vierkantschaft
ergänzt. L 217,5 cm.
Der Begriff „Luzernerhammer“ wurde vom Luzerner Kunst- und
Waffensammler J.Meyer-Bielmann kreiert und von A. Demmin
1869 in seinem „Guide des Amateurs d’Armes“ erstmals publi-
ziert. In den Luzerner Zeughausinventaren erscheint diese Waffe
seit dem Ende des 16. Jhs. als „Mordaxt“. Sie wurde bis zum Ende
des 17. Jahrhunderts produziert und bis ins 18.Jh. verwendet. Vgl.
Koller-Zürich 24.9.2020, Nr. 1427 für Fr. 4500.-verkauft, Slg. M.
Sigrist, stammte aus derselben Werkstatt.
CHF 1 800 / 2 800
(€ 1 670 / 2 590)
Decorative Arts | Antike Waffen
1429
LOT VON DREI DOLCHEN ODER STILETTEN
- Dolch, italienisch/venezianisch, 2. Hälfte 17.Jh., sog. Centoventi
für Artilleristen. Eisengefäss, olivenförmiger tordierter Knauf,
kurze tordierte Parierstangenarme. Holzgriff spiralig gerillt. Klin-
genbasis vierkantig, Zierwulst, volle Dreikantklinge mit gravierter
Skala bis 120 korr. L 39,4 cm.
- Stiletto, italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Eisengefäss, Knauf und kurze
Parierstangenarme pilzförmig. Gedrechselter Horngriff, unter-
teilt in Ziernodi und Rillen. Klingenbasis vierkantig mit Marke,
volle Dreikantklinge. L 32,9 cm.
- Stiletto, italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Eisengefäss, Knauf und
Abschlüsse der kurzen Parierstangenarme in gerundeter Schei-
benform. Massiver Griff in Balusterform. Klingenbasis vierkantig,
volle Dreikantklinge. L 22,8 cm
In der zweiten Hälfte des 17. Jh. waren Stiletti in Italien sehr
verbreitet, bekannt ist vor allem der den Artilleristen als Messin-
strument und Waffe dienende „Centoventi“, der über die Kaliber
informierte. Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli, Armeria II,
1986, Abb. 852-880.
CHF 400 / 700
(€ 370 / 650)
1430*
RAPIER
Deutsch, Anfang 17. Jh. Eisengefäss, grosser pflaumenförmiger
Knauf mit 16 vertikalen Rillen und Wulsten, beidseitig Darstellung
einer doppelten Jakobsmuschel, Nietkopf. Offener Griffbügel,
terzseitiger Seitenbügel in grossen Parierring und Parierstange
mündend. Grosse Fingerbügel in Eselshuf mit Knebel endend,
Spangenverbindung zum Parierring. Quartseitig ein weiterer
Seitenbügel, der in drei Spangen übergeht, die ebenfalls im
Eselshuf enden. Griff mit Eisendrahtwicklung und Türkenbünden.
Zweischneidige Klinge (L 96,5 cm), Fehlschärfe Signatur punziert
„ANTONIO PICININO“, dazu Schlagmarke, Klingenquerschnitt
rhombisch. L 111,7 cm
Der Name des bekannten Mailänder Klingenschmieds Antonio
Picinino, der 1589 starb, wurde schon bald von italienischen und
deutschen Klingenschmieden zur Aufwertung ihrer Produkte
verwendet, dasselbe gilt von der kopierten Toledaner Marke.
Seltenes, qualitätsvolles Rapier in alter Montierung. Vgl. Simone
Picchianti: Le spade da lato al Museo Stibbert, 2019, Nr. 9. Heribert
Seitz: Blankwaffen I, 1965, S. 342.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
| 195
| 196
1431*
DEGEN
Italienisch oder deutsch um 1630. Eisengefäss, grosser, langer,
beidseitig zugespitzter olivenförmiger Knauf, vertikale Zierrillen,
teils mit Linien oder Punkten. Parierstange mit knauf- und ort-
wärts gebogenen Armen, ein grosser Fingerbügel, geschnittener
Wellenliniendekor, zugespitzte Griffbasis. Belederter Holzgriff, vier
Eisenspangen. Zweischneidige Klinge, deutsch, wohl Solingen (L
91,5 cm), Fehlschärfe, vierfach signiert „1583 FRANCISCO PIN-
CHINIO“. L 108,2 cm.
Einer der berühmtesten Mailänder Klingenschmiede des 16.
Jhs. war Frederico Piccinino. Seine Signatur wurde vor allem von
deutschen Produktionszentren wie Solingen zur Aufwertung ihrer
Produkte imitiert. Vgl. Heribert Seitz: Blankwaffen II, 1968, S. 271.
CHF 350 / 500
(€ 320 / 460)
1432*
BIRNHELM FÜR PIKENIERE UND MUSKETIERE
Anfang 17. Jh. Eisen, Oberfläche mit Hammerschlagspuren.
Massive, einteilige Glocke, Mittelgrat im Scheitel mit kleinem
Spitzfortsatz, originale Messingziernieten. Schmale, gebörtelte
Krempe, Hängeloch. H 16,7 cm.
In ganz Europa verbreitete Helmform; in dieser Ausführung vor
allem in Italien als „zucotto aguzzo“ beliebt. Boccia/Godoy: Museo
Poldi Pezzoli I, S. 251/252.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1433*
LINKHANDDOLCH
Deutsch, Anfang 17. Jh. Eisengefäss, walzenför-
miger, etwas konischer und achtkantiger Knauf,
flacher Nietkopf, sechskantige Parierstange mit
ortwärts gebogenen Armen, Ansätze gerillt,
Enden verdickt, quartseitig ein Parierring. Griff
mit Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge
(L 34,9 cm), Fehlschärfe, Mittelhohlschliff mit
geätzter Buchstabenfolge. L 47,5 cm.
Vgl. Hugo Schneider: Griffwaffen I, Waffen im
Schweiz. Landesmuseum, 1980, Nrn. 484–492.
Heribert Seitz: Blankwaffen II, Braunschweig
1968, S. 185–187.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
Decorative Arts | Antike Waffen
| 197
1434*
GERICHTSZEPTER IN STREITKOLBENFORM
Deutsch oder schweizerisch, 1. Hälfte 17. Jh. Kolbenkopf mit
sechs durchbrochen gearbeiteten, zugespitzten Blättern mit
graviertem Dekor: Bandwerk und tierkopfartige Elemente mit
spitzen Fortsätzen. Abschluss eichelförmig. Aus zwei gleichen
kolbenförmigen Hälften bestehender durch Mittelring unterteilter
Schaft mit beweglichem Ring. Walzenförmiger Holzgriff, beidseitig
mit Eisenrosetten, unten Schraubbefestigung. L 63,8 cm.
Seltenes Rechtsaltertum. Nachdem Fauststreitkolben zu Ende
des 16. Jh. in weiten Teilen Europas (ohne Osteuropa) ihre primäre
Funktion als Kampfwaffe verloren hatten, fanden sie teilweise als
Kommandostäbe oder Gerichtszepter Verwendung. Aus diesem
Grunde gleichen späterhin im 17./18. Jh. angefertigte Gerichts-
zepter als Symbole der Herrschaft vielfach den ehemaligen
Fauststreitkolben. Gerichtsstäbe wohl aus der gleichen Werkstatt
befinden sich im Besitz der Familien von Graffenried und von Wat-
tenwyl. Rudolf Wegeli: Stangenwaffen, Bernisches Hist. Museum,
1939, S. 2-3, Abb.2, 3. Hans Braun: Familie von Wattenwyl, 2004, S.
112. Hans Braun: Familie von Graffenried, 2012, S. 65.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
| 198
Decorative Arts | Antike Waffen
1436
LOT VON ZWEI LANGSPIESSEN
– LANGSPIESS, schweizerisch, 1. Hälfte
17. Jh. Vierkantspitze, an der Basis
ein Nodus, kurze konische Rundtülle
(Schneider Typ 9 ohne Nodus), eine
Schaftfeder, die zweite fehlt weitgehend.
Rundschaft von 4,61 m Länge.
- LANGSPIESS, schweizerisch, Ende 16.
Jh. – Anfang 17. Jh. Längliche lanzettför-
mige Spitze von rhombischem Quer-
schnitt , kurze konische Rundtülle mit
diagonal angelegten gravierten beidseitig
gefassten Zierlinien ( Schneider Typ 6/7),
zwei Schaftfedern, Rundschaft von
4.60 m Länge.
Seltene Langspiesse in originaler Länge.
Vgl. Hugo Schneide:, Der Langspiess,
in Schriften des Heeresgeschichtlichen
Museums Wien, 1976, Bd. 7, S. 11.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1435
LOT VON DREI LANGSPIESS-
FRAGMENTEN
- LANGSPIESS, schweizerisch, 2./3. Quar-
tal 16. Jh. Längliche, lanzettförmige Spit-
ze, im Ort etwas verdickt, rhombischer
Querschnitt. Kurze konische Rundtülle
mit zwei in Kupfer tordierten Zierbän-
dern. Zwei lange Schaftfedern.
- LANGSPIESS, schweizerisch, Ende 16.
Jh. Längliche lanzettförmige Spitze, Mar-
ke: Hammer. Kurze konische Rundtülle.
Zwei gekürzte Schaftfedern.
- LANGSPIESS, schweizerisch, 2. Hälfte
17. Jh., Bern. Lindenblattförmige Spitze,
rhombischer Querschnitt, Marke: Wegeli,
Stangenwaffen, Nr.1552, Abb.84, Bern.
Alle Rundschäfte gekürzt.
Provenienz:
- Slg. M.Sigrist, Luzern.
Seltene Gruppe von schweizerischen
Langspiesseisen 16.-17.Jh. Vgl. Wegeli:
Stangenwaffen, Hist. Museum Bern, 1939,
S.136-158. Hugo Schneider: Der Lang-
spiess, in: Schriften des Heeresgeschicht-
lichen Museums Wien, Bd.7, 1976, S.7-24.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1437
LOT VON ZWEI LANGSPIESSEN
- LANGSPIESS, schweizerisch, 2. Hälfte
17. Jh. Vierkantspitze, kurze konische
Rundtülle (Schneider Typ 9), zwei Schaft-
federn. Rundschaft von 4,61 m Länge.
- LANGSPIESS, schweizerisch, 2./3. Quar-
tal 16. Jh. Längliche lanzettförmige Spit-
ze mit Mittelgrat, Seitenflächen gekehlt.
Kurze konische Rundtülle mit Messingde-
kor (Schneider Typ 7), zwei Schaftfedern.
Rundschaft von 4,44 m Länge.
Seltene Langspiesse in originaler Länge.
Vgl. Hugo Schneider: Der Langspiess,
in Schriften des Heeresgeschichtlichen
Museums Wien, 1976, Bd. 7, S. 11.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1438
PULVERFLASCHE
Schweizerisch um 1650. Kuhhorn gepresst, flache Form mit ge-
rundeter Ober- und Unterkante, Zierrillen. Messinggarnitur vergol-
det, ovales Bodenstück verschraubt, zapfenförmiges Mittelstück,
verschraubter Deckel mit glatter, konischer Rundtülle, schwenkbarer
Verschlussarm mit Deckel und Feder. Auf dem Deckel Öffnung mit
Schiebedeckel zum Nachfüllen des Horns. Alle Metallflächen weisen
einen reichen gravierten, ziselierten Dekor bestehend aus Rollwerk
mit Früchtebüscheln vor punziertem Grund auf. Zwei Tragringe.
L 22,5 cm.
Seltenes Pulverhorn mit einem für schweizerische Goldschmiedear-
beiten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts üblichen Dekor. Vgl.
Eva-Maria Lösel: Zürcher Goldschmiedekunst, Zürich 1983, S. 381,
Nr.101. Herbert G. Houze: The sumptuos Flaske, Cody 1989, Nrn. 19,
20, 23.
CHF 2 200 / 3 200
(€ 2 040 / 2 960)
1439
KOMBINATIONSWAFFE,
HIRSCHFÄNGER - STEINSCHLOSSPISTOLE
Jean Noël, Byschwyler, Elsass, um 1650/60. Eisengefäss, bombierte Knaufkappe
mit Vernietknauf, Griffbügel in Parierstange mündend, Griffbügel und Parier-
bügel mit Ziernodipaar, quartseitig kleines lilienförmiges Blech, Daumenbügel.
Hirschhorngriff dreifach vernietet. Rückenklinge Solingen etwas korr. ( L 74 cm),
Marke: halbes Einhorn (Clemens Horn), Resten eines jagdlichen Ätzdekors,
einseitig ein breiter Hohlschliff und eine Steinschlosspistole. Rundlauf (L 15 cm),
Kal. 8 mm, Kastenschloss sig. „Jean Noël AB“, Ätzdekor berieben, Blattranken,
flacher Hahn, Mechanismus ohne Studel, gewinkelter Abzugbügel. L 88 cm.
Ausserordentlich seltene jagdliche Kombinationswaffe des um 1630 in Bischwy-
ler im Elsass tätigen Jean Noël. Es ist nur noch ein weiterer Hirschfänger dieses
Meisters mit Pistole bekannt, ebenfalls mit einer frühen Form des Steinschlos-
ses (Vgl. Auktion Fischer 1.12.1971, Nr. 347, verkauft für 28‘000.-). Diese Hirsch-
fänger entstanden während der Regierungszeit des Grafen Christian I. von
Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1598–1654), der seit 1630 Bischwyler residierte
und die Linie begründete von der das bayerische Königshaus abstammt. Vgl.
Buigné/Jarlier: „Le „Qui est qui“ de l’Arme en France, 2001. Albert Weyersberg:
Solinger Schwertschmiede des 16. und 17. Jahrhunderts und ihre Erzeugnisse,
Solingen 1926, S. 21-25, speziell 24-25.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 199
| 200
Decorative Arts | Antike Waffen
1440*
PARTISANE
Französisch oder italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Langes, breites
in den Ort konisch laufendes Blatt, Mittelgrat. Am Blattansatz
beidseitig zwei kleine ortwärts gebogene zugespitzte Flügel.
Blatt im Ansatzdrittel mit symmetrischem graviertem Sparrende-
kor; zwischen den breiten Sparrenflächen ein silbertauschierter
Spiralen- und Punktedekor. Lange konische Rundtülle beidseitig
verschraubt, ein Ziernodus als Abschluss. Zwei verschraubte
Schaftfedern und Rundschaft ergänzt. L 231 cm.
Schöne Prunkpartisane. Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli
I, S. 341, Nr. 463, einfache Ausführungen. Ex Auktion Fischer-Lu-
zern, 16./18.6.1994, Nr. 8303.
CHF 600 / 1 000
(€ 560 / 930)
1441*
LINKHANDDOLCH
Im spanisch-italienisch Stil 17. Jh, Arbeit 19. Jh. Eisengefäss,
pilzförmiger Knauf, halbkugelförmige Nietfläche gerillt, Halsan-
satz konisch, Nietkopf, lange Parierstange, kolbenförmige Arme,
Enden kugelförmig. Quartseitig hochgezogenes, durchbrochen
gearbeitetes, dreieckiges Stichblatt, massive gerillte Kantenbän-
der, Dekor: im Zentrum Frauenkopf vor stilisiertem Blätterkranz,
Blattranken, Blumen und Früchte. Griff spiralig gerillt, feine Eisen-
drahtwicklung. Zweischneidige Klinge (L 39,8 cm), Fehlschärfe, mit
Daumenlager, Lochdurchbrechungen, Ätzdekor. L 53,1 cm.
Schöne, handwerklich gute Arbeit. Vgl. Seitz: Blankwaffen II, 1968,
S. 194/195.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1442
JAGDSCHWERT
Deutsch, wohl sächsisch, 3. Quartal 17. Jh. Eisengefäss, flacher,
offener Griffbügel im Mittelteil mit Dekorscheiben mündet in Pa-
rierstange mit scheibenförmigen Enden; linker Parierstangenarm
zweiteilig, ein Arm ortwärts gebogen. Kleines ovales quartseitiges
Stichblatt mit Punktlochungen und einer aus drei Dekorscheiben
bestehenden Fassung. Der massive, konische, vierkantige Griff-
ansatz aus Eisen mit Zierrille und Wulst ummantelt die Klingenan-
gel, welche beidseitig mit vierfach vernieteten Hirschhornplatten
belegt ist. Rückenklinge (L 54,3 cm), einseitiger Hohlschliff, Resten
eines Aetzdekors. L 68,5 cm.
Jagdschwerter- oder Degen mit diesen charakteristischen
hirschhornbelegten Griffen waren in der zweiten Hälfte im ganzen
deutschen Raum verbreitet, vgl. Deutsches Jagdmuseum Mün-
che: Katalog 1977, Abb. Nr. 2060. G. Quaas hg.: Hofjagd, aus den
Sammlungen des Deutschen Historischen Museums, Berlin 2002,
S. 67, Nr. 5.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 201
1443
HALBARTE
Schweizerisch, Ende 17. Jh., Offizier Bern, Waadt, Berner Aargau.
Klingenförmige Spitze, rhombischer Querschnitt, gewellte
Schneiden, langer an der Basis viereckiger dann gerundeter
Ansatz aus dekorierten Elementen. Halbmondförmiges, durch-
brochen gearbeitetes Blatt, symmetrisch angelegter Bänderde-
kor, Blattrücken zweifach bogenförmig eingeschnitten, konvexe
Schneide. Schnabelhaken durchbrochen mit Rückenhaken. Vier-
kantparierdorn, ein Dorn fehlt. Zwei Schaftfedern und Schaftbän-
der. Originaler Achtkantschaft. L 244 cm.
Seltene, vorzüglich verarbeitete Waffe in gutem Zustand. Das
Berner Zeughaus besass 1687 235 „Officierer Halbarten“. Eine
Waffe aus der gleichen Werkstatt wurde von Koller-Zürich am
24.9.2020 unter Nr.1433 für 4500.-, Slg. M. Sigrist, verkauft. Vgl.
auch Wegeli: Stangenwaffen, Bernisches Historisches Museum
1939, S. 95, Nrn. 1542–1543.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
1444
JAGDSCHWERT
Deutsch, bayerisch, Eichstätt um 1697. Eisengefäss, achtkantiger
Griffbügel, quartseitig mit einer dann drei Ziernieten aus versilber-
tem Messing besetzt. Er mündet in die Parierstange; linker Arm
zweiteilig, ein Arm ortwärts gebogen, ein Parierstangenarm def.,
enden mit Ziernieten. Kleines ovales Stichblatt in einer ziernieten-
besetzten Fassung. Der massive, konische, vierkantige Griffan-
satz aus Eisen mit Zierrillen ummantelt die Klingenangel, welche
beidseitig mit Hirschhornplatten belegt ist, auf deren Quartseite
sich drei Ziernieten befinden. Rückenklinge (L 58,2 cm), Korr.spu-
ren, beidseitig doppelte Hohlschliffe und Kannelüren, Aetzdekor:
Wappen des Fürstbischofs Martin von Eyb. L 71,5 cm.
Johann Martin von Eyb (1630-1704) wurde in vorgerücktem Alter
1697 zum Fürstbischof von Eichstätt gewählt und regierte nur bis
1704. Ausserordentlich seltene Jagdwaffe, die aus der fürstbi-
schöflichen Jagdkammer stammen dürfte. Vgl. Slg. La Roche,
Schloss Landshut, v. Bistram, Die jagdhistorische Sammlung,
1984, Tafel 5, Nr. 13.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 202
Decorative Arts | Antike Waffen
1445* ♣
PULVERFLÄSCHCHEN
Russisch, datiert 1693. Elfenbein (Walross), beschnitzt und
graviert. Ausgussbereich in Form eines Monsterkopfs, Verschluss-
schraube mit kugelförmiger Handhabe. Schmale Kantenflächen
mit ornamentalem Pflanzendekor, auf der oberen Kantenfläche
ein plastisch geschnitzter, liegender Löwe. Vorderseite mit runden
Medaillons, geschnitzter Dekor: 1. Adam und Eva im Paradies,
Baum mit Schlange. 2. Auf einem Felsen sitzender Adler mit
ausgebreiteten Flügeln. Auf der Rückseite gravierte Medaillons: 1.
Reitender Jäger mit Falke und Jahrzahl 1693, 2. Einhorn, russisch
beschriftet. Drei Bänder mit russischer Beschriftung. Ganze
Oberfläche mit graviertem Blatt-, Blumen- und Rankendekor.
Auf dem Pulverhornboden geschnitzte Blätterrosette, Öffnung
für Schraubverschluss, Schraubenkopf in Form eines gekrönten
Männerkopfs. L 18,5 cm.
Ausserordentlich seltene, wohl für eine Kunstkammer bestimmte
russische Arbeit. Vgl. Rudolf Berliner: Die Bildwerke des bayeri-
schen Nationalmuseums, IV. Abteilung, Die Bildwerke in Elfenbein,
Knochen, Hirsch- und Steinbockhorn…, 1926, Nr. 678, Pulverhorn.
Irina Ukhanova: The State Hermitage Museum, North-Russian
Bone-Carving Ivory 17th-19th Centuries, St. Petersburg 2005,
Nr. 32, 1719 datiert, Nr. 33.
Provenienz:
- Auktion Fischer-Luzern, 22. / 24.6.2000, Nr. 821.
CHF 3 000 / 4 500
(€ 2 780 / 4 170)
1446*
GLOCKENDEGEN
Deutsch, im Stile 2. Hälfte 17. Jh., Arbeit 19. Jh. Eisengefäss,
pflaumenförmiger Knauf, achtfach gerillt, geschnittener Blätter-
dekor, flacher Nietkopf. Offener Griffbügel in lange tordierte Pa-
rierstange mündend, grosse Griffringe, halbkugelförmige Glocke
in den Griffringen verschraubt. Glocke durchbrochen gearbeitet,
Glockenrand breit gebörtelt, vier Dekormedaillons in Lorbeerkrän-
zen mit Darstellungen von Kriegern und Kampfszenen, dazu Mas-
karons und Ornamente. Griff mit feiner Eisendrahtwicklung. Klinge
(L 105,5 cm), deutsch 17./18.Jh., gedacht, im Ansatz beschriftete
Mittelkannelüren, „DE AIALA“. L 127,2 cm.
Dekoratives, schön gearbeitetes Glockenrapier mit einer Solin-
gerklinge, welche die Signatur des bekannten Toledaner Waffen-
schmieds Thomas de Aiala imitiert.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 203
1447
MODELLGESCHÜTZ
Deutsch oder Schweiz, datiert 1682. Bronzerohr
(L 42 cm), Kal. 18 mm, Mündung mit Verstär-
kungsringen, zwei Zierbänder mit floralem und
Akanthusdekor, auf dem Flug nach dem Mittelband
zwei gleiche Zierbänder, Schildzapfen, Henkel in
Delphinform, über dem durch Zierringe begrenz-
ten Kammerteil eine grosse barocke Kartusche
und die Jahrzahl 1681, Zündpfanne am oberen
Stossbodenrand, Stossboden mit ornamentalem
Blattdekor, Handhabe in Pinienzapfenform. Origi-
nale hölzerne, etwas beschnitzte, schwarz bemalte
Wandlafette, Speichenräder, Eisenbeschläge,
Zughaken. Lafettenlänge 60,5 cm.
Seltenes originales Modellgeschütz von besonde-
rer Qualität.
CHF 2 400 / 3 400
(€ 2 220 / 3 150)
1448
KRIEGSGERTEL
Sog. „kleiner Schwendt- oder Vorschwenkgertel“,
schweizerisch, um 1700, Luzern, 4. Modell. Hoch-
rechteckiges, zweischneidiges Blatt, endet im Ort
in einem abgewinkelter Hakenfortsatz, Schneiden
gerade in den Ort laufend, zwei gleiche Marken: in
einem Oval eine stilisierte Lilie, dazu „L“ für Luzern.
Kurze, massive gerundete Tülle. Originaler Rund-
schaft, geschlagenes Besitzerzeichen „LUZERN“
(Zeughausslg. Luzern). L 151 cm
Provenienz:
- Slg. M. Sigrist, Luzern.
Ausserordentlich seltene Luzernerwaffe und
Werkzeug. Das Gertelblatt wurde für Dragoner
auch als Handgertel montiert. Vgl. E. A. Gessler, J.
Meyer-Schnyder: Katalog der Historischen Samm-
lungen im Rathause in Luzern, 1912, S.45/46.
CHF 700 / 1 000
(€ 650 / 930)
1449*
HALBARTE
Schweizerisch, letztes Drittel 17. Jh., sog. „Sempa-
cherhalbarte“. Rückenklingenartige Spitze, welche
in eine rückwärtige breite Basis für den flachen
Schnabelhaken übergeht, zwei Marken: Kreisflä-
che durch acht Linien symmetrisch aufgeteilt,
dazu Spitzoval mit zwei Diagonalkreuzen. Langes
hochrechteckiges Blatt, gerade Schneide, Schaft-
führung gerundet, an der Basis zwei Parierdornen.
Zwei Schaftfedern. Achtkantiger Originalschaft,
Zwinge mit Stelldorn. L 228 cm.
Seltene Variante der nach 1656 produzierten,
im Berner Zeughausbestand nachzuweisenden
Sempacherhalbarten, welche im Gebiet von Neu-
enburg hergestellt worden sind. Guter Zustand mit
Originalschaft. Vgl. Wegeli: Stangenwaffen, Hist.
Museum Bern, Nrn. 1365, 1465, 1466, Marken, S.
61, Nr. 1422 Form, Tafel IX., Waffen stammen aus
derselben Werkstatt.
CHF 1 700 / 2 500
(€ 1 570 / 2 310)
| 204
Decorative Arts | Antike Waffen
1450
LUNTENBÜCHSE
Polnisch, um 1700. Jagdwaffe, achtkantiger Lauf, deutsch,
sig. ...THIGER A WIRTZBVRG mit sieben Zügen, Kal.14 mm.
Standvisier und Korn aus Eisen. Luntenschnappschloss,
gerundete Schlossplatte, Pfanne mit Feuerschirm und
Schiebedeckel. Dreifach gefingerter Abzugbügel aus Eisen.
Dunkelbraun getönter Schaft mit alter restaurierter Bruch-
stelle, kleiner Kolben mit Schuber, Dekoreinlagen aus Bein
mit graviertem Dekor, ein Plättchen fehlt. Vernietete Bleche
als Ladestockführungen, Holzladestock. L 111,5 cm.
Seltene polnische Jagdwaffe, deren Schäftung an die
böhmischen Tschinken (auch Teschinke) erinnert; bis
2020 ausgestellt im Polenmuseum Rapperswil. Der für
den wiederverwendeten Lauf verantwortliche Würzburger
Büchsenmacher liess sich nicht identifizieren. Vgl. Armes
anciennes des Collections Suisses, Katalog Musée Rath,
Genève 1972, S.72, Nr. 351.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 390 / 1 850)
1451*
LUNTENSPIESS
Deutsch, um 1700, Mainz, Artilleriegerät. Spitze
von rhombischem Querschnitt, Schneiden gerade
in den Ort laufend, Basis verbreitert mit geätztem
Dekor: Wappen des Franz Lothar Graf Schönborn,
Erzbischof von Mainz, Kurfürst (1695-1729). Die
beidseitigen gebogenen Arme enden in tier-
kopfförmigen Halterungen für die Lunte. Konische
Rundtülle, von den vier Ringen zur Befestigung der
Lunte fehlen drei. Schaftfedern, Rundschaft.
L 227 cm.
Ausserordentlich seltener Mainzer Luntenspiess
aus der Regierungszeit des Erzbischofs Graf
Schönborn, der zum Zünden von Kanonen diente.
Vgl. Heinz Werner Lewerken: Kombinationswaffen
des 15.–19. Jahrhunderts, 1989, S. 291, Nr. 191.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 205
1452*
SCHWERT, JANITSCHAREN-KORPS
Sächsisch-polnisch, um 1729. Messinggefäss
aus mit Kupfer verlöteten Gusshälften beste-
hend. Sechskantiger konischer Griff mit Mittel-
grat, beidseitig ganzflächig von einem Sparren-
muster bedeckt, Sparren teils glatt oder fein
gemustert. Parierstange mit kurzen vierkantigen
Armen und gerollten Enden, Mittelfeld in der Art
eines Mitteleisens zugespitzt, Dekor: Initialen
„AR“ (König August II. von Polen) von Krone über-
höht vor gepunktetem Grund. Rückenklinge (L
67,2 cm, B 4,5 cm), beidseitig breiter Hohlschliff,
im Ortdrittel zweischneidig, Ätzdekor: Initiale
„AR“ von Krone überhöht in einer barocken Kar-
tusche. L 81,5 cm.
1729 errichtete der im Dienst des polnischen
Königs und sächsischen Herzogs August II.
(1697–1733) stehende Oberst Christoph von
Unruh ein Janitscharenkorps (4 Kompanien à 100
Mann), das sich vorwiegend aus Polen und Un-
garn rekrutierte. Das Korps war in Dresden und
Warschau stationiert. Ausserordentlich seltene
Griffwaffe. Vgl. Katalog „Trag diese Wehr zu Sach-
sens Ehr, 1994, S. 16–17, Nr.4.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
1453
PULVERFLASCHE
Schweizerisch, um 1700, wohl Zürich. Messing vergoldet, aus zwei schalenförmigen
Gusshälften zusammengesetzt, beidseitig im Mittelteil eingetieft, im Zentrum ein
fein ziselierter, ornamentaler aus Bogen bestehender Dekor. Dekorbereich und
Aussenkanten durch Zierlinien begrenzt. Gegossene, kölbchenförmige Tülle, Rillen-
dekor, schwenkbarer Verschlussarm mit Deckel und Feder, vier Tragringe, originale
Tragkordel mit zwei Quasten. D 10 cm.
Ein vor allem in Zürich nachweisbarer Pulverflaschentyp; Variante in grosser Aus-
führung für die Jagd, sehr guter Zustand und seltene Vollständigkeit. Vgl. Hugo
Schneider: Rittmeister Johann Jakob Eschmann und das Gefecht um die Bellen-
schanze bei Hütten, in: ZAK Bd. 12, 1951, S, 172, Pulverflasche SLM 23680. Auktion
Fischer-Luzern 11./12.9.1996, Nr. 255, kleinere Ausführung.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
| 206
Decorative Arts | Antike Waffen
1454
STEINSCHLOSSPISTOLENPAAR
Süddeutsch oder österreichisch, um 1730/40. Rundläufe
(L 34,3 cm), Kal. 15 mm, Kammerviertel mit geschnittenem
Dekor: Krieger in antiken Harnischen umrahmt von Ranken- und
anderen Ornamenten, auf den Mittelschienen eingesetzte längli-
che Körner aus Messing. Schlossplatten und Hahnen flach etwas
gekantet, gravierter jagdlicher Dekor – Sauhatz. Messinggarnitur
vergoldet, Seiten- und Daumenbleche sowie Knäufe und Abzug-
bügel mit reicher barocker Ornamentik, zwei Ladestockpfeifen.
Beschnitzte Nussbaumschäfte, Hornabschlüsse, Holzladestöcke
mit Horndopper. L 53,2 cm
Prächtiges, sehr gut erhaltenes barockes Pistolenpaar, wie es
auch bei der Jagd zum Einsatz kam. Vgl. Hans Schedelmann: Die
grossen Büchsenmacher, 1972, S. 200, Abb. 297, S. 227, Abb. 326.
CHF 3 500 / 5 000
(€ 3 240 / 4 630)
1455*
STEINSCHLOSSPISTOLE
Süddeutsch oder österreichisch, um 1730, mit pseudotürkischem
Lauf, Jagdwaffe. Rundlauf (L 28,6 cm), Kal. 15 mm, Damastlauf mit
reichem silbertauschiertem ornamentalem Dekor, in Kartusche
eine pseudoislamische Beschriftung in Gold. Schlossplatte und
Hahn flach, gekantet. Silbergarnitur gegossen und geschmiedet,
anschliessend poliert, Seitenblech mit gravierter Dekor: Jäger
in Landschaft mit See. Abzugbügel, Knaufkappe mit grossem
Maskaron, zwei Ladestockpfeifen. Nussbaumwurzelholz, Holzla-
destock. L 44,7cm, 1089 gr.
Vorzüglich erhaltene, spätbarocke Steinschlosspistole mit einem
hochwertigen Lauf aus Schmiededamast, wie sie in Wien ange-
fertigt wurden. Nach den Siegen über die Türken bei Wien 1683
bis 1717 Belgrad wurden erbeutete türkische Gewehrläufe von
deutschen und österreichischen Büchsenmachern verarbeitet.
Mangels Türkenläufen, die sich für den Einbau in Pistolen eigneten,
wurden vor allem pseudotürkische Pistolenläufe nachgeschmie-
det. Selten und in sehr gutem Zustand. Vgl. Erwin Schalkhauser:
Handfeuerwaffen 1988, S.124–125, Nr. 124. Seitz: Feuerwaffen II,
1969, S. 22–25.
CHF 3 500 / 5 000
(€ 3 240 / 4 630)
| 207
1457*
BERGMANNSBARTE
Sächsisch, Anfang 18. Jh. Längliches
trapezförmiges Bartenblatt mit einem
zugespitzten Fortsatz mündet in die Tülle.
Blatt mit Dreipass- und Punktdurchbre-
chungen. Gekantete Tülle, kleiner Ham-
merfortsatz. Brauner Holzschaft, gravierte
Bein- und Horneinlagen, Dekor: oben –
Kreuzigungsdarstellung mit betenden Berg-
leuten, acht Medaillons mit Darstellungen
von Bergleuten als Schmiede und andere
Aktivitäten, ganzflächige kleine Hornschei-
ben. Auf dem beinernen Schaftabschluss
gravierter Dekor: Wappen von Sachsen
und Meissen, Wappen der Bergleute dazu
Ornamente.
L 83 cm.
Seltene von sächsischen Bergleuten ver-
wendete „Paradebarte“.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
1456*
BERGMANNSBARTE
Sächsisch, Anfang 18. Jh. Längliches trapezförmiges
Bartenblatt mit einem zugespitzten Fortsatz mündet
in die Tülle. Blatt mit Dreipass- und Punktdurch-
brechungen, Marke „CK“. Gekantete Tülle, kleiner
Hammerfortsatz. Brauner Holzschaft, gravierte Bein-
und Horneinlagen, Dekor: Medaillons mit Bergleuten,
Betenden, Ornamente, Blumen, auf dem Schaftrü-
cken ein Kruzifix, ganzflächig kleine Punkt-Scheiben.
Auf dem beinernen Schaftabschluss gravierter
Dekor: Sächsisches Wappen, Wappen der Bergleute
mit gekreuzten Hämmern, Ornamente, Besitzeriniti-
alen. L 86,5 cm.
Seltene von sächsischen Bergknappen verwendete
„Paradebarte“, vgl. René Géroudet: Notes sur les
haches des mineurs saxons, Armes anciennes 5,
1955, S.103–108. Heribert Seitz: Blankwaffen II, Abb.
247, 248.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 208
Decorative Arts | Antike Waffen
1458*
STEINSCHLOSSPISTOLE
Englisch, um 1730, Kavallerie. Rundlauf (L 35,4 cm), Kal. 17 mm,
Kammerbereich gekantet mit Tower Beschuss und Beschau, Lon-
don. Schlossplatte und Hahn gerundet. Messinggarnitur, Knauf-
kappe mit Maskaron, Seitenblech in Schlangenform, Abzugbügel,
zwei Ladestockpfeifen. Nussbaumschaft, Holzladestock. L 53 cm.
CHF 400 / 700
(€ 370 / 650)
1459*
GALADEGEN
Italienisch um 1750/60, Genua. Silbergefäss, aus gegossenen
und geschmiedeten Teilen. Kugeliger Knauf, Nietkopf, Griffbügel
im Knauf verschraubt, endet in Griffbasis, Parierstangenarme
mit verdickten Enden, Ziergriffhaken, gelapptes, fassoniertes
Stichblatt mit Marke, massiver Griff. Alle Gefässteile mit reichem
symmetrisch angelegtem Rocaillendekor vor punziertem Grund.
Dreikantklinge gekehlt (L 82,3 cm). Mit Reptilienhaut bespann-
te Orignalscheide, Silbergarnitur, Mundblech und ein Band mit
Tragringen, ziselierter Dekor. Dazu Traghaken aus durchbrochen
gearbeitetem Eisen mit Ketten und Karabinern, im späten Louis
XVI–Stil. L 97 cm.
Genueser Galadegen mit prächtigem Silbergefäss im Rokokostil,
der französischen Einfluss verrät, seltene Qualität und Vollstän-
digkeit. Vgl. Carrington: Handbook of Court and Hunting Swords,
1937/2001, Abb. 11. Gianna Roccatagliata:, Argenti Genovesi,
2002, vgl. Markentafel.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 390 / 1 850)
1460
GALADEGEN
Französisch, um 1745, königliche Manufaktur Klingenthal (Elsass).
Eisengefäss, aus gegossenen, geschmiedeten Teilen zusammen-
gesetzt, teilvergoldet. Kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel
endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Ziergriff-
haken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher
geschnittener und ziselierter Dekor vor Goldgrund: Trophäen
mit Kriegsgerät, Rocaillen. Griff mit originaler Silberdrahtwicklung
und geprägten Griffringen. Dreikantklinge (L 75,5 cm), vergolde-
ter aus symmetrischem Bandwerk bestehender Ätzdekor, sig.
„KLINGENTHAL“. Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide,
Mundblech mit Tragknopf in gleicher Verarbeitung wie das Gefäss.
L 91 cm.
Um den Bedarf der französischen Armee an Griffwaffen unab-
hängig von Importen aus Solingen decken zu können genehmigte
Ludwig XV. 1739 die Einrichtung einer Griffwaffenmanufaktur in
Klingenthal. Es wurden vereinzelt auch handwerklich besonders
anspruchsvolle Waffen wie dieser Galadegen hergestellt; seltenes
Beispiel aus der Frühzeit der Manufaktur, Leiter Frédéric Wolff
(1738-1745)
CHF 1 600 / 2 400
(€ 1 480 / 2 220)
1462
GALADEGEN
Französisch, um 1750, für einen Offizier. Eisengefäss, aus
gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammenge-
setzt, kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel endet in
der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Griffhaken,
Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher
teils erhaben geschnittener und ziselerierter Dekor vor fein
punziertem Goldgrund: Trophäen mit zeitgenössischem
und antikem Kriegsgerät. Griff mit feiner Silberdraht und
Bandwicklung, Türkenzöpfe. Dreikantklinge (L 72 cm),
Ätzdekor. Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide.
Mundblech und Band mit Tragringen. L 89,2 cm.
Degengefäss im Louis XV-Stil mit Eisenschnittdekor von
aussergewöhnlicher Qualität. Eine vergleichbare Waffe be-
findet sich in der Sammlung des Metropolitan Museum New
York. Vgl. Bashford Dean: Catalogue of European Court and
Hunting Swords, New York 1929, S.31, Nr. 58, Tafel XLV.
CHF 1 700 / 2 100
(€ 1 570 / 1 940)
1461*
STEINSCHLOSSPISTOLE
Französisch, um 1750/60, Joseph Lamotte, St. Etienne. Rundlauf
(L 16 cm), Kal. 14 mm, Kammerhälfte achtkantig, Ranken- und
ornamentaler Dekor graviert und vergoldet, Linsenkorn in Silber.
Schlossplatte und Hahn flach, gekantet, geschnittener und
vergoldeter Dekor, Hakensicherung für den Hahn, Schlossplatte
sig. „Jh Lamotte Laine“. Silbergarnitur gegossen und ziseliert,
Seitenblechdekor Jäger mit Hund, auf Abzugbügel und Knauf-
kappe Rocaillen und Blumen, den Knaufnagel ziert den Kopf eines
Pandurs, zwei Ladestockpfeifen. Kontrollmarken: Hirschkopf,
möglicherweise Nantes. Beschnitzter Nussbaumschaft, Holzla-
destock. L 28,8 cm, 521 gr.
Sehr gut erhaltene französische Jagd- oder Reisepistole aus
der Zeit Ludwig XV. mit besonders schöner Silbergarnitur im
Rokokostil. Joseph Lamotte ca. 1716-1784 war Mitglied einer
renommierten Büchsenmacherdynastie in St. Etienne, bekannt
für qualitätsvolle Arbeiten. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel,
Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 677.
CHF 3 500 / 5 000
(€ 3 240 / 4 630)
| 209
| 210
1463
GALADEGEN
Französisch, um 1750, Jacques Antoine Piguet, Paris. Eisenge-
fäss, aus gegossenen, geschmiedeten Teilen zusammengesetzt,
teilvergoldet. Kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel endet in der
Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Griffhaken, Stichblatt
aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher geschnittener und
ziselierter Dekor vor Goldgrund: Medaillons mit Tophäen aller Art,
architektonische Elemente, Girlanden, Rocaillen und verschiedene
Tiere. Griff mit feiner Kupferdrahtwicklung und Türkenzöpfen. Drei-
kantklinge (L 70,2 cm), Ätzdekor, gebläut und vergoldet, sig. „Piget
M (Maître) Fourbisseur Rue des Petits Champs à Paris“ (Degen-
schmied), „De la Marque des Mouchettes à Solingen“ (Klingenliefe-
rant). Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide, Mundblech
Eisen, Traghaken fehlt. L 88,2 cm.
Die aus Solingen von Peter Zilles Kirschbaum (Marke: „des Mou-
chettes“ = Lichtputzscheren) gelieferte Klinge wurde von Jacques
Antoine Piget, Degenschmied, Rue Croix des Petits Champs à Paris,
der 1751 heiratete mit einem vorzüglich gearbeiteten, in Eisen ge-
schnittenen Gefäss im Louis XV-Stil ausgestattet. Seltene Qualität
und Vollständigkeit. Vgl. Erika Schlesinger, Solinger Handwerkszei-
chen, 1978, S. 150. Le „Qui est qui“ de l’arme en France de 1350 à
1970, Bd. 1, 1970, S.322.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
- Auktion Fischer-Luzern, 12.9.2013, Nr. 82.
- Schweizer Privatsammlung.
Seltenes Jagdpistolenpaar des ca. 1730 bis 1760 in Würzburg
tätigen Büchsenmachers Michael Bayer. Vgl. Eugène Heer: Der
Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S.69. Hans Schedel-
mann: Die Grossen Büchsenmacher, Braunschweig1972, S. 238.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1464
STEINSCHLOSS-PISTOLENPAAR
Deutsch um 1750, Michael Bayer in Würzburg. Rundläufe (L 24,8
cm), Kaliber 14,3 mm, Kammerdrittel oktogonal. Auf dem Lauf
signiert Michael Bayer in Wirzburg. Waffennummer 1 und 2, Sil-
berkorn. Bombierte Schlossplatte und Hähne, geschnittener Ran-
kendekor. Messinggarnituren vergoldet, reicher gegossener und
gravierter Dekor: Jäger mit Hund, Hirsche und Rocaillen. Nuss-
baumschäfte beschnitzt, einer mit kurzem Riss. Holzladestöcke
mit Messingdopper. L gesamt 39 cm.
Provenienz:
- Sammlung Charles Draeger, Auktion Sotheby's Monaco, 1987,
Nr. 82.
Decorative Arts | Antike Waffen
| 211
1465*
STEINSCHLOSS-DOPPELPISTOLEN-
PAAR
Französisch, um 1750/60. Zwei nebeneinander
liegende Rundläufe (L 21,6 cm), Kal. 14 mm, Pa-
tentschwanzschraube, gravierter ornamentaler
und floraler Dekor, vergoldet, Linsenkorn Silber.
Schlossplatten und Hahnen flach gekantet,
gravierter Dekor: Rocaillen, Sonnen, Putten.
Silbergarnituren gegossen und geschmiedet,
Abzugbügel und Knaufkappen mit floralem De-
kor, Rocaillen vor einem Punktgrund, Knaufkap-
penabschlüsse mit Medaillons, Männerkopf im
Strahlenkranz, zwei Ladestockpfeifen. Kontroll-
marken: Hirschkopf, möglicherweise Nantes.
Beschnitzte Nussbaumschäfte, Holzladestöcke
mit Horndoppern.
L 37,3 cm, 2142 gr.
Seltenes doppelläufiges Pistolenpaar mit reicher
Silbergarnitur im französischen Rokokostil.
CHF 8 500 / 12 000
(€ 7 870 / 11 110)
| 212
Decorative Arts | Antike Waffen
1466*
GALADEGEN
Deutsch, um 1760/70. Silbergefäss vergoldet, aus gegossenen
und geschmiedeten Teilen. Kugeliger Knauf, Nietkopf, Griffbügel
endet in Griffbasis, ein kurzer Parierstangenarm, Ziergriffha-
ken mit Marke „I.A.R. 13“ durch kurze Stege mit dem Griffbügel
und der Parierstange verbunden, Stichblatt aus nierenförmigen
Hälften bestehend. Massiver Griff von ovalem Querschnitt gegen
die Enden schmaler werdend. Alle Gefässteile mit reichem flä-
chendeckenden auf Blüten und Blattranken basierenden Dekor.
Zweischneidige Klinge, Solingen (L 77,3 cm), vergoldeter Ätzde-
kor, Ordensstern mit Adler von Krone überhöht (Preussen?), dazu
Ornamente. L 92,4 cm.
Seltener, wohl für einen preussischen Kunden bestimmter fein
verarbeiteter Galadegen in sehr gutem Zustand. König Friedrich II.
hatte 1766 für Offiziers- und Galadegen die Verwendung der be-
liebten jedoch gefährlicheren Dreikantklingen verboten. Vgl. Bernd
A. Windsheimer: Me fecit Potzdam, altpreussische Blankwaffen,
2001, S. 5/6, Abb.184.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1467
KOMBINATIONSWAFFE, JAGDMESSER/STEIN-
SCHLOSSPISTOLE
Nach einem deutschen Original um 1770, Arbeit 20.Jh. Messing-
griff vergoldet, spiralig gerillt, grosser Adlerkopfknauf, Griffbasis
mit erhabenem ornamentalem Banddekor. Der Rundlauf befin-
det sich im Griffstück und wird durch einen langen Eisenstöpsel
verschlossen, der zugleich als Ladestock dient und in einem kuge-
ligen Knauffortsatz endet. Die mechanischen Teile des eisernen
Steinschlossmechanismus wurden beidseits des Griffs montiert.
Rückenklinge (L 21,7 cm), im Ortbereich zweischneidig, Basis
vergoldet, einfacher gravierter ornamentaler Dekor. L 34,8 cm.
Die originale Kombinationswaffe mit Scheide, die als Vorlage
für diese Kopie diente, wurde am 13.9.2013 vom Auktionshaus
Fischer, Luzern unter der Nr. 88 für Fr. 18‘000.- zum Kauf ange-
boten. Die Klinge wies einen vergoldeten jagdlichen Ätzdekor auf.
Messer und Gabeln mit Schiessvorrichtungen sind von grösster
Seltenheit; älteste Beispiele sind aus der 2. Hälfte des 17. Jahr-
hunderts bekannt. Vgl. Bestecke, Die Egloffsteinsche Sammlung
auf der Wartburg, 1994/96, S.163. H. Gordon Frost: Blades and
Barrels, 1972, S. 17, Nr. 20.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 213
1468*
GALADEGEN
England um 1785/95. Stahlgefäss, urnenförmiger, durchbrochen
gearbeiteter Knauf, Griffbügel mit eingesetzten facettierten
Stahlkügelchen in dreikantige Parierstange mündend, Abschluss
mit Stahlkügelchen. Ovales, von zwanzig Öffnungen durchbro-
chenes Stichblatt mit kugelbesetzten Stegen, Ziergriffhaken. Von
vier Öffnungen durchbrochener Griff mit kugelbesetzen Stegen
und Kanten. Dreikantklinge (L 80,5 cm). Mit Reptilienhaut be-
spannte Originalscheide, Stahlmundblech und Band mit Tragrin-
gen. Dazu Traghaken aus durchbrochen gearbeitetem Eisen mit
Ketten und Karabinern. L 96 cm.
Die in Birmingham um 1780 entwickelten fragilen, mit geschliffe-
nen facettierten Stahlkügelchen besetzten Galadegengefässe,
erfreuten sich auch auf dem Kontinent grosser Beliebtheit. Waffe
von seltener Vollständigkeit und Erhaltung. Vgl. J.D. Aylward: The
Small-Sword in England, 1945/60, S. 79/80, Abb. 30.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1469
SCHNAPPSCHLOSS-PISTOLENPAAR
Spanisch, Ende 18. Jh, Ripoll/Barcelona, Meister Mas und Deop. Rundläufe (L 25,1 cm), Kal. 16
mm, Kammerhälften achtkantig, durch geschnittenes Dekorband abgegrenzt, Silbereinlagen,
geschlagene Marken: „FO / MAS / SAVI“ von Krone überhöht, dazu Beschau Barcelona „SA“.
Schnappschlösser, Marke: „I. H. DEOP“ von Krone überhöht. Messinggarnituren, Knaufkappen mit
Maskarons, Seiten- und Daumenbleche, Abzugbügel, zwei Ladestockpfeifen. Beschnitzte Nuss-
baumschäfte, Holzladestöcke. L 42,8 cm.
Die vermutlich aus Deutschland stammende Büchsenmacherdynastie Deop lässt sich in Ripoll
seit dem 16. Jh. nachweisen. Ripoll stand in regem Kontakt mit Barcelona; die Büchsenmacher
Mas waren sowohl in Ripoll als auch in Barcelona tätig, wie die Beschau vermuten lässt. Vgl. Eugène
Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 286, Bd. II S. 768, Bd. III S. 1527/28.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
Decorative Arts | Antike Waffen
1470
SPONTON
Deutsch 1785/1831. Unteroffizier, Fürstentum Hohenzollern-
Sigmaringen. Blattförmiges Eisen mit Mittelgrat, Ansatz beidsei-
tig mit Zierhakenpaar. Ätzdekor: Vorderseite: Initiale A von Krone
überhöht, seitlich Palmzweige. Rückseite: Adler mit Krone, aufge-
legtes Wappenschild, geviertelt, schwarz-silber, seitlich Palm-
zweig. Blatt mit Ziernodus in Tülle verschraubt, achtkantige Tülle
mit zwei Ziernodi, zwei Schaftfedern, geschwärzter Rundschaft.
Eisenstiefel. L 223 cm.
Seltener Sponton nach preussischem Model aus der Regierungs-
zeit des Fürsten Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen
(1785 - 1831) in gutem Originalzustand.
Provenienz:
- Auktion Ineichen-Zürich, 25./26.10.1985, Nr.364. Sammlung
René Dollfuss von Volkersberg.
- Schweizer Privatbesitz
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1471
GALADEGEN
Französisch, Paris 1774, Meister Laurent Dépéé. Silbergefäss, aus
gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammengesetzt, teil-
vergoldet. Olivenförmiger Knauf, Nietkopf, Griffbügel endet in der
Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Ziergriffhaken, Stichblatt
aus nierenförmigen Hälften bestehend; Meistermarke Laurent
Dépéé und „L“ von Krone überhöht = Paris 16.7.1774. Symme-
trisch angelegter Dekor, durchbrochen gearbeitete Rhomben-
muster, Medaillons mit Musikinstrumenten, Girlanden. Griff mit
originaler Silberdrahtwicklung und Türkenzöpfen. Dreikantklinge
(L 70,3 cm), Ätzdekor, gebläut und vergoldet. L 86,7 cm.
Degen im Louis XVI-Stil von vorzüglicher Qualität des in Paris
1768 als Meister angenommenen Goldschmieds Laurent Dépéé,
der sich bis 1793 nachweisen lässt. Vgl. Henry Nocq: Le Poinçon
de Paris, 1927, S. 66. La Datation de l’Orfèvrerie Parisienne sous
l’Ancien Régime, 1995, Jean Baptiste Fouache 1774-1780.
CHF 1 700 / 2 400
(€ 1 570 / 2 220)
1472
GALADEGEN
Schweizerisch, Ende 18. Jh., für Ratsherren (auch Landsgemein-
den). Silbergefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen.
Olivenförmiger, facettierter Knauf, kugeliger Nietkopf, sechskan-
tiger Griffbügel endet in der Griffbasis, kleine verwischte Marke,
kurzer Parierstangenarm, Ziergriffhaken, ovales Stichblatt, wellen-
förmiger Randdekor. Massiver facettierter Griff. Zweischneidige
Klinge, Solingen (L 79,8 cm), Aetzdekor, vergoldeter Grund etwas
berieben. Weissbemalte Lederscheide, Silbergarnitur, zwei Ring-
bänder, Stiefel. Dazu eisernes Tragblech mit Ketten und Karabi-
nern. L 95 cm.
Seltene Vollständigkeit und besonders guter Zustand. Vgl. Jürg A.
Meier: Zürcher Gold- und Waffenschmiede, in: Eva-Maria Lösel,
Zürcher Goldschmiedekunst, Zürich 1983, S. 488-489, W 33 mit
Abb.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 214
1473
STEINSCHLOSSPISTOLE
Im englischen Stil um 1800, wohl neuere Arbeit. Vier verschraubte
und nummerierte Rundläufe (L 6,8 cm), Kal. 11 mm, Mündun-
gen mit acht Einschnitten für den Laufschlüssel. Schlosskasten
Messingguss mit vier nummerierten Halterungen für die Läufe.
Zentraler Steinschlossmechanismus, abgefederter Batteriede-
ckel. Auf dem Schlosskasten graviertes Ankersymbol. Glatter
Nussbaumgriff. L 19,5 cm.
Sogenannte „Duckfoot Pistol“ wie sie vor allem auf Schiffen im
Nahkampf verwendet wurde.
CHF 700 / 1 000
(€ 650 / 930)
1474
GALADEGEN
Französisch, Paris 1798–1809, Konsulat/Empire. Silbergefäss,
aus gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammengesetzt,
Kontrollmarken Paris. Olivenförmiger Knauf, Nietkopf, Griffbügel
endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, Ziergriffha-
ken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend, massiver
vierkantiger Griff. Alle Teile mit ziseliertem, geschnittenem Dekor,
teilweise diamantiert. Dreikantklinge (L 82,3 cm), gekehlt, ganzflä-
chig gebläut mit vergoldetem Ätzdekor, Trophäen, Frauengestalt,
Rankenwerk und Ornamente. L 98,2 cm.
Während der Konsulatszeit und im Empire beliebter Galadegentyp
mit einer seltenen hochwertigen Solingerklinge.
CHF 700 / 1 000
(€ 650 / 930)
| 215
| 216
Decorative Arts | Antike Waffen
1475*
KÜRASS, BRUST UND RÜCKEN
Französisch Mod. 1825/52, 2. Empire, Carabinier, Mannschaft.
Stahl, Brust: mit Mittelgrat, Messingblechbeschlag. Nocken für
die Schulterriemen, im Zentrum Emblem, auf Strahlenkranz aus
Neusilber ein Messingmedaillon mit Adler auf Blitzbündel zwi-
schen Eichen- und Lorbeerzweig. Brust sig. „ Mre Impale de Châtt.
Juin 1860, 2me taille 1ere largeur, No.664“. Rücken: in der Mitte
eingetieft, Messingblechbeschlag, vernietete Verschlusskette auf
Leder, sig. …Châtt. Août 1865, 2me taille 2me largeur No.882“.
H 47 cm.
Die Carabiniers hatten sich bis 1815 vor allem in den napoleo-
nischen Kriegen als schwere Kavallerie ausgezeichnet. Kaiser
Napoleon III. vereinigte 1867 die Carabiniers in einem Regiment
mit 6 Eskadrons zu 145 Mann, die mit Pallaschen (mit schweren
Säbel) kämpften.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1476*
PAAR TELLER AUS DEM SERVICE DE CAMPAGNE
NAPOLÉON
Paris, 1809-1812. Meistermarke des Martin-Guillaume Biennais.
Silber. Graviert mit dem Wappen Napoléons I. Rückseitig mit gra-
vierten Nummern 471 bzw. 483. D 21 cm. Gewicht: 487 gr.
Das Service de Campagne wurde auf den Feldzügen Napoléons
im Reisewagen mitgeführt. Es wurde zwischen 1804 und 1815
vom Hoflieferanten Martin-Guillaume Biennais gefertigt, die er
alle im September 1812 mit gravierten Nummern versah. Das
Inventar aus jenem Jahr erwähnt 594 assiettes à couteaux de
voyage sowie 100 assiette à soupe de voyage.
Der Reisewagen musste nach der Schlacht von Waterloo am
18. Juni 1815 unweit von Genappe stehengelassen werden und
fiel einem preussischen Regiment in die Hände. Der damalige
Befehlshaber der preussischen Truppen, Feldmarschall Gebhard
Leberecht Blücher von Wahlstatt erhielt den Reisewagen mit dem
verbliebenen Inhalt, u.a. auch Teile des Service als Geschenk. (vgl.
Tulard, Jean: Collectif. La Berline de Napoléon: Le mystère du
butin de Waterloo, Paris 2012, S. 270.)
Ein Teller aus demselben Service ist heute Bestand des Château
de Fontainebleau, Musée Napoléon Ier, Inv. Nr. 70 (seit 1979).
Identische oder vergleichbare Teller aus dem Service de Campag-
ne wurden verschiedentlich erfolgreich in europäischen Auktions-
häusern verkauft.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 217
| 218
Decorative Arts | Antike Waffen
1477
LUNTENGEWEHR
Japanisch, 18./19. Jh., sogenanntes „Teppo“, auch „Tanegashi-
ma-Gewehr“. Achtkantlauf (L 101 cm), Kal.14 mm, Mündung
verstärkt mit eingesetztem Korn, Standvisier, Kammerbereich mit
grossem Drachendekor in Gold und Silber. Zündpfanne weist ei-
nen klappbaren Messingdeckel auf. Messingener Luntenschnapp-
schlossmechanismus mit aussenliegender Feder. Messinggar-
nitur, Abzugbügel, ein Laufband. Holzschaft mit kurzem Kolben,
zwei Lochungen für Tragvorrichtungen, blütenförmige Messing-
beschläge, Holzladestock. L 130,5 cm.
Die ersten Schusswaffen kamen 1543 nach Japan. Von den Lun-
tengewehren wurden innert kürzester Zeit modifizierte Kopien
hergestellt. Die Grundkonzeption des „Teppo“ wurde bis ins 19.
Jahrhundert beibehalten. In den letzten 200 Jahren durfte diese
Waffe nur noch in beschränktem Umfang hergestellt werden.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
1478
SCHNAPPSCHLOSSGEWEHR
Englisch, um 1815, Jagdwaffe, William Westley Richards,
Birmingham / London. Rundlauf bronziert (L 91 cm), Kal.19 mm,
Kammerhälfte achtkantig, in Silber geschlagene Marken „WEST-
LEY RICHARDS“, „Ährenbündel“. Schloss mit aussenliegender
Schlagfeder, Marke: P.STEVA (J. Pedro Esteva, Barcelona) , sog.
Regenpfanne, Schlossplatte u. Hahn mit Dekorgravuren. Mes-
singgarnitur, Abzugbügel mit Handauflage, Kolbenkappe, drei
Ladestockpfeifen. Nussbaumhalbschaft, Madriderkolben, etwas
beschnitzt, ornamentaler Dekor, Bartenladestock mit Horndop-
per. L 128 cm.
Elegantes sehr gut erhaltenes, ungebraucht erscheinendes Jagd-
gewehr im spanischen Stil des Begründers der bekannten Firma
Westley Richards in Birmingham, das unter Verwendung eines
Schlosses der renommierten Büchsenmacherdynastie Esteva,
Barcelona hergestellt wurde. Hochwertige spanische Jagdge-
wehre waren bis um 1800 in ganz Europa beliebt und wurden auch
gerne kopiert. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch
Hall 1968, Bd. I, S. 347–348, II, S. 1040–1041.
CHF 700 / 1 000
(€ 650 / 930)
1479*
KANONENROHR „LANTAKA“
Malaysisch, um 1800, Schiffs- und Festungsgeschütz. Bronze-
guss, Mündungsbereich scheibenartig verbreitert mit Zierwulsten,
Kaliber 30 mm, über der Mündung aufgesetztes Korn, doppeltes
Halsband als Dekor, Schildzapfen mit fest montierter gegossener
Tragvorrichtung und massivem Dorn. Beide Rohrenden mit identi-
schem auf zugespitzten Dreiecken basierender Dekor. Zündloch,
beidseitig Nocken für die fehlende Klappe, Stossbodenkante mit
Zierringen, walzenförmige hohle Handhabe. Mit neuerem Eisen-
ständer. L 97, 3 cm.
In Anlehnung an spanische und portugiesische Schiffsgeschütze
des 16. Jahrhunderts in Malaysia hergestelltes Geschützrohr in
sehr gutem Zustand. Vgl. H.L. Blackmore: The Armouries of Lon-
don. I Ordnance, London1976, S. 169-170, Nrn. 236, 237.
CHF 900 / 1 500
(€ 830 / 1 390)
| 219
1480
PERKUSSIONSDOPPELFLINTE
Deutsch, um 1825/30, Jagdwaffe, Teutenberg, Werl.
Rundläufe (L 85,4 cm), Kal. 16 mm, Bandbläung
berieben, Mittelschiene mit Perlkorn. Rückliegende
Kettenschlösser, Hahnen mit Schraubvorrichtung
für Zündpillen, Schlossplatten flach, sig. „TEUTEN-
BERG A WERL“. Laufangel, Schloss mit graviertem
Blattrankendekor. Eisengarnitur, Kolbenkappe, drei
Ladestockpfeifen, Abzugbügel aus Horn. Nussbaum-
halbschaft beschnitzt, Kolben mit Backe und Schuber,
Dekor: Hirsch und Hirschkühe im Wald, florale Orna-
mente. Silbermedaillon mit Besitzerwappen unter
Adelskrone. L 125,6 cm.
Ausserordentlich seltene frühe Perkussionswaffe
aus der seit 1816 zu Preussen gehörenden Stadt
Werl (Nordrhein-Westfalen). Arbeit des bisher nicht
bekannten Büchsenmachers Teutenberg. Das Stan-
dardwerk von E. Heer erwähnt keine in Werl aktiven
Büchsenmacher.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1481
GALADEGEN
Französisch, Paris um 1815/19. Silbergefäss, Knaufkappe mit
Akanthus- und Lorbeerblätterdekor, Griffbügel terzseitig mit Or-
namenten, im Mittelteil eine Rosette, der Parierstangenarm endet
in einem Tierkopf, Marken: Paris 1809/1819. Stichblatt stark ort-
wärts gebogen, Dekor: im Zentrum Medaillon „Herkules im Kampf
mit dem nemäischen Löwen“ zwischen Fahnen Eichen- und
Lorbeerzweigen. Vierkantiger Ebenholzgriff, gewaffelt. Dreikant-
klinge (L 85,5 cm), gebläut, vergoldeter Ätzdekor, etwas berieben,
Signatur. L 97,6 cm.
Als erste seiner zwölf Taten erwürgte Herakles den nemäischen
Löwen. Möglicherweise nimmt der Stichblattdekor aus den ersten
Jahren der Restauration damit Bezug auf das Ende Napoleons.
CHF 400 / 700
(€ 370 / 650)
| 220
Decorative Arts | Antike Waffen
1482
PERKUSSIONSPISTOLENPAAR
Schweizerisch, um 1810/35, Bern, Franz Ulrich. Achtkantläufe gebläut (L 20,1 cm),
Kal. 12 mm, feine Haarzüge, sig. „Ulrich in Bern“, auf der Laufangel verstellbares Visier,
geschobenes Linsenkorn auf Balken, Schwanzschrauben durch Goldzierbänder abge-
grenzt. Vorliegende Kettenschlösser um 1835 von Steinschloss auf Perkussion
transformiert, Hahnen mit Tierköpfen. Schlossplatten sig. „F.Ulrich / in Bern“.
Abzüge mit Stechern. Eisengarnitur gebläut, zwei Ladestockpfei-
fen, Knaufplatten mit aufgesetztem vierblättrigen Silberdekor.
Nussbaumschäfte, Griffe mit Fischhaut verschnitten, Knaufba-
sis ornamental beschnitzt, Stahlladestöcke. In zugehörigem
innen mit rotem Stoff bespanntem Nussbaum-Kasten um
1835, Inhalt: Kugelzange, Pulvermass, Schraubenzieher,
Putzstock. L 33,8 cm Kasten: 40,2 × 24 × 6,5 cm.
Der aus Schwyz stammende Büchsenmacher Franz Ul-
rich (1771-1845) war von 1804 bis 1812 in Bern tätig und
wurde 1812 zum Leiter der Gewehrmanufaktur Oberndorf
ernannt. Seine vorzüglich gearbeiteten Präzisions-Faust-
feuerwaffen waren international begehrt und finden sich un-
ter anderem im Besitz des Marschalls Bernadotte dem späteren
König Karl XIV. von Schweden oder von Feldmarschall Karl Philipp Fürst zu
Schwarzenberg. Vgl. Schneider: Schweizer Waffenschmiede, Zürich 1976, S. 269-270.
Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. II, S. 1314.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
1483*
HELM-KASKETT
Deutsch, 1835-1849, freiwilliges Kavallerie Korps, Frankfurt. Helmglocke
aus schwarz gelacktem Filz, Augen- und Nackenschirm. Garnitur Neu-
silber, hoher auf ein breites Band genieteter Kamm, welches in die
Glockenbasis mündet, stirnseitig Emblem: grosser Strahlenkranz,
im Zentrum ein ovaler Schild mit Adler und „F“. Kamm, Huppe
aus schwarzem Bürstenhaar, seitlich Federtülle und weiss-ro-
te Blechkokarde mit Kreuz im Zentrum. Schuppenbänder auf
Leder mit Löwenkopfbuckeln. Originalfutter. H ca. 32 cm.
Ausserordentlich seltener Helm der Frankfurter Bürgerkaval-
lerie in gutem Zustand, vgl. Volker Löbner, Tilman Lombard:
Frankfurter Uniformen, Frankfurter Militär Bd. 3, 1806-1866, 2017,
S. 84, 88.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
1484
PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR
Italien / Neapel, um 1840, Offizierswaffen, Salvatore Mazza.
Rundläufe (L 17,3 cm), Kal. 17,5 mm, auf den Schwanzschrau-
ben schildförmige Marken, in Gold versenkt geschlagene Marke
„MAZZA NAPOLI“ von Sonne überhöht, Visiereinschnitt, Perlkorn
Messing. Kugelförmige Kaminsäcke mit kleinen Feuerschirmen.
Rückliegend Kettenschlösser, Schlossplatten flach, sig. „Mazza“,
gerundete Hahnen. Eisenabzugbügel mit Fingerhaken, Vorder-
schaftabschlüsse und Schieberbleche aus Neusilber. Nussbaum-
halbschäfte, gewinkelte Griffe mit Fischhaut verschnitten, ovale
schwarze Knaufscheiben mit Zündkapselbehältern und Klappde-
ckeln, Stahlladestöcke. Dazu zeitgenössische Holzschatulle.
L 31,5 cm.
Der in der Zeit von 1820 bis 1860 in Neapel nachweisbare Mazza,
anfänglich Direktor der königlichen Waffenfabrik, machte sich
selbständig, eröffnete ein Geschäft mit einer grossen Büchsen-
macherei. Er war einer der besten italienischen Büchsenmacher
seiner Zeit. Das vorliegende Pistolenpaar mit militärischem Kaliber
eignete sich als Offizierswaffe damit auch für Schweizer Offiziere
in neapolitanischen Diensten. Vgl. Bruno Barbiroli: Repertorio
storico degli Archibugiari Italiani dal. XIV al XX secolo, Bologna
2012, S. 360–361. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch
Hall 1968, Bd. II, S. 779.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1485
STEINSCHLOSSPISTOLE
Balkantürkisch, 1. Hälfte 19. Jh. Rundlauf
(L 30,6 cm), Kal. 15 mm, gravierter orna-
mentaler Dekor. Steinschloss korr. und def.
Silberschaft, ganzflächig gravierter Ranken-
dekor mit Blüten, alle Schaftteile mit gefass-
ten grossen Korallenstücken, Griffstück mit
zugespitztem Abschluss. L 54 cm.
Aussergewöhnliche, seltene Variante, der
im Balkanraum beliebten Silberpistolen mit
Korallendekor.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 221
| 222
Decorative Arts | Antike Waffen
1486
PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR
Französisch um 1865, Gastinne Renette, Paris. Oktogonalläu-
fe (Länge 26,6 cm), Kaliber 11 mm, gezogen. Goldtauschierte
Waffennummer 1 und 2, Kammerteil mit graviertem Ranken-
dekor, tiefblaue Bronzierung, sig. „Gastinne Renette Arqr. de S.M.
L’empereur à Paris“, Visier, Korn, Bascule. Laufunterseiten Marke
GR unter Krone in Oval. Schlossplatten flach, Hahnen bombiert,
reicher Rankendekor, Mechanismus mit Kette und Springkeil.
Eisengarnituren, allen Teile mit reichem Rankendekor, Griffkap-
pen mit Zierknopf. Reich beschnitzte Ebenholzschäfte, wenige
Risse, Dekor: Ranken-, Blumen- und Blattwerk, Griffe zusätzlich
mit Längsrillen. Hinter den Schlossschrauben ein ovales Silber-
plättchen mit Wappentieren: Rechts ein schreitender, vorwärts
blickender Löwe mit Krone; links zwei mit Halskragen versehene,
sitzende Löwen. In zugehöriger Kassette, wenig repariert, aus
Ebenholz. Deckel aus geschliffenem, gerahmtem Glas. Innen mit
weinrotem Samt bespannt, Inhalt: Kugelzange, Pulverflasche,
mit schwarzem Leder bespannt, Neusilberausguss, Pulvermass,
Ladestock, Ladehammer, Putzstock, Pistolenschlüssel, Schrau-
benzieher, zwei Holzdosen (ein Deckel fehlt), Ersatzpistons,
Kassettenschlüssel. (Kastenmasse, 48 / 26,5 / 9,5 cm)
Waffenlänge 41,8 cm.
Duellpistolen bester Qualität, in beinahe neuwertigem Zustand,
hergestellt von der Firma Gastinne-Renette in Paris. Die für Lu-
xuswaffen bekannte Firma wurde 1839 gegründet und existierte
noch bis 1978. Gastinne-Renette war Hofbüchsenmacher Kaiser
Napoleon III und erhielt an den Pariser Industrieausstellungen
von 1839 und 1844 jeweils eine Silbermedaille für seine Produkte.
Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd I,
S. 422.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 223
1488
PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR
Schweizerisch, um 1865, Weber-Rüesch, Zürich. Achtkantläufe
bronziert ( L 23,9 cm), Kal. 7,5 mm, sig. in Gold „WEBER – RUESCH
IN ZÜRICH“, geschobenes Korn, Hakenschwanzschrauben mit
verstellbaren Visieren und fein graviertem Rankendekor. Ketten-
schlösser, Schlossplatten flach, Hahnen leicht bombiert. Abzü-
ge mit Stechern. Schlösser und Eisengarnituren ebenfalls mit
Rankengravuren, Abzugbügel mit Fingerhaken. Nussbaumdrei-
viertelschäfte, Griffe gerillt, Vorderschaftabschlüsse beschnitzt
– Löwenköpfe mit Glasaugen. In zugehörigem Holzkasten
samt Schlüssel, Messingplakette mit abklappbarem Tragbügel,
Besitzer­initialen „C F“. Innen mit grünem Samt bespannt. Inhalt
vollständig: Pulverflasche, Kugelzange, Schraubenzieher, Piston-
schlüssel, Visierschlüssel, Setz- und Putzstock, Putzkolben, Bletz-
schneider, 2 Messingdöschen für Fett und Bletze.
Waffenlänge 39 cm.
Karl Casimir Weber übernahm um 1865 das väterliche Büchsen-
machergeschäft das sich 1867 in Zürich an der Preiergasse 5
befand und assoziierte sich mit Rüesch. Die in Zürich schon von
Casimir Weber Senior hergestellten Scheibenpistolen zählten
europaweit zu den beliebtesten Waffen dieses Typs. Selten und
in sehr gutem Zustand. Vgl. Hugo Schneider: Waffenschmiede,
1976, S. 280/281. Jaroslav Lugs: Das Buch vom Schiessen, 1968,
S. 70.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1487
WINDBÜCHSE
Schottisch, um 1840, Jagdwaffe, William MacLauchlan, Edinburgh.
Rundlauf (L 77,2 cm), Kal. 11 mm, feine Züge, Kammerdrittel
achtkantig, beschriftet „Edinburgh“, Standvisier mit einer Klappe,
Linsenkorn. Schlosskasten Eisen, signiert „William Maclauchlan“,
dazu versenkt geschlagen in Gold „MACLAUCHLAN PATENT“,
gravierter Blattrankendekor mit Jagdszenen, Hirsch und Hase
von Hunden verfolgt. Aussenliegende Schlagfeder mit Spann-
hahn, kleiner Sicherungshebel sowie Schieber zur Indexierung
des Kolbens. Eisengarnitur, Abzugbügel mit Fingerhaken, drei
Ladestockpfeifen. Mit Leder bespannter Eisenkolben mit Ventil-
vorrichtung und Messingfassung für die komprimierte Luft. Kurzer
Nussbaumschaft, Holzladestock. L 120,5 cm
Der in Edinburgh tätige William MacLauchlan lässt sich in der
Zeit von 1806 bis 1849 an verschiedenen Adressen nachweisen,
Nicholson Street, Home Street und Morrison Place. Sorgfältig ge-
arbeitete, auf einem Patent McLauchlan beruhende sehr seltene
schottische Windbüchse.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 670 / 2 310)
| 224
Decorative Arts | Antike Waffen
1489
SÄBEL
Russisch-kaukasisch, Kubatschi, Dagestan, Ende 19. Jh.
Silbergefäss, teilvergoldet, massiver Griff von ovalem
Querschnitt in einem Pferdekopf endend, beidseitig
identischer symmetrisch angelegter Dekor, geschnitte-
ne, ziselierte, teilweise niellierte Blätterornamente. Ein
geschwungenes Dekorband erstreckt sich vom Nacken
des Pferdes bis zur Fassung des Mitteleisens. Das Band
schmückt drei Granulatfolgen von unterschiedlicher Stär-
ke; die Bandfassung besteht aus einem niellierten schma-
len Streifen. Parierstange mit zugespitztem Mitteleisen
und kugeligen, tordierten Abschlüssen. Der Dekor
entspricht jenem des Griffes, im Zentrum quartseitig ein
oval gefasster Stein. Rückenklinge, Wotzdamast (L 70,5
cm). Massive aus mehreren Teilen zusammengestzte
Silberscheide, quartseitig mit symmetrisch angelegtem
Dekor, geschnittene, ziselierte Blattornamente mit niel-
lierten Zwischenstücken, zwei Ringbünder in einer dem
Griff entsprechenden Verarbeitung, dazu sechs gefasste
rote Steine, Terzseite blank poliert mit wenigen niellierten
Ornamenten, Stiefelbereich mit gezacktem Schlepper.
L mit Scheide 97 cm.
Das Dorf Kubatschi im Rajon Dachadajewski, heute Teil
der nordkaukasischen Republik Dagestan, ist vor allem
wegen seiner jahrhundertealten Tradition der Silber- und
Goldschmiede berühmt geworden. Man verarbeitete
unter anderem hochwertige Klingen zu Schaschkas und
Dolchen, die vor allem bei den Kosaken, auch in benach-
barten Gebieten wie Tschetschenien beliebt waren. Man
stattete sie mit silbernen Gefässen und Scheiden aus, die
eine sehr sorgfältige, kunstvolle Dekortechnik auszeich-
nete. Säbel mit Pferdekopfgriffen zählen zu den abso-
luten Raritäten. Vgl. Isa Askhabov, Kahamzat Askhabov,
Searching for lost Relicts, Moskau 2016, S. 100, Dolch von
1897, gleiche Werkstatt.
CHF 12 000 / 15 000
(€ 11 110 / 13 890)
| 225
| 226
Decorative Arts | Antike Waffen
1490
PERKUSSIONS-BÜCHSFLINTE
Deutsch, um 1850, Jagdwaffe. Damastrundläufe (L 75 cm), Kal.
13 mm, gezogen und glatt, Patentschwanzschraube, verstellbares
Visier und geschobenes Korn. Rückliegende Ketten-Präzisions-
schlösser, Schlossplatten und Hahnen flach, feiner gravierter
Blattrankendekor, Medaillons mit Hund und Rehbock. Hahnsi-
cherungen. Ein Abzug mit Stecher. Eisengarnitur, Abzugbügel,
Kolbenkappe, zwei Ladestockpfeifen, mit Dekor. Nussbaumhalb-
schaft, Hals mit Fischhaut, auf dem Kolben mit Backe Darstellung
einer ruhenden Hirschkuh, Kolbenfach mit Eisenklappe, auf dem
Deckel reicher Gravurendekor mit Hirsch, Holzladestock.
L 116,5 cm.
Perkussions-Büchsflinte in besonders feiner Verarbeitung; in
Anbetracht der Qualität erstaunlicherweise ohne jegliche Marken
oder Zeichen.
CHF 500 / 700
(€ 460 / 650)
1491*♣
JÄGERRUF
Deutsch, um 1860. Elfenbein beschnitzt, Dekor: Jäger mit Büchse
signalisiert den Tod des von ihm erlegten zu seinen Füssen
liegenden Hirsches, dazu zwei Hunde, zwischen Dekorvoluten
mit Hundeköpfen eine kleine Kartusche mit rennendem Hund.
Walzenförmiges, hohles Mundstück, Basis gekantet. Trichter mit
verschraubter Metallfassung und Tragring, ein zweiter Tragring auf
dem Hornrücken, grüne Kordel. L 20,3 cm.
Schönes Jagdobjekt mit spätromantischem, gekonnt gearbeite-
tem Dekor, möglicherweise aus einer Elfenbein-Produktionsstät-
te in Erbach im Odenwald.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 227
1493*♣
PERKUSSIONS-TASCHENPISTOLENPAAR
Belgisch, um 1850. Abschraubbare Rundläufe (L 6,2 cm), Kal. 17
mm, Kastenschlosse mit versenkbaren Abzügen und feinen Ran-
kengravuren, Liègerbeschuss, Waffennr. 1753. Glatte Elfenbein-
griffe, kleine Risse, Eisenkappen als Griffabschlüsse. In zugehö-
rigem Mahagonikasten mit Schlüssel, innen mit blauem Samt
bespannt. Auf dem Deckel kleine Messingplakette mit graviertem
Besitzerwappen und der Devise „VIRTUS PERSEVER ANTIA“. In-
halt: Kugelzange, Elfenbeinpulverfläschchen, Elfenbeinbüchschen
für Zündhütchen. Waffenlänge: 17,7 cm
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1492*
PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR
Deutsch, um 1850. C. Guntermann, Düsseldorf. Rundläufe,
Ätzdamast (L 17,5 cm), in Messing versenkt geschlagene Marke
„C.GUNTERMANN IN DÜSSELDORF“, Kal.13 mm, gezogen, auf
der Laufangel Standvisiere, geschobenes Linsenkorn aus Neu-
silber. Vorliegende Kettenschlosse, Schlossplatten und Hahnen
flach, Pistonsicherungen. Glatte Neusilbergarnituren, Knaufkap-
pen nummeriert N 1 und N 2, Abzugbügel, zwei Ladestockpfeifen.
Nussbaumschäfte, Holzladestöcke mit Horndopper. L 30,6 cm.
Seltenes Pistolenpaar des Düsseldorfer Büchsenmachers C.Gun-
termann, sorgfältig gearbeitete und gut erhaltene Waffen. Vgl.
Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S.
473, über Guntermann ist nur sehr wenig bekannt.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 228
Decorative Arts | Antike Waffen
1494
PERKUSSIONS-BOCKDOPPELFLINTE
Deutsch, um 1860, Jagdwaffe, Franz Xaver Baader, Mün-
chen. Damastrundläufe (L 62,5 cm), Kal. 14 mm, in Gold
sig. „BAADER U. SOHN IN MÜNCHEN“, Standvisier mit
Klappe, Korn. Rückliegende Kettenschlösser, Schlossplat-
ten und Hahnen flach, gravierter jagdlicher Dekor, Hund
und Fuchs, Rankenwerk. Ein Abzug mit Stecher. Eisen-
garnitur, Abzugbügel mit Holzfortsatz und Kolbenkappe,
drei Ladestockpfeifen. Nussbaumhalbschaft beschnitzt,
Fischhaut und grosse Blattranken, Kolbenfach mit gra-
vierter Eisenklappe, Dekor: ruhender Hirsch, Ornamente.
Holzladestock mit Messingdopper. L 104,5 cm.
Seltene Bockdoppelflinte des seit 1830 in München täti-
gen Franz Xaver Baader, der 1837 zum Hofbüchsenma-
cher König Ludwig I. von Bayern ernannt wurde, sehr guter
Zustand. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch
Hall 1968, Bd I, S. 43.
CHF 1 200 / 1 600
(€ 1 110 / 1 480)
1495
ZÜNDNADEL-DOPPELFLINTE
Österreichisch, um 1855/60, Jagdwaffe, Wenzel
Maschek, Wien. Damastrundläufe (L 74 cm), Kal.18
mm, Mittelschiene in Gold sig. „W.MASCHEK IN
WIEN“, Perlkorn. Auf der Laufangel zwei Stifte als
Ladungsanzeiger, gravierter Dekor: Hunde mit
erbeutetem Hasen. Verschlusskasten, Spannhebel
und Sicherung mit fein graviertem jagdlichem Dekor,
Hund einen Fuchs verfolgend, Besitzerwappen dazu
Rankenwerk. Eisengarnitur, Abzugbügel mit Fortsatz
aus Horn, Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen,
Nussbaumhalbschaft, Schafthals mit Fischhaut und
Besitzerwappen, Kolben mit Wange und feinem
jagdlichem Dekor: Jäger, Wild, Drachenfigur, Ran-
kenwerk. Holzladestock. L 116 cm.
Qualitätsvolle Zündnadel-Jagdwaffe des in Wien
1853 bis 1861 erwähnten Büchsenmachers Wenzel
Maschek. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel,
Schwäbisch Hall 1968, Bd. II, S. 768.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
| 229
1496*♣
PRUNKHORN
Französisch, Dieppe, 3. Viertel 19. Jh. Elfenbein beschnitzt, Dekor:
Trichterbereich – oben, königlich englisches Wappen umrahmt
vom Hosenbandorden mit der Devise „HONI SOIT…MAL Y
PENSE, Löwen als Schildhalter, unten in Medaillon König Franz II.
mit Gattin Marie von Schottland, von Krone überhöht, Schrift-
band „FRANCOIS DE VAL. ROY DE…FRANCE ET MARIE RONYE
DESCOS“, Initialen „FM“ mit Krone, darüber die Jahrzahl 1558.
Mittelfeld – Jagdszenen, Hunde einen Hirsch hetzend, Hunde
stellen einen Keiler, oben – grosse Tierkampfszene mit Löwe und
Keiler sowie mehreren Hunden, darüber Akanthusfries. Grosses
Mundstück mit ornamentalem Banddekor und grossem Tierkopf
samt Mundstück als Abschluss. L 57 cm.
Der Horndekor erinnert an die Hochzeit von König Franz II. von
Frankreich (1544–1560), ein Valois, mit Maria Stuart, Königin von
Schottland, 1558. Nach dem Tode Franz II. kehrte Maria nach
Schottland zurück und wurde 1587 in London auf Veranlassung
von Königin Elisabeth von England wegen Hochverrat hingerich-
tet. Dieppe an der Atlantikküste beherbergte nach 1850 eine
bedeutende Elfenbeinindustrie, deren erste Blütezeit gegen 1700
endete. Vorzügliche Arbeit des Historismus.
CHF 3 500 / 5 500
(€ 3 240 / 5 090)
| 230
Decorative Arts | Antike Waffen
1497
COLETTE-PISTOLE
Belgisch um 1860, erste Version. Achtkantlauf (L 22 cm), Kal. 10
mm, feine Züge, Waffennr. VC 175, Liègerbeschuss verwischt,
massives Standvisier als Teil des Verschlusses, geschobenes
Korn. Schlosskasten mit Fallblockverschluss - durch das Spannen
des Hahns bis zur ersten Rast hebt sich der Kammerblock zur
Aufnahme der über der Laufkammer befindlichen Munition, in der
zweiten Rast fällt der Block und bringt die Munition in die Kammer,
Schiebesicherung. Eisengarnitur, Abzugbügel und Knaufkappe
mit graviertem Rankendekor. Beschnitzter Nussbaumgriff, sog.
„crosse renaissance“. L ca. 36,2 cm.
Seltene erste Version für Einzelschuss der in der Lièger Firma von
Alexander Colette mit E.J. Nicolas entwickelten Hinterladerpistole,
noch ohne das später hinzugekommene Schwerkraftmagazin.
Guter Zustand. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch
Hall 1968, Bd. 1, S. 230.
CHF 800 / 1 400
(€ 740 / 1 300)
1498*
GALADEGEN
Empire, Frankreich um 1810. Silbergefäss, olivenförmiger Knauf
und massiver Griff durch seitliche Bänder mit Kreuzdekor in Felder
mit zehn durchbrochen gearbeiteten und facettierten Halbku-
geln besetzten Bahnen unterteilt, französische Kontrollstempel
1809/19, Paris. Nietkopf. Griffbügel in Griffbasis mündend, kurzer
Parierstangenarm, Ziergriffhaken mit Marke „L.T.“, ovales Stich-
blatt durch Bänder und Punktefolgen in drei Felder unterteilt. Alle
Gefässteile mit facettiertem Halbkugeldekor. Dreikantklinge
(L 75 cm), Ätzdekor berieben. L 90,3 cm.
Aufwändig gearbeitetes Degengefäss das in der Verarbeitung
einen Besatz mit Brillianten imitiert; ein am Hofe Napoleons I.
beliebtes Modell.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
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Kontakt · Anahi Cardona · Tel. +41 44 445 63 21 · cardona@kollerauktionen.ch
Gemälde, Zeichnungen  Grafik Alter Meister  des 19. Jhs.
Bücher  Autographen, Schmuck, Möbel, Uhren, Varia, Porzellan
Bücher  Autographen
Auktion: Mittwoch, 29. September 2021
Kontakt · Andreas Terwey · Tel. +41 44 445 63 40 · terwey@kollerauktionen.ch
Rembrandt van Rijn (1606–1669). Einblattdruck des «Curateur over den Insolventen Boedel van Rembrant van Rijn» mit der
Ankündigung zur Versteigerung von Kunstwerken aus Rembrandts Besitz. Mit einer mehrzeiligen HolzschnittInitiale. [Amsterdam, 1658].
Govaert Flinck (1615–1660). Tronie eines bärtigen Mannes. 1650. Öl auf Leinwand. 61,5 × 50,7 cm.
Kontakt · Karoline Weser · Tel. +41 44 445 63 35 · weser@kollerauktionen.ch
Daniel Seghers und Cornelis Schut. Blumengirlande um eine Kartusche mit Maria und Jesuskind. Öl auf Holz. 68,5 × 53 cm.
Gemälde Alter Meister  des 19. Jahrhunderts
Auktion: Freitag, 1. Oktober 2021
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Koller Antike Waffen 30 Sep 2021

  • 1. Auktion: 30. September 2021 Auktion: 30. September 2021 ANTIKE WAFFEN ANTIKE WAFFEN
  • 2.
  • 3.
  • 4. AUKTION IBID 122 Bieten ab 21.09 bis 5./6.10.2021 Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr Gemälde,ZeichnungenGrafikAlterMeisterdes19.Jhs. BücherAutographen,Schmuck,Möbel,Uhren,Varia,Porzellan IBID ALTEGRAFIKZEICHNUNGEN Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 IBID BÜCHER AUTOGRAPHEN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBIDMÖBELUHREN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBIDVARIASKULPTUREN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBID PORZELLAN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBID SCHMUCK Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 IBID GEMÄLDE ALTER MEISTER DES 19. JHS. Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 AUKTIONSPROGRAMM AUKTIONEN SEPTEMBER 2021 (A198 IBID 122)
  • 5. TEPPICHE Donnerstag,30.September2021,9.30 Uhr Lot 1501 – 1583 SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN Donnerstag,30.September2021,11.00 Uhr Lot 1301 – 1368 MÖBEL, PENDULEN, SKULPTUREN, SILBER, PORZELLAN Donnerstag,30.September2021,13.00 Uhr Lot 1001 – 1248 ANTIKE WAFFEN Donnerstag,30.September2021,17.00 Uhr Lot 1401 – 1498 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch Auktion: 30. September 2021 DECORATIVE ARTS MÖBEL, UHREN, SILBER, PORZELLAN, TEPPICHE ANTIKE WAFFEN, SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN DECORATIVE ARTS A198 SEPTEMBER 2021 BÜCHER AUTOGRAPHEN Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr Lot 101 – 363 501 – 527 SEPTEMBER 2021 Auktion: 29. September 2021 BÜCHER, BUCHMALEREI AUTOGRAPHEN BÜCHER, BUCHMALEREI AUTOGRAPHEN A198 ALTE GRAFIK Freitag, 1. Oktober 2021, 10.30 Uhr Lot 3601 – 3636 ZEICHNUNGEN Freitag, 1. Oktober 2021, 11.00 Uhr Lot 3401 – 3488 GEMÄLDE ALTER MEISTER Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr Lot 3001 – 3072 GEMÄLDE DES 19. JH. Freitag, 1. Oktober 2021, 16.00 Uhr Lot 3201 – 3253 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch A198 OKTOBER 2021 GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JH., ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK Auktion: 1. Oktober 2021 GEMÄLDE ALTER MEISTER DES 19. JH. ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz VORBESICHTIGUNG Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
  • 6. Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen. EURO-Schätzungen Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung. Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken. Decorative Arts   S. 1 Sammlung von Elfenbeinobjekten   S. 145 Antike Waffen   S. 193 Teppiche   S. 193 Adressen    S. 256 Auktionsbedingungen    S. 260 Auction Conditions   S. 262 Auktions-Auftrag   S. 264 AUKTIONEN Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz
  • 7. Zusätzliche Informationen und Abbildungen: www.kollerauktionen.ch Antike Waffen AUKTION Donnerstag, 30. September 2021, 17.00 Uhr VORBESICHTIGUNG Freitag 24. bis Dienstag 28. September 2021, 10–18 Uhr English descriptions and additional photos: www.kollerauctions.com Konsulent für Antike Waffen: Jürg A. Meier Stephan Koller Möbel Dekorationen Head of department Tel. +41 44 445 63 20 skoller@kollerauktionen.ch Giordana Schmid Möbel Dekorationen Tel. +41 44 445 63 52 schmid@kollerauktionen.ch
  • 8. | 184 Decorative Arts | Antike Waffen 1401 SPIESS Deutsch, letztes Viertel 15. Jh., für Kavallerie oder Infanterie. Schmales Blatt von rhombischem Querschnitt, in der Orthälfte vierkantig. Lange konische Tülle mit graviertem ornamentalem Dekorband. Rundschaft neuere Ergänzung. L 229 cm. Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern. Seltenes spätgotisches Spiesseisen aus der Zeit der Burgunder- kriege 1476/77. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) 1402* AHLSPIESS Österreichisch-deutsch, um 1500. Sehr lange, pfriemartige Vier- kantspitze (L ca. 87 cm), welche in einer konischen Achtkanttülle endet. Korrosionsspuren. Aufgeschobene Handschutzscheibe aus Eisenblech etwas defekt. Rundschaft ergänzt. H 270 cm. Ausserordentlich seltene Stangenwaffe. Die hussitische Waf- fenkombination von Ahlspiess und Setzschild (Tartsche, Pavese) aus dem 2. Quartal 15. Jh. wurde vor allem von den städtischen Truppen Österreichs übernommen. Vgl. Das Wiener Bürgerliche Zeughaus, Katalog Schallaburg 1977, S.77, Nr. 59, Abb. 55. CHF 600 / 1 200 (€ 560 / 1 110) 1403 LOT VON DREI ARMBRUSTBOLZEN Schweizerisch, 15./16. Jh. - KRIEGSBOLZEN, vierkantige Spitze von rhombischem Quer- schnitt in Tülle übergehend, Zain aus Eichenholz, zwei dünne langdreieckige Holzfiederungen, L 35,5 cm. - KRIEGSBOLZEN, vierkantig Spitze in länglicher Pyramidenform mit Hals in Tülle übergehend, Zain aus Eichenholz, zwei dünne langdreieckige Holzfiederungen, L 35,7 cm. - KRIEGSBOLZEN, vierkantige längliche Spitze in Tülle überge- hend, langer Zain, zwei langdreieckige Lederfiederungen, L 48,7 cm. Armbrustbolzen von seltener Vollständigkeit und Erhaltung. Vgl. H. Lüken, J. Sensfelder: Die Armbrust, Berlin 2019, S. 84-86. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740)
  • 9. | 185 1404 KLAPPVISIER EINER BECKENHAUBE ODER HUNDSGUGEL Ende 14. Jh. Eisen, teilweise etwas korrodiert, aus einem Stück schnauzenartig vorgetrieben, im Verlauf einer alten Reparatur wurden beidseitig Fortsätze mit zwei Scharnieren eingenietet. Die langrechteckigen Sehschlitze sind bogenförmig. Die Unterkanten der Sehschlitze gehen in hervortretende, gekantete Wulsten über. Nasenfläche des Visiers durch drei Kanten symmetrisch geteilt. Die Visierspitze seitlich von ca. 40 kreisrunden kleinen Löchern durchbrochen. Zweiteilige aus langrechteckigen Schlitzen beste- hende Mundöffnung. H 15 cm, Gewicht 0,809 kg. Ausserordentlich seltenes Visier. Die Hundsgugel war der charak- teristische Helm der Österreicher in der Schlacht bei Sempach 1386, in der Luzerner Bilderchronik des Diebold Schilling von 1513 deutlich abgebildet. Die anfänglich absteckbaren Visiere erhielten im Verlauf der Zeit seitliche Scharniere. Vgl. Walter Schaufelberger: Kriegsführung und Kriegertum zur Sempacher- zeit (1385-1389), GMS Heft Nr.4, 1986. Schweiz. Landesmuseum Zürich Jahresbericht 1966, S.20, 21, 57 und Abb. 42, Hundsgugel. Nolfo di Carpegna: Antiche Armi dal sec. IX al XVIII già Collezione Odescalchi, 1969, S. 7, Nr. 22. R. Wegeli: Schutzwaffen, Bern 1929, S. 20, 21, 25, Nrnr. 37, 38. Provenienz: - Slg. Karsten Klingbeil (1925-2016), Berlin. CHF 6 000 / 9 000 (€ 5 560 / 8 330) 1405 HALBARTE Schweizerisch oder deutsch, 1. Quartal 16. Jh. Massive kurze Vierkantspitze, flächiger Ansatz mit Rücken, langes schmales trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter, gerader Schneide, Schlagspur (Schwertstreich ?), Blattober- und Unterkante minim konkav, Schnabelhaken über langer schmaler Basis, Marke: in Fünfeck mit zugespitzter Basis „U“–förmige Marke. Zwei Schaftfe- dern. Achtkantschaft erg. L 191,5 cm. Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern. Seltene frühe Halbartenform aus der Zeit von Marignano 1515 und Pavia 1525. Waffe aus der gleichen Werkstatt in der Slg. Altes Zeughaus Solothurn und im Metropolitan Museum N.Y. Vgl. Rudolf Beglinger/Marco A. R. Leutenegger: Die Stangenwaffen im Muse- um Altes Zeughaus Solothurn, Solothurn 2004, S.20, Nr. 3. John Waldmann: Hafted Weapons in Medieval and Renaissance Europe, Boston 2005, S. 50, Abb. 49. CHF 2 400 / 3 200 (€ 2 220 / 2 960)
  • 10. Decorative Arts | Antike Waffen 1406* HALBARTE Österreichisch-deutsch, 1. Viertel 16. Jh., maximilianische Form. Massive Vierkantspitze, im Ansatz flächig, beidseitig gleiche Mar- ke, Blatt in unregelmässiger Trapezform, Ober- und Unterkante sowie die schräg gestellte Schneide leicht konkav. Flacher Schna- belhaken, Basis fünffach eingeschnitten. Gekantete Schaftfüh- rung mit geradem Abschluss, eine Kante gerade die andere leicht gebogen. Lange Schaftfedern, Achtkantschaft ergänzt, ebenso die Schaftnägel. L 225 cm. In den Zeugbüchern Kaiser Maximilian I. (1502–1515), die vor al- lem über die Artillerie Auskunft geben, finden sich auch Abbildun- gen von „Helmparten“, welche über die charakteristischen Merk- male maximilianischer Halbarten informieren. Vgl. Egg, Pfaundle: Maximilian und Tirol, 1969, S. 90/91. CHF 800 / 1 400 (€ 740 / 1 300) 1407 HALBARTE Schweizerisch, 2./3. Quartal 16. Jh. Massive Vierkantspitze, flächiger Ansatz mit Rücken, trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter, gerader Schneide, Blattober- und Unterkanten sowie Schnabelhaken mit bogenförmigen Einschnitten, Marke: Fünfeck mit achtstrahligem Stern. Zwei gewellte Schaftfedern und Bänder. Originaler Achtkantschaft mit geschnittenen Initialen des Besit- zers „FB“ und stilisiertem Baum- oder Blattzeichen. L 234 cm. Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern. Formschöne Kampfhalbarte mit originalem gemarktem Schaft. Vgl. Gessler, Waffensammlung Schweiz. Landesmuseum 1928, Tafel 18. CHF 1 600 / 2 400 (€ 1 480 / 2 220) | 186
  • 11. | 187 1408* SCHWERT Deutsch, im Stil Mitte 16. Jh., Arbeit 2. Hälfte 19. Jh. Eisengefäss, Kugelknauf original um 1550, ganzflächig von einem geschnit- tenen feinen Perlmuster bedeckt, flacher Nietkopf. S-förmig geschweifte, achtkantige Parierstange endet in kugelförmigen Abschlüssen mit Perlmuster in abgegrenzten Bahnen. Grosse Fingerbügel, Eselshuf dient terzseitig als Basis für drei Spangen die mit einem grossen Parierring verbunden sind. Spangen und Parierring enden wie die Parierstange in kugelförmigen Abschlüs- sen. Quartseitig ein grosser Daumenbügel durch Spangenkreuz mit dem Eselshuf verbunden. Belederter Holzgriff. Zweischneidige Klinge ( L 102 cm), Fehlschärfe, Ansatzdrittel mit Mittelkannelüre. L 120 cm Der ausserordentlich seltene „Renaissanceknauf“ um 1550 wurde im 19. Jh. handwerklich sorgfältig und „kongenial“ zu einem Schwert komplettiert. Originale Waffen mit derartigen Knäufen sind praktisch unbekannt. Vgl. R. Forrer: Die Schwerter und Knäufe der Sammlung Carl von Schwerzenbach, 1905, S. 47, Tafel XI. CHF 700 / 1 200 (€ 650 / 1 110) 1409* SCHWERT, SOGENANNTER KREUZDEGEN Im deutschen Stil um 1500, Arbeit Ende 19. Jh. Eisengefäss, lan- ger konischer, zehnkantiger, gekehlter Knauf, Nietfläche halbku- gelförmig. Dreikantige Parierstange mit horizontal leicht geboge- nen Armen, auf der Unterseite Scheidenabdeckung. Belederter Holzgriff von ovalem Querschnitt, im Knaufbereich schmaler. Vierkantklinge (L 109 cm), alle vier Seiten gekehlt. L 133,8 cm Das mit einer langen Stossklinge ausgestattete Schwert wurde in der Eidgenossenschaft als „Kreuzdegen“ bezeichnet. Die Waffe scheint von Söldnern aus Frankreich mitgebracht worden zu sein. Man verbot sie anlässlich der Tagsatzung vom 11.3.1409, weil sie vergleichsweise mit den Schwertern zu Hieb und Stich (Schwei- zerdegen) nur begrenzt einsetzbar waren. Gute Replik einer im Original nicht erhältlichen Waffe. Vgl. E. A. Gessler: Vom Kreuzde- gen, ASA NF 24, 1922, S. 158 ff. CHF 700 / 1 200 (€ 650 / 1 110) 1410* PRUNKGLEFE Im Stil 1. Hälfte 16. Jh., Historismus 19. Jh. Langes, zweischnei- diges Blatt, im Ort schnabelartig gebogen, im unteren Drittel rechtwinklig angesetzter, verzierter Rückendorn sowie an der Ba- sis ein ähnlicher Fortsatz. Ganzflächiger Ätzdekor vor schwarzem gepunktetem Grund: Blattränder mit geschnürltem Dekor, dichte Blattrankenmuster, im Mittelfeld drei Kronen, welche durch Bänder miteinander verbunden sind. Zwischen den Rückendornen die im Blatt verschraubte Figur eines grimmen Löwen, am Blattan- satz eine Delphinfigur, beide aus vergoldetem Messing. Massive konische Achtkanttülle. Rundschaft mit Quaste und Stelldorn ergänzt. Eisenlänge 81,3 cm. Mit den drei Kronen und dem Löwen (als Schildhalter) nimmt die Waffe Bezug auf das Wappen des schwedischen Königreiches; der Delphin steht für die Nähe Schwedens zum Meer. Diese sehr de- korative sorgfältig gearbeitete Historismuswaffe dürfte im Auftrag entstanden sein. Sie wurde in der Auktion Fischer, Luzern 2000 unter der Nr. 16 für 14‘000.- als Original verkauft. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310)
  • 12. | 188 Decorative Arts | Antike Waffen 1411* VISIERHELM Im deutschen Stile 1. Hälfte 16. Jh., Arbeit 2. Hälfte 19. Jh. Eisen blank, einteilige Helmglocke mit niedrigem geschnürltem Kamm, Glocke beidseitig fünffach geriefelt, dazu gravierte Zierlinien, Federtülle. Zweiteiliges Visier mit Seh- und Luftschlitzen, wie das Kinnreff aufschlagbar, seitlicher Visierstengel, Drucksperre. Dreifach geschobener, zehnfach geriefelter Nacken- schirm. Basis mit umlaufender, versenkt getrie- bener, geschnürter Borte. H ca. 28 cm. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 390 / 1 850) 1412 HALBARTE Schweizerisch, letztes Viertel 16.Jh., Ringier–Zofingen. Vierkant- spitze, trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter, gerader Schnei- de, Dekor bestehend aus einfachen Bogengravuren u. Dreier- gruppen von Punktdurchbrechungen, Blattober- und Unterkanten sowie Schnabelhaken bogenförmig eingeschnitten, geschlagene Marke: Quadrat mit diagonalem Balken und drei Kugeln (= verein- fachtes Ringierwappen). Zwei Schaftfedern, eine Feder gekürzt, zwei Schaftbänder, Zwinge. Achtkantschaft, Wurmfrassspuren, gekerbte Besitzerinitialen. L 231,5 cm Provenienz: - Slg. M. Sigrist. Seltene Schweizer Halbarte. Der Sohn Michael des in Zofingen eingebürgerten Hans Ringier (erwähnt 1538–1567) bekleidete 1587 – 1605 das Amt des Schultheissen. Die Brüder Michael (erw. 1546–1605) und Jakob (erw. 1540–1586) übten das Messer- und Waffenschmiedehandwerk aus. Sie stellten auch Halbarten her. Vgl. H. Schneider: Schweizer Waffenschmiede, 1976, S. 176, falsche Zuschreibung der Marke. CHF 1 600 / 2 200 (€ 1 480 / 2 040) 1413 MORION Deutsch, Nürnberg, um 1580. Eisen geschwärzt, eintei- lige Glocke mit hohem Kamm, hochgezogene Krempe, beidseitig spitz endend, Nürnberger Beschau verwischt, geschnürlte Borten. Glocke mit leichter Delle, Löcherpaare zur Befestigung eines Innenfutters. H 26,7 cm. Vgl. Gessler, Waffensammlung Schweiz. Landesmuseum 1928, Tafel 25. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110)
  • 13. | 189 1414 GANZER HARNISCH Deutsch um 1580. Eisen blank, Messing- nieten, bestehend aus: Sturmhaube, einteilige Glocke mit hohem Kamm, Mittelgrat, in spitz endenden Augen- schirm übergehend, gebörtelter Rand. Nackenschirm eingenietet. Wangenklap- pen mit Punktdurchbrechungen, Ränder gebörtelt. Federhülse. Harnischkragen, zweiteilig, einfach geschobener Hals- ausschnitt, gebörtelt. Brust, gewölbt, Mittelgrat, tiefer Tapul, Halsauschnitt gebörtelt, geschobene Armausschnitte. Bauchreifen, daran angeschnallt zwei zehnfach geschobene Knieschösse. Rücken, Gesässreifen. Armzeug mit sechsfach geschobenen Schultern, Oberarmzeug geschlossen, offene Muscheln, Unterarmzeug aufklappbar, Scharnier und Druckverschluss. Hand- schuhe mit kurzen, geschlossenen Stulpen, Handrücken fünffach gescho- ben, Buckel mit Zierkerben, Daumen und Finger geschuppt. Beinzeug, Kniebuckel. Aufklappbare Beinröhren mit achtfach geschobenen Schuhen. Sorgfältig res- taurierter Harnisch, Belederung erneuert. Inklusive Ständer. H 174 cm. Provenienz: - Auktion Galerie Fischer Luzern, 2011, Nr. 290. - Schweizer Privatsammlung Dieser Rüstungstyp wird in der Literatur als leichter Feldharnisch bezeichnet. Auch in der Eidgenossenschaft bei Offizieren gebräuchlicher Harnisch mit dem selten vorhandenen Beinzeug, elegante Form; seltene Vollständigkeit. Vgl. Harnische im Alten Zeughaus Solothurn, Rudolf Wegeli: Katalog der Waffen-Sammlung im Zeug- hause zu Solothurn, 1905. CHF 18 000 / 25 000 (€ 16 670 / 23 150)
  • 14. | 190 Decorative Arts | Antike Waffen 1415* STURMHAUBE Deutsch, um 1580. Eisen teilweise geschwärzt, einteilige Glocke mit hohem geschnürltem Kamm. Die Glocke mündet in die spitz endenden Augen- und Nackenschirme, beide weisen versenkt getriebene, blanke, geschnürlte Randleisten auf, Wangenklappen mit blanken Rändern und rosettenförmig angeordne- ten Punktdurchbrechungen. Glocke und Wangenklap- pen mit originalen Messingrosetten. H ca. 32 cm. Formschöne und sehr gut erhaltene Sturmhaube, wie sie auch in der Eidgenossenschaft Verwendung fand, qualitätsvolle Schmiedearbeit. Vgl. Gessler: Waffen- sammlung Schweiz. Landesmuseum 1928, Tafel 24. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1416* RICHTSCHWERT Deutschland, Ende 16. Jh. Eisengefäss, achtkantiger grosser Scheibenknauf, beidseitig abgeschrägte Kantenflächen, die jeweils in einer achteckigen Zentrumsfläche enden, achtkantige Parierstange mit kolbenförmigen Armen und Knopfabschlüssen. Belederter vierkantiger Holzgriff, konisches Griffende schmaler mit feiner Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge (L 84,2 cm, B 5,3 cm), kurzer Mittelhohlschliff, im Ort gerade respekti- ve stumpf endend. In Passauer Manier in Messing tauschierter Galgen und Rad mit nachträglich im 19. Jh. gravierter Beschriftung „VIM VI REPELLERE LICET“ mit Totenkopf. L 109,5 cm. Richtschwert in gutem Zustand, das im 19. Jh neu gefasst wurde. Vgl. H .R. Uhlemann: Die mittelalterlichen Gerichts- und späteren Richtschwerter von Passau, in: Blankwaffen, hg. Stüber und Wet- ter, 1982, S. 33-44. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780)
  • 15. | 191 1417 PULVERIN/FLACON Im italienischen Renaissance-Stil des 3. Quartal 16. Jh., Historis- mus, 19. Jh. Durchbrochener Messingguss versilbert in zugespitz- ter Flaconform mit Glaskern, Vorder- und Rückseite mit symmet- risch angelegtem reichem Dekor, im Zentrum das von einer Krone überhöhte Mediciwappen sowie das Allianzwappen Medici-Öster- reich, beidseitig geflügelte Putten als Schildhalter. Seitliche Henkel in Form von geschmückten Halbfiguren mit Tragringen für die kurze Kette. Oben ein Maskaron samt Ausguss und beweglichem Stutzen. L 10,5 cm Das pulverinförmige Flacon fand möglicherweise als Streusand- oder Parfumbehälter Verwendung. Die Wappen erinnern an die 1565 stattgefundene Hochzeit von Francesco I. de Medici mit Erzherzogin Johanna von Österreich. Schönes Beispiel eines Historismusobjekts. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1419 PULVERFLASCHE Deutsch oder schweizerisch, letztes Viertel 16. Jh. Hirschhorn- körper (Geweihgabelstück), zweiteiliges Gabelende. Vorderseite geglättet und graviert, Darstellung eines vornehmen Ehepaars, bärtiger Gatte mit hohem Hut, Wams und Pluderhosen, Gattin mit weitem Rock und Hut. Eisengarnitur original, zwei Verschlusskap- pen, ein Deckelabschluss fehlt, Flaschendeckel verschraubt, lange Tülle mit Federverschluss und an der Basis eine Federsperre, vier Tragringe. L 24,8cm Schöne Pulverflasche in gutem Originalzustand, vgl. Ray Riling: The Powder Flask Book, 1953, S. 238-239, Abb. 37. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1418 HALBARTE Deutsch, um 1586, Claus Lerchli, Kempten, für das Zeughaus Zürich. Vierkantspitze, an der Basis Meistermarke: in Schild ein dreiblätteriges Kleeblatt, etwas verschliffen, trapezförmiges Blatt mit schräg gestellter leicht konkaver Schneide. Blattober- und Un- terkante sowie Schnabelhaken mit bogenförmigen Einschnitten. Zwei Schaftfedern und zwei Schaftbänder. Originaler Achtkant- schaft, wenige Wurmfrassspuren. L 233,5 cm. Seltene Halbarte des in Kempten im Allgäu aktiven Waffen- schmieds Claus Lerchli, der das Zeughaus Zürich 1586 mit 336 Halbarteneisen dieses Typs belieferte. Die Schäftung der Eisen erfolgte in Zürich. Vgl. Jürg A. Meier: Stangenwaffen aus Kempten für Zürich, die Lieferungen Claus Lerchlis in den Jahren 1585- 1591, in: Rapport 3 / 4, Schweiz. Waffeninstitut, Grandson 1979, S. 213-224. CHF 1 100 / 1 600 (€ 1 020 / 1 480)
  • 16. | 192 Decorative Arts | Antike Waffen 1420 HALBARTE Österreichisch-steirisch, um 1580. Lange Vierkantspitze, halbmondförmiges Blatt mit breitem Hals und schräg gestellter konkaver Schneide. Blatt und Schnabelhaken mit Gruppen von Punktdurchbrechungen, Marke: Schild durch diagonales Kreuz unterteilt, in den Feldern kleine blanke Scheiben (Pangraz Taller). Lange Schaftfedern und Bänder, Zwinge. Vierkantiger Original- schaft, Kanten gerillt. L 277 cm. Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern Von Pangraz Taller, Bürger und Waffenschmied an der Sulz bei Steyr hergestellte Halbarten sind Landeszeughaus Graz in grosser Zahl vorhanden. Vgl. Pichler, Landeszeughaus in Graz, 1880, Tafel XXVII, Fig.5. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1421* RAPIER Italienisch, Ende 16. Jh. Eisengefäss geschwärzt, birnförmiger Knauf, Halsansatz bandartig mit Zackenmuster, flacher Nietkopf, offener Griffbügel, terzseitiger Seitenbügel in Parierstange samt zugespitztem Mittelstück mündend, Parierstange mit dreiteiligem Spangenfortsatz der im Eselshuf mit einem kleinem durchbro- chenen Stichblatt endet. Grosse Fingerbügel. Quartseitig ein weiterer Seitenbügel, der mit zwei Parierringen verbunden ist. Alle Bügel und Spangen weisen gehämmerte, gekantete Flächen auf. Spiralig gekehltes Griffstück, feine Kupferdrahtwicklung. Zwei- schneidige Klinge (L 101 cm), Fehlschärfe, dann gedacht, schmale Mittelbahn. L 118,4 cm Formschönes ausgewogenes Rapier. Die gehämmerten, astarti- gen Bügel und Spangen entsprechen einer italienischen Dekor- technik, die sich bei Rapieren zu Ende des 16. Jahrhunderts in und um Mailand nachweisen lässt. Vgl. Simone Picchiani: Le Spade da lato al Museo Stibbert, 2019, Nr. 92. CHF 1 400 / 2 400 (€ 1 300 / 2 220) 1422* REITSCHWERT im Stil 2. Hälfte 16. Jh., Arbeit 2. Hälfte 19. Jh. Eisengefäss, Kugelknauf, bestehend aus sieben Bügeln mit drei kettenartig verbundenen rechteckigen Gliedern, Nietkopf. Parierstange, Parierring sowie Fingerbügel und Eselshuf bestehen ebenfalls aus Kettengliedern. Quartseitig Spangenpaar. Rhombisch gerillter Griff mit feiner Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge ( L 107,3 cm), Fehlschärfe, sig. „JUANEZ URIZIA“ (für „Juan Ruiz, Toledo). L 127,5 cm In der Slg. Carl von Schwerzenbach und der Slg. H.C.M. Dreger befanden sich Schwerter mit den gleichen attraktiven, vorzüglich gearbeiteten Kettengefässen, die alle aus derselben Werkstatt stammen und als Original eingestuft wurden. Die assortierten Klingen weisen Signaturenimitate bekannter Meister auf. Vgl. R. Forrer: Die Schwerter und Schwertknäufe der Slg. Carl von Schwerzenbach, 1905, Tafel LII, Nr. 2. Waffensammlung Dreger, 1926, Nr. 77. CHF 700 / 1 200 (€ 650 / 1 110)
  • 17. | 193 1423* HALBARTE Österreichisch-steirisch, um 1580. Lange Vierkantspitze, halbmondförmiges Blatt mit breitem Hals und schräg gestellter konkaver Schneide. Blatt und Schnabelhaken mit Gruppen von Punktdurchbrechungen, Marke: Kreisfläche in durch Balken in drei Segmente aufgeteilt, darin kleine blanke Scheiben (Peter Schreckeisen). Lange Schaftfedern und Bänder, Zwinge. Original- schaft, minim gekürzt, Kanten gerillt. L 233 cm. Von Peter Schreckeisen aus Wald-Neukirchen bei Steinpach an der Steyr hergestellte Halbarten sind im Landeszeughaus Graz in Varianten zahlreich vertreten. Vgl. Pichler: Landeszeughaus in Graz, 1880, Tafel XXVII, Fig. 5, Tafel XXVI, Fig. 6. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1424* LUNTENSPIESS Italienisch, Ende 16. Jh., Artilleriegerät. Breites und kurzes durch- brochen gearbeitetes Blatt mit Chiffre „JHS“ und Kreuz, in der Basis verlötet, welche beidseitig Bronzeplaketten mit behelmten Kriegerköpfen bedecken, dazu in Eisen geschnittene, spangen- förmige Fabelwesen. Die beiden ebenfalls in Eisen geschnittenen gebogenen Arme unterhalb der Basis enden in Monsterköpfen, die als Luntenhalter dienen. Über der konischen Rundtülle mit figürlichen Gravuren ein Kranz von sechs Eisenspangen mit Köpfen. Zwei kurze Schaftfedern, Zierquaste, Achtkantschaft mit Messingnägeldekor und Eisenstiefel. L 205 cm. Seltener italienischer Luntenspiess. Vgl. L’Armeria: Reale Torino, 1982, Abb. 216. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) 1425 LUZERNERHAMMER Schweizerisch, im Stil um 1600, Arbeit 2. Hälfte 19. Jh., Luzern. Vierkantspitze mit breiterer Basis, gemeisseltes „L“ (Pseudomar- ke). Der aufgesetzte Hammerteil besteht aus vier divergierenden langen Vierkantspitzen und endet rückwärtig in einem leicht gebogenen langen Vierkantschnabel. In der Mitte des Hammer- teils zwei vierkantige Parierdornen. Zwei Schaftfedern und Bänder, Achtkantschaft. L 231,5 cm. Die Bezeichnung „Luzernerhammer“ wurde um 1850/60 vom Lu- zerner Sammler J. Meyer-Bielmann kreiert und fand 1869 Eingang in die Fachliteratur. Die Waffe ist als „Mordaxt“ in den Luzerner Inventaren Ende 16./17.Jh. nachweisbar. Gute Repliken wurden in Luzern mangels Originalwaffen in stattlicher Zahl für Samm- ler und Touristen als „Souvenir“ angefertigt. Provenienz: Slg. M. Sigrist, Luzern. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740)
  • 18. | 194 1426* RAPIER Französisch, im Stil um 1600, Historismus, 3. Quartal 19. Jh. Eisengefäss, konischer, walzenförmiger Knauf, geschnittener Dekor, Medaillons mit behelmtem Kriegerkopf (Mars ?) und Kopf der Mondgöttin Selene, Nietkopf. Offener Griffbügel, terzseitiger Seitenbügel in grossen Parierring mündend, zwischen Eselshuf und Parierring ein weiterer Parierbügel. Die Enden der Parierstan- ge sind knauf- und ortwärts gebogen. Massiver Griff, geschnitte- ner Dekor: Besitzerinitialen „TR“ von Krone überhöht, Kartusche mit gepanzertem Krieger. Das Gefäss weist terzseitig einen ganzflächigen tauschierten Silberdekor auf, Linienornamente und Punkte, quartseitig teilweise dekoriert. Zweischneidige Klinge (L 109,5 cm), deutsch, 17. Jh., sig. „ANTONIO RUIZ IN TOLEDO“, rhombischer Querschnitt. L 125,8 cm. Dekoratives, aufwändig verarbeitetes Rapier aus der Zeit des französischen 2. Kaiserreiches. Solingerklinge mit imitierter spani- scher Signatur eines bekannten Toledaner Waffenschmieds. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1427 KORSEKE/CORSESCA Italienisch, Anfang 17. Jh. Lange Vierkantspitze, am Ansatz beid- seitig flügelartig gebogene, zweischneidige Bandfortsätze, die in Vierkantspitzen enden. Konische gekantete Tülle, Schaftfedern gekürzt. Rundschaft erg. L 276 cm. Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern. Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli I, S. 351, 484/85. Seitz: Blankwaffen I, S.391, Abb.296. CHF 400 / 700 (€ 370 / 650) 1428 LUZERNERHAMMER Schweizerisch, 1. Drittel 17. Jh. Vierkantspitze mit breiterer Basis. Der aufgesetzte Hammerteil besteht aus vier divergierenden langen Vierkantspitzen und endet rückwärtig in einem leicht gebogenen, langen Vierkantschnabel. Im Zentrum des Hammer- teils beidseitig auch der Fixation dienende vierkantige Parierdor- nen. Zwei Schaftfedern und Bänder, Zwinge und Vierkantschaft ergänzt. L 217,5 cm. Der Begriff „Luzernerhammer“ wurde vom Luzerner Kunst- und Waffensammler J.Meyer-Bielmann kreiert und von A. Demmin 1869 in seinem „Guide des Amateurs d’Armes“ erstmals publi- ziert. In den Luzerner Zeughausinventaren erscheint diese Waffe seit dem Ende des 16. Jhs. als „Mordaxt“. Sie wurde bis zum Ende des 17. Jahrhunderts produziert und bis ins 18.Jh. verwendet. Vgl. Koller-Zürich 24.9.2020, Nr. 1427 für Fr. 4500.-verkauft, Slg. M. Sigrist, stammte aus derselben Werkstatt. CHF 1 800 / 2 800 (€ 1 670 / 2 590) Decorative Arts | Antike Waffen
  • 19. 1429 LOT VON DREI DOLCHEN ODER STILETTEN - Dolch, italienisch/venezianisch, 2. Hälfte 17.Jh., sog. Centoventi für Artilleristen. Eisengefäss, olivenförmiger tordierter Knauf, kurze tordierte Parierstangenarme. Holzgriff spiralig gerillt. Klin- genbasis vierkantig, Zierwulst, volle Dreikantklinge mit gravierter Skala bis 120 korr. L 39,4 cm. - Stiletto, italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Eisengefäss, Knauf und kurze Parierstangenarme pilzförmig. Gedrechselter Horngriff, unter- teilt in Ziernodi und Rillen. Klingenbasis vierkantig mit Marke, volle Dreikantklinge. L 32,9 cm. - Stiletto, italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Eisengefäss, Knauf und Abschlüsse der kurzen Parierstangenarme in gerundeter Schei- benform. Massiver Griff in Balusterform. Klingenbasis vierkantig, volle Dreikantklinge. L 22,8 cm In der zweiten Hälfte des 17. Jh. waren Stiletti in Italien sehr verbreitet, bekannt ist vor allem der den Artilleristen als Messin- strument und Waffe dienende „Centoventi“, der über die Kaliber informierte. Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli, Armeria II, 1986, Abb. 852-880. CHF 400 / 700 (€ 370 / 650) 1430* RAPIER Deutsch, Anfang 17. Jh. Eisengefäss, grosser pflaumenförmiger Knauf mit 16 vertikalen Rillen und Wulsten, beidseitig Darstellung einer doppelten Jakobsmuschel, Nietkopf. Offener Griffbügel, terzseitiger Seitenbügel in grossen Parierring und Parierstange mündend. Grosse Fingerbügel in Eselshuf mit Knebel endend, Spangenverbindung zum Parierring. Quartseitig ein weiterer Seitenbügel, der in drei Spangen übergeht, die ebenfalls im Eselshuf enden. Griff mit Eisendrahtwicklung und Türkenbünden. Zweischneidige Klinge (L 96,5 cm), Fehlschärfe Signatur punziert „ANTONIO PICININO“, dazu Schlagmarke, Klingenquerschnitt rhombisch. L 111,7 cm Der Name des bekannten Mailänder Klingenschmieds Antonio Picinino, der 1589 starb, wurde schon bald von italienischen und deutschen Klingenschmieden zur Aufwertung ihrer Produkte verwendet, dasselbe gilt von der kopierten Toledaner Marke. Seltenes, qualitätsvolles Rapier in alter Montierung. Vgl. Simone Picchianti: Le spade da lato al Museo Stibbert, 2019, Nr. 9. Heribert Seitz: Blankwaffen I, 1965, S. 342. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) | 195
  • 20. | 196 1431* DEGEN Italienisch oder deutsch um 1630. Eisengefäss, grosser, langer, beidseitig zugespitzter olivenförmiger Knauf, vertikale Zierrillen, teils mit Linien oder Punkten. Parierstange mit knauf- und ort- wärts gebogenen Armen, ein grosser Fingerbügel, geschnittener Wellenliniendekor, zugespitzte Griffbasis. Belederter Holzgriff, vier Eisenspangen. Zweischneidige Klinge, deutsch, wohl Solingen (L 91,5 cm), Fehlschärfe, vierfach signiert „1583 FRANCISCO PIN- CHINIO“. L 108,2 cm. Einer der berühmtesten Mailänder Klingenschmiede des 16. Jhs. war Frederico Piccinino. Seine Signatur wurde vor allem von deutschen Produktionszentren wie Solingen zur Aufwertung ihrer Produkte imitiert. Vgl. Heribert Seitz: Blankwaffen II, 1968, S. 271. CHF 350 / 500 (€ 320 / 460) 1432* BIRNHELM FÜR PIKENIERE UND MUSKETIERE Anfang 17. Jh. Eisen, Oberfläche mit Hammerschlagspuren. Massive, einteilige Glocke, Mittelgrat im Scheitel mit kleinem Spitzfortsatz, originale Messingziernieten. Schmale, gebörtelte Krempe, Hängeloch. H 16,7 cm. In ganz Europa verbreitete Helmform; in dieser Ausführung vor allem in Italien als „zucotto aguzzo“ beliebt. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli I, S. 251/252. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1433* LINKHANDDOLCH Deutsch, Anfang 17. Jh. Eisengefäss, walzenför- miger, etwas konischer und achtkantiger Knauf, flacher Nietkopf, sechskantige Parierstange mit ortwärts gebogenen Armen, Ansätze gerillt, Enden verdickt, quartseitig ein Parierring. Griff mit Eisendrahtwicklung. Zweischneidige Klinge (L 34,9 cm), Fehlschärfe, Mittelhohlschliff mit geätzter Buchstabenfolge. L 47,5 cm. Vgl. Hugo Schneider: Griffwaffen I, Waffen im Schweiz. Landesmuseum, 1980, Nrn. 484–492. Heribert Seitz: Blankwaffen II, Braunschweig 1968, S. 185–187. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) Decorative Arts | Antike Waffen
  • 21. | 197 1434* GERICHTSZEPTER IN STREITKOLBENFORM Deutsch oder schweizerisch, 1. Hälfte 17. Jh. Kolbenkopf mit sechs durchbrochen gearbeiteten, zugespitzten Blättern mit graviertem Dekor: Bandwerk und tierkopfartige Elemente mit spitzen Fortsätzen. Abschluss eichelförmig. Aus zwei gleichen kolbenförmigen Hälften bestehender durch Mittelring unterteilter Schaft mit beweglichem Ring. Walzenförmiger Holzgriff, beidseitig mit Eisenrosetten, unten Schraubbefestigung. L 63,8 cm. Seltenes Rechtsaltertum. Nachdem Fauststreitkolben zu Ende des 16. Jh. in weiten Teilen Europas (ohne Osteuropa) ihre primäre Funktion als Kampfwaffe verloren hatten, fanden sie teilweise als Kommandostäbe oder Gerichtszepter Verwendung. Aus diesem Grunde gleichen späterhin im 17./18. Jh. angefertigte Gerichts- zepter als Symbole der Herrschaft vielfach den ehemaligen Fauststreitkolben. Gerichtsstäbe wohl aus der gleichen Werkstatt befinden sich im Besitz der Familien von Graffenried und von Wat- tenwyl. Rudolf Wegeli: Stangenwaffen, Bernisches Hist. Museum, 1939, S. 2-3, Abb.2, 3. Hans Braun: Familie von Wattenwyl, 2004, S. 112. Hans Braun: Familie von Graffenried, 2012, S. 65. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240)
  • 22. | 198 Decorative Arts | Antike Waffen 1436 LOT VON ZWEI LANGSPIESSEN – LANGSPIESS, schweizerisch, 1. Hälfte 17. Jh. Vierkantspitze, an der Basis ein Nodus, kurze konische Rundtülle (Schneider Typ 9 ohne Nodus), eine Schaftfeder, die zweite fehlt weitgehend. Rundschaft von 4,61 m Länge. - LANGSPIESS, schweizerisch, Ende 16. Jh. – Anfang 17. Jh. Längliche lanzettför- mige Spitze von rhombischem Quer- schnitt , kurze konische Rundtülle mit diagonal angelegten gravierten beidseitig gefassten Zierlinien ( Schneider Typ 6/7), zwei Schaftfedern, Rundschaft von 4.60 m Länge. Seltene Langspiesse in originaler Länge. Vgl. Hugo Schneide:, Der Langspiess, in Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien, 1976, Bd. 7, S. 11. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1435 LOT VON DREI LANGSPIESS- FRAGMENTEN - LANGSPIESS, schweizerisch, 2./3. Quar- tal 16. Jh. Längliche, lanzettförmige Spit- ze, im Ort etwas verdickt, rhombischer Querschnitt. Kurze konische Rundtülle mit zwei in Kupfer tordierten Zierbän- dern. Zwei lange Schaftfedern. - LANGSPIESS, schweizerisch, Ende 16. Jh. Längliche lanzettförmige Spitze, Mar- ke: Hammer. Kurze konische Rundtülle. Zwei gekürzte Schaftfedern. - LANGSPIESS, schweizerisch, 2. Hälfte 17. Jh., Bern. Lindenblattförmige Spitze, rhombischer Querschnitt, Marke: Wegeli, Stangenwaffen, Nr.1552, Abb.84, Bern. Alle Rundschäfte gekürzt. Provenienz: - Slg. M.Sigrist, Luzern. Seltene Gruppe von schweizerischen Langspiesseisen 16.-17.Jh. Vgl. Wegeli: Stangenwaffen, Hist. Museum Bern, 1939, S.136-158. Hugo Schneider: Der Lang- spiess, in: Schriften des Heeresgeschicht- lichen Museums Wien, Bd.7, 1976, S.7-24. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1437 LOT VON ZWEI LANGSPIESSEN - LANGSPIESS, schweizerisch, 2. Hälfte 17. Jh. Vierkantspitze, kurze konische Rundtülle (Schneider Typ 9), zwei Schaft- federn. Rundschaft von 4,61 m Länge. - LANGSPIESS, schweizerisch, 2./3. Quar- tal 16. Jh. Längliche lanzettförmige Spit- ze mit Mittelgrat, Seitenflächen gekehlt. Kurze konische Rundtülle mit Messingde- kor (Schneider Typ 7), zwei Schaftfedern. Rundschaft von 4,44 m Länge. Seltene Langspiesse in originaler Länge. Vgl. Hugo Schneider: Der Langspiess, in Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien, 1976, Bd. 7, S. 11. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830)
  • 23. 1438 PULVERFLASCHE Schweizerisch um 1650. Kuhhorn gepresst, flache Form mit ge- rundeter Ober- und Unterkante, Zierrillen. Messinggarnitur vergol- det, ovales Bodenstück verschraubt, zapfenförmiges Mittelstück, verschraubter Deckel mit glatter, konischer Rundtülle, schwenkbarer Verschlussarm mit Deckel und Feder. Auf dem Deckel Öffnung mit Schiebedeckel zum Nachfüllen des Horns. Alle Metallflächen weisen einen reichen gravierten, ziselierten Dekor bestehend aus Rollwerk mit Früchtebüscheln vor punziertem Grund auf. Zwei Tragringe. L 22,5 cm. Seltenes Pulverhorn mit einem für schweizerische Goldschmiedear- beiten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts üblichen Dekor. Vgl. Eva-Maria Lösel: Zürcher Goldschmiedekunst, Zürich 1983, S. 381, Nr.101. Herbert G. Houze: The sumptuos Flaske, Cody 1989, Nrn. 19, 20, 23. CHF 2 200 / 3 200 (€ 2 040 / 2 960) 1439 KOMBINATIONSWAFFE, HIRSCHFÄNGER - STEINSCHLOSSPISTOLE Jean Noël, Byschwyler, Elsass, um 1650/60. Eisengefäss, bombierte Knaufkappe mit Vernietknauf, Griffbügel in Parierstange mündend, Griffbügel und Parier- bügel mit Ziernodipaar, quartseitig kleines lilienförmiges Blech, Daumenbügel. Hirschhorngriff dreifach vernietet. Rückenklinge Solingen etwas korr. ( L 74 cm), Marke: halbes Einhorn (Clemens Horn), Resten eines jagdlichen Ätzdekors, einseitig ein breiter Hohlschliff und eine Steinschlosspistole. Rundlauf (L 15 cm), Kal. 8 mm, Kastenschloss sig. „Jean Noël AB“, Ätzdekor berieben, Blattranken, flacher Hahn, Mechanismus ohne Studel, gewinkelter Abzugbügel. L 88 cm. Ausserordentlich seltene jagdliche Kombinationswaffe des um 1630 in Bischwy- ler im Elsass tätigen Jean Noël. Es ist nur noch ein weiterer Hirschfänger dieses Meisters mit Pistole bekannt, ebenfalls mit einer frühen Form des Steinschlos- ses (Vgl. Auktion Fischer 1.12.1971, Nr. 347, verkauft für 28‘000.-). Diese Hirsch- fänger entstanden während der Regierungszeit des Grafen Christian I. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1598–1654), der seit 1630 Bischwyler residierte und die Linie begründete von der das bayerische Königshaus abstammt. Vgl. Buigné/Jarlier: „Le „Qui est qui“ de l’Arme en France, 2001. Albert Weyersberg: Solinger Schwertschmiede des 16. und 17. Jahrhunderts und ihre Erzeugnisse, Solingen 1926, S. 21-25, speziell 24-25. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 199
  • 24. | 200 Decorative Arts | Antike Waffen 1440* PARTISANE Französisch oder italienisch, 2. Hälfte 17. Jh. Langes, breites in den Ort konisch laufendes Blatt, Mittelgrat. Am Blattansatz beidseitig zwei kleine ortwärts gebogene zugespitzte Flügel. Blatt im Ansatzdrittel mit symmetrischem graviertem Sparrende- kor; zwischen den breiten Sparrenflächen ein silbertauschierter Spiralen- und Punktedekor. Lange konische Rundtülle beidseitig verschraubt, ein Ziernodus als Abschluss. Zwei verschraubte Schaftfedern und Rundschaft ergänzt. L 231 cm. Schöne Prunkpartisane. Vgl. Boccia/Godoy: Museo Poldi Pezzoli I, S. 341, Nr. 463, einfache Ausführungen. Ex Auktion Fischer-Lu- zern, 16./18.6.1994, Nr. 8303. CHF 600 / 1 000 (€ 560 / 930) 1441* LINKHANDDOLCH Im spanisch-italienisch Stil 17. Jh, Arbeit 19. Jh. Eisengefäss, pilzförmiger Knauf, halbkugelförmige Nietfläche gerillt, Halsan- satz konisch, Nietkopf, lange Parierstange, kolbenförmige Arme, Enden kugelförmig. Quartseitig hochgezogenes, durchbrochen gearbeitetes, dreieckiges Stichblatt, massive gerillte Kantenbän- der, Dekor: im Zentrum Frauenkopf vor stilisiertem Blätterkranz, Blattranken, Blumen und Früchte. Griff spiralig gerillt, feine Eisen- drahtwicklung. Zweischneidige Klinge (L 39,8 cm), Fehlschärfe, mit Daumenlager, Lochdurchbrechungen, Ätzdekor. L 53,1 cm. Schöne, handwerklich gute Arbeit. Vgl. Seitz: Blankwaffen II, 1968, S. 194/195. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1442 JAGDSCHWERT Deutsch, wohl sächsisch, 3. Quartal 17. Jh. Eisengefäss, flacher, offener Griffbügel im Mittelteil mit Dekorscheiben mündet in Pa- rierstange mit scheibenförmigen Enden; linker Parierstangenarm zweiteilig, ein Arm ortwärts gebogen. Kleines ovales quartseitiges Stichblatt mit Punktlochungen und einer aus drei Dekorscheiben bestehenden Fassung. Der massive, konische, vierkantige Griff- ansatz aus Eisen mit Zierrille und Wulst ummantelt die Klingenan- gel, welche beidseitig mit vierfach vernieteten Hirschhornplatten belegt ist. Rückenklinge (L 54,3 cm), einseitiger Hohlschliff, Resten eines Aetzdekors. L 68,5 cm. Jagdschwerter- oder Degen mit diesen charakteristischen hirschhornbelegten Griffen waren in der zweiten Hälfte im ganzen deutschen Raum verbreitet, vgl. Deutsches Jagdmuseum Mün- che: Katalog 1977, Abb. Nr. 2060. G. Quaas hg.: Hofjagd, aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums, Berlin 2002, S. 67, Nr. 5. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110)
  • 25. | 201 1443 HALBARTE Schweizerisch, Ende 17. Jh., Offizier Bern, Waadt, Berner Aargau. Klingenförmige Spitze, rhombischer Querschnitt, gewellte Schneiden, langer an der Basis viereckiger dann gerundeter Ansatz aus dekorierten Elementen. Halbmondförmiges, durch- brochen gearbeitetes Blatt, symmetrisch angelegter Bänderde- kor, Blattrücken zweifach bogenförmig eingeschnitten, konvexe Schneide. Schnabelhaken durchbrochen mit Rückenhaken. Vier- kantparierdorn, ein Dorn fehlt. Zwei Schaftfedern und Schaftbän- der. Originaler Achtkantschaft. L 244 cm. Seltene, vorzüglich verarbeitete Waffe in gutem Zustand. Das Berner Zeughaus besass 1687 235 „Officierer Halbarten“. Eine Waffe aus der gleichen Werkstatt wurde von Koller-Zürich am 24.9.2020 unter Nr.1433 für 4500.-, Slg. M. Sigrist, verkauft. Vgl. auch Wegeli: Stangenwaffen, Bernisches Historisches Museum 1939, S. 95, Nrn. 1542–1543. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310) 1444 JAGDSCHWERT Deutsch, bayerisch, Eichstätt um 1697. Eisengefäss, achtkantiger Griffbügel, quartseitig mit einer dann drei Ziernieten aus versilber- tem Messing besetzt. Er mündet in die Parierstange; linker Arm zweiteilig, ein Arm ortwärts gebogen, ein Parierstangenarm def., enden mit Ziernieten. Kleines ovales Stichblatt in einer ziernieten- besetzten Fassung. Der massive, konische, vierkantige Griffan- satz aus Eisen mit Zierrillen ummantelt die Klingenangel, welche beidseitig mit Hirschhornplatten belegt ist, auf deren Quartseite sich drei Ziernieten befinden. Rückenklinge (L 58,2 cm), Korr.spu- ren, beidseitig doppelte Hohlschliffe und Kannelüren, Aetzdekor: Wappen des Fürstbischofs Martin von Eyb. L 71,5 cm. Johann Martin von Eyb (1630-1704) wurde in vorgerücktem Alter 1697 zum Fürstbischof von Eichstätt gewählt und regierte nur bis 1704. Ausserordentlich seltene Jagdwaffe, die aus der fürstbi- schöflichen Jagdkammer stammen dürfte. Vgl. Slg. La Roche, Schloss Landshut, v. Bistram, Die jagdhistorische Sammlung, 1984, Tafel 5, Nr. 13. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390)
  • 26. | 202 Decorative Arts | Antike Waffen 1445* ♣ PULVERFLÄSCHCHEN Russisch, datiert 1693. Elfenbein (Walross), beschnitzt und graviert. Ausgussbereich in Form eines Monsterkopfs, Verschluss- schraube mit kugelförmiger Handhabe. Schmale Kantenflächen mit ornamentalem Pflanzendekor, auf der oberen Kantenfläche ein plastisch geschnitzter, liegender Löwe. Vorderseite mit runden Medaillons, geschnitzter Dekor: 1. Adam und Eva im Paradies, Baum mit Schlange. 2. Auf einem Felsen sitzender Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Auf der Rückseite gravierte Medaillons: 1. Reitender Jäger mit Falke und Jahrzahl 1693, 2. Einhorn, russisch beschriftet. Drei Bänder mit russischer Beschriftung. Ganze Oberfläche mit graviertem Blatt-, Blumen- und Rankendekor. Auf dem Pulverhornboden geschnitzte Blätterrosette, Öffnung für Schraubverschluss, Schraubenkopf in Form eines gekrönten Männerkopfs. L 18,5 cm. Ausserordentlich seltene, wohl für eine Kunstkammer bestimmte russische Arbeit. Vgl. Rudolf Berliner: Die Bildwerke des bayeri- schen Nationalmuseums, IV. Abteilung, Die Bildwerke in Elfenbein, Knochen, Hirsch- und Steinbockhorn…, 1926, Nr. 678, Pulverhorn. Irina Ukhanova: The State Hermitage Museum, North-Russian Bone-Carving Ivory 17th-19th Centuries, St. Petersburg 2005, Nr. 32, 1719 datiert, Nr. 33. Provenienz: - Auktion Fischer-Luzern, 22. / 24.6.2000, Nr. 821. CHF 3 000 / 4 500 (€ 2 780 / 4 170) 1446* GLOCKENDEGEN Deutsch, im Stile 2. Hälfte 17. Jh., Arbeit 19. Jh. Eisengefäss, pflaumenförmiger Knauf, achtfach gerillt, geschnittener Blätter- dekor, flacher Nietkopf. Offener Griffbügel in lange tordierte Pa- rierstange mündend, grosse Griffringe, halbkugelförmige Glocke in den Griffringen verschraubt. Glocke durchbrochen gearbeitet, Glockenrand breit gebörtelt, vier Dekormedaillons in Lorbeerkrän- zen mit Darstellungen von Kriegern und Kampfszenen, dazu Mas- karons und Ornamente. Griff mit feiner Eisendrahtwicklung. Klinge (L 105,5 cm), deutsch 17./18.Jh., gedacht, im Ansatz beschriftete Mittelkannelüren, „DE AIALA“. L 127,2 cm. Dekoratives, schön gearbeitetes Glockenrapier mit einer Solin- gerklinge, welche die Signatur des bekannten Toledaner Waffen- schmieds Thomas de Aiala imitiert. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830)
  • 27. | 203 1447 MODELLGESCHÜTZ Deutsch oder Schweiz, datiert 1682. Bronzerohr (L 42 cm), Kal. 18 mm, Mündung mit Verstär- kungsringen, zwei Zierbänder mit floralem und Akanthusdekor, auf dem Flug nach dem Mittelband zwei gleiche Zierbänder, Schildzapfen, Henkel in Delphinform, über dem durch Zierringe begrenz- ten Kammerteil eine grosse barocke Kartusche und die Jahrzahl 1681, Zündpfanne am oberen Stossbodenrand, Stossboden mit ornamentalem Blattdekor, Handhabe in Pinienzapfenform. Origi- nale hölzerne, etwas beschnitzte, schwarz bemalte Wandlafette, Speichenräder, Eisenbeschläge, Zughaken. Lafettenlänge 60,5 cm. Seltenes originales Modellgeschütz von besonde- rer Qualität. CHF 2 400 / 3 400 (€ 2 220 / 3 150) 1448 KRIEGSGERTEL Sog. „kleiner Schwendt- oder Vorschwenkgertel“, schweizerisch, um 1700, Luzern, 4. Modell. Hoch- rechteckiges, zweischneidiges Blatt, endet im Ort in einem abgewinkelter Hakenfortsatz, Schneiden gerade in den Ort laufend, zwei gleiche Marken: in einem Oval eine stilisierte Lilie, dazu „L“ für Luzern. Kurze, massive gerundete Tülle. Originaler Rund- schaft, geschlagenes Besitzerzeichen „LUZERN“ (Zeughausslg. Luzern). L 151 cm Provenienz: - Slg. M. Sigrist, Luzern. Ausserordentlich seltene Luzernerwaffe und Werkzeug. Das Gertelblatt wurde für Dragoner auch als Handgertel montiert. Vgl. E. A. Gessler, J. Meyer-Schnyder: Katalog der Historischen Samm- lungen im Rathause in Luzern, 1912, S.45/46. CHF 700 / 1 000 (€ 650 / 930) 1449* HALBARTE Schweizerisch, letztes Drittel 17. Jh., sog. „Sempa- cherhalbarte“. Rückenklingenartige Spitze, welche in eine rückwärtige breite Basis für den flachen Schnabelhaken übergeht, zwei Marken: Kreisflä- che durch acht Linien symmetrisch aufgeteilt, dazu Spitzoval mit zwei Diagonalkreuzen. Langes hochrechteckiges Blatt, gerade Schneide, Schaft- führung gerundet, an der Basis zwei Parierdornen. Zwei Schaftfedern. Achtkantiger Originalschaft, Zwinge mit Stelldorn. L 228 cm. Seltene Variante der nach 1656 produzierten, im Berner Zeughausbestand nachzuweisenden Sempacherhalbarten, welche im Gebiet von Neu- enburg hergestellt worden sind. Guter Zustand mit Originalschaft. Vgl. Wegeli: Stangenwaffen, Hist. Museum Bern, Nrn. 1365, 1465, 1466, Marken, S. 61, Nr. 1422 Form, Tafel IX., Waffen stammen aus derselben Werkstatt. CHF 1 700 / 2 500 (€ 1 570 / 2 310)
  • 28. | 204 Decorative Arts | Antike Waffen 1450 LUNTENBÜCHSE Polnisch, um 1700. Jagdwaffe, achtkantiger Lauf, deutsch, sig. ...THIGER A WIRTZBVRG mit sieben Zügen, Kal.14 mm. Standvisier und Korn aus Eisen. Luntenschnappschloss, gerundete Schlossplatte, Pfanne mit Feuerschirm und Schiebedeckel. Dreifach gefingerter Abzugbügel aus Eisen. Dunkelbraun getönter Schaft mit alter restaurierter Bruch- stelle, kleiner Kolben mit Schuber, Dekoreinlagen aus Bein mit graviertem Dekor, ein Plättchen fehlt. Vernietete Bleche als Ladestockführungen, Holzladestock. L 111,5 cm. Seltene polnische Jagdwaffe, deren Schäftung an die böhmischen Tschinken (auch Teschinke) erinnert; bis 2020 ausgestellt im Polenmuseum Rapperswil. Der für den wiederverwendeten Lauf verantwortliche Würzburger Büchsenmacher liess sich nicht identifizieren. Vgl. Armes anciennes des Collections Suisses, Katalog Musée Rath, Genève 1972, S.72, Nr. 351. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 390 / 1 850) 1451* LUNTENSPIESS Deutsch, um 1700, Mainz, Artilleriegerät. Spitze von rhombischem Querschnitt, Schneiden gerade in den Ort laufend, Basis verbreitert mit geätztem Dekor: Wappen des Franz Lothar Graf Schönborn, Erzbischof von Mainz, Kurfürst (1695-1729). Die beidseitigen gebogenen Arme enden in tier- kopfförmigen Halterungen für die Lunte. Konische Rundtülle, von den vier Ringen zur Befestigung der Lunte fehlen drei. Schaftfedern, Rundschaft. L 227 cm. Ausserordentlich seltener Mainzer Luntenspiess aus der Regierungszeit des Erzbischofs Graf Schönborn, der zum Zünden von Kanonen diente. Vgl. Heinz Werner Lewerken: Kombinationswaffen des 15.–19. Jahrhunderts, 1989, S. 291, Nr. 191. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830)
  • 29. | 205 1452* SCHWERT, JANITSCHAREN-KORPS Sächsisch-polnisch, um 1729. Messinggefäss aus mit Kupfer verlöteten Gusshälften beste- hend. Sechskantiger konischer Griff mit Mittel- grat, beidseitig ganzflächig von einem Sparren- muster bedeckt, Sparren teils glatt oder fein gemustert. Parierstange mit kurzen vierkantigen Armen und gerollten Enden, Mittelfeld in der Art eines Mitteleisens zugespitzt, Dekor: Initialen „AR“ (König August II. von Polen) von Krone über- höht vor gepunktetem Grund. Rückenklinge (L 67,2 cm, B 4,5 cm), beidseitig breiter Hohlschliff, im Ortdrittel zweischneidig, Ätzdekor: Initiale „AR“ von Krone überhöht in einer barocken Kar- tusche. L 81,5 cm. 1729 errichtete der im Dienst des polnischen Königs und sächsischen Herzogs August II. (1697–1733) stehende Oberst Christoph von Unruh ein Janitscharenkorps (4 Kompanien à 100 Mann), das sich vorwiegend aus Polen und Un- garn rekrutierte. Das Korps war in Dresden und Warschau stationiert. Ausserordentlich seltene Griffwaffe. Vgl. Katalog „Trag diese Wehr zu Sach- sens Ehr, 1994, S. 16–17, Nr.4. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310) 1453 PULVERFLASCHE Schweizerisch, um 1700, wohl Zürich. Messing vergoldet, aus zwei schalenförmigen Gusshälften zusammengesetzt, beidseitig im Mittelteil eingetieft, im Zentrum ein fein ziselierter, ornamentaler aus Bogen bestehender Dekor. Dekorbereich und Aussenkanten durch Zierlinien begrenzt. Gegossene, kölbchenförmige Tülle, Rillen- dekor, schwenkbarer Verschlussarm mit Deckel und Feder, vier Tragringe, originale Tragkordel mit zwei Quasten. D 10 cm. Ein vor allem in Zürich nachweisbarer Pulverflaschentyp; Variante in grosser Aus- führung für die Jagd, sehr guter Zustand und seltene Vollständigkeit. Vgl. Hugo Schneider: Rittmeister Johann Jakob Eschmann und das Gefecht um die Bellen- schanze bei Hütten, in: ZAK Bd. 12, 1951, S, 172, Pulverflasche SLM 23680. Auktion Fischer-Luzern 11./12.9.1996, Nr. 255, kleinere Ausführung. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240)
  • 30. | 206 Decorative Arts | Antike Waffen 1454 STEINSCHLOSSPISTOLENPAAR Süddeutsch oder österreichisch, um 1730/40. Rundläufe (L 34,3 cm), Kal. 15 mm, Kammerviertel mit geschnittenem Dekor: Krieger in antiken Harnischen umrahmt von Ranken- und anderen Ornamenten, auf den Mittelschienen eingesetzte längli- che Körner aus Messing. Schlossplatten und Hahnen flach etwas gekantet, gravierter jagdlicher Dekor – Sauhatz. Messinggarnitur vergoldet, Seiten- und Daumenbleche sowie Knäufe und Abzug- bügel mit reicher barocker Ornamentik, zwei Ladestockpfeifen. Beschnitzte Nussbaumschäfte, Hornabschlüsse, Holzladestöcke mit Horndopper. L 53,2 cm Prächtiges, sehr gut erhaltenes barockes Pistolenpaar, wie es auch bei der Jagd zum Einsatz kam. Vgl. Hans Schedelmann: Die grossen Büchsenmacher, 1972, S. 200, Abb. 297, S. 227, Abb. 326. CHF 3 500 / 5 000 (€ 3 240 / 4 630) 1455* STEINSCHLOSSPISTOLE Süddeutsch oder österreichisch, um 1730, mit pseudotürkischem Lauf, Jagdwaffe. Rundlauf (L 28,6 cm), Kal. 15 mm, Damastlauf mit reichem silbertauschiertem ornamentalem Dekor, in Kartusche eine pseudoislamische Beschriftung in Gold. Schlossplatte und Hahn flach, gekantet. Silbergarnitur gegossen und geschmiedet, anschliessend poliert, Seitenblech mit gravierter Dekor: Jäger in Landschaft mit See. Abzugbügel, Knaufkappe mit grossem Maskaron, zwei Ladestockpfeifen. Nussbaumwurzelholz, Holzla- destock. L 44,7cm, 1089 gr. Vorzüglich erhaltene, spätbarocke Steinschlosspistole mit einem hochwertigen Lauf aus Schmiededamast, wie sie in Wien ange- fertigt wurden. Nach den Siegen über die Türken bei Wien 1683 bis 1717 Belgrad wurden erbeutete türkische Gewehrläufe von deutschen und österreichischen Büchsenmachern verarbeitet. Mangels Türkenläufen, die sich für den Einbau in Pistolen eigneten, wurden vor allem pseudotürkische Pistolenläufe nachgeschmie- det. Selten und in sehr gutem Zustand. Vgl. Erwin Schalkhauser: Handfeuerwaffen 1988, S.124–125, Nr. 124. Seitz: Feuerwaffen II, 1969, S. 22–25. CHF 3 500 / 5 000 (€ 3 240 / 4 630)
  • 31. | 207 1457* BERGMANNSBARTE Sächsisch, Anfang 18. Jh. Längliches trapezförmiges Bartenblatt mit einem zugespitzten Fortsatz mündet in die Tülle. Blatt mit Dreipass- und Punktdurchbre- chungen. Gekantete Tülle, kleiner Ham- merfortsatz. Brauner Holzschaft, gravierte Bein- und Horneinlagen, Dekor: oben – Kreuzigungsdarstellung mit betenden Berg- leuten, acht Medaillons mit Darstellungen von Bergleuten als Schmiede und andere Aktivitäten, ganzflächige kleine Hornschei- ben. Auf dem beinernen Schaftabschluss gravierter Dekor: Wappen von Sachsen und Meissen, Wappen der Bergleute dazu Ornamente. L 83 cm. Seltene von sächsischen Bergleuten ver- wendete „Paradebarte“. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310) 1456* BERGMANNSBARTE Sächsisch, Anfang 18. Jh. Längliches trapezförmiges Bartenblatt mit einem zugespitzten Fortsatz mündet in die Tülle. Blatt mit Dreipass- und Punktdurch- brechungen, Marke „CK“. Gekantete Tülle, kleiner Hammerfortsatz. Brauner Holzschaft, gravierte Bein- und Horneinlagen, Dekor: Medaillons mit Bergleuten, Betenden, Ornamente, Blumen, auf dem Schaftrü- cken ein Kruzifix, ganzflächig kleine Punkt-Scheiben. Auf dem beinernen Schaftabschluss gravierter Dekor: Sächsisches Wappen, Wappen der Bergleute mit gekreuzten Hämmern, Ornamente, Besitzeriniti- alen. L 86,5 cm. Seltene von sächsischen Bergknappen verwendete „Paradebarte“, vgl. René Géroudet: Notes sur les haches des mineurs saxons, Armes anciennes 5, 1955, S.103–108. Heribert Seitz: Blankwaffen II, Abb. 247, 248. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780)
  • 32. | 208 Decorative Arts | Antike Waffen 1458* STEINSCHLOSSPISTOLE Englisch, um 1730, Kavallerie. Rundlauf (L 35,4 cm), Kal. 17 mm, Kammerbereich gekantet mit Tower Beschuss und Beschau, Lon- don. Schlossplatte und Hahn gerundet. Messinggarnitur, Knauf- kappe mit Maskaron, Seitenblech in Schlangenform, Abzugbügel, zwei Ladestockpfeifen. Nussbaumschaft, Holzladestock. L 53 cm. CHF 400 / 700 (€ 370 / 650) 1459* GALADEGEN Italienisch um 1750/60, Genua. Silbergefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen. Kugeliger Knauf, Nietkopf, Griffbügel im Knauf verschraubt, endet in Griffbasis, Parierstangenarme mit verdickten Enden, Ziergriffhaken, gelapptes, fassoniertes Stichblatt mit Marke, massiver Griff. Alle Gefässteile mit reichem symmetrisch angelegtem Rocaillendekor vor punziertem Grund. Dreikantklinge gekehlt (L 82,3 cm). Mit Reptilienhaut bespann- te Orignalscheide, Silbergarnitur, Mundblech und ein Band mit Tragringen, ziselierter Dekor. Dazu Traghaken aus durchbrochen gearbeitetem Eisen mit Ketten und Karabinern, im späten Louis XVI–Stil. L 97 cm. Genueser Galadegen mit prächtigem Silbergefäss im Rokokostil, der französischen Einfluss verrät, seltene Qualität und Vollstän- digkeit. Vgl. Carrington: Handbook of Court and Hunting Swords, 1937/2001, Abb. 11. Gianna Roccatagliata:, Argenti Genovesi, 2002, vgl. Markentafel. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 390 / 1 850) 1460 GALADEGEN Französisch, um 1745, königliche Manufaktur Klingenthal (Elsass). Eisengefäss, aus gegossenen, geschmiedeten Teilen zusammen- gesetzt, teilvergoldet. Kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Ziergriff- haken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher geschnittener und ziselierter Dekor vor Goldgrund: Trophäen mit Kriegsgerät, Rocaillen. Griff mit originaler Silberdrahtwicklung und geprägten Griffringen. Dreikantklinge (L 75,5 cm), vergolde- ter aus symmetrischem Bandwerk bestehender Ätzdekor, sig. „KLINGENTHAL“. Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide, Mundblech mit Tragknopf in gleicher Verarbeitung wie das Gefäss. L 91 cm. Um den Bedarf der französischen Armee an Griffwaffen unab- hängig von Importen aus Solingen decken zu können genehmigte Ludwig XV. 1739 die Einrichtung einer Griffwaffenmanufaktur in Klingenthal. Es wurden vereinzelt auch handwerklich besonders anspruchsvolle Waffen wie dieser Galadegen hergestellt; seltenes Beispiel aus der Frühzeit der Manufaktur, Leiter Frédéric Wolff (1738-1745) CHF 1 600 / 2 400 (€ 1 480 / 2 220)
  • 33. 1462 GALADEGEN Französisch, um 1750, für einen Offizier. Eisengefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammenge- setzt, kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Griffhaken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher teils erhaben geschnittener und ziselerierter Dekor vor fein punziertem Goldgrund: Trophäen mit zeitgenössischem und antikem Kriegsgerät. Griff mit feiner Silberdraht und Bandwicklung, Türkenzöpfe. Dreikantklinge (L 72 cm), Ätzdekor. Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide. Mundblech und Band mit Tragringen. L 89,2 cm. Degengefäss im Louis XV-Stil mit Eisenschnittdekor von aussergewöhnlicher Qualität. Eine vergleichbare Waffe be- findet sich in der Sammlung des Metropolitan Museum New York. Vgl. Bashford Dean: Catalogue of European Court and Hunting Swords, New York 1929, S.31, Nr. 58, Tafel XLV. CHF 1 700 / 2 100 (€ 1 570 / 1 940) 1461* STEINSCHLOSSPISTOLE Französisch, um 1750/60, Joseph Lamotte, St. Etienne. Rundlauf (L 16 cm), Kal. 14 mm, Kammerhälfte achtkantig, Ranken- und ornamentaler Dekor graviert und vergoldet, Linsenkorn in Silber. Schlossplatte und Hahn flach, gekantet, geschnittener und vergoldeter Dekor, Hakensicherung für den Hahn, Schlossplatte sig. „Jh Lamotte Laine“. Silbergarnitur gegossen und ziseliert, Seitenblechdekor Jäger mit Hund, auf Abzugbügel und Knauf- kappe Rocaillen und Blumen, den Knaufnagel ziert den Kopf eines Pandurs, zwei Ladestockpfeifen. Kontrollmarken: Hirschkopf, möglicherweise Nantes. Beschnitzter Nussbaumschaft, Holzla- destock. L 28,8 cm, 521 gr. Sehr gut erhaltene französische Jagd- oder Reisepistole aus der Zeit Ludwig XV. mit besonders schöner Silbergarnitur im Rokokostil. Joseph Lamotte ca. 1716-1784 war Mitglied einer renommierten Büchsenmacherdynastie in St. Etienne, bekannt für qualitätsvolle Arbeiten. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 677. CHF 3 500 / 5 000 (€ 3 240 / 4 630) | 209
  • 34. | 210 1463 GALADEGEN Französisch, um 1750, Jacques Antoine Piguet, Paris. Eisenge- fäss, aus gegossenen, geschmiedeten Teilen zusammengesetzt, teilvergoldet. Kugeliger Knauf, Nietkopf, der Griffbügel endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Griffhaken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Reicher geschnittener und ziselierter Dekor vor Goldgrund: Medaillons mit Tophäen aller Art, architektonische Elemente, Girlanden, Rocaillen und verschiedene Tiere. Griff mit feiner Kupferdrahtwicklung und Türkenzöpfen. Drei- kantklinge (L 70,2 cm), Ätzdekor, gebläut und vergoldet, sig. „Piget M (Maître) Fourbisseur Rue des Petits Champs à Paris“ (Degen- schmied), „De la Marque des Mouchettes à Solingen“ (Klingenliefe- rant). Zugehörige mit Pergament bespannte Scheide, Mundblech Eisen, Traghaken fehlt. L 88,2 cm. Die aus Solingen von Peter Zilles Kirschbaum (Marke: „des Mou- chettes“ = Lichtputzscheren) gelieferte Klinge wurde von Jacques Antoine Piget, Degenschmied, Rue Croix des Petits Champs à Paris, der 1751 heiratete mit einem vorzüglich gearbeiteten, in Eisen ge- schnittenen Gefäss im Louis XV-Stil ausgestattet. Seltene Qualität und Vollständigkeit. Vgl. Erika Schlesinger, Solinger Handwerkszei- chen, 1978, S. 150. Le „Qui est qui“ de l’arme en France de 1350 à 1970, Bd. 1, 1970, S.322. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310) - Auktion Fischer-Luzern, 12.9.2013, Nr. 82. - Schweizer Privatsammlung. Seltenes Jagdpistolenpaar des ca. 1730 bis 1760 in Würzburg tätigen Büchsenmachers Michael Bayer. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S.69. Hans Schedel- mann: Die Grossen Büchsenmacher, Braunschweig1972, S. 238. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1464 STEINSCHLOSS-PISTOLENPAAR Deutsch um 1750, Michael Bayer in Würzburg. Rundläufe (L 24,8 cm), Kaliber 14,3 mm, Kammerdrittel oktogonal. Auf dem Lauf signiert Michael Bayer in Wirzburg. Waffennummer 1 und 2, Sil- berkorn. Bombierte Schlossplatte und Hähne, geschnittener Ran- kendekor. Messinggarnituren vergoldet, reicher gegossener und gravierter Dekor: Jäger mit Hund, Hirsche und Rocaillen. Nuss- baumschäfte beschnitzt, einer mit kurzem Riss. Holzladestöcke mit Messingdopper. L gesamt 39 cm. Provenienz: - Sammlung Charles Draeger, Auktion Sotheby's Monaco, 1987, Nr. 82. Decorative Arts | Antike Waffen
  • 35. | 211 1465* STEINSCHLOSS-DOPPELPISTOLEN- PAAR Französisch, um 1750/60. Zwei nebeneinander liegende Rundläufe (L 21,6 cm), Kal. 14 mm, Pa- tentschwanzschraube, gravierter ornamentaler und floraler Dekor, vergoldet, Linsenkorn Silber. Schlossplatten und Hahnen flach gekantet, gravierter Dekor: Rocaillen, Sonnen, Putten. Silbergarnituren gegossen und geschmiedet, Abzugbügel und Knaufkappen mit floralem De- kor, Rocaillen vor einem Punktgrund, Knaufkap- penabschlüsse mit Medaillons, Männerkopf im Strahlenkranz, zwei Ladestockpfeifen. Kontroll- marken: Hirschkopf, möglicherweise Nantes. Beschnitzte Nussbaumschäfte, Holzladestöcke mit Horndoppern. L 37,3 cm, 2142 gr. Seltenes doppelläufiges Pistolenpaar mit reicher Silbergarnitur im französischen Rokokostil. CHF 8 500 / 12 000 (€ 7 870 / 11 110)
  • 36. | 212 Decorative Arts | Antike Waffen 1466* GALADEGEN Deutsch, um 1760/70. Silbergefäss vergoldet, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen. Kugeliger Knauf, Nietkopf, Griffbügel endet in Griffbasis, ein kurzer Parierstangenarm, Ziergriffha- ken mit Marke „I.A.R. 13“ durch kurze Stege mit dem Griffbügel und der Parierstange verbunden, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend. Massiver Griff von ovalem Querschnitt gegen die Enden schmaler werdend. Alle Gefässteile mit reichem flä- chendeckenden auf Blüten und Blattranken basierenden Dekor. Zweischneidige Klinge, Solingen (L 77,3 cm), vergoldeter Ätzde- kor, Ordensstern mit Adler von Krone überhöht (Preussen?), dazu Ornamente. L 92,4 cm. Seltener, wohl für einen preussischen Kunden bestimmter fein verarbeiteter Galadegen in sehr gutem Zustand. König Friedrich II. hatte 1766 für Offiziers- und Galadegen die Verwendung der be- liebten jedoch gefährlicheren Dreikantklingen verboten. Vgl. Bernd A. Windsheimer: Me fecit Potzdam, altpreussische Blankwaffen, 2001, S. 5/6, Abb.184. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1467 KOMBINATIONSWAFFE, JAGDMESSER/STEIN- SCHLOSSPISTOLE Nach einem deutschen Original um 1770, Arbeit 20.Jh. Messing- griff vergoldet, spiralig gerillt, grosser Adlerkopfknauf, Griffbasis mit erhabenem ornamentalem Banddekor. Der Rundlauf befin- det sich im Griffstück und wird durch einen langen Eisenstöpsel verschlossen, der zugleich als Ladestock dient und in einem kuge- ligen Knauffortsatz endet. Die mechanischen Teile des eisernen Steinschlossmechanismus wurden beidseits des Griffs montiert. Rückenklinge (L 21,7 cm), im Ortbereich zweischneidig, Basis vergoldet, einfacher gravierter ornamentaler Dekor. L 34,8 cm. Die originale Kombinationswaffe mit Scheide, die als Vorlage für diese Kopie diente, wurde am 13.9.2013 vom Auktionshaus Fischer, Luzern unter der Nr. 88 für Fr. 18‘000.- zum Kauf ange- boten. Die Klinge wies einen vergoldeten jagdlichen Ätzdekor auf. Messer und Gabeln mit Schiessvorrichtungen sind von grösster Seltenheit; älteste Beispiele sind aus der 2. Hälfte des 17. Jahr- hunderts bekannt. Vgl. Bestecke, Die Egloffsteinsche Sammlung auf der Wartburg, 1994/96, S.163. H. Gordon Frost: Blades and Barrels, 1972, S. 17, Nr. 20. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780)
  • 37. | 213 1468* GALADEGEN England um 1785/95. Stahlgefäss, urnenförmiger, durchbrochen gearbeiteter Knauf, Griffbügel mit eingesetzten facettierten Stahlkügelchen in dreikantige Parierstange mündend, Abschluss mit Stahlkügelchen. Ovales, von zwanzig Öffnungen durchbro- chenes Stichblatt mit kugelbesetzten Stegen, Ziergriffhaken. Von vier Öffnungen durchbrochener Griff mit kugelbesetzen Stegen und Kanten. Dreikantklinge (L 80,5 cm). Mit Reptilienhaut be- spannte Originalscheide, Stahlmundblech und Band mit Tragrin- gen. Dazu Traghaken aus durchbrochen gearbeitetem Eisen mit Ketten und Karabinern. L 96 cm. Die in Birmingham um 1780 entwickelten fragilen, mit geschliffe- nen facettierten Stahlkügelchen besetzten Galadegengefässe, erfreuten sich auch auf dem Kontinent grosser Beliebtheit. Waffe von seltener Vollständigkeit und Erhaltung. Vgl. J.D. Aylward: The Small-Sword in England, 1945/60, S. 79/80, Abb. 30. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1469 SCHNAPPSCHLOSS-PISTOLENPAAR Spanisch, Ende 18. Jh, Ripoll/Barcelona, Meister Mas und Deop. Rundläufe (L 25,1 cm), Kal. 16 mm, Kammerhälften achtkantig, durch geschnittenes Dekorband abgegrenzt, Silbereinlagen, geschlagene Marken: „FO / MAS / SAVI“ von Krone überhöht, dazu Beschau Barcelona „SA“. Schnappschlösser, Marke: „I. H. DEOP“ von Krone überhöht. Messinggarnituren, Knaufkappen mit Maskarons, Seiten- und Daumenbleche, Abzugbügel, zwei Ladestockpfeifen. Beschnitzte Nuss- baumschäfte, Holzladestöcke. L 42,8 cm. Die vermutlich aus Deutschland stammende Büchsenmacherdynastie Deop lässt sich in Ripoll seit dem 16. Jh. nachweisen. Ripoll stand in regem Kontakt mit Barcelona; die Büchsenmacher Mas waren sowohl in Ripoll als auch in Barcelona tätig, wie die Beschau vermuten lässt. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 286, Bd. II S. 768, Bd. III S. 1527/28. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670)
  • 38. Decorative Arts | Antike Waffen 1470 SPONTON Deutsch 1785/1831. Unteroffizier, Fürstentum Hohenzollern- Sigmaringen. Blattförmiges Eisen mit Mittelgrat, Ansatz beidsei- tig mit Zierhakenpaar. Ätzdekor: Vorderseite: Initiale A von Krone überhöht, seitlich Palmzweige. Rückseite: Adler mit Krone, aufge- legtes Wappenschild, geviertelt, schwarz-silber, seitlich Palm- zweig. Blatt mit Ziernodus in Tülle verschraubt, achtkantige Tülle mit zwei Ziernodi, zwei Schaftfedern, geschwärzter Rundschaft. Eisenstiefel. L 223 cm. Seltener Sponton nach preussischem Model aus der Regierungs- zeit des Fürsten Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen (1785 - 1831) in gutem Originalzustand. Provenienz: - Auktion Ineichen-Zürich, 25./26.10.1985, Nr.364. Sammlung René Dollfuss von Volkersberg. - Schweizer Privatbesitz CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) 1471 GALADEGEN Französisch, Paris 1774, Meister Laurent Dépéé. Silbergefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammengesetzt, teil- vergoldet. Olivenförmiger Knauf, Nietkopf, Griffbügel endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, zwei Ziergriffhaken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend; Meistermarke Laurent Dépéé und „L“ von Krone überhöht = Paris 16.7.1774. Symme- trisch angelegter Dekor, durchbrochen gearbeitete Rhomben- muster, Medaillons mit Musikinstrumenten, Girlanden. Griff mit originaler Silberdrahtwicklung und Türkenzöpfen. Dreikantklinge (L 70,3 cm), Ätzdekor, gebläut und vergoldet. L 86,7 cm. Degen im Louis XVI-Stil von vorzüglicher Qualität des in Paris 1768 als Meister angenommenen Goldschmieds Laurent Dépéé, der sich bis 1793 nachweisen lässt. Vgl. Henry Nocq: Le Poinçon de Paris, 1927, S. 66. La Datation de l’Orfèvrerie Parisienne sous l’Ancien Régime, 1995, Jean Baptiste Fouache 1774-1780. CHF 1 700 / 2 400 (€ 1 570 / 2 220) 1472 GALADEGEN Schweizerisch, Ende 18. Jh., für Ratsherren (auch Landsgemein- den). Silbergefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen. Olivenförmiger, facettierter Knauf, kugeliger Nietkopf, sechskan- tiger Griffbügel endet in der Griffbasis, kleine verwischte Marke, kurzer Parierstangenarm, Ziergriffhaken, ovales Stichblatt, wellen- förmiger Randdekor. Massiver facettierter Griff. Zweischneidige Klinge, Solingen (L 79,8 cm), Aetzdekor, vergoldeter Grund etwas berieben. Weissbemalte Lederscheide, Silbergarnitur, zwei Ring- bänder, Stiefel. Dazu eisernes Tragblech mit Ketten und Karabi- nern. L 95 cm. Seltene Vollständigkeit und besonders guter Zustand. Vgl. Jürg A. Meier: Zürcher Gold- und Waffenschmiede, in: Eva-Maria Lösel, Zürcher Goldschmiedekunst, Zürich 1983, S. 488-489, W 33 mit Abb. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) | 214
  • 39. 1473 STEINSCHLOSSPISTOLE Im englischen Stil um 1800, wohl neuere Arbeit. Vier verschraubte und nummerierte Rundläufe (L 6,8 cm), Kal. 11 mm, Mündun- gen mit acht Einschnitten für den Laufschlüssel. Schlosskasten Messingguss mit vier nummerierten Halterungen für die Läufe. Zentraler Steinschlossmechanismus, abgefederter Batteriede- ckel. Auf dem Schlosskasten graviertes Ankersymbol. Glatter Nussbaumgriff. L 19,5 cm. Sogenannte „Duckfoot Pistol“ wie sie vor allem auf Schiffen im Nahkampf verwendet wurde. CHF 700 / 1 000 (€ 650 / 930) 1474 GALADEGEN Französisch, Paris 1798–1809, Konsulat/Empire. Silbergefäss, aus gegossenen und geschmiedeten Teilen zusammengesetzt, Kontrollmarken Paris. Olivenförmiger Knauf, Nietkopf, Griffbügel endet in der Griffbasis, kurzer Parierstangenarm, Ziergriffha- ken, Stichblatt aus nierenförmigen Hälften bestehend, massiver vierkantiger Griff. Alle Teile mit ziseliertem, geschnittenem Dekor, teilweise diamantiert. Dreikantklinge (L 82,3 cm), gekehlt, ganzflä- chig gebläut mit vergoldetem Ätzdekor, Trophäen, Frauengestalt, Rankenwerk und Ornamente. L 98,2 cm. Während der Konsulatszeit und im Empire beliebter Galadegentyp mit einer seltenen hochwertigen Solingerklinge. CHF 700 / 1 000 (€ 650 / 930) | 215
  • 40. | 216 Decorative Arts | Antike Waffen 1475* KÜRASS, BRUST UND RÜCKEN Französisch Mod. 1825/52, 2. Empire, Carabinier, Mannschaft. Stahl, Brust: mit Mittelgrat, Messingblechbeschlag. Nocken für die Schulterriemen, im Zentrum Emblem, auf Strahlenkranz aus Neusilber ein Messingmedaillon mit Adler auf Blitzbündel zwi- schen Eichen- und Lorbeerzweig. Brust sig. „ Mre Impale de Châtt. Juin 1860, 2me taille 1ere largeur, No.664“. Rücken: in der Mitte eingetieft, Messingblechbeschlag, vernietete Verschlusskette auf Leder, sig. …Châtt. Août 1865, 2me taille 2me largeur No.882“. H 47 cm. Die Carabiniers hatten sich bis 1815 vor allem in den napoleo- nischen Kriegen als schwere Kavallerie ausgezeichnet. Kaiser Napoleon III. vereinigte 1867 die Carabiniers in einem Regiment mit 6 Eskadrons zu 145 Mann, die mit Pallaschen (mit schweren Säbel) kämpften. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1476* PAAR TELLER AUS DEM SERVICE DE CAMPAGNE NAPOLÉON Paris, 1809-1812. Meistermarke des Martin-Guillaume Biennais. Silber. Graviert mit dem Wappen Napoléons I. Rückseitig mit gra- vierten Nummern 471 bzw. 483. D 21 cm. Gewicht: 487 gr. Das Service de Campagne wurde auf den Feldzügen Napoléons im Reisewagen mitgeführt. Es wurde zwischen 1804 und 1815 vom Hoflieferanten Martin-Guillaume Biennais gefertigt, die er alle im September 1812 mit gravierten Nummern versah. Das Inventar aus jenem Jahr erwähnt 594 assiettes à couteaux de voyage sowie 100 assiette à soupe de voyage. Der Reisewagen musste nach der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 unweit von Genappe stehengelassen werden und fiel einem preussischen Regiment in die Hände. Der damalige Befehlshaber der preussischen Truppen, Feldmarschall Gebhard Leberecht Blücher von Wahlstatt erhielt den Reisewagen mit dem verbliebenen Inhalt, u.a. auch Teile des Service als Geschenk. (vgl. Tulard, Jean: Collectif. La Berline de Napoléon: Le mystère du butin de Waterloo, Paris 2012, S. 270.) Ein Teller aus demselben Service ist heute Bestand des Château de Fontainebleau, Musée Napoléon Ier, Inv. Nr. 70 (seit 1979). Identische oder vergleichbare Teller aus dem Service de Campag- ne wurden verschiedentlich erfolgreich in europäischen Auktions- häusern verkauft. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 41. | 217
  • 42. | 218 Decorative Arts | Antike Waffen 1477 LUNTENGEWEHR Japanisch, 18./19. Jh., sogenanntes „Teppo“, auch „Tanegashi- ma-Gewehr“. Achtkantlauf (L 101 cm), Kal.14 mm, Mündung verstärkt mit eingesetztem Korn, Standvisier, Kammerbereich mit grossem Drachendekor in Gold und Silber. Zündpfanne weist ei- nen klappbaren Messingdeckel auf. Messingener Luntenschnapp- schlossmechanismus mit aussenliegender Feder. Messinggar- nitur, Abzugbügel, ein Laufband. Holzschaft mit kurzem Kolben, zwei Lochungen für Tragvorrichtungen, blütenförmige Messing- beschläge, Holzladestock. L 130,5 cm. Die ersten Schusswaffen kamen 1543 nach Japan. Von den Lun- tengewehren wurden innert kürzester Zeit modifizierte Kopien hergestellt. Die Grundkonzeption des „Teppo“ wurde bis ins 19. Jahrhundert beibehalten. In den letzten 200 Jahren durfte diese Waffe nur noch in beschränktem Umfang hergestellt werden. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670) 1478 SCHNAPPSCHLOSSGEWEHR Englisch, um 1815, Jagdwaffe, William Westley Richards, Birmingham / London. Rundlauf bronziert (L 91 cm), Kal.19 mm, Kammerhälfte achtkantig, in Silber geschlagene Marken „WEST- LEY RICHARDS“, „Ährenbündel“. Schloss mit aussenliegender Schlagfeder, Marke: P.STEVA (J. Pedro Esteva, Barcelona) , sog. Regenpfanne, Schlossplatte u. Hahn mit Dekorgravuren. Mes- singgarnitur, Abzugbügel mit Handauflage, Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen. Nussbaumhalbschaft, Madriderkolben, etwas beschnitzt, ornamentaler Dekor, Bartenladestock mit Horndop- per. L 128 cm. Elegantes sehr gut erhaltenes, ungebraucht erscheinendes Jagd- gewehr im spanischen Stil des Begründers der bekannten Firma Westley Richards in Birmingham, das unter Verwendung eines Schlosses der renommierten Büchsenmacherdynastie Esteva, Barcelona hergestellt wurde. Hochwertige spanische Jagdge- wehre waren bis um 1800 in ganz Europa beliebt und wurden auch gerne kopiert. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 347–348, II, S. 1040–1041. CHF 700 / 1 000 (€ 650 / 930) 1479* KANONENROHR „LANTAKA“ Malaysisch, um 1800, Schiffs- und Festungsgeschütz. Bronze- guss, Mündungsbereich scheibenartig verbreitert mit Zierwulsten, Kaliber 30 mm, über der Mündung aufgesetztes Korn, doppeltes Halsband als Dekor, Schildzapfen mit fest montierter gegossener Tragvorrichtung und massivem Dorn. Beide Rohrenden mit identi- schem auf zugespitzten Dreiecken basierender Dekor. Zündloch, beidseitig Nocken für die fehlende Klappe, Stossbodenkante mit Zierringen, walzenförmige hohle Handhabe. Mit neuerem Eisen- ständer. L 97, 3 cm. In Anlehnung an spanische und portugiesische Schiffsgeschütze des 16. Jahrhunderts in Malaysia hergestelltes Geschützrohr in sehr gutem Zustand. Vgl. H.L. Blackmore: The Armouries of Lon- don. I Ordnance, London1976, S. 169-170, Nrn. 236, 237. CHF 900 / 1 500 (€ 830 / 1 390)
  • 43. | 219 1480 PERKUSSIONSDOPPELFLINTE Deutsch, um 1825/30, Jagdwaffe, Teutenberg, Werl. Rundläufe (L 85,4 cm), Kal. 16 mm, Bandbläung berieben, Mittelschiene mit Perlkorn. Rückliegende Kettenschlösser, Hahnen mit Schraubvorrichtung für Zündpillen, Schlossplatten flach, sig. „TEUTEN- BERG A WERL“. Laufangel, Schloss mit graviertem Blattrankendekor. Eisengarnitur, Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen, Abzugbügel aus Horn. Nussbaum- halbschaft beschnitzt, Kolben mit Backe und Schuber, Dekor: Hirsch und Hirschkühe im Wald, florale Orna- mente. Silbermedaillon mit Besitzerwappen unter Adelskrone. L 125,6 cm. Ausserordentlich seltene frühe Perkussionswaffe aus der seit 1816 zu Preussen gehörenden Stadt Werl (Nordrhein-Westfalen). Arbeit des bisher nicht bekannten Büchsenmachers Teutenberg. Das Stan- dardwerk von E. Heer erwähnt keine in Werl aktiven Büchsenmacher. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1481 GALADEGEN Französisch, Paris um 1815/19. Silbergefäss, Knaufkappe mit Akanthus- und Lorbeerblätterdekor, Griffbügel terzseitig mit Or- namenten, im Mittelteil eine Rosette, der Parierstangenarm endet in einem Tierkopf, Marken: Paris 1809/1819. Stichblatt stark ort- wärts gebogen, Dekor: im Zentrum Medaillon „Herkules im Kampf mit dem nemäischen Löwen“ zwischen Fahnen Eichen- und Lorbeerzweigen. Vierkantiger Ebenholzgriff, gewaffelt. Dreikant- klinge (L 85,5 cm), gebläut, vergoldeter Ätzdekor, etwas berieben, Signatur. L 97,6 cm. Als erste seiner zwölf Taten erwürgte Herakles den nemäischen Löwen. Möglicherweise nimmt der Stichblattdekor aus den ersten Jahren der Restauration damit Bezug auf das Ende Napoleons. CHF 400 / 700 (€ 370 / 650)
  • 44. | 220 Decorative Arts | Antike Waffen 1482 PERKUSSIONSPISTOLENPAAR Schweizerisch, um 1810/35, Bern, Franz Ulrich. Achtkantläufe gebläut (L 20,1 cm), Kal. 12 mm, feine Haarzüge, sig. „Ulrich in Bern“, auf der Laufangel verstellbares Visier, geschobenes Linsenkorn auf Balken, Schwanzschrauben durch Goldzierbänder abge- grenzt. Vorliegende Kettenschlösser um 1835 von Steinschloss auf Perkussion transformiert, Hahnen mit Tierköpfen. Schlossplatten sig. „F.Ulrich / in Bern“. Abzüge mit Stechern. Eisengarnitur gebläut, zwei Ladestockpfei- fen, Knaufplatten mit aufgesetztem vierblättrigen Silberdekor. Nussbaumschäfte, Griffe mit Fischhaut verschnitten, Knaufba- sis ornamental beschnitzt, Stahlladestöcke. In zugehörigem innen mit rotem Stoff bespanntem Nussbaum-Kasten um 1835, Inhalt: Kugelzange, Pulvermass, Schraubenzieher, Putzstock. L 33,8 cm Kasten: 40,2 × 24 × 6,5 cm. Der aus Schwyz stammende Büchsenmacher Franz Ul- rich (1771-1845) war von 1804 bis 1812 in Bern tätig und wurde 1812 zum Leiter der Gewehrmanufaktur Oberndorf ernannt. Seine vorzüglich gearbeiteten Präzisions-Faust- feuerwaffen waren international begehrt und finden sich un- ter anderem im Besitz des Marschalls Bernadotte dem späteren König Karl XIV. von Schweden oder von Feldmarschall Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg. Vgl. Schneider: Schweizer Waffenschmiede, Zürich 1976, S. 269-270. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. II, S. 1314. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310) 1483* HELM-KASKETT Deutsch, 1835-1849, freiwilliges Kavallerie Korps, Frankfurt. Helmglocke aus schwarz gelacktem Filz, Augen- und Nackenschirm. Garnitur Neu- silber, hoher auf ein breites Band genieteter Kamm, welches in die Glockenbasis mündet, stirnseitig Emblem: grosser Strahlenkranz, im Zentrum ein ovaler Schild mit Adler und „F“. Kamm, Huppe aus schwarzem Bürstenhaar, seitlich Federtülle und weiss-ro- te Blechkokarde mit Kreuz im Zentrum. Schuppenbänder auf Leder mit Löwenkopfbuckeln. Originalfutter. H ca. 32 cm. Ausserordentlich seltener Helm der Frankfurter Bürgerkaval- lerie in gutem Zustand, vgl. Volker Löbner, Tilman Lombard: Frankfurter Uniformen, Frankfurter Militär Bd. 3, 1806-1866, 2017, S. 84, 88. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310)
  • 45. 1484 PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR Italien / Neapel, um 1840, Offizierswaffen, Salvatore Mazza. Rundläufe (L 17,3 cm), Kal. 17,5 mm, auf den Schwanzschrau- ben schildförmige Marken, in Gold versenkt geschlagene Marke „MAZZA NAPOLI“ von Sonne überhöht, Visiereinschnitt, Perlkorn Messing. Kugelförmige Kaminsäcke mit kleinen Feuerschirmen. Rückliegend Kettenschlösser, Schlossplatten flach, sig. „Mazza“, gerundete Hahnen. Eisenabzugbügel mit Fingerhaken, Vorder- schaftabschlüsse und Schieberbleche aus Neusilber. Nussbaum- halbschäfte, gewinkelte Griffe mit Fischhaut verschnitten, ovale schwarze Knaufscheiben mit Zündkapselbehältern und Klappde- ckeln, Stahlladestöcke. Dazu zeitgenössische Holzschatulle. L 31,5 cm. Der in der Zeit von 1820 bis 1860 in Neapel nachweisbare Mazza, anfänglich Direktor der königlichen Waffenfabrik, machte sich selbständig, eröffnete ein Geschäft mit einer grossen Büchsen- macherei. Er war einer der besten italienischen Büchsenmacher seiner Zeit. Das vorliegende Pistolenpaar mit militärischem Kaliber eignete sich als Offizierswaffe damit auch für Schweizer Offiziere in neapolitanischen Diensten. Vgl. Bruno Barbiroli: Repertorio storico degli Archibugiari Italiani dal. XIV al XX secolo, Bologna 2012, S. 360–361. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. II, S. 779. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1485 STEINSCHLOSSPISTOLE Balkantürkisch, 1. Hälfte 19. Jh. Rundlauf (L 30,6 cm), Kal. 15 mm, gravierter orna- mentaler Dekor. Steinschloss korr. und def. Silberschaft, ganzflächig gravierter Ranken- dekor mit Blüten, alle Schaftteile mit gefass- ten grossen Korallenstücken, Griffstück mit zugespitztem Abschluss. L 54 cm. Aussergewöhnliche, seltene Variante, der im Balkanraum beliebten Silberpistolen mit Korallendekor. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) | 221
  • 46. | 222 Decorative Arts | Antike Waffen 1486 PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR Französisch um 1865, Gastinne Renette, Paris. Oktogonalläu- fe (Länge 26,6 cm), Kaliber 11 mm, gezogen. Goldtauschierte Waffennummer 1 und 2, Kammerteil mit graviertem Ranken- dekor, tiefblaue Bronzierung, sig. „Gastinne Renette Arqr. de S.M. L’empereur à Paris“, Visier, Korn, Bascule. Laufunterseiten Marke GR unter Krone in Oval. Schlossplatten flach, Hahnen bombiert, reicher Rankendekor, Mechanismus mit Kette und Springkeil. Eisengarnituren, allen Teile mit reichem Rankendekor, Griffkap- pen mit Zierknopf. Reich beschnitzte Ebenholzschäfte, wenige Risse, Dekor: Ranken-, Blumen- und Blattwerk, Griffe zusätzlich mit Längsrillen. Hinter den Schlossschrauben ein ovales Silber- plättchen mit Wappentieren: Rechts ein schreitender, vorwärts blickender Löwe mit Krone; links zwei mit Halskragen versehene, sitzende Löwen. In zugehöriger Kassette, wenig repariert, aus Ebenholz. Deckel aus geschliffenem, gerahmtem Glas. Innen mit weinrotem Samt bespannt, Inhalt: Kugelzange, Pulverflasche, mit schwarzem Leder bespannt, Neusilberausguss, Pulvermass, Ladestock, Ladehammer, Putzstock, Pistolenschlüssel, Schrau- benzieher, zwei Holzdosen (ein Deckel fehlt), Ersatzpistons, Kassettenschlüssel. (Kastenmasse, 48 / 26,5 / 9,5 cm) Waffenlänge 41,8 cm. Duellpistolen bester Qualität, in beinahe neuwertigem Zustand, hergestellt von der Firma Gastinne-Renette in Paris. Die für Lu- xuswaffen bekannte Firma wurde 1839 gegründet und existierte noch bis 1978. Gastinne-Renette war Hofbüchsenmacher Kaiser Napoleon III und erhielt an den Pariser Industrieausstellungen von 1839 und 1844 jeweils eine Silbermedaille für seine Produkte. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd I, S. 422. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 47. | 223 1488 PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR Schweizerisch, um 1865, Weber-Rüesch, Zürich. Achtkantläufe bronziert ( L 23,9 cm), Kal. 7,5 mm, sig. in Gold „WEBER – RUESCH IN ZÜRICH“, geschobenes Korn, Hakenschwanzschrauben mit verstellbaren Visieren und fein graviertem Rankendekor. Ketten- schlösser, Schlossplatten flach, Hahnen leicht bombiert. Abzü- ge mit Stechern. Schlösser und Eisengarnituren ebenfalls mit Rankengravuren, Abzugbügel mit Fingerhaken. Nussbaumdrei- viertelschäfte, Griffe gerillt, Vorderschaftabschlüsse beschnitzt – Löwenköpfe mit Glasaugen. In zugehörigem Holzkasten samt Schlüssel, Messingplakette mit abklappbarem Tragbügel, Besitzer­initialen „C F“. Innen mit grünem Samt bespannt. Inhalt vollständig: Pulverflasche, Kugelzange, Schraubenzieher, Piston- schlüssel, Visierschlüssel, Setz- und Putzstock, Putzkolben, Bletz- schneider, 2 Messingdöschen für Fett und Bletze. Waffenlänge 39 cm. Karl Casimir Weber übernahm um 1865 das väterliche Büchsen- machergeschäft das sich 1867 in Zürich an der Preiergasse 5 befand und assoziierte sich mit Rüesch. Die in Zürich schon von Casimir Weber Senior hergestellten Scheibenpistolen zählten europaweit zu den beliebtesten Waffen dieses Typs. Selten und in sehr gutem Zustand. Vgl. Hugo Schneider: Waffenschmiede, 1976, S. 280/281. Jaroslav Lugs: Das Buch vom Schiessen, 1968, S. 70. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1487 WINDBÜCHSE Schottisch, um 1840, Jagdwaffe, William MacLauchlan, Edinburgh. Rundlauf (L 77,2 cm), Kal. 11 mm, feine Züge, Kammerdrittel achtkantig, beschriftet „Edinburgh“, Standvisier mit einer Klappe, Linsenkorn. Schlosskasten Eisen, signiert „William Maclauchlan“, dazu versenkt geschlagen in Gold „MACLAUCHLAN PATENT“, gravierter Blattrankendekor mit Jagdszenen, Hirsch und Hase von Hunden verfolgt. Aussenliegende Schlagfeder mit Spann- hahn, kleiner Sicherungshebel sowie Schieber zur Indexierung des Kolbens. Eisengarnitur, Abzugbügel mit Fingerhaken, drei Ladestockpfeifen. Mit Leder bespannter Eisenkolben mit Ventil- vorrichtung und Messingfassung für die komprimierte Luft. Kurzer Nussbaumschaft, Holzladestock. L 120,5 cm Der in Edinburgh tätige William MacLauchlan lässt sich in der Zeit von 1806 bis 1849 an verschiedenen Adressen nachweisen, Nicholson Street, Home Street und Morrison Place. Sorgfältig ge- arbeitete, auf einem Patent McLauchlan beruhende sehr seltene schottische Windbüchse. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 670 / 2 310)
  • 48. | 224 Decorative Arts | Antike Waffen 1489 SÄBEL Russisch-kaukasisch, Kubatschi, Dagestan, Ende 19. Jh. Silbergefäss, teilvergoldet, massiver Griff von ovalem Querschnitt in einem Pferdekopf endend, beidseitig identischer symmetrisch angelegter Dekor, geschnitte- ne, ziselierte, teilweise niellierte Blätterornamente. Ein geschwungenes Dekorband erstreckt sich vom Nacken des Pferdes bis zur Fassung des Mitteleisens. Das Band schmückt drei Granulatfolgen von unterschiedlicher Stär- ke; die Bandfassung besteht aus einem niellierten schma- len Streifen. Parierstange mit zugespitztem Mitteleisen und kugeligen, tordierten Abschlüssen. Der Dekor entspricht jenem des Griffes, im Zentrum quartseitig ein oval gefasster Stein. Rückenklinge, Wotzdamast (L 70,5 cm). Massive aus mehreren Teilen zusammengestzte Silberscheide, quartseitig mit symmetrisch angelegtem Dekor, geschnittene, ziselierte Blattornamente mit niel- lierten Zwischenstücken, zwei Ringbünder in einer dem Griff entsprechenden Verarbeitung, dazu sechs gefasste rote Steine, Terzseite blank poliert mit wenigen niellierten Ornamenten, Stiefelbereich mit gezacktem Schlepper. L mit Scheide 97 cm. Das Dorf Kubatschi im Rajon Dachadajewski, heute Teil der nordkaukasischen Republik Dagestan, ist vor allem wegen seiner jahrhundertealten Tradition der Silber- und Goldschmiede berühmt geworden. Man verarbeitete unter anderem hochwertige Klingen zu Schaschkas und Dolchen, die vor allem bei den Kosaken, auch in benach- barten Gebieten wie Tschetschenien beliebt waren. Man stattete sie mit silbernen Gefässen und Scheiden aus, die eine sehr sorgfältige, kunstvolle Dekortechnik auszeich- nete. Säbel mit Pferdekopfgriffen zählen zu den abso- luten Raritäten. Vgl. Isa Askhabov, Kahamzat Askhabov, Searching for lost Relicts, Moskau 2016, S. 100, Dolch von 1897, gleiche Werkstatt. CHF 12 000 / 15 000 (€ 11 110 / 13 890)
  • 49. | 225
  • 50. | 226 Decorative Arts | Antike Waffen 1490 PERKUSSIONS-BÜCHSFLINTE Deutsch, um 1850, Jagdwaffe. Damastrundläufe (L 75 cm), Kal. 13 mm, gezogen und glatt, Patentschwanzschraube, verstellbares Visier und geschobenes Korn. Rückliegende Ketten-Präzisions- schlösser, Schlossplatten und Hahnen flach, feiner gravierter Blattrankendekor, Medaillons mit Hund und Rehbock. Hahnsi- cherungen. Ein Abzug mit Stecher. Eisengarnitur, Abzugbügel, Kolbenkappe, zwei Ladestockpfeifen, mit Dekor. Nussbaumhalb- schaft, Hals mit Fischhaut, auf dem Kolben mit Backe Darstellung einer ruhenden Hirschkuh, Kolbenfach mit Eisenklappe, auf dem Deckel reicher Gravurendekor mit Hirsch, Holzladestock. L 116,5 cm. Perkussions-Büchsflinte in besonders feiner Verarbeitung; in Anbetracht der Qualität erstaunlicherweise ohne jegliche Marken oder Zeichen. CHF 500 / 700 (€ 460 / 650) 1491*♣ JÄGERRUF Deutsch, um 1860. Elfenbein beschnitzt, Dekor: Jäger mit Büchse signalisiert den Tod des von ihm erlegten zu seinen Füssen liegenden Hirsches, dazu zwei Hunde, zwischen Dekorvoluten mit Hundeköpfen eine kleine Kartusche mit rennendem Hund. Walzenförmiges, hohles Mundstück, Basis gekantet. Trichter mit verschraubter Metallfassung und Tragring, ein zweiter Tragring auf dem Hornrücken, grüne Kordel. L 20,3 cm. Schönes Jagdobjekt mit spätromantischem, gekonnt gearbeite- tem Dekor, möglicherweise aus einer Elfenbein-Produktionsstät- te in Erbach im Odenwald. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830)
  • 51. | 227 1493*♣ PERKUSSIONS-TASCHENPISTOLENPAAR Belgisch, um 1850. Abschraubbare Rundläufe (L 6,2 cm), Kal. 17 mm, Kastenschlosse mit versenkbaren Abzügen und feinen Ran- kengravuren, Liègerbeschuss, Waffennr. 1753. Glatte Elfenbein- griffe, kleine Risse, Eisenkappen als Griffabschlüsse. In zugehö- rigem Mahagonikasten mit Schlüssel, innen mit blauem Samt bespannt. Auf dem Deckel kleine Messingplakette mit graviertem Besitzerwappen und der Devise „VIRTUS PERSEVER ANTIA“. In- halt: Kugelzange, Elfenbeinpulverfläschchen, Elfenbeinbüchschen für Zündhütchen. Waffenlänge: 17,7 cm CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) 1492* PERKUSSIONS-PISTOLENPAAR Deutsch, um 1850. C. Guntermann, Düsseldorf. Rundläufe, Ätzdamast (L 17,5 cm), in Messing versenkt geschlagene Marke „C.GUNTERMANN IN DÜSSELDORF“, Kal.13 mm, gezogen, auf der Laufangel Standvisiere, geschobenes Linsenkorn aus Neu- silber. Vorliegende Kettenschlosse, Schlossplatten und Hahnen flach, Pistonsicherungen. Glatte Neusilbergarnituren, Knaufkap- pen nummeriert N 1 und N 2, Abzugbügel, zwei Ladestockpfeifen. Nussbaumschäfte, Holzladestöcke mit Horndopper. L 30,6 cm. Seltenes Pistolenpaar des Düsseldorfer Büchsenmachers C.Gun- termann, sorgfältig gearbeitete und gut erhaltene Waffen. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. I, S. 473, über Guntermann ist nur sehr wenig bekannt. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390)
  • 52. | 228 Decorative Arts | Antike Waffen 1494 PERKUSSIONS-BOCKDOPPELFLINTE Deutsch, um 1860, Jagdwaffe, Franz Xaver Baader, Mün- chen. Damastrundläufe (L 62,5 cm), Kal. 14 mm, in Gold sig. „BAADER U. SOHN IN MÜNCHEN“, Standvisier mit Klappe, Korn. Rückliegende Kettenschlösser, Schlossplat- ten und Hahnen flach, gravierter jagdlicher Dekor, Hund und Fuchs, Rankenwerk. Ein Abzug mit Stecher. Eisen- garnitur, Abzugbügel mit Holzfortsatz und Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen. Nussbaumhalbschaft beschnitzt, Fischhaut und grosse Blattranken, Kolbenfach mit gra- vierter Eisenklappe, Dekor: ruhender Hirsch, Ornamente. Holzladestock mit Messingdopper. L 104,5 cm. Seltene Bockdoppelflinte des seit 1830 in München täti- gen Franz Xaver Baader, der 1837 zum Hofbüchsenma- cher König Ludwig I. von Bayern ernannt wurde, sehr guter Zustand. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd I, S. 43. CHF 1 200 / 1 600 (€ 1 110 / 1 480) 1495 ZÜNDNADEL-DOPPELFLINTE Österreichisch, um 1855/60, Jagdwaffe, Wenzel Maschek, Wien. Damastrundläufe (L 74 cm), Kal.18 mm, Mittelschiene in Gold sig. „W.MASCHEK IN WIEN“, Perlkorn. Auf der Laufangel zwei Stifte als Ladungsanzeiger, gravierter Dekor: Hunde mit erbeutetem Hasen. Verschlusskasten, Spannhebel und Sicherung mit fein graviertem jagdlichem Dekor, Hund einen Fuchs verfolgend, Besitzerwappen dazu Rankenwerk. Eisengarnitur, Abzugbügel mit Fortsatz aus Horn, Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen, Nussbaumhalbschaft, Schafthals mit Fischhaut und Besitzerwappen, Kolben mit Wange und feinem jagdlichem Dekor: Jäger, Wild, Drachenfigur, Ran- kenwerk. Holzladestock. L 116 cm. Qualitätsvolle Zündnadel-Jagdwaffe des in Wien 1853 bis 1861 erwähnten Büchsenmachers Wenzel Maschek. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. II, S. 768. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670)
  • 53. | 229 1496*♣ PRUNKHORN Französisch, Dieppe, 3. Viertel 19. Jh. Elfenbein beschnitzt, Dekor: Trichterbereich – oben, königlich englisches Wappen umrahmt vom Hosenbandorden mit der Devise „HONI SOIT…MAL Y PENSE, Löwen als Schildhalter, unten in Medaillon König Franz II. mit Gattin Marie von Schottland, von Krone überhöht, Schrift- band „FRANCOIS DE VAL. ROY DE…FRANCE ET MARIE RONYE DESCOS“, Initialen „FM“ mit Krone, darüber die Jahrzahl 1558. Mittelfeld – Jagdszenen, Hunde einen Hirsch hetzend, Hunde stellen einen Keiler, oben – grosse Tierkampfszene mit Löwe und Keiler sowie mehreren Hunden, darüber Akanthusfries. Grosses Mundstück mit ornamentalem Banddekor und grossem Tierkopf samt Mundstück als Abschluss. L 57 cm. Der Horndekor erinnert an die Hochzeit von König Franz II. von Frankreich (1544–1560), ein Valois, mit Maria Stuart, Königin von Schottland, 1558. Nach dem Tode Franz II. kehrte Maria nach Schottland zurück und wurde 1587 in London auf Veranlassung von Königin Elisabeth von England wegen Hochverrat hingerich- tet. Dieppe an der Atlantikküste beherbergte nach 1850 eine bedeutende Elfenbeinindustrie, deren erste Blütezeit gegen 1700 endete. Vorzügliche Arbeit des Historismus. CHF 3 500 / 5 500 (€ 3 240 / 5 090)
  • 54. | 230 Decorative Arts | Antike Waffen 1497 COLETTE-PISTOLE Belgisch um 1860, erste Version. Achtkantlauf (L 22 cm), Kal. 10 mm, feine Züge, Waffennr. VC 175, Liègerbeschuss verwischt, massives Standvisier als Teil des Verschlusses, geschobenes Korn. Schlosskasten mit Fallblockverschluss - durch das Spannen des Hahns bis zur ersten Rast hebt sich der Kammerblock zur Aufnahme der über der Laufkammer befindlichen Munition, in der zweiten Rast fällt der Block und bringt die Munition in die Kammer, Schiebesicherung. Eisengarnitur, Abzugbügel und Knaufkappe mit graviertem Rankendekor. Beschnitzter Nussbaumgriff, sog. „crosse renaissance“. L ca. 36,2 cm. Seltene erste Version für Einzelschuss der in der Lièger Firma von Alexander Colette mit E.J. Nicolas entwickelten Hinterladerpistole, noch ohne das später hinzugekommene Schwerkraftmagazin. Guter Zustand. Vgl. Eugène Heer: Der Neue Støckel, Schwäbisch Hall 1968, Bd. 1, S. 230. CHF 800 / 1 400 (€ 740 / 1 300) 1498* GALADEGEN Empire, Frankreich um 1810. Silbergefäss, olivenförmiger Knauf und massiver Griff durch seitliche Bänder mit Kreuzdekor in Felder mit zehn durchbrochen gearbeiteten und facettierten Halbku- geln besetzten Bahnen unterteilt, französische Kontrollstempel 1809/19, Paris. Nietkopf. Griffbügel in Griffbasis mündend, kurzer Parierstangenarm, Ziergriffhaken mit Marke „L.T.“, ovales Stich- blatt durch Bänder und Punktefolgen in drei Felder unterteilt. Alle Gefässteile mit facettiertem Halbkugeldekor. Dreikantklinge (L 75 cm), Ätzdekor berieben. L 90,3 cm. Aufwändig gearbeitetes Degengefäss das in der Verarbeitung einen Besatz mit Brillianten imitiert; ein am Hofe Napoleons I. beliebtes Modell. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830)
  • 55.
  • 56. VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 102/121 8031 Zürich, Schweiz AUKTION Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 121 8031 Zürich, Schweiz AUKTION ONLINE ONLY VORBESICHTIGUNG 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz AUKTION 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz AUKTIONEN REPRÄSENTANTEN Koller Auktionen AG Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63  Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch www.kollerauktionen.ch Koller Auktionen AG 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz Tél +41 22 311 03 85 Fax +41 22 810 06 30 geneva@kollerauktionen.ch www.kollerauktionen.ch MÜNCHEN Fiona Seidler Maximiliansplatz 20 80333 München Tel. +49 89 22 80 27 66 Fax +49 89 22 80 27 67 Mobile +49 177 257 63 98 muenchen@kollerauktionen.com DÜSSELDORF Ulrike Gruben Citadellstrasse 4 40213 Düsseldorf Tel. +49 211 30 14 36 38 Fax +49 211 30 14 36 39 Mobile +49 175 586 38 64 duesseldorf@kollerauktionen.com BEIJING Jing Li Haidianque Chedaogou 10# 6/4-307 100089 Beijing Tel. +86 135 2039 8057 beijing@kollerauctions.com ITALIEN /TESSIN LuigiPesce ViaCairoli18 16124Genua,Italien T+393395962768 italia@kollerauktionen.com HAMBURG Ulrike Gruben Tel. +49 211 30 14 36 38 hamburg@kollerauktionen.com
  • 57. Auktionen: 21. September bis 5./6. Oktober 2021 Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr Kontakt · Anahi Cardona · Tel. +41 44 445 63 21 · cardona@kollerauktionen.ch Gemälde, Zeichnungen Grafik Alter Meister des 19. Jhs. Bücher Autographen, Schmuck, Möbel, Uhren, Varia, Porzellan
  • 58. Bücher Autographen Auktion: Mittwoch, 29. September 2021 Kontakt · Andreas Terwey · Tel. +41 44 445 63 40 · terwey@kollerauktionen.ch Rembrandt van Rijn (1606–1669). Einblattdruck des «Curateur over den Insolventen Boedel van Rembrant van Rijn» mit der Ankündigung zur Versteigerung von Kunstwerken aus Rembrandts Besitz. Mit einer mehrzeiligen HolzschnittInitiale. [Amsterdam, 1658].
  • 59. Govaert Flinck (1615–1660). Tronie eines bärtigen Mannes. 1650. Öl auf Leinwand. 61,5 × 50,7 cm. Kontakt · Karoline Weser · Tel. +41 44 445 63 35 · weser@kollerauktionen.ch Daniel Seghers und Cornelis Schut. Blumengirlande um eine Kartusche mit Maria und Jesuskind. Öl auf Holz. 68,5 × 53 cm. Gemälde Alter Meister des 19. Jahrhunderts Auktion: Freitag, 1. Oktober 2021