Auktion: 1. Oktober 2021
Auktion: 1. Oktober 2021
GEMÄLDE ALTER MEISTER
GEMÄLDE ALTER MEISTER
AUKTION IBID 122
Bieten ab 21.09 bis 5./6.10.2021 Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
Gemälde,ZeichnungenGrafikAlterMeisterdes19.Jhs.
BücherAutographen,Schmuck,Möbel,Uhren,Varia,Porzellan
IBID ALTEGRAFIKZEICHNUNGEN
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
IBID BÜCHER  AUTOGRAPHEN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBIDMÖBELUHREN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBIDVARIASKULPTUREN
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IBID PORZELLAN
Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021
IBID SCHMUCK
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
IBID GEMÄLDE ALTER MEISTER  DES 19. JHS.
Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021
AUKTIONSPROGRAMM
AUKTIONEN SEPTEMBER 2021 (A198  IBID 122)
TEPPICHE
Donnerstag,30.September2021,9.30 Uhr
Lot 1501 – 1583
SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN
Donnerstag,30.September2021,11.00 Uhr
Lot 1301 – 1368
MÖBEL, PENDULEN,
SKULPTUREN, SILBER, PORZELLAN
Donnerstag,30.September2021,13.00 Uhr
Lot 1001 – 1248
ANTIKE WAFFEN
Donnerstag,30.September2021,17.00 Uhr
Lot 1401 – 1498
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 
office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch
Auktion: 30. September 2021
DECORATIVE ARTS
MÖBEL, UHREN, SILBER, PORZELLAN, TEPPICHE
ANTIKE WAFFEN, SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN
DECORATIVE
ARTS
A198
SEPTEMBER
2021
BÜCHER  AUTOGRAPHEN
Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr
Lot 101 – 363  501 – 527
SEPTEMBER
2021
Auktion: 29. September 2021
BÜCHER, BUCHMALEREI  AUTOGRAPHEN
BÜCHER,
BUCHMALEREI

AUTOGRAPHEN
A198
ALTE GRAFIK
Freitag, 1. Oktober 2021, 10.30 Uhr
Lot 3601 – 3636
ZEICHNUNGEN
Freitag, 1. Oktober 2021, 11.00 Uhr
Lot 3401 – 3488
GEMÄLDE ALTER MEISTER
Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr
Lot 3001 – 3072
GEMÄLDE DES 19. JH.
Freitag, 1. Oktober 2021, 16.00 Uhr
Lot 3201 – 3253
Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66 
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A198
OKTOBER
2021
GEMÄLDE
ALTER
MEISTER
UND
DES
19.
JH.,
ZEICHNUNGEN
UND
ALTE
GRAFIK
Auktion: 1. Oktober 2021
GEMÄLDE ALTER MEISTER  DES 19. JH.
ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK
Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz
VORBESICHTIGUNG
Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
Koller Auktionen ist Partner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und
einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen.
EURO-Schätzungen
Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung.
Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken.
Gemälde Alter Meister		  S. 1
Gemälde des 19. Jahrhunderts		  S. 107
Zeichnungen des 15. – 20. Jahrhunderts		  S. 169
Alte Graphik		  S. 201
Künstlerregister		  S. 216
Adressen 		  S. 218
Auktionsbedingungen 		  S. 224
Auction Conditions		  S. 226
Auktions-Auftrag		  S. 228
AUKTIONEN
Hardturmstrasse 102
8031 Zürich, Schweiz
Gemälde Alter Meister
Lot 3001 – 3072
AUKTION
Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr
VORBESICHTIGUNG
Freitag 24. bis Dienstag 28. September 2021, 10–18 Uhr
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Gemälde Alter Meister
| 2
3001*
PERE LEMBRI
(tätig in Morella und Tortosa um 1399–1421)
Apostel Matthäus. Um 1410.
Öl auf Holz. Auf Schriftrolle bezeichnet: Sanctam ecclesiam cato-
licam santorum comunionem.
111,7 × 48 cm.
Provenienz:
- Dr. E. Tüscher, Nr. 43 (verso mit Etikett).
- Privatsammlung Salzburg.
- Europäischer Privatbesitz.
Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr.
Gaudenz Freuler, August 2021.
Vorliegende auf Goldgrund gemalte Tafel zeigt einen in einen
roten Mantel gekleideten heiligen Apostel mittleren Alters. Er
erscheint auf einer Blumenwiese, die im Hintergrund von einem
dunkeln Wald hinterfangen wird. In seiner Hand hält er als Zeichen
seines Martyriums ein Messer, während er mit seiner rechten
Hand eine Schriftrolle hält, die das neunte Glaubensbekenntnis
([Credo in] sanctam ecclesiam catolicam santorum comunio-
nem) enthält. Ohne Kenntnis des zyklischen Zusammenhangs
dieser bislang unveröffentlicht gebliebenen Tafel müsste uns die
Identität des Apostels verschlossen bleiben. Es handelt sich um
den Apostel Matthäus, der zuweilen, wie hier, nicht mit seinem
Evangelisten Symbol, dem Engel, sondern mit einem Dolch oder
Messer dargestellt wird. Dies begründet sich damit, dass Matthä-
us mitunter mit Legenden in Zusammenhang gebracht wurde,
laut denen er – im Gegensatz zu jenen, die ihm einen natürlichen
Tod zuschreiben – erdolcht worden sei. Die grosse, nach den ele-
ganten ästhetischen Prinzipien der internationalen Gotik gemalte,
sich durch beschwingt fliessende Draperien und ein markantes,
etwas kantiges, leicht mürrischen Antlitz auszeichnende Apos-
telfigur des Matthäus kann schlüssig der Hand des spanischen
Malers Pere Lembrí zugewiesen werden. Ursprünglich wurde sein
Œuvre unter dem Notnamen des Meisters von Albocàsser ge-
führt, dem Chandler Rathfon Post eine Werkgruppe zugewiesen
hatte (siehe Chandler Rathfon Post: A History of Spanish Painting,
Bd. III: The Italo-Gothic and International Style, Cambridge,
Mass. 1930, S. 112 ff.). A. José i Pitarch gelang es 1987 und 2004
überzeugend den Künstler Pere Lembri zu identifizieren (zitiert in:
Josep Guidiol und Santiago Alcolea i Blanch: Pintura Gotica Cat-
lana, Barcelona 1987, S. 109–111 und Ausst.-Kat. Una memoria
concreta, Pere Lembrí: Pintor de Morella y Tortosa (1399–1421),
hrsg. von Antoni José I Pitarch, Morella 2004, S. 20 ff.)
Über Lembrís frühe Karriere ist wenig bekannt, obwohl traditionell
angenommen wird, dass er in der Werkstatt von Lluís Borrassà
(um 1360–um 1426), einem führenden katalanischen Maler des
späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts, ausgebildet wurde. Ab
1399 ist Lembrí durchwegs in der Region Maestrazgo dokumen-
tiert, hauptsächlich in den Städten Morella und Tortosa, wo er
als höchst produktiver und hoch bezahlter Maler großformatiger
Retabel in Erscheinung trat (siehe Nicholas Herman, in: Late Me-
dieval Panel Paintings, hrsg. von Susie Nash, Bd. II, London 2015,
S. 15–16). Allerdings ist keiner seiner zahlreichen durch Archiv-
dokumente überlieferten Grossaufträge sicher identifizierbar.
Der jüngsten Ausstellung zu unserem Maler (siehe Pitarch, 2004)
gelang es, einen Grossteil seines Œuvres auf aufgebrochene
Altarwerke gigantischer Dimensionen zu verteilen.
Zu einem dieser riesigen hypothetisch, gleich wie arbiträr re-
konstruierten Altarwerke (siehe Pitarch, 2004, S.187 ff.), nämlich
zum grossen Altar des Credos, gehörte zweifellos auch das hier
in Rede stehende Tafelbild mit dem Apostel Matthäus, dessen
Schriftrolle sich auf das 9. Glaubensbekenntnis bezieht. Er fügt
sich zyklisch, stilistisch, und was das Rahmenwerk und seine
Dimensionen betrifft, nahtlos ein in die übrigen bisher bekannten
Apostel Darstellungen, welche mit ihren Schriftrollen ebenfalls auf
die Artikel des Credos hinweisen.
Diese vermutlich über die zwei untersten Geschosse des höchst-
wahrscheinlich fünfgeschossigen Altarwerks verteilten Apostel
dürften jeweils nach den ihnen zugeordneten Artikel des Credos
angeordnet gewesen sein, genauso wie die in der oberen Hälfte
figurierenden Bilder der zwölf Glaubensbekenntnisse. Der Altar
setzte offenbar ausführlich Raimondo Martìs textliche Vorlage
seiner im katalanischen Gebiet verfassten und dort besonders
beliebten Schrift des Apostel-Credos, der Explanatio simboli
apostolorum ad institutionem fidelium (1256–57) ins Bild (siehe
Joseph M. March: “En Ramón Martí et la seva Explanatio simboli
apostolorum”, in: Anuari de l’Institut d’Estudis Catalans 1908, S.
442–496). Mit der Wiederentdeckung unseres Apostels steht die
Identifikation von nunmehr fünf weiteren Tafeln mit den restli-
chen Aposteln aus. Nach Martìs Text müsste unser Apostel in
der Apostelreihe an 9. Stelle figuriert haben. Dort verbindet Marti
diesen mit Matthäus, sodass die Identität unserer Apostelfigur
als Matthäus schlüssig gesichert ist. Dabei kann zyklisch wohl von
12 Aposteldarstellungen aber nicht von ebenso vielen Szenen
für die zwölf Glaubensbekenntnisse ausgegangen werden. Diese
Erkenntnisse müssten dereinst bei einem neuerlichen Versuch,
dieses gigantische Altarwerk zu rekonstruieren, in die Überlegun-
gen einfliessen. Die neu entdeckte, hier erstmals präsentierte
Tafel mit dem Apostel Matthäus ist ein weiterer Schritt hin zu
der Rekonstruktion eines der bedeutendsten Altarwerke Pere
Lembrís und eines der Meisterwerke der spanischen Malerei der
internationalen Gotik.
CHF 30 000 / 50 000
(€ 27 780 / 46 300)
| 3
Gemälde Alter Meister
| 4
3002*
GIOVANNI DI SER GIOVANNI
GENANNT LO SCHEGGIA
(San Giovanni Valdarno 1406–1486 Florenz)
Madonna mit Kind. 1430–35.
Tempera auf Holz.
48,5 × 36,5 cm.
Gutachten:
Angelo Tartuferi.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Das auf Goldgrund gemalte Andachtsbild in originalem Rahmen
zeigt die Muttergottes und ihr Kind. Ihr Blick ist sanft auf ihr Kind
gerichtet, das kindlich verspielt an seinem Daumen lutscht.
Das hier erstmals gezeigte Tafelbild entstammt zweifellos der
Kunst der florentinischen Frührenaissance und ist in der Bildwelt
Masaccios (1401–1428) verankert. Dies überrascht kaum, denn
der Autor dieser Tafel kann ohne Zweifel Masaccios um fünf
Jahre jüngeren Bruder Giovanni di Ser Giovanni „detto Scheggia“
zugewiesen werden. Bevor er vermutlich mit der Werkstatt seines
Bruders in Kontakt kam, dürfte „Scheggia“ im 2. Jahrzehnt des 15.
Jahrhunderts in der damals florierenden Werkstatt von Bicci di
Lorenzo (1373–1452) ausgebildet worden sein. Noch 1421 ist er
bei Bicci di Lorenzo erwähnt, doch 1426 reiste er nach Pisa, um im
Auftrag seines Bruders Masaccio von Giuliano di Colino degli Scar-
si einen Vorschuss zu empfangen, den dieser für ein bei Masaccio
in Auftrag gegebenes Altarwerk für Santa Maria del Carmine in
Florenz ausstehend hatte. Offenbar ist er zu diesem Zeitpunkt in
die Werkstatt seines Bruders eingetreten. Masaccios Bildwelt ist
sowohl in seinem Früh- als auch Spätwerk omnipräsent. Dies gilt
für einzelne Bildmotive, die aus dem brüderlichen Bildrepertoire
einflossen, gleich wie das in seinen Bildern erkennbare rationale
Verhältnis zu perspektivisch durchdacht konstruierten Szenarien.
Im Verlaufe der 1430er-Jahre ist im Œuvre unseres Malers eine
Wende zu beobachten, die versuchte, die verfeinerte Lichtma-
lerei, wie sie von Fra Angelico (um 1395–1455) und Domenico
Veneziano (um 1410–1461) vorgetragen wurde, umzusetzen.
Vorliegendes Andachtsbild, das sich gegenüber den frühen Tafeln
durch eine etwas verfeinerte und lichterfüllte Modellierung aus-
zeichnet, erscheint uns so als Übergangswerk vom Frühwerk in die
spätere Phase um 1440 und dürfte wohl zwischen 1430 und 1435
entstanden sein, womit wir das Werk etwas später ansetzen als
Angelo Tartuferi, der in einer undatierten Expertise eine etwas frü-
here Datierung zwischen 1425 und 1430 postulierte. Giovanni di
Ser Giovanni, der später zum beliebten Cassone Maler avanciert,
musste in Florenz als renommierter Künstler bis in die obersten
sozialen Kreise vorgestossen sein, malte er doch 1449 für Piero di
Cosimo de’ Medici (1416–1469) zur Geburt seines ältesten Sohns
Lorenzo il Magnifico (1449–1492) einen Geburtsteller, der sich im
Metropolitan Museum of Art in New York befindet.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 30 000 / 50 000
(€ 27 780 / 46 300)
| 5
Gemälde Alter Meister
| 6
3003
ANTONIO MARINONI
(tätig um 1470 Val Seriana 1542)
Gegenstücke: Heiliger Hieronymus und Heilige Apollina. Um
1525–30.
Öl auf Holz.
Je 124,5 × 44 cm.
Provenienz:
- Auktion Fischer, Luzern, 1943 (als B. Vivarini).
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Chiara Paratico: La bottega Marinoni, XV-XVI secolo, Albino 2008,
S. 101.
Der heilige Hieronymus, einer der Kirchenväter, trägt hier den
roten Mantel des Kardinalats und hält in seinen Händen das Modell
einer Kirche. Die weibliche Figur hingegen stellt die heilige Apollina
dar, die durch die Palme des Martyriums und der Jungfräulichkeit,
das Gebetbuch und die große Zange gekennzeichnet ist, mit der
ihr der Legende nach die Henker die Zähne gezogen haben (siehe
G. Kaftal: Iconography of the Saints in the Painting of North West
Italy, Florenz 1985, coll. 94–97).
Die beiden Heiligen, von denen der eine nach rechts und der
andere nach links blickt, müssen den oberen Teil eines wohl zwei-
stöckigen Altarwerks gebildet haben, wobei sich in der Mitte ein
geschnitztes oder gemaltes Element befand. Die monumentale
Struktur solcher Altarwerke war im Nordwesten Italiens zwischen
dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und der ersten Hälfte
des 16. Jahrhunderts sehr beliebt: das grosse Polyptychon, das
Vincenzo Foppa um 1490–1500 für die Kirche Santa Maria delle
Grazie in Bergamo malte und das heute in der Pinacoteca di Brera
in Mailand aufbewahrt wird, war das Vorbild für diese reiche regio-
nale Produktion.
Unsere Tafeln lassen sich dabei stilistisch mit dem Altarwerk der
Heiligen Petruskirche in Desenzano al Serio (Bergamo) verglei-
chen, das im frühen 16. Jahrhundert in der Werkstatt Marinonis
entstanden ist (siehe C. Paratico: La bottega Marinoni, XV-XVI
secolo, Albino 2008, S. 154–161).
Sechs weitere Tafeln könnten zu demselben Altarwerk gehört
haben: eine Heilige Katharina von Alexandrien und eine Heilige
Magdalena, die sich in der Sakristei der Kirche S. Alessandro della
Croce in Bergamo befinden; ein Heiliger Sebastian (123 × 53 cm)
und ein Heiliger Franz von Assisi (123 × 53 cm), die von Christie‘s
in New York am 31.6.1989 (Los 111) als Schule von Bartolomeo
Vivarini verkauft wurden; schliesslich ein Heiliger Rochus (110 ×
54 cm) und ein Heiliger Bernhard von Siena (110 × 54 cm), die
sich in einer Privatsammlung in Bergamo befinden (siehe F. Rossi:
Pittura anonima bergamasca del primo Cinquecento, in: I pittori
bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Cinquecento, Bd. III, Bergamo
1979, S. 49, Abb. S. 69; C. Paratico, ebd. S. 193–197). Sollte diese
Hypothese zutreffen, wäre der grösste Teil eines von den Marino-
nis um 1525–1530 gemalten Polyptychons rekonstruiert, das laut
Ikonographie für eine franziskanische Kirche bestimmt war; seine
Zerstückelung wäre kurz nach 1798 erfolgt, dem Jahr, in dem die
klösterlichen Orden und kirchlichen Besitztümer in den Gebieten
der Cisalpinen Republik aufgehoben wurden.
Der aus Desenzano al Serio bei Albino (Bergamo) stammende Gi-
ovanni Marinoni (urkundlich belegt ab 1455–gestorben vor 1508)
war der eigentliche Gründer der Werkstatt, die er dann an seine
beiden Söhne Bernardino (urkundlich belegt ab 1490–gestorben
um 1530) und Antonio (um 1470–um 1542), der Maler unserer
Tafel, weitergab. Dokumente belegen, dass letzterer in der ersten
Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts eine führende Rolle spielte,
bevor er die Leitung an seine eigenen Söhne Ambrogio und Fran-
cesco übergab.
Wir danken Prof. Mauro Natale für seine wissenschaftliche Unter-
stützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 7
Gemälde Alter Meister
| 8
3004
MEISTER DER TEMPERE FRANCESCANE
(tätig in Neapel um 1320–1360)
Heiliger Jakobus. Um 1355–60.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
25,6 × 19 cm.
Provenienz:
- Europäische Privatsammlung.
- Schweizer Privatsammlung.
Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr.
Gaudenz Freuler, Februar 2021.
Das aus einem grösseren Zusammenhang stammende kleine
Tafelbild zeigt in frontaler Ansicht die Figur des Apostels Jakobus
des Älteren. In ein lila Kleid mit Goldbordüren gekleidet, über das
ein in elegantem Faltenwurf fallender Mantel geschlungen ist,
sucht der Heilige mit fixierendem Blick die Aufmerksamkeit des
Betrachters. In seiner Linken hält er den Pilgerstab samt Tasche
mit seinem traditionellen Emblem der Muschel, während er mit
der anderen Hand die Bibel hält. Die Tafel lässt gemäss Prof.
Gaudenz Freuler stilistische Eigenheiten erkennen, die sich aus
einer früheren, aus Giotto (ca. 1265–1337) und später zusätzlich
aus Simone Martini (1284–1344) entwickelten Kunst herleiten
lassen und sich unverkennbar mit der neapolitanischen Malerei
um 1350–60 verbinden.
Die höchst elegante Darstellung des etwas verträumt wirkenden
Apostels Jakobus d. Ä. lässt stringente Anklänge an das spätere
Œuvre eines in Neapel tätigen Malers, des sogenannten „Meis-
ters der Tempere Francescane“, erkennen. Dieser gehörte um
1340 zu den Protagonisten der damals für den Hof der Anjou
tätigen Künstler und seine Dienste waren auch im süditalieni-
schen Umland sehr gefragt. In der Folge wurde dieser Maler mit
Pietro Orimina (tätig um 1330–ca. 1360), dem Vater des damals
berühmtesten neapolitanischen Buchmalers des Anjou Hofs,
Cristoforo Orimina (1335–ca. 1370), identifiziert. Gleich wie
andere Zeitgenossen unseres Malers, wandte er sich nach einer
anfänglich eher von Giotto beeinflussten Phase zunehmend
der gotischen Eleganz von Simone Martinis Kunst zu, welche
die Erscheinungsbilder mit einer höfischen Eleganz verfeinerte.
Simone Martinis Werke kannte unser Maler aus erster Hand, denn
der grosse sienesische Maler stand bereits im zweiten Jahrzehnt
des 14. Jahrhunderts am Anjou Hof in Neapel in hohem Ansehen.
Simones Kunst sollte in der Folge am Hof der Anjou in Neapel und
dem alliierten päpstlichen Hof in Avignon stilbildend werden (siehe
Vergleichsbeispiele Analyse Freuler, 02.2021, fig. 13), was nun
auch augenscheinlich für das hier in Rede stehende Gemälde mit
dem Jakobus d. Ä. zutrifft.
Die elegante Heiligenfigur erscheint auf Goldgrund innerhalb ei-
nes mit Sticheltechnik gemusterten Rahmenbandes, das Simone
Martinis gegen 1340 gemalte punzierte Tafeln nachempfindet.
Ähnlich gestaltete unser Maler auch für ein stilistisch verwand-
tes in seiner dekorativen Pracht aber in etwas opulenterer Form
vorgetragenes Madonnenbild, das anlässlich der Auktion in New
York (Sotheby‘s, 31.1.2013, Los 16) Prof. Freuler dem Meister
der Tempere Francescane zugewiesen hatte. Gleich wie bei der
Madonna erkennen wir auch hier die für das Spätwerk unseres
Malers typischen Verfeinerungen in der Körper- und Gesichtsbil-
dung. Der Jakobus erscheint als schlanke gestreckte Gestalt, mit
schmalen, etwas herabhängenden Schultern und dem typischen
gelängten, mageren Gesicht, dessen Inkarnat mit feinsten tona-
len Übergängen ausgearbeitet ist. Diese gelängten, elliptischen,
sich durch eine hohe Stirnpartie auszeichnenden Gesichter, die
auch in den Figuren seines berühmten, ca. 1345 gemalten Altar-
werks von Ottana und im Freskofragment in Santa Lucia alle Malve
in Matera ähnlich wiederkehren, lassen sich auf Typen herleiten,
wie sie Simone Martini in seiner frühen Schaffensphase in der
Unterkirche von San Francesco in Assisi und der imposanten Tafel
des Ludwig von Toulouse in Neapel, also aus den Werken gegen
1315–1320, entwickelt hatte.
Aus der Werkstatt des Buchmalers Cristoforo Orimina ist in seiner
letzten Schaffensphase der frühen 1360er-Jahre ein Missale
(Avignon, Bibliothèque Municipale, Ms 138) hervorgegangen,
dessen illuminierte Illustrationen ein stilistisch eng verwandtes
Figurenrepertoire erkennen lassen, was sich beispielsweise am
Vergleich unseres Jakobus mit der Figur der Heiligen Agnes einer
Initiale N des erwähnten liturgischen Buches nachprüfen lässt.
Dieser Stilvergleich mit einer Buchillustration der Werkstatt des
Cristoforo Orimina bestätigt die Zuweisung unserer Tafel ins
Milieu der Orimina, gleich wie auch die Identifikationsthese des
Meisters der Tempere Francescane mit Cristoforo Oriminas Vater,
Pietro Orimina, so zusätzlich bekräftigt wird. Unser subtil gemal-
tes Tafelbild von bemerkenswerter künstlerischer Qualität reiht
sich in das Spätwerk des Meisters der Tempere Francescane (alias
Pietro Orimina) ein. Es dürfte ca. 1355–60 entstanden sein und
präsentiert sich als seltene und zugleich bedeutende Erweite-
rung des Werkkatalogs dieses erfolgreichen, am königlichen Hof
der Anjou sehr gefragten Malers. Zugleich gewährt es uns einen
neuen Einblick in das noch wenig erforschte Spätwerk unseres
Künstlers.
CHF 28 000 / 35 000
(€ 25 930 / 32 410)
| 9
Gemälde Alter Meister
| 10
3005*
SPANISCHER MEISTER, UM 1500–1520
Beweinung Christi mit dem büssenden Heiligen Hieronymus.
Öl auf Holz.
122,4 × 155 cm.
Mit kunsthistorischer Analyse von Dr. Michaela Schedl, 26.1.2021.
Provenienz:
- Sammlung Professor Wedewer (1852–1922), Wiesbaden.
- Auktion Lempertz, Köln, 25.11 1925, Los 233 (als Deutscher
Meister des 15. Jahrhunderts in Norditalien arbeitend).
- Privatsammlung Süddeutschland, durch Erbschaft an die heuti-
gen Besitzer.
Dr. Michaela Schedl hebt in ihrer Untersuchung die eher seltene
Darstellung der Beweinung Christi mit dem büssenden Heiligen
Hieronymus hervor und vermutet im Austausch mit Dr. Sven
Jakstat, dass die Tafel aus einem Hieronymitenkloster stammt.
Hieronymiten sind Mitglieder eines iberischen Ordens, die vor
allem in Spanien und Portugal seit dem 14. Jahrhundert Klöster
gründeten mit dem Ziel, das Leben des Heiligen Hieronymus
nachzuahmen. Stilistisch ist die Tafel in der Nachfolge von Juan de
Borgona (um 1470–1536) um 1500–20 in Kastilien einzuordnen.
Hierfür sprechen die hochdekorierten goldbrokatenen Gewänder
der Figuren Josef von Arimathäa und Maria Magdalena. Der Maler
arbeitete mit Gravierungen und Punzierungen in der grundierten
Maloberfläche, die dem Brokatstoff mehr Plastizität verleihen.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 11
3006
KASTILISCHE SCHULE, UM 1480
Geburt Christi.
Öl und Goldgrund auf Holz.
122 × 55,6 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
Gemälde Alter Meister
| 12
3007*
SCOLAIO DI GIOVANNI
GENANNT MAESTRO DEL BORGO ALLA COLLINA
(um 1370 Florenz 1434)
Madonna mit Kind.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
101 × 54 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Die Muttergottes und ihr Kind sitzen auf einem goldenen Kissen,
das auf den von einem kostbaren Goldbrokat bedeckten Boden
gelegt ist. Ihr Antlitz ist zärtlich dem auf ihren Knien sitzenden Je-
susknaben zugewandt, der in seiner Linken eine Spruchrolle hält,
in der die Worte des Johannes Evangeliums 14,6 EGO SUM VIA
VERITAS (ET VITA – Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben)
eingeschrieben sind. In der Predella des in Originalrahmung auf
uns gekommenen Madonnenbildes ist in drei Medaillons der Pas-
tiglia Dekoration die Darstellung einer Verkündigung zu erkennen.
Das anmutige, bisher noch nicht veröffentlichte Tafelbild ist ein
typisches Produkt der spätgotischen florentinischen Malerei zu
Beginn des 15. Jahrhunderts, die seit dem späteren 14. Jahrhun-
dert zahlreiche vergleichbare Tafeln zur Privatandacht hervorge-
bracht hatte. Der betont höfische Stil des Bildes entspricht einem
ästhetischen Empfinden, das sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts
in Florenz einer grossen Beliebtheit erfreute und im Werk der
damals führenden spätgotischen Maler Lorenzo Monaco (um
1370–1425) und Gherardo Starnina (um 1360–1413) einen kurzen
Höhepunkt erreichte. Zweifellos steht das Tabernakel in engster
künstlerischer Verbindung mit dem florentinischen Maler Starnina,
der zu Beginn des 15. Jahrhunderts zusammen mit Lorenzo Mo-
naco in Florenz zum gefragtesten Maler avancierte. Unverkennbar
liegt vorliegendem Madonnenbild die Bildwelt Starninas zugrunde,
was schon allein am Madonnentypus und der gleichartig geläng-
ten schlanken Figur des Jesusknaben leicht erkennbar ist.
In diesem Umfeld entstanden, weist Gaudenz Freuler dieses
Andachtsbild mit Sicherheit Scolaio di Giovanni zu, dessen Kunst
grundlegend aus Starnina schöpft. Unsere Madonna mit Kind hat
Scolaio selbst ein weiters Mal – dort jedoch entrückt auf einer
Wolke schwebend – eins zu eins für eine Tafel im National Muse-
um katalanischer Kunst in Barcelona verbildlicht (Inv-Nr. 064969-
000). Die schlank gestalteten Figuren, die lineare Dynamik des
Faltenwurfs der Draperien, die ein höchst exquisit elegantes
Erscheinungsbild erzielen, verbinden sich mit Scolaio di Giovan-
nis Werken aus der späten Schaffensphase, die durch dessen
datiertes Altarwerk (1423) in der Kirche von San Donato in Borgo
alla Collina repräsentiert wird. Damit darf für unsere Tafel eine
Datierung um ca. 1425 postuliert werden.
Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche
Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
| 13
Gemälde Alter Meister
| 14
3008
NERI DI BICCI
(1418 Florenz 1492)
Der Erzengel Gabriel. Um 1470–80.
Öl auf Holz.
43 × 32,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr.
Gaudenz Freuler, August 2021.
Vorliegende noch unveröffentlichte Tafel der florentinischen
Renaissance ist ein charakteristisches Werk des Florentiner
Malers Neri di Bicci, des letzten Sprösslings einer berühmten flo-
rentinischen Malerdynastie seit Lorenzo di Bicci (um 1350–1427).
Der Malstil des Künstlers ist geprägt von der mittelalterlichen
Goldgrundmalerei seiner Vorväter Lorenzo di Bicci und Bicci di
Lorenzo (1373–1452). Gleichzeitig weist er auch eine Auseinan-
dersetzung mit der Bildwelt der florentinischen Renaissance auf,
insbesondere mit den künstlerischen Errungenschaften seiner
moderneren Zeitgenossen, etwa eines Filippo Lippi (1457–1504)
und Domenico Veneziano (1410–1461) – und am Ende seiner
Karriere – des Andrea del Verrochio (1435–1488).
Das hier in Rede stehende Bild des Erzengels Gabriel – erkennbar
am Lilienzweig – war einst Teil einer grösseren Altartafel, deren
Szenario durch einen oben rechts noch sichtbaren hochgezo-
genen Goldbrokat Vorhang illusionistisch enthüllt wurde. Solche
Bildkonzepte wurden in der florentinischen Renaissance seit
Filippo Lippi entwickelt. Demnach figurierte unser Engel Gabriel
ursprünglich in der rechten Bildhälfte der vermutlich rechtecki-
gen Tafel. Möglicherweise bildete unser Engel eine Einheit mit
den beiden anderen Erzengeln Raphael und Michael, und liess ein
Erscheinungsbild erkennen, wie es ähnlich von Neri di Bicci selbst
auf seiner 1471 für Mariotto di Marco della Palla für Santo Spirito
in Florenz gemalten Tafel (Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 26.114)
vorgebildet ist.
Das Bildthema der drei Erzengel erfreute sich im Laufe der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Florenz einer grösseren
Beliebtheit. Die Entwicklung des florentinischen Erzengel Bildes
im 15. Jahrhundert gipfelte um 1470 vermutlich in Verrocchios
Werkstatt in einer höchst erfolgreichen Bilderfindung. Sie wurde in
der Folge für die florentinischen Interpretationen dieses Bildt-
hemas massgebend, was auch für Neri di Biccis Erzengel Bilder
zutrifft. Daraus können wir schliessen, dass das vorliegende Bild
im Verlaufe der 1470er-Jahre, also in einer späten Schaffenspha-
se des 1491 verstorbenen Künstlers entstanden ist.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 15
Gemälde Alter Meister
| 16
3008A*
GIOVANNI BATTISTA VOLPONI
(tätig in Pistoia, frühes 16. Jh.)
Madonna mit Jesuskind und Heiligem Franziskus und Bernhardin
von Siena.
Öl auf Holz.
125 x 124 cm.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Das vorliegende Werk stammt von Giovanni Battista Volponi,
genannt lo Scalabrino, wie Professor Mauro Lucco bestätigt. Lo
Scalabrino war Schüler des Fra‘ Paolino da Pistoia (1488–1547),
seinerseits Schüler des Fra‘ Bartolomeo (1472–1517). Des Weite-
ren arbeitete Scalabrino mit Gerino da Pistoia (1480 – 1529), wes-
halb seine Arbeiten auch den Einfluss romagnolischer Künstler,
wie etwa den von Gasparo Sacchi da Imola (tätig um 1517–1536)
aufweisen.
Weitere Arbeiten des Künstlers befinden sich beispielweise im
Museo Civico in Pistoia (Fototeca Zeri, Nr. 37759), im Palazzo Arci-
vescovile in Viterbo (Fototeca Zeri, Nr. 37763) und der Pinakothek
in Parma (Inv.-Nr. 158, Kat.-Nr. 233).
Prof. Mauro Lucco bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes
nach Untersuchung des Originals, wofür wir ihm danken.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 690 / 28 040)
| 17
Gemälde Alter Meister
| 18
3009
VINCENZO FOPPA (UMKREIS)
(Bagnolo um 1430–1516 Brescia)
Madonna mit Kind. Um 1500–1505.
Öl auf Holz.
52,5 × 39,5 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel Luigi Grassi  Sons, Florenz (verso mit Etikett).
- Privatsammlung Schweiz.
- Auktion Dobiaschofsky, Bern, 6.–10.5.2015, Los 306.
- Europäischer Privatbesitz.
Die als Halbfigur erscheinende Muttergottes steht vor einer Fens-
teröffnung mit Ausblick in eine Hügellandschaft. Mit ihrer Rechten
stützt sie den kleinen auf dem Gesims sitzenden Sohn, der in
einem Buch blättert. Über Maria hängt als Zeichen ihrer Jungfräu-
lichkeit eine Perlen Girlande, während auf dem Fenstersims eine
Birne zu erkennen ist. Das aus Donatellos (1386 –1466) Madon-
nenreliefs geschöpfte Konzept der an einem Fenster stehenden
Madonna wurde von Vincenzo Foppa um ca. 1475 in die Malerei
umgesetzt, als er seine berühmte Madonna del Libro (Museo d’
Arte Antica del Castel Sforzesco in Mailand, Inv-Nr. 305) malte. Sie
diente offenbar als Modell für das hier in Rede stehende Madon-
nenbild, zumal hier auch die Perlengirlande – bei Foppa sind es
Korallenperlen – mittradiert ist. Verändert ist hier auch das Motiv
des Buchs, das nun nicht von Maria gehalten wird, sondern vom
Jesusknaben durchblättert wird. Seine Pose, die im Unterschied
zu Foppas Tafel nun nicht mehr in der klassischen aufrechten Hal-
tung gezeigt ist, sondern lässig sitzend, ist ebenfalls mit Foppas
Bildwelt verbunden.
Die Tafel lässt sich in der lombardischen Renaissance-Malerei ver-
orten und wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Umkreis Vin-
cenzo Foppas gemalt. Die Modellierung der Figuren lässt nichts
mehr vom Charakter von Foppas Werken um 1470 erkennen und
zeigt innerhalb des Inkarnats Anleihen an die Sfumatomalerei der
späteren lombardischen Malergeneration.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 19
3010*
LORENZO COSTA (ZUGESCHRIEBEN)
(Ferrara 1460–1535 Mantua)
Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien.
Tempera auf Holz.
39,5 × 28,8 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
Gemälde Alter Meister
| 20
3013*
JOHANN KREUZFELDER
(1577 Nürnberg 1632)
Bildnis einer Dame. 1626.
Öl auf Leinwand.
Oben rechts datiert und monogrammiert: 1626 JC (ligiert).
79 × 63 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Im ausgehenden 16. Jahrhundert war die Kunst der Niederlande
das dominierende Vorbild der Nürnberger Porträtmaler. Mit Ni-
colas Neufchâtel (1525/27–1573) und Nicolaus Juvenel d. Ä. (vor
1540–1597) hatten sich gleich zwei prominente, niederländische
Künstler in der Reichsstadt niedergelassen. Unter ihrem Einfluss
fand die hochentwickelte Antwerpener Bildnismalerei Eingang
in die lokale Porträtmalerei und verhalf dieser zu einer neuen
Blüte. Die Schüler Juvenels gehörten zu den erfolgreichsten und
gefragtesten Porträtmalern der Stadt. Johann Kreuzfelder, Sohn
eines Nürnberger Goldschmieds, absolvierte 1593 bis 1597 seine
Lehrzeit bei Juvenel. 1603 schuf er die grossformatige Gedächt-
nistafel der Familie Behaim in der Sebalduskirche. 1612 und 1617
porträtierte er die Nürnberger Ratsherren, danach war er u.a.
für die Grafen von Oettingen und Hohenlohe-Langenburg als
Porträtmaler tätig. Bereits seit Nagler (Monogrammisten, Bd. 2,
1860, S. 82) wird ihm von der Forschung das Monogramm „JC“ (für
Johann Creutzfelder) zugewiesen.
Das 1626 datierte Gemälde zeigt eine Frau in mittlerem Alter im
Brustbild vor grauem Grund. Ihr Oberkörper und Kopf sind leicht
nach links gewandt, ihr aufmerksamer Blick ist zum Betrachter ge-
richtet. Die Dame trägt ein schwarzes, mit zahlreichen Stickereien
verziertes Gewand, ihr Haupt ziert ein entsprechendes Barett,
unter dem die Haare zu einem Zopf geflochten auf den Rücken
fallen. Charakteristisch für Kreuzfelder ist die Zartheit seiner
Malweise, besonders zu erkennen im weich modellierten Inkarnat
der Porträtierten oder den feinmalerisch gestalteten weissen
Spitzenbesätzen der üppigen Halskrause und der Ärmelaufschlä-
ge. Eine prächtige, vielgliedrige Goldkette deutet auf den hohen
sozialen Status der Porträtierten ebenso wie die mit Steinen
besetzte, seitlich gegürtete Börse und die juwelenreichen Finger-
ringe. Bemerkenswert ist der Ring am rechten Zeigefinger, der ein
Allianzwappen präsentiert, das auf den verheirateten Status der
Frau deutet. Da sich die Dame nach links wendet (und nicht, wie
bei Einzelbildnissen üblich, nach rechts), existierte vielleicht ein
zugehöriges Bildnis ihres Ehemannes. Das Wappen mit Helmzier
in der rechten Bildecke konnte bisher nicht identifiziert werden.
Obwohl Kreuzfelder als Porträtist in den Quellen mehrfach be-
zeugt ist, haben sich im Vergleich zu seinem Zeitgenossen und
Kollegen Lorenz Strauch (1554–1630) nur sehr wenige Bildnisse
mit Signatur erhalten. Ein monogrammiertes Herrenbildnis von
1623 befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürn-
berg (Bildnis des Georg Volckamer von Kirchensittenbach, Inv.-Nr.
Gm 715), ein weiteres signiertes Herrenporträt im Kurpfälzischen
Museum in Heidelberg (Bildnis eines Mannes von 1623, Inv.-
Nr. G 112). Auf einem Gemälde der Kunstsammlung der Stadt
Nürnberg (Fembohaus, Porträt des Bartholomäus Viatis, 1614),
das stilistisch und malerisch dem Frauenporträt sehr nahesteht,
konnte nach einer 2010 erfolgten Restaurierung erstmals auch
die ausgeführte Signatur „Johanes Creutzfelder Nornberg Pinxit“
nachgewiesen werden.
Wir danken Judith Hentschel für die Bestätigung der Eigenhändig-
keit anhand einer Fotografie und für diesen Katalogeintrag.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
3013 (Detail)
| 21
Gemälde Alter Meister
| 22
3014*
BARTHOLOMÄUS BRUYN D. J.
(um 1530 Köln um 1610)
Bildnisse eines Kölner Patriziers und seiner Frau, wohl Mitglieder
der Familie Pilgrum. 1563.
Öl auf Holz. Je oben mittig bezeichnet und datiert: AETATIS SVE
56 AO.1563 (Ehemann). AETATIS SVE 54 AO.1563 (Ehefrau).
Je 49 × 34 cm.
Provenienz:
- Sammlung Graf Schaffgotsch.
- Privatsammlung L., Hitzlisberg, Luzern.
- Auktion Fischer, Luzern, 30.8.1933, Los 230.
- Auktion Christie‘s, London, 9.7.1999, Los 140.
- Europäische Sammlung.
| 23
Mit einer dendrochronologischen Untersuchung durch Prof. Dr.
Peter Klein (19.5.2021), wonach die Holztafel des Herrenbildnis-
ses frühestens ab 1561 und diejenige der Ehefrau frühestens
ab 1549 Verwendung fanden. Die Datierung der Gemälde ins
Entstehungsjahr 1563, wie oben bezeichnet, erscheinen somit
als überzeugend.
Dr. Roland Krischel, dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisierung
dieses Gemäldepaares danken, verweist auf die Ähnlichkeit der
hier dargestellten Dame mit einem Bildnis Bartholomäus Bruyns
d. J., welches eine Frau aus der Kölner Familie Pilgrum zeigt und
sich in den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique in Brüssel
befindet (Inv.-Nr. 1379, siehe Didier Martens: Le prétendu Obiit de
Lambert Lombard…, in: Annales d’Histoire de l’Art  d’Archéologie,
38, 2016, S. 93–113, Abb. 12, S. 110).
CHF 50 000 / 70 000
(€ 46 300 / 64 810)
Gemälde Alter Meister
| 24
| 25
Gemälde Alter Meister
| 26
3015*
PIETER BRUEGHEL D. J.
(Brüssel 1564–1638 Antwerpen)
Die Predigt des Heiligen Johannes des Täufers.
Öl auf Leinwand.
95 × 162,5 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 7.3.2020.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Die Predigten des Johannes des Täufers waren durch die rö-
mische und die jüdische Obrigkeit verbotene Versammlungen
christlicher Gläubiger, die im Verborgenen stattfinden muss-
ten. Pieter Brueghel d. J. widerspiegelt diese Thematik in seiner
„Guckkasten-Komposition“, die beidseitig von mächtigen Eichen
flankiert ist und dank Repoussoir-Motiven den Blick in die Ferne
leitet, wo der Betrachter einen Fluss, der allegorisch für die Taufen
durch Johannes steht, und eine befestigte Stadt mit einer Kirche
sehen kann. Johannes steht ganz im Hintergrund und trägt ein
einfaches Gewand als Zeichen seiner Bedürfnislosigkeit. Unter
den Zuhörern finden sich flämische Zeitgenossen des Malers
und solche, die in fremder Mode gekleidet sind und aus den
verschiedensten Bevölkerungsschichten stammen. Hier kann der
Betrachter so viele Seherlebnisse geniessen, wie es bisher nur
von den Gemälden des Vaters unseres Malers, Pieter Bruegel d. Ä.
(um 1525 –1569), bekannt war.
Pieter Brueghel d. J. war innerhalb der Brueghel-Dynastie der-
jenige, der die von Pieter d. Ä. begründete Kunst am treuesten
weiterführte und in seiner Vermittlerfunktion eine zentrale Rolle
für die bis heute anhaltende Popularität des väterlichen Œuvres
spielte.
Eine „Predigt Johannes des Täufers“ von Pieter Bruegel d. Ä., die
sich heute im Szepmüveszeti Muzeum in Budapest befindet (Inv.-
Nr. 51.2829, siehe Klaus Ertz: Pieter Brueghel der Jüngere- Die
Gemälde, Lingen 2000, Band I, Abb. 256, S. 361) war wohl in Besitz
der Erzherzogin und Statthalterin der spanischen Niederlande
in Brüssel Isabella Clara Eugenia von Spanien, sodass Pieter d. J.
dieses Bild intensiv studieren konnte. So stimmen auch in unse-
rem Gemälde die Farben im Wesentlichen mit dem Gemälde des
Vaters überein.
Zusammen mit den „Anbetungen“ ist die Johannespredigt die er-
folgreichste Darstellung des Malers Pieter Brueghel d. J. aus dem
christlichen Themenbereich. Solche Darstellungen haben seit
dem Mittelalter lange Tradition und erfreuen sich gerade in der
Umbruchszeit um 1600 grosser Beliebtheit. Dementsprechend
malte Pieter Brueghel d. J. diese Kompositionen mehrmals in der
Zeit von 1601 bis 1636. Dr. Klaus Ertz datiert unsere Version nach
1616 und weist insbesondere auf die malerische Perfektion und
die für den Künstler typischen, ein wenig maskenhaft wirkende
Gesichter der Figuren hin, die von hoher Aussagekraft sind.
For the description and lot essay in English, please visit our
website: www.kollerauctions.com.
CHF 380 000 / 500 000
(€ 351 850 / 462 960)
| 27
Gemälde Alter Meister
| 28
3016*
JACOB SAVERY D. J.
(1592 Amsterdam 1651)
Adam und Eva in einer Paradieslandschaft.
Öl auf Holz.
46 × 70,8 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 9.6.2021.
Provenienz:
- Nachlass einer Apotheker-Familie, Wien.
- Privatsammlung Wien.
- Privatsammlung Salzburg.
Ausstellung:
Salzburg 2015, Sinnesfreuden. Tanz, Musik, Spiel und Jagd, Residenzgalerie Salzburg,
20.11.2015–3.7.2016.
Diese belebte Paradieslandschaft mit der Erschaffung von Adam und Eva im Hinter-
grund identifiziert Dr. Klaus Ertz nach Prüfung des Originals als eine charakteristische
Arbeit des Amsterdamer Malers, Jacob Savery d. J., die er in die 1630er-Jahre datiert.
Zuletzt war sie 2015 in der Residenzgalerie in Salzburg ausgestellt (Abb. 1) und wurde
nun in einer Privatsammlung entdeckt.
Jacob Savery d. J. wurde als zweiter Sohn von Jacob Savery d. Ä. (um 1565–1603) in
Amsterdam geboren. Er erhielt seine Ausbildung vom väterlichen Repertoire geprägt
im Umfeld der durch Glaubensverfolgungen in den Niederlanden Zuflucht gefunde-
nen flämischen Künstlerkreisen, die sich der brueghelschen Maltradition verbunden
sahen und die grosse Nachfrage hierfür bedienten. Neben seinem Vater, der bei
Hans Bol (1534–1593) gelernt hatte und bereits 1603 verstarb, war auch sein Onkel,
Roelant Savery (1576–1639) prägend für seine künstlerische Entwicklung. Die hier
dargestellten Tierkompositionen vermitteln zum Grossteil die Auseinandersetzung
mit dem Œuvre Jan Brueghels d. Ä. (1568–1625) und seiner Nachfolge, während eini-
ge Tiere sowie die Tonalität auch an die Arbeiten seines Onkels Roelant erinnern.
CHF 50 000 / 70 000
(€ 46 300 / 64 810)
Abb. 1 Ausstellung „Sinnesfreuden. Tanz, Musik,
Spiel und Jagd“, Residenzgalerie Salzburg, 2015.
| 29
Gemälde Alter Meister
| 30
3017*
HANS JORDAENS III
(1595 Antwerpen 1643)
Moses teilt das Rote Meer.
Öl auf Kupfer.
Unten links signiert: H. Iordaens ft.
35,1 × 45,1 cm.
Provenienz:
Europäische Sammlung.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
| 31
3018*
JAN VAN KESSEL
(Antwerpen um 1620–nach 1661 Amsterdam)
Liegender Otter am Felsgestade.
Öl auf Kupfer.
15,5 × 22,3 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 21.5.2021.
Provenienz:
- Kunsthandel Hamburg, bis ca. 1958.
- Von Obigem erworben, Privatsammlung, für mehrere Genera-
tionen.
- Durch Erbfolge an heutige Besitzer, europäische Privatsamm-
lung.
Dieser naturgetreu wiedergegebene Otter an einem Flusslauf
wurde kürzlich in einer deutschen Privatsammlung entdeckt. Dr.
Klaus Ertz bestätigt nach Begutachtung des Originals die Autor-
schaft Jan van Kessels und datiert die Arbeit in die 1650er-Jahre,
die in Antwerpen gefertigt wurde. Ertz führt bislang 35 bekannte
Werke von Jan van Kessel auf, in denen er sich auf Stillleben mit
Gemüse und Früchten, Jagdtrophäen und Blumen spezialisier-
te (Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Die Maler Jan van Kessel,
Lingen 2012, S. 144). Diese eher seltene Darstellung eines Otters
gilt als eine qualitätsvolle Bereicherung des bislang bekannten
Œuvres. Geboren in Antwerpen, lernte er in den Jahren 1634–35
unter Simon de Vos (1603–1673) und wurde um 1645 als Meister
der dortigen Malergilde aufgeführt, ebenso wie auch Jan van Kes-
sel d. Ä. (1626–1679), mit dem er häufig verwechselt wurde. Im
Anschluss siedelte er nach Amsterdam um, wo Jan Baptist Walvis
(1622–1691) und Gerrit Cornelisz. seine Schüler waren.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Gemälde Alter Meister
| 32
3019*
JAN BRUEGHEL D. Ä.
(Brüssel 1568–1625 Antwerpen)
Dorfgracht mit Figuren, Booten und Anlegestelle. 1608.
Öl auf Kupfer.
Unten links signiert und datiert: BRVEGHEL 1608.
14,7 × 19,6 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 10.7.2021.
Provenienz:
- Sammlung Kaspar Ilg, Schweiz.
- Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
Voll signiert und datiert offenbart sich auf dieser kleinen Kupfer-
tafel die künstlerische Virtuosität von Jan Brueghel d. Ä.. Mit stel-
lenweise nur skizzierenden Pinselstrichen sind die Details gekonnt
und präzise festgehalten (Abb. 1).
Die Komposition wird zwar noch von der Bildtradition des 16.
Jahrhunderts, die Perspektive farblich in Braun-, Grün- und
Blautönen zu gestalten, geprägt, aber entscheidend durch den
Flussverlauf revolutioniert. Die Tiefe wird nicht mehr durch inein-
ander geschobene Ebenen definiert, sondern durch die fluchten-
den Perspektivlinien.
Diese Form der Landschaftsgestaltung entwickelte Brueghel
ab 1602 (siehe Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Jan Brueghel
der Ältere. Die Gemälde. Bd. 1, Lingen 2008, S. 296 ff., Kat.-Nr.
136–39) mit ähnlichen Kompositionen. Ein Fluss oder Kanal fliesst
an einer Dorfschaft entlang oder hindurch, an den Bildrändern
findet sich eine dichte Vegetation, die sich in der Wasseroberflä-
che spiegelt. Die Szenerie wird belebt durch Bauern bei der Arbeit,
dem Be- und Entladen ihrer Boote und Vögel im Wasser, an Land
und auf den Bäumen sowie in der Luft.
Während die späteren Landschaften von zahlreichen Personen
und einem aktiven Miteinander bestimmt werden, scheint der
Schwerpunkt hier in der individuellen Wahrnehmung von Natur,
Mensch und Tier zu sein, wobei der Mensch den kleinsten Anteil
einnimmt und der Einklang zwischen Natur und Tierwelt im Fokus
steht.
Es darf davon ausgegangen werden, dass Jan Brueghel d. Ä. zu-
nächst Zeichnungen entwarf, die er dann später für die Versionen
in Öl verwendete. So könnte die Flusslandschaft heute im Vassar
College, Poughkeepsie (Ertz, ebd., S. 298, Abb. 1) als Vorlage für
diese Landschaft gedient haben.
CHF 70 000 / 120 000
(€ 64 810 / 111 110)
Abb. 1 Mikroskopaufnahmen
Hahn, Schwan, Signatur und Datierung.
| 33
Gemälde Alter Meister
| 34
3020
SPANIEN, 17. JAHRHUNDERT
Anbetung der drei Könige.
Öl auf Kupfer.
30 × 35,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 850 / 2 780)
| 35
3021
ANTWERPEN, 1. HÄLFTE 17. JAHRHUNDERT
Anbetung der Heiligen drei Könige.
Öl auf Kupfer.
37 × 29,6 cm.
Provenienz:
Schweizer Sammlung.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
Gemälde Alter Meister
| 36
3022*
JAN BRUEGHEL D. J.
(1601 Antwerpen 1678)
Allegorie des Gehörs.
Öl auf Kupfer.
59,3 × 91 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 12.6.2021.
Provenienz:
- Sammlung Don Mariano Ordonez, Madrid, in dessen Familienbe-
sitz seit dem 19. Jahrhundert.
- Europäische Privatsammlung.
- Auktion Sotheby‘s, London, 9.7.2009, Los 110.
- Kunsthandel David Koetser, Zürich.
- Europäische Privatsammlung.
In einem offenen Raum, der von einem Wassergraben flanki-
ert ist, sind zahlreiche Attribute des Gehörsinns zu sehen: eine
musizierende Venus und Amor mit einem Rehbock – ein Tier, das
im 17. Jahrhundert symbolisch für den Gehörsinn stand –, eine
Ansammlung von Musikinstrumenten auf dem Fussboden, No-
tenständer mit Notenblättern sowie Musikanten im Hintergrund,
diverse singende Vögel und Pendulen, welche die vergehende Zeit
hörbar machen. Im Wassergraben zur Linken ist der Berg Helikon
dargestellt, der in der Antike als der Sitz der Musen galt. Dort sind
auch musizierende Musen und der geflügelte Pegasus zu sehen,
welcher der Legende nach die Quelle Hippokrene dem Berg Heli-
kon entspringen liess.
Jan Brueghel d. J. beschäftigte sich im Laufe seines Schaffens
immer wieder mit dem Thema der Allegorie, wofür es eine grosse
Nachfrage gab. Zwei weitere Versionen dieser Allegorie des
Gehörs sind bekannt, eine signierte auf Kupfer (Auktion Christie’s,
London, 13.12.2000, Zuschlag 420‘000 £) und eine Version auf
Eichenholz (Auktion Sotheby’s, London, 10.7.2002, Los 48).
Eine Allegorie des Gehörs, welche Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625)
mit Peter Paul Rubens (1577–1640) als Teil einer Serie der Dar-
stellung der fünf Sinne malte und sich heute im Prado in Madrid
befindet (Inv.-Nr. P01395; siehe Klaus Ertz: Jan Brueghel der Äl-
tere (1568–1625), Köln 1979, S. 350–352, Kat.-Nr. 329, Abb. 420),
diente wohl als Inspirationsquelle, insbesondere für die zentrale
Figurengruppe mit dem Reh, den Musikinstrumenten und den
Vögeln. Dr. Ertz, der unser Gemälde in die 1640er-Jahre datiert,
hebt jedoch hervor, dass Brueghel d. J., der nach dem Tod seines
Vaters dessen Werkstatt übernahm und seine gefragten Kom-
positionen mehrfach wiederholte, in dieser Komposition völlig
eigenständig agiert und sich hier deutlich von der ursprünglichen
Komposition seines Vaters abhebt.
Die beiden Figuren von Venus und Amor in der Mitte des Vor-
dergrundes identifiziert Dr. Klaus Ertz als von Frans Wouters
(1612–1659), der nebst Peter Paul Rubens, Hendrick van Balen
(1575–1632), Frans Francken d. J. (1581–1642) und Pieter van
Avont (1600–1652) häufig Figuren in Gemälden von Jan Brueghel
d. J. malte – ein für die flämische Malerei zu Beginn des 17. Jahr-
hunderts typisches Künstler-Phänomen. Die Vorbilder für die
Figuren Frans Wouters‘ im Vordergrund sind bei Peter Paul Rubens
und Pieter van Avont (1600–1652) zu finden, bei denen er in die
Lehre ging.
CHF 200 000 / 300 000
(€ 185 190 / 277 780)
| 37
Gemälde Alter Meister
| 38
3023
JAN MIENSE MOLENAER
(um 1610 Haarlem 1668)
Fröhliche Gesellschaft in einem Wirtshaus.
Öl auf Holz.
47,5 × 61,5 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Jules Porgès, Paris, vor 1926.
- Auktion Cassirer, Berlin, Sammlung Jules Porgès, 7.12.1926, Los
95.
- Galerie Kitzinger, Luzern, 1944.
- Durch Erbfolge an den heutigen Besitzer, Schweizer Privat-
sammlung.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Gemäl-
de von Jan Miense Molenaer archiviert.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 39
3024*
JAN VAN GOYEN
(Leiden 1596–1656 Den Haag)
Flusslandschaft. 1642.
Öl auf Holz.
Unten links monogrammiert und datiert: VG 1642.
33,5 × 55 cm.
Provenienz:
- Sammlung Comte de Camondo, Paris.
- Auktion Galerie Georges Petit, Paris, Sammlung Comte de Ca-
mondo, 1.2.1893, Los 4.
- Sammlung W. Gretor.
- Unbekannte Auktion Den Haag, 1899, Los 17.
- Sammlung C. Hoogendijk (1866–1911), Den Haag, ab 1899.
- Auktion Frederik Muller  Cie., Amsterdam, Nachlass Hoogendi-
jk, 14.5.1912, Los 26.
- Auktion Frederik Muller  Cie., Amsterdam, Sammlung H. et al.,
6.7.1915, Los 99.
- Kunsthandel E. J. van Wisselingh  Co., Amsterdam, 1916.
- Auktion Christie‘s, Amsterdam, 2.12.1987, Los 301.
- Privatsammlung.
- Durch Erbschaft, Sammlung Peter Baltzer.
- Auktion Sotheby‘s, London, 29.7.2020, Los 126.
- Europäische Sammlung.
Ausstellungen:
- Rotterdam 1899, Tentoonstelling van Schilderijen van Oud-Hol-
landsche meesters: collectie C. Hoogendijk, Nr. 13.
- Den Haag 1899, Tentoonstelling van Schilderijen van Oud-Hol-
landsche meesters: collectie C. Hoogendijk, Pulchri Studio, Nr.
17.
- Den Haag 1916, Tentoonstelling van schilderijen, Panorama
Mesdag, Oktober–November 1916, Nr. 47.
- Amsterdam 1917, Tentoonstelling van schilderijen, aquarellen en
etsen, E. J. van Wisselingh and Rotterdam, Rotterdamse Kunst-
kring, März–April 1917, Nr. 53.
Literatur:
- Cornelis Hofstede de Groot: A catalogue raisonné, London
1927, Bd. VIII, S. 201–201, Nr. 795 und S. 229, Nr. 916 (dort 1647
datiert).
- Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596–1656, Bd. II, Amsterdam
1973, S. 334, Kat.-Nr. 739.
- Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596–1656, Bd. III (Ergän-
zungsband), Doornspijk 1987, S. 231, Kat.-Nr. 739 (mit Abb.).
Die hier angebotene Flusslandschaft mit einer Ruine ist ein
charakteristisches Werk aus dem Reifewerk Jan van Goyens, der
ab den 1640er-Jahren seine Palette zunehmend reduzierte, um
in den frühen 1650er-Jahren beinahe nur noch kleinformatige
monochrome Szenen zu malen. Eine vergleichbare etwas weitere
Komposition, welche 1644 datiert ist, befindet sich im Rijksmuse-
um in Amsterdam (Inv.-Nr. SK-A-3308, Öl auf Holz, 45,9 x 66,4
cm).
Als Sohn eines Schuhmachers in Leiden geboren, lernte der
Künstler gemäss der Leidener Chronik von Jan Jansz. Or-
lers (1570–1646) bei den Glasmalern der Stadt Coenraet van
Schiperoort (1577–1636), Isaac van Swanenburgh (1537–1614),
Cornelis Claesz. Clock (um 1561–1629) und Jan Arentsz de Man
(um 1565–1625) und danach in Hoorn bei Willem Gerritsz. (um
1582–um 1628). Nach einem einjährigen Aufenthalt in Frankreich
zwischen 1615–16 schloss van Goyen seine Ausbildung im Haar-
lemer Atelier des Esaias van de Velde (1587–1630) ab. 1618 liess
er sich in Leiden nieder und heiratete Anna Willemsdr. van Raelst.
Im Jahre 1634 verlegte van Goyen seinen Wohnsitz dauerhaft
nach Den Haag, wo er in die Lukasgilde aufgenommen und in den
Jahren 1638 und 1640 zu deren Obmann ernannt wurde.
Van Goyen spezialisierte sich auf die Darstellung von Landschaf-
ten, wobei er seine Motive wie Dorfansichten, Flüsse, Kanäle,
Strand- und Küstenlandschaften stets mit einfacher Landbevöl-
kerung bei alltäglicher Handlung belebt. Dabei werden Boote – oft
mit Passagieren besetzte und mit Fracht beladene Fährboote –
platziert, wie auch in dem hier angebotenen Gemälde.
Siehe auch Katalogeintrag zu Los 3042.
CHF 60 000 / 80 000
(€ 55 560 / 74 070)
Gemälde Alter Meister
| 40
3025*
GOVAERT FLINCK
(Kleve 1615–1660 Amsterdam)
Tronie eines bärtigen Mannes. 1650.
Öl auf Leinwand.
Oben rechts signiert und datiert: G. flinck. f. 1650.
61,5 × 50,7 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung, England, ca. 1831–1857 (gemäss verso Stem-
pel auf dem Keilrahmen von Francis Leedham, einem zu dieser
Zeit in London tätigen Restaurator).
- Auktion Sotheby‘s, London, 1.7.1953, Los 60.
- Martin B. Asscher, London, vor 1970.
- Schweizer Privatsammlung, bis 2012.
- Auktion Dobiaschofsky, Bern, 11.5.2012, Los 307.
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
Amsterdam 2018, Ferdinand Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s
Master Pupils, 13.10.2017–18.2.2018, Museum Het Rembrandt-
huis, Nr. 28.
Literatur:
- Helmut Börsch-Supan: Die Gemälde im Jagdschloss Grunewald,
Berlin 1964, S. 66, Nr. 82.
- J. W. von Moltke: Govaert Flinck: 1615–1660, Amsterdam 1965,
S. 79, Nr. 67, Abb. 67.
- Werner Sumowski: Gemälde der Rembrandt-Schüler, Landau
1983, Bd. II, S. 1030 und 1082, Nr. 650.
- Norbert Middelkoop, L. van Sloten, Tom van der Molen: Ferdin-
and Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, Amster-
dam 2017, Kat.-Nr. 28, Abb. 65, S. 56, Beschreibung S. 228.
- Tom van der Molen: Catalogue raisonné of the Paintings of Go-
vaert Flinck (zu erscheinen).
Dieses eindrückliche Bildnis eines greisen Mannes mit Bart von
Govaert Flinck wurde zuletzt 2018 in der Amsterdamer Ausstel-
lung der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelt sich hierbei um
ein sogenanntes Tronie, eine für das 17. Jahrhundert typische
Bildgattung, die eine porträtähnliche Charakterstudie in Phanta-
sietracht oder mit interessanter Physiognomie zeigt. Der skiz-
zenhafte Malstil unseres Gemäldes lässt dabei den Dargestellten
besonders lebendig und lebensnah erscheinen, seine grauen
Bart- und Haupthaare sind durch einzelne pastose Pinselstriche
virtuos gestaltet.
Govaert Flinck war einer der bedeutendsten Schüler Rembrandts
van Rijn (1606–1669). Er war zwischen 1635 und 1636 in der
Amsterdamer Werkstatt des Meisters tätig und etablierte sich
anschliessend als eigenständiger Maler (siehe Arnold Houbraken:
De Groote Schouburgh de Nederlantsche kontschilders en schil-
deressen…, Amsterdam 1718–1721, Bd. II, S. 18).
J. W. Von Moltke beschreibt den hier dargestellten Mann als Hei-
ligen Petrus (siehe Literatur), während Werner Sumowski betont,
dass die fehlenden Attribute eine wohl gewollte Zweideutigkeit
entstehen lassen. Der nicht identifizierte weise Mann scheint
ebenfalls Rembrandt Modell gestanden zu haben, so beispielswei-
se in seinem berühmten 1636 entstandenen „Opfer Isaaks“, heute
in der Eremitage in Sankt Petersburg (Inv.-Nr. ГЭ-727). Die Fein-
heit des vorliegenden Tronies deutet darauf hin, dass es sicherlich
nach dem lebenden Modell gemalt wurde, worauf der äusserst
detailliert gemalte Bart und die tiefen Falten des Gesichts und der
Hand sowie ein mögliches Pentimento im Scheitel hindeuten. Die
gut erhaltene Maloberfläche ist durch eine energische, virtuose
Farbgebung, eine flüssige Pinselführung in den Haaren und im
Bart und eine feine Gesichtsmodellierung charakterisiert, die be-
sonders typisch für das letzte Lebensjahrzehnt des Künstlers ist.
Der weich verlaufende Farbauftrag unterscheidet sich stilistisch
von Rembrandts Tronies und spiegelt Flincks Unabhängigkeit vom
Meister in seinem Reifewerk wider.
Dr. van der Molen bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des
Originals und wird das Gemälde in dem zu erscheinenden Werk-
verzeichnis des Künstlers publizieren. Er betont, dass es sich um
ein charakteristisches und qualitatives Beispiel der späten Tronien
von Govaert Flinck handelt.
CHF 700 000 / 900 000
(€ 648 150 / 833 330)
| 41
Gemälde Alter Meister
| 42
3025*
GOVAERT FLINCK
(Cleves 1615–1660 Amsterdam)
Tronie of a bearded man. 1650.
Oil on canvas.
Signed and dated upper right: G. flinck. f. 1650.
61.5 × 50.7 cm.
Provenance:
- Private collection, England, ca. 1831–1857 (according to a stamp
verso on the stretcher by Francis Leedham, a restorer working in
London at the time).
- Sale Sotheby‘s, London, 1.7.1953, Lot 60.
- Martin B. Asscher, London, before 1970.
- Swiss private collection, until 2012.
- Sale Dobiaschofsky, Bern, 11.5.2012, Lot 307.
- European private collection.
Exhibited:
Amsterdam 2018, Ferdinand Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s
Master Pupils, 13.10.2017–18.2.2018, Museum Het Rembrandt-
huis, no. 28.
Literature:
- Helmut Börsch-Supan: Die Gemälde im Jagdschloss Grunewald,
Berlin 1964, p. 66, no. 82.
- J. W. von Moltke: Govaert Flinck: 1615–1660, Amsterdam 1965,
p. 79, no. 67, ill. 67.
- Werner Sumowski: Gemälde der Rembrandt-Schüler, Landau
1983, vol. II, pp. 1030 and 1082, no. 650.
- Norbert Middelkoop, L. van Sloten, Tom van der Molen: Ferdin-
and Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, Amster-
dam 2017, cat. no. 28, ill. 65, p. 56, description p. 228.
- Tom van der Molen: Catalogue raisonné of the Paintings of Go-
vaert Flinck (to be published).
This impressive portrait of an old man with a beard by Govaert
Flinck was last on public view in the Amsterdam exhibition of 2018.
It is known as a ‘Tronie’, a pictorial genre typical of the 17th cen-
tury, showing a portrait-like character study in fancy dress, or with
an interesting physiognomy. The sketch-like painting style of our
picture makes the sitter appear particularly lively and lifelike, his
grey beard and head of hair are brilliantly rendered with individual
impasto brushstrokes.
Govaert Flinck was one of the most important pupils of Rem-
brandt van Rijn (1606–1669). He worked in the master‘s Amster-
dam workshop between 1635 and 1636 and subsequently estab-
lished himself as an independent painter (see Arnold Houbraken:
De Groote Schouburgh de Nederlantsche kontschilders en
schilderessen..., Amsterdam 1718–1721, vol. II, p. 18).
J. W. Von Moltke describes the man depicted here as Saint Peter
(see Literature), while Werner Sumowski stresses that the lack of
attributes creates a probably deliberate ambiguity. The unidenti-
fied sage also seems to have served as a model for Rembrandt,
for example in his famous 1636 ‚Sacrifice of Isaac‘, now in the
Hermitage in Saint Petersburg (inv. no. ГЭ–727). The delicacy of
the present Tronie points to the fact that it was certainly painted
directly from the model, as indicated by the extremely detailed
beard and the deep folds of the face and hand, as well as a pos-
sible pentimento in the crown. The well-preserved paint surface
is characterised by an energetic, virtuoso use of colour, fluid
brushwork in the hair and beard and fine facial modelling, which is
especially typical of the last decade of the artist‘s life. The softly
flowing application of paint differs stylistically from Rembrandt‘s
Tronies and reflects Flinck‘s independence from the master in his
mature work.
After examining the original, Dr van der Molen has confirmed the
authenticity of the work, and that he will include the painting in the
catalogue raisonné of the artist, which is due to be published. He
emphasises that it is a characteristic and high-quality example of
the late Tronies by Govaert Flinck.
CHF 700 000 / 900 000
(€ 648 150 / 833 330)
| 43
Gemälde Alter Meister
| 44
3026*
JOOS DE MOMPER D. J. UND JAN BRUEGHEL D. Ä.
(1564 Antwerpen 1635) (Brüssel 1568–1625 Antwerpen)
Weite Berglandschaft mit Reisenden.
Öl auf Holz.
46,5 × 75,5 cm.
Gutachten:
Dr. Klaus Ertz, 14.6.2021.
Provenienz:
Europäische Privatsammlung.
Die hier angebotene weite Berglandschaft mit Reisenden ist ein
charakteristisches Beispiel aus dem Spätwerk von Joos de Momper
und zeigt exemplarisch die grosse Kunstfertigkeit des Meisters, die
Perspektive farblich in einem braunen Vordergrund, einem grünen
Mittelgrund und einem blauen Hintergrund zu gliedern, wodurch eine
eindrückliche Atmosphäre entsteht, in die sich die Figuren harmo-
nisch einfügen.
Dr. Klaus Ertz identifiziert dieses Gemälde nach Begutachtung des
Originals als eine eigenhändige Arbeit von Jan Brueghel d. Ä., der
die Figuren malte, und Joos de Momper d. J., für den landschaftli-
chen Hintergrund. Sowohl die Staffage von Jan d. Ä. als auch die für
Momper charakteristische Farbe Ochsenblutrot in den Felsbrocken im
Vordergrund deuten auf eine Entstehung in den Zeitraum 1610–1620
hin, der besten Schaffensperiode beider Maler.
Das sehr gut erhaltene und von beiden Malern äusserst fein ausge-
führte, qualitativ hochstehende Gemälde ist ein weiterer Beleg für die
intensive Zusammenarbeit dieser Malerfreunde, die eine Vielzahl von
wunderbar einheitlichen Gemälden geschaffen haben, die „wie aus ei-
nem Guss“ erscheinen. Jan Brueghel d. Ä. war bis zu seinem Tod 1625
der wichtigster Mitarbeiter Joos de Mompers. Danach arbeitete er mit
dem Sohn, Jan Brueghel d. J. (1601–1678), zusammen, mit dem er
eng befreundet war.
CHF 70 000 / 120 000
(€ 64 810 / 111 110)
| 45
Gemälde Alter Meister
| 46
3027
SAMUEL HOFMANN
(NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS)
(Zürich um 1592–um 1648 Frankfurt am Main)
Porträt einer Edeldame im Alter von 64 Jahren. 1652.
Öl auf Leinwand.
Oben rechts bezeichnet und datiert:
AETATIS SUAE 64. ANNO. 1652.
90,5 × 70,5 cm.
Provenienz:
- Aristokratischer Familienbesitz, Zürich, mindestens seit der 1.
Hälfte des 20. Jahrhunderts.
- Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer Privatsammlung.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 47
3028*
HARMEN LOEDING
(um 1637 Leiden um 1673)
Stillleben mit Hummer und Rose.
Öl auf Leinwand.
55,8 × 47,3 cm.
Provenienz:
- Auktion Bonhams, London, 3.12.2014, Los 59.
- Europäischer Privatbesitz.
Dieses Stillleben mit Hummer und Rose ist ein charakteristi-
sches Werk des Leidener Malers Harmen Loeding und entstand
wahrscheinlich in den 1660er-Jahren. Über Loedings Werdegang
ist wenig überliefert. Geboren in Leiden, besuchte er die dortige
Malergilde im Jahre 1664, war vermutlich jedoch schon zuvor als
Maler tätig. Möglicherweise wurde er in der Werkstatt Pieter de
Rings (tätig vor 1648–1660) ausgebildet, dessen Arbeit Loeding
ohne Zweifel massgeblich beeinflusste. Auch der gleichaltrige
Leidener Maler Nicolaes van Gelder (um 1636–1676) scheint auf
Loeding gewirkt zu haben.
Loedings Arbeiten zeichnen sich durch eine detailreiche und
gründlich ausgearbeitete Darstellungsweise aus. Einige Elemen-
te der zur Auktion stehenden Arbeit – wie beispielsweise das
kontrastreich schattierte Weinblatt, die transluzente Zitrone, die
Wurmlöcher auf der Tischplatte – finden sich auch in anderen
Stillleben des Malers, wie sie unter anderem im Frankfurter Städel
oder in der Hamburger Kunsthalle vorhanden sind.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des
Originals, wofür wir ihm danken.
CHF 18 000 / 25 000
(€ 16 670 / 23 150)
Gemälde Alter Meister
| 48
3029*
CORNELIS PIETERSZ. BEGA
(1631/32 Haarlem 1664)
Junge Frau in einem Interieur, ein Glas haltend.
Öl auf Leinwand.
Unten links monogrammiert: CB.
26,7 × 22,2 cm.
Provenienz:
- Sammlung Marquis de Colbert, Château du Saussay (verso auf
Leinwand bezeichnet).
- Durch Erbfolge an Familie Bourbon Busset, Château du Saussay.
- Auktion Sotheby’s, Paris, 23.6.2011, Los 46.
- Kunsthandel John Mitchell Fine Paintings, London.
- Europäische Sammlung.
Ausstellung:
Aachen / Berlin 2012, Cornelis Bega: Eleganz und raue Sitten,
Suermondt Ludwig Museum, 15.3.–10.6.2012 und Staatliche
Museen zu Berlin/Gemäldegalerie, 29.6.–30.9.2012, Nr. 73.
Literatur:
Ausst.-Kat. Cornelis Bega. Eleganz und raue Sitten, hrsg. von Pe-
ter van den Brink und Bernd Wolfgang Lindemann, Stuttgart 2012,
S. 250–252, Kat.-Nr. 73 und abgebildet auf Buchrücken.
Im Ausstellungskatalog von 2012 widmet Peter van den Brink
dem hier angebotenen Gemälde einen ausführlichen Eintrag und
betont diesen hohen Stellenwert im Œuvre Begas sowie seine
außerordentliche künstlerische Qualität:
„Nach langer Verborgenheit in französischem Adelsbesitz vermag
uns dieses bisher unveröffentlichte Gemälde eine Vorstellung
davon zu geben, was Cornelis Bega noch in seiner Malerkarriere
hätte erreichen können, wäre er nicht am 27. August 1664 in
der Blüte seiner Jahre von der Pest dahingerafft worden. Dieses
wunderbare kleine Gemälde beweist, dass Bega bereits in die
Fußstapfen von Zeitgenossen wie Gerard ter Borch (1617–1681),
Gabriel Metsu (1629–1667), Frans van Mieris (1635–1681), Jan
Steen (1626–1679) und auch Johannes Vermeer (1632–1675)
getreten war. […]
Als überragender Kolorist mit einem sublimen, natürlichen Gefühl
für die Wiedergabe der unterschiedlichen Stoffe gehörte er zur
Gilde der Feinmaler. Verschwunden sind die notleidenden Ha-
benichtse aus seinen Wirtshäusern; stattdessen malt Bega eine
junge Dame, gehüllt in erlesenen Stoffen in raffinierten Farbtö-
nen, von Goldgrün und Lachsgrau zu Rosa und dem tiefblauen
Ultramarin der eleganten Haarbänder, die sorgfältig aufeinander
abgestimmt sind. Die Mannigfaltigkeit der hinreißenden Stoffe
bot Cornelis Bega Gelegenheit in Hülle und Fülle, seine virtuose
Maltechnik zu beweisen, wie er es etwa auch in den Musikduetten
in Stockholm und in Paris (siehe Ausst.-Kat. 2012, Kat.-Nr. 71 und
72) tat.
Nicht nur das ausgeklügelte Kolorit und das typische Arsenal
parallel angeordneter, kurzen Schraffuren für die Höhungen in
verschiedenen Nuancen zeigen die Handschrift unseres Malers.
Überdies gehört die hier dargestellte junge Dame zu Cornelis
Begas Modellschatz. Sie tritt beispielsweise als Laute spielende
Frau in Stockholm (siehe Ausst.-Kat 2012, Kat.-Nr. 71) auf; als
schlafendes Dienstmädchen und im Gebet vor der Mahlzeit in
Amsterdam (siehe Ausst.-Kat. 2012, Kat.-Nr. 58) ist sie im Profil
zu sehen. Alle drei Gemälde tragen die Datierung 1663. Obwohl
sich das Ambiente, verglichen mit den schäbigen Wirtshäusern,
grundlegend geändert hat, bleibt das Motiv mehr oder weniger
unverändert. Ihre geöffnete Jacke verrät die junge Frau, die sich
gerade ein Glas Weißwein eingeschenkt hat, als Kurtisane. […]
Der Glanz auf Krug und Weinglas, viel leuchtender wiedergegeben
als auf den Satinstoffen, ist eine wahre Augenweide, genau wie
das Stillleben mit Brot und Käse neben der jungen Verführerin.
Cornelis Bega hat sie in ein mit einer blauen Draperie abge-
schlossenes Interieur versetzt, das in vielerlei Hinsicht an den
unbestimmten Raum erinnert, in den er die Lautenspielerin und
die Fiedler in Stockholm platzierte (siehe Ausst.-Kat 2012, Kat.-Nr.
71). Obwohl der Maler diesmal auf das verblüffende Stillleben aus
Musikinstrumenten verzichtet hat, sind sowohl das Tischchen im
Vordergrund als auch die italienische Majolikakanne im Hinter-
grund links feste Atelierattribute, die auch in anderen Werken,
darunter „Die Musikstunde“ in Stockholm, zu finden sind“ (frei
zitiert aus Ausst.-Kat. 2012, S. 250–252).
Cornelis Bega war der Sohn des Bildhauers Pieter Jansz. Be-
geyn (1600–1648) und von Maria van Haarlem, der Tochter
des berühmten Haarlemer Manieristen Cornelis Cornelisz. van
Haarlem (1562–1638). Sein künstlerisches Umfeld bildete einen
fruchtbaren Boden für eine erfolgreiche Künstlerkarriere, doch
seine Vorliebe für die Darstellung des bäuerlichen Lebens in all
seinen Facetten sorgte für Konflikte mit seinem Vater. Der Biograf
Arnold Houbraken berichtet, dass dies letztlich zur Namensän-
derung Begas führte (Arnold Houbraken: De groote schouburgh
der Nederlantsche kontschilders en schilderessen, Amsterdam
1718–1721, S. 349–350). Cornelis Bega studierte bei Adriaen
van Ostade (1610–1685), der selber ein Schüler des grossen
Porträtisten Frans Hals (1582–1666) war. Bega war etwa 4 Jahre
lang in der Werkstatt Van Ostades tätig und reiste im Anschluss
nach Deutschland und in die Schweiz. Ab 1654 ist er als Mitglied
der Haarlemer Malergilde aufgeführt, wo er bis zu seinem frühen
Ableben mit nur 33 Jahren tätig war. Die Pestepidemie, der er zum
Opfer fiel, wütete seit 1663 in den Niederlanden und breitete sich
von dort nach England aus, wo sie 1665 einen Fünftel der Bevölke-
rung dezimierte.
Eine rückseitige Bezeichnung auf der Leinwand weist auf die
adelige französische Provenienz unseres Gemäldes hin. Bei dem
Marquis de Colbert handelt es sich wohl um Pierre de Colbert
(1834–1905), der das etwa 35 Kilometer südlich von Paris gele-
gene Château du Saussay im 19. Jahrhundert vergrösserte. 1911
ging dessen Besitz über seine Tochter Guillemette an die Familie
Bourbon Busset über. Das Schloss wird heute noch von den
Nachfahren der Bourbon Busset bewohnt.
For the description and lot essay in English, please visit our
website: www.kollerauctions.com.
CHF 150 000 / 200 000
(€ 138 890 / 185 190)
| 49
Gemälde Alter Meister
| 50
3030*
MICHIEL SIMONS D. J.
(tätig in Antwerpen um 1648–1673 Utrecht)
Stillleben mit Römerglas und Pfirsichen mit Trauben in einer
Schale.
Öl auf Leinwand. Unten links signiert: M. Simons.
67,5 × 90 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer
Fotografie, wofür wir ihm danken, und datiert unser Stillleben in die
1650er-Jahre.
CHF 15 000 / 20 000
(€ 13 890 / 18 520)
3031*
HEINRICH DITTMERS
(Hamburg um 1625–1677 Kopenhagen)
Porträt einer dänischen Edeldame.
Öl auf Leinwand.
105 × 89 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel F. Franke, Leipzig, bis 1933 (als Frans Hals).
- Kunsthandel Scheuermann  Seifert, Berlin, 1942 (als Jacob
Jordaens).
- Sammlung Vieweg, Braunschweig.
- Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Privatsammlung, Deutsch-
land.
Literatur:
- Kurt E. Simon: Ein neues Bild von Jordaens, in: Weltkunst 16,
1942, Nr. 35/36, S. 3 (mit Abb.).
- Sturla Gudlaugsson: Jacob Jordaens of Heinrich Dittmers?‘, in:
Oud Holland 60, 1943, S. 143–147, Abb. 1.
Sturla Gudlaugsson nahm dieses Porträt zum Anlass, eine kleine
Werkgruppe des wenig bekannten Porträtmalers Heinrich Ditt-
mers zu rekonstruieren und vergleicht unser Gemälde dabei mit
mehreren Bildnissen dänischer Persönlichkeiten, die er in den
1660er- und 1670er-Jahren malte (siehe Literatur). Der ur-
sprünglich aus Hamburg stammende Künstler Heinrich Dittmers
studierte in den Niederlanden und ist ab 1663/64 in Dänemark
dokumentiert, wo er als Hofmaler tätig war. Auch die Tracht der
hier dargestellten Dame entspricht der dänischen Mode der
1670er-Jahre. Stilistisch lässt sich unser Bildnis mit demjenigen
der Familie Johannes Lassenius vergleichen, das sich im Schloss
Frederiksborg befindet (siehe Gudlaugsson 1943, Abb. 3).
Auch Dr. Bert Schepers vom Rubenianum, Antwerpen, bestätigt
anhand von Abbildungen die Zuschreibung des vorliegenden
Gemäldes an Heinrich Dittmers und vergleicht es mit Werken,
die sich in der Sankt Olai Kirche und im Nationalmuseum für
Geschichte in Helsingor befinden (basierend auf den verfügbaren
Künstlerdaten in der RKD-Datenbank).
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 51
Gemälde Alter Meister
| 52
3032
PIETER SYMONSZ. POTTER
(Enkhuizen 1597–1652 Amsterdam)
Geograf in einem Interieur.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und schwer leserlich datiert: P. Potter f. 163(?).
40,8 × 35,4 cm.
Provenienz:
- Sammlung Gräfin von Limburg-Stirum, Schloss Gross Peterwitz,
ab mindestens 1903 bis 1951.
- Kunsthandel Fritz Nathan, St. Gallen, 1951.
- Seither durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz.
In einem Interieur ist ein in Arbeit versunkener Geograf mit seinen
Instrumenten dargestellt. Am Boden mittig liegt ein holländischer
Zirkel, ein Instrument für die Landvermessung, das 1610 vom
niederländischen Mathematiker Jan Pietersz. Dou (1572–1635)
erfunden wurde.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Pieter Symonsz. Potter archiviert.
CHF 3 000 / 5 000
(€ 2 780 / 4 630)
| 53
3033
JAN STEEN
(1626 Leiden 1679)
Flusslandschaft mit fröhlicher Gesellschaft.
Öl auf Leinwand.
81 × 100 cm.
Provenienz:
- Auktion Philippus van der Schley, Amsterdam, 14.–15.8.1793,
Los 116 (fl. 34 an Yver).
- Auktion Christie‘s, ca. 1988.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches
Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler
des 17. Jahrhunderts, Esslingen 1907, Addendum RKD Archiv, Nr.
882bb (als Jan Steen).
Dieses Gemälde wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsamm-
lung entdeckt und war Wouter Kloek bislang unbekannt. Willem
van de Watering hatte sich bereits 1988 zu dem Gemälde ge-
äussert und vermerkt, dass es im Frühwerk Jan Steens entstan-
den ist und den Einfluss seines Schwiegervaters und wohl auch
Lehrmeisters Jan van Goyen (1596–1656) aufweist. Wouter Kloek
schliesst sich dieser Meinung nach Prüfung von Fotografien an
und vermutet eine Datierung um 1653, wofür wir ihm danken. Der
Bildaufbau mit der Figurenstaffage im Vordergrund vor der Land-
schaft findet sich in einem vergleichbaren Gemälde Jan Steens
aus den frühen 1650er-Jahren wieder (siehe Ausst.-Kat. Jan
Steen: Maler und Erzähler, hrsg. von H. Perry Chapman, Wouter
Th. Kloek und Arthur K. Wheelock Jr., Stuttgart, Zürich 1996, S.
102, Abb. 2). Ferner vergleicht Ellis Dullaart, vom RKD, Den Haag
die Vegetation mit dem um 1650 zu datierenden und von Jan
Steen signierten Landschaftsgemälde, heute in einer Privat-
sammlung (RKD 104886), wofür wir ihr danken.
Jan Steen, der 1648 als eingetragenes Mitglied der St. Lukasgil-
de dokumentiert ist, genoss eine umfassende Ausbildung bei
verschiedenen bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Neben dem
Handwerk des Brauers, welches er von seinem Vater und seinem
Onkel erlernt hatte, setzte die Mitgliedschaft der St. Lukas Gilde
voraus, dass der Künstler sein Handwerk bei anderen Meistern
zu erlernen hatte. So zeugen seine frühen Winterlandschaften
von Einflüssen aus dem Atelier Adrian und Isaac van Ostade
(1610–1685 und 1621–1649). Ebenso zählte Jan van Goyen zu
jenen Künstlern, mit denen Jan Steen eng zusammenarbeitete
und dessen Tochter Margriet er im Jahr 1649 heiratete.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Jan Steen archiviert.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
Gemälde Alter Meister
| 54
3034
JAN BRUEGHEL D. J. UND AMBROSIUS FRANCKEN D. J.
(1601 Antwerpen 1678) (um 1590 Antwerpen 1632)
Allegorie der Luft.
Öl auf Holz.
Verso mit Marke der Antwerpener Lukasgilde (Türme und zwei Hände)
und wohl des Tafelmachers Hans van Herentals (Kreuz und Kreis).
42,7 × 61,5 cm.
Gutachten:
- Dr. Klaus Ertz, 23.7.2021.
- Dr. Ursula Härting, 20.7.2021.
Provenienz:
- Kunsthandel Belgien, 1970er-Jahre.
- Privatsammlung, Belgien.
- Durch Erbschaft, Schweizer Privatbesitz.
Diese wunderbar erhaltene Darstellung einer Allegorie der Luft wurde
kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckt. Sie zeigt Apoll,
den Gott des Lichtes, auf seinem von vier Schimmeln geführten Wa-
gen, hell erleuchtet über das Himmelsfeld ziehend. Auf einer aufge-
wühlten Wolke vor grauen Gewitterwolken findet sich Urania, die Muse
der Astronomie und Personifikation der Luft mit ihrem Astrolab. Im
Vordergrund und im Himmel ist eine Vogelschar vor einer perspekti-
visch durch Braun-, Grün-, und Blautönen definierten Überschauland-
schaft versammelt, die sich durch eine eindrückliche Vielfalt charakte-
risiert.
Diese Darstellung stand in Zusammenhang einer Serie der
Vier Elemente, einer Motivwahl, die zu Beginn des 17. Jahr-
hunderts äusserst beliebt war und greift eine Komposition
von Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) auf, die sich heute eben-
falls als Teil einer Serie in der Galleria Doria Pamphilij in Rom
befindet (Klaus Ertz: Jan Brueghel der Ältere. Die Gemälde,
Köln 1979, S. 599, Kat.-Nr. 249, Abb. S. 370, Abb. 440).
Nach Prüfung des Gemäldes im Original bestätigt Dr. Klaus
Ertz die Entstehung in Zusammenarbeit von Jan Brueghel d.
J. und Ambrosius Francken d. J., der die Figur der Urania fer-
tigte und die auch Dr. Ursula Härting in ihrem Gutachten dem
Künstler zuweist. Die Vogelschar stammt gemäss Dr. Ertz
von der Hand Jan Brueghel d. J.. Als Datierung schlägt Dr. Ertz
1630 vor, Dr. Härting vermutet eine Entstehung zwischen
1626 und 1632.
CHF 60 000 / 80 000
(€ 55 560 / 74 070)
| 55
Gemälde Alter Meister
| 56
3035
ADRIAEN VAN OSTADE
(1610 Haarlem 1685)
Bauern in einem Interieur. 1637.
Öl auf Holz.
Links mittig signiert und datiert: Av (ligiert) ostade 1637.
28 × 38,7 cm.
Gutachten:
Dr. Bernhard Schnackenburg, 14.11.2019.
Provenienz:
- Kunsthandel J. Dik, Vevey, um 1950.
- Schweizer Privatsammlung.
Dr. Schnackenburg bestätigt die Eigenhändig dieses Gemäldes
anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken und bezeichnet die
„Bauern in einem Interieur“ als typisches Werk des Adriaen van
Ostade.
Das Gemälde entstammt einer Werkphase, in welcher der Künstler
skizzenhaft und brauntonig arbeitete. So ist die Figurengruppe zen-
tral im Bild mit ausgezeichneter Lebendigkeit treffsicher gefertigt,
das Balkenwerk des Scheuneninterieurs skizziert. Dr. Schnackenburg
verweist auf „die Wäscherin“ von 1637 als ein bekanntes Vergleichs-
beispiel aus dieser Stilphase, die sich in der Hamburger Kunsthalle
befindet (Inv.-Nr. HK–122).
Wie Dr. Schnackenburg in seinem Gutachten ausführt, hatte die
Darstellung von Alltagsmotiven in der holländischen Malerei grund-
sätzlich auch eine allegorische Bedeutung. Diese gehörten zur
Allgemeinbildung und wurden auch ohne ausdrücklichen Hinweis
verstanden. Die Bäuerin, die das Hemd des Knaben nach Flöhen
durchsucht, sowie der Bauer, der in seinen leeren Bierkrug blickt,
legen nahe, dass es sich hierbei um eine Darstellung der fünf Sinne,
und zwar des Sehsinns (visus) handelt.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
| 57
3036*
GILLIS CLAESZ. DE HONDECOETER
(Antwerpen um 1575–1638 Amsterdam)
Felsige Waldlandschaft mit Tieren an einer Tränke.
Öl auf Holz.
Unten rechts monogrammiert: G. DH.
64,5 × 99,5 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel Schneeberger, Bern, 1946.
- Europäische Sammlung.
Literatur:
Ausst.-Kat. Masters of 17th Century Dutch Landscape Painting, hrsg. von
Peter Sutton et al., Amsterdam / Boston / Philadelphia 1988, S. 278, Abb. 2.
Gillis Claesz. de Hondecoeter war ein holländischer Maler, der im flämischen
Stil arbeitete und sich auf Landschaften und Vogeldarstellungen spezi-
alisierte. Später malte de Hondecoeter in einem eher niederländischen,
realistischen Stil. Gillis war der Vater von Gijsbert d‘Hondecoeter und
Grossvater von Melchior d‘Hondecoeter (1636–1695) und Jan Weenix (um
1641–1719). Seine Tochter Josijntje heirate Jan Baptist Weenix (1621–
1659).
Gillis malte flämische, hügelige Fantasielandschaften, meist in Verbindung
mit einer biblischen Szene. Es heisst, dass er vom flämischen Maler Roelant
Savery (1576–1639), der ebenfalls in Amsterdam lebte, beeinflusst wurde.
Die Figuren auf seinen Gemälden überliess er meist seinem Kollegen
David Vinckboons (1576–1632). Niederländische Maler der nachfolgen-
den Generation, wie etwa Allart van Everdingen (1621–1675) und Jan
Both (1610–1652), liessen sich von seinen Kompositionen inspirieren, was
beispielsweise eine um 1647–50 entstandene bergige Waldlandschaft von
Jan Both deutlich macht, die sich im Detroit Institute of Arts befindet (Inv.-
Nr. 89.31, Ausst.-Kat. Masters of 17th Century Dutch Landscape Painting,
hrsg. von Peter Sutton et al., Amsterdam / Boston / Philadelphia 1988, S.
277–278, Kat.-Nr. 14).
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Gemälde Alter Meister
| 58
3037
BARENT AVERCAMP
(1612 Kampen 1679)
Winterlandschaft mit Eisläufern.
Öl auf Holz.
Unten rechts mit Monogramm: AV.DN. (ligiert).
44,5 × 60,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung P. P. Volkoff, Leningrad.
- Sammlung Mrs. N. Danzas, Leningrad, 1908–1909 (verso mit
Etikett).
- Sammlung S.K.H. Grossfürst Kyrill Wladimirowitsch Romanov
(1876–1938), Leningrad.
- Sammlung Romer Williams, Worcester 1925.
- Kunsthandel Bachstitz, Den Haag.
- E. Rössler, Berlin.
- Kunsthandel Bachstitz, Den Haag, 1935.
- Sammlung H. Maas, Den Haag.
- Auktion Sotheby‘s, London, 3.12.1969, Los 19 (als Barent Aver-
camp).
- Schweizer Privatbesitz.
Ausstellung:
Sankt Petersburg 1908: Starye Gody, Imperial Society for the
encouragement of art, 20.11.1908–12.1.1909, Nr. 425.
Literatur:
- Cornelis Hofstede de Groot, in: Monatshefte für Kunstwissen-
schaft 3, 1910, S. 118.
- Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches
Verzeichnis der Werke der hervorragendsten Holländischen
Maler des XVII. Jahrhunderts, Bd. VII, 1918, S. 489–490, Nr. 527
(als vielleicht von Avercamp, datiert 1669 aber 30 bis 40 Jahre
früher entstanden).
- Willem Rudolf Juynboll, in: Oudheikundig Jaarboek 2, 1934, S.
149 (als Barent Avercamp).
Dieses stimmungsvolle Gemälde mit Eisvergnügen wurde
ursprünglich als Oval angelegt (32 × 43 cm) und später zu einem
Rechteck ergänzt und mit dem Monogramm von Aert van der
Neer (1603–1677) versehen. Hofstede de Groot zweifelte bereits
in den 1910er-Jahren die Zuschreibung an Aert van der Neer an
und wies das Gemälde Barent Avercamp zu ebenso wie Willem
Rudolf Juynboll. Die Figuren und das Detailreichtum in den Kostü-
men sind charakteristisch für Barent Avercamp, wie ein Vergleich
mit der Winterlandschaft im Rijksmuseum, Amsterdam (Inv.-Nr.
A3286) zeigt.
Das Gemälde befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in rus-
sisch-aristokratischem Besitz, unter anderem in der Sammlung
des Grossfürsten Kyrill Wladimirowitsch Romanov (Abb. 1), einem
Enkel von Zar Alexander II.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Abb. 1 S.K.H. Grossfürst Kyrill Wladimirowitsch
Romanov (1876–1938)
| 59
Gemälde Alter Meister
| 60
3038*
GILLIS NEYTS
(Ghent 1618–1686 Antwerpen)
Bewaldete Landschaft mit Schlossruine.
Öl auf Holz.
29,3 × 44,7 cm.
Provenienz:
Europäische Sammlung.
Stilistisch lässt sich diese Landschaft mit einer Schlossruine mit
anderen Werken von Gillis Neyts vergleichen, wie beispielsweise
der signierten Landschaft in einer Privatsammlung (siehe Pierre
Gustot: Gillis Neyts-Un Paysagiste Brabançon en vallée au XVIIe
siècle, Namur 2008, S. 87, P44).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 61
3039*
JAN JANSZ. TRECK
(um 1605 Amsterdam 1652)
Stillleben mit einer silbernen Tasse und Krabbe.
Öl auf Holz.
28 × 33,7 cm.
Provenienz:
- Auktion Moos, Genf, 9.6.1934, Los 27.
- Kunsthandel Walter Paech, Amsterdam, vor 1940.
- Kunsthandel Nordest Gallery, Boston MA, 1980.
- Auktion Sotheby‘s, New York, 18.5.2006, Los 112.
- Auktion Hampel, München, 9.12.2011, Los 283.
- Kunsthandel P. de Boer, Amsterdam, 2012.
- Europäische Sammlung.
Literatur:
Nico Vroom: A modest message as intimated by the painters of
the ‚Monochrome Banketje‘, Schiedam 1980, Nr. 493 (als Jan Olis).
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung
des Originals, wofür wir ihm danken. Er betont die stilistische
Ähnlichkeit mit einem Gemälde (RKD Nr. 27607), das Jan Jansz.
Treck zusammen mit Jan Jansz. den Uyl (1595–1639) malte und
schliesst eine Zusammenarbeit beider Künstler im hier angebote-
nen Gemälde nicht aus.
CHF 22 000 / 28 000
(€ 20 370 / 25 930)
Gemälde Alter Meister
| 62
3040*
CORNELIS DUSART
(1660 Haarlem 1704)
Pfeife rauchender Mann vor einem Wirtshaus. 1684.
Öl auf Leinwand.
Unten mittig signiert und datiert: Cor. Dusart 1684 und oben
rechts beschriftet: T NIUWE TROFFLE TYE.
49 × 40,8 cm.
Provenienz:
- Sammlung Cabinet of Baron Liedts, Brüssel.
- Auktion G. Berré de Haen, Antwerpen, 1833.
- Sammlung Charles Piérard, Valenciennes.
- Auktion Hôtel Drouot, Paris, 20.3.1860, Los 19.
- Sammlung J. B. Foucart (1823–1898), Valenciennes (verso mit
rotem Wachssiegel).
- Auktion Gostieau, Valenciennes, 12.10.1898, Los 41 (verso mit
Etikett).
- Privatsammlung Frankreich.
- Auktion Drouot-Richelieu, Paris, 6.6.2014, Los 9.
- Europäische Privatsammlung.
Mit dem Motiv einer Wirtshausszene mit fröhlicher Gesellschaft
greift das hier angebotene Gemälde von Cornelis Dusart eine
seiner beliebtesten Kompositionen auf und zeigt die Ausei-
nandersetzung mit seinem Lehrmeister Adriaen van Ostade
(1610–1685).
Geboren 1660 in Haarlem als Sohn eines Organisten, lernte Cor-
nelis Dusart bei Adriaen van Ostade, dessen Kompositionen sich
in seinen frühen Gemälden widerspiegeln. Am 10. Januar 1680
trat er der Haarlemer Lukasgilde bei. Der Tod des Lehrmeisters
im Jahr 1685 brachte für Dusart eine massgebende Wendung
mit sich. Neben der Übernahme seines Ateliers ging auch das
Œuvre Adriaen van Ostades sowie jenes seines Bruders Isaac
(1621–1649) in seinen Besitz über. Während er sich bei dem Motiv
am Repertoire der Ostades bediente, entwickelte Dusart einen
persönlicheren und eleganteren Malstil. Begleitend dazu erwiesen
sich auch die Ölgemälde von Jan Steen (1626–1679) als Inspira-
tion, insbesondere im Hinblick auf die Mimik und Gestik sowie die
Bekleidung seiner Figurendarstellungen. Nach seinem Tod 1704
wurde Dusarts Sammlung am 31. Juli 1708 in Den Haag verstei-
gert, die nicht nur den Nachlass der Brüder Ostade, sondern
auch andere niederländische und italienische Künstler, darunter
Cornelis Bega (1620–1664), Gerrit Berckheyde (1638–1698) und
Adriaen van de Velde (1636–1672), beinhaltete.
Mit dem wiederkehrenden Motiv von trinkenden, musizierenden
und rauchenden Bauern im Œuvre Dusarts, versuchte er seinem
Publikum weniger eine moralische Lektion zu erteilen, als vielmehr
eine satirische Note zu vermitteln. Entsprechend waren seine
Gemälde als eine Art Komödie zu verstehen, die der Unterhaltung
beitrugen.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 63
Gemälde Alter Meister
| 64
3041
PIETER SYMONSZ. POTTER
(Enkhuizen 1597–1652 Amsterdam)
Soldaten, ein Offizier und eine junge Frau in einem Wachlokal.
1632.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert: P. Potter. f. 1632.
32 × 42,5 cm.
Provenienz:
- Auktion Christie‘s, London, 19.12.1938, Los 92.
- Schweizer Privatbesitz, seit den 1950er-Jahren.
- Durch Erbfolge an heute Besitzer, Privatsammlung Schweiz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Pieter Symonsz. Potter registriert.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 65
3042
JAN VAN GOYEN
(Leiden 1596–1656 Den Haag)
Reiter und Fischersleute in einer weiten Dünenlandschaft mit
einer Kirche im Hintergrund. 1640.
Öl auf Holz.
Unten rechts signiert und datiert: VGOYEN 1640.
42,2 × 66,2 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz, seit mehreren Generationen.
Literatur:
Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596-1656. Ein Œuvrever-
zeichnis, Bd. III, Doornspijk 1987, S. 253, Kat.-Nr. 932 (mit Abb.).
Charakteristisch für die 1640er-Jahre im Œuvre Jan van Goyens
sind die panoramahaften Landschaften in grossem Breitformat,
bei denen er die Horizontlinie auf das untere Drittel herabsetzt
und die Szene mit einer belebten Szenerie im Vordergrund und
einer topographischen Ansicht im Hintergrund strukturiert. Dies
zeigt sich in eindrücklicher Weise bei dieser 1640 datierten hol-
ländischen Dünenlandschaft, an der sich zahlreiche Fischer und
Händler tummeln. Viele Gemeinden entlang der holländischen
Nordseeküste hatten aufgrund ihres langen flachen Ufers keinen
Hafen. Der Fischfang wurde auf hoher See in kleinere Segel-
schiffe, sogenannte Bomschuit, umgeladen, welche die Fracht
bis ans Ufer bringen konnten, wie in unserem Gemälde links im
Hintergrund zu sehen ist. Zur Rechten ist die Ruine einer Kirche zu
sehen, die wohl im Achtzigjährigen Krieg zerstört wurde, wie viele
in dieser Zeit.
Dieses charakteristische Gemälde Jan van Goyens verkörpert
auf eindrückliche Weise die Fähigkeit des Künstlers, wunderbar
stimmungsvolle Effekte zu kreieren und zeigt die Vollendung der
Entwicklung seines eigenen Stils, nachdem sich Jan van Goyen
in den 1630er-Jahre vom Einfluss seines Lehrers Esaias van de
Velde (1587–1630) gelöst hatte.
Jan van Goyen, der 1632 mit seiner Frau und seinen Töchtern
von seiner Geburtsstadt Leiden nach Den Haag gezogen war,
stellte mehrere vergleichbare Szenen dar, so beispielsweise den
Strand von Egmond aan Zee in einem 1634 datierten Gemälde im
Indianapolis Museum of Art (Inv.-Nr. 1983.67) und in zwei weiteren
Kompositionen, bei denen er auf das Motiv der Kirchenruine und
eines von zahlreichen Figuren belebten Strandufers zurückgriff
(siehe Beck 1973, Kat.-Nr. 933 und 935, S. 418).
Siehe auch Katalogeintrag zu Los 3024.
CHF 60 000 / 80 000
(€ 55 560 / 74 070)
Gemälde Alter Meister
| 66
3043
MATTHIJS SCHOEVAERDTS
(Brüssel um 1665–nach 1702)
Belebte Hafenszene mit Fischmarkt.
Öl auf Leinwand.
Unten links schwer leserlich signiert: M. SCHOEVAERDTS. F.
41,3 × 60,3 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Matthijs Schoevaerdts archiviert.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 67
3044
JORIS VAN DER HAAGEN
(um 1615 Den Haag 1669)
Italianisierende Waldlandschaft mit Jägern.
Öl auf Leinwand.
132,5 × 150,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Dieses Gemälde zeichnet sich durch eine für Joris van der Haagen
typische Komposition aus. Die detaillierte Ausführung des Blatt-
werks, der Baumstämme und des Waldbodens im Vordergrund
legen Zeugnis ab von der gekonnten Pinselführung des Künst-
lers. Eine vergleichbare Darstellung mit Wasserfall findet sich im
Statens Museum for Kunst in Kopenhagen (Öl auf Leinwand, 178
× 210 cm).
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Joris van der Haagen archiviert.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Gemälde Alter Meister
| 68
3045*
BERGAMO SCHULE, UM 1560
Porträt eines Herren mit einem weissen Kragen.
Öl auf Leinwand.
42,8 × 34,3 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 69
3046*
PIETER CORNELISZ. VERBEECK
(um 1610 Haarlem um 1654)
Orientalischer Reiter in einer Grotte mit Schimmel. 1642.
Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: P. VB. f. 1642.
38,5 × 30,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Familie Moltke, Dänemark.
- Auktion Winkel  Magnussen, 1.–2.6.1931, Los 136 (verso mit
Etikett).
- Sammlung Eric Cervin, Haneberg Manor, Schweden (verso mit
Etikett).
- Sammlung Anna Trellens (verso mit Etikett).
- Privatsammlung, Schweden.
- Auktion Stockholms Auktionsverk, Stockholm, 5.6.2013, Los
1942.
- Kunsthandel Daxer  Marschall, München.
- Europäische Sammlung.
Pieter Cornelis Verbeeck trat 1635 der Malergilde in Alkmaar bei
und heiratete Agnes Groenvelt im selben Jahr. 1638 siedelten sie
nach Utrecht um, wo allerdings seine Frau nur vier Jahre später
verstarb und woraufhin Verbeeck nach Haarlem zurückkehrte.
1645 trat er in die Haarlemer Gilde ein und heiratete Elisabeth van
Beresteijn, die Schwester seines Freundes und Landschaftsmaler
Claes van Beeresteijn (1627–1684).
Der niederländische Biograf Arnold Houbracken (1660–1719) er-
wähnt, dass Verbeeck der Lehrer von Gillis Schagen (1616–1668)
war. Es ist unklar, ob Verbeeck Philips Wouwerman (1619–1668),
Haarlems prominentesten Maler von Landschaften und Pferden
seiner Zeit, kannte, aber es ist wahrscheinlich, dass sie vonei-
nander wussten und dass Wouwerman in gewisser Weise von
seinem älteren Malerkollegen beeinflusst wurde. Diese Annahme
bestätigt sich auch beim Betrachten dieses Gemäldes, das einen
äusserst realistischen und versiert gemalten Schimmel zeigt, der
mit diversen Farberhöhungen äusserst lebendig wiedergegeben
ist. Der pastose Farbauftrag findet sich auch in der Gesteins-
formation der Grotte, der Vegetation und der Gewandung des
Reiters und wird durch gezielte Lichtführung verstärkt akzentuiert.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Pieter Cornelisz. Verbeeck archiviert.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
Gemälde Alter Meister
| 70
3047*
ARY DE VOIS
(Utrecht um 1632–1680 Leiden)
Porträt eines Edelmannes im orangefarbenen seidenen „japonse
rok“.
Öl auf Holz.
Mittig auf dem Blatt signiert: ADVois f.
36,5 × 30 cm.
Provenienz:
- Auktion Stockholms Auktionsverket, Stockholm, 29.5.2008, Los
2454.
- Privatsammlung.
- Auktion Hampel, München, 23.3.2012, Los 187.
- Europäische Sammlung.
1641 erlaubte das Shogunat den Niederlanden als einziges
europäisches Land, mit Japan Handel zu betreiben. Der hier dar-
gestellte sogenannte „Japonse rok“ war ein in Japan speziell für
niederländische Händler hergestelltes Kleidungsstück, welches
häufig von hochrangigen Persönlichkeiten der Niederländischen
Ostindien-Kompanie erworben wurde.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 71
3048
ALBRECHT KAUW
(Strassburg 1616–1681 Bern)
Seeschlacht wohl bei Fehmarn. 1670.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert: A. Kauw fe 1670.
82 × 105 cm.
Provenienz:
- Schweizer Privatbesitz, seit über 70 Jahren.
- Durch Erbschaft an heutige Besitzer.
Dr. Georges Herzog, dem wir für die Hilfe bei der Katalogisierung
dieses Gemäldes danken und dessen Eintrag wir nachfolgend
zitieren, bestätigt die Autorschaft Albrecht Kauws nach Besich-
tigung des Originals. Bei der dargestellten Seeschlacht dürfte
es sich um diejenige bei Fehmarn handeln, bei der während des
Dreissigjährigen Krieges am 13. Oktober 1644 die Schweden in
Verbrüderung mit den Niederländern die dänische Flotte besieg-
ten und somit die bislang anhaltende Vorherrschaft der Dänen in
der Ostsee beendeten.
„Der ursprünglich aus Strassburg stammende Albrecht Kauw, der
sich nach seiner Ankunft in Bern um 1640 in den ersten 25 Jahren
seiner Berner Tätigkeit vor allem als Kopist und somit Bewah-
rer des Manuelschen Totentanzes, als begabter Vedutist in Öl,
Aquarell und Gouache sowie als hochorigineller Stilllebenmaler
einen Namen gemacht hatte, beantragte 1666 für sich und einen
seiner Söhne bei der Berner Obrigkeit ein Privileg zum Verkauf von
„Kupferstuck und Gmähl“, also von Druckgrafik und Gemälden.
Beim erwähnten Sohn handelte es sich höchstwahrscheinlich um
seinen damals zwanzigjährigen Malersohn Gabriel, der eben von
seiner Wanderschaft, die ihn in süddeutsche Kunstzentren wie
Strassburg, Frankfurt und Nürnberg geführt hatte, nach Bern zu-
rückgekommen war, nachdem er sich zuvor auf dem Kunstmarkt
dieser Städte reichlich mit internationaler Grafik eingedeckt hatte.
Von diesem Zeitpunkt an eröffnete sich Vater Albrecht Kauw eine
neue Welt. Das Komponieren von Bildern aus Elementen mehr
oder weniger aktueller Stichvorlagen aus dem internationalen An-
gebot bestimmte in der Folge einen wichtigen Teil der raumdeko-
rativen Arbeiten Kauws in seinem letzten Schaffensjahrzehnt. Mit
den Grossaufträgen für die bildkünstlerischen Ausstattungen der
Schlösser Utzigen und Oberdiessbach konnte Kauw nun diese für
ihn offensichtlich neuen und scheinbar nahezu unerschöpflichen
Quellen für sich nutzen (siehe hierzu Georges Herzog: Albrecht
Kauw (1616–1681). Der Berner Maler aus Strassburg, Bern 1999,
S. 310 ff., Nr 175–177 und S. 330, Nr. 190/91).
Die hier angebotene Seeschlacht zwischen holländischen und
dänischen Galeonen steht in der Tradition der holländischen
Marinemalerei, wie sie durch grafische Arbeiten von Stechern wie
Reinier Nooms, genannt Zeeman (um 1623–1664) in ganz Europa
verbreitet wurde. Sie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Alb-
recht Kauw es verstand, für die Ausstattungen der Landsitze und
Schlösser seiner zumeist patrizischen Auftraggeber, die häufig
durch fremde Dienste zu Ansehen, Geld und auf den Geschmack
für solche militärisch geprägten Darstellungen gekommen waren,
diese gefragten Themen als leuchtende, farbenfrohe Suprapor-
ten und Cheminéebilder zu inszenieren. Einmal mehr kommt hier
auch zum Ausdruck mit welcher anekdotischen Fertigkeit es Kauw
gelang, mit ein paar Strichen und Tupfer, die Stimmung der kleinfi-
gurigen Personenstaffage einzufangen.“
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
Gemälde Alter Meister
| 72
3049*
PIETER DE BLOOT
(1601 Rotterdam 1658)
Fährenübergang an einem Fluss.
Öl auf Holz.
46,3 × 83,5 cm.
Provenienz:
- Kunsthandel X. Scheidwimmer, München, 1994.
- Süddeutsche Privatsammlung.
- Auktion Hargesheimer Kunstauktionen, Düsseldorf, 15.3.2018,
Los 2119.
- Europäische Sammlung.
Das hier angebotene Gemälde lässt sich stilistisch wie auch
kompositorisch mit der „Fähre am Fluss“ von Pieter de Bloot ver-
gleichen, ehemals aus der Sammlung Jacob Fischer, Mainz (siehe
Hans-Ulrich Beck: Künstler um Jan van Goyen, Augsburg 1991, S.
48, Kat.-Nr. 72).
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Pieter de Bloot archiviert.
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
3050
MAARTEN VAN HEEMSKERCK
(NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS)
(Heemskerck 1498–1574 Haarlem)
Gegenstücke: Allegorie des Neids (Invidia) und Allegorie der
Armut (Inopia).
Öl auf Leinwand.
Je 60 × 72 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz, seit den 1970er-Jahren.
Jedes Jahr fand am 1. Juli in Antwerpen anlässlich der Be-
schneidung Christi eine Prozession statt. Im Jahre 1561 war das
Thema der Kreislauf des menschlichen Daseins. Maarten van
Heemskerck fertigte hierzu einen Stichzyklus mit den sieben
Wagen des Umzugs an, mit dem Jüngsten Gericht als Schlussbild.
Die hier angebotenen Gemälde gehen auf zwei Kupferstiche aus
dieser Serie zurück.
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 73
Gemälde Alter Meister
| 74
3051*
JAN WYNANTS
(Haarlem um 1630–1684 Amsterdam)
Bewaldete Landschaft mit Hirte. 1661.
Öl auf Holz.
Unten links signiert und datiert: J wynants 1661.
30,1 × 37,1 cm.
Provenienz:
Europäische Sammlung.
Das hier angebotene Gemälde ist ein qualitätsvolles Werk Jan
Wynants und entstand 1661 in Amsterdam, etwa ein Jahr nach
der Übersiedelung des Malers von Haarlem. Die Verbindung eines
markanten Waldstücks mit Disteln im Vordergrund und Figuren
in einer Landschaft im Mittelgrund ist ein charakteristisches
Merkmal für das Spätwerk Wynants und findet sich beispielswei-
se in der 1669 entstandenen „Bewaldete Landschaft mit einem
Baumstamm, Disteln und Figuren auf einem Weg“, das sich im
Staatlichen Museum in Schwerin befindet (Inv.-Nr. G 3950, siehe
Klaus Eisele: Jan Wijnants (1631/32-1684). Ein Niederländischer
Maler der Ideallandschaft im Goldenen Jahrhundert, Stuttgart
2000, Kat.-Nr. 115).
Der Landschaftsmaler Jan Wynants ist vor allem für seine
italienisch anmutenden Landschaften und Gemälde mit topog-
rafischen Motiven bekannt. Er wurde in Haarlem als Sohn eines
katholischen Kunsthändlers geboren. Nach dem Tod seiner
Mutter heiratete sein Vater Maria Jans van Stralen, die Witwe von
Jasper Jaspersz van Heemskerck und Mutter des Malers Egbert
Jaspersz van Heemskerck (1634–1704), wodurch Wynants und
Van Heemskerck Stiefbrüder wurden. Wynants war bis 1660 in
Haarlem tätig, und siedelte dann nach Amsterdam über. Er war
der Lehrer von Willem Schellinks (1623–1678) und Nicolaes de
Vree (1645–1702).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
| 75
3052*
JOHANNES HANNOT
(1633 Leiden 1684)
Stillleben mit Zitrusfrüchten, Austern und Hummer.
Öl auf Leinwand.
Rechts auf der Steinplinthe schwer leserlich monogrammiert: J. (H).
86 × 71 cm.
Provenienz:
- Privatsammlung Niederlande bis 2003.
- Kunsthandel Peter de Boer, Amsterdam (verso mit Etikett).
- Europäischer Privatbesitz.
Johannes Hannot spezialisierte sich auf Stillleben, vorwiegend mit Früchten, und arbeitete zeit seines Le-
bens in Leiden. Er war auch als Weinhändler tätig. Seine Stillleben erinnern stark an Jan Davidsz. de Heem
(1606–1683). Sein erstes datiertes Stillleben stammt von 1654.
Das hier angebotene Stillleben ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Johannes Hannot
archiviert.
CHF 30 000 / 40 000
(€ 27 780 / 37 040)
Gemälde Alter Meister
| 76
3053
THEOBALD MICHAU
(Tournai 1676–1765 Antwerpen)
Belebte Dorfszene mit Markttreiben.
Öl auf Holz. Unten links signiert: T. Michau.
53 × 70,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Madame Danièle Marie Charlotte Plancher.
- Durch Erbschaft, Schweizer Privatbesitz.
Dieses charakteristische Werk von Theobald Michau zeigt eine
weite flämische Landschaft mit reicher Figurenstaffage. Links
im Vordergrund zeigt sich eine belebte Marktszene mit Ver-
kaufsständen und Passanten. Weiter rechts erstreckt sich die
Landschaft über einen Fluss zu einer Stadt am anderen Ufer. Im
Mittelgrund dient eine dunkle Baumgruppe als Repoussoir-Motiv
für die sich im Blickfeld des Betrachters weit entfaltende Land-
schaft in sanften grünen und blauen Tönen. Bis zum Horizont sind
zahlreiche Details zu erkennen.
Der Bildaufbau unseres Gemäldes sowie die atmosphärische Per-
spektive in blau und grün machen den Einfluss der Antwerpener
Meister Jan Brueghels d. Ä. (1568–1625) sowie Joos de Momper
(1564–1636) im Werk Theobald Michaus ersichtlich. Michau lernte
in Tournai im Atelier des flämischen Landschaftsmalers Lucas
Achtschellinck (1626–1699) und war schon zu Lebzeiten ein
gefragter Landschaftsmaler. Seine populären Festszenen in der
Nachfolge David Teniers d. J. (1610–1690) waren ebenfalls sehr
beliebt.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
| 77
Gemälde Alter Meister
| 78
| 79
3054*
JACOB ROOTIUS
(1644 Hoorn 1681/82)
Früchtestillleben vor einer Landschaft.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts am Rand eines Blattes mit Monogramm: JCB.
66 × 53,2 cm.
Provenienz:
- Auktion Sotheby‘s, London, 4.11.1982, Los 44 (als in der Art
Jacob van Walscapelle).
- Auktion Paleis voor Schone Kunsten, Brüssel, 18.11.1992, Los
85.
- Auktion Christie‘s, London, 29.10.1997, Los 272 (als zugeschrie-
ben Christiaen van Dielaert).
- Gallerie Luigi Caretto, Turin, 1999.
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
Turin 1999, 40a Mostra Fiamminghi ed Olandesei del XVI-XVII
secolo, Galleria Luigi Caretto, Turin, 1999, Nr. 13.
Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fo-
tografie, wofür wir ihm danken. Er vergleicht unser Gemälde dabei
mit einem signierten und 1681 datierten Stillleben von Jacob
Rootius, das im Februar 1969 in Brüssel versteigert wurde (davor
bei Christie‘s, London, 19.3.1954, Los 87, fälschlicherweise als Jan
Albertsz. Rotius).
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
3055
JACOB VAN HAL
(1672 Antwerpen 1750)
Bad der Diana.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert: J. v. Hal.
66,8 × 85,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Dieses kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckte
Gemälde von Jacob van Hal mit dem Bad der Diana kann stilistisch
mit dem Werk „Esther vor Ahasuerus“ von Jacob van Hal vergli-
chen werden, das sich im Schloss Gaibach in Volkach befindet.
Dabei ist die Detailvielfalt vor allem in den Gesichtern unserer
Darstellung ausgeprägter und qualitätsvoller.
1672 in Antwerpen geboren, lernte Jacob van Hal zunächst als
Lehrling in der dortigen Sankt Lukas Gilde von 1681 bis 1682. Von
1691 bis 1692 ist er als Meister aufgeführt und von 1705 bis 1706
als Dekan.
Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk
von Jacob van Hal archiviert.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Gemälde Alter Meister
| 80
3056
JAN VAN HUCHTENBURG
(Haarlem 1647–1733 Amsterdam)
Reisende bei der Rast.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert: Huchtenburg P.
53 × 67 cm.
Provenienz:
- Galerie Kitzinger, Luzern, 1944.
- Durch Erbfolge an den heutigen Besitzer, Schweizer Privat-
sammlung.
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 81
3057
ANTOINE MONNOYER
(Paris 1677–1745 Saint-Germain-en-Laye)
Blumenstillleben.
Öl auf Leinwand.
Unten links signiert: JBaptiste.
81 × 104,5 cm.
Gutachten:
Dr. Claudia Salvi, 6.5.2021.
Provenienz:
- Ehemal Sammlung Frey, Bürgenstock.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Fritz Frey: Der Bürgenstock: Kunst - Geschichte - Tradition -
Hoteldorf, Zürich 1967, S. 142, Abb. S. 143 (als Jean-Baptiste
Monnoyer).
Antoine Monnoyer, der als grosser Meister des Blumenstilllebens
zusammen mit Charles Le Brun (1619–1690) in Versailles tätig
war, wurde grösstenteils von seinem Vater, Jean-Baptiste Monno-
yer (1636–1699) ausgebildet. Er reiste mit ihm nach England, wo
er für den dortigen französischen Botschafter, Sir Ralph Monta-
gu, das Burlington House zusammen mit Charles de La Fosse
(1636–1716) ausschmückte. Blumenstillleben erfreuten sich zu
dieser Zeit ausserordentlich grosser Beliebtheit.
Nach dem Tod seines Vaters reiste Antoine Monnoyer durch
ganz Europa, unter anderem nach Rom, England, Dänemark und
Schweden. Dr. Salvi betont, dass der „Monnoyer-Stil“ hauptsäch-
lich dank dieser Reisen so grosse Beliebtheit erlangte und zahlrei-
che Künstler, wie beispielsweise Jan Frans van Son (1658–1718),
beeinflusste.
Charakteristisch für Antoine Monnoyer ist der sehr dekorative
Charakter seiner Kompositionen. Während Jean-Baptiste seine
Blumenkompositionen direkt nach der Natur malte, wandte Anto-
ine die Technik von Jacob Bogdani (1658–1724) an, der ebenfalls
in England tätig war: Dieser schnitt zuerst Blumenformen aus
und platzierte diese auf eine grüne Leinwand. Erst wenn er seine
Komposition festgelegt hatte, malte er die Blumen nach natür-
lichen Vorbildern. Ausserdem war seine Farbwahl vielmehr von
dekorativen Bedürfnissen geleitet als durch die natürlichen Farben
der Blumen.
Dr. Claudia Salvi datiert das hier angebotene Gemälde zwischen
1734 und 1745 und betont, dass Antoine seine Werke oft mit
JBaptiste signierte, in Anlehnung an die Werke seines Vaters.
Sie deutet zudem darauf hin, dass die perfekt ausbalancierte
Entfaltung der Blumen auf einer ebenen Fläche, wie ein kost-
barer Wandteppich, charakteristisch für die Produktion dieses
wichtigen Meisters ist. Die akribische Wiedergabe der im Wasser
schwimmende Stiele in unserem Gemälde ist dabei eine be-
wusste archaisierende Wahl des Künstlers und als Hommage an
die grossen Meister des Genres wie Ambrosius Bosschaert d. Ä.
(1573–1621), Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) oder Balthasar van
der Ast (1593–1657) zu verstehen.
CHF 15 000 / 25 000
(€ 13 890 / 23 150)
Gemälde Alter Meister
| 82
3058*
LUIGI MIRADORI GENANNT IL GENOVESINO (UMKREIS)
(Genua 1605–1656 Cremona)
Heraklit.
Öl auf Leinwand.
34,7 × 30,7 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
CHF 7 000 / 12 000
(€ 6 480 / 11 110)
| 83
3059*
LUCA GIORDANO UND CARLO GAROFALO
(1634 Neapel 1705) (1688 Neapel 1705)
Esther und Ahasuerus.
Hinterglasmalerei.
59,5 × 47 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Dieses Hinterglasgemälde identifiziert Prof. Nicola Spinosa anhand von Fotografien als eine Gemein-
schaftsarbeit Luca Giordanos und seinem besten Schüler, Carlo Garofalo, wofür wir ihm danken. Er
geht dabei von einer Entstehung zwischen 1680 und 1690 aus. Die Produktion von Hinterglasmalerei-
en im Atelier von Luca Giordano erfreute sich grosser Beliebtheit und die Tafeln dienten vorwiegend als
Ausschmückung von Kabinettschränken (siehe auch Frieder Ryser: Luca Giordano/Neapel und Spanien
17. und 18. Jahrhundert, in: Ausst.-Kat. Glas–Glanz–Farbe: Vielfalt barocker Hinterglaskunst im Europa
des 17. und 18. Jahrhunderts, hrsg. von Brigitte Salmen, Murnau 1997, S. 26ff.). Bei diesem hier ange-
botenen Bildnis von Esther und Ahasuerus dürfte es sich allerdings aufgrund der Grösse um ein eigen-
ständiges Werk handeln. Bemerkenswert ist dabei der gute Erhaltungszustand und die Detailvielfalt.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
Gemälde Alter Meister
| 84
3060*
GUIDO RENI UND WERKSTATT
(Calvenzano 1575–1642 Bologna)
Heilige Katharina von Alexandrien.
Öl auf Leinwand.
106 × 85 cm.
Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.
Prof. Raffaella Morselli geht nach Prüfung des Gemäldes im
Original davon aus, dass es während Renis Aufenthalt in Rom um
1613–14 unter Beteiligung seiner Schüler entstanden ist. Sie
betont die Qualität der Ausführung, insbesondere im Gewand der
Figur.
CHF 25 000 / 35 000
(€ 23 150 / 32 410)
| 85
3061
GIOVANNI ODAZZI
(1663 Rom 1731)
Heilige Familie mit Putti in einer Landschaft.
Öl auf Leinwand.
68,8 × 53,3 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Francesco Petrucci, der die Autorschaft Giovanni Odazzis anhand einer Fotografie bestätigt und
dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisierung danken, erkennt in dieser Heiligen Familie mit Putti
in einer Landschaft ein bedeutendes Spätwerk des Künstlers. Es weist die künstlerische Nähe zu
seinem Lehrmeister Baciccio (1639–1709) sowie den Einfluss Carlo Marattas (1625–1713) auf,
der eine prominente Rolle in der spätbarocken römischen Malerei des frühen 18. Jahrhunderts
innehatte. Als stilistischer Vergleich ist das Gemälde „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ von
Giovanni Odazzi zu nennen, welches sich im Walters Art Museum in Baltimore befindet (Inv.-Nr.
37.1122).
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Gemälde Alter Meister
| 88
3062*
BERNARDO BELLOTTO GENANNT CANALETTO
UND LORENZO BELLOTTO
(Venedig 1721–1780 Warschau) (Venedig 1742–1770 Warschau)
Blick auf München von Osten. Um 1762–1767.
Öl auf Leinwand.
69 × 119,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung des österreichischen Generalkonsuls Wünsch (gebo-
ren um 1780).
- Sammlung seiner Tocher, Mrs. Jiricek-Wünsch (1818–1859).
- Durch Erbschaft Sammlung ihres Ehemannes, Leopold Zde-
borsky (1815–1887), Prag (verso mit Wachssiegel).
- Sammlung seiner Tochter, Sofie-Johanna Honsig von Jägerhain,
Österreich (Tochter von Leopold und Johanna Zdeborsky, mit
Julius Anton Honsig von Jägerhain verheiratet).
- Sammlung Julius Anton Honsig von Jägerhain (1849–1924).
- Sammlung Ing. Heinrich Honsig, Bruder von Julius Anton Honsig
von Jägerhain.
- Kunsthandel Sabin, London (über Karl Honsig, Neffe und Erbe
von Heinrich Honsig).
- Kunsthandel Karl Haberstock, Berlin, 1928.
- Sammlung Maser, Zürich, 1936.
- Sammlung Heinrich Abel, München, 1997.
- Europäischer Privatbesitz, seit 2000.
Ausstellung:
Wien 2005, Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische
Veduten, Kunsthistorisches Museum Wien, 16.3.–19.6.2005, Nr.
30.
Literatur:
- Wohl Ausst.-Kat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Wien
1965, S. 69.
- Andrzej Rottermund: Bernardo Bellotto’s Unknown View of Mu-
nich, in: Artibus et Historiae, Nr. 38, 1998, S. 9–20.
- Bernardo Bellotto and the Capitals of Europe, Ausst.-Kat., hrsg.
von Edgar Peters Bowron, New Haven / London 2001, S. 214.
- Karl Schütz: Bernardo Belotto, gen. Canaletto – Leben und Werk,
Vernissage, Nr. 2/2005, S. 6–23 (S. 13, ill.).
- Ausst.-Kat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische
Veduten, hrsg. von W. Seipel, Wien 2005, Kat.-Nr. 30, S. 152–153.
- Charles Beddington: Munich from Gasteig Hill, in: Selected Old
Master Paintings, London 2011, S. 54–55 (mit Abb.).
- Ausst.-Kat. Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa, hrsg. von
Andreas Schumacher, München 2014, S. 254.
Diese seltene Ansicht von München vom Gasteig aus gesehen
wurde vor einigen Jahren in einer Privatsammlung entdeckt und
von A. Rottermund als dritte eigenhändige Version der berühmten
Komposition von Bernardo Bellotto publiziert (siehe Literatur). Die
Erstfassung befindet sich in den Bayerischen Staatsgemäldes-
ammlungen, Münchner Residenz (Inv.-Nr. 111, 1761 datiert, Öl auf
Leinwand, 125 x 220 cm) und eine Replik, bei der angenommen
wird, dass sein Sohn, Lorenzo Bellotto (1742–1770), mitbeteiligt
war, befindet sich heute in der National Gallery of Art in Washing-
ton (Inv.-Nr. 1961.9.64, Samuel H. Kress Foundation).
Bernardo Bellotto reiste 1761 von Wien nach München und traf
dort am 14. Januar mit einem Empfehlungsbrief Maria The-
resias von Österreich an Prinzessin Maria Antonia Walpurgis
Symphorosa von Bayern ein (siehe H. A. Fritzsche: Bernardo
Bellotto genannt Canaletto, Burg b. Magdeburg 1936, S. 68–70).
Die Prinzessin Maria Antonia von Bayern war die Schwester des
bayerischen Kurfürsten und mit Friedrich Christian Kurfürst von
Sachsen, dem ältesten Sohn und Thronfolger Friedrich August
II., verheiratet. Das Paar hielt sich aufgrund des Siebenjährigen
Krieges am Münchner Hof auf. Bellotto malte für Maximilian III.
Josef Kurfürst von Bayern eine grosse Ansicht von München und
zwei von der Sommerresidenz Nymphenburg, die sich heute noch
in der kurfürstlichen Residenz in München befinden. Gisela Barche
vermutet aufgrund des gemeinsamen bayerischen und sächsi-
schen Wappens auf den Originalrahmen der drei Gemälde, dass
es sich dabei nicht um einen Auftrag des bayerischen Kurfürsten,
sondern vielmehr um ein Geschenk des sächsischen Fürsten-
paares an seine Gastgeber gehandelt habe (siehe Gisela Barche:
Bernardo Bellotto, Verona e le citta europee, Verona 1990, S.
156–161).
Bellotto hat von diesen drei Ansichten etwa halb so grosse Repli-
ken angefertigt, von denen sich zwei (Ansicht von München und
eine Ansicht von Nymphenburg) heute in der National Gallery of
Art in Washington befinden. Die hier angebotene, dritte bekannte
Version der Ansicht von München, dürfte laut Rottermund zwi-
schen 1762 und 1767, also nach der Rückkehr des Künstlers nach
Dresden, entstanden sein und ist in der Grösse vergleichbar mit
der Version in der National Gallery of Art. In dieser Zeit nahmen
die Aufträge aus dem königlichen Hofe aufgrund des Todes des
Königs August III. in Dresden ab, sodass Bellotto zusätzliche Auf-
träge annehmen musste. Zudem ist bekannt, dass Bellotto, der
bereits als 14-Jähriger in der Werkstatt seines Onkels, dem be-
rühmten venezianischen Vedutenmaler Giovanni Antonio Canale
genannt Canaletto (1697–1768), tätig war, zahlreiche detaillierte
Zeichnungen als Vorbereitung für seine grossen Kompositionen
anfertigte. So konnte er für spätere Aufträge auf diese vorberei-
tenden Zeichnungen zurückgreifen und Repliken anfertigen. In
unserer Version halten Andrzej Rottermund und Charles Bed-
dington eine Beteilung des Sohnes Bellottos, Lorenzo, an der
Stadtansicht im Hintergrund für möglich, während Karl Schütz
das Werk als ausschliessliche Arbeit Bernardo Bellottos sieht
(siehe Literatur). Ein 1766 von Franz Xaver Jungwirth (1720–1790)
angefertigter grossformatiger Kupferstich scheint der Staffage
nach eher auf eine der beiden Repliken als auf die Erstfassung in
der Münchner Residenz zurückzugehen.
Auf der Rückseite unseres Gemäldes deuten ein Etikett und ein
Wachssiegel mit der Aufschrift „Prag“ und dem Namen „Leopold
Zdeborsky“ auf den ehemaligen Besitzer Leopold Zdeborsky
(1815–1887) hin, welcher in Prag lebte. Um 1840 heiratete er
Jiricek-Wünsch (1818–1859), welche die Tochter des Generalkon-
suls Wünsch (geboren 1780) war.
Schätzung auf Anfrage
| 89
Gemälde Alter Meister
| 90
3062*
BERNARDO BELLOTTO CALLED CANALETTO
AND LORENZO BELLOTTO
(Venice 1721–1780 Warsaw) (Venice 1742–1770 Warsaw)
View of Munich seen from the east. Circa 1762–1767.
Oil on canvas.
69 × 119.5 cm.
Provenance:
- Collection of the Austrian Consul General Wünsch (born circa
1780).
- Collection of his daughter, Mrs. Jiricek-Wünsch (1818–1859).
- By inheritance, collection of her husband, Leopold Zdeborsky
(1815–1887), Prague (wax seal verso).
- Collection of his daughter, Sofie-Johanna Honsig von Jägerhain,
Austria (daughter of Leopold and Johanna Zdeborsky, married
to Julius Anton Honsig von Jägerhain).
- Collection of Julius Anton Honsig von Jägerhain (1849–1924).
- Collection of Ing. Heinrich Honsig, brother of Julius Anton Hon-
sig von Jägerhain.
- With Sabin, London (via Karl Honsig, nephew and heir of Heinrich
Honsig).
- With Karl Haberstock, Berlin, 1928.
- Maser Collection, Zurich, 1936.
- Heinrich Abel Collection, Munich, 1997.
- European private collection, since 2000.
Exhibited:
Vienna 2005, Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische
Veduten, Kunsthistorisches Museum Vienna, 16.3.–19.6.2005, no.
30.
Literature:
- Most likely exh. cat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Vien-
na 1965, p. 69.
- Andrzej Rottermund: Bernardo Bellotto‘s Unknown View of
Munich, Artibus et Historiae, no. 38, 1998, pp. 9–20.
- Bernardo Bellotto and the Capitals of Europe, exh. cat. Edgar
Peters Bowron (ed.), New Haven / London 2001, p. 214.
- Karl Schütz: Bernardo Belotto, gen. Canaletto - Leben und Werk,
Vernissage, no. 2/2005, pp. 6–23 (p. 13, ill.).
- Exh. cat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische
Veduten, (ed.) W. Seipel, Vienna 2005, cat. no. 30, pp. 152–153.
- Charles Beddington: Munich from Gasteig Hill, in: Selected Old
Master Paintings, London 2011, pp. 54–55 (with ill.).
- Exh. cat. Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa, (ed.)
Andreas Schumacher, Munich 2014, p. 254.
This rare view of Munich as seen from Gasteig Hill was discovered
recently in a private collection and published by A. Rottermund as
the third version of Bernardo Bellotto‘s famous composition in the
artist’s own hand (see Literature). The first version is in the Bayeri-
sche Staatsgemäldesammlungen, Munich Residenz (inv. no. 111,
dated 1761, oil on canvas, 125 x 220 cm) and a replica, on which it
is assumed his son Lorenzo Bellotto (1742–1770) also worked, is
now in the National Gallery of Art in Washington (Samuel H. Kress
Foundation).
Bernardo Bellotto travelled from Vienna to Munich in 1761 and
arrived there on 14 January with a letter of recommendation from
Maria Theresa of Austria to Princess Maria Antonia Walpurgis
Symphorosa of Bavaria (see H. A. Fritzsche: Bernardo Bellotto
genannt Canaletto, Burg b. Magdeburg 1936, pp. 68–70). Princess
Maria Antonia of Bavaria was the sister of the Bavarian Elector and
married to Frederick Christian Elector of Saxony, the eldest son
and heir to the throne of Frederick August II. The couple were resi-
ding at the Munich court because of the Seven Years War. Bellotto
painted for Maximilian III. Joseph Elector of Bavaria a large view of
Munich and two of the summer residence at Nymphenburg, which
are still in the Electoral Residence in Munich today. Gisela Barche
surmises on the basis of the Bavarian and Saxon coat of arms,
common to the original frames of the three paintings, that this
was not a commission from the Bavarian Elector, but rather a gift
from the Saxon princely couple to their hosts (see Gisela Barche:
Bernardo Bellotto, Verona e le citta europee, Verona 1990, pp.
156–161).
Bellotto made replicas of these three views of about half the ori-
ginal size, two of which (View of Munich and a View of Nymphen-
burg) are now in the National Gallery of Art in Washington.
According to Rottermund, the third known version of the View
of Munich offered here, was probably made between 1762 and
1767, that is, after the artist‘s return to Dresden, and is compa-
rable in size to the version in the National Gallery of Art. During
this period, commissions from the royal court decreased due to
the death of King August III in Dresden, so Bellotto had to accept
additional commissions. In addition, it is known that Bellotto,
who was already working as a 14-year-old in the workshop of his
uncle, the famous Venetian painter of vedute, Giovanni Antonio
Canale called Canaletto (1697–1768), made numerous detailed
drawings as preparation for his large compositions. He was thus
able to have recourse to these preparatory drawings for later
commissions and make replicas. In our version, Andrzej Rotter-
mund and Charles Beddington consider it possible that Bellotto‘s
son Lorenzo contributed to the city view in the background, while
Karl Schütz sees this as the exclusive work of Bernardo Bellotto
(see Literature). The large-format copperplate engraving made
in 1766 by Franz Xaver Jungwirth (1720–1790) seems, judging by
the staffage, to be based on one of the two replicas, rather than
on the first version in the Munich Residenz.
On the reverse of our painting, a label and a wax seal with the
inscription „Prague“ and the name „Leopold Zdeborsky“ refer to
the former owner Leopold Zdeborsky (1815–1887), who lived in
Prague. Around 1840 he married Jiricek-Wünsch (1818–1859),
who was the daughter of Consul General Wünsch (born 1780).
Estimate on request
| 91
Gemälde Alter Meister
| 92
3063*
JEAN-BAPTISTE GREUZE
(Tournus 1725–1805 Paris)
Bildnis eines Kindes, wohl Prinz Octavius von Grossbritannien.
Öl auf Holz.
Unten links monogrammiert: JBG.
17,5 × 14,5 cm.
Gutachten:
Edgar Munhall, 12.11.2014.
Provenienz:
- Sammlung Königin Charlotte Mathilde von Württemberg
(1766–1828) (verso mit Etikett).
- Sammlung Henry M. Shepherd, um 1859.
- Durch Erbschaft, Sammlung Perry M. und Eleanor Shepherd,
Geneva NY, 1940er-Jahre (verso mit Etikett).
- Durch Erbschaft, Sammlung Deborah Shepherd Petri, Framing-
ham MA.
- Auktion Skinner, Boston MA, 23.1.2015, Los 311.
- Kunsthandel Maier und Co., Stuttgart.
- Europäischer Besitz.
Das hier angebotene Kinderbildnis von Jean-Baptiste Greuze
besticht sowohl durch intime Aura als auch durch königliche
Provenienz. Tatsächlich weist ein altes Sammlungsetikett auf der
Rückseite der Holztafel, welches aus konservatorischen Grün-
den separat aufgehoben wird, auf den ehemaligen „Eigenthum
Ihrer Majestät der Königin Mathilde von Württemberg“ hin. Dabei
handelt es sich um Charlotte Mathilde (1766–1828), der ältesten
Tochter des britischen Königs Georg III. (1738–1820) und der
zweiten Ehefrau des Königs Friedrich von Württemberg (Abb.1).
Mathilde heiratete mit 33 Jahren den König von Württemberg,
um sich „vor der Bedrohung einer lebenslangen Jungfernschaft
zu befreien“, wie sie selbst schrieb. Für den König kam mit der
Heirat eine politische Stärkung des kleinen Württemberg gegen
Frankreich und eine bedeutende finanzielle Mitgift einher. Das
Paar sorgte in England für zahlreiche Karikaturen, insbesonde-
re da sowohl Charlotte Mathilde als auch Friedrich körperlich
sehr kräftig waren und somit eine intime Annäherung schwierig
gewesen sein dürfte (Abb. 2). Tatsächlich blieb die Ehe kinderlos,
eine Tochter wurde 1798 tot geboren. Die kunstsinnige Mathilde,
die auch selbst malte, kümmerte sich liebevoll um die drei Kinder
aus Friedrichs erster Ehe: Wilhelm (1781–1864), der spätere König
Wilhelm I. von Württemberg, Katharina (1783–1835), die den
Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte (König von Westphalen)
heiratete, und Paul (1785–1852).
Wie auch der Archivar des Hauses Württemberg, Dr. Eberhard
Fritz, vermutet, ist wahrscheinlich ein Kind aus der nahen engli-
schen Verwandtschaft der Geschwister der Königin dargestellt.
Insbesondere die Augenpartie ist jenen der Kinderbilder aus der
englischen Königsfamilie sehr ähnlich, so beispielsweise bei den
Kinderbildern ihres Bruders, dem Prinzen Octavius von Gross-
britannien (1779–1783), oder anderer Geschwister der Königin.
Prinz Octavius, der mit vier Jahren an Pocken verstarb, wurde
unter anderem 1782 von Thomas Gainsborough porträtiert (Royal
Collection, Inv.-Nr. RCIN 401018, Öl auf Leinwand, 56,4 x 42 cm).
Das Gemälde dürfte viele Jahre im Stuttgarter Schloss gehangen
haben, bevor es Königin Charlotte Mathilde nach Friedrichs Tod
1816 in ihrem Witwensitz nach Schloss Ludwigsburg übernahm.
Der üppige, vergoldete Barockrahmen (Abb. 3) entspricht ganz
dem Stil dieses Palastes aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Edgar Munhall betont in seinem Gutachten die qualitätsvolle Mal-
weise des intimen Bildnisses, welches alle bekannten malerischen
Eigenschaften von Greuzes Porträts zeigt, vor allem denen, die er
von Kindern gemalt hat. Dabei besitzt diese miniaturcharakterli-
che Darstellung all die Kraft eines grossformatigen Porträts.
CHF 12 000 / 18 000
(€ 11 110 / 16 670)
Abb. 1 William Beechey
(1753-1839), Bildnis der Königin
von Württemberg (1766-1828), um
1797, Royal Collection Trust, Inv. Nr.
RCIN 403413
Abb. 2 James Gillray, Le Baiser à la Wirtem-
bourg, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische
Sammlung, Inv.-Nr. A 32325.
Abb. 3 Mit Rahmen
| 93
Gemälde Alter Meister
| 94
3064
GIACOMO FRANCESCO CIPPER GENANNT IL TODESCHINI
(Feldkirch 1664–1736 Mailand)
Gegenstücke: Konzert in der Sakristei (Allegorie der Musik) und Maler in sei-
nem Atelier (Allegorie der Malerei).
Öl auf Leinwand.
116 × 147,9 cm.
Provenienz:
- Sammlung Giroldi, Locarno, 1976.
- Schweizer Privatbesitz.
Literatur:
Luisa Tognoli: G.F. Cipper, il „Todeschini“ e la pittura di genere, Bergamo 1976,
Kat.-Nr. 38 und 39, S. 148, Abb. 52 und 53.
In Österreich geboren, etablierte sich Giacomo Francesco Cipper, genannt
Todeschini Ende des 17. Jahrhunderts in der Lombardei und spezialisierte
sich auf Genreszenen, die aus dem Alltag seiner Zeitgenossen angeregt sind.
Tognoli datiert die Allegorie der Malerei in das Frühwerk des Künstlers und
hebt hervor, dass es sich hier um ein Selbstbildnis Todeschinis handelt.
CHF 20 000 / 30 000
(€ 18 520 / 27 780)
| 95
Gemälde Alter Meister
| 96
3065*
JEAN PILLEMENT
(1728 Lyon 1808)
Hirten in einer weiten Flusslandschaft. 1787.
Öl auf Leinwand.
Unten links signiert und datiert (eingeritzt): Jean Pillement 1787.
48,5 × 64 cm.
Provenienz:
- Sammlung der Tochter des Ratsherren Oberried, Basel, bis
1800.
- Sammlung Martin Bachofen-Heitz (1727–1814), Basel, ab 1800
(in den Nachträgen des Sammlungs-Inventars von 1772 aufge-
führt: Pillement J., 3 Landschaften, 1800 gekauft von Ratsherr
Oberrieds Tochter).
- Auktion Auctiones AG, Basel, 26.–27.4.1990, Los 36 A.
- Schweizer Sammlung.
Alastair Laing bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Foto-
grafie, wofür wir ihm danken. Er vergleicht diese Arbeit mit einer
signierten und 1784 datierten Pastellarbeit von Jean Pillement
mit ähnlicher Komposition, die sich im Musée du Louvre in Paris
befindet (Inv.-Nr. RF 29.472).
CHF 6 000 / 8 000
(€ 5 560 / 7 410)
| 97
3066*
HUBERT ROBERT
(1733 Paris 1808)
Landschaft mit Hirtin.
Öl auf Leinwand.
43 × 62,5 cm.
Provenienz:
- Sammlung Bartholoni.
- Wildenstein, Paris.
- Während seiner Aufbewahrung im Château de Sourches, Bor-
deaux, vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt
(ERR Inv.-Nr. W89) und anschliessend in das Museum Jeu de
Paume, Paris, überführt.
- In der Einlagerungsstätte „Lager Peter“ im Salzbergwerk Altaus-
see geborgen und nach München zum Munich Central Collec-
ting Point gebracht (MCCP Inv.-Nr. 218/10).
- Nach Frankreich zurückgeführt, 31.7.1946.
- Wildenstein, Paris, 1949.
- Auktion Sotheby‘s, New York, 14.1.1988, Los 203.
- Auktion Christie‘s, New York, 26.1.2012, Los 280.
- Europäischer Privatbesitz.
Alastair Laing bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Foto-
grafie, wofür wir ihm danken. Er weist darauf hin, dass sich Hubert
Robert in mehreren Gemälden von Figuren François Bouchers
(1703–1770) inspirieren liess, so auch bei der Frauenfigur in unse-
rem Gemälde, die auf eine Zeichnung Bouchers zurückgeht.
CHF 40 000 / 60 000
(€ 37 040 / 55 560)
Gemälde Alter Meister
| 100
3067*
FRANCESCO GUARDI
(1712 Venedig 1796)
Venezianisches Capriccio mit einem Turm, Hirten und Schafe.
Öl auf Leinwand.
94,2 × 137 cm.
Provenienz:
- Sammlung Canonico Adami, Treviso.
- Sammlung Carlo Donati, Lonigo.
- Sammlung Manuel Falco y Escandon, 9. Herzog von Montellano
(1892–1975), Madrid, 1958.
- Europäischer Privatbesitz.
Ausstellung:
München 1958, Europäisches Rokoko: Kunst und Kultur des 18.
Jahrhunderts, Residenz, München, 15.6.–15.9.1958, Nr. 83a (dort
als Teil einer Serie von vier ausgestellt, Leihgabe vom Herzog von
Montellano).
Literatur:
- George A. Simonson: Francesco Guardi (1712–1793), London
1904, S. 91, Nr. 140.
- Giuseppe Fiocco: Francesco Guardi, Florenz 1923, S. 74, Nr. 100.
- Max Goering: Francesco Guardi, Wien 1944, S. 38, Nr. 65.
- Vittorio Meschini: Francesco Guardi, Mailand 1952, S. 32, Abb.
121.
- Rodolfo Pallucchini: La pittura veneziana del Settecento, Venedig
/ Rom 1960, S. 243.
- Antonio Morassi: Guardi. L‘opera completa di Antonio e Frances-
co Guardi, Venedig 1973, Bd. I, Kat.-Nr. 826, S. 463, Text S. 272,
Abb. 751.
Das von Pallucchini (siehe Literatur) auf die frühen 1760er-Jah-
re datierte Gemälde gehört zu einer Serie von vier Capriccios,
die heute verstreut sind. Als sie 1958 zusammen in München
ausgestellt wurden, bewunderte Morassi ihren perfekten Erhal-
tungszustand und die meisterhafte, aber schnelle Abfolge der
Pinselstriche, die es dem Betrachter ermöglicht, der Hand des
Malers während der Ausführung des Werks praktisch zu folgen: „le
quattro splendide tele sono paradigmatiche per sintetizzare l‘arte
di Francesco nel fantasioso genere del „grande capriccio“ (siehe
Morassi 1973, S. 272). Auch die im Hintergrund durchscheinende
Grundierung (oder Malgrund) und das goldene Licht, welches die
Szene in ein weiches Licht umhüllt, sind charakteristisch für diese
„grande capriccio“. Die drei weiteren Gemälde der Serie sind: Ein
Capriccio mit ländlichen Gebäuden an einer Lagune, Ein Capriccio
mit einem Obelisken und einer Seekiefer in der Nähe einer Lagune
und Ein Capriccio mit Fischern bei ihrem Zelt und einem Dorf an
der Lagune in der Ferne (siehe Morassi, ebd., Band I, Kat.-Nr. 877
und 911 und 917).
CHF 400 000 / 500 000
(€ 370 370 / 462 960)
| 101
Gemälde Alter Meister
| 102
3068
NICOLA MALINCONICO
(1663 Neapel 1727)
Heilige Elisabeth mit Johannes dem Täufer.
Öl auf Leinwand.
90 × 117,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Prof. Riccardo Lattuada identifiziert dieses Gemälde anhand
einer Fotografie als ein Werk des neapolitanischen Malers Nicola
Malinconico, welcher einer der besten Schüler Luca Giordanos
(1634–1705) war, wofür wir ihm danken.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 700 / 5 560)
| 103
3069*
JEAN-MICHEL PICART (UMKREIS)
(Antwerpen 1600–1682 Paris)
Blumenstillleben in einem Korb auf einer Stein-
platte.
Öl auf Leinwand.
53,3 × 41,5 cm.
Gutachten:
Dr. Claudia Salvi, 16.6.2021.
Provenienz:
- Privatsammlung München.
- Privatsammlung Salzburg.
- Europäischer Privatbesitz.
Dr. Claudia Salvi weist das Gemälde in ihrem
Gutachten dem Umkreis des Antwerpener Malers
Jean-Michel Picart zu, der in Paris tätig war. Ins-
besondere erinnern die Modellierung der Tulpen,
welche in voller Blüte dargestellt sind, und
die fröhliche Farbgebung der Frühlingsblu-
men an Picarts Werk. Auch die Ornamentik
des Tisches ist von Picart inspiriert. Der
Korbtypus sowie die Weichheit der Kompo-
sition erinnern wiederum an den franzö-
sischen Blumenmaler Nicolas Baudesson
(1611–1680).
Aufgrund der nebeneinander platzierten
Blüten, wodurch die Lesbarkeit, ganz im
Stile der in der Mitte des 17. Jahrhun-
derts in Mode gekommenen botanischen
Darstellungen, erhöht wird, datiert Dr. Salvi
unser Gemälde in die zweite Hälfte des 17.
Jahrhunderts.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 7 410 / 11 110)
Gemälde Alter Meister
| 104
3070
ANDREA DEL SARTO (KOPIE DES 19. JAHRHUNDERTS)
(1486 Florenz 1530)
Maria mit Kind und dem Heiligen Matthäus und einem Engel.
Öl auf Leinwand.
180,5 × 140,5 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatbesitz.
Das Gemälde geht auf eine Komposition aus dem Jahr 1522 von
Andrea del Sarto zurück, die sich im Museo Nacional del Prado in Mad-
rid befindet (Inv.-Nr. P000334, Öl auf Holz, 177 × 135 cm).
CHF 7 000 / 10 000
(€ 6 480 / 9 260)
| 105
3071
ANDREA DEL SARTO (NACHFOLGER DES 19. JAHRHUNDERTS)
(1486 Florenz 1530)
Madonna delle Arpie.
Öl auf Leinwand.
107,2 × 77,6 cm.
Provenienz:
Schweizer Privatsammlung.
Das Gemälde greift den oberen Teil der Komposition von Andrea del Sarto auf, die
sich in der Gallerie degli Uffizi in Florenz befindet (Inv.-Nr. 1890 n.1577).
CHF 5 000 / 7 000
(€ 4 630 / 6 480)
Gemälde Alter Meister
| 106
3072
LUCAS CRANACH D. Ä. (NACHFOLGER)
(Kronach 1472–1553 Weimar)
Maria mit Kind.
Öl auf Holz.
Oben rechts mit geflügelter Schlange und Datum: 1532.
73,2 × 52,7 cm.
Provenienz:
- Auf der Lenzburg in der ersten Hälfte des 20. Jh.
- Alter Schweizer Privatbesitz.
Das hier angebotene Gemälde geht auf „Die Madonna unter
Tannen“ von Lucas Cranach zurück, dich sich bis 1932 in der
Kathedrale von Breslau befand und heute als verschollen gilt (um
1510, Öl auf Holz, 71 × 51 cm). In der Originalkomposition ist im
Hintergrund eine Waldlandschaft dargestellt.
CHF 10 000 / 15 000
(€ 9 260 / 13 890)
Künstlerregister Gemälde Alter Meister
ANTWERPEN, 1. HÄLFTE 17. JAHRHUNDERT 3021
AVERCAMP, BARENT 3037
BEGA, CORNELIS PIETERSZ. 3029
BELLOTTO, BERNARDO genannt CANALETTO
UND BELLOTTO, LORENZO
3062
BERGAMO SCHULE, UM 1560 3045
BLOOT, PIETER DE 3049
BRUEGHEL, JAN d. Ä. 3019
BRUEGHEL, JAN d. Ä.
UND MOMPER, JOOS DE d. J.
3026
BRUEGHEL, JAN d. J. 3022
BRUEGHEL, JAN d. J.
UND FRANCKEN, AMBROSIUS d. J.
3034
BRUEGHEL, PIETER d. J. 3015
BRUYN, BARTHOLOMÄUS d. J. 3014
CIPPER, GIACOMO FRANCESCO
genannt IL TODESCHINI
3064
COSTA, LORENZO (ZUGESCHRIEBEN) 3010
CRANACH, LUCAS d. Ä. (NACHFOLGER) 3072
DI BICCI, NERI 3008
DI GIOVANNI, SCOLAIO
genannt MAESTRO DEL BORGO ALLA COLLINA
3007
DI SER GIOVANNI, GIOVANNI
genannt LO SCHEGGIA
3002
DITTMERS, HEINRICH 3031
DUSART, CORNELIS 3040
FLINCK, GOVAERT 3025
FOPPA, VINCENZO (UMKREIS) 3009
FRANCKEN, AMBROSIUS d. J.
UND BRUEGHEL, JAN d. J.
3034
GAROFALO, CARLO UND GIORDANO, LUCA 3059
GIORDANO, LUCA UND GAROFALO, CARLO 3059
GOYEN, JAN VAN 3024, 3042
GREUZE, JEAN-BAPTISTE 3063
GUARDI, FRANCESCO 3067
HAAGEN, JORIS VAN DER 3044
HAL, JACOB VAN 3055
HANNOT, JOHANNES 3052
HEEMSKERCK, MAARTEN VAN
(NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS)
3050
HOFMANN, SAMUEL
(NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS)
3027
HONDECOETER, GILLIS CLAESZ. DE 3036
HUCHTENBURG, JAN VAN 3056
JORDAENS, HANS III 3017
KASTILISCHE SCHULE, UM 1480 3006
KAUW, ALBRECHT 3048
KESSEL, JAN VAN 3018
KREUZFELDER, JOHANN 3013
LEMBRI, PERE 3001
LOEDING, HARMEN 3028
MALINCONICO, NICOLA 3068
MARINONI, ANTONIO 3003
MEISTER DER TEMPERE FRANCESCANE 3004
MICHAU, THEOBALD 3053
MIRADORI, LUIGI genannt IL GENOVESINO
(UMKREIS)
3058
MOLENAER, JAN MIENSE 3023
MOMPER, JOOS DE d. J.
UND BRUEGHEL, JAN d. Ä.
3026
MONNOYER, ANTOINE 3057
NEYTS, GILLIS 3038
ODAZZI, GIOVANNI 3061
OSTADE, ADRIAEN VAN 3035
PICART, JEAN-MICHEL (UMKREIS) 3069
PILLEMENT, JEAN 3065
POTTER, PIETER SYMONSZ. 3032, 3041
RENI, GUIDO UND WERKSTATT 3060
ROBERT, HUBERT 3066
ROOTIUS, JACOB 3054
SARTO, ANDREA DEL
(KOPIE DES 19. JAHRHUNDERTS)
3070
SARTO, ANDREA DEL
(NACHFOLGER DES 19. JAHRHUNDERTS)
3071
SAVERY, ROELANT d. J. 3016
SCHOEVAERDTS, MATTHIJS 3043
SIMONS, MICHIEL 3030
SPANIEN, 17. JAHRHUNDERT 3020
SPANISCHER MEISTER, UM 1500–1520 3005
STEEN, JAN 3033
TRECK, JAN JANSZ. 3039
VERBEECK, PIETER CORNELISZ. 3046
VOIS, ARY DE 3047
VOLPONI, GIOVANNI BATTISTA 3008A
WYNANTS, JAN 3051
Künstlerregister Gemälde des 19. Jhs.
ABELS, THEODORUS JACOBUS 3209
ALT, JACOB 3246
AMERLING, FRIEDRICH VON 3252
APPIAN, ADOLPHE 3217
BAKHUYZEN, HENDRIKUS VAN DE SANDE 3225
BAUMGARTNER, PETER 3214
BOSSUET, FRANÇOIS ANTOINE 3216
BOSSUET, FRANÇOIS ANTOINE 3233
BOUDIN, EUGÈNE LOUIS 3232
BÜRKEL, HEINRICH 3212, 3240
CASTAN, GUSTAVE 3245
CHOULTSÉ, IVAN FEDOROVICH 3202
COROT, JEAN-BAPTISTE CAMILLE 3205
COURBET, GUSTAVE 3231
DORÉ, GUSTAVE 3203
FANTIN-LATOUR, HENRI 3229
FRANZÖSISCHE SCHULE, 19. JAHRHUNDERT 3235
GALIEN-LALOUE, EUGÈNE 3250
HASENPFLUG, CARL GUSTAV 3253
HOVE, BARTHOLOMEUS JOHANNES VAN 3244
HUET, PAUL 3248
KERCKHOVE, ERNEST VAN DEN 3227
KLUYVER, PIETER LODEWIJK FRANCISCO 3223
KRUSEMAN, FREDERIK MARINUS 3226
KUWASSEG, CHARLES EUPHRASIE 3238
MALLET, JEAN-BAPTISTE 3230
MORGENSTERN,CHRISTIAN 3208, 3241
MUSIN, FRANÇOIS ÉTIENNE 3215
NOËL, JULES ACHILLE 3219
RABES, MAX FRIEDRICH 3204
SCHELFHOUT, ANDREAS 3201, 3224
SCHLESINGER, CARL 3211
SPITZWEG, CARL 3206, 3210, 3213
STEFFAN, JOHANN GOTTFRIED 3249
TETAR VAN ELVEN, PIERRE HENRI THEODORE 3239
TROUILLEBERT, PAUL DÉSIRÉ 3221, 3222, 3236,
3243, 3251
UNTERBERGER, FRANZ RICHARD 3207
VAN ASSCHE, HENRI 3242
VERNET, HORACE 3228
VERON, ALEXANDRE-RENÉ 3218
VERWEE, ALFRED JACQUES 3247
WINTERHALTER, FRANZ XAVER 3220
ZATZKA, HANS 3234
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8031 Zürich, Schweiz
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Auktionen: 21. September bis 5./6. Oktober 2021
Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
Kontakt · Anahi Cardona · Tel. +41 44 445 63 21 · cardona@kollerauktionen.ch
Gemälde, Zeichnungen  Grafik Alter Meister  des 19. Jhs.
Bücher  Autographen, Schmuck, Möbel, Uhren, Varia, Porzellan
Kontakt · Stephan Koller · Tel. +41 44 445 63 20 · skoller@kollerauktionen.ch
Antike Waffen, Sammlung von Elfenbeinobjekten
Auktion: Donnerstag, 30. September 2021
PRUNKDECKELHUMPEN MIT SILBERMONTIERUNG. Historismus, Wien um 1875. H 46 cm.
Kontakt · Stephan Koller · Tel. +41 44 445 63 20 · skoller@kollerauktionen.ch
Möbel, Uhren, Porzellan  Silber
Auktion: Donnerstag, 30. September 2021
KOMMODE. Louis XV, Frankreich, wohl Nantes oder Bordeaux um 1760.
| 223
Bücher  Autographen
Auktion: Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr
Kontakt · Andreas Terwey · Tel. +41 44 445 63 40 · terwey@kollerauktionen.ch
Rembrandt van Rijn (1606–1669). Einblattdruck des «Curateur over den Insolventen Boedel van Rembrant van Rijn» mit der
Ankündigung zur Versteigerung von Kunstwerken aus Rembrandts Besitz. Mit einer mehrzeiligen HolzschnittInitiale. [Amsterdam, 1658].
BEDINGUNGEN FÜR KLASSISCHE AUKTIONEN
Diese Bedingungen gelten für Objekte, die von
Koller (gemäss Definition unten) live im Aukti-
onssaal versteigert werden.
Durch die Teilnahme an der Auktion unterzieht
sich der Bieter den nachstehenden Auktions-
bedingungen („AGB“) der Koller Auktionen AG,
Hardturmstrasse 102, 8005 Zürich, Schweiz
(„Koller“):
1. Rechtsstellung der Parteien
Die Steigerungsobjekte werden durch Koller im
Namen und auf Rechnung des Einlieferers des zu
versteigernden Objektes („Einlieferer“) verstei-
gert. Koller handelt in fremdem Namen und auf
fremde Rechnung als direkte/unmittelbare Stell-
vertreterin des Einlieferers im Sinne von Art. 32
Abs. 1 des schweizerischen Obligationenrechts
(„OR“). Der Zuschlag erfolgt an den von Koller im
Rahmen der Auktion anerkannten Bieter mit dem
höchsten Gebot in Schweizer Franken („Käufer“),
wodurch das betroffene ersteigerte Objekt ein
verbindlicher Kaufvertrag zwischen Einlieferer
und Käufer entsteht („Kaufvertrag“). Koller wird
dadurch nicht Partei des Kaufvertrages.
2. Aufgeld
2.1 Nebst dem Zuschlagspreis ist vom Käufer
auf den Zuschlagspreis ein Aufgeld zu entrich-
ten, das wie folgt berechnet wird:
i. bei einem Zuschlag bis CHF 10‘000: 25%
ii. bei einem Zuschlag ab CHF 10‘000 bis
CHF 400‘000: 25% auf die ersten CHF 10‘000
und 22% auf die Differenz von CHF 10‘000 bis
zur Höhe des Zuschlags
iii. bei einem Zuschlag ab CHF 400‘000: 25% auf
die ersten CHF 10‘000; 22% auf CHF 390‘000
und 15% auf die Differenz von CHF 400‘000
bis zur Höhe des Zuschlags.
2.2 Falls der Käufer während einer online über-
tragenen Saal-Auktion („Live-Auktion“) live im
Internet mitbietet, oder ein Vorgebot über eine
fremde, mit Koller verlinkten Seite abgibt, wird
ein zusätzlicher Aufpreis von 3% des Zuschlags
verrechnet. Für Gebotsabgaben im Rahmen
einer Live-Auktion gelten im Übrigen die Bedin-
gungen, welche auf der Live-Auktion Webseite
publiziert sind. Diese können von den hier pub-
lizieren abweichen.
2.3 Auf das Aufgeld hat der Käufer die schwei-
zerische Mehrwertsteuer („MWST“) zu entrich-
ten. Die angegebenen %-Sätze des Aufgeldes
beziehen sich auf den Zuschlagspreis für jedes
einzelne Objekt. 
2.4 Alle im Auktionskatalog mit * (Asterisk) be-
zeichneten Objekte sind vollumfänglich mehr-
wertsteuerpflichtig, d. h. bei diesen Objekten
wird die MWST auf den Zuschlagspreis plus
Aufgeld berechnet. Käufer, die eine rechtsgültig
abgestempelte Ausfuhrdeklaration vorlegen, er-
halten die MWST rückvergütet. 
2.5 Der Käufer erklärt sich damit einverstanden,
dass Koller allenfalls auch vom Einlieferer eine
Kommission erhält.
3. Garantie
3.1 Koller wird den Kauf (unter Vorbehalt nachfol-
gender Ziffern 3.2 und 3.3) namens des Einlieferers
rückgängig machen und dem Käufer Kaufpreis und
Aufgeld (inkl. MWST) zurückerstatten, falls sich das
Objekt als Fälschung erweist. Eine Fälschung liegt
vor, wenn das Objekt nach vernünftiger Auffassung
von Koller eine im Hinblick auf Urheberschaft, Alter,
Periode,KulturoderHerkunftinTäuschungsabsicht
geschaffene Imitation ist, bei der sich die korrekte
Beschreibung solcher Inhalte nicht in der Beschrei-
bungimAuktionskatalog(unterBeachtungjeglicher
Ergänzungen) widerspiegelt und dieser Umstand
denWertdesObjektsimVergleichzueinemderKa-
talogbeschreibung entsprechenden Gegenstand
wesentlich beeinträchtigt. Ein Objekt gilt nicht als
gefälscht, wenn es lediglich beschädigt ist und/oder
an ihm Restaurierungsarbeiten und/oder Verände-
rungenirgendwelcherArtvorgenommenwurden. 
3.2 Eine Rückabwicklung gemäss vorstehender
Bestimmung findet nach Ermessen von Koller
nicht statt, falls:
i. die Beschreibung des Objekts im Auktions-
katalog im Einklang mit der Meinung einer
Fachperson oder mit der herrschenden Mei-
nung von Fachpersonen stand oder die Be-
schreibung im Auktionskatalog andeutete,
dass hierüber Meinungsverschiedenheiten
bestanden, 
ii. 
die Fälschung zur Zeit des Zuschlages nach
dem Stand der Forschung und mit den allge-
mein anerkannten und üblichen Methoden
noch nicht oder nur mit unverhältnismässi-
gem Aufwand als solche erkennbar war,
iii. die Fälschung (nach Kollers sorgfältiger Ein-
schätzung) vor 1880 hergestellt wurde oder 
iv. es sich beim Kaufobjekt um ein Gemälde,
Aquarell, eine Zeichnung oder Skulptur han-
delt, das gemäss den Angaben im Auktions-
katalog vor 1880 entstanden sein müsste.
3.3 Der Käufer kann von Koller (als Vertreterin
des Einlieferers) die Rückabwicklung ab dem Tag
des Zuschlages für einen Zeitraum von zwei (2)
Jahren (drei (3) Wochen für Schmuck) verlangen.
Sie wird ausschliesslich dem Käufer eingeräumt
und darf nicht an Dritte abgetreten werden. Die
Geltendmachung des Anspruchs setzt voraus,
dass der Käufer gegenüber Koller sofort nach
Entdeckung des Mangels mit eingeschriebe-
nem Brief Mängelrüge erhebt und Koller das ge-
fälschte Kaufobjekt im gleichen Zustand, wie es
ihm übergeben wurde, und unbelastet von An-
sprüchen Dritter, zurückgibt. Der Käufer hat den
Nachweis zu erbringen, dass es sich beim Ob-
jekt um eine Fälschung handelt. Koller kann vom
Käufer verlangen, dass dieser auf eigene Kosten
Gutachten von zwei unabhängigen und in dem
Bereich anerkannten Experten einholt, ist jedoch
nicht an solche Gutachten gebunden und behält
sich das Recht vor, zusätzlichen Expertenrat auf
eigene Kosten einzuholen.
3.4 KollerkannnachfreiemErmessenaufdieGel-
tendmachung eines Ausschlussgrundes gemäss
vorstehender Ziffer 3.2 oder auf die Erfüllung von
Voraussetzungen nach obiger Ziffer 3.3 verzich-
ten.
3.5 Die Ansprüche des Käufers gegen Koller als
Vertreterin des Einlieferers unter dieser Ziffer
3.1 beschränken sich auf die Rückerstattung des
von diesem bezahlten Kaufpreises und Aufgel-
des (inkl. MWST). Weitergehende oder andere
Ansprüche des Käufers sind unter jedwelchem
Rechtstitel (inklusive Irrtumsanfechtung gemäss
Art. 23 ff. OR) ausgeschlossen.
4. Haftungsausschluss
4.1 Die Steigerungsobjekte werden in dem Zu-
stand versteigert, in dem sie sich im Augenblick
des Zuschlags befinden. Bei den Steigerungsob-
jekten handelt es sich um „gebrauchte“ Waren.
Diese befinden sich naturgemäss nicht mehr in
neuwertigem Zustand.
4.2 Zu jedem Objekt beinhaltet der Auktionskata-
log eine Beschreibung mit Abbildung. Die Informa-
tionenindenAuktionskatalogen,sowie Zustands-
berichte von Koller die vor der Auktion angefordert
werden können, geben lediglich ein allgemeines
Bild und eine unverbindliche Einschätzung von
Koller wieder. Die Beschreibung der Objekte er-
folgt nach bestem Wissen und Gewissen, doch
kann Koller für die Katalogangaben keine Haftung
übernehmen. Während der Ausstellung besteht
die Möglichkeit, die Gegenstände zu besichtigen.
Entsprechend wird der Käufer aufgefordert, das
ObjektvorderAuktioninAugenscheinzunehmen,
und sich, allenfalls unter Heranziehung unabhän-
giger Fachberatung, ein eigenes Urteil über die
Übereinstimmung des Objekts mit der Katalog-
beschreibung zu bilden. Für die Objektbeschrei-
bungen ist die gedruckte Ausgabe des Katalogs
(inkl. späterer Ergänzungen) in deutscher Sprache
ausschliesslich massgebend. Koller behält sich
das Recht vor, zur Meinungsbildung Experten oder
Fachkräfte ihrer Wahl beizuziehen und sich auf
diese abzustützen. Koller kann für die Richtigkeit
solcher Meinungen nicht verantwortlich gemacht
werden. Solche Expertenmeinungen oder Gut-
achten stellen genauso wenig wie von Koller vor-
genommene Objektbeschreibungen oder sonsti-
ge Aussagen über ein Objekt (inklusive Aussagen
über dessen Wert) explizite oder stillschweigende
Zusicherungendar.
4.3 UnterVorbehaltvonvorstehenderZiff.3wird
jede Haftung für Rechts- und Sachmängel weg-
bedungen. Die Verpflichtungen des Einlieferers
gegenüber dem Käufer sind im gleichen Masse
eingeschränkt wie die Verbindlichkeiten von Kol-
ler gegenüber dem Käufer.
5. Teilnahme an der Auktion
5.1 Die Teilnahme an einer Auktion als Bieter
steht jedermann offen. Koller behält sich aber
das Recht vor, nach freiem Ermessen jeder
Person den Zutritt zu ihren Geschäftsräumlich-
keiten oder die Anwesenheit bzw. Teilnahme an
ihren Auktionen zu untersagen. 
5.2 Bieter, die Koller nicht persönlich bekannt
sind, müssen sich bis 48 Stunden vor der Auktion
mittels des dafür vorgesehenen Formulars re-
gistrieren. Der rechtsgültig unterzeichneten Re-
gistrierung ist eine Kopie des gültigen Reisepas-
ses und eine Kopie der Kreditkarte beizulegen.
Bei jedem Zahlungsverzug des Bieters ist Koller
berechtigt, die Kreditkarte des Bieters gemäss
Angaben auf dem Registrierungsformular bis
zur Höhe des geschuldeten Betrages zuzüglich
Spesen des Kartenanbieters zu belasten. 
5.3 Koller kann von jedem Bieter vorgängig einen
Bonitätsnachweis einer für Koller akzeptablen
Bank verlangen. 
5.4 Bei Geboten für Objekte mit oberen Schätz-
werten von mehr als CHF 30 000 kann Koller vom
Bieter jederzeit die vorgängige Überweisung von
20% der unteren Schätzwerte als Sicherheit ver-
langen. Koller wird diesen Betrag nach der Aukti-
on mit ihren und den Ansprüchen der Einlieferer
verrechnenundeinenallfälligenÜberschussum-
gehend an den Käufer / Bieter zurückerstatten.
6. Versteigerung
6.1 Koller kann ein Objekt unterhalb des mit dem
Einlieferer vereinbarten Mindestverkaufspreises
zum Ausruf bringen. Die Abgabe eines Gebots
anlässlich der Versteigerung bedeutet eine ver-
bindliche Offerte. Der Bieter bleibt an sein Gebot
gebunden, bis dieses entweder überboten oder
von Koller abgelehnt wird. Doppelgebote werden
sofort nochmals aufgerufen; in Zweifelsfällen
entscheidet die Auktionsleitung. 
6.2 Es steht Koller frei, ein Angebot ohne be-
sondere Gründe abzulehnen oder aber, falls ein
Bieter die Voraussetzungen zur Teilnahme an
einer Auktion gemäss obiger Ziffer 5.2 bis 5.4
nicht erfüllt. Ebenso steht es Koller frei, Steige-
rungsgegenstände ohne Verkauf zuzuschlagen
oder zurückzunehmen, selbst wenn dies für die
Auktionsteilnehmer nicht erkennbar sein sollte. 
6.3 Koller behält sich das Recht vor, Nummern
des Katalogs zu vereinigen, zu trennen, ausser-
halb der Reihenfolge anzubieten oder wegzulas-
sen. Koller behält sich vor, einen Zuschlag bei Vor-
liegen besonderer Umstände nur unter Vorbehalt
vorzunehmen. Erfolgt der Zuschlag unter Vorbe-
halt, so bleibt der Bieter noch während 14 Tagen
anseinGebotgebunden.Erwirdwiederfrei,wenn
die Erklärung von Koller, der Zuschlag sei definitiv,
nicht innert dieser Frist bei ihm eintrifft. 
6.4 Steigerungsangebote von Kaufinteressen-
ten, die der Auktion nicht persönlich beiwohnen
können, werden bis 48 Stunden vor Beginn der
Steigerung schriftlich entgegengenommen. 
6.5 Interessenten können telefonisch mitbieten,
wenn sie dies mindestens 48 Stunden vor Aukti-
onsbeginn schriftlich vorangemeldet haben. Auf
Objekte mit Schätzpreisen unter CHF 500 kann
nicht telefonisch geboten werden und Interes-
senten werden um Abgabe eines schriftlichen
Gebots bzw. um persönliches Mitbieten im Auk-
tionssaal gebeten. 
6.6 Interessenten, die ihr Gebot im Rahmen ei-
ner Live-Auktion abgeben möchten, können an
der Auktion teilnehmen, nachdem sie von Koller
aufgrund eines Registrierungsgesuchs zur Auk-
tion zugelassen worden sind. Koller behält sich
das Recht vor, Registrierungsgesuche ohne wei-
teres abzulehnen. 
6.7 Koller lehnt jede Haftung für nicht berück-
sichtigte Gebote aller Art sowie für nicht berück-
sichtigte Anmeldungen für telefonisches Mitbie-
tenab.FürtelefonischeMitbieterundschriftliche
Auftraggeber gilt bezüglich Legitimierung und
Bonitätsnachweis ebenfalls Ziff. 5.
7. Eigentumsübergang
Das Eigentum an einem ersteigerten Objekt
geht auf den Käufer über, sobald der Kaufpreis
und das Aufgeld (inkl. MWST) vollständig in
Schweizer Franken bezahlt sind und Koller die-
se Zahlungen dem entsprechenden Objekt zu-
geordnet hat.
8. Abholung der ersteigerten Objekte
8.1 Die ersteigerten Gegenstände müssen vom
Käufer innerhalb von 7 Tagen nach Abschluss
der Auktion während der Öffnungszeiten auf ei-
gene Kosten abgeholt werden. Erfüllungsort des
Kaufvertrages zwischen Käufer und Einlieferer ist
mithin der Geschäftssitz von Koller. Wenn die Zeit
es erlaubt, werden die Objekte nach jeder Sitzung
ausgegeben. Die Herausgabe erfolgt nach voll-
ständiger Bezahlung des Kaufpreises sowie des
Aufgeldes (inkl. MWST) und Zuordnung dieses
Betrages zum ersteigerten Objekt durch Koller.
8.2 Während der vorgenannten Frist haftet Kol-
ler für Verlust, Diebstahl, Beschädigung oder
Zerstörung zugeschlagener und bezahlter Ob-
jekte, jedoch nur bei grobfahrlässiger oder vor-
sätzlicher Handlung durch Koller und nur bis zur
Höhe von Zuschlagspreis, Aufgeld und MWST.
Nach Ablauf dieser Frist haftet Koller nicht mehr
und es ist Sache des Käufers, für eine angemes-
sene Versicherung des ersteigerten Objekts zu
sorgen. Für Rahmen und Glas kann keine Haf-
tung übernommen werden. Werden die erstei-
gerten Objekte nicht innert 7 Tagen abgeholt,
lagert Koller diese wahlweise auf Kosten und Ge-
fahr des Käufers bei einer Firma ihrer Wahl oder
in ihren eigenen Räumen zu einem Tagessatz
von CHF 10 pro Objekt ein. 
8.3 Transportaufträge nimmt Koller schriftlich
entgegen. Die Transportkosten trägt der Käufer.
Ohne anders lautende schriftliche Abmachung
werden die zugeschlagenen Objekte für den
Transport durch Koller auf Kosten des Käufers
versichert. Verglaste Bilder und zerbrechliche
Objekte werden von Koller nicht versandt.
9. Bezahlung der ersteigerten Objekte
9.1 Die Rechnung aufgrund eines Zuschlags für
ein ersteigertes Objekt ist innert 7 Tagen nach
Abschluss der Auktion in Schweizer Franken
zu bezahlen. Zahlungen mittels Kreditkarte sind
nur nach Rücksprache mit der Buchhaltung von
Koller möglich und unterliegen einer Bearbei-
tungsgebühr zwischen 2 und 4%, die vom Käufer
zu bezahlen ist und auf den Rechnungsbetrag
erhoben wird.
9.2 Koller kann Zahlungen des Käufers auch ent-
gegen dessen anderslautenden Instruktionen auf
jedebeliebigeSchulddesKäufersgegenüberKoller
oder gegenüber dem Einlieferer anrechnen und
allfällige Forderungen des Käufers gegen sie mit
eigenen Ansprüchen verrechnen. Ist der Käufer
im Zahlungsverzug, wird auf den Rechnungsbe-
trag ein Verzugszins von 10% p.a. erhoben. Falls
der Käufer den Rechnungsbetrag nicht innert 7
TagennachderbetreffendenAuktionbegleicht,ist
Koller ohne weitere Rücksprache mit dem Käufer
berechtigt, den geschuldeten Rechnungsbetrag
der Kreditkarte des Käufers zu belasten. In solchen
Fällen wird auf den Rechnungsbetrag sodann eine
Bearbeitungsgebühr zwischen 2 und 4% erhoben,
dieebenfallsderKreditkartebelastetwird.
9.3 Leistet der Käufer die geschuldete Zahlung
nicht oder nicht rechtzeitig, kann Koller zudem
namens des Einlieferers wahlweise (i) weiterhin
Erfüllung des Kaufvertrags verlangen oder (ii)
ohne Fristansetzung auf Leistung des Käufers
verzichten und vom Kaufvertrag zurücktreten
oder Schadenersatz wegen Nichterfüllung ver-
langen; im letzteren Fall ist Koller auch berech-
tigt, das Objekt ohne Beachtung eines Min-
destverkaufspreises entweder freihändig oder
anlässlich einer Auktion zu verkaufen und den
Erlös zur Reduktion der Schulden des Käufers
zu verwenden. Ein allfälliger über dem ursprüng-
lichen Zuschlagspreis liegender Verkaufspreis
wird an den Einlieferer ausbezahlt. Der Käufer
haftet Koller und dem Einlieferer für allen aus der
Nichtzahlung bzw. Zahlungsverspätung entste-
henden Schaden. 
9.4 BiszurvollständigenBezahlungallergeschulde-
tenBeträgebehältKolleranallensichinihremBesitz
befindlichen Objekten des Käufers ein Pfandrecht.
Koller ist zur betreibungsrechtlichen oder privaten
Verwertung (inkl. Selbsteintritt) solcher Pfänder
berechtigt. Die Einrede der vorgängigen Pfandver-
wertung nach Art. 41 des Schweizer Schuldbetrei-
bungs-undKonkursrechtsistausgeschlossen.
10. Vertretung
Jeder Käufer haftet persönlich aus dem ihm erteil-
ten Zuschlag und aus dem durch ihn eingegange-
nen Kaufvertrag mit dem Einlieferer. Von Perso-
nen, die als Stellvertreter in fremdem Namen oder
als Organ einer juristischen Person bieten, kann
der Nachweis der Vertretungsbefugnis verlangt
werden. Ein solcher Stellvertreter haftet mit dem
Vertretenen unbeschränkt und solidarisch für die
ErfüllungsämtlicherVerbindlichkeiten.
11. Verschiedene Bestimmungen
11.1 Die Auktion erfolgt unter Mitwirkung eines
Beamten des Stadtammannamtes Zürich. Jede
Haftung des anwesenden Beamten, der Ge-
meinde oder des Staates für Handlungen von
Koller ist ausgeschlossen. 
11.2 Koller behält sich das Recht vor, einzelne
oder alle Rechte und Pflichten aus diesen AGB
an einen Dritten zu übertragen oder durch einen
Dritten ausüben zu lassen. Der Bieter resp. der
Käufer ist nicht berechtigt, Rechte und Pflichten
aus diesen AGB Dritten zu übertragen.
11.3 Koller behält sich das Recht vor, Fotografien
und Abbildungen von verkauften Objekten in den
eigenen Publikationen und in den Medien zu ver-
öffentlichen und damit Werbung zu betreiben. 
11.4 Die vorstehenden Bedingungen sind Be-
standteil jedes einzelnen an der Auktion ge-
schlossenen Kaufvertrags. Abänderungen sind
nur mit schriftlichem Einverständnis von Koller
verbindlich. 
11.5 Sollten einzelne Bestimmungen dieser
AGB ganz oder teilweise nichtig und/oder un-
wirksam sein, bleibt die Gültigkeit und/oder
Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen oder
Teile solcher Bestimmungen unberührt. Die un-
gültigen und/oder unwirksamen Bestimmungen
werden durch solche ersetzt, die dem Sinn und
Zweck der ungültigen und/oder unwirksamen
Bestimmungen in rechtswirksamer Weise wirt-
schaftlich am nächsten kommt. Das gleiche gilt
bei eventuellen Lücken der Regelung.
11.6 Die vorliegenden AGB und alle Änderungen
daran unterliegen Schweizer Recht, unter Aus-
schluss von allfälligen Verweisungen des Bun-
desgesetztes über das Internationale Privat-
recht (IPRG) und unter Ausschluss des Wiener
Kaufrechts (UN-Kaufrechts). 
11.7 Für die Beurteilung von Streitigkeiten (unter
Einschluss der Geltendmachung von Verrech-
nungen und Gegenforderungen), welche aus oder
im Zusammenhang mit diesen AGB (einschliess-
lich deren Gültigkeit, Rechtswirkung, Auslegung
oder Erfüllung) entstehen, sind ausschliesslich
die Gerichte des Kantons Zürich zuständig. Kol-
ler ist aber berechtigt, ein Verfahren vor jedem
sonst zuständigen Gericht anhängig zu machen.
Zürich, 1. Juli 2018
AUCTION CONDITIONS (CLASSIC AUCTIONS)
These conditions apply solely to items which are
auctioned by Koller (according to the definition
below) live in the saleroom.
By participating in the auction the bidder
accepts the following Auction Conditions of
Koller Auctions Ltd, Hardturmstrasse 102, 8005
Zurich, Switzerland (“Koller”).
1. Legal status of the parties
The auction items are auctioned by Koller in
the name of and on the account of the seller
of the auctioned item (“Seller”). Koller acts on
behalf of and for the account of the Seller as his
agent as defined in article 32, section 1 of the
Swiss Code of Obligations (“CO”). The hammer
price is determined by the bidder recognised by
Koller as having made the highest bid in Swiss
Francs in the course of an auction (“Purchaser”),
resulting in the conclusion of a purchase
contract between the Seller and the Purchaser
(“Purchase Contract”). Koller is thereby not a
party to the Purchase Contract.
2. Surcharge
2.1 In addition to the bid price, the Purchaser
must pay a surcharge on such bid price
calculated as follows:
i.  on a successful bid of up to CHF 10 000: 25%
ii. NEW: on a successful bid over CHF 10 000 up
to CHF 400 000: 25% on the first CHF 10 000
and 22% on the difference between CHF 10 000
and the bid.
iii. NEW: on a successful bid over CHF 400 000:
25% on the first CHF 10 000, 22% on
CHF 390 000 and 15% on the difference
between CHF 400 000 and the bid.
2.2 If the winning bid is placed over the internet
in the course of a saleroom auction which is
broadcast online (“Live Auction”), or leaves a
pre-sale bid through an independent bidding
platform which is linked with Koller, there will be
anadditional3%addedtothesurcharge.Bidders
are subject to Koller’s terms and conditions as
listed on the Live Auction website, which may
differ in some respects from those listed here.
2.3 The Purchaser must pay Swiss value added
tax (“VAT”) on the surcharge. The stated
percentage of the surcharge corresponds to the
successful bid for each individual item.
2.4 The full tax is charged on all items marked * in
the auction catalogue, i.e. VAT is charged on the
sum of the bid price plus the surcharge for those
items. The VAT will be refunded to Purchasers
providing a validly stamped export declaration.
2.5 The Purchaser agrees that Koller also has
the possibility to receive a commission from the
Seller.
3. Guarantee
3.1 Koller shall rescind the purchase (subject to
Sections 3.2 and 3.3 below) in the name of the
Seller and shall reimburse the purchase price
and the surcharge (incl. VAT) to the Purchaser if
an item proves to be a forgery. A “forgery” shall
be deemed to exist if the item, in the reasonable
opinion of Koller, is an imitation created
with the intention of causing a deception
with respect to the authorship, age, period,
culture or origin, if the correct description of
such content is not reflected in the auction
catalogue (taking account of any additions),
and if this circumstance significantly impairs
the value of the item in comparison to an item
corresponding to the catalogue description. An
item shall not be deemed to have been forged if
it is merely damaged and/or has been subjected
to restoration work and/or modifications of any
nature whatsoever.
3.2 A rescission in accordance with the above
provision shall not take place at the discretion of
Koller if:
i. the description of the item in the auction
catalogue was supported by the view of
a specialist or by the prevailing view of
specialists, or if the description in the auction
catalogue suggested that differences of
opinion exist in this respect;
ii. the forgery was not identifiable as such at the
time of the successful bid in accordance with
the current state of research and with the
generally acknowledged and usual methods,
or only with disproportionate effort;
iii. the forgery (based on Koller’s conscientious
assessment) was produced before 1880; or
iv. the purchased item is a painting, watercolour,
drawing or sculpture which according to the
details set out in the auction catalogue was
created prior to 1880.
3.3 The Purchaser may request rescission from
Koller (as the agent of the Seller) from the day
of the successful bid for a period of two (2)
years (three (3) weeks for jewellery). It shall be
granted exclusively to the Purchaser and may
not be assigned to any third party. Assertion of
theclaimshallbeconditionaluponthePurchaser
making a complaint to Koller by registered letter
immediately after the discovery of the defect,
and returning the purchased item to Koller in
the same condition as it was handed over to him
and unencumbered by third parties› claims. The
Purchaser must provide proof that the item is a
forgery. Koller may demand that the Purchaser
obtains at his own expense expert opinions from
two independent individuals who are recognised
experts in the field. However, Koller shall not be
bound by any such expert opinion, and reserves
the right to obtain additional expert advice at its
own expense.
3.4 Koller may at its complete discretion waive
the assertion of grounds for exclusion pursuant
to the above Section 3.2 or the fulfilment of
preconditionspursuanttotheaboveSection3.3.
3.5 The claims of the Purchaser against Koller
as the agent of the Seller under Section
3.1 are limited to the reimbursement of the
purchase price and surcharge (incl. VAT) paid
by the Purchaser. Further or other claims of
the Purchaser are excluded under any legal
title (including error according to art. 23 ff. CO)
whatsoever.
4. Disclaimer
4.1 The items are auctioned in the condition
existing at the time of the successful bid. The
auctioned items are “used” objects and are
therefore generally not in pristine condition.
4.2 Each item in the auction catalogue is listed
with a description and an illustration. The
information in the auction catalogue, as well
as the condition reports issued by Koller, are
intended to provide an overall impression and
a non-binding assessment by Koller. The items
are described to the best of our knowledge
and belief. However, Koller cannot accept any
liability for the details provided in the catalogue.
The items may be inspected during the preview.
The Purchaser is therefore invited to inspect an
item prior to the auction and, possibly with the
assistance of an independent specialist advisor,
to form his own opinion of the concordance
betweentheitemandthecataloguedescription.
Concerning the descriptions of the items, the
German-language print edition of the catalogue
(including any later amendments) shall be
exclusively applicable. Koller reserves the right
to call upon experts or specialists of its choice to
give an opinion and to rely on that opinion. Koller
cannot be held liable for the correctness of such
opinions. Neither any such expert opinions or
reports, nor the descriptions of items provided
by Koller, nor other statements pertaining to
an item (including statements pertaining to
the value thereof) constitute explicit or implicit
warranties.
4.3 Subject to Article 3 above, no guarantee or
warranty whatsoever is given in respect to legal
and material defects. The liabilities of the Seller
vis-à-vis the Purchaser are limited to the same
extent as the liabilities of Koller vis-à-vis the
Purchaser.
5. Participation in the auction
5.1 Any party may participate in an auction as
a bidder. However, Koller reserves the right
at its complete discretion to prevent any
person entering its premises or attending or
participating in its auctions.
5.2 Bidders who are not personally known to
Koller must register at least 48 hours before the
auction,usingtheformprovidedforthispurpose.
The registration form must be signed, with legal
effect, and a copy of the bidder’s passport must
be enclosed, as well as current, valid credit card
information. In the event of payment default by
the Purchaser, Koller shall be entitled to charge
the Purchaser’s credit card in accordance with
the details provided on the registration form for
the entire amount of the invoice, plus the credit
card processing fees.
5.3 Koller may demand in advance from any
bidder a certificate of creditworthiness issued by
a bank approved by Koller.
5.4 In the case of bids for items with upper
estimated values of more than CHF 30 000,
Koller may demand that the bidder first remits
20% of the lower estimated value as security.
Following the auction, Koller will offset this sum
against its claims and the claims of the Seller,
and will reimburse any possible surpluses to the
Purchaser/bidder without delay.
6. Auction
6.1 Koller may initiate the auctioning of an item
below the minimum selling price agreed upon
with the Seller. A bid placed at an auction is a
binding offer. The bidder shall remain bound by
his bid until this is either outbid or rejected by
Koller. Double bids shall immediately be called
once again; in case of uncertainty, the auction
management shall decide.
6.2 Koller may refuse a bid without providing
justification if a Purchaser fails to fulfil the
conditions for participation in an auction
pursuant to the above Sections 5.2 to 5.4. Koller
may also pass or withdraw auctioned items
without a sale even if this is not apparent to the
auction participants.
6.3 Koller reserves the right to combine,
separate or omit numbered lots in the catalogue
or to offer them out of sequence. Koller reserves
the right to sell lots “conditionally” at its sole
discretion, in which event the hammer price will
be considered as conditional and the highest
bidder will remain bound by his bid for 14 days
following the auction. The highest bidder will
be released from all obligations if he does not
receiveastatementfromKollerwithinthisperiod
declaring the hammer price as final.
6.4 Written bids from potential Purchasers
who cannot attend the auction in person are
accepted up to 48 hours before the auction
begins.
6.5 Potential Purchasers may bid by telephone
if they have given written notice at least 48
hours before the auction starts. Koller does not
accept telephone bids for lots estimated under
CHF 500, and bidders are requested to leave a
written bid or participate in the salesroom for
such items.
6.6 Potential Purchasers who intend to place
their bids in the course of a Live Auction may
participate in the auction once their registration
applications have been approved by Koller.
Koller reserves the right to decline registration
applications at its discretion.
6.7 Koller shall not be liable for any bids
including advance notifications of telephone
bidding which are not taken into consideration.
Telephone bidders and persons giving written
instructions are also subject to the provisions of
Article 5 relating to proof of identity and financial
soundness.
7. Transfer of title
Ownership of an auctioned item shall be
transferred to the Purchaser as soon as the
purchase price and the surcharge (incl. VAT)
have been comprehensively paid in Swiss francs
and Koller has attributed these payments to the
corresponding item.
8. Collection of the auctioned items
8.1Theauctioneditemsmustbecollectedatthe
Purchaser›s own expense within 7 days from the
end of the auction during official opening hours.
The place of performance for the purchase
contract between the Purchaser and the Seller
is therefore the registered office of Koller. If
time permits, the items may be handed over
after each auction session. The handover shall
take place following comprehensive payment
of the purchase price as well as the surcharge
(incl. VAT) and the attribution of this sum to the
auctioned item by Koller.
8.2 During the aforementioned period, Koller
shall be liable for loss, theft, damage or
destruction of items which have been auctioned
and paid for, although solely due to intentional or
grossly negligent acts on the part of Koller, and
onlyuptothetotaloftheauctionprice,surcharge
and VAT. Koller ceases to have liability after the
aforementioned period, and the Purchaser shall
be responsible for ensuring adequate insurance
cover for the auctioned item. No liability can be
assumed for frames and glass. If the auctioned
items are not collected within 7 days, Koller will
store the works at a company of their choice
at the purchaser’s own risk and expense or on
their own premises at a daily rate of CHF 10 per
object.
8.3 Shipping orders may be given to Koller in
writing. All shipping costs shall be borne by the
Purchaser. Unless otherwise agreed in writing,
transport insurance shall be contracted for the
sold items at the expense of the Purchaser.
Glass-covered pictures and fragile items shall
not be sent by Koller.
9. Payment for the auctioned items
9.1 The invoice for a successful bid for an
auctioned item is payable in Swiss francs within
7 days from the end of the auction. Payments by
credit card are only possible with the approval of
Koller’s accounting department, and are subject
to processing fees amounting to between 2
and 4% of the invoiced amount, payable by the
purchaser and added to the invoice total.
9.2 Irrespective of the Purchaser‘s instructions,
KollermayuseanypaymentsbythePurchaseras
settlement for any debt owed by the Purchaser
to Koller or the Seller and set off any debt which
it owes to the Purchaser against its own claims.
If the Purchaser defaults on a payment, default
interestof10%p.a.shallbechargedontopofthe
invoiced sum. If Koller does not receive payment
for purchases within seven (7) days following
the auction, Koller reserves the right to charge
the Purchaser’s credit card for the full amount
of the invoice, without further notification to
the Purchaser. In such cases the credit card
processing fees of 2–4% as described above
are also applicable, and will be charged to the
Purchaser’s credit card.
9.3 If the Purchaser does not pay or does not
pay promptly, Koller may moreover in its own
name and in the Seller›s name either (i) insist
on the fulfilment of the purchase agreement
or (ii) without further notice withdraw from the
purchase agreement and waive the subsequent
performance of the Purchaser or assert a
claim for compensation for non-performance;
in the latter case Koller shall also be entitled,
irrespective of any minimum sales price, to sell
the item either directly or in an auction, and
may use the proceeds to reduce the debts of
the Purchaser. Any amount realised above the
original hammer price shall be paid out to the
Seller. The Purchaser is liable to Koller and the
Seller for all prejudice caused by non-payment or
late payment.
9.4 Koller retains a right of retention and a lien on
all the Purchaser›s items in its custody until full
payment of all monies owed. Koller may exercise
such liens in accordance with the legislation
on the enforcement of debts or by private sale
(including in its own name). The plea of prior
lien exploitation pursuant to Art. 41 of the Swiss
Debt Collection and Bankruptcy Act is excluded.
10. Representation
Each Purchaser shall be personally liable for each
bid he places, and for the purchase contract
between the Purchaser and the Seller. Proof of
the power of representation may be requested
from persons bidding as agents for a third
party or as an organ of a corporate body. The
agent shall be jointly and severally liable with his
principal for the fulfilment of all obligations.
11. Miscellaneous provisions
11.1 The auction shall be attended by an official
fromthecityofZurich.Theattendingofficial,the
local authority and the state have no liability for
the acts of Koller.
11.2 Koller reserves the right to transfer any or
all rights and obligations from these Auction
Conditions to a third party or to have these
carried out by a third party. The bidder and/or
Purchaser does not have the right to transfer
any rights from these Auction Conditions to a
third party.
11.3 Koller reserves the right to publish
illustrations and photographs of sold items in its
own publications and the media and to publicise
its services therewith.
11.4Theaforementionedprovisionsformpartof
each individual purchase agreement concluded
at the auction. Amendments are binding only
with Koller›s written agreement.
11.5 Should certain provisions of these Auction
Conditions be or become partially or fully
invalid and/or unenforceable, this does not
affect the validity of the remaining provisions.
The invalid and/or unenforceable provisions
shall be replaced by those which most closely
approximate the economic meaning and
intended economic purpose of said provisions.
The same shall be applicable to any possible
gaps or loopholes in the provisions.
11.6 The present Auction Conditions and all
amendments thereof are governed by Swiss
law, under exclusion of possible references
to Switzerland’s Federal Code on Private
International Law (CPIL), and under exclusion of
the Vienna C.I.S.G. Convention (UN Convention).
11.7 The courts of the Canton of Zurich
shall be exclusively responsible for settling
disputes (including the assertion of offsetting
and counterclaims) which arise out of or in
conjunction with these Auction Conditions
(includingtheirvalidity,legaleffect,interpretation
or fulfilment). Koller may, however, initiate legal
proceedings before any other competent court.
11.8 In the event of any discrepancy between
the different language versions of these Auction
Conditions, the German language version shall
prevail.
Zurich, 1 July 2018
Koller
Auktionen
AG,
Hardturmstrasse
102,
8031
Zürich,
Schweiz.
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+41 44 445 63 63, Fax 
+41 44 273 19 66, office@kollerauktionen.ch 
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ist
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Koller Gemälde Alter Meister Sep 2021

  • 1.
    Auktion: 1. Oktober2021 Auktion: 1. Oktober 2021 GEMÄLDE ALTER MEISTER GEMÄLDE ALTER MEISTER
  • 4.
    AUKTION IBID 122 Bietenab 21.09 bis 5./6.10.2021 Vorbesichtigung: Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr Gemälde,ZeichnungenGrafikAlterMeisterdes19.Jhs. BücherAutographen,Schmuck,Möbel,Uhren,Varia,Porzellan IBID ALTEGRAFIKZEICHNUNGEN Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 IBID BÜCHER AUTOGRAPHEN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBIDMÖBELUHREN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBIDVARIASKULPTUREN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBID PORZELLAN Bieten ab 21.09 bis 5.10.2021 IBID SCHMUCK Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 IBID GEMÄLDE ALTER MEISTER DES 19. JHS. Bieten ab 21.09 bis 6.10.2021 AUKTIONSPROGRAMM AUKTIONEN SEPTEMBER 2021 (A198 IBID 122)
  • 5.
    TEPPICHE Donnerstag,30.September2021,9.30 Uhr Lot 1501– 1583 SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN Donnerstag,30.September2021,11.00 Uhr Lot 1301 – 1368 MÖBEL, PENDULEN, SKULPTUREN, SILBER, PORZELLAN Donnerstag,30.September2021,13.00 Uhr Lot 1001 – 1248 ANTIKE WAFFEN Donnerstag,30.September2021,17.00 Uhr Lot 1401 – 1498 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch Auktion: 30. September 2021 DECORATIVE ARTS MÖBEL, UHREN, SILBER, PORZELLAN, TEPPICHE ANTIKE WAFFEN, SAMMLUNG VON ELFENBEINOBJEKTEN DECORATIVE ARTS A198 SEPTEMBER 2021 BÜCHER AUTOGRAPHEN Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr Lot 101 – 363 501 – 527 SEPTEMBER 2021 Auktion: 29. September 2021 BÜCHER, BUCHMALEREI AUTOGRAPHEN BÜCHER, BUCHMALEREI AUTOGRAPHEN A198 ALTE GRAFIK Freitag, 1. Oktober 2021, 10.30 Uhr Lot 3601 – 3636 ZEICHNUNGEN Freitag, 1. Oktober 2021, 11.00 Uhr Lot 3401 – 3488 GEMÄLDE ALTER MEISTER Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr Lot 3001 – 3072 GEMÄLDE DES 19. JH. Freitag, 1. Oktober 2021, 16.00 Uhr Lot 3201 – 3253 Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63, Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch, www.kollerauktionen.ch A198 OKTOBER 2021 GEMÄLDE ALTER MEISTER UND DES 19. JH., ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK Auktion: 1. Oktober 2021 GEMÄLDE ALTER MEISTER DES 19. JH. ZEICHNUNGEN UND ALTE GRAFIK Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz VORBESICHTIGUNG Fr. 24. bis Di. 28. September, 10–18 Uhr
  • 6.
    Koller Auktionen istPartner von Art Loss Register. Sämtliche Gegenstände in diesem Katalog, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und einen Schätzwert von mind. € 1000 haben, wurden vor der Versteigerung mit dem Datenbestand des Registers individuell abgeglichen. EURO-Schätzungen Die Schätzungen in Euro wurden zum Kurs von 1.08 umgerechnet und auf zwei Stellen gerundet, sie dienen nur zur Orientierung. Verbindlich sind die Angaben in Schweizer Franken. Gemälde Alter Meister   S. 1 Gemälde des 19. Jahrhunderts   S. 107 Zeichnungen des 15. – 20. Jahrhunderts   S. 169 Alte Graphik   S. 201 Künstlerregister   S. 216 Adressen    S. 218 Auktionsbedingungen    S. 224 Auction Conditions   S. 226 Auktions-Auftrag   S. 228 AUKTIONEN Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz
  • 7.
    Gemälde Alter Meister Lot3001 – 3072 AUKTION Freitag, 1. Oktober 2021, 14.00 Uhr VORBESICHTIGUNG Freitag 24. bis Dienstag 28. September 2021, 10–18 Uhr English descriptions and additional photos: www.kollerauctions.com Stéphanie Egli Tel. +41 44 445 63 32 egli@kollerauktionen.ch Karoline Weser Head of Department Tel. +41 44 445 63 35 weser@kollerauktionen.ch Laura Järmann Tel. +41 44 445 63 31 jaermann@kollerauktionen.ch Hannah Wepler Tel. +41 44 445 63 62 wepler@kollerauktionen.ch
  • 8.
    Gemälde Alter Meister |2 3001* PERE LEMBRI (tätig in Morella und Tortosa um 1399–1421) Apostel Matthäus. Um 1410. Öl auf Holz. Auf Schriftrolle bezeichnet: Sanctam ecclesiam cato- licam santorum comunionem. 111,7 × 48 cm. Provenienz: - Dr. E. Tüscher, Nr. 43 (verso mit Etikett). - Privatsammlung Salzburg. - Europäischer Privatbesitz. Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr. Gaudenz Freuler, August 2021. Vorliegende auf Goldgrund gemalte Tafel zeigt einen in einen roten Mantel gekleideten heiligen Apostel mittleren Alters. Er erscheint auf einer Blumenwiese, die im Hintergrund von einem dunkeln Wald hinterfangen wird. In seiner Hand hält er als Zeichen seines Martyriums ein Messer, während er mit seiner rechten Hand eine Schriftrolle hält, die das neunte Glaubensbekenntnis ([Credo in] sanctam ecclesiam catolicam santorum comunio- nem) enthält. Ohne Kenntnis des zyklischen Zusammenhangs dieser bislang unveröffentlicht gebliebenen Tafel müsste uns die Identität des Apostels verschlossen bleiben. Es handelt sich um den Apostel Matthäus, der zuweilen, wie hier, nicht mit seinem Evangelisten Symbol, dem Engel, sondern mit einem Dolch oder Messer dargestellt wird. Dies begründet sich damit, dass Matthä- us mitunter mit Legenden in Zusammenhang gebracht wurde, laut denen er – im Gegensatz zu jenen, die ihm einen natürlichen Tod zuschreiben – erdolcht worden sei. Die grosse, nach den ele- ganten ästhetischen Prinzipien der internationalen Gotik gemalte, sich durch beschwingt fliessende Draperien und ein markantes, etwas kantiges, leicht mürrischen Antlitz auszeichnende Apos- telfigur des Matthäus kann schlüssig der Hand des spanischen Malers Pere Lembrí zugewiesen werden. Ursprünglich wurde sein Œuvre unter dem Notnamen des Meisters von Albocàsser ge- führt, dem Chandler Rathfon Post eine Werkgruppe zugewiesen hatte (siehe Chandler Rathfon Post: A History of Spanish Painting, Bd. III: The Italo-Gothic and International Style, Cambridge, Mass. 1930, S. 112 ff.). A. José i Pitarch gelang es 1987 und 2004 überzeugend den Künstler Pere Lembri zu identifizieren (zitiert in: Josep Guidiol und Santiago Alcolea i Blanch: Pintura Gotica Cat- lana, Barcelona 1987, S. 109–111 und Ausst.-Kat. Una memoria concreta, Pere Lembrí: Pintor de Morella y Tortosa (1399–1421), hrsg. von Antoni José I Pitarch, Morella 2004, S. 20 ff.) Über Lembrís frühe Karriere ist wenig bekannt, obwohl traditionell angenommen wird, dass er in der Werkstatt von Lluís Borrassà (um 1360–um 1426), einem führenden katalanischen Maler des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts, ausgebildet wurde. Ab 1399 ist Lembrí durchwegs in der Region Maestrazgo dokumen- tiert, hauptsächlich in den Städten Morella und Tortosa, wo er als höchst produktiver und hoch bezahlter Maler großformatiger Retabel in Erscheinung trat (siehe Nicholas Herman, in: Late Me- dieval Panel Paintings, hrsg. von Susie Nash, Bd. II, London 2015, S. 15–16). Allerdings ist keiner seiner zahlreichen durch Archiv- dokumente überlieferten Grossaufträge sicher identifizierbar. Der jüngsten Ausstellung zu unserem Maler (siehe Pitarch, 2004) gelang es, einen Grossteil seines Œuvres auf aufgebrochene Altarwerke gigantischer Dimensionen zu verteilen. Zu einem dieser riesigen hypothetisch, gleich wie arbiträr re- konstruierten Altarwerke (siehe Pitarch, 2004, S.187 ff.), nämlich zum grossen Altar des Credos, gehörte zweifellos auch das hier in Rede stehende Tafelbild mit dem Apostel Matthäus, dessen Schriftrolle sich auf das 9. Glaubensbekenntnis bezieht. Er fügt sich zyklisch, stilistisch, und was das Rahmenwerk und seine Dimensionen betrifft, nahtlos ein in die übrigen bisher bekannten Apostel Darstellungen, welche mit ihren Schriftrollen ebenfalls auf die Artikel des Credos hinweisen. Diese vermutlich über die zwei untersten Geschosse des höchst- wahrscheinlich fünfgeschossigen Altarwerks verteilten Apostel dürften jeweils nach den ihnen zugeordneten Artikel des Credos angeordnet gewesen sein, genauso wie die in der oberen Hälfte figurierenden Bilder der zwölf Glaubensbekenntnisse. Der Altar setzte offenbar ausführlich Raimondo Martìs textliche Vorlage seiner im katalanischen Gebiet verfassten und dort besonders beliebten Schrift des Apostel-Credos, der Explanatio simboli apostolorum ad institutionem fidelium (1256–57) ins Bild (siehe Joseph M. March: “En Ramón Martí et la seva Explanatio simboli apostolorum”, in: Anuari de l’Institut d’Estudis Catalans 1908, S. 442–496). Mit der Wiederentdeckung unseres Apostels steht die Identifikation von nunmehr fünf weiteren Tafeln mit den restli- chen Aposteln aus. Nach Martìs Text müsste unser Apostel in der Apostelreihe an 9. Stelle figuriert haben. Dort verbindet Marti diesen mit Matthäus, sodass die Identität unserer Apostelfigur als Matthäus schlüssig gesichert ist. Dabei kann zyklisch wohl von 12 Aposteldarstellungen aber nicht von ebenso vielen Szenen für die zwölf Glaubensbekenntnisse ausgegangen werden. Diese Erkenntnisse müssten dereinst bei einem neuerlichen Versuch, dieses gigantische Altarwerk zu rekonstruieren, in die Überlegun- gen einfliessen. Die neu entdeckte, hier erstmals präsentierte Tafel mit dem Apostel Matthäus ist ein weiterer Schritt hin zu der Rekonstruktion eines der bedeutendsten Altarwerke Pere Lembrís und eines der Meisterwerke der spanischen Malerei der internationalen Gotik. CHF 30 000 / 50 000 (€ 27 780 / 46 300)
  • 9.
  • 10.
    Gemälde Alter Meister |4 3002* GIOVANNI DI SER GIOVANNI GENANNT LO SCHEGGIA (San Giovanni Valdarno 1406–1486 Florenz) Madonna mit Kind. 1430–35. Tempera auf Holz. 48,5 × 36,5 cm. Gutachten: Angelo Tartuferi. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Das auf Goldgrund gemalte Andachtsbild in originalem Rahmen zeigt die Muttergottes und ihr Kind. Ihr Blick ist sanft auf ihr Kind gerichtet, das kindlich verspielt an seinem Daumen lutscht. Das hier erstmals gezeigte Tafelbild entstammt zweifellos der Kunst der florentinischen Frührenaissance und ist in der Bildwelt Masaccios (1401–1428) verankert. Dies überrascht kaum, denn der Autor dieser Tafel kann ohne Zweifel Masaccios um fünf Jahre jüngeren Bruder Giovanni di Ser Giovanni „detto Scheggia“ zugewiesen werden. Bevor er vermutlich mit der Werkstatt seines Bruders in Kontakt kam, dürfte „Scheggia“ im 2. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts in der damals florierenden Werkstatt von Bicci di Lorenzo (1373–1452) ausgebildet worden sein. Noch 1421 ist er bei Bicci di Lorenzo erwähnt, doch 1426 reiste er nach Pisa, um im Auftrag seines Bruders Masaccio von Giuliano di Colino degli Scar- si einen Vorschuss zu empfangen, den dieser für ein bei Masaccio in Auftrag gegebenes Altarwerk für Santa Maria del Carmine in Florenz ausstehend hatte. Offenbar ist er zu diesem Zeitpunkt in die Werkstatt seines Bruders eingetreten. Masaccios Bildwelt ist sowohl in seinem Früh- als auch Spätwerk omnipräsent. Dies gilt für einzelne Bildmotive, die aus dem brüderlichen Bildrepertoire einflossen, gleich wie das in seinen Bildern erkennbare rationale Verhältnis zu perspektivisch durchdacht konstruierten Szenarien. Im Verlaufe der 1430er-Jahre ist im Œuvre unseres Malers eine Wende zu beobachten, die versuchte, die verfeinerte Lichtma- lerei, wie sie von Fra Angelico (um 1395–1455) und Domenico Veneziano (um 1410–1461) vorgetragen wurde, umzusetzen. Vorliegendes Andachtsbild, das sich gegenüber den frühen Tafeln durch eine etwas verfeinerte und lichterfüllte Modellierung aus- zeichnet, erscheint uns so als Übergangswerk vom Frühwerk in die spätere Phase um 1440 und dürfte wohl zwischen 1430 und 1435 entstanden sein, womit wir das Werk etwas später ansetzen als Angelo Tartuferi, der in einer undatierten Expertise eine etwas frü- here Datierung zwischen 1425 und 1430 postulierte. Giovanni di Ser Giovanni, der später zum beliebten Cassone Maler avanciert, musste in Florenz als renommierter Künstler bis in die obersten sozialen Kreise vorgestossen sein, malte er doch 1449 für Piero di Cosimo de’ Medici (1416–1469) zur Geburt seines ältesten Sohns Lorenzo il Magnifico (1449–1492) einen Geburtsteller, der sich im Metropolitan Museum of Art in New York befindet. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 30 000 / 50 000 (€ 27 780 / 46 300)
  • 11.
  • 12.
    Gemälde Alter Meister |6 3003 ANTONIO MARINONI (tätig um 1470 Val Seriana 1542) Gegenstücke: Heiliger Hieronymus und Heilige Apollina. Um 1525–30. Öl auf Holz. Je 124,5 × 44 cm. Provenienz: - Auktion Fischer, Luzern, 1943 (als B. Vivarini). - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Chiara Paratico: La bottega Marinoni, XV-XVI secolo, Albino 2008, S. 101. Der heilige Hieronymus, einer der Kirchenväter, trägt hier den roten Mantel des Kardinalats und hält in seinen Händen das Modell einer Kirche. Die weibliche Figur hingegen stellt die heilige Apollina dar, die durch die Palme des Martyriums und der Jungfräulichkeit, das Gebetbuch und die große Zange gekennzeichnet ist, mit der ihr der Legende nach die Henker die Zähne gezogen haben (siehe G. Kaftal: Iconography of the Saints in the Painting of North West Italy, Florenz 1985, coll. 94–97). Die beiden Heiligen, von denen der eine nach rechts und der andere nach links blickt, müssen den oberen Teil eines wohl zwei- stöckigen Altarwerks gebildet haben, wobei sich in der Mitte ein geschnitztes oder gemaltes Element befand. Die monumentale Struktur solcher Altarwerke war im Nordwesten Italiens zwischen dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sehr beliebt: das grosse Polyptychon, das Vincenzo Foppa um 1490–1500 für die Kirche Santa Maria delle Grazie in Bergamo malte und das heute in der Pinacoteca di Brera in Mailand aufbewahrt wird, war das Vorbild für diese reiche regio- nale Produktion. Unsere Tafeln lassen sich dabei stilistisch mit dem Altarwerk der Heiligen Petruskirche in Desenzano al Serio (Bergamo) verglei- chen, das im frühen 16. Jahrhundert in der Werkstatt Marinonis entstanden ist (siehe C. Paratico: La bottega Marinoni, XV-XVI secolo, Albino 2008, S. 154–161). Sechs weitere Tafeln könnten zu demselben Altarwerk gehört haben: eine Heilige Katharina von Alexandrien und eine Heilige Magdalena, die sich in der Sakristei der Kirche S. Alessandro della Croce in Bergamo befinden; ein Heiliger Sebastian (123 × 53 cm) und ein Heiliger Franz von Assisi (123 × 53 cm), die von Christie‘s in New York am 31.6.1989 (Los 111) als Schule von Bartolomeo Vivarini verkauft wurden; schliesslich ein Heiliger Rochus (110 × 54 cm) und ein Heiliger Bernhard von Siena (110 × 54 cm), die sich in einer Privatsammlung in Bergamo befinden (siehe F. Rossi: Pittura anonima bergamasca del primo Cinquecento, in: I pittori bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Cinquecento, Bd. III, Bergamo 1979, S. 49, Abb. S. 69; C. Paratico, ebd. S. 193–197). Sollte diese Hypothese zutreffen, wäre der grösste Teil eines von den Marino- nis um 1525–1530 gemalten Polyptychons rekonstruiert, das laut Ikonographie für eine franziskanische Kirche bestimmt war; seine Zerstückelung wäre kurz nach 1798 erfolgt, dem Jahr, in dem die klösterlichen Orden und kirchlichen Besitztümer in den Gebieten der Cisalpinen Republik aufgehoben wurden. Der aus Desenzano al Serio bei Albino (Bergamo) stammende Gi- ovanni Marinoni (urkundlich belegt ab 1455–gestorben vor 1508) war der eigentliche Gründer der Werkstatt, die er dann an seine beiden Söhne Bernardino (urkundlich belegt ab 1490–gestorben um 1530) und Antonio (um 1470–um 1542), der Maler unserer Tafel, weitergab. Dokumente belegen, dass letzterer in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts eine führende Rolle spielte, bevor er die Leitung an seine eigenen Söhne Ambrogio und Fran- cesco übergab. Wir danken Prof. Mauro Natale für seine wissenschaftliche Unter- stützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 13.
  • 14.
    Gemälde Alter Meister |8 3004 MEISTER DER TEMPERE FRANCESCANE (tätig in Neapel um 1320–1360) Heiliger Jakobus. Um 1355–60. Tempera und Goldgrund auf Holz. 25,6 × 19 cm. Provenienz: - Europäische Privatsammlung. - Schweizer Privatsammlung. Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr. Gaudenz Freuler, Februar 2021. Das aus einem grösseren Zusammenhang stammende kleine Tafelbild zeigt in frontaler Ansicht die Figur des Apostels Jakobus des Älteren. In ein lila Kleid mit Goldbordüren gekleidet, über das ein in elegantem Faltenwurf fallender Mantel geschlungen ist, sucht der Heilige mit fixierendem Blick die Aufmerksamkeit des Betrachters. In seiner Linken hält er den Pilgerstab samt Tasche mit seinem traditionellen Emblem der Muschel, während er mit der anderen Hand die Bibel hält. Die Tafel lässt gemäss Prof. Gaudenz Freuler stilistische Eigenheiten erkennen, die sich aus einer früheren, aus Giotto (ca. 1265–1337) und später zusätzlich aus Simone Martini (1284–1344) entwickelten Kunst herleiten lassen und sich unverkennbar mit der neapolitanischen Malerei um 1350–60 verbinden. Die höchst elegante Darstellung des etwas verträumt wirkenden Apostels Jakobus d. Ä. lässt stringente Anklänge an das spätere Œuvre eines in Neapel tätigen Malers, des sogenannten „Meis- ters der Tempere Francescane“, erkennen. Dieser gehörte um 1340 zu den Protagonisten der damals für den Hof der Anjou tätigen Künstler und seine Dienste waren auch im süditalieni- schen Umland sehr gefragt. In der Folge wurde dieser Maler mit Pietro Orimina (tätig um 1330–ca. 1360), dem Vater des damals berühmtesten neapolitanischen Buchmalers des Anjou Hofs, Cristoforo Orimina (1335–ca. 1370), identifiziert. Gleich wie andere Zeitgenossen unseres Malers, wandte er sich nach einer anfänglich eher von Giotto beeinflussten Phase zunehmend der gotischen Eleganz von Simone Martinis Kunst zu, welche die Erscheinungsbilder mit einer höfischen Eleganz verfeinerte. Simone Martinis Werke kannte unser Maler aus erster Hand, denn der grosse sienesische Maler stand bereits im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts am Anjou Hof in Neapel in hohem Ansehen. Simones Kunst sollte in der Folge am Hof der Anjou in Neapel und dem alliierten päpstlichen Hof in Avignon stilbildend werden (siehe Vergleichsbeispiele Analyse Freuler, 02.2021, fig. 13), was nun auch augenscheinlich für das hier in Rede stehende Gemälde mit dem Jakobus d. Ä. zutrifft. Die elegante Heiligenfigur erscheint auf Goldgrund innerhalb ei- nes mit Sticheltechnik gemusterten Rahmenbandes, das Simone Martinis gegen 1340 gemalte punzierte Tafeln nachempfindet. Ähnlich gestaltete unser Maler auch für ein stilistisch verwand- tes in seiner dekorativen Pracht aber in etwas opulenterer Form vorgetragenes Madonnenbild, das anlässlich der Auktion in New York (Sotheby‘s, 31.1.2013, Los 16) Prof. Freuler dem Meister der Tempere Francescane zugewiesen hatte. Gleich wie bei der Madonna erkennen wir auch hier die für das Spätwerk unseres Malers typischen Verfeinerungen in der Körper- und Gesichtsbil- dung. Der Jakobus erscheint als schlanke gestreckte Gestalt, mit schmalen, etwas herabhängenden Schultern und dem typischen gelängten, mageren Gesicht, dessen Inkarnat mit feinsten tona- len Übergängen ausgearbeitet ist. Diese gelängten, elliptischen, sich durch eine hohe Stirnpartie auszeichnenden Gesichter, die auch in den Figuren seines berühmten, ca. 1345 gemalten Altar- werks von Ottana und im Freskofragment in Santa Lucia alle Malve in Matera ähnlich wiederkehren, lassen sich auf Typen herleiten, wie sie Simone Martini in seiner frühen Schaffensphase in der Unterkirche von San Francesco in Assisi und der imposanten Tafel des Ludwig von Toulouse in Neapel, also aus den Werken gegen 1315–1320, entwickelt hatte. Aus der Werkstatt des Buchmalers Cristoforo Orimina ist in seiner letzten Schaffensphase der frühen 1360er-Jahre ein Missale (Avignon, Bibliothèque Municipale, Ms 138) hervorgegangen, dessen illuminierte Illustrationen ein stilistisch eng verwandtes Figurenrepertoire erkennen lassen, was sich beispielsweise am Vergleich unseres Jakobus mit der Figur der Heiligen Agnes einer Initiale N des erwähnten liturgischen Buches nachprüfen lässt. Dieser Stilvergleich mit einer Buchillustration der Werkstatt des Cristoforo Orimina bestätigt die Zuweisung unserer Tafel ins Milieu der Orimina, gleich wie auch die Identifikationsthese des Meisters der Tempere Francescane mit Cristoforo Oriminas Vater, Pietro Orimina, so zusätzlich bekräftigt wird. Unser subtil gemal- tes Tafelbild von bemerkenswerter künstlerischer Qualität reiht sich in das Spätwerk des Meisters der Tempere Francescane (alias Pietro Orimina) ein. Es dürfte ca. 1355–60 entstanden sein und präsentiert sich als seltene und zugleich bedeutende Erweite- rung des Werkkatalogs dieses erfolgreichen, am königlichen Hof der Anjou sehr gefragten Malers. Zugleich gewährt es uns einen neuen Einblick in das noch wenig erforschte Spätwerk unseres Künstlers. CHF 28 000 / 35 000 (€ 25 930 / 32 410)
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    Gemälde Alter Meister |10 3005* SPANISCHER MEISTER, UM 1500–1520 Beweinung Christi mit dem büssenden Heiligen Hieronymus. Öl auf Holz. 122,4 × 155 cm. Mit kunsthistorischer Analyse von Dr. Michaela Schedl, 26.1.2021. Provenienz: - Sammlung Professor Wedewer (1852–1922), Wiesbaden. - Auktion Lempertz, Köln, 25.11 1925, Los 233 (als Deutscher Meister des 15. Jahrhunderts in Norditalien arbeitend). - Privatsammlung Süddeutschland, durch Erbschaft an die heuti- gen Besitzer. Dr. Michaela Schedl hebt in ihrer Untersuchung die eher seltene Darstellung der Beweinung Christi mit dem büssenden Heiligen Hieronymus hervor und vermutet im Austausch mit Dr. Sven Jakstat, dass die Tafel aus einem Hieronymitenkloster stammt. Hieronymiten sind Mitglieder eines iberischen Ordens, die vor allem in Spanien und Portugal seit dem 14. Jahrhundert Klöster gründeten mit dem Ziel, das Leben des Heiligen Hieronymus nachzuahmen. Stilistisch ist die Tafel in der Nachfolge von Juan de Borgona (um 1470–1536) um 1500–20 in Kastilien einzuordnen. Hierfür sprechen die hochdekorierten goldbrokatenen Gewänder der Figuren Josef von Arimathäa und Maria Magdalena. Der Maler arbeitete mit Gravierungen und Punzierungen in der grundierten Maloberfläche, die dem Brokatstoff mehr Plastizität verleihen. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 17.
    | 11 3006 KASTILISCHE SCHULE,UM 1480 Geburt Christi. Öl und Goldgrund auf Holz. 122 × 55,6 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 18.
    Gemälde Alter Meister |12 3007* SCOLAIO DI GIOVANNI GENANNT MAESTRO DEL BORGO ALLA COLLINA (um 1370 Florenz 1434) Madonna mit Kind. Tempera und Goldgrund auf Holz. 101 × 54 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Die Muttergottes und ihr Kind sitzen auf einem goldenen Kissen, das auf den von einem kostbaren Goldbrokat bedeckten Boden gelegt ist. Ihr Antlitz ist zärtlich dem auf ihren Knien sitzenden Je- susknaben zugewandt, der in seiner Linken eine Spruchrolle hält, in der die Worte des Johannes Evangeliums 14,6 EGO SUM VIA VERITAS (ET VITA – Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben) eingeschrieben sind. In der Predella des in Originalrahmung auf uns gekommenen Madonnenbildes ist in drei Medaillons der Pas- tiglia Dekoration die Darstellung einer Verkündigung zu erkennen. Das anmutige, bisher noch nicht veröffentlichte Tafelbild ist ein typisches Produkt der spätgotischen florentinischen Malerei zu Beginn des 15. Jahrhunderts, die seit dem späteren 14. Jahrhun- dert zahlreiche vergleichbare Tafeln zur Privatandacht hervorge- bracht hatte. Der betont höfische Stil des Bildes entspricht einem ästhetischen Empfinden, das sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Florenz einer grossen Beliebtheit erfreute und im Werk der damals führenden spätgotischen Maler Lorenzo Monaco (um 1370–1425) und Gherardo Starnina (um 1360–1413) einen kurzen Höhepunkt erreichte. Zweifellos steht das Tabernakel in engster künstlerischer Verbindung mit dem florentinischen Maler Starnina, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts zusammen mit Lorenzo Mo- naco in Florenz zum gefragtesten Maler avancierte. Unverkennbar liegt vorliegendem Madonnenbild die Bildwelt Starninas zugrunde, was schon allein am Madonnentypus und der gleichartig geläng- ten schlanken Figur des Jesusknaben leicht erkennbar ist. In diesem Umfeld entstanden, weist Gaudenz Freuler dieses Andachtsbild mit Sicherheit Scolaio di Giovanni zu, dessen Kunst grundlegend aus Starnina schöpft. Unsere Madonna mit Kind hat Scolaio selbst ein weiters Mal – dort jedoch entrückt auf einer Wolke schwebend – eins zu eins für eine Tafel im National Muse- um katalanischer Kunst in Barcelona verbildlicht (Inv-Nr. 064969- 000). Die schlank gestalteten Figuren, die lineare Dynamik des Faltenwurfs der Draperien, die ein höchst exquisit elegantes Erscheinungsbild erzielen, verbinden sich mit Scolaio di Giovan- nis Werken aus der späten Schaffensphase, die durch dessen datiertes Altarwerk (1423) in der Kirche von San Donato in Borgo alla Collina repräsentiert wird. Damit darf für unsere Tafel eine Datierung um ca. 1425 postuliert werden. Wir danken Prof. Dr. Gaudenz Freuler für seine wissenschaftliche Unterstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
  • 19.
  • 20.
    Gemälde Alter Meister |14 3008 NERI DI BICCI (1418 Florenz 1492) Der Erzengel Gabriel. Um 1470–80. Öl auf Holz. 43 × 32,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Mit einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse von Prof. Dr. Gaudenz Freuler, August 2021. Vorliegende noch unveröffentlichte Tafel der florentinischen Renaissance ist ein charakteristisches Werk des Florentiner Malers Neri di Bicci, des letzten Sprösslings einer berühmten flo- rentinischen Malerdynastie seit Lorenzo di Bicci (um 1350–1427). Der Malstil des Künstlers ist geprägt von der mittelalterlichen Goldgrundmalerei seiner Vorväter Lorenzo di Bicci und Bicci di Lorenzo (1373–1452). Gleichzeitig weist er auch eine Auseinan- dersetzung mit der Bildwelt der florentinischen Renaissance auf, insbesondere mit den künstlerischen Errungenschaften seiner moderneren Zeitgenossen, etwa eines Filippo Lippi (1457–1504) und Domenico Veneziano (1410–1461) – und am Ende seiner Karriere – des Andrea del Verrochio (1435–1488). Das hier in Rede stehende Bild des Erzengels Gabriel – erkennbar am Lilienzweig – war einst Teil einer grösseren Altartafel, deren Szenario durch einen oben rechts noch sichtbaren hochgezo- genen Goldbrokat Vorhang illusionistisch enthüllt wurde. Solche Bildkonzepte wurden in der florentinischen Renaissance seit Filippo Lippi entwickelt. Demnach figurierte unser Engel Gabriel ursprünglich in der rechten Bildhälfte der vermutlich rechtecki- gen Tafel. Möglicherweise bildete unser Engel eine Einheit mit den beiden anderen Erzengeln Raphael und Michael, und liess ein Erscheinungsbild erkennen, wie es ähnlich von Neri di Bicci selbst auf seiner 1471 für Mariotto di Marco della Palla für Santo Spirito in Florenz gemalten Tafel (Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 26.114) vorgebildet ist. Das Bildthema der drei Erzengel erfreute sich im Laufe der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Florenz einer grösseren Beliebtheit. Die Entwicklung des florentinischen Erzengel Bildes im 15. Jahrhundert gipfelte um 1470 vermutlich in Verrocchios Werkstatt in einer höchst erfolgreichen Bilderfindung. Sie wurde in der Folge für die florentinischen Interpretationen dieses Bildt- hemas massgebend, was auch für Neri di Biccis Erzengel Bilder zutrifft. Daraus können wir schliessen, dass das vorliegende Bild im Verlaufe der 1470er-Jahre, also in einer späten Schaffenspha- se des 1491 verstorbenen Künstlers entstanden ist. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 21.
  • 22.
    Gemälde Alter Meister |16 3008A* GIOVANNI BATTISTA VOLPONI (tätig in Pistoia, frühes 16. Jh.) Madonna mit Jesuskind und Heiligem Franziskus und Bernhardin von Siena. Öl auf Holz. 125 x 124 cm. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Das vorliegende Werk stammt von Giovanni Battista Volponi, genannt lo Scalabrino, wie Professor Mauro Lucco bestätigt. Lo Scalabrino war Schüler des Fra‘ Paolino da Pistoia (1488–1547), seinerseits Schüler des Fra‘ Bartolomeo (1472–1517). Des Weite- ren arbeitete Scalabrino mit Gerino da Pistoia (1480 – 1529), wes- halb seine Arbeiten auch den Einfluss romagnolischer Künstler, wie etwa den von Gasparo Sacchi da Imola (tätig um 1517–1536) aufweisen. Weitere Arbeiten des Künstlers befinden sich beispielweise im Museo Civico in Pistoia (Fototeca Zeri, Nr. 37759), im Palazzo Arci- vescovile in Viterbo (Fototeca Zeri, Nr. 37763) und der Pinakothek in Parma (Inv.-Nr. 158, Kat.-Nr. 233). Prof. Mauro Lucco bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes nach Untersuchung des Originals, wofür wir ihm danken. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 690 / 28 040)
  • 23.
  • 24.
    Gemälde Alter Meister |18 3009 VINCENZO FOPPA (UMKREIS) (Bagnolo um 1430–1516 Brescia) Madonna mit Kind. Um 1500–1505. Öl auf Holz. 52,5 × 39,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel Luigi Grassi Sons, Florenz (verso mit Etikett). - Privatsammlung Schweiz. - Auktion Dobiaschofsky, Bern, 6.–10.5.2015, Los 306. - Europäischer Privatbesitz. Die als Halbfigur erscheinende Muttergottes steht vor einer Fens- teröffnung mit Ausblick in eine Hügellandschaft. Mit ihrer Rechten stützt sie den kleinen auf dem Gesims sitzenden Sohn, der in einem Buch blättert. Über Maria hängt als Zeichen ihrer Jungfräu- lichkeit eine Perlen Girlande, während auf dem Fenstersims eine Birne zu erkennen ist. Das aus Donatellos (1386 –1466) Madon- nenreliefs geschöpfte Konzept der an einem Fenster stehenden Madonna wurde von Vincenzo Foppa um ca. 1475 in die Malerei umgesetzt, als er seine berühmte Madonna del Libro (Museo d’ Arte Antica del Castel Sforzesco in Mailand, Inv-Nr. 305) malte. Sie diente offenbar als Modell für das hier in Rede stehende Madon- nenbild, zumal hier auch die Perlengirlande – bei Foppa sind es Korallenperlen – mittradiert ist. Verändert ist hier auch das Motiv des Buchs, das nun nicht von Maria gehalten wird, sondern vom Jesusknaben durchblättert wird. Seine Pose, die im Unterschied zu Foppas Tafel nun nicht mehr in der klassischen aufrechten Hal- tung gezeigt ist, sondern lässig sitzend, ist ebenfalls mit Foppas Bildwelt verbunden. Die Tafel lässt sich in der lombardischen Renaissance-Malerei ver- orten und wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Umkreis Vin- cenzo Foppas gemalt. Die Modellierung der Figuren lässt nichts mehr vom Charakter von Foppas Werken um 1470 erkennen und zeigt innerhalb des Inkarnats Anleihen an die Sfumatomalerei der späteren lombardischen Malergeneration. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 25.
    | 19 3010* LORENZO COSTA(ZUGESCHRIEBEN) (Ferrara 1460–1535 Mantua) Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien. Tempera auf Holz. 39,5 × 28,8 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520)
  • 26.
    Gemälde Alter Meister |20 3013* JOHANN KREUZFELDER (1577 Nürnberg 1632) Bildnis einer Dame. 1626. Öl auf Leinwand. Oben rechts datiert und monogrammiert: 1626 JC (ligiert). 79 × 63 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Im ausgehenden 16. Jahrhundert war die Kunst der Niederlande das dominierende Vorbild der Nürnberger Porträtmaler. Mit Ni- colas Neufchâtel (1525/27–1573) und Nicolaus Juvenel d. Ä. (vor 1540–1597) hatten sich gleich zwei prominente, niederländische Künstler in der Reichsstadt niedergelassen. Unter ihrem Einfluss fand die hochentwickelte Antwerpener Bildnismalerei Eingang in die lokale Porträtmalerei und verhalf dieser zu einer neuen Blüte. Die Schüler Juvenels gehörten zu den erfolgreichsten und gefragtesten Porträtmalern der Stadt. Johann Kreuzfelder, Sohn eines Nürnberger Goldschmieds, absolvierte 1593 bis 1597 seine Lehrzeit bei Juvenel. 1603 schuf er die grossformatige Gedächt- nistafel der Familie Behaim in der Sebalduskirche. 1612 und 1617 porträtierte er die Nürnberger Ratsherren, danach war er u.a. für die Grafen von Oettingen und Hohenlohe-Langenburg als Porträtmaler tätig. Bereits seit Nagler (Monogrammisten, Bd. 2, 1860, S. 82) wird ihm von der Forschung das Monogramm „JC“ (für Johann Creutzfelder) zugewiesen. Das 1626 datierte Gemälde zeigt eine Frau in mittlerem Alter im Brustbild vor grauem Grund. Ihr Oberkörper und Kopf sind leicht nach links gewandt, ihr aufmerksamer Blick ist zum Betrachter ge- richtet. Die Dame trägt ein schwarzes, mit zahlreichen Stickereien verziertes Gewand, ihr Haupt ziert ein entsprechendes Barett, unter dem die Haare zu einem Zopf geflochten auf den Rücken fallen. Charakteristisch für Kreuzfelder ist die Zartheit seiner Malweise, besonders zu erkennen im weich modellierten Inkarnat der Porträtierten oder den feinmalerisch gestalteten weissen Spitzenbesätzen der üppigen Halskrause und der Ärmelaufschlä- ge. Eine prächtige, vielgliedrige Goldkette deutet auf den hohen sozialen Status der Porträtierten ebenso wie die mit Steinen besetzte, seitlich gegürtete Börse und die juwelenreichen Finger- ringe. Bemerkenswert ist der Ring am rechten Zeigefinger, der ein Allianzwappen präsentiert, das auf den verheirateten Status der Frau deutet. Da sich die Dame nach links wendet (und nicht, wie bei Einzelbildnissen üblich, nach rechts), existierte vielleicht ein zugehöriges Bildnis ihres Ehemannes. Das Wappen mit Helmzier in der rechten Bildecke konnte bisher nicht identifiziert werden. Obwohl Kreuzfelder als Porträtist in den Quellen mehrfach be- zeugt ist, haben sich im Vergleich zu seinem Zeitgenossen und Kollegen Lorenz Strauch (1554–1630) nur sehr wenige Bildnisse mit Signatur erhalten. Ein monogrammiertes Herrenbildnis von 1623 befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürn- berg (Bildnis des Georg Volckamer von Kirchensittenbach, Inv.-Nr. Gm 715), ein weiteres signiertes Herrenporträt im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg (Bildnis eines Mannes von 1623, Inv.- Nr. G 112). Auf einem Gemälde der Kunstsammlung der Stadt Nürnberg (Fembohaus, Porträt des Bartholomäus Viatis, 1614), das stilistisch und malerisch dem Frauenporträt sehr nahesteht, konnte nach einer 2010 erfolgten Restaurierung erstmals auch die ausgeführte Signatur „Johanes Creutzfelder Nornberg Pinxit“ nachgewiesen werden. Wir danken Judith Hentschel für die Bestätigung der Eigenhändig- keit anhand einer Fotografie und für diesen Katalogeintrag. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110) 3013 (Detail)
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  • 28.
    Gemälde Alter Meister |22 3014* BARTHOLOMÄUS BRUYN D. J. (um 1530 Köln um 1610) Bildnisse eines Kölner Patriziers und seiner Frau, wohl Mitglieder der Familie Pilgrum. 1563. Öl auf Holz. Je oben mittig bezeichnet und datiert: AETATIS SVE 56 AO.1563 (Ehemann). AETATIS SVE 54 AO.1563 (Ehefrau). Je 49 × 34 cm. Provenienz: - Sammlung Graf Schaffgotsch. - Privatsammlung L., Hitzlisberg, Luzern. - Auktion Fischer, Luzern, 30.8.1933, Los 230. - Auktion Christie‘s, London, 9.7.1999, Los 140. - Europäische Sammlung.
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    | 23 Mit einerdendrochronologischen Untersuchung durch Prof. Dr. Peter Klein (19.5.2021), wonach die Holztafel des Herrenbildnis- ses frühestens ab 1561 und diejenige der Ehefrau frühestens ab 1549 Verwendung fanden. Die Datierung der Gemälde ins Entstehungsjahr 1563, wie oben bezeichnet, erscheinen somit als überzeugend. Dr. Roland Krischel, dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldepaares danken, verweist auf die Ähnlichkeit der hier dargestellten Dame mit einem Bildnis Bartholomäus Bruyns d. J., welches eine Frau aus der Kölner Familie Pilgrum zeigt und sich in den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique in Brüssel befindet (Inv.-Nr. 1379, siehe Didier Martens: Le prétendu Obiit de Lambert Lombard…, in: Annales d’Histoire de l’Art d’Archéologie, 38, 2016, S. 93–113, Abb. 12, S. 110). CHF 50 000 / 70 000 (€ 46 300 / 64 810)
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    Gemälde Alter Meister |26 3015* PIETER BRUEGHEL D. J. (Brüssel 1564–1638 Antwerpen) Die Predigt des Heiligen Johannes des Täufers. Öl auf Leinwand. 95 × 162,5 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 7.3.2020. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Die Predigten des Johannes des Täufers waren durch die rö- mische und die jüdische Obrigkeit verbotene Versammlungen christlicher Gläubiger, die im Verborgenen stattfinden muss- ten. Pieter Brueghel d. J. widerspiegelt diese Thematik in seiner „Guckkasten-Komposition“, die beidseitig von mächtigen Eichen flankiert ist und dank Repoussoir-Motiven den Blick in die Ferne leitet, wo der Betrachter einen Fluss, der allegorisch für die Taufen durch Johannes steht, und eine befestigte Stadt mit einer Kirche sehen kann. Johannes steht ganz im Hintergrund und trägt ein einfaches Gewand als Zeichen seiner Bedürfnislosigkeit. Unter den Zuhörern finden sich flämische Zeitgenossen des Malers und solche, die in fremder Mode gekleidet sind und aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten stammen. Hier kann der Betrachter so viele Seherlebnisse geniessen, wie es bisher nur von den Gemälden des Vaters unseres Malers, Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525 –1569), bekannt war. Pieter Brueghel d. J. war innerhalb der Brueghel-Dynastie der- jenige, der die von Pieter d. Ä. begründete Kunst am treuesten weiterführte und in seiner Vermittlerfunktion eine zentrale Rolle für die bis heute anhaltende Popularität des väterlichen Œuvres spielte. Eine „Predigt Johannes des Täufers“ von Pieter Bruegel d. Ä., die sich heute im Szepmüveszeti Muzeum in Budapest befindet (Inv.- Nr. 51.2829, siehe Klaus Ertz: Pieter Brueghel der Jüngere- Die Gemälde, Lingen 2000, Band I, Abb. 256, S. 361) war wohl in Besitz der Erzherzogin und Statthalterin der spanischen Niederlande in Brüssel Isabella Clara Eugenia von Spanien, sodass Pieter d. J. dieses Bild intensiv studieren konnte. So stimmen auch in unse- rem Gemälde die Farben im Wesentlichen mit dem Gemälde des Vaters überein. Zusammen mit den „Anbetungen“ ist die Johannespredigt die er- folgreichste Darstellung des Malers Pieter Brueghel d. J. aus dem christlichen Themenbereich. Solche Darstellungen haben seit dem Mittelalter lange Tradition und erfreuen sich gerade in der Umbruchszeit um 1600 grosser Beliebtheit. Dementsprechend malte Pieter Brueghel d. J. diese Kompositionen mehrmals in der Zeit von 1601 bis 1636. Dr. Klaus Ertz datiert unsere Version nach 1616 und weist insbesondere auf die malerische Perfektion und die für den Künstler typischen, ein wenig maskenhaft wirkende Gesichter der Figuren hin, die von hoher Aussagekraft sind. For the description and lot essay in English, please visit our website: www.kollerauctions.com. CHF 380 000 / 500 000 (€ 351 850 / 462 960)
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    Gemälde Alter Meister |28 3016* JACOB SAVERY D. J. (1592 Amsterdam 1651) Adam und Eva in einer Paradieslandschaft. Öl auf Holz. 46 × 70,8 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 9.6.2021. Provenienz: - Nachlass einer Apotheker-Familie, Wien. - Privatsammlung Wien. - Privatsammlung Salzburg. Ausstellung: Salzburg 2015, Sinnesfreuden. Tanz, Musik, Spiel und Jagd, Residenzgalerie Salzburg, 20.11.2015–3.7.2016. Diese belebte Paradieslandschaft mit der Erschaffung von Adam und Eva im Hinter- grund identifiziert Dr. Klaus Ertz nach Prüfung des Originals als eine charakteristische Arbeit des Amsterdamer Malers, Jacob Savery d. J., die er in die 1630er-Jahre datiert. Zuletzt war sie 2015 in der Residenzgalerie in Salzburg ausgestellt (Abb. 1) und wurde nun in einer Privatsammlung entdeckt. Jacob Savery d. J. wurde als zweiter Sohn von Jacob Savery d. Ä. (um 1565–1603) in Amsterdam geboren. Er erhielt seine Ausbildung vom väterlichen Repertoire geprägt im Umfeld der durch Glaubensverfolgungen in den Niederlanden Zuflucht gefunde- nen flämischen Künstlerkreisen, die sich der brueghelschen Maltradition verbunden sahen und die grosse Nachfrage hierfür bedienten. Neben seinem Vater, der bei Hans Bol (1534–1593) gelernt hatte und bereits 1603 verstarb, war auch sein Onkel, Roelant Savery (1576–1639) prägend für seine künstlerische Entwicklung. Die hier dargestellten Tierkompositionen vermitteln zum Grossteil die Auseinandersetzung mit dem Œuvre Jan Brueghels d. Ä. (1568–1625) und seiner Nachfolge, während eini- ge Tiere sowie die Tonalität auch an die Arbeiten seines Onkels Roelant erinnern. CHF 50 000 / 70 000 (€ 46 300 / 64 810) Abb. 1 Ausstellung „Sinnesfreuden. Tanz, Musik, Spiel und Jagd“, Residenzgalerie Salzburg, 2015.
  • 35.
  • 36.
    Gemälde Alter Meister |30 3017* HANS JORDAENS III (1595 Antwerpen 1643) Moses teilt das Rote Meer. Öl auf Kupfer. Unten links signiert: H. Iordaens ft. 35,1 × 45,1 cm. Provenienz: Europäische Sammlung. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 37.
    | 31 3018* JAN VANKESSEL (Antwerpen um 1620–nach 1661 Amsterdam) Liegender Otter am Felsgestade. Öl auf Kupfer. 15,5 × 22,3 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 21.5.2021. Provenienz: - Kunsthandel Hamburg, bis ca. 1958. - Von Obigem erworben, Privatsammlung, für mehrere Genera- tionen. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer, europäische Privatsamm- lung. Dieser naturgetreu wiedergegebene Otter an einem Flusslauf wurde kürzlich in einer deutschen Privatsammlung entdeckt. Dr. Klaus Ertz bestätigt nach Begutachtung des Originals die Autor- schaft Jan van Kessels und datiert die Arbeit in die 1650er-Jahre, die in Antwerpen gefertigt wurde. Ertz führt bislang 35 bekannte Werke von Jan van Kessel auf, in denen er sich auf Stillleben mit Gemüse und Früchten, Jagdtrophäen und Blumen spezialisier- te (Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Die Maler Jan van Kessel, Lingen 2012, S. 144). Diese eher seltene Darstellung eines Otters gilt als eine qualitätsvolle Bereicherung des bislang bekannten Œuvres. Geboren in Antwerpen, lernte er in den Jahren 1634–35 unter Simon de Vos (1603–1673) und wurde um 1645 als Meister der dortigen Malergilde aufgeführt, ebenso wie auch Jan van Kes- sel d. Ä. (1626–1679), mit dem er häufig verwechselt wurde. Im Anschluss siedelte er nach Amsterdam um, wo Jan Baptist Walvis (1622–1691) und Gerrit Cornelisz. seine Schüler waren. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 38.
    Gemälde Alter Meister |32 3019* JAN BRUEGHEL D. Ä. (Brüssel 1568–1625 Antwerpen) Dorfgracht mit Figuren, Booten und Anlegestelle. 1608. Öl auf Kupfer. Unten links signiert und datiert: BRVEGHEL 1608. 14,7 × 19,6 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 10.7.2021. Provenienz: - Sammlung Kaspar Ilg, Schweiz. - Durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. Voll signiert und datiert offenbart sich auf dieser kleinen Kupfer- tafel die künstlerische Virtuosität von Jan Brueghel d. Ä.. Mit stel- lenweise nur skizzierenden Pinselstrichen sind die Details gekonnt und präzise festgehalten (Abb. 1). Die Komposition wird zwar noch von der Bildtradition des 16. Jahrhunderts, die Perspektive farblich in Braun-, Grün- und Blautönen zu gestalten, geprägt, aber entscheidend durch den Flussverlauf revolutioniert. Die Tiefe wird nicht mehr durch inein- ander geschobene Ebenen definiert, sondern durch die fluchten- den Perspektivlinien. Diese Form der Landschaftsgestaltung entwickelte Brueghel ab 1602 (siehe Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz: Jan Brueghel der Ältere. Die Gemälde. Bd. 1, Lingen 2008, S. 296 ff., Kat.-Nr. 136–39) mit ähnlichen Kompositionen. Ein Fluss oder Kanal fliesst an einer Dorfschaft entlang oder hindurch, an den Bildrändern findet sich eine dichte Vegetation, die sich in der Wasseroberflä- che spiegelt. Die Szenerie wird belebt durch Bauern bei der Arbeit, dem Be- und Entladen ihrer Boote und Vögel im Wasser, an Land und auf den Bäumen sowie in der Luft. Während die späteren Landschaften von zahlreichen Personen und einem aktiven Miteinander bestimmt werden, scheint der Schwerpunkt hier in der individuellen Wahrnehmung von Natur, Mensch und Tier zu sein, wobei der Mensch den kleinsten Anteil einnimmt und der Einklang zwischen Natur und Tierwelt im Fokus steht. Es darf davon ausgegangen werden, dass Jan Brueghel d. Ä. zu- nächst Zeichnungen entwarf, die er dann später für die Versionen in Öl verwendete. So könnte die Flusslandschaft heute im Vassar College, Poughkeepsie (Ertz, ebd., S. 298, Abb. 1) als Vorlage für diese Landschaft gedient haben. CHF 70 000 / 120 000 (€ 64 810 / 111 110) Abb. 1 Mikroskopaufnahmen Hahn, Schwan, Signatur und Datierung.
  • 39.
  • 40.
    Gemälde Alter Meister |34 3020 SPANIEN, 17. JAHRHUNDERT Anbetung der drei Könige. Öl auf Kupfer. 30 × 35,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 850 / 2 780)
  • 41.
    | 35 3021 ANTWERPEN, 1.HÄLFTE 17. JAHRHUNDERT Anbetung der Heiligen drei Könige. Öl auf Kupfer. 37 × 29,6 cm. Provenienz: Schweizer Sammlung. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 42.
    Gemälde Alter Meister |36 3022* JAN BRUEGHEL D. J. (1601 Antwerpen 1678) Allegorie des Gehörs. Öl auf Kupfer. 59,3 × 91 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 12.6.2021. Provenienz: - Sammlung Don Mariano Ordonez, Madrid, in dessen Familienbe- sitz seit dem 19. Jahrhundert. - Europäische Privatsammlung. - Auktion Sotheby‘s, London, 9.7.2009, Los 110. - Kunsthandel David Koetser, Zürich. - Europäische Privatsammlung. In einem offenen Raum, der von einem Wassergraben flanki- ert ist, sind zahlreiche Attribute des Gehörsinns zu sehen: eine musizierende Venus und Amor mit einem Rehbock – ein Tier, das im 17. Jahrhundert symbolisch für den Gehörsinn stand –, eine Ansammlung von Musikinstrumenten auf dem Fussboden, No- tenständer mit Notenblättern sowie Musikanten im Hintergrund, diverse singende Vögel und Pendulen, welche die vergehende Zeit hörbar machen. Im Wassergraben zur Linken ist der Berg Helikon dargestellt, der in der Antike als der Sitz der Musen galt. Dort sind auch musizierende Musen und der geflügelte Pegasus zu sehen, welcher der Legende nach die Quelle Hippokrene dem Berg Heli- kon entspringen liess. Jan Brueghel d. J. beschäftigte sich im Laufe seines Schaffens immer wieder mit dem Thema der Allegorie, wofür es eine grosse Nachfrage gab. Zwei weitere Versionen dieser Allegorie des Gehörs sind bekannt, eine signierte auf Kupfer (Auktion Christie’s, London, 13.12.2000, Zuschlag 420‘000 £) und eine Version auf Eichenholz (Auktion Sotheby’s, London, 10.7.2002, Los 48). Eine Allegorie des Gehörs, welche Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) mit Peter Paul Rubens (1577–1640) als Teil einer Serie der Dar- stellung der fünf Sinne malte und sich heute im Prado in Madrid befindet (Inv.-Nr. P01395; siehe Klaus Ertz: Jan Brueghel der Äl- tere (1568–1625), Köln 1979, S. 350–352, Kat.-Nr. 329, Abb. 420), diente wohl als Inspirationsquelle, insbesondere für die zentrale Figurengruppe mit dem Reh, den Musikinstrumenten und den Vögeln. Dr. Ertz, der unser Gemälde in die 1640er-Jahre datiert, hebt jedoch hervor, dass Brueghel d. J., der nach dem Tod seines Vaters dessen Werkstatt übernahm und seine gefragten Kom- positionen mehrfach wiederholte, in dieser Komposition völlig eigenständig agiert und sich hier deutlich von der ursprünglichen Komposition seines Vaters abhebt. Die beiden Figuren von Venus und Amor in der Mitte des Vor- dergrundes identifiziert Dr. Klaus Ertz als von Frans Wouters (1612–1659), der nebst Peter Paul Rubens, Hendrick van Balen (1575–1632), Frans Francken d. J. (1581–1642) und Pieter van Avont (1600–1652) häufig Figuren in Gemälden von Jan Brueghel d. J. malte – ein für die flämische Malerei zu Beginn des 17. Jahr- hunderts typisches Künstler-Phänomen. Die Vorbilder für die Figuren Frans Wouters‘ im Vordergrund sind bei Peter Paul Rubens und Pieter van Avont (1600–1652) zu finden, bei denen er in die Lehre ging. CHF 200 000 / 300 000 (€ 185 190 / 277 780)
  • 43.
  • 44.
    Gemälde Alter Meister |38 3023 JAN MIENSE MOLENAER (um 1610 Haarlem 1668) Fröhliche Gesellschaft in einem Wirtshaus. Öl auf Holz. 47,5 × 61,5 cm. Provenienz: - Privatsammlung Jules Porgès, Paris, vor 1926. - Auktion Cassirer, Berlin, Sammlung Jules Porgès, 7.12.1926, Los 95. - Galerie Kitzinger, Luzern, 1944. - Durch Erbfolge an den heutigen Besitzer, Schweizer Privat- sammlung. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Gemäl- de von Jan Miense Molenaer archiviert. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 45.
    | 39 3024* JAN VANGOYEN (Leiden 1596–1656 Den Haag) Flusslandschaft. 1642. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: VG 1642. 33,5 × 55 cm. Provenienz: - Sammlung Comte de Camondo, Paris. - Auktion Galerie Georges Petit, Paris, Sammlung Comte de Ca- mondo, 1.2.1893, Los 4. - Sammlung W. Gretor. - Unbekannte Auktion Den Haag, 1899, Los 17. - Sammlung C. Hoogendijk (1866–1911), Den Haag, ab 1899. - Auktion Frederik Muller Cie., Amsterdam, Nachlass Hoogendi- jk, 14.5.1912, Los 26. - Auktion Frederik Muller Cie., Amsterdam, Sammlung H. et al., 6.7.1915, Los 99. - Kunsthandel E. J. van Wisselingh Co., Amsterdam, 1916. - Auktion Christie‘s, Amsterdam, 2.12.1987, Los 301. - Privatsammlung. - Durch Erbschaft, Sammlung Peter Baltzer. - Auktion Sotheby‘s, London, 29.7.2020, Los 126. - Europäische Sammlung. Ausstellungen: - Rotterdam 1899, Tentoonstelling van Schilderijen van Oud-Hol- landsche meesters: collectie C. Hoogendijk, Nr. 13. - Den Haag 1899, Tentoonstelling van Schilderijen van Oud-Hol- landsche meesters: collectie C. Hoogendijk, Pulchri Studio, Nr. 17. - Den Haag 1916, Tentoonstelling van schilderijen, Panorama Mesdag, Oktober–November 1916, Nr. 47. - Amsterdam 1917, Tentoonstelling van schilderijen, aquarellen en etsen, E. J. van Wisselingh and Rotterdam, Rotterdamse Kunst- kring, März–April 1917, Nr. 53. Literatur: - Cornelis Hofstede de Groot: A catalogue raisonné, London 1927, Bd. VIII, S. 201–201, Nr. 795 und S. 229, Nr. 916 (dort 1647 datiert). - Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596–1656, Bd. II, Amsterdam 1973, S. 334, Kat.-Nr. 739. - Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596–1656, Bd. III (Ergän- zungsband), Doornspijk 1987, S. 231, Kat.-Nr. 739 (mit Abb.). Die hier angebotene Flusslandschaft mit einer Ruine ist ein charakteristisches Werk aus dem Reifewerk Jan van Goyens, der ab den 1640er-Jahren seine Palette zunehmend reduzierte, um in den frühen 1650er-Jahren beinahe nur noch kleinformatige monochrome Szenen zu malen. Eine vergleichbare etwas weitere Komposition, welche 1644 datiert ist, befindet sich im Rijksmuse- um in Amsterdam (Inv.-Nr. SK-A-3308, Öl auf Holz, 45,9 x 66,4 cm). Als Sohn eines Schuhmachers in Leiden geboren, lernte der Künstler gemäss der Leidener Chronik von Jan Jansz. Or- lers (1570–1646) bei den Glasmalern der Stadt Coenraet van Schiperoort (1577–1636), Isaac van Swanenburgh (1537–1614), Cornelis Claesz. Clock (um 1561–1629) und Jan Arentsz de Man (um 1565–1625) und danach in Hoorn bei Willem Gerritsz. (um 1582–um 1628). Nach einem einjährigen Aufenthalt in Frankreich zwischen 1615–16 schloss van Goyen seine Ausbildung im Haar- lemer Atelier des Esaias van de Velde (1587–1630) ab. 1618 liess er sich in Leiden nieder und heiratete Anna Willemsdr. van Raelst. Im Jahre 1634 verlegte van Goyen seinen Wohnsitz dauerhaft nach Den Haag, wo er in die Lukasgilde aufgenommen und in den Jahren 1638 und 1640 zu deren Obmann ernannt wurde. Van Goyen spezialisierte sich auf die Darstellung von Landschaf- ten, wobei er seine Motive wie Dorfansichten, Flüsse, Kanäle, Strand- und Küstenlandschaften stets mit einfacher Landbevöl- kerung bei alltäglicher Handlung belebt. Dabei werden Boote – oft mit Passagieren besetzte und mit Fracht beladene Fährboote – platziert, wie auch in dem hier angebotenen Gemälde. Siehe auch Katalogeintrag zu Los 3042. CHF 60 000 / 80 000 (€ 55 560 / 74 070)
  • 46.
    Gemälde Alter Meister |40 3025* GOVAERT FLINCK (Kleve 1615–1660 Amsterdam) Tronie eines bärtigen Mannes. 1650. Öl auf Leinwand. Oben rechts signiert und datiert: G. flinck. f. 1650. 61,5 × 50,7 cm. Provenienz: - Privatsammlung, England, ca. 1831–1857 (gemäss verso Stem- pel auf dem Keilrahmen von Francis Leedham, einem zu dieser Zeit in London tätigen Restaurator). - Auktion Sotheby‘s, London, 1.7.1953, Los 60. - Martin B. Asscher, London, vor 1970. - Schweizer Privatsammlung, bis 2012. - Auktion Dobiaschofsky, Bern, 11.5.2012, Los 307. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: Amsterdam 2018, Ferdinand Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, 13.10.2017–18.2.2018, Museum Het Rembrandt- huis, Nr. 28. Literatur: - Helmut Börsch-Supan: Die Gemälde im Jagdschloss Grunewald, Berlin 1964, S. 66, Nr. 82. - J. W. von Moltke: Govaert Flinck: 1615–1660, Amsterdam 1965, S. 79, Nr. 67, Abb. 67. - Werner Sumowski: Gemälde der Rembrandt-Schüler, Landau 1983, Bd. II, S. 1030 und 1082, Nr. 650. - Norbert Middelkoop, L. van Sloten, Tom van der Molen: Ferdin- and Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, Amster- dam 2017, Kat.-Nr. 28, Abb. 65, S. 56, Beschreibung S. 228. - Tom van der Molen: Catalogue raisonné of the Paintings of Go- vaert Flinck (zu erscheinen). Dieses eindrückliche Bildnis eines greisen Mannes mit Bart von Govaert Flinck wurde zuletzt 2018 in der Amsterdamer Ausstel- lung der Öffentlichkeit präsentiert. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes Tronie, eine für das 17. Jahrhundert typische Bildgattung, die eine porträtähnliche Charakterstudie in Phanta- sietracht oder mit interessanter Physiognomie zeigt. Der skiz- zenhafte Malstil unseres Gemäldes lässt dabei den Dargestellten besonders lebendig und lebensnah erscheinen, seine grauen Bart- und Haupthaare sind durch einzelne pastose Pinselstriche virtuos gestaltet. Govaert Flinck war einer der bedeutendsten Schüler Rembrandts van Rijn (1606–1669). Er war zwischen 1635 und 1636 in der Amsterdamer Werkstatt des Meisters tätig und etablierte sich anschliessend als eigenständiger Maler (siehe Arnold Houbraken: De Groote Schouburgh de Nederlantsche kontschilders en schil- deressen…, Amsterdam 1718–1721, Bd. II, S. 18). J. W. Von Moltke beschreibt den hier dargestellten Mann als Hei- ligen Petrus (siehe Literatur), während Werner Sumowski betont, dass die fehlenden Attribute eine wohl gewollte Zweideutigkeit entstehen lassen. Der nicht identifizierte weise Mann scheint ebenfalls Rembrandt Modell gestanden zu haben, so beispielswei- se in seinem berühmten 1636 entstandenen „Opfer Isaaks“, heute in der Eremitage in Sankt Petersburg (Inv.-Nr. ГЭ-727). Die Fein- heit des vorliegenden Tronies deutet darauf hin, dass es sicherlich nach dem lebenden Modell gemalt wurde, worauf der äusserst detailliert gemalte Bart und die tiefen Falten des Gesichts und der Hand sowie ein mögliches Pentimento im Scheitel hindeuten. Die gut erhaltene Maloberfläche ist durch eine energische, virtuose Farbgebung, eine flüssige Pinselführung in den Haaren und im Bart und eine feine Gesichtsmodellierung charakterisiert, die be- sonders typisch für das letzte Lebensjahrzehnt des Künstlers ist. Der weich verlaufende Farbauftrag unterscheidet sich stilistisch von Rembrandts Tronies und spiegelt Flincks Unabhängigkeit vom Meister in seinem Reifewerk wider. Dr. van der Molen bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals und wird das Gemälde in dem zu erscheinenden Werk- verzeichnis des Künstlers publizieren. Er betont, dass es sich um ein charakteristisches und qualitatives Beispiel der späten Tronien von Govaert Flinck handelt. CHF 700 000 / 900 000 (€ 648 150 / 833 330)
  • 47.
  • 48.
    Gemälde Alter Meister |42 3025* GOVAERT FLINCK (Cleves 1615–1660 Amsterdam) Tronie of a bearded man. 1650. Oil on canvas. Signed and dated upper right: G. flinck. f. 1650. 61.5 × 50.7 cm. Provenance: - Private collection, England, ca. 1831–1857 (according to a stamp verso on the stretcher by Francis Leedham, a restorer working in London at the time). - Sale Sotheby‘s, London, 1.7.1953, Lot 60. - Martin B. Asscher, London, before 1970. - Swiss private collection, until 2012. - Sale Dobiaschofsky, Bern, 11.5.2012, Lot 307. - European private collection. Exhibited: Amsterdam 2018, Ferdinand Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, 13.10.2017–18.2.2018, Museum Het Rembrandt- huis, no. 28. Literature: - Helmut Börsch-Supan: Die Gemälde im Jagdschloss Grunewald, Berlin 1964, p. 66, no. 82. - J. W. von Moltke: Govaert Flinck: 1615–1660, Amsterdam 1965, p. 79, no. 67, ill. 67. - Werner Sumowski: Gemälde der Rembrandt-Schüler, Landau 1983, vol. II, pp. 1030 and 1082, no. 650. - Norbert Middelkoop, L. van Sloten, Tom van der Molen: Ferdin- and Bol and Govaert Flinck: Rembrandt‘s Master Pupils, Amster- dam 2017, cat. no. 28, ill. 65, p. 56, description p. 228. - Tom van der Molen: Catalogue raisonné of the Paintings of Go- vaert Flinck (to be published). This impressive portrait of an old man with a beard by Govaert Flinck was last on public view in the Amsterdam exhibition of 2018. It is known as a ‘Tronie’, a pictorial genre typical of the 17th cen- tury, showing a portrait-like character study in fancy dress, or with an interesting physiognomy. The sketch-like painting style of our picture makes the sitter appear particularly lively and lifelike, his grey beard and head of hair are brilliantly rendered with individual impasto brushstrokes. Govaert Flinck was one of the most important pupils of Rem- brandt van Rijn (1606–1669). He worked in the master‘s Amster- dam workshop between 1635 and 1636 and subsequently estab- lished himself as an independent painter (see Arnold Houbraken: De Groote Schouburgh de Nederlantsche kontschilders en schilderessen..., Amsterdam 1718–1721, vol. II, p. 18). J. W. Von Moltke describes the man depicted here as Saint Peter (see Literature), while Werner Sumowski stresses that the lack of attributes creates a probably deliberate ambiguity. The unidenti- fied sage also seems to have served as a model for Rembrandt, for example in his famous 1636 ‚Sacrifice of Isaac‘, now in the Hermitage in Saint Petersburg (inv. no. ГЭ–727). The delicacy of the present Tronie points to the fact that it was certainly painted directly from the model, as indicated by the extremely detailed beard and the deep folds of the face and hand, as well as a pos- sible pentimento in the crown. The well-preserved paint surface is characterised by an energetic, virtuoso use of colour, fluid brushwork in the hair and beard and fine facial modelling, which is especially typical of the last decade of the artist‘s life. The softly flowing application of paint differs stylistically from Rembrandt‘s Tronies and reflects Flinck‘s independence from the master in his mature work. After examining the original, Dr van der Molen has confirmed the authenticity of the work, and that he will include the painting in the catalogue raisonné of the artist, which is due to be published. He emphasises that it is a characteristic and high-quality example of the late Tronies by Govaert Flinck. CHF 700 000 / 900 000 (€ 648 150 / 833 330)
  • 49.
  • 50.
    Gemälde Alter Meister |44 3026* JOOS DE MOMPER D. J. UND JAN BRUEGHEL D. Ä. (1564 Antwerpen 1635) (Brüssel 1568–1625 Antwerpen) Weite Berglandschaft mit Reisenden. Öl auf Holz. 46,5 × 75,5 cm. Gutachten: Dr. Klaus Ertz, 14.6.2021. Provenienz: Europäische Privatsammlung. Die hier angebotene weite Berglandschaft mit Reisenden ist ein charakteristisches Beispiel aus dem Spätwerk von Joos de Momper und zeigt exemplarisch die grosse Kunstfertigkeit des Meisters, die Perspektive farblich in einem braunen Vordergrund, einem grünen Mittelgrund und einem blauen Hintergrund zu gliedern, wodurch eine eindrückliche Atmosphäre entsteht, in die sich die Figuren harmo- nisch einfügen. Dr. Klaus Ertz identifiziert dieses Gemälde nach Begutachtung des Originals als eine eigenhändige Arbeit von Jan Brueghel d. Ä., der die Figuren malte, und Joos de Momper d. J., für den landschaftli- chen Hintergrund. Sowohl die Staffage von Jan d. Ä. als auch die für Momper charakteristische Farbe Ochsenblutrot in den Felsbrocken im Vordergrund deuten auf eine Entstehung in den Zeitraum 1610–1620 hin, der besten Schaffensperiode beider Maler. Das sehr gut erhaltene und von beiden Malern äusserst fein ausge- führte, qualitativ hochstehende Gemälde ist ein weiterer Beleg für die intensive Zusammenarbeit dieser Malerfreunde, die eine Vielzahl von wunderbar einheitlichen Gemälden geschaffen haben, die „wie aus ei- nem Guss“ erscheinen. Jan Brueghel d. Ä. war bis zu seinem Tod 1625 der wichtigster Mitarbeiter Joos de Mompers. Danach arbeitete er mit dem Sohn, Jan Brueghel d. J. (1601–1678), zusammen, mit dem er eng befreundet war. CHF 70 000 / 120 000 (€ 64 810 / 111 110)
  • 51.
  • 52.
    Gemälde Alter Meister |46 3027 SAMUEL HOFMANN (NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS) (Zürich um 1592–um 1648 Frankfurt am Main) Porträt einer Edeldame im Alter von 64 Jahren. 1652. Öl auf Leinwand. Oben rechts bezeichnet und datiert: AETATIS SUAE 64. ANNO. 1652. 90,5 × 70,5 cm. Provenienz: - Aristokratischer Familienbesitz, Zürich, mindestens seit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Schweizer Privatsammlung. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 53.
    | 47 3028* HARMEN LOEDING (um1637 Leiden um 1673) Stillleben mit Hummer und Rose. Öl auf Leinwand. 55,8 × 47,3 cm. Provenienz: - Auktion Bonhams, London, 3.12.2014, Los 59. - Europäischer Privatbesitz. Dieses Stillleben mit Hummer und Rose ist ein charakteristi- sches Werk des Leidener Malers Harmen Loeding und entstand wahrscheinlich in den 1660er-Jahren. Über Loedings Werdegang ist wenig überliefert. Geboren in Leiden, besuchte er die dortige Malergilde im Jahre 1664, war vermutlich jedoch schon zuvor als Maler tätig. Möglicherweise wurde er in der Werkstatt Pieter de Rings (tätig vor 1648–1660) ausgebildet, dessen Arbeit Loeding ohne Zweifel massgeblich beeinflusste. Auch der gleichaltrige Leidener Maler Nicolaes van Gelder (um 1636–1676) scheint auf Loeding gewirkt zu haben. Loedings Arbeiten zeichnen sich durch eine detailreiche und gründlich ausgearbeitete Darstellungsweise aus. Einige Elemen- te der zur Auktion stehenden Arbeit – wie beispielsweise das kontrastreich schattierte Weinblatt, die transluzente Zitrone, die Wurmlöcher auf der Tischplatte – finden sich auch in anderen Stillleben des Malers, wie sie unter anderem im Frankfurter Städel oder in der Hamburger Kunsthalle vorhanden sind. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken. CHF 18 000 / 25 000 (€ 16 670 / 23 150)
  • 54.
    Gemälde Alter Meister |48 3029* CORNELIS PIETERSZ. BEGA (1631/32 Haarlem 1664) Junge Frau in einem Interieur, ein Glas haltend. Öl auf Leinwand. Unten links monogrammiert: CB. 26,7 × 22,2 cm. Provenienz: - Sammlung Marquis de Colbert, Château du Saussay (verso auf Leinwand bezeichnet). - Durch Erbfolge an Familie Bourbon Busset, Château du Saussay. - Auktion Sotheby’s, Paris, 23.6.2011, Los 46. - Kunsthandel John Mitchell Fine Paintings, London. - Europäische Sammlung. Ausstellung: Aachen / Berlin 2012, Cornelis Bega: Eleganz und raue Sitten, Suermondt Ludwig Museum, 15.3.–10.6.2012 und Staatliche Museen zu Berlin/Gemäldegalerie, 29.6.–30.9.2012, Nr. 73. Literatur: Ausst.-Kat. Cornelis Bega. Eleganz und raue Sitten, hrsg. von Pe- ter van den Brink und Bernd Wolfgang Lindemann, Stuttgart 2012, S. 250–252, Kat.-Nr. 73 und abgebildet auf Buchrücken. Im Ausstellungskatalog von 2012 widmet Peter van den Brink dem hier angebotenen Gemälde einen ausführlichen Eintrag und betont diesen hohen Stellenwert im Œuvre Begas sowie seine außerordentliche künstlerische Qualität: „Nach langer Verborgenheit in französischem Adelsbesitz vermag uns dieses bisher unveröffentlichte Gemälde eine Vorstellung davon zu geben, was Cornelis Bega noch in seiner Malerkarriere hätte erreichen können, wäre er nicht am 27. August 1664 in der Blüte seiner Jahre von der Pest dahingerafft worden. Dieses wunderbare kleine Gemälde beweist, dass Bega bereits in die Fußstapfen von Zeitgenossen wie Gerard ter Borch (1617–1681), Gabriel Metsu (1629–1667), Frans van Mieris (1635–1681), Jan Steen (1626–1679) und auch Johannes Vermeer (1632–1675) getreten war. […] Als überragender Kolorist mit einem sublimen, natürlichen Gefühl für die Wiedergabe der unterschiedlichen Stoffe gehörte er zur Gilde der Feinmaler. Verschwunden sind die notleidenden Ha- benichtse aus seinen Wirtshäusern; stattdessen malt Bega eine junge Dame, gehüllt in erlesenen Stoffen in raffinierten Farbtö- nen, von Goldgrün und Lachsgrau zu Rosa und dem tiefblauen Ultramarin der eleganten Haarbänder, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Die Mannigfaltigkeit der hinreißenden Stoffe bot Cornelis Bega Gelegenheit in Hülle und Fülle, seine virtuose Maltechnik zu beweisen, wie er es etwa auch in den Musikduetten in Stockholm und in Paris (siehe Ausst.-Kat. 2012, Kat.-Nr. 71 und 72) tat. Nicht nur das ausgeklügelte Kolorit und das typische Arsenal parallel angeordneter, kurzen Schraffuren für die Höhungen in verschiedenen Nuancen zeigen die Handschrift unseres Malers. Überdies gehört die hier dargestellte junge Dame zu Cornelis Begas Modellschatz. Sie tritt beispielsweise als Laute spielende Frau in Stockholm (siehe Ausst.-Kat 2012, Kat.-Nr. 71) auf; als schlafendes Dienstmädchen und im Gebet vor der Mahlzeit in Amsterdam (siehe Ausst.-Kat. 2012, Kat.-Nr. 58) ist sie im Profil zu sehen. Alle drei Gemälde tragen die Datierung 1663. Obwohl sich das Ambiente, verglichen mit den schäbigen Wirtshäusern, grundlegend geändert hat, bleibt das Motiv mehr oder weniger unverändert. Ihre geöffnete Jacke verrät die junge Frau, die sich gerade ein Glas Weißwein eingeschenkt hat, als Kurtisane. […] Der Glanz auf Krug und Weinglas, viel leuchtender wiedergegeben als auf den Satinstoffen, ist eine wahre Augenweide, genau wie das Stillleben mit Brot und Käse neben der jungen Verführerin. Cornelis Bega hat sie in ein mit einer blauen Draperie abge- schlossenes Interieur versetzt, das in vielerlei Hinsicht an den unbestimmten Raum erinnert, in den er die Lautenspielerin und die Fiedler in Stockholm platzierte (siehe Ausst.-Kat 2012, Kat.-Nr. 71). Obwohl der Maler diesmal auf das verblüffende Stillleben aus Musikinstrumenten verzichtet hat, sind sowohl das Tischchen im Vordergrund als auch die italienische Majolikakanne im Hinter- grund links feste Atelierattribute, die auch in anderen Werken, darunter „Die Musikstunde“ in Stockholm, zu finden sind“ (frei zitiert aus Ausst.-Kat. 2012, S. 250–252). Cornelis Bega war der Sohn des Bildhauers Pieter Jansz. Be- geyn (1600–1648) und von Maria van Haarlem, der Tochter des berühmten Haarlemer Manieristen Cornelis Cornelisz. van Haarlem (1562–1638). Sein künstlerisches Umfeld bildete einen fruchtbaren Boden für eine erfolgreiche Künstlerkarriere, doch seine Vorliebe für die Darstellung des bäuerlichen Lebens in all seinen Facetten sorgte für Konflikte mit seinem Vater. Der Biograf Arnold Houbraken berichtet, dass dies letztlich zur Namensän- derung Begas führte (Arnold Houbraken: De groote schouburgh der Nederlantsche kontschilders en schilderessen, Amsterdam 1718–1721, S. 349–350). Cornelis Bega studierte bei Adriaen van Ostade (1610–1685), der selber ein Schüler des grossen Porträtisten Frans Hals (1582–1666) war. Bega war etwa 4 Jahre lang in der Werkstatt Van Ostades tätig und reiste im Anschluss nach Deutschland und in die Schweiz. Ab 1654 ist er als Mitglied der Haarlemer Malergilde aufgeführt, wo er bis zu seinem frühen Ableben mit nur 33 Jahren tätig war. Die Pestepidemie, der er zum Opfer fiel, wütete seit 1663 in den Niederlanden und breitete sich von dort nach England aus, wo sie 1665 einen Fünftel der Bevölke- rung dezimierte. Eine rückseitige Bezeichnung auf der Leinwand weist auf die adelige französische Provenienz unseres Gemäldes hin. Bei dem Marquis de Colbert handelt es sich wohl um Pierre de Colbert (1834–1905), der das etwa 35 Kilometer südlich von Paris gele- gene Château du Saussay im 19. Jahrhundert vergrösserte. 1911 ging dessen Besitz über seine Tochter Guillemette an die Familie Bourbon Busset über. Das Schloss wird heute noch von den Nachfahren der Bourbon Busset bewohnt. For the description and lot essay in English, please visit our website: www.kollerauctions.com. CHF 150 000 / 200 000 (€ 138 890 / 185 190)
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  • 56.
    Gemälde Alter Meister |50 3030* MICHIEL SIMONS D. J. (tätig in Antwerpen um 1648–1673 Utrecht) Stillleben mit Römerglas und Pfirsichen mit Trauben in einer Schale. Öl auf Leinwand. Unten links signiert: M. Simons. 67,5 × 90 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken, und datiert unser Stillleben in die 1650er-Jahre. CHF 15 000 / 20 000 (€ 13 890 / 18 520) 3031* HEINRICH DITTMERS (Hamburg um 1625–1677 Kopenhagen) Porträt einer dänischen Edeldame. Öl auf Leinwand. 105 × 89 cm. Provenienz: - Kunsthandel F. Franke, Leipzig, bis 1933 (als Frans Hals). - Kunsthandel Scheuermann Seifert, Berlin, 1942 (als Jacob Jordaens). - Sammlung Vieweg, Braunschweig. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Privatsammlung, Deutsch- land. Literatur: - Kurt E. Simon: Ein neues Bild von Jordaens, in: Weltkunst 16, 1942, Nr. 35/36, S. 3 (mit Abb.). - Sturla Gudlaugsson: Jacob Jordaens of Heinrich Dittmers?‘, in: Oud Holland 60, 1943, S. 143–147, Abb. 1. Sturla Gudlaugsson nahm dieses Porträt zum Anlass, eine kleine Werkgruppe des wenig bekannten Porträtmalers Heinrich Ditt- mers zu rekonstruieren und vergleicht unser Gemälde dabei mit mehreren Bildnissen dänischer Persönlichkeiten, die er in den 1660er- und 1670er-Jahren malte (siehe Literatur). Der ur- sprünglich aus Hamburg stammende Künstler Heinrich Dittmers studierte in den Niederlanden und ist ab 1663/64 in Dänemark dokumentiert, wo er als Hofmaler tätig war. Auch die Tracht der hier dargestellten Dame entspricht der dänischen Mode der 1670er-Jahre. Stilistisch lässt sich unser Bildnis mit demjenigen der Familie Johannes Lassenius vergleichen, das sich im Schloss Frederiksborg befindet (siehe Gudlaugsson 1943, Abb. 3). Auch Dr. Bert Schepers vom Rubenianum, Antwerpen, bestätigt anhand von Abbildungen die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an Heinrich Dittmers und vergleicht es mit Werken, die sich in der Sankt Olai Kirche und im Nationalmuseum für Geschichte in Helsingor befinden (basierend auf den verfügbaren Künstlerdaten in der RKD-Datenbank). CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
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  • 58.
    Gemälde Alter Meister |52 3032 PIETER SYMONSZ. POTTER (Enkhuizen 1597–1652 Amsterdam) Geograf in einem Interieur. Öl auf Holz. Unten links signiert und schwer leserlich datiert: P. Potter f. 163(?). 40,8 × 35,4 cm. Provenienz: - Sammlung Gräfin von Limburg-Stirum, Schloss Gross Peterwitz, ab mindestens 1903 bis 1951. - Kunsthandel Fritz Nathan, St. Gallen, 1951. - Seither durch Erbfolge, Schweizer Privatbesitz. In einem Interieur ist ein in Arbeit versunkener Geograf mit seinen Instrumenten dargestellt. Am Boden mittig liegt ein holländischer Zirkel, ein Instrument für die Landvermessung, das 1610 vom niederländischen Mathematiker Jan Pietersz. Dou (1572–1635) erfunden wurde. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter Symonsz. Potter archiviert. CHF 3 000 / 5 000 (€ 2 780 / 4 630)
  • 59.
    | 53 3033 JAN STEEN (1626Leiden 1679) Flusslandschaft mit fröhlicher Gesellschaft. Öl auf Leinwand. 81 × 100 cm. Provenienz: - Auktion Philippus van der Schley, Amsterdam, 14.–15.8.1793, Los 116 (fl. 34 an Yver). - Auktion Christie‘s, ca. 1988. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des 17. Jahrhunderts, Esslingen 1907, Addendum RKD Archiv, Nr. 882bb (als Jan Steen). Dieses Gemälde wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsamm- lung entdeckt und war Wouter Kloek bislang unbekannt. Willem van de Watering hatte sich bereits 1988 zu dem Gemälde ge- äussert und vermerkt, dass es im Frühwerk Jan Steens entstan- den ist und den Einfluss seines Schwiegervaters und wohl auch Lehrmeisters Jan van Goyen (1596–1656) aufweist. Wouter Kloek schliesst sich dieser Meinung nach Prüfung von Fotografien an und vermutet eine Datierung um 1653, wofür wir ihm danken. Der Bildaufbau mit der Figurenstaffage im Vordergrund vor der Land- schaft findet sich in einem vergleichbaren Gemälde Jan Steens aus den frühen 1650er-Jahren wieder (siehe Ausst.-Kat. Jan Steen: Maler und Erzähler, hrsg. von H. Perry Chapman, Wouter Th. Kloek und Arthur K. Wheelock Jr., Stuttgart, Zürich 1996, S. 102, Abb. 2). Ferner vergleicht Ellis Dullaart, vom RKD, Den Haag die Vegetation mit dem um 1650 zu datierenden und von Jan Steen signierten Landschaftsgemälde, heute in einer Privat- sammlung (RKD 104886), wofür wir ihr danken. Jan Steen, der 1648 als eingetragenes Mitglied der St. Lukasgil- de dokumentiert ist, genoss eine umfassende Ausbildung bei verschiedenen bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Neben dem Handwerk des Brauers, welches er von seinem Vater und seinem Onkel erlernt hatte, setzte die Mitgliedschaft der St. Lukas Gilde voraus, dass der Künstler sein Handwerk bei anderen Meistern zu erlernen hatte. So zeugen seine frühen Winterlandschaften von Einflüssen aus dem Atelier Adrian und Isaac van Ostade (1610–1685 und 1621–1649). Ebenso zählte Jan van Goyen zu jenen Künstlern, mit denen Jan Steen eng zusammenarbeitete und dessen Tochter Margriet er im Jahr 1649 heiratete. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Jan Steen archiviert. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 60.
    Gemälde Alter Meister |54 3034 JAN BRUEGHEL D. J. UND AMBROSIUS FRANCKEN D. J. (1601 Antwerpen 1678) (um 1590 Antwerpen 1632) Allegorie der Luft. Öl auf Holz. Verso mit Marke der Antwerpener Lukasgilde (Türme und zwei Hände) und wohl des Tafelmachers Hans van Herentals (Kreuz und Kreis). 42,7 × 61,5 cm. Gutachten: - Dr. Klaus Ertz, 23.7.2021. - Dr. Ursula Härting, 20.7.2021. Provenienz: - Kunsthandel Belgien, 1970er-Jahre. - Privatsammlung, Belgien. - Durch Erbschaft, Schweizer Privatbesitz. Diese wunderbar erhaltene Darstellung einer Allegorie der Luft wurde kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckt. Sie zeigt Apoll, den Gott des Lichtes, auf seinem von vier Schimmeln geführten Wa- gen, hell erleuchtet über das Himmelsfeld ziehend. Auf einer aufge- wühlten Wolke vor grauen Gewitterwolken findet sich Urania, die Muse der Astronomie und Personifikation der Luft mit ihrem Astrolab. Im Vordergrund und im Himmel ist eine Vogelschar vor einer perspekti- visch durch Braun-, Grün-, und Blautönen definierten Überschauland- schaft versammelt, die sich durch eine eindrückliche Vielfalt charakte- risiert. Diese Darstellung stand in Zusammenhang einer Serie der Vier Elemente, einer Motivwahl, die zu Beginn des 17. Jahr- hunderts äusserst beliebt war und greift eine Komposition von Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) auf, die sich heute eben- falls als Teil einer Serie in der Galleria Doria Pamphilij in Rom befindet (Klaus Ertz: Jan Brueghel der Ältere. Die Gemälde, Köln 1979, S. 599, Kat.-Nr. 249, Abb. S. 370, Abb. 440). Nach Prüfung des Gemäldes im Original bestätigt Dr. Klaus Ertz die Entstehung in Zusammenarbeit von Jan Brueghel d. J. und Ambrosius Francken d. J., der die Figur der Urania fer- tigte und die auch Dr. Ursula Härting in ihrem Gutachten dem Künstler zuweist. Die Vogelschar stammt gemäss Dr. Ertz von der Hand Jan Brueghel d. J.. Als Datierung schlägt Dr. Ertz 1630 vor, Dr. Härting vermutet eine Entstehung zwischen 1626 und 1632. CHF 60 000 / 80 000 (€ 55 560 / 74 070)
  • 61.
  • 62.
    Gemälde Alter Meister |56 3035 ADRIAEN VAN OSTADE (1610 Haarlem 1685) Bauern in einem Interieur. 1637. Öl auf Holz. Links mittig signiert und datiert: Av (ligiert) ostade 1637. 28 × 38,7 cm. Gutachten: Dr. Bernhard Schnackenburg, 14.11.2019. Provenienz: - Kunsthandel J. Dik, Vevey, um 1950. - Schweizer Privatsammlung. Dr. Schnackenburg bestätigt die Eigenhändig dieses Gemäldes anhand einer Fotografie, wofür wir ihm danken und bezeichnet die „Bauern in einem Interieur“ als typisches Werk des Adriaen van Ostade. Das Gemälde entstammt einer Werkphase, in welcher der Künstler skizzenhaft und brauntonig arbeitete. So ist die Figurengruppe zen- tral im Bild mit ausgezeichneter Lebendigkeit treffsicher gefertigt, das Balkenwerk des Scheuneninterieurs skizziert. Dr. Schnackenburg verweist auf „die Wäscherin“ von 1637 als ein bekanntes Vergleichs- beispiel aus dieser Stilphase, die sich in der Hamburger Kunsthalle befindet (Inv.-Nr. HK–122). Wie Dr. Schnackenburg in seinem Gutachten ausführt, hatte die Darstellung von Alltagsmotiven in der holländischen Malerei grund- sätzlich auch eine allegorische Bedeutung. Diese gehörten zur Allgemeinbildung und wurden auch ohne ausdrücklichen Hinweis verstanden. Die Bäuerin, die das Hemd des Knaben nach Flöhen durchsucht, sowie der Bauer, der in seinen leeren Bierkrug blickt, legen nahe, dass es sich hierbei um eine Darstellung der fünf Sinne, und zwar des Sehsinns (visus) handelt. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 63.
    | 57 3036* GILLIS CLAESZ.DE HONDECOETER (Antwerpen um 1575–1638 Amsterdam) Felsige Waldlandschaft mit Tieren an einer Tränke. Öl auf Holz. Unten rechts monogrammiert: G. DH. 64,5 × 99,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel Schneeberger, Bern, 1946. - Europäische Sammlung. Literatur: Ausst.-Kat. Masters of 17th Century Dutch Landscape Painting, hrsg. von Peter Sutton et al., Amsterdam / Boston / Philadelphia 1988, S. 278, Abb. 2. Gillis Claesz. de Hondecoeter war ein holländischer Maler, der im flämischen Stil arbeitete und sich auf Landschaften und Vogeldarstellungen spezi- alisierte. Später malte de Hondecoeter in einem eher niederländischen, realistischen Stil. Gillis war der Vater von Gijsbert d‘Hondecoeter und Grossvater von Melchior d‘Hondecoeter (1636–1695) und Jan Weenix (um 1641–1719). Seine Tochter Josijntje heirate Jan Baptist Weenix (1621– 1659). Gillis malte flämische, hügelige Fantasielandschaften, meist in Verbindung mit einer biblischen Szene. Es heisst, dass er vom flämischen Maler Roelant Savery (1576–1639), der ebenfalls in Amsterdam lebte, beeinflusst wurde. Die Figuren auf seinen Gemälden überliess er meist seinem Kollegen David Vinckboons (1576–1632). Niederländische Maler der nachfolgen- den Generation, wie etwa Allart van Everdingen (1621–1675) und Jan Both (1610–1652), liessen sich von seinen Kompositionen inspirieren, was beispielsweise eine um 1647–50 entstandene bergige Waldlandschaft von Jan Both deutlich macht, die sich im Detroit Institute of Arts befindet (Inv.- Nr. 89.31, Ausst.-Kat. Masters of 17th Century Dutch Landscape Painting, hrsg. von Peter Sutton et al., Amsterdam / Boston / Philadelphia 1988, S. 277–278, Kat.-Nr. 14). CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 64.
    Gemälde Alter Meister |58 3037 BARENT AVERCAMP (1612 Kampen 1679) Winterlandschaft mit Eisläufern. Öl auf Holz. Unten rechts mit Monogramm: AV.DN. (ligiert). 44,5 × 60,5 cm. Provenienz: - Sammlung P. P. Volkoff, Leningrad. - Sammlung Mrs. N. Danzas, Leningrad, 1908–1909 (verso mit Etikett). - Sammlung S.K.H. Grossfürst Kyrill Wladimirowitsch Romanov (1876–1938), Leningrad. - Sammlung Romer Williams, Worcester 1925. - Kunsthandel Bachstitz, Den Haag. - E. Rössler, Berlin. - Kunsthandel Bachstitz, Den Haag, 1935. - Sammlung H. Maas, Den Haag. - Auktion Sotheby‘s, London, 3.12.1969, Los 19 (als Barent Aver- camp). - Schweizer Privatbesitz. Ausstellung: Sankt Petersburg 1908: Starye Gody, Imperial Society for the encouragement of art, 20.11.1908–12.1.1909, Nr. 425. Literatur: - Cornelis Hofstede de Groot, in: Monatshefte für Kunstwissen- schaft 3, 1910, S. 118. - Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten Holländischen Maler des XVII. Jahrhunderts, Bd. VII, 1918, S. 489–490, Nr. 527 (als vielleicht von Avercamp, datiert 1669 aber 30 bis 40 Jahre früher entstanden). - Willem Rudolf Juynboll, in: Oudheikundig Jaarboek 2, 1934, S. 149 (als Barent Avercamp). Dieses stimmungsvolle Gemälde mit Eisvergnügen wurde ursprünglich als Oval angelegt (32 × 43 cm) und später zu einem Rechteck ergänzt und mit dem Monogramm von Aert van der Neer (1603–1677) versehen. Hofstede de Groot zweifelte bereits in den 1910er-Jahren die Zuschreibung an Aert van der Neer an und wies das Gemälde Barent Avercamp zu ebenso wie Willem Rudolf Juynboll. Die Figuren und das Detailreichtum in den Kostü- men sind charakteristisch für Barent Avercamp, wie ein Vergleich mit der Winterlandschaft im Rijksmuseum, Amsterdam (Inv.-Nr. A3286) zeigt. Das Gemälde befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in rus- sisch-aristokratischem Besitz, unter anderem in der Sammlung des Grossfürsten Kyrill Wladimirowitsch Romanov (Abb. 1), einem Enkel von Zar Alexander II. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410) Abb. 1 S.K.H. Grossfürst Kyrill Wladimirowitsch Romanov (1876–1938)
  • 65.
  • 66.
    Gemälde Alter Meister |60 3038* GILLIS NEYTS (Ghent 1618–1686 Antwerpen) Bewaldete Landschaft mit Schlossruine. Öl auf Holz. 29,3 × 44,7 cm. Provenienz: Europäische Sammlung. Stilistisch lässt sich diese Landschaft mit einer Schlossruine mit anderen Werken von Gillis Neyts vergleichen, wie beispielsweise der signierten Landschaft in einer Privatsammlung (siehe Pierre Gustot: Gillis Neyts-Un Paysagiste Brabançon en vallée au XVIIe siècle, Namur 2008, S. 87, P44). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 67.
    | 61 3039* JAN JANSZ.TRECK (um 1605 Amsterdam 1652) Stillleben mit einer silbernen Tasse und Krabbe. Öl auf Holz. 28 × 33,7 cm. Provenienz: - Auktion Moos, Genf, 9.6.1934, Los 27. - Kunsthandel Walter Paech, Amsterdam, vor 1940. - Kunsthandel Nordest Gallery, Boston MA, 1980. - Auktion Sotheby‘s, New York, 18.5.2006, Los 112. - Auktion Hampel, München, 9.12.2011, Los 283. - Kunsthandel P. de Boer, Amsterdam, 2012. - Europäische Sammlung. Literatur: Nico Vroom: A modest message as intimated by the painters of the ‚Monochrome Banketje‘, Schiedam 1980, Nr. 493 (als Jan Olis). Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit nach Prüfung des Originals, wofür wir ihm danken. Er betont die stilistische Ähnlichkeit mit einem Gemälde (RKD Nr. 27607), das Jan Jansz. Treck zusammen mit Jan Jansz. den Uyl (1595–1639) malte und schliesst eine Zusammenarbeit beider Künstler im hier angebote- nen Gemälde nicht aus. CHF 22 000 / 28 000 (€ 20 370 / 25 930)
  • 68.
    Gemälde Alter Meister |62 3040* CORNELIS DUSART (1660 Haarlem 1704) Pfeife rauchender Mann vor einem Wirtshaus. 1684. Öl auf Leinwand. Unten mittig signiert und datiert: Cor. Dusart 1684 und oben rechts beschriftet: T NIUWE TROFFLE TYE. 49 × 40,8 cm. Provenienz: - Sammlung Cabinet of Baron Liedts, Brüssel. - Auktion G. Berré de Haen, Antwerpen, 1833. - Sammlung Charles Piérard, Valenciennes. - Auktion Hôtel Drouot, Paris, 20.3.1860, Los 19. - Sammlung J. B. Foucart (1823–1898), Valenciennes (verso mit rotem Wachssiegel). - Auktion Gostieau, Valenciennes, 12.10.1898, Los 41 (verso mit Etikett). - Privatsammlung Frankreich. - Auktion Drouot-Richelieu, Paris, 6.6.2014, Los 9. - Europäische Privatsammlung. Mit dem Motiv einer Wirtshausszene mit fröhlicher Gesellschaft greift das hier angebotene Gemälde von Cornelis Dusart eine seiner beliebtesten Kompositionen auf und zeigt die Ausei- nandersetzung mit seinem Lehrmeister Adriaen van Ostade (1610–1685). Geboren 1660 in Haarlem als Sohn eines Organisten, lernte Cor- nelis Dusart bei Adriaen van Ostade, dessen Kompositionen sich in seinen frühen Gemälden widerspiegeln. Am 10. Januar 1680 trat er der Haarlemer Lukasgilde bei. Der Tod des Lehrmeisters im Jahr 1685 brachte für Dusart eine massgebende Wendung mit sich. Neben der Übernahme seines Ateliers ging auch das Œuvre Adriaen van Ostades sowie jenes seines Bruders Isaac (1621–1649) in seinen Besitz über. Während er sich bei dem Motiv am Repertoire der Ostades bediente, entwickelte Dusart einen persönlicheren und eleganteren Malstil. Begleitend dazu erwiesen sich auch die Ölgemälde von Jan Steen (1626–1679) als Inspira- tion, insbesondere im Hinblick auf die Mimik und Gestik sowie die Bekleidung seiner Figurendarstellungen. Nach seinem Tod 1704 wurde Dusarts Sammlung am 31. Juli 1708 in Den Haag verstei- gert, die nicht nur den Nachlass der Brüder Ostade, sondern auch andere niederländische und italienische Künstler, darunter Cornelis Bega (1620–1664), Gerrit Berckheyde (1638–1698) und Adriaen van de Velde (1636–1672), beinhaltete. Mit dem wiederkehrenden Motiv von trinkenden, musizierenden und rauchenden Bauern im Œuvre Dusarts, versuchte er seinem Publikum weniger eine moralische Lektion zu erteilen, als vielmehr eine satirische Note zu vermitteln. Entsprechend waren seine Gemälde als eine Art Komödie zu verstehen, die der Unterhaltung beitrugen. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 69.
  • 70.
    Gemälde Alter Meister |64 3041 PIETER SYMONSZ. POTTER (Enkhuizen 1597–1652 Amsterdam) Soldaten, ein Offizier und eine junge Frau in einem Wachlokal. 1632. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: P. Potter. f. 1632. 32 × 42,5 cm. Provenienz: - Auktion Christie‘s, London, 19.12.1938, Los 92. - Schweizer Privatbesitz, seit den 1950er-Jahren. - Durch Erbfolge an heute Besitzer, Privatsammlung Schweiz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter Symonsz. Potter registriert. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 71.
    | 65 3042 JAN VANGOYEN (Leiden 1596–1656 Den Haag) Reiter und Fischersleute in einer weiten Dünenlandschaft mit einer Kirche im Hintergrund. 1640. Öl auf Holz. Unten rechts signiert und datiert: VGOYEN 1640. 42,2 × 66,2 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz, seit mehreren Generationen. Literatur: Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen 1596-1656. Ein Œuvrever- zeichnis, Bd. III, Doornspijk 1987, S. 253, Kat.-Nr. 932 (mit Abb.). Charakteristisch für die 1640er-Jahre im Œuvre Jan van Goyens sind die panoramahaften Landschaften in grossem Breitformat, bei denen er die Horizontlinie auf das untere Drittel herabsetzt und die Szene mit einer belebten Szenerie im Vordergrund und einer topographischen Ansicht im Hintergrund strukturiert. Dies zeigt sich in eindrücklicher Weise bei dieser 1640 datierten hol- ländischen Dünenlandschaft, an der sich zahlreiche Fischer und Händler tummeln. Viele Gemeinden entlang der holländischen Nordseeküste hatten aufgrund ihres langen flachen Ufers keinen Hafen. Der Fischfang wurde auf hoher See in kleinere Segel- schiffe, sogenannte Bomschuit, umgeladen, welche die Fracht bis ans Ufer bringen konnten, wie in unserem Gemälde links im Hintergrund zu sehen ist. Zur Rechten ist die Ruine einer Kirche zu sehen, die wohl im Achtzigjährigen Krieg zerstört wurde, wie viele in dieser Zeit. Dieses charakteristische Gemälde Jan van Goyens verkörpert auf eindrückliche Weise die Fähigkeit des Künstlers, wunderbar stimmungsvolle Effekte zu kreieren und zeigt die Vollendung der Entwicklung seines eigenen Stils, nachdem sich Jan van Goyen in den 1630er-Jahre vom Einfluss seines Lehrers Esaias van de Velde (1587–1630) gelöst hatte. Jan van Goyen, der 1632 mit seiner Frau und seinen Töchtern von seiner Geburtsstadt Leiden nach Den Haag gezogen war, stellte mehrere vergleichbare Szenen dar, so beispielsweise den Strand von Egmond aan Zee in einem 1634 datierten Gemälde im Indianapolis Museum of Art (Inv.-Nr. 1983.67) und in zwei weiteren Kompositionen, bei denen er auf das Motiv der Kirchenruine und eines von zahlreichen Figuren belebten Strandufers zurückgriff (siehe Beck 1973, Kat.-Nr. 933 und 935, S. 418). Siehe auch Katalogeintrag zu Los 3024. CHF 60 000 / 80 000 (€ 55 560 / 74 070)
  • 72.
    Gemälde Alter Meister |66 3043 MATTHIJS SCHOEVAERDTS (Brüssel um 1665–nach 1702) Belebte Hafenszene mit Fischmarkt. Öl auf Leinwand. Unten links schwer leserlich signiert: M. SCHOEVAERDTS. F. 41,3 × 60,3 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Matthijs Schoevaerdts archiviert. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 73.
    | 67 3044 JORIS VANDER HAAGEN (um 1615 Den Haag 1669) Italianisierende Waldlandschaft mit Jägern. Öl auf Leinwand. 132,5 × 150,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Dieses Gemälde zeichnet sich durch eine für Joris van der Haagen typische Komposition aus. Die detaillierte Ausführung des Blatt- werks, der Baumstämme und des Waldbodens im Vordergrund legen Zeugnis ab von der gekonnten Pinselführung des Künst- lers. Eine vergleichbare Darstellung mit Wasserfall findet sich im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen (Öl auf Leinwand, 178 × 210 cm). Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Joris van der Haagen archiviert. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 74.
    Gemälde Alter Meister |68 3045* BERGAMO SCHULE, UM 1560 Porträt eines Herren mit einem weissen Kragen. Öl auf Leinwand. 42,8 × 34,3 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
  • 75.
    | 69 3046* PIETER CORNELISZ.VERBEECK (um 1610 Haarlem um 1654) Orientalischer Reiter in einer Grotte mit Schimmel. 1642. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert und datiert: P. VB. f. 1642. 38,5 × 30,5 cm. Provenienz: - Sammlung Familie Moltke, Dänemark. - Auktion Winkel Magnussen, 1.–2.6.1931, Los 136 (verso mit Etikett). - Sammlung Eric Cervin, Haneberg Manor, Schweden (verso mit Etikett). - Sammlung Anna Trellens (verso mit Etikett). - Privatsammlung, Schweden. - Auktion Stockholms Auktionsverk, Stockholm, 5.6.2013, Los 1942. - Kunsthandel Daxer Marschall, München. - Europäische Sammlung. Pieter Cornelis Verbeeck trat 1635 der Malergilde in Alkmaar bei und heiratete Agnes Groenvelt im selben Jahr. 1638 siedelten sie nach Utrecht um, wo allerdings seine Frau nur vier Jahre später verstarb und woraufhin Verbeeck nach Haarlem zurückkehrte. 1645 trat er in die Haarlemer Gilde ein und heiratete Elisabeth van Beresteijn, die Schwester seines Freundes und Landschaftsmaler Claes van Beeresteijn (1627–1684). Der niederländische Biograf Arnold Houbracken (1660–1719) er- wähnt, dass Verbeeck der Lehrer von Gillis Schagen (1616–1668) war. Es ist unklar, ob Verbeeck Philips Wouwerman (1619–1668), Haarlems prominentesten Maler von Landschaften und Pferden seiner Zeit, kannte, aber es ist wahrscheinlich, dass sie vonei- nander wussten und dass Wouwerman in gewisser Weise von seinem älteren Malerkollegen beeinflusst wurde. Diese Annahme bestätigt sich auch beim Betrachten dieses Gemäldes, das einen äusserst realistischen und versiert gemalten Schimmel zeigt, der mit diversen Farberhöhungen äusserst lebendig wiedergegeben ist. Der pastose Farbauftrag findet sich auch in der Gesteins- formation der Grotte, der Vegetation und der Gewandung des Reiters und wird durch gezielte Lichtführung verstärkt akzentuiert. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter Cornelisz. Verbeeck archiviert. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 76.
    Gemälde Alter Meister |70 3047* ARY DE VOIS (Utrecht um 1632–1680 Leiden) Porträt eines Edelmannes im orangefarbenen seidenen „japonse rok“. Öl auf Holz. Mittig auf dem Blatt signiert: ADVois f. 36,5 × 30 cm. Provenienz: - Auktion Stockholms Auktionsverket, Stockholm, 29.5.2008, Los 2454. - Privatsammlung. - Auktion Hampel, München, 23.3.2012, Los 187. - Europäische Sammlung. 1641 erlaubte das Shogunat den Niederlanden als einziges europäisches Land, mit Japan Handel zu betreiben. Der hier dar- gestellte sogenannte „Japonse rok“ war ein in Japan speziell für niederländische Händler hergestelltes Kleidungsstück, welches häufig von hochrangigen Persönlichkeiten der Niederländischen Ostindien-Kompanie erworben wurde. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 77.
    | 71 3048 ALBRECHT KAUW (Strassburg1616–1681 Bern) Seeschlacht wohl bei Fehmarn. 1670. Öl auf Leinwand. Verso signiert und datiert: A. Kauw fe 1670. 82 × 105 cm. Provenienz: - Schweizer Privatbesitz, seit über 70 Jahren. - Durch Erbschaft an heutige Besitzer. Dr. Georges Herzog, dem wir für die Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes danken und dessen Eintrag wir nachfolgend zitieren, bestätigt die Autorschaft Albrecht Kauws nach Besich- tigung des Originals. Bei der dargestellten Seeschlacht dürfte es sich um diejenige bei Fehmarn handeln, bei der während des Dreissigjährigen Krieges am 13. Oktober 1644 die Schweden in Verbrüderung mit den Niederländern die dänische Flotte besieg- ten und somit die bislang anhaltende Vorherrschaft der Dänen in der Ostsee beendeten. „Der ursprünglich aus Strassburg stammende Albrecht Kauw, der sich nach seiner Ankunft in Bern um 1640 in den ersten 25 Jahren seiner Berner Tätigkeit vor allem als Kopist und somit Bewah- rer des Manuelschen Totentanzes, als begabter Vedutist in Öl, Aquarell und Gouache sowie als hochorigineller Stilllebenmaler einen Namen gemacht hatte, beantragte 1666 für sich und einen seiner Söhne bei der Berner Obrigkeit ein Privileg zum Verkauf von „Kupferstuck und Gmähl“, also von Druckgrafik und Gemälden. Beim erwähnten Sohn handelte es sich höchstwahrscheinlich um seinen damals zwanzigjährigen Malersohn Gabriel, der eben von seiner Wanderschaft, die ihn in süddeutsche Kunstzentren wie Strassburg, Frankfurt und Nürnberg geführt hatte, nach Bern zu- rückgekommen war, nachdem er sich zuvor auf dem Kunstmarkt dieser Städte reichlich mit internationaler Grafik eingedeckt hatte. Von diesem Zeitpunkt an eröffnete sich Vater Albrecht Kauw eine neue Welt. Das Komponieren von Bildern aus Elementen mehr oder weniger aktueller Stichvorlagen aus dem internationalen An- gebot bestimmte in der Folge einen wichtigen Teil der raumdeko- rativen Arbeiten Kauws in seinem letzten Schaffensjahrzehnt. Mit den Grossaufträgen für die bildkünstlerischen Ausstattungen der Schlösser Utzigen und Oberdiessbach konnte Kauw nun diese für ihn offensichtlich neuen und scheinbar nahezu unerschöpflichen Quellen für sich nutzen (siehe hierzu Georges Herzog: Albrecht Kauw (1616–1681). Der Berner Maler aus Strassburg, Bern 1999, S. 310 ff., Nr 175–177 und S. 330, Nr. 190/91). Die hier angebotene Seeschlacht zwischen holländischen und dänischen Galeonen steht in der Tradition der holländischen Marinemalerei, wie sie durch grafische Arbeiten von Stechern wie Reinier Nooms, genannt Zeeman (um 1623–1664) in ganz Europa verbreitet wurde. Sie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Alb- recht Kauw es verstand, für die Ausstattungen der Landsitze und Schlösser seiner zumeist patrizischen Auftraggeber, die häufig durch fremde Dienste zu Ansehen, Geld und auf den Geschmack für solche militärisch geprägten Darstellungen gekommen waren, diese gefragten Themen als leuchtende, farbenfrohe Suprapor- ten und Cheminéebilder zu inszenieren. Einmal mehr kommt hier auch zum Ausdruck mit welcher anekdotischen Fertigkeit es Kauw gelang, mit ein paar Strichen und Tupfer, die Stimmung der kleinfi- gurigen Personenstaffage einzufangen.“ CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670)
  • 78.
    Gemälde Alter Meister |72 3049* PIETER DE BLOOT (1601 Rotterdam 1658) Fährenübergang an einem Fluss. Öl auf Holz. 46,3 × 83,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel X. Scheidwimmer, München, 1994. - Süddeutsche Privatsammlung. - Auktion Hargesheimer Kunstauktionen, Düsseldorf, 15.3.2018, Los 2119. - Europäische Sammlung. Das hier angebotene Gemälde lässt sich stilistisch wie auch kompositorisch mit der „Fähre am Fluss“ von Pieter de Bloot ver- gleichen, ehemals aus der Sammlung Jacob Fischer, Mainz (siehe Hans-Ulrich Beck: Künstler um Jan van Goyen, Augsburg 1991, S. 48, Kat.-Nr. 72). Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Pieter de Bloot archiviert. CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260) 3050 MAARTEN VAN HEEMSKERCK (NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS) (Heemskerck 1498–1574 Haarlem) Gegenstücke: Allegorie des Neids (Invidia) und Allegorie der Armut (Inopia). Öl auf Leinwand. Je 60 × 72 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz, seit den 1970er-Jahren. Jedes Jahr fand am 1. Juli in Antwerpen anlässlich der Be- schneidung Christi eine Prozession statt. Im Jahre 1561 war das Thema der Kreislauf des menschlichen Daseins. Maarten van Heemskerck fertigte hierzu einen Stichzyklus mit den sieben Wagen des Umzugs an, mit dem Jüngsten Gericht als Schlussbild. Die hier angebotenen Gemälde gehen auf zwei Kupferstiche aus dieser Serie zurück. CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 79.
  • 80.
    Gemälde Alter Meister |74 3051* JAN WYNANTS (Haarlem um 1630–1684 Amsterdam) Bewaldete Landschaft mit Hirte. 1661. Öl auf Holz. Unten links signiert und datiert: J wynants 1661. 30,1 × 37,1 cm. Provenienz: Europäische Sammlung. Das hier angebotene Gemälde ist ein qualitätsvolles Werk Jan Wynants und entstand 1661 in Amsterdam, etwa ein Jahr nach der Übersiedelung des Malers von Haarlem. Die Verbindung eines markanten Waldstücks mit Disteln im Vordergrund und Figuren in einer Landschaft im Mittelgrund ist ein charakteristisches Merkmal für das Spätwerk Wynants und findet sich beispielswei- se in der 1669 entstandenen „Bewaldete Landschaft mit einem Baumstamm, Disteln und Figuren auf einem Weg“, das sich im Staatlichen Museum in Schwerin befindet (Inv.-Nr. G 3950, siehe Klaus Eisele: Jan Wijnants (1631/32-1684). Ein Niederländischer Maler der Ideallandschaft im Goldenen Jahrhundert, Stuttgart 2000, Kat.-Nr. 115). Der Landschaftsmaler Jan Wynants ist vor allem für seine italienisch anmutenden Landschaften und Gemälde mit topog- rafischen Motiven bekannt. Er wurde in Haarlem als Sohn eines katholischen Kunsthändlers geboren. Nach dem Tod seiner Mutter heiratete sein Vater Maria Jans van Stralen, die Witwe von Jasper Jaspersz van Heemskerck und Mutter des Malers Egbert Jaspersz van Heemskerck (1634–1704), wodurch Wynants und Van Heemskerck Stiefbrüder wurden. Wynants war bis 1660 in Haarlem tätig, und siedelte dann nach Amsterdam über. Er war der Lehrer von Willem Schellinks (1623–1678) und Nicolaes de Vree (1645–1702). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 81.
    | 75 3052* JOHANNES HANNOT (1633Leiden 1684) Stillleben mit Zitrusfrüchten, Austern und Hummer. Öl auf Leinwand. Rechts auf der Steinplinthe schwer leserlich monogrammiert: J. (H). 86 × 71 cm. Provenienz: - Privatsammlung Niederlande bis 2003. - Kunsthandel Peter de Boer, Amsterdam (verso mit Etikett). - Europäischer Privatbesitz. Johannes Hannot spezialisierte sich auf Stillleben, vorwiegend mit Früchten, und arbeitete zeit seines Le- bens in Leiden. Er war auch als Weinhändler tätig. Seine Stillleben erinnern stark an Jan Davidsz. de Heem (1606–1683). Sein erstes datiertes Stillleben stammt von 1654. Das hier angebotene Stillleben ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Johannes Hannot archiviert. CHF 30 000 / 40 000 (€ 27 780 / 37 040)
  • 82.
    Gemälde Alter Meister |76 3053 THEOBALD MICHAU (Tournai 1676–1765 Antwerpen) Belebte Dorfszene mit Markttreiben. Öl auf Holz. Unten links signiert: T. Michau. 53 × 70,5 cm. Provenienz: - Sammlung Madame Danièle Marie Charlotte Plancher. - Durch Erbschaft, Schweizer Privatbesitz. Dieses charakteristische Werk von Theobald Michau zeigt eine weite flämische Landschaft mit reicher Figurenstaffage. Links im Vordergrund zeigt sich eine belebte Marktszene mit Ver- kaufsständen und Passanten. Weiter rechts erstreckt sich die Landschaft über einen Fluss zu einer Stadt am anderen Ufer. Im Mittelgrund dient eine dunkle Baumgruppe als Repoussoir-Motiv für die sich im Blickfeld des Betrachters weit entfaltende Land- schaft in sanften grünen und blauen Tönen. Bis zum Horizont sind zahlreiche Details zu erkennen. Der Bildaufbau unseres Gemäldes sowie die atmosphärische Per- spektive in blau und grün machen den Einfluss der Antwerpener Meister Jan Brueghels d. Ä. (1568–1625) sowie Joos de Momper (1564–1636) im Werk Theobald Michaus ersichtlich. Michau lernte in Tournai im Atelier des flämischen Landschaftsmalers Lucas Achtschellinck (1626–1699) und war schon zu Lebzeiten ein gefragter Landschaftsmaler. Seine populären Festszenen in der Nachfolge David Teniers d. J. (1610–1690) waren ebenfalls sehr beliebt. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
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  • 85.
    | 79 3054* JACOB ROOTIUS (1644Hoorn 1681/82) Früchtestillleben vor einer Landschaft. Öl auf Leinwand. Unten rechts am Rand eines Blattes mit Monogramm: JCB. 66 × 53,2 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s, London, 4.11.1982, Los 44 (als in der Art Jacob van Walscapelle). - Auktion Paleis voor Schone Kunsten, Brüssel, 18.11.1992, Los 85. - Auktion Christie‘s, London, 29.10.1997, Los 272 (als zugeschrie- ben Christiaen van Dielaert). - Gallerie Luigi Caretto, Turin, 1999. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: Turin 1999, 40a Mostra Fiamminghi ed Olandesei del XVI-XVII secolo, Galleria Luigi Caretto, Turin, 1999, Nr. 13. Dr. Fred G. Meijer bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Fo- tografie, wofür wir ihm danken. Er vergleicht unser Gemälde dabei mit einem signierten und 1681 datierten Stillleben von Jacob Rootius, das im Februar 1969 in Brüssel versteigert wurde (davor bei Christie‘s, London, 19.3.1954, Los 87, fälschlicherweise als Jan Albertsz. Rotius). CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260) 3055 JACOB VAN HAL (1672 Antwerpen 1750) Bad der Diana. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: J. v. Hal. 66,8 × 85,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Dieses kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckte Gemälde von Jacob van Hal mit dem Bad der Diana kann stilistisch mit dem Werk „Esther vor Ahasuerus“ von Jacob van Hal vergli- chen werden, das sich im Schloss Gaibach in Volkach befindet. Dabei ist die Detailvielfalt vor allem in den Gesichtern unserer Darstellung ausgeprägter und qualitätsvoller. 1672 in Antwerpen geboren, lernte Jacob van Hal zunächst als Lehrling in der dortigen Sankt Lukas Gilde von 1681 bis 1682. Von 1691 bis 1692 ist er als Meister aufgeführt und von 1705 bis 1706 als Dekan. Das Gemälde ist im RKD, Den Haag, als ein eigenhändiges Werk von Jacob van Hal archiviert. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 86.
    Gemälde Alter Meister |80 3056 JAN VAN HUCHTENBURG (Haarlem 1647–1733 Amsterdam) Reisende bei der Rast. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: Huchtenburg P. 53 × 67 cm. Provenienz: - Galerie Kitzinger, Luzern, 1944. - Durch Erbfolge an den heutigen Besitzer, Schweizer Privat- sammlung. CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
  • 87.
    | 81 3057 ANTOINE MONNOYER (Paris1677–1745 Saint-Germain-en-Laye) Blumenstillleben. Öl auf Leinwand. Unten links signiert: JBaptiste. 81 × 104,5 cm. Gutachten: Dr. Claudia Salvi, 6.5.2021. Provenienz: - Ehemal Sammlung Frey, Bürgenstock. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Fritz Frey: Der Bürgenstock: Kunst - Geschichte - Tradition - Hoteldorf, Zürich 1967, S. 142, Abb. S. 143 (als Jean-Baptiste Monnoyer). Antoine Monnoyer, der als grosser Meister des Blumenstilllebens zusammen mit Charles Le Brun (1619–1690) in Versailles tätig war, wurde grösstenteils von seinem Vater, Jean-Baptiste Monno- yer (1636–1699) ausgebildet. Er reiste mit ihm nach England, wo er für den dortigen französischen Botschafter, Sir Ralph Monta- gu, das Burlington House zusammen mit Charles de La Fosse (1636–1716) ausschmückte. Blumenstillleben erfreuten sich zu dieser Zeit ausserordentlich grosser Beliebtheit. Nach dem Tod seines Vaters reiste Antoine Monnoyer durch ganz Europa, unter anderem nach Rom, England, Dänemark und Schweden. Dr. Salvi betont, dass der „Monnoyer-Stil“ hauptsäch- lich dank dieser Reisen so grosse Beliebtheit erlangte und zahlrei- che Künstler, wie beispielsweise Jan Frans van Son (1658–1718), beeinflusste. Charakteristisch für Antoine Monnoyer ist der sehr dekorative Charakter seiner Kompositionen. Während Jean-Baptiste seine Blumenkompositionen direkt nach der Natur malte, wandte Anto- ine die Technik von Jacob Bogdani (1658–1724) an, der ebenfalls in England tätig war: Dieser schnitt zuerst Blumenformen aus und platzierte diese auf eine grüne Leinwand. Erst wenn er seine Komposition festgelegt hatte, malte er die Blumen nach natür- lichen Vorbildern. Ausserdem war seine Farbwahl vielmehr von dekorativen Bedürfnissen geleitet als durch die natürlichen Farben der Blumen. Dr. Claudia Salvi datiert das hier angebotene Gemälde zwischen 1734 und 1745 und betont, dass Antoine seine Werke oft mit JBaptiste signierte, in Anlehnung an die Werke seines Vaters. Sie deutet zudem darauf hin, dass die perfekt ausbalancierte Entfaltung der Blumen auf einer ebenen Fläche, wie ein kost- barer Wandteppich, charakteristisch für die Produktion dieses wichtigen Meisters ist. Die akribische Wiedergabe der im Wasser schwimmende Stiele in unserem Gemälde ist dabei eine be- wusste archaisierende Wahl des Künstlers und als Hommage an die grossen Meister des Genres wie Ambrosius Bosschaert d. Ä. (1573–1621), Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) oder Balthasar van der Ast (1593–1657) zu verstehen. CHF 15 000 / 25 000 (€ 13 890 / 23 150)
  • 88.
    Gemälde Alter Meister |82 3058* LUIGI MIRADORI GENANNT IL GENOVESINO (UMKREIS) (Genua 1605–1656 Cremona) Heraklit. Öl auf Leinwand. 34,7 × 30,7 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. CHF 7 000 / 12 000 (€ 6 480 / 11 110)
  • 89.
    | 83 3059* LUCA GIORDANOUND CARLO GAROFALO (1634 Neapel 1705) (1688 Neapel 1705) Esther und Ahasuerus. Hinterglasmalerei. 59,5 × 47 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Dieses Hinterglasgemälde identifiziert Prof. Nicola Spinosa anhand von Fotografien als eine Gemein- schaftsarbeit Luca Giordanos und seinem besten Schüler, Carlo Garofalo, wofür wir ihm danken. Er geht dabei von einer Entstehung zwischen 1680 und 1690 aus. Die Produktion von Hinterglasmalerei- en im Atelier von Luca Giordano erfreute sich grosser Beliebtheit und die Tafeln dienten vorwiegend als Ausschmückung von Kabinettschränken (siehe auch Frieder Ryser: Luca Giordano/Neapel und Spanien 17. und 18. Jahrhundert, in: Ausst.-Kat. Glas–Glanz–Farbe: Vielfalt barocker Hinterglaskunst im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts, hrsg. von Brigitte Salmen, Murnau 1997, S. 26ff.). Bei diesem hier ange- botenen Bildnis von Esther und Ahasuerus dürfte es sich allerdings aufgrund der Grösse um ein eigen- ständiges Werk handeln. Bemerkenswert ist dabei der gute Erhaltungszustand und die Detailvielfalt. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
  • 90.
    Gemälde Alter Meister |84 3060* GUIDO RENI UND WERKSTATT (Calvenzano 1575–1642 Bologna) Heilige Katharina von Alexandrien. Öl auf Leinwand. 106 × 85 cm. Provenienz: Europäischer Privatbesitz. Prof. Raffaella Morselli geht nach Prüfung des Gemäldes im Original davon aus, dass es während Renis Aufenthalt in Rom um 1613–14 unter Beteiligung seiner Schüler entstanden ist. Sie betont die Qualität der Ausführung, insbesondere im Gewand der Figur. CHF 25 000 / 35 000 (€ 23 150 / 32 410)
  • 91.
    | 85 3061 GIOVANNI ODAZZI (1663Rom 1731) Heilige Familie mit Putti in einer Landschaft. Öl auf Leinwand. 68,8 × 53,3 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Francesco Petrucci, der die Autorschaft Giovanni Odazzis anhand einer Fotografie bestätigt und dem wir für seine Hilfe bei der Katalogisierung danken, erkennt in dieser Heiligen Familie mit Putti in einer Landschaft ein bedeutendes Spätwerk des Künstlers. Es weist die künstlerische Nähe zu seinem Lehrmeister Baciccio (1639–1709) sowie den Einfluss Carlo Marattas (1625–1713) auf, der eine prominente Rolle in der spätbarocken römischen Malerei des frühen 18. Jahrhunderts innehatte. Als stilistischer Vergleich ist das Gemälde „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ von Giovanni Odazzi zu nennen, welches sich im Walters Art Museum in Baltimore befindet (Inv.-Nr. 37.1122). CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
  • 94.
    Gemälde Alter Meister |88 3062* BERNARDO BELLOTTO GENANNT CANALETTO UND LORENZO BELLOTTO (Venedig 1721–1780 Warschau) (Venedig 1742–1770 Warschau) Blick auf München von Osten. Um 1762–1767. Öl auf Leinwand. 69 × 119,5 cm. Provenienz: - Sammlung des österreichischen Generalkonsuls Wünsch (gebo- ren um 1780). - Sammlung seiner Tocher, Mrs. Jiricek-Wünsch (1818–1859). - Durch Erbschaft Sammlung ihres Ehemannes, Leopold Zde- borsky (1815–1887), Prag (verso mit Wachssiegel). - Sammlung seiner Tochter, Sofie-Johanna Honsig von Jägerhain, Österreich (Tochter von Leopold und Johanna Zdeborsky, mit Julius Anton Honsig von Jägerhain verheiratet). - Sammlung Julius Anton Honsig von Jägerhain (1849–1924). - Sammlung Ing. Heinrich Honsig, Bruder von Julius Anton Honsig von Jägerhain. - Kunsthandel Sabin, London (über Karl Honsig, Neffe und Erbe von Heinrich Honsig). - Kunsthandel Karl Haberstock, Berlin, 1928. - Sammlung Maser, Zürich, 1936. - Sammlung Heinrich Abel, München, 1997. - Europäischer Privatbesitz, seit 2000. Ausstellung: Wien 2005, Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische Veduten, Kunsthistorisches Museum Wien, 16.3.–19.6.2005, Nr. 30. Literatur: - Wohl Ausst.-Kat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Wien 1965, S. 69. - Andrzej Rottermund: Bernardo Bellotto’s Unknown View of Mu- nich, in: Artibus et Historiae, Nr. 38, 1998, S. 9–20. - Bernardo Bellotto and the Capitals of Europe, Ausst.-Kat., hrsg. von Edgar Peters Bowron, New Haven / London 2001, S. 214. - Karl Schütz: Bernardo Belotto, gen. Canaletto – Leben und Werk, Vernissage, Nr. 2/2005, S. 6–23 (S. 13, ill.). - Ausst.-Kat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische Veduten, hrsg. von W. Seipel, Wien 2005, Kat.-Nr. 30, S. 152–153. - Charles Beddington: Munich from Gasteig Hill, in: Selected Old Master Paintings, London 2011, S. 54–55 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa, hrsg. von Andreas Schumacher, München 2014, S. 254. Diese seltene Ansicht von München vom Gasteig aus gesehen wurde vor einigen Jahren in einer Privatsammlung entdeckt und von A. Rottermund als dritte eigenhändige Version der berühmten Komposition von Bernardo Bellotto publiziert (siehe Literatur). Die Erstfassung befindet sich in den Bayerischen Staatsgemäldes- ammlungen, Münchner Residenz (Inv.-Nr. 111, 1761 datiert, Öl auf Leinwand, 125 x 220 cm) und eine Replik, bei der angenommen wird, dass sein Sohn, Lorenzo Bellotto (1742–1770), mitbeteiligt war, befindet sich heute in der National Gallery of Art in Washing- ton (Inv.-Nr. 1961.9.64, Samuel H. Kress Foundation). Bernardo Bellotto reiste 1761 von Wien nach München und traf dort am 14. Januar mit einem Empfehlungsbrief Maria The- resias von Österreich an Prinzessin Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern ein (siehe H. A. Fritzsche: Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Burg b. Magdeburg 1936, S. 68–70). Die Prinzessin Maria Antonia von Bayern war die Schwester des bayerischen Kurfürsten und mit Friedrich Christian Kurfürst von Sachsen, dem ältesten Sohn und Thronfolger Friedrich August II., verheiratet. Das Paar hielt sich aufgrund des Siebenjährigen Krieges am Münchner Hof auf. Bellotto malte für Maximilian III. Josef Kurfürst von Bayern eine grosse Ansicht von München und zwei von der Sommerresidenz Nymphenburg, die sich heute noch in der kurfürstlichen Residenz in München befinden. Gisela Barche vermutet aufgrund des gemeinsamen bayerischen und sächsi- schen Wappens auf den Originalrahmen der drei Gemälde, dass es sich dabei nicht um einen Auftrag des bayerischen Kurfürsten, sondern vielmehr um ein Geschenk des sächsischen Fürsten- paares an seine Gastgeber gehandelt habe (siehe Gisela Barche: Bernardo Bellotto, Verona e le citta europee, Verona 1990, S. 156–161). Bellotto hat von diesen drei Ansichten etwa halb so grosse Repli- ken angefertigt, von denen sich zwei (Ansicht von München und eine Ansicht von Nymphenburg) heute in der National Gallery of Art in Washington befinden. Die hier angebotene, dritte bekannte Version der Ansicht von München, dürfte laut Rottermund zwi- schen 1762 und 1767, also nach der Rückkehr des Künstlers nach Dresden, entstanden sein und ist in der Grösse vergleichbar mit der Version in der National Gallery of Art. In dieser Zeit nahmen die Aufträge aus dem königlichen Hofe aufgrund des Todes des Königs August III. in Dresden ab, sodass Bellotto zusätzliche Auf- träge annehmen musste. Zudem ist bekannt, dass Bellotto, der bereits als 14-Jähriger in der Werkstatt seines Onkels, dem be- rühmten venezianischen Vedutenmaler Giovanni Antonio Canale genannt Canaletto (1697–1768), tätig war, zahlreiche detaillierte Zeichnungen als Vorbereitung für seine grossen Kompositionen anfertigte. So konnte er für spätere Aufträge auf diese vorberei- tenden Zeichnungen zurückgreifen und Repliken anfertigen. In unserer Version halten Andrzej Rottermund und Charles Bed- dington eine Beteilung des Sohnes Bellottos, Lorenzo, an der Stadtansicht im Hintergrund für möglich, während Karl Schütz das Werk als ausschliessliche Arbeit Bernardo Bellottos sieht (siehe Literatur). Ein 1766 von Franz Xaver Jungwirth (1720–1790) angefertigter grossformatiger Kupferstich scheint der Staffage nach eher auf eine der beiden Repliken als auf die Erstfassung in der Münchner Residenz zurückzugehen. Auf der Rückseite unseres Gemäldes deuten ein Etikett und ein Wachssiegel mit der Aufschrift „Prag“ und dem Namen „Leopold Zdeborsky“ auf den ehemaligen Besitzer Leopold Zdeborsky (1815–1887) hin, welcher in Prag lebte. Um 1840 heiratete er Jiricek-Wünsch (1818–1859), welche die Tochter des Generalkon- suls Wünsch (geboren 1780) war. Schätzung auf Anfrage
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    Gemälde Alter Meister |90 3062* BERNARDO BELLOTTO CALLED CANALETTO AND LORENZO BELLOTTO (Venice 1721–1780 Warsaw) (Venice 1742–1770 Warsaw) View of Munich seen from the east. Circa 1762–1767. Oil on canvas. 69 × 119.5 cm. Provenance: - Collection of the Austrian Consul General Wünsch (born circa 1780). - Collection of his daughter, Mrs. Jiricek-Wünsch (1818–1859). - By inheritance, collection of her husband, Leopold Zdeborsky (1815–1887), Prague (wax seal verso). - Collection of his daughter, Sofie-Johanna Honsig von Jägerhain, Austria (daughter of Leopold and Johanna Zdeborsky, married to Julius Anton Honsig von Jägerhain). - Collection of Julius Anton Honsig von Jägerhain (1849–1924). - Collection of Ing. Heinrich Honsig, brother of Julius Anton Hon- sig von Jägerhain. - With Sabin, London (via Karl Honsig, nephew and heir of Heinrich Honsig). - With Karl Haberstock, Berlin, 1928. - Maser Collection, Zurich, 1936. - Heinrich Abel Collection, Munich, 1997. - European private collection, since 2000. Exhibited: Vienna 2005, Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische Veduten, Kunsthistorisches Museum Vienna, 16.3.–19.6.2005, no. 30. Literature: - Most likely exh. cat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Vien- na 1965, p. 69. - Andrzej Rottermund: Bernardo Bellotto‘s Unknown View of Munich, Artibus et Historiae, no. 38, 1998, pp. 9–20. - Bernardo Bellotto and the Capitals of Europe, exh. cat. Edgar Peters Bowron (ed.), New Haven / London 2001, p. 214. - Karl Schütz: Bernardo Belotto, gen. Canaletto - Leben und Werk, Vernissage, no. 2/2005, pp. 6–23 (p. 13, ill.). - Exh. cat. Bernardo Bellotto genannt Canaletto. Europäische Veduten, (ed.) W. Seipel, Vienna 2005, cat. no. 30, pp. 152–153. - Charles Beddington: Munich from Gasteig Hill, in: Selected Old Master Paintings, London 2011, pp. 54–55 (with ill.). - Exh. cat. Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa, (ed.) Andreas Schumacher, Munich 2014, p. 254. This rare view of Munich as seen from Gasteig Hill was discovered recently in a private collection and published by A. Rottermund as the third version of Bernardo Bellotto‘s famous composition in the artist’s own hand (see Literature). The first version is in the Bayeri- sche Staatsgemäldesammlungen, Munich Residenz (inv. no. 111, dated 1761, oil on canvas, 125 x 220 cm) and a replica, on which it is assumed his son Lorenzo Bellotto (1742–1770) also worked, is now in the National Gallery of Art in Washington (Samuel H. Kress Foundation). Bernardo Bellotto travelled from Vienna to Munich in 1761 and arrived there on 14 January with a letter of recommendation from Maria Theresa of Austria to Princess Maria Antonia Walpurgis Symphorosa of Bavaria (see H. A. Fritzsche: Bernardo Bellotto genannt Canaletto, Burg b. Magdeburg 1936, pp. 68–70). Princess Maria Antonia of Bavaria was the sister of the Bavarian Elector and married to Frederick Christian Elector of Saxony, the eldest son and heir to the throne of Frederick August II. The couple were resi- ding at the Munich court because of the Seven Years War. Bellotto painted for Maximilian III. Joseph Elector of Bavaria a large view of Munich and two of the summer residence at Nymphenburg, which are still in the Electoral Residence in Munich today. Gisela Barche surmises on the basis of the Bavarian and Saxon coat of arms, common to the original frames of the three paintings, that this was not a commission from the Bavarian Elector, but rather a gift from the Saxon princely couple to their hosts (see Gisela Barche: Bernardo Bellotto, Verona e le citta europee, Verona 1990, pp. 156–161). Bellotto made replicas of these three views of about half the ori- ginal size, two of which (View of Munich and a View of Nymphen- burg) are now in the National Gallery of Art in Washington. According to Rottermund, the third known version of the View of Munich offered here, was probably made between 1762 and 1767, that is, after the artist‘s return to Dresden, and is compa- rable in size to the version in the National Gallery of Art. During this period, commissions from the royal court decreased due to the death of King August III in Dresden, so Bellotto had to accept additional commissions. In addition, it is known that Bellotto, who was already working as a 14-year-old in the workshop of his uncle, the famous Venetian painter of vedute, Giovanni Antonio Canale called Canaletto (1697–1768), made numerous detailed drawings as preparation for his large compositions. He was thus able to have recourse to these preparatory drawings for later commissions and make replicas. In our version, Andrzej Rotter- mund and Charles Beddington consider it possible that Bellotto‘s son Lorenzo contributed to the city view in the background, while Karl Schütz sees this as the exclusive work of Bernardo Bellotto (see Literature). The large-format copperplate engraving made in 1766 by Franz Xaver Jungwirth (1720–1790) seems, judging by the staffage, to be based on one of the two replicas, rather than on the first version in the Munich Residenz. On the reverse of our painting, a label and a wax seal with the inscription „Prague“ and the name „Leopold Zdeborsky“ refer to the former owner Leopold Zdeborsky (1815–1887), who lived in Prague. Around 1840 he married Jiricek-Wünsch (1818–1859), who was the daughter of Consul General Wünsch (born 1780). Estimate on request
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    Gemälde Alter Meister |92 3063* JEAN-BAPTISTE GREUZE (Tournus 1725–1805 Paris) Bildnis eines Kindes, wohl Prinz Octavius von Grossbritannien. Öl auf Holz. Unten links monogrammiert: JBG. 17,5 × 14,5 cm. Gutachten: Edgar Munhall, 12.11.2014. Provenienz: - Sammlung Königin Charlotte Mathilde von Württemberg (1766–1828) (verso mit Etikett). - Sammlung Henry M. Shepherd, um 1859. - Durch Erbschaft, Sammlung Perry M. und Eleanor Shepherd, Geneva NY, 1940er-Jahre (verso mit Etikett). - Durch Erbschaft, Sammlung Deborah Shepherd Petri, Framing- ham MA. - Auktion Skinner, Boston MA, 23.1.2015, Los 311. - Kunsthandel Maier und Co., Stuttgart. - Europäischer Besitz. Das hier angebotene Kinderbildnis von Jean-Baptiste Greuze besticht sowohl durch intime Aura als auch durch königliche Provenienz. Tatsächlich weist ein altes Sammlungsetikett auf der Rückseite der Holztafel, welches aus konservatorischen Grün- den separat aufgehoben wird, auf den ehemaligen „Eigenthum Ihrer Majestät der Königin Mathilde von Württemberg“ hin. Dabei handelt es sich um Charlotte Mathilde (1766–1828), der ältesten Tochter des britischen Königs Georg III. (1738–1820) und der zweiten Ehefrau des Königs Friedrich von Württemberg (Abb.1). Mathilde heiratete mit 33 Jahren den König von Württemberg, um sich „vor der Bedrohung einer lebenslangen Jungfernschaft zu befreien“, wie sie selbst schrieb. Für den König kam mit der Heirat eine politische Stärkung des kleinen Württemberg gegen Frankreich und eine bedeutende finanzielle Mitgift einher. Das Paar sorgte in England für zahlreiche Karikaturen, insbesonde- re da sowohl Charlotte Mathilde als auch Friedrich körperlich sehr kräftig waren und somit eine intime Annäherung schwierig gewesen sein dürfte (Abb. 2). Tatsächlich blieb die Ehe kinderlos, eine Tochter wurde 1798 tot geboren. Die kunstsinnige Mathilde, die auch selbst malte, kümmerte sich liebevoll um die drei Kinder aus Friedrichs erster Ehe: Wilhelm (1781–1864), der spätere König Wilhelm I. von Württemberg, Katharina (1783–1835), die den Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte (König von Westphalen) heiratete, und Paul (1785–1852). Wie auch der Archivar des Hauses Württemberg, Dr. Eberhard Fritz, vermutet, ist wahrscheinlich ein Kind aus der nahen engli- schen Verwandtschaft der Geschwister der Königin dargestellt. Insbesondere die Augenpartie ist jenen der Kinderbilder aus der englischen Königsfamilie sehr ähnlich, so beispielsweise bei den Kinderbildern ihres Bruders, dem Prinzen Octavius von Gross- britannien (1779–1783), oder anderer Geschwister der Königin. Prinz Octavius, der mit vier Jahren an Pocken verstarb, wurde unter anderem 1782 von Thomas Gainsborough porträtiert (Royal Collection, Inv.-Nr. RCIN 401018, Öl auf Leinwand, 56,4 x 42 cm). Das Gemälde dürfte viele Jahre im Stuttgarter Schloss gehangen haben, bevor es Königin Charlotte Mathilde nach Friedrichs Tod 1816 in ihrem Witwensitz nach Schloss Ludwigsburg übernahm. Der üppige, vergoldete Barockrahmen (Abb. 3) entspricht ganz dem Stil dieses Palastes aus dem frühen 18. Jahrhundert. Edgar Munhall betont in seinem Gutachten die qualitätsvolle Mal- weise des intimen Bildnisses, welches alle bekannten malerischen Eigenschaften von Greuzes Porträts zeigt, vor allem denen, die er von Kindern gemalt hat. Dabei besitzt diese miniaturcharakterli- che Darstellung all die Kraft eines grossformatigen Porträts. CHF 12 000 / 18 000 (€ 11 110 / 16 670) Abb. 1 William Beechey (1753-1839), Bildnis der Königin von Württemberg (1766-1828), um 1797, Royal Collection Trust, Inv. Nr. RCIN 403413 Abb. 2 James Gillray, Le Baiser à la Wirtem- bourg, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. A 32325. Abb. 3 Mit Rahmen
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    Gemälde Alter Meister |94 3064 GIACOMO FRANCESCO CIPPER GENANNT IL TODESCHINI (Feldkirch 1664–1736 Mailand) Gegenstücke: Konzert in der Sakristei (Allegorie der Musik) und Maler in sei- nem Atelier (Allegorie der Malerei). Öl auf Leinwand. 116 × 147,9 cm. Provenienz: - Sammlung Giroldi, Locarno, 1976. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Luisa Tognoli: G.F. Cipper, il „Todeschini“ e la pittura di genere, Bergamo 1976, Kat.-Nr. 38 und 39, S. 148, Abb. 52 und 53. In Österreich geboren, etablierte sich Giacomo Francesco Cipper, genannt Todeschini Ende des 17. Jahrhunderts in der Lombardei und spezialisierte sich auf Genreszenen, die aus dem Alltag seiner Zeitgenossen angeregt sind. Tognoli datiert die Allegorie der Malerei in das Frühwerk des Künstlers und hebt hervor, dass es sich hier um ein Selbstbildnis Todeschinis handelt. CHF 20 000 / 30 000 (€ 18 520 / 27 780)
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  • 102.
    Gemälde Alter Meister |96 3065* JEAN PILLEMENT (1728 Lyon 1808) Hirten in einer weiten Flusslandschaft. 1787. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert (eingeritzt): Jean Pillement 1787. 48,5 × 64 cm. Provenienz: - Sammlung der Tochter des Ratsherren Oberried, Basel, bis 1800. - Sammlung Martin Bachofen-Heitz (1727–1814), Basel, ab 1800 (in den Nachträgen des Sammlungs-Inventars von 1772 aufge- führt: Pillement J., 3 Landschaften, 1800 gekauft von Ratsherr Oberrieds Tochter). - Auktion Auctiones AG, Basel, 26.–27.4.1990, Los 36 A. - Schweizer Sammlung. Alastair Laing bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Foto- grafie, wofür wir ihm danken. Er vergleicht diese Arbeit mit einer signierten und 1784 datierten Pastellarbeit von Jean Pillement mit ähnlicher Komposition, die sich im Musée du Louvre in Paris befindet (Inv.-Nr. RF 29.472). CHF 6 000 / 8 000 (€ 5 560 / 7 410)
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    | 97 3066* HUBERT ROBERT (1733Paris 1808) Landschaft mit Hirtin. Öl auf Leinwand. 43 × 62,5 cm. Provenienz: - Sammlung Bartholoni. - Wildenstein, Paris. - Während seiner Aufbewahrung im Château de Sourches, Bor- deaux, vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt (ERR Inv.-Nr. W89) und anschliessend in das Museum Jeu de Paume, Paris, überführt. - In der Einlagerungsstätte „Lager Peter“ im Salzbergwerk Altaus- see geborgen und nach München zum Munich Central Collec- ting Point gebracht (MCCP Inv.-Nr. 218/10). - Nach Frankreich zurückgeführt, 31.7.1946. - Wildenstein, Paris, 1949. - Auktion Sotheby‘s, New York, 14.1.1988, Los 203. - Auktion Christie‘s, New York, 26.1.2012, Los 280. - Europäischer Privatbesitz. Alastair Laing bestätigt die Eigenhändigkeit anhand einer Foto- grafie, wofür wir ihm danken. Er weist darauf hin, dass sich Hubert Robert in mehreren Gemälden von Figuren François Bouchers (1703–1770) inspirieren liess, so auch bei der Frauenfigur in unse- rem Gemälde, die auf eine Zeichnung Bouchers zurückgeht. CHF 40 000 / 60 000 (€ 37 040 / 55 560)
  • 106.
    Gemälde Alter Meister |100 3067* FRANCESCO GUARDI (1712 Venedig 1796) Venezianisches Capriccio mit einem Turm, Hirten und Schafe. Öl auf Leinwand. 94,2 × 137 cm. Provenienz: - Sammlung Canonico Adami, Treviso. - Sammlung Carlo Donati, Lonigo. - Sammlung Manuel Falco y Escandon, 9. Herzog von Montellano (1892–1975), Madrid, 1958. - Europäischer Privatbesitz. Ausstellung: München 1958, Europäisches Rokoko: Kunst und Kultur des 18. Jahrhunderts, Residenz, München, 15.6.–15.9.1958, Nr. 83a (dort als Teil einer Serie von vier ausgestellt, Leihgabe vom Herzog von Montellano). Literatur: - George A. Simonson: Francesco Guardi (1712–1793), London 1904, S. 91, Nr. 140. - Giuseppe Fiocco: Francesco Guardi, Florenz 1923, S. 74, Nr. 100. - Max Goering: Francesco Guardi, Wien 1944, S. 38, Nr. 65. - Vittorio Meschini: Francesco Guardi, Mailand 1952, S. 32, Abb. 121. - Rodolfo Pallucchini: La pittura veneziana del Settecento, Venedig / Rom 1960, S. 243. - Antonio Morassi: Guardi. L‘opera completa di Antonio e Frances- co Guardi, Venedig 1973, Bd. I, Kat.-Nr. 826, S. 463, Text S. 272, Abb. 751. Das von Pallucchini (siehe Literatur) auf die frühen 1760er-Jah- re datierte Gemälde gehört zu einer Serie von vier Capriccios, die heute verstreut sind. Als sie 1958 zusammen in München ausgestellt wurden, bewunderte Morassi ihren perfekten Erhal- tungszustand und die meisterhafte, aber schnelle Abfolge der Pinselstriche, die es dem Betrachter ermöglicht, der Hand des Malers während der Ausführung des Werks praktisch zu folgen: „le quattro splendide tele sono paradigmatiche per sintetizzare l‘arte di Francesco nel fantasioso genere del „grande capriccio“ (siehe Morassi 1973, S. 272). Auch die im Hintergrund durchscheinende Grundierung (oder Malgrund) und das goldene Licht, welches die Szene in ein weiches Licht umhüllt, sind charakteristisch für diese „grande capriccio“. Die drei weiteren Gemälde der Serie sind: Ein Capriccio mit ländlichen Gebäuden an einer Lagune, Ein Capriccio mit einem Obelisken und einer Seekiefer in der Nähe einer Lagune und Ein Capriccio mit Fischern bei ihrem Zelt und einem Dorf an der Lagune in der Ferne (siehe Morassi, ebd., Band I, Kat.-Nr. 877 und 911 und 917). CHF 400 000 / 500 000 (€ 370 370 / 462 960)
  • 107.
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    Gemälde Alter Meister |102 3068 NICOLA MALINCONICO (1663 Neapel 1727) Heilige Elisabeth mit Johannes dem Täufer. Öl auf Leinwand. 90 × 117,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Prof. Riccardo Lattuada identifiziert dieses Gemälde anhand einer Fotografie als ein Werk des neapolitanischen Malers Nicola Malinconico, welcher einer der besten Schüler Luca Giordanos (1634–1705) war, wofür wir ihm danken. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 700 / 5 560)
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    | 103 3069* JEAN-MICHEL PICART(UMKREIS) (Antwerpen 1600–1682 Paris) Blumenstillleben in einem Korb auf einer Stein- platte. Öl auf Leinwand. 53,3 × 41,5 cm. Gutachten: Dr. Claudia Salvi, 16.6.2021. Provenienz: - Privatsammlung München. - Privatsammlung Salzburg. - Europäischer Privatbesitz. Dr. Claudia Salvi weist das Gemälde in ihrem Gutachten dem Umkreis des Antwerpener Malers Jean-Michel Picart zu, der in Paris tätig war. Ins- besondere erinnern die Modellierung der Tulpen, welche in voller Blüte dargestellt sind, und die fröhliche Farbgebung der Frühlingsblu- men an Picarts Werk. Auch die Ornamentik des Tisches ist von Picart inspiriert. Der Korbtypus sowie die Weichheit der Kompo- sition erinnern wiederum an den franzö- sischen Blumenmaler Nicolas Baudesson (1611–1680). Aufgrund der nebeneinander platzierten Blüten, wodurch die Lesbarkeit, ganz im Stile der in der Mitte des 17. Jahrhun- derts in Mode gekommenen botanischen Darstellungen, erhöht wird, datiert Dr. Salvi unser Gemälde in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. CHF 8 000 / 12 000 (€ 7 410 / 11 110)
  • 110.
    Gemälde Alter Meister |104 3070 ANDREA DEL SARTO (KOPIE DES 19. JAHRHUNDERTS) (1486 Florenz 1530) Maria mit Kind und dem Heiligen Matthäus und einem Engel. Öl auf Leinwand. 180,5 × 140,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Das Gemälde geht auf eine Komposition aus dem Jahr 1522 von Andrea del Sarto zurück, die sich im Museo Nacional del Prado in Mad- rid befindet (Inv.-Nr. P000334, Öl auf Holz, 177 × 135 cm). CHF 7 000 / 10 000 (€ 6 480 / 9 260)
  • 111.
    | 105 3071 ANDREA DELSARTO (NACHFOLGER DES 19. JAHRHUNDERTS) (1486 Florenz 1530) Madonna delle Arpie. Öl auf Leinwand. 107,2 × 77,6 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Das Gemälde greift den oberen Teil der Komposition von Andrea del Sarto auf, die sich in der Gallerie degli Uffizi in Florenz befindet (Inv.-Nr. 1890 n.1577). CHF 5 000 / 7 000 (€ 4 630 / 6 480)
  • 112.
    Gemälde Alter Meister |106 3072 LUCAS CRANACH D. Ä. (NACHFOLGER) (Kronach 1472–1553 Weimar) Maria mit Kind. Öl auf Holz. Oben rechts mit geflügelter Schlange und Datum: 1532. 73,2 × 52,7 cm. Provenienz: - Auf der Lenzburg in der ersten Hälfte des 20. Jh. - Alter Schweizer Privatbesitz. Das hier angebotene Gemälde geht auf „Die Madonna unter Tannen“ von Lucas Cranach zurück, dich sich bis 1932 in der Kathedrale von Breslau befand und heute als verschollen gilt (um 1510, Öl auf Holz, 71 × 51 cm). In der Originalkomposition ist im Hintergrund eine Waldlandschaft dargestellt. CHF 10 000 / 15 000 (€ 9 260 / 13 890)
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    Künstlerregister Gemälde AlterMeister ANTWERPEN, 1. HÄLFTE 17. JAHRHUNDERT 3021 AVERCAMP, BARENT 3037 BEGA, CORNELIS PIETERSZ. 3029 BELLOTTO, BERNARDO genannt CANALETTO UND BELLOTTO, LORENZO 3062 BERGAMO SCHULE, UM 1560 3045 BLOOT, PIETER DE 3049 BRUEGHEL, JAN d. Ä. 3019 BRUEGHEL, JAN d. Ä. UND MOMPER, JOOS DE d. J. 3026 BRUEGHEL, JAN d. J. 3022 BRUEGHEL, JAN d. J. UND FRANCKEN, AMBROSIUS d. J. 3034 BRUEGHEL, PIETER d. J. 3015 BRUYN, BARTHOLOMÄUS d. J. 3014 CIPPER, GIACOMO FRANCESCO genannt IL TODESCHINI 3064 COSTA, LORENZO (ZUGESCHRIEBEN) 3010 CRANACH, LUCAS d. Ä. (NACHFOLGER) 3072 DI BICCI, NERI 3008 DI GIOVANNI, SCOLAIO genannt MAESTRO DEL BORGO ALLA COLLINA 3007 DI SER GIOVANNI, GIOVANNI genannt LO SCHEGGIA 3002 DITTMERS, HEINRICH 3031 DUSART, CORNELIS 3040 FLINCK, GOVAERT 3025 FOPPA, VINCENZO (UMKREIS) 3009 FRANCKEN, AMBROSIUS d. J. UND BRUEGHEL, JAN d. J. 3034 GAROFALO, CARLO UND GIORDANO, LUCA 3059 GIORDANO, LUCA UND GAROFALO, CARLO 3059 GOYEN, JAN VAN 3024, 3042 GREUZE, JEAN-BAPTISTE 3063 GUARDI, FRANCESCO 3067 HAAGEN, JORIS VAN DER 3044 HAL, JACOB VAN 3055 HANNOT, JOHANNES 3052 HEEMSKERCK, MAARTEN VAN (NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS) 3050 HOFMANN, SAMUEL (NACHFOLGER DES 17. JAHRHUNDERTS) 3027 HONDECOETER, GILLIS CLAESZ. DE 3036 HUCHTENBURG, JAN VAN 3056 JORDAENS, HANS III 3017 KASTILISCHE SCHULE, UM 1480 3006 KAUW, ALBRECHT 3048 KESSEL, JAN VAN 3018 KREUZFELDER, JOHANN 3013 LEMBRI, PERE 3001 LOEDING, HARMEN 3028 MALINCONICO, NICOLA 3068 MARINONI, ANTONIO 3003 MEISTER DER TEMPERE FRANCESCANE 3004 MICHAU, THEOBALD 3053 MIRADORI, LUIGI genannt IL GENOVESINO (UMKREIS) 3058 MOLENAER, JAN MIENSE 3023 MOMPER, JOOS DE d. J. UND BRUEGHEL, JAN d. Ä. 3026 MONNOYER, ANTOINE 3057 NEYTS, GILLIS 3038 ODAZZI, GIOVANNI 3061 OSTADE, ADRIAEN VAN 3035 PICART, JEAN-MICHEL (UMKREIS) 3069 PILLEMENT, JEAN 3065 POTTER, PIETER SYMONSZ. 3032, 3041 RENI, GUIDO UND WERKSTATT 3060 ROBERT, HUBERT 3066 ROOTIUS, JACOB 3054 SARTO, ANDREA DEL (KOPIE DES 19. JAHRHUNDERTS) 3070 SARTO, ANDREA DEL (NACHFOLGER DES 19. JAHRHUNDERTS) 3071 SAVERY, ROELANT d. J. 3016 SCHOEVAERDTS, MATTHIJS 3043 SIMONS, MICHIEL 3030 SPANIEN, 17. JAHRHUNDERT 3020 SPANISCHER MEISTER, UM 1500–1520 3005 STEEN, JAN 3033 TRECK, JAN JANSZ. 3039 VERBEECK, PIETER CORNELISZ. 3046 VOIS, ARY DE 3047 VOLPONI, GIOVANNI BATTISTA 3008A WYNANTS, JAN 3051
  • 115.
    Künstlerregister Gemälde des19. Jhs. ABELS, THEODORUS JACOBUS 3209 ALT, JACOB 3246 AMERLING, FRIEDRICH VON 3252 APPIAN, ADOLPHE 3217 BAKHUYZEN, HENDRIKUS VAN DE SANDE 3225 BAUMGARTNER, PETER 3214 BOSSUET, FRANÇOIS ANTOINE 3216 BOSSUET, FRANÇOIS ANTOINE 3233 BOUDIN, EUGÈNE LOUIS 3232 BÜRKEL, HEINRICH 3212, 3240 CASTAN, GUSTAVE 3245 CHOULTSÉ, IVAN FEDOROVICH 3202 COROT, JEAN-BAPTISTE CAMILLE 3205 COURBET, GUSTAVE 3231 DORÉ, GUSTAVE 3203 FANTIN-LATOUR, HENRI 3229 FRANZÖSISCHE SCHULE, 19. JAHRHUNDERT 3235 GALIEN-LALOUE, EUGÈNE 3250 HASENPFLUG, CARL GUSTAV 3253 HOVE, BARTHOLOMEUS JOHANNES VAN 3244 HUET, PAUL 3248 KERCKHOVE, ERNEST VAN DEN 3227 KLUYVER, PIETER LODEWIJK FRANCISCO 3223 KRUSEMAN, FREDERIK MARINUS 3226 KUWASSEG, CHARLES EUPHRASIE 3238 MALLET, JEAN-BAPTISTE 3230 MORGENSTERN,CHRISTIAN 3208, 3241 MUSIN, FRANÇOIS ÉTIENNE 3215 NOËL, JULES ACHILLE 3219 RABES, MAX FRIEDRICH 3204 SCHELFHOUT, ANDREAS 3201, 3224 SCHLESINGER, CARL 3211 SPITZWEG, CARL 3206, 3210, 3213 STEFFAN, JOHANN GOTTFRIED 3249 TETAR VAN ELVEN, PIERRE HENRI THEODORE 3239 TROUILLEBERT, PAUL DÉSIRÉ 3221, 3222, 3236, 3243, 3251 UNTERBERGER, FRANZ RICHARD 3207 VAN ASSCHE, HENRI 3242 VERNET, HORACE 3228 VERON, ALEXANDRE-RENÉ 3218 VERWEE, ALFRED JACQUES 3247 WINTERHALTER, FRANZ XAVER 3220 ZATZKA, HANS 3234
  • 116.
    VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 102/121 8031 Zürich,Schweiz AUKTION Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz VORBESICHTIGUNG Hardturmstrasse 121 8031 Zürich, Schweiz AUKTION ONLINE ONLY VORBESICHTIGUNG 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz AUKTION 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz AUKTIONEN REPRÄSENTANTEN Koller Auktionen AG Hardturmstrasse 102 8031 Zürich, Schweiz Tel +41 44 445 63 63  Fax +41 44 273 19 66  office@kollerauktionen.ch www.kollerauktionen.ch Koller Auktionen AG 2, Rue de l‘Athénée 1205 Genf, Schweiz Tél +41 22 311 03 85 Fax +41 22 810 06 30 geneva@kollerauktionen.ch www.kollerauktionen.ch MÜNCHEN Fiona Seidler Maximiliansplatz 20 80333 München Tel. +49 89 22 80 27 66 Fax +49 89 22 80 27 67 Mobile +49 177 257 63 98 muenchen@kollerauktionen.com DÜSSELDORF Ulrike Gruben Citadellstrasse 4 40213 Düsseldorf Tel. +49 211 30 14 36 38 Fax +49 211 30 14 36 39 Mobile +49 175 586 38 64 duesseldorf@kollerauktionen.com BEIJING Jing Li Haidianque Chedaogou 10# 6/4-307 100089 Beijing Tel. +86 135 2039 8057 beijing@kollerauctions.com ITALIEN /TESSIN LuigiPesce ViaCairoli18 16124Genua,Italien T+393395962768 italia@kollerauktionen.com HAMBURG Ulrike Gruben Tel. +49 211 30 14 36 38 hamburg@kollerauktionen.com
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    Kontakt · StephanKoller · Tel. +41 44 445 63 20 · skoller@kollerauktionen.ch Antike Waffen, Sammlung von Elfenbeinobjekten Auktion: Donnerstag, 30. September 2021 PRUNKDECKELHUMPEN MIT SILBERMONTIERUNG. Historismus, Wien um 1875. H 46 cm.
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    Kontakt · StephanKoller · Tel. +41 44 445 63 20 · skoller@kollerauktionen.ch Möbel, Uhren, Porzellan Silber Auktion: Donnerstag, 30. September 2021 KOMMODE. Louis XV, Frankreich, wohl Nantes oder Bordeaux um 1760.
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    Bücher Autographen Auktion:Mittwoch, 29. September 2021, 14.00 Uhr Kontakt · Andreas Terwey · Tel. +41 44 445 63 40 · terwey@kollerauktionen.ch Rembrandt van Rijn (1606–1669). Einblattdruck des «Curateur over den Insolventen Boedel van Rembrant van Rijn» mit der Ankündigung zur Versteigerung von Kunstwerken aus Rembrandts Besitz. Mit einer mehrzeiligen HolzschnittInitiale. [Amsterdam, 1658].
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    BEDINGUNGEN FÜR KLASSISCHEAUKTIONEN Diese Bedingungen gelten für Objekte, die von Koller (gemäss Definition unten) live im Aukti- onssaal versteigert werden. Durch die Teilnahme an der Auktion unterzieht sich der Bieter den nachstehenden Auktions- bedingungen („AGB“) der Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8005 Zürich, Schweiz („Koller“): 1. Rechtsstellung der Parteien Die Steigerungsobjekte werden durch Koller im Namen und auf Rechnung des Einlieferers des zu versteigernden Objektes („Einlieferer“) verstei- gert. Koller handelt in fremdem Namen und auf fremde Rechnung als direkte/unmittelbare Stell- vertreterin des Einlieferers im Sinne von Art. 32 Abs. 1 des schweizerischen Obligationenrechts („OR“). Der Zuschlag erfolgt an den von Koller im Rahmen der Auktion anerkannten Bieter mit dem höchsten Gebot in Schweizer Franken („Käufer“), wodurch das betroffene ersteigerte Objekt ein verbindlicher Kaufvertrag zwischen Einlieferer und Käufer entsteht („Kaufvertrag“). Koller wird dadurch nicht Partei des Kaufvertrages. 2. Aufgeld 2.1 Nebst dem Zuschlagspreis ist vom Käufer auf den Zuschlagspreis ein Aufgeld zu entrich- ten, das wie folgt berechnet wird: i. bei einem Zuschlag bis CHF 10‘000: 25% ii. bei einem Zuschlag ab CHF 10‘000 bis CHF 400‘000: 25% auf die ersten CHF 10‘000 und 22% auf die Differenz von CHF 10‘000 bis zur Höhe des Zuschlags iii. bei einem Zuschlag ab CHF 400‘000: 25% auf die ersten CHF 10‘000; 22% auf CHF 390‘000 und 15% auf die Differenz von CHF 400‘000 bis zur Höhe des Zuschlags. 2.2 Falls der Käufer während einer online über- tragenen Saal-Auktion („Live-Auktion“) live im Internet mitbietet, oder ein Vorgebot über eine fremde, mit Koller verlinkten Seite abgibt, wird ein zusätzlicher Aufpreis von 3% des Zuschlags verrechnet. Für Gebotsabgaben im Rahmen einer Live-Auktion gelten im Übrigen die Bedin- gungen, welche auf der Live-Auktion Webseite publiziert sind. Diese können von den hier pub- lizieren abweichen. 2.3 Auf das Aufgeld hat der Käufer die schwei- zerische Mehrwertsteuer („MWST“) zu entrich- ten. Die angegebenen %-Sätze des Aufgeldes beziehen sich auf den Zuschlagspreis für jedes einzelne Objekt.  2.4 Alle im Auktionskatalog mit * (Asterisk) be- zeichneten Objekte sind vollumfänglich mehr- wertsteuerpflichtig, d. h. bei diesen Objekten wird die MWST auf den Zuschlagspreis plus Aufgeld berechnet. Käufer, die eine rechtsgültig abgestempelte Ausfuhrdeklaration vorlegen, er- halten die MWST rückvergütet.  2.5 Der Käufer erklärt sich damit einverstanden, dass Koller allenfalls auch vom Einlieferer eine Kommission erhält. 3. Garantie 3.1 Koller wird den Kauf (unter Vorbehalt nachfol- gender Ziffern 3.2 und 3.3) namens des Einlieferers rückgängig machen und dem Käufer Kaufpreis und Aufgeld (inkl. MWST) zurückerstatten, falls sich das Objekt als Fälschung erweist. Eine Fälschung liegt vor, wenn das Objekt nach vernünftiger Auffassung von Koller eine im Hinblick auf Urheberschaft, Alter, Periode,KulturoderHerkunftinTäuschungsabsicht geschaffene Imitation ist, bei der sich die korrekte Beschreibung solcher Inhalte nicht in der Beschrei- bungimAuktionskatalog(unterBeachtungjeglicher Ergänzungen) widerspiegelt und dieser Umstand denWertdesObjektsimVergleichzueinemderKa- talogbeschreibung entsprechenden Gegenstand wesentlich beeinträchtigt. Ein Objekt gilt nicht als gefälscht, wenn es lediglich beschädigt ist und/oder an ihm Restaurierungsarbeiten und/oder Verände- rungenirgendwelcherArtvorgenommenwurden.  3.2 Eine Rückabwicklung gemäss vorstehender Bestimmung findet nach Ermessen von Koller nicht statt, falls: i. die Beschreibung des Objekts im Auktions- katalog im Einklang mit der Meinung einer Fachperson oder mit der herrschenden Mei- nung von Fachpersonen stand oder die Be- schreibung im Auktionskatalog andeutete, dass hierüber Meinungsverschiedenheiten bestanden,  ii. die Fälschung zur Zeit des Zuschlages nach dem Stand der Forschung und mit den allge- mein anerkannten und üblichen Methoden noch nicht oder nur mit unverhältnismässi- gem Aufwand als solche erkennbar war, iii. die Fälschung (nach Kollers sorgfältiger Ein- schätzung) vor 1880 hergestellt wurde oder  iv. es sich beim Kaufobjekt um ein Gemälde, Aquarell, eine Zeichnung oder Skulptur han- delt, das gemäss den Angaben im Auktions- katalog vor 1880 entstanden sein müsste. 3.3 Der Käufer kann von Koller (als Vertreterin des Einlieferers) die Rückabwicklung ab dem Tag des Zuschlages für einen Zeitraum von zwei (2) Jahren (drei (3) Wochen für Schmuck) verlangen. Sie wird ausschliesslich dem Käufer eingeräumt und darf nicht an Dritte abgetreten werden. Die Geltendmachung des Anspruchs setzt voraus, dass der Käufer gegenüber Koller sofort nach Entdeckung des Mangels mit eingeschriebe- nem Brief Mängelrüge erhebt und Koller das ge- fälschte Kaufobjekt im gleichen Zustand, wie es ihm übergeben wurde, und unbelastet von An- sprüchen Dritter, zurückgibt. Der Käufer hat den Nachweis zu erbringen, dass es sich beim Ob- jekt um eine Fälschung handelt. Koller kann vom Käufer verlangen, dass dieser auf eigene Kosten Gutachten von zwei unabhängigen und in dem Bereich anerkannten Experten einholt, ist jedoch nicht an solche Gutachten gebunden und behält sich das Recht vor, zusätzlichen Expertenrat auf eigene Kosten einzuholen. 3.4 KollerkannnachfreiemErmessenaufdieGel- tendmachung eines Ausschlussgrundes gemäss vorstehender Ziffer 3.2 oder auf die Erfüllung von Voraussetzungen nach obiger Ziffer 3.3 verzich- ten. 3.5 Die Ansprüche des Käufers gegen Koller als Vertreterin des Einlieferers unter dieser Ziffer 3.1 beschränken sich auf die Rückerstattung des von diesem bezahlten Kaufpreises und Aufgel- des (inkl. MWST). Weitergehende oder andere Ansprüche des Käufers sind unter jedwelchem Rechtstitel (inklusive Irrtumsanfechtung gemäss Art. 23 ff. OR) ausgeschlossen. 4. Haftungsausschluss 4.1 Die Steigerungsobjekte werden in dem Zu- stand versteigert, in dem sie sich im Augenblick des Zuschlags befinden. Bei den Steigerungsob- jekten handelt es sich um „gebrauchte“ Waren. Diese befinden sich naturgemäss nicht mehr in neuwertigem Zustand. 4.2 Zu jedem Objekt beinhaltet der Auktionskata- log eine Beschreibung mit Abbildung. Die Informa- tionenindenAuktionskatalogen,sowie Zustands- berichte von Koller die vor der Auktion angefordert werden können, geben lediglich ein allgemeines Bild und eine unverbindliche Einschätzung von Koller wieder. Die Beschreibung der Objekte er- folgt nach bestem Wissen und Gewissen, doch kann Koller für die Katalogangaben keine Haftung übernehmen. Während der Ausstellung besteht die Möglichkeit, die Gegenstände zu besichtigen. Entsprechend wird der Käufer aufgefordert, das ObjektvorderAuktioninAugenscheinzunehmen, und sich, allenfalls unter Heranziehung unabhän- giger Fachberatung, ein eigenes Urteil über die Übereinstimmung des Objekts mit der Katalog- beschreibung zu bilden. Für die Objektbeschrei- bungen ist die gedruckte Ausgabe des Katalogs (inkl. späterer Ergänzungen) in deutscher Sprache ausschliesslich massgebend. Koller behält sich das Recht vor, zur Meinungsbildung Experten oder Fachkräfte ihrer Wahl beizuziehen und sich auf diese abzustützen. Koller kann für die Richtigkeit solcher Meinungen nicht verantwortlich gemacht werden. Solche Expertenmeinungen oder Gut- achten stellen genauso wenig wie von Koller vor- genommene Objektbeschreibungen oder sonsti- ge Aussagen über ein Objekt (inklusive Aussagen über dessen Wert) explizite oder stillschweigende Zusicherungendar. 4.3 UnterVorbehaltvonvorstehenderZiff.3wird jede Haftung für Rechts- und Sachmängel weg- bedungen. Die Verpflichtungen des Einlieferers gegenüber dem Käufer sind im gleichen Masse eingeschränkt wie die Verbindlichkeiten von Kol- ler gegenüber dem Käufer. 5. Teilnahme an der Auktion 5.1 Die Teilnahme an einer Auktion als Bieter steht jedermann offen. Koller behält sich aber das Recht vor, nach freiem Ermessen jeder Person den Zutritt zu ihren Geschäftsräumlich- keiten oder die Anwesenheit bzw. Teilnahme an ihren Auktionen zu untersagen.  5.2 Bieter, die Koller nicht persönlich bekannt sind, müssen sich bis 48 Stunden vor der Auktion mittels des dafür vorgesehenen Formulars re- gistrieren. Der rechtsgültig unterzeichneten Re- gistrierung ist eine Kopie des gültigen Reisepas- ses und eine Kopie der Kreditkarte beizulegen. Bei jedem Zahlungsverzug des Bieters ist Koller berechtigt, die Kreditkarte des Bieters gemäss Angaben auf dem Registrierungsformular bis zur Höhe des geschuldeten Betrages zuzüglich Spesen des Kartenanbieters zu belasten.  5.3 Koller kann von jedem Bieter vorgängig einen Bonitätsnachweis einer für Koller akzeptablen Bank verlangen.  5.4 Bei Geboten für Objekte mit oberen Schätz- werten von mehr als CHF 30 000 kann Koller vom Bieter jederzeit die vorgängige Überweisung von 20% der unteren Schätzwerte als Sicherheit ver- langen. Koller wird diesen Betrag nach der Aukti- on mit ihren und den Ansprüchen der Einlieferer verrechnenundeinenallfälligenÜberschussum- gehend an den Käufer / Bieter zurückerstatten.
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    6. Versteigerung 6.1 Kollerkann ein Objekt unterhalb des mit dem Einlieferer vereinbarten Mindestverkaufspreises zum Ausruf bringen. Die Abgabe eines Gebots anlässlich der Versteigerung bedeutet eine ver- bindliche Offerte. Der Bieter bleibt an sein Gebot gebunden, bis dieses entweder überboten oder von Koller abgelehnt wird. Doppelgebote werden sofort nochmals aufgerufen; in Zweifelsfällen entscheidet die Auktionsleitung.  6.2 Es steht Koller frei, ein Angebot ohne be- sondere Gründe abzulehnen oder aber, falls ein Bieter die Voraussetzungen zur Teilnahme an einer Auktion gemäss obiger Ziffer 5.2 bis 5.4 nicht erfüllt. Ebenso steht es Koller frei, Steige- rungsgegenstände ohne Verkauf zuzuschlagen oder zurückzunehmen, selbst wenn dies für die Auktionsteilnehmer nicht erkennbar sein sollte.  6.3 Koller behält sich das Recht vor, Nummern des Katalogs zu vereinigen, zu trennen, ausser- halb der Reihenfolge anzubieten oder wegzulas- sen. Koller behält sich vor, einen Zuschlag bei Vor- liegen besonderer Umstände nur unter Vorbehalt vorzunehmen. Erfolgt der Zuschlag unter Vorbe- halt, so bleibt der Bieter noch während 14 Tagen anseinGebotgebunden.Erwirdwiederfrei,wenn die Erklärung von Koller, der Zuschlag sei definitiv, nicht innert dieser Frist bei ihm eintrifft.  6.4 Steigerungsangebote von Kaufinteressen- ten, die der Auktion nicht persönlich beiwohnen können, werden bis 48 Stunden vor Beginn der Steigerung schriftlich entgegengenommen.  6.5 Interessenten können telefonisch mitbieten, wenn sie dies mindestens 48 Stunden vor Aukti- onsbeginn schriftlich vorangemeldet haben. Auf Objekte mit Schätzpreisen unter CHF 500 kann nicht telefonisch geboten werden und Interes- senten werden um Abgabe eines schriftlichen Gebots bzw. um persönliches Mitbieten im Auk- tionssaal gebeten.  6.6 Interessenten, die ihr Gebot im Rahmen ei- ner Live-Auktion abgeben möchten, können an der Auktion teilnehmen, nachdem sie von Koller aufgrund eines Registrierungsgesuchs zur Auk- tion zugelassen worden sind. Koller behält sich das Recht vor, Registrierungsgesuche ohne wei- teres abzulehnen.  6.7 Koller lehnt jede Haftung für nicht berück- sichtigte Gebote aller Art sowie für nicht berück- sichtigte Anmeldungen für telefonisches Mitbie- tenab.FürtelefonischeMitbieterundschriftliche Auftraggeber gilt bezüglich Legitimierung und Bonitätsnachweis ebenfalls Ziff. 5. 7. Eigentumsübergang Das Eigentum an einem ersteigerten Objekt geht auf den Käufer über, sobald der Kaufpreis und das Aufgeld (inkl. MWST) vollständig in Schweizer Franken bezahlt sind und Koller die- se Zahlungen dem entsprechenden Objekt zu- geordnet hat. 8. Abholung der ersteigerten Objekte 8.1 Die ersteigerten Gegenstände müssen vom Käufer innerhalb von 7 Tagen nach Abschluss der Auktion während der Öffnungszeiten auf ei- gene Kosten abgeholt werden. Erfüllungsort des Kaufvertrages zwischen Käufer und Einlieferer ist mithin der Geschäftssitz von Koller. Wenn die Zeit es erlaubt, werden die Objekte nach jeder Sitzung ausgegeben. Die Herausgabe erfolgt nach voll- ständiger Bezahlung des Kaufpreises sowie des Aufgeldes (inkl. MWST) und Zuordnung dieses Betrages zum ersteigerten Objekt durch Koller. 8.2 Während der vorgenannten Frist haftet Kol- ler für Verlust, Diebstahl, Beschädigung oder Zerstörung zugeschlagener und bezahlter Ob- jekte, jedoch nur bei grobfahrlässiger oder vor- sätzlicher Handlung durch Koller und nur bis zur Höhe von Zuschlagspreis, Aufgeld und MWST. Nach Ablauf dieser Frist haftet Koller nicht mehr und es ist Sache des Käufers, für eine angemes- sene Versicherung des ersteigerten Objekts zu sorgen. Für Rahmen und Glas kann keine Haf- tung übernommen werden. Werden die erstei- gerten Objekte nicht innert 7 Tagen abgeholt, lagert Koller diese wahlweise auf Kosten und Ge- fahr des Käufers bei einer Firma ihrer Wahl oder in ihren eigenen Räumen zu einem Tagessatz von CHF 10 pro Objekt ein.  8.3 Transportaufträge nimmt Koller schriftlich entgegen. Die Transportkosten trägt der Käufer. Ohne anders lautende schriftliche Abmachung werden die zugeschlagenen Objekte für den Transport durch Koller auf Kosten des Käufers versichert. Verglaste Bilder und zerbrechliche Objekte werden von Koller nicht versandt. 9. Bezahlung der ersteigerten Objekte 9.1 Die Rechnung aufgrund eines Zuschlags für ein ersteigertes Objekt ist innert 7 Tagen nach Abschluss der Auktion in Schweizer Franken zu bezahlen. Zahlungen mittels Kreditkarte sind nur nach Rücksprache mit der Buchhaltung von Koller möglich und unterliegen einer Bearbei- tungsgebühr zwischen 2 und 4%, die vom Käufer zu bezahlen ist und auf den Rechnungsbetrag erhoben wird. 9.2 Koller kann Zahlungen des Käufers auch ent- gegen dessen anderslautenden Instruktionen auf jedebeliebigeSchulddesKäufersgegenüberKoller oder gegenüber dem Einlieferer anrechnen und allfällige Forderungen des Käufers gegen sie mit eigenen Ansprüchen verrechnen. Ist der Käufer im Zahlungsverzug, wird auf den Rechnungsbe- trag ein Verzugszins von 10% p.a. erhoben. Falls der Käufer den Rechnungsbetrag nicht innert 7 TagennachderbetreffendenAuktionbegleicht,ist Koller ohne weitere Rücksprache mit dem Käufer berechtigt, den geschuldeten Rechnungsbetrag der Kreditkarte des Käufers zu belasten. In solchen Fällen wird auf den Rechnungsbetrag sodann eine Bearbeitungsgebühr zwischen 2 und 4% erhoben, dieebenfallsderKreditkartebelastetwird. 9.3 Leistet der Käufer die geschuldete Zahlung nicht oder nicht rechtzeitig, kann Koller zudem namens des Einlieferers wahlweise (i) weiterhin Erfüllung des Kaufvertrags verlangen oder (ii) ohne Fristansetzung auf Leistung des Käufers verzichten und vom Kaufvertrag zurücktreten oder Schadenersatz wegen Nichterfüllung ver- langen; im letzteren Fall ist Koller auch berech- tigt, das Objekt ohne Beachtung eines Min- destverkaufspreises entweder freihändig oder anlässlich einer Auktion zu verkaufen und den Erlös zur Reduktion der Schulden des Käufers zu verwenden. Ein allfälliger über dem ursprüng- lichen Zuschlagspreis liegender Verkaufspreis wird an den Einlieferer ausbezahlt. Der Käufer haftet Koller und dem Einlieferer für allen aus der Nichtzahlung bzw. Zahlungsverspätung entste- henden Schaden.  9.4 BiszurvollständigenBezahlungallergeschulde- tenBeträgebehältKolleranallensichinihremBesitz befindlichen Objekten des Käufers ein Pfandrecht. Koller ist zur betreibungsrechtlichen oder privaten Verwertung (inkl. Selbsteintritt) solcher Pfänder berechtigt. Die Einrede der vorgängigen Pfandver- wertung nach Art. 41 des Schweizer Schuldbetrei- bungs-undKonkursrechtsistausgeschlossen. 10. Vertretung Jeder Käufer haftet persönlich aus dem ihm erteil- ten Zuschlag und aus dem durch ihn eingegange- nen Kaufvertrag mit dem Einlieferer. Von Perso- nen, die als Stellvertreter in fremdem Namen oder als Organ einer juristischen Person bieten, kann der Nachweis der Vertretungsbefugnis verlangt werden. Ein solcher Stellvertreter haftet mit dem Vertretenen unbeschränkt und solidarisch für die ErfüllungsämtlicherVerbindlichkeiten. 11. Verschiedene Bestimmungen 11.1 Die Auktion erfolgt unter Mitwirkung eines Beamten des Stadtammannamtes Zürich. Jede Haftung des anwesenden Beamten, der Ge- meinde oder des Staates für Handlungen von Koller ist ausgeschlossen.  11.2 Koller behält sich das Recht vor, einzelne oder alle Rechte und Pflichten aus diesen AGB an einen Dritten zu übertragen oder durch einen Dritten ausüben zu lassen. Der Bieter resp. der Käufer ist nicht berechtigt, Rechte und Pflichten aus diesen AGB Dritten zu übertragen. 11.3 Koller behält sich das Recht vor, Fotografien und Abbildungen von verkauften Objekten in den eigenen Publikationen und in den Medien zu ver- öffentlichen und damit Werbung zu betreiben.  11.4 Die vorstehenden Bedingungen sind Be- standteil jedes einzelnen an der Auktion ge- schlossenen Kaufvertrags. Abänderungen sind nur mit schriftlichem Einverständnis von Koller verbindlich.  11.5 Sollten einzelne Bestimmungen dieser AGB ganz oder teilweise nichtig und/oder un- wirksam sein, bleibt die Gültigkeit und/oder Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen oder Teile solcher Bestimmungen unberührt. Die un- gültigen und/oder unwirksamen Bestimmungen werden durch solche ersetzt, die dem Sinn und Zweck der ungültigen und/oder unwirksamen Bestimmungen in rechtswirksamer Weise wirt- schaftlich am nächsten kommt. Das gleiche gilt bei eventuellen Lücken der Regelung. 11.6 Die vorliegenden AGB und alle Änderungen daran unterliegen Schweizer Recht, unter Aus- schluss von allfälligen Verweisungen des Bun- desgesetztes über das Internationale Privat- recht (IPRG) und unter Ausschluss des Wiener Kaufrechts (UN-Kaufrechts).  11.7 Für die Beurteilung von Streitigkeiten (unter Einschluss der Geltendmachung von Verrech- nungen und Gegenforderungen), welche aus oder im Zusammenhang mit diesen AGB (einschliess- lich deren Gültigkeit, Rechtswirkung, Auslegung oder Erfüllung) entstehen, sind ausschliesslich die Gerichte des Kantons Zürich zuständig. Kol- ler ist aber berechtigt, ein Verfahren vor jedem sonst zuständigen Gericht anhängig zu machen. Zürich, 1. Juli 2018
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    AUCTION CONDITIONS (CLASSICAUCTIONS) These conditions apply solely to items which are auctioned by Koller (according to the definition below) live in the saleroom. By participating in the auction the bidder accepts the following Auction Conditions of Koller Auctions Ltd, Hardturmstrasse 102, 8005 Zurich, Switzerland (“Koller”). 1. Legal status of the parties The auction items are auctioned by Koller in the name of and on the account of the seller of the auctioned item (“Seller”). Koller acts on behalf of and for the account of the Seller as his agent as defined in article 32, section 1 of the Swiss Code of Obligations (“CO”). The hammer price is determined by the bidder recognised by Koller as having made the highest bid in Swiss Francs in the course of an auction (“Purchaser”), resulting in the conclusion of a purchase contract between the Seller and the Purchaser (“Purchase Contract”). Koller is thereby not a party to the Purchase Contract. 2. Surcharge 2.1 In addition to the bid price, the Purchaser must pay a surcharge on such bid price calculated as follows: i. on a successful bid of up to CHF 10 000: 25% ii. NEW: on a successful bid over CHF 10 000 up to CHF 400 000: 25% on the first CHF 10 000 and 22% on the difference between CHF 10 000 and the bid. iii. NEW: on a successful bid over CHF 400 000: 25% on the first CHF 10 000, 22% on CHF 390 000 and 15% on the difference between CHF 400 000 and the bid. 2.2 If the winning bid is placed over the internet in the course of a saleroom auction which is broadcast online (“Live Auction”), or leaves a pre-sale bid through an independent bidding platform which is linked with Koller, there will be anadditional3%addedtothesurcharge.Bidders are subject to Koller’s terms and conditions as listed on the Live Auction website, which may differ in some respects from those listed here. 2.3 The Purchaser must pay Swiss value added tax (“VAT”) on the surcharge. The stated percentage of the surcharge corresponds to the successful bid for each individual item. 2.4 The full tax is charged on all items marked * in the auction catalogue, i.e. VAT is charged on the sum of the bid price plus the surcharge for those items. The VAT will be refunded to Purchasers providing a validly stamped export declaration. 2.5 The Purchaser agrees that Koller also has the possibility to receive a commission from the Seller. 3. Guarantee 3.1 Koller shall rescind the purchase (subject to Sections 3.2 and 3.3 below) in the name of the Seller and shall reimburse the purchase price and the surcharge (incl. VAT) to the Purchaser if an item proves to be a forgery. A “forgery” shall be deemed to exist if the item, in the reasonable opinion of Koller, is an imitation created with the intention of causing a deception with respect to the authorship, age, period, culture or origin, if the correct description of such content is not reflected in the auction catalogue (taking account of any additions), and if this circumstance significantly impairs the value of the item in comparison to an item corresponding to the catalogue description. An item shall not be deemed to have been forged if it is merely damaged and/or has been subjected to restoration work and/or modifications of any nature whatsoever. 3.2 A rescission in accordance with the above provision shall not take place at the discretion of Koller if: i. the description of the item in the auction catalogue was supported by the view of a specialist or by the prevailing view of specialists, or if the description in the auction catalogue suggested that differences of opinion exist in this respect; ii. the forgery was not identifiable as such at the time of the successful bid in accordance with the current state of research and with the generally acknowledged and usual methods, or only with disproportionate effort; iii. the forgery (based on Koller’s conscientious assessment) was produced before 1880; or iv. the purchased item is a painting, watercolour, drawing or sculpture which according to the details set out in the auction catalogue was created prior to 1880. 3.3 The Purchaser may request rescission from Koller (as the agent of the Seller) from the day of the successful bid for a period of two (2) years (three (3) weeks for jewellery). It shall be granted exclusively to the Purchaser and may not be assigned to any third party. Assertion of theclaimshallbeconditionaluponthePurchaser making a complaint to Koller by registered letter immediately after the discovery of the defect, and returning the purchased item to Koller in the same condition as it was handed over to him and unencumbered by third parties› claims. The Purchaser must provide proof that the item is a forgery. Koller may demand that the Purchaser obtains at his own expense expert opinions from two independent individuals who are recognised experts in the field. However, Koller shall not be bound by any such expert opinion, and reserves the right to obtain additional expert advice at its own expense. 3.4 Koller may at its complete discretion waive the assertion of grounds for exclusion pursuant to the above Section 3.2 or the fulfilment of preconditionspursuanttotheaboveSection3.3. 3.5 The claims of the Purchaser against Koller as the agent of the Seller under Section 3.1 are limited to the reimbursement of the purchase price and surcharge (incl. VAT) paid by the Purchaser. Further or other claims of the Purchaser are excluded under any legal title (including error according to art. 23 ff. CO) whatsoever. 4. Disclaimer 4.1 The items are auctioned in the condition existing at the time of the successful bid. The auctioned items are “used” objects and are therefore generally not in pristine condition. 4.2 Each item in the auction catalogue is listed with a description and an illustration. The information in the auction catalogue, as well as the condition reports issued by Koller, are intended to provide an overall impression and a non-binding assessment by Koller. The items are described to the best of our knowledge and belief. However, Koller cannot accept any liability for the details provided in the catalogue. The items may be inspected during the preview. The Purchaser is therefore invited to inspect an item prior to the auction and, possibly with the assistance of an independent specialist advisor, to form his own opinion of the concordance betweentheitemandthecataloguedescription. Concerning the descriptions of the items, the German-language print edition of the catalogue (including any later amendments) shall be exclusively applicable. Koller reserves the right to call upon experts or specialists of its choice to give an opinion and to rely on that opinion. Koller cannot be held liable for the correctness of such opinions. Neither any such expert opinions or reports, nor the descriptions of items provided by Koller, nor other statements pertaining to an item (including statements pertaining to the value thereof) constitute explicit or implicit warranties. 4.3 Subject to Article 3 above, no guarantee or warranty whatsoever is given in respect to legal and material defects. The liabilities of the Seller vis-à-vis the Purchaser are limited to the same extent as the liabilities of Koller vis-à-vis the Purchaser. 5. Participation in the auction 5.1 Any party may participate in an auction as a bidder. However, Koller reserves the right at its complete discretion to prevent any person entering its premises or attending or participating in its auctions. 5.2 Bidders who are not personally known to Koller must register at least 48 hours before the auction,usingtheformprovidedforthispurpose. The registration form must be signed, with legal effect, and a copy of the bidder’s passport must be enclosed, as well as current, valid credit card information. In the event of payment default by the Purchaser, Koller shall be entitled to charge the Purchaser’s credit card in accordance with the details provided on the registration form for the entire amount of the invoice, plus the credit card processing fees. 5.3 Koller may demand in advance from any bidder a certificate of creditworthiness issued by a bank approved by Koller. 5.4 In the case of bids for items with upper estimated values of more than CHF 30 000, Koller may demand that the bidder first remits 20% of the lower estimated value as security. Following the auction, Koller will offset this sum against its claims and the claims of the Seller, and will reimburse any possible surpluses to the Purchaser/bidder without delay. 6. Auction 6.1 Koller may initiate the auctioning of an item below the minimum selling price agreed upon with the Seller. A bid placed at an auction is a binding offer. The bidder shall remain bound by his bid until this is either outbid or rejected by Koller. Double bids shall immediately be called once again; in case of uncertainty, the auction management shall decide. 6.2 Koller may refuse a bid without providing
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    justification if aPurchaser fails to fulfil the conditions for participation in an auction pursuant to the above Sections 5.2 to 5.4. Koller may also pass or withdraw auctioned items without a sale even if this is not apparent to the auction participants. 6.3 Koller reserves the right to combine, separate or omit numbered lots in the catalogue or to offer them out of sequence. Koller reserves the right to sell lots “conditionally” at its sole discretion, in which event the hammer price will be considered as conditional and the highest bidder will remain bound by his bid for 14 days following the auction. The highest bidder will be released from all obligations if he does not receiveastatementfromKollerwithinthisperiod declaring the hammer price as final. 6.4 Written bids from potential Purchasers who cannot attend the auction in person are accepted up to 48 hours before the auction begins. 6.5 Potential Purchasers may bid by telephone if they have given written notice at least 48 hours before the auction starts. Koller does not accept telephone bids for lots estimated under CHF 500, and bidders are requested to leave a written bid or participate in the salesroom for such items. 6.6 Potential Purchasers who intend to place their bids in the course of a Live Auction may participate in the auction once their registration applications have been approved by Koller. Koller reserves the right to decline registration applications at its discretion. 6.7 Koller shall not be liable for any bids including advance notifications of telephone bidding which are not taken into consideration. Telephone bidders and persons giving written instructions are also subject to the provisions of Article 5 relating to proof of identity and financial soundness. 7. Transfer of title Ownership of an auctioned item shall be transferred to the Purchaser as soon as the purchase price and the surcharge (incl. VAT) have been comprehensively paid in Swiss francs and Koller has attributed these payments to the corresponding item. 8. Collection of the auctioned items 8.1Theauctioneditemsmustbecollectedatthe Purchaser›s own expense within 7 days from the end of the auction during official opening hours. The place of performance for the purchase contract between the Purchaser and the Seller is therefore the registered office of Koller. If time permits, the items may be handed over after each auction session. The handover shall take place following comprehensive payment of the purchase price as well as the surcharge (incl. VAT) and the attribution of this sum to the auctioned item by Koller. 8.2 During the aforementioned period, Koller shall be liable for loss, theft, damage or destruction of items which have been auctioned and paid for, although solely due to intentional or grossly negligent acts on the part of Koller, and onlyuptothetotaloftheauctionprice,surcharge and VAT. Koller ceases to have liability after the aforementioned period, and the Purchaser shall be responsible for ensuring adequate insurance cover for the auctioned item. No liability can be assumed for frames and glass. If the auctioned items are not collected within 7 days, Koller will store the works at a company of their choice at the purchaser’s own risk and expense or on their own premises at a daily rate of CHF 10 per object. 8.3 Shipping orders may be given to Koller in writing. All shipping costs shall be borne by the Purchaser. Unless otherwise agreed in writing, transport insurance shall be contracted for the sold items at the expense of the Purchaser. Glass-covered pictures and fragile items shall not be sent by Koller. 9. Payment for the auctioned items 9.1 The invoice for a successful bid for an auctioned item is payable in Swiss francs within 7 days from the end of the auction. Payments by credit card are only possible with the approval of Koller’s accounting department, and are subject to processing fees amounting to between 2 and 4% of the invoiced amount, payable by the purchaser and added to the invoice total. 9.2 Irrespective of the Purchaser‘s instructions, KollermayuseanypaymentsbythePurchaseras settlement for any debt owed by the Purchaser to Koller or the Seller and set off any debt which it owes to the Purchaser against its own claims. If the Purchaser defaults on a payment, default interestof10%p.a.shallbechargedontopofthe invoiced sum. If Koller does not receive payment for purchases within seven (7) days following the auction, Koller reserves the right to charge the Purchaser’s credit card for the full amount of the invoice, without further notification to the Purchaser. In such cases the credit card processing fees of 2–4% as described above are also applicable, and will be charged to the Purchaser’s credit card. 9.3 If the Purchaser does not pay or does not pay promptly, Koller may moreover in its own name and in the Seller›s name either (i) insist on the fulfilment of the purchase agreement or (ii) without further notice withdraw from the purchase agreement and waive the subsequent performance of the Purchaser or assert a claim for compensation for non-performance; in the latter case Koller shall also be entitled, irrespective of any minimum sales price, to sell the item either directly or in an auction, and may use the proceeds to reduce the debts of the Purchaser. Any amount realised above the original hammer price shall be paid out to the Seller. The Purchaser is liable to Koller and the Seller for all prejudice caused by non-payment or late payment. 9.4 Koller retains a right of retention and a lien on all the Purchaser›s items in its custody until full payment of all monies owed. Koller may exercise such liens in accordance with the legislation on the enforcement of debts or by private sale (including in its own name). The plea of prior lien exploitation pursuant to Art. 41 of the Swiss Debt Collection and Bankruptcy Act is excluded. 10. Representation Each Purchaser shall be personally liable for each bid he places, and for the purchase contract between the Purchaser and the Seller. Proof of the power of representation may be requested from persons bidding as agents for a third party or as an organ of a corporate body. The agent shall be jointly and severally liable with his principal for the fulfilment of all obligations. 11. Miscellaneous provisions 11.1 The auction shall be attended by an official fromthecityofZurich.Theattendingofficial,the local authority and the state have no liability for the acts of Koller. 11.2 Koller reserves the right to transfer any or all rights and obligations from these Auction Conditions to a third party or to have these carried out by a third party. The bidder and/or Purchaser does not have the right to transfer any rights from these Auction Conditions to a third party. 11.3 Koller reserves the right to publish illustrations and photographs of sold items in its own publications and the media and to publicise its services therewith. 11.4Theaforementionedprovisionsformpartof each individual purchase agreement concluded at the auction. Amendments are binding only with Koller›s written agreement. 11.5 Should certain provisions of these Auction Conditions be or become partially or fully invalid and/or unenforceable, this does not affect the validity of the remaining provisions. The invalid and/or unenforceable provisions shall be replaced by those which most closely approximate the economic meaning and intended economic purpose of said provisions. The same shall be applicable to any possible gaps or loopholes in the provisions. 11.6 The present Auction Conditions and all amendments thereof are governed by Swiss law, under exclusion of possible references to Switzerland’s Federal Code on Private International Law (CPIL), and under exclusion of the Vienna C.I.S.G. Convention (UN Convention). 11.7 The courts of the Canton of Zurich shall be exclusively responsible for settling disputes (including the assertion of offsetting and counterclaims) which arise out of or in conjunction with these Auction Conditions (includingtheirvalidity,legaleffect,interpretation or fulfilment). Koller may, however, initiate legal proceedings before any other competent court. 11.8 In the event of any discrepancy between the different language versions of these Auction Conditions, the German language version shall prevail. Zurich, 1 July 2018
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    Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz. Tel  +41 44 445 63 63, Fax  +41 44 273 19 66, office@kollerauktionen.ch  Auktions-Aufträge / Ordres d’achats / Absentee Bid Form Date Signature Auktion Vente/Sale Lot. no. Gegenstand / Déscription Gebot / Ordre CHF Maximum bid (CHF) Bitte beachten Sie, dass wir für Objekte unter CHF 500.– keine Telefon-Gebote annehmen können. Veuillez prendre note que nous ne pouvons pas accepter d’ordres d’achat téléphoniques pour des lots au-dessous de CHF 500.– Please note that we cannot accept telephone bids for objects below CHF 500.– Der Bieter willigt hiermit in die Bearbeitung seiner Personendaten durch Koller gemäss Datenschutzerklärung (siehe Homepage) ein. L‘enchérisseur autorise le traitement de ses données personnelles par Koller selon la Déclaration de Confidentialité (voir site Internet). The bidder hereby agrees to the processing of his personal data by Koller in accordance with the Privacy Notice (see website). Anwendbar sind die Auktionsbedingungen, die im Katalog und auf unserer Homepage publiziert sind. Gerichtsstand ist Zürich 1. Les Conditions de Vente publiées dans le cataloque et sur notre site Internet font foi. Le tribunal compétent est à Zurich 1. I agree to abide by the Auction Conditions published in the catalogue and on our website. The courts of Zurich 1 have jurisdiction. Ich möchte alle Dokumente/Rechnungen von Koller in Zukunft ausschliesslich elektronisch erhalten. Je voudrais recevoir tous les documents / factures de Koller exclusivement par voie électronique. I would like to receive all documents/invoices from Koller electronically only (paperless). Name / Nom Adresse / Address Ort, Land / Ville, Pays / City State, Country Tel. E-Mail INTERNATIONAL AUCTIONS | SWISS MADE Ja / Oui / Yes Nein / Non / No x Koller Auktionen AG, Hardturmstrasse 102, 8031 Zürich, Schweiz. Tel  +41 44 445 63 63, Fax  +41 44 273 19 66, office@kollerauktionen.ch  Auktions-Aufträge / Ordres d’achats / Absentee Bid Form Date Signature Auktion Vente/Sale Lot. no. Gegenstand / Déscription Gebot / Ordre CHF Maximum bid (CHF) Bitte beachten Sie, dass wir für Objekte unter CHF 500.– keine Telefon-Gebote annehmen können. Veuillez prendre note que nous ne pouvons pas accepter d’ordres d’achat téléphoniques pour des lots au-dessous de CHF 500.– Please note that we cannot accept telephone bids for objects below CHF 500.– Der Bieter willigt hiermit in die Bearbeitung seiner Personendaten durch Koller gemäss Datenschutzerklärung (siehe Homepage) ein. L‘enchérisseur autorise le traitement de ses données personnelles par Koller selon la Déclaration de Confidentialité (voir site Internet). The bidder hereby agrees to the processing of his personal data by Koller in accordance with the Privacy Notice (see website). Anwendbar sind die Auktionsbedingungen, die im Katalog und auf unserer Homepage publiziert sind. Gerichtsstand ist Zürich 1. Les Conditions de Vente publiées dans le cataloque et sur notre site Internet font foi. Le tribunal compétent est à Zurich 1. I agree to abide by the Auction Conditions published in the catalogue and on our website. The courts of Zurich 1 have jurisdiction. Ich möchte alle Dokumente/Rechnungen von Koller in Zukunft ausschliesslich elektronisch erhalten. Je voudrais recevoir tous les documents / factures de Koller exclusivement par voie électronique. I would like to receive all documents/invoices from Koller electronically only (paperless). Name / Nom Adresse / Address Ort, Land / Ville, Pays / City State, Country Tel. E-Mail INTERNATIONAL AUCTIONS | SWISS MADE Ja / Oui / Yes Nein / Non / No x
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