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Decorative Arts
Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan
AUKTION
Donnerstag, 26. März 2020, 14.00 Uhr
VORBESICHTIGUNG
Mittwoch, 18. – Sonntag, 22. März 2020, 10 – 18 Uhr
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Hannah Wepler
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1002
COLLIER
Teils unter Verwendung von römischen antiken
Elementen, 2./3. Jh. nach Christus. Bernstein und
Gold. Ovales Medaillon mit Cabochon, wohl Granat.
L 42 cm.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1001
RING
Byzantinisch. Gold mit ovalem blauem Glascabochon.
L 1,7 cm.
Bestossungen am Cabochon, Ring fragmentarisch.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 300 / 500
(€ 280 / 460)
| 2
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1003
KREUZ-ANHÄNGER
Byzantinisch, 5. bis 7. Jh. Gold. Jeder Arm pentagonal und sich
zum Zentrum verjüngend, die Enden mit feinem Perlstab verziert.
Im Zentrum ein Saphir Cabochon, ebenso eingefasst durch ein
Perlfries. Die flächige und bandartige Öse mit Perlfries.
H 7,1 cm, B 6 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s New York, 13. Dezember 2002. Auktion 1164,
Lot 664.
- Schweizer Privatbesitz
CHF 18 000 / 25 000
(€ 16 670 / 23 150)
1004
THRONENDE MADONNA MIT KIND
Gotisch, Norditalien oder Spanien um 1300. Kiefer
sowie Laubholz geschnitzt, gehöhlt und verschlossen
sowie gefasst. Die Madonna in aufrechter Haltung auf
Thronbank sitzend, das Kind stehend auf ihrem Knie
mit Segensgestus sowie Stiglitz in der linken Hand.
H 113 cm.
Fassung stark übergangen, Kopf des Kindes geklebt.
Rechte Hand der Madonna ergänzt. Diverse Fehlstel-
len.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 3
1005
EMAIL RELIQUIENKÄSTCHEN, SOG. CHÂSSE
Gotisch, Limoges, 2. Hälfte 13. Jh. Kupfer graviert und feuerver-
goldet sowie Email champlevé in Blau, Weiss und Rot. Rechtecki-
ger Korpus auf flächigen Eckstollenfüssen und mit aufklappbarem
Giebeldach. Umlaufendes Dekor in Form von stilisierten Ranken
sowie Engelsbüsten in kreisförmigen Medaillons. Die Frontseite
des Deckels zeigt Stationen aus dem Leben Marias: Verkündi-
gung durch den Engel, Heimsuchung, Geburt Mariens, Maria
mit Kind sowie der Flucht nach Ägypten. Der Deckel bekrönt
von 5 Aufsatzkugeln, zwei davon in Bergkristall (eventuell später
ersetzt). Die mittlere mit Kreuz bekrönt. Späteres Schloss und
Durchbrechnung für Schlüssel. Schliesse in einem Schlangenkopf
endend. Die Bodenunterseite mit Inventarnummer O.2 in Rot.
20,5 x 8 x 15,5 cm.
Vergoldung teils berieben, mehrere Fehlstellen im Email. Schlüssel
fehlt. Verschlusshaspel sowie Aufsatzkreuz spätere Ergänzungen.
Provenienz:
- Ehemals Sammlung Ole Olsen Kopenhagen.
- Auktion Winkel  Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72.
- Durch Schenkung und Erbschaft zum heutigen Besitzer.
Die Kunst des Email champlevé erlebte in der Region Limoges im
12. bis 14. Jahrhundert eine grosse Blüte. Während davor haupt-
sächlich kleinere emaillierte Plaketten auf vergoldete und gravierte
Kupfertafeln appliziert wurden, emaillierte man ab dem ausge-
henden 12. Jahrhundert mehr die flächigen Stellen, die figürlichen
Darstellungen hingegen erschienen ziseliert im vergoldeten
Kupferkern.
Hermann Schmitz. München 1924, Bd.
1, Nr. 2, Abbildung Tafel III.
| 4
Die Reliquienverehrung erlebte im frühen Mittelalter eine Blüte-
zeit. Sie basiert auf der Annahme der Unvergänglichkeit des Lei-
bes Christi und dem Glauben an besondere Kräfte der Überreste
von Märtyrern und Heiligen – überliefert in sogenannten Mirakel-
berichten, die viel von der Religiosität und den Heilsvorstellungen
jener Epoche vermitteln. Für die Aufbewahrung der als Reliquien
verehrten Knochensplittern, Textilfragmente oder Splitter des
Kreuzes Christi wurden schöne und wertvoll gearbeitete Scha-
tullen und Gefässe verwendet, teils spezifisch in der Form auf die
jeweilige Reliquie ausgestaltet (Kreuzreliquiare, Ostensorien, etc.).
Form und Zierwerk des hier angebotenen Reliquienkästchens sind
typisch für die zweite Hälfte des 13. Jh. Das Motiv der Engels-
büsten in Blattranken findet sich verschiedentlich auf Limousiner
Arbeiten, was auf eine gewisse Standardisierung der Produktion
hinweist. So sind ähliche Kästchen in den Kirchen von Aixe-sur-Vi-
enne (Haute-Vienne), Lamontjoie (Lot-et-Garonne), Lunegarde
(Lot) erhalten. Erwähnenswert und selten ist die Darstellung der
Geburt Christi; Maria liegt dabei in einem Bett, in einer Schale
darüber sitzen ein Ochse und ein Esel, als Symbole für die Geburt
in der Krippe.
Die vergoldeten und emaillierten Kupfertafeln wurden zumeist auf
einen Holzkern geschlagen, weniger häufig sind Reliquienschrei-
ne, bei denen die Kupferplatten direkt zusammengefügt wurden.
Ein in Konstruktion und Dekor verwandtes Kästchen wurde im
Rahmen der Auktion der Keir Collection von Sotheby‘s in New York
versteigert: Keir Collection (Sotheby‘s, New York, 20 November
1997, lot 93). Ein weiteres Vergleichsstück wurde verkauft bei:
Christie‘s, Sale 2797, Anton Philips, Entrepreneur  Connois-
seur, Amsterdam, 6 November 2007, Lot 148. Ein anderes sehr
vergleichbares Stück aus privater Sammlung bei: Pietro Lorenzelli
e Alberto Veca. Tra/E. Teche, pissidi, cofani e forzieri d‘all alto
Medioevo al Barocco. S. 57.
Das hier angebotene Reliquiar zählte einst zur umfangreichen
Kunstsammlung des dänischen Filmproduzenten Ole Olsen
(1863–1943) in Kopenhagen. Olsen gründete 1906 die Nordisk
Film A/S, heute die älteste bestehende Filmproduktionsgesell-
schaft der Welt. Ein Teil der Sammlung des 1943 verstorbenen Ol-
sen - so auch der hier angebotene Reliquienschrein - wurde1953
bei Winkel  Magnusson in Kopenhagen versteigert. Der exzen-
trische Filmproduzent liess sich bei Esterhøj einen Grabhügel in
Winkinger Art errichten, wo er zusammen mit einem kleineren Teil
seiner Sammlung bestattet wurde.
Literatur:
- Hermann Schmitz. Generaldirektor Ole Olsens Kunstsamlinger,
München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III.
- Winkel  Magnussen Eds. Kunst i private Eje. S. 2, Abb. 2).
- Auktion Winkel  Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72.
Vergleichende Literatur:
- Marie Madeleine S. Gauthier. Emaux Limousins champlevés des
XIIe XIIIe  XIVe siècles. Paris 1950.
- Marie-Madeleine Gauthier and Geneviève François. Medieval
Enamels. Masterpieces from the Keir Collection. London 1981.
No. 28. S. 25 und Abb. 28, Figure 6.
CHF 70 000 / 120 000
(€ 64 810 / 111 110)
| 5
1006*
HEILIGER FLORIAN
Spätgotisch, wohl Schwaben um 1480. Linde vollrund
geschnitzt sowie mit Resten von Fassung. Der Heilige in
Vollrüstung auf flachem naturalistischem Sockel stehend.
H 129 cm.
Linke Hand teilweise bzw. ganze rechte Hand ersetzt.
Ehemals gefasst und mit Fassungsresten. Fassung Ge-
sicht stark übergangen. Ergänzung an der linken Schulter.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1007
PAAR SPÄTGOTISCHE SCHEIBENLEUCHTER
deutsch, 16. Jh. Messing und Eisen. Zylindrischer Schaft
mit Scheibenwulst auf getrepptem Rundfuss. Breite
Tropfschale und hoher Eisendorn. H ca. 31 cm.
Teils korrodiert und bestossen.
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 6
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1008
RELIQUIENBÜSTE
Rheinisch, 1. Hälfte 14. Jh. Weibliche Büste in Nussbaumholz
geschnitzt. Frontal mit lächelndem Ausdruck und symme-
trisch fallendem Lockenhaar. Auf der Brust runde Öffnung
mit Dreipass. Der Scheitel ist abnehmbar und mit Scharnier
befestigt. Innen hohl, unten mit einem Brett verschlossen,
dessen rückwärtiger Teil ergänzt ist. Gesicht und Hals mit
Silberfarbe bemalt, die schwärzlich geworden ist. Vergoldung
am Gewand und Haaren später. B 32, H 39 cm.
Vergoldung und Versilberung stark überarbeitet.
Provenienz:
- Ehemals Sammlung Figdor
- Schweizer Privatbesitz
Abbgebildet in Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien
1930, Tafel Nr. 158.
CHF 8 000 / 14 000
(€ 7 410 / 12 960)
Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil,
Wien 1930, Tafel Nr. 158.
| 7
1009*
LÜSTERWEIBCHEN
Renaissance, Süddeutschland oder Schweiz um 1600. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Frauenbüste mit
Sirenenschwanz, sie trägt ein Renaissance Gewand mit Halskrause. Mit Wappenkartusche (nicht identifizier-
bar). Hirschgeweih. 102 x 105 x 58 cm.
Ein Unterarm sowie Schwanzende fehlen. Eine Geweihspitze fehlt, einige repariert. Im Haarbereich überarbei-
tet.
Ein ähnliches, in die zweite Hälfte des 16. Jh. datiertes Lüsterweibchen, das sich um 1900 im Kgl. Kunstge-
werbemuseum Berlin befand, ist abgebildet bei: Kurt Jarmuth, Lichter Leuchten im Abendland. Braunschweig
1967, S. 182 (Abb. 170).
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1010
ALLIANZ-WAPPENSCHEIBE
Ostschweiz, Renaissance, dat. 1570.
Zentrales Feld mit den Wappen der
Familien Zimmermann sowie Baumann in
portalförmiger Einrahmung. Die Eckbilder
oben und unten mit Personendarstellun-
gen sowie Sinnsprüchen. In Kartusche be-
zeichnet: Ulrich Zimmermann Bürger zu
Wyll Anna Bumeni von Appenzell sinnliche
Hausfrau 1570. 21 x 32 cm.
Mehrere Sprünge. Ergänzungen.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 8
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1012
HEILIGE MARGARETHE
Spätgotisch, Süddeutschland oder Schweiz um 1500. Linde
geschnitzt, verso gehöhlt sowie gefasst und teilvergoldet. Die
Heilige mit Krone in reich verziertem Gewand und mit Umhang,
steht auf einem Drachen. H 65 cm.
Ergänzung am Sockel. Alte Reparatur, Kleid wenig beschnitten.
Hand später, Finger unvollständig. Fassung stark berieben, teils
überarbeitet.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1011*
THRONENDE MADONNA MIT KIND
Gotisch, Süddeutschland, 1. Hälfte 14. Jh. Linde
geschnitzt, verso gehöhlt sowie mit Resten von Fas-
sung. Maria auf einen einfachen Thronbank sitzend
in aufrechter Haltung, der Christusknabe kniend auf
ihrem Schoss mit Segensgestus. H 77 cm.
Ein Unterarm der Madonna fehlt.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 9
1013
THRONENDE MADONNA MIT KIND
gotisch, Italien, 13./14. Jh. Holz geschnitzt,
Verso geflacht sowie mit Resten der Fassung.
Die Madonna sitzt auf einer Bank, den Blick
frontal dem Betrachter zugewandt, das Kind
sitzt auf ihrem linken Knie. Stark verwurmt,
teils fragmentarischer Zustand mit zahlreichen
Kittungen. H 80 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
1014*
EISENKASSETTE
Renaissance, Deutschland, wohl Augs-
burg, 17. Jh. Eisen mit geätzem Dekor.
Rechteckige Kassette auf gequetschten
Kugelfüssen. Die Front und Rückwand
dekoriert mit zwei Reserven in Ranken-
werkumrandung, Darstellung von Phöni-
xen. Die Seitenwandungen dekoriert mit
Doppeladlern, ebenfalls in dreiseitiger
Rankenwerkumrahmung. Dekor des
Klappdeckels entsprechend der Front,
jedoch stark berieben. Schloss mit fünf
Riegeln. Seitliche Traghenkel.
1 Schlüssel. 30 x 19 x 20 cm.
Korrodiert. Reparaturen im Bereich des
Schlüsselschildes.
CHF 2 500 / 3 000
(€ 2 310 / 2 780)
| 10
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1016*
KLEINE EISENSCHATULLE
Renaissance, wohl Frankreich oder Italien, 16. Jh. Eisen mit graviertem Dekor
in Form von Blattvoluten und Blumen. Appliziert mit vergoldeten, teils durch-
brochenen Messing- oder Kupferbeschlägen in Form von Voluten und Zier-
friesen. Rechteckiger Korpus auf leicht ausgestelltem Rand und Rundfüssen
(wohl später) mit facettiertem Klappdeckel. Die Ecken mit vollplastischen
Figuren besetzt. Innen mit späterem türkisem Seidenbezug ausgeschlagen.
1 Schlüssel. 14 x 9,5 x 7 cm.
Teils leicht verbeult sowie korrodiert und berieben. Innenfutter später.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1015
PAAR LEUCHTERENGEL
Spätgotisch, Luzerner Raum um 1500.
Linde vollrund geschnitzt sowie braun
patiniert. Beide Engel kniend in Schup-
pengewand und mit Pluviale, sie tragen
in beiden Händen einen tordierten
Leuchter. Leicht eingerollte Flügel. Auf
der Unterseite bezeichnet auf Etikette.
Ergänzungen. H 35 bzw. 36 cm.
Kleinere Fehlstellen. Flügel und Sockel
später.
Proveninez:
Privatbesitz Luzern. Ursprünglich wohl
aus der Schlosskapelle Hünegg bei
Baldegg.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
| 11
1017* ♣
SELTENER INTARSIERTER FALTSTUHL
Dynastie der Nasriden oder etwas später. Andalusien, letztes
Viertel 15./Anfang 16. Jh. Nussbaum eingelegt mit Bein und Metall
in Form von stilisierten Blütenfriesen. Stoffsitz auf geschweiftem
und klappbarem X-Gestell. Geschwungene und vorne eingerollte
Armlehnen. Rückenlehne und Sitz in späterem grünem Velours
mit Goldbrokatbändern. Kleinere Ausbrüche und fehlende Intarsi-
enteile. 69 x 48 x 101 cm.
Fehlstellen und Wurmgänge an einem Bein.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
Die muslimisch-maurische Dynastie der Nasriden herrschten
von 1232-1492 über das Emirat Granada und das heutige Gebiet
Andalusiens. Die für die Zeit und Region typischen Mikromosa-
ik-Arbeiten, im spanische Taracea Technik genannt, war in Spanien
und Nordafrika weit verbreitet und an den früheren Höfen der
Almoraviden und Almohaden geschätzt. Ein frühes Beispiel der
Technik findet sich beispielsweise an der Kanzel der Mesquita in
Cordoba, einer Erweitung durch al-Hakim II in der Zeit um 961-97.
Eine Radio Karbon Untersuchung von 2 Proben des Stuhles
erlaubt eine Datierung in die Zeit zwischen 1468 und 1635 bzw.
1320 und 1428. Früheste Darstellung dieses Stuhltypus stammen
aus der Zeit der Ägypter, 2000 vor Christus. Sowohl in der griechi-
schen und römischen Antike als auch in der islamischen Welt des
12. und 13. Jahrhunderts war er beliebt.
Ein sehr ähnlicher Stuhl befindet sich im Metropolitan Muse-
um in New York und wird auf das späte 15. Jh. datiert (Inventar
Nr. 27.225.1, abgebildet bei Otto Kurz. Foldig Chairs and Koran
Stands. Ettinghausen 1972. S. 304-305, Nr. 10.). Ein anderer, aus
der Zeit des 14./15. Jh. befindet sich in der Sammlung des Muse-
ums der Alhambra.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 12
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1018*
FIGUR DER CERES
Renaissance, Venedig um 1600. Die Plinte monogrammiert IC, wohl
Werkstatt des Girolamo Campagna (1549-1625). Bronze dunkel pati-
niert. Die Göttin stützt sich mit einer Hand auf ein Füllhorn mit Blüten
sowie Ähren und hält in der anderen Blumen. Montiert auf rosafarbe-
nem und schwarzem Steinsockel. Figur H 35 cm.
Reparaturen an Bein, Fuss und Ellbogen.
Diese Figur weist bei der Gestaltung der flächigen Füsse sowie den
relativ massigen Unterschenkeln Ähnlichkeiten mit einer Figur der
Venus Marina im Metropolitan Museum New York auf (Inventarnr.
68.141.19), die ebenfalls auf der Plinthe das Monogramm IC trägt und
aufgrund dieser der Werkstatt Campagna bzw. dem jüngeren Bruder
Giuseppe Campagna zugeschrieben wird, der mit Iseppo zeichnete.
Auch erinnert die Figur an Arbeiten des Giuseppe de Levis (1562-
1611), von dem zwei Kaminböcke mit vergleichbaren Figuren der
Venus und des Jupiters im VA erhalten sind (Inventarnr. 3012:1 to
9-1857). Eine ähnliche Nutzung dieser Ceres als Figur auf einem Ka-
minbock ist ebenfalls denkbar, womit sich auch die etwas einfachere
Ausführung erklären liesse.
Charles Avery. Joseph de Levis  Company. Renaissance Bron-
ze-founders in Verona. London 2016. Col. 22 und Col. 23 mit Abbil-
dungen der Kaminböcke im Victoria  Albert Museums London.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
1019
RADIERMESSER
Deutschland, um 1600. Die blattförmige Stahlklinge mit graviertem
Dekor (stark berieben). Leicht geschwungener, gekanteter Griff in
Bein. Metallzwinge. L 28,2 cm.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1020 ♣
RADIERMESSER
Frankreich oder Italien, Ende 16./Anfang 17. Jh. Vergoldete blatt-
förmige Stahlklinge mit graviertem figürlichem Dekor sowie Wap-
penkartusche. Leicht gebogener Elfenbeingriff, am vorderen Ende
beschnitzt mit Blättern und Rillen. L 26,3 cm.
Griff mit Riss.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 13
1021*
BUFFET À DEUX CORPS
Renaissance, Frankreich, wohl Paris, 2. Hälfte 16. Jh. Nussbaum
reich und fein beschnitzt. Rechteckiger, architektonisch geglieder-
ter Korpus mit gesprengtem Giebel auf gekehlter, leicht vorkra-
gender Zarge und späteren Quetschfüssen. Das Oberteil mittig
mit Diana als Aufsatzfigur in Blattvoluten gerahmter Nische. Der
gesprengte Giebel mit Blattvoluten und Rosette beschnitzt. Kas-
settierte Doppeltüren unter Kranzfries, beschnitzt mit Löwenköp-
fen, Palmetten und plastisch gearbeiteten Adlern. Die Ecken mit
Dreiviertelsäulen besetzt. Das leicht vorstehende Unterteil mit
Schublade über Doppeltüren. Die Schublade mit teilplastischem
geflügeltem Engelskopf beschnitzt. Die Türtäfelungen zeigen
Allegorien der vier Jahreszeiten in Flachschnitzarbeit. Die Lisenen
des Unterteils mit vier Reserven, Darstellungen von Schwänen so-
wie Fabelwesen. Ober- und Unterteil mit rechteckigen Reserven in
schwarzem Marmor bzw. Brekzie. Die Seitenwandungen kasset-
tiert. Eisenbeschläge. 1 Schlüssel. 105 x 42 x 201 cm.
Restaurierungen und wenige Ergänzungen. Fehlstellen und Kit-
tungen. Spätere Schlösser.
Die in feiner Flachschnitzerei ausgeführten Dekorationen zeugen
vom Einfluss der Schule Fontainebleau, welche in der ersten
Phase wesentlich von italienischen Künstlern geprägt war. Die
Bezeichnung geht auf eine Gruppe von Künstlern zurück, die vom
Französischen König Franz I. im 16. Jh. angeworben wurde, um die
Ausstattung seines bevorzugten Schlosses Fontainebleau auszu-
führen. Es entwickelte sich eine besondere Spielart des Manieris-
mus. Das Interesse des Königs galt nicht nur der Kunst, sondern
ebenso der Literatur und Wissenschaft. Fontainebleau wurde so
zu einem Zentrum für die Verbreitung der Ideenwelt der Renais-
sance und der Kunst des Manierismus im nördlichen Europa.
Ein Buffet „à deux Corps“ aus der ehemaligen Arconati-Viscon-
ti-Sammlung, welches im Louvre aufbewahrt wird, weist einen
ähnlichen gebrochenen Giebel mit Blattvoluten und Sphinx-Re-
liefs vor (Inv.-Nr. OA 6970). Ein weiterer solcher Schrank aus
der Sammlung Rothschild vom Château de Ferrières zeigt eine
vergleichbare Verwendung der Allegorien von Frühling und Som-
mer mit identischen Schwanen-Medaillons sowie einer mit einem
Putto-Kopf verzierten Schublade (Auktion Sotheby‘s in Monaco,
3. Dezember 1994, Lot 9). Nichtzletzt kann auch das Exemplar
aus der Sammlung des Musée des Arts Décoratifs in Paris als
Vergleichsobjekt herangezogen werden (Inv.-Nr. GR 809).
CHF 35 000 / 50 000
(€ 32 410 / 46 300)
| 14
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1022
VERMEIL-BUCKELPOKAL
Augsburg, 1. H. 17. Jh. Meistermarke Theodor Riederer
oder Tobias Riederer. H 16,4 cm. 180 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 800 / 2 600
(€ 1 670 / 2 410)
1023*
PAAR „FURIETTI“ ZENTAUREN
Italien, wohl Rom, 19. Jh. Nach dem hellenistischen Vorbild eine
Allegorie auf die Jugend und das Alter. Bronze braun patiniert.
Einer ist ein reifer, bärtiger Zentaur, mit einem gequälten Ausdruck
und der andere ist ein junger lächelnder Zentaur, mit seinem Arm
angehoben. Beide Zentauren mit einem reitenden Amor. Montiert
auf maseriert bemalten, gestuften Holzsockel.
H ohne Sockel 34 bzw. 30 cm.
Während der Ausgrabung der Hadrian-Villa in Rom 1736 sollen
von Giuseppe Alessandro Furietti antike Marmor-Zentauren
entdeckt worden sein. Er brachte sie in seinen Palast, um sie nach
jahrelangen Verhandlungen 1765 Papst Clemens XIII zu verkau-
fen, der sie im Capitolinischen Museum ausstellte.
Dieses Zentauren-Motiv erfreute sich höchster Beliebtheit und
wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Grös-
sen und Materialien hergestellt. Ein Paar aus Marmor steht an der
Steinbrücke im Park des Palais Malmaison.
CHF 9 000 / 14 000
(€ 8 330 / 12 960)
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1024
GESCHNITZTER STUHL
Renaissance, Frankreich, zweite Hälfte 16. Jh. Nussbaum
reich geschnitzt mit Mischwesen, Bachanten, Harpyien
als Karyatiden und Zierfriesen. Rechteckiger rand-
moulürierter Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen
Bacchantenstützen und Tatzenfüssen. Portalförmige
ausgeschnittene Rückenlehne mit zwei Wassergreifen
als Aufsatz. Sitz abgeändert, heute mit abnehmbarem
Kissen. 43 x 44 x 93 cm.
Kleinere Ergänzungen und Reparaturen. Gebrauchsspu-
ren. Fehlstellen.
Mit einer Kopie der Expertise von Jaqueline Boccador,
Paris, 10/04/1994.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
1025*
KLEINE PASTIGLIA-KASSETTE
Renaissance, Italien, wohl Ferrara, Anfang16. Jh.
Holzkern mit Reliefdekor in Pastiglia sowie vergoldet.
Umlaufend mit figürlichen Darstellungen mit römischen
Soldaten, wohl der Geschichte von Johannes dem
Täufer. Blätter- und Zierfriesen. Rechteckiger Korpus mit
Klappdeckel mit Knauf (wohl später). 16 x 11 x 10 cm.
Füsse fehlen. Pastigliadekor mit zahlreichen Fehlstellen
sowie teils unvollständig.
Pastiglia ist die Bezeichnung für partiell pastos aufge-
tragene Masse, meist bestehend aus Kreide, gemischt
mit Pigmenten und Bindemitteln. Diese Technik wird
vor allem für die reliefartige Hervorhebung bestimmter
Darstellungen auf Tafelbildern angewandt und war schon
im alten Ägypten bekannt, wo man Mumienbildnisse mit
Pastiglia verzierte. Später fand diese Art der Reliefierung
auch in der byzantinischen Gebiet Verwendung, und ab
dem 12. Jahrhundert in Südeuropa, von wo aus sich die
Pastiglia nach Norden ausbreitete.
Vergleichbare Stücke finden sich im Metropoltan Muse-
um New York (Inventar Nr. 117.190.585) sowie im Musée
nationale de la Renaissance im Chàteau d‘Écouen bei
Paris (Inventar Nr. ECL1750).
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 17
1026*
GROSSE TAPISSERIE AUS EINER ACHTTEILIGEN
FOLGE ÜBER DIE VITA DES MARK AUREL
Atelier von Michiel Wauters (1648 -1679) oder einem seiner
Nachfolger, nach zeichnerischer Vorlage von A. van Diepen-
beeck (Bois-le-Duc 1596-1675 Antwerpen) und P.P. Rubens
(Siegen 1577-1640 Antwerpen), Antwerpen um 1655/70. Aus
der achtteiligen Folge der Vita des Mark Aurel; Schlachtenszene,
der römische Feldherr auf seinem Pferd in der Mitte des Ge-
schehens, umgeben von sich bekämpfenden Soldaten zu Pferd
und am Boden. Aussergewöhnlich breite Bordüre mit zentraler
Wappenkartusche inmitten von Girlanden, grossen Karyatiden mit
Musikinstrumenten und Waffen - dem Frieden und Krieg geweiht
- sowie Putten, Tieren und Füllhörnern. Bordüre seitlich beschnit-
ten. H 405, B 546 cm.
Restauriert, einige Fehlstellen und Reparaturen, etwas ausge-
bleicht.
Provenienz:
Privatsammlung Italien
Die achtteilige Folge der Tapisserien zur Vita des Mark Aurel
umfasst u.A. Die Kaiserkrönung, Die Prozession, Die Pest, Der
Kaiser führt seinen Sohn zu den Philosophen, Der Triumpf
des Mark Aurel und die hier angebotene Schlachtenszene. Da
nach seinem erfolgreichen Feldzug in Syrien und Ägypten in
Rom ein grosser Triumph gefeiert wurde, erscheint die These
naheliegend, dass die hier angebotene Schlachtenszene
auf den vorangegangenen Feldzug Bezug nimmt. Identische
Schlachtenszenen mit anderer Bordüre mit reichem Blumen-
und Blättermuster sind ausgestellt im Museu de Arte Antiga,
Lissabon, im Reiss-Museum, Mannheim sowie im Palazzo
Venezia, Rom.
Es existieren 3 zeichnerische Vorlagen für die hier angebotene
Tapisserie; Im Städtischen Kunstinstitut, Frankfurt a/Main (In-
ventarnr. 3107), in London und in Wien. A. Van Diepenbeeck, seit
1623 als Meister in Antwerpen tätig, begann zunächst mit Hinter-
glasmalerei, um nach 1650 Vorlagen für Tapisserien zu zeichnen:
Die Vita des Nero, Die Vita des Mose, Die Taten der Apostel, Die
Vita der Semiramis sind nur einige davon. Unsere Schlachtensze-
ne erinnert im kompositorischen Aufbau und in der Darstellung
einzelner Figuren sowohl an die Schlacht von Granicha von C.Le
Brun als auch an Gemälde von P.P.Rubens. Selbst der Aufbau der
Bordüre findet sich im Rubenschen Werk wieder; Man erinnere
sich der Folgen aus der griechischen Mythologie und Antike wie
Thetis, das Schild von Hephaestus für Achilles empfangend, oder
Achilles unter den Töchtern des Lycomedes, in welchen nahezu
identische Bordüren mit analoger Struktur zu finden sind. A. van
Diepenbeeck hat diese um 1630 entstandene Idee übernommen
und so die Vorlage für das Atelier Wauters geschaffen, welche
auch als Bordüre für eine Jagd der Diana, verkauft bei Drouot Paris
22.5.1950, Verwendung fand.
Diese Tapisserie ist abgebildet in Guy Delmarcel, La Tapisserie
Flamande als L‘Empereur Marc-Aurèle sur le champ de bataille,
Anvers, atelier de Michiel Wauters d‘après Abraham van Diepen-
ceeck, troisième quart du XVIIème siècle.
Literatur:
- Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande du XVième au XVIIIième
siècle, Tielt 1999; S.258 (mit Abb.)
- M.J. de Mendoça, As tapeçarias da historia de Marco Aurello, in:
Boltim dos Museus Nacionais de Arte Antiga 1, 1936; S. 57-67.
- N. Forti Grazzini, Museo d‘arti applicate - Arazzi, Milano 1984; S.
32-37 (Tafeln 44-56).
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 18
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1027* ♣
INTARSIERTER TISCH
indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander geschnitzt
sowie reich eingelegt mit teils gefärbtem Elfenbein und Holz in
Form von Rollwerk, Grotesken, stilisierten Blüten, Blättern, be-
kröntem Doppeladler und Löwen. Rechteckiges, leicht überste-
hendes Blatt auf gerader vierschübiger Zarge und durch Umlauf-
steg verbundenen konischen Beinen, im oberen Drittel geschnitzt
in Form von betenden Frauenbüsten mit geschweiftem Schwanz,
unten in Form von sitzenden Fantasietieren. 117 x 67 x 84 cm.
Hände einer Frauenbüste fehlen, Profilleisten an Beinen unvoll-
ständig, Reparaturen und Fehlstellen.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
Die geschnitzten Figuren auf den Beinen vergleichbar mit jenen
des Kabinetts im Kommunalen Museum Fugueira da Foz in Portu-
gal, das ins 17. Jh. datiert wird. Ein vergleichbarer Tisch befindet
sich in den Beständen des Museum von Pontevedra in Galizien.
Vgl. Grace Hardendorff Burr, Hispanik Furniture, New York 1964. S.
48 (Abb. 48).
Ein nahezu identischer Tisch wurde am 10. April 2014 verkauft bei
Christie‘s London, Lot 136. (Art of the Islamic and Indian Worlds
Including A Private Collection Donated to Benefit The University
of Oxford).
CHF 10 000 / 18 000
(€ 9 260 / 16 670)
| 20
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1030*
KLEINE ACHAT-DECKELSCHALE/SALIERE
Dresden um 17. Jh. Barock. Wohl Johann Melchior Dinglinger,
Biberach 1664 - 1731 Dresden. Achat in vergoldeter sowie teils
polychrom emailierter Montierung. Ovale, leicht passige Schale,
getragen von einem knienden Nubier mit Federrock und Ohrrin-
gen auf ovalem flachem Sockel mit zwei Schnecken, eine Muschel
ersetzt. Seitliche Henkel in Form von Fabeltieren. Perlmutt-Deckel
mit kleinen Schnecken appliziert, in vergoldeter Fassung. Innen mit
Etikette: Sammlung Hoffenreich 211. 9 x 4,5 x 8,5 cm.
Leichte Dellen. Berieben. Schnecke im Sockel defekt, 1 Schnecke auf
Deckel fehlt.
Johann Melchior Dinglinger, geboren am 3. Dezember 1664, lernte das Gold-
schmiedehandwerk in Ulm. Er kam 1692 als Geselle nach Dresden, wo er 1693 in die
Goldschmiedeinnung aufgenommen wurde. Im Jahr 1698 wurde er zum Hofjuwelier
August des Starken ernannt. Er arbeitete bis zu seinem Tod 1731 in Dresden, war fünfmal
verheiratet und hatte 23 Kinder. Dinglinger gilt als einer der bedeutendsten Goldschmiede
des Barock. Gemeinsam mit 14 Gesellen schuf Dinglinger in seiner Werkstatt prachtvolle
Kunststücke, unter anderem das „Goldene Kaffeezeug“ und den „Hofstaat zu Delhi“ mit
seinen 132 Figuren – ein Hauptwerk der barocken Juwelierkunst. Auch der russi-
sche Zar Peter der Große schätzte die prunkvollen Arbeiten und gab mehrere
Aufträge an den Dresdner Hofjuwelier. Seine Prunkwerke, zum Beispiel „Das
goldene Kaffeezeug“ von 1701 oder das „Bad der Diana“, sind im Grünen
Gewölbe in Dresden erhalten.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1028* ♣
PAAR INTARSIERTE STÜHLE
indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander, Tropen-
holz und teils gefärbtes Elfenbein fein eingelegt in Form von Roll-
werk, stilisierten Blüten und Drachenköpfen. Jonc-Sitz auf durch
Umlaufsteg verbundenen Vierkantbeinen. Gerade Rückenlehne.
Ehemals mit gepolstertem Sitz. 44 x 43 x 106 cm.
Profilleiste an Bein fehlt.
Provenienz:
Privatsammlung Portugal
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
1029
MARIA IM TEMPEL
Renaissance, Italien, Ende 16. Jh./Anfang 17. Jh. Kupfer
getrieben und ziseliert. In geschnitztem und vergoldetem
Holzrahmen, Italien, 17. Jh. Relief:
24 x 18 cm, Rahmen: 45 x 40 cm.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung
CHF 800 / 1 200
(€ 740 / 1 110)
| 21
1031
GROSSER GESCHNITZTER SPIEGEL
MIT WAPPENKARTUSCHE
Barock, Italien, 17. Jh. Holz reich geschnitzt
sowie gefasst und teilvergoldet. Flächiger,
kartuschenförmiger Rahmen, der breite Rand
teils durchbrochen gearbeitet in Form von
Granatäpfeln, Blättern sowie Wappenkartu-
sche unter Ritterhelm und Krone. Das Wappen
dreigeteilt mit Turm und Schwein über drei
fleur de lys. Kleines zentrales Spiegelfeld.
H 210, B 143 cm.
Fehlstellen und alte Restaurationen. Fassung
und Vergoldung teils übergangen. Ritterhelm
und Krone wohl spätere Ergänzungen.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
1032
HALSUHR
Renaissance, Augsburg um 1630. Das Werk gemarkt NS, wohl Nikolaus Schmidt
d.Ä. (1549-ca. 1629). Messing teils durchbrochen gearbeitet und graviert mit
Blumen und Akanthusblättern sowie vergoldet. Oktogonales prismiertes Gehäuse,
der Bodendeckel enthält die Glocke. Silberzifferblatt graviert mit Schlossdarstellung
und römischen Stundenzahlen. Teils vergoldetes Werk mit Spindelgang und Stun-
denschlag auf Glocke. Spätere Plexiglasabdeckung. Vergoldung berieben, Repara-
turen am Werk. Werk eventuell zu revidieren. H 9,5; B 7 cm.
Zifferblatt sowie Lünette später. Räderwerk teils ersetzt.
Nikolaus Schmidt der Ältere wurde 1549 in Wiltz/Luxemburg geboren. 1576 erlang-
te er in Augsburg die Meisterwürde und heiratete die Tochter des renommierten
Uhrmachers Hans Fronmüller. Wann er verstarb ist nicht eindeutig geklärt. Es kann
davon ausgegangen werden, dass er nach 1625, aber vor 1629 verstarb. Sein Sohn,
Nikolaus Schmidt der Jüngere, war ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher. Weltweit
sind von ihm mehrere Uhren in bedeutenden Museen ausgestellt, wie im Metropoli-
tan Museum of Art in New York und im Historischen Museum, Basel.
Nikolaus Schmidt der Ältere ist verzeichnet bei Jürgen Abeler, „Meister der Uhrma-
cherkunst“, 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 503.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 22
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1033
GROSSER SPIEGEL À PARECLOSES
Barock, Venedig, 18./19. Jh. Holz und Stukko vergoldet. Rechteckiger
profilierter Doppelrahmen mit passigem Abschluss. Dekor in Form von
Blumen, Voluten sowie Zierfriesen. Das Spiegelglas graviert mit Blumen,
Gitterwerk und Voluten. Im oberen Feld Venus mit Amor, auf den Seiten-
lisenen römische Köpfe im Profil. H 168, B 113 cm.
Vergoldung teils übergangen. Stukkdekorelemente wohl später. Spie-
gelglas teils korrodiert.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
| 23
1035*
SPIEGEL
Louis XV, Venedig, 18. Jh. Holz reich beschnitzt mit stili-
sierten Blättern, Kartuschen und Voluten sowie vergoldet.
Kartuschenförmiger Rahmen mit verspiegeltem Aufsatz.
H 87 cm. B 49 cm.
Altes Spiegelglas. Alte Reparaturen, Ergänzungen und
Fehlstellen.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 110 / 1 670)
1034 ♣
SCHÖNES SCHMUCKKÄSTCHEN
Portugal oder portugiesische Kolonien 17. Jh.
Ebenholz reich eingelegt mit Bein in Form von
geometrischen Friesen in rechteckigen Reser-
ven. Rechteckiger Korpus, die Front abklappbar
und öffnend auf vier Schubladen auf zwei
Reihen. Metallbeschläge und Verstärkungen.
Eisenhenkel. 25 x 17 x 14 cm.
Fehlende Intarsien. Risse in den Schubladen-
fronten.
CHF 1 000 / 1 200
(€ 930 / 1 110)
| 24
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1036*
PAAR MOHRENFIGUREN
Venedig, 1. Hälfte 18. Jh. Holz voll-
rund geschnitzt sowie gefasst und
teilvergoldet. Stehend mit Federkro-
ne und -schurz. Der eine mit Stab,
der andere mit hohem Leuchter.
H 118 cm.
Fassung übergangen. Stäbe später.
Fehlstellen.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
1037
PIETRA-DURA BILDPLATTE
Böhmen, 17. Jh. Der Werkstatt von Giovanni Castrucci
zuzuweisen. Verschiedenfarbiger böhmischer Jaspis, Achate,
diverse Halbedelsteine und Marmor eingelegt. Zentrale
bastionsförmige Darstellung des Heiligen Hieronymus in
seiner Höhle vor Landschaft mit Dorf, Fischer und Hirsch. In
geschwärztem und gewelltem Holzrahmen mit Innenrahmen,
die passigen Ecken mit Dorfansichten in Pietra-Dura-Tech-
nik. Vier kleine Reserven mit Steinintarsien. Rückseitig Reste
einer Sammlungsetikette sowie in Tinte nummeriert XLII über
Unterstrich 7, der Rahmen mit Sammlungsetikette, Nr. 27.
40 x 52 cm.
Teils fehlende Flammleisten, kleinere Fehlstellen in der Stein-
marketerie. Einige Steinteile etwas herausstehend.
Das vorliegende „Commesso in pietre dure“ oder „Florenti-
ner Mosaik“ erinnert in seiner Komposition und Materialität
an Entwürfe des florentinischen Ateliers Castrucci, welches
unter der Herrschaft Kaiser Rudolf II (1552-1612) höchstqua-
litative Steinwerkarbeiten am Prager Hof produziert. Cosimo
Castrucci, der im Jahre 1592 vom Kaiser höchstpersön-
lich aus Florenz nach Prag abbestellt wird, initiiert als „Ihrer
Majestät Edelsteinschneider“ die Aktivität des Ateliers. Unter
der Leitung seines Sohns, Giovanni Castrucci, wird die Prager
Werkstatt bis in die späten 1620er Jahren parallel zur florenti-
nischen „Galleria dei Lavori“ (Arbeitswerkstatt) weitergeführt
(Vgl. Wolfram Koeppe et al., 2008)
Das Atelier Castrucci entwickelt eine distinkte Variante der
Glyptik, die sich in der technischen Herangehensweise an
Intarsienarbeiten aus Holz orientiert. Die Spezialität der
Castrucci liegt in der Erzielung von malerischen Wirkun-
gen, welche durch die natürliche Maserung und Farbe der
regionalen Steine den Illusionismus der Komposition steigert.
So erstaunt es kaum, dass die Steinmalerei der Castrucci
besonders für Landschaftsdarstellungen taugt. Als Inspira-
tionsquelle und Vorlage für ihre Motive dienen nicht selten
Landschaften flämischer Kupferstecher, welche ebenfalls am
| 26
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Prager Hof für den Kaiser tätig waren (Vgl. Clare Vincent, 1987).
Typisches Merkmal jener Landschaften ist die Dreiteilung der
Komposition in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei der Vor-
dergrund oftmals durch eine Diagonale nach hinten abgegrenzt
ist und als narrative Ebene für Figurenstaffagen fungiert.
Dieses Prinzip herrscht auch auf unserer zentralen Bildplatte vor:
Im Vordergrund, in der unteren linken Ecke, bildet die kniende
Figur des Heiligen Hieronymus als Eremiten mit seinem Attribut,
dem Löwen, eine religiöse Bildebene. Nach hinten öffnet sich eine
profane Fluss- oder Seelandschaft mit zwei Fischer auf einem
Boot, über denen sich eine auf einem Hügel sitzende Felsenkapel-
le erhebt. Eine Fülle von weiteren Details (z. Bsp. der Kardinalshut,
die Kruzifixe, der Altar, der herunterschreitende Hirsch, die zwei
schwimmenden Enten, der heimliche Beobachter mit seinem
Hund, die architektonischen Elemente, usw.) zeugt von höchsten
technischen und künstlerischen Fertigkeiten, welche denen des
Ateliers Castrucci in keiner Weise nachstehen. Die Verwendung
von regionaltypischen Steinen wie dem böhmischen Jaspis deu-
tet ebenfalls auf eine böhmische Produktion aus dem frühen 17.
Jahrhundert hin.
Vergleichbare „commessi“ finden sich heute in den Sammlungen
berühmter musealen Institutionen. Das Kunsthistorische Muse-
um Wien besitzt gleich neun Werke, welche Cosimo bzw. Giovanni
Castrucci sowie deren Werkstatt zugeschrieben werden, wovon
besonders eine Landschaft mit büssender Hl. Maria Magdale-
na grosse Ähnlichkeit zu unserem Werk aufweist (Inv.-Nr. 3006,
Kunstkammer, KHM).
Literatur:
- Clare Vincent, „Prince Karl I of Liechtenstein‘s Pietre Dure Table-
top“, Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, S. 157-178.
- Wolfram Köppe (Hrsg.) und Anna Maria Giusti mit Beiträgen von
Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kap-
pel, Florian Knothe und Ian Wardropper, „Art of the Royal Court:
Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe“, MET Publi-
kation, New York, 2008, S. 29 ff.  S. 219-229.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
| 27
1038* ♣
BOULLE PENDULE AUF SOCKEL
Régence/Louis XV, Paris um 1745. Das Zifferblatt sowie Werk
signiert Le Lievre à Paris (Le Lièvre tätig bis 1784). Geschweiftes
Pendulengehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie
eingelegt mit graviertem Messing in Form von Rankenwerk und
Blumengirlanden. Vergoldeter Bronzedekor in Form von Blättern,
Muscheln, Drachenköpfen. Jupiter in Form eines Putto mit
Adler als Aufsatzfigur. Türbronze mit zwei Putten. Reliefiertes
Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen, arabischen Mi-
nuten- und römischen Stundenzahlen. Werk mit Ankergang und
Halbstundenschlag auf Glocke. Bronzen mit C couronné.
1 Schlüssel. 39 x 20 x 105 cm.
Bronzen neu vergoldet. Fehlstellen an der Marketerie. Rückseiti-
ge Türe verzogen.
CHF 5 000 / 9 000
(€ 4 630 / 8 330)
1039*
FEIN GESCHNITZTER SPIEGEL MIT DEM WAP-
PEN DES FRANZÖSISCHEN KÖNIGSHAUSES
Louis XIV/Régence, Paris um 1720. Holz fein mit Rocail-
len, Blattvoluten, Muscheln, Zierfriesen, Gitterwerk und
Kartuschen beschnitzt sowie vergoldet. Rechteckiger
profilierter Rahmen mit doppelt geschweiftem oberem
Abschluss. Fronton mit dem Wappen des Königs von
Frankreich und Navarra in Kartusche unter Krone, flankiert
von zwei Flügeln sowie gerahmt vom Orden des Heiligen
Geistes und vom Michaelsorden. Die oberen Ecken tragen in
Kartuschen das Monogramm von Louis XIV.
107 x 77 cm.
Vergoldung berieben, kleinere Fehlstellen und Restaurationen.
Späteres Spiegelglas.
Der hier präsentierte Spiegel diente in seinem Ursprung wohl als
Rahmen für ein königliches Portrait. Anlass zu dieser Annahme
geben mehrere vergleichbare Spiegel, welche allesamt als
Bilderrahmen fungierten. Jene Vergleichstücke zeigen
oft eine Kartusche mit den Wappen Frankreichs, was
eindeutig auf eine royale Gebrauchsfunktion hinweist.
Als Beispiel für einen solchen königlichen Rahmen
kann ein Exemplar aus den Sammlungen von Mr. und
Mrs. Wrightsman aus ihrer Residenz in Palm Beach
angeführt werden, der bei Christie‘s New York am 24.
Mai 2000, (Lot 210) verkauft wurde.
Diese Art von Rahmen im neoklassischen Stil
wurde auch noch im zweiten Teil des 18. Jahrhun-
dert hergestellt, wovon insbesondere ein Modell
mit Lilien und Waffentrophäen, präsentiert bei
Daguerre in Paris am 4. November 2011 (Los 130),
zeugt.
Ein weiteres Exponat befindet sich in der Sammlung
des Getty Museum in Malibu (illustriert in G. Wilson und
C. Hess, Zusammenfassender Katalog der europäischen
dekorativen Künste im J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 2001,
S. 59, Katalog Nr. 116).
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 28
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1040
DIE SECKENDORFF‘SCHE KOMMODE
HOCHBEDEUTENDE UND SELTENE BAROCKKOM-
MODE DES FRANCOIS LIEUTAUD (CA.1665-1748)
NACH EINEM ENTWURF VON JEAN BERAIN, AUS
DEM BESITZE DES REICHSGRAFEN CHRISTOPH
FRIEDRICH VON SECKENDORFF-ABERDAR (1679-
1759) DIPLOMAT UND BRANDENBURG-ANSBACHI-
SCHER MINISTER
Frankreich, Paris um 1728/30. Amaranth auf Eichenkorpus
furniert und parkettiert. Längsformatiger Korpus auf vier elegant
geschweiften Beinen und leicht bogenartig ausgeschnittener
Zarge. Randgefasstes und profiliertes Blatt mit eingelasse-
nen Messingfilets und gefriest parkettierter Fläche. Die Front
in zwei Schubladenränge unterteilt. Vier obere, rechteckige
Schubladenfronten und zwei untere Schubladen, bogenförmig
ausgeschnitten, als Rahmung der vergoldeten Bronzemaske.
Sehr feine Handhaben mit Rosettenschmuck und ebenfalls fein
überarbeiteten Schlüssellochzierden. Die Sabots aus Rankenwerk
als Palmetten geformt und gelockt endend. Die Schmalseiten,
gleich der gesamten Front und den Beinen, mit Messingfilets und
dünneren Schattenfilets gerahmt. Die Flächen wiederum mit ge-
friesten Bandmotiven à chevrons parkettiert. Massive Schlösser
mit vergoldeten Abdeckungen. Der Schlüssel mit Wappen des
Reichsgrafen von Seckendorff-Aberdar. 80 x 130 x 65 cm.
Provenienz:
- Wohl durch Carl-Friedrich-Wilhelm, Markgraf von Branden-
burg-Ansbach (1712-1757) um 1730 bei François Lieutaud in
Paris erstanden und später als Geschenk an seinen Minister:
- Reichsgraf Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar (1679-
1759), Diplomat und brandenburg-ansbachischer Minister
- Durch Erbfolge in derselben Adelsfamilie bis:
- Auktion Sotheby’s Zürich, 1. Dezember 1998, Los Nr. 353
- Schweizer Privatbesitz
Die hier angebotene Kommode ist direkt inspiriert vom mittleren
Teil einer Kommode, für die der Entwurf um 1700 von Jean Bérain
gezeichnet und von Mathieu Daigremont gestochen wurde.
Unsere Kommode ist somit sehr nahe verwandt mit der um 1695
zu datierenden Kommode, welche sich in der Wallace Collection in
London findet (Inv. Nr. F 405) und die dem Entwurf Bérains auch in
der Gestaltung der Schmalseiten und der Beine entspricht.
Die Anordnung von sechs Kommodenschüben, verteilt auf drei
Schubladenränge, in der Art wie sie unsere Kommode aufweist,
erinnert an die Entwürfe des André-Charles Boulle, wie wir diese
im Möbelbau an einer Kommode umgesetzt finden, welche sich
in den Sammlungen der Herzöge von Roxburghe befand (Auktion
Christie’s London, 31. Mai 1956, Los Nr. 159). Ebenfalls typisch
für die Arbeiten Boulles ist die Anordnung einer Maske zwischen
zwei Schüben, eingelassen in eine gemuldete Vertiefung, so wie
sie unsere Kommode aufweist und wir sie an zwei Kommoden in
den Sammlungen des Louvre in Paris finden (Inv. Nr. OA 5477 und
OA 5478).
Unsere Kommode entspricht dem gereiften, ästhetischen Emp-
finden im französischen Möbelbau kurz nach der Regierung Louis
XIV und ist also in die Zeit um 1730, in die Régence zu datieren.
Owohl nicht signiert, kann die Seckendorff’sche Kommode, mit
Sicherheit dem Ebenisten François Lieutaud (ca.1665-1748)
Jean Bérain d.Ae. Entwurf für eine Kommode. Paris 1711.
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Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
zugewiesen werden. François Lieutaud wurde um 1665 in eine
Familie von Bildhauern geboren. Nach seiner Ausbildung zum
Tischlermeister, welche Lieutaud in Marseille absolvierte, zog er
zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Paris, wo er sich als Ebe-
nist voll entfalten und eine einzigartige Karriere erleben durfte.
Lieutaud war Grossvater des berühmten Balthazar Lieutaud, der
das Familienunternehmen noch bis zum Ende des 18. Jahrhun-
derts weiterführte.
Der Einfluss von André-Charles Boulle auf das Werk Lieutauds
ist gerade an der Seckendorff -Kommode sehr gut ersichtlich.
Lieutaud fertigte seine Bronzen meist nach eigenen Entwürfen
und Modellen, liess aber auch Bronzen speziell für einen Auftrag
fertigen. Die aussergewöhnliche Fähigkeit, welche Lieutaud in
Bezug auf die Anpassung an verschiedene Modeströmungen be-
sass, zeigt sich besonders auch am Schreibtisch der Grafen Palffy
(Auktion Sotheby’s Monaco, 8. Dezember 1989, Los Nr. 603) und
vor allem am Schreibtisch in Schloss Berchtesgaden (Wittelsba-
cher Ausgleichsfond, Langer 1995, Nr. 73). Beide Schreibtische
sind einem weiteren, etwas früher zu datierenden Schreibmöbel
aus der Sammlung James A. de Rothschild in Waddesdon Manor,
sehr verwandt. Ein wiederum diesem letzteren Schreibmöbel
sehr ähnlicher Schreibtisch, welcher sich im Pariser Kunsthan-
del befand, weist eine Marketerie mit sogenannten Chevrons
(Fischgrätmuster) auf, welche der Oberflächenfurnierung unserer
Kommode entspricht.
Die sich an der Seckendorff’schen Kommode befindlichen Bron-
zen, als herausragendes Zierelement, finden sich an verschiede-
nen Werken Lieutauds wieder, so an einem von Lieutaud gestem-
pelten Bureau plat in der Ansbacher Residenz.
Die Seckendorff’sche Kommode nimmt in der Chronologie der
Stilentwicklung im Werk Lieutauds eine herausragende Rolle ein,
ganz besonders für seine Kommodenmöbel, welche nach 1730
entstanden sind.
Die eigentliche Bedeutung unserer Kommode liegt aber nicht nur
in ihrer ausserordentlichen Stellung, welche sie im französischen
Möbelbau einnimmt, es ist der Einfluss vor allem, den sie in den
Jahren nach 1730 auch auf die deutsche Möbelkunst ausübte, die
nicht unerwähnt bleiben darf.
Die Frage nach der ursprünglichsten Provenienz der Secken-
dorff’schen Kommode stellte sich bereits anlässlich des Verkaufs
der Kommode 1998. Damals war man davon ausgegangen, dass
diese wohl immer in Seckendorff’schem Besitz war. Dr. Christoph
Graf von Pfeil stellte aber in seiner nur ein Jahr nach der Zürcher
Sotheby’s- Auktion erschienen Publikation zu den Möbeln der
Ansbacher Residenz fest, dass die Seckendorff’sche Kommode
von Lieutaud wohl in den Jahren zwischen 1728-30 durch den
Ansbacher Hof und seinen Regenten, Carl-Wilhelm-Friedrich
(regiert 1723-1757) in Paris für die Residenz angekauft wurde
und erst zu späterem Zeitpunkt durch den Markgrafen an seinen
sehr verdienten Minister Reichsgraf Christoph-Friedrich von
Seckendorff-Aberdar als Schenkung überging. Die Reichsfreiher-
ren und Reichsgrafen von Seckendorff bekleideten während des
ganzen 18. Jahrhunderts wichtigste Stellungen in der Markgraf-
schaft Ansbach. Christoph-Friedrich von Seckendorff war unter
Markgräfin Christiane-Charlotte und bis zum Tode ihres Sohnes,
des Markgrafen Carl-Wilhelm-Friedrich Premierminister und
Geheimer Ratspräsident. Durchaus wäre es dem Reichsgrafen
Seckendorff möglich gewesen, über die Verbindungen des mark-
| 31
gräflichen Hofes in Paris direkt
bei Lieutaud kaufen zu können.
Doch ist der Ankauf eines so unge-
heuer teuren Möbels, auch für einen
wohlhabenden fränkischen Adeligen
für die damalige Zeit kaum vorstellbar. Die
Schenkung des Möbels durch den Markgrafen an
seinen verdienten Minister ist deshalb der Schlüssel
zur wirklichen Provenienz des Möbels, das mindes-
tens 250 Jahre in Seckendorff-Besitz verblieb. In die
Zeit der Datierung unseres Möbels, also um circa
1730, fällt auch der Kauf verschiedener Möbel in Paris
durch den Hof in Ansbach, darunter ein erhaltenes
Bureau plat, welches von Lieutaud gestempelt ist und
identische Schlüsselschilder und Sabots aufweist,
wie wir diese an unserer Kommode vorfinden. Der
Ebenist war dem Ansbacher Hof bekannt und so ist
mit allergrösster Sicherheit davon auszugehen, dass
auch unser Möbel in die Reihe dieser Ankäufe bei
Lieutaud fällt. Diese Möbel, insbesondere aber wohl
unsere Kommode, dürften einen wichtigen Einfluss
auf die Möbelproduktion eines der bedeutendsten
deutschen Ebenisten des 18. Jahrhunderts, den Ans-
bacher Hofebenisten Martin Schuhmacher, gehabt
haben. Schuhmacher war 60 Jahre lang, von 1720
bis 1781 Ebenist in Ansbach. Die schlichte aber so
unglaublich elegante Linienführung unser Kommode,
besonders aber deren Furnierung mit der Parketterie
„à chevrons“ wurde von Martin Schuhmacher unmit-
telbar nach Eintreffen der Lieutaud-Möbel aus Paris,
in der Hofwerkstatt umgesetzt, so ganz besonders
eindrücklich am Schreibschrank mit verspiegelten
Türen, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 2. Vorzim-
mer der Markgräfin, Gobelinzimmer, R 14) und am
Kommodenpaar des Meisters
Schuhmacher, Ansbach, um
1730/40 (Residenz Ansbach, 1.
Vorzimmer Gästeappartement,
Monatszimmer, R 23). So gehört denn
kein Möbel so sehr wie die Seckendorff’sche
Kommode in diese bedeutende Reihe von
Möbeln, welche alle untrennbar mit der Ansbacher
Residenz und seines Markgrafen, Carl-Fried-
rich-Wilhlem verbunden sind.
Unser Dank gilt den Herren Dominique Augarde,
Thomas Boller und Jean Nérée Ronfort (†) für die
Katalogisierung bzw. Überarbeitung des Katalog-
textes zu der hier angebotenen Kommode.
Vgl. Dr. Christoph Graf von Pfeil, Die Möbel der Resi-
denz Ansbach, München, 1999, S. 27 mit Abbildung
der Seckendorff’schen Kommode von François
Lieutaud und S. 98 -102 für den Schreibschrank
und das Kommodenpaar von Martin Schuhmacher
für die Residenz Ansbach.
Peter Hughes, The Wallace Collection, Catalogue
of Furniture II, London, 1996, Abb. S. 637 für die
Kommode nach dem Entwurf von Bérain.
Brigitte Langer, Die Möbel der Residenz München,
Die französischen Möbel des 18. Jahrhunderts,
München, 1995.
CHF 150 000 / 250 000
(€ 138 890 / 231 480)
| 32
1043*
PAAR FOH-HUNDE AUF
BRONZEMONTIERUNG
Die türkis glasierten Keramikfiguren China,
Ming-Stil, 19. Jh.; die Bronzesockel, Frank-
reich, 20. Jh. Die beiden Fohhunde auf ton-
nenförmigem Sockel, ehemalige Dachreiter.
Die rechteckige Bronzemontierung mit
Blattfries und auf Tatzenfüssen.
20 x 21,5 x 29 cm.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1041*
GROSSE KASSETTE
Louis XIV, wohl Niederlande um 1700. Palisander und Veil-
chenholz gefriest sowie „en papillon“ eingelegt. Rechteckiger
Korpus mit aufklappbarem Deckel und abklappbarer Front.
Inneneinteilung mit grossem Fach, im Deckel 2 kaschierte
Fächer und 2 nebeneinander liegenden Schubladen. Geheim-
fächer und -schubladen. Feine Bronzebeschläge.
37 x 26 x 23 cm.
CHF 1 200 / 2 200
(€ 1 110 / 2 040)
1042*
KONSOLE
Napoléon III in Anlehnung an den Regence-Stil,
Frankreich, 19. Jh. Holz durchbrochen und
beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen
und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifte,
trapezförmige, profilierte, rot/weisse Marmor-
platte (später) auf durchbrochener, wellig aus-
geschnittener Zarge mit durch Kartuschen-
steg verbundenen Volutenstützen. Wenige
Fehlstellen, Restaurierungen. Ergänzung an der
linken Zarge. 102 x 53 x 83 cm.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 34
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1044*
TAPISSERIE „ALLEGORIE ASIENS“
Napoléon III, Frankreich, nach einer Vorlage
des 18. Jh. Rechteckig. Darstellung des Kai-
sers von China in baldachinartigem Unter-
stand im Beisein von zahlreichen Tieren und
Personen. 232 x 189 cm.
Starke Farben, perfekter Zustand.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
1045
EIN PAAR MOHRENBÜSTEN
Spätbarock, Italien, 19. Jh. Schwarzer,
weisser und polychromer Marmor. Weibliche
bzw. männliche Mohrenbüste mit stilisierter
Rüstung. Auf späterem geschwärztem Holz-
sockel. H 85 cm.
Provenienz
- Aus einer hochbedeutenden europäischen
Privatsammlung.
- Auktion Koller, Dezember 2010, A155 Lot
1026.
- Schweizer Privatbesitz.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
| 35
1046
GROSSER SPIEGEL
Régence, Frankreich um 1720. Holz geschnitzt mit
Blattvoluten, Muscheln, Gitterwerk sowie vergoldet.
Rechteckiger, oben leicht gerundeter profilierter Rah-
men mit Muschelaufsatz und Frauenkopf.
H 207, B 99 cm.
Risse. Vergoldung berieben, Spiegelglas leicht korro-
diert.
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 310 / 3 240)
1047
MESSKELCH
Mülhausen, 1. Hälfte 18. Jh. Meister-
marke wohl Abraham Mayr. Auf ge-
wölbtem, glockenförmigem Fuss. Reich
geschmückt mit Puttiköpfen, Blumen-
bouquets, Muschelwerk und Rocaillen.
Schaft mit doppeltem Nodus. Kuppa
entsprechend. Mit zwei assortierten
Patenen. H 27,3 cm. Zus. ca 765 g.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 6 000
(€ 2 780 / 5 560)
| 36
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1048*
RELIGIEUSE
Louis XIV, Paris um 1680. Das Werk und Zifferblatt signiert
Louis Ourry à Paris (Louis Ourry Meister 1693). Holzge-
häuse mit Schildpatt belegt sowie vergoldete Bronze.
Rechteckiges Gehäuse mit eingezogenem Abschluss,
die Ecken bekrönt von vier geflammten Vasenaufsätzen
sowie mit grosser zentraler Vase. Auf Tatzenfüssen mit
Widderköpfen. Dekor in Form von Lyra, Blättern, Büsten
und Streitwagen mit Pegasus. Reliefiertes und vergoldetes
Messingzifferblatt mit weissen Emailkartuschen für römi-
sche Stunden. Gebläute Zeiger. Werk mit Spindelhemmung
sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zugrepetition mit
Viertelstundenschlag auf 3 Glocken. Aufziehschlüssel.
60 x 33 x 116 cm.
1 Hammer fehlt. Schlagwerk zu überholen. Guter restauri-
erter Zustand. Drei Emailkartuschen restauriert und leicht
verfärbt. Türschlüssel fehlt. Vordere Eckbronzen sowie
Füsse später.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
1049
KOMMODE
Louis XIV/Régence, Paris um 1710/20.
Rosenholz und Palisander gefriest und
eingelegt in Reserven. Rechteckiger
Korpus auf wenig ausgeschnittener
Zarge und Stollenfüssen. Leicht ge-
schwungene Front mit vier Schubladen
auf drei Rängen zwischen mit Messing-
kanneluren versehenen gerundeten
Eckstollen. Die Schubladen unterteilt
durch horizontale Messingkannelu-
ren. Vergoldete Bronzebeschläge in
Form von Maskarons, Blattvoluten und
Rosetten. Wohl assortiertes, Campan
Grand Melange Marmorblatt.
2 Schlüssel. 125 x 62 x 83 cm.
Restauriert. Fehlstellen.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 37
1052*
SPIEGEL „AUX DRAGONS“
Régence, Frankreich um 1720/30. Holz geschnitzt mit Rocaillen,
Muscheln, Blumengirlanden und Blattvoluten sowie grau/braun
gefasst und teilvergoldet. Rechteckiger, passig geschweifter pro-
filierter Rahmen mit kartuschenförmigem Trophäenaufsatz, die
Ecken mit Drachen beschnitzt. H 139, B 70 cm.
Fehlstellen und Retuschen an der Fassung. Vergoldung berieben.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
1051
HENKELSCHALE
Wien, 1737. Meistermarke wohl Andreas Josef Rath. Passig ge-
schweifte Form. Beidseitig Griffe.
L 36 cm. 1005 g. 800er-Silber.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 600 / 1 000
(€ 560 / 930)
1050
1 PAAR ASSORTIERTE DECKELTERRINEN
London 1792. Meistermarke John Edwards III. Und Dublin 1815.
Meistermarke Daniel Egan. Glattwandige Rundform auf drei Mu-
schelfüssen. Beidseitig Henkel. Deckel mit Ringknauf.
D ca. 23,5 cm. Zus. 2745 g. 925er-Silber.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 2 000 / 4 000
(€ 1 850 / 3 700)
| 38
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1053
KABINETTAUFSATZSCHRANK MIT DEM WAPPEN DER
FAMILIE ZUR GILGEN
Barock und später, Luzern, 18. Jh. Nussbaum, Zwetschge, Ahorn,
Maser sowie 11 Pietra-dura-Paneele eingelegt mit feinen Zinnfi-
lets. Kabinettoberteil in architektonischer Form mit durchbrochenem
Balustradenkranz über Kranzschublade auf späteren Quetschfüssen.
Front mit Doppeltüren, gegliedert durch drei freistehende Rundsäulen
mit korinthischen Kapitellen. Öffnend auf reiches Innenleben mit zwölf
Schubladen, gruppiert um eine zentrale Türe sowie gegliedert durch je
zwei korinthische Viertelsäulen und Pilaster (mit Marmoreinlagen). Die
innere zentrale Türe wiederum öffnend auf neun Schubladen, eine
mit Geheimfach. Die ausseren Schubladenfronten sowie
Türe belegt mit Pietra-dura Mosaiken, Darstellung von
Architektur. Das Unterteil (später, unter Verwendung
alter Teile) mit rechteckigem, markant überstehendem
Blatt, eingelegt mit dem Familienwappen zur Gilgen in
Reserve und abgeschrägten vorderen Ecken auf ausge-
schnittenem Konsolenfuss und Sockelplatte. Front mit zwei
bastionsförmig kassettierten Türen zwischen Nischen mit
Muschelabschluss. Ober- sowie Unterteil mit bastionsförmi-
gen Kissen belegt. 3 Schlüssel. 164 x 83 x 172 cm.
Stark restauriert und ergänzt. Kleinere Fehlstellen und Ge-
brauchsspuren.
Der Name Zur Gilgen gehört zu einer Luzerner Patrizierfami-
lie, die vermutlich wegen eines Hausnamens um 1450 ihren
Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen än-
derte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb (Gilg = Li-
lie). Ob Ulrich, der 1315 aus der Gegend von Strassburg nach
Luzern gekommen sein soll, der Stammvater ist, ist fraglich. Der
erste sichere Vertreter der Fam. ist der Tuchhändler und Bücherschrei-
ber Hans Getzenheim aus Trechtingshausen (Kurmainz), der 1428 das Luzerner
Bürgerrecht erwarb. Sein Sohn Hans, Tuchhändler, wurde 1454 Luzerner Grossrat
und 1475 Kleinrat. Im 16. und 17. Jh. sassen die zur Gilgen mit Unterbrüchen in
den Räten, im 18. Jh. mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig.
Sie stellten zwei Schultheissen (u.a. Aurel) und im 19. Jh. zwei Regierungsräte (u.a.
Alois). Bonifaz, Abt von Pfäfers, und Josef (1656-1706), während dessen Amts-
zeit als Abt von St. Urban das dortige Chorgestühl geschaffen wurde, bekleideten
höhere kirchliche Ämter. Melchior erwarb um 1506-10 die Herrschaft Hilfikon und
1514 die Vogtei Sarmenstorf, die bis 1628 in Familienbesitz blieben. Er baute in
Luzern 1507-10 das Haus zur Gilgen mit dem wieder aufgebauten, markanten
Baghardsturm, das nach seinem Tod den Besitzer wechselte und 1571 von Ludwig
zurückgekauft wurde. Aurel stiftete 1681 das Haus und den Turm als Fideikom-
miss, das zu Beginn des 21. Jh. noch bestand. (Angaben: Historisches Lexikon der
Schweiz, Version 17.11.2015)
Die barocke Möbelproduktion in Luzern ist besonders und unterscheidet sich von
derjenigen in Bern, Basel oder Zürich. Auf Grund seiner Lage an den wichtigen
Verbindungen zwischen Norden und Süden machen sich stilistisch speziell die
Einflüsse aus Italien und Deutschland bemerkbar, die sich in oft einfacheren aber
kräftigen Grundformen, reichem geschnitztem Schmuckwerk sowie auwändigen
Intarsienarbeiten manifestieren. Eine aktive adelige Führungsschicht sowie die
römisch-katholische Kirche als Auftragsgeberin führen im 18. Jh. zu einer Blütezeit
des Luzerner Möbels. Das hier angebotene Möbel weist gleich mehrere für Luzer-
ner Mobiliar typische Eigenheiten auf. Nach Italien und Deutschland verweisend,
ist die Verwendung der Pietra-dura-Technik im Inneren des Kabinetts. Ein Schreib-
schrank von Ferdinand Plitzner mit ganz ähnlichen Pietra-Dura-Einlagen von 1710
befindet sich in Schloss Wiesentheid. Als Herstellungsort der Pietra-Dura-Arbeit
wird Augsburg oder Böhmen angegeben (Heinrich Kreisel und Georg Himmelhe-
ber. Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 2. München 1983. Nr. 186.)
Literatur mit Abbildung:
Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät-
renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 84, Nr. 25.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 40
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Wappen der Luzerner Familie Zur Gilgen
| 41
1055
VERMEIL TABATIERE
18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer reliefierten Dar-
stellung des Peleus, der Cheiron seinen Sohn Achilles anvertraut,
umgeben von Voluten und Rocaillen. 9,4×4,7×2,2 cm. 90 g.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 250 / 350
(€ 230 / 320)
1054
GROSSE BOULLE PENDULE AUF SOCKEL
Régence/Louis XV, Frankreich, Paris, um 1730/40. Das
Zifferblatt signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert
Bunon). Geschweiftes Gehäuse belegt mit braunem
Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in
Form von Blumen und Ranken. Eingezogener Amo-
raufsatz. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von
Drachenköpfen, Fabeltieren, Maskaron und Blättern.
Türzierde in Form eines Cello spielenden Jungen.
Reliefiertes Zifferblatt mit Emailkartuschen für die
römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern.
Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf
Glocke. 1 Schlüssel. 50 x 25 x 111 cm.
Vergoldung berieben. Werk zu überholen. Marketerie
restauriert. Risse und Ausbrüche im Email.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
| 42
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1056
BOULLE-PENDULE AUF SOCKEL
Régence, Paris um 1720. Das Werk und Ziffer-
blatt signiert CH. LE ROY À PARIS. Charles Le Roy,
Meister 1733. Geschweiftes Holzgehäuse mit
Boulle und Contre-Boulle Marketerie in gefärbtem
Schildpatt, Messing, Horn und Perlmutt in Form
von Ranken, Blumen und Rosetten. Reiche Bronze-
beschläge in Form von Delphinen, Espagnoletten,
Maskaron, Engelsköpfen etc. sowie Putto als
Aufsatz. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen
Emailkartuschen. Werk mit Spindelgang und
Halbstundenschlag auf Glocke. Der Sockel aus der
selben Zeit weist in der Marketerie unterschied-
liche Farben auf, evtl. ersetzt. Gehäuse etwas zu
überholen. 49 x 24 x 124 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1057
VERMEIL TABATIERE
Wohl Paris, Ende 18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer relie-
fierten Darstellung zwischen Voluten und Rocaillen. 7×5×1,8 cm. 95 g.
Provenienz:
Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung.
CHF 250 / 350
(€ 230 / 320)
| 43
1059*
KOPPCHEN UND EINE UNTERSCHALE MIT
CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-25. Bemalung in der Werkstatt von
Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler.
Chinoiserieszenen in Vierpasskartuschen in Gold mit Laub-
und Bandelwerk in Eisenrot. Am Rand Goldspitzenbordüren.
Im Fond des Koppchens eine chinesische Gartenlandschaft
in eisenroter Doppelringbordüre. Goldmarke Doppelpunkt
auf dem Koppchen, 72. auf der Unterschale.
D 7,4 cm. 12,8 cm.
Minime Randbestossung.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
1058
TELLER MIT SELADON-
GRÜNEM FOND UND KAUF-
FAHRTEISZENEN
Meissen, um 1730. Seladonfar-
bener Fond mit einer vielfach
gebogten Reserve im Spiegel
bemalt mit drei indianischen
Blumenzweigen um einen Schmet-
terling im Zentrum. Auf der Fahne
drei passige Kauffahrteiszenen
wohl von Friedrich Christian Herold,
gold gerändert. Unterglasurblaue
Schwertermarke. D 23,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Ein Vergleichsstück in der Samm-
lung Erich von Goldschmidt-Roth-
schild, Christie‘s Geneva, 9.5.1988,
Lot 122 (ohne Abb.).
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 44
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1060
ZWEI SELTENE DECKELSCHALEN MIT SELADON-
GRÜNEM FOND
Meissen, um 1730. Für das Japanische Palais in Dresden mit der
Johanneumsnummer „N=196. w”. Runde Form, der Deckelknauf
in Form Kaninchens in Gold. Seladongrüner Fond mit goldgerän-
derten Vierpasskartuschen und ostasiatischer Blumenmalerei.
Eine Schale mit unterglasurblauer Schwertermarke, die andere
mit emailfarbenen Schwertern in Purpur. Johanneumsnummern
„N=196. w” eingeritzt und geschwärzt auf allen vier Teilen. Ritzzei-
chen / im Standring einer Terrine. H 10,5 cm. D 13,4 cm.
Deckel und Schale einer Terrine leicht bestossen.
Provenienz:
- Königlich–Sächsische Sammlungen, Japanisches Palais Dres-
den.
- Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Versteige-
rung Ball  Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
- Schweizer Privatsammlung.
Unter den Lieferungen ab 1732 für das geplante Japanische Palais
für August den Starken, befand sich auch eine grosse Anzahl
von seladon-glasierter Ware mit indianischen Blumendekoren.
Höroldt hatte auf Initiative der Manufakturdirektion ab 1726 neue
Fondfarben entwickelt, darunter Meergrün, auch Celadon oder
Seladon genannt.
Auf der Liste von 1736 mit der Lieferung vom Dresdener Waren-
lager an das Japanische Palais findet sich auch folgender Eintrag:
„38 St. grünglasurte kleine Suppenschalen ohne Henckel” (Boltz ,
Keramos 153/1996, S. 96).
Die Pläne für die Neueinrichtung des Japanischen Palais im
Obergeschoss war dem Meissener Porzellan vorbehalten, wobei
für jeden Raum Porzellan in einer anderen Farbigkeit vorgesehen
war. Seladongrüne Vasen und Geschirre wurden für das südwest-
liche Eckkabinett eingeplant. Einer im November 1733 in Meissen
aufgegebene umfangreichen Bestellung für das Japanische Palais
ist zu entnehmen, dass in den bunten Fonds der Porzellane, Gold
eingefasste Reserven ausgespart werden sollten, die nur mit „we-
nige Malerei” zu füllen seien. (Julia Weber, Meissener Porzellane
mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München 2013, Bd. I,
S.63 und Bd. II, S. 403-405).
Nach vorzeitiger Beendigung der Neueinrichtung des Palais,
fanden 1769 auch folgende Objekte Eingang in das Inventar des
Turmzimmers der Dresdener Residenz und wurden unter Nr. 196
wie folgt aufgelistet: „Sechzehen Stück celadon Couleur glassurte
Suppen-Schaalen mit Deckeln, worauf kleine Caningen sitzen,
und weißen Schildern mit goldnen Rändgen eingefaßt, worinnen
Blümgen gemahlt, jede 4½. Zoll hoch, 5½. ? Zoll in Diam:“ (Claus
Boltz, Keramos 1996, S. 80).
Vergleichsstücke: Auktion Christie‘s London, 28.3.1977, Lot 39
(Sammlung Maurice de Rothschild); Düsseldorf Hetjens Museum
1997, Ausst.-Kat. Frühes Meissener Porzellan, S. 52 Nr. 28; Auktion
Bonhams London, 15.5.2011, Lot 175.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Ver-
steigerung Ball  Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
Vergoldung berieben, ein Koppchen mit Haarriss.
Provenienz:
Aus altem Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 4 000
(€ 2 780 / 3 700)
1061
SECHS KOPPCHEN UND UNTERSCHALEN
MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723–24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Jedes Stück mit
Chinesen beim Müssiggang, Fischen und bei der Teezubereitung,
in vierpassigen Goldkartuschen mit braunem Lüster und Laub-
und Bandelwerk in Eisenrot und Purpur. Im Fond der Koppchen
eine Gartenlandschaft in einer eisenroten Doppelringbordüre. Am
Rand Goldspitzenbordüren. Auf der Rückseite eisenrote Ringbor-
düren. Goldmarke K. H 4,2 cm. D 12,2 cm.
1062
UNTERTASSE MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt. Bemalt mit einem Chinesen, Wasser aus
einem Trog schöpfend, in einer vierpassigen Goldkartusche
mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Der Rand mit
Goldspitzenbordüre. Emailblaue Schwertermarke, Ritzzeichen /.
D 13,5 cm.
Vergoldung der Kartusche teilweise berieben.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 500 / 700
(€ 460 / 650)
| 46
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1063
KUMME MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Bemalt mit Chi-
noiserieszenen auf Grasstreifen in Goldkartuschen mit Laub- und
Bandeldekor in Eisenrot. Seitliche indianische Blumenzweige und
Goldspitzenbordüren. Goldmarke K. D 17,5 cm.
Kleine Bestossung am Standring, Vergoldung minim berieben.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1064
HENKELBECHER MIT CHINOISERIEDEKOR
Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann
Gregorius Höroldt. Die Henkel vergoldet. Auf einer Seite mit
einem heimkehrenden Krieger begrüsst von einem Kind und sei-
nem Diener, auf der Rückseite mit einem Chinesen bei der Heim-
kehr zu seiner Frau, in vierpassigen Goldkartuschen mit Laub- und
Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Am Rand Goldgitterbordüre.
Emailblaue Schwertermarke und Goldziffer 8. H 8 cm.
Vergoldung berieben, Randbestossung.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 500 / 700
(€ 460 / 650)
| 47
1065
INTERESSANTE BODENSTANDUHR MIT DATUM
UND SEKUNDE, ZEITGLEICHE SOWIE EWIGEM
KALENDER
Régence, Paris um 1730/40. Das Zifferblatt und Werk signiert
Ageron à Paris. François Ageron, Meister 1741. Rosenholz, Veil-
chenholz und Satinholz eingelegt à la reine sowie in Reserven.
Mehrfach eingezogenes und geschweiftes Gehäuse auf geradem
Sockel. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachen, Rocail-
len, Muscheln, Schnecken und Blättern. Gravierter versilberter Zif-
ferring mit römischen Stundenzahlen sowie arabischen für Datum
und Sekunden um vergoldetes Zentrum. Verstellbarer äusserer
versilberter Ring mit Monaten, Sekunden und Datum für einen
manuellen ewigen Kalender. Vergoldete durchbrochene Minuten-
und Stundenzeiger sowie gebläute Datum- und Sekundenzeiger.
Werk mit Grahamhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke.
Zeitgleiche (equation du temps). 2 Eisengewichte. 1 Schlüssel.
54 x 30 x 202 cm.
Gehäuse restauriert. Risse und Fehlstellen in Marketerie. Bruch in
Bronzeapplikation. Geringer Teil des Werkes entfernt, wohl Arre-
tierung des Gehwerks.
François Ageron war ein brillanter Uhrmacher und bekannt für
seine qualitativ hochstehenden, meist komplizierten Werke. Das
einzigartige Werk der hier angebotenen Standuhr verfügt über
einen manuell nachführbaren ewigen Kalender, der in der Funkti-
onsweise an ein Astrolabium erinnert.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 630 / 7 410)
| 48
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1066*
BEDEUTENDE UND FEIN GESCHNITZTE KONSOLE
„AUX DRAGONS“
Régence, Nordfrankreich oder Deutschland um 1725/30. Holz
reich geschnitzt mit Rocaillen, Blumen, Blättern und Gitter-
werk sowie vergoldet. Trapezförmiges, passig geschweiftes
und randmoulüriertes rot/weisses Marmorblatt auf geschweift
ausgeschnittener, durchbrochener Zarge mit Jagdattributen. Auf
markant geschweiften Beinen, umschlungen von Drachen sowie
verbunden durch einen breiten Steg mit Darstellung eines Jagd-
hundes mit Schwan. 143 x 66 x 44 cm.
Fehlstellen und Reparaturen, Ergänzungen.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 49
1067 ♣
BOULLEPENDULE AUF SOCKEL
Louis XV, Bern um 1750. Geschweiftes Holzgehäuse belegt mit
braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt in teils graviertem
Messing in Form von Blütenzweigen und Ranken. Reiche Bron-
zebeschläge in Form von Blattvoluten, Rocaillen und Blumen.
Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen.
Berner Werk mit Ankergang, Dreiviertel-Stundenschlag auf
zwei Glocken. 43 x 22 x 112 cm.
Zentrale Emailkartusche mit Rissen und Ausbrüchen. Geringe
Fehlstellen an der Marketerie. Gravierung berieben. Zugrepeti-
tion ausgebaut.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 700 / 6 480)
1068
GRÜNE HORNPENDULE AUF SOCKEL
Louis XV, Paris, 2. Hälfte 18. Jh. Das Zifferblatt und Werk signiert
Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäu-
se belegt mit grün gefärbtem Horn. Reiche vergoldete Bronzebe-
schläge in Form von Muscheln, Rocaillen und Blattvoluten. Aufsatz
in Form eines Kranichs mit Rocaillen und Blumen. Türbronze in
Form einer geharnischten Frau zwischen zwei geschlagenen Tür-
ken. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit Emailkartuschen, römische
Stunden- und arabische Minutenziffern. Schlichte Zeiger. Werk
mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel.
45 x 25 x 122 cm.
Vergoldung berieben. Horn restauriert und etwas zu überholen.
Werk zu revidieren.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 50
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1069*
KONSOLE „AUX DRAGONS“
Louis XV, Franken oder Potsdam um 1740. Holz fein und präg-
nant geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie
vergoldet. Trapezförmiges, dreiseitig geschweiftes rot/grau
gesprenkeltes, randmoulüriertes Marmorblatt auf geschweif-
ter, durchbrochener Zarge und durch Rocaillen verbundenen
Volutenbeinen, beschnitzt mit vollplastischen Drachenfiguren.
100 x 48 x 83 cm.
Marmorblatt repariert. Fehlstellen an der Vergoldung.
Die äusserst kraftvolle und lebhafte Schnitzerei dieser Konsole
sprechen für einen bildhauerisch geübten Ebenisten.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 51
1070
TASSE UND UNTERTASSE MIT
„WACHTELDEKOR”
Meissen, um 1738-40. Becherform mit J-Hen-
kel. Pupurfond mit Vierpassreserve, darin im Ka-
kiemonstil zwei Wachteln zwischen blühenden
Prunusstauden. Ränder vergoldet und gerän-
dert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermar-
ke, Tasse mit Formernummer 24 eingepresst.
H 7 cm. D 13 cm.
Fussrand bestossen.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1071*
SERIE VON 23 TELLERN UND
EINE SCHALE „GELBER LÖWE“
MEISSEN, um 1740-50. Modell von
Johann Friedrich Eberlein. Nach einem
ostasiatischen Vorbild. Neubranden-
stein-Relief mit Goldbordüren. Untergla-
surblaue Schwertermarke und diverse
Pressnummern. D Teller 23 cm.
D Schale 24, 7 cm.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung.
Der gelbe Löwe gehört zu den Dekoren,
die der französische Kaufmann Lemaire
für den Verkauf als asiatisches Porzellan
in Frankreich, zwischen 1729 bis 1730, in
Meissen in Auftrag gegeben hatte. Die
Sammlung Schneider in Lustheim besitzt
eine grössere Anzahl von Geschirrtei-
len (J. Weber, Meissener Porzellane mit
Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern,
2013, Bd. II, S. 265–289).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1072
SELTENE TEEKANNE
Meissen, um 1730. Chinoiserien in der
Werkstatt von Johann Ehrenfried Stadler. Die
fünfpassige Kürbisform mit Pupurfond, in den
braun-geränderten Vierpassreserven
je ein Chinese mit Schmetterling
und mit Sonnenschirm an einer
Staude mit indianischen Blumen.
Der passig modellierte Deckel
mit vier Reserven von indianischer
Blumenmalerei. Ränder vergoldet. Dre-
herzeichen für Elias Grund und Spuren einer
unterglasurblauen Schwertermarke. H 13 cm.
Henkel am Ansatz repariert, minime Bestos-
sung am Ausguss und Innenrändern.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
Vergleichbare Form, mit erbsgrünem Fond
und mit indianischen Blumen bemalt, in der
Sammlung Dr. Ernst Schneider in Schloss
Lustheim (Julia Weber, Meissener Porzellane
mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern,
München, 2013, S. 414).
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
1073
LÖFFELSCHÄLCHEN MIT „WACHTELDEKOR”
Meissen, um 1738-40. Quadratische Form mit abgeflachten
Ecken, Purpurfond bemalt mit einem Paar Wachteln zwischen
blühenden Prunusstauden im Kakiemonstil, gerändert in Braun.
Unterglasurblaue Schwertermarke, Formernummer 66 einge-
presst im Standring. 15,2 × 14,8 cm.
Minime Randbestossung.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
1074
PLATTE MIT „BIENENMUSTER”
Meissen, Mitte 18. Jh. Runde Form mit gewelltem Rand und
Altozier-Relief. Bemalt mit indianischen Blumen und Schmet-
terlingen auf einem Grasstreifen. Unterglasurblaue Schwerter-
marke, Pressnummer 21. D 28,3 cm.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 400 / 600
(€ 370 / 560)
| 53
1075*
GROSSE TAPISSERIE
„ALLEGORIE DES FRÜHLINGS“
Bruxelles, wohl nach Entwürfen von Lodewijk van Schoor,
Anfang 18. Jh. Wolle und Seide. Darstellung der Flora mit
Gefolge in einer Palastarchitektur mit Ausblick in einen Park
mit feierndem Volk. Blätterbordüre. Restaurierungen mit
1076
KLEINES BUREAUPLAT
Louis XV, Frankreich um 1750. Palisander
gefriest und eingelegt in passigen Reserven.
Rechteckiges, in Messingstab gefasstes Blatt
mit brauner, goldgeprägter Lederauflage auf
wenig geschweifter Zarge mit drei Schubla-
den, die mittlere etwas zurückversetzt. Auf
der Rückseite gleiche, jedoch blinde Eintei-
lung. Auf geschweiften Beinen mit Sabots.
Bronzebeschläge in Form von Blättern und
Rocaillen. 1 Schlüssel. 131 x 66 x 76 cm.
Restauriert. Leder fleckig.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
aufgenähter Etikette „DE WIT Royal Manufacturers Belgium
2014“. ca. 311 x 459 cm.
Eine ähnliche allerdings kleinere Tapisserie wurde bei Chris-
tie‘s New York, Auktion 19.10.2011 verkauft - Lot Nr. 217.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
| 54
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1077
DECKELTERRINE
Meissen, um 1745. Ovale Form mit Sulkow-
ski-Relief und seitlichen Blatthenkeln mit
Maskaron. Bemalt mit feinen Landschafts-,
Kauffahrtei- und Jagdszenen, darunter eine
Elbansicht mit der Stadtkulisse von Dresden,
in Goldgitterkartuschen mit Laub- und Ban-
delwerk in Purpur und Eisenrot. Dazwischen
indianische Blumen. Blaue Schwertermarke
auf dem unglasierten Boden, Pressnummer
25. H 27,5 cm. L 23,5 cm.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 55
1078*
DECKELTERRINE
Meissen, um 1750. Die runde Form mit
Neuozierrelief, bemalt mit feinen Vogelvignet-
ten und verstreuten Insekten. Die seitlichen
Blatthenkel gehöht in Gold und mit Gemüse
appliziert. Der Deckel mit einem plastischen
Stilleben aus Hummer, Bohnen, Pilzen, Spargel,
Kohl und Erdbeeren auf den Rocailleknauf
appliziert. Unterglasurblaue Schwertermarke.
D 20 cm.
Deckelrand restauriert.
Provenienz:
Italienische Privatsammlung
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
1079
MILCHKÄNNCHEN MIT
ORNITHOLOGISCHEM DEKOR
Meissen, um 1750. Mit rocaillemodelliertem
Ausguss und Henkel gehöht in Gold, bemalt
mit feiner Vogelmalerei und verstreuten
Insekten. Der flache Deckel mit Insektenma-
lerei und Knospenknauf. Unterglasurblaue
Schwertermarke. H 13,5 cm.
Ausguss mit kleiner Bestossung, Vergoldung
leicht berieben.
Provenienz:
Basler Privatsammlung.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
| 56
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1080
SELTENES MODELL EINES EISVOGELS
Meissen, um 1735–39. Modell von Johann Joachim Kändler für
das Japanische Palais in Dresden. Auf einem hohen Felsso-
ckel mit Moos, Blättern und seegrünem Schilf appliziert. Sein
Gefieder staffiert in Grün mit hell geschuppter Partie an Kopf
und Rumpf, die Flügel gehöht in Schwarz und Blau, der Bauch
schraffiert in Braun, die Krallen in Eisenrot. Ohne Marke. Spuren
einer handschriftlichen Inventarnummer in Schwarz auf der
Unterseite. H 23 cm.
Ergänzter Schnabel geklebt, Blätter am Fels zum Teil restauriert
und ergänzt, Blätter und Schilf zum Teil bestossen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
In der Galerie des Japanischen Palais, dessen Umgestaltung
1730 durch August den Starken (1670–1733) in Auftrag ge-
geben wurde, sollte die berühmte Meissener Menagerie mit
lebensgrossen Tierplastiken präsentiert werden.
Es sind nur wenige kleinere Modelle, wie die des Eisvogels, den
man auf einer Arbeitsliste von 1735 für das Japanische Palais
findet: „12. Ein Eis Vogel poussiret Wie er auf einem kleinen
Stein Klipgen sitzet daran etwas Blätter Werk gewachsen ist“.
Von diesem seltenen Vogelmodell wurden 1736 nur vier
Exemplare an das Japanische Palais ausgeliefert. Im Inventar
von 1770 finden sich nur noch zwei Exemplare (Johanneums-
nummer N=353-w), welche nach und nach aus dem Inventar
gelöscht wurden mit dem Vermerk ‚sind beim Putzen zerbro-
chen worden‘ (Samuel Wittwer, Die Galerie der Meissener Tiere.
Die Menagerie August des Starken für das Japanische Palais in
Dresden, München, 2006, S. 318).
Vergleichsstücke: Metropolitan Museum New York, Collection
Mr and Mrs Charles Wrightsman (1976.155.122); Collection Sir
Gawaine  Lady Baillie, Auktion Sotheby‘s London, 1.5. 2013,
Lot 11.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
1081
MODELL EINES PAPAGEIS
Meissen, um 1738–45. Modell von Johann Joachim
Kändler. Auf einem Baumstumpf mit Blättern und
einer Blüte appliziert. Das schraffierte Gefieder
staffiert in Grün und Gelb, die Spitzen der Flügel und
Schwanzfeder in Blau. Ohne Marke. H 14,2 cm.
Schnabel mit Restaurierung, Flügel und Schwanzfe-
dern mit Ergänzungen.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Vergleichsstücke: Rainer Rückert, Meissener Porzel-
lan, München 1966, S. 266 Nr. 1083 und 1084; Yvonne
Hackenbroch, Irwin Untermyer Collection, New York,
Taf. 5; Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Roth-
schild (Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 145, 146).
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 390 / 2 310)
| 57
1082
PAAR GESCHNITZTE UND GEFASSTE BEISTELL­
TISCHE MIT CHINESISCHEN LACKPANEELEN
Rokoko, Deutschland um 1740/50. Die Lackpaneele China, 18.
Jh. Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Rocaillen und Blät-
tern, schwarz gefasst sowie teils vergoldet. Rechteckiges Blatt in
chinesischer Lackarbeit mit Darstellung von Fischern auf Booten.
Erhöhter gekehlter Rand in europäischem Vernis. Die wellig
ausgeschnittene Zarge mit markanten Rocaillen und Blattvoluten
geschnitzt und auf markant geschweiften Beinen mit Volutenfüs-
sen. Auf der Zargenunterseite Inventarstempel: Staatliche Kunst-
sammlung Schloss Pillnitz 264 bzw. 265 sowie Inventarnummern
in Schwarz DA.10.22 bzw. 23; Inventarnummern in Weiss 49349
bzw. 49350; einer mit Inventaretikette Dahlen 23. 86 x 59 x 79 cm.
Blatt und Fuss eventuell arrangiert, die schwarze Fassung des
Gestells wohl später. Fehlstellen.
Provenienz:
- Reichsgraf Heinrich von Bünau, Schloss Dahlen, Sachsen.
- Staatliche Kunstsammlung Schloss Pillnitz.
- Gekauft bei Aveline Paris, Dezember 2000.
- Schweizer Privatbesitz.
Die kraftvolle und prägnante Schnitzerei deutet auf einen Herstel-
ler hin, der auch über grosse bildhauerische Fähigkeiten verfügte,
wie etwa Johann August Nahl, tätig am Hof von Friedrich dem
Grossen zwischen 1740 und 1745. Das Motiv der Rocaille mit
Flügel ist typisch für diesen Bildschnitzer, der zwischenzeitlich
in Bern tätig war und dort Schnitzdekorationen an der Orgel im
Berner Münster fertigte. Vgl. Hermann von Fischer: Fonck à Bern,
Bern 2001, S. 220 (mit Abb. 398) für die Merkmale der Arbeiten
von Nahl.
Die Inventarnummern DA.10.22 und 23 verweisen das von 1744
bis 1751von Heinrich von Bünau errichtet Schloss Dahlen wurde.
Die beiden Stücke sind in der Schlossbergungsliste aus dem Jahr
unter diesen Nummern verzeichnet.
Heinrich von Bünau, der Sohn des gleichnamigen kursächsischen
Kanzlers, wurde am 2. Juni 1697 in Weißenfels geboren. Nach dem
Jurastudium an der Universität Leipzig arbeitete er als Beisitzer
des dortigen Obergerichtshofs und wurde 1730 Wirklicher Gehei-
mer Rat. Bünau setzte sich für die Rechte der Stände ein, weshalb
Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) den unbequemen Grafen
1734 ins entfernte Eisleben entsandte. Dort leitete er die Verwal-
tung der Grafschaft Mansfeld. Ab 1740 war Bünau als Gesandter
Kursachsens in Mainz tätig, 1742 erhob ihn Kaiser Karl VII. in den
Reichsgrafenstand.
Bünau kehrte 1745 nach Dresden zurück, wo er erneut für die
ständischen Rechte eintrat und seine wissenschaftliche Arbeit
fortsetzte.
Nach dem endgültigen Bruch mit dem Premierminister Heinrich
Graf von Brühl folgte Bünau 1751 dem Ruf des Herzogs von Sach-
sen-Gotha-Altenburg als Statthalter nach Eisenach.
Bei der Ausstattung von Schloss Dahlen orientierte sich Graf von
Bünau am Prunk und Glanz des Dresdner Hofes.
Im Jahre 1335 ist Schloss Pillnitz erstmals als Herrensitz und
Rittergut erwähnt. Kurfürst Johann Georg IV erhält 1694 das Pill-
nitzer Anwesen im Tausch gegen Schloss und Amt Lichtenwalde.
Als der Kurfürst kurz darauf stirbt gehen Schloss und Park Pillnitz
in den Besitz von dessen Bruder Friedrich August, auch bekannt
unter dem Namen August der Starke, über. 1706 überlässt
Friedrich August das Anwesen seiner Mätresse Anna Constanta
von Cosel, welche es von 1713 bis 1715 bewohnt. Nachdem sie
jedoch in Ungnade fiel, übernahm August der Starke wieder das
lustvolle Leben in Schloss Pillnitz und der Schlossanlage. Nebst
den üblichen Lustbarkeiten und Festen wurde das Anwesen
für grosse Hochzeiten benutzt. So im Jahre 1719 als Kurprinz
Friedrich August und Maria Josepha, Tochter des Kaiser Joseph I,
heirateten. Spätere Anbauten wie der Wasser- und Bergpalais, die
Schlosskirche Zum Heiligen Geist sowie der Chinesische Garten
umrahmten das Anwesen. Ein Brand im Mai 1818 zerstörte jedoch
das alte Renaissanceschloss sowie den benachbarten Venustem-
pel und bis 1830 wurden darauf das Neue Palais im klassizisti-
schen Stil sowie ein gusseisernes Gewächshaus, das Palmenhaus,
errichtet. Dieses neue Schloss mit Park Pillnitz wurden danach als
Sommerresidenz für das sächsische Königshaus genutzt.
Eine direkte Verbindung zwischen Schloss Dahlen und Schloss
Pillnitz konnten wir nicht herausarbeiten.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
| 58
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
| 59
1084*
KOMMODE „À FLEURS“
Transition, Paris um 1760. Signiert G. Jansen
sowie mit Innungsstempel. Georges Jansen,
Meister 1767. Rosenholz, Veilchenholz, Amarant
sowie diverse teils getönte Hölzer eingelegt in
Form von Blumen und geometrischen Reserven.
Leicht trapezförmiger, dreiseitig geschweifter
Korpus auf ausgeschnittener Zarge mit ge-
schweiften Beinen. Front mit zwei Schubladen
ohne Traverse. Bronzebeschläge. Zentralver-
schluss. Beige/rotes Brekzieblatt. 1 Schlüssel.
67 x 43 x 81 cm.
Restauriert, grössere Partien des Furniers er-
setzt. Boden ersetzt.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
1083
GROSSER ROKOKO KAMINSPIEGEL
wohl Bern um 1750/55. Holz geschnitzt, durchbrochen
gearbeitet sowie vergoldet. Rechteckiger moulürierter
Rahmen mit durchbrochenem Rocaillenaufsatz. Die
unteren Ecken mit Rocaillen und Voluten verziert.
Altes Spiegelglas. 88 x 144 cm.
Fehlstellen an der Vergoldung. Reparaturen.
Provenienz:
Alter Schweizer Privatbesitz
Die sich leicht auflösende Rocaille erinnert an Arbeiten
von Johann August Nahl und dessen Einfluss auf die
Werkstatt Funk.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 60
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1085*
HAUSMALER WALZENKRUG
Meissen, um 1730-35. Die Bemalung möglicherweise von
Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau. Mit Bandhenkel und
blattförmigem Abschluss, über „C.P.S.” Monogramm in Gold.
Dargestellt eine hügelige Landschaft mit einer Stadtansicht in
der Ferne. Diana gemeinsam mit ihren Gefährtinnen beim Bade.
Verborgen hinter einem Baum Aktaion mit seinen Jagdhunden, zu
seiner Rechten eine ahnungslose Nymphe. Ohne Marke und ohne
Punzen. H 16,6 cm.
Provenienz:
Privatbesitz, Paris.
In der Mythologie wird Aktaion, der beim Umherstreifen durch die
heimatlichen böotischen Wälder die Jagd- und Mondgöttin Diana
beim Bade mit ihren Nymphen heimlich beobachtet, in einen
Hirsch verwandelt und schliesslich von seinen eigenen Hunden
zerrissen. Er soll sich nicht rühmen können, die jungfräuliche Göt-
tin nackt gesehen zu haben. Die häufigste Darstellung beschreibt
den Moment, in dem Aktaion in einen Hirsch verwandelt wird, sel-
tener sieht man die Szene, die den Moment kurz vor seiner Ver-
wandlung beschreibt. Es soll ein Versuch sein, diese interessante
Malerei dem Werk eines bekannten Hausmalers zuzuschreiben.
Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau (1692-1764), ein Schü-
ler Bottengrubers, wird von Gustav Pazaurek als adeliger Amateur
unter den Porzellan- und Emailmalern beschrieben. Obwohl er
als Amateur galt, der jedoch aus einem kultivierten Umkreis kam,
hatte er als Porzellanmaler durchaus einen Namen, da er selbst
der Kronprinzessin von Preussen eine „ganze Garnitur weissen
Meissner Porzellans von ihm en emaille gemalt” überreichen durf-
te. Eine ganze Reihe von signierten und datierten Stücken, meist
monochrom und mit mythologischen Motiven sind überliefert, wie
zum Beispiel ein Meissener Krug mit einer bacchantischen Szene,
ehemals aus dem Berliner Schlossmuseum. Wolfsburg hat zu-
sammen mit seinem Lehrer Ignaz Bottengruber die Zeit zwischen
1730 und 1731 in Wien verbracht. Der Kontakt mit der Manufaktur
Du Paquier und ihr Einfluss auf sein Werk könnte auch der Entste-
hung der Bemalung unseres Kruges vorausgegangen sein. Das
letzte bekannte Werk aus Wolfsburgs Hand, der inzwischen zum
Preussischen Rat aufgestiegen war, stammt aus dem Jahre 1756
(G.E. Pazaurek, Deutsche Fayence- und Porzellan-Hausmaler,
1925 (1971) Bd. I, S. 193-203).
CHF 7 000 / 9 000
(€ 6 480 / 8 330)
1086
SCHOKOLADENBECHER
MIT UNTERSCHALE
Meissen, um 1740. Vergoldung in Augsburg. Dop-
pelhenkelige Becherform. Fels- und Vogeldekor in
Unterglasurblau, Dekor in Gold mit feiner Radierung
mit Darstellung eines Chinesen und einem Pavillon
auf der Tasse, Augsburger Randmuster. Untergla-
surblaue Schwertermarke und Malermarken, Press-
nummer 65 auf der Unterschale.
H Tasse 6,5 cm. D Unterschale 12,5 cm.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
| 61
1087
BEDEUTENDE ROKOKO KONSOLE
Bern um 1750/60. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz
teils durchbrochen geschnitzt mit Blattvoluten, Rocaillen und
Gitterwerk sowie vergoldet. Trapezförmiges, randmoulüriertes
Marbre de Roche Blatt in braun/rot/grau auf wellig ausgeschnit-
tener Zarge mit zentraler, asymmetrischer Rocaillen-Karutsche,
umrahmt von Schilfwerk und ovalen Durchbrüchen mit gelappter
Umrandung. Die Schmalseiten nehmen die gleiche Gestaltung
der Frontzarge hälftig auf. Prächtige Eckzierden aus Voluten
und Blattwerk. Geschweifte s-förmige Beine mit nach aussen
gelockten Füsschen. Die Beine an den Innenseiten mit weiterem
Rankenschmuck, die Traverse bogenförmig geschweift und mit
rocailllenartiger, sehr fein durchbrochener Kartusche. Originale
Vergoldung. 115 x 58 x 88 cm.
Provenienz:
- Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler.
- Sammlung von Goldschmidt-Rothschild.
- Schweizer Privatbesitz.
Die hier angebotene Konsole des Johann Friedrich Funk I, nimmt
neben den berühmten Konsolen im Wildtschen Haus, welche der
begabte Bildhauer und seine Werkstatt in den Jahren 1766/67
schuf, eine besonders wichtige Rolle ein. Es ist ein beschwingtes
Rokoko von allerhöchstem Stellenwert, das wir in dieser, aus altem
Berner Patrizierbesitz stammenden Konsole finden. Wenig vor
den Wildtschen Konsolen, ca. 1760 entstanden, sticht eine feine
Asymmetrie im Schnitzwerk unserer Konsole aus der traditi-
onellen Formensprache des Bildhauers heraus. Die kraftvolle
und dynamische Schnitzerei der zentralen Kartusche und die
feinen Durchbrüche innerhalb von feinst graviertem Zargenfeld
mit getupftem Gitterwerk, zeugen vom grossen Können des
Meisters. Die Rouge Suisse-Marmorplatte ist von ausgewogener
Farbkomposition und rundet in ihrer ausgesuchten Qualität das
noble Erscheinungsbild dieser Konsole vortrefflich ab. Schloss und
Herrschaft Münchenwiler waren seit 1668 im Besitze des Berner
Aristokraten Anton von Graffenried. Das Schloss blieb bis1932
in von Graffenried-Besitz. Unsere Konsole blieb durch direkte
Erbfolge seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 230 und
231. Eine vergleichbare Konsole von Funk aus dem Reinacherhof
in Basel, S. 209 (Abb. 373).
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
Schloss Münchenwiler, Hofansicht.
| 62
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1088
GROSSER SPROSSENSPIEGEL
Rokoko, Bern um 1750/60. Von Johann Fried-
rich Funk I. (1706-1775). Holz geschnitzt mit
Rocaillen, Blumengirlanden, Blattvoluten und
Zierfriesen sowie moulüriet und vergoldet.
Hochformatiges, zentrales Spiegelglas mit
feinem Profilrahmen. Der äussere Rahmen in 14
Spiegelkartuschen unterteilt und durch feinste
Sprossen, verziert mit Blüten und Rankenwerk,
mit dem reichen Hauptrahmen verbunden.
Dieser gekehlt, profiliert und mit gelapptem
Zierdekor geschnitzt. Nach unten hin wellig
abschliessend und mit seitlichen, gerollten
Akanthusranken und geschweiften Füsschen.
Nach oben bogenförmig abschliessend und
mit sehr reichem rocailleartigen Fronton mit
zentraler Granatapfelknospe innerhalb einer fein
durchbrochenen Kartusche und seitlichen Zier-
flügeln, verziert mit Blumen und Voluten. Teile
der Spiegelgläser wohl später, insbesondere das
Hauptglas. 236 x 118 cm.
Fehlstellen und Risse. Vergoldung berieben.
Spiegelglas leicht korrodiert.
Provenienz:
- Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler.
- Sammlung von Goldschmidt-Rothschild.
- Schweizer Privatbesitz.
Der hier angebotene, grosse und prachtvolle
Sprossenspiegel gehört zu den schönsten
Spiegelschöpfungen der berühmten Berner
Werkstatt des Johann Friedrich Funk I. und darf
in die Zeit um 1765 datiert werden. Wie bei der
Konsole aus Schloss Münchenwiler, gelingt auch
hier dem Meister eine holzbildhauerische Glanz-
leistung, die sich insbesondere in der virtuosen
Schnitzerei des Frontons zeigt. Sind die seitlichen
Fortsetzungen der Mittelkartusche noch sehr
symmetrisch gearbeitet, so bricht der Bildhauer
in eben dieser alles bekrönenden Kartusche ge-
konnt die Symmetrie auf, in dem er der grossen
Granatapfelknospe einen virtuos geschnitzten
Rahmen ermöglicht.
Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern,
2001, Abb. S. 206 und 207
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
1089
DREI SUPRAPORTEN MIT JAGDDARSTELLUNGEN
IN KARTUSCHENFORM
Rokoko, Bern, Mitte 18. Jh. Die Rahmen Johann Friedrich Funk I.
zuzuschreiben. Holz fein geschnitzt mit Rocaillen, Blumen und
Blättern sowie vergoldet und grau gefasst. Passige zentrale Re-
serve bemalt in Öl auf Leinwand. Darstellungen der Jagdvorberei-
tungen, der Jagd zu Pferd sowie dem Halalie. Die Rahmen in leicht
unterschiedlichen Formen. Zentrale:
L 135, H 63 cm. Beide seitlichen: L 123, H 59 cm.
Provenienz:
- Wohl Familie Frisching, Bern.
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 64
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
1091
ZUCKERDOSE MIT KAUFFAHRTEISZENEN
Meissen, um 1740. Bemalung in der Art von Christian
Friedrich Herold. Bemalt mit Kauffleuten am Quai eines
Hafens, in Goldgitterkartuschen, braun konturiert. Der
Deckel mit einer Goldgitterbordüre, appliziert mit einem
Rosenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke, Vergol-
dernummer 43. auf beiden Teilen. D 11 cm.
Provenienz:
Aus altem Schweizer Privatbesitz.
CHF 700 / 900
(€ 650 / 830)
1090
SECHS KOPPCHEN UND SECHS UNTERSCHALEN
Meissen, um 1730/1740-45. Die Koppchen mit Landschaften und pasto-
ralen Figurenszenen, die Unterschalen mit Kauffahrteiszenen, in vierpas-
sigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot
und indianischer Blumenmalerei im Fond der Koppchen in eisenroten
Doppelringbordüren. Goldspitzenbordüren an den Rändern. Untergla-
surblaue Schwertermarken, Goldmarke T. auf den Koppchen, Punkt in
Gold auf den Unterschalen. Diverse Dreherzeichen auf den Unterschalen,
Pressnummern 66 auf den Koppchen. D Unterschalen 11,7 cm, D Kopp-
chen 7 cm.
Provenienz:
- Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 930 / 1 390)
| 65
1092*
GRÜNE HORNPENDULE MIT SOCKEL
Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. J.B. Baillon à Paris (Jean Baptiste Bail-
lon, Meister 1727) und num. N 2106. Grünes Horn und vergoldete Bronze. Ge-
schweiftes Gehäuse mit Aufsatz in Form des Amor, auf geschweiften Füssen
und sich nach unten verjüngendem Sockel mit Blumen- und Blätterabschluss.
Reliefiertes Bronzezifferblatt mit 24 Emailkartuschen mit römischen Stunden-
und arabischen Minutenzahlen. Umgebautes Ankerwerk mit Brocot-Hemmung
und Halbstundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und Applikationen in
Form von Maskaronen, Blättern und Kartuschen. 1 Schlüssel. 43 x 20 x 111 cm.
Zu revidieren. Die Hornmarketerie ausgebleicht und teils ersetzt.
J.B. III Baillon war ein sehr bedeutender Uhrmacher der Louis-XV-Epoche und
bekannt für eine qualitativ ausgesprochen hochwertige Produktion. Im Unter-
schied zu vielen Zunftgenossen pflegte er seine Stücke zu nummerieren. Das
Inventar von 1772 erwähnt ein Werk mit der Nummer 3808, was darauf hin-
weist, dass seine Produktion sehr gross gewesen sein muss. J.B. III Baillon er-
hielt verschiedene bedeutende Titel: „Valet de Chambre de la Reine“, „Valet de
Chambre-Horloger Ordinaire de la Reine“ und später „Premier Valet de Cham-
bre et Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Dauphine“ (Marie-Josephe
de Saxe, Gattin des ältesten Sohnes von Louis XV und Mutter des späteren
Louis XVI). F. Berthoud, ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher aus der gleichen
Zeit, hielt in seinem „Journal Hélvétique“ aus dem Jahre 1753 den Besuch
bei J.B. III Baillon wie folgt fest: „Sa maison est un Magasin d‘Horlogerie la plus
belle et la plus riche. Le Diamant sert non seulement à décorer les Montres,
mais même des Pendules; il en a fait dont les Boetes étoient de petits Cartels
d‘Or, ornés de fleurs de Diamants imitant la Nature... Sa maison de St. Germain
est une espèce de Manufacture. Elle est remplie d‘Ouvriers continuellement
occupés pour lui... puisque lui seul fait une bonne partie de l‘Horlogerie.“ Lit.:
J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 272f. (biogr. Angaben). H.L.
Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris 1972; S. 21 (biogr. Angaben).
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1093*
BUREAU „EN PENTE“
Louis XV, Frankreich, 18. Jh. Veilchenholz und Palisander ge-
friest sowie fein eingelegt „en papillon“ und mit Diamantspitz.
Rechteckiger Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit
hohen, geschweiften Beinen. Schräge, abklappbare und innen mit
grünem Leder bezogene Schreibplatte über zwei nebeneinander
liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit grossem, dreige-
teiltem Zentralfach, flankiert von je drei Schubladen unter Fach.
Geheimfach. Spätere vergoldete Bronzebeschläge und -sabots.
Zum Freistellen. 3 Schlüssel. 98 x 50(offen 86) x 102 cm.
Restauriert und Furnier teils später. Blatt leicht verzogen, Kratzer.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
1094*
EIN PAAR CHAUFFEUSEN
Louis XV, Paris um 1760. Buche mouluriert und fein beschnitzt mit
Blattwerk sowie vergoldet. Hufförmiger Sitz auf wellig ausge-
schnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Eingezogene, bogen-
förmig abschliessende Rückenlehne. Gebrauchter, hellbeiger
Seidenbezug mit Blumen und Blättern. Fehlstellen.
53 x 43 x 47 x 87 cm.
CHF 600 / 800
(€ 560 / 740)
| 66
Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
Koller   Decorative Arts Marz 2020
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Koller Decorative Arts Marz 2020

  • 1.
  • 2.
  • 3.
  • 4.
  • 5. Zusätzliche Informationen und Abbildungen: www.kollerauktionen.ch Decorative Arts Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber und Porzellan AUKTION Donnerstag, 26. März 2020, 14.00 Uhr VORBESICHTIGUNG Mittwoch, 18. – Sonntag, 22. März 2020, 10 – 18 Uhr English descriptions and additional photos: www.kollerauctions.com Sabine Neumaier Porzellan & Fayence Head of department Tel. +41 44 445 63 12 neumaier@kollerauktionen.ch Stephan Koller Möbel & Dekorationen Head of department Tel. +41 44 445 63 20 skoller@kollerauktionen.ch Giordana Schmid Möbel & Dekorationen Tel. +41 44 445 63 52 schmid@kollerauktionen.ch Corinne Koller Silber Head of department +41 44 445 63 22 ckoller@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Silber Tel. +41 44 445 63 62 wepler@kollerauktionen.ch
  • 6. 1002 COLLIER Teils unter Verwendung von römischen antiken Elementen, 2./3. Jh. nach Christus. Bernstein und Gold. Ovales Medaillon mit Cabochon, wohl Granat. L 42 cm. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1001 RING Byzantinisch. Gold mit ovalem blauem Glascabochon. L 1,7 cm. Bestossungen am Cabochon, Ring fragmentarisch. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 300 / 500 (€ 280 / 460) | 2 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 7. 1003 KREUZ-ANHÄNGER Byzantinisch, 5. bis 7. Jh. Gold. Jeder Arm pentagonal und sich zum Zentrum verjüngend, die Enden mit feinem Perlstab verziert. Im Zentrum ein Saphir Cabochon, ebenso eingefasst durch ein Perlfries. Die flächige und bandartige Öse mit Perlfries. H 7,1 cm, B 6 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s New York, 13. Dezember 2002. Auktion 1164, Lot 664. - Schweizer Privatbesitz CHF 18 000 / 25 000 (€ 16 670 / 23 150) 1004 THRONENDE MADONNA MIT KIND Gotisch, Norditalien oder Spanien um 1300. Kiefer sowie Laubholz geschnitzt, gehöhlt und verschlossen sowie gefasst. Die Madonna in aufrechter Haltung auf Thronbank sitzend, das Kind stehend auf ihrem Knie mit Segensgestus sowie Stiglitz in der linken Hand. H 113 cm. Fassung stark übergangen, Kopf des Kindes geklebt. Rechte Hand der Madonna ergänzt. Diverse Fehlstel- len. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) | 3
  • 8. 1005 EMAIL RELIQUIENKÄSTCHEN, SOG. CHÂSSE Gotisch, Limoges, 2. Hälfte 13. Jh. Kupfer graviert und feuerver- goldet sowie Email champlevé in Blau, Weiss und Rot. Rechtecki- ger Korpus auf flächigen Eckstollenfüssen und mit aufklappbarem Giebeldach. Umlaufendes Dekor in Form von stilisierten Ranken sowie Engelsbüsten in kreisförmigen Medaillons. Die Frontseite des Deckels zeigt Stationen aus dem Leben Marias: Verkündi- gung durch den Engel, Heimsuchung, Geburt Mariens, Maria mit Kind sowie der Flucht nach Ägypten. Der Deckel bekrönt von 5 Aufsatzkugeln, zwei davon in Bergkristall (eventuell später ersetzt). Die mittlere mit Kreuz bekrönt. Späteres Schloss und Durchbrechnung für Schlüssel. Schliesse in einem Schlangenkopf endend. Die Bodenunterseite mit Inventarnummer O.2 in Rot. 20,5 x 8 x 15,5 cm. Vergoldung teils berieben, mehrere Fehlstellen im Email. Schlüssel fehlt. Verschlusshaspel sowie Aufsatzkreuz spätere Ergänzungen. Provenienz: - Ehemals Sammlung Ole Olsen Kopenhagen. - Auktion Winkel Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72. - Durch Schenkung und Erbschaft zum heutigen Besitzer. Die Kunst des Email champlevé erlebte in der Region Limoges im 12. bis 14. Jahrhundert eine grosse Blüte. Während davor haupt- sächlich kleinere emaillierte Plaketten auf vergoldete und gravierte Kupfertafeln appliziert wurden, emaillierte man ab dem ausge- henden 12. Jahrhundert mehr die flächigen Stellen, die figürlichen Darstellungen hingegen erschienen ziseliert im vergoldeten Kupferkern. Hermann Schmitz. München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III. | 4
  • 9. Die Reliquienverehrung erlebte im frühen Mittelalter eine Blüte- zeit. Sie basiert auf der Annahme der Unvergänglichkeit des Lei- bes Christi und dem Glauben an besondere Kräfte der Überreste von Märtyrern und Heiligen – überliefert in sogenannten Mirakel- berichten, die viel von der Religiosität und den Heilsvorstellungen jener Epoche vermitteln. Für die Aufbewahrung der als Reliquien verehrten Knochensplittern, Textilfragmente oder Splitter des Kreuzes Christi wurden schöne und wertvoll gearbeitete Scha- tullen und Gefässe verwendet, teils spezifisch in der Form auf die jeweilige Reliquie ausgestaltet (Kreuzreliquiare, Ostensorien, etc.). Form und Zierwerk des hier angebotenen Reliquienkästchens sind typisch für die zweite Hälfte des 13. Jh. Das Motiv der Engels- büsten in Blattranken findet sich verschiedentlich auf Limousiner Arbeiten, was auf eine gewisse Standardisierung der Produktion hinweist. So sind ähliche Kästchen in den Kirchen von Aixe-sur-Vi- enne (Haute-Vienne), Lamontjoie (Lot-et-Garonne), Lunegarde (Lot) erhalten. Erwähnenswert und selten ist die Darstellung der Geburt Christi; Maria liegt dabei in einem Bett, in einer Schale darüber sitzen ein Ochse und ein Esel, als Symbole für die Geburt in der Krippe. Die vergoldeten und emaillierten Kupfertafeln wurden zumeist auf einen Holzkern geschlagen, weniger häufig sind Reliquienschrei- ne, bei denen die Kupferplatten direkt zusammengefügt wurden. Ein in Konstruktion und Dekor verwandtes Kästchen wurde im Rahmen der Auktion der Keir Collection von Sotheby‘s in New York versteigert: Keir Collection (Sotheby‘s, New York, 20 November 1997, lot 93). Ein weiteres Vergleichsstück wurde verkauft bei: Christie‘s, Sale 2797, Anton Philips, Entrepreneur Connois- seur, Amsterdam, 6 November 2007, Lot 148. Ein anderes sehr vergleichbares Stück aus privater Sammlung bei: Pietro Lorenzelli e Alberto Veca. Tra/E. Teche, pissidi, cofani e forzieri d‘all alto Medioevo al Barocco. S. 57. Das hier angebotene Reliquiar zählte einst zur umfangreichen Kunstsammlung des dänischen Filmproduzenten Ole Olsen (1863–1943) in Kopenhagen. Olsen gründete 1906 die Nordisk Film A/S, heute die älteste bestehende Filmproduktionsgesell- schaft der Welt. Ein Teil der Sammlung des 1943 verstorbenen Ol- sen - so auch der hier angebotene Reliquienschrein - wurde1953 bei Winkel Magnusson in Kopenhagen versteigert. Der exzen- trische Filmproduzent liess sich bei Esterhøj einen Grabhügel in Winkinger Art errichten, wo er zusammen mit einem kleineren Teil seiner Sammlung bestattet wurde. Literatur: - Hermann Schmitz. Generaldirektor Ole Olsens Kunstsamlinger, München 1924, Bd. 1, Nr. 2, Abbildung Tafel III. - Winkel Magnussen Eds. Kunst i private Eje. S. 2, Abb. 2). - Auktion Winkel Magnusson, Kopenhagen, Mai 1953. Lot 72. Vergleichende Literatur: - Marie Madeleine S. Gauthier. Emaux Limousins champlevés des XIIe XIIIe XIVe siècles. Paris 1950. - Marie-Madeleine Gauthier and Geneviève François. Medieval Enamels. Masterpieces from the Keir Collection. London 1981. No. 28. S. 25 und Abb. 28, Figure 6. CHF 70 000 / 120 000 (€ 64 810 / 111 110) | 5
  • 10. 1006* HEILIGER FLORIAN Spätgotisch, wohl Schwaben um 1480. Linde vollrund geschnitzt sowie mit Resten von Fassung. Der Heilige in Vollrüstung auf flachem naturalistischem Sockel stehend. H 129 cm. Linke Hand teilweise bzw. ganze rechte Hand ersetzt. Ehemals gefasst und mit Fassungsresten. Fassung Ge- sicht stark übergangen. Ergänzung an der linken Schulter. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1007 PAAR SPÄTGOTISCHE SCHEIBENLEUCHTER deutsch, 16. Jh. Messing und Eisen. Zylindrischer Schaft mit Scheibenwulst auf getrepptem Rundfuss. Breite Tropfschale und hoher Eisendorn. H ca. 31 cm. Teils korrodiert und bestossen. CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) | 6 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 11. 1008 RELIQUIENBÜSTE Rheinisch, 1. Hälfte 14. Jh. Weibliche Büste in Nussbaumholz geschnitzt. Frontal mit lächelndem Ausdruck und symme- trisch fallendem Lockenhaar. Auf der Brust runde Öffnung mit Dreipass. Der Scheitel ist abnehmbar und mit Scharnier befestigt. Innen hohl, unten mit einem Brett verschlossen, dessen rückwärtiger Teil ergänzt ist. Gesicht und Hals mit Silberfarbe bemalt, die schwärzlich geworden ist. Vergoldung am Gewand und Haaren später. B 32, H 39 cm. Vergoldung und Versilberung stark überarbeitet. Provenienz: - Ehemals Sammlung Figdor - Schweizer Privatbesitz Abbgebildet in Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien 1930, Tafel Nr. 158. CHF 8 000 / 14 000 (€ 7 410 / 12 960) Sammlung Dr. Albert Figdor, Erster Teil, Wien 1930, Tafel Nr. 158. | 7
  • 12. 1009* LÜSTERWEIBCHEN Renaissance, Süddeutschland oder Schweiz um 1600. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Frauenbüste mit Sirenenschwanz, sie trägt ein Renaissance Gewand mit Halskrause. Mit Wappenkartusche (nicht identifizier- bar). Hirschgeweih. 102 x 105 x 58 cm. Ein Unterarm sowie Schwanzende fehlen. Eine Geweihspitze fehlt, einige repariert. Im Haarbereich überarbei- tet. Ein ähnliches, in die zweite Hälfte des 16. Jh. datiertes Lüsterweibchen, das sich um 1900 im Kgl. Kunstge- werbemuseum Berlin befand, ist abgebildet bei: Kurt Jarmuth, Lichter Leuchten im Abendland. Braunschweig 1967, S. 182 (Abb. 170). CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1010 ALLIANZ-WAPPENSCHEIBE Ostschweiz, Renaissance, dat. 1570. Zentrales Feld mit den Wappen der Familien Zimmermann sowie Baumann in portalförmiger Einrahmung. Die Eckbilder oben und unten mit Personendarstellun- gen sowie Sinnsprüchen. In Kartusche be- zeichnet: Ulrich Zimmermann Bürger zu Wyll Anna Bumeni von Appenzell sinnliche Hausfrau 1570. 21 x 32 cm. Mehrere Sprünge. Ergänzungen. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 8 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 13. 1012 HEILIGE MARGARETHE Spätgotisch, Süddeutschland oder Schweiz um 1500. Linde geschnitzt, verso gehöhlt sowie gefasst und teilvergoldet. Die Heilige mit Krone in reich verziertem Gewand und mit Umhang, steht auf einem Drachen. H 65 cm. Ergänzung am Sockel. Alte Reparatur, Kleid wenig beschnitten. Hand später, Finger unvollständig. Fassung stark berieben, teils überarbeitet. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1011* THRONENDE MADONNA MIT KIND Gotisch, Süddeutschland, 1. Hälfte 14. Jh. Linde geschnitzt, verso gehöhlt sowie mit Resten von Fas- sung. Maria auf einen einfachen Thronbank sitzend in aufrechter Haltung, der Christusknabe kniend auf ihrem Schoss mit Segensgestus. H 77 cm. Ein Unterarm der Madonna fehlt. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 9
  • 14. 1013 THRONENDE MADONNA MIT KIND gotisch, Italien, 13./14. Jh. Holz geschnitzt, Verso geflacht sowie mit Resten der Fassung. Die Madonna sitzt auf einer Bank, den Blick frontal dem Betrachter zugewandt, das Kind sitzt auf ihrem linken Knie. Stark verwurmt, teils fragmentarischer Zustand mit zahlreichen Kittungen. H 80 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) 1014* EISENKASSETTE Renaissance, Deutschland, wohl Augs- burg, 17. Jh. Eisen mit geätzem Dekor. Rechteckige Kassette auf gequetschten Kugelfüssen. Die Front und Rückwand dekoriert mit zwei Reserven in Ranken- werkumrandung, Darstellung von Phöni- xen. Die Seitenwandungen dekoriert mit Doppeladlern, ebenfalls in dreiseitiger Rankenwerkumrahmung. Dekor des Klappdeckels entsprechend der Front, jedoch stark berieben. Schloss mit fünf Riegeln. Seitliche Traghenkel. 1 Schlüssel. 30 x 19 x 20 cm. Korrodiert. Reparaturen im Bereich des Schlüsselschildes. CHF 2 500 / 3 000 (€ 2 310 / 2 780) | 10 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 15. 1016* KLEINE EISENSCHATULLE Renaissance, wohl Frankreich oder Italien, 16. Jh. Eisen mit graviertem Dekor in Form von Blattvoluten und Blumen. Appliziert mit vergoldeten, teils durch- brochenen Messing- oder Kupferbeschlägen in Form von Voluten und Zier- friesen. Rechteckiger Korpus auf leicht ausgestelltem Rand und Rundfüssen (wohl später) mit facettiertem Klappdeckel. Die Ecken mit vollplastischen Figuren besetzt. Innen mit späterem türkisem Seidenbezug ausgeschlagen. 1 Schlüssel. 14 x 9,5 x 7 cm. Teils leicht verbeult sowie korrodiert und berieben. Innenfutter später. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1015 PAAR LEUCHTERENGEL Spätgotisch, Luzerner Raum um 1500. Linde vollrund geschnitzt sowie braun patiniert. Beide Engel kniend in Schup- pengewand und mit Pluviale, sie tragen in beiden Händen einen tordierten Leuchter. Leicht eingerollte Flügel. Auf der Unterseite bezeichnet auf Etikette. Ergänzungen. H 35 bzw. 36 cm. Kleinere Fehlstellen. Flügel und Sockel später. Proveninez: Privatbesitz Luzern. Ursprünglich wohl aus der Schlosskapelle Hünegg bei Baldegg. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) | 11
  • 16. 1017* ♣ SELTENER INTARSIERTER FALTSTUHL Dynastie der Nasriden oder etwas später. Andalusien, letztes Viertel 15./Anfang 16. Jh. Nussbaum eingelegt mit Bein und Metall in Form von stilisierten Blütenfriesen. Stoffsitz auf geschweiftem und klappbarem X-Gestell. Geschwungene und vorne eingerollte Armlehnen. Rückenlehne und Sitz in späterem grünem Velours mit Goldbrokatbändern. Kleinere Ausbrüche und fehlende Intarsi- enteile. 69 x 48 x 101 cm. Fehlstellen und Wurmgänge an einem Bein. Provenienz: Privatsammlung Portugal Die muslimisch-maurische Dynastie der Nasriden herrschten von 1232-1492 über das Emirat Granada und das heutige Gebiet Andalusiens. Die für die Zeit und Region typischen Mikromosa- ik-Arbeiten, im spanische Taracea Technik genannt, war in Spanien und Nordafrika weit verbreitet und an den früheren Höfen der Almoraviden und Almohaden geschätzt. Ein frühes Beispiel der Technik findet sich beispielsweise an der Kanzel der Mesquita in Cordoba, einer Erweitung durch al-Hakim II in der Zeit um 961-97. Eine Radio Karbon Untersuchung von 2 Proben des Stuhles erlaubt eine Datierung in die Zeit zwischen 1468 und 1635 bzw. 1320 und 1428. Früheste Darstellung dieses Stuhltypus stammen aus der Zeit der Ägypter, 2000 vor Christus. Sowohl in der griechi- schen und römischen Antike als auch in der islamischen Welt des 12. und 13. Jahrhunderts war er beliebt. Ein sehr ähnlicher Stuhl befindet sich im Metropolitan Muse- um in New York und wird auf das späte 15. Jh. datiert (Inventar Nr. 27.225.1, abgebildet bei Otto Kurz. Foldig Chairs and Koran Stands. Ettinghausen 1972. S. 304-305, Nr. 10.). Ein anderer, aus der Zeit des 14./15. Jh. befindet sich in der Sammlung des Muse- ums der Alhambra. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 12 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 17. 1018* FIGUR DER CERES Renaissance, Venedig um 1600. Die Plinte monogrammiert IC, wohl Werkstatt des Girolamo Campagna (1549-1625). Bronze dunkel pati- niert. Die Göttin stützt sich mit einer Hand auf ein Füllhorn mit Blüten sowie Ähren und hält in der anderen Blumen. Montiert auf rosafarbe- nem und schwarzem Steinsockel. Figur H 35 cm. Reparaturen an Bein, Fuss und Ellbogen. Diese Figur weist bei der Gestaltung der flächigen Füsse sowie den relativ massigen Unterschenkeln Ähnlichkeiten mit einer Figur der Venus Marina im Metropolitan Museum New York auf (Inventarnr. 68.141.19), die ebenfalls auf der Plinthe das Monogramm IC trägt und aufgrund dieser der Werkstatt Campagna bzw. dem jüngeren Bruder Giuseppe Campagna zugeschrieben wird, der mit Iseppo zeichnete. Auch erinnert die Figur an Arbeiten des Giuseppe de Levis (1562- 1611), von dem zwei Kaminböcke mit vergleichbaren Figuren der Venus und des Jupiters im VA erhalten sind (Inventarnr. 3012:1 to 9-1857). Eine ähnliche Nutzung dieser Ceres als Figur auf einem Ka- minbock ist ebenfalls denkbar, womit sich auch die etwas einfachere Ausführung erklären liesse. Charles Avery. Joseph de Levis Company. Renaissance Bron- ze-founders in Verona. London 2016. Col. 22 und Col. 23 mit Abbil- dungen der Kaminböcke im Victoria Albert Museums London. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) 1019 RADIERMESSER Deutschland, um 1600. Die blattförmige Stahlklinge mit graviertem Dekor (stark berieben). Leicht geschwungener, gekanteter Griff in Bein. Metallzwinge. L 28,2 cm. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1020 ♣ RADIERMESSER Frankreich oder Italien, Ende 16./Anfang 17. Jh. Vergoldete blatt- förmige Stahlklinge mit graviertem figürlichem Dekor sowie Wap- penkartusche. Leicht gebogener Elfenbeingriff, am vorderen Ende beschnitzt mit Blättern und Rillen. L 26,3 cm. Griff mit Riss. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 13
  • 18. 1021* BUFFET À DEUX CORPS Renaissance, Frankreich, wohl Paris, 2. Hälfte 16. Jh. Nussbaum reich und fein beschnitzt. Rechteckiger, architektonisch geglieder- ter Korpus mit gesprengtem Giebel auf gekehlter, leicht vorkra- gender Zarge und späteren Quetschfüssen. Das Oberteil mittig mit Diana als Aufsatzfigur in Blattvoluten gerahmter Nische. Der gesprengte Giebel mit Blattvoluten und Rosette beschnitzt. Kas- settierte Doppeltüren unter Kranzfries, beschnitzt mit Löwenköp- fen, Palmetten und plastisch gearbeiteten Adlern. Die Ecken mit Dreiviertelsäulen besetzt. Das leicht vorstehende Unterteil mit Schublade über Doppeltüren. Die Schublade mit teilplastischem geflügeltem Engelskopf beschnitzt. Die Türtäfelungen zeigen Allegorien der vier Jahreszeiten in Flachschnitzarbeit. Die Lisenen des Unterteils mit vier Reserven, Darstellungen von Schwänen so- wie Fabelwesen. Ober- und Unterteil mit rechteckigen Reserven in schwarzem Marmor bzw. Brekzie. Die Seitenwandungen kasset- tiert. Eisenbeschläge. 1 Schlüssel. 105 x 42 x 201 cm. Restaurierungen und wenige Ergänzungen. Fehlstellen und Kit- tungen. Spätere Schlösser. Die in feiner Flachschnitzerei ausgeführten Dekorationen zeugen vom Einfluss der Schule Fontainebleau, welche in der ersten Phase wesentlich von italienischen Künstlern geprägt war. Die Bezeichnung geht auf eine Gruppe von Künstlern zurück, die vom Französischen König Franz I. im 16. Jh. angeworben wurde, um die Ausstattung seines bevorzugten Schlosses Fontainebleau auszu- führen. Es entwickelte sich eine besondere Spielart des Manieris- mus. Das Interesse des Königs galt nicht nur der Kunst, sondern ebenso der Literatur und Wissenschaft. Fontainebleau wurde so zu einem Zentrum für die Verbreitung der Ideenwelt der Renais- sance und der Kunst des Manierismus im nördlichen Europa. Ein Buffet „à deux Corps“ aus der ehemaligen Arconati-Viscon- ti-Sammlung, welches im Louvre aufbewahrt wird, weist einen ähnlichen gebrochenen Giebel mit Blattvoluten und Sphinx-Re- liefs vor (Inv.-Nr. OA 6970). Ein weiterer solcher Schrank aus der Sammlung Rothschild vom Château de Ferrières zeigt eine vergleichbare Verwendung der Allegorien von Frühling und Som- mer mit identischen Schwanen-Medaillons sowie einer mit einem Putto-Kopf verzierten Schublade (Auktion Sotheby‘s in Monaco, 3. Dezember 1994, Lot 9). Nichtzletzt kann auch das Exemplar aus der Sammlung des Musée des Arts Décoratifs in Paris als Vergleichsobjekt herangezogen werden (Inv.-Nr. GR 809). CHF 35 000 / 50 000 (€ 32 410 / 46 300) | 14 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 19.
  • 20. 1022 VERMEIL-BUCKELPOKAL Augsburg, 1. H. 17. Jh. Meistermarke Theodor Riederer oder Tobias Riederer. H 16,4 cm. 180 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 1 800 / 2 600 (€ 1 670 / 2 410) 1023* PAAR „FURIETTI“ ZENTAUREN Italien, wohl Rom, 19. Jh. Nach dem hellenistischen Vorbild eine Allegorie auf die Jugend und das Alter. Bronze braun patiniert. Einer ist ein reifer, bärtiger Zentaur, mit einem gequälten Ausdruck und der andere ist ein junger lächelnder Zentaur, mit seinem Arm angehoben. Beide Zentauren mit einem reitenden Amor. Montiert auf maseriert bemalten, gestuften Holzsockel. H ohne Sockel 34 bzw. 30 cm. Während der Ausgrabung der Hadrian-Villa in Rom 1736 sollen von Giuseppe Alessandro Furietti antike Marmor-Zentauren entdeckt worden sein. Er brachte sie in seinen Palast, um sie nach jahrelangen Verhandlungen 1765 Papst Clemens XIII zu verkau- fen, der sie im Capitolinischen Museum ausstellte. Dieses Zentauren-Motiv erfreute sich höchster Beliebtheit und wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Grös- sen und Materialien hergestellt. Ein Paar aus Marmor steht an der Steinbrücke im Park des Palais Malmaison. CHF 9 000 / 14 000 (€ 8 330 / 12 960) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 21. 1024 GESCHNITZTER STUHL Renaissance, Frankreich, zweite Hälfte 16. Jh. Nussbaum reich geschnitzt mit Mischwesen, Bachanten, Harpyien als Karyatiden und Zierfriesen. Rechteckiger rand- moulürierter Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen Bacchantenstützen und Tatzenfüssen. Portalförmige ausgeschnittene Rückenlehne mit zwei Wassergreifen als Aufsatz. Sitz abgeändert, heute mit abnehmbarem Kissen. 43 x 44 x 93 cm. Kleinere Ergänzungen und Reparaturen. Gebrauchsspu- ren. Fehlstellen. Mit einer Kopie der Expertise von Jaqueline Boccador, Paris, 10/04/1994. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) 1025* KLEINE PASTIGLIA-KASSETTE Renaissance, Italien, wohl Ferrara, Anfang16. Jh. Holzkern mit Reliefdekor in Pastiglia sowie vergoldet. Umlaufend mit figürlichen Darstellungen mit römischen Soldaten, wohl der Geschichte von Johannes dem Täufer. Blätter- und Zierfriesen. Rechteckiger Korpus mit Klappdeckel mit Knauf (wohl später). 16 x 11 x 10 cm. Füsse fehlen. Pastigliadekor mit zahlreichen Fehlstellen sowie teils unvollständig. Pastiglia ist die Bezeichnung für partiell pastos aufge- tragene Masse, meist bestehend aus Kreide, gemischt mit Pigmenten und Bindemitteln. Diese Technik wird vor allem für die reliefartige Hervorhebung bestimmter Darstellungen auf Tafelbildern angewandt und war schon im alten Ägypten bekannt, wo man Mumienbildnisse mit Pastiglia verzierte. Später fand diese Art der Reliefierung auch in der byzantinischen Gebiet Verwendung, und ab dem 12. Jahrhundert in Südeuropa, von wo aus sich die Pastiglia nach Norden ausbreitete. Vergleichbare Stücke finden sich im Metropoltan Muse- um New York (Inventar Nr. 117.190.585) sowie im Musée nationale de la Renaissance im Chàteau d‘Écouen bei Paris (Inventar Nr. ECL1750). CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) | 17
  • 22. 1026* GROSSE TAPISSERIE AUS EINER ACHTTEILIGEN FOLGE ÜBER DIE VITA DES MARK AUREL Atelier von Michiel Wauters (1648 -1679) oder einem seiner Nachfolger, nach zeichnerischer Vorlage von A. van Diepen- beeck (Bois-le-Duc 1596-1675 Antwerpen) und P.P. Rubens (Siegen 1577-1640 Antwerpen), Antwerpen um 1655/70. Aus der achtteiligen Folge der Vita des Mark Aurel; Schlachtenszene, der römische Feldherr auf seinem Pferd in der Mitte des Ge- schehens, umgeben von sich bekämpfenden Soldaten zu Pferd und am Boden. Aussergewöhnlich breite Bordüre mit zentraler Wappenkartusche inmitten von Girlanden, grossen Karyatiden mit Musikinstrumenten und Waffen - dem Frieden und Krieg geweiht - sowie Putten, Tieren und Füllhörnern. Bordüre seitlich beschnit- ten. H 405, B 546 cm. Restauriert, einige Fehlstellen und Reparaturen, etwas ausge- bleicht. Provenienz: Privatsammlung Italien Die achtteilige Folge der Tapisserien zur Vita des Mark Aurel umfasst u.A. Die Kaiserkrönung, Die Prozession, Die Pest, Der Kaiser führt seinen Sohn zu den Philosophen, Der Triumpf des Mark Aurel und die hier angebotene Schlachtenszene. Da nach seinem erfolgreichen Feldzug in Syrien und Ägypten in Rom ein grosser Triumph gefeiert wurde, erscheint die These naheliegend, dass die hier angebotene Schlachtenszene auf den vorangegangenen Feldzug Bezug nimmt. Identische Schlachtenszenen mit anderer Bordüre mit reichem Blumen- und Blättermuster sind ausgestellt im Museu de Arte Antiga, Lissabon, im Reiss-Museum, Mannheim sowie im Palazzo Venezia, Rom. Es existieren 3 zeichnerische Vorlagen für die hier angebotene Tapisserie; Im Städtischen Kunstinstitut, Frankfurt a/Main (In- ventarnr. 3107), in London und in Wien. A. Van Diepenbeeck, seit 1623 als Meister in Antwerpen tätig, begann zunächst mit Hinter- glasmalerei, um nach 1650 Vorlagen für Tapisserien zu zeichnen: Die Vita des Nero, Die Vita des Mose, Die Taten der Apostel, Die Vita der Semiramis sind nur einige davon. Unsere Schlachtensze- ne erinnert im kompositorischen Aufbau und in der Darstellung einzelner Figuren sowohl an die Schlacht von Granicha von C.Le Brun als auch an Gemälde von P.P.Rubens. Selbst der Aufbau der Bordüre findet sich im Rubenschen Werk wieder; Man erinnere sich der Folgen aus der griechischen Mythologie und Antike wie Thetis, das Schild von Hephaestus für Achilles empfangend, oder Achilles unter den Töchtern des Lycomedes, in welchen nahezu identische Bordüren mit analoger Struktur zu finden sind. A. van Diepenbeeck hat diese um 1630 entstandene Idee übernommen und so die Vorlage für das Atelier Wauters geschaffen, welche auch als Bordüre für eine Jagd der Diana, verkauft bei Drouot Paris 22.5.1950, Verwendung fand. Diese Tapisserie ist abgebildet in Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande als L‘Empereur Marc-Aurèle sur le champ de bataille, Anvers, atelier de Michiel Wauters d‘après Abraham van Diepen- ceeck, troisième quart du XVIIème siècle. Literatur: - Guy Delmarcel, La Tapisserie Flamande du XVième au XVIIIième siècle, Tielt 1999; S.258 (mit Abb.) - M.J. de Mendoça, As tapeçarias da historia de Marco Aurello, in: Boltim dos Museus Nacionais de Arte Antiga 1, 1936; S. 57-67. - N. Forti Grazzini, Museo d‘arti applicate - Arazzi, Milano 1984; S. 32-37 (Tafeln 44-56). CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 18 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 23.
  • 24. 1027* ♣ INTARSIERTER TISCH indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander geschnitzt sowie reich eingelegt mit teils gefärbtem Elfenbein und Holz in Form von Rollwerk, Grotesken, stilisierten Blüten, Blättern, be- kröntem Doppeladler und Löwen. Rechteckiges, leicht überste- hendes Blatt auf gerader vierschübiger Zarge und durch Umlauf- steg verbundenen konischen Beinen, im oberen Drittel geschnitzt in Form von betenden Frauenbüsten mit geschweiftem Schwanz, unten in Form von sitzenden Fantasietieren. 117 x 67 x 84 cm. Hände einer Frauenbüste fehlen, Profilleisten an Beinen unvoll- ständig, Reparaturen und Fehlstellen. Provenienz: Privatsammlung Portugal Die geschnitzten Figuren auf den Beinen vergleichbar mit jenen des Kabinetts im Kommunalen Museum Fugueira da Foz in Portu- gal, das ins 17. Jh. datiert wird. Ein vergleichbarer Tisch befindet sich in den Beständen des Museum von Pontevedra in Galizien. Vgl. Grace Hardendorff Burr, Hispanik Furniture, New York 1964. S. 48 (Abb. 48). Ein nahezu identischer Tisch wurde am 10. April 2014 verkauft bei Christie‘s London, Lot 136. (Art of the Islamic and Indian Worlds Including A Private Collection Donated to Benefit The University of Oxford). CHF 10 000 / 18 000 (€ 9 260 / 16 670) | 20 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 25. 1030* KLEINE ACHAT-DECKELSCHALE/SALIERE Dresden um 17. Jh. Barock. Wohl Johann Melchior Dinglinger, Biberach 1664 - 1731 Dresden. Achat in vergoldeter sowie teils polychrom emailierter Montierung. Ovale, leicht passige Schale, getragen von einem knienden Nubier mit Federrock und Ohrrin- gen auf ovalem flachem Sockel mit zwei Schnecken, eine Muschel ersetzt. Seitliche Henkel in Form von Fabeltieren. Perlmutt-Deckel mit kleinen Schnecken appliziert, in vergoldeter Fassung. Innen mit Etikette: Sammlung Hoffenreich 211. 9 x 4,5 x 8,5 cm. Leichte Dellen. Berieben. Schnecke im Sockel defekt, 1 Schnecke auf Deckel fehlt. Johann Melchior Dinglinger, geboren am 3. Dezember 1664, lernte das Gold- schmiedehandwerk in Ulm. Er kam 1692 als Geselle nach Dresden, wo er 1693 in die Goldschmiedeinnung aufgenommen wurde. Im Jahr 1698 wurde er zum Hofjuwelier August des Starken ernannt. Er arbeitete bis zu seinem Tod 1731 in Dresden, war fünfmal verheiratet und hatte 23 Kinder. Dinglinger gilt als einer der bedeutendsten Goldschmiede des Barock. Gemeinsam mit 14 Gesellen schuf Dinglinger in seiner Werkstatt prachtvolle Kunststücke, unter anderem das „Goldene Kaffeezeug“ und den „Hofstaat zu Delhi“ mit seinen 132 Figuren – ein Hauptwerk der barocken Juwelierkunst. Auch der russi- sche Zar Peter der Große schätzte die prunkvollen Arbeiten und gab mehrere Aufträge an den Dresdner Hofjuwelier. Seine Prunkwerke, zum Beispiel „Das goldene Kaffeezeug“ von 1701 oder das „Bad der Diana“, sind im Grünen Gewölbe in Dresden erhalten. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1028* ♣ PAAR INTARSIERTE STÜHLE indo-portugiesische Arbeit. Goa, 17./18. Jh. Palisander, Tropen- holz und teils gefärbtes Elfenbein fein eingelegt in Form von Roll- werk, stilisierten Blüten und Drachenköpfen. Jonc-Sitz auf durch Umlaufsteg verbundenen Vierkantbeinen. Gerade Rückenlehne. Ehemals mit gepolstertem Sitz. 44 x 43 x 106 cm. Profilleiste an Bein fehlt. Provenienz: Privatsammlung Portugal CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) 1029 MARIA IM TEMPEL Renaissance, Italien, Ende 16. Jh./Anfang 17. Jh. Kupfer getrieben und ziseliert. In geschnitztem und vergoldetem Holzrahmen, Italien, 17. Jh. Relief: 24 x 18 cm, Rahmen: 45 x 40 cm. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung CHF 800 / 1 200 (€ 740 / 1 110) | 21
  • 26. 1031 GROSSER GESCHNITZTER SPIEGEL MIT WAPPENKARTUSCHE Barock, Italien, 17. Jh. Holz reich geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Flächiger, kartuschenförmiger Rahmen, der breite Rand teils durchbrochen gearbeitet in Form von Granatäpfeln, Blättern sowie Wappenkartu- sche unter Ritterhelm und Krone. Das Wappen dreigeteilt mit Turm und Schwein über drei fleur de lys. Kleines zentrales Spiegelfeld. H 210, B 143 cm. Fehlstellen und alte Restaurationen. Fassung und Vergoldung teils übergangen. Ritterhelm und Krone wohl spätere Ergänzungen. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) 1032 HALSUHR Renaissance, Augsburg um 1630. Das Werk gemarkt NS, wohl Nikolaus Schmidt d.Ä. (1549-ca. 1629). Messing teils durchbrochen gearbeitet und graviert mit Blumen und Akanthusblättern sowie vergoldet. Oktogonales prismiertes Gehäuse, der Bodendeckel enthält die Glocke. Silberzifferblatt graviert mit Schlossdarstellung und römischen Stundenzahlen. Teils vergoldetes Werk mit Spindelgang und Stun- denschlag auf Glocke. Spätere Plexiglasabdeckung. Vergoldung berieben, Repara- turen am Werk. Werk eventuell zu revidieren. H 9,5; B 7 cm. Zifferblatt sowie Lünette später. Räderwerk teils ersetzt. Nikolaus Schmidt der Ältere wurde 1549 in Wiltz/Luxemburg geboren. 1576 erlang- te er in Augsburg die Meisterwürde und heiratete die Tochter des renommierten Uhrmachers Hans Fronmüller. Wann er verstarb ist nicht eindeutig geklärt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er nach 1625, aber vor 1629 verstarb. Sein Sohn, Nikolaus Schmidt der Jüngere, war ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher. Weltweit sind von ihm mehrere Uhren in bedeutenden Museen ausgestellt, wie im Metropoli- tan Museum of Art in New York und im Historischen Museum, Basel. Nikolaus Schmidt der Ältere ist verzeichnet bei Jürgen Abeler, „Meister der Uhrma- cherkunst“, 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 503. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 22 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 27. 1033 GROSSER SPIEGEL À PARECLOSES Barock, Venedig, 18./19. Jh. Holz und Stukko vergoldet. Rechteckiger profilierter Doppelrahmen mit passigem Abschluss. Dekor in Form von Blumen, Voluten sowie Zierfriesen. Das Spiegelglas graviert mit Blumen, Gitterwerk und Voluten. Im oberen Feld Venus mit Amor, auf den Seiten- lisenen römische Köpfe im Profil. H 168, B 113 cm. Vergoldung teils übergangen. Stukkdekorelemente wohl später. Spie- gelglas teils korrodiert. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) | 23
  • 28. 1035* SPIEGEL Louis XV, Venedig, 18. Jh. Holz reich beschnitzt mit stili- sierten Blättern, Kartuschen und Voluten sowie vergoldet. Kartuschenförmiger Rahmen mit verspiegeltem Aufsatz. H 87 cm. B 49 cm. Altes Spiegelglas. Alte Reparaturen, Ergänzungen und Fehlstellen. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 110 / 1 670) 1034 ♣ SCHÖNES SCHMUCKKÄSTCHEN Portugal oder portugiesische Kolonien 17. Jh. Ebenholz reich eingelegt mit Bein in Form von geometrischen Friesen in rechteckigen Reser- ven. Rechteckiger Korpus, die Front abklappbar und öffnend auf vier Schubladen auf zwei Reihen. Metallbeschläge und Verstärkungen. Eisenhenkel. 25 x 17 x 14 cm. Fehlende Intarsien. Risse in den Schubladen- fronten. CHF 1 000 / 1 200 (€ 930 / 1 110) | 24 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 29. 1036* PAAR MOHRENFIGUREN Venedig, 1. Hälfte 18. Jh. Holz voll- rund geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Stehend mit Federkro- ne und -schurz. Der eine mit Stab, der andere mit hohem Leuchter. H 118 cm. Fassung übergangen. Stäbe später. Fehlstellen. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 30. 1037 PIETRA-DURA BILDPLATTE Böhmen, 17. Jh. Der Werkstatt von Giovanni Castrucci zuzuweisen. Verschiedenfarbiger böhmischer Jaspis, Achate, diverse Halbedelsteine und Marmor eingelegt. Zentrale bastionsförmige Darstellung des Heiligen Hieronymus in seiner Höhle vor Landschaft mit Dorf, Fischer und Hirsch. In geschwärztem und gewelltem Holzrahmen mit Innenrahmen, die passigen Ecken mit Dorfansichten in Pietra-Dura-Tech- nik. Vier kleine Reserven mit Steinintarsien. Rückseitig Reste einer Sammlungsetikette sowie in Tinte nummeriert XLII über Unterstrich 7, der Rahmen mit Sammlungsetikette, Nr. 27. 40 x 52 cm. Teils fehlende Flammleisten, kleinere Fehlstellen in der Stein- marketerie. Einige Steinteile etwas herausstehend. Das vorliegende „Commesso in pietre dure“ oder „Florenti- ner Mosaik“ erinnert in seiner Komposition und Materialität an Entwürfe des florentinischen Ateliers Castrucci, welches unter der Herrschaft Kaiser Rudolf II (1552-1612) höchstqua- litative Steinwerkarbeiten am Prager Hof produziert. Cosimo Castrucci, der im Jahre 1592 vom Kaiser höchstpersön- lich aus Florenz nach Prag abbestellt wird, initiiert als „Ihrer Majestät Edelsteinschneider“ die Aktivität des Ateliers. Unter der Leitung seines Sohns, Giovanni Castrucci, wird die Prager Werkstatt bis in die späten 1620er Jahren parallel zur florenti- nischen „Galleria dei Lavori“ (Arbeitswerkstatt) weitergeführt (Vgl. Wolfram Koeppe et al., 2008) Das Atelier Castrucci entwickelt eine distinkte Variante der Glyptik, die sich in der technischen Herangehensweise an Intarsienarbeiten aus Holz orientiert. Die Spezialität der Castrucci liegt in der Erzielung von malerischen Wirkun- gen, welche durch die natürliche Maserung und Farbe der regionalen Steine den Illusionismus der Komposition steigert. So erstaunt es kaum, dass die Steinmalerei der Castrucci besonders für Landschaftsdarstellungen taugt. Als Inspira- tionsquelle und Vorlage für ihre Motive dienen nicht selten Landschaften flämischer Kupferstecher, welche ebenfalls am | 26 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 31. Prager Hof für den Kaiser tätig waren (Vgl. Clare Vincent, 1987). Typisches Merkmal jener Landschaften ist die Dreiteilung der Komposition in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei der Vor- dergrund oftmals durch eine Diagonale nach hinten abgegrenzt ist und als narrative Ebene für Figurenstaffagen fungiert. Dieses Prinzip herrscht auch auf unserer zentralen Bildplatte vor: Im Vordergrund, in der unteren linken Ecke, bildet die kniende Figur des Heiligen Hieronymus als Eremiten mit seinem Attribut, dem Löwen, eine religiöse Bildebene. Nach hinten öffnet sich eine profane Fluss- oder Seelandschaft mit zwei Fischer auf einem Boot, über denen sich eine auf einem Hügel sitzende Felsenkapel- le erhebt. Eine Fülle von weiteren Details (z. Bsp. der Kardinalshut, die Kruzifixe, der Altar, der herunterschreitende Hirsch, die zwei schwimmenden Enten, der heimliche Beobachter mit seinem Hund, die architektonischen Elemente, usw.) zeugt von höchsten technischen und künstlerischen Fertigkeiten, welche denen des Ateliers Castrucci in keiner Weise nachstehen. Die Verwendung von regionaltypischen Steinen wie dem böhmischen Jaspis deu- tet ebenfalls auf eine böhmische Produktion aus dem frühen 17. Jahrhundert hin. Vergleichbare „commessi“ finden sich heute in den Sammlungen berühmter musealen Institutionen. Das Kunsthistorische Muse- um Wien besitzt gleich neun Werke, welche Cosimo bzw. Giovanni Castrucci sowie deren Werkstatt zugeschrieben werden, wovon besonders eine Landschaft mit büssender Hl. Maria Magdale- na grosse Ähnlichkeit zu unserem Werk aufweist (Inv.-Nr. 3006, Kunstkammer, KHM). Literatur: - Clare Vincent, „Prince Karl I of Liechtenstein‘s Pietre Dure Table- top“, Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, S. 157-178. - Wolfram Köppe (Hrsg.) und Anna Maria Giusti mit Beiträgen von Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kap- pel, Florian Knothe und Ian Wardropper, „Art of the Royal Court: Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe“, MET Publi- kation, New York, 2008, S. 29 ff. S. 219-229. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150) | 27
  • 32. 1038* ♣ BOULLE PENDULE AUF SOCKEL Régence/Louis XV, Paris um 1745. Das Zifferblatt sowie Werk signiert Le Lievre à Paris (Le Lièvre tätig bis 1784). Geschweiftes Pendulengehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in Form von Rankenwerk und Blumengirlanden. Vergoldeter Bronzedekor in Form von Blättern, Muscheln, Drachenköpfen. Jupiter in Form eines Putto mit Adler als Aufsatzfigur. Türbronze mit zwei Putten. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen, arabischen Mi- nuten- und römischen Stundenzahlen. Werk mit Ankergang und Halbstundenschlag auf Glocke. Bronzen mit C couronné. 1 Schlüssel. 39 x 20 x 105 cm. Bronzen neu vergoldet. Fehlstellen an der Marketerie. Rückseiti- ge Türe verzogen. CHF 5 000 / 9 000 (€ 4 630 / 8 330) 1039* FEIN GESCHNITZTER SPIEGEL MIT DEM WAP- PEN DES FRANZÖSISCHEN KÖNIGSHAUSES Louis XIV/Régence, Paris um 1720. Holz fein mit Rocail- len, Blattvoluten, Muscheln, Zierfriesen, Gitterwerk und Kartuschen beschnitzt sowie vergoldet. Rechteckiger profilierter Rahmen mit doppelt geschweiftem oberem Abschluss. Fronton mit dem Wappen des Königs von Frankreich und Navarra in Kartusche unter Krone, flankiert von zwei Flügeln sowie gerahmt vom Orden des Heiligen Geistes und vom Michaelsorden. Die oberen Ecken tragen in Kartuschen das Monogramm von Louis XIV. 107 x 77 cm. Vergoldung berieben, kleinere Fehlstellen und Restaurationen. Späteres Spiegelglas. Der hier präsentierte Spiegel diente in seinem Ursprung wohl als Rahmen für ein königliches Portrait. Anlass zu dieser Annahme geben mehrere vergleichbare Spiegel, welche allesamt als Bilderrahmen fungierten. Jene Vergleichstücke zeigen oft eine Kartusche mit den Wappen Frankreichs, was eindeutig auf eine royale Gebrauchsfunktion hinweist. Als Beispiel für einen solchen königlichen Rahmen kann ein Exemplar aus den Sammlungen von Mr. und Mrs. Wrightsman aus ihrer Residenz in Palm Beach angeführt werden, der bei Christie‘s New York am 24. Mai 2000, (Lot 210) verkauft wurde. Diese Art von Rahmen im neoklassischen Stil wurde auch noch im zweiten Teil des 18. Jahrhun- dert hergestellt, wovon insbesondere ein Modell mit Lilien und Waffentrophäen, präsentiert bei Daguerre in Paris am 4. November 2011 (Los 130), zeugt. Ein weiteres Exponat befindet sich in der Sammlung des Getty Museum in Malibu (illustriert in G. Wilson und C. Hess, Zusammenfassender Katalog der europäischen dekorativen Künste im J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 2001, S. 59, Katalog Nr. 116). CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 28 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 33.
  • 34. 1040 DIE SECKENDORFF‘SCHE KOMMODE HOCHBEDEUTENDE UND SELTENE BAROCKKOM- MODE DES FRANCOIS LIEUTAUD (CA.1665-1748) NACH EINEM ENTWURF VON JEAN BERAIN, AUS DEM BESITZE DES REICHSGRAFEN CHRISTOPH FRIEDRICH VON SECKENDORFF-ABERDAR (1679- 1759) DIPLOMAT UND BRANDENBURG-ANSBACHI- SCHER MINISTER Frankreich, Paris um 1728/30. Amaranth auf Eichenkorpus furniert und parkettiert. Längsformatiger Korpus auf vier elegant geschweiften Beinen und leicht bogenartig ausgeschnittener Zarge. Randgefasstes und profiliertes Blatt mit eingelasse- nen Messingfilets und gefriest parkettierter Fläche. Die Front in zwei Schubladenränge unterteilt. Vier obere, rechteckige Schubladenfronten und zwei untere Schubladen, bogenförmig ausgeschnitten, als Rahmung der vergoldeten Bronzemaske. Sehr feine Handhaben mit Rosettenschmuck und ebenfalls fein überarbeiteten Schlüssellochzierden. Die Sabots aus Rankenwerk als Palmetten geformt und gelockt endend. Die Schmalseiten, gleich der gesamten Front und den Beinen, mit Messingfilets und dünneren Schattenfilets gerahmt. Die Flächen wiederum mit ge- friesten Bandmotiven à chevrons parkettiert. Massive Schlösser mit vergoldeten Abdeckungen. Der Schlüssel mit Wappen des Reichsgrafen von Seckendorff-Aberdar. 80 x 130 x 65 cm. Provenienz: - Wohl durch Carl-Friedrich-Wilhelm, Markgraf von Branden- burg-Ansbach (1712-1757) um 1730 bei François Lieutaud in Paris erstanden und später als Geschenk an seinen Minister: - Reichsgraf Christoph Friedrich von Seckendorff-Aberdar (1679- 1759), Diplomat und brandenburg-ansbachischer Minister - Durch Erbfolge in derselben Adelsfamilie bis: - Auktion Sotheby’s Zürich, 1. Dezember 1998, Los Nr. 353 - Schweizer Privatbesitz Die hier angebotene Kommode ist direkt inspiriert vom mittleren Teil einer Kommode, für die der Entwurf um 1700 von Jean Bérain gezeichnet und von Mathieu Daigremont gestochen wurde. Unsere Kommode ist somit sehr nahe verwandt mit der um 1695 zu datierenden Kommode, welche sich in der Wallace Collection in London findet (Inv. Nr. F 405) und die dem Entwurf Bérains auch in der Gestaltung der Schmalseiten und der Beine entspricht. Die Anordnung von sechs Kommodenschüben, verteilt auf drei Schubladenränge, in der Art wie sie unsere Kommode aufweist, erinnert an die Entwürfe des André-Charles Boulle, wie wir diese im Möbelbau an einer Kommode umgesetzt finden, welche sich in den Sammlungen der Herzöge von Roxburghe befand (Auktion Christie’s London, 31. Mai 1956, Los Nr. 159). Ebenfalls typisch für die Arbeiten Boulles ist die Anordnung einer Maske zwischen zwei Schüben, eingelassen in eine gemuldete Vertiefung, so wie sie unsere Kommode aufweist und wir sie an zwei Kommoden in den Sammlungen des Louvre in Paris finden (Inv. Nr. OA 5477 und OA 5478). Unsere Kommode entspricht dem gereiften, ästhetischen Emp- finden im französischen Möbelbau kurz nach der Regierung Louis XIV und ist also in die Zeit um 1730, in die Régence zu datieren. Owohl nicht signiert, kann die Seckendorff’sche Kommode, mit Sicherheit dem Ebenisten François Lieutaud (ca.1665-1748) Jean Bérain d.Ae. Entwurf für eine Kommode. Paris 1711. | 30 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 35. zugewiesen werden. François Lieutaud wurde um 1665 in eine Familie von Bildhauern geboren. Nach seiner Ausbildung zum Tischlermeister, welche Lieutaud in Marseille absolvierte, zog er zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Paris, wo er sich als Ebe- nist voll entfalten und eine einzigartige Karriere erleben durfte. Lieutaud war Grossvater des berühmten Balthazar Lieutaud, der das Familienunternehmen noch bis zum Ende des 18. Jahrhun- derts weiterführte. Der Einfluss von André-Charles Boulle auf das Werk Lieutauds ist gerade an der Seckendorff -Kommode sehr gut ersichtlich. Lieutaud fertigte seine Bronzen meist nach eigenen Entwürfen und Modellen, liess aber auch Bronzen speziell für einen Auftrag fertigen. Die aussergewöhnliche Fähigkeit, welche Lieutaud in Bezug auf die Anpassung an verschiedene Modeströmungen be- sass, zeigt sich besonders auch am Schreibtisch der Grafen Palffy (Auktion Sotheby’s Monaco, 8. Dezember 1989, Los Nr. 603) und vor allem am Schreibtisch in Schloss Berchtesgaden (Wittelsba- cher Ausgleichsfond, Langer 1995, Nr. 73). Beide Schreibtische sind einem weiteren, etwas früher zu datierenden Schreibmöbel aus der Sammlung James A. de Rothschild in Waddesdon Manor, sehr verwandt. Ein wiederum diesem letzteren Schreibmöbel sehr ähnlicher Schreibtisch, welcher sich im Pariser Kunsthan- del befand, weist eine Marketerie mit sogenannten Chevrons (Fischgrätmuster) auf, welche der Oberflächenfurnierung unserer Kommode entspricht. Die sich an der Seckendorff’schen Kommode befindlichen Bron- zen, als herausragendes Zierelement, finden sich an verschiede- nen Werken Lieutauds wieder, so an einem von Lieutaud gestem- pelten Bureau plat in der Ansbacher Residenz. Die Seckendorff’sche Kommode nimmt in der Chronologie der Stilentwicklung im Werk Lieutauds eine herausragende Rolle ein, ganz besonders für seine Kommodenmöbel, welche nach 1730 entstanden sind. Die eigentliche Bedeutung unserer Kommode liegt aber nicht nur in ihrer ausserordentlichen Stellung, welche sie im französischen Möbelbau einnimmt, es ist der Einfluss vor allem, den sie in den Jahren nach 1730 auch auf die deutsche Möbelkunst ausübte, die nicht unerwähnt bleiben darf. Die Frage nach der ursprünglichsten Provenienz der Secken- dorff’schen Kommode stellte sich bereits anlässlich des Verkaufs der Kommode 1998. Damals war man davon ausgegangen, dass diese wohl immer in Seckendorff’schem Besitz war. Dr. Christoph Graf von Pfeil stellte aber in seiner nur ein Jahr nach der Zürcher Sotheby’s- Auktion erschienen Publikation zu den Möbeln der Ansbacher Residenz fest, dass die Seckendorff’sche Kommode von Lieutaud wohl in den Jahren zwischen 1728-30 durch den Ansbacher Hof und seinen Regenten, Carl-Wilhelm-Friedrich (regiert 1723-1757) in Paris für die Residenz angekauft wurde und erst zu späterem Zeitpunkt durch den Markgrafen an seinen sehr verdienten Minister Reichsgraf Christoph-Friedrich von Seckendorff-Aberdar als Schenkung überging. Die Reichsfreiher- ren und Reichsgrafen von Seckendorff bekleideten während des ganzen 18. Jahrhunderts wichtigste Stellungen in der Markgraf- schaft Ansbach. Christoph-Friedrich von Seckendorff war unter Markgräfin Christiane-Charlotte und bis zum Tode ihres Sohnes, des Markgrafen Carl-Wilhelm-Friedrich Premierminister und Geheimer Ratspräsident. Durchaus wäre es dem Reichsgrafen Seckendorff möglich gewesen, über die Verbindungen des mark- | 31
  • 36. gräflichen Hofes in Paris direkt bei Lieutaud kaufen zu können. Doch ist der Ankauf eines so unge- heuer teuren Möbels, auch für einen wohlhabenden fränkischen Adeligen für die damalige Zeit kaum vorstellbar. Die Schenkung des Möbels durch den Markgrafen an seinen verdienten Minister ist deshalb der Schlüssel zur wirklichen Provenienz des Möbels, das mindes- tens 250 Jahre in Seckendorff-Besitz verblieb. In die Zeit der Datierung unseres Möbels, also um circa 1730, fällt auch der Kauf verschiedener Möbel in Paris durch den Hof in Ansbach, darunter ein erhaltenes Bureau plat, welches von Lieutaud gestempelt ist und identische Schlüsselschilder und Sabots aufweist, wie wir diese an unserer Kommode vorfinden. Der Ebenist war dem Ansbacher Hof bekannt und so ist mit allergrösster Sicherheit davon auszugehen, dass auch unser Möbel in die Reihe dieser Ankäufe bei Lieutaud fällt. Diese Möbel, insbesondere aber wohl unsere Kommode, dürften einen wichtigen Einfluss auf die Möbelproduktion eines der bedeutendsten deutschen Ebenisten des 18. Jahrhunderts, den Ans- bacher Hofebenisten Martin Schuhmacher, gehabt haben. Schuhmacher war 60 Jahre lang, von 1720 bis 1781 Ebenist in Ansbach. Die schlichte aber so unglaublich elegante Linienführung unser Kommode, besonders aber deren Furnierung mit der Parketterie „à chevrons“ wurde von Martin Schuhmacher unmit- telbar nach Eintreffen der Lieutaud-Möbel aus Paris, in der Hofwerkstatt umgesetzt, so ganz besonders eindrücklich am Schreibschrank mit verspiegelten Türen, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 2. Vorzim- mer der Markgräfin, Gobelinzimmer, R 14) und am Kommodenpaar des Meisters Schuhmacher, Ansbach, um 1730/40 (Residenz Ansbach, 1. Vorzimmer Gästeappartement, Monatszimmer, R 23). So gehört denn kein Möbel so sehr wie die Seckendorff’sche Kommode in diese bedeutende Reihe von Möbeln, welche alle untrennbar mit der Ansbacher Residenz und seines Markgrafen, Carl-Fried- rich-Wilhlem verbunden sind. Unser Dank gilt den Herren Dominique Augarde, Thomas Boller und Jean Nérée Ronfort (†) für die Katalogisierung bzw. Überarbeitung des Katalog- textes zu der hier angebotenen Kommode. Vgl. Dr. Christoph Graf von Pfeil, Die Möbel der Resi- denz Ansbach, München, 1999, S. 27 mit Abbildung der Seckendorff’schen Kommode von François Lieutaud und S. 98 -102 für den Schreibschrank und das Kommodenpaar von Martin Schuhmacher für die Residenz Ansbach. Peter Hughes, The Wallace Collection, Catalogue of Furniture II, London, 1996, Abb. S. 637 für die Kommode nach dem Entwurf von Bérain. Brigitte Langer, Die Möbel der Residenz München, Die französischen Möbel des 18. Jahrhunderts, München, 1995. CHF 150 000 / 250 000 (€ 138 890 / 231 480) | 32
  • 37.
  • 38. 1043* PAAR FOH-HUNDE AUF BRONZEMONTIERUNG Die türkis glasierten Keramikfiguren China, Ming-Stil, 19. Jh.; die Bronzesockel, Frank- reich, 20. Jh. Die beiden Fohhunde auf ton- nenförmigem Sockel, ehemalige Dachreiter. Die rechteckige Bronzemontierung mit Blattfries und auf Tatzenfüssen. 20 x 21,5 x 29 cm. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1041* GROSSE KASSETTE Louis XIV, wohl Niederlande um 1700. Palisander und Veil- chenholz gefriest sowie „en papillon“ eingelegt. Rechteckiger Korpus mit aufklappbarem Deckel und abklappbarer Front. Inneneinteilung mit grossem Fach, im Deckel 2 kaschierte Fächer und 2 nebeneinander liegenden Schubladen. Geheim- fächer und -schubladen. Feine Bronzebeschläge. 37 x 26 x 23 cm. CHF 1 200 / 2 200 (€ 1 110 / 2 040) 1042* KONSOLE Napoléon III in Anlehnung an den Regence-Stil, Frankreich, 19. Jh. Holz durchbrochen und beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifte, trapezförmige, profilierte, rot/weisse Marmor- platte (später) auf durchbrochener, wellig aus- geschnittener Zarge mit durch Kartuschen- steg verbundenen Volutenstützen. Wenige Fehlstellen, Restaurierungen. Ergänzung an der linken Zarge. 102 x 53 x 83 cm. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 34 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 39. 1044* TAPISSERIE „ALLEGORIE ASIENS“ Napoléon III, Frankreich, nach einer Vorlage des 18. Jh. Rechteckig. Darstellung des Kai- sers von China in baldachinartigem Unter- stand im Beisein von zahlreichen Tieren und Personen. 232 x 189 cm. Starke Farben, perfekter Zustand. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) 1045 EIN PAAR MOHRENBÜSTEN Spätbarock, Italien, 19. Jh. Schwarzer, weisser und polychromer Marmor. Weibliche bzw. männliche Mohrenbüste mit stilisierter Rüstung. Auf späterem geschwärztem Holz- sockel. H 85 cm. Provenienz - Aus einer hochbedeutenden europäischen Privatsammlung. - Auktion Koller, Dezember 2010, A155 Lot 1026. - Schweizer Privatbesitz. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520) | 35
  • 40. 1046 GROSSER SPIEGEL Régence, Frankreich um 1720. Holz geschnitzt mit Blattvoluten, Muscheln, Gitterwerk sowie vergoldet. Rechteckiger, oben leicht gerundeter profilierter Rah- men mit Muschelaufsatz und Frauenkopf. H 207, B 99 cm. Risse. Vergoldung berieben, Spiegelglas leicht korro- diert. CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 310 / 3 240) 1047 MESSKELCH Mülhausen, 1. Hälfte 18. Jh. Meister- marke wohl Abraham Mayr. Auf ge- wölbtem, glockenförmigem Fuss. Reich geschmückt mit Puttiköpfen, Blumen- bouquets, Muschelwerk und Rocaillen. Schaft mit doppeltem Nodus. Kuppa entsprechend. Mit zwei assortierten Patenen. H 27,3 cm. Zus. ca 765 g. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 6 000 (€ 2 780 / 5 560) | 36 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 41. 1048* RELIGIEUSE Louis XIV, Paris um 1680. Das Werk und Zifferblatt signiert Louis Ourry à Paris (Louis Ourry Meister 1693). Holzge- häuse mit Schildpatt belegt sowie vergoldete Bronze. Rechteckiges Gehäuse mit eingezogenem Abschluss, die Ecken bekrönt von vier geflammten Vasenaufsätzen sowie mit grosser zentraler Vase. Auf Tatzenfüssen mit Widderköpfen. Dekor in Form von Lyra, Blättern, Büsten und Streitwagen mit Pegasus. Reliefiertes und vergoldetes Messingzifferblatt mit weissen Emailkartuschen für römi- sche Stunden. Gebläute Zeiger. Werk mit Spindelhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zugrepetition mit Viertelstundenschlag auf 3 Glocken. Aufziehschlüssel. 60 x 33 x 116 cm. 1 Hammer fehlt. Schlagwerk zu überholen. Guter restauri- erter Zustand. Drei Emailkartuschen restauriert und leicht verfärbt. Türschlüssel fehlt. Vordere Eckbronzen sowie Füsse später. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890) 1049 KOMMODE Louis XIV/Régence, Paris um 1710/20. Rosenholz und Palisander gefriest und eingelegt in Reserven. Rechteckiger Korpus auf wenig ausgeschnittener Zarge und Stollenfüssen. Leicht ge- schwungene Front mit vier Schubladen auf drei Rängen zwischen mit Messing- kanneluren versehenen gerundeten Eckstollen. Die Schubladen unterteilt durch horizontale Messingkannelu- ren. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Maskarons, Blattvoluten und Rosetten. Wohl assortiertes, Campan Grand Melange Marmorblatt. 2 Schlüssel. 125 x 62 x 83 cm. Restauriert. Fehlstellen. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 37
  • 42. 1052* SPIEGEL „AUX DRAGONS“ Régence, Frankreich um 1720/30. Holz geschnitzt mit Rocaillen, Muscheln, Blumengirlanden und Blattvoluten sowie grau/braun gefasst und teilvergoldet. Rechteckiger, passig geschweifter pro- filierter Rahmen mit kartuschenförmigem Trophäenaufsatz, die Ecken mit Drachen beschnitzt. H 139, B 70 cm. Fehlstellen und Retuschen an der Fassung. Vergoldung berieben. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) 1051 HENKELSCHALE Wien, 1737. Meistermarke wohl Andreas Josef Rath. Passig ge- schweifte Form. Beidseitig Griffe. L 36 cm. 1005 g. 800er-Silber. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 600 / 1 000 (€ 560 / 930) 1050 1 PAAR ASSORTIERTE DECKELTERRINEN London 1792. Meistermarke John Edwards III. Und Dublin 1815. Meistermarke Daniel Egan. Glattwandige Rundform auf drei Mu- schelfüssen. Beidseitig Henkel. Deckel mit Ringknauf. D ca. 23,5 cm. Zus. 2745 g. 925er-Silber. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 2 000 / 4 000 (€ 1 850 / 3 700) | 38 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 43.
  • 44. 1053 KABINETTAUFSATZSCHRANK MIT DEM WAPPEN DER FAMILIE ZUR GILGEN Barock und später, Luzern, 18. Jh. Nussbaum, Zwetschge, Ahorn, Maser sowie 11 Pietra-dura-Paneele eingelegt mit feinen Zinnfi- lets. Kabinettoberteil in architektonischer Form mit durchbrochenem Balustradenkranz über Kranzschublade auf späteren Quetschfüssen. Front mit Doppeltüren, gegliedert durch drei freistehende Rundsäulen mit korinthischen Kapitellen. Öffnend auf reiches Innenleben mit zwölf Schubladen, gruppiert um eine zentrale Türe sowie gegliedert durch je zwei korinthische Viertelsäulen und Pilaster (mit Marmoreinlagen). Die innere zentrale Türe wiederum öffnend auf neun Schubladen, eine mit Geheimfach. Die ausseren Schubladenfronten sowie Türe belegt mit Pietra-dura Mosaiken, Darstellung von Architektur. Das Unterteil (später, unter Verwendung alter Teile) mit rechteckigem, markant überstehendem Blatt, eingelegt mit dem Familienwappen zur Gilgen in Reserve und abgeschrägten vorderen Ecken auf ausge- schnittenem Konsolenfuss und Sockelplatte. Front mit zwei bastionsförmig kassettierten Türen zwischen Nischen mit Muschelabschluss. Ober- sowie Unterteil mit bastionsförmi- gen Kissen belegt. 3 Schlüssel. 164 x 83 x 172 cm. Stark restauriert und ergänzt. Kleinere Fehlstellen und Ge- brauchsspuren. Der Name Zur Gilgen gehört zu einer Luzerner Patrizierfami- lie, die vermutlich wegen eines Hausnamens um 1450 ihren Namen von Getzenheim oder Getzenhans zu zur Gilgen än- derte und sich auch Zurgilgen oder a Liliis schrieb (Gilg = Li- lie). Ob Ulrich, der 1315 aus der Gegend von Strassburg nach Luzern gekommen sein soll, der Stammvater ist, ist fraglich. Der erste sichere Vertreter der Fam. ist der Tuchhändler und Bücherschrei- ber Hans Getzenheim aus Trechtingshausen (Kurmainz), der 1428 das Luzerner Bürgerrecht erwarb. Sein Sohn Hans, Tuchhändler, wurde 1454 Luzerner Grossrat und 1475 Kleinrat. Im 16. und 17. Jh. sassen die zur Gilgen mit Unterbrüchen in den Räten, im 18. Jh. mit bis zu fünf Grossräten und drei Kleinräten gleichzeitig. Sie stellten zwei Schultheissen (u.a. Aurel) und im 19. Jh. zwei Regierungsräte (u.a. Alois). Bonifaz, Abt von Pfäfers, und Josef (1656-1706), während dessen Amts- zeit als Abt von St. Urban das dortige Chorgestühl geschaffen wurde, bekleideten höhere kirchliche Ämter. Melchior erwarb um 1506-10 die Herrschaft Hilfikon und 1514 die Vogtei Sarmenstorf, die bis 1628 in Familienbesitz blieben. Er baute in Luzern 1507-10 das Haus zur Gilgen mit dem wieder aufgebauten, markanten Baghardsturm, das nach seinem Tod den Besitzer wechselte und 1571 von Ludwig zurückgekauft wurde. Aurel stiftete 1681 das Haus und den Turm als Fideikom- miss, das zu Beginn des 21. Jh. noch bestand. (Angaben: Historisches Lexikon der Schweiz, Version 17.11.2015) Die barocke Möbelproduktion in Luzern ist besonders und unterscheidet sich von derjenigen in Bern, Basel oder Zürich. Auf Grund seiner Lage an den wichtigen Verbindungen zwischen Norden und Süden machen sich stilistisch speziell die Einflüsse aus Italien und Deutschland bemerkbar, die sich in oft einfacheren aber kräftigen Grundformen, reichem geschnitztem Schmuckwerk sowie auwändigen Intarsienarbeiten manifestieren. Eine aktive adelige Führungsschicht sowie die römisch-katholische Kirche als Auftragsgeberin führen im 18. Jh. zu einer Blütezeit des Luzerner Möbels. Das hier angebotene Möbel weist gleich mehrere für Luzer- ner Mobiliar typische Eigenheiten auf. Nach Italien und Deutschland verweisend, ist die Verwendung der Pietra-dura-Technik im Inneren des Kabinetts. Ein Schreib- schrank von Ferdinand Plitzner mit ganz ähnlichen Pietra-Dura-Einlagen von 1710 befindet sich in Schloss Wiesentheid. Als Herstellungsort der Pietra-Dura-Arbeit wird Augsburg oder Böhmen angegeben (Heinrich Kreisel und Georg Himmelhe- ber. Die Kunst des deutschen Möbels. Bd. 2. München 1983. Nr. 186.) Literatur mit Abbildung: Walter R.C. Abegglen, Sibylle E. Burckhardt, Das Luzerner Möbel, Von der Spät- renaissance bis zum Biedermeier, Luzern 2011. S. 84, Nr. 25. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 40 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 45. Wappen der Luzerner Familie Zur Gilgen | 41
  • 46. 1055 VERMEIL TABATIERE 18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer reliefierten Dar- stellung des Peleus, der Cheiron seinen Sohn Achilles anvertraut, umgeben von Voluten und Rocaillen. 9,4×4,7×2,2 cm. 90 g. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 250 / 350 (€ 230 / 320) 1054 GROSSE BOULLE PENDULE AUF SOCKEL Régence/Louis XV, Frankreich, Paris, um 1730/40. Das Zifferblatt signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäuse belegt mit braunem Schildpatt sowie eingelegt mit graviertem Messing in Form von Blumen und Ranken. Eingezogener Amo- raufsatz. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachenköpfen, Fabeltieren, Maskaron und Blättern. Türzierde in Form eines Cello spielenden Jungen. Reliefiertes Zifferblatt mit Emailkartuschen für die römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 50 x 25 x 111 cm. Vergoldung berieben. Werk zu überholen. Marketerie restauriert. Risse und Ausbrüche im Email. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) | 42 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 47. 1056 BOULLE-PENDULE AUF SOCKEL Régence, Paris um 1720. Das Werk und Ziffer- blatt signiert CH. LE ROY À PARIS. Charles Le Roy, Meister 1733. Geschweiftes Holzgehäuse mit Boulle und Contre-Boulle Marketerie in gefärbtem Schildpatt, Messing, Horn und Perlmutt in Form von Ranken, Blumen und Rosetten. Reiche Bronze- beschläge in Form von Delphinen, Espagnoletten, Maskaron, Engelsköpfen etc. sowie Putto als Aufsatz. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. Der Sockel aus der selben Zeit weist in der Marketerie unterschied- liche Farben auf, evtl. ersetzt. Gehäuse etwas zu überholen. 49 x 24 x 124 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1057 VERMEIL TABATIERE Wohl Paris, Ende 18. Jh. Dose in Kartuschenform. Deckel mit einer relie- fierten Darstellung zwischen Voluten und Rocaillen. 7×5×1,8 cm. 95 g. Provenienz: Aus einer erlesenen Tessiner Privatsammlung. CHF 250 / 350 (€ 230 / 320) | 43
  • 48. 1059* KOPPCHEN UND EINE UNTERSCHALE MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-25. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Chinoiserieszenen in Vierpasskartuschen in Gold mit Laub- und Bandelwerk in Eisenrot. Am Rand Goldspitzenbordüren. Im Fond des Koppchens eine chinesische Gartenlandschaft in eisenroter Doppelringbordüre. Goldmarke Doppelpunkt auf dem Koppchen, 72. auf der Unterschale. D 7,4 cm. 12,8 cm. Minime Randbestossung. Provenienz: Italienische Privatsammlung. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) 1058 TELLER MIT SELADON- GRÜNEM FOND UND KAUF- FAHRTEISZENEN Meissen, um 1730. Seladonfar- bener Fond mit einer vielfach gebogten Reserve im Spiegel bemalt mit drei indianischen Blumenzweigen um einen Schmet- terling im Zentrum. Auf der Fahne drei passige Kauffahrteiszenen wohl von Friedrich Christian Herold, gold gerändert. Unterglasurblaue Schwertermarke. D 23,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Ein Vergleichsstück in der Samm- lung Erich von Goldschmidt-Roth- schild, Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 122 (ohne Abb.). CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) | 44 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 49. 1060 ZWEI SELTENE DECKELSCHALEN MIT SELADON- GRÜNEM FOND Meissen, um 1730. Für das Japanische Palais in Dresden mit der Johanneumsnummer „N=196. w”. Runde Form, der Deckelknauf in Form Kaninchens in Gold. Seladongrüner Fond mit goldgerän- derten Vierpasskartuschen und ostasiatischer Blumenmalerei. Eine Schale mit unterglasurblauer Schwertermarke, die andere mit emailfarbenen Schwertern in Purpur. Johanneumsnummern „N=196. w” eingeritzt und geschwärzt auf allen vier Teilen. Ritzzei- chen / im Standring einer Terrine. H 10,5 cm. D 13,4 cm. Deckel und Schale einer Terrine leicht bestossen. Provenienz: - Königlich–Sächsische Sammlungen, Japanisches Palais Dres- den. - Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Versteige- rung Ball Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590. - Schweizer Privatsammlung. Unter den Lieferungen ab 1732 für das geplante Japanische Palais für August den Starken, befand sich auch eine grosse Anzahl von seladon-glasierter Ware mit indianischen Blumendekoren. Höroldt hatte auf Initiative der Manufakturdirektion ab 1726 neue Fondfarben entwickelt, darunter Meergrün, auch Celadon oder Seladon genannt. Auf der Liste von 1736 mit der Lieferung vom Dresdener Waren- lager an das Japanische Palais findet sich auch folgender Eintrag: „38 St. grünglasurte kleine Suppenschalen ohne Henckel” (Boltz , Keramos 153/1996, S. 96). Die Pläne für die Neueinrichtung des Japanischen Palais im Obergeschoss war dem Meissener Porzellan vorbehalten, wobei für jeden Raum Porzellan in einer anderen Farbigkeit vorgesehen war. Seladongrüne Vasen und Geschirre wurden für das südwest- liche Eckkabinett eingeplant. Einer im November 1733 in Meissen aufgegebene umfangreichen Bestellung für das Japanische Palais ist zu entnehmen, dass in den bunten Fonds der Porzellane, Gold eingefasste Reserven ausgespart werden sollten, die nur mit „we- nige Malerei” zu füllen seien. (Julia Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München 2013, Bd. I, S.63 und Bd. II, S. 403-405). Nach vorzeitiger Beendigung der Neueinrichtung des Palais, fanden 1769 auch folgende Objekte Eingang in das Inventar des Turmzimmers der Dresdener Residenz und wurden unter Nr. 196 wie folgt aufgelistet: „Sechzehen Stück celadon Couleur glassurte Suppen-Schaalen mit Deckeln, worauf kleine Caningen sitzen, und weißen Schildern mit goldnen Rändgen eingefaßt, worinnen Blümgen gemahlt, jede 4½. Zoll hoch, 5½. ? Zoll in Diam:“ (Claus Boltz, Keramos 1996, S. 80). Vergleichsstücke: Auktion Christie‘s London, 28.3.1977, Lot 39 (Sammlung Maurice de Rothschild); Düsseldorf Hetjens Museum 1997, Ausst.-Kat. Frühes Meissener Porzellan, S. 52 Nr. 28; Auktion Bonhams London, 15.5.2011, Lot 175. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Rothschild, Ver- steigerung Ball Graupe Berlin, 25.3.1931, Lot 589, 590.
  • 50. Vergoldung berieben, ein Koppchen mit Haarriss. Provenienz: Aus altem Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 4 000 (€ 2 780 / 3 700) 1061 SECHS KOPPCHEN UND UNTERSCHALEN MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723–24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Jedes Stück mit Chinesen beim Müssiggang, Fischen und bei der Teezubereitung, in vierpassigen Goldkartuschen mit braunem Lüster und Laub- und Bandelwerk in Eisenrot und Purpur. Im Fond der Koppchen eine Gartenlandschaft in einer eisenroten Doppelringbordüre. Am Rand Goldspitzenbordüren. Auf der Rückseite eisenrote Ringbor- düren. Goldmarke K. H 4,2 cm. D 12,2 cm. 1062 UNTERTASSE MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt. Bemalt mit einem Chinesen, Wasser aus einem Trog schöpfend, in einer vierpassigen Goldkartusche mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Der Rand mit Goldspitzenbordüre. Emailblaue Schwertermarke, Ritzzeichen /. D 13,5 cm. Vergoldung der Kartusche teilweise berieben. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 500 / 700 (€ 460 / 650) | 46 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 51. 1063 KUMME MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt und Johann Ehrenfried Stadler. Bemalt mit Chi- noiserieszenen auf Grasstreifen in Goldkartuschen mit Laub- und Bandeldekor in Eisenrot. Seitliche indianische Blumenzweige und Goldspitzenbordüren. Goldmarke K. D 17,5 cm. Kleine Bestossung am Standring, Vergoldung minim berieben. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1064 HENKELBECHER MIT CHINOISERIEDEKOR Meissen, um 1723-24. Bemalung in der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt. Die Henkel vergoldet. Auf einer Seite mit einem heimkehrenden Krieger begrüsst von einem Kind und sei- nem Diener, auf der Rückseite mit einem Chinesen bei der Heim- kehr zu seiner Frau, in vierpassigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot. Am Rand Goldgitterbordüre. Emailblaue Schwertermarke und Goldziffer 8. H 8 cm. Vergoldung berieben, Randbestossung. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 500 / 700 (€ 460 / 650) | 47
  • 52. 1065 INTERESSANTE BODENSTANDUHR MIT DATUM UND SEKUNDE, ZEITGLEICHE SOWIE EWIGEM KALENDER Régence, Paris um 1730/40. Das Zifferblatt und Werk signiert Ageron à Paris. François Ageron, Meister 1741. Rosenholz, Veil- chenholz und Satinholz eingelegt à la reine sowie in Reserven. Mehrfach eingezogenes und geschweiftes Gehäuse auf geradem Sockel. Vergoldete Bronzebeschläge in Form von Drachen, Rocail- len, Muscheln, Schnecken und Blättern. Gravierter versilberter Zif- ferring mit römischen Stundenzahlen sowie arabischen für Datum und Sekunden um vergoldetes Zentrum. Verstellbarer äusserer versilberter Ring mit Monaten, Sekunden und Datum für einen manuellen ewigen Kalender. Vergoldete durchbrochene Minuten- und Stundenzeiger sowie gebläute Datum- und Sekundenzeiger. Werk mit Grahamhemmung sowie Halbstundenschlag auf Glocke. Zeitgleiche (equation du temps). 2 Eisengewichte. 1 Schlüssel. 54 x 30 x 202 cm. Gehäuse restauriert. Risse und Fehlstellen in Marketerie. Bruch in Bronzeapplikation. Geringer Teil des Werkes entfernt, wohl Arre- tierung des Gehwerks. François Ageron war ein brillanter Uhrmacher und bekannt für seine qualitativ hochstehenden, meist komplizierten Werke. Das einzigartige Werk der hier angebotenen Standuhr verfügt über einen manuell nachführbaren ewigen Kalender, der in der Funkti- onsweise an ein Astrolabium erinnert. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 630 / 7 410) | 48 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 53. 1066* BEDEUTENDE UND FEIN GESCHNITZTE KONSOLE „AUX DRAGONS“ Régence, Nordfrankreich oder Deutschland um 1725/30. Holz reich geschnitzt mit Rocaillen, Blumen, Blättern und Gitter- werk sowie vergoldet. Trapezförmiges, passig geschweiftes und randmoulüriertes rot/weisses Marmorblatt auf geschweift ausgeschnittener, durchbrochener Zarge mit Jagdattributen. Auf markant geschweiften Beinen, umschlungen von Drachen sowie verbunden durch einen breiten Steg mit Darstellung eines Jagd- hundes mit Schwan. 143 x 66 x 44 cm. Fehlstellen und Reparaturen, Ergänzungen. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780) | 49
  • 54. 1067 ♣ BOULLEPENDULE AUF SOCKEL Louis XV, Bern um 1750. Geschweiftes Holzgehäuse belegt mit braun gefärbtem Schildpatt sowie eingelegt in teils graviertem Messing in Form von Blütenzweigen und Ranken. Reiche Bron- zebeschläge in Form von Blattvoluten, Rocaillen und Blumen. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit weissen Emailkartuschen. Berner Werk mit Ankergang, Dreiviertel-Stundenschlag auf zwei Glocken. 43 x 22 x 112 cm. Zentrale Emailkartusche mit Rissen und Ausbrüchen. Geringe Fehlstellen an der Marketerie. Gravierung berieben. Zugrepeti- tion ausgebaut. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 700 / 6 480) 1068 GRÜNE HORNPENDULE AUF SOCKEL Louis XV, Paris, 2. Hälfte 18. Jh. Das Zifferblatt und Werk signiert Bunon à Paris (wohl Antoine Robert Bunon). Geschweiftes Gehäu- se belegt mit grün gefärbtem Horn. Reiche vergoldete Bronzebe- schläge in Form von Muscheln, Rocaillen und Blattvoluten. Aufsatz in Form eines Kranichs mit Rocaillen und Blumen. Türbronze in Form einer geharnischten Frau zwischen zwei geschlagenen Tür- ken. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit Emailkartuschen, römische Stunden- und arabische Minutenziffern. Schlichte Zeiger. Werk mit Spindelgang und Halbstundenschlag auf Glocke. 1 Schlüssel. 45 x 25 x 122 cm. Vergoldung berieben. Horn restauriert und etwas zu überholen. Werk zu revidieren. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) | 50 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 55. 1069* KONSOLE „AUX DRAGONS“ Louis XV, Franken oder Potsdam um 1740. Holz fein und präg- nant geschnitzt mit Rocaillen, Blattvoluten und Blumen sowie vergoldet. Trapezförmiges, dreiseitig geschweiftes rot/grau gesprenkeltes, randmoulüriertes Marmorblatt auf geschweif- ter, durchbrochener Zarge und durch Rocaillen verbundenen Volutenbeinen, beschnitzt mit vollplastischen Drachenfiguren. 100 x 48 x 83 cm. Marmorblatt repariert. Fehlstellen an der Vergoldung. Die äusserst kraftvolle und lebhafte Schnitzerei dieser Konsole sprechen für einen bildhauerisch geübten Ebenisten. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) | 51
  • 56. 1070 TASSE UND UNTERTASSE MIT „WACHTELDEKOR” Meissen, um 1738-40. Becherform mit J-Hen- kel. Pupurfond mit Vierpassreserve, darin im Ka- kiemonstil zwei Wachteln zwischen blühenden Prunusstauden. Ränder vergoldet und gerän- dert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermar- ke, Tasse mit Formernummer 24 eingepresst. H 7 cm. D 13 cm. Fussrand bestossen. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1071* SERIE VON 23 TELLERN UND EINE SCHALE „GELBER LÖWE“ MEISSEN, um 1740-50. Modell von Johann Friedrich Eberlein. Nach einem ostasiatischen Vorbild. Neubranden- stein-Relief mit Goldbordüren. Untergla- surblaue Schwertermarke und diverse Pressnummern. D Teller 23 cm. D Schale 24, 7 cm. Provenienz: Italienische Privatsammlung. Der gelbe Löwe gehört zu den Dekoren, die der französische Kaufmann Lemaire für den Verkauf als asiatisches Porzellan in Frankreich, zwischen 1729 bis 1730, in Meissen in Auftrag gegeben hatte. Die Sammlung Schneider in Lustheim besitzt eine grössere Anzahl von Geschirrtei- len (J. Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, 2013, Bd. II, S. 265–289). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 57. 1072 SELTENE TEEKANNE Meissen, um 1730. Chinoiserien in der Werkstatt von Johann Ehrenfried Stadler. Die fünfpassige Kürbisform mit Pupurfond, in den braun-geränderten Vierpassreserven je ein Chinese mit Schmetterling und mit Sonnenschirm an einer Staude mit indianischen Blumen. Der passig modellierte Deckel mit vier Reserven von indianischer Blumenmalerei. Ränder vergoldet. Dre- herzeichen für Elias Grund und Spuren einer unterglasurblauen Schwertermarke. H 13 cm. Henkel am Ansatz repariert, minime Bestos- sung am Ausguss und Innenrändern. Provenienz: Basler Privatsammlung. Vergleichbare Form, mit erbsgrünem Fond und mit indianischen Blumen bemalt, in der Sammlung Dr. Ernst Schneider in Schloss Lustheim (Julia Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern, München, 2013, S. 414). CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) 1073 LÖFFELSCHÄLCHEN MIT „WACHTELDEKOR” Meissen, um 1738-40. Quadratische Form mit abgeflachten Ecken, Purpurfond bemalt mit einem Paar Wachteln zwischen blühenden Prunusstauden im Kakiemonstil, gerändert in Braun. Unterglasurblaue Schwertermarke, Formernummer 66 einge- presst im Standring. 15,2 × 14,8 cm. Minime Randbestossung. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) 1074 PLATTE MIT „BIENENMUSTER” Meissen, Mitte 18. Jh. Runde Form mit gewelltem Rand und Altozier-Relief. Bemalt mit indianischen Blumen und Schmet- terlingen auf einem Grasstreifen. Unterglasurblaue Schwerter- marke, Pressnummer 21. D 28,3 cm. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 400 / 600 (€ 370 / 560) | 53
  • 58. 1075* GROSSE TAPISSERIE „ALLEGORIE DES FRÜHLINGS“ Bruxelles, wohl nach Entwürfen von Lodewijk van Schoor, Anfang 18. Jh. Wolle und Seide. Darstellung der Flora mit Gefolge in einer Palastarchitektur mit Ausblick in einen Park mit feierndem Volk. Blätterbordüre. Restaurierungen mit 1076 KLEINES BUREAUPLAT Louis XV, Frankreich um 1750. Palisander gefriest und eingelegt in passigen Reserven. Rechteckiges, in Messingstab gefasstes Blatt mit brauner, goldgeprägter Lederauflage auf wenig geschweifter Zarge mit drei Schubla- den, die mittlere etwas zurückversetzt. Auf der Rückseite gleiche, jedoch blinde Eintei- lung. Auf geschweiften Beinen mit Sabots. Bronzebeschläge in Form von Blättern und Rocaillen. 1 Schlüssel. 131 x 66 x 76 cm. Restauriert. Leder fleckig. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) aufgenähter Etikette „DE WIT Royal Manufacturers Belgium 2014“. ca. 311 x 459 cm. Eine ähnliche allerdings kleinere Tapisserie wurde bei Chris- tie‘s New York, Auktion 19.10.2011 verkauft - Lot Nr. 217. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150) | 54 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 59. 1077 DECKELTERRINE Meissen, um 1745. Ovale Form mit Sulkow- ski-Relief und seitlichen Blatthenkeln mit Maskaron. Bemalt mit feinen Landschafts-, Kauffahrtei- und Jagdszenen, darunter eine Elbansicht mit der Stadtkulisse von Dresden, in Goldgitterkartuschen mit Laub- und Ban- delwerk in Purpur und Eisenrot. Dazwischen indianische Blumen. Blaue Schwertermarke auf dem unglasierten Boden, Pressnummer 25. H 27,5 cm. L 23,5 cm. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480) | 55
  • 60. 1078* DECKELTERRINE Meissen, um 1750. Die runde Form mit Neuozierrelief, bemalt mit feinen Vogelvignet- ten und verstreuten Insekten. Die seitlichen Blatthenkel gehöht in Gold und mit Gemüse appliziert. Der Deckel mit einem plastischen Stilleben aus Hummer, Bohnen, Pilzen, Spargel, Kohl und Erdbeeren auf den Rocailleknauf appliziert. Unterglasurblaue Schwertermarke. D 20 cm. Deckelrand restauriert. Provenienz: Italienische Privatsammlung CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) 1079 MILCHKÄNNCHEN MIT ORNITHOLOGISCHEM DEKOR Meissen, um 1750. Mit rocaillemodelliertem Ausguss und Henkel gehöht in Gold, bemalt mit feiner Vogelmalerei und verstreuten Insekten. Der flache Deckel mit Insektenma- lerei und Knospenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke. H 13,5 cm. Ausguss mit kleiner Bestossung, Vergoldung leicht berieben. Provenienz: Basler Privatsammlung. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) | 56 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 61. 1080 SELTENES MODELL EINES EISVOGELS Meissen, um 1735–39. Modell von Johann Joachim Kändler für das Japanische Palais in Dresden. Auf einem hohen Felsso- ckel mit Moos, Blättern und seegrünem Schilf appliziert. Sein Gefieder staffiert in Grün mit hell geschuppter Partie an Kopf und Rumpf, die Flügel gehöht in Schwarz und Blau, der Bauch schraffiert in Braun, die Krallen in Eisenrot. Ohne Marke. Spuren einer handschriftlichen Inventarnummer in Schwarz auf der Unterseite. H 23 cm. Ergänzter Schnabel geklebt, Blätter am Fels zum Teil restauriert und ergänzt, Blätter und Schilf zum Teil bestossen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. In der Galerie des Japanischen Palais, dessen Umgestaltung 1730 durch August den Starken (1670–1733) in Auftrag ge- geben wurde, sollte die berühmte Meissener Menagerie mit lebensgrossen Tierplastiken präsentiert werden. Es sind nur wenige kleinere Modelle, wie die des Eisvogels, den man auf einer Arbeitsliste von 1735 für das Japanische Palais findet: „12. Ein Eis Vogel poussiret Wie er auf einem kleinen Stein Klipgen sitzet daran etwas Blätter Werk gewachsen ist“. Von diesem seltenen Vogelmodell wurden 1736 nur vier Exemplare an das Japanische Palais ausgeliefert. Im Inventar von 1770 finden sich nur noch zwei Exemplare (Johanneums- nummer N=353-w), welche nach und nach aus dem Inventar gelöscht wurden mit dem Vermerk ‚sind beim Putzen zerbro- chen worden‘ (Samuel Wittwer, Die Galerie der Meissener Tiere. Die Menagerie August des Starken für das Japanische Palais in Dresden, München, 2006, S. 318). Vergleichsstücke: Metropolitan Museum New York, Collection Mr and Mrs Charles Wrightsman (1976.155.122); Collection Sir Gawaine Lady Baillie, Auktion Sotheby‘s London, 1.5. 2013, Lot 11. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630) 1081 MODELL EINES PAPAGEIS Meissen, um 1738–45. Modell von Johann Joachim Kändler. Auf einem Baumstumpf mit Blättern und einer Blüte appliziert. Das schraffierte Gefieder staffiert in Grün und Gelb, die Spitzen der Flügel und Schwanzfeder in Blau. Ohne Marke. H 14,2 cm. Schnabel mit Restaurierung, Flügel und Schwanzfe- dern mit Ergänzungen. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Vergleichsstücke: Rainer Rückert, Meissener Porzel- lan, München 1966, S. 266 Nr. 1083 und 1084; Yvonne Hackenbroch, Irwin Untermyer Collection, New York, Taf. 5; Sammlung Baron Erich von Goldschmidt-Roth- schild (Christie‘s Geneva, 9.5.1988, Lot 145, 146). CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 390 / 2 310) | 57
  • 62. 1082 PAAR GESCHNITZTE UND GEFASSTE BEISTELL­ TISCHE MIT CHINESISCHEN LACKPANEELEN Rokoko, Deutschland um 1740/50. Die Lackpaneele China, 18. Jh. Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Rocaillen und Blät- tern, schwarz gefasst sowie teils vergoldet. Rechteckiges Blatt in chinesischer Lackarbeit mit Darstellung von Fischern auf Booten. Erhöhter gekehlter Rand in europäischem Vernis. Die wellig ausgeschnittene Zarge mit markanten Rocaillen und Blattvoluten geschnitzt und auf markant geschweiften Beinen mit Volutenfüs- sen. Auf der Zargenunterseite Inventarstempel: Staatliche Kunst- sammlung Schloss Pillnitz 264 bzw. 265 sowie Inventarnummern in Schwarz DA.10.22 bzw. 23; Inventarnummern in Weiss 49349 bzw. 49350; einer mit Inventaretikette Dahlen 23. 86 x 59 x 79 cm. Blatt und Fuss eventuell arrangiert, die schwarze Fassung des Gestells wohl später. Fehlstellen. Provenienz: - Reichsgraf Heinrich von Bünau, Schloss Dahlen, Sachsen. - Staatliche Kunstsammlung Schloss Pillnitz. - Gekauft bei Aveline Paris, Dezember 2000. - Schweizer Privatbesitz. Die kraftvolle und prägnante Schnitzerei deutet auf einen Herstel- ler hin, der auch über grosse bildhauerische Fähigkeiten verfügte, wie etwa Johann August Nahl, tätig am Hof von Friedrich dem Grossen zwischen 1740 und 1745. Das Motiv der Rocaille mit Flügel ist typisch für diesen Bildschnitzer, der zwischenzeitlich in Bern tätig war und dort Schnitzdekorationen an der Orgel im Berner Münster fertigte. Vgl. Hermann von Fischer: Fonck à Bern, Bern 2001, S. 220 (mit Abb. 398) für die Merkmale der Arbeiten von Nahl. Die Inventarnummern DA.10.22 und 23 verweisen das von 1744 bis 1751von Heinrich von Bünau errichtet Schloss Dahlen wurde. Die beiden Stücke sind in der Schlossbergungsliste aus dem Jahr unter diesen Nummern verzeichnet. Heinrich von Bünau, der Sohn des gleichnamigen kursächsischen Kanzlers, wurde am 2. Juni 1697 in Weißenfels geboren. Nach dem Jurastudium an der Universität Leipzig arbeitete er als Beisitzer des dortigen Obergerichtshofs und wurde 1730 Wirklicher Gehei- mer Rat. Bünau setzte sich für die Rechte der Stände ein, weshalb Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) den unbequemen Grafen 1734 ins entfernte Eisleben entsandte. Dort leitete er die Verwal- tung der Grafschaft Mansfeld. Ab 1740 war Bünau als Gesandter Kursachsens in Mainz tätig, 1742 erhob ihn Kaiser Karl VII. in den Reichsgrafenstand. Bünau kehrte 1745 nach Dresden zurück, wo er erneut für die ständischen Rechte eintrat und seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzte. Nach dem endgültigen Bruch mit dem Premierminister Heinrich Graf von Brühl folgte Bünau 1751 dem Ruf des Herzogs von Sach- sen-Gotha-Altenburg als Statthalter nach Eisenach. Bei der Ausstattung von Schloss Dahlen orientierte sich Graf von Bünau am Prunk und Glanz des Dresdner Hofes. Im Jahre 1335 ist Schloss Pillnitz erstmals als Herrensitz und Rittergut erwähnt. Kurfürst Johann Georg IV erhält 1694 das Pill- nitzer Anwesen im Tausch gegen Schloss und Amt Lichtenwalde. Als der Kurfürst kurz darauf stirbt gehen Schloss und Park Pillnitz in den Besitz von dessen Bruder Friedrich August, auch bekannt unter dem Namen August der Starke, über. 1706 überlässt Friedrich August das Anwesen seiner Mätresse Anna Constanta von Cosel, welche es von 1713 bis 1715 bewohnt. Nachdem sie jedoch in Ungnade fiel, übernahm August der Starke wieder das lustvolle Leben in Schloss Pillnitz und der Schlossanlage. Nebst den üblichen Lustbarkeiten und Festen wurde das Anwesen für grosse Hochzeiten benutzt. So im Jahre 1719 als Kurprinz Friedrich August und Maria Josepha, Tochter des Kaiser Joseph I, heirateten. Spätere Anbauten wie der Wasser- und Bergpalais, die Schlosskirche Zum Heiligen Geist sowie der Chinesische Garten umrahmten das Anwesen. Ein Brand im Mai 1818 zerstörte jedoch das alte Renaissanceschloss sowie den benachbarten Venustem- pel und bis 1830 wurden darauf das Neue Palais im klassizisti- schen Stil sowie ein gusseisernes Gewächshaus, das Palmenhaus, errichtet. Dieses neue Schloss mit Park Pillnitz wurden danach als Sommerresidenz für das sächsische Königshaus genutzt. Eine direkte Verbindung zwischen Schloss Dahlen und Schloss Pillnitz konnten wir nicht herausarbeiten. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) | 58 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 63. | 59
  • 64. 1084* KOMMODE „À FLEURS“ Transition, Paris um 1760. Signiert G. Jansen sowie mit Innungsstempel. Georges Jansen, Meister 1767. Rosenholz, Veilchenholz, Amarant sowie diverse teils getönte Hölzer eingelegt in Form von Blumen und geometrischen Reserven. Leicht trapezförmiger, dreiseitig geschweifter Korpus auf ausgeschnittener Zarge mit ge- schweiften Beinen. Front mit zwei Schubladen ohne Traverse. Bronzebeschläge. Zentralver- schluss. Beige/rotes Brekzieblatt. 1 Schlüssel. 67 x 43 x 81 cm. Restauriert, grössere Partien des Furniers er- setzt. Boden ersetzt. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 1083 GROSSER ROKOKO KAMINSPIEGEL wohl Bern um 1750/55. Holz geschnitzt, durchbrochen gearbeitet sowie vergoldet. Rechteckiger moulürierter Rahmen mit durchbrochenem Rocaillenaufsatz. Die unteren Ecken mit Rocaillen und Voluten verziert. Altes Spiegelglas. 88 x 144 cm. Fehlstellen an der Vergoldung. Reparaturen. Provenienz: Alter Schweizer Privatbesitz Die sich leicht auflösende Rocaille erinnert an Arbeiten von Johann August Nahl und dessen Einfluss auf die Werkstatt Funk. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560) | 60 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 65. 1085* HAUSMALER WALZENKRUG Meissen, um 1730-35. Die Bemalung möglicherweise von Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau. Mit Bandhenkel und blattförmigem Abschluss, über „C.P.S.” Monogramm in Gold. Dargestellt eine hügelige Landschaft mit einer Stadtansicht in der Ferne. Diana gemeinsam mit ihren Gefährtinnen beim Bade. Verborgen hinter einem Baum Aktaion mit seinen Jagdhunden, zu seiner Rechten eine ahnungslose Nymphe. Ohne Marke und ohne Punzen. H 16,6 cm. Provenienz: Privatbesitz, Paris. In der Mythologie wird Aktaion, der beim Umherstreifen durch die heimatlichen böotischen Wälder die Jagd- und Mondgöttin Diana beim Bade mit ihren Nymphen heimlich beobachtet, in einen Hirsch verwandelt und schliesslich von seinen eigenen Hunden zerrissen. Er soll sich nicht rühmen können, die jungfräuliche Göt- tin nackt gesehen zu haben. Die häufigste Darstellung beschreibt den Moment, in dem Aktaion in einen Hirsch verwandelt wird, sel- tener sieht man die Szene, die den Moment kurz vor seiner Ver- wandlung beschreibt. Es soll ein Versuch sein, diese interessante Malerei dem Werk eines bekannten Hausmalers zuzuschreiben. Carl Ferdinand von Wolfsburg aus Breslau (1692-1764), ein Schü- ler Bottengrubers, wird von Gustav Pazaurek als adeliger Amateur unter den Porzellan- und Emailmalern beschrieben. Obwohl er als Amateur galt, der jedoch aus einem kultivierten Umkreis kam, hatte er als Porzellanmaler durchaus einen Namen, da er selbst der Kronprinzessin von Preussen eine „ganze Garnitur weissen Meissner Porzellans von ihm en emaille gemalt” überreichen durf- te. Eine ganze Reihe von signierten und datierten Stücken, meist monochrom und mit mythologischen Motiven sind überliefert, wie zum Beispiel ein Meissener Krug mit einer bacchantischen Szene, ehemals aus dem Berliner Schlossmuseum. Wolfsburg hat zu- sammen mit seinem Lehrer Ignaz Bottengruber die Zeit zwischen 1730 und 1731 in Wien verbracht. Der Kontakt mit der Manufaktur Du Paquier und ihr Einfluss auf sein Werk könnte auch der Entste- hung der Bemalung unseres Kruges vorausgegangen sein. Das letzte bekannte Werk aus Wolfsburgs Hand, der inzwischen zum Preussischen Rat aufgestiegen war, stammt aus dem Jahre 1756 (G.E. Pazaurek, Deutsche Fayence- und Porzellan-Hausmaler, 1925 (1971) Bd. I, S. 193-203). CHF 7 000 / 9 000 (€ 6 480 / 8 330) 1086 SCHOKOLADENBECHER MIT UNTERSCHALE Meissen, um 1740. Vergoldung in Augsburg. Dop- pelhenkelige Becherform. Fels- und Vogeldekor in Unterglasurblau, Dekor in Gold mit feiner Radierung mit Darstellung eines Chinesen und einem Pavillon auf der Tasse, Augsburger Randmuster. Untergla- surblaue Schwertermarke und Malermarken, Press- nummer 65 auf der Unterschale. H Tasse 6,5 cm. D Unterschale 12,5 cm. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) | 61
  • 66. 1087 BEDEUTENDE ROKOKO KONSOLE Bern um 1750/60. Von Johann Friedrich Funk I. (1706-1775). Holz teils durchbrochen geschnitzt mit Blattvoluten, Rocaillen und Gitterwerk sowie vergoldet. Trapezförmiges, randmoulüriertes Marbre de Roche Blatt in braun/rot/grau auf wellig ausgeschnit- tener Zarge mit zentraler, asymmetrischer Rocaillen-Karutsche, umrahmt von Schilfwerk und ovalen Durchbrüchen mit gelappter Umrandung. Die Schmalseiten nehmen die gleiche Gestaltung der Frontzarge hälftig auf. Prächtige Eckzierden aus Voluten und Blattwerk. Geschweifte s-förmige Beine mit nach aussen gelockten Füsschen. Die Beine an den Innenseiten mit weiterem Rankenschmuck, die Traverse bogenförmig geschweift und mit rocailllenartiger, sehr fein durchbrochener Kartusche. Originale Vergoldung. 115 x 58 x 88 cm. Provenienz: - Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler. - Sammlung von Goldschmidt-Rothschild. - Schweizer Privatbesitz. Die hier angebotene Konsole des Johann Friedrich Funk I, nimmt neben den berühmten Konsolen im Wildtschen Haus, welche der begabte Bildhauer und seine Werkstatt in den Jahren 1766/67 schuf, eine besonders wichtige Rolle ein. Es ist ein beschwingtes Rokoko von allerhöchstem Stellenwert, das wir in dieser, aus altem Berner Patrizierbesitz stammenden Konsole finden. Wenig vor den Wildtschen Konsolen, ca. 1760 entstanden, sticht eine feine Asymmetrie im Schnitzwerk unserer Konsole aus der traditi- onellen Formensprache des Bildhauers heraus. Die kraftvolle und dynamische Schnitzerei der zentralen Kartusche und die feinen Durchbrüche innerhalb von feinst graviertem Zargenfeld mit getupftem Gitterwerk, zeugen vom grossen Können des Meisters. Die Rouge Suisse-Marmorplatte ist von ausgewogener Farbkomposition und rundet in ihrer ausgesuchten Qualität das noble Erscheinungsbild dieser Konsole vortrefflich ab. Schloss und Herrschaft Münchenwiler waren seit 1668 im Besitze des Berner Aristokraten Anton von Graffenried. Das Schloss blieb bis1932 in von Graffenried-Besitz. Unsere Konsole blieb durch direkte Erbfolge seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, S. 230 und 231. Eine vergleichbare Konsole von Funk aus dem Reinacherhof in Basel, S. 209 (Abb. 373). CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) Schloss Münchenwiler, Hofansicht. | 62 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 67. 1088 GROSSER SPROSSENSPIEGEL Rokoko, Bern um 1750/60. Von Johann Fried- rich Funk I. (1706-1775). Holz geschnitzt mit Rocaillen, Blumengirlanden, Blattvoluten und Zierfriesen sowie moulüriet und vergoldet. Hochformatiges, zentrales Spiegelglas mit feinem Profilrahmen. Der äussere Rahmen in 14 Spiegelkartuschen unterteilt und durch feinste Sprossen, verziert mit Blüten und Rankenwerk, mit dem reichen Hauptrahmen verbunden. Dieser gekehlt, profiliert und mit gelapptem Zierdekor geschnitzt. Nach unten hin wellig abschliessend und mit seitlichen, gerollten Akanthusranken und geschweiften Füsschen. Nach oben bogenförmig abschliessend und mit sehr reichem rocailleartigen Fronton mit zentraler Granatapfelknospe innerhalb einer fein durchbrochenen Kartusche und seitlichen Zier- flügeln, verziert mit Blumen und Voluten. Teile der Spiegelgläser wohl später, insbesondere das Hauptglas. 236 x 118 cm. Fehlstellen und Risse. Vergoldung berieben. Spiegelglas leicht korrodiert. Provenienz: - Familie von Graffenried, Schloss Münchenwiler. - Sammlung von Goldschmidt-Rothschild. - Schweizer Privatbesitz. Der hier angebotene, grosse und prachtvolle Sprossenspiegel gehört zu den schönsten Spiegelschöpfungen der berühmten Berner Werkstatt des Johann Friedrich Funk I. und darf in die Zeit um 1765 datiert werden. Wie bei der Konsole aus Schloss Münchenwiler, gelingt auch hier dem Meister eine holzbildhauerische Glanz- leistung, die sich insbesondere in der virtuosen Schnitzerei des Frontons zeigt. Sind die seitlichen Fortsetzungen der Mittelkartusche noch sehr symmetrisch gearbeitet, so bricht der Bildhauer in eben dieser alles bekrönenden Kartusche ge- konnt die Symmetrie auf, in dem er der grossen Granatapfelknospe einen virtuos geschnitzten Rahmen ermöglicht. Vgl. Hermann von Fischer, Fonck à Berne, Bern, 2001, Abb. S. 206 und 207 CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 68. 1089 DREI SUPRAPORTEN MIT JAGDDARSTELLUNGEN IN KARTUSCHENFORM Rokoko, Bern, Mitte 18. Jh. Die Rahmen Johann Friedrich Funk I. zuzuschreiben. Holz fein geschnitzt mit Rocaillen, Blumen und Blättern sowie vergoldet und grau gefasst. Passige zentrale Re- serve bemalt in Öl auf Leinwand. Darstellungen der Jagdvorberei- tungen, der Jagd zu Pferd sowie dem Halalie. Die Rahmen in leicht unterschiedlichen Formen. Zentrale: L 135, H 63 cm. Beide seitlichen: L 123, H 59 cm. Provenienz: - Wohl Familie Frisching, Bern. - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410) | 64 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan
  • 69. 1091 ZUCKERDOSE MIT KAUFFAHRTEISZENEN Meissen, um 1740. Bemalung in der Art von Christian Friedrich Herold. Bemalt mit Kauffleuten am Quai eines Hafens, in Goldgitterkartuschen, braun konturiert. Der Deckel mit einer Goldgitterbordüre, appliziert mit einem Rosenknauf. Unterglasurblaue Schwertermarke, Vergol- dernummer 43. auf beiden Teilen. D 11 cm. Provenienz: Aus altem Schweizer Privatbesitz. CHF 700 / 900 (€ 650 / 830) 1090 SECHS KOPPCHEN UND SECHS UNTERSCHALEN Meissen, um 1730/1740-45. Die Koppchen mit Landschaften und pasto- ralen Figurenszenen, die Unterschalen mit Kauffahrteiszenen, in vierpas- sigen Goldkartuschen mit Laub- und Bandelwerk in Purpur und Eisenrot und indianischer Blumenmalerei im Fond der Koppchen in eisenroten Doppelringbordüren. Goldspitzenbordüren an den Rändern. Untergla- surblaue Schwertermarken, Goldmarke T. auf den Koppchen, Punkt in Gold auf den Unterschalen. Diverse Dreherzeichen auf den Unterschalen, Pressnummern 66 auf den Koppchen. D Unterschalen 11,7 cm, D Kopp- chen 7 cm. Provenienz: - Sammlung Friedrich von Tscharner (1868–1952), Bern. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. CHF 1 000 / 1 500 (€ 930 / 1 390) | 65
  • 70. 1092* GRÜNE HORNPENDULE MIT SOCKEL Louis XV, Paris um 1750. Das Werk sign. J.B. Baillon à Paris (Jean Baptiste Bail- lon, Meister 1727) und num. N 2106. Grünes Horn und vergoldete Bronze. Ge- schweiftes Gehäuse mit Aufsatz in Form des Amor, auf geschweiften Füssen und sich nach unten verjüngendem Sockel mit Blumen- und Blätterabschluss. Reliefiertes Bronzezifferblatt mit 24 Emailkartuschen mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. Umgebautes Ankerwerk mit Brocot-Hemmung und Halbstundenschlag auf Glocke. Vergoldete Beschläge und Applikationen in Form von Maskaronen, Blättern und Kartuschen. 1 Schlüssel. 43 x 20 x 111 cm. Zu revidieren. Die Hornmarketerie ausgebleicht und teils ersetzt. J.B. III Baillon war ein sehr bedeutender Uhrmacher der Louis-XV-Epoche und bekannt für eine qualitativ ausgesprochen hochwertige Produktion. Im Unter- schied zu vielen Zunftgenossen pflegte er seine Stücke zu nummerieren. Das Inventar von 1772 erwähnt ein Werk mit der Nummer 3808, was darauf hin- weist, dass seine Produktion sehr gross gewesen sein muss. J.B. III Baillon er- hielt verschiedene bedeutende Titel: „Valet de Chambre de la Reine“, „Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Reine“ und später „Premier Valet de Cham- bre et Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Dauphine“ (Marie-Josephe de Saxe, Gattin des ältesten Sohnes von Louis XV und Mutter des späteren Louis XVI). F. Berthoud, ebenfalls ein bedeutender Uhrmacher aus der gleichen Zeit, hielt in seinem „Journal Hélvétique“ aus dem Jahre 1753 den Besuch bei J.B. III Baillon wie folgt fest: „Sa maison est un Magasin d‘Horlogerie la plus belle et la plus riche. Le Diamant sert non seulement à décorer les Montres, mais même des Pendules; il en a fait dont les Boetes étoient de petits Cartels d‘Or, ornés de fleurs de Diamants imitant la Nature... Sa maison de St. Germain est une espèce de Manufacture. Elle est remplie d‘Ouvriers continuellement occupés pour lui... puisque lui seul fait une bonne partie de l‘Horlogerie.“ Lit.: J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 272f. (biogr. Angaben). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris 1972; S. 21 (biogr. Angaben). CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1093* BUREAU „EN PENTE“ Louis XV, Frankreich, 18. Jh. Veilchenholz und Palisander ge- friest sowie fein eingelegt „en papillon“ und mit Diamantspitz. Rechteckiger Korpus auf wellig ausgeschnittener Zarge mit hohen, geschweiften Beinen. Schräge, abklappbare und innen mit grünem Leder bezogene Schreibplatte über zwei nebeneinander liegenden Schubladen. Inneneinteilung mit grossem, dreige- teiltem Zentralfach, flankiert von je drei Schubladen unter Fach. Geheimfach. Spätere vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Zum Freistellen. 3 Schlüssel. 98 x 50(offen 86) x 102 cm. Restauriert und Furnier teils später. Blatt leicht verzogen, Kratzer. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780) 1094* EIN PAAR CHAUFFEUSEN Louis XV, Paris um 1760. Buche mouluriert und fein beschnitzt mit Blattwerk sowie vergoldet. Hufförmiger Sitz auf wellig ausge- schnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Eingezogene, bogen- förmig abschliessende Rückenlehne. Gebrauchter, hellbeiger Seidenbezug mit Blumen und Blättern. Fehlstellen. 53 x 43 x 47 x 87 cm. CHF 600 / 800 (€ 560 / 740) | 66 Decorative Arts | Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen, Silber, Porzellan