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Indikatoren für Systemisches Risiko
Oktober 2019
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Inhalt
Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Allgemeine Lage
Die Geldpolitik der EZB unterstützt das Wirtschaftswachstum nur in begrenztem Umfang und ihr Einfluss auf die
Inflation bleibt gering. Der Euroraum bleibt aufgrund seiner Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage anfällig für
weitere externe Schocks. Die wichtigsten Risiken, die das Vertrauen und das Wirtschaftswachstum zu untergraben
drohen, bleiben weitgehend geopolitisch und politisch. Dazu gehören zunehmende globale Handelsspannungen, die
Brexit-Unsicherheit und die politische Fragmentierung in der Region. Die Marktvolatilität ist ein weltweit wachsendes
Risiko, da die Kreditrisikoprämien in einem niedrigen und länger anhaltenden Zinsumfeld steigen.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abschwung oder durchläuft doch zumindest eine Stagnationsphase. Zudem
ist sie in sich gespalten. Während der Dienstleistungssektor stabil ist, befindet sich die Industrie bereits in der
Rezession. Die Kapazitätsauslastung sinkt kontinuierlich und ist inzwischen nur noch wenig von einer beginnenden
Unterauslastung entfernt.
Die Geldpolitik hat sowohl in den USA als auch im Euroraum auf die nachlassenden Wirtschaftsdynamik reagiert.
Weitere expansive Impulse werden erwartet. Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen in den USA sanken Ende
August auf ein neues Jahrestief von weniger als 1,5%. In Deutschland markierte die Rendite zehnjähriger
Bundesanleihen mit – 0,71% ein neues Allzeittief. Aufgrund dieser parallelen Bewegung blieb der Zinsabstand
zwischen zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen bei gut 225 Basispunkten nahezu
unverändert.
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben
niedrig
Die marktbasierte Indikatoren für systemischen Stress in der Europäischen Union (EU) stiegen trotz erheblicher
geopolitischer und politischer Unsicherheiten im dritten Quartal 2019 nur leicht an. Ebenso blieb die Unsicherheit an
den Aktienmärkten, gemessen an der impliziten Volatilität, relativ gering. Die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen
Ausfalls großer und komplexer Bankengruppen ging im dritten Quartal 2019 weiter zurück.
Die Verschuldung in den Ländern und Sektoren der EU ist nach wie vor hoch. Der Schuldenabbau der letzten Jahre
war im Allgemeinen geringer als der Schuldenanstieg im Vorfeld der globalen Finanzkrise. Die Kredit/BIP-Lücke, ein
wichtiger Indikator für die Beurteilung der Finanzstabilität, hat sich in der überwiegenden Zahl der europäischen
Länder weiter geschlossen. Der Indikator bleibt für die überwiegenden Zahl der Länder negativ und weist daher für
sich genommen nicht auf eine wachsende Gefährdung der Finanzstabilität durch einen Kreditboom hin. Auch dürfte
die inzwischen in der gesamten EU spürbare konjunkturelle Abkühlung die Kreditnachfrage aus dem Unternehmens-
sektor nicht mehr überdurchschnittlich anheizen. (Zur Herleitung der Kredit/BIP-Lücke siehe Glossar)
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Risiken für Finanzstabilität nehmen in
Deutschland leicht zu
Die Kreditvergabe ist in Deutschland im 3. Quartal weiter zügig angestiegen. Gleichzeitig stagniert jedoch die
deutsche Wirtschaft. Da insbesondere die Dynamik in der deutschen Industrie spürbar abgenommen hat, nehmen die
Befürchtungen zu, dass die Kreditrisiken von Unternehmenskrediten ansteigen könnten. Dies könnte vor allem dann
der Fall sein, wenn die höhere Kreditvergabe im Zusammenhang mit sich verschlechternden Geschäftsaussichten der
Unternehmen korrelieren würde. Dies wäre für eine Rezessionsphase zwar nicht ungewöhnlich, jedoch fehlen dafür
bislang die Belege.
In der Folge wird dem Verhältnis aus Kreditvergabe und BIP, der Kredit/BIP-Lücke wieder erhöhte Aufmerksamkeit
geschenkt. Nachdem diese in Deutschland über viele Jahre negativ war, die Kreditvergabe entwickelte sich also
schwächer als das Wirtschaftswachstum, hat sich dieser Trend inzwischen umgekehrt. Im ersten Quartal erreicht der
Wert fast die Marke von 2%, welche die untere Grenze zur Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers markiert.
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Banken weiter ertragsschwach
Die anhaltende Schwäche des Wirtschaftswachstums und die negativen Zinsen gefährden weiterhin die Rentabilität
vieler Banken in Europa. Ein erneuter geldpolitischer Impuls dürfte eine Rezession im Euroraum verhindern, aber die
anhaltend niedrigen und negativen Zinsen und flachen Zinskurven erweisen sich als Prüfstein für den Bankensektor.
Die wirtschaftliche Lage der Banken in der EU bleibt damit schwierig. Ihre Bewertung an den internationalen
Aktienmärkten ist nach wie vor schlechter als der Durchschnitt des Aktienmarktes. Die deutschen Spitzeninstitute
liegen weiterhin am unteren Ende der Skala.
Der deutsche Bankensektor verfügt über eine angemessene Kapital- und Liquiditätsausstattung. Die Kapitalaus-
stattung liegt leicht über dem EU-Durschnitt. Die notleidenden Kredite sind in der EU weiter gesunken und verharrten
in Deutschland auf niedrigem Niveau.
In der EU hat sich die Rentabilität der Banken im 2. Quartal 2019 leicht verbessert. Die durchschnittliche
Gesamtkapitalrendite stieg auf 0,48%. Auch die Cost-Income-Ratio verbesserte sich wieder etwas. Auf der
Ertragsseite hat sich die Abhängigkeit der Banken vom Zinsüberschuss in den letzten Quartalen nicht wesentlich
verändert.
Belastet wird die Rentabilität auch durch die weiter sinkenden Zinsmargen. In Deutschland liegt die Zinsmarge für
Unternehmenskredite nahe im historischen Tiefpunkt. Sie bildet damit einen wichtigen Aspekt für die Erklärung der
unbefriedigenden Ertragslage der Banken in Deutschland.
Die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors blieb weitgehend stabil, während der Abbau notleidender Kredite
fortgesetzt wurde. Der Median der CET1 zu den risikogewichteten Aktiva ist in den letzten vier Quartalen leicht
gesunken und liegt im zweiten Quartal 2019 bei 15,6%. Die Medianquote der notleidenden Kredite im Verhältnis zur
Bilanzsumme der Bruttoforderungen ging im zweiten Quartal 2019 weiter zurück auf 2,7%.
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Allgemeine Lage
Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig
Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu
Banken weiter ertragsschwach
Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
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Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend
Die Preise für Wohnimmobilien sind in den meisten EU-Mitgliedstaaten weiter deutlich gestiegen. Nach Berechnungen
der EZB lag das Wachstum der Wohnimmobilienpreise in den meisten EU-Mitgliedstaaten im 2. Quartal 2019 im
Vergleich zum Vorjahr weiterhin über 5%, nachdem auch die Preise in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen
waren. In Anbetracht dieser Dynamik scheinen die Preise für Wohnimmobilien in mehreren EU-Mitgliedstaaten auf der
Grundlage verschiedener Bewertungsmethoden überbewertet zu sein.
Die Preise für Wohnimmobilen sind auch in Deutschland im 2. Quartal 2019 weiter deutlich angestiegen. Die
Bundesbank schätzt die Überbewertungen in den Städten zwischen 15 % und 30 %. Sie leitet daraus ein erhöhtes
Stabilitätsrisiko ab. Vernachlässigt wird dabei jedoch, dass die üblichen Faktoren des Privatkunden-Immobilien-
preisrisikos in Deutschland in der Regel nicht vorliegen. Weder sind die Kreditbeträge/Ausläufe sehr hoch, noch
weisen die Kreditverträge keine bzw. sehr geringe Tilgungen aus. Die Zinsbindungsfristen sind hierzulande eher
überdurchschnittlich lang und haben sich in den letzten Jahren eher noch ausgedehnt. Schließlich fehlt in Deutschland
die Möglichkeit, Immobilien schnell zu verkaufen, wie Aktien.
Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Kreditvergabeanforderungen im Immobilienbereich aufgeweicht
worden wären. Ein bewusstes Eingehen größerer Risiken ist nicht feststellbar. Die Informationen, über die die Banken
verfügen, lassen einen Rückschluss auf eine kollektive Risiko-unterschätzung nicht zu.
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Glossar
Composite Indicator of systemic Stress (CISS)
Der CISS wird von der EZB berechnet. Er umfasst die fünf wichtigsten Segmente des Finanzsystems – Banken, Nicht-
Bank-Intermediäre, Geldmarkt, Wertpapiermärkte (Aktien und Bonds) sowie den Devisen-markt. Das aktuelle
Stressniveau jedes einzelnen Segments wird auf der Basis von je drei Roh-Stress-Indikatoren gemessen. Die
Aggregation der einzelnen Indikatoren zum CISS erfolgt unter Anwendung der Standardportfoliotheorie. D.h., die
Sub-Indices werden auf Basis von Gewichten integriert, die ihrer zeitvariablen Kreuz-Korrelation entsprechen. Der
CISS setzt daher mehr Gewicht auf Situationen, in denen Stress in mehreren Marktsegmenten gleichzeitig auftritt.
Domestic-Credit-to-GDP-Gap
Der Indikator soll einen Kreditboom anzeigen. Der Baseler Ausschuss sieht in diesem Indikator eine der
entscheidenden Größe für den Einsatz des Countercyclical Capital Buffers.
Insgesamt ist die Ableitung des Countercyclical Capital Buffer (CCB) eine regelgeleitete Ermessensentscheidung. Die
regelbasierte Komponente ist dabei der sogenannte Pufferrichtwert. Er wird mit Hilfe einer einfachen Umrechnungs-
formel aus der Kredit/BIP-Lücke ermittelt. Nach der Berechnungsmethode der BIZ ist der Pufferrichtwert und damit
der CBB (in % der RWA) nur dann größer als null, wenn die Kredit/BIP-Lücke größer als 2 Prozentpunkte ist. Ab einer
Kredit/BIP-Lücke von 10 Prozentpunkten wird der maximale Wert von 2,5 % erreicht.
Die Bundesbank betont allerdings, dass der CCB nicht mechanisch in Höhe dieses Richtwertes festgesetzt wird,
sondern vielmehr in einer ökonomischen Gesamtschau, einschließlich der Auswertung weiterer Indikatoren. Die
Entscheidung beinhaltet dadurch auch diskretionäre Elemente. Die Bundesbank bezieht eine Reihe unterstützender
Indikatoren ein. Diese helfen dabei zu entscheiden, ob
 ein übermäßiges Kreditwachstum vorliegt, ob
 eine Korrektur von Fehlentwicklungen wahrscheinlich ist,
 wie widerstandsfähig der private nichtfinanzielle Sektor sowie die Banken sind und
 wie hoch das Stressniveau im Finanzsystem ist.
Volatilitätsindices
Volatilitätsindices messen die Schwankungen von Finanzmarktparametern, wie Wechselkursen, Zinsen oder
Aktienindices. Die Volatilitätsindexes VIX und VSTOXX geben die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungs-
intensität anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 bzw. den STOXX 50 über 30 Tage in Prozentpunkten an. Ein
hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kurs-
schwankungen erwarten.
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Glossar
CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere
CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere sind ein guter Indikator für die Markteinschätzung von Länderrisiken. Es ist
aber zu beachten, dass CDS-Spreads auch von anderen Faktoren wie Marktliquidität, Kontrahentenrisiko und dem
globalen Finanzumfeld abhängen, hier insbesondere vom internationalen Zinsniveau und der Risikoneigung der
Anleger.
Immobilienpreise
Immobilienpreisblasen sind mit die wichtigsten Ursachen für Finanzkrisen. Ihnen sollte daher ein besonderes
Augenmerk geschenkt werden. Die Graphik für die wichtigsten EU-Länder stellt die Preisveränderung gegenüber dem
Vorjahr in Relation zur Preisveränderung gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor drei Jahren. Damit lässt sich
verhältnismäßig einfach die Dynamik der Immobilienpreisentwicklung erkennen. Die Graphik für die USA zeigt einfach
die jährliche Veränderungsrate.
Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten
Sowohl die Höhe der Staatsverschuldung als auch die der privaten Haushalte sind wichtige Indikatoren für die
Stabilität eines Finanzsystems. Allerdings gibt ihr Anteil am BIP nur einen groben Hinweis auf die zukünftige
Schuldentragfähigkeit.
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Indikatoren für Systemisches Risiko - Oktober 2019

  • 1. Indikatoren für Systemisches Risiko Oktober 2019
  • 2. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Inhalt Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 2
  • 3. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 3
  • 4. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Die Geldpolitik der EZB unterstützt das Wirtschaftswachstum nur in begrenztem Umfang und ihr Einfluss auf die Inflation bleibt gering. Der Euroraum bleibt aufgrund seiner Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage anfällig für weitere externe Schocks. Die wichtigsten Risiken, die das Vertrauen und das Wirtschaftswachstum zu untergraben drohen, bleiben weitgehend geopolitisch und politisch. Dazu gehören zunehmende globale Handelsspannungen, die Brexit-Unsicherheit und die politische Fragmentierung in der Region. Die Marktvolatilität ist ein weltweit wachsendes Risiko, da die Kreditrisikoprämien in einem niedrigen und länger anhaltenden Zinsumfeld steigen. Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abschwung oder durchläuft doch zumindest eine Stagnationsphase. Zudem ist sie in sich gespalten. Während der Dienstleistungssektor stabil ist, befindet sich die Industrie bereits in der Rezession. Die Kapazitätsauslastung sinkt kontinuierlich und ist inzwischen nur noch wenig von einer beginnenden Unterauslastung entfernt. Die Geldpolitik hat sowohl in den USA als auch im Euroraum auf die nachlassenden Wirtschaftsdynamik reagiert. Weitere expansive Impulse werden erwartet. Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen in den USA sanken Ende August auf ein neues Jahrestief von weniger als 1,5%. In Deutschland markierte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit – 0,71% ein neues Allzeittief. Aufgrund dieser parallelen Bewegung blieb der Zinsabstand zwischen zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen bei gut 225 Basispunkten nahezu unverändert. 4
  • 10. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 10
  • 11. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Die marktbasierte Indikatoren für systemischen Stress in der Europäischen Union (EU) stiegen trotz erheblicher geopolitischer und politischer Unsicherheiten im dritten Quartal 2019 nur leicht an. Ebenso blieb die Unsicherheit an den Aktienmärkten, gemessen an der impliziten Volatilität, relativ gering. Die Wahrscheinlichkeit eines gleichzeitigen Ausfalls großer und komplexer Bankengruppen ging im dritten Quartal 2019 weiter zurück. Die Verschuldung in den Ländern und Sektoren der EU ist nach wie vor hoch. Der Schuldenabbau der letzten Jahre war im Allgemeinen geringer als der Schuldenanstieg im Vorfeld der globalen Finanzkrise. Die Kredit/BIP-Lücke, ein wichtiger Indikator für die Beurteilung der Finanzstabilität, hat sich in der überwiegenden Zahl der europäischen Länder weiter geschlossen. Der Indikator bleibt für die überwiegenden Zahl der Länder negativ und weist daher für sich genommen nicht auf eine wachsende Gefährdung der Finanzstabilität durch einen Kreditboom hin. Auch dürfte die inzwischen in der gesamten EU spürbare konjunkturelle Abkühlung die Kreditnachfrage aus dem Unternehmens- sektor nicht mehr überdurchschnittlich anheizen. (Zur Herleitung der Kredit/BIP-Lücke siehe Glossar) 11
  • 14. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 14
  • 15. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Die Kreditvergabe ist in Deutschland im 3. Quartal weiter zügig angestiegen. Gleichzeitig stagniert jedoch die deutsche Wirtschaft. Da insbesondere die Dynamik in der deutschen Industrie spürbar abgenommen hat, nehmen die Befürchtungen zu, dass die Kreditrisiken von Unternehmenskrediten ansteigen könnten. Dies könnte vor allem dann der Fall sein, wenn die höhere Kreditvergabe im Zusammenhang mit sich verschlechternden Geschäftsaussichten der Unternehmen korrelieren würde. Dies wäre für eine Rezessionsphase zwar nicht ungewöhnlich, jedoch fehlen dafür bislang die Belege. In der Folge wird dem Verhältnis aus Kreditvergabe und BIP, der Kredit/BIP-Lücke wieder erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Nachdem diese in Deutschland über viele Jahre negativ war, die Kreditvergabe entwickelte sich also schwächer als das Wirtschaftswachstum, hat sich dieser Trend inzwischen umgekehrt. Im ersten Quartal erreicht der Wert fast die Marke von 2%, welche die untere Grenze zur Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers markiert. 15
  • 18. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 18
  • 19. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Banken weiter ertragsschwach Die anhaltende Schwäche des Wirtschaftswachstums und die negativen Zinsen gefährden weiterhin die Rentabilität vieler Banken in Europa. Ein erneuter geldpolitischer Impuls dürfte eine Rezession im Euroraum verhindern, aber die anhaltend niedrigen und negativen Zinsen und flachen Zinskurven erweisen sich als Prüfstein für den Bankensektor. Die wirtschaftliche Lage der Banken in der EU bleibt damit schwierig. Ihre Bewertung an den internationalen Aktienmärkten ist nach wie vor schlechter als der Durchschnitt des Aktienmarktes. Die deutschen Spitzeninstitute liegen weiterhin am unteren Ende der Skala. Der deutsche Bankensektor verfügt über eine angemessene Kapital- und Liquiditätsausstattung. Die Kapitalaus- stattung liegt leicht über dem EU-Durschnitt. Die notleidenden Kredite sind in der EU weiter gesunken und verharrten in Deutschland auf niedrigem Niveau. In der EU hat sich die Rentabilität der Banken im 2. Quartal 2019 leicht verbessert. Die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite stieg auf 0,48%. Auch die Cost-Income-Ratio verbesserte sich wieder etwas. Auf der Ertragsseite hat sich die Abhängigkeit der Banken vom Zinsüberschuss in den letzten Quartalen nicht wesentlich verändert. Belastet wird die Rentabilität auch durch die weiter sinkenden Zinsmargen. In Deutschland liegt die Zinsmarge für Unternehmenskredite nahe im historischen Tiefpunkt. Sie bildet damit einen wichtigen Aspekt für die Erklärung der unbefriedigenden Ertragslage der Banken in Deutschland. Die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors blieb weitgehend stabil, während der Abbau notleidender Kredite fortgesetzt wurde. Der Median der CET1 zu den risikogewichteten Aktiva ist in den letzten vier Quartalen leicht gesunken und liegt im zweiten Quartal 2019 bei 15,6%. Die Medianquote der notleidenden Kredite im Verhältnis zur Bilanzsumme der Bruttoforderungen ging im zweiten Quartal 2019 weiter zurück auf 2,7%. 19
  • 28. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Allgemeine Lage Risiken für Finanzstabilität in der EU bleiben niedrig Risiken für Finanzstabilität nehmen in Deutschland leicht zu Banken weiter ertragsschwach Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend 28
  • 29. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Immobilienpreise weiter im Aufwärtstrend Die Preise für Wohnimmobilien sind in den meisten EU-Mitgliedstaaten weiter deutlich gestiegen. Nach Berechnungen der EZB lag das Wachstum der Wohnimmobilienpreise in den meisten EU-Mitgliedstaaten im 2. Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr weiterhin über 5%, nachdem auch die Preise in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen waren. In Anbetracht dieser Dynamik scheinen die Preise für Wohnimmobilien in mehreren EU-Mitgliedstaaten auf der Grundlage verschiedener Bewertungsmethoden überbewertet zu sein. Die Preise für Wohnimmobilen sind auch in Deutschland im 2. Quartal 2019 weiter deutlich angestiegen. Die Bundesbank schätzt die Überbewertungen in den Städten zwischen 15 % und 30 %. Sie leitet daraus ein erhöhtes Stabilitätsrisiko ab. Vernachlässigt wird dabei jedoch, dass die üblichen Faktoren des Privatkunden-Immobilien- preisrisikos in Deutschland in der Regel nicht vorliegen. Weder sind die Kreditbeträge/Ausläufe sehr hoch, noch weisen die Kreditverträge keine bzw. sehr geringe Tilgungen aus. Die Zinsbindungsfristen sind hierzulande eher überdurchschnittlich lang und haben sich in den letzten Jahren eher noch ausgedehnt. Schließlich fehlt in Deutschland die Möglichkeit, Immobilien schnell zu verkaufen, wie Aktien. Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Kreditvergabeanforderungen im Immobilienbereich aufgeweicht worden wären. Ein bewusstes Eingehen größerer Risiken ist nicht feststellbar. Die Informationen, über die die Banken verfügen, lassen einen Rückschluss auf eine kollektive Risiko-unterschätzung nicht zu. 29
  • 31. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Glossar Composite Indicator of systemic Stress (CISS) Der CISS wird von der EZB berechnet. Er umfasst die fünf wichtigsten Segmente des Finanzsystems – Banken, Nicht- Bank-Intermediäre, Geldmarkt, Wertpapiermärkte (Aktien und Bonds) sowie den Devisen-markt. Das aktuelle Stressniveau jedes einzelnen Segments wird auf der Basis von je drei Roh-Stress-Indikatoren gemessen. Die Aggregation der einzelnen Indikatoren zum CISS erfolgt unter Anwendung der Standardportfoliotheorie. D.h., die Sub-Indices werden auf Basis von Gewichten integriert, die ihrer zeitvariablen Kreuz-Korrelation entsprechen. Der CISS setzt daher mehr Gewicht auf Situationen, in denen Stress in mehreren Marktsegmenten gleichzeitig auftritt. Domestic-Credit-to-GDP-Gap Der Indikator soll einen Kreditboom anzeigen. Der Baseler Ausschuss sieht in diesem Indikator eine der entscheidenden Größe für den Einsatz des Countercyclical Capital Buffers. Insgesamt ist die Ableitung des Countercyclical Capital Buffer (CCB) eine regelgeleitete Ermessensentscheidung. Die regelbasierte Komponente ist dabei der sogenannte Pufferrichtwert. Er wird mit Hilfe einer einfachen Umrechnungs- formel aus der Kredit/BIP-Lücke ermittelt. Nach der Berechnungsmethode der BIZ ist der Pufferrichtwert und damit der CBB (in % der RWA) nur dann größer als null, wenn die Kredit/BIP-Lücke größer als 2 Prozentpunkte ist. Ab einer Kredit/BIP-Lücke von 10 Prozentpunkten wird der maximale Wert von 2,5 % erreicht. Die Bundesbank betont allerdings, dass der CCB nicht mechanisch in Höhe dieses Richtwertes festgesetzt wird, sondern vielmehr in einer ökonomischen Gesamtschau, einschließlich der Auswertung weiterer Indikatoren. Die Entscheidung beinhaltet dadurch auch diskretionäre Elemente. Die Bundesbank bezieht eine Reihe unterstützender Indikatoren ein. Diese helfen dabei zu entscheiden, ob  ein übermäßiges Kreditwachstum vorliegt, ob  eine Korrektur von Fehlentwicklungen wahrscheinlich ist,  wie widerstandsfähig der private nichtfinanzielle Sektor sowie die Banken sind und  wie hoch das Stressniveau im Finanzsystem ist. Volatilitätsindices Volatilitätsindices messen die Schwankungen von Finanzmarktparametern, wie Wechselkursen, Zinsen oder Aktienindices. Die Volatilitätsindexes VIX und VSTOXX geben die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungs- intensität anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 bzw. den STOXX 50 über 30 Tage in Prozentpunkten an. Ein hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kurs- schwankungen erwarten. 31
  • 32. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Glossar CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere CDS-Spreads auf staatliche Wertpapiere sind ein guter Indikator für die Markteinschätzung von Länderrisiken. Es ist aber zu beachten, dass CDS-Spreads auch von anderen Faktoren wie Marktliquidität, Kontrahentenrisiko und dem globalen Finanzumfeld abhängen, hier insbesondere vom internationalen Zinsniveau und der Risikoneigung der Anleger. Immobilienpreise Immobilienpreisblasen sind mit die wichtigsten Ursachen für Finanzkrisen. Ihnen sollte daher ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. Die Graphik für die wichtigsten EU-Länder stellt die Preisveränderung gegenüber dem Vorjahr in Relation zur Preisveränderung gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor drei Jahren. Damit lässt sich verhältnismäßig einfach die Dynamik der Immobilienpreisentwicklung erkennen. Die Graphik für die USA zeigt einfach die jährliche Veränderungsrate. Verschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten Sowohl die Höhe der Staatsverschuldung als auch die der privaten Haushalte sind wichtige Indikatoren für die Stabilität eines Finanzsystems. Allerdings gibt ihr Anteil am BIP nur einen groben Hinweis auf die zukünftige Schuldentragfähigkeit. 32