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Möbel, Pendulen, Tapisserien,
Skulpturen und dekorative Kunst,
Silber, Porzellan und Fayence
Auktion: Donnerstag, 22. März 2018
Vorbesichtigung: 13. bis 18. März 2018
10.00 Uhr Lot 1001 - 1147
13.30 Uhr Lot 1148 - 1366
ca. 16.00 Uhr Lot 1367 - 1451
Luca Raschèr
Möbel & Dekorationen
Tel. +41 44 445 63 53
rascher@kollerauktionen.ch
Giordana Schmid
Möbel & Dekorationen
Tel. +41 44 445 63 52
schmid@kollerauktionen.ch
Stephan Koller
Skulpturen
Tel. +41 44 445 63 20
skoller@kollerauktionen.ch
Bearbeitung:
Zusätzliche Informationen und Abbildungen auf unserer Webseite: www.kollerauktionen.ch
English descriptions are available on our website:
www.kollerauctions.com
Sabine Neumaier
Porzellan, Fayence & Glas
Tel. +41 44 445 63 12
neumaier@kollerauktionen.ch
Corinne Koller
Silber
+41 44 445 63 22
ckoller@kollerauktionen.ch
Hannah Wepler
Silber
+41 44 445 63 62
silber@kollerauktionen.ch
Auktion:
Donnerstag, 22. März 2018, 10.00 Uhr
Katalognr. 1001–1147
1001
KLEINE TISCHGLOCKE, sog. „campanella da tavola“, Renaissance,
Norditalien um 1650.
Bronze dunkel patiniert. Glockenförmiger, fein reliefierter Klangkörper mit
Darstellung von antikisierenden Figuren, Amoren und Maskaronen mit
ersetztem Knauf in Form einer kauernden Venus. H 13,5 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
CHF 800 / 1 200
(€ 670 / 1 000)
1002
TISCHGLOCKE, sog. „campanella da tavola“, Renaissance, sign. JOSEPH
DE LEVIS VER(ona) F(ecit) (Joseph de Levis, quellenmässig eruierbar
zwischen 1577 und 1605), Verona, Ende 16. Jh.
Bronze brüniert. Fein relieferter, glockenförmiger Klangkörper mit Greifen,
Kartuschen, Blättern Medaillon und Zierfries mit Balusterknauf. Wenige
Fehlstellen. H 15,5 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
Eine sehr ähnliche Tischglocke ist heute Teil der Sammlungen des Victoria
& Albert Museum in London und abgebildet in: C. Avery, Joseph de Levis
& Company, Renaissance Bronze-founders in Verona, London 2016; S.
42 (Abb. 43). Eine weitere Tischglocke, mit teils identischen Greifen, ist
Teil der Sammlungen der Fondazione Miniscalchi Erizzo in Verona und
abgebildet in: Ebd., S. 103 (Katalognr. 8).
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 330 / 5 000)
1003
BRONZEFIGUR EINES SICH AUFBÄUMENDEN HENGSTES, späte
Renaissance, nach Modellen von GIAMBOLOGNA (Jean de Boulogne,
Douai 1528-1609 Florenz) oder A. SUSINI (Antonio Susini, tätig zwischen
1572-1624), Italien oder Spanien, 17./18. Jh.
Bronze patiniert. Sich aufbäumender Hengst mit markanter Mähne und
Schweif. Auf späterem, ebonisierten und fein mit Amaranth-Blattwerk
eingelegtem Rechtecksockel. H 30 cm, mit Sockel 37 cm.
Provenienz:
- Ehemals Teil einer Sammlung in West County.
- Privatbesitz, Schweiz.
Das Motiv des sich aufbäumenden Hengstes gehört zu den beliebtesten
Sujets des 16. und 17. Jahrhunderts. Wohl beeinflusst von Leonardo da
Vincis monumentalen Pferdeskulpturen, fanden sich zahlreiche Bildhauer
und Bronziers - F. Fanella, P. Tacca oder B. Prieur - die sich dieses Themas
annahmen. Die hier angebotene Bronze weist grosse Ähnlichkeiten mit
der berühmtesten Ausführung von Giambologna, gegossen von A. Susini
aus den Jahren um 1600 auf, dem sog. „cavallino, che sta in su due piedi“.
Der grosse Erfolg solcher Modelle wurde bald darauf vor allem in Augsburg
übernommen und weiterentwickelt.
Lit.: A. Radcliffe / N. Penny, Art of Renaissance Bronze, 1500-1600 - the
Robert H. Smith Collection, New York 2004; S. 172-176 (Abb. 27).
CHF 9 000 / 14 000
(€ 7 500 / 11 670)
| 2
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1001 1002
| 3
1003
1004*
KABINETT, Barock, Vizagapatam um 1700.
Amaranth, Palisander und Ebenholz teils ebonisiert und eingelegt mit
feinen Elfenbeinfilets und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf Kugelfüssen.
Architektonisch gegliederte Front mit Zentralfach zwischen 2 Schubladen,
Verso kleine Geheimschublade, seitlich je 1 herausziehbare Säule mit
Fach, dahinter je 3 kleine Geheimschubladen, flankiert von 4 übereinander
liegenden Schubladen. Elfenbeinknöpfe. 79x25x45 cm.
Provenienz:
- Aus einer europäischen Sammlung.
- Auktion Koller Zürich, 29.3.2012 (Katalognr. 1003).
- Aus europäischem Besitz.
Vizagapatam war 1668 bis 1756 Handelsstation der British East India
Company. Hier wurden seit dem späten 17. Jahrhundert Möbel nach
westlichem Vorbild mit heimischer Dekoration hergestellt, die Bezug
nahm auf die indische Moghul-Kultur. Major John Corneille, der Vizaga-
patam 1756 besuchte, schrieb, dass Vizagapatam berühmt sei für „its
inlay-work and justly for they do it to the greatest perfection“.
CHF 9 000 / 14 000
(€ 7 500 / 11 670)
1005
ZIMMERUHR MIT MONDPHASE UND WECKER, Renaissance, undeutlich
monogr. .WL (wohl Erhard Liechti, gest. 1591) und dat. 1560.
Schmiedeeisen, teils bemalt. 4 in Fialen endende Strebepfeiler mit rot
gefasstem Glockenstuhl mit stilisierten Nelkenapplikationen und 2
übereinander platzierten Glocken. Fein bemaltes, hochförmig abschlies-
sendes Zifferblatt mit Fenster für die Mondphase über durchbrochenem
Zifferblatt mit ausgeschnittenem Stundenrad und römischen Stunden-
zahlen sowie Zentralwappen mit Datierung. 1 fein bemalter Zeiger. Werk
mit Eisenräder für Geh- und Schlagwerk hintereinander angebracht sowie
grosser, zurückgebauter Radunruh. Fein geformte Schlaghammer für den
Stunden- und Halbstundenschlag. Bemalung des Zifferblattes restauriert.
16x15x41,5 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
Eine nahezu identische Zimmeruhr von Erhard Liechti, stammend aus der
Sammlung S. Hildebrand, wurde in unserer Juni-Auktion 1997 (Katalognr.
1019) verkauft.
E. Liechti führte die väterliche Werkstatt zusammen mit seinem Bruder
Lorenz II nach dessen Tod weiter und fertigte anfänglich vor allem Turm­
uhren. Da aber im Lauf der Zeit die Aufträge knapper wurden, richtete
sich Erhard eine eigene Werkstatt für die Herstellung von Zimmeruhren
ein. A. Schenk betont den grossen Einfluss der deutschen Uhrmacherei
auf das Oeuvre Erhards und vermutet, dass Erhard für eine gewisse Zeit
als Geselle in Deutschland gearbeitet hat. Eine Besonderheit entwickelte
Liechti mit dem ab etwa halber Länge zu einem weiten Bogen ausgeformten
Halbstundenhammer, der in einem wasserspeierartigen Kopf endet.
Lit.: A. Schenk, Die Uhrmacherfamilie Liechti von Winterthur und ihre
Werke, Winterthur 2006; S. 40-56 (biogr. Angaben) sowie S. 48f. (Abb. 16 -
eine nahezu identische Zimmeruhr).
CHF 25 000 / 35 000
(€ 20 830 / 29 170)
| 4
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1004 (Detail)
1004
| 5
1005
1006
GROSSE ANRICHTE, sog. „credenza“, Toskana, 17. Jh.
Nussbaum kanneliert und profiliert. Rechteckiger Korpus mit vorstehen-
dem Blatt auf gekehlter und bastionsförmiger Sockelplatte. Architekto-
nisch gegliederte Front mit Doppeltüre unter entschprechenden Schub-
laden und flankiert von 3 kannelierten Pilastern. Holzknöpfe. Eisenschloss.
Ergänzungen. Etwas zu überholen. 195x58x116 cm.
Provenienz: Privatsammlung, St. Moritz.
Für vergleichbare Anrichten siehe M. Cera, Il mobile italiano, Mailand 1983;
S. 35f. L. Zinutti, Il linguaggio del mobile antico, Treviso 2011; S. 298f.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 170 / 6 670)
1007*
TAPISSERIE „SERVANTE DONNANT A MANGER AUX POULES“, Renais-
sance, aus der Folge der „Scènes de la Vie Champêtre“ von J. JORDAENS
(Jacob Jordaens, 1593-1678), monogr, BB für Brüssel-Brabant, um
1630/50.
Darstellung einer jungen Frau mit Korb und Tieren in einem Palastportikus,
dessen maskaronbeschmückte Säulen die Bordure darstellen. H 370 cm.
B 254 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, Genf.
- Auktion Koller Zürich, 21.3.2001 (Katalognr. 1002).
- Bedeutende Privatsammlung, Deutschland.
Die hier angebotene Tapisserie ist Teil einer Serie von 8 Szenen „de la
Vie Champêtre“, die J. Jordaens um 1625 entwarf und in den Brüsseler
Ateliers bis ca. 1650 gefertigt wurden. Die Zuschreibung an den Künstler
ist dadurch belegt, dass zahlreiche seiner Entwürfe noch erhalten
sind. Wenn auch kein Entwurf für die hier angebotene Tapisserie
mehr vorhanden ist, so lässt sich ihre Ikonografie und figurale
Darstellung doch der Hand Jordaens zuschreiben. Als Zeitge-
nosse von P.P.Rubens und A. van Dyke etablierte sich J. Jordaens
als Künstler mit Darstellungen der „genres populaires“ (wie die
hier angebotene Tapisserie) und „allégoriques“ (zum Beispiel „Le
Manège“). Die hier angebotene Tapisserie mit der „ländlichen“
Frauengestalt im kontrastierenden Palastportikus kann als Hinweis
darauf gedeutet werden, dass diese Darstellung als „réflexion
sur les types populaires“ für einen noblen Auftraggeber gefertigt
wurde. Eine komplette Edition befindet sich im Kunsthistorischen
Museum in Wien (Inventarnr. N.C) sowie in Hardwick Hall, England.
Teile dieser Folge sind Bestand der Sammlungen des Schlosses
von Nachod in Tschechien und waren auch in der Sammlung Bra-
quenié. Die oben erwähnten Editionen tragen zudem die Signatur
des Ateliers - Geubel und C. van der Bruggen. Alle Szenen dieser
Folge sind mit einer architektonischen Bordure versehen, unter-
scheiden sich jedoch in einigen Details. Die erste mit Darstellung
eines Portikus als „encadrement“ findet sich in P.P.Rubens‘ 19tei-
liger Folge „Triomphe de l‘Eucharistie“ aus den Jahren um 1625,
heute Bestand der Sammlungen der Descalzas Reales in Madrid.
J.Jordaens hat sich also sehr früh diesem Sujet gewidmet, auch
bei der Folge der Proverbes (heute Bestand der Sammlungen der
Museen von Tarragona und Hluboka).
Lit.: G. Delmarcel, La tapisserie flamande du XVe au XVIIIe siècle,
Tielt/Paris 1999; S. 290-93. R. Bauer/G. Delmarcel, Ausstel-
lungskatalog „Tapisseries bruxelloises au siècle de Rubens“ in den
Musées Royaux d‘Art et d‘Histoire, Brussel 1977; S. 19-33.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 330 / 12 500)
| 6
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1006
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Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1008*
KABINETT MIT „VERRE EGLOMISE“-PLAKETTEN, Renaissance, die Hin-
terglasmalerei VBL (Vittorio Billa, tätig in den 1620/50er Jahren in Neapel)
zuzuschreiben, Neapel um 1650.
Ebenholz profiliert und fein mit Flammleisten beschnitzt. Rechtecki-
ger Korpus mit vorstehendem, profiliertem Kranz auf gekehltem und
profiliertem Sockel. Front mit 12 Schubladen mit ausserordentlich feinen
Hinterglasmalerei-Fronten mit Darstellungen von römischen Kaisern nach
Suetons „Vita der 12 Caesaren“ aus den Jahren 119 und 122. Eisenbe-
schläge. 99x35x55 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Ein nahezu identisches Kabinett ist abgebildet in: A. Gonzales-Palacios, Il
Gusto dei Principi, Mailand 1993; II, S. 116f. sowie E. Colle, Il Mobile Barocco
in Italia - Arredi e Decorazioni d‘Interni dal 1600 al 1738, Mailand 2003;
S. 68. Ein weiteres, sehr ähnliches Kabinett mit Kaiserbüsten wurde bei
Chrstie‘s Rom am 20.11.1991 (Katalognr. 149) verkauft.
Bei den abgebildeten Kaisern handelt es sich um die 12 Imperatoren von
Julius Caesar bis Dominitian.
Bereits in den 1620er Jahren waren in Neapel Hinterglasmaler aktiv - zahl-
reiche Rechungen aus jenen Jahren erwähnen die Produktion von „pitture
di cristalli“ für Paneele, welche an Kabinette oder Tische angebracht wur-
den. Dabei wird der Künstler Vittorio Billa erwähnt, dem das Monogramm
VBL zugeschrieben wird und dem mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit die hier vorzufindenden, ausserordentlich feinen Malereien
zugeschrieben werden können.
„Verre églomisé“ ist die französische Bezeichnung für eine spezielle Art
der Hinterglasmalerei mit Lackfarben. Eine Vorform des Eglomisierens
war bereits in der Spätantike bekannt. Der Begriff „églomisé“ wurde vom
Namen des Pariser Kunsthändlers und Rahmenerzeugers J.B. Glomi (gest.
1786) abgeleitet, der die Technik vor allem anwandte, um Rahmen von
Bildern und Spiegeln zu verzieren. In großem Umfang wurde das Eglomi-
sieren im 19. Jahrhundert betrieben, um Schilder herzustellen. Von dieser
Technik kennt man drei verschiedene Arten:1. das Hintermalen von Glas
mit Lacken, wobei die Ornamente und Darstellungen im Lack ausge-
spart oder ausgekratzt werden. Die freien Stellen unterlegt man dann
mit spiegelnder glatter oder zerknitterter Gold- bzw. Silberfolie. Schrift-
züge werden im Allgemeinen nicht ausgespart, sondern freigekratzt.
Bei Glasbechern erfolgt der Schutz der Verzierungen gewöhnlich durch
ein eingesetztes zweites Glas. Rahmen mit Glaseinsätzen haben die
Rückwand des Rahmens als Schutz. 2. Silhouettierte Darstellungen aus
Gold- oder Silberfolie werden auf die Rückseite eines Glases aufgebracht
und das Umfeld lackiert. Für die Binnenzeichnungen auf den Folien werden
Radiernadeln verwendet. 3. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
wurden häufig bereits vorher bemalte Folien an der Rückseite eines
Glases aufgebracht. Das Aussehen entspricht dem einer Eglomise-Ma-
lerei. Die Herstellung ist aber einfacher, weil nicht in Hinterglasmalerei
gearbeitet werden muss, sondern wie bei einer herkömmlichen Malerei
vorgegangen werden kann.
CHF 45 000 / 75 000
(€ 37 500 / 62 500)
| 10
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
| 11
1009*
FIGUR EINES ORDENSHEILIGEN, wohl Berhard von Clairvaux, Burgund,
14./15. Jh.
Kalkstein gehauen. Der Heilige stehend in Ordenstracht, Abtstab und
Kirchenmodell, das markante Gesicht mit lächelndem Ausdruck und
bewegter Stirnfalte. Teile der Hand, des Stabs sowie des Faltenwurfs
abgebrochen. Nasenspitze abgebrochen. H 84 cm.
Sehr fein gearbeitete und ausdrucksstarke Figur eines Abtes, die sich vor
allem durch eine ausgeprägte Mimik auszeichnet. Diese erinnert an Arbei-
ten aus dem Raum Dijon, genauer an Figuren des Antoine le Moiturier, die
um 1470 entstanden sind und von Jean de la Huerta beeinflusst waren. In
der Physiognomie sehr ähnlich etwa die Figur eines Bischofs, welche An-
toine le Moiturier zugeschrieben wird und die sich im Musée Rolin in Autun
befindet. Der auffällig massive Abtstab findet sich bei einer anderen Arbeit
des selben Meisters, die den Heiligen Johannes von Réôme darstellt (in
der Kirche von Asnières-en-Montagne).
Lit.: J. Boccador. Statuaire Médiévale en France de 1400 à 1530. Les clefs
du temps. Zug. 1974. S. 280, Abb. 358 sowie S. 253, Abb. 323.
CHF 18 000 / 28 000
(€ 15 000 / 23 330)
1010
MAIANO, BENEDETTO DA WERKSTATT (1442 Florenz 1497)
Maria und Kind mit dem Johannesknaben umringt von zwei Seraphim.
Relief in Stuck, gefasst. 68,5x46,5 cm.
Gutachten: Prof. G. Gentilini, 15. Januar 2007.
Dieses Relief zählt zu einer Serie von circa 40 ebenfalls in Stuck gefertig-
ten Arbeiten von gleicher Grösse, die auf ein Modell von Benedetto da
Maiano, datiert um 1485/90, zurückzuführen sind.
Es ist davon auszugehen, dass die Hauptkomposition der Madonna mit
Kind und dem Johannesknaben bekrönt von zwei Seraphim sowie einem
Cherub in der Predella zunächst in Terrakotta angefertigt und später in
Marmor ausgeführt wurde, um die nachfolgenden Reliefs in Stuck herzu-
stellen. Das Modell in Marmor ist zwar verschollen, jedoch findet sich ein
Terrakottarelief im Victoria & Albert Museum in London, welches trotz
einiger leichter Abweichungen, wie das Fehlen der Umrahmung sowie des
Cherubs in der Predella, als Vorlage für dieses Relief anzusehen ist (vgl.
Kecks, R.: Eine Bilderfindung Botticellis in der Werkstatt des Benedetto
da Maiano, in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz“,
XXXI, 1987, S. 367-372, Kecks, R.: Madonna und Kind, Berlin 1988, Nr. 50).
Der Prototyp für die Darstellung des Cherub findet sich in dem in Marmor
gefertigten Tabernakel der Collegiata di San Gimignano, das 1487 fertig-
gestellt wurde.
Das hier angebotene Relief zeichnet sich durch eine feine Modellierung
sowie eine frische Farbwahl aus und lässt sich qualitativ mit den besten in
Museen aufbewahrten Exemplaren in Stuck vergleichen, so beispielsweise
die Reliefs im Museo del Bargello und Museo Bardini in Florenz, im Museo
Civico in Prato, im Oratorio dell‘Oca in Siena, im Museo dell‘Opera del Duo-
mo in Perugia sowie im Museo della Regione Slesia in Opave. (Siehe ferner
zu diesem Thema Gentilini, G. in: Il Museo Civico di Prato. Le colleczione
d‘arte, a cura die M.P. Mannini, Florenz 1990, S. 98-99, Nr. 29).
CHF 35 000 / 50 000
(€ 29 170 / 41 670)
| 12
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1009 1010 (Detail)
| 13
1010
1011*
1 PAAR BRONZEPFERDE, Renaissance, nach der byzantinischen Quadri-
ge der Piazza San Marco, Venedig, 17. Jh.
Bronze patiniert sowie blau/grünes Horn. Schreitende Pferde auf Rechteck-
postament aus der Epoche der Régence mit Schildkröte. Bronzebeschläge
und -applikationen. Restaurationen. L 18 cm. H (mit Sockel) 32 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Die Quadriga von San Marco entstammt der byzantinischen Epoche und
wurden im Jahr 1204 nach der Eroberung Konstantinopels durch die
Kreuzfahrer nach Venedig geschafft und aller Wahrscheinlichkeit nach zur
Mitte des 13. Jahrhunderts in die künstlerische Fassadengestaltung der
Basilika einbezogen.
Ein nahezu identisches Bronzepferd, auch datierbar um 1550, wurde bei
Christie‘s Paris am 13.6.2017 (Katalognr. 30) verkauft. Weitere sind Teil
der Sammlungen des H. Walters Art Museum in Baltimore (Inventarnr.
54.50), des Ashmolean Museum in Oxford oder in Schloss Pommerfelden.
Diese sind abgebildet in: H.R. Weihrauch, Europäische Bronzestatuetten
15.-18. Jahrhundert, Braunschweig 1967; Abb. 45-48.
Lit.: W. Bode, The italian bronze statuettes of the Renaissance, New York
1953; S. 160 (Tafel CXXXIII-1 und CXXXIII-2 - verleichbare Bronzepferde
nach der Quadriga von der Piazza San Marco aus den Jahren 1500/20).
CHF 50 000 / 70 000
(€ 41 670 / 58 330)
| 14
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
| 15
1012
2 BILDSCHEIBEN MIT EPISODEN AUS DEM GLEICHNIS DES VERLORE-
NEN SOHNS, Christoph Murer (Zürich 1558 - 1614 Winterthur), Zürich,
Anfang 17. Jh.
Die eine Scheibe zeigt den Abschied des Sohnes, in aufrechter stolzer
Haltung zu Pferde sitzend. In den Spickeln Adam und Eva beim Sündenfall.
In Kartusche Beschriftung“LAPSUS. Wan der Lust empfangen hatt so
gebürt die Sünd Iac. I Cap“ (Jakobus 1.15). Die andere zeigt die reumütige
Rückkehr, den Sohn in zerschlissenen Kleidern vor dem Vater kniend. In
den Spieckeln Caritasdarstellungen. In Kartusche Beschriftung „GRATIA.
So war ich leb, spricht der herr Gott/hab ich kein lust an dem Todt des
Sünders/sonder das er sich beker unnd lebe. Ezechi: cap. 18.33“ (Ezechiel
18,23). Verbleiung neu, reparierte Sprünge und Retuschen. Oberkörper
des rückkehrenden Sohnes sowie des Mannes unten links ersetzt. Kleine
Ergänzungen. 32,5x22 cm.
Provenienz:
- Aus Berliner Besitz (Eberhard Giese) im Jahr 1954 dem Schweizerischen
Landesmuseum zum Kauf angeboten
- Schweizer Privatbesitz
Christoph Murer wird 1558 in Zürich als Sohn des Jos Murer geboren, bei
welchem er das Glaserhandwerk erlernte. Seine Wanderschaft führte ihn
nach Strassbourg, wo er mit dem Schaffhauser Glasmaler Tobias Stimmer
zusammentraf. 1586 kehrte Murer nach Zürich zurück und führte wie-
derholt Arbeiten für den Abt von Wettingen, den Rat von Luzern und St.
Gallen aus. Die Zürcher Aufträge gingen mehrheitlich an seinen Bruder,
Josias Murer. Von Christoph Murer sind zahlreiche Scheibenrisse, Holz-
schnitte und Kupferstiche überliefert, welche allegorische Darstellungen
und Bibelillustrationen zeigen.
Die hier angebotenen Scheiben entsprechen den Scheiben aus einem
vierteiligen Zykus, welcher heute im Museum Tucherschloss in Nürnberg
ausgestellt ist. Diese sind datiert 1610. Im Gegensatz zu denjenigen im
Tucherschloss fehlen hier sowohl Stifterwappen wie Monogramm und Da-
tierung. Solche Schweizer Scheiben ohne Stifterwappen sind sehr selten.
Durch Auslassen des Wappens rückt der Bildinhalt in den Vordergrund,
was die religiöse wie moralische Mitteilung an den gelehrten Betrachter
erhöht.
Eine mögliche Erklärung für das Fehlen ist, dass auch die hier vorliegenden
Scheiben Teil einer grösseren Folge waren und Angaben zu Stifter und
Jahr auf einer der beiden anderen Scheiben zu finden wären, entspre-
chend der Folge im Tucherschloss.
Lit.: A. Mensger. Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus
der Renaissance und Manierismus. Tübingen 2009. S. 91, Anm. 1. M. Ruoss
und Barbara Giesicke. Die Glasmalereien im Gotischen Haus zu Wörlitz.
Berlin 2012. S. 478, Anm. 130. J. Schneider. Glasgemälde. Katalog der
Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums Zürich. Band II. S. 489.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 6 670 / 10 000)
1013*
MADONNA MIT KIND, Flandern, wohl Lüttich, 17. Jh.
Marmor vollrund gearbeitet. Die Madonna in leicht bewegter Haltung
stehend auf Sockel mit Engelsköpfen. Das Kind mit Stieglitz sitzt in ihrem
linken Arm und hält sich mit der rechten Hand an einer Gewandfalte fest.
Der Kopf des Jesuskindes ersetzt. H 28 cm.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 330 / 5 830)
| 16
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
10121012
| 17
1013
1014
2 BILDSCHEIBEN MIT DARSTELLUNGEN AUS DER JOSEPHS-GE-
SCHICHTE, Christoph Murer (Zürich 1558-1614 Winterthur), um 1600.
Die eine mit der Darstellung Josephs, etwas erhöht stehend. Zu seinen
Füssen kniend seine Brüder. In prächiger Renaissance-Architektur. In den
unteren Ecken die Wappen der Familien Voit von Rieneck und Paumgart-
ner. Bezeichnet GEN. 42.6. („Und Joseph war der Machthaber im Lande,
er verkaufte Getreide dem ganzen Volke des Landes. Als nun die Brüder
Joseph‘s kamen, und vor ihm niederfielen auf‘s Antlitz zur Erde,... ).
Die andere mit der Darstellung, wie Joseph sich seinen Brüdern zu er-
kennen gibt. Unten die Wappen der Familien Löffelholz von Kolberg sowie
von Giech. Bezeichnet GEN. 45.8 („Darum habet nicht ihr mich herge-
sandt, sondern Gott; denn er hat mich zum Vater Pharao‘s gemacht, und
zum Herrn seines ganzen Hauses, und zum Herrscher im ganzen Lande
Aegypten...“. Neu verbleit, reparierte Sprünge sowie Retuschen. Kleine
Ergänzungen. Je 32,5x22 cm.
Provenienz:
- Aus Berliner Besitz (Eberhard Giese) im Jahr 1954 dem Schweizerischen
Landesmuseum zum Kauf angeboten
- Schweizer Privatbesitz
Bisher war die Existenz einer Serie von Glasgemälden zum Thema der Jo-
sephsgeschichte von der Hand von Christoph Murer nur aus der Literatur
bekannt. So berichtet der Augsburger Paul von Stetten d.J. (1731-1808)
im 1779 erschienen ersten Band seiner „Kunst-, Gewerbe- und Hand-
werksgeschichte der Stadt Augsburg“ auf Seite 279: „Selbst in meinem
Hause waren wirkliche Kunstwerke von dem in dieser Arbeit berühmten
Christoph Mair (sic!) von Zürich. Sie stellten die Geschichte des Patriar-
chen Josef vor. – Die Zeit zerstörte die meisten und ich besitze nichts
mehr als Trümmer.“
Die Art der Anbringung der Wappen erinnert stark an den 4-Teiligen Zyk-
lus des verlorenen Sohns aus dem Jahr 1610, heute im Museum Tucher-
schloss Nürnberg. 2 Scheiben aus dem nämlichen Zyklus sind in dieser
Auktion angeboten, vgl. vorhergendes Lot, auch für nähere Angaben zu
Christoph Murer.
Es sind dies nicht die einzigen Arbeiten, welche Christoph Murer für
Nürnberg Besteller schuf. Bereits in den Jahren 1597 und 1598 hatte
der Künstler für den Rat von Nürnberg insgesamt vier Glasgemälde mit
allegorischen Themen geliefert. Eine davon, Salomons Urteil, befindet
sich heute im Stadtmuseum Fembohaus in Nürnberg. Dass sich Chris-
toph Murer mit diesem Auftrag in den Kreisen der führenden Familien
Nürnbergs einen guten Namen gemacht hatte, beweist die „Tucherserie“
und nicht zuletzt die beiden hier vorgestellten Malereien.
Lit.: H. Meyer. Die Schweizerische Sitte der Fenster- und Wappenschen-
kung vom XV. bis VII. Jahrhundert. Frauenfeld 1884. S. 217. A. Mensger.
Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus Renaissance
und Manierismus. Tübingen 2009 S. 93-95. J.R. Rahn. Die Glasgemälde
Christoph Murers im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, in:
Anzeiger für Schweizerische Alterthumskunde Bd. 4 Heft 4 1883. S. 465-
468. A. Mensger. Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
Köln 2012. S. 299 (Abb. 26). SNM Neg.-Nrn. 44535/44536.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 6 670 / 10 000)
1015*
HEILIGER DAMIAN, Süddeutschland oder Österreich, 17. Jh.
Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Der Heilige Damian trägt ein in
weichen Falten fallendes Gewand und einen Pilgerhut. Er trägt in den
Händen ein Buch und eine Arzneidose. Fehlstellen im Sockelbereich,
Fassung etwas überarbeitet. H 82 cm.
Damian wird üblicherweise zusammen mit seinem Bruder Kosmas darge-
stellt. Die beiden wirkten der Überlieferung nach als Ärzte, teils unent-
geltlich. Durch ihr Wirken sollen viele Patienten zum Christentum bekehrt
worden sein. Sie starben als Märtyrer und gelten heute als Schutzpatrone
der Ärzte.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 6 670 / 10 000)
| 18
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1014 1014
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1016
ZUNFTTRUHE ODER DOKUMENTENLADE, Frühbarock, wohl Zürich oder Winterthur um
1700.
Nussbaum profiliert und teils ebonisiert. Bastionsförmiger Korpus mit vorstehendem, von
Zentralschublade bekröntem Deckel auf feiner, mit Flammleisten beschmückter Zarge
mit gequetschten Kugelfüssen. Front und Rückseite mit jeweils markanten Kassetten
und gedrehten Halbsäulen, die Seiten mit fein gestalteten Henkeln. Inneneinteilung fein
belegt mit Herrnhuter Kleisterpapier sowie Beilade, Geheimfach sowie Mechanismus für
die seitliche Geheimschublade in der Zarge. Originale, verzinnte Eisenschloss , -scharniere
und -beschläge. 70x49x49 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Zürich.
Für eine vergleichbare Dokumentenlade siehe T. Boller / W. Dubno, Zürcher Möbel - Das
18. Jahrhundert, Zürich 2004; S 238 (Abb. 37). Eine weitere, sehr ähnliche Lade wurde bei
Sotheby‘s Zürich am 1.6.1994 (Katalognr. 312) verkauft.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 250 / 2 080)
1017
SPIELBRETT, Barock, wohl Augsburg um 1650.
Nussbaum und diverse Fruchthölzer ausserordentlich fein eingelegt mit Tieren, Nüssen,
Blumengirlanden, Reserven und Zierfries. Rechteckiger, aufklappbarer Korpus. Das ver-
tiefte Blatt mit Damenspiel, verso mit Mühlespiel und inwendig mit „Back Gammon“-Spiel
eingelegt. Feine Eisenbeschläge. 48x48,5x(offen 97)x12,5 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
Für ein vergleichbares Spielbrett siehe H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels,
München 1970; II, Abb. 200 und 201 sowie G. Himmelheber, Spiele - Gesellschaftsspiele
aus einem Jahrtausend. Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums München, München
1976; XIV, S. 48f. (Nr. 49).
CHF 5 000 / 9 000
(€ 4 170 / 7 500)
| 20
Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1017 (Detail)
1016
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1017 (Detail)
1017
1018
KLEINES KABINETT, Barock, deutsch, 17. Jh.
Nussbaum, Kirsche und heimische Fruchthölzer gefriest sowie fein
eingelegt mit architekturaler Szene, Figurenstaffage, stilisierten Blumen,
Blättern und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf gerader Zarge mit ge-
quetschten Kugelfüssen. Front mit abklappbarem, fein eingelegtem Blatt.
Inneneinteilung mit Zentraltüre, umgeben von 18, teils ungleich grossen
Schubladen.
Eisenbeschläge. Etwas zu überholen. Auf späterem Stand mit gedreh-
ten Säulenbeinen und Umlaufsteg mit gequetschten Kugelfüssen.
49,5x41,5x59 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
CHF 2 000 / 4 000
(€ 1 670 / 3 330)
1019*
NAUTILUSPOKAL, wohl Niederlande 2. Hälfte 17. Jh. Lippenrandspange
gemarkt.
Nautilus mit Flachrelief und Schwarzgravur in Form von Insekten, deren
Ausführung wohl an die Künstlerfamilie Bellekien (auch bekannt unter Bel-
quien und Belkien, tätig in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) zuzuschrei-
ben sind. Lippenrandspange gemarkt und ebenfalls dem 17. Jahrhundert
zuzuordnen. C-Schwung-Seitenspangen, Schaft und Basis späteren
Datums. Mit Reperaturstelle an Nautilus. H ca. 30 cm.
Provenienz:
- Europäische Privatsammlung.
- Auktion Christie‘s, London, 11.05.2003, Los 33.
- Schweizer Privatsammlung.
Die vielfach in vergoldetem Silber als Prunkgefässe gefassten Schalen des
Nautilus zählen zu den eigentümlichsten Kreationen der Gold- und Silber-
schmiedekunst und waren gesuchte Objekte für Kunst- und Wunderkam-
mern.
Angesichts ihrer Seltenheit galten die schneckenhausförmigen Gehäuse
des Nautilus als besondere Kostbarkeit. Durch das Abschleifen der rauen
Kalkschicht des Gehäuses kam die schillernde, glatte Perlmutter zum
Vorschein. Diese wurde anschliessend entweder nur glatt poliert, mit Relief-
schnitzereien oder Schwarzgravuren versehen. Einzelne Beispiele weisen
auch eine Kombination aller drei Techniken auf, wie der hier zum Verkauf
stehende Nautiluspokal.
Der Künstler, wohl der bekannten belgischen Künstlerfamilie Bellekin
entstammend, hat einige der hellbraunen Partien sorgfältig konserviert
und in sein geschnitztes Design integriert. Ergänzt wird dies durch die fein
gearbeiteten und in Schwarzgravur ausgeführten Insekten, welche die glat-
te Oberfläche zieren. Schimmernd strahlt dabei der Glanz der Perlmutter
durch die Flügelpartien der Falter, Libellen, Käfer und Fliegen hervor und
lässt diese im Licht in den unterschiedlichsten Farben leuchten.
CHF 18 000 / 28 000
(€ 15 000 / 23 330)
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Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1019
1020*
KLEINE GEFASSTE TRUHE „AUX TETES D‘ANGELOT“, Barock, Venedig
um 1700.
Holz reich beschnitzt mit Büsten, Kartuschen, Blättern und Zierfries sowie
polychrom gefasst. Sarkophagförmiger Korpus mit randprofiliertem, auf-
klappbarem und vorstehendem Deckel auf wellig ausgeschnittener Zarge
mit eingerollten Füssen. Fassung restauriert. 74x35x41 cm.
Provenienz: Aus italienischem Besitz.
CHF 6 000 / 10 000
(€ 5 000 / 8 330)
1021*
GROSSER MÖRSER, Barock, Frankreich um 1700.
„Sarrancolin“-Marmor. Zylindrischer Gefässkörper mit seitlichen Voluten-
henkeln auf profiliertem Rundfuss. Dazu 1 späteres Pistill.
H 21 cm. D 28 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 250 / 2 080)
1022
ALABASTERFIGUR DER „VERGINE IMMACOLATA“, Spätbarock,
Süditalien, 19. Jh.
Fein gearbeiteter Alabaster. Stehende Figur mit faltenreichem Gewand
und zusammengefalteten Armen auf Wolkensockel mit Drachen. Auf
Rundsockel mit fein beschnitztem Puttenrelief und Wappen der Familien
Palma di Cesnola und Lawrence. Wenige Fehlstellen, Restaurationen. H
Figur 50 cm, mit Sockel 70 cm.
Provenienz:
- Der Überlieferung nach Teil der Sammlungen des Ordine religioso
dell‘Immacolata Concezione in Rivarolo Canavese im Piemont.
- Anlässlich der Hochzeit von Alessandro Palma mit Augusta Lawrence im
Jahre 1879 als Geschenk an Luigi Palma di Cesnola überreicht.
- Durch Erbschaft in demselben Familienbesitz und in der Westschweiz.
L. Palma di Cesnola (Rivarolo Canavese 1832-1904 New York) war italie-
nisch-amerikanischer Offizier, Konsul, Ausgräber, Antikensammler und
erster Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York. Nachdem er
bereits mit 15 Jahren eine militärische Karriere begann, wanderte er in den
späten 1850er Jahren nach Amerika aus, wo er als Soldat am Sezessi-
onskrieg teilnahm. Bei Kriegsende hatte er den Brevet-Rang eines Briga-
degenerals erreicht und später erhielt er die „Medal of Honor“ sowie die
amerikanische Staatsbürgerschaft. 1865 wurde er amerkanischer Konsul
in Zypern, wo er sich zwischenzeitlich mit seiner Familie niederliess. In je-
nen Jahren begann er mit Ausgrabungen nach Altertümern, die er sowohl
als Sammler als auch als Händler pflegte; seine - später in der Forschung
stark kritisierte - Sammlung umfasste rund 35 000 Einzelobjekte, die er
teilweise an europäische Museen in Athen, Berlin, Cambrigde, London,
München und Turin verkaufte. Schliesslich bot er die restliche Sammlung
„in toto“ an und erhielt ein lukratives Angebot vom Metropolitan Museum
in New York, welches er annahm. Bei seiner Rückreise nach New York im
Jahre 1873 hatte er rund 7000 antike Objekte im Gepäck, die wiederum
vom Metroplitan Museum erworben wurden. Im Jahre 1879 übertrug ihm
das Museum den Posten als Direktor, den er bis zu seinem Tode 1904
innehatte. 1881 wurde er zum Mitglied der renommierten American Aca-
demy of Arts and Sciences gewählt.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 170 / 6 670)
| 24
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1 PAAR HOCKER, Louis XV, Norditalien, wohl Genua um 1740/50.
Holz fein beschnitzt mit Muscheln, Blättern und Zierfries sowie vergoldet.
Runder Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit markant geschweiften,
durch geschweiften Kreuzsteg verbundenen Beinen mit Quaderfüssen.
Blassrosa Seidenveloursbezug mit bunten Blumen und Blättern.
D 40 cm. H 45 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
Ein Paar Hocker mit sehr ähnlicher Muschelschnitzerei, stammend aus
der Sammlung Dalva Brothers in New York und ebenfalls dem Genue-
ser Kunsthandwerk zugeschrieben, wurde bei Christie‘s New York am
20.10.2006 (Katalognr. 777) verkauft. Ein weiterer, ähnlicher Hocker,
stammend aus der „Collection de la Princesse de X“, wurde bei Sotheby‘s
Monte Carlo am 25.6.1984 (Katalognr. 3211) verkauft.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
1024*
OVALER SPIEGEL, Louis XV, Norditalien um 1750.
Holz durchbrochen sowie reich beschnitzt mit Kartuschen, Blättern und
Zierfries sowie vergoldet. Geschweifter und profilierter Rahmen mit mar-
kantem Kartuschenaufsatz. Vergoldung restauriert. Späteres, geschliffe-
nes Spiegelglas. H 175 cm. B 122 cm.
Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
1025*
KONSOLE „AUX MASCARONS“, Louis XV, Rom um 1750.
Holz reich beschnitzt mit Fratzen, Blättern, Kartuschen, Rocaillen, Voluten
und Blumen. Geschweifte, trapezförmige, profilierte und ersetzte „Rosso
di Verona“-Platte auf durchbrochener, wellig ausgeschnittener Zarge mit
Doppelvolutenstützen, durch geschweiften Steg verbunden. Vergoldung
etwas bestossen. 175x70x100 cm.
Provenienz: Aus irischem Besitz.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 330 / 12 500)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1026*
1 PAAR ARMLEHNSTÜHLE, Louis XV, Veneto um 1750.
Nussbaum mouluriert, profiliert und teils durchbrochen. Geschweifter,
trapezförmiger Sitz „à chassis“ auf wellig ausgeschnittener Zarge mit
geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenleh-
ne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Hellbeiger
Veloursbezug. 66x59x44x101 cm.
Provenienz: Aus deutschem Besitz.
Sehr guter Zustand mit neuwertiger Polsterung.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
1027*
KLEINE LACK-KOMMODE, Louis XV, Venedig um 1750.
Holz profiliert sowie allseitig gefasst; auf gelbem Fond bunte Blumen,
Blätter und Zierfries. Markant bombierter Korpus mit randprofiliertem
Blatt und vorstehenden Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit
geschweiften Beinen. Front mit 1 Türe. Eisenbeschlag. Zu restaurieren.
62x52x89 cm.
Provenienz: Aus italienischem Besitz.
Eine sehr ähnliche Lack-Kommode ist abgebildet in: G. Mazzariol, Mobili
Seicento e Settecento, Mailand 1964; S. 75.
Für Angaben zum venetianischen Kunsthandwerk siehe Fussnote der
Katalognr. 1034.
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 170 / 6 670)
| 28
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1028*
GROSSE FIGUR DES NEPTUNS, Norditalien, Umkreis des Andrea Brusto-
lon, um 1700.
Nadelholz vollrund geschnitzt. Der Meeresgott steht leicht im Kontrapost
auf einem Delphinkopf und stützt sich auf den Dreizack. Er trägt in seinem
rechten Arm ein Füllhorn. Ergänzungen. Wohl ehemals gefasst, Ergänzun-
gen im Fussbereich, Dreizack sowie Oberteil des Füllhorns später. Linker
Unterarm und Hand später. H 125 cm.
CHF 16 000 / 24 000
(€ 13 330 / 20 000)
1029*
1 PAAR PUTTI MIT FÜLLHORN, Norditalien, Mitte 18. Jh.
Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Die beiden Putti tragen hoch geschnürte Sandalen, Rock
und ein Tuch, das eine Schulter frei lässt. Ein Bein angewinkelt und auf erhöhten Sockel gestützt,
in den Händen ein Füllhorn. Auf gestuftem Rundsockel. Fassung später. H 43 cm.
CHF 1 500 / 2 000
(€ 1 250 / 1 670)
1030
1 PAAR LACK-HÄNGEENCOIGNUREN, Louis XV, Venedig, 18. Jh.
Holz allseitig gelackt; auf grünem Fond feine Goldmalerei mit Ruinen, Blumen, Kartuschen und
Zierfries. Viertelkreisrunder Korpus mit 2 geschweiften Tablaren über Fach mit Doppeltür. Bron-
zebeschläge. 45x30x90 cm.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 830 / 1 250)
1031
MARMORGRUPPE VON SCHLAFENDEN AMOREN, Barock, Rom um 1730.
„Carrara“-Marmor. Zwei schlafende Amoren als Allegorie des Schlafes, auf Ovalplatte. Wenige
Bestossungen. L 58,5 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
Eine analoge Marmorgruppe mit drei schlafenden Amoren ist Teil der Sammlungen der Villa
Borghese in Rom. Eine weitere Marmorfigur eines schlafenden Amors war Teil der Sammlungen
Alberto di Castro in Rom.
CHF 6 000 / 9 000
(€ 5 000 / 7 500)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1029
1030 (1 Paar)
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1032*
2 GROSSE FIGUREN DER HEILIGEN PETRUS UND PAULUS, Barock,
Deutschland um 1700.
Eiche geschnitzt, gehöhlt sowie gefasst. Beide Apostel mit Buch und
ihrem Attribut Schlüssel bzw. Schwert. Attribute sowie Fassung später.
Der rechte Unterarm des Petrus ersetzt, Nase Petrus wohl ersetzt.
H 159 bzw. 161 cm.
CHF 14 000 / 20 000
(€ 11 670 / 16 670)
1033
SÄULENSCHRANK „AUX MASCARONS“, Barock, Piemont um 1700/20.
Nussbaum fein geschnitzt mit Kartuschen, Lisenen, Blüten, Blättern, Mas-
karonen und Zierfries sowie fein eingelegt mit Bandelwerk und Zierfries.
Zylindrischer Korpus mit vorstehendem, gekehltem Kranz mit Kartu-
schen- und Vasenaufsatz auf markant eingezogenem, pokalförmigem
Sockel mit Volutenfüssen. Front mit gewölbter Türe. Eisenbeschlag und
Eisenschloss. Ergänzungen. Zum Freistellen. D 83 cm. H 189 cm.
Provenienz:
- Auktion Hampel München.20.9.2012 (Katalognr. 87).
- Privatsammlung, Schweiz.
Seltener Schrank mit aussergewöhnlicher Formgebung, der wohl als
Behältnis von Sammlungsobjekte und Pretiosen Verwendung fand.
Die markante, sehr plastische Schnitzerei sowie die feinen Bandelwerk­
einlagen finden sich an Möbeln von Turiner Werkstätten. Siehe hierzu
L. Zinutti, Il linguaggio del mobile italiano, Treviso 2011; S. 249 für die
Schnitzereien sowie S. 250-252 für die Bandelwerkeinlagen.
CHF 7 000 / 12 000
(€ 5 830 / 10 000)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1034*
LACK-KOMMODE „A FLEURS“, Louis XVI, Venedig um 1770/80.
Holz fein beschnitzt mit Blattwerk und Zierfries sowie allseitig gelackt; auf
grünem Fond bunte Blumengirlanden, Blätter, Kartuschen und Zierfries.
Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden Eckstollen
auf wellig ausgeschnittener Zarge mit sich nach unten verjüngenden
Vierkantbeinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen unter
gekehlter, schmaler Kopfschublade. In profiliertem Rahmen gefasste
„en faux marbre Serpentine“-Platte. Bronzebeschläge. Fassung teils mit
Fehlstellen und Restaurationen. 153x63x94 cm.
Provenienz: Aus italienischem Besitz.
Eine nahezu identische Kommode, Teil der Sammlungen des Museo
Civico in Padova, ist abgebildet in: E. Baccheschi / S. Levy, Mobili laccati del
settecento veneziano, Mailand 1962; S. 99 (mit der Bemerkung, „le linee...
rivelano l‘influsso sensibile del gusto neoclassico“). Eine weitere, sehr
ähnliche Kommode - wohl gefertigt vom gleichen Kunsttischler - wurde
bei Sotheby‘s London am 3.12.1997 (Katalognr. 122) verkauft. Eine dritte
Kommode ist abgebildet in: G. Morazzoni, Il mobile veneziano del 700,
Mailand 1958; Tafel CDXXXVII.
Nach dem Frieden von Château Cambrésin 1659 erlebte die Republik
Venedig eine ökonomische und künstlerische Blütezeit, die bis in die 30er
Jahre des „Settecento“ anhielt. Militärische Konflikte auf See und in den
norditalienischen Regionen, die den finanziellen Ruin der Lagunenstadt
einläuteten, standen in krassem Widerspruch zur kulturellen Blüte, die
durch das rigorose Zunftwesen garantiert wurde. Das lokale Kunsthand-
werk wurde genauestens organisiert, strukturiert und in verschiedene
Sparten eingeteilt: „marangoni da noghera“ (Hersteller von Massivholz-
möbeln), „marangoni da soaze“ (Bestandteil-Schnitzer), „intaiadori“,
„tapezieri“, „bolzeri“, „doratori“, „vetrai“, „specchieri“ und vor allem
„depentori“ (Lackierer von Luxusmöbeln). Durch diese straffe Einteilung
war eine grosse Produktion auf hohem Niveau möglich, sie verunmöglicht
jedoch die Identifizierung der Objekte bzw. deren Zuschreibung an ein
bestimmtes Atelier oder einen Künstler. Die eigentliche Spezialität der
Kunsthandwerker von Venedig waren die als einmalig zu bezeichnenden
„intagli“ - wohl auch bedingt durch die hochwertige, berühmte Schiffspro-
duktion mit reichen Schnitzereien -, fein lackierte und geschnitzte Möbel,
ausserordentlich originelle und eigenständige Formen- und Dekorations-
sprache und eine qualitativ hochwertige Ausführung.
Lit.: M. Griffo, Il mobile del seicento - Italia, Novara 1985; S. 33-43 (allg.
Angaben zur Entwicklung des venezianischen Möbels im 17./18. Jh.).
CHF 90 000 / 140 000
(€ 75 000 / 116 670)
| 36
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
| 37
1035*
FIGUR EINES ENGELS, Barock, wohl Italien, 18. Jh.
Holz geschnitzt, gefasst und teilvergoldet. Der Engel schwebend, das eine
Bein angezogen, die Arme offen. Restaurierte Fassung. H 73 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 670 / 2 500)
1036*
ALLEGORIE DES HERBSTES, Tirol, Ende 18. Jh.
Linde vollrund geschnitzt in Form eines Winzers in Kniehose. Er stützt sich
an einen Rebstock, auf der Seite steht eine gefüllte Tragebütte. Der linke
Arm ersetzt. H 34 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 670 / 2 500)
| 38
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1036
1035
1037*
HEILIGE APOLLONIA, Süddeutschland um 1740.
Nadelholz geschnitzt, verso geflacht und gefasst. Die Heilige stehend mit
Buch, Zange und Zahn als Zeichen ihres Martyriums. Fassung übergangen,
teils berieben. Reparatur am Sockel. H 73 cm.
Die Heilige Apollonia stammte aus Alexandria. Sie wurde bei einem
Progrom zusammen mit anderen Christen verschleppt. Laut Berichten
wurden ihr die Zähne ausgeschlagen und der Kiefer zerbrochen. Da sie
dem Christentum nicht abschwören wollte, sollte sie auf dem Scheiter-
haufen verbrannt werden. Sie kam der Vollstreckung dieses Urteils jedoch
zuvor, in dem sie sich betend in die Flammen stürzte. Apollonia gilt als die
Schutzpatronin der Zahnärzte und Helferin gegen Zahnleiden.
CHF 3 400 / 4 000
(€ 2 830 / 3 330)
1038*
SCHWEBENDER PUTTO, Barock, Süddeutschland um 1730.
Holz vollrund geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Der Putto mit
gelockter Frisur in bewegter Haltung, die Beine leicht angezogen und mit
Draperie bekleidet. Fehlstellen. H 86 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 670 / 2 500)
1039*
ALLEGORIE DES FRÜHLINGS, Tirol, Ende 18. Jh.
Holz vollrund geschnitzt. Die Frau mit aufwändiger Frisur, präsentiert in
den Händen eine Blumengirlande als Symbol des Frühlings. H 33 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 670 / 2 500)
| 39
1037
1039
1038
1040
STEINZEUG FÄSSCHEN, Altenburg, um 1660/70.
Ockergelb und rötlich geschwemmt, allseitig reliefert mit sächsischen
Kurfürsten Medaillons, dem sächsischen Kurwappen und einem weiteren
Wappen mit Helmzier, jeweils in einem Kranz von dunkelbraun glasierten
Beerennoppen. Das Lamm Gottes, Agnus Dei und ein Pelikan reliefert
auf den seitlichen Böden. L 26 cm, H 22 cm. Randbestossung, kleine
Restaurierungen.
Provenienz: Privatsammlung, Luzern.
Vergleichsstücke: Josef Horschik, Steinzeug. 15. bis 19. Jahrhundert von
Bürgel bis Muskau, 1978, S. 164.
CHF 800 / 1 200
(€ 670 / 1 000)
1041
1 PAAR KAMINBÖCKE „AUX CHEVAUX AILLES“, Barock, Niederlande,
17. Jh.
Bronze. Kugelbeschmückter Zentralschaft mit Kreiselaufsatz, flankiert
von je 1 geflügeltem Pferd um Zentralmaskaron und schmalen Voluten-
füssen. H 70 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
| 40
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1040
1041 (1 Paar)
1042
STEINZEUG FÄSSCHEN, Waldenburg, um 1640/50.
Grau und braun geschwemmtes Steinzeug auf zwei Kufen liegend. Beid-
seitig mit Reliefauflagen eines Liebespaares in historischen Kostümen
zwischen umlaufenden Blattbordüren mit Diamantquadern. Die Böden
glatt. Fassreifen und Deckel in Zinn montiert. 14 x 16 cm. Abplatzung
an einem Relief, kleine alte Randbestossungen, minimale Spuren von
Restaurierung.
Provenienz: Privatsammlung, Luzern.
Vergleichsstücke: Josef Horschik, Steinzeug. 15. bis 19. Jahrhundert von
Bürgel bis Muskau, 1978, S. 120.
CHF 800 / 1 200
(€ 670 / 1 000)
1043
STEINZEUG SCHRAUBFLASCHE ‚KRUKE‘ MIT ZINNMONTIERUNG,
Sachsen, Annaberg, zweite Hälfte 17. Jh.
Braun glasiertes Steinzeug mit aufgelegten Reliefporträts verziert zwi-
schen Palmettenmotiven, bemalt mit Emailfarben in Rot, Weiss, Blau und
Gelb. Reste von Goldhöhung. Zinnmontierung. H 19 cm. Restaurierung.
Provenienz: Privatsammlung, Luzern.
Vergleichstücke: Gisela Reineking-von Bock, Steinzeug, Kunstgewerbe-
museum Köln, 1971, Kat. 815, 816.
CHF 800 / 1 200
(€ 670 / 1 000)
| 41
1042
1043
1044*
PRUNK-SPIEGEL „AUX CARTOUCHES“, spätes Louis XV, nach Vorlagen
von J.M. HOPPENHAUPT (Johann Michael Hoppenhaupt, 1709 bis ca.
1755), Potsdam, 19. Jh.
Matt- und glanzvergoldete Bronze. Palmetten- und blätterbeschmückter
Rahmen mit markanten, durchbrochenem Kartuschenfronton. H 158 cm.
B 75 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Eine Entwurfszeichnung von J.M. Hoppenhaupt für den Konzertsaal von
Schloss Sanssouci mit Darstellung einer Boiserie mit Spiegel zeigt die
analogen Kartuschenelemente des hier angebotenen Prunkspiegels. Die-
se ist abgebildet in: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels, München
1970; I, Tafel 717.
Ein sehr ähnlicher Spiegel war ehemals Teil der Sammlungen M. Ségoura
in Paris.
Johann Michael II. Hoppenhaupt war als Bildhauer und Dekorateur und
ab 1740 in Berlin und Potsdam tätig, vor allem für die Innendekorationen
von Knobelsdorffs Gebäuden für Friedrich den Grossen. Es ist heute
nicht mehr möglich, die Arbeiten von Johann Michael und seinem Bruder
Johann Christian auseinanderzuhalten, gesichert ist jedoch die Tätigkeit
in Friedrichs Schreibzimmer im Schloss Berlin (1745), das wohl nach den
Entwürfen von J.A. Nahl gefertigt wurde, und die Arbeiten für Schloss
Sanssouci (1748). Quellenmässig belegt sind zudem mehrere Zimmer-
ausstattungen für das Schloss Zerbst. Von Bedeutung sind auch die zahl-
reichen Entwürfe, die Hoppenhaupt für Grabmäler, Kanzeln, Wohnhäuser,
Kamine, diverse Möbel und Einrichtungsgegenstände und für Kutschen
und Sänften anfertigte. Charakteristisch ist hierbei Hoppenhaupts Vorlie-
be für naturalistische Motive.
CHF 60 000 / 90 000
(€ 50 000 / 75 000)
| 42
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1045
1 PAAR FAYENCE ENGHALSKRÜGE, Nürnberg, um 1730.
Gewölbte Balusterform mit gezopftem Henkel, der Hals gerippt und mit
einem Zinndeckel montiert. Fussrand ebenso mit Zinn montiert. Bemalt
mit dem sogenannten Vögelesdekor in Blau auf hellblauem Grund. Eine
Unterseite glasiert, die andere unglasiert. H 27 cm inklusive Daumenstück.
CHF 500 / 700
(€ 420 / 580)
1046
OVALE FAYENCE PLATTE ‚FLEURS FINES‘, Strassburg, Periode Paul
Hannong, um 1754-1762.
Façon d‘argent, bemalt mit freigemalten Blumen, eine Tulpe und einer
Rose und verstreuten Blumen im Spiegel und auf der Fahne. Braune Rand-
linie. Ligierte PH-Marke in Blau L 34 cm.
Provenienz: Aus dem Nachlass einer Zürcher Antiquitätenhändlerin.
CHF 700 / 900
(€ 580 / 750)
1047
OVALE FAYENCE PLATTE ‚FLEURS FINES‘, Strassburg, Periode Paul
Hannong, um 1754-1762.
Façon d‘argent, bemalt mit freigemalten Blumen, einer Rose und einer
gelben Tulpe und Blüten auf der Fahne. Braune Randlinie. Ligierte PH-Mar-
ke in Blau. L 35,5 cm. Kleine Randbestossung.
Provenienz: Aus dem Nachlass einer Zürcher Antiquitätenhändlerin.
CHF 700 / 900
(€ 580 / 750)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1045
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1046
1047
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1048*
GEMALTES LACK-KABINETT „A FLEURS“, Barock/Régence, wohl Eng-
land um 1700, der Stand Italien, 18. Jh.
Holz allseitig bemalt; auf schwarzem Fond ausserordentlich feine Dar-
stellungen von Blumenbouquets in Vasen, Blumen, Blätter und Zierfries.
Rechteckiger Korpus auf assoriertem Stand mit knieenden Putten mit
ausgestreckten Armen und Umlaufsteg auf gequetschten Kugelfüssen.
Front mit Doppeltüre. Ebenfalls ausserordentlich fein bemalte Innenein-
teilung mit 11 ungleich grossen Schubladen. Fein gravierte Messingbe-
schläge. Fassung restauriert. Kabinett 100x49x82 c. H mit Stand 152 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Das hier angebotene Kabinett ist abgebildet in: A. / A. Lovreglio, Dicti-
onnaire des Mobiliers et Objets d‘art du Moyen Age au XXe siècle, Paris
2006; S. 195 (Abb. 7). Ein nahezu identisches Kabinett wurde in unserer
März Auktion 2010 Katalognr. 1050) für CHF 346 000.- verkauft. Ein weite-
res, sehr ähnliches Kabinett mit dem hier angebotenen Lot analogem
Stand ist Teil der Sammlungen des P. Getty Museum in Malibu.
Ab 1660 waren Kabinette auf Stand besonders beliebte und gefragte
Möbelstücke. Sie wurden reich dekoriert und mit vielen Schubladen verse-
hen und dienten zur Aufbewahrung kostbarer und seltener Objekte. Ihre
oftmals prunkvolle Ausführung machte sie zu einzigartigen Schmuckstü-
cken. Das hier präsentierte Kabinett mit Blumenmalerei stammt aus der
Zeit, als sich die Gattung des Stilllebens zu einem unabhängigen Genre
hervorhob, für deren Entwicklung die Niederlande massgeblich beitru-
gen. Die bedeutendsten Künstlerpioniere des Stilllebens waren im ersten
Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts Ambrosius Bosschaert I, Jan Brueghel I,
Rolant Savery und Jacob de Gheyn.
In Holland herrschte im 17. Jahrhundert eine allgemeine Begeisterung für
Botanik und Gartenbau. Seltene Pflanzen und spezielle Blumen wurden
gezüchtet und kultiviert. Die Botanika-Amateure suchten nach neuen
Pflanzen und Aufzuchtsmethoden. Ihre Leidenschaft inspirierte die
Künstler und veranlasste sie, die kostbaren Blumen in ihrer Vielfalt nicht
mehr nur als Attribut in einem Historienbild darzustellen, sondern ihnen
ganz im Sinne des humanistischen Gedankens „Einzelstudien“ zu widmen.
Die naturgetreue Wiedergabe verschiedener Blumenarten fand überall
grossen Anklang und Begeisterung. Das Stilleben wurde zu einer gemal-
ten botanischen Enzyklopädie, welche die unterschiedlichsten Blumen,
die zu verschiedenen Zeiten blühen, in einem Bouquet auf eine besonders
ästhetische Weise zusammenstellte; gleichzeitig sind sie als eine illusi-
onistische Wiedergabe der Realität zu betrachten. Die Spezialisierung in
Blumenmalerei übertrug sich auch auf die Möbelherstellung. Ab der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts dekorierten die Holländer Ebenisten - wie z.B.
Dirk van Rijswick, Philippus van Stantwijk und Jan van Mekeren - ihre Kabi-
nette mit gemalten Blumen oder legten sie mit Blumenmarketerie ein. Die
Begeisterung für Kabinette mit Blumen erreichte England während der
Regierungszeit der Stuarts.
Im ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich ein englisch-hollän-
discher Stil, womit sich analoge Formen und Techniken erklären, die
zum gleichen Zeitpunkt jenseits der Nordsee aufkamen. Unser Kabi-
nettschrank mit der Blumenmalerei in leuchtenden Farben, die sich von
dem schwarzem Grund abheben, gehört zu einer Möbelgruppe, die
aller Wahrscheinlichkeit nach in England geschaffen wurde - vermutlich
durch Künstler, die aus Holland stammten oder durch Hugenotten, die in
England Zuflucht gesucht hatten, wie z.B. Jean Guilbaud, der in London
tätig war. Die Kabinettschränke werden von ihrem fast immer identischen
Aufbau charakterisiert, durch den quaderförmigen Kasten, der aus aus 11
Schubladen besteht und von zwei Flügeltüren flankiert wird. Die Türen sind
mit reich ziselierten, vergoldeten Bronzescharnieren befestigt.
Dieser Möbeltypus entwickelte sich aus den japanischen und chinesi-
schen Lackkabinetten, deren Import nach Europa durch die Gründung
der „Compagnies des Indes anglaise et hollandaise“ zu Beginn des 17.
Jahrhunderts vereinfacht wurde. Im Victoria  Albert Museum in London
befindet sich ein Lackkabinett auf Stand, in analoger Form und mit nahezu
identischen Bronzebeschlägen, allerdings mit einem unterschiedli-
chen Unterteil. Drei weitere vergleichbare Kabinette sind Bestand der
Sammlungen des J. Paul Getty Museum in Malibu. Im Werk von Monique
Riccardi-Cubitt erscheint ein weiteres, vergleichbares Kabinett. Aus der
Sammlung Tillotson stammt ein vergleichbares Möbel, welches im Werk
von Francis Lanygon erwähnt wird. Diese Kabinette besitzen einen ähn-
lichen Blumendekor mit Girlanden in lebhaften, dominanten Weiss- und
Rosa-Farbtönen auf schwarzem Grund und erinnern an das Stilleben von
Justus van Huysum dem Älteren (1659-1716). Im Hopetown House Pre-
servation Trust befindet sich eine Reihe von Möbeln von Jean Guibaud -
ein Tisch, ein Spiegel und zwei Gueridons mit analoger Blumenmalerei, die
um 1703 entstanden. Ein weiteres Kabinett mit fast identischer Bemalung
steht in der Galerie Steinitz (Paris) und ist abgebildet im „Dictionnaire des
Mobiliers  des Objets d‘art du moyen Age au XXIe siècle“.
Lit.: S. Segal, Flowers and Nature, 1990, Katalog-Nr. 13-16 (mit Abb.).
N. Schneider, Stilleben Realität und Symbolik der Dinge, Köln 1989; S. 135-
155. A. Chong, W. Kloek, Still-Life Paintings from the Netherlands 1550-
1720, Amsterdam 1999; S. 24ff. W.B. Jordan, A prosperous past, Den
Haag 1989; S. 93-120. E. Bénézit, Dictionnaire des peintres, sculpteurs,
dessinateurs et graveurs, Paris 1999; S. 217. A. et A. Lovreglio, Dictionnaire
des Mobiliers  des Objets d‘art du Moyen Age au XXIe siècle, Paris 2006;
S. 195 (mit Abb.). A. Sasson  Wilson, Decorative Arts, A Handbook of the
Collections of the Getty Museum, Malibu 1986; S. 125-126 (Katnr. 262 und
264, mit Abb.). F. Lenygon, Furniture in England from 1660 to 1760, London
1920; S. 196 (Abb. 300). M. Riccardi-Cubitt, Un art européen - Le cabinet
de la Renaissance à l‘époque moderne, Paris 1993; S. 69 (Abb. 49).
CHF 70 000 / 120 000
(€ 58 330 / 100 000)
| 48
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1049*
LACK-TRUHE, George III, England um 1770.
Holz allseitig gelackt im „goût chinois“; auf schwarzem Fond feine Park-
und Pagodenlandschaft mit Figurenstaffage in 2 Goldtönen. Rechteckiger
Korpus mit Bogendeckel. Feine Bronzebeschläge, -henkel und -zierleis-
ten. Lack restauriert. Fehlstellen. 115x69x74 cm.
Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
1050
1 PAAR BLAKER, Barock, süddeutsch, 18. Jh.
Silber getrieben. Kartuschenförmige, ausserordentlich fein mit Blättern
und Zierfries reliefierte Wandplatte mit ovalem, perlstabbeschmücktem
Spiegel sowie geschweiftem Lichtarm mit breitem Tropfteller und vasen-
förmiger Tülle. H 39 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 250 / 2 080)
1051*
PRUNK-SPIEGEL MIT KONSOLEN FÜR PORZELLANFIGUREN, Louis XV,
wohl Berlin um 1760.
Holz durchbrochen sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Kar-
tuschen, Blättern, Voluten und Zierfries sowie vergoldet. Profilierter,
rechteckiger Rahmen mit seitlichen Kartuschen für jeweils 2 Konsolen und
markant durchbrochenem Kartuschenaufsatz mit 2 weiteren Konsolen.
Vergoldung restauriert. Das Spiegelglas ersetzt. H 188 cm. B 150 cm.
Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 330 / 12 500)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1049
1050 (1 Paar)
| 51
1051
1052*
PRUNK-FAUTEUIL „AUX CARTOUCHES“, Louis XV, nach Vorlagen von
J.A. MEISSONNIER (Jules Aurèle Meissonnier, 1695-1750), wohl aus der
Werkstatt des F. TIETZ (Ferdinand Tietz, 1708-1777), Würzburg um 1750.
Buche mouluriert sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Kartu-
schen, Blättern, Voluten und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger
Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache,
jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen
auf geschweiften -stützen. Blauer, teils defekter Seidenbezug. Ehemals
gefasst. 61x54x46x103 cm.
Provenienz:
- Ehemals Teil der Sammlungen von Schloss Seehof, Deutschland.
- Aus französischem Besitz.
Ein sehr ähnlicher Fauteuil, ebenfalls stammend aus Schloss Seehof, ist
heute Teil der Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York.
Ein weiterer Fauteuil gehörte einst zu den Sammlungen der Markgrafen
von Baden-Baden. Ähnliche Sitzmöbel befinden sich zudem im Audienz-
zimmer der Münchner Residenz und sind der Werkstatt des F. Tietz zuge-
schrieben. Ein solcher Fauteuil ist abgebildet in: H. Kreisel, Die Kunst des
deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko, München 1971; II, Abb. 458.
Schloss Seehof, unweit von Bamberg gelegen, war Sommerresidenz
und Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe. Bereits im 15. Jahrhun-
dert wurde am Ort der heutigen Anlage ein Jagdhaus errichtet. Später
entstand im Auftrag des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian
Schenk von Stauffenberg und auf Entwurf von A. Petrini das vierflü-
gelige Schlossgebäude, dessen Bau 1696 abgeschlossen war. Unter
Fürstbischof Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein wurden in
den 1750er Jahren die fürstbischöflichen Wohnräume und der Festsaal
ausgestaltet. Das Mobiliar und die Einrichtung wurden von bedeutende
auswärtige Kunstschreinern und Künstlern gefertigt. Das Inventar wurde
in den 1950er Jahren grösstenteils verkauft und so gelangten viele
bedeutenden Möbel - wie auch der hier angebotene Fauteuil - in diverse
Sammlungen von Museen oder in Privatbesitz,
Der aus Eisenberg stammende Bildhauer Adam Ferdinand Dietz bzw.
Tietz, wie er sich später nannte, lernte zunächst mit seinem älteren
Bruder in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters Johann Adam Dietz, der
Bildhauer des Fürsten von Lobkowitz war. Später ging Tietz beim grossen
Prager Bildhauer Mathias Bernhard Braun in die Lehre. Ab 1736 führte
Tietz unter der Leitung von Balthasar Neumann kleinere Arbeiten an der
Würzburger Residenz aus, was ihm zu weiteren Aufträgen in fünf Fürs-
tensitzen verhalf: Bamberg (1749-1754), Würzburg (1736-1745), Trier
(ab 1754), Speyer und Köln. 1760 kehrte Tietz nach Bamberg zurück und
diente als Hofbildhauer unter 6 Bischöfen, darunter drei aus dem Hause
Schönborn. Tietz‘ Werk umfasst eine bedeutende Anzahl an Plastiken,
von denen sich heute einige in Museen in Würzburg und Nürnberg befin-
den. Die Gartenskulpturen im Garten des Schlosses von Veitshöchheim
(1763-1768) und in Schloss Seehof bei Bamberg (1762-1768) gelten als
Tietz‘ Hauptwerke. Für den Park von Schloss Seehof und den Residenz-
garten in Bamberg schuf er etwa 420 Einzelstücke - Figuren, Tiere, Vasen
und Sitzbänke.
Für Angaben zu J.A. Meissonnier siehe Fussnote der Katalognr. 1070.
CHF 38 000 / 48 000
(€ 31 670 / 40 000)
1053
KOMMODE, Louis XV, in der Art von M. FUNK (Mathäus Funk, 1697-1783),
Bern, 18. Jh.
Nussbaum, -wurzelmaser und heimische Fruchthölzer gefriest sowie mit
Reserven und Filets eingelegt. Geschweifter, rechteckiger Korpus mit
randprofiliertem, vorstehendem Blatt auf wellig ausgeschnittener Zarge
mit geschweiften Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen
ohne Traverse. Feine Bronzebeschläge und -hänger. 118x68x75 cm.
CHF 5 000 / 9 000
(€ 4 170 / 7 500)
| 52
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
| 53
1054
ECRITOIRE „AUX SPHINGES“, Régence, Paris um 1730/40.
Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Diamantspitzen und Zierfries.
Rechteckiger, randgefasster Korpus mit profilierter, gerader Zarge auf
gequetschten Kugelfüssen. Feine Vertiefung für das Schreibzeug sowie
Messinggefässe für Tinte und Löschsand. Vergoldete Bronzebeschläge.
42x28x10 cm.
Provenienz: Westschweizer Privatbesitz.
Ein Encrier mit identischen Bronzebeschlägen wurde bei Sotheby‘s New
York am 25.5.2000 (Katalognr. 346) verkauft.
CHF 4 000 / 7 000
(€ 3 330 / 5 830)
1055
BOULLE-PENDULE MIT SOCKEL, Louis XV, das Gehäuse sign. ANT.
FOULLET (Antoine Foullet, Meister 1749), Innungsstempel, das Zifferblatt
sign. STRAUBHAAR A STRASBOURG (Johann Jakob Straubhaar, tätig
1721-ca. 1750), Strassburg um 1750.
Holz allseigit eingelegt mit Messing und polychromem Schildpatt; Blumen,
Blätter und Zierfries. Geschweiftes Gehäuse mit Blätteraufsatz auf sich
nach unten markant verjüngendem Sockel. Zifferblatt mit 12 Emailplaket-
ten für römische Stunden- und arabischen Minutenzahlen. 2 fein durch-
brochene Zeiger. Spindelwerk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. Reiche
Bronzebeschläge und -applikationen. Zu restaurieren. 47x21x112 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 320-
322 (biogr. Angaben zu Antoine Foullet). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlo-
gers français, Paris 1974; S. 600 (biogr. Angaben zu J.J. Straubhaar).
CHF 2 500 / 3 500
(€ 2 080 / 2 920)
1056*
KLEINER BEISTELLTISCH MIT GRÜNEM HORN, Louis XIV, Paris um 1700.
Grünes Horn ausserordentlich fein eingelegt mit schwarz/braunem
Bandelwerk, Filets und Zierfries. Rechteckiges, vorstehendes Blatt mit ab-
geschrägten Ecken auf gerader Zarge mit durch geschweiftem Kreuzsteg
mit Zentralrosette verbundenen, sich nach unten verjüngenden Vierkant-
beinen auf gequetschten Kugelfüssen. 1 seitliche Schublade. Vergoldete
Bronzebeschläge. In der Zargenunterseite alte Marke 21. 44x33x70 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Die „streng“ wirkende Formgebung weist für den hier angebotenen Bei-
stelltisch auf französische Hofmöbel der Jahre um 1680/1700 hin. Diese
erfreuten sich vor allem auch grösster Beliebheit am Münchner Hof, wo
analoge Beispiele noch heute ausgestellt sind. Ein solcher Tisch, mit Mes-
sing- und Schildpattmarketerie, geliefert für das Päpstliche Zimmer in der
Münchner Residenz, Raum 68, (Inventarnr. Res.Mü.M3) ist abgebildet in:
B. Langer, Die Möbel der Residenz München - Die franzöischen Möbel des
18. Jahrhunderts, München 1995; S. 43-45 (Katalognr. 2). Ein weiterer ver-
gleichbarer Tisch, P. Gole zugeschrieben und mit blauem Horn eingelegt,
ist heute Teil der Sammlungen des J. Paul Getty Museums, Los Angeles
(Inventarnr. 83DA21). Diese Pariser Möbel hatten zugleich einen grossen
Einfluss auf das lokale Kunsthandwerk der bajuwarischen Metropole. Form-
gebung und Material wurden übernommen und in eine eigene Formen-
sprache übersetzt. Solch verlgeichbare Münchner Möbel sind abgebildet
in: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels, München 1974; II, Tafel 210,
318 und 319. Eine weitere „table en cabriolet“, mit Schildpatt eingelegt und
ebenfalls P. Gole zugeschrieben sowie analoger Grundstruktur, wurde bei
Christie‘s London am 12.12.2002 (Katalognr. 25) verkauft.
CHF 35 000 / 45 000
(€ 29 170 / 37 500)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1054
1055
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1 PAAR PRUNK-APPLIKEN „A L‘ AMOUR“, Régence, aus einer Pariser
Meisterwerkstatt, nach Modellen von A.C. BOULLE (André Charles Boulle,
1641-1731), Paris um 1725.
Matt- und glanzvergoldete Bronze. Fein durchbrochene, blätterbe-
schmückte und geschweifte Wandplatte mit Amorfigur, jeweils 2 markant
geschweifte Lichtarme mit breiten Tropftellern und vasenförmigen Tüllen
tragend. Alte Restaurationen. H 55 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
Sechs modellogleiche Appliken sind heute Teil der Sammlungen der Rei-
chen Zimmer in der Münchner Residenz und abgebildet in: H. Ottomeyer
/ P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbeiten des Spätbarock
und Klassizismus, München 1986; I., S. 64 (Abb. 1.9.13). Die Gestaltung
der Lichtarme folgt den Modellen von A.C. Boulle, bei dem auch das auf-
ragende Weinlaub als Motiv vorkommt. Der Erzbischof von Köln, Clemens
August, bestellte über seinen Architekten R. de Cotte (Robert de Cotte,
1656-1735) im Jahre 1720 sechs Wandleuchter mit allegorischen Kna-
benfiguren, um sein Schloss in Bonn auszustatten.
Ein sehr ähnliches Applikenpaar wurde in unserer September-Auktion
2014 (Katalognr. 1157) verkauft.
Für Angaben zu A.C. Boulle siehe Fussnote der Katalognr. 1058.
CHF 35 000 / 55 000
(€ 29 170 / 45 830)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1058*
1 PAAR KAMINBÖCKE „AUX SPHINGES“, Louis XIV, aus einer Pariser
Meisterwerkstatt, nach zeichnerischen Vorlagen von A.C. BOULLE (André
Charles Boulle, 1642-1732), Paris um 1710/20.
Matt und glanzvergoldete Bronze. Obeliskenförmiger Zentralschaft mit
Abschlusskugel und Maskaron, flankiert von je 1 kauernden Sphinx auf
bastionsförmigem Sockel mit markant eingerollten Volutenstützen auf
gequetschten Kugelfüssen und pinienbeschmückter Zentralstütze. H
33,5 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Die zeichnerische Vorlage von A.C. Boulle für das hier angebotene Paar
wurde im Jahre 1707 von Mariette in seinem „Nouveaux dessins de
meubles et ouvrages de bronze et de marqueterie inventés et gravés par
Andre Charles Boulle“ publiziert.
Identische Modelle sind bekannt; ein solches Modell wurde bei Palais Gal-
liéra Paris am 6.2.1967 (Katalognr. 33), Sotheby‘s New York am 5.5.1985
(Katalognr. 155) sowie bei Sotheby‘s Paris, stammend aus der Sammlung
L.A. Laura (Katalognr. 13) verkauft.
A.C. Boulle, bereits in jungen Jahren als „menuisier d‘art“ und „charpen-
tier“ tätig, arbeitete als polyvalenter Künstler in den 1660er Jahren in
der Abbaye Sainte-Geneviève als Maler, Bildhauer und Stukkateur. Diese
Tätigkeiten ermöglichten ihm den Zugang zur Académie St. Luc und
brachten ihm den ersten Auftrag des Königs ein, zwei Gemälde. Der am
französischen Hof tätige Colbert erkannte sehr früh das künstlerische
Talent des jungen Boulle und lobte ihn als „le plus habile dans son métier“.
Boulle erhielt durch ihn als Nachfolger von J. Macé eine Wohnung im
Louvre. Es folgte ein rasanter Aufstieg mit zahlreichen Aufträgen, die ihm
den Titel „architecte, peintre, sculpteur en mosaique, ciseleur-graveur,
marqueteur, inventeur de chiffre“ und das Privileg einbrachten, mehrere
Aktivitäten zu kombinieren, was angesichts der starken Korporationen der
Zünfte eine enorme Freiheit bedeutete: Er konnte all diese Tätigkeiten in
seinem Atelier ausüben. Der riesige Erfolg seiner qualitativ hochwertigen
Möbel, Bronzen, Pendulen, Leuchter, Postamente und Einrichtungsge-
genstände führte zu einer Fülle von Aufträgen für den französischen Hof,
aber auch für die gesamte führende Adelsschicht von Frankreich, wie zum
Beispiel für die Ducs d‘Orléans und de Bourbon, für den Prince de Condé,
die Duchesse du Barry, den Kardinal von Rohan, für ausländische Könige
und Fürsten wie König Philippe V. von Spanien, den Bischof von Köln und
Prinz Maximilian Emanuel von Bayern. Trotz des enormen Erfolges kämpf-
te Boulle ständig mit finanziellen Problemen und war auf die Hilfe des
Königs angewiesen, wie beispielsweise im Jahr 1703: „Le Roi a bien voulu
accorder cette fois encore à Boulle un arrest de surséance pour six mois à
condition que ce sera la dernière grâce que sa Majesté luy fera là-dessus“.
Es waren die finanziellen Schwierigkeiten, vor allem die ausstehenden
Lohnauszahlungen an seine Arbeiter, und Steuerprobleme, die Boulle im
Jahr 1715 zwangen, das Unternehmen an vier seiner Söhne zu über-
schreiben - allerdings ohne die Zügel aus der Hand zu geben. Bis ins hohe
Alter blieb er in seiner Werkstatt tätig und war verantwortlich für die neue
Formensprache der Régence.
Die ursprünglich aus Italien und Holland stammende Einlegearbeit mit
Messingfilets, Schildpatt und Elfenbein wurde im späten 17. Jahrhundert
von dem für den Hof im Louvre tätigen A.C. Boulle zu höchster Vollen-
dung weiterentwickelt; daher wird diese Technik als „Boulle-Marketerie“
bezeichnet. Als zeichnerische Vorlagen für die Motive dienten vor allem
die Arbeiten von J. Bérain.
Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 106-
114 (biogr. Angaben). A. Pradère, Die Kunst des französischen Möbels,
München o.J.; S. 67-109 (biogr. Angaben). J.P. Samoyault, André-Charles
Boulle et sa famille, 1979.
CHF 45 000 / 75 000
(€ 37 500 / 62 500)
| 58
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
| 59
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1 PAAR SPIEGELAPPLIKEN, Régence, Paris um 1720/30.
Holz durchbrochen sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Blüten,
Blättern, Kartuschen und Zierfries sowie vergoldet. Kartuschenförmiger,
fein profilierter Rahmen mit durchbrochenem Fronton in Form von Akant-
husfächer. Der Lichtarm fehlt. H 105 cm. B 62 cm.
Provenienz: Privatbesitz, Schweiz.
Ein Spiegel des hier angebotenen Paares ist abgebildet in: P. Mauriès / S.
Roche, Galeries et Cabinets de Glaces, Paris 1956; Abb. 62.
CHF 5 500 / 8 500
(€ 4 580 / 7 080)
1060*
POT-POURRI MIT BRONZEMONTUR, Régence, das Porzellan China,
Kangxi, 17./18. Jh., die Bronze Paris, 18. Jh.
Porzellan und vergoldete Bronze. Kugeliger Gefässkörper mit feinem
Pinienaufsatz und seitlichen Henkeln „aux têtes de lion“ auf fein
profiliertem Rundfuss. H 29 cm.
Provenienz:
- Ehemals Sammlung David Murray, 2nd Earl of Mansfield and 7th Viscount
Stormont.
- Durch Erbfolge Sammlung Scone Palace, Schottland.
- Aus französischem Besitz.
D. Murray (1727-1796), bekannt als The Viscount of Stromont war be-
deutender Englischer Politiker und Botschafter in Wien sowie in Paris, wo
er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das hier angebotene
Pot-Pourri erwarb. 1783 wurde er Lord President of the Council sowie
Lord Justice Generals, Privy Cousellor und Knight of the Thistle.
CHF 28 000 / 38 000
(€ 23 330 / 31 670)
| 60
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1059
1060 (Detail)
| 61
1060
1061*
1 PAAR PRUNK-APPLIKEN „AU BUSTE DE FEMME“, Régence, aus einer
Pariser Meisterwerkstatt, um 1720/30.
Bronze matt- und glanzvergoldet. Geschweifte, blattförmige Wandplatte
mit Büstenaufsatz sowie 2 ungleich hoch angesetzten, markant ge-
schweiften Lichtarmen mit tellerförmigen Tropftellern und vasenförmigen
Tüllen. Elektrifizierungslöcher. Vergoldung an den Tüllen restauriert. H 50
cm.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 16 670 / 25 000)
1062
SPIEGEL „AUX OISEAUX“, Régence, Paris um 1720/30.
Holz durchbrochen sowie fein beschnitzt mit Vögeln, Muscheln, Kartu-
schen, Blättern und Zierfries sowie vergoldet. Rechteckiger, profilierter
und verspiegelter Doppelrahmen mit feinem, jochförmig mit stilisierter
Muschel abschliessendem, verspiegeltem Fronton. Spiegelglas ersetzt. H
164 cm. B 89 cm.
CHF 6 000 / 9 000
(€ 5 000 / 7 500)
1063
DOKUMENTENMAPPE, sog. „portefeuille“, Régence, Paris um 1720.
Bordeauxrotes Leder mit feinen Silberfädeneinlagen: Wappenkartusche
unter Krone, Voluten, Blüten und Zierfries. Inwendig mit braunem Leder
bezogen. Rechteckform mit aufklappbarem Deckel. Fein graviert, kartu-
schenförmige Silber-Schlüsselschilder. Gebrauchsspuren. Schlüssel fehlt.
H 30 cm. B 40 cm.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 670 / 2 500)
| 62
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1064
FOLGE VON 4 GROSSEN FAUTEUILS „A LA REINE“, Régence/Louis XV,
Paris um 1720/40.
Buche und Nussbaum ausserordentlich fein beschnitzt mit Muscheln,
Blättern und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Sitz auf wellig
ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig
abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweif-
ten -stützen. Senfgelber Seidenbezug mit Blumen und Blättern sowie
dekorativem Nagelbeschlag. 65x52x47x105 cm.
Provenienz: Westschweizer Privatbesitz.
Das Motiv der „coquille régulière“ findet sich an Sitzmöbeln der 1720er
Jahre. Eine sehr ähnliche Zargendekoration ist abgebildet in: G. Janneau,
Le mobilier français - les sièges, Brüssel o.J.; S. 60 (Abb. 96).
CHF 12 000 / 18 000
(€ 10 000 / 15 000)
1065*
KOMMODE „EN ARBALETE“, Louis XV, C. CRESSENT (Charles Cressent,
1685 Paris 1768) zuzuschreiben, Paris um 1725/35.
Palisander und Veilchenholz gefriest sowie fein eingelegt mit Reserven,
Filets und Zierfries. Rechteckiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eck-
stollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit kurzen, geschweiften Beinen.
Geschweifte Front mit 3 Schubladen. Vergoldete Bronzebeschläge und
-sabots. Mehrfach profilierte „Brèche d‘Alep“-Platte. 106x54,5x85 cm.
Provenienz: Aus französischem Besitz.
Die hier angebotene Kommode weist auf die Werkstatt des C. Cres-
sent hin, finden sich in seinem Oeuvre teils identische Marketeriebil-
der, Formensprache und Bronzebeschläge wieder. Nahezu identische
Bronzehandhaben finden sich an einer frühen Kommode „aux espagno-
lettes“, ehemals Sammlung Kugel, Paris sowie an einer Kommode aus der
Sammlung M. Meyer, Paris. Diese sind abgebildet in: A. Pradère, Charles
Cressent, Dijon 2003; S. 274 (Abb. 84) und S. 275 (Abb. 91). Die letzt-
genannte Kommode weist auch eine analoge Marketerie auf. Ähnliche
Eckbronzen finden sich an einer Schreibkommode, ehemals Sammlung
Mercadé, Paris. Diese ist abgebildet in ebd.; S. 289 (Abb. 167).
C. Cressent, 1685 als Sohn des „sculpteur du Roi“ François Cressent
geboren, arbeitete zunächst im Atelier seines Vaters. Bereits als junger
Lehrling knüpfte er Kontakt zu G. Oppenordt, der als „premier archi-
tecte“ des Duc d‘Orléans tätig war. 1710-1714 arbeitete C. Cressent
für Girardon und Lorrain und erhielt von der Académie St. Luc 1714 den
Titel „maître sculpteur“. Er schuf hochwertiges Mobiliar für den Adel der
französischen Metropole. Zu Cressents Kundschaft gehörten der Marquis
de Marigny, der Duc de Richelieu, bedeutende Sammler wie Marcellin de
Selle, Bounier de la Mosson, Brozat, Julienne, Blondel de la Gagny, König
Joao V. von Portugal und Angehörige des Bayrischen Hofes, für die er
quellenmässig gesicherte Möbel lieferte. Cressent und sein Konkurrent
A. Gaudreaux definierten in den Jahren 1720/40 den „style Régence“,
gekennzeichnet durch eine elegante, geschweifte und als majestätisch zu
bezeichnende Formgebung und qualitativ hochwertiges, variantenreiches
und bis anhin unbekanntes Bronzezierwerk. Cressent war nicht nur Produ-
zent von königlichen Möbeln, sondern gleichzeitig auch rühriger Sammler
bedeutender Gemälde, was ihn immer wieder zum Verkauf seines „stock“
zwang, da er wie viele seiner „confrères“ beinahe ständig finanzielle
Schwierigkeiten hatte. Hinzu kamen verschiedene Prozesse gegen die
„corporation des fondeurs, ciseleurs et doreurs“, die ihn anklagte, weil er
als „sculpteur“ seine Bronzen in Eigenproduktion schuf, was das geltende
Zunftrecht verletzte.
Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 197-
205 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes
français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 35/36 (biogr. Angaben). A. Pradè-
re, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.; S. 129-139 (biogr.
Angaben).
CHF 28 000 / 38 000
(€ 23 330 / 31 670)
| 64
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1066*
1 PAAR GROSSE FAUTEUILS „A LA REINE“, Louis XV, Paris um 1740/45.
Buche mouluriert sowie fein beschnitzt mit Muscheln, Blumen, Blättern
und Zierfries sowie vergoldet. Trapezförmiger Sitz auf wellig ausgeschnit-
tener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende
und ganz überpolsterte Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf
geschweiften -stützen. Hellbeiger Seidenbezug mit bunten Blumen und
Blättern sowie dekorativem Nagelbeschlag. Sitzkissen. 70x58x45x106 cm.
Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 500 / 4 170)
1067
1 PAAR APPLIKEN, Louis XV, Frankreich, wohl Strasbourg, 18. Jh.
Vergoldete Bronze. Geschweifte, blätterbeschmückte Wandplatte mit 2
geschweiften Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und blütenför-
migen Tüllen. H 42 cm.
Provenienz: Westschweizer Privatbesitz.
CHF 1 500 / 2 500
(€ 1 250 / 2 080)
1068*
GEFASSTE PENDULE MIT CARILLON UND SOCKEL, Louis XV, das Werk
sign. JONAS PIERRE DUCOMMUN A LE LOCLE (1743- 1816), Neuenburg
um 1765.
Holz original fein bemalt; auf grünem Fond Turteltauben, Musikinstrumen-
te, Notenblätter und Blumen. Geschweiftes Gehäuse mit Kartuschenauf-
satz auf sich nach unten markant verjüngendem Sockel. Emailzifferblatt
mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. 2 fein durch-
brochene Zeiger. Spindelwerk mit 1/4-Stundenschlag auf 2 Glocken,
der Carillon mit 9 Glocken, jeweils beim Stundenschlag und auf Anfrage
spielend. 11 Melodien. Carillon-Deckplatte fein mit Blumen graviert. Rei-
che Beschläge aus vergoldeter Bronze und „laiton repoussé“ in Form einer
Cellistin, Rocaillen, Kartuschen, Voluten und Blättern. 58x24x139 cm.
Lit.: A. Chapuis, Historie de la Pendulerie Neuchâteloise, Neuchâtel 1917,
S. 463 (biogr. Angaben).
CHF 10 000 / 15 000
(€ 8 330 / 12 500)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1067 (1 Paar)
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KOMMODE, Louis XV, sign. MIGEON (Pierre Migeon, Meister 1739), Paris
um 1745/50.
Veilchenholz und Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Bandelwerk,
Filets und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehen-
den vorderen Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweif-
ten Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen ohne Traverse.
Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Profilierte „Brêche Belge“-Plat-
te. Schlösser ersetzt. 144x65x91 cm.
Die Signatur Migeon galt als höchstes Gütezeichen seiner Zeit und war
Ausdruck einer ganz bestimmten Formgebung und Eleganz. Pierre II
Migeon bevorzugte leichte Schweifungen, verbunden mit monochromer
Marketerie. Meist verwendete er Veilchenholz, dem er Rosenholz beifügte
und für die gesamte Fläche des Möbels benutzte. Die Schlichtheit seiner
Stücke deutet auf „recherches décoratives des plus séduisantes“ hin,
mit feinem Spiel der Maserungen in entgegengesetztem Lauf. Eines der
typischen Motive von Migeons Einlegearbeiten war „en papillon“, das
eine grosse Anzahl seiner Werke schmückt - Kommoden, Encoignu-
ren, Beistellmöbel, Sekretäre und Bureau-Plats. P. II Migeon übernahm
1730 die Werkstatt seines Vaters in der Rue de Charenton in Paris. Die
bedeutendsten Aufträge erhielt er von Madame de Pompadour, die den
„style Louis XV“ am französischen Hof lancierte. Als „marchand-mercier“
vertrat er bedeutende Ebenisten wie M. Criaerd, J. Dubois, P. Saunier und
C. Topino.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 16 670 / 25 000)
1070
FOLGE VON 4 GROSSEN APPLIKEN, Louis XV, J. CAFFIERI (Jacques
Caffiéri, 1678-1755) nach Vorlagen von J.A. MEISSONNIER (Juste Aurèle
Meissonnier, 1693-1750) zuzuschreiben, Paris um 1750.
Matt- und glanzvergoldete Bronze. Geschweifte, blätterbeschmückte
Wandplatte mit 2 markant verschlungenen Lichtarmen mit blätterförmigen
Tropftellern und blütenförmigen Tüllen. Vergoldung restauriert. H 59 cm.
Provenienz:
- Ehemals Kunsthandel Röbbig, München.
- Privatbesitz, Schweiz.
Eine ähnliche, jedoch dreiarmig gestaltete Folge von 4 Appliken wurde in
unserer September Auktion 2010 (Katalognr. 1126) verkauft.
Vergleichbare Appliken sind abgebildet in: H. Ottomeyer / P. Pröschel,
Vergoldete Bronzen - Die Arbeiten des Spätbarock und Klassizismus,
München 1986; I, S. 143 (Abb. 2.11.18) sowie D. Alcouffe, Les bronzes
d‘ameublement du Louvre, Dijon 2004; S. 54 (Abb. 19).
J.A. Meissonnier war als Ornamentzeichner, Maler, Bildhauer, Architekt,
Dekorateur und Goldschmied in Paris tätig. In der Tradition der Borro-
mini-Schule aufgewachsen, reiste er bereits als sehr junger Mann nach
Frankreich, wo er sich rasch einen bedeutenden Ruf als Goldschmied er-
warb. 1724 erhielt er das Brevet als „orfèvre du Roi“, 1726 als „dessinateur
de la chambre et du cabinet du Roi“. Meissonnier gab der von Lepautre
und Daniel Marot begründeten dekorativen Kunstrichtung eine neue, fan-
tastisch-bizarre, kapriziöse Wendung und schuf zwischen 1720 und 1750
jenen extremen Rocaille-Stil, dessen originellste Formen in der Ornamen-
tik Verwendung fanden. Das Werk dieses Meisters umfasst Vorlagen für
alle möglichen Dinge des täglichen Gebrauches - Leuchter, Schreibzeuge,
Weinkühler, Lichtscheren, Degen, Stockgriffe u.v.m. - bis zu ganzen Wand-
und Zimmerdekorationen und stellt ein wahres kunstgewerbliches Arsenal
dar. Er entwarf Möbel und Saloneinrichtungen für den Pariser Hof, den
König von Portugal, die Königin von Spanien, die Fürstin Czartoryski und
den polnischen Kron-Grossmarschall Bielinski. Meissonniers Arbeiten sind
fast nur noch als Nachstiche erhalten geblieben.
Lit.: Thieme/Becker, Leipzig 1999; 2/3, S. 352 (biogr. Angaben zu Caffiéri).
Ibid, 23/24, S. 347 (biogr. Angaben zu Meissonnier).
CHF 35 000 / 55 000
(€ 29 170 / 45 830)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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1 PAAR GIRANDOLEN MIT PORZELLANFIGUREN, Louis XV, die Por-
zellanfiguren Meissen, die Modelle von J.J. KAENDLER (Johann Joachim
Kaendler, 1706-1775), um 1748/50, die Blumenblüten wohl Paris,
18./19. Jh., die Bronze Paris, 18. Jh.
Fein bemaltes Porzellan sowie matt- und glanzvergoldete und bemalte
Bronze. Auf fein durchbrochenem Kartuschensockel stehende männ-
liche und weibliche, sog. „Tabulettkrämer“ mit Behälter, umgeben von 3
geschweiften Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und blüten-
förmigen Tüllen sowie feinen Blumenblüten. Wenige Restaurationen am
Porzellan. Traggurt der weiblichen Figur fehlt. H 40 cm.
Provenienz: Westschweizer Privatbesitz.
Beide modellogleiche Figuren sind abgebildet in: L. und Y. Adams, Meissen
Portrait Figures, London 1987; S. 98f. Die zeichnerische Vorlage für
diese Figuren, die zum Genre der „Cris de Paris“ gehören, stammt von E.
Bouchardon (Edmé Bouchardon, 1698-1762), vgl. Abbildung ebenda.
J. J. Kaendler läutete die wohl bedeutendste Phase der Meissener Produk-
tion ein; es gelang ihm, mit einer schier grenzenlos erscheinenden Vielfalt
von Modellen und Sujets die höfische Entourage zu begeistern. Zunächst
als Schöpfer von Grosstieren für das „Japanische Palais“ tätig, wandte
er sich in den folgenden Jahren mehr der Kleinplastik zu, mit welcher er
die Lustbarkeiten des höfischen Lebens, Kostümfeste, Theater, Märkte,
Schäferspiele, amoureuse Szenen, Maskeraden, Volkstypen, Berufe,
Allegorien usw. modellierte. Das zur Mitte des 18. Jahrhunderts in ganz
Europa festzustellende Interesse für das „Exotische“ und „Fremde“ zeigt
sich an diesem Beispiel in exemplarischer Weise und ist im Werk des J.
J. Kaendler mehrfach wiederzufinden. Die Montierung von Meissener
Porzellanfiguren und -plaketten auf französische Bronzen war im 18.
Jahrhundert sehr beliebt; ein analoges Beispiel findet sich - mit ähnlichen
Bronzen sowie teils identischen Blumenblüten - in einem Schreibzeug aus
den Jahren um 1750, das heute Bestand des Bayerischen Nationalmuse-
ums im München ist.
| 70
Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
1072
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In den Jahren um 1740/50 wurden erstmals Porzellanobjekte mit Einrich-
tungsgegenständen kombiniert. Der Reiz lag darin, die nahezu „unzerstör-
baren“ Bronzen mit fragilen, bemalten Porzellanelementen zu verbinden
und durch diesen Kontrast eine neue Dekorationssprache zu finden.
Augenfälligstes Merkmal dieser Pendulen, Cartelle und Girandolen war die
hochwertige Qualität und ausserordentliche Eleganz. Für diese Entwick-
lung waren die innovativen „marchands-merciers“ P. Hébert, F. Poirier, L.
Daguerre und P. Lazare-Duvaux verantwortlich - sie kauften Porzellanfi-
guren in Manufakturen, brachten sie den „bronziers“ und liessen daraus
nach eigenen Angaben oder den Vorstellungen ihrer Kundschaft neue
Prunkobjekte herstellen. Der Vielfalt schienen keine Grenzen gesetzt - an
einer einzelnen Pendule können sich Meissner Figuren und Blumen von
Vincennes oder Chantilly befinden, als Motive dienten galante Szenen,
Personen aus der Commedia dell‘Arte, Bauern, Jäger, orientalische und
chinesische Edelleute sowie Tiere. Die Kombination dieser Elemente und
Sujets verliehen den prunkvollen Objekten die für das Rokoko so typische
Leichtigkeit und Eleganz.
Lit.: H. Jedding, Meissener Porzellan des 18. Jahrhunderts in Hamburger
Privatbesitz, Hamburg 1982 (Ausstellungskatalog); S. 192-194. R. Rückert
/ J. Willsberger, Meissen - Porzellan des 18. Jahrhunderts, Wien 1977.
CHF 25 000 / 45 000
(€ 20 830 / 37 500)
1072
KLEINES GUERIDON, Louis XV und später, mit Sign. BVRB (Bernard Van
Risenburgh, Meister 1755), Paris.
Mahagoni und Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Blumen,
Blättern und Zierfries. Geschweifter, rechteckiger Korpus mit wenig
vorstehendem, randgefasstem Blatt auf wellig ausgeschnittener Zarge
mit geschweiften durch Zwischentablar verbundenen Beinen. Vergoldete
Bronzebeschläge und -sabots. Zum Freistellen. Fehlstellen. 33x25x71 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby‘s London, 16.6.1989 (Katalognr. 39).
- Privatsammlung, Schweiz.
Das „modello“ des hier angebotenen Guéridons gehört zu den mehrfach
ausgeführten Kleinmöbeln des B. van Risenburgh. Zwei analoge Guéridons
waren Bestand der Sammlung Patino und wurden am 1.11.1986 (Kata-
lognr. 107 und 108) bei Sotheby‘s New York verkauft. Zwei weitere waren
Bestand der Sammlungen A. Riahi und wurden bei Christie‘s New York am
2.12.2000 (Katalognr. 13 und 14) verkauft. Ein analoges Kleinmöbel ist Be-
stand der Wrightsman Collection in den USA. Weitere, nahezu identische
Guéridons wurden 1961 im Palais Galliéra (Katalognr. 99 und 100) verkauft.
Im 1756 gemalten Portrait der Marquise de Pompadour von F. Boucher
(heute Alte Pinakothek, München) ist rechts von ihr das identische Modell
dargestellt.
CHF 7 000 / 12 000
(€ 5 830 / 10 000)
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1071 (Detail)
1073
ÄUSSERST SELTENER TISCHLEUCHTER, Meissen, um 1727. Modell von
Johann Gottlieb Kirchner (1706 - nach 1737), Bemalung wohl von Johann
Gregorius Höroldt (1696-1775).
Über einer runden, konkav geschwungenen Basis, die von vier barocken
Volutenfüssen, staffiert in Grün und Gold, getragen wird, mit einem Paar
seitlich applizierten, geflügelten Delphinen, aus deren Maul Wasser fliest.
Darüber zwei seitlich applizierte Kartuschen mit Chinoiserieszenen in Gold
und Böttgerlüster. Der figürliche Leuchterschaft in Form einer stehenden
Frau mit schwarzem Kopftuch, in einem weissen, grün gefütterten und
gold geränderten Gewand mit eisenroten Rosetten bemalt, zusammen-
gehalten von einer blauen Schärpe mit vergoldeter Reliefkante. In ihren
beiden hoch erhobenen Händen haltend die zylindrische Kerzentülle mit
gemuscheltem Ansatz in Gold und Lüster, modelliert mit zwei seitlichen,
goldgeschuppten Lambrequinmotiven und ummantelt von einer Schärpe
in Böttgerlüster gehöht in Gold mit Punktrosetten. Sockel sowie Tülle mit
feinen Chinoiserieszenen, bemalt wohl von Höroldt. Ohne Marke. Ausstel-
lungsetikette von 1979 auf der Unterseite. H 22 cm. D Fuss 12,5 cm. Eines
der kleinen Palmettenblätter am oberen Abschluss der Basis fehlt.
Provenienz: Deutsche Privatsammlung seit den 1960er Jahren.
Ausstellung:
Mittelrheinisches Landesmuseum Mainz - „Keramik aus Privatbesitz“,
Ausstellung der Gesellschaft der Keramikfreunde E.V. ‚KERAMOS‘ in Zu-
sammenarbeit mit dem Mittelrheinischen Landesmuseum (Pavillion),
10. Mai - 4. Juni 1979, Nr. 108.
Illustration:
- Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz (KFS) Nr. 61, 1963
(Umschlagfoto).
- Sotheby‘s London, Continental Ceramics, 26. November 1985, Lot 290.
Einziges bekanntes Vergleichsstück: Rijksmuseum Amsterdam, seit 1976
(Inv. Nr. BK-1976-50).
Dieser Leuchter ist museal, da nur ein einziges weiteres, nahezu iden-
tisches Modell existiert, das sich seit 1976 im Rijksmuseum in Amster-
dam befindet. Im Bestandskatalog der Museumssammlung Meissener
Porzellans wird auf diesen hier angebotenen Leuchter verwiesen, der sich
seit den 1960er Jahren in deutschem Privatbesitz befindet. (Abraham L.
den Blaauwen, Meissen Porcelain in the Rijksmuseum, 2000, Kat. Nr. 51
S.102, 103)
Johann Gottlieb Kirchner (geb. in Merseburg 1706) kam nach Meissen als
Modelleur am 29. April 1727. Er reiste aus Dresden, wo er höchstwahr-
scheinlich mit seinem wesentlich älteren Bruder Johann Christian Kirchner
lebte, der als Hofbildhauer dem Skulpturenmeister Balthasar Permoser
(1651-1732) bei der Ausstattung des Dresdner Zwingers assistierte. Im
gleichen Jahr, in dem der Tischleuchter entstanden sein muss, entwarf
und modellierte er einen Tempel der Venus mit Nischen in Anlehnung an
das Nymphenbad im Zwinger, in welchen er Figuren platzierte, die dem
Typus der Schaftfigur des Leuchters entsprechen (Katalog Rijksmuseum,
2000, Kat. Nr. 50). Den Blaauwen verweist im Katalogtext zum Venustem-
pel auf die Parallelen zu den Skulpturen von Permoser um 1705, die er für
einen Garten eines Händlers in Leipzig geschaffen hatte (op.cit, S.101).
Die Kombination figürlicher Skulptur mit Höroldt Chinoiserien findet sich
bei diversen Arbeiten Kirchners, so auch bei erwähntem Venustempel,
dessen Sockelunterbau mit ebenso feinen Höroldt Chinoiserien bemalt
ist wie auf dem Tischleuchter und bei einem Deckelpokal ebenso im
Rijksmuseum Amsterdam (op.cit. S. 100 Kat. Nr.50 und 49); vgl. ebenso
Kirchners Uhrgehäuse u.a. aus den Königlichen Sammlungen in Dresden
(Inv. Nr. P97) und in der Sammlung Arnhold (Cassidy-Geiger, The Arnhold
Collection of Meissen Porcelain 1710-50, 2008, Kat. Nr. 33) und ein
weiteres Uhrengehäuse von 1727, eine Kooperation zwischen George
Fritzsche und Kirchner (Rijksmuseum, Kat. Nr. 48).
Im Oktober 1727 hatte Kirchner an „eine gewisse Façon Tisch Leuchter
mit Zierrathen“ gearbeitet, Modelle in Ton, die von George Fritzsche,
dem „geschicktesten und besten Former und Bossierer“ nach Aussagen
Kirchners, weiter bearbeitet wurden. (Zimmermann, Kirchner. Der Vorläu-
fer Kaendlers an der Meissner Manufaktur, Berlin, 1929, S. 5; Walcha, Das
Charakterbild Kirchners im Spiegel der Meissner Archivalien‘, Mitteilungs-
blatt KFS 53/54 1961, S. 24). Dass es sich bei den Notizen von Kirchner
um genau diesen Leuchter handelt, dessen zentrale weibliche Stützfigur
stilistisch dem Figurentypus Kirchners am Venus Tempel aus demselben
Jahr gleicht, ist sehr wahrscheinlich (op.cit. Kat. Nr. 50).
Werke von Johann Gottlieb Kirchner sind selten. Er ist verglichen mit
den beiden anderen berühmten Künstlern der Manufaktur, J. J. Kaendler
(tätig 1731-1775) und J. G. Höroldt (tätig 1720-1765), nur kurze Zeit in
der Manufaktur; zunächst von 1727 bis 1728 und nach einer zweijährigen
Unterbrechung - die Manufaktur hatte ihn aufgrund seiner ‚unordentli-
chen Lebens-Arth‘ entlassen - wieder von 1730 bis 1733 und nochmals
1737, als Modellmeister. Zu seinen prominentesten Werken gehören die
grossen Tierfiguren für die lange Galerie im Japanischen Palais in Dresden.
Kirchners Stil war für seinen Nachfolger Kaendler, der ihm zunächst un-
terstellt war, aber auch für die nachfolgende europäische Porzellanplastik
wegweisend. So schrieb die Kommission von Kaendler im März 1732, er
werde von Kirchner „nach seinen inventionen und sonst übertroffen“
(R. Rückert, Biographische Daten der Meissener Manufakturisten des
18. Jahrhunderts, 1990, S. 113, 114).
CHF 40 000 / 70 000
(€ 33 330 / 58 330)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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GEFASSTES AMEUBLEMENT, Louis XV, sign. J. E. ST. GEORGES (Jean
Etienne Saint-Georges, Meister 1747), Paris um 1750.
Bestehend aus 1 dreiplätzigen Canapé „corbeille“, 1 Bergère und 3 Fauteuils
„en cabriolet“. Buche ausserordentlich fein beschnitzt mit Blumen, Blättern,
Kartuschen und Zierfries sowie polychrom gefasst. Hufförmiger Sitz auf
wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Leicht eingezoge-
ne, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen
auf geschweiften -stützen. Stark gebrauchter, dunkelblauer Veloursbezug
bzw. polychromer Seidenbezug. Teils mit Sitzkissen. Fassung mit Bestos-
sungen und teils über dem alten Lack restauriert. Canapé: 190x68x44x97
cm. Bergère: 90x52x43x100 cm. Fauteuils: 73x44x43x94 cm.
Provenienz:
- La Vieille Fontaine, Rolle.
- Privatbesitz, Westschweiz.
Feines Ameublement von bestechender Qualität; man beachte die stu-
pende Schnitzerei und die feine Blumenmalerei, welche für das Werk von
J.E. Saint-Georges typisch sind. J. E. Saint-Georges übernahm das väter-
liche Atelier in der Rue de Cléry. In Zusammenarbeit mit seinem Schwager,
dem berühmten Claude I Séné, fertigte er zahlreiche Louis-XVI- und Tran-
sition-Möbel sowie ein paar wenige, aber bedeutende Louis-XV-Sitzmö-
bel und war vor allem für die lokalen „marchands-merciers“ und Tapezierer
tätig, wie z. B. für die Gebrüder Presle. Saint-Geroges‘ Werke bestachen
durch akkurate Schnitzereien, die er manchmal bei Pierre Groult, Vincent
Nauroy, Nicolas Grouel oder Guillaume Hutin in Auftrag gab, durch die
„souplesse“ der Formen und die perfekte Proportion.
Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 768-
770 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes
français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 415 (biogr. Angaben).
CHF 9 000 / 14 000
(€ 7 500 / 11 670)
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Möbel  Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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VITRINE, Louis XV, Paris um 1760/70.
Rosenholz und Palisander gefriest. Prismierter Korpus mit vorstehendem,
gekehltem Kranz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften
Beinen. Doppeltürige, geschweift ausgeschnittene und verglaste Front
mit profilierter Schlagleiste. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots.
129x48x208 cm.
Provenienz: Westschweizer Privatbesitz.
CHF 2 500 / 4 500
(€ 2 080 / 3 750)
1076*
KOMMODE, Louis XV, sign. M. CRIAERD (Mathieu Criaerd, Meister 1738),
Paris um 1745/55.
Rosen- und Veilchenholz sowie Palisander gefriest. Allseitig ausseror-
dentlich fein eingelegt mit Rautenmuster, Diamantspitze und Zierfries.
Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eckstol-
len auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Front mit
2 Schubladen ohne Traverse. Ausserordentlich feine, matt- und glanz-
vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Profilierte, reparierte „Griotte
Rouge“-Platte. 115x54x88 cm.
Provenienz:
- Aus einer französischen Sammlung.
- Auktion Koller Zürich, 22.6.2006 (Katalognr. 1162).
- Privatbesitz, Schweiz.
Feine Kommode von bestechender Qualität, die typischen Merkmale des
M. Criaerd offenbarend: elegante Formgebung, die akkurate Marketerie
mit Diamantspitzen sowie die ausserordentlich feinen Bronzebeschläge.
M. Criaerd war einer der bedeutendsten Ebenisten seiner Zeit und
bekannt für die Herstellung exquisiter Lackmöbel. Er wurde etwa 1689 als
Sohn von Jean Criaerd geboren und stammte ursprünglich aus Brüs-
sel. Der genaue Zeitpunkt seiner Ankunft in Paris ist nicht bekannt. Der
Ehevertrag mit der aus einer Ebenistenfamilie stammenden Jacqueline
Godelart belegt aber M. Criaerds Tätigkeit als Möbelhersteller in Paris. Das
Paar hatte zwei Söhne, die ebenfalls im Atelier ihres Vaters arbeiteten.
1783 erhielt M. Criaerd die Meisterwürde und wurde aufgrund seines
exzellenten Rufes als innovativer Hersteller von qualitativ hochwertigen
Möbeln einer der wesentlichsten Ebenisten der Jahre zwischen 1740 und
1760. Die Zusammenarbeit mit dem „marchand-mercier“ Hébert brachte
ihm Aufträge der königlichen Residenzen ein. Zahlreiche Prunkmöbel
dieser Paläste tragen seinen Stempel. 1742/43 lieferte er eine Lack-En-
coignure (heute in den Sammlungen des Musée du Louvre in Paris), für
das Appartement in Choisy, später auch einen (heute verschollenen)
Lackschreibtisch. Fünf Jahre später lieferte er eine Kommode mit Gitter-
und Rhomben-Marketerie für das Cabinet du Dauphin in Versailles, wo
sie heute noch steht. Zudem belieferte M. Criaerd, wie im 17. und 18.
Jahrhundert üblich, die wichtigsten Kollegen wie A. Gaudreaux oder
B. Van Risenburgh. 1770 zog sich M. Criaerd aus dem Geschäft zurück
und verkaufte seinem jüngeren Sohn Möbellager und Werkzeug für eine
Leibrente von 500 L. Sechs Jahre später starb er im hohen Alter von
87 Jahren in Paris.
Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 214-
220 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes
français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 53/54 (biogr. Angaben).
CHF 50 000 / 90 000
(€ 41 670 / 75 000)
| 75
1076
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Koller mobel, pendulen, tapisserien, skulpturen und Part 1 of two catalogues

  • 1.
  • 2.
  • 3. Möbel, Pendulen, Tapisserien, Skulpturen und dekorative Kunst, Silber, Porzellan und Fayence Auktion: Donnerstag, 22. März 2018 Vorbesichtigung: 13. bis 18. März 2018 10.00 Uhr Lot 1001 - 1147 13.30 Uhr Lot 1148 - 1366 ca. 16.00 Uhr Lot 1367 - 1451 Luca Raschèr Möbel & Dekorationen Tel. +41 44 445 63 53 rascher@kollerauktionen.ch Giordana Schmid Möbel & Dekorationen Tel. +41 44 445 63 52 schmid@kollerauktionen.ch Stephan Koller Skulpturen Tel. +41 44 445 63 20 skoller@kollerauktionen.ch Bearbeitung: Zusätzliche Informationen und Abbildungen auf unserer Webseite: www.kollerauktionen.ch English descriptions are available on our website: www.kollerauctions.com Sabine Neumaier Porzellan, Fayence & Glas Tel. +41 44 445 63 12 neumaier@kollerauktionen.ch Corinne Koller Silber +41 44 445 63 22 ckoller@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Silber +41 44 445 63 62 silber@kollerauktionen.ch
  • 4. Auktion: Donnerstag, 22. März 2018, 10.00 Uhr Katalognr. 1001–1147 1001 KLEINE TISCHGLOCKE, sog. „campanella da tavola“, Renaissance, Norditalien um 1650. Bronze dunkel patiniert. Glockenförmiger, fein reliefierter Klangkörper mit Darstellung von antikisierenden Figuren, Amoren und Maskaronen mit ersetztem Knauf in Form einer kauernden Venus. H 13,5 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. CHF 800 / 1 200 (€ 670 / 1 000) 1002 TISCHGLOCKE, sog. „campanella da tavola“, Renaissance, sign. JOSEPH DE LEVIS VER(ona) F(ecit) (Joseph de Levis, quellenmässig eruierbar zwischen 1577 und 1605), Verona, Ende 16. Jh. Bronze brüniert. Fein relieferter, glockenförmiger Klangkörper mit Greifen, Kartuschen, Blättern Medaillon und Zierfries mit Balusterknauf. Wenige Fehlstellen. H 15,5 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. Eine sehr ähnliche Tischglocke ist heute Teil der Sammlungen des Victoria & Albert Museum in London und abgebildet in: C. Avery, Joseph de Levis & Company, Renaissance Bronze-founders in Verona, London 2016; S. 42 (Abb. 43). Eine weitere Tischglocke, mit teils identischen Greifen, ist Teil der Sammlungen der Fondazione Miniscalchi Erizzo in Verona und abgebildet in: Ebd., S. 103 (Katalognr. 8). CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 330 / 5 000) 1003 BRONZEFIGUR EINES SICH AUFBÄUMENDEN HENGSTES, späte Renaissance, nach Modellen von GIAMBOLOGNA (Jean de Boulogne, Douai 1528-1609 Florenz) oder A. SUSINI (Antonio Susini, tätig zwischen 1572-1624), Italien oder Spanien, 17./18. Jh. Bronze patiniert. Sich aufbäumender Hengst mit markanter Mähne und Schweif. Auf späterem, ebonisierten und fein mit Amaranth-Blattwerk eingelegtem Rechtecksockel. H 30 cm, mit Sockel 37 cm. Provenienz: - Ehemals Teil einer Sammlung in West County. - Privatbesitz, Schweiz. Das Motiv des sich aufbäumenden Hengstes gehört zu den beliebtesten Sujets des 16. und 17. Jahrhunderts. Wohl beeinflusst von Leonardo da Vincis monumentalen Pferdeskulpturen, fanden sich zahlreiche Bildhauer und Bronziers - F. Fanella, P. Tacca oder B. Prieur - die sich dieses Themas annahmen. Die hier angebotene Bronze weist grosse Ähnlichkeiten mit der berühmtesten Ausführung von Giambologna, gegossen von A. Susini aus den Jahren um 1600 auf, dem sog. „cavallino, che sta in su due piedi“. Der grosse Erfolg solcher Modelle wurde bald darauf vor allem in Augsburg übernommen und weiterentwickelt. Lit.: A. Radcliffe / N. Penny, Art of Renaissance Bronze, 1500-1600 - the Robert H. Smith Collection, New York 2004; S. 172-176 (Abb. 27). CHF 9 000 / 14 000 (€ 7 500 / 11 670) | 2 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1001 1002
  • 6. 1004* KABINETT, Barock, Vizagapatam um 1700. Amaranth, Palisander und Ebenholz teils ebonisiert und eingelegt mit feinen Elfenbeinfilets und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf Kugelfüssen. Architektonisch gegliederte Front mit Zentralfach zwischen 2 Schubladen, Verso kleine Geheimschublade, seitlich je 1 herausziehbare Säule mit Fach, dahinter je 3 kleine Geheimschubladen, flankiert von 4 übereinander liegenden Schubladen. Elfenbeinknöpfe. 79x25x45 cm. Provenienz: - Aus einer europäischen Sammlung. - Auktion Koller Zürich, 29.3.2012 (Katalognr. 1003). - Aus europäischem Besitz. Vizagapatam war 1668 bis 1756 Handelsstation der British East India Company. Hier wurden seit dem späten 17. Jahrhundert Möbel nach westlichem Vorbild mit heimischer Dekoration hergestellt, die Bezug nahm auf die indische Moghul-Kultur. Major John Corneille, der Vizaga- patam 1756 besuchte, schrieb, dass Vizagapatam berühmt sei für „its inlay-work and justly for they do it to the greatest perfection“. CHF 9 000 / 14 000 (€ 7 500 / 11 670) 1005 ZIMMERUHR MIT MONDPHASE UND WECKER, Renaissance, undeutlich monogr. .WL (wohl Erhard Liechti, gest. 1591) und dat. 1560. Schmiedeeisen, teils bemalt. 4 in Fialen endende Strebepfeiler mit rot gefasstem Glockenstuhl mit stilisierten Nelkenapplikationen und 2 übereinander platzierten Glocken. Fein bemaltes, hochförmig abschlies- sendes Zifferblatt mit Fenster für die Mondphase über durchbrochenem Zifferblatt mit ausgeschnittenem Stundenrad und römischen Stunden- zahlen sowie Zentralwappen mit Datierung. 1 fein bemalter Zeiger. Werk mit Eisenräder für Geh- und Schlagwerk hintereinander angebracht sowie grosser, zurückgebauter Radunruh. Fein geformte Schlaghammer für den Stunden- und Halbstundenschlag. Bemalung des Zifferblattes restauriert. 16x15x41,5 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. Eine nahezu identische Zimmeruhr von Erhard Liechti, stammend aus der Sammlung S. Hildebrand, wurde in unserer Juni-Auktion 1997 (Katalognr. 1019) verkauft. E. Liechti führte die väterliche Werkstatt zusammen mit seinem Bruder Lorenz II nach dessen Tod weiter und fertigte anfänglich vor allem Turm­ uhren. Da aber im Lauf der Zeit die Aufträge knapper wurden, richtete sich Erhard eine eigene Werkstatt für die Herstellung von Zimmeruhren ein. A. Schenk betont den grossen Einfluss der deutschen Uhrmacherei auf das Oeuvre Erhards und vermutet, dass Erhard für eine gewisse Zeit als Geselle in Deutschland gearbeitet hat. Eine Besonderheit entwickelte Liechti mit dem ab etwa halber Länge zu einem weiten Bogen ausgeformten Halbstundenhammer, der in einem wasserspeierartigen Kopf endet. Lit.: A. Schenk, Die Uhrmacherfamilie Liechti von Winterthur und ihre Werke, Winterthur 2006; S. 40-56 (biogr. Angaben) sowie S. 48f. (Abb. 16 - eine nahezu identische Zimmeruhr). CHF 25 000 / 35 000 (€ 20 830 / 29 170) | 4 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1004 (Detail) 1004
  • 8. 1006 GROSSE ANRICHTE, sog. „credenza“, Toskana, 17. Jh. Nussbaum kanneliert und profiliert. Rechteckiger Korpus mit vorstehen- dem Blatt auf gekehlter und bastionsförmiger Sockelplatte. Architekto- nisch gegliederte Front mit Doppeltüre unter entschprechenden Schub- laden und flankiert von 3 kannelierten Pilastern. Holzknöpfe. Eisenschloss. Ergänzungen. Etwas zu überholen. 195x58x116 cm. Provenienz: Privatsammlung, St. Moritz. Für vergleichbare Anrichten siehe M. Cera, Il mobile italiano, Mailand 1983; S. 35f. L. Zinutti, Il linguaggio del mobile antico, Treviso 2011; S. 298f. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 170 / 6 670) 1007* TAPISSERIE „SERVANTE DONNANT A MANGER AUX POULES“, Renais- sance, aus der Folge der „Scènes de la Vie Champêtre“ von J. JORDAENS (Jacob Jordaens, 1593-1678), monogr, BB für Brüssel-Brabant, um 1630/50. Darstellung einer jungen Frau mit Korb und Tieren in einem Palastportikus, dessen maskaronbeschmückte Säulen die Bordure darstellen. H 370 cm. B 254 cm. Provenienz: - Privatsammlung, Genf. - Auktion Koller Zürich, 21.3.2001 (Katalognr. 1002). - Bedeutende Privatsammlung, Deutschland. Die hier angebotene Tapisserie ist Teil einer Serie von 8 Szenen „de la Vie Champêtre“, die J. Jordaens um 1625 entwarf und in den Brüsseler Ateliers bis ca. 1650 gefertigt wurden. Die Zuschreibung an den Künstler ist dadurch belegt, dass zahlreiche seiner Entwürfe noch erhalten sind. Wenn auch kein Entwurf für die hier angebotene Tapisserie mehr vorhanden ist, so lässt sich ihre Ikonografie und figurale Darstellung doch der Hand Jordaens zuschreiben. Als Zeitge- nosse von P.P.Rubens und A. van Dyke etablierte sich J. Jordaens als Künstler mit Darstellungen der „genres populaires“ (wie die hier angebotene Tapisserie) und „allégoriques“ (zum Beispiel „Le Manège“). Die hier angebotene Tapisserie mit der „ländlichen“ Frauengestalt im kontrastierenden Palastportikus kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass diese Darstellung als „réflexion sur les types populaires“ für einen noblen Auftraggeber gefertigt wurde. Eine komplette Edition befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien (Inventarnr. N.C) sowie in Hardwick Hall, England. Teile dieser Folge sind Bestand der Sammlungen des Schlosses von Nachod in Tschechien und waren auch in der Sammlung Bra- quenié. Die oben erwähnten Editionen tragen zudem die Signatur des Ateliers - Geubel und C. van der Bruggen. Alle Szenen dieser Folge sind mit einer architektonischen Bordure versehen, unter- scheiden sich jedoch in einigen Details. Die erste mit Darstellung eines Portikus als „encadrement“ findet sich in P.P.Rubens‘ 19tei- liger Folge „Triomphe de l‘Eucharistie“ aus den Jahren um 1625, heute Bestand der Sammlungen der Descalzas Reales in Madrid. J.Jordaens hat sich also sehr früh diesem Sujet gewidmet, auch bei der Folge der Proverbes (heute Bestand der Sammlungen der Museen von Tarragona und Hluboka). Lit.: G. Delmarcel, La tapisserie flamande du XVe au XVIIIe siècle, Tielt/Paris 1999; S. 290-93. R. Bauer/G. Delmarcel, Ausstel- lungskatalog „Tapisseries bruxelloises au siècle de Rubens“ in den Musées Royaux d‘Art et d‘Histoire, Brussel 1977; S. 19-33. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 330 / 12 500) | 6 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1006
  • 9.
  • 10. | 8 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 11. | 9
  • 12. 1008* KABINETT MIT „VERRE EGLOMISE“-PLAKETTEN, Renaissance, die Hin- terglasmalerei VBL (Vittorio Billa, tätig in den 1620/50er Jahren in Neapel) zuzuschreiben, Neapel um 1650. Ebenholz profiliert und fein mit Flammleisten beschnitzt. Rechtecki- ger Korpus mit vorstehendem, profiliertem Kranz auf gekehltem und profiliertem Sockel. Front mit 12 Schubladen mit ausserordentlich feinen Hinterglasmalerei-Fronten mit Darstellungen von römischen Kaisern nach Suetons „Vita der 12 Caesaren“ aus den Jahren 119 und 122. Eisenbe- schläge. 99x35x55 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Ein nahezu identisches Kabinett ist abgebildet in: A. Gonzales-Palacios, Il Gusto dei Principi, Mailand 1993; II, S. 116f. sowie E. Colle, Il Mobile Barocco in Italia - Arredi e Decorazioni d‘Interni dal 1600 al 1738, Mailand 2003; S. 68. Ein weiteres, sehr ähnliches Kabinett mit Kaiserbüsten wurde bei Chrstie‘s Rom am 20.11.1991 (Katalognr. 149) verkauft. Bei den abgebildeten Kaisern handelt es sich um die 12 Imperatoren von Julius Caesar bis Dominitian. Bereits in den 1620er Jahren waren in Neapel Hinterglasmaler aktiv - zahl- reiche Rechungen aus jenen Jahren erwähnen die Produktion von „pitture di cristalli“ für Paneele, welche an Kabinette oder Tische angebracht wur- den. Dabei wird der Künstler Vittorio Billa erwähnt, dem das Monogramm VBL zugeschrieben wird und dem mit an Sicherheit grenzender Wahr- scheinlichkeit die hier vorzufindenden, ausserordentlich feinen Malereien zugeschrieben werden können. „Verre églomisé“ ist die französische Bezeichnung für eine spezielle Art der Hinterglasmalerei mit Lackfarben. Eine Vorform des Eglomisierens war bereits in der Spätantike bekannt. Der Begriff „églomisé“ wurde vom Namen des Pariser Kunsthändlers und Rahmenerzeugers J.B. Glomi (gest. 1786) abgeleitet, der die Technik vor allem anwandte, um Rahmen von Bildern und Spiegeln zu verzieren. In großem Umfang wurde das Eglomi- sieren im 19. Jahrhundert betrieben, um Schilder herzustellen. Von dieser Technik kennt man drei verschiedene Arten:1. das Hintermalen von Glas mit Lacken, wobei die Ornamente und Darstellungen im Lack ausge- spart oder ausgekratzt werden. Die freien Stellen unterlegt man dann mit spiegelnder glatter oder zerknitterter Gold- bzw. Silberfolie. Schrift- züge werden im Allgemeinen nicht ausgespart, sondern freigekratzt. Bei Glasbechern erfolgt der Schutz der Verzierungen gewöhnlich durch ein eingesetztes zweites Glas. Rahmen mit Glaseinsätzen haben die Rückwand des Rahmens als Schutz. 2. Silhouettierte Darstellungen aus Gold- oder Silberfolie werden auf die Rückseite eines Glases aufgebracht und das Umfeld lackiert. Für die Binnenzeichnungen auf den Folien werden Radiernadeln verwendet. 3. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden häufig bereits vorher bemalte Folien an der Rückseite eines Glases aufgebracht. Das Aussehen entspricht dem einer Eglomise-Ma- lerei. Die Herstellung ist aber einfacher, weil nicht in Hinterglasmalerei gearbeitet werden muss, sondern wie bei einer herkömmlichen Malerei vorgegangen werden kann. CHF 45 000 / 75 000 (€ 37 500 / 62 500) | 10 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 13. | 11
  • 14. 1009* FIGUR EINES ORDENSHEILIGEN, wohl Berhard von Clairvaux, Burgund, 14./15. Jh. Kalkstein gehauen. Der Heilige stehend in Ordenstracht, Abtstab und Kirchenmodell, das markante Gesicht mit lächelndem Ausdruck und bewegter Stirnfalte. Teile der Hand, des Stabs sowie des Faltenwurfs abgebrochen. Nasenspitze abgebrochen. H 84 cm. Sehr fein gearbeitete und ausdrucksstarke Figur eines Abtes, die sich vor allem durch eine ausgeprägte Mimik auszeichnet. Diese erinnert an Arbei- ten aus dem Raum Dijon, genauer an Figuren des Antoine le Moiturier, die um 1470 entstanden sind und von Jean de la Huerta beeinflusst waren. In der Physiognomie sehr ähnlich etwa die Figur eines Bischofs, welche An- toine le Moiturier zugeschrieben wird und die sich im Musée Rolin in Autun befindet. Der auffällig massive Abtstab findet sich bei einer anderen Arbeit des selben Meisters, die den Heiligen Johannes von Réôme darstellt (in der Kirche von Asnières-en-Montagne). Lit.: J. Boccador. Statuaire Médiévale en France de 1400 à 1530. Les clefs du temps. Zug. 1974. S. 280, Abb. 358 sowie S. 253, Abb. 323. CHF 18 000 / 28 000 (€ 15 000 / 23 330) 1010 MAIANO, BENEDETTO DA WERKSTATT (1442 Florenz 1497) Maria und Kind mit dem Johannesknaben umringt von zwei Seraphim. Relief in Stuck, gefasst. 68,5x46,5 cm. Gutachten: Prof. G. Gentilini, 15. Januar 2007. Dieses Relief zählt zu einer Serie von circa 40 ebenfalls in Stuck gefertig- ten Arbeiten von gleicher Grösse, die auf ein Modell von Benedetto da Maiano, datiert um 1485/90, zurückzuführen sind. Es ist davon auszugehen, dass die Hauptkomposition der Madonna mit Kind und dem Johannesknaben bekrönt von zwei Seraphim sowie einem Cherub in der Predella zunächst in Terrakotta angefertigt und später in Marmor ausgeführt wurde, um die nachfolgenden Reliefs in Stuck herzu- stellen. Das Modell in Marmor ist zwar verschollen, jedoch findet sich ein Terrakottarelief im Victoria & Albert Museum in London, welches trotz einiger leichter Abweichungen, wie das Fehlen der Umrahmung sowie des Cherubs in der Predella, als Vorlage für dieses Relief anzusehen ist (vgl. Kecks, R.: Eine Bilderfindung Botticellis in der Werkstatt des Benedetto da Maiano, in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz“, XXXI, 1987, S. 367-372, Kecks, R.: Madonna und Kind, Berlin 1988, Nr. 50). Der Prototyp für die Darstellung des Cherub findet sich in dem in Marmor gefertigten Tabernakel der Collegiata di San Gimignano, das 1487 fertig- gestellt wurde. Das hier angebotene Relief zeichnet sich durch eine feine Modellierung sowie eine frische Farbwahl aus und lässt sich qualitativ mit den besten in Museen aufbewahrten Exemplaren in Stuck vergleichen, so beispielsweise die Reliefs im Museo del Bargello und Museo Bardini in Florenz, im Museo Civico in Prato, im Oratorio dell‘Oca in Siena, im Museo dell‘Opera del Duo- mo in Perugia sowie im Museo della Regione Slesia in Opave. (Siehe ferner zu diesem Thema Gentilini, G. in: Il Museo Civico di Prato. Le colleczione d‘arte, a cura die M.P. Mannini, Florenz 1990, S. 98-99, Nr. 29). CHF 35 000 / 50 000 (€ 29 170 / 41 670) | 12 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1009 1010 (Detail)
  • 16. 1011* 1 PAAR BRONZEPFERDE, Renaissance, nach der byzantinischen Quadri- ge der Piazza San Marco, Venedig, 17. Jh. Bronze patiniert sowie blau/grünes Horn. Schreitende Pferde auf Rechteck- postament aus der Epoche der Régence mit Schildkröte. Bronzebeschläge und -applikationen. Restaurationen. L 18 cm. H (mit Sockel) 32 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Die Quadriga von San Marco entstammt der byzantinischen Epoche und wurden im Jahr 1204 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer nach Venedig geschafft und aller Wahrscheinlichkeit nach zur Mitte des 13. Jahrhunderts in die künstlerische Fassadengestaltung der Basilika einbezogen. Ein nahezu identisches Bronzepferd, auch datierbar um 1550, wurde bei Christie‘s Paris am 13.6.2017 (Katalognr. 30) verkauft. Weitere sind Teil der Sammlungen des H. Walters Art Museum in Baltimore (Inventarnr. 54.50), des Ashmolean Museum in Oxford oder in Schloss Pommerfelden. Diese sind abgebildet in: H.R. Weihrauch, Europäische Bronzestatuetten 15.-18. Jahrhundert, Braunschweig 1967; Abb. 45-48. Lit.: W. Bode, The italian bronze statuettes of the Renaissance, New York 1953; S. 160 (Tafel CXXXIII-1 und CXXXIII-2 - verleichbare Bronzepferde nach der Quadriga von der Piazza San Marco aus den Jahren 1500/20). CHF 50 000 / 70 000 (€ 41 670 / 58 330) | 14 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 17. | 15
  • 18. 1012 2 BILDSCHEIBEN MIT EPISODEN AUS DEM GLEICHNIS DES VERLORE- NEN SOHNS, Christoph Murer (Zürich 1558 - 1614 Winterthur), Zürich, Anfang 17. Jh. Die eine Scheibe zeigt den Abschied des Sohnes, in aufrechter stolzer Haltung zu Pferde sitzend. In den Spickeln Adam und Eva beim Sündenfall. In Kartusche Beschriftung“LAPSUS. Wan der Lust empfangen hatt so gebürt die Sünd Iac. I Cap“ (Jakobus 1.15). Die andere zeigt die reumütige Rückkehr, den Sohn in zerschlissenen Kleidern vor dem Vater kniend. In den Spieckeln Caritasdarstellungen. In Kartusche Beschriftung „GRATIA. So war ich leb, spricht der herr Gott/hab ich kein lust an dem Todt des Sünders/sonder das er sich beker unnd lebe. Ezechi: cap. 18.33“ (Ezechiel 18,23). Verbleiung neu, reparierte Sprünge und Retuschen. Oberkörper des rückkehrenden Sohnes sowie des Mannes unten links ersetzt. Kleine Ergänzungen. 32,5x22 cm. Provenienz: - Aus Berliner Besitz (Eberhard Giese) im Jahr 1954 dem Schweizerischen Landesmuseum zum Kauf angeboten - Schweizer Privatbesitz Christoph Murer wird 1558 in Zürich als Sohn des Jos Murer geboren, bei welchem er das Glaserhandwerk erlernte. Seine Wanderschaft führte ihn nach Strassbourg, wo er mit dem Schaffhauser Glasmaler Tobias Stimmer zusammentraf. 1586 kehrte Murer nach Zürich zurück und führte wie- derholt Arbeiten für den Abt von Wettingen, den Rat von Luzern und St. Gallen aus. Die Zürcher Aufträge gingen mehrheitlich an seinen Bruder, Josias Murer. Von Christoph Murer sind zahlreiche Scheibenrisse, Holz- schnitte und Kupferstiche überliefert, welche allegorische Darstellungen und Bibelillustrationen zeigen. Die hier angebotenen Scheiben entsprechen den Scheiben aus einem vierteiligen Zykus, welcher heute im Museum Tucherschloss in Nürnberg ausgestellt ist. Diese sind datiert 1610. Im Gegensatz zu denjenigen im Tucherschloss fehlen hier sowohl Stifterwappen wie Monogramm und Da- tierung. Solche Schweizer Scheiben ohne Stifterwappen sind sehr selten. Durch Auslassen des Wappens rückt der Bildinhalt in den Vordergrund, was die religiöse wie moralische Mitteilung an den gelehrten Betrachter erhöht. Eine mögliche Erklärung für das Fehlen ist, dass auch die hier vorliegenden Scheiben Teil einer grösseren Folge waren und Angaben zu Stifter und Jahr auf einer der beiden anderen Scheiben zu finden wären, entspre- chend der Folge im Tucherschloss. Lit.: A. Mensger. Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus der Renaissance und Manierismus. Tübingen 2009. S. 91, Anm. 1. M. Ruoss und Barbara Giesicke. Die Glasmalereien im Gotischen Haus zu Wörlitz. Berlin 2012. S. 478, Anm. 130. J. Schneider. Glasgemälde. Katalog der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums Zürich. Band II. S. 489. CHF 8 000 / 12 000 (€ 6 670 / 10 000) 1013* MADONNA MIT KIND, Flandern, wohl Lüttich, 17. Jh. Marmor vollrund gearbeitet. Die Madonna in leicht bewegter Haltung stehend auf Sockel mit Engelsköpfen. Das Kind mit Stieglitz sitzt in ihrem linken Arm und hält sich mit der rechten Hand an einer Gewandfalte fest. Der Kopf des Jesuskindes ersetzt. H 28 cm. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 330 / 5 830) | 16 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 10121012
  • 20. 1014 2 BILDSCHEIBEN MIT DARSTELLUNGEN AUS DER JOSEPHS-GE- SCHICHTE, Christoph Murer (Zürich 1558-1614 Winterthur), um 1600. Die eine mit der Darstellung Josephs, etwas erhöht stehend. Zu seinen Füssen kniend seine Brüder. In prächiger Renaissance-Architektur. In den unteren Ecken die Wappen der Familien Voit von Rieneck und Paumgart- ner. Bezeichnet GEN. 42.6. („Und Joseph war der Machthaber im Lande, er verkaufte Getreide dem ganzen Volke des Landes. Als nun die Brüder Joseph‘s kamen, und vor ihm niederfielen auf‘s Antlitz zur Erde,... ). Die andere mit der Darstellung, wie Joseph sich seinen Brüdern zu er- kennen gibt. Unten die Wappen der Familien Löffelholz von Kolberg sowie von Giech. Bezeichnet GEN. 45.8 („Darum habet nicht ihr mich herge- sandt, sondern Gott; denn er hat mich zum Vater Pharao‘s gemacht, und zum Herrn seines ganzen Hauses, und zum Herrscher im ganzen Lande Aegypten...“. Neu verbleit, reparierte Sprünge sowie Retuschen. Kleine Ergänzungen. Je 32,5x22 cm. Provenienz: - Aus Berliner Besitz (Eberhard Giese) im Jahr 1954 dem Schweizerischen Landesmuseum zum Kauf angeboten - Schweizer Privatbesitz Bisher war die Existenz einer Serie von Glasgemälden zum Thema der Jo- sephsgeschichte von der Hand von Christoph Murer nur aus der Literatur bekannt. So berichtet der Augsburger Paul von Stetten d.J. (1731-1808) im 1779 erschienen ersten Band seiner „Kunst-, Gewerbe- und Hand- werksgeschichte der Stadt Augsburg“ auf Seite 279: „Selbst in meinem Hause waren wirkliche Kunstwerke von dem in dieser Arbeit berühmten Christoph Mair (sic!) von Zürich. Sie stellten die Geschichte des Patriar- chen Josef vor. – Die Zeit zerstörte die meisten und ich besitze nichts mehr als Trümmer.“ Die Art der Anbringung der Wappen erinnert stark an den 4-Teiligen Zyk- lus des verlorenen Sohns aus dem Jahr 1610, heute im Museum Tucher- schloss Nürnberg. 2 Scheiben aus dem nämlichen Zyklus sind in dieser Auktion angeboten, vgl. vorhergendes Lot, auch für nähere Angaben zu Christoph Murer. Es sind dies nicht die einzigen Arbeiten, welche Christoph Murer für Nürnberg Besteller schuf. Bereits in den Jahren 1597 und 1598 hatte der Künstler für den Rat von Nürnberg insgesamt vier Glasgemälde mit allegorischen Themen geliefert. Eine davon, Salomons Urteil, befindet sich heute im Stadtmuseum Fembohaus in Nürnberg. Dass sich Chris- toph Murer mit diesem Auftrag in den Kreisen der führenden Familien Nürnbergs einen guten Namen gemacht hatte, beweist die „Tucherserie“ und nicht zuletzt die beiden hier vorgestellten Malereien. Lit.: H. Meyer. Die Schweizerische Sitte der Fenster- und Wappenschen- kung vom XV. bis VII. Jahrhundert. Frauenfeld 1884. S. 217. A. Mensger. Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus Renaissance und Manierismus. Tübingen 2009 S. 93-95. J.R. Rahn. Die Glasgemälde Christoph Murers im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, in: Anzeiger für Schweizerische Alterthumskunde Bd. 4 Heft 4 1883. S. 465- 468. A. Mensger. Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Köln 2012. S. 299 (Abb. 26). SNM Neg.-Nrn. 44535/44536. CHF 8 000 / 12 000 (€ 6 670 / 10 000) 1015* HEILIGER DAMIAN, Süddeutschland oder Österreich, 17. Jh. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Der Heilige Damian trägt ein in weichen Falten fallendes Gewand und einen Pilgerhut. Er trägt in den Händen ein Buch und eine Arzneidose. Fehlstellen im Sockelbereich, Fassung etwas überarbeitet. H 82 cm. Damian wird üblicherweise zusammen mit seinem Bruder Kosmas darge- stellt. Die beiden wirkten der Überlieferung nach als Ärzte, teils unent- geltlich. Durch ihr Wirken sollen viele Patienten zum Christentum bekehrt worden sein. Sie starben als Märtyrer und gelten heute als Schutzpatrone der Ärzte. CHF 8 000 / 12 000 (€ 6 670 / 10 000) | 18 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1014 1014
  • 22. 1016 ZUNFTTRUHE ODER DOKUMENTENLADE, Frühbarock, wohl Zürich oder Winterthur um 1700. Nussbaum profiliert und teils ebonisiert. Bastionsförmiger Korpus mit vorstehendem, von Zentralschublade bekröntem Deckel auf feiner, mit Flammleisten beschmückter Zarge mit gequetschten Kugelfüssen. Front und Rückseite mit jeweils markanten Kassetten und gedrehten Halbsäulen, die Seiten mit fein gestalteten Henkeln. Inneneinteilung fein belegt mit Herrnhuter Kleisterpapier sowie Beilade, Geheimfach sowie Mechanismus für die seitliche Geheimschublade in der Zarge. Originale, verzinnte Eisenschloss , -scharniere und -beschläge. 70x49x49 cm. Provenienz: Privatbesitz, Zürich. Für eine vergleichbare Dokumentenlade siehe T. Boller / W. Dubno, Zürcher Möbel - Das 18. Jahrhundert, Zürich 2004; S 238 (Abb. 37). Eine weitere, sehr ähnliche Lade wurde bei Sotheby‘s Zürich am 1.6.1994 (Katalognr. 312) verkauft. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 250 / 2 080) 1017 SPIELBRETT, Barock, wohl Augsburg um 1650. Nussbaum und diverse Fruchthölzer ausserordentlich fein eingelegt mit Tieren, Nüssen, Blumengirlanden, Reserven und Zierfries. Rechteckiger, aufklappbarer Korpus. Das ver- tiefte Blatt mit Damenspiel, verso mit Mühlespiel und inwendig mit „Back Gammon“-Spiel eingelegt. Feine Eisenbeschläge. 48x48,5x(offen 97)x12,5 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. Für ein vergleichbares Spielbrett siehe H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels, München 1970; II, Abb. 200 und 201 sowie G. Himmelheber, Spiele - Gesellschaftsspiele aus einem Jahrtausend. Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums München, München 1976; XIV, S. 48f. (Nr. 49). CHF 5 000 / 9 000 (€ 4 170 / 7 500) | 20 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1017 (Detail) 1016
  • 24. 1018 KLEINES KABINETT, Barock, deutsch, 17. Jh. Nussbaum, Kirsche und heimische Fruchthölzer gefriest sowie fein eingelegt mit architekturaler Szene, Figurenstaffage, stilisierten Blumen, Blättern und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf gerader Zarge mit ge- quetschten Kugelfüssen. Front mit abklappbarem, fein eingelegtem Blatt. Inneneinteilung mit Zentraltüre, umgeben von 18, teils ungleich grossen Schubladen. Eisenbeschläge. Etwas zu überholen. Auf späterem Stand mit gedreh- ten Säulenbeinen und Umlaufsteg mit gequetschten Kugelfüssen. 49,5x41,5x59 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. CHF 2 000 / 4 000 (€ 1 670 / 3 330) 1019* NAUTILUSPOKAL, wohl Niederlande 2. Hälfte 17. Jh. Lippenrandspange gemarkt. Nautilus mit Flachrelief und Schwarzgravur in Form von Insekten, deren Ausführung wohl an die Künstlerfamilie Bellekien (auch bekannt unter Bel- quien und Belkien, tätig in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) zuzuschrei- ben sind. Lippenrandspange gemarkt und ebenfalls dem 17. Jahrhundert zuzuordnen. C-Schwung-Seitenspangen, Schaft und Basis späteren Datums. Mit Reperaturstelle an Nautilus. H ca. 30 cm. Provenienz: - Europäische Privatsammlung. - Auktion Christie‘s, London, 11.05.2003, Los 33. - Schweizer Privatsammlung. Die vielfach in vergoldetem Silber als Prunkgefässe gefassten Schalen des Nautilus zählen zu den eigentümlichsten Kreationen der Gold- und Silber- schmiedekunst und waren gesuchte Objekte für Kunst- und Wunderkam- mern. Angesichts ihrer Seltenheit galten die schneckenhausförmigen Gehäuse des Nautilus als besondere Kostbarkeit. Durch das Abschleifen der rauen Kalkschicht des Gehäuses kam die schillernde, glatte Perlmutter zum Vorschein. Diese wurde anschliessend entweder nur glatt poliert, mit Relief- schnitzereien oder Schwarzgravuren versehen. Einzelne Beispiele weisen auch eine Kombination aller drei Techniken auf, wie der hier zum Verkauf stehende Nautiluspokal. Der Künstler, wohl der bekannten belgischen Künstlerfamilie Bellekin entstammend, hat einige der hellbraunen Partien sorgfältig konserviert und in sein geschnitztes Design integriert. Ergänzt wird dies durch die fein gearbeiteten und in Schwarzgravur ausgeführten Insekten, welche die glat- te Oberfläche zieren. Schimmernd strahlt dabei der Glanz der Perlmutter durch die Flügelpartien der Falter, Libellen, Käfer und Fliegen hervor und lässt diese im Licht in den unterschiedlichsten Farben leuchten. CHF 18 000 / 28 000 (€ 15 000 / 23 330) | 22 Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1018
  • 26. 1020* KLEINE GEFASSTE TRUHE „AUX TETES D‘ANGELOT“, Barock, Venedig um 1700. Holz reich beschnitzt mit Büsten, Kartuschen, Blättern und Zierfries sowie polychrom gefasst. Sarkophagförmiger Korpus mit randprofiliertem, auf- klappbarem und vorstehendem Deckel auf wellig ausgeschnittener Zarge mit eingerollten Füssen. Fassung restauriert. 74x35x41 cm. Provenienz: Aus italienischem Besitz. CHF 6 000 / 10 000 (€ 5 000 / 8 330) 1021* GROSSER MÖRSER, Barock, Frankreich um 1700. „Sarrancolin“-Marmor. Zylindrischer Gefässkörper mit seitlichen Voluten- henkeln auf profiliertem Rundfuss. Dazu 1 späteres Pistill. H 21 cm. D 28 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 250 / 2 080) 1022 ALABASTERFIGUR DER „VERGINE IMMACOLATA“, Spätbarock, Süditalien, 19. Jh. Fein gearbeiteter Alabaster. Stehende Figur mit faltenreichem Gewand und zusammengefalteten Armen auf Wolkensockel mit Drachen. Auf Rundsockel mit fein beschnitztem Puttenrelief und Wappen der Familien Palma di Cesnola und Lawrence. Wenige Fehlstellen, Restaurationen. H Figur 50 cm, mit Sockel 70 cm. Provenienz: - Der Überlieferung nach Teil der Sammlungen des Ordine religioso dell‘Immacolata Concezione in Rivarolo Canavese im Piemont. - Anlässlich der Hochzeit von Alessandro Palma mit Augusta Lawrence im Jahre 1879 als Geschenk an Luigi Palma di Cesnola überreicht. - Durch Erbschaft in demselben Familienbesitz und in der Westschweiz. L. Palma di Cesnola (Rivarolo Canavese 1832-1904 New York) war italie- nisch-amerikanischer Offizier, Konsul, Ausgräber, Antikensammler und erster Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York. Nachdem er bereits mit 15 Jahren eine militärische Karriere begann, wanderte er in den späten 1850er Jahren nach Amerika aus, wo er als Soldat am Sezessi- onskrieg teilnahm. Bei Kriegsende hatte er den Brevet-Rang eines Briga- degenerals erreicht und später erhielt er die „Medal of Honor“ sowie die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1865 wurde er amerkanischer Konsul in Zypern, wo er sich zwischenzeitlich mit seiner Familie niederliess. In je- nen Jahren begann er mit Ausgrabungen nach Altertümern, die er sowohl als Sammler als auch als Händler pflegte; seine - später in der Forschung stark kritisierte - Sammlung umfasste rund 35 000 Einzelobjekte, die er teilweise an europäische Museen in Athen, Berlin, Cambrigde, London, München und Turin verkaufte. Schliesslich bot er die restliche Sammlung „in toto“ an und erhielt ein lukratives Angebot vom Metropolitan Museum in New York, welches er annahm. Bei seiner Rückreise nach New York im Jahre 1873 hatte er rund 7000 antike Objekte im Gepäck, die wiederum vom Metroplitan Museum erworben wurden. Im Jahre 1879 übertrug ihm das Museum den Posten als Direktor, den er bis zu seinem Tode 1904 innehatte. 1881 wurde er zum Mitglied der renommierten American Aca- demy of Arts and Sciences gewählt. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 170 / 6 670) | 24 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1021 1020
  • 28. 1023 1 PAAR HOCKER, Louis XV, Norditalien, wohl Genua um 1740/50. Holz fein beschnitzt mit Muscheln, Blättern und Zierfries sowie vergoldet. Runder Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit markant geschweiften, durch geschweiften Kreuzsteg verbundenen Beinen mit Quaderfüssen. Blassrosa Seidenveloursbezug mit bunten Blumen und Blättern. D 40 cm. H 45 cm. Provenienz: Privatsammlung, Schweiz. Ein Paar Hocker mit sehr ähnlicher Muschelschnitzerei, stammend aus der Sammlung Dalva Brothers in New York und ebenfalls dem Genue- ser Kunsthandwerk zugeschrieben, wurde bei Christie‘s New York am 20.10.2006 (Katalognr. 777) verkauft. Ein weiterer, ähnlicher Hocker, stammend aus der „Collection de la Princesse de X“, wurde bei Sotheby‘s Monte Carlo am 25.6.1984 (Katalognr. 3211) verkauft. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) 1024* OVALER SPIEGEL, Louis XV, Norditalien um 1750. Holz durchbrochen sowie reich beschnitzt mit Kartuschen, Blättern und Zierfries sowie vergoldet. Geschweifter und profilierter Rahmen mit mar- kantem Kartuschenaufsatz. Vergoldung restauriert. Späteres, geschliffe- nes Spiegelglas. H 175 cm. B 122 cm. Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) 1025* KONSOLE „AUX MASCARONS“, Louis XV, Rom um 1750. Holz reich beschnitzt mit Fratzen, Blättern, Kartuschen, Rocaillen, Voluten und Blumen. Geschweifte, trapezförmige, profilierte und ersetzte „Rosso di Verona“-Platte auf durchbrochener, wellig ausgeschnittener Zarge mit Doppelvolutenstützen, durch geschweiften Steg verbunden. Vergoldung etwas bestossen. 175x70x100 cm. Provenienz: Aus irischem Besitz. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 330 / 12 500) | 26 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1024 1023
  • 30. 1026* 1 PAAR ARMLEHNSTÜHLE, Louis XV, Veneto um 1750. Nussbaum mouluriert, profiliert und teils durchbrochen. Geschweifter, trapezförmiger Sitz „à chassis“ auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenleh- ne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Hellbeiger Veloursbezug. 66x59x44x101 cm. Provenienz: Aus deutschem Besitz. Sehr guter Zustand mit neuwertiger Polsterung. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) 1027* KLEINE LACK-KOMMODE, Louis XV, Venedig um 1750. Holz profiliert sowie allseitig gefasst; auf gelbem Fond bunte Blumen, Blätter und Zierfries. Markant bombierter Korpus mit randprofiliertem Blatt und vorstehenden Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Front mit 1 Türe. Eisenbeschlag. Zu restaurieren. 62x52x89 cm. Provenienz: Aus italienischem Besitz. Eine sehr ähnliche Lack-Kommode ist abgebildet in: G. Mazzariol, Mobili Seicento e Settecento, Mailand 1964; S. 75. Für Angaben zum venetianischen Kunsthandwerk siehe Fussnote der Katalognr. 1034. CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 170 / 6 670) | 28 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1027 1026
  • 31. 1028* GROSSE FIGUR DES NEPTUNS, Norditalien, Umkreis des Andrea Brusto- lon, um 1700. Nadelholz vollrund geschnitzt. Der Meeresgott steht leicht im Kontrapost auf einem Delphinkopf und stützt sich auf den Dreizack. Er trägt in seinem rechten Arm ein Füllhorn. Ergänzungen. Wohl ehemals gefasst, Ergänzun- gen im Fussbereich, Dreizack sowie Oberteil des Füllhorns später. Linker Unterarm und Hand später. H 125 cm. CHF 16 000 / 24 000 (€ 13 330 / 20 000)
  • 32. 1029* 1 PAAR PUTTI MIT FÜLLHORN, Norditalien, Mitte 18. Jh. Holz vollrund geschnitzt und gefasst. Die beiden Putti tragen hoch geschnürte Sandalen, Rock und ein Tuch, das eine Schulter frei lässt. Ein Bein angewinkelt und auf erhöhten Sockel gestützt, in den Händen ein Füllhorn. Auf gestuftem Rundsockel. Fassung später. H 43 cm. CHF 1 500 / 2 000 (€ 1 250 / 1 670) 1030 1 PAAR LACK-HÄNGEENCOIGNUREN, Louis XV, Venedig, 18. Jh. Holz allseitig gelackt; auf grünem Fond feine Goldmalerei mit Ruinen, Blumen, Kartuschen und Zierfries. Viertelkreisrunder Korpus mit 2 geschweiften Tablaren über Fach mit Doppeltür. Bron- zebeschläge. 45x30x90 cm. CHF 1 000 / 1 500 (€ 830 / 1 250) 1031 MARMORGRUPPE VON SCHLAFENDEN AMOREN, Barock, Rom um 1730. „Carrara“-Marmor. Zwei schlafende Amoren als Allegorie des Schlafes, auf Ovalplatte. Wenige Bestossungen. L 58,5 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. Eine analoge Marmorgruppe mit drei schlafenden Amoren ist Teil der Sammlungen der Villa Borghese in Rom. Eine weitere Marmorfigur eines schlafenden Amors war Teil der Sammlungen Alberto di Castro in Rom. CHF 6 000 / 9 000 (€ 5 000 / 7 500) | 30 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1029 1030 (1 Paar)
  • 34. 1032* 2 GROSSE FIGUREN DER HEILIGEN PETRUS UND PAULUS, Barock, Deutschland um 1700. Eiche geschnitzt, gehöhlt sowie gefasst. Beide Apostel mit Buch und ihrem Attribut Schlüssel bzw. Schwert. Attribute sowie Fassung später. Der rechte Unterarm des Petrus ersetzt, Nase Petrus wohl ersetzt. H 159 bzw. 161 cm. CHF 14 000 / 20 000 (€ 11 670 / 16 670) 1033 SÄULENSCHRANK „AUX MASCARONS“, Barock, Piemont um 1700/20. Nussbaum fein geschnitzt mit Kartuschen, Lisenen, Blüten, Blättern, Mas- karonen und Zierfries sowie fein eingelegt mit Bandelwerk und Zierfries. Zylindrischer Korpus mit vorstehendem, gekehltem Kranz mit Kartu- schen- und Vasenaufsatz auf markant eingezogenem, pokalförmigem Sockel mit Volutenfüssen. Front mit gewölbter Türe. Eisenbeschlag und Eisenschloss. Ergänzungen. Zum Freistellen. D 83 cm. H 189 cm. Provenienz: - Auktion Hampel München.20.9.2012 (Katalognr. 87). - Privatsammlung, Schweiz. Seltener Schrank mit aussergewöhnlicher Formgebung, der wohl als Behältnis von Sammlungsobjekte und Pretiosen Verwendung fand. Die markante, sehr plastische Schnitzerei sowie die feinen Bandelwerk­ einlagen finden sich an Möbeln von Turiner Werkstätten. Siehe hierzu L. Zinutti, Il linguaggio del mobile italiano, Treviso 2011; S. 249 für die Schnitzereien sowie S. 250-252 für die Bandelwerkeinlagen. CHF 7 000 / 12 000 (€ 5 830 / 10 000) | 32 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1032
  • 36. | 34 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 37. | 35
  • 38. 1034* LACK-KOMMODE „A FLEURS“, Louis XVI, Venedig um 1770/80. Holz fein beschnitzt mit Blattwerk und Zierfries sowie allseitig gelackt; auf grünem Fond bunte Blumengirlanden, Blätter, Kartuschen und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit sich nach unten verjüngenden Vierkantbeinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen unter gekehlter, schmaler Kopfschublade. In profiliertem Rahmen gefasste „en faux marbre Serpentine“-Platte. Bronzebeschläge. Fassung teils mit Fehlstellen und Restaurationen. 153x63x94 cm. Provenienz: Aus italienischem Besitz. Eine nahezu identische Kommode, Teil der Sammlungen des Museo Civico in Padova, ist abgebildet in: E. Baccheschi / S. Levy, Mobili laccati del settecento veneziano, Mailand 1962; S. 99 (mit der Bemerkung, „le linee... rivelano l‘influsso sensibile del gusto neoclassico“). Eine weitere, sehr ähnliche Kommode - wohl gefertigt vom gleichen Kunsttischler - wurde bei Sotheby‘s London am 3.12.1997 (Katalognr. 122) verkauft. Eine dritte Kommode ist abgebildet in: G. Morazzoni, Il mobile veneziano del 700, Mailand 1958; Tafel CDXXXVII. Nach dem Frieden von Château Cambrésin 1659 erlebte die Republik Venedig eine ökonomische und künstlerische Blütezeit, die bis in die 30er Jahre des „Settecento“ anhielt. Militärische Konflikte auf See und in den norditalienischen Regionen, die den finanziellen Ruin der Lagunenstadt einläuteten, standen in krassem Widerspruch zur kulturellen Blüte, die durch das rigorose Zunftwesen garantiert wurde. Das lokale Kunsthand- werk wurde genauestens organisiert, strukturiert und in verschiedene Sparten eingeteilt: „marangoni da noghera“ (Hersteller von Massivholz- möbeln), „marangoni da soaze“ (Bestandteil-Schnitzer), „intaiadori“, „tapezieri“, „bolzeri“, „doratori“, „vetrai“, „specchieri“ und vor allem „depentori“ (Lackierer von Luxusmöbeln). Durch diese straffe Einteilung war eine grosse Produktion auf hohem Niveau möglich, sie verunmöglicht jedoch die Identifizierung der Objekte bzw. deren Zuschreibung an ein bestimmtes Atelier oder einen Künstler. Die eigentliche Spezialität der Kunsthandwerker von Venedig waren die als einmalig zu bezeichnenden „intagli“ - wohl auch bedingt durch die hochwertige, berühmte Schiffspro- duktion mit reichen Schnitzereien -, fein lackierte und geschnitzte Möbel, ausserordentlich originelle und eigenständige Formen- und Dekorations- sprache und eine qualitativ hochwertige Ausführung. Lit.: M. Griffo, Il mobile del seicento - Italia, Novara 1985; S. 33-43 (allg. Angaben zur Entwicklung des venezianischen Möbels im 17./18. Jh.). CHF 90 000 / 140 000 (€ 75 000 / 116 670) | 36 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 39. | 37
  • 40. 1035* FIGUR EINES ENGELS, Barock, wohl Italien, 18. Jh. Holz geschnitzt, gefasst und teilvergoldet. Der Engel schwebend, das eine Bein angezogen, die Arme offen. Restaurierte Fassung. H 73 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 670 / 2 500) 1036* ALLEGORIE DES HERBSTES, Tirol, Ende 18. Jh. Linde vollrund geschnitzt in Form eines Winzers in Kniehose. Er stützt sich an einen Rebstock, auf der Seite steht eine gefüllte Tragebütte. Der linke Arm ersetzt. H 34 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 670 / 2 500) | 38 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1036 1035
  • 41. 1037* HEILIGE APOLLONIA, Süddeutschland um 1740. Nadelholz geschnitzt, verso geflacht und gefasst. Die Heilige stehend mit Buch, Zange und Zahn als Zeichen ihres Martyriums. Fassung übergangen, teils berieben. Reparatur am Sockel. H 73 cm. Die Heilige Apollonia stammte aus Alexandria. Sie wurde bei einem Progrom zusammen mit anderen Christen verschleppt. Laut Berichten wurden ihr die Zähne ausgeschlagen und der Kiefer zerbrochen. Da sie dem Christentum nicht abschwören wollte, sollte sie auf dem Scheiter- haufen verbrannt werden. Sie kam der Vollstreckung dieses Urteils jedoch zuvor, in dem sie sich betend in die Flammen stürzte. Apollonia gilt als die Schutzpatronin der Zahnärzte und Helferin gegen Zahnleiden. CHF 3 400 / 4 000 (€ 2 830 / 3 330) 1038* SCHWEBENDER PUTTO, Barock, Süddeutschland um 1730. Holz vollrund geschnitzt sowie gefasst und teilvergoldet. Der Putto mit gelockter Frisur in bewegter Haltung, die Beine leicht angezogen und mit Draperie bekleidet. Fehlstellen. H 86 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 670 / 2 500) 1039* ALLEGORIE DES FRÜHLINGS, Tirol, Ende 18. Jh. Holz vollrund geschnitzt. Die Frau mit aufwändiger Frisur, präsentiert in den Händen eine Blumengirlande als Symbol des Frühlings. H 33 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 670 / 2 500) | 39 1037 1039 1038
  • 42. 1040 STEINZEUG FÄSSCHEN, Altenburg, um 1660/70. Ockergelb und rötlich geschwemmt, allseitig reliefert mit sächsischen Kurfürsten Medaillons, dem sächsischen Kurwappen und einem weiteren Wappen mit Helmzier, jeweils in einem Kranz von dunkelbraun glasierten Beerennoppen. Das Lamm Gottes, Agnus Dei und ein Pelikan reliefert auf den seitlichen Böden. L 26 cm, H 22 cm. Randbestossung, kleine Restaurierungen. Provenienz: Privatsammlung, Luzern. Vergleichsstücke: Josef Horschik, Steinzeug. 15. bis 19. Jahrhundert von Bürgel bis Muskau, 1978, S. 164. CHF 800 / 1 200 (€ 670 / 1 000) 1041 1 PAAR KAMINBÖCKE „AUX CHEVAUX AILLES“, Barock, Niederlande, 17. Jh. Bronze. Kugelbeschmückter Zentralschaft mit Kreiselaufsatz, flankiert von je 1 geflügeltem Pferd um Zentralmaskaron und schmalen Voluten- füssen. H 70 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) | 40 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1040 1041 (1 Paar)
  • 43. 1042 STEINZEUG FÄSSCHEN, Waldenburg, um 1640/50. Grau und braun geschwemmtes Steinzeug auf zwei Kufen liegend. Beid- seitig mit Reliefauflagen eines Liebespaares in historischen Kostümen zwischen umlaufenden Blattbordüren mit Diamantquadern. Die Böden glatt. Fassreifen und Deckel in Zinn montiert. 14 x 16 cm. Abplatzung an einem Relief, kleine alte Randbestossungen, minimale Spuren von Restaurierung. Provenienz: Privatsammlung, Luzern. Vergleichsstücke: Josef Horschik, Steinzeug. 15. bis 19. Jahrhundert von Bürgel bis Muskau, 1978, S. 120. CHF 800 / 1 200 (€ 670 / 1 000) 1043 STEINZEUG SCHRAUBFLASCHE ‚KRUKE‘ MIT ZINNMONTIERUNG, Sachsen, Annaberg, zweite Hälfte 17. Jh. Braun glasiertes Steinzeug mit aufgelegten Reliefporträts verziert zwi- schen Palmettenmotiven, bemalt mit Emailfarben in Rot, Weiss, Blau und Gelb. Reste von Goldhöhung. Zinnmontierung. H 19 cm. Restaurierung. Provenienz: Privatsammlung, Luzern. Vergleichstücke: Gisela Reineking-von Bock, Steinzeug, Kunstgewerbe- museum Köln, 1971, Kat. 815, 816. CHF 800 / 1 200 (€ 670 / 1 000) | 41 1042 1043
  • 44. 1044* PRUNK-SPIEGEL „AUX CARTOUCHES“, spätes Louis XV, nach Vorlagen von J.M. HOPPENHAUPT (Johann Michael Hoppenhaupt, 1709 bis ca. 1755), Potsdam, 19. Jh. Matt- und glanzvergoldete Bronze. Palmetten- und blätterbeschmückter Rahmen mit markanten, durchbrochenem Kartuschenfronton. H 158 cm. B 75 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Eine Entwurfszeichnung von J.M. Hoppenhaupt für den Konzertsaal von Schloss Sanssouci mit Darstellung einer Boiserie mit Spiegel zeigt die analogen Kartuschenelemente des hier angebotenen Prunkspiegels. Die- se ist abgebildet in: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels, München 1970; I, Tafel 717. Ein sehr ähnlicher Spiegel war ehemals Teil der Sammlungen M. Ségoura in Paris. Johann Michael II. Hoppenhaupt war als Bildhauer und Dekorateur und ab 1740 in Berlin und Potsdam tätig, vor allem für die Innendekorationen von Knobelsdorffs Gebäuden für Friedrich den Grossen. Es ist heute nicht mehr möglich, die Arbeiten von Johann Michael und seinem Bruder Johann Christian auseinanderzuhalten, gesichert ist jedoch die Tätigkeit in Friedrichs Schreibzimmer im Schloss Berlin (1745), das wohl nach den Entwürfen von J.A. Nahl gefertigt wurde, und die Arbeiten für Schloss Sanssouci (1748). Quellenmässig belegt sind zudem mehrere Zimmer- ausstattungen für das Schloss Zerbst. Von Bedeutung sind auch die zahl- reichen Entwürfe, die Hoppenhaupt für Grabmäler, Kanzeln, Wohnhäuser, Kamine, diverse Möbel und Einrichtungsgegenstände und für Kutschen und Sänften anfertigte. Charakteristisch ist hierbei Hoppenhaupts Vorlie- be für naturalistische Motive. CHF 60 000 / 90 000 (€ 50 000 / 75 000) | 42 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 45.
  • 46. 1045 1 PAAR FAYENCE ENGHALSKRÜGE, Nürnberg, um 1730. Gewölbte Balusterform mit gezopftem Henkel, der Hals gerippt und mit einem Zinndeckel montiert. Fussrand ebenso mit Zinn montiert. Bemalt mit dem sogenannten Vögelesdekor in Blau auf hellblauem Grund. Eine Unterseite glasiert, die andere unglasiert. H 27 cm inklusive Daumenstück. CHF 500 / 700 (€ 420 / 580) 1046 OVALE FAYENCE PLATTE ‚FLEURS FINES‘, Strassburg, Periode Paul Hannong, um 1754-1762. Façon d‘argent, bemalt mit freigemalten Blumen, eine Tulpe und einer Rose und verstreuten Blumen im Spiegel und auf der Fahne. Braune Rand- linie. Ligierte PH-Marke in Blau L 34 cm. Provenienz: Aus dem Nachlass einer Zürcher Antiquitätenhändlerin. CHF 700 / 900 (€ 580 / 750) 1047 OVALE FAYENCE PLATTE ‚FLEURS FINES‘, Strassburg, Periode Paul Hannong, um 1754-1762. Façon d‘argent, bemalt mit freigemalten Blumen, einer Rose und einer gelben Tulpe und Blüten auf der Fahne. Braune Randlinie. Ligierte PH-Mar- ke in Blau. L 35,5 cm. Kleine Randbestossung. Provenienz: Aus dem Nachlass einer Zürcher Antiquitätenhändlerin. CHF 700 / 900 (€ 580 / 750) | 44 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1045
  • 48. | 46 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 49. | 47
  • 50. 1048* GEMALTES LACK-KABINETT „A FLEURS“, Barock/Régence, wohl Eng- land um 1700, der Stand Italien, 18. Jh. Holz allseitig bemalt; auf schwarzem Fond ausserordentlich feine Dar- stellungen von Blumenbouquets in Vasen, Blumen, Blätter und Zierfries. Rechteckiger Korpus auf assoriertem Stand mit knieenden Putten mit ausgestreckten Armen und Umlaufsteg auf gequetschten Kugelfüssen. Front mit Doppeltüre. Ebenfalls ausserordentlich fein bemalte Innenein- teilung mit 11 ungleich grossen Schubladen. Fein gravierte Messingbe- schläge. Fassung restauriert. Kabinett 100x49x82 c. H mit Stand 152 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Das hier angebotene Kabinett ist abgebildet in: A. / A. Lovreglio, Dicti- onnaire des Mobiliers et Objets d‘art du Moyen Age au XXe siècle, Paris 2006; S. 195 (Abb. 7). Ein nahezu identisches Kabinett wurde in unserer März Auktion 2010 Katalognr. 1050) für CHF 346 000.- verkauft. Ein weite- res, sehr ähnliches Kabinett mit dem hier angebotenen Lot analogem Stand ist Teil der Sammlungen des P. Getty Museum in Malibu. Ab 1660 waren Kabinette auf Stand besonders beliebte und gefragte Möbelstücke. Sie wurden reich dekoriert und mit vielen Schubladen verse- hen und dienten zur Aufbewahrung kostbarer und seltener Objekte. Ihre oftmals prunkvolle Ausführung machte sie zu einzigartigen Schmuckstü- cken. Das hier präsentierte Kabinett mit Blumenmalerei stammt aus der Zeit, als sich die Gattung des Stilllebens zu einem unabhängigen Genre hervorhob, für deren Entwicklung die Niederlande massgeblich beitru- gen. Die bedeutendsten Künstlerpioniere des Stilllebens waren im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts Ambrosius Bosschaert I, Jan Brueghel I, Rolant Savery und Jacob de Gheyn. In Holland herrschte im 17. Jahrhundert eine allgemeine Begeisterung für Botanik und Gartenbau. Seltene Pflanzen und spezielle Blumen wurden gezüchtet und kultiviert. Die Botanika-Amateure suchten nach neuen Pflanzen und Aufzuchtsmethoden. Ihre Leidenschaft inspirierte die Künstler und veranlasste sie, die kostbaren Blumen in ihrer Vielfalt nicht mehr nur als Attribut in einem Historienbild darzustellen, sondern ihnen ganz im Sinne des humanistischen Gedankens „Einzelstudien“ zu widmen. Die naturgetreue Wiedergabe verschiedener Blumenarten fand überall grossen Anklang und Begeisterung. Das Stilleben wurde zu einer gemal- ten botanischen Enzyklopädie, welche die unterschiedlichsten Blumen, die zu verschiedenen Zeiten blühen, in einem Bouquet auf eine besonders ästhetische Weise zusammenstellte; gleichzeitig sind sie als eine illusi- onistische Wiedergabe der Realität zu betrachten. Die Spezialisierung in Blumenmalerei übertrug sich auch auf die Möbelherstellung. Ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts dekorierten die Holländer Ebenisten - wie z.B. Dirk van Rijswick, Philippus van Stantwijk und Jan van Mekeren - ihre Kabi- nette mit gemalten Blumen oder legten sie mit Blumenmarketerie ein. Die Begeisterung für Kabinette mit Blumen erreichte England während der Regierungszeit der Stuarts. Im ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich ein englisch-hollän- discher Stil, womit sich analoge Formen und Techniken erklären, die zum gleichen Zeitpunkt jenseits der Nordsee aufkamen. Unser Kabi- nettschrank mit der Blumenmalerei in leuchtenden Farben, die sich von dem schwarzem Grund abheben, gehört zu einer Möbelgruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach in England geschaffen wurde - vermutlich durch Künstler, die aus Holland stammten oder durch Hugenotten, die in England Zuflucht gesucht hatten, wie z.B. Jean Guilbaud, der in London tätig war. Die Kabinettschränke werden von ihrem fast immer identischen Aufbau charakterisiert, durch den quaderförmigen Kasten, der aus aus 11 Schubladen besteht und von zwei Flügeltüren flankiert wird. Die Türen sind mit reich ziselierten, vergoldeten Bronzescharnieren befestigt. Dieser Möbeltypus entwickelte sich aus den japanischen und chinesi- schen Lackkabinetten, deren Import nach Europa durch die Gründung der „Compagnies des Indes anglaise et hollandaise“ zu Beginn des 17. Jahrhunderts vereinfacht wurde. Im Victoria Albert Museum in London befindet sich ein Lackkabinett auf Stand, in analoger Form und mit nahezu identischen Bronzebeschlägen, allerdings mit einem unterschiedli- chen Unterteil. Drei weitere vergleichbare Kabinette sind Bestand der Sammlungen des J. Paul Getty Museum in Malibu. Im Werk von Monique Riccardi-Cubitt erscheint ein weiteres, vergleichbares Kabinett. Aus der Sammlung Tillotson stammt ein vergleichbares Möbel, welches im Werk von Francis Lanygon erwähnt wird. Diese Kabinette besitzen einen ähn- lichen Blumendekor mit Girlanden in lebhaften, dominanten Weiss- und Rosa-Farbtönen auf schwarzem Grund und erinnern an das Stilleben von Justus van Huysum dem Älteren (1659-1716). Im Hopetown House Pre- servation Trust befindet sich eine Reihe von Möbeln von Jean Guibaud - ein Tisch, ein Spiegel und zwei Gueridons mit analoger Blumenmalerei, die um 1703 entstanden. Ein weiteres Kabinett mit fast identischer Bemalung steht in der Galerie Steinitz (Paris) und ist abgebildet im „Dictionnaire des Mobiliers des Objets d‘art du moyen Age au XXIe siècle“. Lit.: S. Segal, Flowers and Nature, 1990, Katalog-Nr. 13-16 (mit Abb.). N. Schneider, Stilleben Realität und Symbolik der Dinge, Köln 1989; S. 135- 155. A. Chong, W. Kloek, Still-Life Paintings from the Netherlands 1550- 1720, Amsterdam 1999; S. 24ff. W.B. Jordan, A prosperous past, Den Haag 1989; S. 93-120. E. Bénézit, Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Paris 1999; S. 217. A. et A. Lovreglio, Dictionnaire des Mobiliers des Objets d‘art du Moyen Age au XXIe siècle, Paris 2006; S. 195 (mit Abb.). A. Sasson Wilson, Decorative Arts, A Handbook of the Collections of the Getty Museum, Malibu 1986; S. 125-126 (Katnr. 262 und 264, mit Abb.). F. Lenygon, Furniture in England from 1660 to 1760, London 1920; S. 196 (Abb. 300). M. Riccardi-Cubitt, Un art européen - Le cabinet de la Renaissance à l‘époque moderne, Paris 1993; S. 69 (Abb. 49). CHF 70 000 / 120 000 (€ 58 330 / 100 000) | 48 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 51. | 49
  • 52. 1049* LACK-TRUHE, George III, England um 1770. Holz allseitig gelackt im „goût chinois“; auf schwarzem Fond feine Park- und Pagodenlandschaft mit Figurenstaffage in 2 Goldtönen. Rechteckiger Korpus mit Bogendeckel. Feine Bronzebeschläge, -henkel und -zierleis- ten. Lack restauriert. Fehlstellen. 115x69x74 cm. Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) 1050 1 PAAR BLAKER, Barock, süddeutsch, 18. Jh. Silber getrieben. Kartuschenförmige, ausserordentlich fein mit Blättern und Zierfries reliefierte Wandplatte mit ovalem, perlstabbeschmücktem Spiegel sowie geschweiftem Lichtarm mit breitem Tropfteller und vasen- förmiger Tülle. H 39 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 250 / 2 080) 1051* PRUNK-SPIEGEL MIT KONSOLEN FÜR PORZELLANFIGUREN, Louis XV, wohl Berlin um 1760. Holz durchbrochen sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Kar- tuschen, Blättern, Voluten und Zierfries sowie vergoldet. Profilierter, rechteckiger Rahmen mit seitlichen Kartuschen für jeweils 2 Konsolen und markant durchbrochenem Kartuschenaufsatz mit 2 weiteren Konsolen. Vergoldung restauriert. Das Spiegelglas ersetzt. H 188 cm. B 150 cm. Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung. CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 330 / 12 500) | 50 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1049 1050 (1 Paar)
  • 54. 1052* PRUNK-FAUTEUIL „AUX CARTOUCHES“, Louis XV, nach Vorlagen von J.A. MEISSONNIER (Jules Aurèle Meissonnier, 1695-1750), wohl aus der Werkstatt des F. TIETZ (Ferdinand Tietz, 1708-1777), Würzburg um 1750. Buche mouluriert sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Kartu- schen, Blättern, Voluten und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Blauer, teils defekter Seidenbezug. Ehemals gefasst. 61x54x46x103 cm. Provenienz: - Ehemals Teil der Sammlungen von Schloss Seehof, Deutschland. - Aus französischem Besitz. Ein sehr ähnlicher Fauteuil, ebenfalls stammend aus Schloss Seehof, ist heute Teil der Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York. Ein weiterer Fauteuil gehörte einst zu den Sammlungen der Markgrafen von Baden-Baden. Ähnliche Sitzmöbel befinden sich zudem im Audienz- zimmer der Münchner Residenz und sind der Werkstatt des F. Tietz zuge- schrieben. Ein solcher Fauteuil ist abgebildet in: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko, München 1971; II, Abb. 458. Schloss Seehof, unweit von Bamberg gelegen, war Sommerresidenz und Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe. Bereits im 15. Jahrhun- dert wurde am Ort der heutigen Anlage ein Jagdhaus errichtet. Später entstand im Auftrag des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg und auf Entwurf von A. Petrini das vierflü- gelige Schlossgebäude, dessen Bau 1696 abgeschlossen war. Unter Fürstbischof Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein wurden in den 1750er Jahren die fürstbischöflichen Wohnräume und der Festsaal ausgestaltet. Das Mobiliar und die Einrichtung wurden von bedeutende auswärtige Kunstschreinern und Künstlern gefertigt. Das Inventar wurde in den 1950er Jahren grösstenteils verkauft und so gelangten viele bedeutenden Möbel - wie auch der hier angebotene Fauteuil - in diverse Sammlungen von Museen oder in Privatbesitz, Der aus Eisenberg stammende Bildhauer Adam Ferdinand Dietz bzw. Tietz, wie er sich später nannte, lernte zunächst mit seinem älteren Bruder in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters Johann Adam Dietz, der Bildhauer des Fürsten von Lobkowitz war. Später ging Tietz beim grossen Prager Bildhauer Mathias Bernhard Braun in die Lehre. Ab 1736 führte Tietz unter der Leitung von Balthasar Neumann kleinere Arbeiten an der Würzburger Residenz aus, was ihm zu weiteren Aufträgen in fünf Fürs- tensitzen verhalf: Bamberg (1749-1754), Würzburg (1736-1745), Trier (ab 1754), Speyer und Köln. 1760 kehrte Tietz nach Bamberg zurück und diente als Hofbildhauer unter 6 Bischöfen, darunter drei aus dem Hause Schönborn. Tietz‘ Werk umfasst eine bedeutende Anzahl an Plastiken, von denen sich heute einige in Museen in Würzburg und Nürnberg befin- den. Die Gartenskulpturen im Garten des Schlosses von Veitshöchheim (1763-1768) und in Schloss Seehof bei Bamberg (1762-1768) gelten als Tietz‘ Hauptwerke. Für den Park von Schloss Seehof und den Residenz- garten in Bamberg schuf er etwa 420 Einzelstücke - Figuren, Tiere, Vasen und Sitzbänke. Für Angaben zu J.A. Meissonnier siehe Fussnote der Katalognr. 1070. CHF 38 000 / 48 000 (€ 31 670 / 40 000) 1053 KOMMODE, Louis XV, in der Art von M. FUNK (Mathäus Funk, 1697-1783), Bern, 18. Jh. Nussbaum, -wurzelmaser und heimische Fruchthölzer gefriest sowie mit Reserven und Filets eingelegt. Geschweifter, rechteckiger Korpus mit randprofiliertem, vorstehendem Blatt auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Feine Bronzebeschläge und -hänger. 118x68x75 cm. CHF 5 000 / 9 000 (€ 4 170 / 7 500) | 52 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 55. | 53
  • 56. 1054 ECRITOIRE „AUX SPHINGES“, Régence, Paris um 1730/40. Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Diamantspitzen und Zierfries. Rechteckiger, randgefasster Korpus mit profilierter, gerader Zarge auf gequetschten Kugelfüssen. Feine Vertiefung für das Schreibzeug sowie Messinggefässe für Tinte und Löschsand. Vergoldete Bronzebeschläge. 42x28x10 cm. Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. Ein Encrier mit identischen Bronzebeschlägen wurde bei Sotheby‘s New York am 25.5.2000 (Katalognr. 346) verkauft. CHF 4 000 / 7 000 (€ 3 330 / 5 830) 1055 BOULLE-PENDULE MIT SOCKEL, Louis XV, das Gehäuse sign. ANT. FOULLET (Antoine Foullet, Meister 1749), Innungsstempel, das Zifferblatt sign. STRAUBHAAR A STRASBOURG (Johann Jakob Straubhaar, tätig 1721-ca. 1750), Strassburg um 1750. Holz allseigit eingelegt mit Messing und polychromem Schildpatt; Blumen, Blätter und Zierfries. Geschweiftes Gehäuse mit Blätteraufsatz auf sich nach unten markant verjüngendem Sockel. Zifferblatt mit 12 Emailplaket- ten für römische Stunden- und arabischen Minutenzahlen. 2 fein durch- brochene Zeiger. Spindelwerk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. Reiche Bronzebeschläge und -applikationen. Zu restaurieren. 47x21x112 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 320- 322 (biogr. Angaben zu Antoine Foullet). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlo- gers français, Paris 1974; S. 600 (biogr. Angaben zu J.J. Straubhaar). CHF 2 500 / 3 500 (€ 2 080 / 2 920) 1056* KLEINER BEISTELLTISCH MIT GRÜNEM HORN, Louis XIV, Paris um 1700. Grünes Horn ausserordentlich fein eingelegt mit schwarz/braunem Bandelwerk, Filets und Zierfries. Rechteckiges, vorstehendes Blatt mit ab- geschrägten Ecken auf gerader Zarge mit durch geschweiftem Kreuzsteg mit Zentralrosette verbundenen, sich nach unten verjüngenden Vierkant- beinen auf gequetschten Kugelfüssen. 1 seitliche Schublade. Vergoldete Bronzebeschläge. In der Zargenunterseite alte Marke 21. 44x33x70 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Die „streng“ wirkende Formgebung weist für den hier angebotenen Bei- stelltisch auf französische Hofmöbel der Jahre um 1680/1700 hin. Diese erfreuten sich vor allem auch grösster Beliebheit am Münchner Hof, wo analoge Beispiele noch heute ausgestellt sind. Ein solcher Tisch, mit Mes- sing- und Schildpattmarketerie, geliefert für das Päpstliche Zimmer in der Münchner Residenz, Raum 68, (Inventarnr. Res.Mü.M3) ist abgebildet in: B. Langer, Die Möbel der Residenz München - Die franzöischen Möbel des 18. Jahrhunderts, München 1995; S. 43-45 (Katalognr. 2). Ein weiterer ver- gleichbarer Tisch, P. Gole zugeschrieben und mit blauem Horn eingelegt, ist heute Teil der Sammlungen des J. Paul Getty Museums, Los Angeles (Inventarnr. 83DA21). Diese Pariser Möbel hatten zugleich einen grossen Einfluss auf das lokale Kunsthandwerk der bajuwarischen Metropole. Form- gebung und Material wurden übernommen und in eine eigene Formen- sprache übersetzt. Solch verlgeichbare Münchner Möbel sind abgebildet in: H. Kreisel, Die Kunst des deutschen Möbels, München 1974; II, Tafel 210, 318 und 319. Eine weitere „table en cabriolet“, mit Schildpatt eingelegt und ebenfalls P. Gole zugeschrieben sowie analoger Grundstruktur, wurde bei Christie‘s London am 12.12.2002 (Katalognr. 25) verkauft. CHF 35 000 / 45 000 (€ 29 170 / 37 500) | 54 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1054 1055
  • 58. 1057 1 PAAR PRUNK-APPLIKEN „A L‘ AMOUR“, Régence, aus einer Pariser Meisterwerkstatt, nach Modellen von A.C. BOULLE (André Charles Boulle, 1641-1731), Paris um 1725. Matt- und glanzvergoldete Bronze. Fein durchbrochene, blätterbe- schmückte und geschweifte Wandplatte mit Amorfigur, jeweils 2 markant geschweifte Lichtarme mit breiten Tropftellern und vasenförmigen Tüllen tragend. Alte Restaurationen. H 55 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. Sechs modellogleiche Appliken sind heute Teil der Sammlungen der Rei- chen Zimmer in der Münchner Residenz und abgebildet in: H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986; I., S. 64 (Abb. 1.9.13). Die Gestaltung der Lichtarme folgt den Modellen von A.C. Boulle, bei dem auch das auf- ragende Weinlaub als Motiv vorkommt. Der Erzbischof von Köln, Clemens August, bestellte über seinen Architekten R. de Cotte (Robert de Cotte, 1656-1735) im Jahre 1720 sechs Wandleuchter mit allegorischen Kna- benfiguren, um sein Schloss in Bonn auszustatten. Ein sehr ähnliches Applikenpaar wurde in unserer September-Auktion 2014 (Katalognr. 1157) verkauft. Für Angaben zu A.C. Boulle siehe Fussnote der Katalognr. 1058. CHF 35 000 / 55 000 (€ 29 170 / 45 830) | 56 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 59. | 57
  • 60. 1058* 1 PAAR KAMINBÖCKE „AUX SPHINGES“, Louis XIV, aus einer Pariser Meisterwerkstatt, nach zeichnerischen Vorlagen von A.C. BOULLE (André Charles Boulle, 1642-1732), Paris um 1710/20. Matt und glanzvergoldete Bronze. Obeliskenförmiger Zentralschaft mit Abschlusskugel und Maskaron, flankiert von je 1 kauernden Sphinx auf bastionsförmigem Sockel mit markant eingerollten Volutenstützen auf gequetschten Kugelfüssen und pinienbeschmückter Zentralstütze. H 33,5 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Die zeichnerische Vorlage von A.C. Boulle für das hier angebotene Paar wurde im Jahre 1707 von Mariette in seinem „Nouveaux dessins de meubles et ouvrages de bronze et de marqueterie inventés et gravés par Andre Charles Boulle“ publiziert. Identische Modelle sind bekannt; ein solches Modell wurde bei Palais Gal- liéra Paris am 6.2.1967 (Katalognr. 33), Sotheby‘s New York am 5.5.1985 (Katalognr. 155) sowie bei Sotheby‘s Paris, stammend aus der Sammlung L.A. Laura (Katalognr. 13) verkauft. A.C. Boulle, bereits in jungen Jahren als „menuisier d‘art“ und „charpen- tier“ tätig, arbeitete als polyvalenter Künstler in den 1660er Jahren in der Abbaye Sainte-Geneviève als Maler, Bildhauer und Stukkateur. Diese Tätigkeiten ermöglichten ihm den Zugang zur Académie St. Luc und brachten ihm den ersten Auftrag des Königs ein, zwei Gemälde. Der am französischen Hof tätige Colbert erkannte sehr früh das künstlerische Talent des jungen Boulle und lobte ihn als „le plus habile dans son métier“. Boulle erhielt durch ihn als Nachfolger von J. Macé eine Wohnung im Louvre. Es folgte ein rasanter Aufstieg mit zahlreichen Aufträgen, die ihm den Titel „architecte, peintre, sculpteur en mosaique, ciseleur-graveur, marqueteur, inventeur de chiffre“ und das Privileg einbrachten, mehrere Aktivitäten zu kombinieren, was angesichts der starken Korporationen der Zünfte eine enorme Freiheit bedeutete: Er konnte all diese Tätigkeiten in seinem Atelier ausüben. Der riesige Erfolg seiner qualitativ hochwertigen Möbel, Bronzen, Pendulen, Leuchter, Postamente und Einrichtungsge- genstände führte zu einer Fülle von Aufträgen für den französischen Hof, aber auch für die gesamte führende Adelsschicht von Frankreich, wie zum Beispiel für die Ducs d‘Orléans und de Bourbon, für den Prince de Condé, die Duchesse du Barry, den Kardinal von Rohan, für ausländische Könige und Fürsten wie König Philippe V. von Spanien, den Bischof von Köln und Prinz Maximilian Emanuel von Bayern. Trotz des enormen Erfolges kämpf- te Boulle ständig mit finanziellen Problemen und war auf die Hilfe des Königs angewiesen, wie beispielsweise im Jahr 1703: „Le Roi a bien voulu accorder cette fois encore à Boulle un arrest de surséance pour six mois à condition que ce sera la dernière grâce que sa Majesté luy fera là-dessus“. Es waren die finanziellen Schwierigkeiten, vor allem die ausstehenden Lohnauszahlungen an seine Arbeiter, und Steuerprobleme, die Boulle im Jahr 1715 zwangen, das Unternehmen an vier seiner Söhne zu über- schreiben - allerdings ohne die Zügel aus der Hand zu geben. Bis ins hohe Alter blieb er in seiner Werkstatt tätig und war verantwortlich für die neue Formensprache der Régence. Die ursprünglich aus Italien und Holland stammende Einlegearbeit mit Messingfilets, Schildpatt und Elfenbein wurde im späten 17. Jahrhundert von dem für den Hof im Louvre tätigen A.C. Boulle zu höchster Vollen- dung weiterentwickelt; daher wird diese Technik als „Boulle-Marketerie“ bezeichnet. Als zeichnerische Vorlagen für die Motive dienten vor allem die Arbeiten von J. Bérain. Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 106- 114 (biogr. Angaben). A. Pradère, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.; S. 67-109 (biogr. Angaben). J.P. Samoyault, André-Charles Boulle et sa famille, 1979. CHF 45 000 / 75 000 (€ 37 500 / 62 500) | 58 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
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  • 62. 1059 1 PAAR SPIEGELAPPLIKEN, Régence, Paris um 1720/30. Holz durchbrochen sowie ausserordentlich fein beschnitzt mit Blüten, Blättern, Kartuschen und Zierfries sowie vergoldet. Kartuschenförmiger, fein profilierter Rahmen mit durchbrochenem Fronton in Form von Akant- husfächer. Der Lichtarm fehlt. H 105 cm. B 62 cm. Provenienz: Privatbesitz, Schweiz. Ein Spiegel des hier angebotenen Paares ist abgebildet in: P. Mauriès / S. Roche, Galeries et Cabinets de Glaces, Paris 1956; Abb. 62. CHF 5 500 / 8 500 (€ 4 580 / 7 080) 1060* POT-POURRI MIT BRONZEMONTUR, Régence, das Porzellan China, Kangxi, 17./18. Jh., die Bronze Paris, 18. Jh. Porzellan und vergoldete Bronze. Kugeliger Gefässkörper mit feinem Pinienaufsatz und seitlichen Henkeln „aux têtes de lion“ auf fein profiliertem Rundfuss. H 29 cm. Provenienz: - Ehemals Sammlung David Murray, 2nd Earl of Mansfield and 7th Viscount Stormont. - Durch Erbfolge Sammlung Scone Palace, Schottland. - Aus französischem Besitz. D. Murray (1727-1796), bekannt als The Viscount of Stromont war be- deutender Englischer Politiker und Botschafter in Wien sowie in Paris, wo er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das hier angebotene Pot-Pourri erwarb. 1783 wurde er Lord President of the Council sowie Lord Justice Generals, Privy Cousellor und Knight of the Thistle. CHF 28 000 / 38 000 (€ 23 330 / 31 670) | 60 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1059 1060 (Detail)
  • 64. 1061* 1 PAAR PRUNK-APPLIKEN „AU BUSTE DE FEMME“, Régence, aus einer Pariser Meisterwerkstatt, um 1720/30. Bronze matt- und glanzvergoldet. Geschweifte, blattförmige Wandplatte mit Büstenaufsatz sowie 2 ungleich hoch angesetzten, markant ge- schweiften Lichtarmen mit tellerförmigen Tropftellern und vasenförmigen Tüllen. Elektrifizierungslöcher. Vergoldung an den Tüllen restauriert. H 50 cm. CHF 20 000 / 30 000 (€ 16 670 / 25 000) 1062 SPIEGEL „AUX OISEAUX“, Régence, Paris um 1720/30. Holz durchbrochen sowie fein beschnitzt mit Vögeln, Muscheln, Kartu- schen, Blättern und Zierfries sowie vergoldet. Rechteckiger, profilierter und verspiegelter Doppelrahmen mit feinem, jochförmig mit stilisierter Muschel abschliessendem, verspiegeltem Fronton. Spiegelglas ersetzt. H 164 cm. B 89 cm. CHF 6 000 / 9 000 (€ 5 000 / 7 500) 1063 DOKUMENTENMAPPE, sog. „portefeuille“, Régence, Paris um 1720. Bordeauxrotes Leder mit feinen Silberfädeneinlagen: Wappenkartusche unter Krone, Voluten, Blüten und Zierfries. Inwendig mit braunem Leder bezogen. Rechteckform mit aufklappbarem Deckel. Fein graviert, kartu- schenförmige Silber-Schlüsselschilder. Gebrauchsspuren. Schlüssel fehlt. H 30 cm. B 40 cm. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 670 / 2 500) | 62 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1061 1062
  • 66. 1064 FOLGE VON 4 GROSSEN FAUTEUILS „A LA REINE“, Régence/Louis XV, Paris um 1720/40. Buche und Nussbaum ausserordentlich fein beschnitzt mit Muscheln, Blättern und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweif- ten -stützen. Senfgelber Seidenbezug mit Blumen und Blättern sowie dekorativem Nagelbeschlag. 65x52x47x105 cm. Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. Das Motiv der „coquille régulière“ findet sich an Sitzmöbeln der 1720er Jahre. Eine sehr ähnliche Zargendekoration ist abgebildet in: G. Janneau, Le mobilier français - les sièges, Brüssel o.J.; S. 60 (Abb. 96). CHF 12 000 / 18 000 (€ 10 000 / 15 000) 1065* KOMMODE „EN ARBALETE“, Louis XV, C. CRESSENT (Charles Cressent, 1685 Paris 1768) zuzuschreiben, Paris um 1725/35. Palisander und Veilchenholz gefriest sowie fein eingelegt mit Reserven, Filets und Zierfries. Rechteckiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eck- stollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit kurzen, geschweiften Beinen. Geschweifte Front mit 3 Schubladen. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Mehrfach profilierte „Brèche d‘Alep“-Platte. 106x54,5x85 cm. Provenienz: Aus französischem Besitz. Die hier angebotene Kommode weist auf die Werkstatt des C. Cres- sent hin, finden sich in seinem Oeuvre teils identische Marketeriebil- der, Formensprache und Bronzebeschläge wieder. Nahezu identische Bronzehandhaben finden sich an einer frühen Kommode „aux espagno- lettes“, ehemals Sammlung Kugel, Paris sowie an einer Kommode aus der Sammlung M. Meyer, Paris. Diese sind abgebildet in: A. Pradère, Charles Cressent, Dijon 2003; S. 274 (Abb. 84) und S. 275 (Abb. 91). Die letzt- genannte Kommode weist auch eine analoge Marketerie auf. Ähnliche Eckbronzen finden sich an einer Schreibkommode, ehemals Sammlung Mercadé, Paris. Diese ist abgebildet in ebd.; S. 289 (Abb. 167). C. Cressent, 1685 als Sohn des „sculpteur du Roi“ François Cressent geboren, arbeitete zunächst im Atelier seines Vaters. Bereits als junger Lehrling knüpfte er Kontakt zu G. Oppenordt, der als „premier archi- tecte“ des Duc d‘Orléans tätig war. 1710-1714 arbeitete C. Cressent für Girardon und Lorrain und erhielt von der Académie St. Luc 1714 den Titel „maître sculpteur“. Er schuf hochwertiges Mobiliar für den Adel der französischen Metropole. Zu Cressents Kundschaft gehörten der Marquis de Marigny, der Duc de Richelieu, bedeutende Sammler wie Marcellin de Selle, Bounier de la Mosson, Brozat, Julienne, Blondel de la Gagny, König Joao V. von Portugal und Angehörige des Bayrischen Hofes, für die er quellenmässig gesicherte Möbel lieferte. Cressent und sein Konkurrent A. Gaudreaux definierten in den Jahren 1720/40 den „style Régence“, gekennzeichnet durch eine elegante, geschweifte und als majestätisch zu bezeichnende Formgebung und qualitativ hochwertiges, variantenreiches und bis anhin unbekanntes Bronzezierwerk. Cressent war nicht nur Produ- zent von königlichen Möbeln, sondern gleichzeitig auch rühriger Sammler bedeutender Gemälde, was ihn immer wieder zum Verkauf seines „stock“ zwang, da er wie viele seiner „confrères“ beinahe ständig finanzielle Schwierigkeiten hatte. Hinzu kamen verschiedene Prozesse gegen die „corporation des fondeurs, ciseleurs et doreurs“, die ihn anklagte, weil er als „sculpteur“ seine Bronzen in Eigenproduktion schuf, was das geltende Zunftrecht verletzte. Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 197- 205 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 35/36 (biogr. Angaben). A. Pradè- re, Die Kunst des französischen Möbels, München o.J.; S. 129-139 (biogr. Angaben). CHF 28 000 / 38 000 (€ 23 330 / 31 670) | 64 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1064
  • 68. 1066* 1 PAAR GROSSE FAUTEUILS „A LA REINE“, Louis XV, Paris um 1740/45. Buche mouluriert sowie fein beschnitzt mit Muscheln, Blumen, Blättern und Zierfries sowie vergoldet. Trapezförmiger Sitz auf wellig ausgeschnit- tener Zarge mit geschweiften Beinen. Flache, jochförmig abschliessende und ganz überpolsterte Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Hellbeiger Seidenbezug mit bunten Blumen und Blättern sowie dekorativem Nagelbeschlag. Sitzkissen. 70x58x45x106 cm. Provenienz: Aus einer Pariser Sammlung. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 500 / 4 170) 1067 1 PAAR APPLIKEN, Louis XV, Frankreich, wohl Strasbourg, 18. Jh. Vergoldete Bronze. Geschweifte, blätterbeschmückte Wandplatte mit 2 geschweiften Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und blütenför- migen Tüllen. H 42 cm. Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. CHF 1 500 / 2 500 (€ 1 250 / 2 080) 1068* GEFASSTE PENDULE MIT CARILLON UND SOCKEL, Louis XV, das Werk sign. JONAS PIERRE DUCOMMUN A LE LOCLE (1743- 1816), Neuenburg um 1765. Holz original fein bemalt; auf grünem Fond Turteltauben, Musikinstrumen- te, Notenblätter und Blumen. Geschweiftes Gehäuse mit Kartuschenauf- satz auf sich nach unten markant verjüngendem Sockel. Emailzifferblatt mit römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen. 2 fein durch- brochene Zeiger. Spindelwerk mit 1/4-Stundenschlag auf 2 Glocken, der Carillon mit 9 Glocken, jeweils beim Stundenschlag und auf Anfrage spielend. 11 Melodien. Carillon-Deckplatte fein mit Blumen graviert. Rei- che Beschläge aus vergoldeter Bronze und „laiton repoussé“ in Form einer Cellistin, Rocaillen, Kartuschen, Voluten und Blättern. 58x24x139 cm. Lit.: A. Chapuis, Historie de la Pendulerie Neuchâteloise, Neuchâtel 1917, S. 463 (biogr. Angaben). CHF 10 000 / 15 000 (€ 8 330 / 12 500) | 66 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1067 (1 Paar) 1066
  • 70. 1069 KOMMODE, Louis XV, sign. MIGEON (Pierre Migeon, Meister 1739), Paris um 1745/50. Veilchenholz und Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Bandelwerk, Filets und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehen- den vorderen Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweif- ten Beinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Profilierte „Brêche Belge“-Plat- te. Schlösser ersetzt. 144x65x91 cm. Die Signatur Migeon galt als höchstes Gütezeichen seiner Zeit und war Ausdruck einer ganz bestimmten Formgebung und Eleganz. Pierre II Migeon bevorzugte leichte Schweifungen, verbunden mit monochromer Marketerie. Meist verwendete er Veilchenholz, dem er Rosenholz beifügte und für die gesamte Fläche des Möbels benutzte. Die Schlichtheit seiner Stücke deutet auf „recherches décoratives des plus séduisantes“ hin, mit feinem Spiel der Maserungen in entgegengesetztem Lauf. Eines der typischen Motive von Migeons Einlegearbeiten war „en papillon“, das eine grosse Anzahl seiner Werke schmückt - Kommoden, Encoignu- ren, Beistellmöbel, Sekretäre und Bureau-Plats. P. II Migeon übernahm 1730 die Werkstatt seines Vaters in der Rue de Charenton in Paris. Die bedeutendsten Aufträge erhielt er von Madame de Pompadour, die den „style Louis XV“ am französischen Hof lancierte. Als „marchand-mercier“ vertrat er bedeutende Ebenisten wie M. Criaerd, J. Dubois, P. Saunier und C. Topino. CHF 20 000 / 30 000 (€ 16 670 / 25 000) 1070 FOLGE VON 4 GROSSEN APPLIKEN, Louis XV, J. CAFFIERI (Jacques Caffiéri, 1678-1755) nach Vorlagen von J.A. MEISSONNIER (Juste Aurèle Meissonnier, 1693-1750) zuzuschreiben, Paris um 1750. Matt- und glanzvergoldete Bronze. Geschweifte, blätterbeschmückte Wandplatte mit 2 markant verschlungenen Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und blütenförmigen Tüllen. Vergoldung restauriert. H 59 cm. Provenienz: - Ehemals Kunsthandel Röbbig, München. - Privatbesitz, Schweiz. Eine ähnliche, jedoch dreiarmig gestaltete Folge von 4 Appliken wurde in unserer September Auktion 2010 (Katalognr. 1126) verkauft. Vergleichbare Appliken sind abgebildet in: H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Arbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986; I, S. 143 (Abb. 2.11.18) sowie D. Alcouffe, Les bronzes d‘ameublement du Louvre, Dijon 2004; S. 54 (Abb. 19). J.A. Meissonnier war als Ornamentzeichner, Maler, Bildhauer, Architekt, Dekorateur und Goldschmied in Paris tätig. In der Tradition der Borro- mini-Schule aufgewachsen, reiste er bereits als sehr junger Mann nach Frankreich, wo er sich rasch einen bedeutenden Ruf als Goldschmied er- warb. 1724 erhielt er das Brevet als „orfèvre du Roi“, 1726 als „dessinateur de la chambre et du cabinet du Roi“. Meissonnier gab der von Lepautre und Daniel Marot begründeten dekorativen Kunstrichtung eine neue, fan- tastisch-bizarre, kapriziöse Wendung und schuf zwischen 1720 und 1750 jenen extremen Rocaille-Stil, dessen originellste Formen in der Ornamen- tik Verwendung fanden. Das Werk dieses Meisters umfasst Vorlagen für alle möglichen Dinge des täglichen Gebrauches - Leuchter, Schreibzeuge, Weinkühler, Lichtscheren, Degen, Stockgriffe u.v.m. - bis zu ganzen Wand- und Zimmerdekorationen und stellt ein wahres kunstgewerbliches Arsenal dar. Er entwarf Möbel und Saloneinrichtungen für den Pariser Hof, den König von Portugal, die Königin von Spanien, die Fürstin Czartoryski und den polnischen Kron-Grossmarschall Bielinski. Meissonniers Arbeiten sind fast nur noch als Nachstiche erhalten geblieben. Lit.: Thieme/Becker, Leipzig 1999; 2/3, S. 352 (biogr. Angaben zu Caffiéri). Ibid, 23/24, S. 347 (biogr. Angaben zu Meissonnier). CHF 35 000 / 55 000 (€ 29 170 / 45 830) | 68 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1069
  • 72. 1071 1 PAAR GIRANDOLEN MIT PORZELLANFIGUREN, Louis XV, die Por- zellanfiguren Meissen, die Modelle von J.J. KAENDLER (Johann Joachim Kaendler, 1706-1775), um 1748/50, die Blumenblüten wohl Paris, 18./19. Jh., die Bronze Paris, 18. Jh. Fein bemaltes Porzellan sowie matt- und glanzvergoldete und bemalte Bronze. Auf fein durchbrochenem Kartuschensockel stehende männ- liche und weibliche, sog. „Tabulettkrämer“ mit Behälter, umgeben von 3 geschweiften Lichtarmen mit blätterförmigen Tropftellern und blüten- förmigen Tüllen sowie feinen Blumenblüten. Wenige Restaurationen am Porzellan. Traggurt der weiblichen Figur fehlt. H 40 cm. Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. Beide modellogleiche Figuren sind abgebildet in: L. und Y. Adams, Meissen Portrait Figures, London 1987; S. 98f. Die zeichnerische Vorlage für diese Figuren, die zum Genre der „Cris de Paris“ gehören, stammt von E. Bouchardon (Edmé Bouchardon, 1698-1762), vgl. Abbildung ebenda. J. J. Kaendler läutete die wohl bedeutendste Phase der Meissener Produk- tion ein; es gelang ihm, mit einer schier grenzenlos erscheinenden Vielfalt von Modellen und Sujets die höfische Entourage zu begeistern. Zunächst als Schöpfer von Grosstieren für das „Japanische Palais“ tätig, wandte er sich in den folgenden Jahren mehr der Kleinplastik zu, mit welcher er die Lustbarkeiten des höfischen Lebens, Kostümfeste, Theater, Märkte, Schäferspiele, amoureuse Szenen, Maskeraden, Volkstypen, Berufe, Allegorien usw. modellierte. Das zur Mitte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa festzustellende Interesse für das „Exotische“ und „Fremde“ zeigt sich an diesem Beispiel in exemplarischer Weise und ist im Werk des J. J. Kaendler mehrfach wiederzufinden. Die Montierung von Meissener Porzellanfiguren und -plaketten auf französische Bronzen war im 18. Jahrhundert sehr beliebt; ein analoges Beispiel findet sich - mit ähnlichen Bronzen sowie teils identischen Blumenblüten - in einem Schreibzeug aus den Jahren um 1750, das heute Bestand des Bayerischen Nationalmuse- ums im München ist. | 70 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1072 1071
  • 73. In den Jahren um 1740/50 wurden erstmals Porzellanobjekte mit Einrich- tungsgegenständen kombiniert. Der Reiz lag darin, die nahezu „unzerstör- baren“ Bronzen mit fragilen, bemalten Porzellanelementen zu verbinden und durch diesen Kontrast eine neue Dekorationssprache zu finden. Augenfälligstes Merkmal dieser Pendulen, Cartelle und Girandolen war die hochwertige Qualität und ausserordentliche Eleganz. Für diese Entwick- lung waren die innovativen „marchands-merciers“ P. Hébert, F. Poirier, L. Daguerre und P. Lazare-Duvaux verantwortlich - sie kauften Porzellanfi- guren in Manufakturen, brachten sie den „bronziers“ und liessen daraus nach eigenen Angaben oder den Vorstellungen ihrer Kundschaft neue Prunkobjekte herstellen. Der Vielfalt schienen keine Grenzen gesetzt - an einer einzelnen Pendule können sich Meissner Figuren und Blumen von Vincennes oder Chantilly befinden, als Motive dienten galante Szenen, Personen aus der Commedia dell‘Arte, Bauern, Jäger, orientalische und chinesische Edelleute sowie Tiere. Die Kombination dieser Elemente und Sujets verliehen den prunkvollen Objekten die für das Rokoko so typische Leichtigkeit und Eleganz. Lit.: H. Jedding, Meissener Porzellan des 18. Jahrhunderts in Hamburger Privatbesitz, Hamburg 1982 (Ausstellungskatalog); S. 192-194. R. Rückert / J. Willsberger, Meissen - Porzellan des 18. Jahrhunderts, Wien 1977. CHF 25 000 / 45 000 (€ 20 830 / 37 500) 1072 KLEINES GUERIDON, Louis XV und später, mit Sign. BVRB (Bernard Van Risenburgh, Meister 1755), Paris. Mahagoni und Palisander gefriest sowie fein eingelegt mit Blumen, Blättern und Zierfries. Geschweifter, rechteckiger Korpus mit wenig vorstehendem, randgefasstem Blatt auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften durch Zwischentablar verbundenen Beinen. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Zum Freistellen. Fehlstellen. 33x25x71 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s London, 16.6.1989 (Katalognr. 39). - Privatsammlung, Schweiz. Das „modello“ des hier angebotenen Guéridons gehört zu den mehrfach ausgeführten Kleinmöbeln des B. van Risenburgh. Zwei analoge Guéridons waren Bestand der Sammlung Patino und wurden am 1.11.1986 (Kata- lognr. 107 und 108) bei Sotheby‘s New York verkauft. Zwei weitere waren Bestand der Sammlungen A. Riahi und wurden bei Christie‘s New York am 2.12.2000 (Katalognr. 13 und 14) verkauft. Ein analoges Kleinmöbel ist Be- stand der Wrightsman Collection in den USA. Weitere, nahezu identische Guéridons wurden 1961 im Palais Galliéra (Katalognr. 99 und 100) verkauft. Im 1756 gemalten Portrait der Marquise de Pompadour von F. Boucher (heute Alte Pinakothek, München) ist rechts von ihr das identische Modell dargestellt. CHF 7 000 / 12 000 (€ 5 830 / 10 000) | 71 1071 (Detail)
  • 74. 1073 ÄUSSERST SELTENER TISCHLEUCHTER, Meissen, um 1727. Modell von Johann Gottlieb Kirchner (1706 - nach 1737), Bemalung wohl von Johann Gregorius Höroldt (1696-1775). Über einer runden, konkav geschwungenen Basis, die von vier barocken Volutenfüssen, staffiert in Grün und Gold, getragen wird, mit einem Paar seitlich applizierten, geflügelten Delphinen, aus deren Maul Wasser fliest. Darüber zwei seitlich applizierte Kartuschen mit Chinoiserieszenen in Gold und Böttgerlüster. Der figürliche Leuchterschaft in Form einer stehenden Frau mit schwarzem Kopftuch, in einem weissen, grün gefütterten und gold geränderten Gewand mit eisenroten Rosetten bemalt, zusammen- gehalten von einer blauen Schärpe mit vergoldeter Reliefkante. In ihren beiden hoch erhobenen Händen haltend die zylindrische Kerzentülle mit gemuscheltem Ansatz in Gold und Lüster, modelliert mit zwei seitlichen, goldgeschuppten Lambrequinmotiven und ummantelt von einer Schärpe in Böttgerlüster gehöht in Gold mit Punktrosetten. Sockel sowie Tülle mit feinen Chinoiserieszenen, bemalt wohl von Höroldt. Ohne Marke. Ausstel- lungsetikette von 1979 auf der Unterseite. H 22 cm. D Fuss 12,5 cm. Eines der kleinen Palmettenblätter am oberen Abschluss der Basis fehlt. Provenienz: Deutsche Privatsammlung seit den 1960er Jahren. Ausstellung: Mittelrheinisches Landesmuseum Mainz - „Keramik aus Privatbesitz“, Ausstellung der Gesellschaft der Keramikfreunde E.V. ‚KERAMOS‘ in Zu- sammenarbeit mit dem Mittelrheinischen Landesmuseum (Pavillion), 10. Mai - 4. Juni 1979, Nr. 108. Illustration: - Mitteilungsblatt der Keramikfreunde der Schweiz (KFS) Nr. 61, 1963 (Umschlagfoto). - Sotheby‘s London, Continental Ceramics, 26. November 1985, Lot 290. Einziges bekanntes Vergleichsstück: Rijksmuseum Amsterdam, seit 1976 (Inv. Nr. BK-1976-50). Dieser Leuchter ist museal, da nur ein einziges weiteres, nahezu iden- tisches Modell existiert, das sich seit 1976 im Rijksmuseum in Amster- dam befindet. Im Bestandskatalog der Museumssammlung Meissener Porzellans wird auf diesen hier angebotenen Leuchter verwiesen, der sich seit den 1960er Jahren in deutschem Privatbesitz befindet. (Abraham L. den Blaauwen, Meissen Porcelain in the Rijksmuseum, 2000, Kat. Nr. 51 S.102, 103) Johann Gottlieb Kirchner (geb. in Merseburg 1706) kam nach Meissen als Modelleur am 29. April 1727. Er reiste aus Dresden, wo er höchstwahr- scheinlich mit seinem wesentlich älteren Bruder Johann Christian Kirchner lebte, der als Hofbildhauer dem Skulpturenmeister Balthasar Permoser (1651-1732) bei der Ausstattung des Dresdner Zwingers assistierte. Im gleichen Jahr, in dem der Tischleuchter entstanden sein muss, entwarf und modellierte er einen Tempel der Venus mit Nischen in Anlehnung an das Nymphenbad im Zwinger, in welchen er Figuren platzierte, die dem Typus der Schaftfigur des Leuchters entsprechen (Katalog Rijksmuseum, 2000, Kat. Nr. 50). Den Blaauwen verweist im Katalogtext zum Venustem- pel auf die Parallelen zu den Skulpturen von Permoser um 1705, die er für einen Garten eines Händlers in Leipzig geschaffen hatte (op.cit, S.101). Die Kombination figürlicher Skulptur mit Höroldt Chinoiserien findet sich bei diversen Arbeiten Kirchners, so auch bei erwähntem Venustempel, dessen Sockelunterbau mit ebenso feinen Höroldt Chinoiserien bemalt ist wie auf dem Tischleuchter und bei einem Deckelpokal ebenso im Rijksmuseum Amsterdam (op.cit. S. 100 Kat. Nr.50 und 49); vgl. ebenso Kirchners Uhrgehäuse u.a. aus den Königlichen Sammlungen in Dresden (Inv. Nr. P97) und in der Sammlung Arnhold (Cassidy-Geiger, The Arnhold Collection of Meissen Porcelain 1710-50, 2008, Kat. Nr. 33) und ein weiteres Uhrengehäuse von 1727, eine Kooperation zwischen George Fritzsche und Kirchner (Rijksmuseum, Kat. Nr. 48). Im Oktober 1727 hatte Kirchner an „eine gewisse Façon Tisch Leuchter mit Zierrathen“ gearbeitet, Modelle in Ton, die von George Fritzsche, dem „geschicktesten und besten Former und Bossierer“ nach Aussagen Kirchners, weiter bearbeitet wurden. (Zimmermann, Kirchner. Der Vorläu- fer Kaendlers an der Meissner Manufaktur, Berlin, 1929, S. 5; Walcha, Das Charakterbild Kirchners im Spiegel der Meissner Archivalien‘, Mitteilungs- blatt KFS 53/54 1961, S. 24). Dass es sich bei den Notizen von Kirchner um genau diesen Leuchter handelt, dessen zentrale weibliche Stützfigur stilistisch dem Figurentypus Kirchners am Venus Tempel aus demselben Jahr gleicht, ist sehr wahrscheinlich (op.cit. Kat. Nr. 50). Werke von Johann Gottlieb Kirchner sind selten. Er ist verglichen mit den beiden anderen berühmten Künstlern der Manufaktur, J. J. Kaendler (tätig 1731-1775) und J. G. Höroldt (tätig 1720-1765), nur kurze Zeit in der Manufaktur; zunächst von 1727 bis 1728 und nach einer zweijährigen Unterbrechung - die Manufaktur hatte ihn aufgrund seiner ‚unordentli- chen Lebens-Arth‘ entlassen - wieder von 1730 bis 1733 und nochmals 1737, als Modellmeister. Zu seinen prominentesten Werken gehören die grossen Tierfiguren für die lange Galerie im Japanischen Palais in Dresden. Kirchners Stil war für seinen Nachfolger Kaendler, der ihm zunächst un- terstellt war, aber auch für die nachfolgende europäische Porzellanplastik wegweisend. So schrieb die Kommission von Kaendler im März 1732, er werde von Kirchner „nach seinen inventionen und sonst übertroffen“ (R. Rückert, Biographische Daten der Meissener Manufakturisten des 18. Jahrhunderts, 1990, S. 113, 114). CHF 40 000 / 70 000 (€ 33 330 / 58 330) | 72 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber
  • 75. | 73
  • 76. 1074 GEFASSTES AMEUBLEMENT, Louis XV, sign. J. E. ST. GEORGES (Jean Etienne Saint-Georges, Meister 1747), Paris um 1750. Bestehend aus 1 dreiplätzigen Canapé „corbeille“, 1 Bergère und 3 Fauteuils „en cabriolet“. Buche ausserordentlich fein beschnitzt mit Blumen, Blättern, Kartuschen und Zierfries sowie polychrom gefasst. Hufförmiger Sitz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Leicht eingezoge- ne, jochförmig abschliessende Rückenlehne mit gepolsterten Armlehnen auf geschweiften -stützen. Stark gebrauchter, dunkelblauer Veloursbezug bzw. polychromer Seidenbezug. Teils mit Sitzkissen. Fassung mit Bestos- sungen und teils über dem alten Lack restauriert. Canapé: 190x68x44x97 cm. Bergère: 90x52x43x100 cm. Fauteuils: 73x44x43x94 cm. Provenienz: - La Vieille Fontaine, Rolle. - Privatbesitz, Westschweiz. Feines Ameublement von bestechender Qualität; man beachte die stu- pende Schnitzerei und die feine Blumenmalerei, welche für das Werk von J.E. Saint-Georges typisch sind. J. E. Saint-Georges übernahm das väter- liche Atelier in der Rue de Cléry. In Zusammenarbeit mit seinem Schwager, dem berühmten Claude I Séné, fertigte er zahlreiche Louis-XVI- und Tran- sition-Möbel sowie ein paar wenige, aber bedeutende Louis-XV-Sitzmö- bel und war vor allem für die lokalen „marchands-merciers“ und Tapezierer tätig, wie z. B. für die Gebrüder Presle. Saint-Geroges‘ Werke bestachen durch akkurate Schnitzereien, die er manchmal bei Pierre Groult, Vincent Nauroy, Nicolas Grouel oder Guillaume Hutin in Auftrag gab, durch die „souplesse“ der Formen und die perfekte Proportion. Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 768- 770 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 415 (biogr. Angaben). CHF 9 000 / 14 000 (€ 7 500 / 11 670) | 74 Möbel Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen, Sakrale Skulpturen, Porzellan, Silber 1074 1075
  • 77. 1075 VITRINE, Louis XV, Paris um 1760/70. Rosenholz und Palisander gefriest. Prismierter Korpus mit vorstehendem, gekehltem Kranz auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Doppeltürige, geschweift ausgeschnittene und verglaste Front mit profilierter Schlagleiste. Vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. 129x48x208 cm. Provenienz: Westschweizer Privatbesitz. CHF 2 500 / 4 500 (€ 2 080 / 3 750) 1076* KOMMODE, Louis XV, sign. M. CRIAERD (Mathieu Criaerd, Meister 1738), Paris um 1745/55. Rosen- und Veilchenholz sowie Palisander gefriest. Allseitig ausseror- dentlich fein eingelegt mit Rautenmuster, Diamantspitze und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden vorderen Eckstol- len auf wellig ausgeschnittener Zarge mit geschweiften Beinen. Front mit 2 Schubladen ohne Traverse. Ausserordentlich feine, matt- und glanz- vergoldete Bronzebeschläge und -sabots. Profilierte, reparierte „Griotte Rouge“-Platte. 115x54x88 cm. Provenienz: - Aus einer französischen Sammlung. - Auktion Koller Zürich, 22.6.2006 (Katalognr. 1162). - Privatbesitz, Schweiz. Feine Kommode von bestechender Qualität, die typischen Merkmale des M. Criaerd offenbarend: elegante Formgebung, die akkurate Marketerie mit Diamantspitzen sowie die ausserordentlich feinen Bronzebeschläge. M. Criaerd war einer der bedeutendsten Ebenisten seiner Zeit und bekannt für die Herstellung exquisiter Lackmöbel. Er wurde etwa 1689 als Sohn von Jean Criaerd geboren und stammte ursprünglich aus Brüs- sel. Der genaue Zeitpunkt seiner Ankunft in Paris ist nicht bekannt. Der Ehevertrag mit der aus einer Ebenistenfamilie stammenden Jacqueline Godelart belegt aber M. Criaerds Tätigkeit als Möbelhersteller in Paris. Das Paar hatte zwei Söhne, die ebenfalls im Atelier ihres Vaters arbeiteten. 1783 erhielt M. Criaerd die Meisterwürde und wurde aufgrund seines exzellenten Rufes als innovativer Hersteller von qualitativ hochwertigen Möbeln einer der wesentlichsten Ebenisten der Jahre zwischen 1740 und 1760. Die Zusammenarbeit mit dem „marchand-mercier“ Hébert brachte ihm Aufträge der königlichen Residenzen ein. Zahlreiche Prunkmöbel dieser Paläste tragen seinen Stempel. 1742/43 lieferte er eine Lack-En- coignure (heute in den Sammlungen des Musée du Louvre in Paris), für das Appartement in Choisy, später auch einen (heute verschollenen) Lackschreibtisch. Fünf Jahre später lieferte er eine Kommode mit Gitter- und Rhomben-Marketerie für das Cabinet du Dauphin in Versailles, wo sie heute noch steht. Zudem belieferte M. Criaerd, wie im 17. und 18. Jahrhundert üblich, die wichtigsten Kollegen wie A. Gaudreaux oder B. Van Risenburgh. 1770 zog sich M. Criaerd aus dem Geschäft zurück und verkaufte seinem jüngeren Sohn Möbellager und Werkzeug für eine Leibrente von 500 L. Sechs Jahre später starb er im hohen Alter von 87 Jahren in Paris. Lit.: P. Kjellberg, Le mobilier français du XVIIIe siècle, Paris 1989; S. 214- 220 (biogr. Angaben). J. Nicolay, L‘art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle, Paris 1976; I, S. 53/54 (biogr. Angaben). CHF 50 000 / 90 000 (€ 41 670 / 75 000) | 75 1076