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Meinungen, Analysen, Fakten
Nr. 7 / 29.06.2016
Volkswirtschaft special
Meinungen, Analysen, Fakten
Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · BVR · Volkswirtschaft/Mittelstandspolitik
Verantwortlich: Dr. Andreas Bley · Schellingstraße 4 · 10785 Berlin · Telefon: (030) 20 21 – 15 00
Telefax (030) 20 21 – 1904 · Internet: http://www.bvr.de · volkswirtschaft@bvr.de
Sparer mit niedrigeren Einkommen leiden besonders unter Niedrigzins
- Das historisch niedrige Zinsniveau belastet die Sparpläne der Bundesbürger aus der unteren
Einkommenshälfte besonders schwer. Das Finanzvermögen der Bundesbürger mit unterdurch-
schnittlichen Einkommen beschränkt sich in erster Linie auf sichere aber niedrig verzinste Anla-
geklassen. Sie sind daher in besonderer Weise die Leidtragenden des niedrigen Zinsniveaus. Die
jüngsten Zahlen der Einkommens- und Verbraucherstichprobe des Statistischen Bundesamtes
zeigen, dass Bürger mit höherem Nettoeinkommen ihr Finanzportfolio zu größeren Anteilen
mit risikoreicheren und damit in der Regel renditestärkeren Anlageklassen bestücken.
- Viele Bundesbürger mit einem geringen monatlichen Nettoeinkommen verfügen zudem über
wenig Spielraum beim aktiven Sparen. Allein aus finanziellen Gründen sind sie meist nicht in
der Lage, einer stärker auf den Wertpapiererwerb ausgerichteten Anlagestrategie zu folgen.
Im Schnitt sparen nach einer repräsentativen Umfrage von TNS-Infratest im Auftrag des BVR
vom April 2016 rund 40 % der Bundesbürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger
als 2.000 Euro nicht mehr als 50 Euro im Monat. Davon wird meist nur ein Teil für die Altersvor-
sorge genutzt, da auch noch andere Sparmotive, wie etwa größere Anschaffungen, von diesem
Betrag bedient werden müssen.
- Insbesondere Haushalte aus der unteren Einkommenshälfte könnten sich angesichts der niedri-
gen Verzinsung ihrer Sparbeträge dazu entscheiden, weniger oder gar nicht mehr für das Alter
vorzusorgen. Das gefährdet die finanzielle Absicherung vieler Haushalte im Alter zusätzlich. Die
Europäische Zentralbank (EZB) sollte daher ihre geldpolitische Ausrichtung überdenken. Bei ei-
ner anhaltenden Erholung der Konjunktur im Euroraum sollte sie im Laufe des kommenden Jah-
res den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik vorbereiten. Außerdem muss die Bundesre-
gierung ausloten, inwieweit Zulagen bei der staatlich geförderten Riesterrente die Attraktivität
der privaten Altersvorsorge steigern und die Belastungen der niedrigen Zinsen kompensieren
können.
Meinung
2
Niedrigzins belastet Sparpläne
Das allgemeine Zinsniveau hat sich seit 2008 deut-
lich verringert. Die historisch expansive Geldpolitik
der EZB sowie stetig wiederkehrende politische
und wirtschaftliche Unsicherheiten drückten dabei
die Zinsen. Seit Anfang dieses Jahres notieren die
Zinsen am europäischen Geldmarkt geschlossen im
negativen Bereich. Die Kapitalmarktzinsen fielen
ebenfalls in den vergangenen Jahren auf immer
neue historische Tiefstände. Im Zuge des Brexit-
Votums der Briten vom 23. Juni dieses Jahres fiel
sogar die Rendite von Bundesanleihen mit einer
Laufzeit von zehn Jahren unter die Marke von 0 %.
Das historisch niedrige Zinsniveau belastet die
Sparpläne der Bundesbürger. Diese Belastungen
werden wohl in den kommenden Jahren noch zu-
nehmen. So dürfte die Inflation bis Ende 2017 stär-
ker steigen als das allgemeine Zinsniveau. Die reale
Verzinsung konservativ ausgerichteter Sparpläne
wird dadurch weiter zurückgehen und künftig aller
Voraussicht nach im negativen Bereich liegen. Die
Belastungen für die private Altersvorsorge werden
dadurch noch einmal zunehmen.
Untere Einkommensgruppen leiden aktuell beson-
ders unter der niedrigen Verzinsung. Deren Finanz-
vermögen bestehen im Schnitt zum Großteil aus
niedrig verzinste Bankeinlagen und Versicherun-
gen. Höher rentierende Wertpapiere sind hingegen
weniger stark vertreten. Das bestätigen auch die
Zahlen der Einkommens- und Verbraucherstich-
probe 2013. Hingegen zeigt sich bei höheren Ein-
kommensgruppen eine homogenere Verteilung
der Anlageklassen über das Finanzvermögen. Wie
Abbildung 1 zeigt, nimmt der Anteil an risikorei-
cheren Anlageklassen mit gleichzeitig höheren
Renditeversprechen, wie z. B. Aktien und Aktien-
fonds, mit dem monatlichen Nettoeinkommen
deutlich zu. Während das Wertpapiervermögen
bei Bundesbürgern mit einem Monatsverdienst
von weniger als 1.500 Euro bei rund 16 % liegt,
hält die höchste Einkommensgruppe 36 % ihres
Finanzvermögens in Wertpapieren.
0 %
25 %
50 %
75 %
100 %
<900
900-1300
1300-1500
1500-2000
200-2600
2600-3600
3600-5000
5000-18000
Einlagen Versicherungen Sonstiges Wertpapiere
Quelle: BVR, EVS 2013
Einlagen dominieren in unteren EInkommensgruppen
Anteil der Anlageklasse an gesamtemGeldvermögen je
Einkommensgruppe
Abb. 1
0
150
300
450
600
750
KeinEink.
<1000€
1000-2000€
2000-3000€
3000-4000€
>4000€
Quelle: BVR, TNS-Infratest
Sparfähigkeit steigt mit Einkommen
Monatliche Sparfähigkeit in Euro, Nettomonatsein-
kommen, April 2016
Abb. 2
Meinung
3
Spielräume beim Sparen sinken mit Einkommen
Aus europäischen Notenbankkreisen war in den
vergangenen Monaten immer wieder zu hören,
dass deutsche Sparer verstärkt andere Anlageklas-
sen mit höheren Renditen nutzen sollten, wenn sie
die Belastungen der Niedrigzinsphase mildern woll-
ten. Eine Alternative wären dabei vor allem Aktien,
Investmentfonds und andere Anteilsrechte. Einige
private Haushalte haben dies bereits in den vergan-
genen zwei Jahren beherzigt und haben risikorei-
chere Anlageklassen mit höherer Rendite nachge-
fragt. Das zeigen auch die aggregierten Zahlen zur
Geldvermögensbildung der privaten Haushalte der
Deutschen Bundesbank, die am aktuellen Rand auf
eine gestiegene Nachfrage nach Aktien und Invest-
mentfonds hindeuten.
Vermögensumschichtungen auf der Suche nach
höheren Renditen sind durchaus ein mögliche Stra-
tegie, um die negativen Effekte des Niedrigzinses
zu dämpfen. Voraussetzung ist dabei, dass sie die
Rendite des privaten Finanzvermögens auch nach-
haltig erhöhen. Allerdings können viele Bundesbür-
ger nicht auf eine wertpapierbasierende Anlage-
strategie ausweichen, da ihnen die nötige Sparfä-
higkeit fehlt (Abb. 2).
Bezieher höherer Einkommen sind besser in der
Lage, monatlich deutlich mehr zu sparen als Bezie-
her niedrigerer Einkommen. So sparen im Durch-
schnitt rund 40 % der Bundesbürger mit einem
Nettomonatseinkommen von weniger als 2.000
Euro nicht mehr als 50 Euro im Monat. Hingegen
liegt dieser Anteil bei Spitzenverdienern mit mehr
als 4.000 Euro Nettoeinkommen bei rund 1 %
(Abb. 3). Die Zahlen lassen erahnen, dass es vielen
Bundesbürgern angesichts begrenzter Spielräume
bereits jetzt kaum möglich sein dürfte, angesichts
der sinkenden Sparerträge mehr zu sparen oder
ihre Anlagestrategie zu ändern.
Es kommt erschwerend hinzu, dass neben dem Al-
tersvorsorgesparen auch noch andere Sparmotive
bedient werden müssen, wie z. B. das Sparen für
besondere Anschaffungen. Vor diesem Hinter-
0
20
40
60
80
100
KeinEink.
<1000€
1000-2000€
2000-3000€
3000-4000€
>4000€
0 bis 50 Euro 50 bis unter 250 Euro
250 bis unter 500 Euro 500 bis unter 750 Euro
Mehr als 750 Euro keine Angabe
Quelle: BVR, TNS-Infratest
Sparbeträge unterer Einkommensgruppen niedrig
Anteil der Sparerkohorte an Grundgesamtheit der
Einkommensgruppe in %
Abb. 3
0 €
10.000 €
20.000 €
30.000 €
40.000 €
50.000 €
60.000 €
1 50
2 % 0,5 % 0 %
Quelle: BVR
Zinseszinseffekt in der langen Frist
Jahresanspasummevon 600 Euro, Nominalzins
Abb. 4
25
Meinung
4
grund wird bei Geringverdienern meist nur ein Teil
der bereits geringen Sparbeträge für die Altersvor-
sorge verwendet. Der monatliche Sparbetrag für
die Altersvorsorge fällt also meist noch niedriger
aus. Bei einem Sparbetrag von 50 Euro im Monat
dürften letztendlich maximal 20 Euro übrig blei-
ben.
Untere Einkommen Verlierer des Niedrigzinses
Die historisch niedrigen Zinsen fressen sich von Jahr
zu Jahr tiefer in die privaten Sparpläne der Bundes-
bürger. Der in Abbildung 4 dargestellte Zinseszins-
effekt veranschaulicht den dämpfenden Effekt
niedriger Zinsen auf die Sparsumme. Bundesbürger
mit wenig Spielraum bei der privaten Vermögens-
bildung trifft dieser Effekt besonders hart, da sie
kaum reagieren können. Hier trägt das Risiko be-
sonders, dass das Vertrauen in die Nachhaltigkeit
der eigenen Sparpläne verloren geht. Dies gilt be-
sonders, wenn der um den Kaufkraftverlust berei-
nigte Realzins, wie zu erwarten, bis Ende 2017 ab-
nimmt.
Insbesondere Haushalte aus der unteren Einkom-
menshälfte könnten sich dazu entscheiden, noch
weniger oder gar nicht mehr für das Alter vorzu-
sorgen. Das gefährdet die finanzielle Absicherung
dieser Haushalte im Alter zusätzlich. Denn, nach
den Vorgaben der Riester-Reform wird die gesetz-
liche Rente im Vergleich zur Einkommensentwick-
lung im Zuge des demographischen Wandels zu-
rückgehen. Gleichzeitig dürfte es Haushalten aus
der unteren Einkommenshälfte schwer fallen, die
Vorteile niedriger Zinsen bei der fremdfinanzierten
Bildung von Vermögen, wie im Fall von Immobilien,
angesichts ihrer geringen Bonität wahrzunehmen.
Die Geldpolitik in Europa sollte die schädlichen Wir-
kungen der Niedrigzinsen auf die private Altersvor-
sorge bei ihren Entscheidungen nicht ignorieren.
Trotz der erhöhten Unsicherheit nach dem Brexit-
Votum sollte sich die EZB davor hüten, ihre Geld-
politik noch expansiver zu gestalten. Denn, die Be-
lastungen des Niedrigzinses für die Altersvorsorge
sind für viele Bundesbürger kaum zu kompensie-
ren. Bei einer anhaltenden Erholung der Konjunk-
tur im Euroraum sollte sie vielmehr im Laufe des
nächsten Jahres den Ausstieg aus der ultra-locke-
ren Geldpolitik vorbereiten. Außerdem muss die
Bundesregierung ausloten, inwieweit Zulagen bei
der staatlich geförderten Riesterrente die Attrakti-
vität der privaten Altersvorsorge steigern und die
Belastungen der niedrigen Zinsen mildern können.
Methodik
Die Zahlen aus der Einkommens- und Verbraucher-
statistik 2013 wurden um statistisch unsichere
Werte bei den unteren Einkommensgruppen
bereinigt. Die Zahlen zum Sparen wurden von TNS-
Infratest im Auftrag vom BVR im April 2016 durch-
geführt. Die Zahlen zur Sparfähigkeit sind die Mit-
telwerte über alle Befragten je Einkommens-
gruppe, die Angaben zu ihrem Sparverhalten
machten.
Autor:
Jan Philip Weber
Mail: j.weber@bvr.de
Geldmenge
5
Kreditwachstum legt zu
Das Wachstum der Kredite an den Privaten Sektor
im Euroraum bleibt aufwärts gerichtet. Die kon-
junkturelle Belebung scheint mehr und mehr auf
die Kreditvergabe im Euroraum durchzuschlagen.
Der um Verkäufe und Verbriefungen bereinigte
Kreditbestand lag im Mai saisonbereinigt 1,0 %
höher als ein Jahr zuvor. Im Mai 2015 hatte die
Jahreswachstumsrate der Kreditbestände noch bei
0,3 % gelegen. Ein weiteres Jahr zuvor waren die
Kreditbestände noch um -1,8 % geschrumpft.
Unternehmenskredite wiesen im Mai ein um Ver-
briefungen und Verkäufe bereinigte Jahreswachs-
tumsrate in Höhe von 1,4 % aus. Im April 2016
hatte diese noch bei 1,2 % gelegen. Der absolute
Anstieg lag im Monatsvergleich bei 9 Mrd. Euro.
Die Jahreswachstumsrate der um Verkäufe und
Verbriefungen bereinigten Kredite an private
Haushalte lag im Mai derweil bei 1,6 %. Dies ent-
sprach einem Anstieg um 3 Mrd. Euro im Monats-
vergleich.
Geldmengenwachstum bei knapp 5 %
Die für die monetäre Analyse der EZB wichtige
Geldmenge M3 ist im Mai wieder stärker gewach-
sen als im Vormonat. Mit einer Jahreswachstums-
rate in Höhe von 4,9 % lag die Expansion von M3
0,3 Prozentpunkte über ihrer Vormonatswachs-
tumsrate. Die im Geldmengenaggregat M1 zusam-
mengefassten besonders liquiden Komponenten
blieben weiterhin der Haupt-treiber des Wachs-
tums. Allerdings trugen sie mit 5,4 Prozentpunkten
etwas weniger stark zum Gesamtwachstum bei als
im April. Die weniger liquiden Termin- und Sparein-
lagen lieferten zwar mit -0,7 Prozentpunkten einen
negativen Wachstumsbeitrag. Dieser belastete je-
doch weniger stark das Wachstum als im April.
Marktfähige Finanzinstrumente lieferten mit
0,2 Prozentpunkten einen leicht positiven Wachs-
tumsbeitrag.
-5,0
0,0
5,0
10,0
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2)
Termin- und Spareinlagen (M2-M1)
Bargeld und Sichteinlagen (M1)
M3 insgesamt
Kredite an Privatsektor
Beiträge zum M3-Wachstum
in Prozentpunkten, saisonbereinigt
Quelle: Thomson Reuters Datastream, BVR
Geldpolitik und Geldmarkt
6
Leitzins bleibt unverändert
Der Rat der EZB hat auf seiner geldpolitischen Sit-
zung vom 2. Juni in Wien den Leitzins nicht verän-
dert. Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz blieb da-
mit unverändert auf seinem Rekordtief von 0,0 %.
EZB-Präsident Mario Draghi gab bei der Pressekon-
ferenz im Anschluss zur Ratssitzung keine Signale
für eine Abkehr von der aktuell ultra-lockeren EZB-
Geldpolitik. Vielmehr betonte er, dass die Leitzin-
sen für den Euroraum noch lange, d. h. über die
Laufzeit des Wertpapierkaufprogramms hinweg,
niedrig bleiben werden. Die Zinsen könnten dabei
sogar auf ein noch niedrigeres Niveau gesenkt
werden, falls es das wirtschaftliche Umfeld erfor-
dern sollte. Nach wie vor sei die EZB bereit alle
verfügbaren Instrumente zu nutzen. Den aktuellen
Zins- und Wirtschaftsprognosen der EZB-Volks-
wirte zufolge dürfte die Inflation in diesem Jahr bei
0,2 % und im kommenden Jahr auf durchschnittlich
1,3 % steigen. Für 2018 erwartet die EZB eine Infla-
tionsrate in Höhe von 1,6 %. Das Wirtschaftswachs-
tum im Euroraum dürfte nach Einschätzung der
EZB in 2016 bei 1,4 % liegen. Für 2017 erwarten
die Notenbanker ein Wachstum von 1,7 %. Die ne-
gativen Wirkungen des Brexit auf die Konjunktur
sind hierbei noch leicht berücksichtigt.
Im Nachgang zur Sitzung des Rates kündigte der
EZB-Präsident noch den Beginn des Aufkaufes von
Unternehmensanleihen an. Die EZB kauft ab dem
8. Juni neben Staatspapieren auch Firmenanleihen.
Der EZB-Präsident ließ auf der Pressekonferenz
durchblicken, dass der monatliche Aufkauf von
Wertpapieren im Wert von insgesamt 80 Mrd. Euro
durchaus über März 2017 hinaus laufen könne,
wenn sich die Verbraucherpreise nicht zufrieden-
stellend an das Inflationsziel von rund 2 % annä-
hern sollten. Die EZB konkretisierte zudem, welche
Anleihen aufgekauft werden sollen. Unter ande-
rem werden Anleihen von Institutionen, die unter
die Bankenaufsicht fallen, kategorisch nicht ge-
Apr 16 Mai 16 Jun 16
BVR Zins-Tacho 47 47 48
Konjunktur (50 %) 55 55 56
Preise/Kosten (40 %) 37 37 38
Liquidität (10 %) 49 49 48
BVR Zins-Tacho
Der BVR Zins-Tacho ist ein Indikator für die Inflationsrisiken im Euroraum. Ein Anstieg des BVR Zins-Tachos zeigt steigende,
eine Abnahme sinkende Inflationsrisiken an. Eine detaillierte Beschreibung des BVR Zinstachos befindet sich im
BVR Volkswirtschaft special Nr. 13/2007
-0,50
0,00
0,50
1,00
1,50
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2,50
3,00
3,50
4,00
4,50
5,00
25
30
35
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45
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55
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65
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75
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BVR Zins-Tacho EZB-Leitzins in % (rechte Skala)
0
10
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70
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50
Geldpolitik und Geldmarkt
7
kauft. Anleihen von Unternehmen außerhalb des
Euroraums hingegen wird die EZB kaufen, solange
die emittierende Einheit innerhalb des Währungs-
raumes gemeldet ist.
Inflationsrisiken moderat
Der Preisdruck im Euroraum bleibt moderat. Das
zeigen die aktuellen Zahlen des BVR Zins-Tacho.
Das Barometer zur Messung des mittelfristigen
Inflationsrisikos verzeichnete im Monatsvergleich
einen leichten Anstieg um 1 Basispunkt. Ausschlag-
gebend war der Anstieg des Konjunktur- und
Preisindikators.
Geldmarktzinsen leicht rückläufig
Die Zinsen für Termingeschäfte haben im Juni
leicht nachgegeben. Der 3-Monats-Euribor ver-
zeichnete auf Monatssicht einen Rückgang in
Höhe von 2 Basispunkten auf -0,28 %. Der Zins
für Jahresgelder sank bis zum 27. Juni um 3 Basis-
punkte auf -0,05 %. Der Tagesgeldsatz lag im Mo-
natsschnitt mit -0,33 % ähnlich hoch wie im Mai.
Ausschlaggebend für den Rückgang der Zinsen
für Termingeschäfte dürfte die Entscheidung der
Briten für einen Austritt aus der EU gewesen sein.
Für viele ist damit die Wahrscheinlichkeit eines ex-
pansiveren geldpolitischen Pfades im Euroraum ge-
stiegen, da die EZB versuchen könnte, mit einer lo-
ckereren Geldpolitik die negativen Folgen der Unsi-
cherheiten im Zuge der Brexit-Verhandlungen für
den Euroraum abzufedern.
-0,5
0,0
0,5
M J J A S O N D J F M A M J
Wichtige Zinsen im Euroraum
Zinssätze in %
Spitzenrefinanzierungssatz
Tagesgeld(EONIA)
Hauptrefinanzierungssatz
Einlagenfazilität
-0,25
0,00
0,25
0,50
0,75
M J J A S O N D J F M A M J
Notenbankzinseninternational
in %
Japan**
USA*
Eurozone
*Die Federal Reserve hat seit 16.12.2008einen Zielbereich
von 0-0,25 % für die Federal Funds Target Rate festge-
setzt. **Die Bank of Japan hat seit 19.12.2008 ein Tages-
geld-Zielbereich von rund 0,1 % festgesetzt.
-0,5
0,0
0,5
1,0
M J J A S O N D J F M A M J
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Geld- und Kapitalmarkt
Zinssätze in %
Umlaufsrendite
EZB-Hauptrefinanzierungssatz
3-Monatsgeld
Rentenmarkt
8
Brexit dominiert Rentenmarkt
Die Volksabstimmung der Briten über den Verbleib
Großbritanniens in der EU hat den Rentenmarkt in
der vergangenen Woche weich gekocht. In den
ersten drei Juniwochen schwankte die Stimmung
der Investoren zwischen Zuversicht und Pessimis-
mus. Kurz vor dem britischen Votum zeigten
sich die Märkte überzeugt von einem Sieg des
Bremain-Lagers. Das Ergebnis erwischte die
Anleger jedoch auf dem falschen Fuß. Die
Überraschung war groß, als bekannt wurde, dass
rund 52 % der Wähler für einen Austritt des Insel-
staates gestimmt hatten. Die Stimmung an den
Rentenmärkten drehte sich daraufhin. Die Unsi-
cherheit kehrte an die Finanzmärkte zurück. Die
Renditen von Bundesanleihen sackten sichtbar ab.
Bis zum 28. Juni sank die Umlaufsrendite börsenno-
tierter Bundeswertpapiere um 30 Basispunkte auf
-0,23 %. Die Rendite von Bundesanleihen mit einer
Restlaufzeit von 10 Jahren sank um 25 Basispunkte
auf -0,11 % und lag damit auf einem Allzeittief.
Staatspapiere aus den USA mit einer Restlaufzeit
von 10 Jahren notierten sogar um 37 Basispunkte
niedriger bei 1,46 %. Die Unsicherheit dürfte in den
kommenden Wochen hoch bleiben. Unklar bleibt,
wann und wie die britische Regierung formal den
Austritt Großbritanniens der EU erklärt. Zwar hatte
der britische Premierminister am vergangenen Frei-
tag seinen Rücktritt angekündigt. Allerdings wird
wohl erst sein Nachfolger, der auf dem Parteitag
der Konservativen im Herbst gewählt werden soll,
die Austrittsverhandlungen mit der EU führen.
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
M J J A S O N D J F M A M J
Zinsstruktur am Rentenmarkt
SpreadBundesanleihen mit Restlaufzeiten 10/1 Jahr, in %
-1,0
0,0
1,0
2,0
3,0
M J J A S O N D J F M A M J
Bedeutende Benchmarkanleihen
Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit
USA
Deutschland
Japan
0,0
1,0
2,0
3,0
M J J A S O N D J F M A M J
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Ausgewählte Staatsanleihen desEuroraums
Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit
Spanien
Frankreich
Italien
Devisenmarkt
9
Brexit-Votum schwächt Pfund
Der Devisenmarkt stand im vergangenen Monat
ganz im Zeichen des Brexit und den geldpoliti-
schen Erwartungen in den USA. Die Finanzmärkte
wurden Ende Juni vom Ausgang des Referendums
in Großbritannien kalt erwischt. Die Mehrheit der
Händler und Analysten war im Vorfeld der briti-
schen Volksabstimmung von einem Verbleib
Großbritanniens in der EU ausgegangen. Alle gro-
ßen Buchmacher in London hatten einen Verbleib
Großbritanniens in der EU favorisiert. Umso deutli-
cher überraschte das Abstimmungsergebnis die Fi-
nanzmärkte am Morgen des 24. Juni. Das britische
Pfund verlor daraufhin vergleichsweise deutlich
gegenüber dem Euro. Innerhalb eines Tages stieg
der Euro-Pfund Kurs um 4 Pence auf 0,80 Pfund je
Euro. Die Unsicherheit wirkte sich zudem negativ
auf den Euro-Dollar Kurs aus. Neben Brexit-Schock
und Brexit-Debatte erhielt vor allem die US-
amerikanische Geldpolitik große Aufmerksamkeit.
Mitte Juni hatten viele Anleger nach einem schwa-
chen Arbeitsmarktbericht ihre geldpolitischen Er-
wartungen für die USA geändert. Eine Zinserhö-
hung erscheint vielen angesichts der schwachen
Signale vom Arbeitsmarkt und der Unsicherheiten
um Großbritannien als nicht mehr realistisch. Be-
kenntnisse Janet Yellens zu einem restriktiveren
geldpolitischen Kurs in den USA zeigten kaum Wir-
kung. Nach Meinung vieler Händler habe die Fed in
der Vergangenheit schon oft erwartete Zinserhö-
hungen verschoben. Der Euro-Dollar Kurs sank im
Vergleich zum Vormonatsultimo um 2 US-Cent auf
1,09 US-Dollar.
110
120
130
140
150
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
J J A S O N D J F M A M J
Euro-Wechselkurs (I)
AusländerwährungproEuro
US-Dollar
Japanischer Yen (rechte Skala)
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
J J A S O N D J F M A M J
Euro-Wechselkurs (II)
Auslandswährungpro Euro
Schweizer Franken
Britisches Pfund
85
90
95
100
M J J A S O N D J F M A M
Effektiver Wechselkurs desEuro*
in EUR, Quartal 1, 1999 = 100
*Nominale Wertentwicklungdes Eurogegenüber den 19
wichtigsten Handelspartnern des Euroraums. Eine Bewe-
gung nach oben entspricht einer Aufwertungdes Euro
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Aktienmarkt
10
Herbe Verluste nach Ja zum Brexit
Der DAX hat mit im Juni mit deutlichen Verlusten
auf die Entscheidung der Briten, aus der EU austre-
ten zu wollen, reagiert. Viele Investoren zeigten
sich überrascht vom Ausgang der Volksbefragung.
In den Tagen vor der Abstimmung hatte der DAX
noch deutlich Gewinne verzeichnen können. Stei-
gende Hoffnungen auf einen Verbleib Großbritan-
niens in der EU im Vorfeld der Wahl hatten für
gute Stimmung an den Aktienmärkten gesorgt
und den DAX nach oben getrieben. Nach Bekannt-
gabe des Wahlergebnisses vollzogen der DAX so-
wie andere Aktienmärkte dies- wie jenseits des
Kanals eine scharfe Kehrtwende. Viele Investoren
suchten daraufhin zu Lasten von Aktien ihr Heil in
besonders sicheren Anlageformen, wie z. B. Staats-
anleihen. Der deutsche Leitindex gab innerhalb
eines Tages seine Gewinne aus der Vorwoche
wieder ab und fiel deutlich unter die Marke von
10.000 Punkten. Auf Monatssicht verzeichnete der
DAX einen Rückgang um -7,9 % und notierte am
Dienstag, dem 28. Juni, bei 9.447 Punkten. Der
Dow Jones fiel im gleichen Zeitraum um 2,1 % auf
17.410 Punkte. Die Unsicherheit über die Art und
Weise, wie die Briten die EU verlassen werden und
die Zeit, die dieser Prozess in Anspruch nehmen
wird, dürften in den kommenden Wochen die Ak-
tienmärkte belasten. Vertreter der Mitgliedsländer
der EU forderten die britische Regierung auf, aus
ihrem klaren Wählerauftrag keine Hängepartie
werden zu lassen. Für Verunsicherung dürften zu-
dem die Fliehkräfte innerhalb Großbritanniens sor-
gen. So dürfte Schottland versuchen, Großbritan-
nien zu verlassen, um in der EU zu bleiben.
15.500
16.000
16.500
17.000
17.500
18.000
18.500
J J A S O N D J F M A M J
Aktienmarkt USA
Dow Jones, 40-/200-Tagesschnitt
Quelle: Thomson Reuters Datastream
2.600
2.800
3.000
3.200
3.400
3.600
3.800
4.000
J J A S O N D J F M A M J
Aktien im Euroraum
Euro-Stoxx 50, 40-/200-Tagesschnitt
8.000
9.000
10.000
11.000
12.000
13.000
J J A S O N D J F M A M J
Deutscher Aktienmarkt
Dax, 40-/200-Tagesschnitt
Eurokonjunktur
11
Wachstumsrate leicht aufwärtsrevidiert
Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben
zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Eu-
roraums für das erste Quartal veröffentlicht. Den
Angaben zufolge expandierte das preis- und sai-
sonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Wäh-
rungsraums gegenüber dem Vorquartal um deutli-
che 0,6 %. Die BIP-Wachstumsrate wurde somit
gegenüber dem Rechenstand von Mitte Mai um
0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Der wich-
tigster Motor des Wirtschaftswachstums waren
erneut die privaten und staatlichen Konsumausga-
ben, die um 0,6 % bzw. 0,4 % zulegten und insge-
samt mit 0,4 Prozentpunkten zum BIP-Anstieg bei-
trugen. Auch von den Anlageinvestitionen (+0,8 %)
gingen spürbare Wachstumsimpulse aus. Der Au-
ßenhandel hat den BIP-Anstieg jedoch leicht ver-
mindert. Die Exporten wurden zwar erneut ausge-
weitet (+0,4 %); die Importe (+0,7 %) legten je-
doch stärker zu.
Im Jahresdurchschnitt 2016 dürfte das BIP des
Währungsraums preisbereinigt um etwa 1,5 %
steigen. Allerdings bestehen weiterhin erhebliche
Risiken, die zu einem niedrigeren BIP-Anstieg füh-
ren könnten. Angesichts eines sich abzeichnenden
Brexits ist die Unsicherheit über die künftige Ent-
wicklung des Euroraums nach wie vor hoch. Zu-
dem besteht die Gefahr, dass das Wachstum in
China und anderen Schwellenländern erheblich
schwächer ausfällt als allgemein angenommen.
Wirtschaftsklimaindex erneut gestiegen
Die wirtschaftliche Stimmung hat sich im Euroraum
weiter verbessert. Der Wirtschaftsklimaindex klet-
terte im Mai um 0,7 Punkte auf einen Stand von
104,7 Punkten, nachdem er bereits im April zuge-
legt hatte. Maßgeblich für den Anstieg des Kon-
junkturindikators war eine Stimmungsaufhellung
unter den Verbrauchern sowie unter den Mana-
gern des Einzelhandels und des Baugewerbes.
1) Euroraum, in Punkten - Gewichtung: 40 % Industrievertrauen, 30 % Dienstleistungsvertrauen,
20 % Verbrauchervertrauen, 5 % Einzelhandelsvertrauen, 5 % Bauvertrauen
2) Saldo in Prozentpunkten (= Differenz aus positiven und negativen Antworten)
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Wirtschaftsklima im Euroraum
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Gesamt1 Dienstleister2 Verbraucher2 Einzelhandel2 Bau2Industrie2
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01/16
Eurokonjunktur
12
Industrieproduktion legt deutlich zu
Im April ist die Industrieproduktion des Euroraums
wieder auf ihren Wachstumspfad zurückgekehrt.
Der Ausstoß erhöhte sich gegenüber dem Vormo-
nat preis- und saisonbereinigt um 1,1 %. Zuvor,
Februar und März, war die Produktion noch mit
Verlaufsraten von -1,2 % und -0,7 % gesunken. In
den kommenden Monaten ist mit einem weiteren
Anstieg der Industrieproduktion zu rechnen. Dies
lässt zumindest der Order-Indikator erwarten, der
jüngst von -12,5 Punkten im April auf -11,5 Punkte
im Mai gestiegen ist.
Inflationsrate knapp unter 0 %
Die Inflationsrate des Euroraums, basierend auf
dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI),
ist von -0,2 % im April auf -0,1 % im Mai gestiegen.
Dabei standen etwas stärker steigende Dienstleis-
tungspreise einem geringeren Preisrückgang bei
Energie gegenüber. Ohne Berücksichtigung der
Energiepreise lag die Inflationsrate bei 0,8 %. In
den kommenden Monaten ist angesichts des sich
abzeichnenden Auslaufens der dämpfenden Wir-
kung der Ölpreise mit einem weiteren Anstieg der
Inflationsraten zu rechnen.
Arbeitslosenquote weiterhin hoch
Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Eu-
roraums befindet sich, trotz eines deutlich sichtba-
ren Abwärtstrends, nach wie vor auf einem ver-
gleichsweise hohen Niveau. Im Mai ist sie im Vor-
monatsvergleich unverändert bei 10,2 % geblieben.
10,0
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12,0
13,0
01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Arbeitslosenquote
Euroraum, in %, saisonbereinigt
Quelle: Thomson Reuters Datastream
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Verbraucher- undErzeugerpreise
Euroraum, in % gg. Vorjahr
Kerninflation*
Erzeugerpreise (rechte Skala)
Verbraucherpreise
*ohne Energie undunbearbeitete Lebensmittel
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Aufträge und Produktion
Euroraum, 2010=100, saisonbereinigt
Produktion
Aufträge*
*rechte Skala, Order-Indikator der EU-Kommission,
Saldenwerte
Deutsche Konjunktur
13
Konjunkturforscher vermindern Prognosewerte
leicht
In den zurückliegenden Wochen haben viele Wirt-
schaftsforschungsinstitute ihre neuen Konjunktur-
prognosen veröffentlicht. Die Wachstumseinschät-
zungen für Deutschland im Jahr 2016 wurden da-
bei tendenziell gegenüber den Prognosen vom
Jahresende 2015 etwas zurückgenommen. So hat
beispielsweise das Rheinisch-Westfälische Institut
für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen seinen
Prognosewert zum Anstieg des preisbereinigten
Bruttoinlandsprodukts (BIP) Deutschlands von
1,8 % im Dezember auf aktuell 1,4 % vermindert.
Als Grund für die Abwärtsrevision werden von
den RWI-Experten ungünstigere Erwartungen be-
züglich des Verlaufs der heimischen Ausfuhren ge-
nannt. Das RWI befindet sich mit seiner Einschät-
zung allerdings eher am unteren Rand des aktuel-
len Prognosespektrums. Deutlich optimistischer
sind die Fachleute des Kieler Instituts für Weltwirt-
schaft (IfW), die in ihrer aktuellen Sommerprog-
nose mit einem BIP-Zuwachs von 1,9 % rechnen.
Als größte Risiken für die konjunkturelle Entwick-
lung werden von den Forschern vielfach die
schwer abschätzbaren Folgen eines möglichen EU-
Austritts von Großbritannien sowie eine mögliche
„harte“ Landung der chinesischen Wirtschaft gese-
hen. Sollte sich diese Risiken manifestieren, würde
das Wirtschaftswachstum Deutschlands über den
Außenhandels- und Investitionskanal merklich ge-
dämpft werden. Der BVR wird Ende Juli im Rah-
men des „Volkswirtschaft special“ eine neue Kon-
junkturprognose vorlegen.
Industrieproduktion tendiert nach oben
Die deutsche Industrie konnte im April erfolgreich
an die günstige Entwicklung vom ersten Quartal
anknüpfen. Nach vorläufigen amtlichen Angaben
ist die Industrieproduktion gegenüber dem Vor-
HWWI
IWH; SVR
RWI
OECD
Bbk; DIW
RWI
IfW
HWWI
1,0
1,5
2,0
2,5
Mrz 16 Apr 16 Mai 16 Jun 16
Quelle: BVR
OECDKOM
IMF; IW
BVR; GD
ifo; IWH
DIW
IfW
REG
Bbk - Deutsche Bundesbank
DIW - Deutsches Institut für
Wirtschaftsforschung, Berlin
GD - Gemeinschaftsdiagnose
(Frühjahrs- bzw. Herbstprognose)
HWWI - Hamburger WeltWirtschaftsInstitut
ifo - Institut für Wirtschaftsforschung,
München
IfW - Institut für Weltwirtschaft, Kiel
IMF - Internationaler Währungsfonds
IMK - Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung
IW - Institut der deutschen Wirtschaft, Köln
IWH - Institut für Wirtschaftsforschung, Halle
KOM - Europäische Kommission
OECD - Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
REG - Bundesregierung
RWI - Rheinisch-Westfälisches Institut für
Wirtschaftsforschung, Essen
SVR - Sachverständigenrat
Konjunktur 2016 - Prognosen für Deutschland
Jahreswachstumsratedes BIP in %, preisbereinigt
Deutsche Konjunktur
14
monat preis-, kalender- und saisonbereinigt um
1,1 % gestiegen. Damit konnte der Rückgang vom
März (-1,0 %) mehr als ausgeglichen werden. Auch
im Baugewerbe ist die Produktion von der Ten-
denz her weiterhin aufwärtsgerichtet, was jüngst
aber durch witterungsbedingte Verschiebungen
verdeckt wurde. So hatte die Bauproduktion, be-
fördert durch die milde Witterung, bereits im Jah-
resauftaktquartal merklich zugelegt. Im April ist
sie hingegen um 1,7 % gesunken. Für die nächsten
Monate lässt der industrielle Auftragseingang ei-
nen weiteren Anstieg der Industrieproduktion er-
warten. Der Auftragseingang ist im April zwar mit
einer Verlaufsrate von 2,0 % gesunken. Zuvor, im
März, war er jedoch (aufwärts revidiert) um kräf-
tige 2,6 % gestiegen und auch im Zweimonatsver-
gleich Januar/Februar gegenüber März/April kam
es zu mehr Bestellungen (+1,2 %). Maßgeblich
für den Orderrückgang vom April waren alleine
die Aufträge aus den Staaten außerhalb des Eu-
roraums, die um deutliche -4,3 % nachgaben. Die
Nachfrage aus den Euroländern und dem Inland
nahm hingegen zu (+2,5 % bzw. +1,3 %). Dass die
Nachfrage aus den Partnerländern des Euroraums
allmählich an Fahrt aufnimmt signalisieren auch
die jüngsten Daten der Außenhandelsstatistik.
Demnach sind die Ausfuhren in die Partnerländer
des Währungsraums im April gegenüber dem Vor-
jahresmonat stärker gestiegen als die Gesamtaus-
fuhren (+5,8 % gegenüber +3,8 %). Alles in allem
wurden von der deutschen Wirtschaft im April
Waren im Wert von 104,3 Mrd. Euro exportiert
und Waren im Wert von 78,7 Mrd. Euro importiert.
Im Vergleich zum März blieben die Ausfuhren in
kalender- und saisonbereinigter Rechnung unver-
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Außenhandel
in Mrd. Euro, saisonbereinigt
Ausfuhren
Einfuhren
Quelle: Thomson Reuters Datastream
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Produktion
2010=100, preis-und saisonbereinigt
Baugewerbe
Industrie
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Aufträge
2010=100, preis-und saisonbereinigt
Aufträge aus dem Inland
Aufträge aus dem Ausland
Deutsche Konjunktur
15
ändert (0,0 %), während die Einfuhren geringfügig
sanken (-0,2 %).
Geschäftsklimaindex legt erneut zu
Im Juni hat sich die wirtschaftliche Stimmung in
der deutschen Wirtschaft verbessert, trotz der Un-
sicherheiten über das Brexit-Votum in Großbritan-
niens und den Folgen eines Austritts Großbritanni-
ens für die deutsche Wirtschaft. Die Umfrage war
vor dem Referendum zum Euro-Austritt durchge-
führt worden. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg
von 107,8 Zählern auf 108,7 Punkte. Das war der
zweite Anstieg in Folge. Für ifo-Präsident Clemens
Fuest zeigten die Zahlen deutlich, dass der Auf-
schwung in Deutschland intakt sei. Sowohl die
künftige Entwicklung als auch die aktuelle Lage
beurteilten die Unternehmen positiver als zuvor.
Bei einem Austritt der Briten aus der EU fürchtet
jedoch etwas mehr als ein Drittel der befragten
Industriefirmen Nachteile für das eigene Geschäft.
Die durch das Brexit-Votum gestiegene Unsicher-
heit dürfte sich in den kommenden allerdings
dämpfend auf das Geschäftsklima auswirken.
Inflationsrate legt minimal zu
Die Inflationsrate Deutschlands, gemessen am
Verbraucherpreiseindex (VPI), ist im Mai gegen-
über April von -0,1 % auf 0,1 % gestiegen. Zum
leichten Anstieg der Gesamtrate trugen in erster
Linie die Dienstleistungspreise bei, die sich im Mai
etwas stärker verteuerten als zuvor (+1,2 % ge-
genüber +0,8 %). Darüber hinaus fiel der Rück-
gang der Energiepreise im Zuge der jüngsten
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Verbraucher
Unternehmen
Insolvenzen
Monatliche Fallzahlen
Quelle: Thomson Reuters Datastream
-10
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-4
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0
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-1
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1
2
3
4
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Verbraucherpreise
Kerninflation*
Erzeugerpreise (rechte Skala)
Verbraucher- undErzeugerpreise
gg. Vorjahr in %
*ohne Energie undLebensmittel
95
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-20
0
20
40
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01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Wirtschaftliche Einschätzung
Saldenwerte, saisonbereinigt
ZEW-Konjunkturerwartungen
ifo Geschäfts-
klimaindex*
*rechte Skala, 2010=100
Deutsche Konjunktur
16
Ölpreis-Erholung weniger deutlich aus als noch im
April (-7,9 % gegenüber -8,5 %). Wie das Statisti-
sche Bundesamt mitteilte, lag der Erzeugerpreisin-
dex im Mai um gegenüber dem Vorjahr um 2,7 %
niedriger. Die im Vorjahresvergleich deutlich nied-
rigeren Energiepreise sind der Hauptgrund für die
rückläufigen Preise der Erzeuger.
Weniger Insolvenzen
Angesichts des nach wie vor günstigen konjunktu-
rellen und strukturellen Umfelds hat sich das Insol-
venzgeschehen in Deutschland zu Jahresbeginn
weiter entspannt. Die Anzahl der Unternehmen-
sinsolvenzen ist im ersten Quartal gegenüber dem
Vorjahr um 4,9 % zurückgegangen; die Zahl der
Verbraucherinsolvenzen nahm sogar um 6,0 % ab.
Auch bei Summe der voraussichtlichen Gläubiger-
forderungen aus Unternehmensinsolvenzen war
ein Rückgang zu verzeichnen. Die Gläubigerforde-
rungen sind nach offiziellen Schätzungen binnen
Jahresfrist von 4,9 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro ge-
sunken.
Solide Arbeitsmarktentwicklung hält an
Am deutschen Arbeitsmarkt haben sich zuletzt
die günstigen Trends fortgesetzt. Vor dem Hinter-
grund der Frühjahrsbelebung und der guten Kon-
junktur ist die Arbeitslosenzahl weiter zurückge-
gangen, während die Erwerbstätigkeit abermals
zulegte. So ist die Anzahl der bei der Bundesagen-
tur für Arbeit (BA) registrierten Arbeitslosen im
Mai gegenüber dem Vormonat um 80.000 auf
2,664 Mio. Menschen gesunken. In saisonbereinig-
ter Rechnung war ein Rückgang um 11.000 Perso-
nen zu verzeichnen. Die saisonbereinigte Arbeits-
losenquote gab von 6,2 % im April auf 6,1 % im
Mai nach. Nach jüngsten Angaben des Statisti-
schen Bundesamtes ist die Erwerbstätigenzahl im
April gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt
um 41.000 gestiegen. Im Vorjahresvergleich klet-
terte sie um deutliche 544.000 auf 43,36 Mio.,
wozu erneut vor allem ein merklicher Aufbau
der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung
beigetragen haben dürfte. Gemäß der aktuellen
BA-Hochrechnung hat sich die Beschäftigtenzahl
zuletzt, im März, gegenüber dem Vorjahr um
681.000 auf 31,27 Mio. Menschen erhöht. Für
die nächsten Monate lässt die hohe Arbeitskräfte-
nachfrage einen weiteren Anstieg der Erwerbstä-
tigenzahl erwarten. Im Mai waren bei der BA
655.000 offene Arbeitsstellen gemeldet und da-
mit 98.000 mehr als im Vorjahresmonat.
42.000
42.500
43.000
43.500
44.000
6,0
6,5
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7,5
01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
Arbeitslosenquote undErwerbstätige
in %, saisonbereinigt
Arbeitslosenquote
Erwerbstätige*
*rechte Skala, in Tsd.
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BVR Volkswirtschaft Special: Sparer mit niedrigen Einkommen leiden besonders unter Niedrigzins

  • 1. Meinungen, Analysen, Fakten Nr. 7 / 29.06.2016 Volkswirtschaft special Meinungen, Analysen, Fakten Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · BVR · Volkswirtschaft/Mittelstandspolitik Verantwortlich: Dr. Andreas Bley · Schellingstraße 4 · 10785 Berlin · Telefon: (030) 20 21 – 15 00 Telefax (030) 20 21 – 1904 · Internet: http://www.bvr.de · volkswirtschaft@bvr.de Sparer mit niedrigeren Einkommen leiden besonders unter Niedrigzins - Das historisch niedrige Zinsniveau belastet die Sparpläne der Bundesbürger aus der unteren Einkommenshälfte besonders schwer. Das Finanzvermögen der Bundesbürger mit unterdurch- schnittlichen Einkommen beschränkt sich in erster Linie auf sichere aber niedrig verzinste Anla- geklassen. Sie sind daher in besonderer Weise die Leidtragenden des niedrigen Zinsniveaus. Die jüngsten Zahlen der Einkommens- und Verbraucherstichprobe des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Bürger mit höherem Nettoeinkommen ihr Finanzportfolio zu größeren Anteilen mit risikoreicheren und damit in der Regel renditestärkeren Anlageklassen bestücken. - Viele Bundesbürger mit einem geringen monatlichen Nettoeinkommen verfügen zudem über wenig Spielraum beim aktiven Sparen. Allein aus finanziellen Gründen sind sie meist nicht in der Lage, einer stärker auf den Wertpapiererwerb ausgerichteten Anlagestrategie zu folgen. Im Schnitt sparen nach einer repräsentativen Umfrage von TNS-Infratest im Auftrag des BVR vom April 2016 rund 40 % der Bundesbürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 2.000 Euro nicht mehr als 50 Euro im Monat. Davon wird meist nur ein Teil für die Altersvor- sorge genutzt, da auch noch andere Sparmotive, wie etwa größere Anschaffungen, von diesem Betrag bedient werden müssen. - Insbesondere Haushalte aus der unteren Einkommenshälfte könnten sich angesichts der niedri- gen Verzinsung ihrer Sparbeträge dazu entscheiden, weniger oder gar nicht mehr für das Alter vorzusorgen. Das gefährdet die finanzielle Absicherung vieler Haushalte im Alter zusätzlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte daher ihre geldpolitische Ausrichtung überdenken. Bei ei- ner anhaltenden Erholung der Konjunktur im Euroraum sollte sie im Laufe des kommenden Jah- res den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik vorbereiten. Außerdem muss die Bundesre- gierung ausloten, inwieweit Zulagen bei der staatlich geförderten Riesterrente die Attraktivität der privaten Altersvorsorge steigern und die Belastungen der niedrigen Zinsen kompensieren können.
  • 2. Meinung 2 Niedrigzins belastet Sparpläne Das allgemeine Zinsniveau hat sich seit 2008 deut- lich verringert. Die historisch expansive Geldpolitik der EZB sowie stetig wiederkehrende politische und wirtschaftliche Unsicherheiten drückten dabei die Zinsen. Seit Anfang dieses Jahres notieren die Zinsen am europäischen Geldmarkt geschlossen im negativen Bereich. Die Kapitalmarktzinsen fielen ebenfalls in den vergangenen Jahren auf immer neue historische Tiefstände. Im Zuge des Brexit- Votums der Briten vom 23. Juni dieses Jahres fiel sogar die Rendite von Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren unter die Marke von 0 %. Das historisch niedrige Zinsniveau belastet die Sparpläne der Bundesbürger. Diese Belastungen werden wohl in den kommenden Jahren noch zu- nehmen. So dürfte die Inflation bis Ende 2017 stär- ker steigen als das allgemeine Zinsniveau. Die reale Verzinsung konservativ ausgerichteter Sparpläne wird dadurch weiter zurückgehen und künftig aller Voraussicht nach im negativen Bereich liegen. Die Belastungen für die private Altersvorsorge werden dadurch noch einmal zunehmen. Untere Einkommensgruppen leiden aktuell beson- ders unter der niedrigen Verzinsung. Deren Finanz- vermögen bestehen im Schnitt zum Großteil aus niedrig verzinste Bankeinlagen und Versicherun- gen. Höher rentierende Wertpapiere sind hingegen weniger stark vertreten. Das bestätigen auch die Zahlen der Einkommens- und Verbraucherstich- probe 2013. Hingegen zeigt sich bei höheren Ein- kommensgruppen eine homogenere Verteilung der Anlageklassen über das Finanzvermögen. Wie Abbildung 1 zeigt, nimmt der Anteil an risikorei- cheren Anlageklassen mit gleichzeitig höheren Renditeversprechen, wie z. B. Aktien und Aktien- fonds, mit dem monatlichen Nettoeinkommen deutlich zu. Während das Wertpapiervermögen bei Bundesbürgern mit einem Monatsverdienst von weniger als 1.500 Euro bei rund 16 % liegt, hält die höchste Einkommensgruppe 36 % ihres Finanzvermögens in Wertpapieren. 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % <900 900-1300 1300-1500 1500-2000 200-2600 2600-3600 3600-5000 5000-18000 Einlagen Versicherungen Sonstiges Wertpapiere Quelle: BVR, EVS 2013 Einlagen dominieren in unteren EInkommensgruppen Anteil der Anlageklasse an gesamtemGeldvermögen je Einkommensgruppe Abb. 1 0 150 300 450 600 750 KeinEink. <1000€ 1000-2000€ 2000-3000€ 3000-4000€ >4000€ Quelle: BVR, TNS-Infratest Sparfähigkeit steigt mit Einkommen Monatliche Sparfähigkeit in Euro, Nettomonatsein- kommen, April 2016 Abb. 2
  • 3. Meinung 3 Spielräume beim Sparen sinken mit Einkommen Aus europäischen Notenbankkreisen war in den vergangenen Monaten immer wieder zu hören, dass deutsche Sparer verstärkt andere Anlageklas- sen mit höheren Renditen nutzen sollten, wenn sie die Belastungen der Niedrigzinsphase mildern woll- ten. Eine Alternative wären dabei vor allem Aktien, Investmentfonds und andere Anteilsrechte. Einige private Haushalte haben dies bereits in den vergan- genen zwei Jahren beherzigt und haben risikorei- chere Anlageklassen mit höherer Rendite nachge- fragt. Das zeigen auch die aggregierten Zahlen zur Geldvermögensbildung der privaten Haushalte der Deutschen Bundesbank, die am aktuellen Rand auf eine gestiegene Nachfrage nach Aktien und Invest- mentfonds hindeuten. Vermögensumschichtungen auf der Suche nach höheren Renditen sind durchaus ein mögliche Stra- tegie, um die negativen Effekte des Niedrigzinses zu dämpfen. Voraussetzung ist dabei, dass sie die Rendite des privaten Finanzvermögens auch nach- haltig erhöhen. Allerdings können viele Bundesbür- ger nicht auf eine wertpapierbasierende Anlage- strategie ausweichen, da ihnen die nötige Sparfä- higkeit fehlt (Abb. 2). Bezieher höherer Einkommen sind besser in der Lage, monatlich deutlich mehr zu sparen als Bezie- her niedrigerer Einkommen. So sparen im Durch- schnitt rund 40 % der Bundesbürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 2.000 Euro nicht mehr als 50 Euro im Monat. Hingegen liegt dieser Anteil bei Spitzenverdienern mit mehr als 4.000 Euro Nettoeinkommen bei rund 1 % (Abb. 3). Die Zahlen lassen erahnen, dass es vielen Bundesbürgern angesichts begrenzter Spielräume bereits jetzt kaum möglich sein dürfte, angesichts der sinkenden Sparerträge mehr zu sparen oder ihre Anlagestrategie zu ändern. Es kommt erschwerend hinzu, dass neben dem Al- tersvorsorgesparen auch noch andere Sparmotive bedient werden müssen, wie z. B. das Sparen für besondere Anschaffungen. Vor diesem Hinter- 0 20 40 60 80 100 KeinEink. <1000€ 1000-2000€ 2000-3000€ 3000-4000€ >4000€ 0 bis 50 Euro 50 bis unter 250 Euro 250 bis unter 500 Euro 500 bis unter 750 Euro Mehr als 750 Euro keine Angabe Quelle: BVR, TNS-Infratest Sparbeträge unterer Einkommensgruppen niedrig Anteil der Sparerkohorte an Grundgesamtheit der Einkommensgruppe in % Abb. 3 0 € 10.000 € 20.000 € 30.000 € 40.000 € 50.000 € 60.000 € 1 50 2 % 0,5 % 0 % Quelle: BVR Zinseszinseffekt in der langen Frist Jahresanspasummevon 600 Euro, Nominalzins Abb. 4 25
  • 4. Meinung 4 grund wird bei Geringverdienern meist nur ein Teil der bereits geringen Sparbeträge für die Altersvor- sorge verwendet. Der monatliche Sparbetrag für die Altersvorsorge fällt also meist noch niedriger aus. Bei einem Sparbetrag von 50 Euro im Monat dürften letztendlich maximal 20 Euro übrig blei- ben. Untere Einkommen Verlierer des Niedrigzinses Die historisch niedrigen Zinsen fressen sich von Jahr zu Jahr tiefer in die privaten Sparpläne der Bundes- bürger. Der in Abbildung 4 dargestellte Zinseszins- effekt veranschaulicht den dämpfenden Effekt niedriger Zinsen auf die Sparsumme. Bundesbürger mit wenig Spielraum bei der privaten Vermögens- bildung trifft dieser Effekt besonders hart, da sie kaum reagieren können. Hier trägt das Risiko be- sonders, dass das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der eigenen Sparpläne verloren geht. Dies gilt be- sonders, wenn der um den Kaufkraftverlust berei- nigte Realzins, wie zu erwarten, bis Ende 2017 ab- nimmt. Insbesondere Haushalte aus der unteren Einkom- menshälfte könnten sich dazu entscheiden, noch weniger oder gar nicht mehr für das Alter vorzu- sorgen. Das gefährdet die finanzielle Absicherung dieser Haushalte im Alter zusätzlich. Denn, nach den Vorgaben der Riester-Reform wird die gesetz- liche Rente im Vergleich zur Einkommensentwick- lung im Zuge des demographischen Wandels zu- rückgehen. Gleichzeitig dürfte es Haushalten aus der unteren Einkommenshälfte schwer fallen, die Vorteile niedriger Zinsen bei der fremdfinanzierten Bildung von Vermögen, wie im Fall von Immobilien, angesichts ihrer geringen Bonität wahrzunehmen. Die Geldpolitik in Europa sollte die schädlichen Wir- kungen der Niedrigzinsen auf die private Altersvor- sorge bei ihren Entscheidungen nicht ignorieren. Trotz der erhöhten Unsicherheit nach dem Brexit- Votum sollte sich die EZB davor hüten, ihre Geld- politik noch expansiver zu gestalten. Denn, die Be- lastungen des Niedrigzinses für die Altersvorsorge sind für viele Bundesbürger kaum zu kompensie- ren. Bei einer anhaltenden Erholung der Konjunk- tur im Euroraum sollte sie vielmehr im Laufe des nächsten Jahres den Ausstieg aus der ultra-locke- ren Geldpolitik vorbereiten. Außerdem muss die Bundesregierung ausloten, inwieweit Zulagen bei der staatlich geförderten Riesterrente die Attrakti- vität der privaten Altersvorsorge steigern und die Belastungen der niedrigen Zinsen mildern können. Methodik Die Zahlen aus der Einkommens- und Verbraucher- statistik 2013 wurden um statistisch unsichere Werte bei den unteren Einkommensgruppen bereinigt. Die Zahlen zum Sparen wurden von TNS- Infratest im Auftrag vom BVR im April 2016 durch- geführt. Die Zahlen zur Sparfähigkeit sind die Mit- telwerte über alle Befragten je Einkommens- gruppe, die Angaben zu ihrem Sparverhalten machten. Autor: Jan Philip Weber Mail: j.weber@bvr.de
  • 5. Geldmenge 5 Kreditwachstum legt zu Das Wachstum der Kredite an den Privaten Sektor im Euroraum bleibt aufwärts gerichtet. Die kon- junkturelle Belebung scheint mehr und mehr auf die Kreditvergabe im Euroraum durchzuschlagen. Der um Verkäufe und Verbriefungen bereinigte Kreditbestand lag im Mai saisonbereinigt 1,0 % höher als ein Jahr zuvor. Im Mai 2015 hatte die Jahreswachstumsrate der Kreditbestände noch bei 0,3 % gelegen. Ein weiteres Jahr zuvor waren die Kreditbestände noch um -1,8 % geschrumpft. Unternehmenskredite wiesen im Mai ein um Ver- briefungen und Verkäufe bereinigte Jahreswachs- tumsrate in Höhe von 1,4 % aus. Im April 2016 hatte diese noch bei 1,2 % gelegen. Der absolute Anstieg lag im Monatsvergleich bei 9 Mrd. Euro. Die Jahreswachstumsrate der um Verkäufe und Verbriefungen bereinigten Kredite an private Haushalte lag im Mai derweil bei 1,6 %. Dies ent- sprach einem Anstieg um 3 Mrd. Euro im Monats- vergleich. Geldmengenwachstum bei knapp 5 % Die für die monetäre Analyse der EZB wichtige Geldmenge M3 ist im Mai wieder stärker gewach- sen als im Vormonat. Mit einer Jahreswachstums- rate in Höhe von 4,9 % lag die Expansion von M3 0,3 Prozentpunkte über ihrer Vormonatswachs- tumsrate. Die im Geldmengenaggregat M1 zusam- mengefassten besonders liquiden Komponenten blieben weiterhin der Haupt-treiber des Wachs- tums. Allerdings trugen sie mit 5,4 Prozentpunkten etwas weniger stark zum Gesamtwachstum bei als im April. Die weniger liquiden Termin- und Sparein- lagen lieferten zwar mit -0,7 Prozentpunkten einen negativen Wachstumsbeitrag. Dieser belastete je- doch weniger stark das Wachstum als im April. Marktfähige Finanzinstrumente lieferten mit 0,2 Prozentpunkten einen leicht positiven Wachs- tumsbeitrag. -5,0 0,0 5,0 10,0 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2) Termin- und Spareinlagen (M2-M1) Bargeld und Sichteinlagen (M1) M3 insgesamt Kredite an Privatsektor Beiträge zum M3-Wachstum in Prozentpunkten, saisonbereinigt Quelle: Thomson Reuters Datastream, BVR
  • 6. Geldpolitik und Geldmarkt 6 Leitzins bleibt unverändert Der Rat der EZB hat auf seiner geldpolitischen Sit- zung vom 2. Juni in Wien den Leitzins nicht verän- dert. Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz blieb da- mit unverändert auf seinem Rekordtief von 0,0 %. EZB-Präsident Mario Draghi gab bei der Pressekon- ferenz im Anschluss zur Ratssitzung keine Signale für eine Abkehr von der aktuell ultra-lockeren EZB- Geldpolitik. Vielmehr betonte er, dass die Leitzin- sen für den Euroraum noch lange, d. h. über die Laufzeit des Wertpapierkaufprogramms hinweg, niedrig bleiben werden. Die Zinsen könnten dabei sogar auf ein noch niedrigeres Niveau gesenkt werden, falls es das wirtschaftliche Umfeld erfor- dern sollte. Nach wie vor sei die EZB bereit alle verfügbaren Instrumente zu nutzen. Den aktuellen Zins- und Wirtschaftsprognosen der EZB-Volks- wirte zufolge dürfte die Inflation in diesem Jahr bei 0,2 % und im kommenden Jahr auf durchschnittlich 1,3 % steigen. Für 2018 erwartet die EZB eine Infla- tionsrate in Höhe von 1,6 %. Das Wirtschaftswachs- tum im Euroraum dürfte nach Einschätzung der EZB in 2016 bei 1,4 % liegen. Für 2017 erwarten die Notenbanker ein Wachstum von 1,7 %. Die ne- gativen Wirkungen des Brexit auf die Konjunktur sind hierbei noch leicht berücksichtigt. Im Nachgang zur Sitzung des Rates kündigte der EZB-Präsident noch den Beginn des Aufkaufes von Unternehmensanleihen an. Die EZB kauft ab dem 8. Juni neben Staatspapieren auch Firmenanleihen. Der EZB-Präsident ließ auf der Pressekonferenz durchblicken, dass der monatliche Aufkauf von Wertpapieren im Wert von insgesamt 80 Mrd. Euro durchaus über März 2017 hinaus laufen könne, wenn sich die Verbraucherpreise nicht zufrieden- stellend an das Inflationsziel von rund 2 % annä- hern sollten. Die EZB konkretisierte zudem, welche Anleihen aufgekauft werden sollen. Unter ande- rem werden Anleihen von Institutionen, die unter die Bankenaufsicht fallen, kategorisch nicht ge- Apr 16 Mai 16 Jun 16 BVR Zins-Tacho 47 47 48 Konjunktur (50 %) 55 55 56 Preise/Kosten (40 %) 37 37 38 Liquidität (10 %) 49 49 48 BVR Zins-Tacho Der BVR Zins-Tacho ist ein Indikator für die Inflationsrisiken im Euroraum. Ein Anstieg des BVR Zins-Tachos zeigt steigende, eine Abnahme sinkende Inflationsrisiken an. Eine detaillierte Beschreibung des BVR Zinstachos befindet sich im BVR Volkswirtschaft special Nr. 13/2007 -0,50 0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 3,50 4,00 4,50 5,00 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 99 01 03 05 07 09 11 13 15 BVR Zins-Tacho EZB-Leitzins in % (rechte Skala) 0 10 20 30 40 60 70 80 90 100 50
  • 7. Geldpolitik und Geldmarkt 7 kauft. Anleihen von Unternehmen außerhalb des Euroraums hingegen wird die EZB kaufen, solange die emittierende Einheit innerhalb des Währungs- raumes gemeldet ist. Inflationsrisiken moderat Der Preisdruck im Euroraum bleibt moderat. Das zeigen die aktuellen Zahlen des BVR Zins-Tacho. Das Barometer zur Messung des mittelfristigen Inflationsrisikos verzeichnete im Monatsvergleich einen leichten Anstieg um 1 Basispunkt. Ausschlag- gebend war der Anstieg des Konjunktur- und Preisindikators. Geldmarktzinsen leicht rückläufig Die Zinsen für Termingeschäfte haben im Juni leicht nachgegeben. Der 3-Monats-Euribor ver- zeichnete auf Monatssicht einen Rückgang in Höhe von 2 Basispunkten auf -0,28 %. Der Zins für Jahresgelder sank bis zum 27. Juni um 3 Basis- punkte auf -0,05 %. Der Tagesgeldsatz lag im Mo- natsschnitt mit -0,33 % ähnlich hoch wie im Mai. Ausschlaggebend für den Rückgang der Zinsen für Termingeschäfte dürfte die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU gewesen sein. Für viele ist damit die Wahrscheinlichkeit eines ex- pansiveren geldpolitischen Pfades im Euroraum ge- stiegen, da die EZB versuchen könnte, mit einer lo- ckereren Geldpolitik die negativen Folgen der Unsi- cherheiten im Zuge der Brexit-Verhandlungen für den Euroraum abzufedern. -0,5 0,0 0,5 M J J A S O N D J F M A M J Wichtige Zinsen im Euroraum Zinssätze in % Spitzenrefinanzierungssatz Tagesgeld(EONIA) Hauptrefinanzierungssatz Einlagenfazilität -0,25 0,00 0,25 0,50 0,75 M J J A S O N D J F M A M J Notenbankzinseninternational in % Japan** USA* Eurozone *Die Federal Reserve hat seit 16.12.2008einen Zielbereich von 0-0,25 % für die Federal Funds Target Rate festge- setzt. **Die Bank of Japan hat seit 19.12.2008 ein Tages- geld-Zielbereich von rund 0,1 % festgesetzt. -0,5 0,0 0,5 1,0 M J J A S O N D J F M A M J Quelle: Thomson Reuters Datastream Geld- und Kapitalmarkt Zinssätze in % Umlaufsrendite EZB-Hauptrefinanzierungssatz 3-Monatsgeld
  • 8. Rentenmarkt 8 Brexit dominiert Rentenmarkt Die Volksabstimmung der Briten über den Verbleib Großbritanniens in der EU hat den Rentenmarkt in der vergangenen Woche weich gekocht. In den ersten drei Juniwochen schwankte die Stimmung der Investoren zwischen Zuversicht und Pessimis- mus. Kurz vor dem britischen Votum zeigten sich die Märkte überzeugt von einem Sieg des Bremain-Lagers. Das Ergebnis erwischte die Anleger jedoch auf dem falschen Fuß. Die Überraschung war groß, als bekannt wurde, dass rund 52 % der Wähler für einen Austritt des Insel- staates gestimmt hatten. Die Stimmung an den Rentenmärkten drehte sich daraufhin. Die Unsi- cherheit kehrte an die Finanzmärkte zurück. Die Renditen von Bundesanleihen sackten sichtbar ab. Bis zum 28. Juni sank die Umlaufsrendite börsenno- tierter Bundeswertpapiere um 30 Basispunkte auf -0,23 %. Die Rendite von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren sank um 25 Basispunkte auf -0,11 % und lag damit auf einem Allzeittief. Staatspapiere aus den USA mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren notierten sogar um 37 Basispunkte niedriger bei 1,46 %. Die Unsicherheit dürfte in den kommenden Wochen hoch bleiben. Unklar bleibt, wann und wie die britische Regierung formal den Austritt Großbritanniens der EU erklärt. Zwar hatte der britische Premierminister am vergangenen Frei- tag seinen Rücktritt angekündigt. Allerdings wird wohl erst sein Nachfolger, der auf dem Parteitag der Konservativen im Herbst gewählt werden soll, die Austrittsverhandlungen mit der EU führen. 0,25 0,50 0,75 1,00 1,25 1,50 M J J A S O N D J F M A M J Zinsstruktur am Rentenmarkt SpreadBundesanleihen mit Restlaufzeiten 10/1 Jahr, in % -1,0 0,0 1,0 2,0 3,0 M J J A S O N D J F M A M J Bedeutende Benchmarkanleihen Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit USA Deutschland Japan 0,0 1,0 2,0 3,0 M J J A S O N D J F M A M J Quelle: Thomson Reuters Datastream Ausgewählte Staatsanleihen desEuroraums Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit Spanien Frankreich Italien
  • 9. Devisenmarkt 9 Brexit-Votum schwächt Pfund Der Devisenmarkt stand im vergangenen Monat ganz im Zeichen des Brexit und den geldpoliti- schen Erwartungen in den USA. Die Finanzmärkte wurden Ende Juni vom Ausgang des Referendums in Großbritannien kalt erwischt. Die Mehrheit der Händler und Analysten war im Vorfeld der briti- schen Volksabstimmung von einem Verbleib Großbritanniens in der EU ausgegangen. Alle gro- ßen Buchmacher in London hatten einen Verbleib Großbritanniens in der EU favorisiert. Umso deutli- cher überraschte das Abstimmungsergebnis die Fi- nanzmärkte am Morgen des 24. Juni. Das britische Pfund verlor daraufhin vergleichsweise deutlich gegenüber dem Euro. Innerhalb eines Tages stieg der Euro-Pfund Kurs um 4 Pence auf 0,80 Pfund je Euro. Die Unsicherheit wirkte sich zudem negativ auf den Euro-Dollar Kurs aus. Neben Brexit-Schock und Brexit-Debatte erhielt vor allem die US- amerikanische Geldpolitik große Aufmerksamkeit. Mitte Juni hatten viele Anleger nach einem schwa- chen Arbeitsmarktbericht ihre geldpolitischen Er- wartungen für die USA geändert. Eine Zinserhö- hung erscheint vielen angesichts der schwachen Signale vom Arbeitsmarkt und der Unsicherheiten um Großbritannien als nicht mehr realistisch. Be- kenntnisse Janet Yellens zu einem restriktiveren geldpolitischen Kurs in den USA zeigten kaum Wir- kung. Nach Meinung vieler Händler habe die Fed in der Vergangenheit schon oft erwartete Zinserhö- hungen verschoben. Der Euro-Dollar Kurs sank im Vergleich zum Vormonatsultimo um 2 US-Cent auf 1,09 US-Dollar. 110 120 130 140 150 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 J J A S O N D J F M A M J Euro-Wechselkurs (I) AusländerwährungproEuro US-Dollar Japanischer Yen (rechte Skala) 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 J J A S O N D J F M A M J Euro-Wechselkurs (II) Auslandswährungpro Euro Schweizer Franken Britisches Pfund 85 90 95 100 M J J A S O N D J F M A M Effektiver Wechselkurs desEuro* in EUR, Quartal 1, 1999 = 100 *Nominale Wertentwicklungdes Eurogegenüber den 19 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums. Eine Bewe- gung nach oben entspricht einer Aufwertungdes Euro Quelle: Thomson Reuters Datastream
  • 10. Aktienmarkt 10 Herbe Verluste nach Ja zum Brexit Der DAX hat mit im Juni mit deutlichen Verlusten auf die Entscheidung der Briten, aus der EU austre- ten zu wollen, reagiert. Viele Investoren zeigten sich überrascht vom Ausgang der Volksbefragung. In den Tagen vor der Abstimmung hatte der DAX noch deutlich Gewinne verzeichnen können. Stei- gende Hoffnungen auf einen Verbleib Großbritan- niens in der EU im Vorfeld der Wahl hatten für gute Stimmung an den Aktienmärkten gesorgt und den DAX nach oben getrieben. Nach Bekannt- gabe des Wahlergebnisses vollzogen der DAX so- wie andere Aktienmärkte dies- wie jenseits des Kanals eine scharfe Kehrtwende. Viele Investoren suchten daraufhin zu Lasten von Aktien ihr Heil in besonders sicheren Anlageformen, wie z. B. Staats- anleihen. Der deutsche Leitindex gab innerhalb eines Tages seine Gewinne aus der Vorwoche wieder ab und fiel deutlich unter die Marke von 10.000 Punkten. Auf Monatssicht verzeichnete der DAX einen Rückgang um -7,9 % und notierte am Dienstag, dem 28. Juni, bei 9.447 Punkten. Der Dow Jones fiel im gleichen Zeitraum um 2,1 % auf 17.410 Punkte. Die Unsicherheit über die Art und Weise, wie die Briten die EU verlassen werden und die Zeit, die dieser Prozess in Anspruch nehmen wird, dürften in den kommenden Wochen die Ak- tienmärkte belasten. Vertreter der Mitgliedsländer der EU forderten die britische Regierung auf, aus ihrem klaren Wählerauftrag keine Hängepartie werden zu lassen. Für Verunsicherung dürften zu- dem die Fliehkräfte innerhalb Großbritanniens sor- gen. So dürfte Schottland versuchen, Großbritan- nien zu verlassen, um in der EU zu bleiben. 15.500 16.000 16.500 17.000 17.500 18.000 18.500 J J A S O N D J F M A M J Aktienmarkt USA Dow Jones, 40-/200-Tagesschnitt Quelle: Thomson Reuters Datastream 2.600 2.800 3.000 3.200 3.400 3.600 3.800 4.000 J J A S O N D J F M A M J Aktien im Euroraum Euro-Stoxx 50, 40-/200-Tagesschnitt 8.000 9.000 10.000 11.000 12.000 13.000 J J A S O N D J F M A M J Deutscher Aktienmarkt Dax, 40-/200-Tagesschnitt
  • 11. Eurokonjunktur 11 Wachstumsrate leicht aufwärtsrevidiert Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Eu- roraums für das erste Quartal veröffentlicht. Den Angaben zufolge expandierte das preis- und sai- sonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Wäh- rungsraums gegenüber dem Vorquartal um deutli- che 0,6 %. Die BIP-Wachstumsrate wurde somit gegenüber dem Rechenstand von Mitte Mai um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Der wich- tigster Motor des Wirtschaftswachstums waren erneut die privaten und staatlichen Konsumausga- ben, die um 0,6 % bzw. 0,4 % zulegten und insge- samt mit 0,4 Prozentpunkten zum BIP-Anstieg bei- trugen. Auch von den Anlageinvestitionen (+0,8 %) gingen spürbare Wachstumsimpulse aus. Der Au- ßenhandel hat den BIP-Anstieg jedoch leicht ver- mindert. Die Exporten wurden zwar erneut ausge- weitet (+0,4 %); die Importe (+0,7 %) legten je- doch stärker zu. Im Jahresdurchschnitt 2016 dürfte das BIP des Währungsraums preisbereinigt um etwa 1,5 % steigen. Allerdings bestehen weiterhin erhebliche Risiken, die zu einem niedrigeren BIP-Anstieg füh- ren könnten. Angesichts eines sich abzeichnenden Brexits ist die Unsicherheit über die künftige Ent- wicklung des Euroraums nach wie vor hoch. Zu- dem besteht die Gefahr, dass das Wachstum in China und anderen Schwellenländern erheblich schwächer ausfällt als allgemein angenommen. Wirtschaftsklimaindex erneut gestiegen Die wirtschaftliche Stimmung hat sich im Euroraum weiter verbessert. Der Wirtschaftsklimaindex klet- terte im Mai um 0,7 Punkte auf einen Stand von 104,7 Punkten, nachdem er bereits im April zuge- legt hatte. Maßgeblich für den Anstieg des Kon- junkturindikators war eine Stimmungsaufhellung unter den Verbrauchern sowie unter den Mana- gern des Einzelhandels und des Baugewerbes. 1) Euroraum, in Punkten - Gewichtung: 40 % Industrievertrauen, 30 % Dienstleistungsvertrauen, 20 % Verbrauchervertrauen, 5 % Einzelhandelsvertrauen, 5 % Bauvertrauen 2) Saldo in Prozentpunkten (= Differenz aus positiven und negativen Antworten) Quelle: Thomson Reuters Datastream Wirtschaftsklima im Euroraum 60 70 80 90 100 110 120 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 -40 -30 -20 -10 0 10 20 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Gesamt1 Dienstleister2 Verbraucher2 Einzelhandel2 Bau2Industrie2 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16
  • 12. Eurokonjunktur 12 Industrieproduktion legt deutlich zu Im April ist die Industrieproduktion des Euroraums wieder auf ihren Wachstumspfad zurückgekehrt. Der Ausstoß erhöhte sich gegenüber dem Vormo- nat preis- und saisonbereinigt um 1,1 %. Zuvor, Februar und März, war die Produktion noch mit Verlaufsraten von -1,2 % und -0,7 % gesunken. In den kommenden Monaten ist mit einem weiteren Anstieg der Industrieproduktion zu rechnen. Dies lässt zumindest der Order-Indikator erwarten, der jüngst von -12,5 Punkten im April auf -11,5 Punkte im Mai gestiegen ist. Inflationsrate knapp unter 0 % Die Inflationsrate des Euroraums, basierend auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist von -0,2 % im April auf -0,1 % im Mai gestiegen. Dabei standen etwas stärker steigende Dienstleis- tungspreise einem geringeren Preisrückgang bei Energie gegenüber. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise lag die Inflationsrate bei 0,8 %. In den kommenden Monaten ist angesichts des sich abzeichnenden Auslaufens der dämpfenden Wir- kung der Ölpreise mit einem weiteren Anstieg der Inflationsraten zu rechnen. Arbeitslosenquote weiterhin hoch Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Eu- roraums befindet sich, trotz eines deutlich sichtba- ren Abwärtstrends, nach wie vor auf einem ver- gleichsweise hohen Niveau. Im Mai ist sie im Vor- monatsvergleich unverändert bei 10,2 % geblieben. 10,0 11,0 12,0 13,0 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Arbeitslosenquote Euroraum, in %, saisonbereinigt Quelle: Thomson Reuters Datastream -6,0 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 -2,0 -1,0 0,0 1,0 2,0 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Verbraucher- undErzeugerpreise Euroraum, in % gg. Vorjahr Kerninflation* Erzeugerpreise (rechte Skala) Verbraucherpreise *ohne Energie undunbearbeitete Lebensmittel -80 -60 -40 -20 0 20 90 100 110 120 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Aufträge und Produktion Euroraum, 2010=100, saisonbereinigt Produktion Aufträge* *rechte Skala, Order-Indikator der EU-Kommission, Saldenwerte
  • 13. Deutsche Konjunktur 13 Konjunkturforscher vermindern Prognosewerte leicht In den zurückliegenden Wochen haben viele Wirt- schaftsforschungsinstitute ihre neuen Konjunktur- prognosen veröffentlicht. Die Wachstumseinschät- zungen für Deutschland im Jahr 2016 wurden da- bei tendenziell gegenüber den Prognosen vom Jahresende 2015 etwas zurückgenommen. So hat beispielsweise das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen seinen Prognosewert zum Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) Deutschlands von 1,8 % im Dezember auf aktuell 1,4 % vermindert. Als Grund für die Abwärtsrevision werden von den RWI-Experten ungünstigere Erwartungen be- züglich des Verlaufs der heimischen Ausfuhren ge- nannt. Das RWI befindet sich mit seiner Einschät- zung allerdings eher am unteren Rand des aktuel- len Prognosespektrums. Deutlich optimistischer sind die Fachleute des Kieler Instituts für Weltwirt- schaft (IfW), die in ihrer aktuellen Sommerprog- nose mit einem BIP-Zuwachs von 1,9 % rechnen. Als größte Risiken für die konjunkturelle Entwick- lung werden von den Forschern vielfach die schwer abschätzbaren Folgen eines möglichen EU- Austritts von Großbritannien sowie eine mögliche „harte“ Landung der chinesischen Wirtschaft gese- hen. Sollte sich diese Risiken manifestieren, würde das Wirtschaftswachstum Deutschlands über den Außenhandels- und Investitionskanal merklich ge- dämpft werden. Der BVR wird Ende Juli im Rah- men des „Volkswirtschaft special“ eine neue Kon- junkturprognose vorlegen. Industrieproduktion tendiert nach oben Die deutsche Industrie konnte im April erfolgreich an die günstige Entwicklung vom ersten Quartal anknüpfen. Nach vorläufigen amtlichen Angaben ist die Industrieproduktion gegenüber dem Vor- HWWI IWH; SVR RWI OECD Bbk; DIW RWI IfW HWWI 1,0 1,5 2,0 2,5 Mrz 16 Apr 16 Mai 16 Jun 16 Quelle: BVR OECDKOM IMF; IW BVR; GD ifo; IWH DIW IfW REG Bbk - Deutsche Bundesbank DIW - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin GD - Gemeinschaftsdiagnose (Frühjahrs- bzw. Herbstprognose) HWWI - Hamburger WeltWirtschaftsInstitut ifo - Institut für Wirtschaftsforschung, München IfW - Institut für Weltwirtschaft, Kiel IMF - Internationaler Währungsfonds IMK - Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung IW - Institut der deutschen Wirtschaft, Köln IWH - Institut für Wirtschaftsforschung, Halle KOM - Europäische Kommission OECD - Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung REG - Bundesregierung RWI - Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen SVR - Sachverständigenrat Konjunktur 2016 - Prognosen für Deutschland Jahreswachstumsratedes BIP in %, preisbereinigt
  • 14. Deutsche Konjunktur 14 monat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,1 % gestiegen. Damit konnte der Rückgang vom März (-1,0 %) mehr als ausgeglichen werden. Auch im Baugewerbe ist die Produktion von der Ten- denz her weiterhin aufwärtsgerichtet, was jüngst aber durch witterungsbedingte Verschiebungen verdeckt wurde. So hatte die Bauproduktion, be- fördert durch die milde Witterung, bereits im Jah- resauftaktquartal merklich zugelegt. Im April ist sie hingegen um 1,7 % gesunken. Für die nächsten Monate lässt der industrielle Auftragseingang ei- nen weiteren Anstieg der Industrieproduktion er- warten. Der Auftragseingang ist im April zwar mit einer Verlaufsrate von 2,0 % gesunken. Zuvor, im März, war er jedoch (aufwärts revidiert) um kräf- tige 2,6 % gestiegen und auch im Zweimonatsver- gleich Januar/Februar gegenüber März/April kam es zu mehr Bestellungen (+1,2 %). Maßgeblich für den Orderrückgang vom April waren alleine die Aufträge aus den Staaten außerhalb des Eu- roraums, die um deutliche -4,3 % nachgaben. Die Nachfrage aus den Euroländern und dem Inland nahm hingegen zu (+2,5 % bzw. +1,3 %). Dass die Nachfrage aus den Partnerländern des Euroraums allmählich an Fahrt aufnimmt signalisieren auch die jüngsten Daten der Außenhandelsstatistik. Demnach sind die Ausfuhren in die Partnerländer des Währungsraums im April gegenüber dem Vor- jahresmonat stärker gestiegen als die Gesamtaus- fuhren (+5,8 % gegenüber +3,8 %). Alles in allem wurden von der deutschen Wirtschaft im April Waren im Wert von 104,3 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 78,7 Mrd. Euro importiert. Im Vergleich zum März blieben die Ausfuhren in kalender- und saisonbereinigter Rechnung unver- 70 80 90 100 110 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Außenhandel in Mrd. Euro, saisonbereinigt Ausfuhren Einfuhren Quelle: Thomson Reuters Datastream 90 100 110 120 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Produktion 2010=100, preis-und saisonbereinigt Baugewerbe Industrie 90 100 110 120 130 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Aufträge 2010=100, preis-und saisonbereinigt Aufträge aus dem Inland Aufträge aus dem Ausland
  • 15. Deutsche Konjunktur 15 ändert (0,0 %), während die Einfuhren geringfügig sanken (-0,2 %). Geschäftsklimaindex legt erneut zu Im Juni hat sich die wirtschaftliche Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert, trotz der Un- sicherheiten über das Brexit-Votum in Großbritan- niens und den Folgen eines Austritts Großbritanni- ens für die deutsche Wirtschaft. Die Umfrage war vor dem Referendum zum Euro-Austritt durchge- führt worden. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 107,8 Zählern auf 108,7 Punkte. Das war der zweite Anstieg in Folge. Für ifo-Präsident Clemens Fuest zeigten die Zahlen deutlich, dass der Auf- schwung in Deutschland intakt sei. Sowohl die künftige Entwicklung als auch die aktuelle Lage beurteilten die Unternehmen positiver als zuvor. Bei einem Austritt der Briten aus der EU fürchtet jedoch etwas mehr als ein Drittel der befragten Industriefirmen Nachteile für das eigene Geschäft. Die durch das Brexit-Votum gestiegene Unsicher- heit dürfte sich in den kommenden allerdings dämpfend auf das Geschäftsklima auswirken. Inflationsrate legt minimal zu Die Inflationsrate Deutschlands, gemessen am Verbraucherpreiseindex (VPI), ist im Mai gegen- über April von -0,1 % auf 0,1 % gestiegen. Zum leichten Anstieg der Gesamtrate trugen in erster Linie die Dienstleistungspreise bei, die sich im Mai etwas stärker verteuerten als zuvor (+1,2 % ge- genüber +0,8 %). Darüber hinaus fiel der Rück- gang der Energiepreise im Zuge der jüngsten 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Verbraucher Unternehmen Insolvenzen Monatliche Fallzahlen Quelle: Thomson Reuters Datastream -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 -1 0 1 2 3 4 5 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Verbraucherpreise Kerninflation* Erzeugerpreise (rechte Skala) Verbraucher- undErzeugerpreise gg. Vorjahr in % *ohne Energie undLebensmittel 95 100 105 110 115 120 -20 0 20 40 60 80 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Wirtschaftliche Einschätzung Saldenwerte, saisonbereinigt ZEW-Konjunkturerwartungen ifo Geschäfts- klimaindex* *rechte Skala, 2010=100
  • 16. Deutsche Konjunktur 16 Ölpreis-Erholung weniger deutlich aus als noch im April (-7,9 % gegenüber -8,5 %). Wie das Statisti- sche Bundesamt mitteilte, lag der Erzeugerpreisin- dex im Mai um gegenüber dem Vorjahr um 2,7 % niedriger. Die im Vorjahresvergleich deutlich nied- rigeren Energiepreise sind der Hauptgrund für die rückläufigen Preise der Erzeuger. Weniger Insolvenzen Angesichts des nach wie vor günstigen konjunktu- rellen und strukturellen Umfelds hat sich das Insol- venzgeschehen in Deutschland zu Jahresbeginn weiter entspannt. Die Anzahl der Unternehmen- sinsolvenzen ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 4,9 % zurückgegangen; die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm sogar um 6,0 % ab. Auch bei Summe der voraussichtlichen Gläubiger- forderungen aus Unternehmensinsolvenzen war ein Rückgang zu verzeichnen. Die Gläubigerforde- rungen sind nach offiziellen Schätzungen binnen Jahresfrist von 4,9 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro ge- sunken. Solide Arbeitsmarktentwicklung hält an Am deutschen Arbeitsmarkt haben sich zuletzt die günstigen Trends fortgesetzt. Vor dem Hinter- grund der Frühjahrsbelebung und der guten Kon- junktur ist die Arbeitslosenzahl weiter zurückge- gangen, während die Erwerbstätigkeit abermals zulegte. So ist die Anzahl der bei der Bundesagen- tur für Arbeit (BA) registrierten Arbeitslosen im Mai gegenüber dem Vormonat um 80.000 auf 2,664 Mio. Menschen gesunken. In saisonbereinig- ter Rechnung war ein Rückgang um 11.000 Perso- nen zu verzeichnen. Die saisonbereinigte Arbeits- losenquote gab von 6,2 % im April auf 6,1 % im Mai nach. Nach jüngsten Angaben des Statisti- schen Bundesamtes ist die Erwerbstätigenzahl im April gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 41.000 gestiegen. Im Vorjahresvergleich klet- terte sie um deutliche 544.000 auf 43,36 Mio., wozu erneut vor allem ein merklicher Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung beigetragen haben dürfte. Gemäß der aktuellen BA-Hochrechnung hat sich die Beschäftigtenzahl zuletzt, im März, gegenüber dem Vorjahr um 681.000 auf 31,27 Mio. Menschen erhöht. Für die nächsten Monate lässt die hohe Arbeitskräfte- nachfrage einen weiteren Anstieg der Erwerbstä- tigenzahl erwarten. Im Mai waren bei der BA 655.000 offene Arbeitsstellen gemeldet und da- mit 98.000 mehr als im Vorjahresmonat. 42.000 42.500 43.000 43.500 44.000 6,0 6,5 7,0 7,5 01/14 07/14 01/15 07/15 01/16 Arbeitslosenquote undErwerbstätige in %, saisonbereinigt Arbeitslosenquote Erwerbstätige* *rechte Skala, in Tsd. Quelle: Thomson Reuters Datastream