Umfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik

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„Die Weltwirtschaft befindet sich im Kriechgang, sie ist festgefahren in Mittelmäßigkeit“, erklärt Carsten Klude, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes und Chefvolkswirt von M.M. Warburg, mit Blick auf die Konjunkturprognose 2016/2017 der privaten Banken. Die 15 Chefvolkswirte des Ausschusses betonen, dass das globale Wachstum mit 3 % im Jahresverlauf erneut enttäuscht habe. Allein in den Schwellenländern seien erste Lichtblicke auszumachen. Ursache: die etwas höheren Öl- und Rohstoffpreise. Bei einem im nächsten Jahr auch wieder etwas höheren Wirtschaftswachstum in den USA könnte die Weltwirtschaft dann im Jahr 2017 um 3,3 % wachsen. Aber Klude warnt: „Die Risiken für die Weltkonjunktur werden auch im kommenden Jahr außergewöhnlich hoch bleiben.“
Das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum habe im ersten Halbjahr 2016 leicht positiv überrascht. Im Jahresdurchschnitt 2016 dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung in der Währungsunion um 1,5 % steigen. Schalte man einmalige Sondereffekte aus, sei dies in etwa das gleiche Tempo wie im vergangen Jahr. Klude erwartet: „Auch im nächsten Jahr wird sich nichts Grundlegendes an diesem Bild ändern.“ Aber: Da die positiven Konjunktureffekte durch die günstigen Ölpreise und die Euro-Abwertung hervorgerufen und im nächsten Jahr wohl vollständig wegfallen würden, werde die Wirtschaft mit 1,3 % geringfügig schwächer wachsen.
Auch die Wachstumsprognose für Deutschland haben die Chefvolkswirte der privaten Banken in diesem Jahr leicht angehoben, für nächstes Jahr aber etwas gesenkt. Durch besondere Kalendereffekte (in diesem Jahr stehen mehr Arbeitstage zur Verfügung als im nächsten) falle der Tempoverlust optisch deutlicher aus (nicht kalenderbereinigt von 1,8 % in diesem auf 1,2 %), als er tatsächlich sei (kalenderbereinigt von 1,7 % auf 1,5 %). Klude bekräftigt: „Zentrale Stütze für die deutsche Konjunktur bleiben die private Konsumnachfrage sowie der zur Finanzierung der Zuwanderung deutlich expandierende Staatsverbrauch. Die Wachstumsraten beider Komponenten sollten im nächsten Jahr nur geringfügig nachlassen.“

Veröffentlicht in: Wirtschaft & Finanzen
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Umfrageergebnisse Konjunktur und Wirtschaftspolitik

  1. 1. Ergebnisse der Umfrage „Konjunktur und Wirtschaftspolitik“ Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bundesverbandes deutscher Banken Berlin 29. September 2016
  2. 2. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Weltwirtschaftliches Umfeld 2 Befund  Weltwirtschaft im Kriechgang  Enttäuschungen im 1. Halbjahr 2016 - schwächeres US-Wachstum - sehr schwacher Welthandel  Bodenbildung in den Schwellenländern Ausblick  Aufschwung in den USA bleibt intakt  Leichte Belebung in den Schwellenländern  Risiken bleiben außergewöhnlich hoch - geopolitische Krisenherde - innenpolitische Spannungen - wachsender Nationalismus - Protektionismus - Brexit und Stabilität der EU/WU - Terrorismus - gelingt wirtschaftlicher Umbau in China? - weltweite Liquiditätsschwemme
  3. 3. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Konjunktur im Euro-Raum  Aktueller Konjunkturtrend ähnlich wie im Vorjahr  Investitionen bleiben schwach - reagieren kaum noch auf den Zins - geldpolitische Impulse verpuffen  Konjunkturelle Rückenwind durch Ölpreise und Euro-Abwertung läuft aus  Brexit-Votum: Effekte lassen sich kaum isolieren/beziffern; Belastungen werden noch länger anhalten (schleichende Wirkung) 3
  4. 4. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Inflationsrate löst sich von der Nulllinie  Preisentwicklung seit drei Jahren sehr gering - Euro-Abwertung - Ölpreise  statistische Effekte (Abwertung, Ölpreis) laufen aus  Inflation löst sich wieder von der Nulllinie; 2017 wieder über der 1 %-Marke  Annahme für Prognose - moderate wirtschaftliche Erholung - leicht steigende Rohölpreise - Euro-Dollar-Kurs zw. 1,05 und 1,15 $ 4
  5. 5. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Geldpolitik der EZB  EZB wird 2016 wohl noch einmal „nachlegen“  Zinswende kaum vor 2019; und selbst dann: extrem schwierig 5
  6. 6. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Konjunktur in Deutschland 6  1. Halbjahr 2016 besser als prognostiziert  Leichte Verlangsamung im 2. Halbjahr 2016  Kalendereffekt verzerrt (ohne Kalendereffekt: 4 Jahre mit rd. 1,5 %)  Privater Konsum bleibt robust (auch wenn Rückenwind vom Öl nachlässt und Sparquote steigt)  Deutliches Wachstum beim Staatskonsum
  7. 7. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Konjunktur in Deutschland  Ausrüstungsinvestitionen bleiben gravierender Schwachpunkt  Industriekonjunktur ohne Schwung 7  Beschäftigung klettert von Rekord zu Rekord  Arbeitslosigkeit wird 2017 jedoch steigen - Jahresdurchschnitt 2015: 2,795 Millionen - Prognose 2016: 2,69 Millionen - Prognose 2017: 2,79 Millionen
  8. 8. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. 8 Ausgewählte wirtschaftspolitische Themen
  9. 9. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. 1. Globales Wirtschaftswachstum 9  Globaler Wachstumstrend deutlich abge- schwächt These der „säkulare Stagnation“ (u. a. Ersparnis > geplante Investitionen)  Negativzinsen, höheres Inflationsziel, Staats- ausgaben  Es gibt keine einfache Erklärung Ebenfalls wichtige Aspekte: - Wachstumsraten vor Finanzkrise überzeichnet - Schuldenabbau im privaten Sektor - angebotsseitige Wirtschaftsprobleme Zeitraum Jährliches Wirtschaftswachstum 1996 - 2007 4,2 % 2003 - 2007 5,1 % 2012 - 2015 3,3 %  Geldpolitik kann nicht Wachstumsprobleme der Weltwirtschaft lösen Höheres Inflationsziel  Steuerungs- und Glaubwürdigkeits- probleme  ungünstigere Wachstums- und Ver- teilungseffeke Negativzinsen (Bargeldabschaffung)  Steuerbarkeitsillusion der Geldpolitik  massive Akzeptanzprobleme, Aus- weicheffekte  Vertrauensverluste
  10. 10. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. 2. Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)  Weitere expansive Maßnahmen ohne positive Wirkungen  Nebenwirkungen und Risiken nehmen zu - Belastung des Finanzsektors (u. a. längerfr. Kreditvergabemöglichkeiten) - stetige Ausweitung der Krisenpolitik schürt Unsicherheit - Bilanzsanierung bei Banken und Unternehmen wird verschleppt - verzerrte Risikopreise, Preisblasen, Fehllenkung von Investitionen - reduziert Reformdruck in den einzelnen Euro-Staaten 10  Keine „mechanistische“ Geldpolitik  Kommunikationskanal stärken (Umfeldbedingungen sorgfältig analysieren/erläutern)  Mittelfristiges Inflationsziel ≠ Punktziel am Ende des Prognosehorizonts  Debatte, wie das Aufkaufprogramm zurückgefahren wird, ist überfällig Grenzen der Wirksamkeit Empfehlung: Geldpolitik der “ruhigen Hand”
  11. 11. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. 3. Europäische Integration  Vorzüge unstrittig: Binnenmarkt und gemeinsame Interessenvertretung gegenüber anderen Wirtschaftsregionen  Zentrale Bedingung für Integration: Verantwortung und Haftung auf der gleichen Ebene! (viele der aktuellen Probleme in der EU und im Euro-Raum rühren aus der Missachtung dieser fundamentalen Bedingung)  (Strikte) Regelbindung kann Diskrepanz bei Haftung und Verantwortung reduzieren  sinnvolles Instrument im Integrationsprozess (muss rehabilitiert werden)  Nationalstaaten müssen auch bereit sein, auch in unpopulären Fällen Verantwortung zu tragen („Schwarze-Peter-Spiel“ mit Brüssel beenden) 11 Weitere Gestaltung des Integrations- prozesses  „Rückabwicklung“ der Integration  Gewichtsverlust im internationalen Rahmen  längerfristig Schwächung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit  Wohlstandsverluste Eckpunkte für den Integrationsprozess
  12. 12. ©BundesverbanddeutscherBankene.V. Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik Carsten Klude Chefvolkswirt, M.M.Warburg & CO (AG & Co.) KGaA, Hamburg - Vorsitzender - Burkhard Allgeier Chefvolkswirt & Leiter Anlagestrategie, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA, Frankfurt am Main Dr. Marco Bargel Chefvolkswirt, Deutsche Postbank AG, Bonn Dr. Elga Bartsch Chefvolkswirtin Europa, Morgan Stanley UK Group, London Dr. Klaus Bauknecht Chefvolkswirt, IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf Dr. Jan Bottermann Chefvolkswirt, NATIONAL-BANK AG, Essen Carsten Brzeski Chefvolkswirt, ING-DiBa AG, Frankfurt am Main Dr. Felix Hüfner Chefvolkswirt Deutschland, UBS Deutschland AG, Frankfurt am Main Dr. Jörg Krämer Chefvolkswirt, Commerzbank AG, Frankfurt am Main Dr. Martin Moryson Chefvolkswirt, Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA, Köln Dr. Andreas Rees Chefvolkswirt Deutschland, UniCredit Bank AG, Frankfurt am Main Stefan Schilbe Chefvolkswirt, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf Dr. Holger Schmieding Chefvolkswirt, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, London Stefan Schneider Chief International Economist, Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main Dr. Dirk Schumacher Chefvolkswirt Deutschland, Goldman Sachs AG, Frankfurt am Main Geschäftsführung: Dr. Christian Ossig Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Bundesverband deutscher Banken e.V., Berlin Dr. Siegfried Utzig Kommissarischer Leiter, Wirtschaftspolitik und Internationale Beziehungen, Bundesverband deutscher Banken e.V., Berlin 12

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