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Indikatoren für Systemisches Risiko
Dezember 2018
Dr. Siegfried Utzig
Berlin
17. Dezember 2018
©BundesverbanddeutscherBankene.V.
Inhalt
Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Immobilienpreise weiter ansteigend
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Immobilienpreise weiter ansteigend
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©BundesverbanddeutscherBankene.V.
Allgemeine Lage
An den internationalen Finanzmärkten nahmen die Unsicherheiten und Turbulenzen im Dezember wieder zu.
Während die Volatilitätsindices und die systemischen Stressindikatoren nach oben schnellten, waren die
internationalen Aktienmärkte weiter auf dem Rückzug.
Für die Neubewertung an den Finanzmärkten scheinen drei Faktoren verantwortlich gewesen zu sein: Zunächst
mehrten sich die Signale, die auf eine Abschwächung des internationalen Wirtschaftswachstums hindeuten, sodann
änderte sich die Wahrnehmung des geldpolitischen Kurses der Fed und schließlich trugen verschiedene politische
Konflikte wie der Handelsstreit mit China und der Brexit zur weiteren Verunsicherung an den Märkten bei.
Unsicherheiten bezüglich des weiteren geldpolitischen Kurses in den USA entstanden, als die Renditenstrukturkurve
flacher wurde und sich am kürzeren Ende kurzfristig umkehrte – was häufig als Zeichen für eine bevorstehende
Rezession gewertet wird. Da sich die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in den kommenden Monaten
fortsetzen werden, sind weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht auszuschließen.
Zunehmende Sorgen bereitet der internationale Anstieg der Verschuldung. In Europa konnte zwar insgesamt die
Verschuldung etwas reduziert werden, jedoch stand nach dem Regierungswechsel in Italien die Staatsverschuldung
wieder stärker im Blick. Weil die italienische Regierung die Haushaltsvorgaben der EU-Kommission ablehnte,
weiteten sich die CDS-Spreads für italienische Staatsanleihen deutlich aus, dabei kam es auch zu begrenzten
Ansteckungseffekten.
International stehen dagegen die Unternehmensschulden im Zentrums des Interesses. Erste skeptische Ein-
schätzungen werden aus den USA berichtet, die größte Bedrohung für die Finanzstabilität findet sich jedoch in
China. Mit Sorge wird beobachtet, dass die Gesamtverschuldung der Weltwirtschaft seit Ausbruch der Finanzkrise
weiter kräftig expandiert und sich auf einem historischen Höchststand befindet.
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Immobilienpreise weiter ansteigend
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Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
In der EU haben die Risiken für die Finanzstabilität erneut zugenommen. Die marktbasierten Indikatoren für
systemischen Stress in der EU sind im laufenden Quartal merklich angestiegen. Dies gilt auch für den Indikator für die
Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Ausfalls großer und komplexer Bankengruppen. Ursache waren vor allem
Spannungen in einigen Marktsegmenten sowie die politischen Unsicherheiten auf internationaler und europäischer
Ebene.
Jedoch gibt der nach Auffassung der BIZ wichtigste Indikator für das Entstehen eines stabilitätsgefährdenden
Kreditbooms, die Kredit/BIP-Lücke nach wie vor keinen Hinweis auf eine Gefährdung der Finanzstabilität. Keines der
EU-Länder befindet sich derzeit in der Nähe des Schwellenwertes, der einen Einsatz des Countercyclical Capital
Buffers (CBB) erforderlich machen würde. (Zur Herleitung der Kredit/BIP-Lücke siehe Glossar)
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Immobilienpreise weiter ansteigend
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Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Die wirtschaftliche Lage der Banken in der EU bleibt weiter schwierig. Die Bewertung an den internationalen
Aktienmärkten fiel erneut schlechter aus als der Durchschnitt des Aktienmarktes. Die deutschen Spitzeninstitute
liegen weiterhin an am unteren Ende der Skala.
Die Rentabilität der Banken in der EU zeigte im zweiten Quartal 2018 eine leichte Verschlechterung. Die
Gesamtkapitalrendite sank um 10 Basispunkte auf 0,45 %. Gleichzeitig blieb die Cost-Income-Ratio relativ hoch und
stieg 2018 im Vergleich zu den Vorjahren.
Belastet wird die Rentabilität auch durch die weiter sinkende Zinsmargen. In Deutschland liegt die Zinsmarge für
Unternehmenskredite nahe im historischen Tiefpunkt. Sie bildet damit einen wichtigen Aspekt für die Erklärung der
unbefriedigenden Ertragslage der Banken in Deutschland.
Die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors hat sich im zweiten Quartal 2018 weiter verbessert. Der Median der
CET1 zu den risikogewichteten Aktiva stieg im zweiten Quartal 2018 auf 15,8 %, gegenüber 14,9 % im zweiten
Quartal 2017. Allerdings nahm die Streuung weiter zu.
Darüber hinaus setzte sich der Abwärtstrend der Medianquote der notleidenden Kredite im Verhältnis zu den
gesamten Bruttoforderungen fort und sank im zweiten Quartal 2018 unter 3,0 %.
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen
Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler
Immobilienpreise weiter ansteigend
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Immobilienpreise weiter ansteigend
Die Preise für Wohnimmobilien steigen in den meisten Ländern weiterhin deutlich an. Nach Berechnungen der EZB
verlangsamten sich die Wachstumsraten der Wohnimmobilienpreise im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum
Vorjahr in einigen Ländern etwas. In den meisten EU-Ländern lag der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr aber
weiter deutlich über 5%, nachdem die Preise in den letzten drei Jahren ebenfalls deutlich gestiegen waren.
Nach Einschätzung der Bundesbank sind Wohnimmobilien in deutschen Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbe-
wertet. Die Bundesbank befürchtet, dass solch stark gestiegenen Immobilienpreise die Gefahr bergen, dass die Wert-
haltigkeit von Kreditsicherheiten überschätzt wird. Andererseits lassen sich aber keine Belege dafür finden, dass die
Vergabestandards für Immobilienkredite von den Banken aufgeweicht worden wären.
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Glossar
Composite Indicator of systemic Stress (CISS)
Der CISS wird von der EZB berechnet. Er umfasst die fünf wichtigsten Segmente des Finanzsystems – Banken, Nicht-
Bank-Intermediäre, Geldmarkt, Wertpapiermärkte (Aktien und Bonds) sowie den Devisen-markt. Das aktuelle
Stressniveau jedes einzelnen Segments wird auf der Basis von je drei Roh-Stress-Indikatoren gemessen. Die
Aggregation der einzelnen Indikatoren zum CISS erfolgt unter Anwendung der Standardportfoliotheorie. D.h., die
Sub-Indices werden auf Basis von Gewichten integriert, die ihrer zeitvariablen Kreuz-Korrelation entsprechen. Der
CISS setzt daher mehr Gewicht auf Situationen, in denen Stress in mehreren Marktsegmenten gleichzeitig auftritt.
Domestic-Credit-to-GDP-Gap
Der Indikator soll einen Kreditboom anzeigen. Der Baseler Ausschuss sieht in diesem Indikator eine der
entscheidenden Größe für den Einsatz des Countercyclical Capital Buffers.
Insgesamt ist die Ableitung des Countercyclical Capital Buffer (CCB) eine regelgeleitete Ermessensentscheidung. Die
regelbasierte Komponente ist dabei der sogenannte Pufferrichtwert. Er wird mit Hilfe einer einfachen Umrechnungs-
formel aus der Kredit/BIPLücke ermittelt. Nach der Berechnungsmethode der BIZ ist der Pufferrichtwert und damit der
CBB (in % der RWA) nur dann größer als null, wenn die Kredit/BIP-Lücke größer als 2 Prozentpunkte ist. Ab einer
Kredit/BIP-Lücke von 10 Prozentpunkten wird der maximale Wert von 2,5 % erreicht.
Die Bundesbank betont allerdings, dass der CCB nicht mechanisch in Höhe dieses Richtwertes festgesetzt wird,
sondern vielmehr in einer ökonomischen Gesamtschau, einschließlich der Auswertung weiterer Indikatoren. Die
Entscheidung beinhaltet dadurch auch diskretionäre Elemente. Die Bundesbank bezieht eine Reihe unterstützender
Indikatoren ein. Diese helfen dabei zu entscheiden, ob
 ein übermäßiges Kreditwachstum vorliegt, ob
 eine Korrektur von Fehlentwicklungen wahrscheinlich ist,
 wie widerstandsfähig der private nichtfinanzielle Sektor sowie die Banken sind und
 wie hoch das Stressniveau im Finanzsystem ist.
Volatilitätsindices
Volatilitätsindices messen die Schwankungen von Finanzmarktparametern, wie Wechselkursen, Zinsen oder
Aktienindices. Die Volatilitätsindexes VIX und VSTOXX geben die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungs-
intensität anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 bzw. den STOXX 50 über 30 Tage in Prozentpunkten an. Ein
hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kurs-
schwankungen erwarten.
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Glossar
CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere
CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere sind ein guter Indikator für die Markteinschätzung von Länderrisiken. Es ist
aber zu beachten, dass CDS-Spreads auch von anderen Faktoren wie Marktliquidität, Kontrahentenrisiko und dem
globalen Finanzumfeld abhängen, hier insbesondere vom internationalen Zinsniveau und der Risikoneigung der
Anleger.
Immobilienpreise
Immobilienpreisblasen sind mit die wichtigsten Ursachen für Finanzkrisen. Ihnen sollte daher ein besonderes
Augenmerk geschenkt werden. Die Graphik für die wichtigsten EU-Länder stellt die Preisveränderung gegenüber dem
Vorjahr in Relation zur Preisveränderung gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor drei Jahren. Damit lässt sich
verhältnismäßig einfach die Dynamik der Immobilienpreisentwicklung erkennen. Die Graphik für die USA zeigt einfach
die jährliche Veränderungsrate.
Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten
Sowohl die Höhe der Staatsverschuldung als auch die der privaten Haushalte sind wichtige Indikatoren für die
Stabilität eines Finanzsystems. Allerdings gibt ihr Anteil am BIP nur einen groben Hinweis auf die zukünftige
Schuldentragfähigkeit.
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Systemische Risikoindikatoren

  • 1. Indikatoren für Systemisches Risiko Dezember 2018 Dr. Siegfried Utzig Berlin 17. Dezember 2018
  • 2. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Inhalt Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Immobilienpreise weiter ansteigend 2
  • 3. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Immobilienpreise weiter ansteigend 3
  • 4. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage An den internationalen Finanzmärkten nahmen die Unsicherheiten und Turbulenzen im Dezember wieder zu. Während die Volatilitätsindices und die systemischen Stressindikatoren nach oben schnellten, waren die internationalen Aktienmärkte weiter auf dem Rückzug. Für die Neubewertung an den Finanzmärkten scheinen drei Faktoren verantwortlich gewesen zu sein: Zunächst mehrten sich die Signale, die auf eine Abschwächung des internationalen Wirtschaftswachstums hindeuten, sodann änderte sich die Wahrnehmung des geldpolitischen Kurses der Fed und schließlich trugen verschiedene politische Konflikte wie der Handelsstreit mit China und der Brexit zur weiteren Verunsicherung an den Märkten bei. Unsicherheiten bezüglich des weiteren geldpolitischen Kurses in den USA entstanden, als die Renditenstrukturkurve flacher wurde und sich am kürzeren Ende kurzfristig umkehrte – was häufig als Zeichen für eine bevorstehende Rezession gewertet wird. Da sich die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in den kommenden Monaten fortsetzen werden, sind weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht auszuschließen. Zunehmende Sorgen bereitet der internationale Anstieg der Verschuldung. In Europa konnte zwar insgesamt die Verschuldung etwas reduziert werden, jedoch stand nach dem Regierungswechsel in Italien die Staatsverschuldung wieder stärker im Blick. Weil die italienische Regierung die Haushaltsvorgaben der EU-Kommission ablehnte, weiteten sich die CDS-Spreads für italienische Staatsanleihen deutlich aus, dabei kam es auch zu begrenzten Ansteckungseffekten. International stehen dagegen die Unternehmensschulden im Zentrums des Interesses. Erste skeptische Ein- schätzungen werden aus den USA berichtet, die größte Bedrohung für die Finanzstabilität findet sich jedoch in China. Mit Sorge wird beobachtet, dass die Gesamtverschuldung der Weltwirtschaft seit Ausbruch der Finanzkrise weiter kräftig expandiert und sich auf einem historischen Höchststand befindet. 4
  • 10. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Immobilienpreise weiter ansteigend 10
  • 11. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen In der EU haben die Risiken für die Finanzstabilität erneut zugenommen. Die marktbasierten Indikatoren für systemischen Stress in der EU sind im laufenden Quartal merklich angestiegen. Dies gilt auch für den Indikator für die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Ausfalls großer und komplexer Bankengruppen. Ursache waren vor allem Spannungen in einigen Marktsegmenten sowie die politischen Unsicherheiten auf internationaler und europäischer Ebene. Jedoch gibt der nach Auffassung der BIZ wichtigste Indikator für das Entstehen eines stabilitätsgefährdenden Kreditbooms, die Kredit/BIP-Lücke nach wie vor keinen Hinweis auf eine Gefährdung der Finanzstabilität. Keines der EU-Länder befindet sich derzeit in der Nähe des Schwellenwertes, der einen Einsatz des Countercyclical Capital Buffers (CBB) erforderlich machen würde. (Zur Herleitung der Kredit/BIP-Lücke siehe Glossar) 11
  • 15. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Immobilienpreise weiter ansteigend 15
  • 16. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Die wirtschaftliche Lage der Banken in der EU bleibt weiter schwierig. Die Bewertung an den internationalen Aktienmärkten fiel erneut schlechter aus als der Durchschnitt des Aktienmarktes. Die deutschen Spitzeninstitute liegen weiterhin an am unteren Ende der Skala. Die Rentabilität der Banken in der EU zeigte im zweiten Quartal 2018 eine leichte Verschlechterung. Die Gesamtkapitalrendite sank um 10 Basispunkte auf 0,45 %. Gleichzeitig blieb die Cost-Income-Ratio relativ hoch und stieg 2018 im Vergleich zu den Vorjahren. Belastet wird die Rentabilität auch durch die weiter sinkende Zinsmargen. In Deutschland liegt die Zinsmarge für Unternehmenskredite nahe im historischen Tiefpunkt. Sie bildet damit einen wichtigen Aspekt für die Erklärung der unbefriedigenden Ertragslage der Banken in Deutschland. Die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors hat sich im zweiten Quartal 2018 weiter verbessert. Der Median der CET1 zu den risikogewichteten Aktiva stieg im zweiten Quartal 2018 auf 15,8 %, gegenüber 14,9 % im zweiten Quartal 2017. Allerdings nahm die Streuung weiter zu. Darüber hinaus setzte sich der Abwärtstrend der Medianquote der notleidenden Kredite im Verhältnis zu den gesamten Bruttoforderungen fort und sank im zweiten Quartal 2018 unter 3,0 %. 16
  • 23. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU gestiegen Banken weiter ertragsschwach, aber stabiler Immobilienpreise weiter ansteigend 23
  • 24. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Immobilienpreise weiter ansteigend Die Preise für Wohnimmobilien steigen in den meisten Ländern weiterhin deutlich an. Nach Berechnungen der EZB verlangsamten sich die Wachstumsraten der Wohnimmobilienpreise im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr in einigen Ländern etwas. In den meisten EU-Ländern lag der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr aber weiter deutlich über 5%, nachdem die Preise in den letzten drei Jahren ebenfalls deutlich gestiegen waren. Nach Einschätzung der Bundesbank sind Wohnimmobilien in deutschen Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbe- wertet. Die Bundesbank befürchtet, dass solch stark gestiegenen Immobilienpreise die Gefahr bergen, dass die Wert- haltigkeit von Kreditsicherheiten überschätzt wird. Andererseits lassen sich aber keine Belege dafür finden, dass die Vergabestandards für Immobilienkredite von den Banken aufgeweicht worden wären. 24
  • 26. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Glossar Composite Indicator of systemic Stress (CISS) Der CISS wird von der EZB berechnet. Er umfasst die fünf wichtigsten Segmente des Finanzsystems – Banken, Nicht- Bank-Intermediäre, Geldmarkt, Wertpapiermärkte (Aktien und Bonds) sowie den Devisen-markt. Das aktuelle Stressniveau jedes einzelnen Segments wird auf der Basis von je drei Roh-Stress-Indikatoren gemessen. Die Aggregation der einzelnen Indikatoren zum CISS erfolgt unter Anwendung der Standardportfoliotheorie. D.h., die Sub-Indices werden auf Basis von Gewichten integriert, die ihrer zeitvariablen Kreuz-Korrelation entsprechen. Der CISS setzt daher mehr Gewicht auf Situationen, in denen Stress in mehreren Marktsegmenten gleichzeitig auftritt. Domestic-Credit-to-GDP-Gap Der Indikator soll einen Kreditboom anzeigen. Der Baseler Ausschuss sieht in diesem Indikator eine der entscheidenden Größe für den Einsatz des Countercyclical Capital Buffers. Insgesamt ist die Ableitung des Countercyclical Capital Buffer (CCB) eine regelgeleitete Ermessensentscheidung. Die regelbasierte Komponente ist dabei der sogenannte Pufferrichtwert. Er wird mit Hilfe einer einfachen Umrechnungs- formel aus der Kredit/BIPLücke ermittelt. Nach der Berechnungsmethode der BIZ ist der Pufferrichtwert und damit der CBB (in % der RWA) nur dann größer als null, wenn die Kredit/BIP-Lücke größer als 2 Prozentpunkte ist. Ab einer Kredit/BIP-Lücke von 10 Prozentpunkten wird der maximale Wert von 2,5 % erreicht. Die Bundesbank betont allerdings, dass der CCB nicht mechanisch in Höhe dieses Richtwertes festgesetzt wird, sondern vielmehr in einer ökonomischen Gesamtschau, einschließlich der Auswertung weiterer Indikatoren. Die Entscheidung beinhaltet dadurch auch diskretionäre Elemente. Die Bundesbank bezieht eine Reihe unterstützender Indikatoren ein. Diese helfen dabei zu entscheiden, ob  ein übermäßiges Kreditwachstum vorliegt, ob  eine Korrektur von Fehlentwicklungen wahrscheinlich ist,  wie widerstandsfähig der private nichtfinanzielle Sektor sowie die Banken sind und  wie hoch das Stressniveau im Finanzsystem ist. Volatilitätsindices Volatilitätsindices messen die Schwankungen von Finanzmarktparametern, wie Wechselkursen, Zinsen oder Aktienindices. Die Volatilitätsindexes VIX und VSTOXX geben die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungs- intensität anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 bzw. den STOXX 50 über 30 Tage in Prozentpunkten an. Ein hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kurs- schwankungen erwarten. 26
  • 27. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Glossar CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere sind ein guter Indikator für die Markteinschätzung von Länderrisiken. Es ist aber zu beachten, dass CDS-Spreads auch von anderen Faktoren wie Marktliquidität, Kontrahentenrisiko und dem globalen Finanzumfeld abhängen, hier insbesondere vom internationalen Zinsniveau und der Risikoneigung der Anleger. Immobilienpreise Immobilienpreisblasen sind mit die wichtigsten Ursachen für Finanzkrisen. Ihnen sollte daher ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. Die Graphik für die wichtigsten EU-Länder stellt die Preisveränderung gegenüber dem Vorjahr in Relation zur Preisveränderung gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor drei Jahren. Damit lässt sich verhältnismäßig einfach die Dynamik der Immobilienpreisentwicklung erkennen. Die Graphik für die USA zeigt einfach die jährliche Veränderungsrate. Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten Sowohl die Höhe der Staatsverschuldung als auch die der privaten Haushalte sind wichtige Indikatoren für die Stabilität eines Finanzsystems. Allerdings gibt ihr Anteil am BIP nur einen groben Hinweis auf die zukünftige Schuldentragfähigkeit. 27