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Akademie Mode und Design Düsseldorf
Mode- u. Designgeschichte SS 09
Thomas Kuhn
Hausarbeit
Wiener Werkstätte
und ihr Einfluss auf
Paul Poiret
Tetyana Repetya
31.07.2009
Mode- und Designmanagement, 2. Semester
Heinsbergstr. 14, 50674 Köln
Tel: 0221-9920500
tetyane.repetya@myamd.de
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis........................................................................................ 1
1. Einleitung..................................................................................................... 2
2. Die Wiener Werkstätte................................................................................. 3
2.1 Gründung .............................................................................................. 3
2.2 Stil und Einflüsse................................................................................... 3
2.3 Anspruch und Ziel der Wiener Werkstätte............................................. 4
2.3 Bedeutende Werke................................................................................ 5
3. Mode der Wiener Werkstätte ....................................................................... 6
3.1 Reformkleid und Mode .......................................................................... 6
3.2 Modeabteilung der Wiener Werkstätte .................................................. 6
3.3 Eduard Josef Wimmer-Wisgrill.............................................................. 7
4. Paul Poiret ................................................................................................... 8
5. Schlussbetrachtung ..................................................................................... 9
Anhang: Abbildungen....................................................................................... 11
Literaturverzeichnis .......................................................................................... 14
1
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Entwurf, Paul Poiret 1........................................................................... 11
Abb. 2: Kleid, Paul Poiret ................................................................................. 12
Abb. 3: Entwürfe, Wimmer-Wisgrill 3................................................................. 13
2
1. Einleitung
Kunst stand seit jeher immer in enger Verbindung zum Handwerk. Ob in der
Architektur, im Möbelbau, Accessoires oder in der Malerei.
Diese Verbindung wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch das Aufkommen
industriell gefertigter Massenprodukte fast zunichte gemacht. Die
Massenfertigung beseitigte den künstlerischen Anspruch ihrer Produkte und
setzte alles daran, den Geschmack ihrer Kunden anzugleichen.
Da die industrielle Fertigung in England ihren Anfang nahm, entwickelten sich
auch dort die ersten Gegner industrieller Fertigung. Architekten, Maler und
Kunsthandwerker gründeten die Arts and Craft-Bewegung. Sie verfolgten das
Ziel, im Zeitalter der Massenproduktion und der minderwertigen
Gebrauchsgüter das Kunsthandwerk wieder zu beleben.
Aber nirgends schätzte man, um die Jahrhundertwende, die ästhetische Kunst
so entschieden wie in Wien. Die Kunst bot dem Wiener Bürgertum die
Möglichkeit, sich mit der Aristokratie auf eine Stufe zu stellen. Mäzene aus dem
Bürgertum förderten alle Bereiche der Kunst und übernahmen damit die
angestammte Rolle des Adels.1
Der schnörkelhafte Prunk des ausgehenden 19. Jahrhunderts fiel in Wien nach
wie vor auf fruchtbaren Boden. Auf Ausstellungen wurden viele Werke dem
begeisterten Publikum vorgestellt.
Das Wiener Kaffeehaus, wo sich der Großteil des gesellschaftlichen Lebens
abspielte, war nicht nur ein Treffpunkt für das Bürgertum, sondern auch die
Bildungsstätte schlechthin. Hier war die Geburtsstätte vieler avantgardistischer
Künstlervereinigungen der damaligen Zeit. Die Wiener Secession wurde hier
geboren und sechs Jahre später, die Wiener Werkstätte.
1
Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 9
3
2. Die Wiener Werkstätte
2.1 Gründung
Die sich seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nacheinander
ablösenden Stile verquickten sich alle in fast unerträglichem Pomp. Dies
bereitete den Boden für die Rebellion der jungen Künstlergeneration. Das
Einfache, Praktische, sollte mehr in den Vordergrund treten. Eleganz,
Sachlichkeit und Angemessenheit waren auch die angestrebten Ziele bei der
Gründung der Wiener Werkstätte GmbH.
Im Jahre 1903 wurde sie als Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, von
Josef Hoffmann und Kolomann Moser, gegründet. Die Arts-And-Crafts-
Bewegung aus England, diente als Vorbild. Auf Basis handwerklicher Qualität
sollten alle Lebensbereiche des Menschen gestalterisch vereinigt und zu einem
Gesamtkunstwerk verschmolzen werden.
2.2 Stil und Einflüsse
Die künstlerische Richtung, die das Unternehmen verfolgte, war vor allem von
der Wiener Secession geprägt. Eine avantgardistische Künstlergruppe, die sich
von traditionellen Kunstauffassungen lösen wollten.
Der österreichische Sezessionsstil zeigte sich besonders von der
geometrischen Formgestaltung.
Auch die japanische Kunst fand bei fast allen Künstlern der Jahrhundertwende
einen Niederschlag. Bei den Unternehmern der Gründerzeit, gab es einen
Bedarf nach exotischem Luxus. Anderseits suchte der Normalbürger nach
neuer Spiritualität in der lebensfeindlichen Industriegesellschaft. Das verhalf der
japanischen Kunst zu grosser Akzeptanz.
4
In der Japanischen Gestaltung werden organische und geometrische Motive
harmonisch miteinander kombiniert. Diese Formen haben grossen Einfluss auf
den Stil der Wiener Werkstätten. Florale Wellenlinien und scheinbar
entgegengesetzte Komponenten bestimmten auch die Kunst von Koloman
Moser und Josef Hoffmann.2
2.3 Anspruch und Ziel der Wiener Werkstätte
Der neue Kunststil wollte nicht nur sämtliche Bereiche der Gestaltung sondern
auch einen neuen Lebensstil hervorbringen. Die Hierarchie von angewandter,
„dekorativer“ Kunst (Kunsthandwerk) und „freier“ bildender Kunst sollte
durchbrochen, ihre Trennung durch gleichberechtigtes und gleichwertiges
Zusammenwirken im Gesamtkunstwerk überwunden werden.
Das Konzept der Wiener Werkstätte - modernes, an der Funktionalität
ausgerichtetes, schlichtes Design, das in enger Zusammenarbeit von Entwerfer
und Ausführendem entstand, sowie direkte Vermarktung der Erzeugnisse unter
der Trademark WW in eigenen Geschäften - war nicht nur ideell, sondern auch
wirtschaftlich erfolgreich. So wurden bereits im Gründungsjahr die Werkstätten
(Metall) von Wieden in die Neustiftgasse 32-34 verlegt und erweitert. Die
Produktion, die nur für gehobene bürgerliche Schichten erschwinglich war,
umfasste sämtliche Bereiche der Gestaltung - Bauwerke, Innenraumgestaltung
und -dekoration, Möblierung, Gebrauchsgegenstände und Geschirr, Textilien,
Mode, Accessoires, Lederartikel, Schmuck, Gebrauchsgrafik,
Druckerzeugnisse. Die in den entsprechenden Werkstätten gefertigten
Gegenstände wurden stets mit der Schutzmarke sowie den Monogrammen der
Entwerfer und der ausführenden Meister und Handwerker versehen.3
2
Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 16 ff
3
Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 53
5
2.3 Bedeutende Werke
Mit der Errichtung und Ausstattung des Sanatoriums Purkersdorf 1904-06
realisierte die Wiener Werkstätte den ersten konsequent modernen Zweckbau
in Österreich.
Josef Hoffmann schuf mit der auf einfachen, kubischen Elementen aufgebauten
Grundform, einem Flachdach und einer nüchternen, weitgehend auf Dekoration
verzichtenden Fassade einen Prototyp moderner, auf Funktionalität
ausgerichteter Architektur. Im Gegensatz zur Modernität des Äusseren ist das
Innere in der Aufteilung recht traditionell und in seiner Symmetrie festgefahren.
Das Fehlen jeder durchgehenden Ornamentik wird in Gegensatz zur
Grosszügigkeit der Innenräume gesetzt. 4
Unter den weiteren Bauaufträgen der Wiener Werkstätte ist vor allem das 1905-
1911 in Brüssel entstandene „Palais Stoclet“ hervorzuheben, da sich hier die
gesamte schöpferische Kraft und Kunstfertigkeit ungeachtet jeglicher
finanzieller Beschränkung zu vollendeter „Raumkunst“ entfalten konnte. Es
wurde kein Material verwendet, das nicht selten und kostbar war. Auch jedes
Interieur war einzigartig und vollkommen durchgestaltet. 5
Trotz aller Luxuriosität, kostbarster Materialien und vollkommen einheitlicher
Durchgestaltung der gesamten Anlage bis ins kleinste Detail, bestimmt die
klare, von der architektonischen Struktur abgeleitete Geometrie der Formen
wesentlich den Gesamteindruck.
Auch das Cabaret Fledermaus gehört zu den bedeutenden Kunstwerken der
Wiener Werkstätte. Die im Jahre 1907 in der Kärntner Straße eröffnete
Unterhaltungsstätte, bot Möbeldesignern, Keramikern, Silberschmieden,
Entwerfern für Lampen, Tischgedecke und Tischschmuck, aber vor allem
Grafikern ein weites Betätigungsfeld. Die Architektur des Cabarets war in ihren
Formen der des Palais Stoclet eng verwandt. Es war nicht nur umfassend von
4
Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 60
5
Ebd., S. 66
6
der Wiener Werkstätte gestaltet worden, sondern auch – entsprechend dem
Gedanken des Gesamtkunstwerks - von dieser auch betrieben.6
3. Mode der Wiener Werkstätte
3.1 Reformkleid und Mode
Im Streben nach einem Gesamtkunstwerk beschäftigten sich die Künstler der
Wiener Werkstätte auch mit der Mode und integrierten sie in ihre Arbeit. Viele
Künstler des Jugendstils sagten sich von althergebrachten Formen los und
verhalfen der Kleidung der Frau zu Emanzipation und Eigenständigkeit. Es
begann die Individualisierung der Mode, beginnend mit dem Kampf gegen das
Korsett, das den Hauptangriffspunkt der Reformbestrebungen bildetet. Ärzte
und Künstler forderten eine gesunde und lebensgerechte Kleidung. Der vom
Korsett deformierte Frauenkörper sollte erlöst werden. Die Reform des Kleides
wurde zum sozialen und politischen Thema. Man besann sich auf Gesundheit,
Hygiene und Körperfunktion. Schönheit und die sinnvolle Verwendung von
Materialen standen im Vordergrund.
Nach und nach entwickelte sich eine Art Anti-Mode, die das danach benannte
Reformkleid hervorbrachte. Von den Schultern einfach herabhängend,
anspruchslos im Schnitt, ein grosszügiges Hängekleid mit viel Platz für
dekorative Applikationen und Ornamente. Es wurde zum Protestkleid gegen die
herrschende Mode. Ein neues Schönheitsideal, schlank, und nicht vom Korsett
eingezwängt, begann sich durchzusetzen.7
In allen modischen Fragen der Zeit war Paris bislang konkurrenzlos
tonangebend, und ausländische Modehäuser wagten es kaum, einen
ernsthaften Wettbewerb mit Paris einzugehen.
3.2 Modeabteilung der Wiener Werkstätte
Die Modeabteilung der Wiener Werkstätte wurde 1909 eingerichtet. Sie konnte
während des Ersten Weltkrieges und auch später das Unternehmen finanziell
6
Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 66
7
Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 12
7
über Wasser halten und auf dem Gebiet der Mode international Einfluss üben.
Wenn auch nicht von Beginn an der Kleidung grosse Beachtung geschenkt
wurde, so dokumentieren doch einige Zeichnungen von Josef Hoffmann aus
den ersten Jahren der Wiener Werkstätte das Interesse an der Mode.
Die Mode war bis zum Ende des ersten Jahrzehnts immer nur am Rande von
Künstlern behandelt worden, eine Haute Couture der Wiener Werkstätte mit
künstlerischen Entwürfen für Modelle existierte noch nicht. Nun wollte man auch
die Mode als wichtigen Bestandteil der Kunst und des Kunstgewerbes in das
Programm aufnehmen.
Die Geschichte der Modeabteilung ist fest verbunden mit der Persönlichkeit
Eduard J. Wimmer-Wisgrills, der von 1910 bis 1922 ihr künstlerischer Leiter
war.
3.3 Eduard Josef Wimmer-Wisgrill
Er wurde oft als der „geheime Modezar“ bezeichnet. Durch sein Wirken im
Dienste der Mode, erlangte Wien Weltruf. Er inspirierte Künstler einer ganzen
Epoche.
Von ihm stammte die Idee, eine moderne „Wiener Mode“ zu schaffen. Josef
Hoffmann ging auf diese Idee sofort ein und beauftragte Wimmer mit der
Einrichtung einer Mode-Abteilung im Rahmen der Wiener Werkstätte. Das
Atelier erwies sich später als das erfolgreichste des ganzen Betriebes, das mit
seinen Einnahmen in schwierigen Zeiten die übrigen Werkstätten über Wasser
hielt. 8
Im Jahr 1911 war die Wiener Werkstätte dem Ziel schon sehr nahe, nach
künstlerischen Prinzipien Mode zu gestalten. Mode nach praktischen
Gesichtspunkten, die in einer Einheit von Entwurf, Stoff, Schmuck und
Accessoires ein optisches Ganzes bilden sollte. Wimmer komponierte
asymmetrische Modelle, in Kaskaden herabfallende Gewänder und schmale,
bis zu den Knöcheln reichende Röcke. Die Ornamente der Stickereien und
markierenden Applikationen bilden mit den phantasievollen Hüten ein Ganzes.9
8
Vgl. Hansen (1984), S. 38
9
Vgl. Hansen (1984), S. 52
8
Die Mode der Wiener Werkstätte wurde vor allem in der Schweiz tonangebend,
Modeschauen in Bern und Zürich festigten ihren Ruf. Frankreich schien ausser
Gefecht gesetzt.
Die Jahre bis etwa 1915 allerdings zeigten die Mode der Wiener Werkstätten
bei aller, auch sehr positiven Beachtung, oft kontroversester Kritik ausgesetzt,
vor allem der Vorwurf der Künstlichkeit wurde immer wieder erhoben.10
Nach Spannungen mit dem Direktor der Modeabteilung der Wiener Werkstätte,
Franz Süss, legte Wimmer seine künstlerische Leitung an der Werkstätte
zurück und ging 1922 nach Amerika. Dort lebte er, unter anderem in New York,
als selbständiger Modezeichner. Wahrscheinlich, wie aus Briefwechsel
hervorgeht, kam auch eine gewisse Verdrossenheit dazu, da die Wiener
Werkstätte immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
4. Paul Poiret
Was aus Paris kam, in Sachen Mode, war bislang, über jede Kritik erhaben, Die
Franzosen beherrschten die Modewelt unangefochten. Zu den Modeschöpfern,
die in den ersten Jahrzenten des 20. Jahrhunderts den grössten Einfluss auf die
Haute Couture ausübten, gehörte auch Paul Poiret. Auch er setzte sich gegen
die schon fast ein Jahrhundert alte Tradition hinweg, die eine Schnürung der
weiblichen Taille forderte. Seine Kreationen beeinflussten die weibliche
Silhouette entscheidend und sie liessen die Frau sinnlicher und freier
erscheinen.
Im Jahre 1911 traf der französische Modekünstler Paul Poiret, auf seiner
Tournee durch Europa, auch in Wien ein. Anlässlich seines Wiener Aufenthalts,
tätigte er grosse Einkäufe bei der Wiener Werkstätte. Er soll von den
handbedruckten Seiden der Wiener Werkstätte so begeistert gewesen sein,
dass er grosse Mengen davon kaufte und für seine eigenen Schöpfungen
verwendete.11
10
Vgl. Völker (1984), S. 23
11
Vgl. Völker (1984), S. 19
9
Darauf folgend übten, vor allem die Stoffmuster, grossen Einfluss auf die
Pariser Mode aus. Von diesem Augenblick an begannen die leitenden Wiener
Modellhäuser vom Können der Wiener Notiz zu nehmen. Die Mode sollte sich
von den üblichen überholten Zwängen befreien und neue, eigenständige Wege
gehen.
Das Reformkleid der Jahrhundertwende, meinte Wimmer, wurde in Paris als
wertvoll genug angesehen, um von sehr fähigen Künstlern, wie es besonders
ein Paul Poiret war, ausgebaut und mit französischem Können für die ganze
zivilisierte Welt adaptiert zu werden. Wimmer machte sich zwar weitgehend frei
von den Einflüssen der französischen Modeschöpfer, brachte aber für Poiret
grosse Bewunderung auf.12
Ein grosser Kampf musste anfangs des Jahrhunderts ausgefochten werden, in
Paris durch Paul Poiret, in Wien durch die Wiener Werkstätte. Poiret, der nach
dem Wiener Vorbild, in Paris ebenfalls eine breite Bewegung ins Leben rufen
und leiten wollte, macht das Interesse der Pariser Künstlerkreise und der Haute
Couture deutlich. Später gründete er eine Schule für angewandte Kunst, in der
Möbel, Stoffe und dekorative Gegenstände entworfen werden.
Verglichen mit den geschnürten und herausgeputzten Schönheiten der Belle
Epoque sieht die neue Poiret-Frau bescheiden, jung und unverschämt
beweglich aus. Unter ihren leichten Kleidern verbirgt sich eine gute Figur statt
eines guten Korsetts. Doch was so genial schlicht beginnt ufert bald aus. Poiret
schiebt die Taille, und damit den Busen, immer höher, macht die Dekolletés
tiefer und die Rücke enger. 1910 erfindet er den berüchtigten Humpelrock, der
zum Saum hin so schmal zuläuft, dass er die Trägerin zum Trippelschritt zwingt.
5. Schlussbetrachtung
Die Wiener Mode hatte seit Menschengedenken die Weltmode zu
interpretieren, die in Paris geschaffen wurden, sagte Wimmer. Der grosse und
mutige Versuch aber, die bodenständige Wiener Begabung auf eigene Beine zu
stellen, geschah in den ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts durch die
Wiener Werkstätte.
12
Vlg. Hansen (1984), S. 90
10
Es gab einen regen Austausch zwischen der französischen und der Wiener
Mode, was vor allem durch Kontakte zwischen den beiden Modeschöpfern
Wimmer und Poiret belegt ist, die eine enge künstlerische Beziehung
zueinander hatten.
Paul Poiret war, als er nach Wien reiste, vor allem vom originellen
Stoffsortiment der Wiener Werkstätte beeindruckt. Er umgab sich auch gerne
mit avantgardistischen Künstlern und holte sich von dort ebenfalls seine
Inspirationen. Er wusste aus vielem künstlerisch zu schöpfen, er komponierte
seine Modelle aufgrund der Eindrücke des Theaters, der Malerei und anderer
Künste. Er sammelte auch Stoffe aller Arten und aus allen Ländern. Aus ihnen,
so erzählte er anlässlich seines Wien-Besuches, entstünden seine neuesten,
frappierenden Gedanken.
11
Anhang: Abbildungen
Abb. 1: Entwurf von Paul Poiret (1913)
12
Abb. 2: Kleid, Paul Poiret
13
Abb. 3: Entwürfe, Wimmer-Wisgrill
14
Literaturverzeichnis
Fahr-Becker, Gabriele (1994). Wiener Werkstätte. Köln: Benedikt Taschen
Verlag GmbH.
Baroni, Daniele / D'Auria, Antonio (1984). Josef Hoffmann und die Wiener
Werkstätte. Aus dem Italienischen von Christel Galliani. Stuttgart: Deutsche
Verlags-Anstalt GmbH.
Völker, Angela (1984). Wiener Mode + Modefotografie. Die Modeabteilung der
Wiener Werkstätte 1911-1932. München: Verlag Schneider-Henn.
Hansen, Traude. (1984). Wiener Werkstätte, Mode, Stoffe, Schmuck,
Accessoires. Wien: Christian Brandstätter Verlag & Edition Gesellschaft mbH &
Co KG.
Erklärung
Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne
Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe; die aus
fremden Werken wörtlich oder sinngemäß übernommenen Gedanken sind unter
Angabe der Quellen gekennzeichnet.
Ich versichere, dass ich bisher keine Prüfungsarbeit mit gleichem oder
ähnlichen Thema bei einer Prüfungsbehörde oder anderen Hochschule
vorgelegt habe.
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Wiener Werkstätte und ihr Einfluss auf Paul Poiret

  • 1. Akademie Mode und Design Düsseldorf Mode- u. Designgeschichte SS 09 Thomas Kuhn Hausarbeit Wiener Werkstätte und ihr Einfluss auf Paul Poiret Tetyana Repetya 31.07.2009 Mode- und Designmanagement, 2. Semester Heinsbergstr. 14, 50674 Köln Tel: 0221-9920500 tetyane.repetya@myamd.de
  • 2. Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis........................................................................................ 1 1. Einleitung..................................................................................................... 2 2. Die Wiener Werkstätte................................................................................. 3 2.1 Gründung .............................................................................................. 3 2.2 Stil und Einflüsse................................................................................... 3 2.3 Anspruch und Ziel der Wiener Werkstätte............................................. 4 2.3 Bedeutende Werke................................................................................ 5 3. Mode der Wiener Werkstätte ....................................................................... 6 3.1 Reformkleid und Mode .......................................................................... 6 3.2 Modeabteilung der Wiener Werkstätte .................................................. 6 3.3 Eduard Josef Wimmer-Wisgrill.............................................................. 7 4. Paul Poiret ................................................................................................... 8 5. Schlussbetrachtung ..................................................................................... 9 Anhang: Abbildungen....................................................................................... 11 Literaturverzeichnis .......................................................................................... 14
  • 3. 1 Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Entwurf, Paul Poiret 1........................................................................... 11 Abb. 2: Kleid, Paul Poiret ................................................................................. 12 Abb. 3: Entwürfe, Wimmer-Wisgrill 3................................................................. 13
  • 4. 2 1. Einleitung Kunst stand seit jeher immer in enger Verbindung zum Handwerk. Ob in der Architektur, im Möbelbau, Accessoires oder in der Malerei. Diese Verbindung wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch das Aufkommen industriell gefertigter Massenprodukte fast zunichte gemacht. Die Massenfertigung beseitigte den künstlerischen Anspruch ihrer Produkte und setzte alles daran, den Geschmack ihrer Kunden anzugleichen. Da die industrielle Fertigung in England ihren Anfang nahm, entwickelten sich auch dort die ersten Gegner industrieller Fertigung. Architekten, Maler und Kunsthandwerker gründeten die Arts and Craft-Bewegung. Sie verfolgten das Ziel, im Zeitalter der Massenproduktion und der minderwertigen Gebrauchsgüter das Kunsthandwerk wieder zu beleben. Aber nirgends schätzte man, um die Jahrhundertwende, die ästhetische Kunst so entschieden wie in Wien. Die Kunst bot dem Wiener Bürgertum die Möglichkeit, sich mit der Aristokratie auf eine Stufe zu stellen. Mäzene aus dem Bürgertum förderten alle Bereiche der Kunst und übernahmen damit die angestammte Rolle des Adels.1 Der schnörkelhafte Prunk des ausgehenden 19. Jahrhunderts fiel in Wien nach wie vor auf fruchtbaren Boden. Auf Ausstellungen wurden viele Werke dem begeisterten Publikum vorgestellt. Das Wiener Kaffeehaus, wo sich der Großteil des gesellschaftlichen Lebens abspielte, war nicht nur ein Treffpunkt für das Bürgertum, sondern auch die Bildungsstätte schlechthin. Hier war die Geburtsstätte vieler avantgardistischer Künstlervereinigungen der damaligen Zeit. Die Wiener Secession wurde hier geboren und sechs Jahre später, die Wiener Werkstätte. 1 Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 9
  • 5. 3 2. Die Wiener Werkstätte 2.1 Gründung Die sich seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nacheinander ablösenden Stile verquickten sich alle in fast unerträglichem Pomp. Dies bereitete den Boden für die Rebellion der jungen Künstlergeneration. Das Einfache, Praktische, sollte mehr in den Vordergrund treten. Eleganz, Sachlichkeit und Angemessenheit waren auch die angestrebten Ziele bei der Gründung der Wiener Werkstätte GmbH. Im Jahre 1903 wurde sie als Produktionsgemeinschaft bildender Künstler, von Josef Hoffmann und Kolomann Moser, gegründet. Die Arts-And-Crafts- Bewegung aus England, diente als Vorbild. Auf Basis handwerklicher Qualität sollten alle Lebensbereiche des Menschen gestalterisch vereinigt und zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen werden. 2.2 Stil und Einflüsse Die künstlerische Richtung, die das Unternehmen verfolgte, war vor allem von der Wiener Secession geprägt. Eine avantgardistische Künstlergruppe, die sich von traditionellen Kunstauffassungen lösen wollten. Der österreichische Sezessionsstil zeigte sich besonders von der geometrischen Formgestaltung. Auch die japanische Kunst fand bei fast allen Künstlern der Jahrhundertwende einen Niederschlag. Bei den Unternehmern der Gründerzeit, gab es einen Bedarf nach exotischem Luxus. Anderseits suchte der Normalbürger nach neuer Spiritualität in der lebensfeindlichen Industriegesellschaft. Das verhalf der japanischen Kunst zu grosser Akzeptanz.
  • 6. 4 In der Japanischen Gestaltung werden organische und geometrische Motive harmonisch miteinander kombiniert. Diese Formen haben grossen Einfluss auf den Stil der Wiener Werkstätten. Florale Wellenlinien und scheinbar entgegengesetzte Komponenten bestimmten auch die Kunst von Koloman Moser und Josef Hoffmann.2 2.3 Anspruch und Ziel der Wiener Werkstätte Der neue Kunststil wollte nicht nur sämtliche Bereiche der Gestaltung sondern auch einen neuen Lebensstil hervorbringen. Die Hierarchie von angewandter, „dekorativer“ Kunst (Kunsthandwerk) und „freier“ bildender Kunst sollte durchbrochen, ihre Trennung durch gleichberechtigtes und gleichwertiges Zusammenwirken im Gesamtkunstwerk überwunden werden. Das Konzept der Wiener Werkstätte - modernes, an der Funktionalität ausgerichtetes, schlichtes Design, das in enger Zusammenarbeit von Entwerfer und Ausführendem entstand, sowie direkte Vermarktung der Erzeugnisse unter der Trademark WW in eigenen Geschäften - war nicht nur ideell, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich. So wurden bereits im Gründungsjahr die Werkstätten (Metall) von Wieden in die Neustiftgasse 32-34 verlegt und erweitert. Die Produktion, die nur für gehobene bürgerliche Schichten erschwinglich war, umfasste sämtliche Bereiche der Gestaltung - Bauwerke, Innenraumgestaltung und -dekoration, Möblierung, Gebrauchsgegenstände und Geschirr, Textilien, Mode, Accessoires, Lederartikel, Schmuck, Gebrauchsgrafik, Druckerzeugnisse. Die in den entsprechenden Werkstätten gefertigten Gegenstände wurden stets mit der Schutzmarke sowie den Monogrammen der Entwerfer und der ausführenden Meister und Handwerker versehen.3 2 Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 16 ff 3 Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 53
  • 7. 5 2.3 Bedeutende Werke Mit der Errichtung und Ausstattung des Sanatoriums Purkersdorf 1904-06 realisierte die Wiener Werkstätte den ersten konsequent modernen Zweckbau in Österreich. Josef Hoffmann schuf mit der auf einfachen, kubischen Elementen aufgebauten Grundform, einem Flachdach und einer nüchternen, weitgehend auf Dekoration verzichtenden Fassade einen Prototyp moderner, auf Funktionalität ausgerichteter Architektur. Im Gegensatz zur Modernität des Äusseren ist das Innere in der Aufteilung recht traditionell und in seiner Symmetrie festgefahren. Das Fehlen jeder durchgehenden Ornamentik wird in Gegensatz zur Grosszügigkeit der Innenräume gesetzt. 4 Unter den weiteren Bauaufträgen der Wiener Werkstätte ist vor allem das 1905- 1911 in Brüssel entstandene „Palais Stoclet“ hervorzuheben, da sich hier die gesamte schöpferische Kraft und Kunstfertigkeit ungeachtet jeglicher finanzieller Beschränkung zu vollendeter „Raumkunst“ entfalten konnte. Es wurde kein Material verwendet, das nicht selten und kostbar war. Auch jedes Interieur war einzigartig und vollkommen durchgestaltet. 5 Trotz aller Luxuriosität, kostbarster Materialien und vollkommen einheitlicher Durchgestaltung der gesamten Anlage bis ins kleinste Detail, bestimmt die klare, von der architektonischen Struktur abgeleitete Geometrie der Formen wesentlich den Gesamteindruck. Auch das Cabaret Fledermaus gehört zu den bedeutenden Kunstwerken der Wiener Werkstätte. Die im Jahre 1907 in der Kärntner Straße eröffnete Unterhaltungsstätte, bot Möbeldesignern, Keramikern, Silberschmieden, Entwerfern für Lampen, Tischgedecke und Tischschmuck, aber vor allem Grafikern ein weites Betätigungsfeld. Die Architektur des Cabarets war in ihren Formen der des Palais Stoclet eng verwandt. Es war nicht nur umfassend von 4 Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 60 5 Ebd., S. 66
  • 8. 6 der Wiener Werkstätte gestaltet worden, sondern auch – entsprechend dem Gedanken des Gesamtkunstwerks - von dieser auch betrieben.6 3. Mode der Wiener Werkstätte 3.1 Reformkleid und Mode Im Streben nach einem Gesamtkunstwerk beschäftigten sich die Künstler der Wiener Werkstätte auch mit der Mode und integrierten sie in ihre Arbeit. Viele Künstler des Jugendstils sagten sich von althergebrachten Formen los und verhalfen der Kleidung der Frau zu Emanzipation und Eigenständigkeit. Es begann die Individualisierung der Mode, beginnend mit dem Kampf gegen das Korsett, das den Hauptangriffspunkt der Reformbestrebungen bildetet. Ärzte und Künstler forderten eine gesunde und lebensgerechte Kleidung. Der vom Korsett deformierte Frauenkörper sollte erlöst werden. Die Reform des Kleides wurde zum sozialen und politischen Thema. Man besann sich auf Gesundheit, Hygiene und Körperfunktion. Schönheit und die sinnvolle Verwendung von Materialen standen im Vordergrund. Nach und nach entwickelte sich eine Art Anti-Mode, die das danach benannte Reformkleid hervorbrachte. Von den Schultern einfach herabhängend, anspruchslos im Schnitt, ein grosszügiges Hängekleid mit viel Platz für dekorative Applikationen und Ornamente. Es wurde zum Protestkleid gegen die herrschende Mode. Ein neues Schönheitsideal, schlank, und nicht vom Korsett eingezwängt, begann sich durchzusetzen.7 In allen modischen Fragen der Zeit war Paris bislang konkurrenzlos tonangebend, und ausländische Modehäuser wagten es kaum, einen ernsthaften Wettbewerb mit Paris einzugehen. 3.2 Modeabteilung der Wiener Werkstätte Die Modeabteilung der Wiener Werkstätte wurde 1909 eingerichtet. Sie konnte während des Ersten Weltkrieges und auch später das Unternehmen finanziell 6 Vgl. Fahr-Becker (1994), S. 66 7 Vgl. Baroni, D’Auria (1984), S. 12
  • 9. 7 über Wasser halten und auf dem Gebiet der Mode international Einfluss üben. Wenn auch nicht von Beginn an der Kleidung grosse Beachtung geschenkt wurde, so dokumentieren doch einige Zeichnungen von Josef Hoffmann aus den ersten Jahren der Wiener Werkstätte das Interesse an der Mode. Die Mode war bis zum Ende des ersten Jahrzehnts immer nur am Rande von Künstlern behandelt worden, eine Haute Couture der Wiener Werkstätte mit künstlerischen Entwürfen für Modelle existierte noch nicht. Nun wollte man auch die Mode als wichtigen Bestandteil der Kunst und des Kunstgewerbes in das Programm aufnehmen. Die Geschichte der Modeabteilung ist fest verbunden mit der Persönlichkeit Eduard J. Wimmer-Wisgrills, der von 1910 bis 1922 ihr künstlerischer Leiter war. 3.3 Eduard Josef Wimmer-Wisgrill Er wurde oft als der „geheime Modezar“ bezeichnet. Durch sein Wirken im Dienste der Mode, erlangte Wien Weltruf. Er inspirierte Künstler einer ganzen Epoche. Von ihm stammte die Idee, eine moderne „Wiener Mode“ zu schaffen. Josef Hoffmann ging auf diese Idee sofort ein und beauftragte Wimmer mit der Einrichtung einer Mode-Abteilung im Rahmen der Wiener Werkstätte. Das Atelier erwies sich später als das erfolgreichste des ganzen Betriebes, das mit seinen Einnahmen in schwierigen Zeiten die übrigen Werkstätten über Wasser hielt. 8 Im Jahr 1911 war die Wiener Werkstätte dem Ziel schon sehr nahe, nach künstlerischen Prinzipien Mode zu gestalten. Mode nach praktischen Gesichtspunkten, die in einer Einheit von Entwurf, Stoff, Schmuck und Accessoires ein optisches Ganzes bilden sollte. Wimmer komponierte asymmetrische Modelle, in Kaskaden herabfallende Gewänder und schmale, bis zu den Knöcheln reichende Röcke. Die Ornamente der Stickereien und markierenden Applikationen bilden mit den phantasievollen Hüten ein Ganzes.9 8 Vgl. Hansen (1984), S. 38 9 Vgl. Hansen (1984), S. 52
  • 10. 8 Die Mode der Wiener Werkstätte wurde vor allem in der Schweiz tonangebend, Modeschauen in Bern und Zürich festigten ihren Ruf. Frankreich schien ausser Gefecht gesetzt. Die Jahre bis etwa 1915 allerdings zeigten die Mode der Wiener Werkstätten bei aller, auch sehr positiven Beachtung, oft kontroversester Kritik ausgesetzt, vor allem der Vorwurf der Künstlichkeit wurde immer wieder erhoben.10 Nach Spannungen mit dem Direktor der Modeabteilung der Wiener Werkstätte, Franz Süss, legte Wimmer seine künstlerische Leitung an der Werkstätte zurück und ging 1922 nach Amerika. Dort lebte er, unter anderem in New York, als selbständiger Modezeichner. Wahrscheinlich, wie aus Briefwechsel hervorgeht, kam auch eine gewisse Verdrossenheit dazu, da die Wiener Werkstätte immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. 4. Paul Poiret Was aus Paris kam, in Sachen Mode, war bislang, über jede Kritik erhaben, Die Franzosen beherrschten die Modewelt unangefochten. Zu den Modeschöpfern, die in den ersten Jahrzenten des 20. Jahrhunderts den grössten Einfluss auf die Haute Couture ausübten, gehörte auch Paul Poiret. Auch er setzte sich gegen die schon fast ein Jahrhundert alte Tradition hinweg, die eine Schnürung der weiblichen Taille forderte. Seine Kreationen beeinflussten die weibliche Silhouette entscheidend und sie liessen die Frau sinnlicher und freier erscheinen. Im Jahre 1911 traf der französische Modekünstler Paul Poiret, auf seiner Tournee durch Europa, auch in Wien ein. Anlässlich seines Wiener Aufenthalts, tätigte er grosse Einkäufe bei der Wiener Werkstätte. Er soll von den handbedruckten Seiden der Wiener Werkstätte so begeistert gewesen sein, dass er grosse Mengen davon kaufte und für seine eigenen Schöpfungen verwendete.11 10 Vgl. Völker (1984), S. 23 11 Vgl. Völker (1984), S. 19
  • 11. 9 Darauf folgend übten, vor allem die Stoffmuster, grossen Einfluss auf die Pariser Mode aus. Von diesem Augenblick an begannen die leitenden Wiener Modellhäuser vom Können der Wiener Notiz zu nehmen. Die Mode sollte sich von den üblichen überholten Zwängen befreien und neue, eigenständige Wege gehen. Das Reformkleid der Jahrhundertwende, meinte Wimmer, wurde in Paris als wertvoll genug angesehen, um von sehr fähigen Künstlern, wie es besonders ein Paul Poiret war, ausgebaut und mit französischem Können für die ganze zivilisierte Welt adaptiert zu werden. Wimmer machte sich zwar weitgehend frei von den Einflüssen der französischen Modeschöpfer, brachte aber für Poiret grosse Bewunderung auf.12 Ein grosser Kampf musste anfangs des Jahrhunderts ausgefochten werden, in Paris durch Paul Poiret, in Wien durch die Wiener Werkstätte. Poiret, der nach dem Wiener Vorbild, in Paris ebenfalls eine breite Bewegung ins Leben rufen und leiten wollte, macht das Interesse der Pariser Künstlerkreise und der Haute Couture deutlich. Später gründete er eine Schule für angewandte Kunst, in der Möbel, Stoffe und dekorative Gegenstände entworfen werden. Verglichen mit den geschnürten und herausgeputzten Schönheiten der Belle Epoque sieht die neue Poiret-Frau bescheiden, jung und unverschämt beweglich aus. Unter ihren leichten Kleidern verbirgt sich eine gute Figur statt eines guten Korsetts. Doch was so genial schlicht beginnt ufert bald aus. Poiret schiebt die Taille, und damit den Busen, immer höher, macht die Dekolletés tiefer und die Rücke enger. 1910 erfindet er den berüchtigten Humpelrock, der zum Saum hin so schmal zuläuft, dass er die Trägerin zum Trippelschritt zwingt. 5. Schlussbetrachtung Die Wiener Mode hatte seit Menschengedenken die Weltmode zu interpretieren, die in Paris geschaffen wurden, sagte Wimmer. Der grosse und mutige Versuch aber, die bodenständige Wiener Begabung auf eigene Beine zu stellen, geschah in den ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts durch die Wiener Werkstätte. 12 Vlg. Hansen (1984), S. 90
  • 12. 10 Es gab einen regen Austausch zwischen der französischen und der Wiener Mode, was vor allem durch Kontakte zwischen den beiden Modeschöpfern Wimmer und Poiret belegt ist, die eine enge künstlerische Beziehung zueinander hatten. Paul Poiret war, als er nach Wien reiste, vor allem vom originellen Stoffsortiment der Wiener Werkstätte beeindruckt. Er umgab sich auch gerne mit avantgardistischen Künstlern und holte sich von dort ebenfalls seine Inspirationen. Er wusste aus vielem künstlerisch zu schöpfen, er komponierte seine Modelle aufgrund der Eindrücke des Theaters, der Malerei und anderer Künste. Er sammelte auch Stoffe aller Arten und aus allen Ländern. Aus ihnen, so erzählte er anlässlich seines Wien-Besuches, entstünden seine neuesten, frappierenden Gedanken.
  • 13. 11 Anhang: Abbildungen Abb. 1: Entwurf von Paul Poiret (1913)
  • 14. 12 Abb. 2: Kleid, Paul Poiret
  • 15. 13 Abb. 3: Entwürfe, Wimmer-Wisgrill
  • 16. 14 Literaturverzeichnis Fahr-Becker, Gabriele (1994). Wiener Werkstätte. Köln: Benedikt Taschen Verlag GmbH. Baroni, Daniele / D'Auria, Antonio (1984). Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte. Aus dem Italienischen von Christel Galliani. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt GmbH. Völker, Angela (1984). Wiener Mode + Modefotografie. Die Modeabteilung der Wiener Werkstätte 1911-1932. München: Verlag Schneider-Henn. Hansen, Traude. (1984). Wiener Werkstätte, Mode, Stoffe, Schmuck, Accessoires. Wien: Christian Brandstätter Verlag & Edition Gesellschaft mbH & Co KG.
  • 17. Erklärung Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe; die aus fremden Werken wörtlich oder sinngemäß übernommenen Gedanken sind unter Angabe der Quellen gekennzeichnet. Ich versichere, dass ich bisher keine Prüfungsarbeit mit gleichem oder ähnlichen Thema bei einer Prüfungsbehörde oder anderen Hochschule vorgelegt habe. ................................................................................................ Ort, Datum Unterschrift