Zusätzliche Informationen und Abbildungen:
www.kollerauktionen.ch
Decorative Arts
Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan
AUKTION
Donnerstag, 26. März 2020, 14.00 Uhr
VORBESICHTIGUNG
Mittwoch, 18. – Sonntag, 22. März 2020, 10 – 18 Uhr
English descriptions and additional photos:
www.kollerauctions.com
Sabine Neumaier
Porzellan & Fayence
Head of department
Tel. +41 44 445 63 12
neumaier@kollerauktionen.ch
Stephan Koller
Möbel & Dekorationen
Head of department
Tel. +41 44 445 63 20
skoller@kollerauktionen.ch
Giordana Schmid
Möbel & Dekorationen
Tel. +41 44 445 63 52
schmid@kollerauktionen.ch
Corinne Koller
Silber
Head of department
+41 44 445 63 22
ckoller@kollerauktionen.ch
Hannah Wepler
Silber
Tel. +41 44 445 63 62
wepler@kollerauktionen.ch
1002
COLLIER
Teils unter Verwendung von römischen antiken
Elementen, 2./3. Jh. nach Christus. Bernstein und
Gold. Ovales Medaillon mit Cabochon, wohl Granat.
L 42 cm.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1001
RING
Byzantinisch. Gold mit ovalem blauem Glascabochon.
L 1,7 cm.
Bestossungen am Cabochon, Ring fragmentarisch.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 300 / 500
(€ 280 / 460)
| 2
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1003
KREUZ-ANHÄNGER
Byzantinisch, 5. bis 7. Jh. Gold. Jeder Arm pentagonal und sich
zum Zentrum verjüngend, die Enden mit feinem Perlstab verziert.
Im Zentrum ein Saphir Cabochon, ebenso eingefasst durch ein
Perlfries. Die flächige und bandartige Öse mit Perlfries.
H 7,1 cm, B 6 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s New York, 13. Dezember 2002. Auktion 1164,
Lot 664.
- Schweizer Privatbesitz
CHF 18 000 / 25 000
(€ 16 670 / 23 150)
1004
THRONENDE MADONNA MIT KIND
Gotisch, Norditalien oder Spanien um 1300. Kiefer
sowie Laubholz geschnitzt, gehöhlt und verschlossen
sowie gefasst. Die Madonna in aufrechter Haltung auf
Thronbank sitzend, das Kind stehend auf ihrem Knie
mit Segensgestus sowie Stiglitz in der linken Hand.
H 113 cm.
Fassung stark übergangen, Kopf des Kindes geklebt.
Rechte Hand der Madonna ergänzt. Diverse Fehlstel-
len.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 3
1005
EMAIL RELIQUIENKÄSTCHEN, SOG. CHÂSSE
Gotisch, Limoges, 2. Hälfte 13. Jh. Kupfer graviert und feuerver-
goldet sowie Email champlevé in Blau, Weiss und Rot. Rechtecki-
ger Korpus auf flächigen Eckstollenfüssen und mit aufklappbarem
Giebeldach. Umlaufendes Dekor in Form von stilisierten Ranken
sowie Engelsbüsten in kreisförmigen Medaillons. Die Frontseite
des Deckels zeigt Stationen aus dem Leben Marias: Verkündi-
gung durch den Engel, Heimsuchung, Geburt Mariens, Maria
mit Kind sowie der Flucht nach Ägypten. Der Deckel bekrönt
von 5 Aufsatzkugeln, zwei davon in Bergkristall (eventuell später
ersetzt). Die mittlere mit Kreuz bekrönt. Späteres Schloss und
Durchbrechnung für Schlüssel. Schliesse in einem Schlangenkopf
endend. Die Bodenunterseite mit Inventarnummer O.2 in Rot.
20,5 x 8 x 15,5 cm.
Vergoldung teils berieben, mehrere Fehlstellen im Email. Schlüssel
fehlt. Verschlusshaspel sowie Aufsatzkreuz spätere Ergänzungen.
Provenienz:
- Ehemals Sammlung Ole Olsen Kopenhagen.
- Auktion Winkel  Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72.
- Durch Schenkung und Erbschaft zum heutigen Besitzer.
Die Kunst des Email champlevé erlebte in der Region Limoges im
12. bis 14. Jahrhundert eine grosse Blüte. Während davor haupt-
sächlich kleinere emaillierte Plaketten auf vergoldete und gravierte
Kupfertafeln appliziert wurden, emaillierte man ab dem ausge-
henden 12. Jahrhundert mehr die flächigen Stellen, die figürlichen
Darstellungen hingegen erschienen ziseliert im vergoldeten
Kupferkern.
Hermann Schmitz. München 1924, Bd.
1, Nr. 2, Abbildung Tafel III.
| 4
Die Reliquienverehrung erlebte im frühen Mittelalter eine Blüte-
zeit. Sie basiert auf der Annahme der Unvergänglichkeit des Lei-
bes Christi und dem Glauben an besondere Kräfte der Überreste
von Märtyrern und Heiligen – überliefert in sogenannten Mirakel-
berichten, die viel von der Religiosität und den Heilsvorstellungen
jener Epoche vermitteln. Für die Aufbewahrung der als Reliquien
verehrten Knochensplittern, Textilfragmente oder Splitter des
Kreuzes Christi wurden schöne und wertvoll gearbeitete Scha-
tullen und Gefässe verwendet, teils spezifisch in der Form auf die
jeweilige Reliquie ausgestaltet (Kreuzreliquiare, Ostensorien, etc.).
Form und Zierwerk des hier angebotenen Reliquienkästchens sind
typisch für die zweite Hälfte des 13. Jh. Das Motiv der Engels-
büsten in Blattranken findet sich verschiedentlich auf Limousiner
Arbeiten, was auf eine gewisse Standardisierung der Produktion
hinweist. So sind ähliche Kästchen in den Kirchen von Aixe-sur-Vi-
enne (Haute-Vienne), Lamontjoie (Lot-et-Garonne), Lunegarde
(Lot) erhalten. Erwähnenswert und selten ist die Darstellung der
Geburt Christi; Maria liegt dabei in einem Bett, in einer Schale
darüber sitzen ein Ochse und ein Esel, als Symbole für die Geburt
in der Krippe.
Die vergoldeten und emaillierten Kupfertafeln wurden zumeist auf
einen Holzkern geschlagen, weniger häufig sind Reliquienschrei-
ne, bei denen die Kupferplatten direkt zusammengefügt wurden.
Ein in Konstruktion und Dekor verwandtes Kästchen wurde im
Rahmen der Auktion der Keir Collection von Sotheby‘s in New York
versteigert: Keir Collection (Sotheby‘s, New York, 20 November
1997, lot 93). Ein weiteres Vergleichsstück wurde verkauft bei:
Christie‘s, Sale 2797, Anton Philips, Entrepreneur  Connois-
seur, Amsterdam, 6 November 2007, Lot 148. Ein anderes sehr
vergleichbares Stück aus privater Sammlung bei: Pietro Lorenzelli
e Alberto Veca. Tra/E. Teche, pissidi, cofani e forzieri d‘all alto
Medioevo al Barocco. S. 57.
Das hier angebotene Reliquiar zählte einst zur umfangreichen
Kunstsammlung des dänischen Filmproduzenten Ole Olsen
(1863–1943) in Kopenhagen. Olsen gründete 1906 die Nordisk
Film A/S, heute die älteste bestehende Filmproduktionsgesell-
schaft der Welt. Ein Teil der Sammlung des 1943 verstorbenen Ol-
sen - so auch der hier angebotene Reliquienschrein - wurde1953
bei Winkel  Magnusson in Kopenhagen versteigert. Der exzen-
trische Filmproduzent liess sich bei Esterhøj einen Grabhügel in
Winkinger Art errichten, wo er zusammen mit einem kleineren Teil
seiner Sammlung bestattet wurde.
Literatur:
- Hermann Schmitz. Generaldirektor Ole Olsens Kunstsamlinger,
München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III.
- Winkel  Magnussen Eds. Kunst i private Eje. S. 2, Abb. 2).
- Auktion Winkel  Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72.
Vergleichende Literatur:
- Marie Madeleine S. Gauthier. Emaux Limousins champlevés des
XIIe XIIIe  XIVe siècles. Paris 1950.
- Marie-Madeleine Gauthier and Geneviève François. Medieval
Enamels. Masterpieces from the Keir Collection. London 1981.
No. 28. S. 25 und Abb. 28, Figure 6.
CHF 70 000 / 120 000
(€ 64 810 / 111 110)
| 5
1006*
HEILIGER FLORIAN
Spätgotisch, wohl Schwaben um 1480. Linde vollrund
geschnitzt sowie mit Resten von Fassung. Der Heilige in
Vollrüstung auf flachem naturalistischem Sockel stehend.
H 129 cm.
Linke Hand teilweise bzw. ganze rechte Hand ersetzt.
Ehemals gefasst und mit Fassungsresten. Fassung Ge-
sicht stark übergangen. Ergänzung an der linken Schulter.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1007
PAAR SPÄTGOTISCHE SCHEIBENLEUCHTER
deutsch, 16. Jh. Messing und Eisen. Zylindrischer Schaft
mit Scheibenwulst auf getrepptem Rundfuss. Breite
Tropfschale und hoher Eisendorn. H ca. 31 cm.
Teils korrodiert und bestossen.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 6
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1008
RELIQUIENBÜSTE
Rheinisch, 1. Hälfte 14. Jh. Weibliche Büste in Nussbaumholz
geschnitzt. Frontal mit lächelndem Ausdruck und symme-
trisch fallendem Lockenhaar. Auf der Brust runde Öffnung
mit Dreipass. Der Scheitel ist abnehmbar und mit Scharnier
befestigt. Innen hohl, unten mit einem Brett verschlossen,
dessen rückwärtiger Teil ergänzt ist. Gesicht und Hals mit
Silberfarbe bemalt, die schwärzlich geworden ist. Vergoldung
am Gewand und Haaren später. B 32, H 39 cm.
Vergoldung und Versilberung stark überarbeitet.
Provenienz:
- Ehemals Sammlung Figdor
- Schweizer Privatbesitz
Abbgebildet in Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien
1930, Tafel Nr. 158.
CHF 8 000 / 14 000
(€ 7 410 / 12 960)
Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil,
Wien 1930, Tafel Nr. 158.
| 7
1009*
LÜSTERWEIBCHEN
Renaissance, Süddeutschland oder Schweiz um 1600. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Frauenbüste mit
Sirenenschwanz, sie trägt ein Renaissance Gewand mit Halskrause. Mit Wappenkartusche (nicht identifizier-
bar). Hirschgeweih. 102 x 105 x 58 cm.
Ein Unterarm sowie Schwanzende fehlen. Eine Geweihspitze fehlt, einige repariert. Im Haarbereich überarbei-
tet.
Ein ähnliches, in die zweite Hälfte des 16. Jh. datiertes Lüsterweibchen, das sich um 1900 im Kgl. Kunstge-
werbemuseum Berlin befand, ist abgebildet bei: Kurt Jarmuth, Lichter Leuchten im Abendland. Braunschweig
1967, S. 182 (Abb. 170).
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1010
ALLIANZ-WAPPENSCHEIBE
Ostschweiz, Renaissance, dat. 1570.
Zentrales Feld mit den Wappen der
Familien Zimmermann sowie Baumann in
portalförmiger Einrahmung. Die Eckbilder
oben und unten mit Personendarstellun-
gen sowie Sinnsprüchen. In Kartusche be-
zeichnet: Ulrich Zimmermann Bürger zu
Wyll Anna Bumeni von Appenzell sinnliche
Hausfrau 1570. 21 x 32 cm.
Mehrere Sprünge. Ergänzungen.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 8
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1012
HEILIGE MARGARETHE
Spätgotisch, Süddeutschland oder Schweiz um 1500. Linde
geschnitzt, verso gehöhlt sowie gefasst und teilvergoldet. Die
Heilige mit Krone in reich verziertem Gewand und mit Umhang,
steht auf einem Drachen. H 65 cm.
Ergänzung am Sockel. Alte Reparatur, Kleid wenig beschnitten.
Hand später, Finger unvollständig. Fassung stark berieben, teils
überarbeitet.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1011*
THRONENDE MADONNA MIT KIND
Gotisch, Süddeutschland, 1. Hälfte 14. Jh. Linde
geschnitzt, verso gehöhlt sowie mit Resten von Fas-
sung. Maria auf einen einfachen Thronbank sitzend
in aufrechter Haltung, der Christusknabe kniend auf
ihrem Schoss mit Segensgestus. H 77 cm.
Ein Unterarm der Madonna fehlt.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 9
1013
THRONENDE MADONNA MIT KIND
gotisch, Italien, 13./14. Jh. Holz geschnitzt,
Verso geflacht sowie mit Resten der Fassung.
Die Madonna sitzt auf einer Bank, den Blick
frontal dem Betrachter zugewandt, das Kind
sitzt auf ihrem linken Knie. Stark verwurmt,
teils fragmentarischer Zustand mit zahlreichen
Kittungen. H 80 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1014*
EISENKASSETTE
Renaissance, Deutschland, wohl Augs-
burg, 17. Jh. Eisen mit geätzem Dekor.
Rechteckige Kassette auf gequetschten
Kugelfüssen. Die Front und Rückwand
dekoriert mit zwei Reserven in Ranken-
werkumrandung, Darstellung von Phöni-
xen. Die Seitenwandungen dekoriert mit
Doppeladlern, ebenfalls in dreiseitiger
Rankenwerkumrahmung. Dekor des
Klappdeckels entsprechend der Front,
jedoch stark berieben. Schloss mit fünf
Riegeln. Seitliche Traghenkel.
1 Schlüssel. 30 x 19 x 20 cm.
Korrodiert. Reparaturen im Bereich des
Schlüsselschildes.
CHF 2 500 / 3 000
(€ 2 310 / 2 780)
| 10
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1016*
KLEINE EISENSCHATULLE
Renaissance, wohl Frankreich oder Italien, 16. Jh. Eisen mit graviertem Dekor
in Form von Blattvoluten und Blumen. Appliziert mit vergoldeten, teils durch-
brochenen Messing- oder Kupferbeschlägen in Form von Voluten und Zier-
friesen. Rechteckiger Korpus auf leicht ausgestelltem Rand und Rundfüssen
(wohl später) mit facettiertem Klappdeckel. Die Ecken mit vollplastischen
Figuren besetzt. Innen mit späterem türkisem Seidenbezug ausgeschlagen.
1 Schlüssel. 14 x 9,5 x 7 cm.
Teils leicht verbeult sowie korrodiert und berieben. Innenfutter später.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1015
PAAR LEUCHTERENGEL
Spätgotisch, Luzerner Raum um 1500.
Linde vollrund geschnitzt sowie braun
patiniert. Beide Engel kniend in Schup-
pengewand und mit Pluviale, sie tragen
in beiden Händen einen tordierten
Leuchter. Leicht eingerollte Flügel. Auf
der Unterseite bezeichnet auf Etikette.
Ergänzungen. H 35 bzw. 36 cm.
Kleinere Fehlstellen. Flügel und Sockel
später.
Proveninez:
Privatbesitz Luzern. Ursprünglich wohl
aus der Schlosskapelle Hünegg bei
Baldegg.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
| 11
1017* ♣
SELTENER INTARSIERTER FALTSTUHL
Dynastie der Nasriden oder etwas später. Andalusien, letztes
Viertel 15./Anfang 16. Jh. Nussbaum eingelegt mit Bein und Metall
in Form von stilisierten Blütenfriesen. Stoffsitz auf geschweiftem
und klappbarem X-Gestell. Geschwungene und vorne eingerollte
Armlehnen. Rückenlehne und Sitz in späterem grünem Velours
mit Goldbrokatbändern. Kleinere Ausbrüche und fehlende Intarsi-
enteile. 69 x 48 x 101 cm.
Fehlstellen und Wurmgänge an einem Bein.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
Die muslimisch-maurische Dynastie der Nasriden herrschten
von 1232-1492 über das Emirat Granada und das heutige Gebiet
Andalusiens. Die für die Zeit und Region typischen Mikromosa-
ik-Arbeiten, im spanische Taracea Technik genannt, war in Spanien
und Nordafrika weit verbreitet und an den früheren Höfen der
Almoraviden und Almohaden geschätzt. Ein frühes Beispiel der
Technik findet sich beispielsweise an der Kanzel der Mesquita in
Cordoba, einer Erweitung durch al-Hakim II in der Zeit um 961-97.
Eine Radio Karbon Untersuchung von 2 Proben des Stuhles
erlaubt eine Datierung in die Zeit zwischen 1468 und 1635 bzw.
1320 und 1428. Früheste Darstellung dieses Stuhltypus stammen
aus der Zeit der Ägypter, 2000 vor Christus. Sowohl in der griechi-
schen und römischen Antike als auch in der islamischen Welt des
12. und 13. Jahrhunderts war er beliebt.
Ein sehr ähnlicher Stuhl befindet sich im Metropolitan Muse-
um in New York und wird auf das späte 15. Jh. datiert (Inventar
Nr. 27.225.1, abgebildet bei Otto Kurz. Foldig Chairs and Koran
Stands. Ettinghausen 1972. S. 304-305, Nr. 10.). Ein anderer, aus
der Zeit des 14./15. Jh. befindet sich in der Sammlung des Muse-
ums der Alhambra.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 12
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1018*
FIGUR DER CERES
Renaissance, Venedig um 1600. Die Plinte monogrammiert IC, wohl
Werkstatt des Girolamo Campagna (1549-1625). Bronze dunkel pati-
niert. Die Göttin stützt sich mit einer Hand auf ein Füllhorn mit Blüten
sowie Ähren und hält in der anderen Blumen. Montiert auf rosafarbe-
nem und schwarzem Steinsockel. Figur H 35 cm.
Reparaturen an Bein, Fuss und Ellbogen.
Diese Figur weist bei der Gestaltung der flächigen Füsse sowie den
relativ massigen Unterschenkeln Ähnlichkeiten mit einer Figur der
Venus Marina im Metropolitan Museum New York auf (Inventarnr.
68.141.19), die ebenfalls auf der Plinthe das Monogramm IC trägt und
aufgrund dieser der Werkstatt Campagna bzw. dem jüngeren Bruder
Giuseppe Campagna zugeschrieben wird, der mit Iseppo zeichnete.
Auch erinnert die Figur an Arbeiten des Giuseppe de Levis (1562-
1611), von dem zwei Kaminböcke mit vergleichbaren Figuren der
Venus und des Jupiters im VA erhalten sind (Inventarnr. 3012:1 to
9-1857). Eine ähnliche Nutzung dieser Ceres als Figur auf einem Ka-
minbock ist ebenfalls denkbar, womit sich auch die etwas einfachere
Ausführung erklären liesse.
Charles Avery. Joseph de Levis  Company. Renaissance Bron-
ze-founders in Verona. London 2016. Col. 22 und Col. 23 mit Abbil-
dungen der Kaminböcke im Victoria  Albert Museums London.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
1019
RADIERMESSER
Deutschland, um 1600. Die blattförmige Stahlklinge mit graviertem
Dekor (stark berieben). Leicht geschwungener, gekanteter Griff in
Bein. Metallzwinge. L 28,2 cm.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1020 ♣
RADIERMESSER
Frankreich oder Italien, Ende 16./Anfang 17. Jh. Vergoldete blatt-
förmige Stahlklinge mit graviertem figürlichem Dekor sowie Wap-
penkartusche. Leicht gebogener Elfenbeingriff, am vorderen Ende
beschnitzt mit Blättern und Rillen. L 26,3 cm.
Griff mit Riss.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 13
1021*
BUFFET À DEUX CORPS
Renaissance, Frankreich, wohl Paris, 2. Hälfte 16. Jh. Nussbaum
reich und fein beschnitzt. Rechteckiger, architektonisch geglieder-
ter Korpus mit gesprengtem Giebel auf gekehlter, leicht vorkra-
gender Zarge und späteren Quetschfüssen. Das Oberteil mittig
mit Diana als Aufsatzfigur in Blattvoluten gerahmter Nische. Der
gesprengte Giebel mit Blattvoluten und Rosette beschnitzt. Kas-
settierte Doppeltüren unter Kranzfries, beschnitzt mit Löwenköp-
fen, Palmetten und plastisch gearbeiteten Adlern. Die Ecken mit
Dreiviertelsäulen besetzt. Das leicht vorstehende Unterteil mit
Schublade über Doppeltüren. Die Schublade mit teilplastischem
geflügeltem Engelskopf beschnitzt. Die Türtäfelungen zeigen
Allegorien der vier Jahreszeiten in Flachschnitzarbeit. Die Lisenen
des Unterteils mit vier Reserven, Darstellungen von Schwänen so-
wie Fabelwesen. Ober- und Unterteil mit rechteckigen Reserven in
schwarzem Marmor bzw. Brekzie. Die Seitenwandungen kasset-
tiert. Eisenbeschläge. 1 Schlüssel. 105 x 42 x 201 cm.
Restaurierungen und wenige Ergänzungen. Fehlstellen und Kit-
tungen. Spätere Schlösser.
Die in feiner Flachschnitzerei ausgeführten Dekorationen zeugen
vom Einfluss der Schule Fontainebleau, welche in der ersten
Phase wesentlich von italienischen Künstlern geprägt war. Die
Bezeichnung geht auf eine Gruppe von Künstlern zurück, die vom
Französischen König Franz I. im 16. Jh. angeworben wurde, um die
Ausstattung seines bevorzugten Schlosses Fontainebleau auszu-
führen. Es entwickelte sich eine besondere Spielart des Manieris-
mus. Das Interesse des Königs galt nicht nur der Kunst, sondern
ebenso der Literatur und Wissenschaft. Fontainebleau wurde so
zu einem Zentrum für die Verbreitung der Ideenwelt der Renais-
sance und der Kunst des Manierismus im nördlichen Europa.
Ein Buffet „à deux Corps“ aus der ehemaligen Arconati-Viscon-
ti-Sammlung, welches im Louvre aufbewahrt wird, weist einen
ähnlichen gebrochenen Giebel mit Blattvoluten und Sphinx-Re-
liefs vor (Inv.-Nr. OA 6970). Ein weiterer solcher Schrank aus
der Sammlung Rothschild vom Château de Ferrières zeigt eine
vergleichbare Verwendung der Allegorien von Frühling und Som-
mer mit identischen Schwanen-Medaillons sowie einer mit einem
Putto-Kopf verzierten Schublade (Auktion Sotheby‘s in Monaco,
3. Dezember 1994, Lot 9). Nichtzletzt kann auch das Exemplar
aus der Sammlung des Musée des Arts Décoratifs in Paris als
Vergleichsobjekt herangezogen werden (Inv.-Nr. GR 809).
CHF 35 000 / 50 000
(€ 32 410 / 46 300)
| 14
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1022
VERMEIL-BUCKELPOKAL
Augsburg, 1. H. 17. Jh. Meistermarke Theodor Riederer
oder Tobias Riederer. H 16,4 cm. 180 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 800 / 2 600
(€ 1 670 / 2 410)
1023*
PAAR „FURIETTI“ ZENTAUREN
Italien, wohl Rom, 19. Jh. Nach dem hellenistischen Vorbild eine
Allegorie auf die Jugend und das Alter. Bronze braun patiniert.
Einer ist ein reifer, bärtiger Zentaur, mit einem gequälten Ausdruck
und der andere ist ein junger lächelnder Zentaur, mit seinem Arm
angehoben. Beide Zentauren mit einem reitenden Amor. Montiert
auf maseriert bemalten, gestuften Holzsockel.
H ohne Sockel 34 bzw. 30 cm.
Während der Ausgrabung der Hadrian-Villa in Rom 1736 sollen
von Giuseppe Alessandro Furietti antike Marmor-Zentauren
entdeckt worden sein. Er brachte sie in seinen Palast, um sie nach
jahrelangen Verhandlungen 1765 Papst Clemens XIII zu verkau-
fen, der sie im Capitolinischen Museum ausstellte.
Dieses Zentauren-Motiv erfreute sich höchster Beliebtheit und
wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Grös-
sen und Materialien hergestellt. Ein Paar aus Marmor steht an der
Steinbrücke im Park des Palais Malmaison.
CHF 9 000 / 14 000
(€ 8 330 / 12 960)
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1024
GESCHNITZTER STUHL
Renaissance, Frankreich, zweite Hälfte 16. Jh. Nussbaum
reich geschnitzt mit Mischwesen, Bachanten, Harpyien
als Karyatiden und Zierfriesen. Rechteckiger rand-
moulürierter Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen
Bacchantenstützen und Tatzenfüssen. Portalförmige
ausgeschnittene Rückenlehne mit zwei Wassergreifen
als Aufsatz. Sitz abgeändert, heute mit abnehmbarem
Kissen. 43 x 44 x 93 cm.
Kleinere Ergänzungen und Reparaturen. Gebrauchsspu-
ren. Fehlstellen.
Mit einer Kopie der Expertise von Jaqueline Boccador,
Paris, 10/04/1994.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
1025*
KLEINE PASTIGLIA-KASSETTE
Renaissance, Italien, wohl Ferrara, Anfang16. Jh.
Holzkern mit Reliefdekor in Pastiglia sowie vergoldet.
Umlaufend mit figürlichen Darstellungen mit römischen
Soldaten, wohl der Geschichte von Johannes dem
Täufer. Blätter- und Zierfriesen. Rechteckiger Korpus mit
Klappdeckel mit Knauf (wohl später). 16 x 11 x 10 cm.
Füsse fehlen. Pastigliadekor mit zahlreichen Fehlstellen
sowie teils unvollständig.
Pastiglia ist die Bezeichnung für partiell pastos aufge-
tragene Masse, meist bestehend aus Kreide, gemischt
mit Pigmenten und Bindemitteln. Diese Technik wird
vor allem für die reliefartige Hervorhebung bestimmter
Darstellungen auf Tafelbildern angewandt und war schon
im alten Ägypten bekannt, wo man Mumienbildnisse mit
Pastiglia verzierte. Später fand diese Art der Reliefierung
auch in der byzantinischen Gebiet Verwendung, und ab
dem 12. Jahrhundert in Südeuropa, von wo aus sich die
Pastiglia nach Norden ausbreitete.
Vergleichbare Stücke finden sich im Metropoltan Muse-
um New York (Inventar Nr. 117.190.585) sowie im Musée
nationale de la Renaissance im Chàteau d‘Écouen bei
Paris (Inventar Nr. ECL1750).
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 17
1026*
GROSSE TAPISSERIE AUS EINER ACHTTEILIGEN
FOLGE ÜBER DIE VITA DES MARK AUREL
Atelier von Michiel Wauters (1648 -1679) oder einem seiner
Nachfolger, nach zeichnerischer Vorlage von A. van Diepen-
beeck (Bois-le-Duc 1596-1675 Antwerpen) und P.P. Rubens
(Siegen 1577-1640 Antwerpen), Antwerpen um 1655/70. Aus
der achtteiligen Folge der Vita des Mark Aurel; Schlachtenszene,
der römische Feldherr auf seinem Pferd in der Mitte des Ge-
schehens, umgeben von sich bekämpfenden Soldaten zu Pferd
und am Boden. Aussergewöhnlich breite Bordüre mit zentraler
Wappenkartusche inmitten von Girlanden, grossen Karyatiden mit
Musikinstrumenten und Waffen - dem Frieden und Krieg geweiht
- sowie Putten, Tieren und Füllhörnern. Bordüre seitlich beschnit-
ten. H 405, B 546 cm.
Restauriert, einige Fehlstellen und Reparaturen, etwas ausge-
bleicht.
Provenienz:
Privatsammlung Italien
Die achtteilige Folge der Tapisserien zur Vita des Mark Aurel
umfasst u.A. Die Kaiserkrönung, Die Prozession, Die Pest, Der
Kaiser führt seinen Sohn zu den Philosophen, Der Triumpf
des Mark Aurel und die hier angebotene Schlachtenszene. Da
nach seinem erfolgreichen Feldzug in Syrien und Ägypten in
Rom ein grosser Triumph gefeiert wurde, erscheint die These
naheliegend, dass die hier angebotene Schlachtenszene
auf den vorangegangenen Feldzug Bezug nimmt. Identische
Schlachtenszenen mit anderer Bordüre mit reichem Blumen-
und Blättermuster sind ausgestellt im Museu de Arte Antiga,
Lissabon, im Reiss-Museum, Mannheim sowie im Palazzo
Venezia, Rom.
Es existieren 3 zeichnerische Vorlagen für die hier angebotene
Tapisserie; Im Städtischen Kunstinstitut, Frankfurt a/Main (In-
ventarnr. 3107), in London und in Wien. A. Van Diepenbeeck, seit
1623 als Meister in Antwerpen tätig, begann zunächst mit Hinter-
glasmalerei, um nach 1650 Vorlagen für Tapisserien zu zeichnen:
Die Vita des Nero, Die Vita des Mose, Die Taten der Apostel, Die
Vita der Semiramis sind nur einige davon. Unsere Schlachtensze-
ne erinnert im kompositorischen Aufbau und in der Darstellung
einzelner Figuren sowohl an die Schlacht von Granicha von C.Le
Brun als auch an Gemälde von P.P.Rubens. Selbst der Aufbau der
Bordüre findet sich im Rubenschen Werk wieder; Man erinnere
sich der Folgen aus der griechischen Mythologie und Antike wie
Thetis, das Schild von Hephaestus für Achilles empfangend, oder
Achilles unter den Töchtern des Lycomedes, in welchen nahezu
identische Bordüren mit analoger Struktur zu finden sind. A. van
Diepenbeeck hat diese um 1630 entstandene Idee übernommen
und so die Vorlage für das Atelier Wauters geschaffen, welche
auch als Bordüre für eine Jagd der Diana, verkauft bei Drouot Paris
22.5.1950, Verwendung fand.
Diese Tapisserie ist abgebildet in Guy Delmarcel, La Tapisserie
Flamande als L‘Empereur Marc-Aurèle sur le champ de bataille,
Anvers, atelier de Michiel Wauters d‘après Abraham van Diepen-
ceeck, troisième quart du XVIIème siècle.
Literatur:
- Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande du XVième au XVIIIième
siècle, Tielt 1999; S.258 (mit Abb.)
- M.J. de Mendoça, As tapeçarias da historia de Marco Aurello, in:
Boltim dos Museus Nacionais de Arte Antiga 1, 1936; S. 57-67.
- N. Forti Grazzini, Museo d‘arti applicate - Arazzi, Milano 1984; S.
32-37 (Tafeln 44-56).
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 18
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1027* ♣
INTARSIERTER TISCH
indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander geschnitzt
sowie reich eingelegt mit teils gefärbtem Elfenbein und Holz in
Form von Rollwerk, Grotesken, stilisierten Blüten, Blättern, be-
kröntem Doppeladler und Löwen. Rechteckiges, leicht überste-
hendes Blatt auf gerader vierschübiger Zarge und durch Umlauf-
steg verbundenen konischen Beinen, im oberen Drittel geschnitzt
in Form von betenden Frauenbüsten mit geschweiftem Schwanz,
unten in Form von sitzenden Fantasietieren. 117 x 67 x 84 cm.
Hände einer Frauenbüste fehlen, Profilleisten an Beinen unvoll-
ständig, Reparaturen und Fehlstellen.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
Die geschnitzten Figuren auf den Beinen vergleichbar mit jenen
des Kabinetts im Kommunalen Museum Fugueira da Foz in Portu-
gal, das ins 17. Jh. datiert wird. Ein vergleichbarer Tisch befindet
sich in den Beständen des Museum von Pontevedra in Galizien.
Vgl. Grace Hardendorff Burr, Hispanik Furniture, New York 1964. S.
48 (Abb. 48).
Ein nahezu identischer Tisch wurde am 10. April 2014 verkauft bei
Christie‘s London, Lot 136. (Art of the Islamic and Indian Worlds
Including A Private Collection Donated to Benefit The University
of Oxford).
CHF 10 000 / 18 000
(€ 9 260 / 16 670)
| 20
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1030*
KLEINE ACHAT-DECKELSCHALE/SALIERE
Dresden um 17. Jh. Barock. Wohl Johann Melchior Dinglinger,
Biberach 1664 - 1731 Dresden. Achat in vergoldeter sowie teils
polychrom emailierter Montierung. Ovale, leicht passige Schale,
getragen von einem knienden Nubier mit Federrock und Ohrrin-
gen auf ovalem flachem Sockel mit zwei Schnecken, eine Muschel
ersetzt. Seitliche Henkel in Form von Fabeltieren. Perlmutt-Deckel
mit kleinen Schnecken appliziert, in vergoldeter Fassung. Innen mit
Etikette: Sammlung Hoffenreich 211. 9 x 4,5 x 8,5 cm.
Leichte Dellen. Berieben. Schnecke im Sockel defekt, 1 Schnecke auf
Deckel fehlt.
Johann Melchior Dinglinger, geboren am 3. Dezember 1664, lernte das Gold-
schmiedehandwerk in Ulm. Er kam 1692 als Geselle nach Dresden, wo er 1693 in die
Goldschmiedeinnung aufgenommen wurde. Im Jahr 1698 wurde er zum Hofjuwelier
August des Starken ernannt. Er arbeitete bis zu seinem Tod 1731 in Dresden, war fünfmal
verheiratet und hatte 23 Kinder. Dinglinger gilt als einer der bedeutendsten Goldschmiede
des Barock. Gemeinsam mit 14 Gesellen schuf Dinglinger in seiner Werkstatt prachtvolle
Kunststücke, unter anderem das „Goldene Kaffeezeug“ und den „Hofstaat zu Delhi“ mit
seinen 132 Figuren – ein Hauptwerk der barocken Juwelierkunst. Auch der russi-
sche Zar Peter der Große schätzte die prunkvollen Arbeiten und gab mehrere
Aufträge an den Dresdner Hofjuwelier. Seine Prunkwerke, zum Beispiel „Das
goldene Kaffeezeug“ von 1701 oder das „Bad der Diana“, sind im Grünen
Gewölbe in Dresden erhalten.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1028* ♣
PAAR INTARSIERTE STÜHLE
indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander, Tropen-
holz und teils gefärbtes Elfenbein fein eingelegt in Form von Roll-
werk, stilisierten Blüten und Drachenköpfen. Jonc-Sitz auf durch
Umlaufsteg verbundenen Vierkantbeinen. Gerade Rückenlehne.
Ehemals mit gepolstertem Sitz. 44 x 43 x 106 cm.
Profilleiste an Bein fehlt.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
1029
MARIA IM TEMPEL
Renaissance, Italien, Ende 16. Jh./Anfang 17. Jh. Kupfer
getrieben und ziseliert. In geschnitztem und vergoldetem
Holzrahmen, Italien, 17. Jh. Relief:
24 x 18 cm, Rahmen: 45 x 40 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 21
1031
GROSSER GESCHNITZTER SPIEGEL
MIT WAPPENKARTUSCHE
Barock, Italien, 17. Jh. Holz reich geschnitzt
sowie gefasst und teilvergoldet. Flächiger,
kartuschenförmiger Rahmen, der breite Rand
teils durchbrochen gearbeitet in Form von
Granatäpfeln, Blättern sowie Wappenkartu-
sche unter Ritterhelm und Krone. Das Wappen
dreigeteilt mit Turm und Schwein über drei
fleur de lys. Kleines zentrales Spiegelfeld.
H 210, B 143 cm.
Fehlstellen und alte Restaurationen. Fassung
und Vergoldung teils übergangen. Ritterhelm
und Krone wohl spätere Ergänzungen.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
1032
HALSUHR
Renaissance, Augsburg um 1630. Das Werk gemarkt NS, wohl Nikolaus Schmidt
d.Ä. (1549-ca. 1629). Messing teils durchbrochen gearbeitet und graviert mit
Blumen und Akanthusblättern sowie vergoldet. Oktogonales prismiertes Gehäuse,
der Bodendeckel enthält die Glocke. Silberzifferblatt graviert mit Schlossdarstellung
und römischen Stundenzahlen. Teils vergoldetes Werk mit Spindelgang und Stun-
denschlag auf Glocke. Spätere Plexiglasabdeckung. Vergoldung berieben, Repara-
turen am Werk. Werk eventuell zu revidieren. H 9,5; B 7 cm.
Zifferblatt sowie Lünette später. Räderwerk teils ersetzt.
Nikolaus Schmidt der Ältere wurde 1549 in Wiltz/Luxemburg geboren. 1576 erlang-
te er in Augsburg die Meisterwürde und heiratete die Tochter des renommierten
Uhrmachers Hans Fronmüller. Wann er verstarb ist nicht eindeutig geklärt. Es kann
davon ausgegangen werden, dass er nach 1625, aber vor 1629 verstarb. Sein Sohn,
Nikolaus Schmidt der Jüngere, war ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher. Weltweit
sind von ihm mehrere Uhren in bedeutenden Museen ausgestellt, wie im Metropoli-
tan Museum of Art in New York und im Historischen Museum, Basel.
Nikolaus Schmidt der Ältere ist verzeichnet bei Jürgen Abeler, „Meister der Uhrma-
cherkunst“, 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 503.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 22
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1033
GROSSER SPIEGEL À PARECLOSES
Barock, Venedig, 18./19. Jh. Holz und Stukko vergoldet. Rechteckiger
profilierter Doppelrahmen mit passigem Abschluss. Dekor in Form von
Blumen, Voluten sowie Zierfriesen. Das Spiegelglas graviert mit Blumen,
Gitterwerk und Voluten. Im oberen Feld Venus mit Amor, auf den Seiten-
lisenen römische Köpfe im Profil. H 168, B 113 cm.
Vergoldung teils übergangen. Stukkdekorelemente wohl später. Spie-
gelglas teils korrodiert.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
| 23
1035*
SPIEGEL
Louis XV, Venedig, 18. Jh. Holz reich beschnitzt mit stili-
sierten Blättern, Kartuschen und Voluten sowie vergoldet.
Kartuschenförmiger Rahmen mit verspiegeltem Aufsatz.
H 87 cm. B 49 cm.
Altes Spiegelglas. Alte Reparaturen, Ergänzungen und
Fehlstellen.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
1034 ♣
SCHÖNES SCHMUCKKÄSTCHEN
Portugal oder portugiesische Kolonien 17. Jh.
Ebenholz reich eingelegt mit Bein in Form von
geometrischen Friesen in rechteckigen Reser-
ven. Rechteckiger Korpus, die Front abklappbar
und öffnend auf vier Schubladen auf zwei
Reihen. Metallbeschläge und Verstärkungen.
Eisenhenkel. 25 x 17 x 14 cm.
Fehlende Intarsien. Risse in den Schubladen-
fronten.
CHF 1 000 / 1 200
(€ 930 / 1 110)
| 24
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1036*
PAAR MOHRENFIGUREN
Venedig, 1. Hälfte 18. Jh. Holz voll-
rund geschnitzt sowie gefasst und
teilvergoldet. Stehend mit Federkro-
ne und -schurz. Der eine mit Stab,
der andere mit hohem Leuchter.
H 118 cm.
Fassung übergangen. Stäbe später.
Fehlstellen.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
1037
PIETRA-DURA BILDPLATTE
Böhmen, 17. Jh. Der Werkstatt von Giovanni Castrucci
zuzuweisen. Verschiedenfarbiger böhmischer Jaspis, Achate,
diverse Halbedelsteine und Marmor eingelegt. Zentrale
bastionsförmige Darstellung des Heiligen Hieronymus in
seiner Höhle vor Landschaft mit Dorf, Fischer und Hirsch. In
geschwärztem und gewelltem Holzrahmen mit Innenrahmen,
die passigen Ecken mit Dorfansichten in Pietra-Dura-Tech-
nik. Vier kleine Reserven mit Steinintarsien. Rückseitig Reste
einer Sammlungsetikette sowie in Tinte nummeriert XLII über
Unterstrich 7, der Rahmen mit Sammlungsetikette, Nr. 27.
40 x 52 cm.
Teils fehlende Flammleisten, kleinere Fehlstellen in der Stein-
marketerie. Einige Steinteile etwas herausstehend.
Das vorliegende „Commesso in pietre dure“ oder „Florenti-
ner Mosaik“ erinnert in seiner Komposition und Materialität
an Entwürfe des florentinischen Ateliers Castrucci, welches
unter der Herrschaft Kaiser Rudolf II (1552-1612) höchstqua-
litative Steinwerkarbeiten am Prager Hof produziert. Cosimo
Castrucci, der im Jahre 1592 vom Kaiser höchstpersön-
lich aus Florenz nach Prag abbestellt wird, initiiert als „Ihrer
Majestät Edelsteinschneider“ die Aktivität des Ateliers. Unter
der Leitung seines Sohns, Giovanni Castrucci, wird die Prager
Werkstatt bis in die späten 1620er Jahren parallel zur florenti-
nischen „Galleria dei Lavori“ (Arbeitswerkstatt) weitergeführt
(Vgl. Wolfram Koeppe et al., 2008)
Das Atelier Castrucci entwickelt eine distinkte Variante der
Glyptik, die sich in der technischen Herangehensweise an
Intarsienarbeiten aus Holz orientiert. Die Spezialität der
Castrucci liegt in der Erzielung von malerischen Wirkun-
gen, welche durch die natürliche Maserung und Farbe der
regionalen Steine den Illusionismus der Komposition steigert.
So erstaunt es kaum, dass die Steinmalerei der Castrucci
besonders für Landschaftsdarstellungen taugt. Als Inspira-
tionsquelle und Vorlage für ihre Motive dienen nicht selten
Landschaften flämischer Kupferstecher, welche ebenfalls am
| 26
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Prager Hof für den Kaiser tätig waren (Vgl. Clare Vincent, 1987).
Typisches Merkmal jener Landschaften ist die Dreiteilung der
Komposition in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei der Vor-
dergrund oftmals durch eine Diagonale nach hinten abgegrenzt
ist und als narrative Ebene für Figurenstaffagen fungiert.
Dieses Prinzip herrscht auch auf unserer zentralen Bildplatte vor:
Im Vordergrund, in der unteren linken Ecke, bildet die kniende
Figur des Heiligen Hieronymus als Eremiten mit seinem Attribut,
dem Löwen, eine religiöse Bildebene. Nach hinten öffnet sich eine
profane Fluss- oder Seelandschaft mit zwei Fischer auf einem
Boot, über denen sich eine auf einem Hügel sitzende Felsenkapel-
le erhebt. Eine Fülle von weiteren Details (z. Bsp. der Kardinalshut,
die Kruzifixe, der Altar, der herunterschreitende Hirsch, die zwei
schwimmenden Enten, der heimliche Beobachter mit seinem
Hund, die architektonischen Elemente, usw.) zeugt von höchsten
technischen und künstlerischen Fertigkeiten, welche denen des
Ateliers Castrucci in keiner Weise nachstehen. Die Verwendung
von regionaltypischen Steinen wie dem böhmischen Jaspis deu-
tet ebenfalls auf eine böhmische Produktion aus dem frühen 17.
Jahrhundert hin.
Vergleichbare „commessi“ finden sich heute in den Sammlungen
berühmter musealen Institutionen. Das Kunsthistorische Muse-
um Wien besitzt gleich neun Werke, welche Cosimo bzw. Giovanni
Castrucci sowie deren Werkstatt zugeschrieben werden, wovon
besonders eine Landschaft mit büssender Hl. Maria Magdale-
na grosse Ähnlichkeit zu unserem Werk aufweist (Inv.-Nr. 3006,
Kunstkammer, KHM).
Literatur:
- Clare Vincent, „Prince Karl I of Liechtenstein‘s Pietre Dure Table-
top“, Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, S. 157-178.
- Wolfram Köppe (Hrsg.) und Anna Maria Giusti mit Beiträgen von
Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kap-
pel, Florian Knothe und Ian Wardropper, „Art of the Royal Court:
Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe“, MET Publi-
kation, New York, 2008, S. 29 ff.  S. 219-229.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
| 27
1038* ♣
BOULLE PENDULE AUF SOCKEL
Régence/Louis XV, Paris um 1745. Das Zifferblatt sowie Werk
signiert Le Lievre à Paris (Le Lièvre tätig bis 1784). Geschweiftes
Pendulengehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie
eingelegt mit graviertem Messing in Form von Rankenwerk und
Blumengirlanden. Vergoldeter Bronzedekor in Form von Blättern,
Muscheln, Drachenköpfen. Jupiter in Form eines Putto mit
Adler als Aufsatzfigur. Türbronze mit zwei Putten. Reliefiertes
Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen, arabischen Mi-
nuten- und römischen Stundenzahlen. Werk mit Ankergang und
Halbstundenschlag auf Glocke. Bronzen mit C couronné.
1 Schlüssel. 39 x 20 x 105 cm.
Bronzen neu vergoldet. Fehlstellen an der Marketerie. Rückseiti-
ge Türe verzogen.
CHF 5 000 / 9 000
(€ 4 630 / 8 330)
1039*
FEIN GESCHNITZTER SPIEGEL MIT DEM WAP-
PEN DES FRANZÖSISCHEN KÖNIGSHAUSES
Louis XIV/Régence, Paris um 1720. Holz fein mit Rocail-
len, Blattvoluten, Muscheln, Zierfriesen, Gitterwerk und
Kartuschen beschnitzt sowie vergoldet. Rechteckiger
profilierter Rahmen mit doppelt geschweiftem oberem
Abschluss. Fronton mit dem Wappen des Königs von
Frankreich und Navarra in Kartusche unter Krone, flankiert
von zwei Flügeln sowie gerahmt vom Orden des Heiligen
Geistes und vom Michaelsorden. Die oberen Ecken tragen in
Kartuschen das Monogramm von Louis XIV.
107 x 77 cm.
Vergoldung berieben, kleinere Fehlstellen und Restaurationen.
Späteres Spiegelglas.
Der hier präsentierte Spiegel diente in seinem Ursprung wohl als
Rahmen für ein königliches Portrait. Anlass zu dieser Annahme
geben mehrere vergleichbare Spiegel, welche allesamt als
Bilderrahmen fungierten. Jene Vergleichstücke zeigen
oft eine Kartusche mit den Wappen Frankreichs, was
eindeutig auf eine royale Gebrauchsfunktion hinweist.
Als Beispiel für einen solchen königlichen Rahmen
kann ein Exemplar aus den Sammlungen von Mr. und
Mrs. Wrightsman aus ihrer Residenz in Palm Beach
angeführt werden, der bei Christie‘s New York am 24.
Mai 2000, (Lot 210) verkauft wurde.
Diese Art von Rahmen im neoklassischen Stil
wurde auch noch im zweiten Teil des 18. Jahrhun-
dert hergestellt, wovon insbesondere ein Modell
mit Lilien und Waffentrophäen, präsentiert bei
Daguerre in Paris am 4. November 2011 (Los 130),
zeugt.
Ein weiteres Exponat befindet sich in der Sammlung
des Getty Museum in Malibu (illustriert in G. Wilson und
C. Hess, Zusammenfassender Katalog der europäischen
dekorativen Künste im J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 2001,
S. 59, Katalog Nr. 116).
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 28
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1040
DIE SECKENDORFF‘SCHE KOMMODE
HOCHBEDEUTENDE UND SELTENE BAROCKKOM-
MODE DES FRANCOIS LIEUTAUD (CA.1665-1748)
NACH EINEM ENTWURF VON JEAN BERAIN, AUS
DEM BESITZE DES REICHSGRAFEN CHRISTOPH
FRIEDRICH VON SECKENDORFF-ABERDAR (1679-
1759) DIPLOMAT UND BRANDENBURG-ANSBACHI-
SCHER MINISTER
Frankreich, Paris um 1728/30. Amaranth auf Eichenkorpus
furniert und parkettiert. Längsformatiger Korpus auf vier elegant
geschweiften Beinen und leicht bogenartig ausgeschnittener
Zarge. Randgefasstes und profiliertes Blatt mit eingelasse-
nen Messingfilets und gefriest parkettierter Fläche. Die Front
in zwei Schubladenränge unterteilt. Vier obere, rechteckige
Schubladenfronten und zwei untere Schubladen, bogenförmig
ausgeschnitten, als Rahmung der vergoldeten Bronzemaske.
Sehr feine Handhaben mit Rosettenschmuck und ebenfalls fein
überarbeiteten Schlüssellochzierden. Die Sabots aus Rankenwerk
als Palmetten geformt und gelockt endend. Die Schmalseiten,
gleich der gesamten Front und den Beinen, mit Messingfilets und
dünneren Schattenfilets gerahmt. Die Flächen wiederum mit ge-
friesten Bandmotiven à chevrons parkettiert. Massive Schlösser
mit vergoldeten Abdeckungen. Der Schlüssel mit Wappen des
Reichsgrafen von Seckendorff-Aberdar. 80 x 130 x 65 cm.
Provenienz:
- Wohl durch Carl-Friedrich-Wilhelm, Markgraf von Branden-
burg-Ansbach (1712-1757) um 1730 bei François Lieutaud in
Paris erstanden und später als Geschenk an seinen Minister:
- Reichsgraf Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar (1679-
1759), Diplomat und brandenburg-ansbachischer Minister
- Durch Erbfolge in derselben Adelsfamilie bis:
- Auktion Sotheby’s Zürich, 1. Dezember 1998, Los Nr. 353
- Schweizer Privatbesitz
Die hier angebotene Kommode ist direkt inspiriert vom mittleren
Teil einer Kommode, für die der Entwurf um 1700 von Jean Bérain
gezeichnet und von Mathieu Daigremont gestochen wurde.
Unsere Kommode ist somit sehr nahe verwandt mit der um 1695
zu datierenden Kommode, welche sich in der Wallace Collection in
London findet (Inv. Nr. F 405) und die dem Entwurf Bérains auch in
der Gestaltung der Schmalseiten und der Beine entspricht.
Die Anordnung von sechs Kommodenschüben, verteilt auf drei
Schubladenränge, in der Art wie sie unsere Kommode aufweist,
erinnert an die Entwürfe des André-Charles Boulle, wie wir diese
im Möbelbau an einer Kommode umgesetzt finden, welche sich
in den Sammlungen der Herzöge von Roxburghe befand (Auktion
Christie’s London, 31. Mai 1956, Los Nr. 159). Ebenfalls typisch
für die Arbeiten Boulles ist die Anordnung einer Maske zwischen
zwei Schüben, eingelassen in eine gemuldete Vertiefung, so wie
sie unsere Kommode aufweist und wir sie an zwei Kommoden in
den Sammlungen des Louvre in Paris finden (Inv. Nr. OA 5477 und
OA 5478).
Unsere Kommode entspricht dem gereiften, ästhetischen Emp-
finden im französischen Möbelbau kurz nach der Regierung Louis
XIV und ist also in die Zeit um 1730, in die Régence zu datieren.
Owohl nicht signiert, kann die Seckendorff’sche Kommode, mit
Sicherheit dem Ebenisten François Lieutaud (ca.1665-1748)
Jean Bérain d.Ae. Entwurf für eine Kommode. Paris 1711.
| 30
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
zugewiesen werden. François Lieutaud wurde um 1665 in eine
Familie von Bildhauern geboren. Nach seiner Ausbildung zum
Tischlermeister, welche Lieutaud in Marseille absolvierte, zog er
zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Paris, wo er sich als Ebe-
nist voll entfalten und eine einzigartige Karriere erleben durfte.
Lieutaud war Grossvater des berühmten Balthazar Lieutaud, der
das Familienunternehmen noch bis zum Ende des 18. Jahrhun-
derts weiterführte.
Der Einfluss von André-Charles Boulle auf das Werk Lieutauds
ist gerade an der Seckendorff -Kommode sehr gut ersichtlich.
Lieutaud fertigte seine Bronzen meist nach eigenen Entwürfen
und Modellen, liess aber auch Bronzen speziell für einen Auftrag
fertigen. Die aussergewöhnliche Fähigkeit, welche Lieutaud in
Bezug auf die Anpassung an verschiedene Modeströmungen be-
sass, zeigt sich besonders auch am Schreibtisch der Grafen Palffy
(Auktion Sotheby’s Monaco, 8. Dezember 1989, Los Nr. 603) und
vor allem am Schreibtisch in Schloss Berchtesgaden (Wittelsba-
cher Ausgleichsfond, Langer 1995, Nr. 73). Beide Schreibtische
sind einem weiteren, etwas früher zu datierenden Schreibmöbel
aus der Sammlung James A. de Rothschild in Waddesdon Manor,
sehr verwandt. Ein wiederum diesem letzteren Schreibmöbel
sehr ähnlicher Schreibtisch, welcher sich im Pariser Kunsthan-
del befand, weist eine Marketerie mit sogenannten Chevrons
(Fischgrätmuster) auf, welche der Oberflächenfurnierung unserer
Kommode entspricht.
Die sich an der Seckendorff’schen Kommode befindlichen Bron-
zen, als herausragendes Zierelement, finden sich an verschiede-
nen Werken Lieutauds wieder, so an einem von Lieutaud gestem-
pelten Bureau plat in der Ansbacher Residenz.
Die Seckendorff’sche Kommode nimmt in der Chronologie der
Stilentwicklung im Werk Lieutauds eine herausragende Rolle ein,
ganz besonders für seine Kommodenmöbel, welche nach 1730
entstanden sind.
Die eigentliche Bedeutung unserer Kommode liegt aber nicht nur
in ihrer ausserordentlichen Stellung, welche sie im französischen
Möbelbau einnimmt, es ist der Einfluss vor allem, den sie in den
Jahren nach 1730 auch auf die deutsche Möbelkunst ausübte, die
nicht unerwähnt bleiben darf.
Die Frage nach der ursprünglichsten Provenienz der Secken-
dorff’schen Kommode stellte sich bereits anlässlich des Verkaufs
der Kommode 1998. Damals war man davon ausgegangen, dass
diese wohl immer in Seckendorff’schem Besitz war. Dr. Christoph
Graf von Pfeil stellte aber in seiner nur ein Jahr nach der Zürcher
Sotheby’s- Auktion erschienen Publikation zu den Möbeln der
Ansbacher Residenz fest, dass die Seckendorff’sche Kommode
von Lieutaud wohl in den Jahren zwischen 1728-30 durch den
Ansbacher Hof und seinen Regenten, Carl-Wilhelm-Friedrich
(regiert 1723-1757) in Paris für die Residenz angekauft wurde
und erst zu späterem Zeitpunkt durch den Markgrafen an seinen
sehr verdienten Minister Reichsgraf Christoph-Friedrich von
Seckendorff-Aberdar als Schenkung überging. Die Reichsfreiher-
ren und Reichsgrafen von Seckendorff bekleideten während des
ganzen 18. Jahrhunderts wichtigste Stellungen in der Markgraf-
schaft Ansbach. Christoph-Friedrich von Seckendorff war unter
Markgräfin Christiane-Charlotte und bis zum Tode ihres Sohnes,
des Markgrafen Carl-Wilhelm-Friedrich Premierminister und
Geheimer Ratspräsident. Durchaus wäre es dem Reichsgrafen
Seckendorff möglich gewesen, über die Verbindungen des mark-
| 31
gräflichen Hofes in Paris direkt
bei Lieutaud kaufen zu können.
Doch ist der Ankauf eines so unge-
heuer teuren Möbels, auch für einen
wohlhabenden fränkischen Adeligen
für die damalige Zeit kaum vorstellbar. Die
Schenkung des Möbels durch den Markgrafen an
seinen verdienten Minister ist deshalb der Schlüssel
zur wirklichen Provenienz des Möbels, das mindes-
tens 250 Jahre in Seckendorff-Besitz verblieb. In die
Zeit der Datierung unseres Möbels, also um circa
1730, fällt auch der Kauf verschiedener Möbel in Paris
durch den Hof in Ansbach, darunter ein erhaltenes
Bureau plat, welches von Lieutaud gestempelt ist und
identische Schlüsselschilder und Sabots aufweist,
wie wir diese an unserer Kommode vorfinden. Der
Ebenist war dem Ansbacher Hof bekannt und so ist
mit allergrösster Sicherheit davon auszugehen, dass
auch unser Möbel in die Reihe dieser Ankäufe bei
Lieutaud fällt. Diese Möbel, insbesondere aber wohl
unsere Kommode, dürften einen wichtigen Einfluss
auf die Möbelproduktion eines der bedeutendsten
deutschen Ebenisten des 18. Jahrhunderts, den Ans-
bacher Hofebenisten Martin Schuhmacher, gehabt
haben. Schuhmacher war 60 Jahre lang, von 1720
bis 1781 Ebenist in Ansbach. Die schlichte aber so
unglaublich elegante Linienführung unser Kommode,
besonders aber deren Furnierung mit der Parketterie
„à chevrons“ wurde von Martin Schuhmacher unmit-
telbar nach Eintreffen der Lieutaud-Möbel aus Paris,
in der Hofwerkstatt umgesetzt, so ganz besonders
eindrücklich am Schreibschrank mit verspiegelten
Türen, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 2. Vorzim-
mer der Markgräfin, Gobelinzimmer, R 14) und am
Kommodenpaar des Meisters
Schuhmacher, Ansbach, um
1730/40 (Residenz Ansbach, 1.
Vorzimmer Gästeappartement,
Monatszimmer, R 23). So gehört denn
kein Möbel so sehr wie die Seckendorff’sche
Kommode in diese bedeutende Reihe von
Möbeln, welche alle untrennbar mit der Ansbacher
Residenz und seines Markgrafen, Carl-Fried-
rich-Wilhlem verbunden sind.
Unser Dank gilt den Herren Dominique Augarde,
Thomas Boller und Jean Nérée Ronfort (†) für die
Katalogisierung bzw. Überarbeitung des Katalog-
textes zu der hier angebotenen Kommode.
Vgl. Dr. Christoph Graf von Pfeil, Die Möbel der Resi-
denz Ansbach, München, 1999, S. 27 mit Abbildung
der Seckendorff’schen Kommode von François
Lieutaud und S. 98 -102 für den Schreibschrank
und das Kommodenpaar von Martin Schuhmacher
für die Residenz Ansbach.
Peter Hughes, The Wallace Collection, Catalogue
of Furniture II, London, 1996, Abb. S. 637 für die
Kommode nach dem Entwurf von Bérain.
Brigitte Langer, Die Möbel der Residenz München,
Die französischen Möbel des 18. Jahrhunderts,
München, 1995.
CHF 150 000 / 250 000
(€ 138 890 / 231 480)
| 32
1043*
PAAR FOH-HUNDE AUF
BRONZEMONTIERUNG
Die türkis glasierten Keramikfiguren China,
Ming-Stil, 19. Jh.; die Bronzesockel, Frank-
reich, 20. Jh. Die beiden Fohhunde auf ton-
nenförmigem Sockel, ehemalige Dachreiter.
Die rechteckige Bronzemontierung mit
Blattfries und auf Tatzenfüssen.
20 x 21,5 x 29 cm.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1041*
GROSSE KASSETTE
Louis XIV, wohl Niederlande um 1700. Palisander und Veil-
chenholz gefriest sowie „en papillon“ eingelegt. Rechteckiger
Korpus mit aufklappbarem Deckel und abklappbarer Front.
Inneneinteilung mit grossem Fach, im Deckel 2 kaschierte
Fächer und 2 nebeneinander liegenden Schubladen. Geheim-
fächer und -schubladen. Feine Bronzebeschläge.
37 x 26 x 23 cm.
CHF 1 200 / 2 200
(€ 1 110 / 2 040)
1042*
KONSOLE
Napoléon III in Anlehnung an den Regence-Stil,
Frankreich, 19. Jh. Holz durchbrochen und
beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen
und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifte,
trapezförmige, profilierte, rot/weisse Marmor-
platte (später) auf durchbrochener, wellig aus-
geschnittener Zarge mit durch Kartuschen-
steg verbundenen Volutenstützen. Wenige
Fehlstellen, Restaurierungen. Ergänzung an der
linken Zarge. 102 x 53 x 83 cm.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 34
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1044*
TAPISSERIE „ALLEGORIE ASIENS“
Napoléon III, Frankreich, nach einer Vorlage
des 18. Jh. Rechteckig. Darstellung des Kai-
sers von China in baldachinartigem Unter-
stand im Beisein von zahlreichen Tieren und
Personen. 232 x 189 cm.
Starke Farben, perfekter Zustand.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1045
EIN PAAR MOHRENBÜSTEN
Spätbarock, Italien, 19. Jh. Schwarzer,
weisser und polychromer Marmor. Weibliche
bzw. männliche Mohrenbüste mit stilisierter
Rüstung. Auf späterem geschwärztem Holz-
sockel. H 85 cm.
Provenienz
- Aus einer hochbedeutenden europäischen
Privatsammlung.
- Auktion Koller, Dezember 2010, A155 Lot
1026.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
| 35
1046
GROSSER SPIEGEL
Régence, Frankreich um 1720. Holz geschnitzt mit
Blattvoluten, Muscheln, Gitterwerk sowie vergoldet.
Rechteckiger, oben leicht gerundeter profilierter Rah-
men mit Muschelaufsatz und Frauenkopf.
H 207, B 99 cm.
Risse. Vergoldung berieben, Spiegelglas leicht korro-
diert.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1047
MESSKELCH
Mülhausen, 1. Hälfte 18. Jh. Meister-
marke wohl Abraham Mayr. Auf ge-
wölbtem, glockenförmigem Fuss. Reich
geschmückt mit Puttiköpfen, Blumen-
bouquets, Muschelwerk und Rocaillen.
Schaft mit doppeltem Nodus. Kuppa
entsprechend. Mit zwei assortierten
Patenen. H 27,3 cm. Zus. ca 765 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 6 000
(€ 2 780 / 5 560)
| 36
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1048*
RELIGIEUSE
Louis XIV, Paris um 1680. Das Werk und Zifferblatt signiert
Louis Ourry à Paris (Louis Ourry Meister 1693). Holzge-
häuse mit Schildpatt belegt sowie vergoldete Bronze.
Rechteckiges Gehäuse mit eingezogenem Abschluss,
die Ecken bekrönt von vier geflammten Vasenaufsätzen
sowie mit grosser zentraler Vase. Auf Tatzenfüssen mit
Widderköpfen. Dekor in Form von Lyra, Blättern, Büsten
und Streitwagen mit Pegasus. Reliefiertes und vergoldetes
Messingzifferblatt mit weissen Emailkartuschen für römi-
sche Stunden. Gebläute Zeiger. Werk mit Spindelhemmung
sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zugrepetition mit
Viertelstundenschlag auf 3 Glocken. Aufziehschlüssel.
60 x 33 x 116 cm.
1 Hammer fehlt. Schlagwerk zu überholen. Guter restauri-
erter Zustand. Drei Emailkartuschen restauriert und leicht
verfärbt. Türschlüssel fehlt. Vordere Eckbronzen sowie
Füsse später.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
1049
KOMMODE
Louis XIV/Régence, Paris um 1710/20.
Rosenholz und Palisander gefriest und
eingelegt in Reserven. Rechteckiger
Korpus auf wenig ausgeschnittener
Zarge und Stollenfüssen. Leicht ge-
schwungene Front mit vier Schubladen
auf drei Rängen zwischen mit Messing-
kanneluren versehenen gerundeten
Eckstollen. Die Schubladen unterteilt
durch horizontale Messingkannelu-
ren. Vergoldete Bronzebeschläge in
Form von Maskarons, Blattvoluten und
Rosetten. Wohl assortiertes, Campan
Grand Melange Marmorblatt.
2 Schlüssel. 125 x 62 x 83 cm.
Restauriert. Fehlstellen.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 37
1052*
SPIEGEL „AUX DRAGONS“
Régence, Frankreich um 1720/30. Holz geschnitzt mit Rocaillen,
Muscheln, Blumengirlanden und Blattvoluten sowie grau/braun
gefasst und teilvergoldet. Rechteckiger, passig geschweifter pro-
filierter Rahmen mit kartuschenförmigem Trophäenaufsatz, die
Ecken mit Drachen beschnitzt. H 139, B 70 cm.
Fehlstellen und Retuschen an der Fassung. Vergoldung berieben.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
1051
HENKELSCHALE
Wien, 1737. Meistermarke wohl Andreas Josef Rath. Passig ge-
schweifte Form. Beidseitig Griffe.
L 36 cm. 1005 g. 800er-Silber.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 600 / 1 000
(€ 560 / 930)
1050
1 PAAR ASSORTIERTE DECKELTERRINEN
London 1792. Meistermarke John Edwards III. Und Dublin 1815.
Meistermarke Daniel Egan. Glattwandige Rundform auf drei Mu-
schelfüssen. Beidseitig Henkel. Deckel mit Ringknauf.
D ca. 23,5 cm. Zus. 2745 g. 925er-Silber.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 2 000 / 4 000
(€ 1 850 / 3 700)
| 38
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1053
KABINETTAUFSATZSCHRANK MIT DEM WAPPEN DER
FAMILIE ZUR GILGEN
Barock und später, Luzern, 18. Jh. Nussbaum, Zwetschge, Ahorn,
Maser sowie 11 Pietra-dura-Paneele eingelegt mit feinen Zinnfi-
lets. Kabinettoberteil in architektonischer Form mit durchbrochenem
Balustradenkranz über Kranzschublade auf späteren Quetschfüssen.
Front mit Doppeltüren, gegliedert durch drei freistehende Rundsäulen
mit korinthischen Kapitellen. Öffnend auf reiches Innenleben mit zwölf
Schubladen, gruppiert um eine zentrale Türe sowie gegliedert durch je
zwei korinthische Viertelsäulen und Pilaster (mit Marmoreinlagen). Die
innere zentrale Türe wiederum öffnend auf neun Schubladen, eine
mit Geheimfach. Die ausseren Schubladenfronten sowie
Türe belegt mit Pietra-dura Mosaiken, Darstellung von
Architektur. Das Unterteil (später, unter Verwendung
alter Teile) mit rechteckigem, markant überstehendem
Blatt, eingelegt mit dem Familienwappen zur Gilgen in
Reserve und abgeschrägten vorderen Ecken auf ausge-
schnittenem Konsolenfuss und Sockelplatte. Front mit zwei
bastionsförmig kassettierten Türen zwischen Nischen mit
Muschelabschluss. Ober- sowie Unterteil mit bastionsförmi-
gen Kissen belegt. 3 Schlüssel. 164 x 83 x 172 cm.
Stark restauriert und ergänzt. Kleinere Fehlstellen und Ge-
brauchsspuren.
Der Name Zur Gilgen gehört zu einer Luzerner Patrizierfami-
lie, die vermutlich wegen eines Hausnamens um 1450 ihren
Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen än-
derte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb (Gilg = Li-
lie). Ob Ulrich, der 1315 aus der Gegend von Strassburg nach
Luzern gekommen sein soll, der Stammvater ist, ist fraglich. Der
erste sichere Vertreter der Fam. ist der Tuchhändler und Bücherschrei-
ber Hans Getzenheim aus Trechtingshausen (Kurmainz), der 1428 das Luzerner
Bürgerrecht erwarb. Sein Sohn Hans, Tuchhändler, wurde 1454 Luzerner Grossrat
und 1475 Kleinrat. Im 16. und 17. Jh. sassen die zur Gilgen mit Unterbrüchen in
den Räten, im 18. Jh. mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig.
Sie stellten zwei Schultheissen (u.a. Aurel) und im 19. Jh. zwei Regierungsräte (u.a.
Alois). Bonifaz, Abt von Pfäfers, und Josef (1656-1706), während dessen Amts-
zeit als Abt von St. Urban das dortige Chorgestühl geschaffen wurde, bekleideten
höhere kirchliche Ämter. Melchior erwarb um 1506-10 die Herrschaft Hilfikon und
1514 die Vogtei Sarmenstorf, die bis 1628 in Familienbesitz blieben. Er baute in
Luzern 1507-10 das Haus zur Gilgen mit dem wieder aufgebauten, markanten
Baghardsturm, das nach seinem Tod den Besitzer wechselte und 1571 von Ludwig
zurückgekauft wurde. Aurel stiftete 1681 das Haus und den Turm als Fideikom-
miss, das zu Beginn des 21. Jh. noch bestand. (Angaben: Historisches Lexikon der
Schweiz, Version 17.11.2015)
Die barocke Möbelproduktion in Luzern ist besonders und unterscheidet sich von
derjenigen in Bern, Basel oder Zürich. Auf Grund seiner Lage an den wichtigen
Verbindungen zwischen Norden und Süden machen sich stilistisch speziell die
Einflüsse aus Italien und Deutschland bemerkbar, die sich in oft einfacheren aber
kräftigen Grundformen, reichem geschnitztem Schmuckwerk sowie auwändigen
Intarsienarbeiten manifestieren. Eine aktive adelige Führungsschicht sowie die
römisch-katholische Kirche als Auftragsgeberin führen im 18. Jh. zu einer Blütezeit
des Luzerner Möbels. Das hier angebotene Möbel weist gleich mehrere für Luzer-
ner Mobiliar typische Eigenheiten auf. Nach Italien und Deutschland verweisend,
ist die Verwendung der Pietra-dura-Technik im Inneren des Kabinetts. Ein Schreib-
schrank von Ferdinand Plitzner mit ganz ähnlichen Pietra-Dura-Einlagen von 1710
befindet sich in Schloss Wiesentheid. Als Herstellungsort der Pietra-Dura-Arbeit
wird Augsburg oder Böhmen angegeben (Heinrich Kreisel und Georg Himmelhe-
ber. Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 2. München 1983. Nr. 186.)
Literatur mit Abbildung:
Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät-
renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 84, Nr. 25.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 40
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Wappen der Luzerner Familie Zur Gilgen
| 41
1055
VERMEIL TABATIERE
18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer reliefierten Dar-
stellung des Peleus, der Cheiron seinen Sohn Achilles anvertraut,
umgeben von Voluten und Rocaillen. 9,4×4,7×2,2 cm. 90 g.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 250 / 350
(€ 230 / 320)
1054
GROSSE BOULLE PENDULE AUF SOCKEL
Régence/Louis XV, Frankreich, Paris, um 1730/40. Das
Zifferblatt signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert
Bunon). Geschweiftes Gehäuse belegt mit braunem
Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in
Form von Blumen und Ranken. Eingezogener Amo-
raufsatz. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von
Drachenköpfen, Fabeltieren, Maskaron und Blättern.
Türzierde in Form eines Cello spielenden Jungen.
Reliefiertes Zifferblatt mit Emailkartuschen für die
römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern.
Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf
Glocke. 1 Schlüssel. 50 x 25 x 111 cm.
Vergoldung berieben. Werk zu überholen. Marketerie
restauriert. Risse und Ausbrüche im Email.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 42
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1056
BOULLE-PENDULE AUF SOCKEL
Régence, Paris um 1720. Das Werk und Ziffer-
blatt signiert CH. LE ROY À PARIS. Charles Le Roy,
Meister 1733. Geschweiftes Holzgehäuse mit
Boulle und Contre-Boulle Marketerie in gefärbtem
Schildpatt, Messing, Horn und Perlmutt in Form
von Ranken, Blumen und Rosetten. Reiche Bronze-
beschläge in Form von Delphinen, Espagnoletten,
Maskaron, Engelsköpfen etc. sowie Putto als
Aufsatz. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen
Emailkartuschen. Werk mit Spindelgang und
Halbstundenschlag auf Glocke. Der Sockel aus der
selben Zeit weist in der Marketerie unterschied-
liche Farben auf, evtl. ersetzt. Gehäuse etwas zu
überholen. 49 x 24 x 124 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1057
VERMEIL TABATIERE
Wohl Paris, Ende 18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer relie-
fierten Darstellung zwischen Voluten und Rocaillen. 7×5×1,8 cm. 95 g.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 250 / 350
(€ 230 / 320)
| 43
1059*
KOPPCHEN UND EINE UNTERSCHALE MIT
CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-25. Bemalung in der Werkstatt von
Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler.
Chinoiserieszenen in Vierpasskartuschen in Gold mit Laub-
und Bandelwerk in Eisenrot. Am Rand Goldspitzenbordüren.
Im Fond des Koppchens eine chinesische Gartenlandschaft
in eisenroter Doppelringbordüre. Goldmarke Doppelpunkt
auf dem Koppchen, 72. auf der Unterschale.
D 7,4 cm. 12,8 cm.
Minime Randbestossung.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
1058
TELLER MIT SELADON-
GRÜNEM FOND UND KAUF-
FAHRTEISZENEN
Meissen, um 1730. Seladonfar-
bener Fond mit einer vielfach
gebogten Reserve im Spiegel
bemalt mit drei indianischen
Blumenzweigen um einen Schmet-
terling im Zentrum. Auf der Fahne
drei passige Kauffahrteiszenen
wohl von Friedrich Christian Herold,
gold gerändert. Unterglasurblaue
Schwertermarke. D 23,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Ein Vergleichsstück in der Samm-
lung Erich von Goldschmidt-Roth-
schild, Christie‘s Geneva, 9.5.1988,
Lot 122 (ohne Abb.).
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 44
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1060
ZWEI SELTENE DECKELSCHALEN MIT SELADON-
GRÜNEM FOND
Meissen, um 1730. Für das Japanische Palais in Dresden mit der
Johanneumsnummer „N=196. w”. Runde Form, der Deckelknauf
in Form Kaninchens in Gold. Seladongrüner Fond mit goldgerän-
derten Vierpasskartuschen und ostasiatischer Blumenmalerei.
Eine Schale mit unterglasurblauer Schwertermarke, die andere
mit emailfarbenen Schwertern in Purpur. Johanneumsnummern
„N=196. w” eingeritzt und geschwärzt auf allen vier Teilen. Ritzzei-
chen / im Standring einer Terrine. H 10,5 cm. D 13,4 cm.
Deckel und Schale einer Terrine leicht bestossen.
Provenienz:
- Königlich–Sächsische Sammlungen, Japanisches Palais Dres-
den.
- Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Versteige-
rung Ball  Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
- Schweizer Privatsammlung.
Unter den Lieferungen ab 1732 für das geplante Japanische Palais
für August den Starken, befand sich auch eine grosse Anzahl
von seladon-glasierter Ware mit indianischen Blumendekoren.
Höroldt hatte auf Initiative der Manufakturdirektion ab 1726 neue
Fondfarben entwickelt, darunter Meergrün, auch Celadon oder
Seladon genannt.
Auf der Liste von 1736 mit der Lieferung vom Dresdener Waren-
lager an das Japanische Palais findet sich auch folgender Eintrag:
„38 St. grünglasurte kleine Suppenschalen ohne Henckel” (Boltz ,
Keramos 153/1996, S. 96).
Die Pläne für die Neueinrichtung des Japanischen Palais im
Obergeschoss war dem Meissener Porzellan vorbehalten, wobei
für jeden Raum Porzellan in einer anderen Farbigkeit vorgesehen
war. Seladongrüne Vasen und Geschirre wurden für das südwest-
liche Eckkabinett eingeplant. Einer im November 1733 in Meissen
aufgegebene umfangreichen Bestellung für das Japanische Palais
ist zu entnehmen, dass in den bunten Fonds der Porzellane, Gold
eingefasste Reserven ausgespart werden sollten, die nur mit „we-
nige Malerei” zu füllen seien. (Julia Weber, Meissener Porzellane
mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München 2013, Bd. I,
S.63 und Bd. II, S. 403-405).
Nach vorzeitiger Beendigung der Neueinrichtung des Palais,
fanden 1769 auch folgende Objekte Eingang in das Inventar des
Turmzimmers der Dresdener Residenz und wurden unter Nr. 196
wie folgt aufgelistet: „Sechzehen Stück celadon Couleur glassurte
Suppen-Schaalen mit Deckeln, worauf kleine Caningen sitzen,
und weißen Schildern mit goldnen Rändgen eingefaßt, worinnen
Blümgen gemahlt, jede 4½. Zoll hoch, 5½. ? Zoll in Diam:“ (Claus
Boltz, Keramos 1996, S. 80).
Vergleichsstücke: Auktion Christie‘s London, 28.3.1977, Lot 39
(Sammlung Maurice de Rothschild); Düsseldorf Hetjens Museum
1997, Ausst.-Kat. Frühes Meissener Porzellan, S. 52 Nr. 28; Auktion
Bonhams London, 15.5.2011, Lot 175.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Ver-
steigerung Ball  Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
Vergoldung berieben, ein Koppchen mit Haarriss.
Provenienz:
Aus altem Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
1061
SECHS KOPPCHEN UND UNTERSCHALEN
MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723–24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Jedes Stück mit
Chinesen beim Müssiggang, Fischen und bei der Teezubereitung,
in vierpassigen Goldkartuschen mit braunem Lüster und Laub-
und Bandelwerk in Eisenrot und Purpur. Im Fond der Koppchen
eine Gartenlandschaft in einer eisenroten Doppelringbordüre. Am
Rand Goldspitzenbordüren. Auf der Rückseite eisenrote Ringbor-
düren. Goldmarke K. H 4,2 cm. D 12,2 cm.
1062
UNTERTASSE MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt. Bemalt mit einem Chinesen, Wasser aus
einem Trog schöpfend, in einer vierpassigen Goldkartusche
mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Der Rand mit
Goldspitzenbordüre. Emailblaue Schwertermarke, Ritzzeichen /.
D 13,5 cm.
Vergoldung der Kartusche teilweise berieben.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 500 / 700
(€ 460 / 650)
| 46
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1063
KUMME MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Bemalt mit Chi-
noiserieszenen auf Grasstreifen in Goldkartuschen mit Laub- und
Bandeldekor in Eisenrot. Seitliche indianische Blumenzweige und
Goldspitzenbordüren. Goldmarke K. D 17,5 cm.
Kleine Bestossung am Standring, Vergoldung minim berieben.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1064
HENKELBECHER MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt. Die Henkel vergoldet. Auf einer Seite mit
einem heimkehrenden Krieger begrüsst von einem Kind und sei-
nem Diener, auf der Rückseite mit einem Chinesen bei der Heim-
kehr zu seiner Frau, in vierpassigen Goldkartuschen mit Laub- und
Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Am Rand Goldgitterbordüre.
Emailblaue Schwertermarke und Goldziffer 8. H 8 cm.
Vergoldung berieben, Randbestossung.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 500 / 700
(€ 460 / 650)
| 47
1065
INTERESSANTE BODENSTANDUHR MIT DATUM
UND SEKUNDE, ZEITGLEICHE SOWIE EWIGEM
KALENDER
Régence, Paris um 1730/40. Das Zifferblatt und Werk signiert
Ageron à Paris. François Ageron, Meister 1741. Rosenholz, Veil-
chenholz und Satinholz eingelegt à la reine sowie in Reserven.
Mehrfach eingezogenes und geschweiftes Gehäuse auf geradem
Sockel. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachen, Rocail-
len, Muscheln, Schnecken und Blättern. Gravierter versilberter Zif-
ferring mit römischen Stundenzahlen sowie arabischen für Datum
und Sekunden um vergoldetes Zentrum. Verstellbarer äusserer
versilberter Ring mit Monaten, Sekunden und Datum für einen
manuellen ewigen Kalender. Vergoldete durchbrochene Minuten-
und Stundenzeiger sowie gebläute Datum- und Sekundenzeiger.
Werk mit Grahamhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke.
Zeitgleiche (equation du temps). 2 Eisengewichte. 1 Schlüssel.
54 x 30 x 202 cm.
Gehäuse restauriert. Risse und Fehlstellen in Marketerie. Bruch in
Bronzeapplikation. Geringer Teil des Werkes entfernt, wohl Arre-
tierung des Gehwerks.
François Ageron war ein brillanter Uhrmacher und bekannt für
seine qualitativ hochstehenden, meist komplizierten Werke. Das
einzigartige Werk der hier angebotenen Standuhr verfügt über
einen manuell nachführbaren ewigen Kalender, der in der Funkti-
onsweise an ein Astrolabium erinnert.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 48
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1066*
BEDEUTENDE UND FEIN GESCHNITZTE KONSOLE
„AUX DRAGONS“
Régence, Nordfrankreich oder Deutschland um 1725/30. Holz
reich geschnitzt mit Rocaillen, Blumen, Blättern und Gitter-
werk sowie vergoldet. Trapezförmiges, passig geschweiftes
und randmoulüriertes rot/weisses Marmorblatt auf geschweift
ausgeschnittener, durchbrochener Zarge mit Jagdattributen. Auf
markant geschweiften Beinen, umschlungen von Drachen sowie
verbunden durch einen breiten Steg mit Darstellung eines Jagd-
hundes mit Schwan. 143 x 66 x 44 cm.
Fehlstellen und Reparaturen, Ergänzungen.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 49
1067 ♣
BOULLEPENDULE AUF SOCKEL
Louis XV, Bern um 1750. Geschweiftes Holzgehäuse belegt mit
braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt in teils graviertem
Messing in Form von Blütenzweigen und Ranken. Reiche Bron-
zebeschläge in Form von Blattvoluten, Rocaillen und Blumen.
Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen.
Berner Werk mit Ankergang, Dreiviertel-Stundenschlag auf
zwei Glocken. 43 x 22 x 112 cm.
Zentrale Emailkartusche mit Rissen und Ausbrüchen. Geringe
Fehlstellen an der Marketerie. Gravierung berieben. Zugrepeti-
tion ausgebaut.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
1068
GRÜNE HORNPENDULE AUF SOCKEL
Louis XV, Paris, 2. Hälfte 18. Jh. Das Zifferblatt und Werk signiert
Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäu-
se belegt mit grün gefärbtem Horn. Reiche vergoldete Bronzebe-
schläge in Form von Muscheln, Rocaillen und Blattvoluten. Aufsatz
in Form eines Kranichs mit Rocaillen und Blumen. Türbronze in
Form einer geharnischten Frau zwischen zwei geschlagenen Tür-
ken. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit Emailkartuschen, römische
Stunden- und arabische Minutenziffern. Schlichte Zeiger. Werk
mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel.
45 x 25 x 122 cm.
Vergoldung berieben. Horn restauriert und etwas zu überholen.
Werk zu revidieren.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 50
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1069*
KONSOLE „AUX DRAGONS“
Louis XV, Franken oder Potsdam um 1740. Holz fein und präg-
nant geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie
vergoldet. Trapezförmiges, dreiseitig geschweiftes rot/grau
gesprenkeltes, randmoulüriertes Marmorblatt auf geschweif-
ter, durchbrochener Zarge und durch Rocaillen verbundenen
Volutenbeinen, beschnitzt mit vollplastischen Drachenfiguren.
100 x 48 x 83 cm.
Marmorblatt repariert. Fehlstellen an der Vergoldung.
Die äusserst kraftvolle und lebhafte Schnitzerei dieser Konsole
sprechen für einen bildhauerisch geübten Ebenisten.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 51
1070
TASSE UND UNTERTASSE MIT
„WACHTELDEKOR”
Meissen, um 1738-40. Becherform mit J-Hen-
kel. Pupurfond mit Vierpassreserve, darin im Ka-
kiemonstil zwei Wachteln zwischen blühenden
Prunusstauden. Ränder vergoldet und gerän-
dert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermar-
ke, Tasse mit Formernummer 24 eingepresst.
H 7 cm. D 13 cm.
Fussrand bestossen.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1071*
SERIE VON 23 TELLERN UND
EINE SCHALE „GELBER LÖWE“
MEISSEN, um 1740-50. Modell von
Johann Friedrich Eberlein. Nach einem
ostasiatischen Vorbild. Neubranden-
stein-Relief mit Goldbordüren. Untergla-
surblaue Schwertermarke und diverse
Pressnummern. D Teller 23 cm.
D Schale 24, 7 cm.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
Der gelbe Löwe gehört zu den Dekoren,
die der französische Kaufmann Lemaire
für den Verkauf als asiatisches Porzellan
in Frankreich, zwischen 1729 bis 1730, in
Meissen in Auftrag gegeben hatte. Die
Sammlung Schneider in Lustheim besitzt
eine grössere Anzahl von Geschirrtei-
len (J. Weber, Meissener Porzellane mit
Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern,
2013, Bd. II, S. 265–289).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1072
SELTENE TEEKANNE
Meissen, um 1730. Chinoiserien in der
Werkstatt von Johann Ehrenfried Stadler. Die
fünfpassige Kürbisform mit Pupurfond, in den
braun-geränderten Vierpassreserven
je ein Chinese mit Schmetterling
und mit Sonnenschirm an einer
Staude mit indianischen Blumen.
Der passig modellierte Deckel
mit vier Reserven von indianischer
Blumenmalerei. Ränder vergoldet. Dre-
herzeichen für Elias Grund und Spuren einer
unterglasurblauen Schwertermarke. H 13 cm.
Henkel am Ansatz repariert, minime Bestos-
sung am Ausguss und Innenrändern.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
Vergleichbare Form, mit erbsgrünem Fond
und mit indianischen Blumen bemalt, in der
Sammlung Dr. Ernst Schneider in Schloss
Lustheim (Julia Weber, Meissener Porzellane
mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern,
München, 2013, S. 414).
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1073
LÖFFELSCHÄLCHEN MIT „WACHTELDEKOR”
Meissen, um 1738-40. Quadratische Form mit abgeflachten
Ecken, Purpurfond bemalt mit einem Paar Wachteln zwischen
blühenden Prunusstauden im Kakiemonstil, gerändert in Braun.
Unterglasurblaue Schwertermarke, Formernummer 66 einge-
presst im Standring. 15,2 × 14,8 cm.
Minime Randbestossung.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1074
PLATTE MIT „BIENENMUSTER”
Meissen, Mitte 18. Jh. Runde Form mit gewelltem Rand und
Altozier-Relief. Bemalt mit indianischen Blumen und Schmet-
terlingen auf einem Grasstreifen. Unterglasurblaue Schwerter-
marke, Pressnummer 21. D 28,3 cm.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 400 / 600
(€ 370 / 560)
| 53
1075*
GROSSE TAPISSERIE
„ALLEGORIE DES FRÜHLINGS“
Bruxelles, wohl nach Entwürfen von Lodewijk van Schoor,
Anfang 18. Jh. Wolle und Seide. Darstellung der Flora mit
Gefolge in einer Palastarchitektur mit Ausblick in einen Park
mit feierndem Volk. Blätterbordüre. Restaurierungen mit
1076
KLEINES BUREAUPLAT
Louis XV, Frankreich um 1750. Palisander
gefriest und eingelegt in passigen Reserven.
Rechteckiges, in Messingstab gefasstes Blatt
mit brauner, goldgeprägter Lederauflage auf
wenig geschweifter Zarge mit drei Schubla-
den, die mittlere etwas zurückversetzt. Auf
der Rückseite gleiche, jedoch blinde Eintei-
lung. Auf geschweiften Beinen mit Sabots.
Bronzebeschläge in Form von Blättern und
Rocaillen. 1 Schlüssel. 131 x 66 x 76 cm.
Restauriert. Leder fleckig.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
aufgenähter Etikette „DE WIT Royal Manufacturers Belgium
2014“. ca. 311 x 459 cm.
Eine ähnliche allerdings kleinere Tapisserie wurde bei Chris-
tie‘s New York, Auktion 19.10.2011 verkauft - Lot Nr. 217.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
| 54
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1077
DECKELTERRINE
Meissen, um 1745. Ovale Form mit Sulkow-
ski-Relief und seitlichen Blatthenkeln mit
Maskaron. Bemalt mit feinen Landschafts-,
Kauffahrtei- und Jagdszenen, darunter eine
Elbansicht mit der Stadtkulisse von Dresden,
in Goldgitterkartuschen mit Laub- und Ban-
delwerk in Purpur und Eisenrot. Dazwischen
indianische Blumen. Blaue Schwertermarke
auf dem unglasierten Boden, Pressnummer
25. H 27,5 cm. L 23,5 cm.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 55
1078*
DECKELTERRINE
Meissen, um 1750. Die runde Form mit
Neuozierrelief, bemalt mit feinen Vogelvignet-
ten und verstreuten Insekten. Die seitlichen
Blatthenkel gehöht in Gold und mit Gemüse
appliziert. Der Deckel mit einem plastischen
Stilleben aus Hummer, Bohnen, Pilzen, Spargel,
Kohl und Erdbeeren auf den Rocailleknauf
appliziert. Unterglasurblaue Schwertermarke.
D 20 cm.
Deckelrand restauriert.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1079
MILCHKÄNNCHEN MIT
ORNITHOLOGISCHEM DEKOR
Meissen, um 1750. Mit rocaillemodelliertem
Ausguss und Henkel gehöht in Gold, bemalt
mit feiner Vogelmalerei und verstreuten
Insekten. Der flache Deckel mit Insektenma-
lerei und Knospenknauf. Unterglasurblaue
Schwertermarke. H 13,5 cm.
Ausguss mit kleiner Bestossung, Vergoldung
leicht berieben.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
| 56
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1080
SELTENES MODELL EINES EISVOGELS
Meissen, um 1735–39. Modell von Johann Joachim Kändler für
das Japanische Palais in Dresden. Auf einem hohen Felsso-
ckel mit Moos, Blättern und seegrünem Schilf appliziert. Sein
Gefieder staffiert in Grün mit hell geschuppter Partie an Kopf
und Rumpf, die Flügel gehöht in Schwarz und Blau, der Bauch
schraffiert in Braun, die Krallen in Eisenrot. Ohne Marke. Spuren
einer handschriftlichen Inventarnummer in Schwarz auf der
Unterseite. H 23 cm.
Ergänzter Schnabel geklebt, Blätter am Fels zum Teil restauriert
und ergänzt, Blätter und Schilf zum Teil bestossen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
In der Galerie des Japanischen Palais, dessen Umgestaltung
1730 durch August den Starken (1670–1733) in Auftrag ge-
geben wurde, sollte die berühmte Meissener Menagerie mit
lebensgrossen Tierplastiken präsentiert werden.
Es sind nur wenige kleinere Modelle, wie die des Eisvogels, den
man auf einer Arbeitsliste von 1735 für das Japanische Palais
findet: „12. Ein Eis Vogel poussiret Wie er auf einem kleinen
Stein Klipgen sitzet daran etwas Blätter Werk gewachsen ist“.
Von diesem seltenen Vogelmodell wurden 1736 nur vier
Exemplare an das Japanische Palais ausgeliefert. Im Inventar
von 1770 finden sich nur noch zwei Exemplare (Johanneums-
nummer N=353-w), welche nach und nach aus dem Inventar
gelöscht wurden mit dem Vermerk ‚sind beim Putzen zerbro-
chen worden‘ (Samuel Wittwer, Die Galerie der Meissener Tiere.
Die Menagerie August des Starken für das Japanische Palais in
Dresden, München, 2006, S. 318).
Vergleichsstücke: Metropolitan Museum New York, Collection
Mr and Mrs Charles Wrightsman (1976.155.122); Collection Sir
Gawaine  Lady Baillie, Auktion Sotheby‘s London, 1.5. 2013,
Lot 11.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1081
MODELL EINES PAPAGEIS
Meissen, um 1738–45. Modell von Johann Joachim
Kändler. Auf einem Baumstumpf mit Blättern und
einer Blüte appliziert. Das schraffierte Gefieder
staffiert in Grün und Gelb, die Spitzen der Flügel und
Schwanzfeder in Blau. Ohne Marke. H 14,2 cm.
Schnabel mit Restaurierung, Flügel und Schwanzfe-
dern mit Ergänzungen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Vergleichsstücke: Rainer Rückert, Meissener Porzel-
lan, München 1966, S. 266 Nr. 1083 und 1084; Yvonne
Hackenbroch, Irwin Untermyer Collection, New York,
Taf. 5; Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Roth-
schild (Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 145, 146).
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 57
1082
PAAR GESCHNITZTE UND GEFASSTE BEISTELL­
TISCHE MIT CHINESISCHEN LACKPANEELEN
Rokoko, Deutschland um 1740/50. Die Lackpaneele China, 18.
Jh. Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Rocaillen und Blät-
tern, schwarz gefasst sowie teils vergoldet. Rechteckiges Blatt in
chinesischer Lackarbeit mit Darstellung von Fischern auf Booten.
Erhöhter gekehlter Rand in europäischem Vernis. Die wellig
ausgeschnittene Zarge mit markanten Rocaillen und Blattvoluten
geschnitzt und auf markant geschweiften Beinen mit Volutenfüs-
sen. Auf der Zargenunterseite Inventarstempel: Staatliche Kunst-
sammlung Schloss Pillnitz 264 bzw. 265 sowie Inventarnummern
in Schwarz DA.10.22 bzw. 23; Inventarnummern in Weiss 49349
bzw. 49350; einer mit Inventaretikette Dahlen 23. 86 x 59 x 79 cm.
Blatt und Fuss eventuell arrangiert, die schwarze Fassung des
Gestells wohl später. Fehlstellen.
Provenienz:
- Reichsgraf Heinrich von Bünau, Schloss Dahlen, Sachsen.
- Staatliche Kunstsammlung Schloss Pillnitz.
- Gekauft bei Aveline Paris, Dezember 2000.
- Schweizer Privatbesitz.
Die kraftvolle und prägnante Schnitzerei deutet auf einen Herstel-
ler hin, der auch über grosse bildhauerische Fähigkeiten verfügte,
wie etwa Johann August Nahl, tätig am Hof von Friedrich dem
Grossen zwischen 1740 und 1745. Das Motiv der Rocaille mit
Flügel ist typisch für diesen Bildschnitzer, der zwischenzeitlich
in Bern tätig war und dort Schnitzdekorationen an der Orgel im
Berner Münster fertigte. Vgl. Hermann von Fischer: Fonck à Bern,
Bern 2001, S. 220 (mit Abb. 398) für die Merkmale der Arbeiten
von Nahl.
Die Inventarnummern DA.10.22 und 23 verweisen das von 1744
bis 1751von Heinrich von Bünau errichtet Schloss Dahlen wurde.
Die beiden Stücke sind in der Schlossbergungsliste aus dem Jahr
unter diesen Nummern verzeichnet.
Heinrich von Bünau, der Sohn des gleichnamigen kursächsischen
Kanzlers, wurde am 2. Juni 1697 in Weißenfels geboren. Nach dem
Jurastudium an der Universität Leipzig arbeitete er als Beisitzer
des dortigen Obergerichtshofs und wurde 1730 Wirklicher Gehei-
mer Rat. Bünau setzte sich für die Rechte der Stände ein, weshalb
Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) den unbequemen Grafen
1734 ins entfernte Eisleben entsandte. Dort leitete er die Verwal-
tung der Grafschaft Mansfeld. Ab 1740 war Bünau als Gesandter
Kursachsens in Mainz tätig, 1742 erhob ihn Kaiser Karl VII. in den
Reichsgrafenstand.
Bünau kehrte 1745 nach Dresden zurück, wo er erneut für die
ständischen Rechte eintrat und seine wissenschaftliche Arbeit
fortsetzte.
Nach dem endgültigen Bruch mit dem Premierminister Heinrich
Graf von Brühl folgte Bünau 1751 dem Ruf des Herzogs von Sach-
sen-Gotha-Altenburg als Statthalter nach Eisenach.
Bei der Ausstattung von Schloss Dahlen orientierte sich Graf von
Bünau am Prunk und Glanz des Dresdner Hofes.
Im Jahre 1335 ist Schloss Pillnitz erstmals als Herrensitz und
Rittergut erwähnt. Kurfürst Johann Georg IV erhält 1694 das Pill-
nitzer Anwesen im Tausch gegen Schloss und Amt Lichtenwalde.
Als der Kurfürst kurz darauf stirbt gehen Schloss und Park Pillnitz
in den Besitz von dessen Bruder Friedrich August, auch bekannt
unter dem Namen August der Starke, über. 1706 überlässt
Friedrich August das Anwesen seiner Mätresse Anna Constanta
von Cosel, welche es von 1713 bis 1715 bewohnt. Nachdem sie
jedoch in Ungnade fiel, übernahm August der Starke wieder das
lustvolle Leben in Schloss Pillnitz und der Schlossanlage. Nebst
den üblichen Lustbarkeiten und Festen wurde das Anwesen
für grosse Hochzeiten benutzt. So im Jahre 1719 als Kurprinz
Friedrich August und Maria Josepha, Tochter des Kaiser Joseph I,
heirateten. Spätere Anbauten wie der Wasser- und Bergpalais, die
Schlosskirche Zum Heiligen Geist sowie der Chinesische Garten
umrahmten das Anwesen. Ein Brand im Mai 1818 zerstörte jedoch
das alte Renaissanceschloss sowie den benachbarten Venustem-
pel und bis 1830 wurden darauf das Neue Palais im klassizisti-
schen Stil sowie ein gusseisernes Gewächshaus, das Palmenhaus,
errichtet. Dieses neue Schloss mit Park Pillnitz wurden danach als
Sommerresidenz für das sächsische Königshaus genutzt.
Eine direkte Verbindung zwischen Schloss Dahlen und Schloss
Pillnitz konnten wir nicht herausarbeiten.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 58
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
| 59
1084*
KOMMODE „À FLEURS“
Transition, Paris um 1760. Signiert G. Jansen
sowie mit Innungsstempel. Georges Jansen,
Meister 1767. Rosenholz, Veilchenholz, Amarant
sowie diverse teils getönte Hölzer eingelegt in
Form von Blumen und geometrischen Reserven.
Leicht trapezförmiger, dreiseitig geschweifter
Korpus auf ausgeschnittener Zarge mit ge-
schweiften Beinen. Front mit zwei Schubladen
ohne Traverse. Bronzebeschläge. Zentralver-
schluss. Beige/rotes Brekzieblatt. 1 Schlüssel.
67 x 43 x 81 cm.
Restauriert, grössere Partien des Furniers er-
setzt. Boden ersetzt.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1083
GROSSER ROKOKO KAMINSPIEGEL
wohl Bern um 1750/55. Holz geschnitzt, durchbrochen
gearbeitet sowie vergoldet. Rechteckiger moulürierter
Rahmen mit durchbrochenem Rocaillenaufsatz. Die
unteren Ecken mit Rocaillen und Voluten verziert.
Altes Spiegelglas. 88 x 144 cm.
Fehlstellen an der Vergoldung. Reparaturen.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz
Die sich leicht auflösende Rocaille erinnert an Arbeiten
von Johann August Nahl und dessen Einfluss auf die
Werkstatt Funk.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 60
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1085*
HAUSMALER WALZENKRUG
Meissen, um 1730-35. Die Bemalung möglicherweise von
Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau. Mit Bandhenkel und
blattförmigem Abschluss, über „C.P.S.” Monogramm in Gold.
Dargestellt eine hügelige Landschaft mit einer Stadtansicht in
der Ferne. Diana gemeinsam mit ihren Gefährtinnen beim Bade.
Verborgen hinter einem Baum Aktaion mit seinen Jagdhunden, zu
seiner Rechten eine ahnungslose Nymphe. Ohne Marke und ohne
Punzen. H 16,6 cm.
Provenienz:
Privatbesitz, Paris.
In der Mythologie wird Aktaion, der beim Umherstreifen durch die
heimatlichen böotischen Wälder die Jagd- und Mondgöttin Diana
beim Bade mit ihren Nymphen heimlich beobachtet, in einen
Hirsch verwandelt und schliesslich von seinen eigenen Hunden
zerrissen. Er soll sich nicht rühmen können, die jungfräuliche Göt-
tin nackt gesehen zu haben. Die häufigste Darstellung beschreibt
den Moment, in dem Aktaion in einen Hirsch verwandelt wird, sel-
tener sieht man die Szene, die den Moment kurz vor seiner Ver-
wandlung beschreibt. Es soll ein Versuch sein, diese interessante
Malerei dem Werk eines bekannten Hausmalers zuzuschreiben.
Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau (1692-1764), ein Schü-
ler Bottengrubers, wird von Gustav Pazaurek als adeliger Amateur
unter den Porzellan- und Emailmalern beschrieben. Obwohl er
als Amateur galt, der jedoch aus einem kultivierten Umkreis kam,
hatte er als Porzellanmaler durchaus einen Namen, da er selbst
der Kronprinzessin von Preussen eine „ganze Garnitur weissen
Meissner Porzellans von ihm en emaille gemalt” überreichen durf-
te. Eine ganze Reihe von signierten und datierten Stücken, meist
monochrom und mit mythologischen Motiven sind überliefert, wie
zum Beispiel ein Meissener Krug mit einer bacchantischen Szene,
ehemals aus dem Berliner Schlossmuseum. Wolfsburg hat zu-
sammen mit seinem Lehrer Ignaz Bottengruber die Zeit zwischen
1730 und 1731 in Wien verbracht. Der Kontakt mit der Manufaktur
Du Paquier und ihr Einfluss auf sein Werk könnte auch der Entste-
hung der Bemalung unseres Kruges vorausgegangen sein. Das
letzte bekannte Werk aus Wolfsburgs Hand, der inzwischen zum
Preussischen Rat aufgestiegen war, stammt aus dem Jahre 1756
(G.E. Pazaurek, Deutsche Fayence- und Porzellan-Hausmaler,
1925 (1971) Bd. I, S. 193-203).
CHF 7 000 / 9 000
(€ 6 480 / 8 330)
1086
SCHOKOLADENBECHER
MIT UNTERSCHALE
Meissen, um 1740. Vergoldung in Augsburg. Dop-
pelhenkelige Becherform. Fels- und Vogeldekor in
Unterglasurblau, Dekor in Gold mit feiner Radierung
mit Darstellung eines Chinesen und einem Pavillon
auf der Tasse, Augsburger Randmuster. Untergla-
surblaue Schwertermarke und Malermarken, Press-
nummer 65 auf der Unterschale.
H Tasse 6,5 cm. D Unterschale 12,5 cm.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
| 61
1087
BEDEUTENDE ROKOKO KONSOLE
Bern um 1750/60. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz
teils durchbrochen geschnitzt mit Blattvoluten, Rocaillen und
Gitterwerk sowie vergoldet. Trapezförmiges, randmoulüriertes
Marbre de Roche Blatt in braun/rot/grau auf wellig ausgeschnit-
tener Zarge mit zentraler, asymmetrischer Rocaillen-Karutsche,
umrahmt von Schilfwerk und ovalen Durchbrüchen mit gelappter
Umrandung. Die Schmalseiten nehmen die gleiche Gestaltung
der Frontzarge hälftig auf. Prächtige Eckzierden aus Voluten
und Blattwerk. Geschweifte s-förmige Beine mit nach aussen
gelockten Füsschen. Die Beine an den Innenseiten mit weiterem
Rankenschmuck, die Traverse bogenförmig geschweift und mit
rocailllenartiger, sehr fein durchbrochener Kartusche. Originale
Vergoldung. 115 x 58 x 88 cm.
Provenienz:
- Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler.
- Sammlung von Goldschmidt-Rothschild.
- Schweizer Privatbesitz.
Die hier angebotene Konsole des Johann Friedrich Funk I, nimmt
neben den berühmten Konsolen im Wildtschen Haus, welche der
begabte Bildhauer und seine Werkstatt in den Jahren 1766/67
schuf, eine besonders wichtige Rolle ein. Es ist ein beschwingtes
Rokoko von allerhöchstem Stellenwert, das wir in dieser, aus altem
Berner Patrizierbesitz stammenden Konsole finden. Wenig vor
den Wildtschen Konsolen, ca. 1760 entstanden, sticht eine feine
Asymmetrie im Schnitzwerk unserer Konsole aus der traditi-
onellen Formensprache des Bildhauers heraus. Die kraftvolle
und dynamische Schnitzerei der zentralen Kartusche und die
feinen Durchbrüche innerhalb von feinst graviertem Zargenfeld
mit getupftem Gitterwerk, zeugen vom grossen Können des
Meisters. Die Rouge Suisse-Marmorplatte ist von ausgewogener
Farbkomposition und rundet in ihrer ausgesuchten Qualität das
noble Erscheinungsbild dieser Konsole vortrefflich ab. Schloss und
Herrschaft Münchenwiler waren seit 1668 im Besitze des Berner
Aristokraten Anton von Graffenried. Das Schloss blieb bis1932
in von Graffenried-Besitz. Unsere Konsole blieb durch direkte
Erbfolge seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 230 und
231. Eine vergleichbare Konsole von Funk aus dem Reinacherhof
in Basel, S. 209 (Abb. 373).
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
Schloss Münchenwiler, Hofansicht.
| 62
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1088
GROSSER SPROSSENSPIEGEL
Rokoko, Bern um 1750/60. Von Johann Fried-
rich Funk I. (1706-1775). Holz geschnitzt mit
Rocaillen, Blumengirlanden, Blattvoluten und
Zierfriesen sowie moulüriet und vergoldet.
Hochformatiges, zentrales Spiegelglas mit
feinem Profilrahmen. Der äussere Rahmen in 14
Spiegelkartuschen unterteilt und durch feinste
Sprossen, verziert mit Blüten und Rankenwerk,
mit dem reichen Hauptrahmen verbunden.
Dieser gekehlt, profiliert und mit gelapptem
Zierdekor geschnitzt. Nach unten hin wellig
abschliessend und mit seitlichen, gerollten
Akanthusranken und geschweiften Füsschen.
Nach oben bogenförmig abschliessend und
mit sehr reichem rocailleartigen Fronton mit
zentraler Granatapfelknospe innerhalb einer fein
durchbrochenen Kartusche und seitlichen Zier-
flügeln, verziert mit Blumen und Voluten. Teile
der Spiegelgläser wohl später, insbesondere das
Hauptglas. 236 x 118 cm.
Fehlstellen und Risse. Vergoldung berieben.
Spiegelglas leicht korrodiert.
Provenienz:
- Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler.
- Sammlung von Goldschmidt-Rothschild.
- Schweizer Privatbesitz.
Der hier angebotene, grosse und prachtvolle
Sprossenspiegel gehört zu den schönsten
Spiegelschöpfungen der berühmten Berner
Werkstatt des Johann Friedrich Funk I. und darf
in die Zeit um 1765 datiert werden. Wie bei der
Konsole aus Schloss Münchenwiler, gelingt auch
hier dem Meister eine holzbildhauerische Glanz-
leistung, die sich insbesondere in der virtuosen
Schnitzerei des Frontons zeigt. Sind die seitlichen
Fortsetzungen der Mittelkartusche noch sehr
symmetrisch gearbeitet, so bricht der Bildhauer
in eben dieser alles bekrönenden Kartusche ge-
konnt die Symmetrie auf, in dem er der grossen
Granatapfelknospe einen virtuos geschnitzten
Rahmen ermöglicht.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern,
2001, Abb. S. 206 und 207
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
1089
DREI SUPRAPORTEN MIT JAGDDARSTELLUNGEN
IN KARTUSCHENFORM
Rokoko, Bern, Mitte 18. Jh. Die Rahmen Johann Friedrich Funk I.
zuzuschreiben. Holz fein geschnitzt mit Rocaillen, Blumen und
Blättern sowie vergoldet und grau gefasst. Passige zentrale Re-
serve bemalt in Öl auf Leinwand. Darstellungen der Jagdvorberei-
tungen, der Jagd zu Pferd sowie dem Halalie. Die Rahmen in leicht
unterschiedlichen Formen. Zentrale:
L 135, H 63 cm. Beide seitlichen: L 123, H 59 cm.
Provenienz:
- Wohl Familie Frisching, Bern.
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 64
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1091
ZUCKERDOSE MIT KAUFFAHRTEISZENEN
Meissen, um 1740. Bemalung in der Art von Christian
Friedrich Herold. Bemalt mit Kauffleuten am Quai eines
Hafens, in Goldgitterkartuschen, braun konturiert. Der
Deckel mit einer Goldgitterbordüre, appliziert mit einem
Rosenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke, Vergol-
dernummer 43. auf beiden Teilen. D 11 cm.
Provenienz:
Aus altem Schweizer Privatbesitz.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
1090
SECHS KOPPCHEN UND SECHS UNTERSCHALEN
Meissen, um 1730/1740-45. Die Koppchen mit Landschaften und pasto-
ralen Figurenszenen, die Unterschalen mit Kauffahrteiszenen, in vierpas-
sigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot
und indianischer Blumenmalerei im Fond der Koppchen in eisenroten
Doppelringbordüren. Goldspitzenbordüren an den Rändern. Untergla-
surblaue Schwertermarken, Goldmarke T. auf den Koppchen, Punkt in
Gold auf den Unterschalen. Diverse Dreherzeichen auf den Unterschalen,
Pressnummern 66 auf den Koppchen. D Unterschalen 11,7 cm, D Kopp-
chen 7 cm.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 65
1092*
GRÜNE HORNPENDULE MIT SOCKEL
Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. J.B. Baillon à Paris (Jean Baptiste Bail-
lon, Meister 1727) und num. N 2106. Grünes Horn und vergoldete Bronze. Ge-
schweiftes Gehäuse mit Aufsatz in Form des Amor, auf geschweiften Füssen
und sich nach unten verjüngendem Sockel mit Blumen- und Blätterabschluss.
Reliefiertes Bronzezifferblatt mit 24 Emailkartuschen mit römischen Stunden-
und arabischen Minutenzahlen. Umgebautes Ankerwerk mit Brocot-Hemmung
und Halbstundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und Applikationen in
Form von Maskaronen, Blättern und Kartuschen. 1 Schlüssel. 43 x 20 x 111 cm.
Zu revidieren. Die Hornmarketerie ausgebleicht und teils ersetzt.
J.B. III Baillon war ein sehr bedeutender Uhrmacher der Louis-XV-Epoche und
bekannt für eine qualitativ ausgesprochen hochwertige Produktion. Im Unter-
schied zu vielen Zunftgenossen pflegte er seine Stücke zu nummerieren. Das
Inventar von 1772 erwähnt ein Werk mit der Nummer 3808, was darauf hin-
weist, dass seine Produktion sehr gross gewesen sein muss. J.B. III Baillon er-
hielt verschiedene bedeutende Titel: „Valet de Chambre de la Reine“, „Valet de
Chambre-Horloger Ordinaire de la Reine“ und später „Premier Valet de Cham-
bre et Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Dauphine“ (Marie-Josephe
de Saxe, Gattin des ältesten Sohnes von Louis XV und Mutter des späteren
Louis XVI). F. Berthoud, ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher aus der gleichen
Zeit, hielt in seinem „Journal Hélvétique“ aus dem Jahre 1753 den Besuch
bei J.B. III Baillon wie folgt fest: „Sa maison est un Magasin d‘Horlogerie la plus
belle et la plus riche. Le Diamant sert non seulement à décorer les Montres,
mais même des Pendules; il en a fait dont les Boetes étoient de petits Cartels
d‘Or, ornés de fleurs de Diamants imitant la Nature... Sa maison de St. Germain
est une espèce de Manufacture. Elle est remplie d‘Ouvriers continuellement
occupés pour lui... puisque lui seul fait une bonne partie de l‘Horlogerie.“ Lit.:
J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 272f. (biogr. Angaben). H.L.
Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris 1972; S. 21 (biogr. Angaben).
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1093*
BUREAU „EN PENTE“
Louis XV, Frankreich, 18. Jh. Veilchenholz und Palisander ge-
friest sowie fein eingelegt „en papillon“ und mit Diamantspitz.
Rechteckiger Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit
hohen, geschweiften Beinen. Schräge, abklappbare und innen mit
grünem Leder bezogene Schreibplatte über zwei nebeneinander
liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit grossem, dreige-
teiltem Zentralfach, flankiert von je drei Schubladen unter Fach.
Geheimfach. Spätere vergoldete Bronzebeschläge und -sabots.
Zum Freistellen. 3 Schlüssel. 98 x 50(offen 86) x 102 cm.
Restauriert und Furnier teils später. Blatt leicht verzogen, Kratzer.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1094*
EIN PAAR CHAUFFEUSEN
Louis XV, Paris um 1760. Buche mouluriert und fein beschnitzt mit
Blattwerk sowie vergoldet. Hufförmiger Sitz auf wellig ausge-
schnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Eingezogene, bogen-
förmig abschliessende Rückenlehne. Gebrauchter, hellbeiger
Seidenbezug mit Blumen und Blättern. Fehlstellen.
53 x 43 x 47 x 87 cm.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
| 66
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1095
AUSSERORDENTLICH SELTENER BAROMETER
Rokoko, Bern um 1755/60. Wohl von Johann Friedrich Funk I. Holz geschnitzt,
schwarz gefasst und teilvergoldet. Hochformatiges Wandstück mit gewelltem Mit-
telfeld. Umrahmt von vergoldetem Profilrahmen. Unten und zum Abschluss hin mit
fein geschnitzten, leicht fragmentierten, vergoldeten Palmetten. Grosse Queck-
silbersäule und fragmentierte, spätere Wetteranzeige des 19. Jh., von Rüffenacht,
Bern. H 122 cm.
Bestossungen an der Fassung.
Provenienz:
- Sammlung von Graffenried, Schloss Münchenwiler.
- Sammlung von Goldschmidt-von Rothschild – von Graffenried.
- Schweizer Privatbesitz.
Der hier angebotene Barometer ist von grösster Seltenheit und hat sich in seinen
wesentlichen Teilen original erhalten. Nur ein weiterer, vergleichbarer Barometer ist
in dieser Ausführung bekannt. Er konnte aus Privatbesitz in den 90er Jahren durch
Sotheby’s Zürich nach Schloss Jegenstorf vermittelt werden. Möglicherweise stell-
te Johann Friedrich Funk I (1706-1775) ein solches Messinstrument in Zusammen-
arbeit mit seinem Neffen, dem Uhrmacher Daniel Beat Ludwig Funk (1726-1787)
hergestellt. Jedenfalls erinnern wir uns beim Betrachten des Barometers aus von
Graffenried-Besitz unweigerlich an die Wanduhr der Grande Société, mit den fei-
nen, vergoldeten Schnitzereien über schwarz gefasstem Grund, welche die beiden
Kunsthandwerker 1769/70 schufen.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 135
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1096*
KLEINES DAMENBUREAU EN PENTE
Louis XV, Paris um 1760. Palisander und Veil-
chenholz gefriest sowie eingelegt mit Rauten-
muster, Kartuschen und Zierfries. Rechteckiger
Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit
geschweiften Beinen. Front mit schräger, innen
mit grünem, goldgepresstem Leder bezoge-
ner Schreibplatte über zwei nebeneinander
liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit drei
Fächern und vier stufenförmig angeordneten
Schubladen. Geheimfach. Zentralverriegelung.
Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Zum
Freistellen. 1 Schlüssel.
66 x 42 (offen 60) x 88 cm.
Restauriert. Kleinere Fehlstellen.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 67
1097
SCHÖNER GESCHNITZTER ROKOKO
SPIEGEL
Louis XV, Bern um 1755/60. Johann Friedrich
Funk I (1706 - 1775). Holz fein geschnitzt mit
Rocaillen und Blüten sowie vergoldet. Recht-
eckiger profilierter sowie moulürierter Rahmen,
das durchbrochen gearbeitete Fronton mit
asymetrischer Rocaille, Blattvoluten und Blumen
geschnitzt. Die unteren Ecken sich in Rocaillen
auflösend. Der Profilrahmen gelappt.
H 135, B 89 cm.
Fehlstellen an der Vergoldung. Kleinere Repara-
turen.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–
1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
Der hier angebotene Spiegel gefällt durch seine
leichte Asymetrie sowie die besonders plasti-
sche Ausführung der geschnitzten Elemente.
Vergleichbare Spiegel abgebildet bei: Hermann
von Fischer. Fonck a Berne. Möbel und Ausstat-
tungen der Kunsthandwerkerfamilie Funk im 18.
Jh. in Bern. Bern 2001. S. 222, Nr. 407 sowie 223,
Nr. 410.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1098
BUTTERDOSE UND SENFTÖPFCHEN
Sèvres, um 1770. Bemalung Jean-Nicolas Le Bel le jeune. Blu-
menzweige und blaue Ringbordüren mit Goldhöhung. Der Rand
mit einer Zahnschnittbordüre in Gold. LL- Monogrammmarken
in Blau und Schwarz, Jahresbuchstabe S für 1771, y für 1776 und
Künstlersignatur LB und Symbol.
D Butterdose 22 cm. H Senftöpfchen 8,5 cm.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
| 68
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1100
TEESERVICE MIT LANDSCHAFTSMALEREI
Zürich, Manufaktur Schooren, um 1770. Bemalt mit feinen Landschaftsvignetten im
Inselstil mit Figurenstaffage und Höhungen in Blau. Die Ränder mit Zahnschnittbordüre
in Gold. Bestehend aus: eine Teekanne, eine Heisswasserkanne, eine Zuckerdose, eine
Soucoupe und zwölf Koppchen und Unterschalen. Unterglasurblaue Marke Z und ..
H Teekanne 12 cm, H Heisswasserkanne 14 cm.
Zuckerdose mit Haarriss im Boden, minime Retouchen und Bestossungen.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 7 000
(€ 5 560 / 6 480)
1099
SECHS TELLER DES TYPS
„EINSIEDLER SERVICE”
Zürich, um 1765. Mit faconniertem, tiefge-
schweiftem und von einer Stabkante einge-
fassten Rand und feiner Riefelung. Bemalt
im Spiegel mit grossem Blumenbouquet und
verstreuten kleinen Sträussen. Unterglasur-
blaue Marken Z. D 23 cm.
Kleine Bestossungen.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–
1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 69
1101
GROSSE GRÜNE HORNPENDULE AUF SOCKEL
Louis XV, Frankreich, Paris um 1765. Zifferblatt signiert Causard Hgr. du Roi, Suivt.
La Cour. Geschweiftes Gehäuse, belegt mit grünem Horn sowie wenig mit gravier-
tem Messing intarsiert. Vergoldete Zierbronzen in Form von Blättern, Voluten und
Zierfriesen. Treize pièce Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen
Minutenzahlen. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke, original
aus der Zeit, aber später eingebaut. 1 Schlüssel. 54 x 25 x 147 cm.
Guter restaurierter Zustand. Risse im Email.
CHF 6 000 / 9 000
(€ 5 560 / 8 330)
1102
KONSOLE
Rokoko, Bern um 1760. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz teils durch-
brochen geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie vergoldet. Trape-
zförmiges, leicht geschwungenes sowie randmoulüriertes Oberhasli Marmorblatt
auf symetrischer, wellig ausgeschnittener Zarge. Die Schmalseiten entsprechend
der Front gestaltet. Die vorderen Ecken mit markanten Eckzierden in Form von
plastischen Rocaillen. Geschweifte, s-förmige Beine, an den Innenseiten mit leich-
tem Blattschmuck und auf Volutenfüssen. Verbunden durch eine geschwungene
Traverse, durchbrochen gearbeitet mit Rocaille, Blumen und Blättern. Originale
Vergoldung. 128 x 63 x 80 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz
Die hier angebotene Konsole weist bezüglich der symetrischen Gestaltung, der
mit Blüten gefüllten zentralen Rocaille sowie den mit feinen Blattvoluten ge-
schnitzten Beinen Ähnlichkeiten mit einem Konsoltisch im Wildtschen Haus in
Basel auf.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne. Bern 2001, S. 189 (Abb. 341).
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 70
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1104
SCHÄFERGRUPPE
ALS SOMMERALLEGORIE
Frankenthal, um 1757. Modell von Johann Wilhelm
Lanz. Auf einem Rocaillesockel gehöht in Purpur und
Gold, der Schäfer auf einem Dudelsack spielend, die
Schäferin mit einem Blumenkorb auf dem Schoss. In
Eisenrot bzw. purpurfarben gemusterten und gold
geränderten Kostümen. Unterglasurblaue Marke stei-
gender Löwe, Pressmarke PH und 6. H 22 cm.
Kleine Bestossungen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 1 800 / 2 200
(€ 1 670 / 2 040)
1103
ZWEI FIGUREN VON MUSIKERN
Ludwigsburg, um 1762. Modelle von Johann Christian
Friedrich Wilhelm Beyer. Die Dame als Lautenspielerin, der
Kavalier als Querflötenspieler, auf einem quadratischen
Sockel an einem Postament mit einer Vase stehend. Die
Bekleidung staffiert in Purpur und mit blauen Punktroset-
ten. Unterglasurblaue CC-Monogramm Marke mit Kurhut,
Ritzmarken Nö3. H 17,5 cm.
Kleine Restaurierungen, minim bestossen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 71
1105
SCHÖNE KOROMANDELLACK-KOMMODE
Louis XV, Paris um 1740/50 mit späterer Änderung. Holzkern
schwarz gelackt in französischem Vernis im „gout chinois“, die
Schubladenfronten sowie die Seitenmotive mit geschweiften
Bronzeeinrahmungen. Darstellungen einer Gartenlandschaft
mit Figurenstaffage und Boot auf See. Die Seiten mit diversen
Symbolen und Objekten. Trapezförmiger, dreiseitig geschweif-
ter und bombierter Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge
und geschweiften Beinen. Vergoldete, teils spätere Bronzebe-
schläge und Filets sowie Sabots. Späteres hellgraues Marmor-
blatt. 130 x 65 x 87 cm.
Kleinere Risse. Restaurierungen, die Schürze später vom Korpus
entfernt und an der Schublade befestigt.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Unter den chinesischen Kunstobjekten, welche bereits im 15.
und 16. Jh. über die spanischen und portugiesischen Entdecker
und Kaufleute nach Europa gelangten, zogen insbesondere die
Objekte aus Porzellan und Lack für Aufsehen und Bewunderung
auf sich, da sie in Europa zu jener Zeit nicht herstellbar waren.
Während der Durchbruch zur Herstellung von Porzellan in Eu-
ropa erst 1710 in Meissen gelang, gab es bereits ab dem 15. Jh.
erste europäische Lackerzeugnisse. Allerdings kamen diese in
Qualität und Dauerhaftigkeit nicht an die asiatischen Lacke her-
an, da der Firnis sich relativ rasch eintrübte und brüchig wurde.
Den Grundstoff für den Lack bildet der Saft des Lackbaumes,
den es nur in China, Japan und Korea gab. Sowohl Versuche die
Bäume in Europa anzupflanzen wie auch den Saft des Baumes
nach Europa zu bringen scheiterten, da der Saft die Seerei-
se nach Europa nicht überstand. Die ältesten Lackarbeiten
stammen aus China und wurden 1300 v. Chr. gefertigt. Im 9.
| 72
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Jahrhundert entwickelten japanische Künstler neue Techniken:
Sie streuten Gold- und Silberstaub in den Lack, woraus sog.
Streubilder (Maki-E) entstanden. Später wurden die Lackarbeiten
auch durch Schnitzerei, Bemalung, Gravierung und Intarsierung
veredelt. Bei der Herstellung von Dekorationen für Möbel und
Ähnliches wurden bis zu 40 hauchdünne Schichten Lack über-
einander aufgetragen und poliert. Der so entstandene Lack war
wasser- und säureresistent und sogar kochendes Wasser konnte
ihm nichts anhaben.
An den europäischen Höfen entwickelte sich ab dem 17. Jh. eine
eigentliche Chinamode. Kunsterzeugnisse aus Japan und China
waren in dieser Zeit wesentliche Bestandteile der höfischen
Sammlungen in Holland, England und Frankreich. Besonders
gefragt bei den Lackarbeiten waren Schreibkabinette, Truhen und
Kästen, die von der Englischen Ostindischen Gesellschaft insbe-
sondere aus Japan und ab 1632 aus China eingeführt wurden.
Auch Louis XIV kaufte für die Erweiterung von Schloss Versailles
zahlreiche chinesische Porzellane, Seidenstoffe und Lackmöbel,
die er nicht als Kabinettstücke verwahrte sondern in die Einrich-
tung integrierte. Diese neue Mode verbreitete sich schnell in der
höheren Gesellschaft; ein beachtlicher Handel entstand Ende des
17. Jh., der die Erzeugnisse hauptsächlich in Holland beschaffte.
Auch wurden Lackarbeiten direkt in China in Auftrag gegeben und
nach Europa gebracht.
Obschon Quellen bedeutende frühe Lacksammlungen in Frank-
reich bezeugen, sind im Vergleich mit anderen europäischen Län-
dern relativ wenige fernöstliche Lackmöbel erhalten geblieben.
Hingegen finden sich häufiger Möbel im Stil Louis XIV bis Louis
XVI, welche ausgeschnittene Lackpanneaus beinhalten. Man
kann vermuten, dass Franzosen, nach dem Auslaufen der Mode,
ohne sentimentalen Hang zur Aufbewahrung der altmodisch
gewordenen Möbel à la chinoise, die Stücke auseinandernahmen
und in à la française umarbeiten liessen. Einzelne Paneele von
asiatischen Möbeln wurden entfernt und im neuen französischen
Stil integriert. Wegen der grossen Flächen waren dabei Paravents
beliebt, wie es auch bei unserer Kommode der Fall sein könnte.
Dabei wählte man für die Frontseite oft ein Bild mit diagonal an-
geordneten Architekturelementen, da diese diagonale Linien eine
perspektivische Ansicht am besten vermitteln.
Die hier vorgestellte Kommode wurde im Museum für Ostasia-
tische Kunst in Köln in der Ausstellung „Leuchtend wie Kristall“
präsentiert (16. März bis 20. Mai 2002). Die Lackpaneelen auf
der Front wurden dabei als Teile eines chinesischen Koroman-
dellack-Stellschirms beschrieben. Unsere Untersuchungen der
Kommode, insbesondere aber die Abänderungen an der Schür-
ze lassen vermuten, dass die Kommode nicht ursprünglich für
diesen Dekor vorgesehen war und es sich bei der Lackarbeit wohl
eher um eine französische Arbeit im „gout chinois“ handelt. Eine
genaue Datierung dieses später auf die Kommode gekommenen
Lackdekors ist jedoch schwer möglich.
Literatur:
Masako Shôno-Sladek, Leuchtend wie Kristall. Lackkunst aus
Ostasien und Europa. Köln 2002. S. 37 (Abb. 38).
CHF 60 000 / 100 000
(€ 55 560 / 92 590)
| 73
1106
GROSSER SALONSPIEGEL
Louis XV, Bern um 1750. In der Art von Johann
Friedrich Funk I. Holz teils durchbrochen geschnitzt
sowie vergoldet. Rechteckiger Profilrahmen, gra-
viert mit Blattvoluten. Geschwungener Rocaillen-
aufsatz, dekoriert mit Blumen und Gitterwerk. Die
unteren Ecken mit Blattvoluten beschnitzt.
H 144, B 87 cm.
Kleinere Fehlstellen.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz
Feines Gitterwerk zwischen volutenartigen Rocail-
lenwerk finden sich bei Johann Friedrich Funk I. ab
circa 1750 bis circa 1770, so auch in identischer
Weise an einem Spiegel der Zeit um 1765/70,
welcher sich in Schloss Jegenstorf, als Leihgabe
aus Privatbesitz, erhalten hat. Unser doch sehr
symmetrisch gestalteter Spiegel dürfte etwas frü-
her, wohl in die Zeit um 1755-60 zu datieren sein.
Vergleiche: Hermann von Fischer, Fonck à Berne,
Bern, 2000, S. 224, Abb. 413, für den Spiegel aus
Schloss Jegenstorf.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1107
GROSSES CANPÉ À OREILLES
Louis XV, Frankreich, wohl Lyon, ca.
Mitte 18. Jh. Nussbaum geschnitzt
und moulüriert. Längsformatiger Sitz
über wellig ausgeschnittener und
moulürierter Zarge, auf geschweiften
Beinen. Die Rückenlehne wenig nach
hinten geneigt und mit drei jochförmi-
gen Abschlüssen, geschnitzt mit Blu-
men und Rankenwerk. Die gepolster-
ten Armstützen in die geschweiften,
ohrenförmigen Wangen übergehend.
Floraler, gelbgrundiger Bezug.
200 x 73 x 103 cm.
Gebrauchsspuren.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 74
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1108
ELEGANTES BUREAUPLAT
Louis XV, Paris um 1750, signiert Dubois. Jacques Dubois. Meister 1742.
Rosenholz, Amaranth und andere Hölzer eingelegt in leicht passigen
Reserven mit Blumenzweigen sowie breiten Bordüren. Allseitig passig
geschweiftes, in Bronzestab gefasstes Blatt mit brauner, goldgepräg-
ter Lederauflage auf wellig ausgeschnittener Zarge und geschweiften
Beinen in Bronzesabots. Leicht geschwungene Front mit drei Schubla-
den. Rückseitig mit gleicher, jedoch blinder Aufteilung. Feine vergoldete
Bronzebeschläge in Form von markanten Rocaillen, Voluten und Blättern.
1 Schlüssel. 161 x 88 x 80 cm.
Die äusseren Schubladen restauriert, Furnier der Schubladenfronten
später. Marketerie mit Rissen. Blatt restauriert. Kleinere Fehlstellen, Ver-
goldung berieben. Leder mit Gebrauchsspuren.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Als Vergleichsstück gilt ein im Maitres Ebenistes Français au XVIII siècle
abgebildetes, in der Form und Bronzeschmuck ähnliches Bureauplat von
Dubois (Fig. I), S. 159.
J. Dubois wurde 1694 in Pontoise geboren und starb 1763 in Paris. Er
gehört zu den wichtigsten Ebenisten der Louis-XV-Epoche; bereits
zu Lebzeiten wurde ihm höchste „notoriété“ zuteil. Er belieferte den
königlichen Hof, den Hochadel und Paläste in ganz Europa. Markenzei-
chen seiner Werke waren harmonische Proportionen, zierliche Formen,
allseitig verwendete Lackpanneaux, die ein ganzes Bild darstellen, ori-
ginelle Schubladen- und Fächereinteilungen und ausserordentlich feine
Bronzebeschläge. Obwohl er erst 1742 die Meisterwürde erlangte, war
seine Produktion schon während der 1720er Jahre sehr erfolgreich; er
schuf sich zu dieser Zeit in seinem Atelier im Faubourg-Saint-Antoine die
Basis seiner „grande renommée“. Seine Laufbahn wird von einer Reihe
meisterlicher Werke gekennzeichnet, die in einer beispielhaften Weise
darstellen, wie perfekt J. Dubois die Herstellung feinster Marketerien in
edlen Hölzern und die Verarbeitung von Lacken verschiedenster Herkunft
beherrschte. Er wusste sich einer breiten Palette der Stile zu bedienen
und arbeitete im Stil Louis XV genauso sicher wie im darauffolgenden
neoklassizistischen Stil.
Literatur:
J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe
siècle, Paris 1976; I, S. 94/95 und Abb. S. 159.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
1109
ZWEI MODELLE VON EICHHÖRNCHEN
Meissen, um 1750. Modell von Johann Joachim Kändler. Jedes mit
rotbraun staffiertem Fell, in beiden Pfoten eine Nuss haltend und
mit einer Kette um den Hals an einem schwarzen Halsband, das
eine in Gold bemalt, befestigt. Die Sockel jeweils unterschiedlich
mit Blumen und Blättern appliziert. Unterglasurblaue Schwerter-
marken an den Rückseiten der Sockel. H 20,5 cm.
Kleinere Bestossungen, Brandrisse in einem Sockel.
Provenienz:
- Sammlung Henry und Emma Budge, Hamburg
(Sammlungsetikett).
- Versteigerung Paul Graupe Berlin, 27.-29.9. 1937, Lot 767.
- Schweizer Privatsammlung.
Die ersten Modelle stammen vom August 1732 und Kändler hält
sie in seinem Arbeitsbericht fest „Zwei Eichhörnigen“ und im Sep-
tember 1733 „Ein kleines Eichhörngen“. Vergleichsstücke bei Carl
Albiker, Die Meissener Tiere, 1953, Nr. 164.
Die Versteigerung dieses Lots erfolgt im Rahmen einer zwischen
dem Verkäufer und dem Budge-Nachlass getroffenen Vereinba-
rung, durch die Letzterer auf weitere Rückübertragungsansprü-
che verzichtet.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1110
EIN PAAR EICHHÖRNCHEN
Meissen, um 1750. Gegenstücke, mit
grau-braunen Flecken auf dem unbemalten
Fell, der eine mit einer Nuss im Maul, der
andere mit einer Nuss zwischen den Pfoten.
Beide mit einer goldenen Kette, befestigt an
einem Halsband mit schwarzer Bordüre auf
hellem Grund. Auf einem gewölbten Sockel
mit Blumen und Blättern appliziert. Untergla-
surblaue Schwertermarken an den Rückseiten
der Sockel. H 21 cm.
Restaurierungen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Vergleichsstücke: Auktion Sotheby‘s London,
Collection of Gawaine  Lady Baillie, 1.5. 2013,
Lot 77.
CHF 2 500 / 3 000
(€ 2 310 / 2 780)
| 76
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1112
BUREAUPLAT
Louis XV, Paris um 1750. Mit Signatur von Pierre Roussel. Meister 1745. Amarant, Satinholz und Zitronen-
holz eingelegt in passigen Reserven und Filets. Rechteckiges, allseitig passig geschweiftes Blatt, in Bron-
zestab gefasst und mit braunem Leder belegt. Auf wellig ausgeschnittener und bombierter Zarge mit zwei
Schubladen, eine Knieaussparung flankierend. Elegant geschweifte Beine mit vergoldeten Bronzesabots.
Vergoldete Chutes, Zargenzierden und Handhaben (leicht unvollständig, teils später). Die Schmalseiten mit
weiblichen Maskarons. 1 Schlüssel. 164 x 81 x 75 cm.
Restaurierungen sowie Fehlstellen am Furnier. Leder mit Fehlstellen.
Provenienz:
- Koller Auktionen.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1111
FÜNF TEILE AUS EINEM SERVICE MIT
FABELSZENEN NACH LA FONTAINE
Meissen, um 1775. Bemalung nach graphischen
Vorlagen von Jean de La Fontaine (1621–1695).
Bestehend aus 1 runden Platte, und 4 ovalen
Platten, jede mit einer Tierszene im Spiegel, be-
titelt auf der Rückseite in Purpur, „Le Taureau et
le Veau, Le Loup et le Chien, La Lion amoureux à
Mademoiselle de Sevigné, Le Serpent, Le Ranard
et l‘Herisson, L‘Ours et le Lion”. Auf der passig
geschweiften Fahne eine grüne Mosaikbordüre
eingefasst in Gold mit Rocaillegirlanden und
einer Zahnschnittbordüre am Rand. Untergla-
surblaue Schwertermarken mit Stern.
D 43 cm. L 33,5 und 38,5 cm.
CHF 4 500 / 6 000
(€ 4 190 / 5 560)
| 77
1115
TREMBLEUSE
Meissen, um 1763-74. Mit einem Rundme-
daillon mit bekränzter Initiale H auf purpur-
farbenem Fond und in Lorbeerkranz. Bemalt
mit purpurfarbenem Schuppenmuster und
Manierblumensträussen. Unterglasurblaue
Schwertermarke mit Punkt. H 6,5 cm. D 13 cm.
CHF 300 / 500
(€ 280 / 460)
1113
TEILE AUS EINEM TEESERVICE MIT TENIERSZENEN
Meissen, um 1750. Bemalt mit Bauernszenen in Reliefkartuschen und verstreuten Blumen. Die
Innenseite der Kumme, Tassen und der Zuckerdose vergoldet. Bestehend aus: ein Heisswas-
serkännchen, eine Kumme, eine Zuckerdose, zwei Tassen und Untertassen. Unterglasurblaue
Schwertermarke. Vergolderzeichen 14 und *. H Heisswasserkanne 14,5 cm. D Kumme 17,5 cm.
Minim bestossen.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1114
CONFITURIER
Meissen, um 1745-50. Deckeltöpfchen mit Asthenkel
und passiger Unterschale, bemalt mit Genreszenen in
Parklandschaften und mit Manierblumensträussen. Gol-
dränder. Unterglasurblaue Schwertermarke. Unleserliche
Signatur auf einem Postament auf der Unterschale (?).
L 17,3 cm. H 9,5 cm.
Ausguss und Knauf minim bestossen.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
| 78
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1116
OVALE HENKELPLATTE
Meissen, um 1740. Fassonierte tiefe
Form mit seitlichen Asthenkeln mit
Blütenapplikationen. Bemalt mit Figu-
ren der Commedia dell‘Arte in einer
Parklandschaft nach einer Stichvorlage.
Begegnung des Beltrame, Columbine,
Scaramouche und der Dudelsack-
spielende Harlekin vor einem Vasen-
monument in einer Baumlandschaft.
Goldspitzenbordüre am Rand. Untergla-
surblaue Schwertermarke.
L 24,5 cm.
Kleine Randbestossung.
Provenienz:
- Auktion Galerie Koller Zürich, Juni
1969.
- Basler Privatsammlung.
Literatur:
Siegfried Ducret, Keramik und Graphik,
Würzburg, 1973, S. 159 Abb. 244, 245.
Die Bemalung nach einem Stich „Fêtes
Venetiennes” von Laurent Cars von
1732, nach Antoine Watteau.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
1117
PAAR CHINESISCHE FAMILIEN-
GRUPPEN
Meissen, um 1750-55. Modell von Pe-
ter Reinicke nach „Delices de L‘Enfan-
ce“ von François Boucher. Eine Chinesin
bekleidet mit einem Mantel, bemalt mit
indianischen Blumen, gelb gefüttert, in
der einen Hand eine Giesskanne, in der
anderen Hand einen Krug, zwei Kinder,
der eine mit einem Tablett und einer
Teeschale, der zweite Früchte vom Bo-
den sammelnd. Die zweite Gruppe mit
einer Chinesin mit ihren zwei Kindern,
das eine auf ihrem Schoss, ihren Arm
um die Schultern eines Knaben gelegt.
Bekleidet mit einem grünen Mantel,
purpurfarben gesäumt. Jede Gruppe
auf einem Felssockel appliziert mit
Blumen und Blättern. Unterglasurblaue
Schwertermarken. H 16 cm und 14 cm.
Restauriert und minim betossen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 79
1118
PAAR SELTENE FIGUREN VON TARTAREN ALS RÄUCHERHÜTCHEN
Nymphenburg, um 1765. Modell von Franz Anton Bustelli. Eine weibliche und eine männliche Figur, im Schneidersitz auf einem
quadratischen Sockel mit purpurfarben staffiertem Kissen sitzend, bekleidet mit einem gelben Mantel, beide Hände in den Ärmeln
verborgen. Der Kopf an der Oberseite zum Austritt des Rauchs durchbohrt. Eingepresste Wappenschildmarken auf der Vorderseite
der Sockel. H 10,5 cm.
Brandriss im Sockel des Tartaren.
Provenienz:
- Sammlung Henry und Emma Budge, Hamburg (Sammlungsetikette).
- Versteigerung Paul Graupe Berlin, Sammlung Emma Budge, 27.-29. 9. 1937, Lot 963.
- Schweizer Privatsammlung.
Vergleichsstücke: Sammlung Kocher Bern (Wyss 1965, S. 172); Bayerisches Nationalmuseum München (Hofmann I, 1923, Abb. 125).
Die Versteigerung dieses Lots erfolgt im Rahmen einer zwischen dem Verkäufer und dem Budge-Nachlass getroffenen Vereinba-
rung, durch die Letzterer auf weitere Rückübertragungsansprüche verzichtet.
CHF 2 400 / 3 200
(€ 2 220 / 2 960)
| 80
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1119*
VIER TASSEN UND UNTERTASSEN
„A FIORI COREANI”
Capodimonte, um 1750. Mit orientalisch inspirierter
Blumenmalerei in Eisenrot, Purpur, Grün und Ocker
mit Höhungen in Gold und zwei unterschiedlichen
Goldbordüren am Rand der Tassen und Untertassen.
„Fleur–de–Lys” in Blau. H 6,3 cm, D 13,2 cm.
Tassen und Untertassen assortiert, Vergoldung leicht
berieben.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
Eine Teekanne mit identischem Dekor und Gold-
bordüre wie die Untertassen war bei Bonhams,
14.6.2017, Lot 31.
CHF 3 500 / 4 500
(€ 3 240 / 4 170)
1120*
TASSE UND EINE UNTERTASSE
Capodimonte, um 1750. Bemalt mit Gemüsestilleben, die Tasse
mit Zwiebelgewächsen, die Untertasse mit Kohl und Rettich, je auf
einem Erdsockel, in untershiedlichen Goldbordüren auf Tasse und
Untertasse. „Fleur-de-lys” Marke in Blau. H 7,3 cm. D 12,7 cm.
Tasse und Untertasse assortiert, Henkel repariert.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1121*
FIGUR EINER BÄUERIN
Neapel, Real Fabbrica Ferdinandea, um 1790-1800. Grünes Mie-
der gold gerändert über einem blau geblümten Rock und Schürze.
Ohne Marke. H 15 cm.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
| 81
1123 ♣
KLEINE GLOBUS-SONNENUHR
Italien oder Süddeutschland, Ende 18. Jh.
Elfenbein graviert mit den Erdteilen und
Bezeichnungen. Am Äquator aufklappbar,
innen mit Sonnenuhr. Messinggnomon. Auf
Bronzefuss und gedrechseltem Holzsockel.
Risse im Elfenbein. H 9 cm.
CHF 1 000 / 1 400
(€ 930 / 1 300)
1122
GRÜNE HORNPENDULE MIT SOCKEL
Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. GILLE L‘AINE A
PARIS. Pierre II. Gilles-Quentain. Meister 1746. Eboni-
siertes Holz mit grünem Horn und vergoldeter Bron-
ze. Geschweiftes, dreiseitig verglastes Gehäuse mit
Putto-Aufsatz und Volutenfüssen mit Löwenköpfchen,
auf sich nach unten verjüngendem Sockel. Reliefiertes
Messingzifferblatt mit blauen römischen Stunden- und
schwarzen arabischen Minutenzahlen auf 24 Email-
kartuschen. Zwei gebläute Zeiger. Feines Werk mit Halb-
stundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und
Applikationen. 36 x 18 x 98 cm.
Zu restaurieren und revidieren.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 82
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1124
AUS DEM EHEMALIGEN BESITZ DER AMÉLIE D‘OR-
LEANS, DER LETZTEN KÖNIGIN VON PORTUGAL
PAAR GROSSE HISTORISCHE LEUCHTAPPLIKEN
Louis XV-Stil, Paris wohl um 1860. In der Art des Jean-Claude Du-
plessis. Bronze fein ziseliert, teils durchbrochen gearbeitet sowie
feuervergoldet. Aus Voluten und Rankenwerk geformtes Wand-
stück, aus welchem drei aus Voluten geformte und mehrfach
gewundene Leuchtarme emporsteigen. Die Tüllen naturalistisch
geformt in Form von Knospen und mit ebensolchen Tropftellern
versehen. H 82 cm.
Provenienz:
- Aus dem Besitz der Amélie d‘Orléans, Königin von Portugal
(28. September 1865-25. Oktober 1951).
- Galerie Jürg Stuker, Bern.
- Schweizer Privatbesitz.
Die hier angebotenen Leuchtappliken wurden in der legendären
Stuker Auktion mit dem Nachlass der letzten Königin von Portu-
gal, in den 70er Jahren, versteigert und als aus der Zeit Louis XV
stammend beschrieben. Wenn wir die beiden prachtvollen Ap-
pliken auch etwas später datieren, so weisen diese eine Qualität
des Gusses und der Ziselierung auf, wie wir diese im 18. Jh. finden.
Unsere Appliken gehen auf Entwürfe des Jean-Claude Duplessis
(1699-1774) zurück. Ein Paar sehr verwandte Appliken des Meis-
ters, Paris circa 1745-55 wurden durch Christie’s London, am 6.
Dezember 2012, Los Nr. 22 versteigert (£ 181‘250) , ein weiteres
Paar findet sich in der Wrightsman Collection im Metropolitan
Museum of Art, New York (vgl. Hans Ottomeyer/Peter Pröschel,
Verdoldete Bronzen, München, 1986, S. 143, Abb. 2.11.17), ein
weiteres Paar im Louvre, Paris (OA3889-90).
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 83
Fontaine de Grenelle genannt, wurde in den Jahren 1739-1745
vom Pariser Architekten Edmé Bouchardon, im Auftrag von Mi-
chel-Étienne Turgot (Schöpfer des berühmten Plan Turgot) für die
Stadt Paris erstellt. Die in ihren Ausmassen gewaltige Brunnenan-
lage wurde bis weit über die Landesgrenzen hinaus gerühmt und
dürfte Kaendler mindestens durch Stichvorlagen des Architekten
zugänglich gewesen sein. Der berühmte Modelleur übernimmt die
Idee der Jahreszeiten, wie sie in den Basreliefs der Fontaine in der
Rue de Grenelle dargestellt werden und stattet seine Flussgötter
mit Bienenstock und Ähren für den Sommer aus und mit Trauben
und Obst für den Herbst.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
1125
EIN PAAR SEHR FEINE UND UNGEWÖHNLICHE
BRONZELEUCHTER MIT FLUSSGOTTHEITEN
Meissen, 3. Viertel 18. Jh., die Porzellane von J.J. Kaendler
modelliert, mit vergoldeter und ziselierter Pariser Rokoko-Bron-
zemontur. Über den geschweiften und durchbrochen reliefierten
Goldbronzesockeln die spärlich farbig staffierten Porzellanfiguren
der beiden als Gegenstücke dargestellten Flussgottheiten. Diese
auf blütenbesetztem Sockel ruhend, einen Arm auf eine wasser-
gefüllte, am Boden liegende Vase gestützt. Hinter den Figuren
wachsen die volutenreliefierten, dreiarmigen Goldbronze-Giran-
dolen hoch, die teils farbig staffierte Porzellanblüten tragen.
H 48 cm.
Fehlstellen.
Provenienz:
- Aus altem Turiner Privatbesitz
- Auktion Sotheby’s Zürich, 10.12.1996, Los Nr. 351
- Schweizer Privatbesitz
Die hier angebotenen, überaus prachtvollen Girandolen, zeugen
von einem ausgereiften Rokoko, wie wir es in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts in dieser feinen Form finden. Zwischen
naturalistisch gestalteten Leuchtarmen und erhöhten Sockeln
aus Rankenwerk und Voluten, finden sich zwei Meissen- Figuren
von Flussgottheiten als Gegenstücke und symbolisch für Som-
mer und Herbst stehend. Kaendler liess sich beim Modellieren
dieser Figuren von der Fontaine des Quatre-Saisons in der Rue
de Grenelle inspirieren. Die Fontaine des Quatre-Saisons auch Fassade mit der Fontaine de Grenelle in
Paris, erbaut 1739 von Edme Bouchardon.
| 84
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1126
SCHÖNE DREISCHÜBIGE KOMMODE
Louis XV, Schweiz, wohl Neuenburg um 1765. Palisander
gefriest und eingelegt in Reserven sowie Früchtehölzer in
Form von Blumen. Trapezförmiger, dreiseitig bombierter
Korpus auf ausgeschnittener Zarge und geschweiften
Beinen. Front mit drei Schubladen auf zwei Rängen. Profi-
liertes, rot/grau und braun geädertes Marmorblatt. Innen
in den Seiten mit Geheimfächern (einige verschlossen).
Vergoldete Bronzebeschläge und frontseitige Sabots.
121 x 61 x 74 cm.
Restaurationen und Fehlstellen an Marketerie. Etwas aus-
gebleicht.
Provenienz:
Aus altem Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1127
12 VERMEIL-TELLER
London, 1780. Meistermarke Andrew Fogelberg  Stephen
Gilbert. Glatte Rundform mit umlaufendem Profilrand.
D je 23 cm. Zus. 3820 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 6 000
(€ 2 780 / 5 560)
| 86
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1128
STANDUHR MIT AUTOMATEN UND
MONDPHASE
Barock, Amsterdam um 1750. Das Ziffer-
blatt sign. GERRIT KNIP AMSTERDAM, tätig
zwischen 1720 und 1760. Späteres Gehäuse.
Mahagoni. Rechteckiges Gehäuse mit geradem
und gekehltem Kranz auf markant bombiertem
Sockel. Versilberter Zifferring mit römischen
Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Das
Auge in graviertem Messing mit Fenstern für
Mondphase, Datum, Wochentag und Monat so-
wie versilbertem Zifferring für Sekunden. Unter
dem Zifferring bemaltes Panneau mit Automa-
ten für die beweglichen Segelschiffe. Anker-
werk mit Halbstundenschlag auf zwei Glocken.
Pendel und zwei Gewichte. 71 x 37 x 232 cm.
Das Gehäuse später. Risse und Fehlstellen im
Gehäuse. Uhrwerk zu überholen, Pendelauf-
hängung gerissen.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Der niederländische Uhrmacher G. Knip war
ca. 1720 bis ca.1760 in Amsterdam ansässig.
Später arbeitete er gemeinsam mit seinem
Sohn und signierte mit Gerrit Knip en Zoon. (C.
Clutton, Britten‘s old Clocks and Watches and
their Makers, London 1973; S. 432).
CHF 5 000 / 9 000
(€ 4 630 / 8 330)
| 87
1129
FEIN INTARSIERTER MEHRZWECKTISCH
Rokoko, Neuwied um 1765/68. Werkstatt Abraham und David
Roentgen. Ahorn, Rosenholz, Mahagoni und teils getönte sowie
gravierte Obsthölzer reich und fein eingelegt in Form von Rocail-
len, Granatäpfeln, Blumen, Vögeln und Insekten. Trapezförmiger,
allseitig geschweifter Korpus mit aufklappbarem Blatt auf welliger
Zarge und geschweiften Beinen mit vergoldeten Sabots (unvoll-
ständig) und Hornrollen. Die Beine ursprünglich abschraubbar.
Zwei rückseitige ausziehbare Metallstützen als Auflagen für das
innen auf der einen Seite mit grünem geprägtem Leder (später)
bezogene Blatt. Öffnend auf einen hochfahrbaren Schubladen-
korpus in Mahagoni, mit vier Fächern flankiert von je drei kleinen
Schubladen über einer breiten Schublade (ursprüngliche Eisen-
federn mit Holzabdeckung zur Arrettierung ersetzt). Oben mit
aufklappbarer Bücherstütze, flankiert von zwei Kompartimenten
unter Lamellenverschluss. Vergoldete durchbrochene Bronzebe-
schläge in Form von Blattvoluten. 1 Schlüssel.
82 x 41(offen 87) x 75(98) cm.
Restauriert, einige Fehlstellen und Furnierrisse. Geringe Furnierer-
gänzungen.
Provenienz:
- Koller Auktionen, 20.9.2000. Lot 1674.
- Schweizer Privatbesitz.
Mit Gutachten von Frau Dr. C. Cornet, München 2020.
Dieser sehr fein gearbeitete Mehrzwecktisch vereint mehrere
typische Merkmale der Arbeiten der Neuwieder Manufaktur des
Abraham und David Roentgen. Technisch raffinierte Mehrzweck-
möbel waren eine Spezialität der Werkstatt Roentgen, ebenso
wie die vorzügliche Qualität der konstruktiven Arbeit. Ausserdem
besticht der Tisch durch seine feine Marketerie „en mosaique“,
eine Spezialität der Roentgen Manufaktur, die sie ab 1760 zur
absoluten Meisterschaft entwickelte. Ein im Dezember 1991 bei
Sotheby‘s versteigerter Mehrzwecktisch weist das beinahe identi-
sche Marketeriebild auf wie unser Tisch auf.
An unserem Tisch zeigt sich, wie viele Anregungen Abraham
Roentgen aus seinem London-Aufenthalt geschöpft hatte und
wie diese sich in seinem Werk niederschlugen. Die englische
Möbel-Kunst genoss in deutschen Ländern ein hohen Ansehen,
dennoch ist die Korpus- und Oberflächengestaltung dieses
Tisches keine blosse Nachbildung des englischen Typs, son-
dern das Ergebnis einer eigenständigen Entwurfsleistung, mit
| 88
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
welcher Abraham Roentgen gleichermassen englischen wie
französischen Anregungen folgte. Mit dieser Gestaltungsweise,
die er nach seinem Umzug nach Neuwied um 1750 entwickelte,
berücksichtigte er die Vorlieben der adeligen Kundschaft für den
französischen Ausstattungsstil, dessen Eigenheiten er mit denen
des englischen verband. Bei unserem Schreibtisch kombinierte
er den englischen Möbeltyp mit den geschweiften Formen der
Zargen und Beine wie auch mit den Blumenmarketerien und ver-
goldeten Bronzegussbeschlägen des französischen Vorbilds. Er
modifizierte die Konstruktion indem nicht mehr, wie bei früheren
Exemplaren, ein ausschwenkbares Bein (sog. gateleg) mit einem
Zargenteil das umschlagbare Blatt stützte, sondern zwei Auszüge
die Auflage bildeten. Mit seinen präzise gravierten Marketerien
auf den Zargen und dem oberen Blatt gehört unser Tisch zu den
typischen Arbeiten Abraham Roentgens.
Infolge des Siebenjährigen Kriegs in den Jahren 1756-1763 geriet
die Werkstatt in grosse finanzielle Schwierigkeiten und es sam-
melten sich viele fertige, aber unverkaufte Möbel an. So kam Davis
Roentgen, Abrahams ältester Sohn, auf die Idee, dieser misslichen
Situation mit einer Lotterie abzuhelfen. Es sollten die vorhan-
denen Möbel verlost und durch den Überschuss der verkauften
Lose die Manufaktur saniert werden. Die Lotterie wurde 1768
in Hamburg genehmigt und der Plan ging auf; David verkaufte
sämtliche Lose und in der Beschreibung des Hauptgewinns, eines
Schreibmöbels, ist erstmalig von einer neuen Marketerietechnik
die Rede: „à la mosaique“. Der Zeitpunkt der Lotterie bildet eine
Zäsur im Marketeriewerk der Roentgenmanufaktur, da von nun an
diese neue Einlegetechnik angewandt wurde.
Mehrere analoge oder teils nahezu identische Mehrzwecktische
sind bekannt; der eigentliche Prototyp ist auf die Jahre 1745
zu datieren und weist einen sehr ähnlichen Mechanismus auf,
wobei die Formgebung noch stark vom englischen Stil George II
beeinflusst ist (heute Bestand der Häuser Stiftung in Frankfurt am
Main, Inventar. H. St. 2/3438). Ein weiterer Mehrzwecktisch aus
früherem fränkischem Fürstenbesitz besitzt die nahezu identi-
sche Formgebung wie der hier angebotene Kombinationstisch,
unterscheidet sich jedoch darin, dass die Stütze der Schreibplatte
durch das Herausziehen des rechten Beins gewährleistet ist.
Vergleichende Literatur:
D. Fabian, Abraham und David Roentgen - Leben und Werk, Bad
Neustadt/Saale 1996. Nr. 23b, S. 32 mit vergleichbarem Deck-
blatt.
CHF 60 000 / 80 000
(€ 55 560 / 74 070)
| 90
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1130*
FEINER ECKHALBSCHRANK
Transition, Neuwied um 1770/75. Werkstatt des Abraham
und David Roentgen. Rosenholz, Palisander, Satinholz und
Ahorn eingelegt in teils getöntem Buchsbaum „en mosaique“
mit feinem, Blumenbouquet, das an einem Band mit Schlei-
fe und Öse aufgehängt ist, gerahmt von breiten Filets in
Rosenholz. Viertelkreisförmiger Korpus auf bombierter, wenig
ausgeschnittener Zarge und geschweiften, leicht ausladen-
den Füssen. Die Zarge mit Messingstab abgesetzt. Passig
geschweifte Türe zwischen kannelierten, abgewinkelten Eck-
stollen. Innen mit einer Schublade. Grau/weiss gesprenkeltes
Marmorblatt (repariert). 1 Schlüssel. 77 x 54 x 93 cm.
Kleine Fehlstellen an der Marketerie. Etwas ausgebleicht.
Schöner Eckhalbschrank mit einer für die Roentgen Werkstatt
typischen Marketerie. Das Motiv der in einer Masche in Varia-
tionen findet sich auf zahlreichen Möbeln der Werkstatt. Die
ursprüngliche Blau- und Grautönung stark ausgebleicht.
Ein fast identischer Eckhalbschrank aus süddeutschem Adels-
besitz ist abgebildet bei: Dietrich Fabian: Abraham und David
Roentgen, Bad Neustadt/Saale 1996. S. 228 (Abb. 466).
CHF 18 000 / 28 000
(€ 16 670 / 25 930)
| 91
1131
KOMMODE „COMMODE À ENCOIGNURES“
Transition, Paris um 1765/70. Signiert von Jean-François Oeben
(1721-1763). Satinholz, Amarant und Mahagoni eingelegt in Form
von geometrischen Reserven, Filets und Mäanderfries. Markant
trapezförmiger Korpus mit geschwungenen Seiten auf ausge-
schnittener Zarge und geschweiften Beinen mit ausstehenden
Stollen und Bronzesabots. Front mit 3 Schubladenrängen, die
unteren ohne Traverse, die obere durch ein Bronzefries abgesetzt.
Die Seiten mit geschweiften Türen. Vergoldete Bronzebeschläge;
Schlüsselschilder mit Blattdekor, Ringhenkel als Griffe, karnies-
förmige Eckzierden sowie Schürzenzierde mit Eichenlaub und
Löwenkopf. Profiliertes grau/blau gelbes Marmorblatt. 2 Schlüssel.
127 x 61,5 x 89 cm.
Guter restaurierter Zustand. Kleinere Furnierergänzungen.
Provenienz:
- Charles Balaÿ, Antiquaire, 8, rue Auguste Comte Lyon, 1989.
- Schweizer Privatbesitz.
J.F. Oeben wurde in Franken geboren. Er kam zwischen 1742
und 1745 in Paris an. Ab 1751 mietete er sich in den „Galeries du
Louvres“ ein. 1754 wurde er dank der Förderung der Madame de
Pompadour, für die er einige Arbeiten fertigen durfte sowie auf
Empfehlung von Marigny zum „ébéniste du Roi“ der Manufac-
ture des Gobelins ernannt. Gleichzeitig wurde er zum „ebenis-
te-mécanicien du roi“. Ein Grossteil seine Kundschaft bestand aus
dem Hochadel und der königlichen Familie.
Das Werk Oebens besticht vor allem durch den Formenreich-
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
tum und die aufwändigen und überaus feinen Einlegearbeiten.
Bekannt ist Oeben auch für Möbel mit raffinierten machanischen
Lösungen sowie Geheimfächern. Einige in der Gestaltung und
Marketerie einfachere Möbel, insbesondere einige Kommoden à la
grecque, an die sich unsere Kommode in der Form, insbesondere
den auskragenden Eckstollen der Beine anlehnt.
Als „ouvrier de la Couronne“ musste Oeben seine Arbeiten nicht
signieren; er trat erst 1761 der Pariser Zunft bei. In den letzten
Lebensjahren erhielt Oeben wohl seinen bedeutendsten Auftrag,
nämlich für die Herstellung des berühmten „bureau du Roi“, der
sich heute wieder in Versailles befindet. Er selbst hat die Vollen-
dung dieses Meisterwerkes nicht mehr miterlebt, er starb, ehe er
das Stück fertig stellen konnte. Sein Schüler Jean-Henri Riesener
beendete die angefangenen, umfangreichen Arbeiten seines
Meisters 1769.
Die hier angebotene Kommode könnte ebenfalls in die späte
Zeit Oebens bzw. in die frühe Zeit des Jean-François Riesener
fallen, welcher dessen Werkstatt weiterführte und 1767 die Witwe
seines ehemaligen Lehrers heiratete, welche eine Tocher des
berühmten Ebenisten Roger Vandercruse La Croix war.
In ihrer Formensprache und der Marketerie ist diese Kommode
eher als Arbeit Rieseners einzuordnen. Es ist bekannt, dass Riese-
ner, der bis 1767 selber nicht die Meisterwürde erlangt hatte, sei-
ne Möbel anfangs mit der Signatur seines Vorgängers, J.F. Oeben
stempelte. Auch das Werk Rieseners besticht durch die Kreativität
in Sachen Form und Schmuck. Er schuf einen eigenen Stil, der
leicht erkennbar ist. Charakteristisch ist etwa eine Gliederung der
Korpusfront in drei Teile mit einer starken Betonung des Mittel-
teils, wie bei unserem Möbel ebenfalls erkennbar ist.
Vergleichende Literatur:
- P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S.
609-620.
- J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au
XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 336f.
- A. Pradère, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.;
S. 253-263.
- Rosemarie Stratmann-Döhler. Jean-François Oeben 1721-
1763. Paris 2002.
CHF 50 000 / 70 000
(€ 46 300 / 64 810)
| 93
1132
EIN PAAR BEDEUTENDE DECKELTERRINEN MIT
FUTTERAL
Turin, 2. Hälfte 18. Jh. Meistermarke eines segnenden Christi
mit den Initialen I.P. Beschaumeister: Giovanni Battista Carro-
ne (1753–1778). Francesco Pagliani (1775–1816). Gegenbe-
schaumeister: Bartolomeo Bernardi (1779–1816); Carlo Micha
(1759–1787). Geschwungene Ovalform, auf vier Volutenfüssen
mit Akanthusblattansatz. Beidseitigen gegossenen Henkeln. Die
gewölbten Deckel zieren erlegte Enten, detailgetreu wiederge-
gebene Steinschlossflinten, kleine Jagdtasche mit dem Tschar-
ner-Wappen sowie eine grosse Jagdtasche mit einem Netz auf
dem Deckel, um das Kleinwild unterzubringen. Einsätze ebenfalls
aus Silber. Sämtliche Stücke mit eingeritzten Gewichtsangaben
und Nummerierung. 45 × 28,5 cm. Zus. ca. 11‘110 g.
Provenienz:
- Samuel Tscharner (1716–1800).
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
Am 14. April 1760 konnte Oberst Samuel von Tscharner das ber-
nische Regiment de Roi in sardinisch-piemontesischen Diensten
übernehmen, was ihm ein hohes Einkommen sicherte. Bereits
1756 hatte er sich als Vertreter bernischer Interessen verdient
gemacht indem er die Erneuerung der wichtigen Salzlieferver-
träge zwischen Bern und dem Königreich Sardinien-Piemont in
die Wege leitete. Seine Aktivitäten dürften von beiden Parteien
honoriert worden sein, was ihm mit den Einkünften als Regiment-
sinhaber unter anderem auch den Kauf dieses Prunkterrinenpaars
mit Jagdmotiven ermöglichte.
Die Identifizierung dieses seltenen Meisterzeichens ist bis zum
heutigen Zeitpunkt nicht möglich gewesen, jedoch wurde erst
kürzlich eine kleine Besteckgarnitur mit selbiger Meistermarke
entdeckt (vgl. hierzu: Gianfranco Fina, Argentieri piemontesi del
Settecento, Mailand, 2018, S. 276).
CHF 20 000 / 40 000
(€ 18 520 / 37 040)
| 94
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1133
EIN PAAR GIRANDOLEN
Lausanne, 18. Jh. Meistermarke Willhelm Brenner.
Kerzenstöcke Lausanne, 3-armige Aufssätze dazu
assortiert (20. Jh.). H 23,5 cm. Zus. 2500 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1134*
TEEKANNE AUF RECHAUD
London, 1753. Mit unlesbarer Meistermarke. Glatte Rundform
mit beweglichem Bügelgriff. Auf dreifüssigem Rechaud. H 32 cm.
1890 g.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
| 96
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1137
TEESERVICE
London, 1800. Mit Meistermarke. Bestand: 1 Teekan-
ne, Sucrier, Zuckerschale. Zus. 1510 g. 925er-Silber.
Provenienz:
Schweizer Privabesitz.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
1136
EIN PAAR TROMPETEN-
LEUCHTER
Bern, um 1750. Meistermarke Gabriel
Leemann. H 23 cm. Zus. 720 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1135
HUILIER
Paris, 1770–1784. Meistermarke Joseph-Thomas
Vancouvenbergh. Basis sowie Haltekörbe mit
Weinlaub und Trauben. Auf vier Volutenfüssen.
Blau-weisse Glasflacons. L 30 cm. 660 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 600 / 1 200
(€ 560 / 1 110)
| 97
1138
UNGEWÖHNLICHE KAMINPENDULE, SOG.
PENDULE À L‘ELEPHANT
Das Werk und Teile des Gehäuses, Louis XV, Paris, 18. und
spätes 19. Jh./20. Jh., das Werk und Zifferblatt signiert
J.B. Baillon à Paris und mit Werknummer 1561 versehen,
das Emailzifferblatt vom Pariser Emailleur Antoine Nicolas
Martinière signiert und datiert May 1741. Elefant, Sockel und
Teile des übrigen Gehäuses im 19. und 20. Jh. arrangiert.
Bronze ziseliert, vergoldet und patiniert. Der bastionsartig
geformte, rechteckige Sockel im Stile des Frühklassizismus,
auf profilierten Scheibenfüssen. Vierseitig eingelassen
mit chinoisen Lackpaneelen, flankiert von fein ziselierten
Rosetten. Aufgesetzte Figur eines schreitenden Elefanten
auf naturalistisch gestaltetem Grund. Über einer gegurteten
Packschabracke das zylindrische Werkgehäuse, umrahmt
von feinen Blütenzweigen mit polychromen Porzellanblumen.
Darüber ein Chinese auf erhöhtem Kissen sitzend, in seiner
linken Hand einen Bambusstab haltend. Werk mit Stunden-
und Halbstundenschlag auf Glocke. Das weisse Emailziffer-
blatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen.
Rückseitig ist das Zifferblatt vom Pariser Emailleur Antoine
Nicoals Martinière (1706-1784) signiert und datiert
May 1741. 29 x 14 x 53 cm.
Provenienz:
- Sammlung Wolfson.
- Partridge Fine Arts Ltd. London, 1984.
- Schweizer Privatbesitz.
Die hier angebotene, sehr dekorative, aus der Sammlung
Wolfson stammende Pendule, weist ein signiertes und num-
meriertes Werk des berühmten Uhrmachers Jean-Baptiste
Baillon auf. Dieses Werk dürfte zeitgleich wie das originale
Zifferblatt entstanden sein, welches rückseitig vom Pariser
Emailleur Antoine Nicolas Martinière (1706-1784) signiert
und mit May 1741 datiert ist. Der frühklassizistische Sockel
mit den vier Lackpaneelen ist von aussergewöhnlicher Qua-
lität, gehört aber, wie auch der sehr naturalistisch modellierte
Elefant nicht ursprünglich zum Werk. Beide dürften im späten
19. Jahrhundert entstanden sein. Die Uhr, so wie sie sich jetzt
präsentiert, dürfte wohl im 20. Jh. aus dem vorhandenen
Originalteilen und den späteren Teilen arrangiert worden sein.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1139
KLEINES AMEUBLEMENT
Louis XVI, Paris um 1770/75. Undeut-
lich signiert. Bestehend aus einem
Canapé und ein Paar Fauteuils „à la
reine“. Buche kanneliert, geschnitzt mit
Maschen, Rosetten und Zweigen sowie
vergoldet. Trapezförmiger Sitz mit
Satzkissen auf gerader Zarge und kan-
nelierten, sich verjüngenden Beinen.
Rechteckige Rückenlehne. Goldfarbe-
ner, floral gemusterter Damastbezug
von Rubelli. Fauteuils:
62 x 6 0x 93 cm; Canapé: 180 x 63 x
100 cm.
Fehlstellen. Vergoldung teils übergan-
gen, die Sitze ursprünglich gepolstert
ohne Satzkissen.
CHF 2 500 / 4 000
(€ 2 310 / 3 700)
| 98
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1140*
ZWEI ARMILLARSPHÄREN
Louis XVI, Paris um 1800. Holz profiliert, poly-
chrom gefasst und teils ebonisiert sowie Papier.
Sphären mit Erdkugel sowie Sonnensystem
nach kopernikanischem System auf profiliertem
Balusterschaft mit Rundfuss. H ca. 42 cm.
Etwas zu überholen.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 99
1141
PRACHTVOLLER ZIERTISCH
Frankreich, Paris, 1. Viertel 19. Jh. In der Art von Adam Weisweiler
(1744-1820), das Porzellanblatt mit Sèvres Marke und Malermar-
ke von Jacques-François Micaud (aktiv 1757–1810). Mahagoni,
vergoldete Bronzen und bemaltes Porzellan. Rundes Mahago-
ni-Blatt mit reichem, godroniertem Rand. Darin eingelassen,
innerhalb einer zweiten Goldbronzefassung, eine grosse, runde
Porzellanplakette. Darstellend ein Früchtestillleben aus Früch-
ten und Blumen auf einem Fries mit Triglyphen, eine Säule im
Hintergrund. Rückseitig mit blauer Sèvres Marke. Getragen wird
die reich gestaltete Platte von drei Kinderfiguren als Stützfiguren,
welche auf dem leicht profilierten Gesims von fein gearbeiteten
Doppelsäulen in der Art von Bambus ruhen. Diese drei Säulenpaa-
re wiederum ruhen auf einem dreipassigen Steg mit aufgesetzter
Zierschale mit Goldbronzefassung. Die Füsse elegant geschweift.
D 49, H 74 cm.
Provenienz:
- Partridge Fine Arts, London, Juli 1984.
- Schweizer Privatbesitz.
Der hier angebotene Ziertisch mit seiner prachtvollen, grossen
und überaus fein bemalten Porzellanplakette, entspricht einem
Typus von Gueridon, wie er besonders in der Zeit um 1780-90
vom berühmten Pariser Ebenisten Adam Weisweiler (1744-1820)
gefertigt wurde und als beliebtes Modell des Ateliers galt. Ein
solcher Gueridon-Tisch mit sechs zu Paaren gefügten Bronze-
säulen in bambusimitierender Ästhetik, gleichartigem Steg und
Füssen, wie auch mit dem verwandten Aufsatz über dem Steg,
aus Schloss Herrnsheim stammend, fand sich von Weisweiler ge-
stempelt, 2012 im deutschen Kunsthandel. Ein diesem wiederum
ähnlicher Tisch, Adam Weisweiler zugeschrieben und in das späte
18. Jh. datiert, mit identischen Säulen, konnte durch Christie’s
| 100
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
in Paris, Auktion Paris, 17. November 2011, Los
Nr. 213 verkauft werden. Ein unserem Ziertisch
verwandter, ins späte 18. Jh. datierter und Adam
Weisweiler zugeschriebener Tisch, dessen mit
unserem Gueridon völlig identischen Säulenpaare
ebenfalls von sitzenden Kinderfiguren als Stütz-
figuren bekrönt waren, fand sich in der Samm-
lung des Baron Eugène Fould und wurde durch
Christie’s Paris, in der Auktion des Palais Abbatial
de Royaumont, 19.-21. September 2011 unter
Los Nr. 49 (Zuschlag EUR 133‘000) verkauft. Sind
die identischen Kinderfiguren an unserem Tisch
vergoldet, so finden sich diese am Tisch aus der
Sammlung Fould dunkel patiniert. Ein Detail der
Kinderfigur und eines identisch godronierten
Zierrandes in vergoldeter Bronze, zusammen mit
Abbildungen des gleichen Gueridon-Typus, findet
sich bei Patricia Lemonnier abgebildet (Vgl. S. 90-
93). Unser Tisch wurde 1984 beim berühmten
Londoner Kunsthändler Partridge erstanden und
dort als „late 18th century bronze gueridon with
porcelain plaque“ beschrieben.
Die Porzellanplakette trägt die blaue Sèvres Mar-
ke sowie die Malermarke von Jacques-François
Micaud, der zwischen 1757 und 1810 aktiv war.
Ein Paar Plaketten gemalt von Micaud mit Blu-
menkörben, aus der Sammlung von J. Pierpont
Morgan wurde bei Christie‘s in New York, Auktion
17.-18. Mai 2005, Lot 80 verkauft. Eine weitere
Plakette, ein Stillleben von Blumen, Trauben,
Weinlaub und Pfirsichen von Micaud, datiert 1805
wurde verkauft bei Christie‘s New York, Auktion
20. Mai 2008, Lot 152.
Vergleichende Literatur:
Patricia Lemonnier, Weissweiler, Ed. d‘art Monelle
Hayot/Vilo, Paris, 1983, S. 90-94.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
1142*
1 PAAR FAUTEUILS
„EN CABRIOLET“
Louis XVI, Frankreich um 1790. Buche
kanneliert und beschnitzt mit Roset-
ten und Zierfries. Hufförmiger Sitz
auf gerader Zarge mit kannelierten
Säulenbeinen. Eingezogene Medail-
lon-Rückenlehne mit gepolsterten
Armlehnen auf geschweiften -stüt-
zen. Grüner, kapitonnierter Seidenbe-
zug. Loses Sitzkissen.
58 x 55 x 92 cm.
Eine Armlehne repariert. Ursprünglich
mit gepolstertem Sitz. Risse im Holz.
CHF 500 / 800
(€ 460 / 740)
1143
SCHATULLE EINES PARFUMEURS
Frankreich, Anfang 19. Jh. Palisander eingelegt in
Rauten und Filets. Rechteckige Schatulle, der Klappde-
ckel innen mit Spiegel belegt. Das Innere mit blauem
Velours bzw. Seide ausstaffiert und mit sechs Glasfla-
kons ausgestattet. Kleine Schale, Koppchen und ein
Trichter in Silber bzw. Metall vergoldet. 1 Schlüssel.
22 x 20,5 x 16,5 cm.
Deckel der Flakons verbeult.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952),
Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1144
DEMILUNE ANRICHTE
Spätes George III, in der Art von
George Hepplewhite. England,
18./19. Jh. Satiné, Rosenholz, Ama-
rant und Wurzelmaser eingelegt mit
Filets und Reserven sowie bemalt
mit Girlanden, Maschen, Draperien
und Zierfriesen. Demilune-förmiger
Korpus mit zwei Türen auf gerader
Zarge und Pyramidenbeinen mit
Spatenfüssen. 1 Schlüssel.
153 x 53 x 94 cm.
Spätere Messing-Blatteinfassung.
Kleine Restaurierungen an Bema-
lung, Rückwand repariert, restauri-
erte Risse.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
| 102
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1145
PORTALPENDULE MIT TAG UND DATUM
Louis XVI, Paris um 1780. Auf blauer Emailkartusche signiert Bou-
chet Horloger du Roi. Jean Louis Bouchet, Vinantes 1737-1792
Paris. Weisser und schwarzer Marmor sowie vergoldete Bronze.
In Portalform, das Werkgehäuse mit Vasenaufsatz montiert
zwischen zwei Säulen auf flachem Sockel mit Kreiselfüssen. Die
Säulen unten frontseitig geflacht und mit blauen Bisquitreserven
in der Art von Wedgewood. Bronzemontierungen in Form von
Blütenzweigen, Pfeilen und Rosetten. Weisses Emailzifferblatt mit
arabischen Minuten- und Stundenzahlen, darunter nebeneinan-
der liegend zwei Zifferblätter für Datum und Tag. Feine vergoldete
Zeiger. Pariserwerk mit Halbstundenschlag auf Glocke. Ohne
Schlüssel. 34 x 12 x 49 cm.
Die Bisquitplaketten unterschiedlich, eine leicht oval wohl ersetzt.
Kleinere Fehlstellen.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
J.L. Bouchet war „compagnon“ von P. Gille l‘Ainé und A.C. Ca-
ron und erhielt seine Meisterwürde 1762. Zudem trug er den
Titel „Horloger du Roi par livraisons au Garde-Meuble“ und war
verantwortlich für die Wartung der Pendulen in Schloss Bellevue
während der Regierungszeit von König Louis XV. Er genoss einen
exzellenten Ruf als Uhrmacher und gilt als der eigentliche Erfinder
der Skelettpendulen in Frankreich. 1766 lieferte Bouchet für Louis
XV in Schloss Bellevue eine „pendule composée de différents
mouvements ronds dans une boîte de cristal pour en laisser
distinguer les differents ressorts“; ein Werk war für die Stunden
und Minuten zuständig, das andere - mit fein bemaltem Zifferblatt
- für die Mondphase. Um 1780 fertigte Bouchet eine Pendule mit
6 Zifferblättern und 3 „cercles tournants“. Für die französische
Krone schuf er auch mehrere „klassische“ Pendulen, für welche er
Gehäuse von B. Lieutaud, J.N. Clavelle, J. Hauré und den Gebrü-
dern Osmond verwendete.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1146
PAAR ENCOIGNUREN
Louis XVI, Paris um 1770. Signiert J.F.
LELEU. Jean-François Leleu, Meister
1764. Mahagoni kanneliert. Viertelkreis-
förmiger Korpus auf gerader Zarge und
konischen Füssen. Front mit blinder
Schublade über Doppeltüre zwischen
kannelierten Eckstollen. Bronzebeschlä-
ge und -friese. Weisses Marmorblatt
(eines wohl später). 2 Schlüssel.
63 x 63 x 97 cm.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1148*
GEFASSTE BREITE BERGÈRE
spätes Louis XVI, Paris, 19. Jh. Buche kanneliert und beschnitzt
mit Blättern, Rosetten und Zierfries sowie grau gefasst. Leicht
trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit kannelierten Säu-
lenbeinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit
gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Rosaroter
Veloursbezug. Sitzkissen. 74 x 75 x 97 cm.
Provenienz:
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1147*
GROSSER FAUTEUIL „A LA REINE“
Spätes Louis XVI, Paris, 19. Jh. in der Art von J.B. Sene.
Jean Baptiste Claude Sené, Meister 1769. Buche kan-
neliert und ausserordentlich fein beschnitzt mit Blumen,
Blättern, Kartuschen, Perlstab und Zierfries sowie vergol-
det. Trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit kannelier-
ten Säulenbeinen. Flache, bogenförmig ausgeschnittene
Rückenlehne mit ersetzten Eckzapfen und gepolsterten
Armlehnen auf geschweiften Stützen. Beiger Seidenbezug
mit Streifen und Blumen. Vergoldung teils bestossen.
62 x 65 x 73,3 cm.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 104
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1149
BEDEUTENDE KAMINPENDULE „L‘ÉTUDE ET LA
PHILOSOPHIE“ ODER „LES ARTS ET LES SCIENCES“
MIT SEKUNDE, DATUM UND WOCHENTAG
Louis XVI, Paris um 1785. Das Zifferblatt signiert ROUVIÈRE À
PARIS. Jean Louis Rouvière, Paris, Meister 1781-1789. Weisser
Marmor sowie Bronze brüniert bzw. vergoldet. Das zylindrische
Gehäuse auf rechteckigem Sockel, seitlich flankiert von zwei
brünierten, vollplastisch gegossenen jugendlichen Figuren, links
Knabe mit Stirnband im lockigen Haar, auf seinen Knien hält er
eine Schreibtafel, das Pendant gegenüber ein sitzendes Mädchen
in einem Buch lesend. Das Zifferblatt mit gewölbter Frontvergla-
sung im fein ziselierten Ring mit Perlstab. Darüber vergoldeter
Adler des antiken Gottes Zeus über dem Flammenbündel, seinem
Attribut, stehend, mit geöffneten Schwingen. In der Sockelfront
unterhalb des Zifferblattes Reliefszene von 2 Amoretten mit
Vogel. Auf querliegendem, schlanken Marmorsockels mit leicht
vortretendem Risalitfeld, an den Schmalseiten halbrund eingezo-
gen, über kräftigen, godronierten Spindelfüßen. Die Sockelfront
oberhalb der Füße belegt mit Rundmedaillons, darin in Vertiefung
gelockte Köpfe. Weißes Email-Zifferblatt mit arabischer Stunden-
und arabischer Minutenangabe sowie mit Tagesdatumszahlen in
Rotemail. Zeiger vergoldet, in Form eines Flechtbandes durchbro-
chen gearbeitet, der Datumszeiger mit Pfeilspitze gebläut. Werk
mit Scherengang und Halbstundenschlag auf Glocke. Gegenspit-
ze des Sekundenzeigers abgebrochen. 68 x 15 x 55 cm.
Vorlage für die figürliche Gestaltung des Gehäuses ist eine Zeich-
nung von F. Rémond, die ins Jahr 1783 zu datieren ist. Verschie-
dene Uhrmacher und „Bronziers“ haben die Figuren „Étude“ und
„Philosophie“ übernommen, so wurde der Figurentypus etwa um
1780 von L. S. Boizo für die Manufaktur Sèvres modelliert. Die
Entwurfsskizzen von Rémond gingen direkt an die Uhrmacher
wie etwa E. C. Leroi oder Roguet Lépin. Je nach Auftragsinte-
resse konnten die Flachreliefs mit unterschiedlichen Themen
ausgetauscht werden. So zeigt etwa das in Versailles befindliche
Gehäuse im Sockel an Stelle des Blattkranzes ein Maskaron. Drei
solcher nahezu identisch gestalteter Pendulen befinden sich im
Besitz der englischen Königin, eine im französischen Außenmi-
nisterium sowie im Stockholmer Schloss aber auch im Potsdamer
Staatsschloss sowie im Schloss Tanley in Burgund. Der Entwerfer
Rémond wurde 29-jährig zum „Maître Doreur“ ernannt, manche
seiner Arbeiten wurden später fälschlich P. P. Thomire zugeschrie-
ben. Während der Regierung von Louis XVI. galt Rémond als einer
der bedeutendsten Bronziers von Paris. Erst als sich Rémond
gegen 1800 zur Ruhe gesetzt hatte, nahm das Unternehmen von
Thomire seinen Aufschwung.
Literatur:
- Gerald van der Kemp, Le conservateur en chef de Musée de
Versailles et des Trianons, Versailles, Verlag Parklane New York,
ganzseitige Abbildung S. 124. - Jean Dominique Augarde, Les
Ouvriers du temps la pendule à Paris de Louis XIV Napoleon
I/ Ornamental clocks and clock makers in 18th century Paris,
Edition Antiquorum, Abb. S. 206 (hier auch mit leicht divergieren-
dem Reliefdekor im Sockel).
- Ottomeyer/ P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbei-
ten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986, I, S. 195,
Abb. 4.17.5, Zeichnung von F. Rémond. - P. Verlet, Les Bronzes
dorés français du XVIIIe siècle, Paris 1987, S. 322, Abb. 357, eine
Pendule aus dem Ministère des Affaires Etrangères. (842014).
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
1150*
KAMINPENDULE MIT DARSTELLUNG
DER DIANA
Restauration, Paris um 1820. Das Ziffer-
blatt signiert JOLLAGE À PARIS (bezeugt
als Uhrmacher in Paris 1812-1817).
Weisser und schwarzer Marmor so-
wie Bronze feuervergoldet bzw. dunkel
patiniert. In naturalistischer Felsform
mit Diana und Hund, Vögel sowie
Putten. Im Sockel reliefierte Plakette
mit musizierenden Putten. Weis-
ses Emailzifferblatt in vergoldeter
Lunette. Pariser Werk mit Halbstun-
denschlag auf Glocke. 1 Schlüssel.
53 x 18 x 44 cm.
Kleinere Bestossungen, Aus-
bruch beim Sockel.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1151
KAMINPENDULE „LE BAISER DONNÉ“
Louis XVI, Paris um 1785. Das Zifferblatt sign.
BOURRETS À PARIS. Nach Jean-Antoine Houdon.
Bronze vergoldet und weisser Marmor. Rechtecki-
ges Werksgehäuse flankiert von zwei Meerjung-
frauen auf ovalem Sockel und Kreiselfüssen. Auf-
satz in Form eines sich küssenden Paares, flankiert
von zwei geflammten Vasen sowie mit Tauben.
Weisses Emailzifferblatt mit arabischen Stunden-
und Minutenzahlen sowie roten Datumszahlen.
Pariserwerk mit Halbstundenschlag auf Glocke.
1 Schlüssel. 27,5 x 15,5 x 48 cm.
Spätere Zeiger.
Literatur:
Jean-Dominique Augarde. Les Ouvriers du Temps.
Genf 1996. S. 286 (mit Abbildung der Uhr).
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 106
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1152*
SELTENE UND SCHÖNE PRÄZISIONS-SKELETT-
PENDULE MIT DATUM, WOCHENTAG,
STERNZEICHEN UND SEKUNDE
Louis XVI/Directoire, Paris Ende 18. Jh. Das Zifferblatt rückseitig
signiert FLEUROT. Bronze vergoldet. Portalförmiges Gehäuse mit
Lyrastützen auf schwarzem Marmorsockel mit Tatzenfüssen und
eingesetztem Palmettenfries in vergoldeter Bronze. Email-Ziffer-
ring mit kobaltblauer Blättergirlande in vergoldeter und ziselier-
ter Lünette mit Girlanden und Adleraufsatz. Das Zentrum des
Zifferblattes gibt den Blick frei auf das offene Uhrwerk. Vergoldete
lyraförmige Stunden- und Minutenzeiger sowie gebläute Sekun-
den und Datumszeiger. Werk mit umgekehrten Scherengang und
Feinregulierung, Halbsekunde; Halbstundenschlag auf Glocke.
Repetition auf Anfrage. Schweres Kompensationspendel.
42 x 20 x 62 cm.
Kleinere Ausbrechungen am Zifferring, Emailschild auf Pendel
ersetzt. Werk eventuell zu revidieren.
Das Modell der Skelettpendule entwickelt sich im ausgehenden
18. Jh. Im Gegensatz zu den früheren Pendulen tritt die Be-
deutung des Gehäuses in den Hintergrund, während die feine
Mechanik des Werkes weitgehend sichtbar wird. Zumeist findet
sich das Zifferblatt reduziert auf einen Ring, womit das Zentrum
der Front offen bleibt und den Blick auf ein aufwändig gefertigtes
Werk möglich ist.
Eine Ursache für diese Entwicklung mag im Überdruss am über-
mässigen Dekor der Epochen vor der Revolution zu suchen sein.
Andererseits ist sie auch Ausdruck eines erwachten Interesses
an der komplexen Mechanik der Werke. So sind auch die meisten
Skelettuhren dieser Zeit, wie auch die hier angebotene, in tech-
nischer Hinsicht auf dem höchsten Stand, was sich in einer sehr
genauen Gangart manifestiert.
Literatur:
Pierre Kjellberg, Encyclopédie de la pendule française du moyen
age au XXe siècle. Paris 1997. S. 313ff. Mit Abbildung einer ähnli-
chen Pendule (S. 320, Abb. D).
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
1153*
GROSSES CARTEL
Louis XVI, Paris um 1770/75. Das Zifferblatt
signiert Filon à Paris. Claude Charles François
Filon, Meister 1782. Bronze ziseliert und vergoldet.
Kartuschenförmiges Gehäuse mit Vasenaufsatz,
Draperie sowie seitlichen Blättern. Der untere Ab-
schluss mit seitlichen Blattvoluten sowie Frauenk-
opf mit Blumenkranz im Haar. Weisses Emailzif-
ferblatt mit römischen Stunden- und arabischen
Minutenzahlen. Werk mit Ankergang und Halb-
stundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. H 92 cm.
Vergoldung berieben.
CHF 9 000 / 14 000
(€ 8 330 / 12 960)
| 108
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1155*
OVALER AUSZUGSTISCH MIT
ABKLAPPBAREN FLÜGELN
Directoire, Paris, Anfang 19. Jh. Mahagoni profi-
liert. Vorstehendes Blatt auf gerader, ausziehba-
rer Zarge mit hohen Säulenbeinen und stilisierten
Kreiselfüssen auf Rollen. Dazu 2 Auszüge à
47 cm. 125 x 63(121) x 75 cm.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1154*
PAAR APPLIKEN
Louis XVI, Paris um 1780. Bronze vergoldet. Mit
drei markant geschweiften Lichtarmen, die durch
Eichelblatt-Girlanden verbunden sind und mit
breiten Tropftellern sowie vasenförmigen Tüllen.
Auf sich nach unten verjüngendem Wandstück mit
geflammtem Vasenaufsatz. H 48 cm.
Vergoldung leicht berieben, zentraler Lichtarm
etwas lose. Spätere Durchbohrungen für eine Elek-
trifizierung.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 109
1156*
CARTEL „AU BACCHUS“
Louis XVI, Strassbourg um 1780. Das Zifferblatt signiert J.J.
HENTSCHEL À STRASBOURG. Vergoldetes Bronzegehäuse in
Kartuschenform sowie dekoriert mit Widderköpfen, Löwenfell
sowie Bacchuskopf als Aufsatz. Emailzifferblatt „en courbet“ mit
römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern. Werk mit
Spindelhemmung und Halbstundenschlag auf Glocke.
w1 Schlüssel. H 79 cm.
Zifferblatt mit feinen Rissen. Vergoldung später, das Zifferblatt
lackiert.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1157*
PAAR APPLIKEN
Louis XVI, Frankreich, Ende 18. Jh. Bronze vergoldet. Fa-
ckelförmiges Wandstück mit zwei geschweiften Lichtarmen
und Masche. Massive Tropfteller mit Blumenbekränzung.
Vogelpaar als Aufsatzfiguren. H 56 cm.
Spätere Durchbohrungen für eine Elektrifizierung. Schrau-
ben teils ersetzt.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 110
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1158*
ARCHITEKTENTISCH / „TABLE À LA TRONCHIN“
Louis XVI, Paris. Ende 18. Jh. Mahagoni. Rechteckiges Blatt
auf gerader Zarge mit Messingprofilstab und Pyramidenbei-
nen in Sabots und Rollen. Das Blatt zweifach aufklappbar, um
eine ebene oder schiefe Platte in unterschiedlichen Höhen
zu erzielen. Front mit sechs Schubladen, wovon drei blind
sind und die übrigen drei zu einer Schublade zusammenge-
fügt sind. Seitlich mit zwei Schubladen, davon je eine blind.
Die seitlichen Schübe mit zweiteiligem Klappdeckel, innen
mit zwei Fächern, ursprünglich mit kleinen Schubladen.
100 x 69 x 77 cm.
Teils stark ausgebleicht. Reparierte Risse. Innenblatt mit
Rissen. Stützleiste für Blatt fehlt.
CHF 8 000 / 14 000
(€ 7 410 / 12 960)
| 111
1159
AUFSATZ-SCHREIBKOMMODE
Kolonialspanisch, Mexiko, 18./19. Jh. Südameri-
kanische Harthölzer und Bein eingelegt in Form
von Sternen, geometrischen Reserven und
Friesen. Zurückversetztes doppeltüriges Ober-
teil mit welligem Kranz über schräg gestellter,
abklappbarer Schreibplatte und Unterteil mit
Doppeltüren. Auf gerader Zarge und Quetsch-
füssen. Die oberen Türen öffnend auf Tablare,
die Schreibplatte vor fünf Schubladen auf zwei
Rängen. Die unteren Türen vor vier Schubladen
auf drei Reihen. 100 x 47(78) x 193 cm.
Fehlende Marketerieteile. Türe leicht verzogen.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz
Unser Schreibkabinett ist ein besonders schö-
nes Beispiel der in den Spanischen Kolonien
hergestellten Schreibkabinette in europäischer
Manier. Diese prächtigen Einlagen von Rosetten
und geometrischen Motiven, findet sich an wei-
teren Kolonialen Möbeln der Zeit wieder, so etwa
an einem prächtigen Schreibkabinett, Mexiko 18.
Jh., welches sich bei Lacroze Inc. Kunsthandel in
New York fand.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 112
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1160*
RUNDER MITTELTISCH MIT PIETRA
DURA PLATTE
in Anlehnung an den Louis XVI-Stil, Frankreich,
Mitte 19. Jh. Das Blatt mit zentraler, von Mal-
achitfilet gefasster Reserve mit Mikromosaik,
Darstellung von Tauben an Wasserschale nach
antikem Vorbild. Schuppenartig umrahmt in
Pietra Dura Technik sowie Mäanderfries. Der
Fuss in vergoldeter Bronze mit drei Voluten-
beinen auf Bocksfüssen mit Rollen, verbunden
durch Mittelreif sowie eingezogenem Drei-
eck-Fusssteg mit geflammtem Vasenaufsatz.
D 77 cm, H 71 cm.
Vergoldung berieben.
Das Mikromosaik mit der Darstellung der Tau-
ben an der Wasserschale geht auf ein griechi-
sches antikes Vorbild zurück, das in der Hadrian
Villa in Rom gefunden wurde und heute in den
Kapitolinischen Museen verwahrt wird.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 113
1161*
PAAR GROSSE ZIERVASEN
Louis XVI, Paris um 1780. Rosafarbener Alabaster. Balusterförmige
Vase auf Trompetenfuss und Rechtecksockel. Die Wandung mit
leicht profilierten Ringen dekoriert. Eingezogener Hals. Bronze-
beschläge in Form eines Mäanderfrieses, Lorbeerblättern und
Lorbeergirlanden mit Maschen. Henkel in Form von Akanthusblät-
tern mit Beeren. Der Marmor-Sockel mit eingelassenem Relief in
weissem Marmor. Darstellungen des Bacchus mit Putten. Wohl
ursprünglich mit Deckel. D 30, H 78 cm.
Bestossungen und Fehlstellen.
CHF 18 000 / 28 000
(€ 16 670 / 25 930)
| 114
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1162*
PAAR DEKORATIVE KARAFFEN IN VERGOLDETER
BRONZEMONTUR
Louis XVI, Paris um 1780. Bronze ziseliert sowie vergoldet.
Blaues, facettiertes Opalinglas. Balusterförmiges Gefäss auf drei
Tatzenfüssen und eingezogenem weissem Marmorsockel. Breiter
Ausguss, die Unterseite mit Maskaron und Widderkopf verziert.
Henkel mit zwei Blattvoluten und Beeren verziert sowie jeweils
bekrönt von einer stehenden Puttofigur. H 40 cm.
Eine Kanne mit Riss. Sockel bestossen, Vergoldung leicht berie-
ben.
Ein identisches Paar, jedoch mit einer Sèvres Porzellan-Wandung
auf einem „Bleu Turquin“ Marmorsockel montiert, aus der Samm-
lung Gustave Pierre Bader (früher Harriet P. Schermerhorn), wurde
in New York bei Sotheby‘s Park Bernet am 9.-10. November 1962
unter Lotnummer 222 versteigert. Jenes Paar wurde später wie-
der als Teil der Bensimon Sammlung bei Couturier Nicolay, Hôtel
Drouot in Paris 18.-19. November 1981 angeboten (Lot 30).
Ein weiteres Vasenpaar ist zudem im Ausstellungskatalog Sothe-
by’s, Monaco (26 November 1979, Lot 235) einsehbar.
Weitere ähnliche Modelle der Porzellanmanufaktur Locré sind
auf dem aktuellen französischen Antiquitätenmarkt durchaus
bekannt, wobei das hier angebotene Modell aufgrund seiner
prunkvollen Ausführung in blauem, facettiertem Opalinglas ein
rares Sammlerstück darstellt.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
| 115
1164
ZWEI ECKKONSOLEN
Louis XVI, Italien, 18. Jh. und später. Holz durchbrochen
gearbeitet und geschnitzt mit Palmetten, Rosetten,
Drapperien sowie vergoldet. Viertelkreisförmiges, leicht
vorstehendes randmoulüriertes, rot/grau gesprenkel-
tes Marmorblatt auf gerader Zarge mit drappiertem
Schmuck auf S-förmigem Zentralbein mit Tatzenfuss.
Gearbeitet aus einer Demilune-Konsole. 88 x 60 x 80
bzw. 96 x 66 x 79 cm.
Fehlstellen und Verstärkungen. Abgeändert in der Struk-
tur.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
1163
KOMMODE
Louis XVI, Bern 1790/1800. Der Werkstatt von
Christoph Hopfengärtner (1758–1843) zuzu-
schreiben. Kirsche, Nussbaum, Birke, Wurzelmaser
und andere Hölzer gefriest sowie mit Mäander-
band und Filets eingelegt. Rechteckiger Korpus auf
gerader Zarge mit sich nach unten verjüngenden
Vierkantbeinen. In der Mitte leicht vorstehende
Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Getriebene
Messingbeschläge und -hänger. Graue, braun und
weiss gesprenkelte Marmorplatte. Schubladen
später innen bemalt. 94 x 60 x 89 cm.
Eine fast identische Kommode, allerdings mit
Vitrinenaufsatz, abgebildet: Christoph Hopfen-
gärtner und Zeitgenossen. Valentin Sonnenschein.
Schloss Jegenstorf Ausstellung 1986. S. 27 (Abb.
15). Diese sich in Berner Privatbesitz befindliche
Kommode wird dort der Werkstatt von Hopfen-
gärtner zugeschrieben. Die Kommode zeichnet
sich durch eine zurückhaltend klassische, jedoch in
der Verarbeitung wie in der Wahl des Furnierholzes
perfekt ausgeführte Marketerie.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 116
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1165*
PAAR APPLIKEN
Louis XVI, Frankreich um 1770. Bronze ziseliert und feuer-
vergoldet. Zwei geschweifte Lichtarme mit Blattdekor auf
köcherförmiger Wandplatte mit Vasenaufsatz und Maskaron.
Unten mit Granatapfelabschluss. H 48 cm.
Vergoldung berieben.
CHF 6 000 / 10 000
(€ 5 560 / 9 260)
1166
GROSSER ESSZIMMER VERLÄNGERUNGSTISCH
Louis XVI, Frankreich. Mahagoni. Ovales Blatt mit abklappbaren
Flügeln auf gekanteten konischen Beinen mit Messingsabots und
Rollen. D 148, H 73 cm. 4 spätere Verlängerungen
148 x 54 cm.
Gebrauchsspuren.
CHF 2 500 / 3 000
(€ 2 310 / 2 780)
| 117
1167
ZYLINDERSCHREIBKOMMODE
Louis XVI, Luzern um 1800. Nussbaum reich und fein
geschnitzt mit Rosetten, Perlstab, Zierfriesen sowie
Schuppenband. Rechteckiger Korpus auf gerader Zarge
und godronierten Kreiselfüssen. Oberteil mit Zylinderver-
schluss, öffnend über Zug am ausziehbaren Schreibblatt
vor drei kleinen Schubladen und Fach. Kommodenunter-
teil, in der Mitte vorkragend und mit drei Schubladen, die
oberste schmaler. Messingbeschläge. 1 Schlüssel.
131 x 63(88) x 109 cm.
Restaurierter Zustand. Risse und kleinere Fehlstellen.
Schreibblatt etwas verzogen.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1168 ♣
PENDULE MIT CARILLON
Louis XVI, Neuenburg um 1760. Geschweiftes Holzgehäu-
se belegt mit rot gefärbtem Schildpatt. Reiche vergoldete
Bronzebeschläge in Form von Girlanden, Maschen, Vasen,
Blumen und Blattvoluten. Das kartuschenförmige Gehäuse
mit Vasenaufsatz auf Volutenfüssen. Die Seiten mit durch-
brochener Grillage in Messing. Weisses Emailzifferblatt mit
römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Werk
mit Spindelgang und Stunden- sowie Viertelstundenschlag
auf zwei Glocken. Zugrepetition mit Viertelstundenschlag
auf drei Glocken. Zu den Stunden ertönt ein Carillon mit elf
Glocken und zehn Melodien. 2 Schlüssel. 40 x 15,5 x 81 cm.
Schlagwerk und Gehwerk zu überholen, Schlagwerkaus-
lösung nicht funktionstüchtig. Kleinere Risse und Fehlstel-
len, Vergoldung berieben.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 118
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1169
KOMMODE
Louis XVI, Schweiz, Luzern um 1800. Nussbaum,
furniert und geschnitzt mit Blumenkranz, Maschen,
Rosetten, Perlstab, Zierfries, Füllhörnern, Lorbeer-
und Eichelfestons etc. Rechteckiger Korpus mit
leicht überstehendem Blatt aus wellig ausgeschnit-
tener Zarge und Pyramidenbeinen. Front mit zwei
Schubladen. Durchbrochene Messingbeschläge.
1 Schlüssel. 124 x 62 x 86 cm.
Guter restaurierter Zustand. Gekitteter Riss im
Deckblatt.
Abgebildet bei: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E.
Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät-
renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S.
175, Nr. 172.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
1170*
PAAR ZIERVASEN,
Louis XVI-Stil, Paris, 19. Jh. Bronze ziseliert, teils ver-
goldet sowie braun patiniert. Balusterförmige Vase
auf Glockenfuss und Rechtecksockel. Reiches Dekor
in Form von Akanthusblättern, Lorbeerkränzen und
Delfinen. Assortierte Deckel mit Pinienzapfenab-
schluss. H 54 cm.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1173*
1 PAAR FAUTEUILS
Restauration, Frankreich, Anfang 19. Jh. Maha-
goni profiliert. Trapezförmiger Sitz auf gerader
Zarge mit vorderen konischen Säulenbeinen
mit Ringwulsten sowie hinteren Säbelbeinen.
Gepolsterte, leicht nach hinten geschwungene
Rückenlehne mit wenig geschwungenen Arm-
lehnen. Goldfarbener gestreifter Damastbezug
mit Lorbeergirlanden. 59 x 68 x 90 cm.
Die Armstützen frontseitig ursprünglich wohl mit
Bronzerosetten. Gebrauchsspuren.
CHF 800 / 1 000
(€ 740 / 930)
1171
PAAR GIRANDOLEN IN VASENFORM
Louis XVI, Paris um 1780. Weisser Marmor und
vergoldete sowie ziselierte Bronze. Der eiförmige
Vasenkorpus auf gestuftem Viereckfuss. Blattvolu-
tenhenkel, durch Blumengirlanden verbunden. Drei
Lichtarme in Form von Nelken- und Blätterzweigen.
Blütenförmige Tüllen. H 58 cm.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
1172*
EIN PAAR BRONZEFIGUREN
Louis-XVI-Stil, nach einem Modell von CLODI-
ON (Claude Michel, Nancy 1738-1814 Paris),
wohl Frankreich, 19. Jh. Brünierte Bronze und
dunkelroter, geäderter Marmor. Stehende jun-
ge Frau in faltenreichem Gewand, in der Hand
eine Wasserkanne tragend, auf Quaderplatte.
H 30,5 cm.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 120
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1174
PENDULE AUX CERCLES TOUR-
NANTS (TEMPLE DE L‘AMOUR)
Louis XVI, Paris um 1780. Das Werk signiert
Barbe à Paris. Joseph Barbe, Meister 1777.
Weisser Marmor und Bronze vergoldet. In
Form eines Rundtempels mit vier Rund-
säulen und Pinienzapfen als Abschluss. Im
oberen Teil das skelettierte Werk sichtbar,
darüber auf zwei sich drehenden Ringen
mit weissen Emailkartuschen ist die Zeit
ablesbar, die Stunden in römischen und
die Minuten in arabischen Zahlen. Dekor
in Form von durchbrochenen Galerien mit
Rankenwerk, Ketten und Perlzierstab. Werk
mit Ankergang und Halbstundenschlag auf
Glocke. D 18, H 40 cm.
Etwas zu restaurieren, Werk zu überholen.
Zentrale Amorfigur fehlt. Vergoldung be-
rieben. Untere Galerie wohl ersetzt.
Vergleichbare Uhren sind abgebildet bei:
Tardy. La pendule française. 2ème partie:
Du Louis XVI à nos jours. Paris 1969. S.
286/287.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 121
1175*
KLEINES RÄUCHERGEFÄSS „A L‘ANTIQUE“
Spätes Empire, Berlin, Ende 19. Jh. Monogr. AM und bez. NACHF.
6866 (Eisengiesserei Albert Anton Mewes, geb. 1812,) Nachfolger.
Gusseisen getrieben sowie Messing. Schale in fein profiliertem Ring
auf 3 kannelierten Stützen „aux têtes de bélier“ mit kleinem Feuer-
topf und Bocksfüssen auf eingezogenem, profiliertem Dreisockel.
D 10 cm. H 16 cm.
Die Entwurfszeichnung des hier angebotenen Räuchergefässes
ist abgebildet im Katalog „Abbildungen von gegossenen eisernen
Kunst-Producten in der Königlichen Eisengiesserei bei Berlin“, Berlin
1824-34; Tafel IV (Fig. 4).
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
1176*
SCHREIBSCHRANK
Empire, Frankreich, wohl Paris um 1810/20. Maha-
goni geflammt. Rechteckiger Korpus mit geradem
Hohlkehlkranz auf profiliertem Rechtecksockel. Front
mit abklappbarer, innen mit grünem, goldgepresstem
Leder bezogener Schreibplatte zwischen Doppeltü-
re und 3 Schubladen. Inneneinteilung mit Zentral-
schublade, flankiert von je 2 Schubladen. Vergoldete
Bronzebeschläge. Oberteil innen mit 2 Tablaren. 2
Schlüssel. Restauriert, etwas zu restaurieren. Bronzen
am Kranz fehlen. Furnierrisse auf Türen und Seiten.
122 x 49x(offen 80) x 211 cm.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 122
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1177
KONSOLE
Empire, Paris um 1815. In der Art von Jacob-Desmalter.
Mahagoni sowie Holz geschnitzt und dunkel gefasst.
Rechteckiges dunkles Granitblatt auf gerader Zarge und
durch vorne eingezogenen Sockel verbundenen vorde-
ren Karyatiden- sowie hintere Vierkantbeinen. Messing-
beschläge. 146 x 44 x 84 cm.
Randbestossungen (Marmorblatt). Fehlstellen im Holz.
Restaurierungen und Ergänzungen im Sockelbereich.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1178*
KLEINER TISCH
Directoire, Paris, Ende 18. Jh. Zitronenholz und
Mahagoni fein eingelegt mit Filets und Kannelierun-
gen. Oktogonales, abklappbares Blatt mit „Vert de
Mer“-Platte auf hexagonalem Schaft mit markant
geschweiftem Dreifuss. Sprung im Blattrand, Kratzer
sowie kleinere Fehlstellen. Füsse teils repariert. Risse
im Schaft. D 76, H 71 cm.
Sprung im Blattrand, Kratzer sowie kleinere Fehlstel-
len. Füsse teils Repariert. Risse im Schaft.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 390 / 1 850)
| 123
1179
DECKENLEUCHTER
Empire, Nordeuropa, um 1815/20. Holz geschnitzt, vergoldet und teils blau
bemalt. Schalenförmiger Lampenkorpus mit sechs geschweiften Lichtarmen,
verziert mit geflügelten Frauenbüsten. Aufsatzfigur in Form des Neptuns, darum
herum drei Seepferde. Hängend an drei Ketten, die Deckenplatte mit Blätterkro-
ne. Applizierte durchbrochene Messingfriese. D 80, H 120 cm.
Repariert. Elektrifizierung zu prüfen.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 124
1180
AMEUBLEMENT
Empire, wohl Russland um 1810/15. Bestehend aus: acht Stühlen und einer
Banquette. Mahagoni. Trapezförmiger geschweifter und gepolsterter Sitz
auf gerader Zarge und markanten, nach aussen geschweiften Vorderbeinen
mit Doppelbocksfüssensabots und hinteren Säbelbeinen. Durchbrochene
Rückenlehne mit geschweiftem Schulterbrett und durchbrochener Zunge in
Form von Doppelgreifen. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Palmetten,
Rosetten, Löwenköpfen und Granatäpfeln. Gelber, gestreifter Seidenbezug.
Stühle: 61 x 56 x 87 cm; Sofa: 195 x 60 x 87 cm.
Teils restauriert sowie etwas ausgebleicht. Stoff teils gerissen, zu ersetzen.
Provenienz:
- Kunsthandel München 1996. (Dort gekauft als Italien um 1790).
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
| 125
1181*
PAAR FIGÜRLICHE DREIFLAMMIGE GIRANDOLEN,
Empire, Paris um 1815. In der Art von Claude-François Rabiat (1756-
1815). Bronze braun patiniert sowie teilvergoldet. Die geflügelten
Frauenfiguren auf zylindrischem Postament und Rechtecksockel.
Tüllen in Form von Blumen- und Früchtekörben. H 55 cm.
Vergoldung berieben. 1 Tropfteller fehlt.
CHF 8 000 / 14 000
(€ 7 410 / 12 960)
| 126
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1182
TISCHPSYCHE
Deutschland, wohl Neuwied um 1800. Palisander und Ebenholz, montiert mit Messingkanneluren und Profilstäben.
Rechteckige, frontseitig leicht geschweifte Basis auf quadratischen Füssen. Front mit drei Schubladen, öffnend über
Federmechanismus. Schwenkbarer Spiegel montiert auf schräggestellten Vierkantsäulen. 67 x 35 x 93 cm.
Riss im Blatt. Fehlendes Stück einer Profilleiste.
Provenienz:
- Schweizer Privatbesitz
Gemäss einem Schreiben der Galerie Stuker in Bern aus dem Jahr 1975, wurde der Toilettenspiegel dort verkauft
und stammte aus dem Besitz des Fürsten Wied zu Neuwied. Tatsächlich weist das Stück in der Feinheit der Konst-
ruktion eine lose Verwandtschaft mit der in Neuwied ansässigen Werkstatt von Abraham und David Roentgen auf.
CHF 6 000 / 10 000
(€ 5 560 / 9 260)
| 127
1183*
EIN PAAR KERZENSTÖCKE
Retour d‘Egypte, Empire, Paris um 1805. Bronze fein ziseliert so-
wie teilvergoldet und braun patiniert. Eingezogener Dreieckfuss,
reliefiert mit Blattfries. Sich nach oben verjüngender, eingezoge-
ner dreieckiger Schaft, an der Basis von drei geflügelten Löwen-
büsten getragen. Reliefierter Dekor in Form von Sternzeichen,
Lyra, Eule, Äskulapstab, Palmetten und Blattgirlanden. Kugelige,
von drei Sphingen getragene Kerzentülle mit Tropftellern.
H 33,5 cm.
Die Ägyptomanie und die damit einhergehende Wiederentde-
ckung ägyptischer Dekorelemente in Europa wird durch den
napoleonischen Ägyptenfeldzug von 1789 begründet. Zahlrei-
che Illustrationen dieser Expedition, wie sie beispielsweise in der
bekannten „Description de l’Egypte“, einem Standartwerk der
französischen „Commission des Sciences et des Arts“, vorzufin-
den sind, verbreiten auf dem Kontinent ein idealisiertes Bild des
„Pharaonenlandes“. Als unerschöpfliche Inspirationsquelle für die
europäische Produktion dekorativer Kunst, beflügeln die wie-
derentdeckten ägyptischen Motive die Fantasie der heimischen
Kunsthandwerker. Ebenso tragen die beiden berühmten Bände
des Maler-Architekten Dominique Vivant Denon (1747-1825), in
denen er akribisch die grandiosen ägyptischen Monumente wäh-
rend des napoleonischen Feldzugs dokumentiert, zur Integration
neuer Stilelemente bei.
Obwohl die Kunsthandwerker vom neuen Themenfundus reich-
lich Gebrauch machen, setzten sie jene Motive gefiltert und dem
vorherrschenden neoklassischen Stil unterordnend ein. Zwar die
Traditionen der Greco-romanischen Grundformen respektierend,
sind es allem voran die Bronzegiesser die ägyptische Deko-
relemente in ihren Werken integrieren. So bereichern Sphinxe,
Pyramiden, Nubierinnen, Sonnenscheiben, Hieroglyphen, usw.,
das Formenvokabular bekannter Bronzekünstler wie Thomi-
re (1751-1843), Galle (1759-1815), Ravrio (1759-1814) und
Feuchère (1807-1852). Diese Ägyptomanie blieb schon anfangs
des 19. Jahrhundert nicht ohne Kritik, weshalb der Trend nur weni-
ge Jahre (1798-1808) andauerte. Das vorliegende Kerzenstock-
paar ist ein elegantes und schmuckvolles Zeitzeugnis des „Retour
en Egypte“-Stils. (Anne Dion-Tenenbaum, „ L’Egyptomanie et les
arts décoratifs français de la première moitié du 19e siècle „ in „
Dossier de l’Art „ n°17, février-mars 1994, Edition Faton SA, Dijon,
1994, S. 22-35.)
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
| 128
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1184*
FOLGE VON VIER APPLIKEN „À FLÈCHE“
Empire, Frankreich um 1805-1810. Modell von Claude Galle (1759-1815), Meis-
ter 1786. Bronze dunkel patiniert sowie teils vergoldet. Wandarm in Form eines
Pfeiles mit Dianakopf in Sonnenreserve. Die vier Lichtarme in Form von Hörnern,
am Ansatz mit einem Löwenkopf dekoriert. Zylindrische Tüllen mit Tropfteller.
H 62 cm.
3 Tüllen ersetzt. Vergoldung berieben.
Die vorliegenden Appliken im neoklassischen Stil des französischen Empires
zeichnen sich durch ihr jagdmotivisches Dekor aus (Pfeil, Jagdhorn, Maske der
Jagdgöttin Diana und Löwenköpfe). Die Feinheit der Ausführung bezeugt das
könnerische Talent Claude Galles (1795-1815), seines Zeichens Bronzekünst-
ler für den Garde-Meuble Louis XVI und Napoleon Bonaparte. Zusammen mit
Pierre-Philippe Thomire (1751-1843) und André-Antoine Ravrio (1759-1814)
zählte Claude Galle zu den populärsten Bronzekünstlern seiner Zeit und führte
Auftragsarbeiten für die Ausstattung des Trianons, der Schlösser Fontainebleau,
Saint-Cloud, Compiègne und dem Tuilerien-Palast aus. Identische Appliken „à la
flèche“ sind darum heute noch im Schloss Versailles und Fontainebleau ausge-
stellt. Erstere entstanden anlässlich eines Staatssekretär-Empfangs im Jahre
1806, letztere in Versailles um 1809 für die Esszimmerausstattung des Kaisers.
CHF 16 000 / 26 000
(€ 14 810 / 24 070)
| 129
1185
ASTRONOMISCHE TISCHUHR „COPERNIC“
Restauration, Schweiz um 1820/30. Das Zifferblatt und Tellu-
rium signiert F. Ducommun à La Chaux de Fonds. Turmförmi-
ges Alabastergehäuse, geschnitten mit Lorbeerfries, Blüte
sowie Blumengirlande. Zifferblatt mit weissem Emailzif-
ferring und arabischen Stundenzahlen um fein reliefierte
Messingplakette mit Liebessymbolen, darin einge-
setze ovale Email-Kartusche mit Signatur François
Ducommun. Das Gehäuse bekrönt von einem
durch das Uhrwerk angetriebenen, teils durchbro-
chenen sowie vergoldeten Tellurium. Im Zentrum
die Sonne, um die sich im Laufe eines Jahres die
emaillierte Erdkugel bewegt. Diese dreht sich
in 24 Stunden um die eigene Achse und wird
ihrerseits in 29,5 Tagen von einer emaillierten
Mondkugel umrundet. Auf einem kleinen
Zifferring ist anhand eines kleinen festste-
henden geblühten Stahlpfeils das jeweilige
Datum des synodischen Monats ablesbar.
Das Tellurium ist umfasst von einem versil-
berten Jahresring mit Angaben des Monats
sowie des Datums mittels eines festen
Nonius. Darunter ein feststehender Ring mit
12 Emailkartuschen mit den Tierkreiszeichen.
Neuenburger 8-Tagewerk mit 3/4-Stun-
denschlag auf 2 Tonfedern. Ankergang mit
Graham-Hemmung. Das Werk mit kleinem
Hilfszifferblatt für die Einstellung des Werks. Auf
geschwärztem Holzsockel und Glassturz.
Uhr: D 17,5 cm. H 42 cm.
Sockel und Glassturz: D 25 cm. H 57 cm.
Feine Bestossungen am Alabastergehäuse. Funktion
des Werkes und Telluriums nicht geprüft.
Provenienz:
- Bei François Ducommun gekauft von Niklaus Rodolph de
Wattwyl und seither im Besitze der selben Familie.
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge in den heutigen Besitz, Schweizer Privatbe-
sitz.
| 130
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Der Uhrmacher François Ducommun-dit-Boudry (1763-1839) entstammt einer international renommierten Uhrmacherfamilie aus
La Chaux-de-Fonds. Sein Vater, Abram Ducommun (1723-1797), war Uhrmachermeister mit Spezialisierung in der Anfertigung von
Planetarien und sein Grossvater mütterlicherseits, Josué Robert (1691-1771), war Königlicher Hofuhrmacher des Preußischen Königs
Friedrich Wilhelm I (1688-1740).
François Ducommun, ein regelrechter Uhrmacher und Handwerker, macht sich einen Namen als Fabrikant für Präzisionswerkzeuge. Er
produziert unter anderem auch Barometer, Kompasse, Zirkel, Graphometer, Wasserwaagen, Pantografen, Sextanten, Thermometer
und andere wissenschaftliche Instrumente. Seine Passion für die Astronomie manifestiert sich in der Herstellung eines grossen Pla-
netariums, welches wohl seine eindrucksvollste Kreation ist. Das 1817 fertiggestellte Planetarium kann man heute im Musée interna-
tional d’Horlogerie in La Chaux-de-Fonds bewundern. Dieser astronomische Mechanismus repräsentiert das Sonnensystem auf dem
Wissensstand des frühen 19. Jahrhundert. Dank einer Rollenkonstruktion öffnet sich der eindrückliche Globus aus lackiertem Papier-
maschee horizontal und gibt den Blick auf die Sonne frei, welche von Planeten und ihren Trabanten umkreist wird. Die Sphären der Ge-
stirne werden durch eine Silberhalterung mit beweglichen Stangen dargestellt. Der Mechanismus wird von einer Drehleier angetrieben,
wodurch die täglichen, wöchentlichen und jährlichen Bewegungen des Sonnensystems nachvollziehbar werden. Dieses Passionsobjekt
konnte von Interessenten für ein Eintrittsgeld von 1 Franc im Hause Ducommuns bestaunt werden, wobei das Geld den Benachteiligten
aus der Region zugutekam.
François Ducommun entwirft ebenfalls mehrere sogenannte „kopernikanische“ Uhren im Empire-Stil. Diese Standuhren sind von
einem Tellurium bekrönt, das die Erd- und Mondumlaufbahn darstellt und somit die Tages- und Jahreszeiten anzeigt. Seine Kuriositäten
erfreuten sich grosser Beliebtheit und laut Alfred Chapuis (Uhrmacher-Spezialist, Autor und Zeitgenosse Ducommuns) wurden Objekte
sogar bis nach Preussen verkauft.
Neun solcher astronomischen Pendulen sind bis dato bekannt: Drei befinden sich in Privatsammlungen; ein Exemplar in patinierter
Bronze im Museum für Angewandte Kunst in Mailand; ein weiteres Modell, jedoch mit einem Messinggehäuse, befindet sich im Uh-
renmuseum Beyer in Zürich und drei in der Sammlung des Musée international d‘Horlogerie de la Chaux-de-Fonds, wovon eine bis auf
einige Details identisch ist mit der unsrigen.
CHF 120 000 / 200 000
(€ 111 110 / 185 190)
François Ducommun-dit-Boudry, Musée Inter-
national de l’Horlogerie, La Chaux-de-Fonds.
© Musée international d‘horlogerie.
Astronomische Uhr von François
Ducommun, © Musée internatio-
nal d‘horlogerie.
Niklaus Rodolph de Wattwyl.
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
| 133
1186*
FOLGE VON ZWEI BERGEREN UND ZWEI FAUTEUILS „AUX
DAUPHINS“
Empire, Paris um 1810/20. P.A. BELLANGE (Pierre Antoine Bellange,
Meister 1788) zuzuschreiben. Mahagoni profiliert und fein beschnitzt mit
Delphinköpfen. Trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit Säbelbeinen.
Flache Rückenlehne mit ausladenden, direkt in die Delphinstützen über-
gehenden Armlehnen. Blauer Veloursbezug. Sitzkissen. Bergèren
60 x 47 x 46 x 94 cm. Fauteuils 55 x 45 x 46 x 94 cm.
Beine teils ergänzt. Fehlstellen.
P.A. Bellangé gehört zu den wesentlichsten und innovativsten Sitzmöbel-
herstellern des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Er lieferte Möbel
für die wichtigsten Herrscher- und Adelsfamilien seiner Zeit, wie zum
Beispiel für Laeken das Inventar der „chambre à coucher de l‘Empereur“,
für die Tuilerien die Einrichtung der Gemächer der „enfants de France“
und eine Vielzahl von Sitzmöbeln für den „grand salon“, aber auch ein
„ensemble de meubles“ für den damaligen Präsidenten der Vereinigten
Staaten von Amerika, James Monroe. Von diesem Ensemble sind heute
noch 1 Konsole, 4 Fauteuils und 2 Stühle erhalten. (D. Ledoux-Lebard, Le
mobilier français du XIXe siècle, Paris 1989; S. 50-58).
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1187
PENDULE MIT ODYSSEUS
Restauration, Paris um 1820/30. Das Zifferblatt signiert Bassot à Paris.
Pierre Bassot, aktiv 1806-1830. Bronze braun patiniert und Marmor
Brocatello di Siena. Auf gestuftem Rechtecksockel sitzende Figur des
Ulysse, er stützt sich auf das Werk und hält einen Stab in der rechten
Hand. Im Sockel eine Relief-Darstellung mit Speer, mit drei Bronzefüssen
in Form einer Eule (ein Fuss fehlt). Bronzezifferblatt mit römischen Ziffern.
Werk mit Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 57 x 38 x 17 cm
Zu revidieren. Marmor teils beschädigt. 1 Zeiger nicht passend.
Literatur:
H.L. Tardy, La pendule français des origines à nos jours, Paris 1961-64; S.
371 (Abbildung einer ähnlichen Pendule im Victoria and Albert Museum,
London).
CHF 2 800 / 3 500
(€ 2 590 / 3 240)
| 134
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1188
KESSEL MIT KLAPPHENKEL „À
L‘ANTIQUE“ AUF DREIFUSS
Restauration, Frankreich um 1830/40.
Bronze dunkel patiniert und reliefiert mit
breitem Zierfries von Rosetten, Perlrängen,
Blattvoluten und Greifen. In nach unten
eingezogener Zylinderform auf abgesetz-
tem Standring mit Mäanderfries und 3 Füs-
sen in Form von geflügelten Fantasiewesen
mit Tatzenfüssen. Aufklappbarer Doppel-
henkel mit Rosetten und Frauenköpfen.
D 36, H 42 cm.
Innen etwas korrodiert.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1189
PAAR ZIERVASEN
Restauration, Frankreich, um 1830/40.
Bronze teils braun patiniert. Empire-Vasen
mit Satyr-Henkeln auf rechteckigem Posta-
ment. Dekor in Form von Akanthusblättern,
Lorbeerkränzen mit Maschen und Zierfrie-
sen. 12,5 x 12,5 x 37 cm.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner
(1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 135
1190*
KOMMODE „À PORTES“ AUS DEM SCHLAFZIMMER
DER MADEMOISELLE MARS
Empire, Paris um 1825. Signiert Benar. Joseph-Marie Bénard,
Ebenist aktiv um 1825-1850 Mahagoni geflammt. Rechteckiges,
schwarz/beige gesprenkeltes Portor Marmorblatt auf gera-
der, leicht vorstehender und moulürierter Zarge mit vorderen
Bronze-Tatzenfüssen sowie hinteren Vierkantfüssen. Front mit
breiter Schubladen über Doppeltüre, innen mit drei Schubladen
„à l‘anglaise“. Die Türkassetten mit bemalten Porzellanmedaillons
besetzt, die durch vergoldete Messingfriese eingefasst sind. Die
Medaillons zeigen die Darstellungen von Allegorien der Musik und
der Poesie. 130,5 x 60 x 92 cm.
Schlüssel fehlt. 1 Riss, Fehlstellen.
Provenienz:
- Schlafzimmer der Mademoiselle Mars, 1 rue de la Tour-des-Da-
mes, um 1825
- Versteigerung nach dem Tod von Louis-Alphonse Bronner, Sohn
der Mademoiselle Mars, 12.-14. November 1874, Lot 78
- Sammlung Monsieur Loyer.
- Ankauf Loyère Fils, rue de Tournon, 1937 Paris.
- Sammlung Dr. Guy Ledoux-Lebard.
- Osenat Auktion: „L‘Empire à Fontainebleau : Succession Le-
doux-Lebard chez Osenat“, Fontainebleau, 09.12.2006, Lot 133.
- Französischer Besitz.
Anne-Françoise-Hippolyte Boutet (1779-1847), auch bekannt
unter ihrem Mädchennamen Mademoiselle Mars, war eine
renommierte französische Schauspielerin, die unter anderem in
Theaterstücken von Molière und Marivaux spielte. Im Alter von
20 Jahren trat sie der Comédie Française bei. Von Napoléon
Bonaparte besonders geschätzt und gefördert, profitierte sie bis
zur Restauration von ihrer Vorrangstellung in der französischen
Gesellschaft und konnte im Jahre 1824 nicht zuletzt dank der
grosszügigen Rente von 30’000 frz. Livre, welche ihr von Louis
XVIII zugesprochen wurde, ein Stadtpalais im Künstlerquartier
„Nouvelle Athènes“ in Paris erstehen. Für die Ausstattung ihres
Zimmers beauftragte sie den Ebenisten Joseph-Marie Bénard,
der wegen seines zeitgemäss pompösen Stils ein grosses
Renommée genoss. Mademoiselle Mars’ Lieblingszimmer, das
Schlafzimmer, beinhaltete ein komplettes Ameublement des
Künstlers, darunter die auch hier angebotene Kommode, welche
in der Auktion „L‘Empire à Fontainebleau: Succession Ledoux-Le-
bard chez Osenat“ (09.12.2006, Lot 133) versteigert wurde.
Joseph-Marie Bénard wurde 1823 an der Exposition des Produits
de l‘Industrie für seine „meubles en bois indigènes et richement
décorés“ (reich geschmückten Möbel aus regionalen Hölzern)
gerühmt. Er arbeitete unter dem Namen „Bénard Frères“ zudem
einige Jahre mit seinem Bruder bis zu deren
Firmenbankrott im Jahre 1829. Ab 1836 nahm er wieder seine
Tätigkeit als eigenständiger Ebenist auf.
Ausstellung:
-Musée des Arts décoratifs, „Chefs-d’œuvre des grands ébénis-
tes 1790-1850 de G. Jacob à Giroux“, 1951, Paris. (Vgl. Abb. 15.)
Literatur:
- Denise Ledoux-Lebard, Le Mobilier Français du XIX Siècle, Edi-
tions de l’amateur, 1984, Paris, S. 66.
- Denise Ledoux-Lebard und Jacques Robiquet, Austellungka-
talog „Chefs d‘oeuvre des grands ébénistes 1790-1850, de G.
Jacob à Giroux“, Musée des arts décoratifs, Paris, Januar-Februar
1951, S. 17-18
CHF 50 000 / 80 000
(€ 46 300 / 74 070)
| 136
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
| 137
1192
GROSSES REISENECESSAIRE
Restauration, Paris, 1819-1838. Birke mit
dekorativem Metallbeschlag in Form von
Friesen und stilisierten Palmetten. Recht-
eckige, an den Längsseiten gerundete
Schatulle mit Klappdeckel. Traggriff und mit
Perlmuttmedaillon. Im Deckel innen ein he-
rausnehmbarer Spiegel. Innen mit diversen,
teils herausnehmbaren Kompartimenten
und diversen Glasflakons und Holzdosen,
Trichtern, Tasse mit Unterschale, Essbe-
steck, Bürsten, Näh- und Manikürset, teils in
Perlmutt sowie Silber und Stahl.
30 x 23 x 12 cm.
Gebrauchsspuren.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
1191*
ZWEI BÜSTEN VON REMBRANDT
UND DÜRRER
Frankreich, 2. Hälfte 19. Jh. Signiert A.
Carrier. Albert Ernest Carrier-Belleuse
(1824–1887). Gips mit terrakottaartigem
Überfang. Auf späterem ebonisiertem
Holzsockel. H 54 cm.
Den ersten bedeutenden Erfolg erlebte
Carrier-Belleuse 1863, als Kaiser Napole-
on III die Skulptur der nackten Bacchantin
für die Tuilerien kaufte. Preise und Ehrun-
gen folgten, unter anderem die Ehrenme-
daille und die Mitgliedschaft der „Légion
d‘Honneur“ 1867 für die Figur des Mes-
sias. Carrier-Belleuse erhielt zahlreiche öf-
fentliche Aufträge vom Stadtpräfekten E.
Haussmann, der verschiedene Bildhauer
für grössere Projekte anwarb, und lieferte
viele Figuren für den Louvre, das „Théâtre
Français“, für den Hof der neu erbauten
Oper und für die „Banque de la France“.
Ab 1876 bis zu seinem Tod war er als Vor-
stand der Porzellanmanufaktur von Sèvres
tätig. Als Geschäftsmann verauktionierte
Carrier-Belleuse zahlreiche Figuren und
Modelle, die nicht als Auftragsarbeiten ge-
schaffen wurden. Seine Skulpturen schuf
er in der Formensprache des ausgehen-
den 18. Jahrhunderts, und verlieh ihnen
eine lieblich-erotische Ausstrahlung, ganz
dem Geschmack der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts entsprechend. (J.E.
Hargrove, The Life and Work of A. Carri-
er-Belleuse, Los Angeles 1980).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 138
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1193
REISENECESSAIRE
Paris, um 1820. Holz, Karton und Spiegelg-
las. Rechteckige Schatulle allseitig beklebt mit
bedrucktem Papier in Grün, Schwarz und Gold.
Der aufklappbare Deckel teils mit Spiegel belegt
sowie in zentraler Reserve bemalt mit Land-
schaftsdarstellung und Personen, in Gouache
auf Papier. Reiches Innenleben mit diversen
teils herausnehmbaren bzw. mit verspiegeltem
Deckel verschlossenen Fächern. Fünf Glasflakons
mit Deckel, drei Puderdosen in Porzellan, zwei
Puderkissen in Eichelform mit Goldring. Ebenso
mit kleiner Bürste, Ahle und Spachtel in Rotgold.
Unten mit Etikette bezeichnet: Herbin  Cie à
Paris. Mit gewidmeter Visitenkarte der Mme de
Tscharner de Morillon. Bezeichnet „boite à parfum
ayant été donné à ma Grandmère Madame de
Watteville de Frisching en souvenir de Madame
de Taleyrand ainsi qu‘un bassin en porcelaine de
Sèvre à son départ de Berne comme ambassad-
rice de France.“ 18 x 24 x 9 cm.
Schlüssel sowie ein kleines Werkzeug fehlen.
Provenienz:
- Bei der ursprünglichen Besitzerin handelt es sich
wohl eher um Frau Louise Elisabeth Emilie von
Wattenwyl, geborene von Ernst, Frau des Land-
ammans Niklaus Rudolf von Wattenwyl (1760-
1832) (Urgrosseltern der Madame de Tscharner
de Morillon).
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–
1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 4 500 / 6 500
(€ 4 170 / 6 020)
1194
SELADONVASE IN VERGOLDETER BRON-
ZEMONTUR
Das Porzellan, China, 19. Jh., die Bronze, Louis XVI-
Stil, wohl Paris, 19. Jh. Balusterförmiger Vasenkorpus
in seladonfarbenem Porzellan mit weissem relie-
fiertem Dekor in Form von Rocaillen, Blütenzweigen
und Vögel. Bronzemontierung in Form von Lorbeer-
kränzen, Kordeln und Draperien. Auf Standring mit
Rosetten und Zierfriesen. D 28, H 54 cm.
Vergoldung berieben. Hals geschnitten (bei Montie-
rung). Ursprünglich wohl mit Deckel.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1195
GROSSE SCHNEEBALLENVASE MIT DECKEL
Dresden, um 1880. Nach einem Meissener Modell von Johann Joachim
Kändler. Allseitig dicht mit weissen Blüten und „Schneeballen”, Vögeln
und zwei seitlichen, aus Ästen gebundenen Henkeln mit Blattwerk
appliziert. Der glockenförmige Deckel mit einem die Flügel spreizenden
Papagei auf dem Astknauf. Unterglasurblaue Marke von Schwertern mit
Stern, Ritzzeichen. H 81 cm.
Fehlstellen, kleine Reparaturen, kleine Bestossungen.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1196
PAAR LÖWENFIGUREN AUF BRONZESOCKEL
Napoléon III, Frankreich, 19. Jh. Serpentin vollrund gehauen in Form
von liegenden Löwen, nach einem Modell von Antonio Canova für das
Mausoleum von Clemens XIII in Sankt Peter von Rom. Auf vergoldetem
Rechtecksockel mit Einlaubfries und auch godronierten Kreiselfüssen.
44 x 19 x 31 cm.
Provenienz:
- Sammlung Raymond Subes, Château de Larnagol.
- Gekauft bei Galerie Desalle Hourton Paris. Kopie der Rechnung mit
obiger Provenienzangabe vorhanden.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1197*
DECKENLEUCHTER
Napoléon III in Anlehnung an den Louis XVI-
Stil, Paris um 1900. Signiert O. Lelievre sculpt.
Octave Georges Lelievre (1869-1947). Bronze
vergoldet. Leicht ovaler Leuchterkörper aus
Blättern mit unterem Traubenabschluss und
Pinienzapfen als Aufsatz. Sechs geschweifte
Lichtarme mit Blattvoluten und Lorbeergirlan-
den. Hängend an zwei Bändern. Giessermarke
Susse fes. Eds. Paris. 66 x 48 x 110 cm.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
1198*
BUREAU PLAT
Louis XV-Stil, England um 1900. Rosen-
holz und Palisander fein eingelegt in Form
von Blumen und Blattranken in Reser-
ven sowie gefriest. Rechteckiges, leicht
geschweiftes Blatt mit brauner geprägter
Lederauflage und in Bronzestab gefasst.
Auf ausgeschnittener dreischübiger Zar-
ge und geschweiften Beinen. Vergoldete
Bronzebeschläge in Form von Rocaillen
und Blättern. 1 Schlüssel.
141x71x80 cm
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 141
1199
STEINPLATTE MIT INTARSIEN IN TER-
RAZZO TECHNIK
England, 19. Jh. Rundes weisses Marmorblatt mit
polychromen Terrazzoeinlagen in Form einer Blu-
menvase mit zwei Vögel. In späterer geschwärzter
Einrahmung auf oktogonalem Schaft und eingezo-
genem Dreiecksockel.
Platte D 50, Tisch D 58; H 68 cm.
Kleinere Fehlstellen.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 390 / 1 850)
1200
PAAR EMAIL CLOISONNÉ VASEN
spätes Napoléon III, Frankreich, Ende 19. Jh.
Bronze vergoldet, Email Cloisonné in Form
von Rankenwerk, Blumen und Maschen.
Applizierter Bronzedekor Form von Bac-
chusmaske und zwei Putten. Auf weissem
Marmorsockel und Quetschfüssen.
H 27 cm.
CHF 600 / 900
(€ 560 / 830)
| 142
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1201
PAAR GIRANDOLEN ALLÉGORIE DE LA CHASSE ET
LA PÊCHE
Napoléon III, Paris um 1860. Nach Albert Ernest Carrier de Bel-
leuse, Ainzi-le-Château 1824-1887 Sèvres. Bronze brau patiniert
sowie teils vergoldet. Zwei Frauenfiguren als Allegorien der Jagd
und des Fischfangs, vegetabile Leuchter haltend in Form von
Schilf bzw. Eichenlaub mit neun Lichtarmen auf drei Ebenen. Die
Tüllen in Form von Schilfkolben und Distelblüten. Auf profiliertem
Griotte Rouge Rundsockel mit Eichenlaubkranz. H ca. 71 cm.
1 Tropfteller fehlt. Leicht berieben.
Die Bronzefiguren Fisherman and Huntress by A.E. Carrier de
Belleuse, datiert um 1865, sind abgebildet bei BRONZES SCULP-
TORS  FOUNDERS 1800-1930, by Harold Berman, volume four,
S.955 (3662/3663).
Als Schüler von David D‘Angers bewarb sich A.E. Carrier-Belleuse
1840 an der „Ecole des Beaux Arts“ und belegte wenig später das
Fach der Dekorativen Kunst an der Kunstgewerbeschule. Während
dieser Zeit begann er, Modelle für kunstgewerbliche Manufakturen
zu entwerfen. Er hatte damit einen solchen Erfolg, dass er in den
frühen 1850er Jahren für die florierende Manufaktur von Minton
arbeiten durfte. 1856 kehrte er nach Paris zurück, wo er weiterhin
für Minton tätig war, aber auch begann, als Bildhauer im Pariser
Salon auszustellen. Sein erster bedeutender Erfolg war 1863, als
Kaiser Napoleon III die Skulptur der nackten Bacchantin für die
Tuilerien ankaufte. Preise und Ehrungen folgten, unter anderem
die Ehrenmedaille und die Mitgliedschaft der „Légion d‘Honneur“
1867 für die Figur des Messias. Er erhielt zahlreiche öffentliche
Aufträge vom Stadtpräfekten E. Haussmann, der verschiedene
Bildhauer für grössere Projekte anwarb. A.E. Carrier-Belleuse
lieferte viele Figuren für den Louvre, das „Théâtre Français“, für
den Hof der neu erbauten Oper, für die „Banque de la France“ usw.
1876 bis zu seinem Tod war er als Vorstand der Porzellanmanu-
faktur von Sèvres tätig, die unter seiner Führung wieder sehr er-
folgreich wurde. Als Geschäftsmann verauktionierte er zahlreiche
Figuren und Modelle, die nicht als Auftragsarbeiten geschaffen
wurden. Seine Skulpturen orientieren sich an der Formensprache
des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die durch lieblich-erotische
Ausstrahlung ganz im Geschmack der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts gekennzeichnet werden.
Literatur:
J.E. Hargrove, The Life and Work of A. Carrier-Belleuse, Los
Angeles 1980. J. Segard, A. Carrier-Belleuse, Paris 1928. Thieme/
Becker, Leipzig 1999; 5/6, S. 73/74 (biogr. Angaben).
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 143
1202
OKTOGONALE SCHATULLE MIT MIKRO-
MOSAIKEINLAGEN
Italien, Rom um 1870. Von Augusto Castellani (1829-1914).
Messing. Achteckige Dose mit Perlstabdekor auf gequetschten
Füssen und mit sich nach oben verjüngendem Klappdeckel. Die
Wandungen und der Deckel mit 17 Mikromosaikkartuschen in der
Art der Antike; Darstellungen von wilden Tieren, Medusahaupt
und Theatermasken. Innen mit violettem Velours ausgeschlagen.
20 x 20 x 16,5 cm.
Der Entwurf dieser mit antikisierenden Motiven gefassten Mi-
kromosaik-Schatulle stammt vom römischen Juwelierkünstler
Augusto Castellani um 1870. Bereits zu dessen Lebzeiten wird
seine Kreation vom Autor Alfonso Sartirana in seinem Artikel über
das Atelier Castellani in höchsten Tönen gerühmt (Vgl. Arte in Ita-
lia, 1870). Die im Artikel betitelte cista muliebre (Damenschatulle)
illustriert deren wichtigsten Spezifika (Abb. 1, Sartirana, 1870,
S. 61). Darauf zu erkennen ist das Haupt der Medusa, die Thea-
termasken und die verschiedenen im Stile der römischen Antike
gestalteten Tiere. Augusto Castellani, von Sartirana lobpreisend
primato fra gli orefici italiani (der Ranghöchste unter den italieni-
schen Goldschmieden) genannt, übernimmt im Jahre 1865 die
vom Vater Fortunato Castellani, gegründete Werkstatt, just zu
jener Zeit, in der die italienische Mikromosaik-Produktion eine
neue Blüte und Glanzzeit erlebt.
Der achtkantige Schatullendeckel in Form eines Domes erinnert
an oktogonale Medaillons römischer Mosaikböden der Antike.
Castellanis antiker Motivfundus muss eher als Neuinterpretatio-
nen und weniger als treue Kopie eines antiken Modells bewertet
werden (Rudoe, 2004, S. 174). Die acht trapezoiden Bildflächen
des Domes repräsentieren jagende und fliehende Tiere (Raubkat-
zen, Jagdhund, Hirsch, Geissbock und Wildschwein), welche rund
um das zentrale Gorgonenhaupt arrangiert sind. Die vorliegende
Medusa ist identisch mit einer von Castellani entworfenen Bro-
sche, welche sich in einer auserlesenen Privatsammlung befindet
(Abb. 2, Rudoe, 2004, S. 48). Die rechteckigen Seitentafeln der
Schatulle zeigen Theatermasken ebenfalls im Gusto römischer
Villen-und Thermenmoisaiken. Rudoe stellt in ihren Untersuchun-
gen fest, dass die gleichen Theatermasken an den Treppenstu-
fen der Piazza Trevi, dort wo sich das Atelier Castellani ab 1869
befindet, sichtbar waren.
Eine andere Schatulle, wiederum identisch zu der unsrigen, ist
zweifellos eine Zeugin der wichtigsten Auftragsarbeit Augusto
Castellanis. Es handelt sich hierbei um eine Schmuckschatulle aus
dem Jahre 1872, das als Behälter für das sogenannte „ karolingi-
sche „ Ensemble fungierte, welches vom Kronprinzen Umberto I
von Italien (1844-1900) und seiner Gattin Margarethe von Italien
(1851-1926) der preussischen Prinzessin Viktoria (1840-1901)
zur Geburt ihrer Tochter Margarethe von Preussen (1872-1954)
geschenkt wird (Abb. 3, Rudoe, 2010, S. 417).
Beeinflusst durch vorchristliche und byzantinische Kirchenmo-
delle, brechen die Kreationen des Ateliers Castellani mit dem
vorherrschenden naturalistischen Kanon des italienischen Mik-
romosaiks der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Anstelle von
romantisierenden Landschaften und anderen Modeerscheinun-
gen jener Epoche treten bei Castellani vermehrt wieder christ-
lich-religiöse Motive wie das Lamm, der Fisch, die Friedenstaube
oder griechisch-römische Inschriften in den Vordergrund. Von
den archäologischen Wiederentdeckungen antiker Stätten stark
„L‘Arte in Italia“, Torino-Napoli, 1870, S. 61.
| 144
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
geprägt, beinhaltet die hauseigene Schmuck-und Goldsammlung
der Familie Castellani nebst zeitgenössischer neo-antiken Stücke
tatsächlich originale Antiquitäten, welche heute im British Muse-
um in London und im Louvre Paris konserviert sind.
An der Spitze der Mosaikkünstler im Hause Castellani befindet
sich Luigi Podio (aktiv 1851-1888). Als veritabler Schmuckarchäo-
loge verteidigt der Handwerker die Entwürfe des Ateliers Castel-
lani vor anachronistischen Kontaminierungen. Die intendierten
Unregelmässigkeiten auf der Mosaikoberfläche bezeugen auch an
unserer Schatulle den Willen der Macher, die technische Tradition
der Mosaikkunst zu respektieren. Dank dieser Irregularität wird
das Licht an den Mosaiksteinchen gebrochen, um so ein gewolltes
Lichtspektakel zu provozieren.
Vergleichende Literatur:
- Alfonso di Sartirana, „Arte applicata all‘industria: oreficerie della
Fabbrica Castellani in Roma“, in „L‘Arte in Italia“, Torino- Napoli,
1870, S. 60-62
- Austellung Katalog von Susan Weber Soros und Stefanie Wal-
ker, „Castellani and Italian Archaeological Jewelry“ (The Bard
Graduate Center for Studies in the Decorative Arts, Design and
Culture, New York, 18.11.2004-06.02.2005), Yale Universtity
Press, New Haven and London, 2004, S. 48 und 173-174
-Judy Rudoe, „The Castellani and the Italian Risorgimento“, in
Charlotte Gere und Judy Rudoe, „Jewellery in the Age of Queen
Victoria. A mirror to the world“, The British Museum, 2010, S.
398-425
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 145
1203*
DOKUMENTENSCHATULLE MIT HALBEDELSTEINEN
Napoléon III, Paris um 1860. Signiert Alph. Giroux  Cie. AParis.
Alphonse Gustave Giroux, 1810-1886. Ebenholz fein marketiert
in Sternmotiven. Vergoldete und gravierte, teils durchbrochene
Messingmontierungen in Form von Bändern und Eckverstär-
kungen. Die Bänder mit ovalen und runden Achaten, Carneolen,
Heliotropen sowie teils getönten Steinen besetzt. Rechteckiger
Korpus mit leicht geschrägten Ecken. Klappdeckel. Seitliche
Tragdeckel. Innen mit jadegrüner Seide ausgeschlagen. Schlüssel-
schild mit Vexierverschluss. 1 Schlüssel. 45 x 32 x 24 cm.
1 Edelstein fehlt auf der Rückseite.
1799 richtet François Simon Alphonse Giroux (1775/76-1848),
Schüler des berühmten Historienmalers Jacques-Louis David
(1748-1825), in Paris an der Rue du Coq-Saint-Honoré ein Ge-
schäft „à l‘enseigne au Coq Honoré“ ein, wo er vor allem Künstler-
bedarf wie Papier, Farben und Rahmen verkaufte und später eben-
falls Kleinmöbel sowie Luxusgegenstände im Geschmack der Zeit
produzierte. Während der Restaurationszeit erfährt das Geschäft
einen erheblichen Aufschwung dank zahlreicher Regierungsauf-
träge, unter anderem für die Kinder von Louis XVIII und Charles
X. Ab 1838 tritt sein Sohn Alphonse Gustave Giroux (1810-1886)
in den Familienbetrieb ein, der den Erfolg des Geschäfts unter
dem Namen „Alphonse Giroux et Compagnie“ aufrechterhält. Die
Kreationen des Geschäfts sind preisgekrönt: 1839 erhalten sie die
Silbermedaille an der „Exposition des produits de l‘industrie“, 1855
folgt eine weitere für ein herrliches Schachspiel mit Figuren aus
feinstem Silber. Nach der Übernahme des Familienbetriebs durch
Ferdinand Duvinages und Harinkouck gewinnt das Erfolgsduo im
Jahre 1873 an der „Exposition Universelle“ zwei Medaillen für eine
Elfenbein-Marketerie. Eine markante Veränderung der Wirtschaft
und vermutlich fehlende Kreativität führten jedoch dazu, dass „la
Maison Giroux“ während des Jahres 1885 vom Markt verschwin-
det.
Literatur:
- D. Ledoux-Lebard, „Le mobilier français du XIXe siècle“, Paris,
1989, S. 223 ff.
- Danielle Kisluk-Grosheide, „Maison Giroux and its oriental Mar-
quetery Technique”, Furniture history, Vol. 35, 1999, S. 147-172.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 146
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1204
KASSETTE
Hanau, 2. Hälfte 19. Jh. Kartuschenförmig. Allseitig getrieben
und ziseliert. H 27. L 28 cm. 1905 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Die Geschichte der Silberkassette findet ihren Ursprung in der
Mitte des 19. Jahrhunderts, als prunkvolle Einzelstücke aus
Silber oder mit Silber beschlagenem Holz hergestellt wur-
den. Zunächst als Repräsentationsstücke für überregionale
Ausstellungen gefertigt, um die Leistungsfähigkeit einer Firma
zu dokumentieren, fanden sie später auch Verwendung als
Schreib- und Ehrenkassetten.
Das Dekor der Kassetten bildet oftmals ein getriebenes Relief
mit testamentarischen Szenen. Die handelnden Figuren
werden dabei stark herausgetrieben ausgearbeitet und heben
sich von der flach ziselierten Landschaft ab, die weit in den
Hintergrund zu reichen scheint.
Bruno-Wilhelm Thiele, Verfasser der Publikation zum Tafel-
silber des Historismus aus Hanau, verweist darauf, dass das
Modell der Prunkkassette von Schleissner mit der Musternum-
mer 8124 mehrfach variiert wurde. Es kann davon ausgegan-
gen werden, dass vorliegende und hier zum Verkauf stehende,
äusserst aufwändig gearbeitete Kassette, auf demselben
Grundschema basiert, das einen ovalen Grundriss mit risali-
tartigen Vorsprüngen an den Längsseiten formt. Den Deckel
bildet eine kuppelförmige Dachkonstruktion. Alttestamenta-
rische Themen zieren die Längswände der Kassette, wohin-
gegen Masken und Blatt- und Blumenranken die Schmalseiten
bekleiden. (vgl. hierzu: Bruno-Wilhelm Thiele, Tafelsilber des
Historismus aus Hanau, Tübingen 1992, S. 108–112 und S. 239
(Kat.-Nr. 88 und Abb. 50)).
CHF 2 000 / 4 000
(€ 1 850 / 3 700)
Bruno-Wilhelm Thiele, Tafelsilber des
Historismus aus Hanau, Tübingen 1992,
S. 239, Abb. 50.
| 147
1205*
DRESSOIRE
Neorenaissance, Paris, 19. Jh. In der Art von
Charles Hunsinger. Palisander, Rosenholz und
andere Ebenhölzer sowie Marmor reich intar-
siert. Architektonischer rechteckiger Korpus
auf geradem, moulüriertem Sockel und
Quetschfüssen. Durchbrochener Aufsatz
mit Balustrade (unvollständig). Oberteil mit
Türe zwischen zwei kannelierten Doppel-
säulen, eine Nische bildend. Die Türe sowie
die Nischen fein intarsiert mit Blätter- und
Blumenvoluten, Vasen, Schwänen und Zier-
friesen. Unterteil mit Schublade auf vorderen
kannelierten Säulen und hinterer Rückwand
über flachem Sockel und Quetschfüssen.
2 Schlüssel. 80 x 42 x 171 cm.
Fehlstellen, die Balustrade unvollständig.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
| 148
1206*
VERRE ÉGLOMISÉ TISCHUHR IN FORM EINER KATHEDRALE
Baccarat, Ende 19. Jh. Signiert JB. Simon Graveur à Baccarat l‘an 1887. Verre églomisé reich graviert sowie appliziert mit farbigen
Glassteinen. In Form einer neogotischen Kathedralfront mit zwei Türmen. Dekoriert mit Masswerk, Spitzbogenfenstern und Heiligen-
darstellungen in Nischen sowie Maria und Jesus in Reserven. Aufgesetztes Zifferblatt in verre églomisé mit römischen Stunden. Späte-
res kleines Werk mit Federaufzug. 38 x 20 x 64 cm.
Diverse kleinere Fehlstellen und fehlende Elemente. Kreuzaufsätze fehlen.
Jean-Baptiste Simon war als „maître-graveur“ (Meisterstecher) für die Compagnie des Cristalleries de Baccarat von ca. 1855-1875
aktiv.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 149
1207*
BÜSTE DER FLORA
Italien, Jugendstil, um 1880. Weisser Marmor vollrund
behauen. Der Kopf der Flora leicht seitlich abgewendet,
mit Traubenranken im Haar. Fehlstellen. H 55 cm.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 150
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Koller   Decorative Arts Marz 2020
Koller   Decorative Arts Marz 2020
Koller   Decorative Arts Marz 2020

Koller Decorative Arts Marz 2020

  • 5.
    Zusätzliche Informationen undAbbildungen: www.kollerauktionen.ch Decorative Arts Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan AUKTION Donnerstag, 26. März 2020, 14.00 Uhr VORBESICHTIGUNG Mittwoch, 18. – Sonntag, 22. März 2020, 10 – 18 Uhr English descriptions and additional photos: www.kollerauctions.com Sabine Neumaier Porzellan & Fayence Head of department Tel. +41 44 445 63 12 neumaier@kollerauktionen.ch Stephan Koller Möbel & Dekorationen Head of department Tel. +41 44 445 63 20 skoller@kollerauktionen.ch Giordana Schmid Möbel & Dekorationen Tel. +41 44 445 63 52 schmid@kollerauktionen.ch Corinne Koller Silber Head of department +41 44 445 63 22 ckoller@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Silber Tel. +41 44 445 63 62 wepler@kollerauktionen.ch
  • 6.
    1002 COLLIER Teils unter Verwendungvon römischen antiken Elementen, 2./3. Jh. nach Christus. Bernstein und Gold. Ovales Medaillon mit Cabochon, wohl Granat. L 42 cm. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1001 RING Byzantinisch. Gold mit ovalem blauem Glascabochon. L 1,7 cm. Bestossungen am Cabochon, Ring fragmentarisch. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 300 / 500 (€ 280 / 460) | 2 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 7.
    1003 KREUZ-ANHÄNGER Byzantinisch, 5. bis7. Jh. Gold. Jeder Arm pentagonal und sich zum Zentrum verjüngend, die Enden mit feinem Perlstab verziert. Im Zentrum ein Saphir Cabochon, ebenso eingefasst durch ein Perlfries. Die flächige und bandartige Öse mit Perlfries. H 7,1 cm, B 6 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s New York, 13. Dezember 2002. Auktion 1164, Lot 664. - Schweizer Privatbesitz CHF 18 000 / 25 000 (€ 16 670 / 23 150) 1004 THRONENDE MADONNA MIT KIND Gotisch, Norditalien oder Spanien um 1300. Kiefer sowie Laubholz geschnitzt, gehöhlt und verschlossen sowie gefasst. Die Madonna in aufrechter Haltung auf Thronbank sitzend, das Kind stehend auf ihrem Knie mit Segensgestus sowie Stiglitz in der linken Hand. H 113 cm. Fassung stark übergangen, Kopf des Kindes geklebt. Rechte Hand der Madonna ergänzt. Diverse Fehlstel- len. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) | 3
  • 8.
    1005 EMAIL RELIQUIENKÄSTCHEN, SOG.CHÂSSE Gotisch, Limoges, 2. Hälfte 13. Jh. Kupfer graviert und feuerver- goldet sowie Email champlevé in Blau, Weiss und Rot. Rechtecki- ger Korpus auf flächigen Eckstollenfüssen und mit aufklappbarem Giebeldach. Umlaufendes Dekor in Form von stilisierten Ranken sowie Engelsbüsten in kreisförmigen Medaillons. Die Frontseite des Deckels zeigt Stationen aus dem Leben Marias: Verkündi- gung durch den Engel, Heimsuchung, Geburt Mariens, Maria mit Kind sowie der Flucht nach Ägypten. Der Deckel bekrönt von 5 Aufsatzkugeln, zwei davon in Bergkristall (eventuell später ersetzt). Die mittlere mit Kreuz bekrönt. Späteres Schloss und Durchbrechnung für Schlüssel. Schliesse in einem Schlangenkopf endend. Die Bodenunterseite mit Inventarnummer O.2 in Rot. 20,5 x 8 x 15,5 cm. Vergoldung teils berieben, mehrere Fehlstellen im Email. Schlüssel fehlt. Verschlusshaspel sowie Aufsatzkreuz spätere Ergänzungen. Provenienz: - Ehemals Sammlung Ole Olsen Kopenhagen. - Auktion Winkel Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72. - Durch Schenkung und Erbschaft zum heutigen Besitzer. Die Kunst des Email champlevé erlebte in der Region Limoges im 12. bis 14. Jahrhundert eine grosse Blüte. Während davor haupt- sächlich kleinere emaillierte Plaketten auf vergoldete und gravierte Kupfertafeln appliziert wurden, emaillierte man ab dem ausge- henden 12. Jahrhundert mehr die flächigen Stellen, die figürlichen Darstellungen hingegen erschienen ziseliert im vergoldeten Kupferkern. Hermann Schmitz. München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III. | 4
  • 9.
    Die Reliquienverehrung erlebteim frühen Mittelalter eine Blüte- zeit. Sie basiert auf der Annahme der Unvergänglichkeit des Lei- bes Christi und dem Glauben an besondere Kräfte der Überreste von Märtyrern und Heiligen – überliefert in sogenannten Mirakel- berichten, die viel von der Religiosität und den Heilsvorstellungen jener Epoche vermitteln. Für die Aufbewahrung der als Reliquien verehrten Knochensplittern, Textilfragmente oder Splitter des Kreuzes Christi wurden schöne und wertvoll gearbeitete Scha- tullen und Gefässe verwendet, teils spezifisch in der Form auf die jeweilige Reliquie ausgestaltet (Kreuzreliquiare, Ostensorien, etc.). Form und Zierwerk des hier angebotenen Reliquienkästchens sind typisch für die zweite Hälfte des 13. Jh. Das Motiv der Engels- büsten in Blattranken findet sich verschiedentlich auf Limousiner Arbeiten, was auf eine gewisse Standardisierung der Produktion hinweist. So sind ähliche Kästchen in den Kirchen von Aixe-sur-Vi- enne (Haute-Vienne), Lamontjoie (Lot-et-Garonne), Lunegarde (Lot) erhalten. Erwähnenswert und selten ist die Darstellung der Geburt Christi; Maria liegt dabei in einem Bett, in einer Schale darüber sitzen ein Ochse und ein Esel, als Symbole für die Geburt in der Krippe. Die vergoldeten und emaillierten Kupfertafeln wurden zumeist auf einen Holzkern geschlagen, weniger häufig sind Reliquienschrei- ne, bei denen die Kupferplatten direkt zusammengefügt wurden. Ein in Konstruktion und Dekor verwandtes Kästchen wurde im Rahmen der Auktion der Keir Collection von Sotheby‘s in New York versteigert: Keir Collection (Sotheby‘s, New York, 20 November 1997, lot 93). Ein weiteres Vergleichsstück wurde verkauft bei: Christie‘s, Sale 2797, Anton Philips, Entrepreneur Connois- seur, Amsterdam, 6 November 2007, Lot 148. Ein anderes sehr vergleichbares Stück aus privater Sammlung bei: Pietro Lorenzelli e Alberto Veca. Tra/E. Teche, pissidi, cofani e forzieri d‘all alto Medioevo al Barocco. S. 57. Das hier angebotene Reliquiar zählte einst zur umfangreichen Kunstsammlung des dänischen Filmproduzenten Ole Olsen (1863–1943) in Kopenhagen. Olsen gründete 1906 die Nordisk Film A/S, heute die älteste bestehende Filmproduktionsgesell- schaft der Welt. Ein Teil der Sammlung des 1943 verstorbenen Ol- sen - so auch der hier angebotene Reliquienschrein - wurde1953 bei Winkel Magnusson in Kopenhagen versteigert. Der exzen- trische Filmproduzent liess sich bei Esterhøj einen Grabhügel in Winkinger Art errichten, wo er zusammen mit einem kleineren Teil seiner Sammlung bestattet wurde. Literatur: - Hermann Schmitz. Generaldirektor Ole Olsens Kunstsamlinger, München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III. - Winkel Magnussen Eds. Kunst i private Eje. S. 2, Abb. 2). - Auktion Winkel Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72. Vergleichende Literatur: - Marie Madeleine S. Gauthier. Emaux Limousins champlevés des XIIe XIIIe XIVe siècles. Paris 1950. - Marie-Madeleine Gauthier and Geneviève François. Medieval Enamels. Masterpieces from the Keir Collection. London 1981. No. 28. S. 25 und Abb. 28, Figure 6. CHF 70 000 / 120 000 (€ 64 810 / 111 110) | 5
  • 10.
    1006* HEILIGER FLORIAN Spätgotisch, wohlSchwaben um 1480. Linde vollrund geschnitzt sowie mit Resten von Fassung. Der Heilige in Vollrüstung auf flachem naturalistischem Sockel stehend. H 129 cm. Linke Hand teilweise bzw. ganze rechte Hand ersetzt. Ehemals gefasst und mit Fassungsresten. Fassung Ge- sicht stark übergangen. Ergänzung an der linken Schulter. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1007 PAAR SPÄTGOTISCHE SCHEIBENLEUCHTER deutsch, 16. Jh. Messing und Eisen. Zylindrischer Schaft mit Scheibenwulst auf getrepptem Rundfuss. Breite Tropfschale und hoher Eisendorn. H ca. 31 cm. Teils korrodiert und bestossen. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) | 6 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 11.
    1008 RELIQUIENBÜSTE Rheinisch, 1. Hälfte14. Jh. Weibliche Büste in Nussbaumholz geschnitzt. Frontal mit lächelndem Ausdruck und symme- trisch fallendem Lockenhaar. Auf der Brust runde Öffnung mit Dreipass. Der Scheitel ist abnehmbar und mit Scharnier befestigt. Innen hohl, unten mit einem Brett verschlossen, dessen rückwärtiger Teil ergänzt ist. Gesicht und Hals mit Silberfarbe bemalt, die schwärzlich geworden ist. Vergoldung am Gewand und Haaren später. B 32, H 39 cm. Vergoldung und Versilberung stark überarbeitet. Provenienz: - Ehemals Sammlung Figdor - Schweizer Privatbesitz Abbgebildet in Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien 1930, Tafel Nr. 158. CHF 8 000 / 14 000 (€ 7 410 / 12 960) Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien 1930, Tafel Nr. 158. | 7
  • 12.
    1009* LÜSTERWEIBCHEN Renaissance, Süddeutschland oderSchweiz um 1600. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Frauenbüste mit Sirenenschwanz, sie trägt ein Renaissance Gewand mit Halskrause. Mit Wappenkartusche (nicht identifizier- bar). Hirschgeweih. 102 x 105 x 58 cm. Ein Unterarm sowie Schwanzende fehlen. Eine Geweihspitze fehlt, einige repariert. Im Haarbereich überarbei- tet. Ein ähnliches, in die zweite Hälfte des 16. Jh. datiertes Lüsterweibchen, das sich um 1900 im Kgl. Kunstge- werbemuseum Berlin befand, ist abgebildet bei: Kurt Jarmuth, Lichter Leuchten im Abendland. Braunschweig 1967, S. 182 (Abb. 170). CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1010 ALLIANZ-WAPPENSCHEIBE Ostschweiz, Renaissance, dat. 1570. Zentrales Feld mit den Wappen der Familien Zimmermann sowie Baumann in portalförmiger Einrahmung. Die Eckbilder oben und unten mit Personendarstellun- gen sowie Sinnsprüchen. In Kartusche be- zeichnet: Ulrich Zimmermann Bürger zu Wyll Anna Bumeni von Appenzell sinnliche Hausfrau 1570. 21 x 32 cm. Mehrere Sprünge. Ergänzungen. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 8 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 13.
    1012 HEILIGE MARGARETHE Spätgotisch, Süddeutschlandoder Schweiz um 1500. Linde geschnitzt, verso gehöhlt sowie gefasst und teilvergoldet. Die Heilige mit Krone in reich verziertem Gewand und mit Umhang, steht auf einem Drachen. H 65 cm. Ergänzung am Sockel. Alte Reparatur, Kleid wenig beschnitten. Hand später, Finger unvollständig. Fassung stark berieben, teils überarbeitet. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1011* THRONENDE MADONNA MIT KIND Gotisch, Süddeutschland, 1. Hälfte 14. Jh. Linde geschnitzt, verso gehöhlt sowie mit Resten von Fas- sung. Maria auf einen einfachen Thronbank sitzend in aufrechter Haltung, der Christusknabe kniend auf ihrem Schoss mit Segensgestus. H 77 cm. Ein Unterarm der Madonna fehlt. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 9
  • 14.
    1013 THRONENDE MADONNA MITKIND gotisch, Italien, 13./14. Jh. Holz geschnitzt, Verso geflacht sowie mit Resten der Fassung. Die Madonna sitzt auf einer Bank, den Blick frontal dem Betrachter zugewandt, das Kind sitzt auf ihrem linken Knie. Stark verwurmt, teils fragmentarischer Zustand mit zahlreichen Kittungen. H 80 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1014* EISENKASSETTE Renaissance, Deutschland, wohl Augs- burg, 17. Jh. Eisen mit geätzem Dekor. Rechteckige Kassette auf gequetschten Kugelfüssen. Die Front und Rückwand dekoriert mit zwei Reserven in Ranken- werkumrandung, Darstellung von Phöni- xen. Die Seitenwandungen dekoriert mit Doppeladlern, ebenfalls in dreiseitiger Rankenwerkumrahmung. Dekor des Klappdeckels entsprechend der Front, jedoch stark berieben. Schloss mit fünf Riegeln. Seitliche Traghenkel. 1 Schlüssel. 30 x 19 x 20 cm. Korrodiert. Reparaturen im Bereich des Schlüsselschildes. CHF 2 500 / 3 000 (€ 2 310 / 2 780) | 10 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 15.
    1016* KLEINE EISENSCHATULLE Renaissance, wohlFrankreich oder Italien, 16. Jh. Eisen mit graviertem Dekor in Form von Blattvoluten und Blumen. Appliziert mit vergoldeten, teils durch- brochenen Messing- oder Kupferbeschlägen in Form von Voluten und Zier- friesen. Rechteckiger Korpus auf leicht ausgestelltem Rand und Rundfüssen (wohl später) mit facettiertem Klappdeckel. Die Ecken mit vollplastischen Figuren besetzt. Innen mit späterem türkisem Seidenbezug ausgeschlagen. 1 Schlüssel. 14 x 9,5 x 7 cm. Teils leicht verbeult sowie korrodiert und berieben. Innenfutter später. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1015 PAAR LEUCHTERENGEL Spätgotisch, Luzerner Raum um 1500. Linde vollrund geschnitzt sowie braun patiniert. Beide Engel kniend in Schup- pengewand und mit Pluviale, sie tragen in beiden Händen einen tordierten Leuchter. Leicht eingerollte Flügel. Auf der Unterseite bezeichnet auf Etikette. Ergänzungen. H 35 bzw. 36 cm. Kleinere Fehlstellen. Flügel und Sockel später. Proveninez: Privatbesitz Luzern. Ursprünglich wohl aus der Schlosskapelle Hünegg bei Baldegg. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) | 11
  • 16.
    1017* ♣ SELTENER INTARSIERTER FALTSTUHL Dynastieder Nasriden oder etwas später. Andalusien, letztes Viertel 15./Anfang 16. Jh. Nussbaum eingelegt mit Bein und Metall in Form von stilisierten Blütenfriesen. Stoffsitz auf geschweiftem und klappbarem X-Gestell. Geschwungene und vorne eingerollte Armlehnen. Rückenlehne und Sitz in späterem grünem Velours mit Goldbrokatbändern. Kleinere Ausbrüche und fehlende Intarsi- enteile. 69 x 48 x 101 cm. Fehlstellen und Wurmgänge an einem Bein. Provenienz: Privatsammlung Portugal Die muslimisch-maurische Dynastie der Nasriden herrschten von 1232-1492 über das Emirat Granada und das heutige Gebiet Andalusiens. Die für die Zeit und Region typischen Mikromosa- ik-Arbeiten, im spanische Taracea Technik genannt, war in Spanien und Nordafrika weit verbreitet und an den früheren Höfen der Almoraviden und Almohaden geschätzt. Ein frühes Beispiel der Technik findet sich beispielsweise an der Kanzel der Mesquita in Cordoba, einer Erweitung durch al-Hakim II in der Zeit um 961-97. Eine Radio Karbon Untersuchung von 2 Proben des Stuhles erlaubt eine Datierung in die Zeit zwischen 1468 und 1635 bzw. 1320 und 1428. Früheste Darstellung dieses Stuhltypus stammen aus der Zeit der Ägypter, 2000 vor Christus. Sowohl in der griechi- schen und römischen Antike als auch in der islamischen Welt des 12. und 13. Jahrhunderts war er beliebt. Ein sehr ähnlicher Stuhl befindet sich im Metropolitan Muse- um in New York und wird auf das späte 15. Jh. datiert (Inventar Nr. 27.225.1, abgebildet bei Otto Kurz. Foldig Chairs and Koran Stands. Ettinghausen 1972. S. 304-305, Nr. 10.). Ein anderer, aus der Zeit des 14./15. Jh. befindet sich in der Sammlung des Muse- ums der Alhambra. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 12 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 17.
    1018* FIGUR DER CERES Renaissance,Venedig um 1600. Die Plinte monogrammiert IC, wohl Werkstatt des Girolamo Campagna (1549-1625). Bronze dunkel pati- niert. Die Göttin stützt sich mit einer Hand auf ein Füllhorn mit Blüten sowie Ähren und hält in der anderen Blumen. Montiert auf rosafarbe- nem und schwarzem Steinsockel. Figur H 35 cm. Reparaturen an Bein, Fuss und Ellbogen. Diese Figur weist bei der Gestaltung der flächigen Füsse sowie den relativ massigen Unterschenkeln Ähnlichkeiten mit einer Figur der Venus Marina im Metropolitan Museum New York auf (Inventarnr. 68.141.19), die ebenfalls auf der Plinthe das Monogramm IC trägt und aufgrund dieser der Werkstatt Campagna bzw. dem jüngeren Bruder Giuseppe Campagna zugeschrieben wird, der mit Iseppo zeichnete. Auch erinnert die Figur an Arbeiten des Giuseppe de Levis (1562- 1611), von dem zwei Kaminböcke mit vergleichbaren Figuren der Venus und des Jupiters im VA erhalten sind (Inventarnr. 3012:1 to 9-1857). Eine ähnliche Nutzung dieser Ceres als Figur auf einem Ka- minbock ist ebenfalls denkbar, womit sich auch die etwas einfachere Ausführung erklären liesse. Charles Avery. Joseph de Levis Company. Renaissance Bron- ze-founders in Verona. London 2016. Col. 22 und Col. 23 mit Abbil- dungen der Kaminböcke im Victoria Albert Museums London. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) 1019 RADIERMESSER Deutschland, um 1600. Die blattförmige Stahlklinge mit graviertem Dekor (stark berieben). Leicht geschwungener, gekanteter Griff in Bein. Metallzwinge. L 28,2 cm. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1020 ♣ RADIERMESSER Frankreich oder Italien, Ende 16./Anfang 17. Jh. Vergoldete blatt- förmige Stahlklinge mit graviertem figürlichem Dekor sowie Wap- penkartusche. Leicht gebogener Elfenbeingriff, am vorderen Ende beschnitzt mit Blättern und Rillen. L 26,3 cm. Griff mit Riss. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 13
  • 18.
    1021* BUFFET À DEUXCORPS Renaissance, Frankreich, wohl Paris, 2. Hälfte 16. Jh. Nussbaum reich und fein beschnitzt. Rechteckiger, architektonisch geglieder- ter Korpus mit gesprengtem Giebel auf gekehlter, leicht vorkra- gender Zarge und späteren Quetschfüssen. Das Oberteil mittig mit Diana als Aufsatzfigur in Blattvoluten gerahmter Nische. Der gesprengte Giebel mit Blattvoluten und Rosette beschnitzt. Kas- settierte Doppeltüren unter Kranzfries, beschnitzt mit Löwenköp- fen, Palmetten und plastisch gearbeiteten Adlern. Die Ecken mit Dreiviertelsäulen besetzt. Das leicht vorstehende Unterteil mit Schublade über Doppeltüren. Die Schublade mit teilplastischem geflügeltem Engelskopf beschnitzt. Die Türtäfelungen zeigen Allegorien der vier Jahreszeiten in Flachschnitzarbeit. Die Lisenen des Unterteils mit vier Reserven, Darstellungen von Schwänen so- wie Fabelwesen. Ober- und Unterteil mit rechteckigen Reserven in schwarzem Marmor bzw. Brekzie. Die Seitenwandungen kasset- tiert. Eisenbeschläge. 1 Schlüssel. 105 x 42 x 201 cm. Restaurierungen und wenige Ergänzungen. Fehlstellen und Kit- tungen. Spätere Schlösser. Die in feiner Flachschnitzerei ausgeführten Dekorationen zeugen vom Einfluss der Schule Fontainebleau, welche in der ersten Phase wesentlich von italienischen Künstlern geprägt war. Die Bezeichnung geht auf eine Gruppe von Künstlern zurück, die vom Französischen König Franz I. im 16. Jh. angeworben wurde, um die Ausstattung seines bevorzugten Schlosses Fontainebleau auszu- führen. Es entwickelte sich eine besondere Spielart des Manieris- mus. Das Interesse des Königs galt nicht nur der Kunst, sondern ebenso der Literatur und Wissenschaft. Fontainebleau wurde so zu einem Zentrum für die Verbreitung der Ideenwelt der Renais- sance und der Kunst des Manierismus im nördlichen Europa. Ein Buffet „à deux Corps“ aus der ehemaligen Arconati-Viscon- ti-Sammlung, welches im Louvre aufbewahrt wird, weist einen ähnlichen gebrochenen Giebel mit Blattvoluten und Sphinx-Re- liefs vor (Inv.-Nr. OA 6970). Ein weiterer solcher Schrank aus der Sammlung Rothschild vom Château de Ferrières zeigt eine vergleichbare Verwendung der Allegorien von Frühling und Som- mer mit identischen Schwanen-Medaillons sowie einer mit einem Putto-Kopf verzierten Schublade (Auktion Sotheby‘s in Monaco, 3. Dezember 1994, Lot 9). Nichtzletzt kann auch das Exemplar aus der Sammlung des Musée des Arts Décoratifs in Paris als Vergleichsobjekt herangezogen werden (Inv.-Nr. GR 809). CHF 35 000 / 50 000 (€ 32 410 / 46 300) | 14 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 20.
    1022 VERMEIL-BUCKELPOKAL Augsburg, 1. H.17. Jh. Meistermarke Theodor Riederer oder Tobias Riederer. H 16,4 cm. 180 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 1 800 / 2 600 (€ 1 670 / 2 410) 1023* PAAR „FURIETTI“ ZENTAUREN Italien, wohl Rom, 19. Jh. Nach dem hellenistischen Vorbild eine Allegorie auf die Jugend und das Alter. Bronze braun patiniert. Einer ist ein reifer, bärtiger Zentaur, mit einem gequälten Ausdruck und der andere ist ein junger lächelnder Zentaur, mit seinem Arm angehoben. Beide Zentauren mit einem reitenden Amor. Montiert auf maseriert bemalten, gestuften Holzsockel. H ohne Sockel 34 bzw. 30 cm. Während der Ausgrabung der Hadrian-Villa in Rom 1736 sollen von Giuseppe Alessandro Furietti antike Marmor-Zentauren entdeckt worden sein. Er brachte sie in seinen Palast, um sie nach jahrelangen Verhandlungen 1765 Papst Clemens XIII zu verkau- fen, der sie im Capitolinischen Museum ausstellte. Dieses Zentauren-Motiv erfreute sich höchster Beliebtheit und wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Grös- sen und Materialien hergestellt. Ein Paar aus Marmor steht an der Steinbrücke im Park des Palais Malmaison. CHF 9 000 / 14 000 (€ 8 330 / 12 960) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 21.
    1024 GESCHNITZTER STUHL Renaissance, Frankreich,zweite Hälfte 16. Jh. Nussbaum reich geschnitzt mit Mischwesen, Bachanten, Harpyien als Karyatiden und Zierfriesen. Rechteckiger rand- moulürierter Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen Bacchantenstützen und Tatzenfüssen. Portalförmige ausgeschnittene Rückenlehne mit zwei Wassergreifen als Aufsatz. Sitz abgeändert, heute mit abnehmbarem Kissen. 43 x 44 x 93 cm. Kleinere Ergänzungen und Reparaturen. Gebrauchsspu- ren. Fehlstellen. Mit einer Kopie der Expertise von Jaqueline Boccador, Paris, 10/04/1994. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) 1025* KLEINE PASTIGLIA-KASSETTE Renaissance, Italien, wohl Ferrara, Anfang16. Jh. Holzkern mit Reliefdekor in Pastiglia sowie vergoldet. Umlaufend mit figürlichen Darstellungen mit römischen Soldaten, wohl der Geschichte von Johannes dem Täufer. Blätter- und Zierfriesen. Rechteckiger Korpus mit Klappdeckel mit Knauf (wohl später). 16 x 11 x 10 cm. Füsse fehlen. Pastigliadekor mit zahlreichen Fehlstellen sowie teils unvollständig. Pastiglia ist die Bezeichnung für partiell pastos aufge- tragene Masse, meist bestehend aus Kreide, gemischt mit Pigmenten und Bindemitteln. Diese Technik wird vor allem für die reliefartige Hervorhebung bestimmter Darstellungen auf Tafelbildern angewandt und war schon im alten Ägypten bekannt, wo man Mumienbildnisse mit Pastiglia verzierte. Später fand diese Art der Reliefierung auch in der byzantinischen Gebiet Verwendung, und ab dem 12. Jahrhundert in Südeuropa, von wo aus sich die Pastiglia nach Norden ausbreitete. Vergleichbare Stücke finden sich im Metropoltan Muse- um New York (Inventar Nr. 117.190.585) sowie im Musée nationale de la Renaissance im Chàteau d‘Écouen bei Paris (Inventar Nr. ECL1750). CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) | 17
  • 22.
    1026* GROSSE TAPISSERIE AUSEINER ACHTTEILIGEN FOLGE ÜBER DIE VITA DES MARK AUREL Atelier von Michiel Wauters (1648 -1679) oder einem seiner Nachfolger, nach zeichnerischer Vorlage von A. van Diepen- beeck (Bois-le-Duc 1596-1675 Antwerpen) und P.P. Rubens (Siegen 1577-1640 Antwerpen), Antwerpen um 1655/70. Aus der achtteiligen Folge der Vita des Mark Aurel; Schlachtenszene, der römische Feldherr auf seinem Pferd in der Mitte des Ge- schehens, umgeben von sich bekämpfenden Soldaten zu Pferd und am Boden. Aussergewöhnlich breite Bordüre mit zentraler Wappenkartusche inmitten von Girlanden, grossen Karyatiden mit Musikinstrumenten und Waffen - dem Frieden und Krieg geweiht - sowie Putten, Tieren und Füllhörnern. Bordüre seitlich beschnit- ten. H 405, B 546 cm. Restauriert, einige Fehlstellen und Reparaturen, etwas ausge- bleicht. Provenienz: Privatsammlung Italien Die achtteilige Folge der Tapisserien zur Vita des Mark Aurel umfasst u.A. Die Kaiserkrönung, Die Prozession, Die Pest, Der Kaiser führt seinen Sohn zu den Philosophen, Der Triumpf des Mark Aurel und die hier angebotene Schlachtenszene. Da nach seinem erfolgreichen Feldzug in Syrien und Ägypten in Rom ein grosser Triumph gefeiert wurde, erscheint die These naheliegend, dass die hier angebotene Schlachtenszene auf den vorangegangenen Feldzug Bezug nimmt. Identische Schlachtenszenen mit anderer Bordüre mit reichem Blumen- und Blättermuster sind ausgestellt im Museu de Arte Antiga, Lissabon, im Reiss-Museum, Mannheim sowie im Palazzo Venezia, Rom. Es existieren 3 zeichnerische Vorlagen für die hier angebotene Tapisserie; Im Städtischen Kunstinstitut, Frankfurt a/Main (In- ventarnr. 3107), in London und in Wien. A. Van Diepenbeeck, seit 1623 als Meister in Antwerpen tätig, begann zunächst mit Hinter- glasmalerei, um nach 1650 Vorlagen für Tapisserien zu zeichnen: Die Vita des Nero, Die Vita des Mose, Die Taten der Apostel, Die Vita der Semiramis sind nur einige davon. Unsere Schlachtensze- ne erinnert im kompositorischen Aufbau und in der Darstellung einzelner Figuren sowohl an die Schlacht von Granicha von C.Le Brun als auch an Gemälde von P.P.Rubens. Selbst der Aufbau der Bordüre findet sich im Rubenschen Werk wieder; Man erinnere sich der Folgen aus der griechischen Mythologie und Antike wie Thetis, das Schild von Hephaestus für Achilles empfangend, oder Achilles unter den Töchtern des Lycomedes, in welchen nahezu identische Bordüren mit analoger Struktur zu finden sind. A. van Diepenbeeck hat diese um 1630 entstandene Idee übernommen und so die Vorlage für das Atelier Wauters geschaffen, welche auch als Bordüre für eine Jagd der Diana, verkauft bei Drouot Paris 22.5.1950, Verwendung fand. Diese Tapisserie ist abgebildet in Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande als L‘Empereur Marc-Aurèle sur le champ de bataille, Anvers, atelier de Michiel Wauters d‘après Abraham van Diepen- ceeck, troisième quart du XVIIème siècle. Literatur: - Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande du XVième au XVIIIième siècle, Tielt 1999; S.258 (mit Abb.) - M.J. de Mendoça, As tapeçarias da historia de Marco Aurello, in: Boltim dos Museus Nacionais de Arte Antiga 1, 1936; S. 57-67. - N. Forti Grazzini, Museo d‘arti applicate - Arazzi, Milano 1984; S. 32-37 (Tafeln 44-56). CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 18 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 24.
    1027* ♣ INTARSIERTER TISCH indo-portugiesische Arbeit.Goa, 17./18. Jh. Palisander geschnitzt sowie reich eingelegt mit teils gefärbtem Elfenbein und Holz in Form von Rollwerk, Grotesken, stilisierten Blüten, Blättern, be- kröntem Doppeladler und Löwen. Rechteckiges, leicht überste- hendes Blatt auf gerader vierschübiger Zarge und durch Umlauf- steg verbundenen konischen Beinen, im oberen Drittel geschnitzt in Form von betenden Frauenbüsten mit geschweiftem Schwanz, unten in Form von sitzenden Fantasietieren. 117 x 67 x 84 cm. Hände einer Frauenbüste fehlen, Profilleisten an Beinen unvoll- ständig, Reparaturen und Fehlstellen. Provenienz: Privatsammlung Portugal Die geschnitzten Figuren auf den Beinen vergleichbar mit jenen des Kabinetts im Kommunalen Museum Fugueira da Foz in Portu- gal, das ins 17. Jh. datiert wird. Ein vergleichbarer Tisch befindet sich in den Beständen des Museum von Pontevedra in Galizien. Vgl. Grace Hardendorff Burr, Hispanik Furniture, New York 1964. S. 48 (Abb. 48). Ein nahezu identischer Tisch wurde am 10. April 2014 verkauft bei Christie‘s London, Lot 136. (Art of the Islamic and Indian Worlds Including A Private Collection Donated to Benefit The University of Oxford). CHF 10 000 / 18 000 (€ 9 260 / 16 670) | 20 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 25.
    1030* KLEINE ACHAT-DECKELSCHALE/SALIERE Dresden um17. Jh. Barock. Wohl Johann Melchior Dinglinger, Biberach 1664 - 1731 Dresden. Achat in vergoldeter sowie teils polychrom emailierter Montierung. Ovale, leicht passige Schale, getragen von einem knienden Nubier mit Federrock und Ohrrin- gen auf ovalem flachem Sockel mit zwei Schnecken, eine Muschel ersetzt. Seitliche Henkel in Form von Fabeltieren. Perlmutt-Deckel mit kleinen Schnecken appliziert, in vergoldeter Fassung. Innen mit Etikette: Sammlung Hoffenreich 211. 9 x 4,5 x 8,5 cm. Leichte Dellen. Berieben. Schnecke im Sockel defekt, 1 Schnecke auf Deckel fehlt. Johann Melchior Dinglinger, geboren am 3. Dezember 1664, lernte das Gold- schmiedehandwerk in Ulm. Er kam 1692 als Geselle nach Dresden, wo er 1693 in die Goldschmiedeinnung aufgenommen wurde. Im Jahr 1698 wurde er zum Hofjuwelier August des Starken ernannt. Er arbeitete bis zu seinem Tod 1731 in Dresden, war fünfmal verheiratet und hatte 23 Kinder. Dinglinger gilt als einer der bedeutendsten Goldschmiede des Barock. Gemeinsam mit 14 Gesellen schuf Dinglinger in seiner Werkstatt prachtvolle Kunststücke, unter anderem das „Goldene Kaffeezeug“ und den „Hofstaat zu Delhi“ mit seinen 132 Figuren – ein Hauptwerk der barocken Juwelierkunst. Auch der russi- sche Zar Peter der Große schätzte die prunkvollen Arbeiten und gab mehrere Aufträge an den Dresdner Hofjuwelier. Seine Prunkwerke, zum Beispiel „Das goldene Kaffeezeug“ von 1701 oder das „Bad der Diana“, sind im Grünen Gewölbe in Dresden erhalten. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1028* ♣ PAAR INTARSIERTE STÜHLE indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander, Tropen- holz und teils gefärbtes Elfenbein fein eingelegt in Form von Roll- werk, stilisierten Blüten und Drachenköpfen. Jonc-Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen Vierkantbeinen. Gerade Rückenlehne. Ehemals mit gepolstertem Sitz. 44 x 43 x 106 cm. Profilleiste an Bein fehlt. Provenienz: Privatsammlung Portugal CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) 1029 MARIA IM TEMPEL Renaissance, Italien, Ende 16. Jh./Anfang 17. Jh. Kupfer getrieben und ziseliert. In geschnitztem und vergoldetem Holzrahmen, Italien, 17. Jh. Relief: 24 x 18 cm, Rahmen: 45 x 40 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) | 21
  • 26.
    1031 GROSSER GESCHNITZTER SPIEGEL MITWAPPENKARTUSCHE Barock, Italien, 17. Jh. Holz reich geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Flächiger, kartuschenförmiger Rahmen, der breite Rand teils durchbrochen gearbeitet in Form von Granatäpfeln, Blättern sowie Wappenkartu- sche unter Ritterhelm und Krone. Das Wappen dreigeteilt mit Turm und Schwein über drei fleur de lys. Kleines zentrales Spiegelfeld. H 210, B 143 cm. Fehlstellen und alte Restaurationen. Fassung und Vergoldung teils übergangen. Ritterhelm und Krone wohl spätere Ergänzungen. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) 1032 HALSUHR Renaissance, Augsburg um 1630. Das Werk gemarkt NS, wohl Nikolaus Schmidt d.Ä. (1549-ca. 1629). Messing teils durchbrochen gearbeitet und graviert mit Blumen und Akanthusblättern sowie vergoldet. Oktogonales prismiertes Gehäuse, der Bodendeckel enthält die Glocke. Silberzifferblatt graviert mit Schlossdarstellung und römischen Stundenzahlen. Teils vergoldetes Werk mit Spindelgang und Stun- denschlag auf Glocke. Spätere Plexiglasabdeckung. Vergoldung berieben, Repara- turen am Werk. Werk eventuell zu revidieren. H 9,5; B 7 cm. Zifferblatt sowie Lünette später. Räderwerk teils ersetzt. Nikolaus Schmidt der Ältere wurde 1549 in Wiltz/Luxemburg geboren. 1576 erlang- te er in Augsburg die Meisterwürde und heiratete die Tochter des renommierten Uhrmachers Hans Fronmüller. Wann er verstarb ist nicht eindeutig geklärt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er nach 1625, aber vor 1629 verstarb. Sein Sohn, Nikolaus Schmidt der Jüngere, war ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher. Weltweit sind von ihm mehrere Uhren in bedeutenden Museen ausgestellt, wie im Metropoli- tan Museum of Art in New York und im Historischen Museum, Basel. Nikolaus Schmidt der Ältere ist verzeichnet bei Jürgen Abeler, „Meister der Uhrma- cherkunst“, 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 503. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 22 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 27.
    1033 GROSSER SPIEGEL ÀPARECLOSES Barock, Venedig, 18./19. Jh. Holz und Stukko vergoldet. Rechteckiger profilierter Doppelrahmen mit passigem Abschluss. Dekor in Form von Blumen, Voluten sowie Zierfriesen. Das Spiegelglas graviert mit Blumen, Gitterwerk und Voluten. Im oberen Feld Venus mit Amor, auf den Seiten- lisenen römische Köpfe im Profil. H 168, B 113 cm. Vergoldung teils übergangen. Stukkdekorelemente wohl später. Spie- gelglas teils korrodiert. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) | 23
  • 28.
    1035* SPIEGEL Louis XV, Venedig,18. Jh. Holz reich beschnitzt mit stili- sierten Blättern, Kartuschen und Voluten sowie vergoldet. Kartuschenförmiger Rahmen mit verspiegeltem Aufsatz. H 87 cm. B 49 cm. Altes Spiegelglas. Alte Reparaturen, Ergänzungen und Fehlstellen. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670) 1034 ♣ SCHÖNES SCHMUCKKÄSTCHEN Portugal oder portugiesische Kolonien 17. Jh. Ebenholz reich eingelegt mit Bein in Form von geometrischen Friesen in rechteckigen Reser- ven. Rechteckiger Korpus, die Front abklappbar und öffnend auf vier Schubladen auf zwei Reihen. Metallbeschläge und Verstärkungen. Eisenhenkel. 25 x 17 x 14 cm. Fehlende Intarsien. Risse in den Schubladen- fronten. CHF 1 000 / 1 200 (€ 930 / 1 110) | 24 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 29.
    1036* PAAR MOHRENFIGUREN Venedig, 1.Hälfte 18. Jh. Holz voll- rund geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Stehend mit Federkro- ne und -schurz. Der eine mit Stab, der andere mit hohem Leuchter. H 118 cm. Fassung übergangen. Stäbe später. Fehlstellen. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 30.
    1037 PIETRA-DURA BILDPLATTE Böhmen, 17.Jh. Der Werkstatt von Giovanni Castrucci zuzuweisen. Verschiedenfarbiger böhmischer Jaspis, Achate, diverse Halbedelsteine und Marmor eingelegt. Zentrale bastionsförmige Darstellung des Heiligen Hieronymus in seiner Höhle vor Landschaft mit Dorf, Fischer und Hirsch. In geschwärztem und gewelltem Holzrahmen mit Innenrahmen, die passigen Ecken mit Dorfansichten in Pietra-Dura-Tech- nik. Vier kleine Reserven mit Steinintarsien. Rückseitig Reste einer Sammlungsetikette sowie in Tinte nummeriert XLII über Unterstrich 7, der Rahmen mit Sammlungsetikette, Nr. 27. 40 x 52 cm. Teils fehlende Flammleisten, kleinere Fehlstellen in der Stein- marketerie. Einige Steinteile etwas herausstehend. Das vorliegende „Commesso in pietre dure“ oder „Florenti- ner Mosaik“ erinnert in seiner Komposition und Materialität an Entwürfe des florentinischen Ateliers Castrucci, welches unter der Herrschaft Kaiser Rudolf II (1552-1612) höchstqua- litative Steinwerkarbeiten am Prager Hof produziert. Cosimo Castrucci, der im Jahre 1592 vom Kaiser höchstpersön- lich aus Florenz nach Prag abbestellt wird, initiiert als „Ihrer Majestät Edelsteinschneider“ die Aktivität des Ateliers. Unter der Leitung seines Sohns, Giovanni Castrucci, wird die Prager Werkstatt bis in die späten 1620er Jahren parallel zur florenti- nischen „Galleria dei Lavori“ (Arbeitswerkstatt) weitergeführt (Vgl. Wolfram Koeppe et al., 2008) Das Atelier Castrucci entwickelt eine distinkte Variante der Glyptik, die sich in der technischen Herangehensweise an Intarsienarbeiten aus Holz orientiert. Die Spezialität der Castrucci liegt in der Erzielung von malerischen Wirkun- gen, welche durch die natürliche Maserung und Farbe der regionalen Steine den Illusionismus der Komposition steigert. So erstaunt es kaum, dass die Steinmalerei der Castrucci besonders für Landschaftsdarstellungen taugt. Als Inspira- tionsquelle und Vorlage für ihre Motive dienen nicht selten Landschaften flämischer Kupferstecher, welche ebenfalls am | 26 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 31.
    Prager Hof fürden Kaiser tätig waren (Vgl. Clare Vincent, 1987). Typisches Merkmal jener Landschaften ist die Dreiteilung der Komposition in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei der Vor- dergrund oftmals durch eine Diagonale nach hinten abgegrenzt ist und als narrative Ebene für Figurenstaffagen fungiert. Dieses Prinzip herrscht auch auf unserer zentralen Bildplatte vor: Im Vordergrund, in der unteren linken Ecke, bildet die kniende Figur des Heiligen Hieronymus als Eremiten mit seinem Attribut, dem Löwen, eine religiöse Bildebene. Nach hinten öffnet sich eine profane Fluss- oder Seelandschaft mit zwei Fischer auf einem Boot, über denen sich eine auf einem Hügel sitzende Felsenkapel- le erhebt. Eine Fülle von weiteren Details (z. Bsp. der Kardinalshut, die Kruzifixe, der Altar, der herunterschreitende Hirsch, die zwei schwimmenden Enten, der heimliche Beobachter mit seinem Hund, die architektonischen Elemente, usw.) zeugt von höchsten technischen und künstlerischen Fertigkeiten, welche denen des Ateliers Castrucci in keiner Weise nachstehen. Die Verwendung von regionaltypischen Steinen wie dem böhmischen Jaspis deu- tet ebenfalls auf eine böhmische Produktion aus dem frühen 17. Jahrhundert hin. Vergleichbare „commessi“ finden sich heute in den Sammlungen berühmter musealen Institutionen. Das Kunsthistorische Muse- um Wien besitzt gleich neun Werke, welche Cosimo bzw. Giovanni Castrucci sowie deren Werkstatt zugeschrieben werden, wovon besonders eine Landschaft mit büssender Hl. Maria Magdale- na grosse Ähnlichkeit zu unserem Werk aufweist (Inv.-Nr. 3006, Kunstkammer, KHM). Literatur: - Clare Vincent, „Prince Karl I of Liechtenstein‘s Pietre Dure Table- top“, Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, S. 157-178. - Wolfram Köppe (Hrsg.) und Anna Maria Giusti mit Beiträgen von Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kap- pel, Florian Knothe und Ian Wardropper, „Art of the Royal Court: Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe“, MET Publi- kation, New York, 2008, S. 29 ff. S. 219-229. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150) | 27
  • 32.
    1038* ♣ BOULLE PENDULE AUFSOCKEL Régence/Louis XV, Paris um 1745. Das Zifferblatt sowie Werk signiert Le Lievre à Paris (Le Lièvre tätig bis 1784). Geschweiftes Pendulengehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in Form von Rankenwerk und Blumengirlanden. Vergoldeter Bronzedekor in Form von Blättern, Muscheln, Drachenköpfen. Jupiter in Form eines Putto mit Adler als Aufsatzfigur. Türbronze mit zwei Putten. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen, arabischen Mi- nuten- und römischen Stundenzahlen. Werk mit Ankergang und Halbstundenschlag auf Glocke. Bronzen mit C couronné. 1 Schlüssel. 39 x 20 x 105 cm. Bronzen neu vergoldet. Fehlstellen an der Marketerie. Rückseiti- ge Türe verzogen. CHF 5 000 / 9 000 (€ 4 630 / 8 330) 1039* FEIN GESCHNITZTER SPIEGEL MIT DEM WAP- PEN DES FRANZÖSISCHEN KÖNIGSHAUSES Louis XIV/Régence, Paris um 1720. Holz fein mit Rocail- len, Blattvoluten, Muscheln, Zierfriesen, Gitterwerk und Kartuschen beschnitzt sowie vergoldet. Rechteckiger profilierter Rahmen mit doppelt geschweiftem oberem Abschluss. Fronton mit dem Wappen des Königs von Frankreich und Navarra in Kartusche unter Krone, flankiert von zwei Flügeln sowie gerahmt vom Orden des Heiligen Geistes und vom Michaelsorden. Die oberen Ecken tragen in Kartuschen das Monogramm von Louis XIV. 107 x 77 cm. Vergoldung berieben, kleinere Fehlstellen und Restaurationen. Späteres Spiegelglas. Der hier präsentierte Spiegel diente in seinem Ursprung wohl als Rahmen für ein königliches Portrait. Anlass zu dieser Annahme geben mehrere vergleichbare Spiegel, welche allesamt als Bilderrahmen fungierten. Jene Vergleichstücke zeigen oft eine Kartusche mit den Wappen Frankreichs, was eindeutig auf eine royale Gebrauchsfunktion hinweist. Als Beispiel für einen solchen königlichen Rahmen kann ein Exemplar aus den Sammlungen von Mr. und Mrs. Wrightsman aus ihrer Residenz in Palm Beach angeführt werden, der bei Christie‘s New York am 24. Mai 2000, (Lot 210) verkauft wurde. Diese Art von Rahmen im neoklassischen Stil wurde auch noch im zweiten Teil des 18. Jahrhun- dert hergestellt, wovon insbesondere ein Modell mit Lilien und Waffentrophäen, präsentiert bei Daguerre in Paris am 4. November 2011 (Los 130), zeugt. Ein weiteres Exponat befindet sich in der Sammlung des Getty Museum in Malibu (illustriert in G. Wilson und C. Hess, Zusammenfassender Katalog der europäischen dekorativen Künste im J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 2001, S. 59, Katalog Nr. 116). CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 28 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 34.
    1040 DIE SECKENDORFF‘SCHE KOMMODE HOCHBEDEUTENDEUND SELTENE BAROCKKOM- MODE DES FRANCOIS LIEUTAUD (CA.1665-1748) NACH EINEM ENTWURF VON JEAN BERAIN, AUS DEM BESITZE DES REICHSGRAFEN CHRISTOPH FRIEDRICH VON SECKENDORFF-ABERDAR (1679- 1759) DIPLOMAT UND BRANDENBURG-ANSBACHI- SCHER MINISTER Frankreich, Paris um 1728/30. Amaranth auf Eichenkorpus furniert und parkettiert. Längsformatiger Korpus auf vier elegant geschweiften Beinen und leicht bogenartig ausgeschnittener Zarge. Randgefasstes und profiliertes Blatt mit eingelasse- nen Messingfilets und gefriest parkettierter Fläche. Die Front in zwei Schubladenränge unterteilt. Vier obere, rechteckige Schubladenfronten und zwei untere Schubladen, bogenförmig ausgeschnitten, als Rahmung der vergoldeten Bronzemaske. Sehr feine Handhaben mit Rosettenschmuck und ebenfalls fein überarbeiteten Schlüssellochzierden. Die Sabots aus Rankenwerk als Palmetten geformt und gelockt endend. Die Schmalseiten, gleich der gesamten Front und den Beinen, mit Messingfilets und dünneren Schattenfilets gerahmt. Die Flächen wiederum mit ge- friesten Bandmotiven à chevrons parkettiert. Massive Schlösser mit vergoldeten Abdeckungen. Der Schlüssel mit Wappen des Reichsgrafen von Seckendorff-Aberdar. 80 x 130 x 65 cm. Provenienz: - Wohl durch Carl-Friedrich-Wilhelm, Markgraf von Branden- burg-Ansbach (1712-1757) um 1730 bei François Lieutaud in Paris erstanden und später als Geschenk an seinen Minister: - Reichsgraf Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar (1679- 1759), Diplomat und brandenburg-ansbachischer Minister - Durch Erbfolge in derselben Adelsfamilie bis: - Auktion Sotheby’s Zürich, 1. Dezember 1998, Los Nr. 353 - Schweizer Privatbesitz Die hier angebotene Kommode ist direkt inspiriert vom mittleren Teil einer Kommode, für die der Entwurf um 1700 von Jean Bérain gezeichnet und von Mathieu Daigremont gestochen wurde. Unsere Kommode ist somit sehr nahe verwandt mit der um 1695 zu datierenden Kommode, welche sich in der Wallace Collection in London findet (Inv. Nr. F 405) und die dem Entwurf Bérains auch in der Gestaltung der Schmalseiten und der Beine entspricht. Die Anordnung von sechs Kommodenschüben, verteilt auf drei Schubladenränge, in der Art wie sie unsere Kommode aufweist, erinnert an die Entwürfe des André-Charles Boulle, wie wir diese im Möbelbau an einer Kommode umgesetzt finden, welche sich in den Sammlungen der Herzöge von Roxburghe befand (Auktion Christie’s London, 31. Mai 1956, Los Nr. 159). Ebenfalls typisch für die Arbeiten Boulles ist die Anordnung einer Maske zwischen zwei Schüben, eingelassen in eine gemuldete Vertiefung, so wie sie unsere Kommode aufweist und wir sie an zwei Kommoden in den Sammlungen des Louvre in Paris finden (Inv. Nr. OA 5477 und OA 5478). Unsere Kommode entspricht dem gereiften, ästhetischen Emp- finden im französischen Möbelbau kurz nach der Regierung Louis XIV und ist also in die Zeit um 1730, in die Régence zu datieren. Owohl nicht signiert, kann die Seckendorff’sche Kommode, mit Sicherheit dem Ebenisten François Lieutaud (ca.1665-1748) Jean Bérain d.Ae. Entwurf für eine Kommode. Paris 1711. | 30 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 35.
    zugewiesen werden. FrançoisLieutaud wurde um 1665 in eine Familie von Bildhauern geboren. Nach seiner Ausbildung zum Tischlermeister, welche Lieutaud in Marseille absolvierte, zog er zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Paris, wo er sich als Ebe- nist voll entfalten und eine einzigartige Karriere erleben durfte. Lieutaud war Grossvater des berühmten Balthazar Lieutaud, der das Familienunternehmen noch bis zum Ende des 18. Jahrhun- derts weiterführte. Der Einfluss von André-Charles Boulle auf das Werk Lieutauds ist gerade an der Seckendorff -Kommode sehr gut ersichtlich. Lieutaud fertigte seine Bronzen meist nach eigenen Entwürfen und Modellen, liess aber auch Bronzen speziell für einen Auftrag fertigen. Die aussergewöhnliche Fähigkeit, welche Lieutaud in Bezug auf die Anpassung an verschiedene Modeströmungen be- sass, zeigt sich besonders auch am Schreibtisch der Grafen Palffy (Auktion Sotheby’s Monaco, 8. Dezember 1989, Los Nr. 603) und vor allem am Schreibtisch in Schloss Berchtesgaden (Wittelsba- cher Ausgleichsfond, Langer 1995, Nr. 73). Beide Schreibtische sind einem weiteren, etwas früher zu datierenden Schreibmöbel aus der Sammlung James A. de Rothschild in Waddesdon Manor, sehr verwandt. Ein wiederum diesem letzteren Schreibmöbel sehr ähnlicher Schreibtisch, welcher sich im Pariser Kunsthan- del befand, weist eine Marketerie mit sogenannten Chevrons (Fischgrätmuster) auf, welche der Oberflächenfurnierung unserer Kommode entspricht. Die sich an der Seckendorff’schen Kommode befindlichen Bron- zen, als herausragendes Zierelement, finden sich an verschiede- nen Werken Lieutauds wieder, so an einem von Lieutaud gestem- pelten Bureau plat in der Ansbacher Residenz. Die Seckendorff’sche Kommode nimmt in der Chronologie der Stilentwicklung im Werk Lieutauds eine herausragende Rolle ein, ganz besonders für seine Kommodenmöbel, welche nach 1730 entstanden sind. Die eigentliche Bedeutung unserer Kommode liegt aber nicht nur in ihrer ausserordentlichen Stellung, welche sie im französischen Möbelbau einnimmt, es ist der Einfluss vor allem, den sie in den Jahren nach 1730 auch auf die deutsche Möbelkunst ausübte, die nicht unerwähnt bleiben darf. Die Frage nach der ursprünglichsten Provenienz der Secken- dorff’schen Kommode stellte sich bereits anlässlich des Verkaufs der Kommode 1998. Damals war man davon ausgegangen, dass diese wohl immer in Seckendorff’schem Besitz war. Dr. Christoph Graf von Pfeil stellte aber in seiner nur ein Jahr nach der Zürcher Sotheby’s- Auktion erschienen Publikation zu den Möbeln der Ansbacher Residenz fest, dass die Seckendorff’sche Kommode von Lieutaud wohl in den Jahren zwischen 1728-30 durch den Ansbacher Hof und seinen Regenten, Carl-Wilhelm-Friedrich (regiert 1723-1757) in Paris für die Residenz angekauft wurde und erst zu späterem Zeitpunkt durch den Markgrafen an seinen sehr verdienten Minister Reichsgraf Christoph-Friedrich von Seckendorff-Aberdar als Schenkung überging. Die Reichsfreiher- ren und Reichsgrafen von Seckendorff bekleideten während des ganzen 18. Jahrhunderts wichtigste Stellungen in der Markgraf- schaft Ansbach. Christoph-Friedrich von Seckendorff war unter Markgräfin Christiane-Charlotte und bis zum Tode ihres Sohnes, des Markgrafen Carl-Wilhelm-Friedrich Premierminister und Geheimer Ratspräsident. Durchaus wäre es dem Reichsgrafen Seckendorff möglich gewesen, über die Verbindungen des mark- | 31
  • 36.
    gräflichen Hofes inParis direkt bei Lieutaud kaufen zu können. Doch ist der Ankauf eines so unge- heuer teuren Möbels, auch für einen wohlhabenden fränkischen Adeligen für die damalige Zeit kaum vorstellbar. Die Schenkung des Möbels durch den Markgrafen an seinen verdienten Minister ist deshalb der Schlüssel zur wirklichen Provenienz des Möbels, das mindes- tens 250 Jahre in Seckendorff-Besitz verblieb. In die Zeit der Datierung unseres Möbels, also um circa 1730, fällt auch der Kauf verschiedener Möbel in Paris durch den Hof in Ansbach, darunter ein erhaltenes Bureau plat, welches von Lieutaud gestempelt ist und identische Schlüsselschilder und Sabots aufweist, wie wir diese an unserer Kommode vorfinden. Der Ebenist war dem Ansbacher Hof bekannt und so ist mit allergrösster Sicherheit davon auszugehen, dass auch unser Möbel in die Reihe dieser Ankäufe bei Lieutaud fällt. Diese Möbel, insbesondere aber wohl unsere Kommode, dürften einen wichtigen Einfluss auf die Möbelproduktion eines der bedeutendsten deutschen Ebenisten des 18. Jahrhunderts, den Ans- bacher Hofebenisten Martin Schuhmacher, gehabt haben. Schuhmacher war 60 Jahre lang, von 1720 bis 1781 Ebenist in Ansbach. Die schlichte aber so unglaublich elegante Linienführung unser Kommode, besonders aber deren Furnierung mit der Parketterie „à chevrons“ wurde von Martin Schuhmacher unmit- telbar nach Eintreffen der Lieutaud-Möbel aus Paris, in der Hofwerkstatt umgesetzt, so ganz besonders eindrücklich am Schreibschrank mit verspiegelten Türen, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 2. Vorzim- mer der Markgräfin, Gobelinzimmer, R 14) und am Kommodenpaar des Meisters Schuhmacher, Ansbach, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 1. Vorzimmer Gästeappartement, Monatszimmer, R 23). So gehört denn kein Möbel so sehr wie die Seckendorff’sche Kommode in diese bedeutende Reihe von Möbeln, welche alle untrennbar mit der Ansbacher Residenz und seines Markgrafen, Carl-Fried- rich-Wilhlem verbunden sind. Unser Dank gilt den Herren Dominique Augarde, Thomas Boller und Jean Nérée Ronfort (†) für die Katalogisierung bzw. Überarbeitung des Katalog- textes zu der hier angebotenen Kommode. Vgl. Dr. Christoph Graf von Pfeil, Die Möbel der Resi- denz Ansbach, München, 1999, S. 27 mit Abbildung der Seckendorff’schen Kommode von François Lieutaud und S. 98 -102 für den Schreibschrank und das Kommodenpaar von Martin Schuhmacher für die Residenz Ansbach. Peter Hughes, The Wallace Collection, Catalogue of Furniture II, London, 1996, Abb. S. 637 für die Kommode nach dem Entwurf von Bérain. Brigitte Langer, Die Möbel der Residenz München, Die französischen Möbel des 18. Jahrhunderts, München, 1995. CHF 150 000 / 250 000 (€ 138 890 / 231 480) | 32
  • 38.
    1043* PAAR FOH-HUNDE AUF BRONZEMONTIERUNG Dietürkis glasierten Keramikfiguren China, Ming-Stil, 19. Jh.; die Bronzesockel, Frank- reich, 20. Jh. Die beiden Fohhunde auf ton- nenförmigem Sockel, ehemalige Dachreiter. Die rechteckige Bronzemontierung mit Blattfries und auf Tatzenfüssen. 20 x 21,5 x 29 cm. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1041* GROSSE KASSETTE Louis XIV, wohl Niederlande um 1700. Palisander und Veil- chenholz gefriest sowie „en papillon“ eingelegt. Rechteckiger Korpus mit aufklappbarem Deckel und abklappbarer Front. Inneneinteilung mit grossem Fach, im Deckel 2 kaschierte Fächer und 2 nebeneinander liegenden Schubladen. Geheim- fächer und -schubladen. Feine Bronzebeschläge. 37 x 26 x 23 cm. CHF 1 200 / 2 200 (€ 1 110 / 2 040) 1042* KONSOLE Napoléon III in Anlehnung an den Regence-Stil, Frankreich, 19. Jh. Holz durchbrochen und beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifte, trapezförmige, profilierte, rot/weisse Marmor- platte (später) auf durchbrochener, wellig aus- geschnittener Zarge mit durch Kartuschen- steg verbundenen Volutenstützen. Wenige Fehlstellen, Restaurierungen. Ergänzung an der linken Zarge. 102 x 53 x 83 cm. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 34 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 39.
    1044* TAPISSERIE „ALLEGORIE ASIENS“ NapoléonIII, Frankreich, nach einer Vorlage des 18. Jh. Rechteckig. Darstellung des Kai- sers von China in baldachinartigem Unter- stand im Beisein von zahlreichen Tieren und Personen. 232 x 189 cm. Starke Farben, perfekter Zustand. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1045 EIN PAAR MOHRENBÜSTEN Spätbarock, Italien, 19. Jh. Schwarzer, weisser und polychromer Marmor. Weibliche bzw. männliche Mohrenbüste mit stilisierter Rüstung. Auf späterem geschwärztem Holz- sockel. H 85 cm. Provenienz - Aus einer hochbedeutenden europäischen Privatsammlung. - Auktion Koller, Dezember 2010, A155 Lot 1026. - Schweizer Privatbesitz. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520) | 35
  • 40.
    1046 GROSSER SPIEGEL Régence, Frankreichum 1720. Holz geschnitzt mit Blattvoluten, Muscheln, Gitterwerk sowie vergoldet. Rechteckiger, oben leicht gerundeter profilierter Rah- men mit Muschelaufsatz und Frauenkopf. H 207, B 99 cm. Risse. Vergoldung berieben, Spiegelglas leicht korro- diert. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1047 MESSKELCH Mülhausen, 1. Hälfte 18. Jh. Meister- marke wohl Abraham Mayr. Auf ge- wölbtem, glockenförmigem Fuss. Reich geschmückt mit Puttiköpfen, Blumen- bouquets, Muschelwerk und Rocaillen. Schaft mit doppeltem Nodus. Kuppa entsprechend. Mit zwei assortierten Patenen. H 27,3 cm. Zus. ca 765 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 6 000 (€ 2 780 / 5 560) | 36 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 41.
    1048* RELIGIEUSE Louis XIV, Parisum 1680. Das Werk und Zifferblatt signiert Louis Ourry à Paris (Louis Ourry Meister 1693). Holzge- häuse mit Schildpatt belegt sowie vergoldete Bronze. Rechteckiges Gehäuse mit eingezogenem Abschluss, die Ecken bekrönt von vier geflammten Vasenaufsätzen sowie mit grosser zentraler Vase. Auf Tatzenfüssen mit Widderköpfen. Dekor in Form von Lyra, Blättern, Büsten und Streitwagen mit Pegasus. Reliefiertes und vergoldetes Messingzifferblatt mit weissen Emailkartuschen für römi- sche Stunden. Gebläute Zeiger. Werk mit Spindelhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zugrepetition mit Viertelstundenschlag auf 3 Glocken. Aufziehschlüssel. 60 x 33 x 116 cm. 1 Hammer fehlt. Schlagwerk zu überholen. Guter restauri- erter Zustand. Drei Emailkartuschen restauriert und leicht verfärbt. Türschlüssel fehlt. Vordere Eckbronzen sowie Füsse später. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890) 1049 KOMMODE Louis XIV/Régence, Paris um 1710/20. Rosenholz und Palisander gefriest und eingelegt in Reserven. Rechteckiger Korpus auf wenig ausgeschnittener Zarge und Stollenfüssen. Leicht ge- schwungene Front mit vier Schubladen auf drei Rängen zwischen mit Messing- kanneluren versehenen gerundeten Eckstollen. Die Schubladen unterteilt durch horizontale Messingkannelu- ren. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Maskarons, Blattvoluten und Rosetten. Wohl assortiertes, Campan Grand Melange Marmorblatt. 2 Schlüssel. 125 x 62 x 83 cm. Restauriert. Fehlstellen. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 37
  • 42.
    1052* SPIEGEL „AUX DRAGONS“ Régence,Frankreich um 1720/30. Holz geschnitzt mit Rocaillen, Muscheln, Blumengirlanden und Blattvoluten sowie grau/braun gefasst und teilvergoldet. Rechteckiger, passig geschweifter pro- filierter Rahmen mit kartuschenförmigem Trophäenaufsatz, die Ecken mit Drachen beschnitzt. H 139, B 70 cm. Fehlstellen und Retuschen an der Fassung. Vergoldung berieben. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) 1051 HENKELSCHALE Wien, 1737. Meistermarke wohl Andreas Josef Rath. Passig ge- schweifte Form. Beidseitig Griffe. L 36 cm. 1005 g. 800er-Silber. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 600 / 1 000 (€ 560 / 930) 1050 1 PAAR ASSORTIERTE DECKELTERRINEN London 1792. Meistermarke John Edwards III. Und Dublin 1815. Meistermarke Daniel Egan. Glattwandige Rundform auf drei Mu- schelfüssen. Beidseitig Henkel. Deckel mit Ringknauf. D ca. 23,5 cm. Zus. 2745 g. 925er-Silber. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 2 000 / 4 000 (€ 1 850 / 3 700) | 38 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 44.
    1053 KABINETTAUFSATZSCHRANK MIT DEMWAPPEN DER FAMILIE ZUR GILGEN Barock und später, Luzern, 18. Jh. Nussbaum, Zwetschge, Ahorn, Maser sowie 11 Pietra-dura-Paneele eingelegt mit feinen Zinnfi- lets. Kabinettoberteil in architektonischer Form mit durchbrochenem Balustradenkranz über Kranzschublade auf späteren Quetschfüssen. Front mit Doppeltüren, gegliedert durch drei freistehende Rundsäulen mit korinthischen Kapitellen. Öffnend auf reiches Innenleben mit zwölf Schubladen, gruppiert um eine zentrale Türe sowie gegliedert durch je zwei korinthische Viertelsäulen und Pilaster (mit Marmoreinlagen). Die innere zentrale Türe wiederum öffnend auf neun Schubladen, eine mit Geheimfach. Die ausseren Schubladenfronten sowie Türe belegt mit Pietra-dura Mosaiken, Darstellung von Architektur. Das Unterteil (später, unter Verwendung alter Teile) mit rechteckigem, markant überstehendem Blatt, eingelegt mit dem Familienwappen zur Gilgen in Reserve und abgeschrägten vorderen Ecken auf ausge- schnittenem Konsolenfuss und Sockelplatte. Front mit zwei bastionsförmig kassettierten Türen zwischen Nischen mit Muschelabschluss. Ober- sowie Unterteil mit bastionsförmi- gen Kissen belegt. 3 Schlüssel. 164 x 83 x 172 cm. Stark restauriert und ergänzt. Kleinere Fehlstellen und Ge- brauchsspuren. Der Name Zur Gilgen gehört zu einer Luzerner Patrizierfami- lie, die vermutlich wegen eines Hausnamens um 1450 ihren Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen än- derte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb (Gilg = Li- lie). Ob Ulrich, der 1315 aus der Gegend von Strassburg nach Luzern gekommen sein soll, der Stammvater ist, ist fraglich. Der erste sichere Vertreter der Fam. ist der Tuchhändler und Bücherschrei- ber Hans Getzenheim aus Trechtingshausen (Kurmainz), der 1428 das Luzerner Bürgerrecht erwarb. Sein Sohn Hans, Tuchhändler, wurde 1454 Luzerner Grossrat und 1475 Kleinrat. Im 16. und 17. Jh. sassen die zur Gilgen mit Unterbrüchen in den Räten, im 18. Jh. mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig. Sie stellten zwei Schultheissen (u.a. Aurel) und im 19. Jh. zwei Regierungsräte (u.a. Alois). Bonifaz, Abt von Pfäfers, und Josef (1656-1706), während dessen Amts- zeit als Abt von St. Urban das dortige Chorgestühl geschaffen wurde, bekleideten höhere kirchliche Ämter. Melchior erwarb um 1506-10 die Herrschaft Hilfikon und 1514 die Vogtei Sarmenstorf, die bis 1628 in Familienbesitz blieben. Er baute in Luzern 1507-10 das Haus zur Gilgen mit dem wieder aufgebauten, markanten Baghardsturm, das nach seinem Tod den Besitzer wechselte und 1571 von Ludwig zurückgekauft wurde. Aurel stiftete 1681 das Haus und den Turm als Fideikom- miss, das zu Beginn des 21. Jh. noch bestand. (Angaben: Historisches Lexikon der Schweiz, Version 17.11.2015) Die barocke Möbelproduktion in Luzern ist besonders und unterscheidet sich von derjenigen in Bern, Basel oder Zürich. Auf Grund seiner Lage an den wichtigen Verbindungen zwischen Norden und Süden machen sich stilistisch speziell die Einflüsse aus Italien und Deutschland bemerkbar, die sich in oft einfacheren aber kräftigen Grundformen, reichem geschnitztem Schmuckwerk sowie auwändigen Intarsienarbeiten manifestieren. Eine aktive adelige Führungsschicht sowie die römisch-katholische Kirche als Auftragsgeberin führen im 18. Jh. zu einer Blütezeit des Luzerner Möbels. Das hier angebotene Möbel weist gleich mehrere für Luzer- ner Mobiliar typische Eigenheiten auf. Nach Italien und Deutschland verweisend, ist die Verwendung der Pietra-dura-Technik im Inneren des Kabinetts. Ein Schreib- schrank von Ferdinand Plitzner mit ganz ähnlichen Pietra-Dura-Einlagen von 1710 befindet sich in Schloss Wiesentheid. Als Herstellungsort der Pietra-Dura-Arbeit wird Augsburg oder Böhmen angegeben (Heinrich Kreisel und Georg Himmelhe- ber. Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 2. München 1983. Nr. 186.) Literatur mit Abbildung: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät- renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 84, Nr. 25. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 40 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 45.
    Wappen der LuzernerFamilie Zur Gilgen | 41
  • 46.
    1055 VERMEIL TABATIERE 18. Jh.Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer reliefierten Dar- stellung des Peleus, der Cheiron seinen Sohn Achilles anvertraut, umgeben von Voluten und Rocaillen. 9,4×4,7×2,2 cm. 90 g. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 250 / 350 (€ 230 / 320) 1054 GROSSE BOULLE PENDULE AUF SOCKEL Régence/Louis XV, Frankreich, Paris, um 1730/40. Das Zifferblatt signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäuse belegt mit braunem Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in Form von Blumen und Ranken. Eingezogener Amo- raufsatz. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachenköpfen, Fabeltieren, Maskaron und Blättern. Türzierde in Form eines Cello spielenden Jungen. Reliefiertes Zifferblatt mit Emailkartuschen für die römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 50 x 25 x 111 cm. Vergoldung berieben. Werk zu überholen. Marketerie restauriert. Risse und Ausbrüche im Email. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 42 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 47.
    1056 BOULLE-PENDULE AUF SOCKEL Régence,Paris um 1720. Das Werk und Ziffer- blatt signiert CH. LE ROY À PARIS. Charles Le Roy, Meister 1733. Geschweiftes Holzgehäuse mit Boulle und Contre-Boulle Marketerie in gefärbtem Schildpatt, Messing, Horn und Perlmutt in Form von Ranken, Blumen und Rosetten. Reiche Bronze- beschläge in Form von Delphinen, Espagnoletten, Maskaron, Engelsköpfen etc. sowie Putto als Aufsatz. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. Der Sockel aus der selben Zeit weist in der Marketerie unterschied- liche Farben auf, evtl. ersetzt. Gehäuse etwas zu überholen. 49 x 24 x 124 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1057 VERMEIL TABATIERE Wohl Paris, Ende 18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer relie- fierten Darstellung zwischen Voluten und Rocaillen. 7×5×1,8 cm. 95 g. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 250 / 350 (€ 230 / 320) | 43
  • 48.
    1059* KOPPCHEN UND EINEUNTERSCHALE MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-25. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Chinoiserieszenen in Vierpasskartuschen in Gold mit Laub- und Bandelwerk in Eisenrot. Am Rand Goldspitzenbordüren. Im Fond des Koppchens eine chinesische Gartenlandschaft in eisenroter Doppelringbordüre. Goldmarke Doppelpunkt auf dem Koppchen, 72. auf der Unterschale. D 7,4 cm. 12,8 cm. Minime Randbestossung. Provenienz: Italienische Privatsammlung. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) 1058 TELLER MIT SELADON- GRÜNEM FOND UND KAUF- FAHRTEISZENEN Meissen, um 1730. Seladonfar- bener Fond mit einer vielfach gebogten Reserve im Spiegel bemalt mit drei indianischen Blumenzweigen um einen Schmet- terling im Zentrum. Auf der Fahne drei passige Kauffahrteiszenen wohl von Friedrich Christian Herold, gold gerändert. Unterglasurblaue Schwertermarke. D 23,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Ein Vergleichsstück in der Samm- lung Erich von Goldschmidt-Roth- schild, Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 122 (ohne Abb.). CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 44 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 49.
    1060 ZWEI SELTENE DECKELSCHALENMIT SELADON- GRÜNEM FOND Meissen, um 1730. Für das Japanische Palais in Dresden mit der Johanneumsnummer „N=196. w”. Runde Form, der Deckelknauf in Form Kaninchens in Gold. Seladongrüner Fond mit goldgerän- derten Vierpasskartuschen und ostasiatischer Blumenmalerei. Eine Schale mit unterglasurblauer Schwertermarke, die andere mit emailfarbenen Schwertern in Purpur. Johanneumsnummern „N=196. w” eingeritzt und geschwärzt auf allen vier Teilen. Ritzzei- chen / im Standring einer Terrine. H 10,5 cm. D 13,4 cm. Deckel und Schale einer Terrine leicht bestossen. Provenienz: - Königlich–Sächsische Sammlungen, Japanisches Palais Dres- den. - Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Versteige- rung Ball Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590. - Schweizer Privatsammlung. Unter den Lieferungen ab 1732 für das geplante Japanische Palais für August den Starken, befand sich auch eine grosse Anzahl von seladon-glasierter Ware mit indianischen Blumendekoren. Höroldt hatte auf Initiative der Manufakturdirektion ab 1726 neue Fondfarben entwickelt, darunter Meergrün, auch Celadon oder Seladon genannt. Auf der Liste von 1736 mit der Lieferung vom Dresdener Waren- lager an das Japanische Palais findet sich auch folgender Eintrag: „38 St. grünglasurte kleine Suppenschalen ohne Henckel” (Boltz , Keramos 153/1996, S. 96). Die Pläne für die Neueinrichtung des Japanischen Palais im Obergeschoss war dem Meissener Porzellan vorbehalten, wobei für jeden Raum Porzellan in einer anderen Farbigkeit vorgesehen war. Seladongrüne Vasen und Geschirre wurden für das südwest- liche Eckkabinett eingeplant. Einer im November 1733 in Meissen aufgegebene umfangreichen Bestellung für das Japanische Palais ist zu entnehmen, dass in den bunten Fonds der Porzellane, Gold eingefasste Reserven ausgespart werden sollten, die nur mit „we- nige Malerei” zu füllen seien. (Julia Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München 2013, Bd. I, S.63 und Bd. II, S. 403-405). Nach vorzeitiger Beendigung der Neueinrichtung des Palais, fanden 1769 auch folgende Objekte Eingang in das Inventar des Turmzimmers der Dresdener Residenz und wurden unter Nr. 196 wie folgt aufgelistet: „Sechzehen Stück celadon Couleur glassurte Suppen-Schaalen mit Deckeln, worauf kleine Caningen sitzen, und weißen Schildern mit goldnen Rändgen eingefaßt, worinnen Blümgen gemahlt, jede 4½. Zoll hoch, 5½. ? Zoll in Diam:“ (Claus Boltz, Keramos 1996, S. 80). Vergleichsstücke: Auktion Christie‘s London, 28.3.1977, Lot 39 (Sammlung Maurice de Rothschild); Düsseldorf Hetjens Museum 1997, Ausst.-Kat. Frühes Meissener Porzellan, S. 52 Nr. 28; Auktion Bonhams London, 15.5.2011, Lot 175. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Ver- steigerung Ball Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
  • 50.
    Vergoldung berieben, einKoppchen mit Haarriss. Provenienz: Aus altem Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) 1061 SECHS KOPPCHEN UND UNTERSCHALEN MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723–24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Jedes Stück mit Chinesen beim Müssiggang, Fischen und bei der Teezubereitung, in vierpassigen Goldkartuschen mit braunem Lüster und Laub- und Bandelwerk in Eisenrot und Purpur. Im Fond der Koppchen eine Gartenlandschaft in einer eisenroten Doppelringbordüre. Am Rand Goldspitzenbordüren. Auf der Rückseite eisenrote Ringbor- düren. Goldmarke K. H 4,2 cm. D 12,2 cm. 1062 UNTERTASSE MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt. Bemalt mit einem Chinesen, Wasser aus einem Trog schöpfend, in einer vierpassigen Goldkartusche mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Der Rand mit Goldspitzenbordüre. Emailblaue Schwertermarke, Ritzzeichen /. D 13,5 cm. Vergoldung der Kartusche teilweise berieben. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 500 / 700 (€ 460 / 650) | 46 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 51.
    1063 KUMME MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen,um 1723. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Bemalt mit Chi- noiserieszenen auf Grasstreifen in Goldkartuschen mit Laub- und Bandeldekor in Eisenrot. Seitliche indianische Blumenzweige und Goldspitzenbordüren. Goldmarke K. D 17,5 cm. Kleine Bestossung am Standring, Vergoldung minim berieben. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1064 HENKELBECHER MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt. Die Henkel vergoldet. Auf einer Seite mit einem heimkehrenden Krieger begrüsst von einem Kind und sei- nem Diener, auf der Rückseite mit einem Chinesen bei der Heim- kehr zu seiner Frau, in vierpassigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Am Rand Goldgitterbordüre. Emailblaue Schwertermarke und Goldziffer 8. H 8 cm. Vergoldung berieben, Randbestossung. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 500 / 700 (€ 460 / 650) | 47
  • 52.
    1065 INTERESSANTE BODENSTANDUHR MITDATUM UND SEKUNDE, ZEITGLEICHE SOWIE EWIGEM KALENDER Régence, Paris um 1730/40. Das Zifferblatt und Werk signiert Ageron à Paris. François Ageron, Meister 1741. Rosenholz, Veil- chenholz und Satinholz eingelegt à la reine sowie in Reserven. Mehrfach eingezogenes und geschweiftes Gehäuse auf geradem Sockel. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachen, Rocail- len, Muscheln, Schnecken und Blättern. Gravierter versilberter Zif- ferring mit römischen Stundenzahlen sowie arabischen für Datum und Sekunden um vergoldetes Zentrum. Verstellbarer äusserer versilberter Ring mit Monaten, Sekunden und Datum für einen manuellen ewigen Kalender. Vergoldete durchbrochene Minuten- und Stundenzeiger sowie gebläute Datum- und Sekundenzeiger. Werk mit Grahamhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zeitgleiche (equation du temps). 2 Eisengewichte. 1 Schlüssel. 54 x 30 x 202 cm. Gehäuse restauriert. Risse und Fehlstellen in Marketerie. Bruch in Bronzeapplikation. Geringer Teil des Werkes entfernt, wohl Arre- tierung des Gehwerks. François Ageron war ein brillanter Uhrmacher und bekannt für seine qualitativ hochstehenden, meist komplizierten Werke. Das einzigartige Werk der hier angebotenen Standuhr verfügt über einen manuell nachführbaren ewigen Kalender, der in der Funkti- onsweise an ein Astrolabium erinnert. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 48 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 53.
    1066* BEDEUTENDE UND FEINGESCHNITZTE KONSOLE „AUX DRAGONS“ Régence, Nordfrankreich oder Deutschland um 1725/30. Holz reich geschnitzt mit Rocaillen, Blumen, Blättern und Gitter- werk sowie vergoldet. Trapezförmiges, passig geschweiftes und randmoulüriertes rot/weisses Marmorblatt auf geschweift ausgeschnittener, durchbrochener Zarge mit Jagdattributen. Auf markant geschweiften Beinen, umschlungen von Drachen sowie verbunden durch einen breiten Steg mit Darstellung eines Jagd- hundes mit Schwan. 143 x 66 x 44 cm. Fehlstellen und Reparaturen, Ergänzungen. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 49
  • 54.
    1067 ♣ BOULLEPENDULE AUF SOCKEL LouisXV, Bern um 1750. Geschweiftes Holzgehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt in teils graviertem Messing in Form von Blütenzweigen und Ranken. Reiche Bron- zebeschläge in Form von Blattvoluten, Rocaillen und Blumen. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen. Berner Werk mit Ankergang, Dreiviertel-Stundenschlag auf zwei Glocken. 43 x 22 x 112 cm. Zentrale Emailkartusche mit Rissen und Ausbrüchen. Geringe Fehlstellen an der Marketerie. Gravierung berieben. Zugrepeti- tion ausgebaut. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) 1068 GRÜNE HORNPENDULE AUF SOCKEL Louis XV, Paris, 2. Hälfte 18. Jh. Das Zifferblatt und Werk signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäu- se belegt mit grün gefärbtem Horn. Reiche vergoldete Bronzebe- schläge in Form von Muscheln, Rocaillen und Blattvoluten. Aufsatz in Form eines Kranichs mit Rocaillen und Blumen. Türbronze in Form einer geharnischten Frau zwischen zwei geschlagenen Tür- ken. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit Emailkartuschen, römische Stunden- und arabische Minutenziffern. Schlichte Zeiger. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 45 x 25 x 122 cm. Vergoldung berieben. Horn restauriert und etwas zu überholen. Werk zu revidieren. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 50 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 55.
    1069* KONSOLE „AUX DRAGONS“ LouisXV, Franken oder Potsdam um 1740. Holz fein und präg- nant geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie vergoldet. Trapezförmiges, dreiseitig geschweiftes rot/grau gesprenkeltes, randmoulüriertes Marmorblatt auf geschweif- ter, durchbrochener Zarge und durch Rocaillen verbundenen Volutenbeinen, beschnitzt mit vollplastischen Drachenfiguren. 100 x 48 x 83 cm. Marmorblatt repariert. Fehlstellen an der Vergoldung. Die äusserst kraftvolle und lebhafte Schnitzerei dieser Konsole sprechen für einen bildhauerisch geübten Ebenisten. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) | 51
  • 56.
    1070 TASSE UND UNTERTASSEMIT „WACHTELDEKOR” Meissen, um 1738-40. Becherform mit J-Hen- kel. Pupurfond mit Vierpassreserve, darin im Ka- kiemonstil zwei Wachteln zwischen blühenden Prunusstauden. Ränder vergoldet und gerän- dert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermar- ke, Tasse mit Formernummer 24 eingepresst. H 7 cm. D 13 cm. Fussrand bestossen. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1071* SERIE VON 23 TELLERN UND EINE SCHALE „GELBER LÖWE“ MEISSEN, um 1740-50. Modell von Johann Friedrich Eberlein. Nach einem ostasiatischen Vorbild. Neubranden- stein-Relief mit Goldbordüren. Untergla- surblaue Schwertermarke und diverse Pressnummern. D Teller 23 cm. D Schale 24, 7 cm. Provenienz: Italienische Privatsammlung. Der gelbe Löwe gehört zu den Dekoren, die der französische Kaufmann Lemaire für den Verkauf als asiatisches Porzellan in Frankreich, zwischen 1729 bis 1730, in Meissen in Auftrag gegeben hatte. Die Sammlung Schneider in Lustheim besitzt eine grössere Anzahl von Geschirrtei- len (J. Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, 2013, Bd. II, S. 265–289). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 57.
    1072 SELTENE TEEKANNE Meissen, um1730. Chinoiserien in der Werkstatt von Johann Ehrenfried Stadler. Die fünfpassige Kürbisform mit Pupurfond, in den braun-geränderten Vierpassreserven je ein Chinese mit Schmetterling und mit Sonnenschirm an einer Staude mit indianischen Blumen. Der passig modellierte Deckel mit vier Reserven von indianischer Blumenmalerei. Ränder vergoldet. Dre- herzeichen für Elias Grund und Spuren einer unterglasurblauen Schwertermarke. H 13 cm. Henkel am Ansatz repariert, minime Bestos- sung am Ausguss und Innenrändern. Provenienz: Basler Privatsammlung. Vergleichbare Form, mit erbsgrünem Fond und mit indianischen Blumen bemalt, in der Sammlung Dr. Ernst Schneider in Schloss Lustheim (Julia Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München, 2013, S. 414). CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1073 LÖFFELSCHÄLCHEN MIT „WACHTELDEKOR” Meissen, um 1738-40. Quadratische Form mit abgeflachten Ecken, Purpurfond bemalt mit einem Paar Wachteln zwischen blühenden Prunusstauden im Kakiemonstil, gerändert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermarke, Formernummer 66 einge- presst im Standring. 15,2 × 14,8 cm. Minime Randbestossung. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1074 PLATTE MIT „BIENENMUSTER” Meissen, Mitte 18. Jh. Runde Form mit gewelltem Rand und Altozier-Relief. Bemalt mit indianischen Blumen und Schmet- terlingen auf einem Grasstreifen. Unterglasurblaue Schwerter- marke, Pressnummer 21. D 28,3 cm. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 400 / 600 (€ 370 / 560) | 53
  • 58.
    1075* GROSSE TAPISSERIE „ALLEGORIE DESFRÜHLINGS“ Bruxelles, wohl nach Entwürfen von Lodewijk van Schoor, Anfang 18. Jh. Wolle und Seide. Darstellung der Flora mit Gefolge in einer Palastarchitektur mit Ausblick in einen Park mit feierndem Volk. Blätterbordüre. Restaurierungen mit 1076 KLEINES BUREAUPLAT Louis XV, Frankreich um 1750. Palisander gefriest und eingelegt in passigen Reserven. Rechteckiges, in Messingstab gefasstes Blatt mit brauner, goldgeprägter Lederauflage auf wenig geschweifter Zarge mit drei Schubla- den, die mittlere etwas zurückversetzt. Auf der Rückseite gleiche, jedoch blinde Eintei- lung. Auf geschweiften Beinen mit Sabots. Bronzebeschläge in Form von Blättern und Rocaillen. 1 Schlüssel. 131 x 66 x 76 cm. Restauriert. Leder fleckig. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) aufgenähter Etikette „DE WIT Royal Manufacturers Belgium 2014“. ca. 311 x 459 cm. Eine ähnliche allerdings kleinere Tapisserie wurde bei Chris- tie‘s New York, Auktion 19.10.2011 verkauft - Lot Nr. 217. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150) | 54 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 59.
    1077 DECKELTERRINE Meissen, um 1745.Ovale Form mit Sulkow- ski-Relief und seitlichen Blatthenkeln mit Maskaron. Bemalt mit feinen Landschafts-, Kauffahrtei- und Jagdszenen, darunter eine Elbansicht mit der Stadtkulisse von Dresden, in Goldgitterkartuschen mit Laub- und Ban- delwerk in Purpur und Eisenrot. Dazwischen indianische Blumen. Blaue Schwertermarke auf dem unglasierten Boden, Pressnummer 25. H 27,5 cm. L 23,5 cm. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) | 55
  • 60.
    1078* DECKELTERRINE Meissen, um 1750.Die runde Form mit Neuozierrelief, bemalt mit feinen Vogelvignet- ten und verstreuten Insekten. Die seitlichen Blatthenkel gehöht in Gold und mit Gemüse appliziert. Der Deckel mit einem plastischen Stilleben aus Hummer, Bohnen, Pilzen, Spargel, Kohl und Erdbeeren auf den Rocailleknauf appliziert. Unterglasurblaue Schwertermarke. D 20 cm. Deckelrand restauriert. Provenienz: Italienische Privatsammlung CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1079 MILCHKÄNNCHEN MIT ORNITHOLOGISCHEM DEKOR Meissen, um 1750. Mit rocaillemodelliertem Ausguss und Henkel gehöht in Gold, bemalt mit feiner Vogelmalerei und verstreuten Insekten. Der flache Deckel mit Insektenma- lerei und Knospenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke. H 13,5 cm. Ausguss mit kleiner Bestossung, Vergoldung leicht berieben. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) | 56 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 61.
    1080 SELTENES MODELL EINESEISVOGELS Meissen, um 1735–39. Modell von Johann Joachim Kändler für das Japanische Palais in Dresden. Auf einem hohen Felsso- ckel mit Moos, Blättern und seegrünem Schilf appliziert. Sein Gefieder staffiert in Grün mit hell geschuppter Partie an Kopf und Rumpf, die Flügel gehöht in Schwarz und Blau, der Bauch schraffiert in Braun, die Krallen in Eisenrot. Ohne Marke. Spuren einer handschriftlichen Inventarnummer in Schwarz auf der Unterseite. H 23 cm. Ergänzter Schnabel geklebt, Blätter am Fels zum Teil restauriert und ergänzt, Blätter und Schilf zum Teil bestossen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. In der Galerie des Japanischen Palais, dessen Umgestaltung 1730 durch August den Starken (1670–1733) in Auftrag ge- geben wurde, sollte die berühmte Meissener Menagerie mit lebensgrossen Tierplastiken präsentiert werden. Es sind nur wenige kleinere Modelle, wie die des Eisvogels, den man auf einer Arbeitsliste von 1735 für das Japanische Palais findet: „12. Ein Eis Vogel poussiret Wie er auf einem kleinen Stein Klipgen sitzet daran etwas Blätter Werk gewachsen ist“. Von diesem seltenen Vogelmodell wurden 1736 nur vier Exemplare an das Japanische Palais ausgeliefert. Im Inventar von 1770 finden sich nur noch zwei Exemplare (Johanneums- nummer N=353-w), welche nach und nach aus dem Inventar gelöscht wurden mit dem Vermerk ‚sind beim Putzen zerbro- chen worden‘ (Samuel Wittwer, Die Galerie der Meissener Tiere. Die Menagerie August des Starken für das Japanische Palais in Dresden, München, 2006, S. 318). Vergleichsstücke: Metropolitan Museum New York, Collection Mr and Mrs Charles Wrightsman (1976.155.122); Collection Sir Gawaine Lady Baillie, Auktion Sotheby‘s London, 1.5. 2013, Lot 11. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1081 MODELL EINES PAPAGEIS Meissen, um 1738–45. Modell von Johann Joachim Kändler. Auf einem Baumstumpf mit Blättern und einer Blüte appliziert. Das schraffierte Gefieder staffiert in Grün und Gelb, die Spitzen der Flügel und Schwanzfeder in Blau. Ohne Marke. H 14,2 cm. Schnabel mit Restaurierung, Flügel und Schwanzfe- dern mit Ergänzungen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Vergleichsstücke: Rainer Rückert, Meissener Porzel- lan, München 1966, S. 266 Nr. 1083 und 1084; Yvonne Hackenbroch, Irwin Untermyer Collection, New York, Taf. 5; Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Roth- schild (Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 145, 146). CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 57
  • 62.
    1082 PAAR GESCHNITZTE UNDGEFASSTE BEISTELL­ TISCHE MIT CHINESISCHEN LACKPANEELEN Rokoko, Deutschland um 1740/50. Die Lackpaneele China, 18. Jh. Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Rocaillen und Blät- tern, schwarz gefasst sowie teils vergoldet. Rechteckiges Blatt in chinesischer Lackarbeit mit Darstellung von Fischern auf Booten. Erhöhter gekehlter Rand in europäischem Vernis. Die wellig ausgeschnittene Zarge mit markanten Rocaillen und Blattvoluten geschnitzt und auf markant geschweiften Beinen mit Volutenfüs- sen. Auf der Zargenunterseite Inventarstempel: Staatliche Kunst- sammlung Schloss Pillnitz 264 bzw. 265 sowie Inventarnummern in Schwarz DA.10.22 bzw. 23; Inventarnummern in Weiss 49349 bzw. 49350; einer mit Inventaretikette Dahlen 23. 86 x 59 x 79 cm. Blatt und Fuss eventuell arrangiert, die schwarze Fassung des Gestells wohl später. Fehlstellen. Provenienz: - Reichsgraf Heinrich von Bünau, Schloss Dahlen, Sachsen. - Staatliche Kunstsammlung Schloss Pillnitz. - Gekauft bei Aveline Paris, Dezember 2000. - Schweizer Privatbesitz. Die kraftvolle und prägnante Schnitzerei deutet auf einen Herstel- ler hin, der auch über grosse bildhauerische Fähigkeiten verfügte, wie etwa Johann August Nahl, tätig am Hof von Friedrich dem Grossen zwischen 1740 und 1745. Das Motiv der Rocaille mit Flügel ist typisch für diesen Bildschnitzer, der zwischenzeitlich in Bern tätig war und dort Schnitzdekorationen an der Orgel im Berner Münster fertigte. Vgl. Hermann von Fischer: Fonck à Bern, Bern 2001, S. 220 (mit Abb. 398) für die Merkmale der Arbeiten von Nahl. Die Inventarnummern DA.10.22 und 23 verweisen das von 1744 bis 1751von Heinrich von Bünau errichtet Schloss Dahlen wurde. Die beiden Stücke sind in der Schlossbergungsliste aus dem Jahr unter diesen Nummern verzeichnet. Heinrich von Bünau, der Sohn des gleichnamigen kursächsischen Kanzlers, wurde am 2. Juni 1697 in Weißenfels geboren. Nach dem Jurastudium an der Universität Leipzig arbeitete er als Beisitzer des dortigen Obergerichtshofs und wurde 1730 Wirklicher Gehei- mer Rat. Bünau setzte sich für die Rechte der Stände ein, weshalb Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) den unbequemen Grafen 1734 ins entfernte Eisleben entsandte. Dort leitete er die Verwal- tung der Grafschaft Mansfeld. Ab 1740 war Bünau als Gesandter Kursachsens in Mainz tätig, 1742 erhob ihn Kaiser Karl VII. in den Reichsgrafenstand. Bünau kehrte 1745 nach Dresden zurück, wo er erneut für die ständischen Rechte eintrat und seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzte. Nach dem endgültigen Bruch mit dem Premierminister Heinrich Graf von Brühl folgte Bünau 1751 dem Ruf des Herzogs von Sach- sen-Gotha-Altenburg als Statthalter nach Eisenach. Bei der Ausstattung von Schloss Dahlen orientierte sich Graf von Bünau am Prunk und Glanz des Dresdner Hofes. Im Jahre 1335 ist Schloss Pillnitz erstmals als Herrensitz und Rittergut erwähnt. Kurfürst Johann Georg IV erhält 1694 das Pill- nitzer Anwesen im Tausch gegen Schloss und Amt Lichtenwalde. Als der Kurfürst kurz darauf stirbt gehen Schloss und Park Pillnitz in den Besitz von dessen Bruder Friedrich August, auch bekannt unter dem Namen August der Starke, über. 1706 überlässt Friedrich August das Anwesen seiner Mätresse Anna Constanta von Cosel, welche es von 1713 bis 1715 bewohnt. Nachdem sie jedoch in Ungnade fiel, übernahm August der Starke wieder das lustvolle Leben in Schloss Pillnitz und der Schlossanlage. Nebst den üblichen Lustbarkeiten und Festen wurde das Anwesen für grosse Hochzeiten benutzt. So im Jahre 1719 als Kurprinz Friedrich August und Maria Josepha, Tochter des Kaiser Joseph I, heirateten. Spätere Anbauten wie der Wasser- und Bergpalais, die Schlosskirche Zum Heiligen Geist sowie der Chinesische Garten umrahmten das Anwesen. Ein Brand im Mai 1818 zerstörte jedoch das alte Renaissanceschloss sowie den benachbarten Venustem- pel und bis 1830 wurden darauf das Neue Palais im klassizisti- schen Stil sowie ein gusseisernes Gewächshaus, das Palmenhaus, errichtet. Dieses neue Schloss mit Park Pillnitz wurden danach als Sommerresidenz für das sächsische Königshaus genutzt. Eine direkte Verbindung zwischen Schloss Dahlen und Schloss Pillnitz konnten wir nicht herausarbeiten. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) | 58 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 63.
  • 64.
    1084* KOMMODE „À FLEURS“ Transition,Paris um 1760. Signiert G. Jansen sowie mit Innungsstempel. Georges Jansen, Meister 1767. Rosenholz, Veilchenholz, Amarant sowie diverse teils getönte Hölzer eingelegt in Form von Blumen und geometrischen Reserven. Leicht trapezförmiger, dreiseitig geschweifter Korpus auf ausgeschnittener Zarge mit ge- schweiften Beinen. Front mit zwei Schubladen ohne Traverse. Bronzebeschläge. Zentralver- schluss. Beige/rotes Brekzieblatt. 1 Schlüssel. 67 x 43 x 81 cm. Restauriert, grössere Partien des Furniers er- setzt. Boden ersetzt. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1083 GROSSER ROKOKO KAMINSPIEGEL wohl Bern um 1750/55. Holz geschnitzt, durchbrochen gearbeitet sowie vergoldet. Rechteckiger moulürierter Rahmen mit durchbrochenem Rocaillenaufsatz. Die unteren Ecken mit Rocaillen und Voluten verziert. Altes Spiegelglas. 88 x 144 cm. Fehlstellen an der Vergoldung. Reparaturen. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz Die sich leicht auflösende Rocaille erinnert an Arbeiten von Johann August Nahl und dessen Einfluss auf die Werkstatt Funk. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 60 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 65.
    1085* HAUSMALER WALZENKRUG Meissen, um1730-35. Die Bemalung möglicherweise von Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau. Mit Bandhenkel und blattförmigem Abschluss, über „C.P.S.” Monogramm in Gold. Dargestellt eine hügelige Landschaft mit einer Stadtansicht in der Ferne. Diana gemeinsam mit ihren Gefährtinnen beim Bade. Verborgen hinter einem Baum Aktaion mit seinen Jagdhunden, zu seiner Rechten eine ahnungslose Nymphe. Ohne Marke und ohne Punzen. H 16,6 cm. Provenienz: Privatbesitz, Paris. In der Mythologie wird Aktaion, der beim Umherstreifen durch die heimatlichen böotischen Wälder die Jagd- und Mondgöttin Diana beim Bade mit ihren Nymphen heimlich beobachtet, in einen Hirsch verwandelt und schliesslich von seinen eigenen Hunden zerrissen. Er soll sich nicht rühmen können, die jungfräuliche Göt- tin nackt gesehen zu haben. Die häufigste Darstellung beschreibt den Moment, in dem Aktaion in einen Hirsch verwandelt wird, sel- tener sieht man die Szene, die den Moment kurz vor seiner Ver- wandlung beschreibt. Es soll ein Versuch sein, diese interessante Malerei dem Werk eines bekannten Hausmalers zuzuschreiben. Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau (1692-1764), ein Schü- ler Bottengrubers, wird von Gustav Pazaurek als adeliger Amateur unter den Porzellan- und Emailmalern beschrieben. Obwohl er als Amateur galt, der jedoch aus einem kultivierten Umkreis kam, hatte er als Porzellanmaler durchaus einen Namen, da er selbst der Kronprinzessin von Preussen eine „ganze Garnitur weissen Meissner Porzellans von ihm en emaille gemalt” überreichen durf- te. Eine ganze Reihe von signierten und datierten Stücken, meist monochrom und mit mythologischen Motiven sind überliefert, wie zum Beispiel ein Meissener Krug mit einer bacchantischen Szene, ehemals aus dem Berliner Schlossmuseum. Wolfsburg hat zu- sammen mit seinem Lehrer Ignaz Bottengruber die Zeit zwischen 1730 und 1731 in Wien verbracht. Der Kontakt mit der Manufaktur Du Paquier und ihr Einfluss auf sein Werk könnte auch der Entste- hung der Bemalung unseres Kruges vorausgegangen sein. Das letzte bekannte Werk aus Wolfsburgs Hand, der inzwischen zum Preussischen Rat aufgestiegen war, stammt aus dem Jahre 1756 (G.E. Pazaurek, Deutsche Fayence- und Porzellan-Hausmaler, 1925 (1971) Bd. I, S. 193-203). CHF 7 000 / 9 000 (€ 6 480 / 8 330) 1086 SCHOKOLADENBECHER MIT UNTERSCHALE Meissen, um 1740. Vergoldung in Augsburg. Dop- pelhenkelige Becherform. Fels- und Vogeldekor in Unterglasurblau, Dekor in Gold mit feiner Radierung mit Darstellung eines Chinesen und einem Pavillon auf der Tasse, Augsburger Randmuster. Untergla- surblaue Schwertermarke und Malermarken, Press- nummer 65 auf der Unterschale. H Tasse 6,5 cm. D Unterschale 12,5 cm. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) | 61
  • 66.
    1087 BEDEUTENDE ROKOKO KONSOLE Bernum 1750/60. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Blattvoluten, Rocaillen und Gitterwerk sowie vergoldet. Trapezförmiges, randmoulüriertes Marbre de Roche Blatt in braun/rot/grau auf wellig ausgeschnit- tener Zarge mit zentraler, asymmetrischer Rocaillen-Karutsche, umrahmt von Schilfwerk und ovalen Durchbrüchen mit gelappter Umrandung. Die Schmalseiten nehmen die gleiche Gestaltung der Frontzarge hälftig auf. Prächtige Eckzierden aus Voluten und Blattwerk. Geschweifte s-förmige Beine mit nach aussen gelockten Füsschen. Die Beine an den Innenseiten mit weiterem Rankenschmuck, die Traverse bogenförmig geschweift und mit rocailllenartiger, sehr fein durchbrochener Kartusche. Originale Vergoldung. 115 x 58 x 88 cm. Provenienz: - Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler. - Sammlung von Goldschmidt-Rothschild. - Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotene Konsole des Johann Friedrich Funk I, nimmt neben den berühmten Konsolen im Wildtschen Haus, welche der begabte Bildhauer und seine Werkstatt in den Jahren 1766/67 schuf, eine besonders wichtige Rolle ein. Es ist ein beschwingtes Rokoko von allerhöchstem Stellenwert, das wir in dieser, aus altem Berner Patrizierbesitz stammenden Konsole finden. Wenig vor den Wildtschen Konsolen, ca. 1760 entstanden, sticht eine feine Asymmetrie im Schnitzwerk unserer Konsole aus der traditi- onellen Formensprache des Bildhauers heraus. Die kraftvolle und dynamische Schnitzerei der zentralen Kartusche und die feinen Durchbrüche innerhalb von feinst graviertem Zargenfeld mit getupftem Gitterwerk, zeugen vom grossen Können des Meisters. Die Rouge Suisse-Marmorplatte ist von ausgewogener Farbkomposition und rundet in ihrer ausgesuchten Qualität das noble Erscheinungsbild dieser Konsole vortrefflich ab. Schloss und Herrschaft Münchenwiler waren seit 1668 im Besitze des Berner Aristokraten Anton von Graffenried. Das Schloss blieb bis1932 in von Graffenried-Besitz. Unsere Konsole blieb durch direkte Erbfolge seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 230 und 231. Eine vergleichbare Konsole von Funk aus dem Reinacherhof in Basel, S. 209 (Abb. 373). CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) Schloss Münchenwiler, Hofansicht. | 62 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 67.
    1088 GROSSER SPROSSENSPIEGEL Rokoko, Bernum 1750/60. Von Johann Fried- rich Funk I. (1706-1775). Holz geschnitzt mit Rocaillen, Blumengirlanden, Blattvoluten und Zierfriesen sowie moulüriet und vergoldet. Hochformatiges, zentrales Spiegelglas mit feinem Profilrahmen. Der äussere Rahmen in 14 Spiegelkartuschen unterteilt und durch feinste Sprossen, verziert mit Blüten und Rankenwerk, mit dem reichen Hauptrahmen verbunden. Dieser gekehlt, profiliert und mit gelapptem Zierdekor geschnitzt. Nach unten hin wellig abschliessend und mit seitlichen, gerollten Akanthusranken und geschweiften Füsschen. Nach oben bogenförmig abschliessend und mit sehr reichem rocailleartigen Fronton mit zentraler Granatapfelknospe innerhalb einer fein durchbrochenen Kartusche und seitlichen Zier- flügeln, verziert mit Blumen und Voluten. Teile der Spiegelgläser wohl später, insbesondere das Hauptglas. 236 x 118 cm. Fehlstellen und Risse. Vergoldung berieben. Spiegelglas leicht korrodiert. Provenienz: - Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler. - Sammlung von Goldschmidt-Rothschild. - Schweizer Privatbesitz. Der hier angebotene, grosse und prachtvolle Sprossenspiegel gehört zu den schönsten Spiegelschöpfungen der berühmten Berner Werkstatt des Johann Friedrich Funk I. und darf in die Zeit um 1765 datiert werden. Wie bei der Konsole aus Schloss Münchenwiler, gelingt auch hier dem Meister eine holzbildhauerische Glanz- leistung, die sich insbesondere in der virtuosen Schnitzerei des Frontons zeigt. Sind die seitlichen Fortsetzungen der Mittelkartusche noch sehr symmetrisch gearbeitet, so bricht der Bildhauer in eben dieser alles bekrönenden Kartusche ge- konnt die Symmetrie auf, in dem er der grossen Granatapfelknospe einen virtuos geschnitzten Rahmen ermöglicht. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, Abb. S. 206 und 207 CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 68.
    1089 DREI SUPRAPORTEN MITJAGDDARSTELLUNGEN IN KARTUSCHENFORM Rokoko, Bern, Mitte 18. Jh. Die Rahmen Johann Friedrich Funk I. zuzuschreiben. Holz fein geschnitzt mit Rocaillen, Blumen und Blättern sowie vergoldet und grau gefasst. Passige zentrale Re- serve bemalt in Öl auf Leinwand. Darstellungen der Jagdvorberei- tungen, der Jagd zu Pferd sowie dem Halalie. Die Rahmen in leicht unterschiedlichen Formen. Zentrale: L 135, H 63 cm. Beide seitlichen: L 123, H 59 cm. Provenienz: - Wohl Familie Frisching, Bern. - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) | 64 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 69.
    1091 ZUCKERDOSE MIT KAUFFAHRTEISZENEN Meissen,um 1740. Bemalung in der Art von Christian Friedrich Herold. Bemalt mit Kauffleuten am Quai eines Hafens, in Goldgitterkartuschen, braun konturiert. Der Deckel mit einer Goldgitterbordüre, appliziert mit einem Rosenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke, Vergol- dernummer 43. auf beiden Teilen. D 11 cm. Provenienz: Aus altem Schweizer Privatbesitz. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) 1090 SECHS KOPPCHEN UND SECHS UNTERSCHALEN Meissen, um 1730/1740-45. Die Koppchen mit Landschaften und pasto- ralen Figurenszenen, die Unterschalen mit Kauffahrteiszenen, in vierpas- sigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot und indianischer Blumenmalerei im Fond der Koppchen in eisenroten Doppelringbordüren. Goldspitzenbordüren an den Rändern. Untergla- surblaue Schwertermarken, Goldmarke T. auf den Koppchen, Punkt in Gold auf den Unterschalen. Diverse Dreherzeichen auf den Unterschalen, Pressnummern 66 auf den Koppchen. D Unterschalen 11,7 cm, D Kopp- chen 7 cm. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) | 65
  • 70.
    1092* GRÜNE HORNPENDULE MITSOCKEL Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. J.B. Baillon à Paris (Jean Baptiste Bail- lon, Meister 1727) und num. N 2106. Grünes Horn und vergoldete Bronze. Ge- schweiftes Gehäuse mit Aufsatz in Form des Amor, auf geschweiften Füssen und sich nach unten verjüngendem Sockel mit Blumen- und Blätterabschluss. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit 24 Emailkartuschen mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Umgebautes Ankerwerk mit Brocot-Hemmung und Halbstundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und Applikationen in Form von Maskaronen, Blättern und Kartuschen. 1 Schlüssel. 43 x 20 x 111 cm. Zu revidieren. Die Hornmarketerie ausgebleicht und teils ersetzt. J.B. III Baillon war ein sehr bedeutender Uhrmacher der Louis-XV-Epoche und bekannt für eine qualitativ ausgesprochen hochwertige Produktion. Im Unter- schied zu vielen Zunftgenossen pflegte er seine Stücke zu nummerieren. Das Inventar von 1772 erwähnt ein Werk mit der Nummer 3808, was darauf hin- weist, dass seine Produktion sehr gross gewesen sein muss. J.B. III Baillon er- hielt verschiedene bedeutende Titel: „Valet de Chambre de la Reine“, „Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Reine“ und später „Premier Valet de Cham- bre et Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Dauphine“ (Marie-Josephe de Saxe, Gattin des ältesten Sohnes von Louis XV und Mutter des späteren Louis XVI). F. Berthoud, ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher aus der gleichen Zeit, hielt in seinem „Journal Hélvétique“ aus dem Jahre 1753 den Besuch bei J.B. III Baillon wie folgt fest: „Sa maison est un Magasin d‘Horlogerie la plus belle et la plus riche. Le Diamant sert non seulement à décorer les Montres, mais même des Pendules; il en a fait dont les Boetes étoient de petits Cartels d‘Or, ornés de fleurs de Diamants imitant la Nature... Sa maison de St. Germain est une espèce de Manufacture. Elle est remplie d‘Ouvriers continuellement occupés pour lui... puisque lui seul fait une bonne partie de l‘Horlogerie.“ Lit.: J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 272f. (biogr. Angaben). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris 1972; S. 21 (biogr. Angaben). CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1093* BUREAU „EN PENTE“ Louis XV, Frankreich, 18. Jh. Veilchenholz und Palisander ge- friest sowie fein eingelegt „en papillon“ und mit Diamantspitz. Rechteckiger Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit hohen, geschweiften Beinen. Schräge, abklappbare und innen mit grünem Leder bezogene Schreibplatte über zwei nebeneinander liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit grossem, dreige- teiltem Zentralfach, flankiert von je drei Schubladen unter Fach. Geheimfach. Spätere vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Zum Freistellen. 3 Schlüssel. 98 x 50(offen 86) x 102 cm. Restauriert und Furnier teils später. Blatt leicht verzogen, Kratzer. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1094* EIN PAAR CHAUFFEUSEN Louis XV, Paris um 1760. Buche mouluriert und fein beschnitzt mit Blattwerk sowie vergoldet. Hufförmiger Sitz auf wellig ausge- schnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Eingezogene, bogen- förmig abschliessende Rückenlehne. Gebrauchter, hellbeiger Seidenbezug mit Blumen und Blättern. Fehlstellen. 53 x 43 x 47 x 87 cm. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) | 66 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 71.
    1095 AUSSERORDENTLICH SELTENER BAROMETER Rokoko,Bern um 1755/60. Wohl von Johann Friedrich Funk I. Holz geschnitzt, schwarz gefasst und teilvergoldet. Hochformatiges Wandstück mit gewelltem Mit- telfeld. Umrahmt von vergoldetem Profilrahmen. Unten und zum Abschluss hin mit fein geschnitzten, leicht fragmentierten, vergoldeten Palmetten. Grosse Queck- silbersäule und fragmentierte, spätere Wetteranzeige des 19. Jh., von Rüffenacht, Bern. H 122 cm. Bestossungen an der Fassung. Provenienz: - Sammlung von Graffenried, Schloss Münchenwiler. - Sammlung von Goldschmidt-von Rothschild – von Graffenried. - Schweizer Privatbesitz. Der hier angebotene Barometer ist von grösster Seltenheit und hat sich in seinen wesentlichen Teilen original erhalten. Nur ein weiterer, vergleichbarer Barometer ist in dieser Ausführung bekannt. Er konnte aus Privatbesitz in den 90er Jahren durch Sotheby’s Zürich nach Schloss Jegenstorf vermittelt werden. Möglicherweise stell- te Johann Friedrich Funk I (1706-1775) ein solches Messinstrument in Zusammen- arbeit mit seinem Neffen, dem Uhrmacher Daniel Beat Ludwig Funk (1726-1787) hergestellt. Jedenfalls erinnern wir uns beim Betrachten des Barometers aus von Graffenried-Besitz unweigerlich an die Wanduhr der Grande Société, mit den fei- nen, vergoldeten Schnitzereien über schwarz gefasstem Grund, welche die beiden Kunsthandwerker 1769/70 schufen. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 135 CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1096* KLEINES DAMENBUREAU EN PENTE Louis XV, Paris um 1760. Palisander und Veil- chenholz gefriest sowie eingelegt mit Rauten- muster, Kartuschen und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Front mit schräger, innen mit grünem, goldgepresstem Leder bezoge- ner Schreibplatte über zwei nebeneinander liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit drei Fächern und vier stufenförmig angeordneten Schubladen. Geheimfach. Zentralverriegelung. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Zum Freistellen. 1 Schlüssel. 66 x 42 (offen 60) x 88 cm. Restauriert. Kleinere Fehlstellen. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 67
  • 72.
    1097 SCHÖNER GESCHNITZTER ROKOKO SPIEGEL LouisXV, Bern um 1755/60. Johann Friedrich Funk I (1706 - 1775). Holz fein geschnitzt mit Rocaillen und Blüten sowie vergoldet. Recht- eckiger profilierter sowie moulürierter Rahmen, das durchbrochen gearbeitete Fronton mit asymetrischer Rocaille, Blattvoluten und Blumen geschnitzt. Die unteren Ecken sich in Rocaillen auflösend. Der Profilrahmen gelappt. H 135, B 89 cm. Fehlstellen an der Vergoldung. Kleinere Repara- turen. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868– 1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. Der hier angebotene Spiegel gefällt durch seine leichte Asymetrie sowie die besonders plasti- sche Ausführung der geschnitzten Elemente. Vergleichbare Spiegel abgebildet bei: Hermann von Fischer. Fonck a Berne. Möbel und Ausstat- tungen der Kunsthandwerkerfamilie Funk im 18. Jh. in Bern. Bern 2001. S. 222, Nr. 407 sowie 223, Nr. 410. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1098 BUTTERDOSE UND SENFTÖPFCHEN Sèvres, um 1770. Bemalung Jean-Nicolas Le Bel le jeune. Blu- menzweige und blaue Ringbordüren mit Goldhöhung. Der Rand mit einer Zahnschnittbordüre in Gold. LL- Monogrammmarken in Blau und Schwarz, Jahresbuchstabe S für 1771, y für 1776 und Künstlersignatur LB und Symbol. D Butterdose 22 cm. H Senftöpfchen 8,5 cm. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) | 68 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 73.
    1100 TEESERVICE MIT LANDSCHAFTSMALEREI Zürich,Manufaktur Schooren, um 1770. Bemalt mit feinen Landschaftsvignetten im Inselstil mit Figurenstaffage und Höhungen in Blau. Die Ränder mit Zahnschnittbordüre in Gold. Bestehend aus: eine Teekanne, eine Heisswasserkanne, eine Zuckerdose, eine Soucoupe und zwölf Koppchen und Unterschalen. Unterglasurblaue Marke Z und .. H Teekanne 12 cm, H Heisswasserkanne 14 cm. Zuckerdose mit Haarriss im Boden, minime Retouchen und Bestossungen. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 6 000 / 7 000 (€ 5 560 / 6 480) 1099 SECHS TELLER DES TYPS „EINSIEDLER SERVICE” Zürich, um 1765. Mit faconniertem, tiefge- schweiftem und von einer Stabkante einge- fassten Rand und feiner Riefelung. Bemalt im Spiegel mit grossem Blumenbouquet und verstreuten kleinen Sträussen. Unterglasur- blaue Marken Z. D 23 cm. Kleine Bestossungen. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868– 1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 69
  • 74.
    1101 GROSSE GRÜNE HORNPENDULEAUF SOCKEL Louis XV, Frankreich, Paris um 1765. Zifferblatt signiert Causard Hgr. du Roi, Suivt. La Cour. Geschweiftes Gehäuse, belegt mit grünem Horn sowie wenig mit gravier- tem Messing intarsiert. Vergoldete Zierbronzen in Form von Blättern, Voluten und Zierfriesen. Treize pièce Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke, original aus der Zeit, aber später eingebaut. 1 Schlüssel. 54 x 25 x 147 cm. Guter restaurierter Zustand. Risse im Email. CHF 6 000 / 9 000 (€ 5 560 / 8 330) 1102 KONSOLE Rokoko, Bern um 1760. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz teils durch- brochen geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie vergoldet. Trape- zförmiges, leicht geschwungenes sowie randmoulüriertes Oberhasli Marmorblatt auf symetrischer, wellig ausgeschnittener Zarge. Die Schmalseiten entsprechend der Front gestaltet. Die vorderen Ecken mit markanten Eckzierden in Form von plastischen Rocaillen. Geschweifte, s-förmige Beine, an den Innenseiten mit leich- tem Blattschmuck und auf Volutenfüssen. Verbunden durch eine geschwungene Traverse, durchbrochen gearbeitet mit Rocaille, Blumen und Blättern. Originale Vergoldung. 128 x 63 x 80 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz Die hier angebotene Konsole weist bezüglich der symetrischen Gestaltung, der mit Blüten gefüllten zentralen Rocaille sowie den mit feinen Blattvoluten ge- schnitzten Beinen Ähnlichkeiten mit einem Konsoltisch im Wildtschen Haus in Basel auf. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne. Bern 2001, S. 189 (Abb. 341). CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260) | 70 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 75.
    1104 SCHÄFERGRUPPE ALS SOMMERALLEGORIE Frankenthal, um1757. Modell von Johann Wilhelm Lanz. Auf einem Rocaillesockel gehöht in Purpur und Gold, der Schäfer auf einem Dudelsack spielend, die Schäferin mit einem Blumenkorb auf dem Schoss. In Eisenrot bzw. purpurfarben gemusterten und gold geränderten Kostümen. Unterglasurblaue Marke stei- gender Löwe, Pressmarke PH und 6. H 22 cm. Kleine Bestossungen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 1 800 / 2 200 (€ 1 670 / 2 040) 1103 ZWEI FIGUREN VON MUSIKERN Ludwigsburg, um 1762. Modelle von Johann Christian Friedrich Wilhelm Beyer. Die Dame als Lautenspielerin, der Kavalier als Querflötenspieler, auf einem quadratischen Sockel an einem Postament mit einer Vase stehend. Die Bekleidung staffiert in Purpur und mit blauen Punktroset- ten. Unterglasurblaue CC-Monogramm Marke mit Kurhut, Ritzmarken Nö3. H 17,5 cm. Kleine Restaurierungen, minim bestossen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) | 71
  • 76.
    1105 SCHÖNE KOROMANDELLACK-KOMMODE Louis XV,Paris um 1740/50 mit späterer Änderung. Holzkern schwarz gelackt in französischem Vernis im „gout chinois“, die Schubladenfronten sowie die Seitenmotive mit geschweiften Bronzeeinrahmungen. Darstellungen einer Gartenlandschaft mit Figurenstaffage und Boot auf See. Die Seiten mit diversen Symbolen und Objekten. Trapezförmiger, dreiseitig geschweif- ter und bombierter Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge und geschweiften Beinen. Vergoldete, teils spätere Bronzebe- schläge und Filets sowie Sabots. Späteres hellgraues Marmor- blatt. 130 x 65 x 87 cm. Kleinere Risse. Restaurierungen, die Schürze später vom Korpus entfernt und an der Schublade befestigt. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Unter den chinesischen Kunstobjekten, welche bereits im 15. und 16. Jh. über die spanischen und portugiesischen Entdecker und Kaufleute nach Europa gelangten, zogen insbesondere die Objekte aus Porzellan und Lack für Aufsehen und Bewunderung auf sich, da sie in Europa zu jener Zeit nicht herstellbar waren. Während der Durchbruch zur Herstellung von Porzellan in Eu- ropa erst 1710 in Meissen gelang, gab es bereits ab dem 15. Jh. erste europäische Lackerzeugnisse. Allerdings kamen diese in Qualität und Dauerhaftigkeit nicht an die asiatischen Lacke her- an, da der Firnis sich relativ rasch eintrübte und brüchig wurde. Den Grundstoff für den Lack bildet der Saft des Lackbaumes, den es nur in China, Japan und Korea gab. Sowohl Versuche die Bäume in Europa anzupflanzen wie auch den Saft des Baumes nach Europa zu bringen scheiterten, da der Saft die Seerei- se nach Europa nicht überstand. Die ältesten Lackarbeiten stammen aus China und wurden 1300 v. Chr. gefertigt. Im 9. | 72 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 77.
    Jahrhundert entwickelten japanischeKünstler neue Techniken: Sie streuten Gold- und Silberstaub in den Lack, woraus sog. Streubilder (Maki-E) entstanden. Später wurden die Lackarbeiten auch durch Schnitzerei, Bemalung, Gravierung und Intarsierung veredelt. Bei der Herstellung von Dekorationen für Möbel und Ähnliches wurden bis zu 40 hauchdünne Schichten Lack über- einander aufgetragen und poliert. Der so entstandene Lack war wasser- und säureresistent und sogar kochendes Wasser konnte ihm nichts anhaben. An den europäischen Höfen entwickelte sich ab dem 17. Jh. eine eigentliche Chinamode. Kunsterzeugnisse aus Japan und China waren in dieser Zeit wesentliche Bestandteile der höfischen Sammlungen in Holland, England und Frankreich. Besonders gefragt bei den Lackarbeiten waren Schreibkabinette, Truhen und Kästen, die von der Englischen Ostindischen Gesellschaft insbe- sondere aus Japan und ab 1632 aus China eingeführt wurden. Auch Louis XIV kaufte für die Erweiterung von Schloss Versailles zahlreiche chinesische Porzellane, Seidenstoffe und Lackmöbel, die er nicht als Kabinettstücke verwahrte sondern in die Einrich- tung integrierte. Diese neue Mode verbreitete sich schnell in der höheren Gesellschaft; ein beachtlicher Handel entstand Ende des 17. Jh., der die Erzeugnisse hauptsächlich in Holland beschaffte. Auch wurden Lackarbeiten direkt in China in Auftrag gegeben und nach Europa gebracht. Obschon Quellen bedeutende frühe Lacksammlungen in Frank- reich bezeugen, sind im Vergleich mit anderen europäischen Län- dern relativ wenige fernöstliche Lackmöbel erhalten geblieben. Hingegen finden sich häufiger Möbel im Stil Louis XIV bis Louis XVI, welche ausgeschnittene Lackpanneaus beinhalten. Man kann vermuten, dass Franzosen, nach dem Auslaufen der Mode, ohne sentimentalen Hang zur Aufbewahrung der altmodisch gewordenen Möbel à la chinoise, die Stücke auseinandernahmen und in à la française umarbeiten liessen. Einzelne Paneele von asiatischen Möbeln wurden entfernt und im neuen französischen Stil integriert. Wegen der grossen Flächen waren dabei Paravents beliebt, wie es auch bei unserer Kommode der Fall sein könnte. Dabei wählte man für die Frontseite oft ein Bild mit diagonal an- geordneten Architekturelementen, da diese diagonale Linien eine perspektivische Ansicht am besten vermitteln. Die hier vorgestellte Kommode wurde im Museum für Ostasia- tische Kunst in Köln in der Ausstellung „Leuchtend wie Kristall“ präsentiert (16. März bis 20. Mai 2002). Die Lackpaneelen auf der Front wurden dabei als Teile eines chinesischen Koroman- dellack-Stellschirms beschrieben. Unsere Untersuchungen der Kommode, insbesondere aber die Abänderungen an der Schür- ze lassen vermuten, dass die Kommode nicht ursprünglich für diesen Dekor vorgesehen war und es sich bei der Lackarbeit wohl eher um eine französische Arbeit im „gout chinois“ handelt. Eine genaue Datierung dieses später auf die Kommode gekommenen Lackdekors ist jedoch schwer möglich. Literatur: Masako Shôno-Sladek, Leuchtend wie Kristall. Lackkunst aus Ostasien und Europa. Köln 2002. S. 37 (Abb. 38). CHF 60 000 / 100 000 (€ 55 560 / 92 590) | 73
  • 78.
    1106 GROSSER SALONSPIEGEL Louis XV,Bern um 1750. In der Art von Johann Friedrich Funk I. Holz teils durchbrochen geschnitzt sowie vergoldet. Rechteckiger Profilrahmen, gra- viert mit Blattvoluten. Geschwungener Rocaillen- aufsatz, dekoriert mit Blumen und Gitterwerk. Die unteren Ecken mit Blattvoluten beschnitzt. H 144, B 87 cm. Kleinere Fehlstellen. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz Feines Gitterwerk zwischen volutenartigen Rocail- lenwerk finden sich bei Johann Friedrich Funk I. ab circa 1750 bis circa 1770, so auch in identischer Weise an einem Spiegel der Zeit um 1765/70, welcher sich in Schloss Jegenstorf, als Leihgabe aus Privatbesitz, erhalten hat. Unser doch sehr symmetrisch gestalteter Spiegel dürfte etwas frü- her, wohl in die Zeit um 1755-60 zu datieren sein. Vergleiche: Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2000, S. 224, Abb. 413, für den Spiegel aus Schloss Jegenstorf. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1107 GROSSES CANPÉ À OREILLES Louis XV, Frankreich, wohl Lyon, ca. Mitte 18. Jh. Nussbaum geschnitzt und moulüriert. Längsformatiger Sitz über wellig ausgeschnittener und moulürierter Zarge, auf geschweiften Beinen. Die Rückenlehne wenig nach hinten geneigt und mit drei jochförmi- gen Abschlüssen, geschnitzt mit Blu- men und Rankenwerk. Die gepolster- ten Armstützen in die geschweiften, ohrenförmigen Wangen übergehend. Floraler, gelbgrundiger Bezug. 200 x 73 x 103 cm. Gebrauchsspuren. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) | 74 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 79.
    1108 ELEGANTES BUREAUPLAT Louis XV,Paris um 1750, signiert Dubois. Jacques Dubois. Meister 1742. Rosenholz, Amaranth und andere Hölzer eingelegt in leicht passigen Reserven mit Blumenzweigen sowie breiten Bordüren. Allseitig passig geschweiftes, in Bronzestab gefasstes Blatt mit brauner, goldgepräg- ter Lederauflage auf wellig ausgeschnittener Zarge und geschweiften Beinen in Bronzesabots. Leicht geschwungene Front mit drei Schubla- den. Rückseitig mit gleicher, jedoch blinder Aufteilung. Feine vergoldete Bronzebeschläge in Form von markanten Rocaillen, Voluten und Blättern. 1 Schlüssel. 161 x 88 x 80 cm. Die äusseren Schubladen restauriert, Furnier der Schubladenfronten später. Marketerie mit Rissen. Blatt restauriert. Kleinere Fehlstellen, Ver- goldung berieben. Leder mit Gebrauchsspuren. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Als Vergleichsstück gilt ein im Maitres Ebenistes Français au XVIII siècle abgebildetes, in der Form und Bronzeschmuck ähnliches Bureauplat von Dubois (Fig. I), S. 159. J. Dubois wurde 1694 in Pontoise geboren und starb 1763 in Paris. Er gehört zu den wichtigsten Ebenisten der Louis-XV-Epoche; bereits zu Lebzeiten wurde ihm höchste „notoriété“ zuteil. Er belieferte den königlichen Hof, den Hochadel und Paläste in ganz Europa. Markenzei- chen seiner Werke waren harmonische Proportionen, zierliche Formen, allseitig verwendete Lackpanneaux, die ein ganzes Bild darstellen, ori- ginelle Schubladen- und Fächereinteilungen und ausserordentlich feine Bronzebeschläge. Obwohl er erst 1742 die Meisterwürde erlangte, war seine Produktion schon während der 1720er Jahre sehr erfolgreich; er schuf sich zu dieser Zeit in seinem Atelier im Faubourg-Saint-Antoine die Basis seiner „grande renommée“. Seine Laufbahn wird von einer Reihe meisterlicher Werke gekennzeichnet, die in einer beispielhaften Weise darstellen, wie perfekt J. Dubois die Herstellung feinster Marketerien in edlen Hölzern und die Verarbeitung von Lacken verschiedenster Herkunft beherrschte. Er wusste sich einer breiten Palette der Stile zu bedienen und arbeitete im Stil Louis XV genauso sicher wie im darauffolgenden neoklassizistischen Stil. Literatur: J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 94/95 und Abb. S. 159. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 80.
    1109 ZWEI MODELLE VONEICHHÖRNCHEN Meissen, um 1750. Modell von Johann Joachim Kändler. Jedes mit rotbraun staffiertem Fell, in beiden Pfoten eine Nuss haltend und mit einer Kette um den Hals an einem schwarzen Halsband, das eine in Gold bemalt, befestigt. Die Sockel jeweils unterschiedlich mit Blumen und Blättern appliziert. Unterglasurblaue Schwerter- marken an den Rückseiten der Sockel. H 20,5 cm. Kleinere Bestossungen, Brandrisse in einem Sockel. Provenienz: - Sammlung Henry und Emma Budge, Hamburg (Sammlungsetikett). - Versteigerung Paul Graupe Berlin, 27.-29.9. 1937, Lot 767. - Schweizer Privatsammlung. Die ersten Modelle stammen vom August 1732 und Kändler hält sie in seinem Arbeitsbericht fest „Zwei Eichhörnigen“ und im Sep- tember 1733 „Ein kleines Eichhörngen“. Vergleichsstücke bei Carl Albiker, Die Meissener Tiere, 1953, Nr. 164. Die Versteigerung dieses Lots erfolgt im Rahmen einer zwischen dem Verkäufer und dem Budge-Nachlass getroffenen Vereinba- rung, durch die Letzterer auf weitere Rückübertragungsansprü- che verzichtet. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1110 EIN PAAR EICHHÖRNCHEN Meissen, um 1750. Gegenstücke, mit grau-braunen Flecken auf dem unbemalten Fell, der eine mit einer Nuss im Maul, der andere mit einer Nuss zwischen den Pfoten. Beide mit einer goldenen Kette, befestigt an einem Halsband mit schwarzer Bordüre auf hellem Grund. Auf einem gewölbten Sockel mit Blumen und Blättern appliziert. Untergla- surblaue Schwertermarken an den Rückseiten der Sockel. H 21 cm. Restaurierungen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Vergleichsstücke: Auktion Sotheby‘s London, Collection of Gawaine Lady Baillie, 1.5. 2013, Lot 77. CHF 2 500 / 3 000 (€ 2 310 / 2 780) | 76 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 81.
    1112 BUREAUPLAT Louis XV, Parisum 1750. Mit Signatur von Pierre Roussel. Meister 1745. Amarant, Satinholz und Zitronen- holz eingelegt in passigen Reserven und Filets. Rechteckiges, allseitig passig geschweiftes Blatt, in Bron- zestab gefasst und mit braunem Leder belegt. Auf wellig ausgeschnittener und bombierter Zarge mit zwei Schubladen, eine Knieaussparung flankierend. Elegant geschweifte Beine mit vergoldeten Bronzesabots. Vergoldete Chutes, Zargenzierden und Handhaben (leicht unvollständig, teils später). Die Schmalseiten mit weiblichen Maskarons. 1 Schlüssel. 164 x 81 x 75 cm. Restaurierungen sowie Fehlstellen am Furnier. Leder mit Fehlstellen. Provenienz: - Koller Auktionen. - Schweizer Privatbesitz. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1111 FÜNF TEILE AUS EINEM SERVICE MIT FABELSZENEN NACH LA FONTAINE Meissen, um 1775. Bemalung nach graphischen Vorlagen von Jean de La Fontaine (1621–1695). Bestehend aus 1 runden Platte, und 4 ovalen Platten, jede mit einer Tierszene im Spiegel, be- titelt auf der Rückseite in Purpur, „Le Taureau et le Veau, Le Loup et le Chien, La Lion amoureux à Mademoiselle de Sevigné, Le Serpent, Le Ranard et l‘Herisson, L‘Ours et le Lion”. Auf der passig geschweiften Fahne eine grüne Mosaikbordüre eingefasst in Gold mit Rocaillegirlanden und einer Zahnschnittbordüre am Rand. Untergla- surblaue Schwertermarken mit Stern. D 43 cm. L 33,5 und 38,5 cm. CHF 4 500 / 6 000 (€ 4 190 / 5 560) | 77
  • 82.
    1115 TREMBLEUSE Meissen, um 1763-74.Mit einem Rundme- daillon mit bekränzter Initiale H auf purpur- farbenem Fond und in Lorbeerkranz. Bemalt mit purpurfarbenem Schuppenmuster und Manierblumensträussen. Unterglasurblaue Schwertermarke mit Punkt. H 6,5 cm. D 13 cm. CHF 300 / 500 (€ 280 / 460) 1113 TEILE AUS EINEM TEESERVICE MIT TENIERSZENEN Meissen, um 1750. Bemalt mit Bauernszenen in Reliefkartuschen und verstreuten Blumen. Die Innenseite der Kumme, Tassen und der Zuckerdose vergoldet. Bestehend aus: ein Heisswas- serkännchen, eine Kumme, eine Zuckerdose, zwei Tassen und Untertassen. Unterglasurblaue Schwertermarke. Vergolderzeichen 14 und *. H Heisswasserkanne 14,5 cm. D Kumme 17,5 cm. Minim bestossen. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1114 CONFITURIER Meissen, um 1745-50. Deckeltöpfchen mit Asthenkel und passiger Unterschale, bemalt mit Genreszenen in Parklandschaften und mit Manierblumensträussen. Gol- dränder. Unterglasurblaue Schwertermarke. Unleserliche Signatur auf einem Postament auf der Unterschale (?). L 17,3 cm. H 9,5 cm. Ausguss und Knauf minim bestossen. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) | 78 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 83.
    1116 OVALE HENKELPLATTE Meissen, um1740. Fassonierte tiefe Form mit seitlichen Asthenkeln mit Blütenapplikationen. Bemalt mit Figu- ren der Commedia dell‘Arte in einer Parklandschaft nach einer Stichvorlage. Begegnung des Beltrame, Columbine, Scaramouche und der Dudelsack- spielende Harlekin vor einem Vasen- monument in einer Baumlandschaft. Goldspitzenbordüre am Rand. Untergla- surblaue Schwertermarke. L 24,5 cm. Kleine Randbestossung. Provenienz: - Auktion Galerie Koller Zürich, Juni 1969. - Basler Privatsammlung. Literatur: Siegfried Ducret, Keramik und Graphik, Würzburg, 1973, S. 159 Abb. 244, 245. Die Bemalung nach einem Stich „Fêtes Venetiennes” von Laurent Cars von 1732, nach Antoine Watteau. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) 1117 PAAR CHINESISCHE FAMILIEN- GRUPPEN Meissen, um 1750-55. Modell von Pe- ter Reinicke nach „Delices de L‘Enfan- ce“ von François Boucher. Eine Chinesin bekleidet mit einem Mantel, bemalt mit indianischen Blumen, gelb gefüttert, in der einen Hand eine Giesskanne, in der anderen Hand einen Krug, zwei Kinder, der eine mit einem Tablett und einer Teeschale, der zweite Früchte vom Bo- den sammelnd. Die zweite Gruppe mit einer Chinesin mit ihren zwei Kindern, das eine auf ihrem Schoss, ihren Arm um die Schultern eines Knaben gelegt. Bekleidet mit einem grünen Mantel, purpurfarben gesäumt. Jede Gruppe auf einem Felssockel appliziert mit Blumen und Blättern. Unterglasurblaue Schwertermarken. H 16 cm und 14 cm. Restauriert und minim betossen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 79
  • 84.
    1118 PAAR SELTENE FIGURENVON TARTAREN ALS RÄUCHERHÜTCHEN Nymphenburg, um 1765. Modell von Franz Anton Bustelli. Eine weibliche und eine männliche Figur, im Schneidersitz auf einem quadratischen Sockel mit purpurfarben staffiertem Kissen sitzend, bekleidet mit einem gelben Mantel, beide Hände in den Ärmeln verborgen. Der Kopf an der Oberseite zum Austritt des Rauchs durchbohrt. Eingepresste Wappenschildmarken auf der Vorderseite der Sockel. H 10,5 cm. Brandriss im Sockel des Tartaren. Provenienz: - Sammlung Henry und Emma Budge, Hamburg (Sammlungsetikette). - Versteigerung Paul Graupe Berlin, Sammlung Emma Budge, 27.-29. 9. 1937, Lot 963. - Schweizer Privatsammlung. Vergleichsstücke: Sammlung Kocher Bern (Wyss 1965, S. 172); Bayerisches Nationalmuseum München (Hofmann I, 1923, Abb. 125). Die Versteigerung dieses Lots erfolgt im Rahmen einer zwischen dem Verkäufer und dem Budge-Nachlass getroffenen Vereinba- rung, durch die Letzterer auf weitere Rückübertragungsansprüche verzichtet. CHF 2 400 / 3 200 (€ 2 220 / 2 960) | 80 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 85.
    1119* VIER TASSEN UNDUNTERTASSEN „A FIORI COREANI” Capodimonte, um 1750. Mit orientalisch inspirierter Blumenmalerei in Eisenrot, Purpur, Grün und Ocker mit Höhungen in Gold und zwei unterschiedlichen Goldbordüren am Rand der Tassen und Untertassen. „Fleur–de–Lys” in Blau. H 6,3 cm, D 13,2 cm. Tassen und Untertassen assortiert, Vergoldung leicht berieben. Provenienz: Italienische Privatsammlung. Eine Teekanne mit identischem Dekor und Gold- bordüre wie die Untertassen war bei Bonhams, 14.6.2017, Lot 31. CHF 3 500 / 4 500 (€ 3 240 / 4 170) 1120* TASSE UND EINE UNTERTASSE Capodimonte, um 1750. Bemalt mit Gemüsestilleben, die Tasse mit Zwiebelgewächsen, die Untertasse mit Kohl und Rettich, je auf einem Erdsockel, in untershiedlichen Goldbordüren auf Tasse und Untertasse. „Fleur-de-lys” Marke in Blau. H 7,3 cm. D 12,7 cm. Tasse und Untertasse assortiert, Henkel repariert. Provenienz: Italienische Privatsammlung. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1121* FIGUR EINER BÄUERIN Neapel, Real Fabbrica Ferdinandea, um 1790-1800. Grünes Mie- der gold gerändert über einem blau geblümten Rock und Schürze. Ohne Marke. H 15 cm. Provenienz: Italienische Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) | 81
  • 86.
    1123 ♣ KLEINE GLOBUS-SONNENUHR Italien oderSüddeutschland, Ende 18. Jh. Elfenbein graviert mit den Erdteilen und Bezeichnungen. Am Äquator aufklappbar, innen mit Sonnenuhr. Messinggnomon. Auf Bronzefuss und gedrechseltem Holzsockel. Risse im Elfenbein. H 9 cm. CHF 1 000 / 1 400 (€ 930 / 1 300) 1122 GRÜNE HORNPENDULE MIT SOCKEL Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. GILLE L‘AINE A PARIS. Pierre II. Gilles-Quentain. Meister 1746. Eboni- siertes Holz mit grünem Horn und vergoldeter Bron- ze. Geschweiftes, dreiseitig verglastes Gehäuse mit Putto-Aufsatz und Volutenfüssen mit Löwenköpfchen, auf sich nach unten verjüngendem Sockel. Reliefiertes Messingzifferblatt mit blauen römischen Stunden- und schwarzen arabischen Minutenzahlen auf 24 Email- kartuschen. Zwei gebläute Zeiger. Feines Werk mit Halb- stundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und Applikationen. 36 x 18 x 98 cm. Zu restaurieren und revidieren. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 82 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 87.
    1124 AUS DEM EHEMALIGENBESITZ DER AMÉLIE D‘OR- LEANS, DER LETZTEN KÖNIGIN VON PORTUGAL PAAR GROSSE HISTORISCHE LEUCHTAPPLIKEN Louis XV-Stil, Paris wohl um 1860. In der Art des Jean-Claude Du- plessis. Bronze fein ziseliert, teils durchbrochen gearbeitet sowie feuervergoldet. Aus Voluten und Rankenwerk geformtes Wand- stück, aus welchem drei aus Voluten geformte und mehrfach gewundene Leuchtarme emporsteigen. Die Tüllen naturalistisch geformt in Form von Knospen und mit ebensolchen Tropftellern versehen. H 82 cm. Provenienz: - Aus dem Besitz der Amélie d‘Orléans, Königin von Portugal (28. September 1865-25. Oktober 1951). - Galerie Jürg Stuker, Bern. - Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotenen Leuchtappliken wurden in der legendären Stuker Auktion mit dem Nachlass der letzten Königin von Portu- gal, in den 70er Jahren, versteigert und als aus der Zeit Louis XV stammend beschrieben. Wenn wir die beiden prachtvollen Ap- pliken auch etwas später datieren, so weisen diese eine Qualität des Gusses und der Ziselierung auf, wie wir diese im 18. Jh. finden. Unsere Appliken gehen auf Entwürfe des Jean-Claude Duplessis (1699-1774) zurück. Ein Paar sehr verwandte Appliken des Meis- ters, Paris circa 1745-55 wurden durch Christie’s London, am 6. Dezember 2012, Los Nr. 22 versteigert (£ 181‘250) , ein weiteres Paar findet sich in der Wrightsman Collection im Metropolitan Museum of Art, New York (vgl. Hans Ottomeyer/Peter Pröschel, Verdoldete Bronzen, München, 1986, S. 143, Abb. 2.11.17), ein weiteres Paar im Louvre, Paris (OA3889-90). CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 83
  • 88.
    Fontaine de Grenellegenannt, wurde in den Jahren 1739-1745 vom Pariser Architekten Edmé Bouchardon, im Auftrag von Mi- chel-Étienne Turgot (Schöpfer des berühmten Plan Turgot) für die Stadt Paris erstellt. Die in ihren Ausmassen gewaltige Brunnenan- lage wurde bis weit über die Landesgrenzen hinaus gerühmt und dürfte Kaendler mindestens durch Stichvorlagen des Architekten zugänglich gewesen sein. Der berühmte Modelleur übernimmt die Idee der Jahreszeiten, wie sie in den Basreliefs der Fontaine in der Rue de Grenelle dargestellt werden und stattet seine Flussgötter mit Bienenstock und Ähren für den Sommer aus und mit Trauben und Obst für den Herbst. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890) 1125 EIN PAAR SEHR FEINE UND UNGEWÖHNLICHE BRONZELEUCHTER MIT FLUSSGOTTHEITEN Meissen, 3. Viertel 18. Jh., die Porzellane von J.J. Kaendler modelliert, mit vergoldeter und ziselierter Pariser Rokoko-Bron- zemontur. Über den geschweiften und durchbrochen reliefierten Goldbronzesockeln die spärlich farbig staffierten Porzellanfiguren der beiden als Gegenstücke dargestellten Flussgottheiten. Diese auf blütenbesetztem Sockel ruhend, einen Arm auf eine wasser- gefüllte, am Boden liegende Vase gestützt. Hinter den Figuren wachsen die volutenreliefierten, dreiarmigen Goldbronze-Giran- dolen hoch, die teils farbig staffierte Porzellanblüten tragen. H 48 cm. Fehlstellen. Provenienz: - Aus altem Turiner Privatbesitz - Auktion Sotheby’s Zürich, 10.12.1996, Los Nr. 351 - Schweizer Privatbesitz Die hier angebotenen, überaus prachtvollen Girandolen, zeugen von einem ausgereiften Rokoko, wie wir es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in dieser feinen Form finden. Zwischen naturalistisch gestalteten Leuchtarmen und erhöhten Sockeln aus Rankenwerk und Voluten, finden sich zwei Meissen- Figuren von Flussgottheiten als Gegenstücke und symbolisch für Som- mer und Herbst stehend. Kaendler liess sich beim Modellieren dieser Figuren von der Fontaine des Quatre-Saisons in der Rue de Grenelle inspirieren. Die Fontaine des Quatre-Saisons auch Fassade mit der Fontaine de Grenelle in Paris, erbaut 1739 von Edme Bouchardon. | 84 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 90.
    1126 SCHÖNE DREISCHÜBIGE KOMMODE LouisXV, Schweiz, wohl Neuenburg um 1765. Palisander gefriest und eingelegt in Reserven sowie Früchtehölzer in Form von Blumen. Trapezförmiger, dreiseitig bombierter Korpus auf ausgeschnittener Zarge und geschweiften Beinen. Front mit drei Schubladen auf zwei Rängen. Profi- liertes, rot/grau und braun geädertes Marmorblatt. Innen in den Seiten mit Geheimfächern (einige verschlossen). Vergoldete Bronzebeschläge und frontseitige Sabots. 121 x 61 x 74 cm. Restaurationen und Fehlstellen an Marketerie. Etwas aus- gebleicht. Provenienz: Aus altem Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1127 12 VERMEIL-TELLER London, 1780. Meistermarke Andrew Fogelberg Stephen Gilbert. Glatte Rundform mit umlaufendem Profilrand. D je 23 cm. Zus. 3820 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 6 000 (€ 2 780 / 5 560) | 86 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 91.
    1128 STANDUHR MIT AUTOMATENUND MONDPHASE Barock, Amsterdam um 1750. Das Ziffer- blatt sign. GERRIT KNIP AMSTERDAM, tätig zwischen 1720 und 1760. Späteres Gehäuse. Mahagoni. Rechteckiges Gehäuse mit geradem und gekehltem Kranz auf markant bombiertem Sockel. Versilberter Zifferring mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Das Auge in graviertem Messing mit Fenstern für Mondphase, Datum, Wochentag und Monat so- wie versilbertem Zifferring für Sekunden. Unter dem Zifferring bemaltes Panneau mit Automa- ten für die beweglichen Segelschiffe. Anker- werk mit Halbstundenschlag auf zwei Glocken. Pendel und zwei Gewichte. 71 x 37 x 232 cm. Das Gehäuse später. Risse und Fehlstellen im Gehäuse. Uhrwerk zu überholen, Pendelauf- hängung gerissen. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Der niederländische Uhrmacher G. Knip war ca. 1720 bis ca.1760 in Amsterdam ansässig. Später arbeitete er gemeinsam mit seinem Sohn und signierte mit Gerrit Knip en Zoon. (C. Clutton, Britten‘s old Clocks and Watches and their Makers, London 1973; S. 432). CHF 5 000 / 9 000 (€ 4 630 / 8 330) | 87
  • 92.
    1129 FEIN INTARSIERTER MEHRZWECKTISCH Rokoko,Neuwied um 1765/68. Werkstatt Abraham und David Roentgen. Ahorn, Rosenholz, Mahagoni und teils getönte sowie gravierte Obsthölzer reich und fein eingelegt in Form von Rocail- len, Granatäpfeln, Blumen, Vögeln und Insekten. Trapezförmiger, allseitig geschweifter Korpus mit aufklappbarem Blatt auf welliger Zarge und geschweiften Beinen mit vergoldeten Sabots (unvoll- ständig) und Hornrollen. Die Beine ursprünglich abschraubbar. Zwei rückseitige ausziehbare Metallstützen als Auflagen für das innen auf der einen Seite mit grünem geprägtem Leder (später) bezogene Blatt. Öffnend auf einen hochfahrbaren Schubladen- korpus in Mahagoni, mit vier Fächern flankiert von je drei kleinen Schubladen über einer breiten Schublade (ursprüngliche Eisen- federn mit Holzabdeckung zur Arrettierung ersetzt). Oben mit aufklappbarer Bücherstütze, flankiert von zwei Kompartimenten unter Lamellenverschluss. Vergoldete durchbrochene Bronzebe- schläge in Form von Blattvoluten. 1 Schlüssel. 82 x 41(offen 87) x 75(98) cm. Restauriert, einige Fehlstellen und Furnierrisse. Geringe Furnierer- gänzungen. Provenienz: - Koller Auktionen, 20.9.2000. Lot 1674. - Schweizer Privatbesitz. Mit Gutachten von Frau Dr. C. Cornet, München 2020. Dieser sehr fein gearbeitete Mehrzwecktisch vereint mehrere typische Merkmale der Arbeiten der Neuwieder Manufaktur des Abraham und David Roentgen. Technisch raffinierte Mehrzweck- möbel waren eine Spezialität der Werkstatt Roentgen, ebenso wie die vorzügliche Qualität der konstruktiven Arbeit. Ausserdem besticht der Tisch durch seine feine Marketerie „en mosaique“, eine Spezialität der Roentgen Manufaktur, die sie ab 1760 zur absoluten Meisterschaft entwickelte. Ein im Dezember 1991 bei Sotheby‘s versteigerter Mehrzwecktisch weist das beinahe identi- sche Marketeriebild auf wie unser Tisch auf. An unserem Tisch zeigt sich, wie viele Anregungen Abraham Roentgen aus seinem London-Aufenthalt geschöpft hatte und wie diese sich in seinem Werk niederschlugen. Die englische Möbel-Kunst genoss in deutschen Ländern ein hohen Ansehen, dennoch ist die Korpus- und Oberflächengestaltung dieses Tisches keine blosse Nachbildung des englischen Typs, son- dern das Ergebnis einer eigenständigen Entwurfsleistung, mit | 88 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 94.
    welcher Abraham Roentgengleichermassen englischen wie französischen Anregungen folgte. Mit dieser Gestaltungsweise, die er nach seinem Umzug nach Neuwied um 1750 entwickelte, berücksichtigte er die Vorlieben der adeligen Kundschaft für den französischen Ausstattungsstil, dessen Eigenheiten er mit denen des englischen verband. Bei unserem Schreibtisch kombinierte er den englischen Möbeltyp mit den geschweiften Formen der Zargen und Beine wie auch mit den Blumenmarketerien und ver- goldeten Bronzegussbeschlägen des französischen Vorbilds. Er modifizierte die Konstruktion indem nicht mehr, wie bei früheren Exemplaren, ein ausschwenkbares Bein (sog. gateleg) mit einem Zargenteil das umschlagbare Blatt stützte, sondern zwei Auszüge die Auflage bildeten. Mit seinen präzise gravierten Marketerien auf den Zargen und dem oberen Blatt gehört unser Tisch zu den typischen Arbeiten Abraham Roentgens. Infolge des Siebenjährigen Kriegs in den Jahren 1756-1763 geriet die Werkstatt in grosse finanzielle Schwierigkeiten und es sam- melten sich viele fertige, aber unverkaufte Möbel an. So kam Davis Roentgen, Abrahams ältester Sohn, auf die Idee, dieser misslichen Situation mit einer Lotterie abzuhelfen. Es sollten die vorhan- denen Möbel verlost und durch den Überschuss der verkauften Lose die Manufaktur saniert werden. Die Lotterie wurde 1768 in Hamburg genehmigt und der Plan ging auf; David verkaufte sämtliche Lose und in der Beschreibung des Hauptgewinns, eines Schreibmöbels, ist erstmalig von einer neuen Marketerietechnik die Rede: „à la mosaique“. Der Zeitpunkt der Lotterie bildet eine Zäsur im Marketeriewerk der Roentgenmanufaktur, da von nun an diese neue Einlegetechnik angewandt wurde. Mehrere analoge oder teils nahezu identische Mehrzwecktische sind bekannt; der eigentliche Prototyp ist auf die Jahre 1745 zu datieren und weist einen sehr ähnlichen Mechanismus auf, wobei die Formgebung noch stark vom englischen Stil George II beeinflusst ist (heute Bestand der Häuser Stiftung in Frankfurt am Main, Inventar. H. St. 2/3438). Ein weiterer Mehrzwecktisch aus früherem fränkischem Fürstenbesitz besitzt die nahezu identi- sche Formgebung wie der hier angebotene Kombinationstisch, unterscheidet sich jedoch darin, dass die Stütze der Schreibplatte durch das Herausziehen des rechten Beins gewährleistet ist. Vergleichende Literatur: D. Fabian, Abraham und David Roentgen - Leben und Werk, Bad Neustadt/Saale 1996. Nr. 23b, S. 32 mit vergleichbarem Deck- blatt. CHF 60 000 / 80 000 (€ 55 560 / 74 070) | 90 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 95.
    1130* FEINER ECKHALBSCHRANK Transition, Neuwiedum 1770/75. Werkstatt des Abraham und David Roentgen. Rosenholz, Palisander, Satinholz und Ahorn eingelegt in teils getöntem Buchsbaum „en mosaique“ mit feinem, Blumenbouquet, das an einem Band mit Schlei- fe und Öse aufgehängt ist, gerahmt von breiten Filets in Rosenholz. Viertelkreisförmiger Korpus auf bombierter, wenig ausgeschnittener Zarge und geschweiften, leicht ausladen- den Füssen. Die Zarge mit Messingstab abgesetzt. Passig geschweifte Türe zwischen kannelierten, abgewinkelten Eck- stollen. Innen mit einer Schublade. Grau/weiss gesprenkeltes Marmorblatt (repariert). 1 Schlüssel. 77 x 54 x 93 cm. Kleine Fehlstellen an der Marketerie. Etwas ausgebleicht. Schöner Eckhalbschrank mit einer für die Roentgen Werkstatt typischen Marketerie. Das Motiv der in einer Masche in Varia- tionen findet sich auf zahlreichen Möbeln der Werkstatt. Die ursprüngliche Blau- und Grautönung stark ausgebleicht. Ein fast identischer Eckhalbschrank aus süddeutschem Adels- besitz ist abgebildet bei: Dietrich Fabian: Abraham und David Roentgen, Bad Neustadt/Saale 1996. S. 228 (Abb. 466). CHF 18 000 / 28 000 (€ 16 670 / 25 930) | 91
  • 96.
    1131 KOMMODE „COMMODE ÀENCOIGNURES“ Transition, Paris um 1765/70. Signiert von Jean-François Oeben (1721-1763). Satinholz, Amarant und Mahagoni eingelegt in Form von geometrischen Reserven, Filets und Mäanderfries. Markant trapezförmiger Korpus mit geschwungenen Seiten auf ausge- schnittener Zarge und geschweiften Beinen mit ausstehenden Stollen und Bronzesabots. Front mit 3 Schubladenrängen, die unteren ohne Traverse, die obere durch ein Bronzefries abgesetzt. Die Seiten mit geschweiften Türen. Vergoldete Bronzebeschläge; Schlüsselschilder mit Blattdekor, Ringhenkel als Griffe, karnies- förmige Eckzierden sowie Schürzenzierde mit Eichenlaub und Löwenkopf. Profiliertes grau/blau gelbes Marmorblatt. 2 Schlüssel. 127 x 61,5 x 89 cm. Guter restaurierter Zustand. Kleinere Furnierergänzungen. Provenienz: - Charles Balaÿ, Antiquaire, 8, rue Auguste Comte Lyon, 1989. - Schweizer Privatbesitz. J.F. Oeben wurde in Franken geboren. Er kam zwischen 1742 und 1745 in Paris an. Ab 1751 mietete er sich in den „Galeries du Louvres“ ein. 1754 wurde er dank der Förderung der Madame de Pompadour, für die er einige Arbeiten fertigen durfte sowie auf Empfehlung von Marigny zum „ébéniste du Roi“ der Manufac- ture des Gobelins ernannt. Gleichzeitig wurde er zum „ebenis- te-mécanicien du roi“. Ein Grossteil seine Kundschaft bestand aus dem Hochadel und der königlichen Familie. Das Werk Oebens besticht vor allem durch den Formenreich- Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 97.
    tum und dieaufwändigen und überaus feinen Einlegearbeiten. Bekannt ist Oeben auch für Möbel mit raffinierten machanischen Lösungen sowie Geheimfächern. Einige in der Gestaltung und Marketerie einfachere Möbel, insbesondere einige Kommoden à la grecque, an die sich unsere Kommode in der Form, insbesondere den auskragenden Eckstollen der Beine anlehnt. Als „ouvrier de la Couronne“ musste Oeben seine Arbeiten nicht signieren; er trat erst 1761 der Pariser Zunft bei. In den letzten Lebensjahren erhielt Oeben wohl seinen bedeutendsten Auftrag, nämlich für die Herstellung des berühmten „bureau du Roi“, der sich heute wieder in Versailles befindet. Er selbst hat die Vollen- dung dieses Meisterwerkes nicht mehr miterlebt, er starb, ehe er das Stück fertig stellen konnte. Sein Schüler Jean-Henri Riesener beendete die angefangenen, umfangreichen Arbeiten seines Meisters 1769. Die hier angebotene Kommode könnte ebenfalls in die späte Zeit Oebens bzw. in die frühe Zeit des Jean-François Riesener fallen, welcher dessen Werkstatt weiterführte und 1767 die Witwe seines ehemaligen Lehrers heiratete, welche eine Tocher des berühmten Ebenisten Roger Vandercruse La Croix war. In ihrer Formensprache und der Marketerie ist diese Kommode eher als Arbeit Rieseners einzuordnen. Es ist bekannt, dass Riese- ner, der bis 1767 selber nicht die Meisterwürde erlangt hatte, sei- ne Möbel anfangs mit der Signatur seines Vorgängers, J.F. Oeben stempelte. Auch das Werk Rieseners besticht durch die Kreativität in Sachen Form und Schmuck. Er schuf einen eigenen Stil, der leicht erkennbar ist. Charakteristisch ist etwa eine Gliederung der Korpusfront in drei Teile mit einer starken Betonung des Mittel- teils, wie bei unserem Möbel ebenfalls erkennbar ist. Vergleichende Literatur: - P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 609-620. - J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 336f. - A. Pradère, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.; S. 253-263. - Rosemarie Stratmann-Döhler. Jean-François Oeben 1721- 1763. Paris 2002. CHF 50 000 / 70 000 (€ 46 300 / 64 810) | 93
  • 98.
    1132 EIN PAAR BEDEUTENDEDECKELTERRINEN MIT FUTTERAL Turin, 2. Hälfte 18. Jh. Meistermarke eines segnenden Christi mit den Initialen I.P. Beschaumeister: Giovanni Battista Carro- ne (1753–1778). Francesco Pagliani (1775–1816). Gegenbe- schaumeister: Bartolomeo Bernardi (1779–1816); Carlo Micha (1759–1787). Geschwungene Ovalform, auf vier Volutenfüssen mit Akanthusblattansatz. Beidseitigen gegossenen Henkeln. Die gewölbten Deckel zieren erlegte Enten, detailgetreu wiederge- gebene Steinschlossflinten, kleine Jagdtasche mit dem Tschar- ner-Wappen sowie eine grosse Jagdtasche mit einem Netz auf dem Deckel, um das Kleinwild unterzubringen. Einsätze ebenfalls aus Silber. Sämtliche Stücke mit eingeritzten Gewichtsangaben und Nummerierung. 45 × 28,5 cm. Zus. ca. 11‘110 g. Provenienz: - Samuel Tscharner (1716–1800). - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. Am 14. April 1760 konnte Oberst Samuel von Tscharner das ber- nische Regiment de Roi in sardinisch-piemontesischen Diensten übernehmen, was ihm ein hohes Einkommen sicherte. Bereits 1756 hatte er sich als Vertreter bernischer Interessen verdient gemacht indem er die Erneuerung der wichtigen Salzlieferver- träge zwischen Bern und dem Königreich Sardinien-Piemont in die Wege leitete. Seine Aktivitäten dürften von beiden Parteien honoriert worden sein, was ihm mit den Einkünften als Regiment- sinhaber unter anderem auch den Kauf dieses Prunkterrinenpaars mit Jagdmotiven ermöglichte. Die Identifizierung dieses seltenen Meisterzeichens ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich gewesen, jedoch wurde erst kürzlich eine kleine Besteckgarnitur mit selbiger Meistermarke entdeckt (vgl. hierzu: Gianfranco Fina, Argentieri piemontesi del Settecento, Mailand, 2018, S. 276). CHF 20 000 / 40 000 (€ 18 520 / 37 040) | 94 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 100.
    1133 EIN PAAR GIRANDOLEN Lausanne,18. Jh. Meistermarke Willhelm Brenner. Kerzenstöcke Lausanne, 3-armige Aufssätze dazu assortiert (20. Jh.). H 23,5 cm. Zus. 2500 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1134* TEEKANNE AUF RECHAUD London, 1753. Mit unlesbarer Meistermarke. Glatte Rundform mit beweglichem Bügelgriff. Auf dreifüssigem Rechaud. H 32 cm. 1890 g. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670) | 96 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 101.
    1137 TEESERVICE London, 1800. MitMeistermarke. Bestand: 1 Teekan- ne, Sucrier, Zuckerschale. Zus. 1510 g. 925er-Silber. Provenienz: Schweizer Privabesitz. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) 1136 EIN PAAR TROMPETEN- LEUCHTER Bern, um 1750. Meistermarke Gabriel Leemann. H 23 cm. Zus. 720 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1135 HUILIER Paris, 1770–1784. Meistermarke Joseph-Thomas Vancouvenbergh. Basis sowie Haltekörbe mit Weinlaub und Trauben. Auf vier Volutenfüssen. Blau-weisse Glasflacons. L 30 cm. 660 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 600 / 1 200 (€ 560 / 1 110) | 97
  • 102.
    1138 UNGEWÖHNLICHE KAMINPENDULE, SOG. PENDULEÀ L‘ELEPHANT Das Werk und Teile des Gehäuses, Louis XV, Paris, 18. und spätes 19. Jh./20. Jh., das Werk und Zifferblatt signiert J.B. Baillon à Paris und mit Werknummer 1561 versehen, das Emailzifferblatt vom Pariser Emailleur Antoine Nicolas Martinière signiert und datiert May 1741. Elefant, Sockel und Teile des übrigen Gehäuses im 19. und 20. Jh. arrangiert. Bronze ziseliert, vergoldet und patiniert. Der bastionsartig geformte, rechteckige Sockel im Stile des Frühklassizismus, auf profilierten Scheibenfüssen. Vierseitig eingelassen mit chinoisen Lackpaneelen, flankiert von fein ziselierten Rosetten. Aufgesetzte Figur eines schreitenden Elefanten auf naturalistisch gestaltetem Grund. Über einer gegurteten Packschabracke das zylindrische Werkgehäuse, umrahmt von feinen Blütenzweigen mit polychromen Porzellanblumen. Darüber ein Chinese auf erhöhtem Kissen sitzend, in seiner linken Hand einen Bambusstab haltend. Werk mit Stunden- und Halbstundenschlag auf Glocke. Das weisse Emailziffer- blatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Rückseitig ist das Zifferblatt vom Pariser Emailleur Antoine Nicoals Martinière (1706-1784) signiert und datiert May 1741. 29 x 14 x 53 cm. Provenienz: - Sammlung Wolfson. - Partridge Fine Arts Ltd. London, 1984. - Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotene, sehr dekorative, aus der Sammlung Wolfson stammende Pendule, weist ein signiertes und num- meriertes Werk des berühmten Uhrmachers Jean-Baptiste Baillon auf. Dieses Werk dürfte zeitgleich wie das originale Zifferblatt entstanden sein, welches rückseitig vom Pariser Emailleur Antoine Nicolas Martinière (1706-1784) signiert und mit May 1741 datiert ist. Der frühklassizistische Sockel mit den vier Lackpaneelen ist von aussergewöhnlicher Qua- lität, gehört aber, wie auch der sehr naturalistisch modellierte Elefant nicht ursprünglich zum Werk. Beide dürften im späten 19. Jahrhundert entstanden sein. Die Uhr, so wie sie sich jetzt präsentiert, dürfte wohl im 20. Jh. aus dem vorhandenen Originalteilen und den späteren Teilen arrangiert worden sein. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1139 KLEINES AMEUBLEMENT Louis XVI, Paris um 1770/75. Undeut- lich signiert. Bestehend aus einem Canapé und ein Paar Fauteuils „à la reine“. Buche kanneliert, geschnitzt mit Maschen, Rosetten und Zweigen sowie vergoldet. Trapezförmiger Sitz mit Satzkissen auf gerader Zarge und kan- nelierten, sich verjüngenden Beinen. Rechteckige Rückenlehne. Goldfarbe- ner, floral gemusterter Damastbezug von Rubelli. Fauteuils: 62 x 6 0x 93 cm; Canapé: 180 x 63 x 100 cm. Fehlstellen. Vergoldung teils übergan- gen, die Sitze ursprünglich gepolstert ohne Satzkissen. CHF 2 500 / 4 000 (€ 2 310 / 3 700) | 98 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 103.
    1140* ZWEI ARMILLARSPHÄREN Louis XVI,Paris um 1800. Holz profiliert, poly- chrom gefasst und teils ebonisiert sowie Papier. Sphären mit Erdkugel sowie Sonnensystem nach kopernikanischem System auf profiliertem Balusterschaft mit Rundfuss. H ca. 42 cm. Etwas zu überholen. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890) | 99
  • 104.
    1141 PRACHTVOLLER ZIERTISCH Frankreich, Paris,1. Viertel 19. Jh. In der Art von Adam Weisweiler (1744-1820), das Porzellanblatt mit Sèvres Marke und Malermar- ke von Jacques-François Micaud (aktiv 1757–1810). Mahagoni, vergoldete Bronzen und bemaltes Porzellan. Rundes Mahago- ni-Blatt mit reichem, godroniertem Rand. Darin eingelassen, innerhalb einer zweiten Goldbronzefassung, eine grosse, runde Porzellanplakette. Darstellend ein Früchtestillleben aus Früch- ten und Blumen auf einem Fries mit Triglyphen, eine Säule im Hintergrund. Rückseitig mit blauer Sèvres Marke. Getragen wird die reich gestaltete Platte von drei Kinderfiguren als Stützfiguren, welche auf dem leicht profilierten Gesims von fein gearbeiteten Doppelsäulen in der Art von Bambus ruhen. Diese drei Säulenpaa- re wiederum ruhen auf einem dreipassigen Steg mit aufgesetzter Zierschale mit Goldbronzefassung. Die Füsse elegant geschweift. D 49, H 74 cm. Provenienz: - Partridge Fine Arts, London, Juli 1984. - Schweizer Privatbesitz. Der hier angebotene Ziertisch mit seiner prachtvollen, grossen und überaus fein bemalten Porzellanplakette, entspricht einem Typus von Gueridon, wie er besonders in der Zeit um 1780-90 vom berühmten Pariser Ebenisten Adam Weisweiler (1744-1820) gefertigt wurde und als beliebtes Modell des Ateliers galt. Ein solcher Gueridon-Tisch mit sechs zu Paaren gefügten Bronze- säulen in bambusimitierender Ästhetik, gleichartigem Steg und Füssen, wie auch mit dem verwandten Aufsatz über dem Steg, aus Schloss Herrnsheim stammend, fand sich von Weisweiler ge- stempelt, 2012 im deutschen Kunsthandel. Ein diesem wiederum ähnlicher Tisch, Adam Weisweiler zugeschrieben und in das späte 18. Jh. datiert, mit identischen Säulen, konnte durch Christie’s | 100 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 105.
    in Paris, AuktionParis, 17. November 2011, Los Nr. 213 verkauft werden. Ein unserem Ziertisch verwandter, ins späte 18. Jh. datierter und Adam Weisweiler zugeschriebener Tisch, dessen mit unserem Gueridon völlig identischen Säulenpaare ebenfalls von sitzenden Kinderfiguren als Stütz- figuren bekrönt waren, fand sich in der Samm- lung des Baron Eugène Fould und wurde durch Christie’s Paris, in der Auktion des Palais Abbatial de Royaumont, 19.-21. September 2011 unter Los Nr. 49 (Zuschlag EUR 133‘000) verkauft. Sind die identischen Kinderfiguren an unserem Tisch vergoldet, so finden sich diese am Tisch aus der Sammlung Fould dunkel patiniert. Ein Detail der Kinderfigur und eines identisch godronierten Zierrandes in vergoldeter Bronze, zusammen mit Abbildungen des gleichen Gueridon-Typus, findet sich bei Patricia Lemonnier abgebildet (Vgl. S. 90- 93). Unser Tisch wurde 1984 beim berühmten Londoner Kunsthändler Partridge erstanden und dort als „late 18th century bronze gueridon with porcelain plaque“ beschrieben. Die Porzellanplakette trägt die blaue Sèvres Mar- ke sowie die Malermarke von Jacques-François Micaud, der zwischen 1757 und 1810 aktiv war. Ein Paar Plaketten gemalt von Micaud mit Blu- menkörben, aus der Sammlung von J. Pierpont Morgan wurde bei Christie‘s in New York, Auktion 17.-18. Mai 2005, Lot 80 verkauft. Eine weitere Plakette, ein Stillleben von Blumen, Trauben, Weinlaub und Pfirsichen von Micaud, datiert 1805 wurde verkauft bei Christie‘s New York, Auktion 20. Mai 2008, Lot 152. Vergleichende Literatur: Patricia Lemonnier, Weissweiler, Ed. d‘art Monelle Hayot/Vilo, Paris, 1983, S. 90-94. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 106.
    1142* 1 PAAR FAUTEUILS „ENCABRIOLET“ Louis XVI, Frankreich um 1790. Buche kanneliert und beschnitzt mit Roset- ten und Zierfries. Hufförmiger Sitz auf gerader Zarge mit kannelierten Säulenbeinen. Eingezogene Medail- lon-Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stüt- zen. Grüner, kapitonnierter Seidenbe- zug. Loses Sitzkissen. 58 x 55 x 92 cm. Eine Armlehne repariert. Ursprünglich mit gepolstertem Sitz. Risse im Holz. CHF 500 / 800 (€ 460 / 740) 1143 SCHATULLE EINES PARFUMEURS Frankreich, Anfang 19. Jh. Palisander eingelegt in Rauten und Filets. Rechteckige Schatulle, der Klappde- ckel innen mit Spiegel belegt. Das Innere mit blauem Velours bzw. Seide ausstaffiert und mit sechs Glasfla- kons ausgestattet. Kleine Schale, Koppchen und ein Trichter in Silber bzw. Metall vergoldet. 1 Schlüssel. 22 x 20,5 x 16,5 cm. Deckel der Flakons verbeult. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1144 DEMILUNE ANRICHTE Spätes George III, in der Art von George Hepplewhite. England, 18./19. Jh. Satiné, Rosenholz, Ama- rant und Wurzelmaser eingelegt mit Filets und Reserven sowie bemalt mit Girlanden, Maschen, Draperien und Zierfriesen. Demilune-förmiger Korpus mit zwei Türen auf gerader Zarge und Pyramidenbeinen mit Spatenfüssen. 1 Schlüssel. 153 x 53 x 94 cm. Spätere Messing-Blatteinfassung. Kleine Restaurierungen an Bema- lung, Rückwand repariert, restauri- erte Risse. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) | 102 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 107.
    1145 PORTALPENDULE MIT TAGUND DATUM Louis XVI, Paris um 1780. Auf blauer Emailkartusche signiert Bou- chet Horloger du Roi. Jean Louis Bouchet, Vinantes 1737-1792 Paris. Weisser und schwarzer Marmor sowie vergoldete Bronze. In Portalform, das Werkgehäuse mit Vasenaufsatz montiert zwischen zwei Säulen auf flachem Sockel mit Kreiselfüssen. Die Säulen unten frontseitig geflacht und mit blauen Bisquitreserven in der Art von Wedgewood. Bronzemontierungen in Form von Blütenzweigen, Pfeilen und Rosetten. Weisses Emailzifferblatt mit arabischen Minuten- und Stundenzahlen, darunter nebeneinan- der liegend zwei Zifferblätter für Datum und Tag. Feine vergoldete Zeiger. Pariserwerk mit Halbstundenschlag auf Glocke. Ohne Schlüssel. 34 x 12 x 49 cm. Die Bisquitplaketten unterschiedlich, eine leicht oval wohl ersetzt. Kleinere Fehlstellen. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. J.L. Bouchet war „compagnon“ von P. Gille l‘Ainé und A.C. Ca- ron und erhielt seine Meisterwürde 1762. Zudem trug er den Titel „Horloger du Roi par livraisons au Garde-Meuble“ und war verantwortlich für die Wartung der Pendulen in Schloss Bellevue während der Regierungszeit von König Louis XV. Er genoss einen exzellenten Ruf als Uhrmacher und gilt als der eigentliche Erfinder der Skelettpendulen in Frankreich. 1766 lieferte Bouchet für Louis XV in Schloss Bellevue eine „pendule composée de différents mouvements ronds dans une boîte de cristal pour en laisser distinguer les differents ressorts“; ein Werk war für die Stunden und Minuten zuständig, das andere - mit fein bemaltem Zifferblatt - für die Mondphase. Um 1780 fertigte Bouchet eine Pendule mit 6 Zifferblättern und 3 „cercles tournants“. Für die französische Krone schuf er auch mehrere „klassische“ Pendulen, für welche er Gehäuse von B. Lieutaud, J.N. Clavelle, J. Hauré und den Gebrü- dern Osmond verwendete. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 108.
    1146 PAAR ENCOIGNUREN Louis XVI,Paris um 1770. Signiert J.F. LELEU. Jean-François Leleu, Meister 1764. Mahagoni kanneliert. Viertelkreis- förmiger Korpus auf gerader Zarge und konischen Füssen. Front mit blinder Schublade über Doppeltüre zwischen kannelierten Eckstollen. Bronzebeschlä- ge und -friese. Weisses Marmorblatt (eines wohl später). 2 Schlüssel. 63 x 63 x 97 cm. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1148* GEFASSTE BREITE BERGÈRE spätes Louis XVI, Paris, 19. Jh. Buche kanneliert und beschnitzt mit Blättern, Rosetten und Zierfries sowie grau gefasst. Leicht trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit kannelierten Säu- lenbeinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Rosaroter Veloursbezug. Sitzkissen. 74 x 75 x 97 cm. Provenienz: - Schweizer Privatbesitz. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1147* GROSSER FAUTEUIL „A LA REINE“ Spätes Louis XVI, Paris, 19. Jh. in der Art von J.B. Sene. Jean Baptiste Claude Sené, Meister 1769. Buche kan- neliert und ausserordentlich fein beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen, Perlstab und Zierfries sowie vergol- det. Trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit kannelier- ten Säulenbeinen. Flache, bogenförmig ausgeschnittene Rückenlehne mit ersetzten Eckzapfen und gepolsterten Armlehnen auf geschweiften Stützen. Beiger Seidenbezug mit Streifen und Blumen. Vergoldung teils bestossen. 62 x 65 x 73,3 cm. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 104 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 109.
    1149 BEDEUTENDE KAMINPENDULE „L‘ÉTUDEET LA PHILOSOPHIE“ ODER „LES ARTS ET LES SCIENCES“ MIT SEKUNDE, DATUM UND WOCHENTAG Louis XVI, Paris um 1785. Das Zifferblatt signiert ROUVIÈRE À PARIS. Jean Louis Rouvière, Paris, Meister 1781-1789. Weisser Marmor sowie Bronze brüniert bzw. vergoldet. Das zylindrische Gehäuse auf rechteckigem Sockel, seitlich flankiert von zwei brünierten, vollplastisch gegossenen jugendlichen Figuren, links Knabe mit Stirnband im lockigen Haar, auf seinen Knien hält er eine Schreibtafel, das Pendant gegenüber ein sitzendes Mädchen in einem Buch lesend. Das Zifferblatt mit gewölbter Frontvergla- sung im fein ziselierten Ring mit Perlstab. Darüber vergoldeter Adler des antiken Gottes Zeus über dem Flammenbündel, seinem Attribut, stehend, mit geöffneten Schwingen. In der Sockelfront unterhalb des Zifferblattes Reliefszene von 2 Amoretten mit Vogel. Auf querliegendem, schlanken Marmorsockels mit leicht vortretendem Risalitfeld, an den Schmalseiten halbrund eingezo- gen, über kräftigen, godronierten Spindelfüßen. Die Sockelfront oberhalb der Füße belegt mit Rundmedaillons, darin in Vertiefung gelockte Köpfe. Weißes Email-Zifferblatt mit arabischer Stunden- und arabischer Minutenangabe sowie mit Tagesdatumszahlen in Rotemail. Zeiger vergoldet, in Form eines Flechtbandes durchbro- chen gearbeitet, der Datumszeiger mit Pfeilspitze gebläut. Werk mit Scherengang und Halbstundenschlag auf Glocke. Gegenspit- ze des Sekundenzeigers abgebrochen. 68 x 15 x 55 cm. Vorlage für die figürliche Gestaltung des Gehäuses ist eine Zeich- nung von F. Rémond, die ins Jahr 1783 zu datieren ist. Verschie- dene Uhrmacher und „Bronziers“ haben die Figuren „Étude“ und „Philosophie“ übernommen, so wurde der Figurentypus etwa um 1780 von L. S. Boizo für die Manufaktur Sèvres modelliert. Die Entwurfsskizzen von Rémond gingen direkt an die Uhrmacher wie etwa E. C. Leroi oder Roguet Lépin. Je nach Auftragsinte- resse konnten die Flachreliefs mit unterschiedlichen Themen ausgetauscht werden. So zeigt etwa das in Versailles befindliche Gehäuse im Sockel an Stelle des Blattkranzes ein Maskaron. Drei solcher nahezu identisch gestalteter Pendulen befinden sich im Besitz der englischen Königin, eine im französischen Außenmi- nisterium sowie im Stockholmer Schloss aber auch im Potsdamer Staatsschloss sowie im Schloss Tanley in Burgund. Der Entwerfer Rémond wurde 29-jährig zum „Maître Doreur“ ernannt, manche seiner Arbeiten wurden später fälschlich P. P. Thomire zugeschrie- ben. Während der Regierung von Louis XVI. galt Rémond als einer der bedeutendsten Bronziers von Paris. Erst als sich Rémond gegen 1800 zur Ruhe gesetzt hatte, nahm das Unternehmen von Thomire seinen Aufschwung. Literatur: - Gerald van der Kemp, Le conservateur en chef de Musée de Versailles et des Trianons, Versailles, Verlag Parklane New York, ganzseitige Abbildung S. 124. - Jean Dominique Augarde, Les Ouvriers du temps la pendule à Paris de Louis XIV Napoleon I/ Ornamental clocks and clock makers in 18th century Paris, Edition Antiquorum, Abb. S. 206 (hier auch mit leicht divergieren- dem Reliefdekor im Sockel). - Ottomeyer/ P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbei- ten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986, I, S. 195, Abb. 4.17.5, Zeichnung von F. Rémond. - P. Verlet, Les Bronzes dorés français du XVIIIe siècle, Paris 1987, S. 322, Abb. 357, eine Pendule aus dem Ministère des Affaires Etrangères. (842014). CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670)
  • 110.
    1150* KAMINPENDULE MIT DARSTELLUNG DERDIANA Restauration, Paris um 1820. Das Ziffer- blatt signiert JOLLAGE À PARIS (bezeugt als Uhrmacher in Paris 1812-1817). Weisser und schwarzer Marmor so- wie Bronze feuervergoldet bzw. dunkel patiniert. In naturalistischer Felsform mit Diana und Hund, Vögel sowie Putten. Im Sockel reliefierte Plakette mit musizierenden Putten. Weis- ses Emailzifferblatt in vergoldeter Lunette. Pariser Werk mit Halbstun- denschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 53 x 18 x 44 cm. Kleinere Bestossungen, Aus- bruch beim Sockel. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1151 KAMINPENDULE „LE BAISER DONNÉ“ Louis XVI, Paris um 1785. Das Zifferblatt sign. BOURRETS À PARIS. Nach Jean-Antoine Houdon. Bronze vergoldet und weisser Marmor. Rechtecki- ges Werksgehäuse flankiert von zwei Meerjung- frauen auf ovalem Sockel und Kreiselfüssen. Auf- satz in Form eines sich küssenden Paares, flankiert von zwei geflammten Vasen sowie mit Tauben. Weisses Emailzifferblatt mit arabischen Stunden- und Minutenzahlen sowie roten Datumszahlen. Pariserwerk mit Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 27,5 x 15,5 x 48 cm. Spätere Zeiger. Literatur: Jean-Dominique Augarde. Les Ouvriers du Temps. Genf 1996. S. 286 (mit Abbildung der Uhr). CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 106 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 111.
    1152* SELTENE UND SCHÖNEPRÄZISIONS-SKELETT- PENDULE MIT DATUM, WOCHENTAG, STERNZEICHEN UND SEKUNDE Louis XVI/Directoire, Paris Ende 18. Jh. Das Zifferblatt rückseitig signiert FLEUROT. Bronze vergoldet. Portalförmiges Gehäuse mit Lyrastützen auf schwarzem Marmorsockel mit Tatzenfüssen und eingesetztem Palmettenfries in vergoldeter Bronze. Email-Ziffer- ring mit kobaltblauer Blättergirlande in vergoldeter und ziselier- ter Lünette mit Girlanden und Adleraufsatz. Das Zentrum des Zifferblattes gibt den Blick frei auf das offene Uhrwerk. Vergoldete lyraförmige Stunden- und Minutenzeiger sowie gebläute Sekun- den und Datumszeiger. Werk mit umgekehrten Scherengang und Feinregulierung, Halbsekunde; Halbstundenschlag auf Glocke. Repetition auf Anfrage. Schweres Kompensationspendel. 42 x 20 x 62 cm. Kleinere Ausbrechungen am Zifferring, Emailschild auf Pendel ersetzt. Werk eventuell zu revidieren. Das Modell der Skelettpendule entwickelt sich im ausgehenden 18. Jh. Im Gegensatz zu den früheren Pendulen tritt die Be- deutung des Gehäuses in den Hintergrund, während die feine Mechanik des Werkes weitgehend sichtbar wird. Zumeist findet sich das Zifferblatt reduziert auf einen Ring, womit das Zentrum der Front offen bleibt und den Blick auf ein aufwändig gefertigtes Werk möglich ist. Eine Ursache für diese Entwicklung mag im Überdruss am über- mässigen Dekor der Epochen vor der Revolution zu suchen sein. Andererseits ist sie auch Ausdruck eines erwachten Interesses an der komplexen Mechanik der Werke. So sind auch die meisten Skelettuhren dieser Zeit, wie auch die hier angebotene, in tech- nischer Hinsicht auf dem höchsten Stand, was sich in einer sehr genauen Gangart manifestiert. Literatur: Pierre Kjellberg, Encyclopédie de la pendule française du moyen age au XXe siècle. Paris 1997. S. 313ff. Mit Abbildung einer ähnli- chen Pendule (S. 320, Abb. D). CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 112.
    1153* GROSSES CARTEL Louis XVI,Paris um 1770/75. Das Zifferblatt signiert Filon à Paris. Claude Charles François Filon, Meister 1782. Bronze ziseliert und vergoldet. Kartuschenförmiges Gehäuse mit Vasenaufsatz, Draperie sowie seitlichen Blättern. Der untere Ab- schluss mit seitlichen Blattvoluten sowie Frauenk- opf mit Blumenkranz im Haar. Weisses Emailzif- ferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Werk mit Ankergang und Halb- stundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. H 92 cm. Vergoldung berieben. CHF 9 000 / 14 000 (€ 8 330 / 12 960) | 108 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 113.
    1155* OVALER AUSZUGSTISCH MIT ABKLAPPBARENFLÜGELN Directoire, Paris, Anfang 19. Jh. Mahagoni profi- liert. Vorstehendes Blatt auf gerader, ausziehba- rer Zarge mit hohen Säulenbeinen und stilisierten Kreiselfüssen auf Rollen. Dazu 2 Auszüge à 47 cm. 125 x 63(121) x 75 cm. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1154* PAAR APPLIKEN Louis XVI, Paris um 1780. Bronze vergoldet. Mit drei markant geschweiften Lichtarmen, die durch Eichelblatt-Girlanden verbunden sind und mit breiten Tropftellern sowie vasenförmigen Tüllen. Auf sich nach unten verjüngendem Wandstück mit geflammtem Vasenaufsatz. H 48 cm. Vergoldung leicht berieben, zentraler Lichtarm etwas lose. Spätere Durchbohrungen für eine Elek- trifizierung. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260) | 109
  • 114.
    1156* CARTEL „AU BACCHUS“ LouisXVI, Strassbourg um 1780. Das Zifferblatt signiert J.J. HENTSCHEL À STRASBOURG. Vergoldetes Bronzegehäuse in Kartuschenform sowie dekoriert mit Widderköpfen, Löwenfell sowie Bacchuskopf als Aufsatz. Emailzifferblatt „en courbet“ mit römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern. Werk mit Spindelhemmung und Halbstundenschlag auf Glocke. w1 Schlüssel. H 79 cm. Zifferblatt mit feinen Rissen. Vergoldung später, das Zifferblatt lackiert. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1157* PAAR APPLIKEN Louis XVI, Frankreich, Ende 18. Jh. Bronze vergoldet. Fa- ckelförmiges Wandstück mit zwei geschweiften Lichtarmen und Masche. Massive Tropfteller mit Blumenbekränzung. Vogelpaar als Aufsatzfiguren. H 56 cm. Spätere Durchbohrungen für eine Elektrifizierung. Schrau- ben teils ersetzt. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 110 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 115.
    1158* ARCHITEKTENTISCH / „TABLEÀ LA TRONCHIN“ Louis XVI, Paris. Ende 18. Jh. Mahagoni. Rechteckiges Blatt auf gerader Zarge mit Messingprofilstab und Pyramidenbei- nen in Sabots und Rollen. Das Blatt zweifach aufklappbar, um eine ebene oder schiefe Platte in unterschiedlichen Höhen zu erzielen. Front mit sechs Schubladen, wovon drei blind sind und die übrigen drei zu einer Schublade zusammenge- fügt sind. Seitlich mit zwei Schubladen, davon je eine blind. Die seitlichen Schübe mit zweiteiligem Klappdeckel, innen mit zwei Fächern, ursprünglich mit kleinen Schubladen. 100 x 69 x 77 cm. Teils stark ausgebleicht. Reparierte Risse. Innenblatt mit Rissen. Stützleiste für Blatt fehlt. CHF 8 000 / 14 000 (€ 7 410 / 12 960) | 111
  • 116.
    1159 AUFSATZ-SCHREIBKOMMODE Kolonialspanisch, Mexiko, 18./19.Jh. Südameri- kanische Harthölzer und Bein eingelegt in Form von Sternen, geometrischen Reserven und Friesen. Zurückversetztes doppeltüriges Ober- teil mit welligem Kranz über schräg gestellter, abklappbarer Schreibplatte und Unterteil mit Doppeltüren. Auf gerader Zarge und Quetsch- füssen. Die oberen Türen öffnend auf Tablare, die Schreibplatte vor fünf Schubladen auf zwei Rängen. Die unteren Türen vor vier Schubladen auf drei Reihen. 100 x 47(78) x 193 cm. Fehlende Marketerieteile. Türe leicht verzogen. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz Unser Schreibkabinett ist ein besonders schö- nes Beispiel der in den Spanischen Kolonien hergestellten Schreibkabinette in europäischer Manier. Diese prächtigen Einlagen von Rosetten und geometrischen Motiven, findet sich an wei- teren Kolonialen Möbeln der Zeit wieder, so etwa an einem prächtigen Schreibkabinett, Mexiko 18. Jh., welches sich bei Lacroze Inc. Kunsthandel in New York fand. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 112 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 117.
    1160* RUNDER MITTELTISCH MITPIETRA DURA PLATTE in Anlehnung an den Louis XVI-Stil, Frankreich, Mitte 19. Jh. Das Blatt mit zentraler, von Mal- achitfilet gefasster Reserve mit Mikromosaik, Darstellung von Tauben an Wasserschale nach antikem Vorbild. Schuppenartig umrahmt in Pietra Dura Technik sowie Mäanderfries. Der Fuss in vergoldeter Bronze mit drei Voluten- beinen auf Bocksfüssen mit Rollen, verbunden durch Mittelreif sowie eingezogenem Drei- eck-Fusssteg mit geflammtem Vasenaufsatz. D 77 cm, H 71 cm. Vergoldung berieben. Das Mikromosaik mit der Darstellung der Tau- ben an der Wasserschale geht auf ein griechi- sches antikes Vorbild zurück, das in der Hadrian Villa in Rom gefunden wurde und heute in den Kapitolinischen Museen verwahrt wird. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 113
  • 118.
    1161* PAAR GROSSE ZIERVASEN LouisXVI, Paris um 1780. Rosafarbener Alabaster. Balusterförmige Vase auf Trompetenfuss und Rechtecksockel. Die Wandung mit leicht profilierten Ringen dekoriert. Eingezogener Hals. Bronze- beschläge in Form eines Mäanderfrieses, Lorbeerblättern und Lorbeergirlanden mit Maschen. Henkel in Form von Akanthusblät- tern mit Beeren. Der Marmor-Sockel mit eingelassenem Relief in weissem Marmor. Darstellungen des Bacchus mit Putten. Wohl ursprünglich mit Deckel. D 30, H 78 cm. Bestossungen und Fehlstellen. CHF 18 000 / 28 000 (€ 16 670 / 25 930) | 114 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 119.
    1162* PAAR DEKORATIVE KARAFFENIN VERGOLDETER BRONZEMONTUR Louis XVI, Paris um 1780. Bronze ziseliert sowie vergoldet. Blaues, facettiertes Opalinglas. Balusterförmiges Gefäss auf drei Tatzenfüssen und eingezogenem weissem Marmorsockel. Breiter Ausguss, die Unterseite mit Maskaron und Widderkopf verziert. Henkel mit zwei Blattvoluten und Beeren verziert sowie jeweils bekrönt von einer stehenden Puttofigur. H 40 cm. Eine Kanne mit Riss. Sockel bestossen, Vergoldung leicht berie- ben. Ein identisches Paar, jedoch mit einer Sèvres Porzellan-Wandung auf einem „Bleu Turquin“ Marmorsockel montiert, aus der Samm- lung Gustave Pierre Bader (früher Harriet P. Schermerhorn), wurde in New York bei Sotheby‘s Park Bernet am 9.-10. November 1962 unter Lotnummer 222 versteigert. Jenes Paar wurde später wie- der als Teil der Bensimon Sammlung bei Couturier Nicolay, Hôtel Drouot in Paris 18.-19. November 1981 angeboten (Lot 30). Ein weiteres Vasenpaar ist zudem im Ausstellungskatalog Sothe- by’s, Monaco (26 November 1979, Lot 235) einsehbar. Weitere ähnliche Modelle der Porzellanmanufaktur Locré sind auf dem aktuellen französischen Antiquitätenmarkt durchaus bekannt, wobei das hier angebotene Modell aufgrund seiner prunkvollen Ausführung in blauem, facettiertem Opalinglas ein rares Sammlerstück darstellt. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410) | 115
  • 120.
    1164 ZWEI ECKKONSOLEN Louis XVI,Italien, 18. Jh. und später. Holz durchbrochen gearbeitet und geschnitzt mit Palmetten, Rosetten, Drapperien sowie vergoldet. Viertelkreisförmiges, leicht vorstehendes randmoulüriertes, rot/grau gesprenkel- tes Marmorblatt auf gerader Zarge mit drappiertem Schmuck auf S-förmigem Zentralbein mit Tatzenfuss. Gearbeitet aus einer Demilune-Konsole. 88 x 60 x 80 bzw. 96 x 66 x 79 cm. Fehlstellen und Verstärkungen. Abgeändert in der Struk- tur. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) 1163 KOMMODE Louis XVI, Bern 1790/1800. Der Werkstatt von Christoph Hopfengärtner (1758–1843) zuzu- schreiben. Kirsche, Nussbaum, Birke, Wurzelmaser und andere Hölzer gefriest sowie mit Mäander- band und Filets eingelegt. Rechteckiger Korpus auf gerader Zarge mit sich nach unten verjüngenden Vierkantbeinen. In der Mitte leicht vorstehende Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Getriebene Messingbeschläge und -hänger. Graue, braun und weiss gesprenkelte Marmorplatte. Schubladen später innen bemalt. 94 x 60 x 89 cm. Eine fast identische Kommode, allerdings mit Vitrinenaufsatz, abgebildet: Christoph Hopfen- gärtner und Zeitgenossen. Valentin Sonnenschein. Schloss Jegenstorf Ausstellung 1986. S. 27 (Abb. 15). Diese sich in Berner Privatbesitz befindliche Kommode wird dort der Werkstatt von Hopfen- gärtner zugeschrieben. Die Kommode zeichnet sich durch eine zurückhaltend klassische, jedoch in der Verarbeitung wie in der Wahl des Furnierholzes perfekt ausgeführte Marketerie. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 116 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 121.
    1165* PAAR APPLIKEN Louis XVI,Frankreich um 1770. Bronze ziseliert und feuer- vergoldet. Zwei geschweifte Lichtarme mit Blattdekor auf köcherförmiger Wandplatte mit Vasenaufsatz und Maskaron. Unten mit Granatapfelabschluss. H 48 cm. Vergoldung berieben. CHF 6 000 / 10 000 (€ 5 560 / 9 260) 1166 GROSSER ESSZIMMER VERLÄNGERUNGSTISCH Louis XVI, Frankreich. Mahagoni. Ovales Blatt mit abklappbaren Flügeln auf gekanteten konischen Beinen mit Messingsabots und Rollen. D 148, H 73 cm. 4 spätere Verlängerungen 148 x 54 cm. Gebrauchsspuren. CHF 2 500 / 3 000 (€ 2 310 / 2 780) | 117
  • 122.
    1167 ZYLINDERSCHREIBKOMMODE Louis XVI, Luzernum 1800. Nussbaum reich und fein geschnitzt mit Rosetten, Perlstab, Zierfriesen sowie Schuppenband. Rechteckiger Korpus auf gerader Zarge und godronierten Kreiselfüssen. Oberteil mit Zylinderver- schluss, öffnend über Zug am ausziehbaren Schreibblatt vor drei kleinen Schubladen und Fach. Kommodenunter- teil, in der Mitte vorkragend und mit drei Schubladen, die oberste schmaler. Messingbeschläge. 1 Schlüssel. 131 x 63(88) x 109 cm. Restaurierter Zustand. Risse und kleinere Fehlstellen. Schreibblatt etwas verzogen. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1168 ♣ PENDULE MIT CARILLON Louis XVI, Neuenburg um 1760. Geschweiftes Holzgehäu- se belegt mit rot gefärbtem Schildpatt. Reiche vergoldete Bronzebeschläge in Form von Girlanden, Maschen, Vasen, Blumen und Blattvoluten. Das kartuschenförmige Gehäuse mit Vasenaufsatz auf Volutenfüssen. Die Seiten mit durch- brochener Grillage in Messing. Weisses Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Werk mit Spindelgang und Stunden- sowie Viertelstundenschlag auf zwei Glocken. Zugrepetition mit Viertelstundenschlag auf drei Glocken. Zu den Stunden ertönt ein Carillon mit elf Glocken und zehn Melodien. 2 Schlüssel. 40 x 15,5 x 81 cm. Schlagwerk und Gehwerk zu überholen, Schlagwerkaus- lösung nicht funktionstüchtig. Kleinere Risse und Fehlstel- len, Vergoldung berieben. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 118 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 123.
    1169 KOMMODE Louis XVI, Schweiz,Luzern um 1800. Nussbaum, furniert und geschnitzt mit Blumenkranz, Maschen, Rosetten, Perlstab, Zierfries, Füllhörnern, Lorbeer- und Eichelfestons etc. Rechteckiger Korpus mit leicht überstehendem Blatt aus wellig ausgeschnit- tener Zarge und Pyramidenbeinen. Front mit zwei Schubladen. Durchbrochene Messingbeschläge. 1 Schlüssel. 124 x 62 x 86 cm. Guter restaurierter Zustand. Gekitteter Riss im Deckblatt. Abgebildet bei: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät- renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 175, Nr. 172. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) 1170* PAAR ZIERVASEN, Louis XVI-Stil, Paris, 19. Jh. Bronze ziseliert, teils ver- goldet sowie braun patiniert. Balusterförmige Vase auf Glockenfuss und Rechtecksockel. Reiches Dekor in Form von Akanthusblättern, Lorbeerkränzen und Delfinen. Assortierte Deckel mit Pinienzapfenab- schluss. H 54 cm. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630)
  • 124.
    1173* 1 PAAR FAUTEUILS Restauration,Frankreich, Anfang 19. Jh. Maha- goni profiliert. Trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit vorderen konischen Säulenbeinen mit Ringwulsten sowie hinteren Säbelbeinen. Gepolsterte, leicht nach hinten geschwungene Rückenlehne mit wenig geschwungenen Arm- lehnen. Goldfarbener gestreifter Damastbezug mit Lorbeergirlanden. 59 x 68 x 90 cm. Die Armstützen frontseitig ursprünglich wohl mit Bronzerosetten. Gebrauchsspuren. CHF 800 / 1 000 (€ 740 / 930) 1171 PAAR GIRANDOLEN IN VASENFORM Louis XVI, Paris um 1780. Weisser Marmor und vergoldete sowie ziselierte Bronze. Der eiförmige Vasenkorpus auf gestuftem Viereckfuss. Blattvolu- tenhenkel, durch Blumengirlanden verbunden. Drei Lichtarme in Form von Nelken- und Blätterzweigen. Blütenförmige Tüllen. H 58 cm. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) 1172* EIN PAAR BRONZEFIGUREN Louis-XVI-Stil, nach einem Modell von CLODI- ON (Claude Michel, Nancy 1738-1814 Paris), wohl Frankreich, 19. Jh. Brünierte Bronze und dunkelroter, geäderter Marmor. Stehende jun- ge Frau in faltenreichem Gewand, in der Hand eine Wasserkanne tragend, auf Quaderplatte. H 30,5 cm. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) | 120 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 125.
    1174 PENDULE AUX CERCLESTOUR- NANTS (TEMPLE DE L‘AMOUR) Louis XVI, Paris um 1780. Das Werk signiert Barbe à Paris. Joseph Barbe, Meister 1777. Weisser Marmor und Bronze vergoldet. In Form eines Rundtempels mit vier Rund- säulen und Pinienzapfen als Abschluss. Im oberen Teil das skelettierte Werk sichtbar, darüber auf zwei sich drehenden Ringen mit weissen Emailkartuschen ist die Zeit ablesbar, die Stunden in römischen und die Minuten in arabischen Zahlen. Dekor in Form von durchbrochenen Galerien mit Rankenwerk, Ketten und Perlzierstab. Werk mit Ankergang und Halbstundenschlag auf Glocke. D 18, H 40 cm. Etwas zu restaurieren, Werk zu überholen. Zentrale Amorfigur fehlt. Vergoldung be- rieben. Untere Galerie wohl ersetzt. Vergleichbare Uhren sind abgebildet bei: Tardy. La pendule française. 2ème partie: Du Louis XVI à nos jours. Paris 1969. S. 286/287. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 121
  • 126.
    1175* KLEINES RÄUCHERGEFÄSS „AL‘ANTIQUE“ Spätes Empire, Berlin, Ende 19. Jh. Monogr. AM und bez. NACHF. 6866 (Eisengiesserei Albert Anton Mewes, geb. 1812,) Nachfolger. Gusseisen getrieben sowie Messing. Schale in fein profiliertem Ring auf 3 kannelierten Stützen „aux têtes de bélier“ mit kleinem Feuer- topf und Bocksfüssen auf eingezogenem, profiliertem Dreisockel. D 10 cm. H 16 cm. Die Entwurfszeichnung des hier angebotenen Räuchergefässes ist abgebildet im Katalog „Abbildungen von gegossenen eisernen Kunst-Producten in der Königlichen Eisengiesserei bei Berlin“, Berlin 1824-34; Tafel IV (Fig. 4). CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) 1176* SCHREIBSCHRANK Empire, Frankreich, wohl Paris um 1810/20. Maha- goni geflammt. Rechteckiger Korpus mit geradem Hohlkehlkranz auf profiliertem Rechtecksockel. Front mit abklappbarer, innen mit grünem, goldgepresstem Leder bezogener Schreibplatte zwischen Doppeltü- re und 3 Schubladen. Inneneinteilung mit Zentral- schublade, flankiert von je 2 Schubladen. Vergoldete Bronzebeschläge. Oberteil innen mit 2 Tablaren. 2 Schlüssel. Restauriert, etwas zu restaurieren. Bronzen am Kranz fehlen. Furnierrisse auf Türen und Seiten. 122 x 49x(offen 80) x 211 cm. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 122 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 127.
    1177 KONSOLE Empire, Paris um1815. In der Art von Jacob-Desmalter. Mahagoni sowie Holz geschnitzt und dunkel gefasst. Rechteckiges dunkles Granitblatt auf gerader Zarge und durch vorne eingezogenen Sockel verbundenen vorde- ren Karyatiden- sowie hintere Vierkantbeinen. Messing- beschläge. 146 x 44 x 84 cm. Randbestossungen (Marmorblatt). Fehlstellen im Holz. Restaurierungen und Ergänzungen im Sockelbereich. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1178* KLEINER TISCH Directoire, Paris, Ende 18. Jh. Zitronenholz und Mahagoni fein eingelegt mit Filets und Kannelierun- gen. Oktogonales, abklappbares Blatt mit „Vert de Mer“-Platte auf hexagonalem Schaft mit markant geschweiftem Dreifuss. Sprung im Blattrand, Kratzer sowie kleinere Fehlstellen. Füsse teils repariert. Risse im Schaft. D 76, H 71 cm. Sprung im Blattrand, Kratzer sowie kleinere Fehlstel- len. Füsse teils Repariert. Risse im Schaft. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 390 / 1 850) | 123
  • 128.
    1179 DECKENLEUCHTER Empire, Nordeuropa, um1815/20. Holz geschnitzt, vergoldet und teils blau bemalt. Schalenförmiger Lampenkorpus mit sechs geschweiften Lichtarmen, verziert mit geflügelten Frauenbüsten. Aufsatzfigur in Form des Neptuns, darum herum drei Seepferde. Hängend an drei Ketten, die Deckenplatte mit Blätterkro- ne. Applizierte durchbrochene Messingfriese. D 80, H 120 cm. Repariert. Elektrifizierung zu prüfen. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) | 124
  • 129.
    1180 AMEUBLEMENT Empire, wohl Russlandum 1810/15. Bestehend aus: acht Stühlen und einer Banquette. Mahagoni. Trapezförmiger geschweifter und gepolsterter Sitz auf gerader Zarge und markanten, nach aussen geschweiften Vorderbeinen mit Doppelbocksfüssensabots und hinteren Säbelbeinen. Durchbrochene Rückenlehne mit geschweiftem Schulterbrett und durchbrochener Zunge in Form von Doppelgreifen. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Palmetten, Rosetten, Löwenköpfen und Granatäpfeln. Gelber, gestreifter Seidenbezug. Stühle: 61 x 56 x 87 cm; Sofa: 195 x 60 x 87 cm. Teils restauriert sowie etwas ausgebleicht. Stoff teils gerissen, zu ersetzen. Provenienz: - Kunsthandel München 1996. (Dort gekauft als Italien um 1790). - Schweizer Privatbesitz. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560) | 125
  • 130.
    1181* PAAR FIGÜRLICHE DREIFLAMMIGEGIRANDOLEN, Empire, Paris um 1815. In der Art von Claude-François Rabiat (1756- 1815). Bronze braun patiniert sowie teilvergoldet. Die geflügelten Frauenfiguren auf zylindrischem Postament und Rechtecksockel. Tüllen in Form von Blumen- und Früchtekörben. H 55 cm. Vergoldung berieben. 1 Tropfteller fehlt. CHF 8 000 / 14 000 (€ 7 410 / 12 960) | 126 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 131.
    1182 TISCHPSYCHE Deutschland, wohl Neuwiedum 1800. Palisander und Ebenholz, montiert mit Messingkanneluren und Profilstäben. Rechteckige, frontseitig leicht geschweifte Basis auf quadratischen Füssen. Front mit drei Schubladen, öffnend über Federmechanismus. Schwenkbarer Spiegel montiert auf schräggestellten Vierkantsäulen. 67 x 35 x 93 cm. Riss im Blatt. Fehlendes Stück einer Profilleiste. Provenienz: - Schweizer Privatbesitz Gemäss einem Schreiben der Galerie Stuker in Bern aus dem Jahr 1975, wurde der Toilettenspiegel dort verkauft und stammte aus dem Besitz des Fürsten Wied zu Neuwied. Tatsächlich weist das Stück in der Feinheit der Konst- ruktion eine lose Verwandtschaft mit der in Neuwied ansässigen Werkstatt von Abraham und David Roentgen auf. CHF 6 000 / 10 000 (€ 5 560 / 9 260) | 127
  • 132.
    1183* EIN PAAR KERZENSTÖCKE Retourd‘Egypte, Empire, Paris um 1805. Bronze fein ziseliert so- wie teilvergoldet und braun patiniert. Eingezogener Dreieckfuss, reliefiert mit Blattfries. Sich nach oben verjüngender, eingezoge- ner dreieckiger Schaft, an der Basis von drei geflügelten Löwen- büsten getragen. Reliefierter Dekor in Form von Sternzeichen, Lyra, Eule, Äskulapstab, Palmetten und Blattgirlanden. Kugelige, von drei Sphingen getragene Kerzentülle mit Tropftellern. H 33,5 cm. Die Ägyptomanie und die damit einhergehende Wiederentde- ckung ägyptischer Dekorelemente in Europa wird durch den napoleonischen Ägyptenfeldzug von 1789 begründet. Zahlrei- che Illustrationen dieser Expedition, wie sie beispielsweise in der bekannten „Description de l’Egypte“, einem Standartwerk der französischen „Commission des Sciences et des Arts“, vorzufin- den sind, verbreiten auf dem Kontinent ein idealisiertes Bild des „Pharaonenlandes“. Als unerschöpfliche Inspirationsquelle für die europäische Produktion dekorativer Kunst, beflügeln die wie- derentdeckten ägyptischen Motive die Fantasie der heimischen Kunsthandwerker. Ebenso tragen die beiden berühmten Bände des Maler-Architekten Dominique Vivant Denon (1747-1825), in denen er akribisch die grandiosen ägyptischen Monumente wäh- rend des napoleonischen Feldzugs dokumentiert, zur Integration neuer Stilelemente bei. Obwohl die Kunsthandwerker vom neuen Themenfundus reich- lich Gebrauch machen, setzten sie jene Motive gefiltert und dem vorherrschenden neoklassischen Stil unterordnend ein. Zwar die Traditionen der Greco-romanischen Grundformen respektierend, sind es allem voran die Bronzegiesser die ägyptische Deko- relemente in ihren Werken integrieren. So bereichern Sphinxe, Pyramiden, Nubierinnen, Sonnenscheiben, Hieroglyphen, usw., das Formenvokabular bekannter Bronzekünstler wie Thomi- re (1751-1843), Galle (1759-1815), Ravrio (1759-1814) und Feuchère (1807-1852). Diese Ägyptomanie blieb schon anfangs des 19. Jahrhundert nicht ohne Kritik, weshalb der Trend nur weni- ge Jahre (1798-1808) andauerte. Das vorliegende Kerzenstock- paar ist ein elegantes und schmuckvolles Zeitzeugnis des „Retour en Egypte“-Stils. (Anne Dion-Tenenbaum, „ L’Egyptomanie et les arts décoratifs français de la première moitié du 19e siècle „ in „ Dossier de l’Art „ n°17, février-mars 1994, Edition Faton SA, Dijon, 1994, S. 22-35.) CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520) | 128 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 133.
    1184* FOLGE VON VIERAPPLIKEN „À FLÈCHE“ Empire, Frankreich um 1805-1810. Modell von Claude Galle (1759-1815), Meis- ter 1786. Bronze dunkel patiniert sowie teils vergoldet. Wandarm in Form eines Pfeiles mit Dianakopf in Sonnenreserve. Die vier Lichtarme in Form von Hörnern, am Ansatz mit einem Löwenkopf dekoriert. Zylindrische Tüllen mit Tropfteller. H 62 cm. 3 Tüllen ersetzt. Vergoldung berieben. Die vorliegenden Appliken im neoklassischen Stil des französischen Empires zeichnen sich durch ihr jagdmotivisches Dekor aus (Pfeil, Jagdhorn, Maske der Jagdgöttin Diana und Löwenköpfe). Die Feinheit der Ausführung bezeugt das könnerische Talent Claude Galles (1795-1815), seines Zeichens Bronzekünst- ler für den Garde-Meuble Louis XVI und Napoleon Bonaparte. Zusammen mit Pierre-Philippe Thomire (1751-1843) und André-Antoine Ravrio (1759-1814) zählte Claude Galle zu den populärsten Bronzekünstlern seiner Zeit und führte Auftragsarbeiten für die Ausstattung des Trianons, der Schlösser Fontainebleau, Saint-Cloud, Compiègne und dem Tuilerien-Palast aus. Identische Appliken „à la flèche“ sind darum heute noch im Schloss Versailles und Fontainebleau ausge- stellt. Erstere entstanden anlässlich eines Staatssekretär-Empfangs im Jahre 1806, letztere in Versailles um 1809 für die Esszimmerausstattung des Kaisers. CHF 16 000 / 26 000 (€ 14 810 / 24 070) | 129
  • 134.
    1185 ASTRONOMISCHE TISCHUHR „COPERNIC“ Restauration,Schweiz um 1820/30. Das Zifferblatt und Tellu- rium signiert F. Ducommun à La Chaux de Fonds. Turmförmi- ges Alabastergehäuse, geschnitten mit Lorbeerfries, Blüte sowie Blumengirlande. Zifferblatt mit weissem Emailzif- ferring und arabischen Stundenzahlen um fein reliefierte Messingplakette mit Liebessymbolen, darin einge- setze ovale Email-Kartusche mit Signatur François Ducommun. Das Gehäuse bekrönt von einem durch das Uhrwerk angetriebenen, teils durchbro- chenen sowie vergoldeten Tellurium. Im Zentrum die Sonne, um die sich im Laufe eines Jahres die emaillierte Erdkugel bewegt. Diese dreht sich in 24 Stunden um die eigene Achse und wird ihrerseits in 29,5 Tagen von einer emaillierten Mondkugel umrundet. Auf einem kleinen Zifferring ist anhand eines kleinen festste- henden geblühten Stahlpfeils das jeweilige Datum des synodischen Monats ablesbar. Das Tellurium ist umfasst von einem versil- berten Jahresring mit Angaben des Monats sowie des Datums mittels eines festen Nonius. Darunter ein feststehender Ring mit 12 Emailkartuschen mit den Tierkreiszeichen. Neuenburger 8-Tagewerk mit 3/4-Stun- denschlag auf 2 Tonfedern. Ankergang mit Graham-Hemmung. Das Werk mit kleinem Hilfszifferblatt für die Einstellung des Werks. Auf geschwärztem Holzsockel und Glassturz. Uhr: D 17,5 cm. H 42 cm. Sockel und Glassturz: D 25 cm. H 57 cm. Feine Bestossungen am Alabastergehäuse. Funktion des Werkes und Telluriums nicht geprüft. Provenienz: - Bei François Ducommun gekauft von Niklaus Rodolph de Wattwyl und seither im Besitze der selben Familie. - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge in den heutigen Besitz, Schweizer Privatbe- sitz. | 130 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 136.
    Der Uhrmacher FrançoisDucommun-dit-Boudry (1763-1839) entstammt einer international renommierten Uhrmacherfamilie aus La Chaux-de-Fonds. Sein Vater, Abram Ducommun (1723-1797), war Uhrmachermeister mit Spezialisierung in der Anfertigung von Planetarien und sein Grossvater mütterlicherseits, Josué Robert (1691-1771), war Königlicher Hofuhrmacher des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm I (1688-1740). François Ducommun, ein regelrechter Uhrmacher und Handwerker, macht sich einen Namen als Fabrikant für Präzisionswerkzeuge. Er produziert unter anderem auch Barometer, Kompasse, Zirkel, Graphometer, Wasserwaagen, Pantografen, Sextanten, Thermometer und andere wissenschaftliche Instrumente. Seine Passion für die Astronomie manifestiert sich in der Herstellung eines grossen Pla- netariums, welches wohl seine eindrucksvollste Kreation ist. Das 1817 fertiggestellte Planetarium kann man heute im Musée interna- tional d’Horlogerie in La Chaux-de-Fonds bewundern. Dieser astronomische Mechanismus repräsentiert das Sonnensystem auf dem Wissensstand des frühen 19. Jahrhundert. Dank einer Rollenkonstruktion öffnet sich der eindrückliche Globus aus lackiertem Papier- maschee horizontal und gibt den Blick auf die Sonne frei, welche von Planeten und ihren Trabanten umkreist wird. Die Sphären der Ge- stirne werden durch eine Silberhalterung mit beweglichen Stangen dargestellt. Der Mechanismus wird von einer Drehleier angetrieben, wodurch die täglichen, wöchentlichen und jährlichen Bewegungen des Sonnensystems nachvollziehbar werden. Dieses Passionsobjekt konnte von Interessenten für ein Eintrittsgeld von 1 Franc im Hause Ducommuns bestaunt werden, wobei das Geld den Benachteiligten aus der Region zugutekam. François Ducommun entwirft ebenfalls mehrere sogenannte „kopernikanische“ Uhren im Empire-Stil. Diese Standuhren sind von einem Tellurium bekrönt, das die Erd- und Mondumlaufbahn darstellt und somit die Tages- und Jahreszeiten anzeigt. Seine Kuriositäten erfreuten sich grosser Beliebtheit und laut Alfred Chapuis (Uhrmacher-Spezialist, Autor und Zeitgenosse Ducommuns) wurden Objekte sogar bis nach Preussen verkauft. Neun solcher astronomischen Pendulen sind bis dato bekannt: Drei befinden sich in Privatsammlungen; ein Exemplar in patinierter Bronze im Museum für Angewandte Kunst in Mailand; ein weiteres Modell, jedoch mit einem Messinggehäuse, befindet sich im Uh- renmuseum Beyer in Zürich und drei in der Sammlung des Musée international d‘Horlogerie de la Chaux-de-Fonds, wovon eine bis auf einige Details identisch ist mit der unsrigen. CHF 120 000 / 200 000 (€ 111 110 / 185 190) François Ducommun-dit-Boudry, Musée Inter- national de l’Horlogerie, La Chaux-de-Fonds. © Musée international d‘horlogerie. Astronomische Uhr von François Ducommun, © Musée internatio- nal d‘horlogerie. Niklaus Rodolph de Wattwyl. Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 137.
  • 138.
    1186* FOLGE VON ZWEIBERGEREN UND ZWEI FAUTEUILS „AUX DAUPHINS“ Empire, Paris um 1810/20. P.A. BELLANGE (Pierre Antoine Bellange, Meister 1788) zuzuschreiben. Mahagoni profiliert und fein beschnitzt mit Delphinköpfen. Trapezförmiger Sitz auf gerader Zarge mit Säbelbeinen. Flache Rückenlehne mit ausladenden, direkt in die Delphinstützen über- gehenden Armlehnen. Blauer Veloursbezug. Sitzkissen. Bergèren 60 x 47 x 46 x 94 cm. Fauteuils 55 x 45 x 46 x 94 cm. Beine teils ergänzt. Fehlstellen. P.A. Bellangé gehört zu den wesentlichsten und innovativsten Sitzmöbel- herstellern des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Er lieferte Möbel für die wichtigsten Herrscher- und Adelsfamilien seiner Zeit, wie zum Beispiel für Laeken das Inventar der „chambre à coucher de l‘Empereur“, für die Tuilerien die Einrichtung der Gemächer der „enfants de France“ und eine Vielzahl von Sitzmöbeln für den „grand salon“, aber auch ein „ensemble de meubles“ für den damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, James Monroe. Von diesem Ensemble sind heute noch 1 Konsole, 4 Fauteuils und 2 Stühle erhalten. (D. Ledoux-Lebard, Le mobilier français du XIXe siècle, Paris 1989; S. 50-58). CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1187 PENDULE MIT ODYSSEUS Restauration, Paris um 1820/30. Das Zifferblatt signiert Bassot à Paris. Pierre Bassot, aktiv 1806-1830. Bronze braun patiniert und Marmor Brocatello di Siena. Auf gestuftem Rechtecksockel sitzende Figur des Ulysse, er stützt sich auf das Werk und hält einen Stab in der rechten Hand. Im Sockel eine Relief-Darstellung mit Speer, mit drei Bronzefüssen in Form einer Eule (ein Fuss fehlt). Bronzezifferblatt mit römischen Ziffern. Werk mit Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 57 x 38 x 17 cm Zu revidieren. Marmor teils beschädigt. 1 Zeiger nicht passend. Literatur: H.L. Tardy, La pendule français des origines à nos jours, Paris 1961-64; S. 371 (Abbildung einer ähnlichen Pendule im Victoria and Albert Museum, London). CHF 2 800 / 3 500 (€ 2 590 / 3 240) | 134 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 139.
    1188 KESSEL MIT KLAPPHENKEL„À L‘ANTIQUE“ AUF DREIFUSS Restauration, Frankreich um 1830/40. Bronze dunkel patiniert und reliefiert mit breitem Zierfries von Rosetten, Perlrängen, Blattvoluten und Greifen. In nach unten eingezogener Zylinderform auf abgesetz- tem Standring mit Mäanderfries und 3 Füs- sen in Form von geflügelten Fantasiewesen mit Tatzenfüssen. Aufklappbarer Doppel- henkel mit Rosetten und Frauenköpfen. D 36, H 42 cm. Innen etwas korrodiert. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1189 PAAR ZIERVASEN Restauration, Frankreich, um 1830/40. Bronze teils braun patiniert. Empire-Vasen mit Satyr-Henkeln auf rechteckigem Posta- ment. Dekor in Form von Akanthusblättern, Lorbeerkränzen mit Maschen und Zierfrie- sen. 12,5 x 12,5 x 37 cm. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 135
  • 140.
    1190* KOMMODE „À PORTES“AUS DEM SCHLAFZIMMER DER MADEMOISELLE MARS Empire, Paris um 1825. Signiert Benar. Joseph-Marie Bénard, Ebenist aktiv um 1825-1850 Mahagoni geflammt. Rechteckiges, schwarz/beige gesprenkeltes Portor Marmorblatt auf gera- der, leicht vorstehender und moulürierter Zarge mit vorderen Bronze-Tatzenfüssen sowie hinteren Vierkantfüssen. Front mit breiter Schubladen über Doppeltüre, innen mit drei Schubladen „à l‘anglaise“. Die Türkassetten mit bemalten Porzellanmedaillons besetzt, die durch vergoldete Messingfriese eingefasst sind. Die Medaillons zeigen die Darstellungen von Allegorien der Musik und der Poesie. 130,5 x 60 x 92 cm. Schlüssel fehlt. 1 Riss, Fehlstellen. Provenienz: - Schlafzimmer der Mademoiselle Mars, 1 rue de la Tour-des-Da- mes, um 1825 - Versteigerung nach dem Tod von Louis-Alphonse Bronner, Sohn der Mademoiselle Mars, 12.-14. November 1874, Lot 78 - Sammlung Monsieur Loyer. - Ankauf Loyère Fils, rue de Tournon, 1937 Paris. - Sammlung Dr. Guy Ledoux-Lebard. - Osenat Auktion: „L‘Empire à Fontainebleau : Succession Le- doux-Lebard chez Osenat“, Fontainebleau, 09.12.2006, Lot 133. - Französischer Besitz. Anne-Françoise-Hippolyte Boutet (1779-1847), auch bekannt unter ihrem Mädchennamen Mademoiselle Mars, war eine renommierte französische Schauspielerin, die unter anderem in Theaterstücken von Molière und Marivaux spielte. Im Alter von 20 Jahren trat sie der Comédie Française bei. Von Napoléon Bonaparte besonders geschätzt und gefördert, profitierte sie bis zur Restauration von ihrer Vorrangstellung in der französischen Gesellschaft und konnte im Jahre 1824 nicht zuletzt dank der grosszügigen Rente von 30’000 frz. Livre, welche ihr von Louis XVIII zugesprochen wurde, ein Stadtpalais im Künstlerquartier „Nouvelle Athènes“ in Paris erstehen. Für die Ausstattung ihres Zimmers beauftragte sie den Ebenisten Joseph-Marie Bénard, der wegen seines zeitgemäss pompösen Stils ein grosses Renommée genoss. Mademoiselle Mars’ Lieblingszimmer, das Schlafzimmer, beinhaltete ein komplettes Ameublement des Künstlers, darunter die auch hier angebotene Kommode, welche in der Auktion „L‘Empire à Fontainebleau: Succession Ledoux-Le- bard chez Osenat“ (09.12.2006, Lot 133) versteigert wurde. Joseph-Marie Bénard wurde 1823 an der Exposition des Produits de l‘Industrie für seine „meubles en bois indigènes et richement décorés“ (reich geschmückten Möbel aus regionalen Hölzern) gerühmt. Er arbeitete unter dem Namen „Bénard Frères“ zudem einige Jahre mit seinem Bruder bis zu deren Firmenbankrott im Jahre 1829. Ab 1836 nahm er wieder seine Tätigkeit als eigenständiger Ebenist auf. Ausstellung: -Musée des Arts décoratifs, „Chefs-d’œuvre des grands ébénis- tes 1790-1850 de G. Jacob à Giroux“, 1951, Paris. (Vgl. Abb. 15.) Literatur: - Denise Ledoux-Lebard, Le Mobilier Français du XIX Siècle, Edi- tions de l’amateur, 1984, Paris, S. 66. - Denise Ledoux-Lebard und Jacques Robiquet, Austellungka- talog „Chefs d‘oeuvre des grands ébénistes 1790-1850, de G. Jacob à Giroux“, Musée des arts décoratifs, Paris, Januar-Februar 1951, S. 17-18 CHF 50 000 / 80 000 (€ 46 300 / 74 070) | 136 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 141.
  • 142.
    1192 GROSSES REISENECESSAIRE Restauration, Paris,1819-1838. Birke mit dekorativem Metallbeschlag in Form von Friesen und stilisierten Palmetten. Recht- eckige, an den Längsseiten gerundete Schatulle mit Klappdeckel. Traggriff und mit Perlmuttmedaillon. Im Deckel innen ein he- rausnehmbarer Spiegel. Innen mit diversen, teils herausnehmbaren Kompartimenten und diversen Glasflakons und Holzdosen, Trichtern, Tasse mit Unterschale, Essbe- steck, Bürsten, Näh- und Manikürset, teils in Perlmutt sowie Silber und Stahl. 30 x 23 x 12 cm. Gebrauchsspuren. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) 1191* ZWEI BÜSTEN VON REMBRANDT UND DÜRRER Frankreich, 2. Hälfte 19. Jh. Signiert A. Carrier. Albert Ernest Carrier-Belleuse (1824–1887). Gips mit terrakottaartigem Überfang. Auf späterem ebonisiertem Holzsockel. H 54 cm. Den ersten bedeutenden Erfolg erlebte Carrier-Belleuse 1863, als Kaiser Napole- on III die Skulptur der nackten Bacchantin für die Tuilerien kaufte. Preise und Ehrun- gen folgten, unter anderem die Ehrenme- daille und die Mitgliedschaft der „Légion d‘Honneur“ 1867 für die Figur des Mes- sias. Carrier-Belleuse erhielt zahlreiche öf- fentliche Aufträge vom Stadtpräfekten E. Haussmann, der verschiedene Bildhauer für grössere Projekte anwarb, und lieferte viele Figuren für den Louvre, das „Théâtre Français“, für den Hof der neu erbauten Oper und für die „Banque de la France“. Ab 1876 bis zu seinem Tod war er als Vor- stand der Porzellanmanufaktur von Sèvres tätig. Als Geschäftsmann verauktionierte Carrier-Belleuse zahlreiche Figuren und Modelle, die nicht als Auftragsarbeiten ge- schaffen wurden. Seine Skulpturen schuf er in der Formensprache des ausgehen- den 18. Jahrhunderts, und verlieh ihnen eine lieblich-erotische Ausstrahlung, ganz dem Geschmack der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsprechend. (J.E. Hargrove, The Life and Work of A. Carri- er-Belleuse, Los Angeles 1980). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) | 138 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 143.
    1193 REISENECESSAIRE Paris, um 1820.Holz, Karton und Spiegelg- las. Rechteckige Schatulle allseitig beklebt mit bedrucktem Papier in Grün, Schwarz und Gold. Der aufklappbare Deckel teils mit Spiegel belegt sowie in zentraler Reserve bemalt mit Land- schaftsdarstellung und Personen, in Gouache auf Papier. Reiches Innenleben mit diversen teils herausnehmbaren bzw. mit verspiegeltem Deckel verschlossenen Fächern. Fünf Glasflakons mit Deckel, drei Puderdosen in Porzellan, zwei Puderkissen in Eichelform mit Goldring. Ebenso mit kleiner Bürste, Ahle und Spachtel in Rotgold. Unten mit Etikette bezeichnet: Herbin Cie à Paris. Mit gewidmeter Visitenkarte der Mme de Tscharner de Morillon. Bezeichnet „boite à parfum ayant été donné à ma Grandmère Madame de Watteville de Frisching en souvenir de Madame de Taleyrand ainsi qu‘un bassin en porcelaine de Sèvre à son départ de Berne comme ambassad- rice de France.“ 18 x 24 x 9 cm. Schlüssel sowie ein kleines Werkzeug fehlen. Provenienz: - Bei der ursprünglichen Besitzerin handelt es sich wohl eher um Frau Louise Elisabeth Emilie von Wattenwyl, geborene von Ernst, Frau des Land- ammans Niklaus Rudolf von Wattenwyl (1760- 1832) (Urgrosseltern der Madame de Tscharner de Morillon). - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868– 1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 4 500 / 6 500 (€ 4 170 / 6 020)
  • 144.
    1194 SELADONVASE IN VERGOLDETERBRON- ZEMONTUR Das Porzellan, China, 19. Jh., die Bronze, Louis XVI- Stil, wohl Paris, 19. Jh. Balusterförmiger Vasenkorpus in seladonfarbenem Porzellan mit weissem relie- fiertem Dekor in Form von Rocaillen, Blütenzweigen und Vögel. Bronzemontierung in Form von Lorbeer- kränzen, Kordeln und Draperien. Auf Standring mit Rosetten und Zierfriesen. D 28, H 54 cm. Vergoldung berieben. Hals geschnitten (bei Montie- rung). Ursprünglich wohl mit Deckel. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1195 GROSSE SCHNEEBALLENVASE MIT DECKEL Dresden, um 1880. Nach einem Meissener Modell von Johann Joachim Kändler. Allseitig dicht mit weissen Blüten und „Schneeballen”, Vögeln und zwei seitlichen, aus Ästen gebundenen Henkeln mit Blattwerk appliziert. Der glockenförmige Deckel mit einem die Flügel spreizenden Papagei auf dem Astknauf. Unterglasurblaue Marke von Schwertern mit Stern, Ritzzeichen. H 81 cm. Fehlstellen, kleine Reparaturen, kleine Bestossungen. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1196 PAAR LÖWENFIGUREN AUF BRONZESOCKEL Napoléon III, Frankreich, 19. Jh. Serpentin vollrund gehauen in Form von liegenden Löwen, nach einem Modell von Antonio Canova für das Mausoleum von Clemens XIII in Sankt Peter von Rom. Auf vergoldetem Rechtecksockel mit Einlaubfries und auch godronierten Kreiselfüssen. 44 x 19 x 31 cm. Provenienz: - Sammlung Raymond Subes, Château de Larnagol. - Gekauft bei Galerie Desalle Hourton Paris. Kopie der Rechnung mit obiger Provenienzangabe vorhanden. - Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 145.
    1197* DECKENLEUCHTER Napoléon III inAnlehnung an den Louis XVI- Stil, Paris um 1900. Signiert O. Lelievre sculpt. Octave Georges Lelievre (1869-1947). Bronze vergoldet. Leicht ovaler Leuchterkörper aus Blättern mit unterem Traubenabschluss und Pinienzapfen als Aufsatz. Sechs geschweifte Lichtarme mit Blattvoluten und Lorbeergirlan- den. Hängend an zwei Bändern. Giessermarke Susse fes. Eds. Paris. 66 x 48 x 110 cm. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) 1198* BUREAU PLAT Louis XV-Stil, England um 1900. Rosen- holz und Palisander fein eingelegt in Form von Blumen und Blattranken in Reser- ven sowie gefriest. Rechteckiges, leicht geschweiftes Blatt mit brauner geprägter Lederauflage und in Bronzestab gefasst. Auf ausgeschnittener dreischübiger Zar- ge und geschweiften Beinen. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Rocaillen und Blättern. 1 Schlüssel. 141x71x80 cm CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 141
  • 146.
    1199 STEINPLATTE MIT INTARSIENIN TER- RAZZO TECHNIK England, 19. Jh. Rundes weisses Marmorblatt mit polychromen Terrazzoeinlagen in Form einer Blu- menvase mit zwei Vögel. In späterer geschwärzter Einrahmung auf oktogonalem Schaft und eingezo- genem Dreiecksockel. Platte D 50, Tisch D 58; H 68 cm. Kleinere Fehlstellen. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 390 / 1 850) 1200 PAAR EMAIL CLOISONNÉ VASEN spätes Napoléon III, Frankreich, Ende 19. Jh. Bronze vergoldet, Email Cloisonné in Form von Rankenwerk, Blumen und Maschen. Applizierter Bronzedekor Form von Bac- chusmaske und zwei Putten. Auf weissem Marmorsockel und Quetschfüssen. H 27 cm. CHF 600 / 900 (€ 560 / 830) | 142 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 147.
    1201 PAAR GIRANDOLEN ALLÉGORIEDE LA CHASSE ET LA PÊCHE Napoléon III, Paris um 1860. Nach Albert Ernest Carrier de Bel- leuse, Ainzi-le-Château 1824-1887 Sèvres. Bronze brau patiniert sowie teils vergoldet. Zwei Frauenfiguren als Allegorien der Jagd und des Fischfangs, vegetabile Leuchter haltend in Form von Schilf bzw. Eichenlaub mit neun Lichtarmen auf drei Ebenen. Die Tüllen in Form von Schilfkolben und Distelblüten. Auf profiliertem Griotte Rouge Rundsockel mit Eichenlaubkranz. H ca. 71 cm. 1 Tropfteller fehlt. Leicht berieben. Die Bronzefiguren Fisherman and Huntress by A.E. Carrier de Belleuse, datiert um 1865, sind abgebildet bei BRONZES SCULP- TORS FOUNDERS 1800-1930, by Harold Berman, volume four, S.955 (3662/3663). Als Schüler von David D‘Angers bewarb sich A.E. Carrier-Belleuse 1840 an der „Ecole des Beaux Arts“ und belegte wenig später das Fach der Dekorativen Kunst an der Kunstgewerbeschule. Während dieser Zeit begann er, Modelle für kunstgewerbliche Manufakturen zu entwerfen. Er hatte damit einen solchen Erfolg, dass er in den frühen 1850er Jahren für die florierende Manufaktur von Minton arbeiten durfte. 1856 kehrte er nach Paris zurück, wo er weiterhin für Minton tätig war, aber auch begann, als Bildhauer im Pariser Salon auszustellen. Sein erster bedeutender Erfolg war 1863, als Kaiser Napoleon III die Skulptur der nackten Bacchantin für die Tuilerien ankaufte. Preise und Ehrungen folgten, unter anderem die Ehrenmedaille und die Mitgliedschaft der „Légion d‘Honneur“ 1867 für die Figur des Messias. Er erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge vom Stadtpräfekten E. Haussmann, der verschiedene Bildhauer für grössere Projekte anwarb. A.E. Carrier-Belleuse lieferte viele Figuren für den Louvre, das „Théâtre Français“, für den Hof der neu erbauten Oper, für die „Banque de la France“ usw. 1876 bis zu seinem Tod war er als Vorstand der Porzellanmanu- faktur von Sèvres tätig, die unter seiner Führung wieder sehr er- folgreich wurde. Als Geschäftsmann verauktionierte er zahlreiche Figuren und Modelle, die nicht als Auftragsarbeiten geschaffen wurden. Seine Skulpturen orientieren sich an der Formensprache des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die durch lieblich-erotische Ausstrahlung ganz im Geschmack der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gekennzeichnet werden. Literatur: J.E. Hargrove, The Life and Work of A. Carrier-Belleuse, Los Angeles 1980. J. Segard, A. Carrier-Belleuse, Paris 1928. Thieme/ Becker, Leipzig 1999; 5/6, S. 73/74 (biogr. Angaben). CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) | 143
  • 148.
    1202 OKTOGONALE SCHATULLE MITMIKRO- MOSAIKEINLAGEN Italien, Rom um 1870. Von Augusto Castellani (1829-1914). Messing. Achteckige Dose mit Perlstabdekor auf gequetschten Füssen und mit sich nach oben verjüngendem Klappdeckel. Die Wandungen und der Deckel mit 17 Mikromosaikkartuschen in der Art der Antike; Darstellungen von wilden Tieren, Medusahaupt und Theatermasken. Innen mit violettem Velours ausgeschlagen. 20 x 20 x 16,5 cm. Der Entwurf dieser mit antikisierenden Motiven gefassten Mi- kromosaik-Schatulle stammt vom römischen Juwelierkünstler Augusto Castellani um 1870. Bereits zu dessen Lebzeiten wird seine Kreation vom Autor Alfonso Sartirana in seinem Artikel über das Atelier Castellani in höchsten Tönen gerühmt (Vgl. Arte in Ita- lia, 1870). Die im Artikel betitelte cista muliebre (Damenschatulle) illustriert deren wichtigsten Spezifika (Abb. 1, Sartirana, 1870, S. 61). Darauf zu erkennen ist das Haupt der Medusa, die Thea- termasken und die verschiedenen im Stile der römischen Antike gestalteten Tiere. Augusto Castellani, von Sartirana lobpreisend primato fra gli orefici italiani (der Ranghöchste unter den italieni- schen Goldschmieden) genannt, übernimmt im Jahre 1865 die vom Vater Fortunato Castellani, gegründete Werkstatt, just zu jener Zeit, in der die italienische Mikromosaik-Produktion eine neue Blüte und Glanzzeit erlebt. Der achtkantige Schatullendeckel in Form eines Domes erinnert an oktogonale Medaillons römischer Mosaikböden der Antike. Castellanis antiker Motivfundus muss eher als Neuinterpretatio- nen und weniger als treue Kopie eines antiken Modells bewertet werden (Rudoe, 2004, S. 174). Die acht trapezoiden Bildflächen des Domes repräsentieren jagende und fliehende Tiere (Raubkat- zen, Jagdhund, Hirsch, Geissbock und Wildschwein), welche rund um das zentrale Gorgonenhaupt arrangiert sind. Die vorliegende Medusa ist identisch mit einer von Castellani entworfenen Bro- sche, welche sich in einer auserlesenen Privatsammlung befindet (Abb. 2, Rudoe, 2004, S. 48). Die rechteckigen Seitentafeln der Schatulle zeigen Theatermasken ebenfalls im Gusto römischer Villen-und Thermenmoisaiken. Rudoe stellt in ihren Untersuchun- gen fest, dass die gleichen Theatermasken an den Treppenstu- fen der Piazza Trevi, dort wo sich das Atelier Castellani ab 1869 befindet, sichtbar waren. Eine andere Schatulle, wiederum identisch zu der unsrigen, ist zweifellos eine Zeugin der wichtigsten Auftragsarbeit Augusto Castellanis. Es handelt sich hierbei um eine Schmuckschatulle aus dem Jahre 1872, das als Behälter für das sogenannte „ karolingi- sche „ Ensemble fungierte, welches vom Kronprinzen Umberto I von Italien (1844-1900) und seiner Gattin Margarethe von Italien (1851-1926) der preussischen Prinzessin Viktoria (1840-1901) zur Geburt ihrer Tochter Margarethe von Preussen (1872-1954) geschenkt wird (Abb. 3, Rudoe, 2010, S. 417). Beeinflusst durch vorchristliche und byzantinische Kirchenmo- delle, brechen die Kreationen des Ateliers Castellani mit dem vorherrschenden naturalistischen Kanon des italienischen Mik- romosaiks der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Anstelle von romantisierenden Landschaften und anderen Modeerscheinun- gen jener Epoche treten bei Castellani vermehrt wieder christ- lich-religiöse Motive wie das Lamm, der Fisch, die Friedenstaube oder griechisch-römische Inschriften in den Vordergrund. Von den archäologischen Wiederentdeckungen antiker Stätten stark „L‘Arte in Italia“, Torino-Napoli, 1870, S. 61. | 144 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 149.
    geprägt, beinhaltet diehauseigene Schmuck-und Goldsammlung der Familie Castellani nebst zeitgenössischer neo-antiken Stücke tatsächlich originale Antiquitäten, welche heute im British Muse- um in London und im Louvre Paris konserviert sind. An der Spitze der Mosaikkünstler im Hause Castellani befindet sich Luigi Podio (aktiv 1851-1888). Als veritabler Schmuckarchäo- loge verteidigt der Handwerker die Entwürfe des Ateliers Castel- lani vor anachronistischen Kontaminierungen. Die intendierten Unregelmässigkeiten auf der Mosaikoberfläche bezeugen auch an unserer Schatulle den Willen der Macher, die technische Tradition der Mosaikkunst zu respektieren. Dank dieser Irregularität wird das Licht an den Mosaiksteinchen gebrochen, um so ein gewolltes Lichtspektakel zu provozieren. Vergleichende Literatur: - Alfonso di Sartirana, „Arte applicata all‘industria: oreficerie della Fabbrica Castellani in Roma“, in „L‘Arte in Italia“, Torino- Napoli, 1870, S. 60-62 - Austellung Katalog von Susan Weber Soros und Stefanie Wal- ker, „Castellani and Italian Archaeological Jewelry“ (The Bard Graduate Center for Studies in the Decorative Arts, Design and Culture, New York, 18.11.2004-06.02.2005), Yale Universtity Press, New Haven and London, 2004, S. 48 und 173-174 -Judy Rudoe, „The Castellani and the Italian Risorgimento“, in Charlotte Gere und Judy Rudoe, „Jewellery in the Age of Queen Victoria. A mirror to the world“, The British Museum, 2010, S. 398-425 CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) | 145
  • 150.
    1203* DOKUMENTENSCHATULLE MIT HALBEDELSTEINEN NapoléonIII, Paris um 1860. Signiert Alph. Giroux Cie. AParis. Alphonse Gustave Giroux, 1810-1886. Ebenholz fein marketiert in Sternmotiven. Vergoldete und gravierte, teils durchbrochene Messingmontierungen in Form von Bändern und Eckverstär- kungen. Die Bänder mit ovalen und runden Achaten, Carneolen, Heliotropen sowie teils getönten Steinen besetzt. Rechteckiger Korpus mit leicht geschrägten Ecken. Klappdeckel. Seitliche Tragdeckel. Innen mit jadegrüner Seide ausgeschlagen. Schlüssel- schild mit Vexierverschluss. 1 Schlüssel. 45 x 32 x 24 cm. 1 Edelstein fehlt auf der Rückseite. 1799 richtet François Simon Alphonse Giroux (1775/76-1848), Schüler des berühmten Historienmalers Jacques-Louis David (1748-1825), in Paris an der Rue du Coq-Saint-Honoré ein Ge- schäft „à l‘enseigne au Coq Honoré“ ein, wo er vor allem Künstler- bedarf wie Papier, Farben und Rahmen verkaufte und später eben- falls Kleinmöbel sowie Luxusgegenstände im Geschmack der Zeit produzierte. Während der Restaurationszeit erfährt das Geschäft einen erheblichen Aufschwung dank zahlreicher Regierungsauf- träge, unter anderem für die Kinder von Louis XVIII und Charles X. Ab 1838 tritt sein Sohn Alphonse Gustave Giroux (1810-1886) in den Familienbetrieb ein, der den Erfolg des Geschäfts unter dem Namen „Alphonse Giroux et Compagnie“ aufrechterhält. Die Kreationen des Geschäfts sind preisgekrönt: 1839 erhalten sie die Silbermedaille an der „Exposition des produits de l‘industrie“, 1855 folgt eine weitere für ein herrliches Schachspiel mit Figuren aus feinstem Silber. Nach der Übernahme des Familienbetriebs durch Ferdinand Duvinages und Harinkouck gewinnt das Erfolgsduo im Jahre 1873 an der „Exposition Universelle“ zwei Medaillen für eine Elfenbein-Marketerie. Eine markante Veränderung der Wirtschaft und vermutlich fehlende Kreativität führten jedoch dazu, dass „la Maison Giroux“ während des Jahres 1885 vom Markt verschwin- det. Literatur: - D. Ledoux-Lebard, „Le mobilier français du XIXe siècle“, Paris, 1989, S. 223 ff. - Danielle Kisluk-Grosheide, „Maison Giroux and its oriental Mar- quetery Technique”, Furniture history, Vol. 35, 1999, S. 147-172. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 146 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 151.
    1204 KASSETTE Hanau, 2. Hälfte19. Jh. Kartuschenförmig. Allseitig getrieben und ziseliert. H 27. L 28 cm. 1905 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Die Geschichte der Silberkassette findet ihren Ursprung in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als prunkvolle Einzelstücke aus Silber oder mit Silber beschlagenem Holz hergestellt wur- den. Zunächst als Repräsentationsstücke für überregionale Ausstellungen gefertigt, um die Leistungsfähigkeit einer Firma zu dokumentieren, fanden sie später auch Verwendung als Schreib- und Ehrenkassetten. Das Dekor der Kassetten bildet oftmals ein getriebenes Relief mit testamentarischen Szenen. Die handelnden Figuren werden dabei stark herausgetrieben ausgearbeitet und heben sich von der flach ziselierten Landschaft ab, die weit in den Hintergrund zu reichen scheint. Bruno-Wilhelm Thiele, Verfasser der Publikation zum Tafel- silber des Historismus aus Hanau, verweist darauf, dass das Modell der Prunkkassette von Schleissner mit der Musternum- mer 8124 mehrfach variiert wurde. Es kann davon ausgegan- gen werden, dass vorliegende und hier zum Verkauf stehende, äusserst aufwändig gearbeitete Kassette, auf demselben Grundschema basiert, das einen ovalen Grundriss mit risali- tartigen Vorsprüngen an den Längsseiten formt. Den Deckel bildet eine kuppelförmige Dachkonstruktion. Alttestamenta- rische Themen zieren die Längswände der Kassette, wohin- gegen Masken und Blatt- und Blumenranken die Schmalseiten bekleiden. (vgl. hierzu: Bruno-Wilhelm Thiele, Tafelsilber des Historismus aus Hanau, Tübingen 1992, S. 108–112 und S. 239 (Kat.-Nr. 88 und Abb. 50)). CHF 2 000 / 4 000 (€ 1 850 / 3 700) Bruno-Wilhelm Thiele, Tafelsilber des Historismus aus Hanau, Tübingen 1992, S. 239, Abb. 50. | 147
  • 152.
    1205* DRESSOIRE Neorenaissance, Paris, 19.Jh. In der Art von Charles Hunsinger. Palisander, Rosenholz und andere Ebenhölzer sowie Marmor reich intar- siert. Architektonischer rechteckiger Korpus auf geradem, moulüriertem Sockel und Quetschfüssen. Durchbrochener Aufsatz mit Balustrade (unvollständig). Oberteil mit Türe zwischen zwei kannelierten Doppel- säulen, eine Nische bildend. Die Türe sowie die Nischen fein intarsiert mit Blätter- und Blumenvoluten, Vasen, Schwänen und Zier- friesen. Unterteil mit Schublade auf vorderen kannelierten Säulen und hinterer Rückwand über flachem Sockel und Quetschfüssen. 2 Schlüssel. 80 x 42 x 171 cm. Fehlstellen, die Balustrade unvollständig. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan | 148
  • 153.
    1206* VERRE ÉGLOMISÉ TISCHUHRIN FORM EINER KATHEDRALE Baccarat, Ende 19. Jh. Signiert JB. Simon Graveur à Baccarat l‘an 1887. Verre églomisé reich graviert sowie appliziert mit farbigen Glassteinen. In Form einer neogotischen Kathedralfront mit zwei Türmen. Dekoriert mit Masswerk, Spitzbogenfenstern und Heiligen- darstellungen in Nischen sowie Maria und Jesus in Reserven. Aufgesetztes Zifferblatt in verre églomisé mit römischen Stunden. Späte- res kleines Werk mit Federaufzug. 38 x 20 x 64 cm. Diverse kleinere Fehlstellen und fehlende Elemente. Kreuzaufsätze fehlen. Jean-Baptiste Simon war als „maître-graveur“ (Meisterstecher) für die Compagnie des Cristalleries de Baccarat von ca. 1855-1875 aktiv. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 149
  • 154.
    1207* BÜSTE DER FLORA Italien,Jugendstil, um 1880. Weisser Marmor vollrund behauen. Der Kopf der Flora leicht seitlich abgewendet, mit Traubenranken im Haar. Fehlstellen. H 55 cm. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 150 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan