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SO NEHMEN SIE DEN RICHTIGEN ZUG
Veränderungen im Krankenhaus konstruktiv gestalten.
Alles immer wieder neu: Strukturen, Arbeitszeiten, Führungskräfte, Standards, Prioritäten.
Veränderungen stehen in deutschen Kliniken ganz oben auf der Verordnungsliste. Grund
hierfür ist die zunehmend rigider werdende Gesundheitspolitik.
Der Unmut der Arbeitnehmer wird auf private Klinik-
träger, Geschäftsführer und Pflegedienstleiter projiziert,
deren Entscheidungsspielräume wiederum in ein enges
Kostenkorsett eingeschnürt sind. Die Mitarbeiter der
Kliniken fühlen sich ausgequetschter als Zitronen und
der daraus resultierende Frust stört das Arbeitsklima.
Die Kommunikation an Schnittstellen und innerhalb der
Teams leidet. Diese Reibungsverluste torpedieren durch
unkalkulierbare Größen wie Rückzug in Krankheit, passi-
ve Präsenz und gegeneinander statt füreinander Arbeiten
den Kostenplan.
„Wer schaffen will, muss fröhlich sein“ lautet ein Sprich-
wort, doch Frust breitet sich wie ein Virus in den Kran-
kenhäusern aus und tötet die positive Arbeitsenergie ab.
Phasen der Veränderung
Auf eines können sich die Mitarbeiter heutzutage im Kran-
kenhaus verlassen: Sicher ist der stetige Wandel ihrer Ar-
beitswelt. Und die Gretchenfrage lautet: Wie gehen wir mit
diesem permanenten Umbruch um?
Der Blick auf den Prozess der Verarbeitung von Verände-
rungen in Unternehmen zeigt Analogien zu den von Küb-
ler-Ross identifizierten Trauerphasen. Sollen zum Beispiel
Stempeluhren zur Erfassung der Arbeitszeit im Kranken-
haus eingeführt werden, wird das in den Reihen der Mit-
arbeiter zunächst durch „... hast Du schon gehört ..., gibt’s
doch nicht ...“ also Schock, und dann durch Verneinung, „...
das glaube ich nicht, die werden schon sehen, dass das nicht
geht ...“ quittiert werden. Weitere Informations- und Aufklä-
rungsarbeit führt in einem zweiten Schritt zur rationalen
Einsicht, „... okay, die Stempeluhren kommen ...“. Die emo-
tionale Akzeptanz ist jedoch der wahre Motor für den Blick
in die Zukunft. Die Mitarbeiter spüren, die Stempeluhr tut
nichts anderes, als die Arbeitszeit zu registrieren. Das Ge-
rät zu erreichen, bedingt keinen Umweg zum Arbeitsplatz,
am Ende des Monats wird sauber aufgelistet, was geleistet
wurde, und endlich fallen die Überstunden nicht mehr un-
ter den Tisch. Nach dem ersten Ausprobieren zeigen sich
Erkenntnisse, die hoffentlich positive Erfahrungen sind und
die schließlich dafür sorgen, dass die Veränderung von den
Mitarbeitern akzeptiert und in den Alltag integriert wird.
Der Akzeptanz einer Veränderung werden immer diese
Verarbeitungsschritte voraus gehen. Um die Energie der
Mitarbeiter mitzunehmen, statt diese durch die Variante
„Ankündigen – Ausführen“ zu frustrieren und dadurch den
Veränderungsprozess zum Scheitern zu bringen, sollten
diese Phasen im Blick behalten und der Umgang mit ihnen
geplant werden. Es ist schon viel durch die Erkenntnis ge-
wonnen, dass die meisten Mitarbeiter nicht: „Juhu!“, rufen
werden, wenn etwas Neues am Arbeitsplatz ansteht.
Welchen Zug nehmen wir? – Zwei
Bewertungsmuster
Jedes Ereignis, mit dem wir konfrontiert werden, löst eine
Bewertung aus. Unbewusst finden innere Dialoge statt.
Diesem „Gossip“ aus Erfahrenem und Erwartetem fol-
gen Emotionen. Emotionen verursachen Verhalten, und
durch dieses wiederum wird die Herausforderung mehr
oder weniger erfolgreich bewältigt. Der erlebte Erfolg
oder Misserfolg fließt als Lerneffekt in den Erfahrungs-
horizont ein und wird abgerufen, wenn ein gleiches oder
ähnliches Ereignis eintritt. Die Bewertung ist dann ent-
weder negativ oder, durch positive Erfahrungen erlernt,
konstruktiv.
Die englischen Berater Sayle und Kumar beschreiben diese
gegensätzlichen Einschätzungen von Situationen mit den
eingängigen Metaphern „Riding the Red Train“ und „Riding
the Blue Train“. Menschen, die sich Veränderungen ihrer
Umgebung ohnmächtig ausgeliefert, sich selbst nicht gestal-
tend erleben, ihre Selbstwirksamkeit nicht erfahren, werden
krank, denn das Immun-, Verdauungs- und Fortpflanzungs-
system konzentriert sich nur noch auf die Konfrontation mit
der von außen drohenden Gefahr. Die Muskeln verspannen
sich – bereit für Flucht oder Angriff. Hält die empfundene
Ohnmacht gegenüber den Ereignissen von außen an, kommt
es zur kompletten Erschöpfung und Erkrankung.
Die Mitarbeiter innerhalb des Veränderungsprozesses Ge-
staltungsfreiheit und Erfolge spüren zu lassen, kommt dem
soziologischen Konzept der Selbstwirksamkeit entgegen,
durch den Motivation erhalten bleibt. Das gilt für den einzel-
nen Mitarbeiter wie für ein Team – der Grad der Affirmation
zum Ereignis bzw. zur Veränderung bestimmt deren Erfolg.
KOMMUNIKATIONSBERATUNG
FÜR KLINIKEN© Christiane Fruht M. A. 2013
Riding the Red Train: destruktive
Bewertungsmuster
Auf eine Veränderung, die vom Gehirn als Gefahr eingestuft
wird, reagieren Menschen mit Flucht oder Angriff. Flucht
wird im Klinikalltag am ehesten durch Verleugnen oder Ver-
meiden ausgelebt. So setzen sich Mitarbeiter erst gar nicht
mit einer Veränderung auseinander, setzen sie nicht in die
Tat um, drohen mit Kündigung. Angriff bedeutet im Alltag,
Diskussionen um die Umsetzung eines Themas zu führen,
wenn es ungünstig läuft, ausgetragen im Team, hinter ver-
schlossenen Türen, als destruktive Gedankenschleifen. Im
günstigeren Fall setzen sich Mitarbeiter aktiv mit dem Ent-
scheider auseinander und schenken ihm somit die Gelegen-
heit der Auseinandersetzung.
Flucht und Angriff, beide Reaktionsmöglichkeiten, lösen ab-
lehnende Emotionen, wie etwa Wut, Angst, Schuld, Trauer
aus. Diese Emotionen lösen vermeidendes oder gar zerstöre-
risches Verhalten aus. Der neue Sachverhalt wird entweder
ignoriert, bis es nicht mehr geht, oder es wird offen bzw.
verdeckt gegen ihn gekämpft oder geredet, dem Arbeitgeber
wird durch kleine Sanktionen bewusst geschadet.
Psychologen stellten fest, dass Menschen in einer destrukti-
ven Stimmung naheliegende Lösungen nicht erkennen, unk-
reativ, anfällig für Fehler und natürlich weniger leistungsbe-
reit sind. Negative Denkspiralen schaden darüberhinaus der
Gesundheit jedes Einzelnen. Es schleichen sich Denkmuster
ein, die der persönlichen Lebensqualität abträglich sind.
Auch wenn die Reaktion à la „Red Train“ bei Veränderun-
gen natürlich ist, nützt sie letztlich keinem, weder dem
Unternehmen noch dem Mitarbeiter. Denn wir müssen
heutzutage nicht mehr gegen Tiger kämpfen, sondern mit
den Herausforderungen des Alltags konstruktiv umgehen.
Riding the Red Train: ein Beispiel
Für den Kreißsaal eines Krankenhauses wurde Maximalver-
sorgung entschieden. Die Entscheidung war die Folge eines
Patts. Im Kreißsaal war Personal augefallen, und die darauf-
hin verständigten Hebammen verweigerten das kurzfristige
Einspringen oder ließen sich telefonisch gar verleugnen.
Der Kreißsaal konnte nicht besetzt werden, die anwesenden
Hebammen wurden aus der Not heraus zur Doppelschicht
verpflichtet.
Das Ereignis war noch frisch, als ich Ende 2012 einen Team-
workshop zur Führungssituation
moderierte. Der Zorn über den
Bereitschaftsdienst richtete sich
gegen die den Konflikt verursa-
chenden Kolleginnen, die leiten-
den Hebammen, die in den Au-
gen der Teammitglieder nicht als
Schutzschild fungiert hatten, die
Pflegedienstleitung, die nur ein
langer Arm der Geschäftsführung
sei – und gegen die Geschäftsfüh-
rung selbst, die unsensibel Ent-
scheidungen im wirtschaftlichen
Interesse durchsetze.
Wut, Frustration, Resignation und
Aggression flankierten unseren
Workshop. Die Hebammen ver-
handelten mit den Führungskräf-
ten, unter welchen Bedingungen – wenn überhaupt – ein
solcher Bereitschaftsdienst zu akzeptieren bzw. zunächst
einmal auszuprobieren wäre. Das Thermometer zwischen
Leitungsebene und Hebammenteam zeigte frostige Tempe-
raturen an.
Riding the Blue Train: konstruktive
Bewertungsmuster
Um es mit Seligmann zu sagen: Positiv gestimmte Men-
schen sind nicht nur kreativer beim Finden von Lösungen,
ihnen geht die Arbeit leichter von der Hand, sie bleiben ge-
sünder und leben letztlich sogar länger. Sayle und Kumar
bezeichnen die Fähigkeit, positiv mit Herausforderungen
umzugehen, als „Riding the Blue Train“. Klug werden die
impulshaften Reaktionen des „Red Train“ supprimiert, wohl
wissend, das jegliche destruktive Wertung und Äußerung
negative Energie produziert, die gar nichts zur Problem-
lösung beiträgt. Jedes Ereignis wird entsprechend seiner
Chancen und Möglichkeiten überprüft, denn aus jeder noch
so verfahrenen Situation können sich Entwicklungsmög-
lichkeiten ergeben. Lernchancen könnten zum Beispiel sein:
Prioritäten setzen, Abläufe neu organisieren und damit fle-
xibler werden, an persönlichen Schwächen arbeiten, Anre-
2
gung zu neuen Standortbestimmung bekommen, im Team
enger zusammenrücken, stärker auf seinen Körper achten
oder Konflikte aus dem Weg räumen.
Sind Team und Mitarbeiter sich bewusst, welcher Nutzen
durch die Integration der Veränderung erreicht werden
kann, folgen daraus positive Emotionen wie Zuversicht,
Motivation, Zufriedenheit, Vertrauen. Entsprechend wird
das Verhalten getriggert, mit dem sich der neuen Aufgabe
zugewandt wird.
Antworten auf die Frage nach dem Sinn nützen in zweierlei
Hinsicht: Die vegetativ-affektive Steuerung, die über Angriff
und Verteidigung entscheidet, wird sanft gestimmt. Auch
die emotionale Bewertung durch die Amygdala im limbi-
schen System fällt positiver aus. Das ist wichtig, weil hier
das Belohnungs- und Motivationssystem zu Hause ist, das
Freude und Spaß an einer Sache auslöst. Sowohl die vegeta-
tiv-affektive Steuerung als auch die Funktion der emotiona-
len Bewertung sind unbewusst.
Das heißt, dass auf Entscheidun-
gen, die hier fallen, kein verbaler
Zugriff besteht.
Und doch, wenn das „naive
Kleinkind“ in diesen primiti-
ven Teil des Gehirns laut und
deutlich „ja“ zu einer Heraus-
forderung sagt, weil die Lösung
etwas nützt, dann setzt sich der
„AMG-V12-Doppelturbo-Motor“
des Mitarbeiters in Gang. Der
viel diskutierte freie Wille des
Menschen ist ein Gefühl; sagt
dieses zu etwas „ja“, werden
enorme Kräfte freigesetzt. Noch
einmal sei erwähnt, dass Men-
schen mit positiven Emotionen
wie Freude und Spaß sowie durch Sinnhaftigkeit leistungs-
stärker und kreativer beim Finden von Lösungen sind, zu-
verlässigere Diagnosen stellen und weniger Fehler machen.
Mitarbeiter, die sich gemeinsam mit dem Krankenhaus ent-
wickeln möchten, brauchen gleichzeitig Sicherheit und die
Freiheit, sich auch mit eigenen Ideen einbringen und aus-
probieren zu können.
Zum Beispiel zurück: Nachdem die Hebammen „die Täler der
Tränen“ der Veränderungskurve durchschritten hatten, traf
ich sie im Frühjahr wieder und erfuhr in einem Nebensatz,
dass die Einführung des Bereitschaftsdienstes ein Segen für
die Work-Life-Balance sei, da nun freie Tage auch wirklich
frei zur Verfügung stünden und man für Bereitschaft eine
Vergütung bekäme. Diese Chancen und Möglichkeiten hatte
die Krise gebracht.
Umsteigen vom „Red Train“ in den
„Blue Train“
Fünf Verhaltensmaximen machen den Umstieg in das konst-
ruktive Bewertungsmuster, den „Blue Train“, möglich.
1. Bewusstheit
Veränderungen lösen in den meisten Fällen zunächst ne-
gative Gefühle aus; dann wird mehr oder weniger typisch
die Veränderungskurve durchlaufen. Bewusstheit ob dieser
Gedanken und Gefühle sowie deren Verlauf ist der erste gro-
ße Schritt in Richtung konstruktiven Umgangs mit Verän-
derungen. Erwarten Sie diese Reaktion bei sich selbst, aber
auch bei ihren Mitarbeitern. „Wenn man es gemerkt hat, hat
man es schon gemerkt“. Beobachten Sie sich und Ihre Re-
aktionen, lernen Sie daraus für die Zukunft. Schaffen Sie
Bewusstsein dafür, dass die Gedanken im Umgang mit der
Veränderung Ihr Verhalten und damit den Erfolg des Pro-
jektes steuern.
2. Akzeptanz
Akzeptieren Sie die anstehende Veränderung, was nicht
gleichzusetzen ist mit Resignation. Wenn jedoch die Energie
in Abwehr und Leugnung verpulvert wird, ist niemandem
geholfen, schon gar nicht Ihnen selbst. Schauen Sie sich
stets nach Handlungsspielräumen innerhalb der neuen Re-
geln bzw. Bedingungen um, und tun Sie, was es für Sie zu
tun gibt, um Positives aus der Veränderung zu ziehen: Ler-
nen Sie etwas dazu? Sind neue Erkenntnisse unumgänglich?
Werden bisher nur unterschwellig vorhandene Konflikte an
die Oberfläche gespült und zwingen Sie genau jetzt dazu, et-
was zu tun? Umstände zu akzeptieren, die sich nicht ändern
lassen, kann unheimlich erleichternd wirken. Schöpfen Sie
Ihre Energie bewusst aus den Dingen, die Ihnen Freude be-
reiten.
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3. Loslassen
Trennen Sie sich von alten Verhaltensmustern, Denkweisen
und Gewohnheiten. Woher wissen Sie, dass diese die besten
sind? Probieren Sie Neues aus; nicht nur einmal. Sie können
nur gewinnen – mindestens an Erfahrung. Motivieren Sie
sich selbst, lustvoll Neues auszuprobieren. Hinterfragen Sie
bei Ihren Mitarbeitern immer wieder wertschätzend, voller
Interesse und Verständnis, eingeschliffene Verhaltenswei-
sen. Setzen Sie dann vorsichtig Impulse für neue Ideen und
motivieren Sie zur Umsetzung. Richten Sie den Fokus auf
positive Aspekte der Veränderung. Die rosarote Brille ist
zum Zweck der Motivation erlaubt.
4. Risiken eingehen
Scheitern? – Na und! Wenigstens haben Sie es probiert, es
macht Sie klüger. Nicht jedes Veränderungsprojekt wird den
gewünschten Erfolg bringen. Definieren Sie Erfolgskriteri-
en, die das Projekt als gelungen markieren. Welche Hürden
wird es geben? Wie gehen Sie mit diesen um? Definieren Sie
außerdem einen Zeitraum, den Sie sich für die Umsetzung
geben, um dann Bilanz zu ziehen. Nutzen Sie folgendes
Feedback-Muster:
Was begeistert?
Was funktioniert?
Was funktioniert bis jetzt
noch nicht?
Was lässt sich noch
erreichen?
Was hat nicht
funktioniert?
Entwickeln Sie aus den Ergebnissen dieses (Team-)Feed-
backs Plan B, der ebenfalls den neuen Rahmenbedingungen
gerecht wird. Das diszipliniert auch dazu, den Mitarbeitern
die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie sich bewegen,
genau und verständlich zu erklären.
5. Entwickeln
Passagiere des „Red Train“ tendieren dazu, den Status quo
erhalten zu wollen und killen damit Energie, Ideen, kons-
truktive Gespräche und Möglichkeiten. Gefördert werden
diese positiven Impulse hingegen von denen, die im „Blue
Train“ fahren. Diese Mitarbeiter sorgen für Frische und po-
sitive Energie im Arbeitsalltag. Als Führungskraft sind Sie
Vorbild und sollten sich in erster Linie selbst gut unter Kon-
trolle haben, um konstruktiv, wach und flexibel zu bleiben.
Aber auch latent negative Äußerungen aus den Reihen der
Mitarbeiter gehören unterbunden, weil sie dem Energieräu-
ber Futter geben. Anerkennen Sie Skepsis der Mitarbeiter,
fragen Sie interessiert nach, was genau den Argwohn aus-
löst. Argumentieren Sie nicht gegen den Mitarbeiter, son-
dern für Nutzen und Sinn des Projektes. Fragen Sie interes-
siert weiter, ob Sie die Zweifel ausräumen konnten, bleiben
Sie im Gespräch.
Die Verantwortung des Mitarbeiters ist es hingegen, immer
wieder zu prüfen, ob die Kosten-Nutzen-Bilanz seines Ein-
satzes beim Arbeitgeber noch stimmt und ob die Motive und
Ziele des Unternehmens mit den persönlichen annähernd
in Einklang stehen. Welchen Sinn macht es, sich diesem
Arbeitgeber zu verpflichten? – Nur wenn der Mitarbeiter
für sich selbst die Sinnfrage positiv beantworten kann, ist
er gerne Passagier im „Blue Train“ des Unternehmens. An-
dernfalls wäre es fair für beide Seiten, jemandem den Platz
zu überlassen, für den die Bedingungen stimmen.
Literatur
Bart, S.; Surinder, K.: Riding the Blue Train: A Leadership
Plane for Explosive Growth. 2006.
Kübler-Ross, E.: Interviews mit Sterbenden. Freiburg 2001.
Maehrlein, K.: Die Bambus-Strategie: Den täglichen Druck
mit Resilienz meistern. Offenbach 2012.
Seligmann, M.: Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die po-
sitive Psychologie des gelingenden Lebens. München 2012.
Seligmann, M.: Der Glücksfaktor: Warum Optimisten länger
leben. Bergisch Gladbach 2009.
Seligmann, M.: Erlernte Hilflosigkeit. Weinheim und Basel
2011.
4
Die Autorin
Christiane Fruht M. A., Kommunikationswissenschaft-
lerin und Psycholinguistin, Coach, Mediatorin, Trai-
nerin für Führung, Kom-
munikation und Auftreten,
berät und coacht Klinik-
Teams dabei, ihre Zusam-
menarbeit zu optimieren.
Neben ihrer langjährigen
Beraterpraxis in der Wirt-
schaft kommt ihr dabei
ihre 16-jährige Berufser-
fahrung als examinierte
Krankenschwester, u. a. auf einer Herzchirurgischen
Intensivstation, zugute.
Christiane Fruht verfasst regelmäßig Fachartikel zu
Brennpunktthemen rund um Kommunikation und
Zusammenarbeit in Kliniken und Unternehmen.
Christiane Fruht // ERFOLGSDIALOGE //
www.fruht-klinikberatung.de

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Veränderungen im Krankenhaus konstruktiv gestalten

  • 1. 1 SO NEHMEN SIE DEN RICHTIGEN ZUG Veränderungen im Krankenhaus konstruktiv gestalten. Alles immer wieder neu: Strukturen, Arbeitszeiten, Führungskräfte, Standards, Prioritäten. Veränderungen stehen in deutschen Kliniken ganz oben auf der Verordnungsliste. Grund hierfür ist die zunehmend rigider werdende Gesundheitspolitik. Der Unmut der Arbeitnehmer wird auf private Klinik- träger, Geschäftsführer und Pflegedienstleiter projiziert, deren Entscheidungsspielräume wiederum in ein enges Kostenkorsett eingeschnürt sind. Die Mitarbeiter der Kliniken fühlen sich ausgequetschter als Zitronen und der daraus resultierende Frust stört das Arbeitsklima. Die Kommunikation an Schnittstellen und innerhalb der Teams leidet. Diese Reibungsverluste torpedieren durch unkalkulierbare Größen wie Rückzug in Krankheit, passi- ve Präsenz und gegeneinander statt füreinander Arbeiten den Kostenplan. „Wer schaffen will, muss fröhlich sein“ lautet ein Sprich- wort, doch Frust breitet sich wie ein Virus in den Kran- kenhäusern aus und tötet die positive Arbeitsenergie ab. Phasen der Veränderung Auf eines können sich die Mitarbeiter heutzutage im Kran- kenhaus verlassen: Sicher ist der stetige Wandel ihrer Ar- beitswelt. Und die Gretchenfrage lautet: Wie gehen wir mit diesem permanenten Umbruch um? Der Blick auf den Prozess der Verarbeitung von Verände- rungen in Unternehmen zeigt Analogien zu den von Küb- ler-Ross identifizierten Trauerphasen. Sollen zum Beispiel Stempeluhren zur Erfassung der Arbeitszeit im Kranken- haus eingeführt werden, wird das in den Reihen der Mit- arbeiter zunächst durch „... hast Du schon gehört ..., gibt’s doch nicht ...“ also Schock, und dann durch Verneinung, „... das glaube ich nicht, die werden schon sehen, dass das nicht geht ...“ quittiert werden. Weitere Informations- und Aufklä- rungsarbeit führt in einem zweiten Schritt zur rationalen Einsicht, „... okay, die Stempeluhren kommen ...“. Die emo- tionale Akzeptanz ist jedoch der wahre Motor für den Blick in die Zukunft. Die Mitarbeiter spüren, die Stempeluhr tut nichts anderes, als die Arbeitszeit zu registrieren. Das Ge- rät zu erreichen, bedingt keinen Umweg zum Arbeitsplatz, am Ende des Monats wird sauber aufgelistet, was geleistet wurde, und endlich fallen die Überstunden nicht mehr un- ter den Tisch. Nach dem ersten Ausprobieren zeigen sich Erkenntnisse, die hoffentlich positive Erfahrungen sind und die schließlich dafür sorgen, dass die Veränderung von den Mitarbeitern akzeptiert und in den Alltag integriert wird. Der Akzeptanz einer Veränderung werden immer diese Verarbeitungsschritte voraus gehen. Um die Energie der Mitarbeiter mitzunehmen, statt diese durch die Variante „Ankündigen – Ausführen“ zu frustrieren und dadurch den Veränderungsprozess zum Scheitern zu bringen, sollten diese Phasen im Blick behalten und der Umgang mit ihnen geplant werden. Es ist schon viel durch die Erkenntnis ge- wonnen, dass die meisten Mitarbeiter nicht: „Juhu!“, rufen werden, wenn etwas Neues am Arbeitsplatz ansteht. Welchen Zug nehmen wir? – Zwei Bewertungsmuster Jedes Ereignis, mit dem wir konfrontiert werden, löst eine Bewertung aus. Unbewusst finden innere Dialoge statt. Diesem „Gossip“ aus Erfahrenem und Erwartetem fol- gen Emotionen. Emotionen verursachen Verhalten, und durch dieses wiederum wird die Herausforderung mehr oder weniger erfolgreich bewältigt. Der erlebte Erfolg oder Misserfolg fließt als Lerneffekt in den Erfahrungs- horizont ein und wird abgerufen, wenn ein gleiches oder ähnliches Ereignis eintritt. Die Bewertung ist dann ent- weder negativ oder, durch positive Erfahrungen erlernt, konstruktiv. Die englischen Berater Sayle und Kumar beschreiben diese gegensätzlichen Einschätzungen von Situationen mit den eingängigen Metaphern „Riding the Red Train“ und „Riding the Blue Train“. Menschen, die sich Veränderungen ihrer Umgebung ohnmächtig ausgeliefert, sich selbst nicht gestal- tend erleben, ihre Selbstwirksamkeit nicht erfahren, werden krank, denn das Immun-, Verdauungs- und Fortpflanzungs- system konzentriert sich nur noch auf die Konfrontation mit der von außen drohenden Gefahr. Die Muskeln verspannen sich – bereit für Flucht oder Angriff. Hält die empfundene Ohnmacht gegenüber den Ereignissen von außen an, kommt es zur kompletten Erschöpfung und Erkrankung. Die Mitarbeiter innerhalb des Veränderungsprozesses Ge- staltungsfreiheit und Erfolge spüren zu lassen, kommt dem soziologischen Konzept der Selbstwirksamkeit entgegen, durch den Motivation erhalten bleibt. Das gilt für den einzel- nen Mitarbeiter wie für ein Team – der Grad der Affirmation zum Ereignis bzw. zur Veränderung bestimmt deren Erfolg. KOMMUNIKATIONSBERATUNG FÜR KLINIKEN© Christiane Fruht M. A. 2013
  • 2. Riding the Red Train: destruktive Bewertungsmuster Auf eine Veränderung, die vom Gehirn als Gefahr eingestuft wird, reagieren Menschen mit Flucht oder Angriff. Flucht wird im Klinikalltag am ehesten durch Verleugnen oder Ver- meiden ausgelebt. So setzen sich Mitarbeiter erst gar nicht mit einer Veränderung auseinander, setzen sie nicht in die Tat um, drohen mit Kündigung. Angriff bedeutet im Alltag, Diskussionen um die Umsetzung eines Themas zu führen, wenn es ungünstig läuft, ausgetragen im Team, hinter ver- schlossenen Türen, als destruktive Gedankenschleifen. Im günstigeren Fall setzen sich Mitarbeiter aktiv mit dem Ent- scheider auseinander und schenken ihm somit die Gelegen- heit der Auseinandersetzung. Flucht und Angriff, beide Reaktionsmöglichkeiten, lösen ab- lehnende Emotionen, wie etwa Wut, Angst, Schuld, Trauer aus. Diese Emotionen lösen vermeidendes oder gar zerstöre- risches Verhalten aus. Der neue Sachverhalt wird entweder ignoriert, bis es nicht mehr geht, oder es wird offen bzw. verdeckt gegen ihn gekämpft oder geredet, dem Arbeitgeber wird durch kleine Sanktionen bewusst geschadet. Psychologen stellten fest, dass Menschen in einer destrukti- ven Stimmung naheliegende Lösungen nicht erkennen, unk- reativ, anfällig für Fehler und natürlich weniger leistungsbe- reit sind. Negative Denkspiralen schaden darüberhinaus der Gesundheit jedes Einzelnen. Es schleichen sich Denkmuster ein, die der persönlichen Lebensqualität abträglich sind. Auch wenn die Reaktion à la „Red Train“ bei Veränderun- gen natürlich ist, nützt sie letztlich keinem, weder dem Unternehmen noch dem Mitarbeiter. Denn wir müssen heutzutage nicht mehr gegen Tiger kämpfen, sondern mit den Herausforderungen des Alltags konstruktiv umgehen. Riding the Red Train: ein Beispiel Für den Kreißsaal eines Krankenhauses wurde Maximalver- sorgung entschieden. Die Entscheidung war die Folge eines Patts. Im Kreißsaal war Personal augefallen, und die darauf- hin verständigten Hebammen verweigerten das kurzfristige Einspringen oder ließen sich telefonisch gar verleugnen. Der Kreißsaal konnte nicht besetzt werden, die anwesenden Hebammen wurden aus der Not heraus zur Doppelschicht verpflichtet. Das Ereignis war noch frisch, als ich Ende 2012 einen Team- workshop zur Führungssituation moderierte. Der Zorn über den Bereitschaftsdienst richtete sich gegen die den Konflikt verursa- chenden Kolleginnen, die leiten- den Hebammen, die in den Au- gen der Teammitglieder nicht als Schutzschild fungiert hatten, die Pflegedienstleitung, die nur ein langer Arm der Geschäftsführung sei – und gegen die Geschäftsfüh- rung selbst, die unsensibel Ent- scheidungen im wirtschaftlichen Interesse durchsetze. Wut, Frustration, Resignation und Aggression flankierten unseren Workshop. Die Hebammen ver- handelten mit den Führungskräf- ten, unter welchen Bedingungen – wenn überhaupt – ein solcher Bereitschaftsdienst zu akzeptieren bzw. zunächst einmal auszuprobieren wäre. Das Thermometer zwischen Leitungsebene und Hebammenteam zeigte frostige Tempe- raturen an. Riding the Blue Train: konstruktive Bewertungsmuster Um es mit Seligmann zu sagen: Positiv gestimmte Men- schen sind nicht nur kreativer beim Finden von Lösungen, ihnen geht die Arbeit leichter von der Hand, sie bleiben ge- sünder und leben letztlich sogar länger. Sayle und Kumar bezeichnen die Fähigkeit, positiv mit Herausforderungen umzugehen, als „Riding the Blue Train“. Klug werden die impulshaften Reaktionen des „Red Train“ supprimiert, wohl wissend, das jegliche destruktive Wertung und Äußerung negative Energie produziert, die gar nichts zur Problem- lösung beiträgt. Jedes Ereignis wird entsprechend seiner Chancen und Möglichkeiten überprüft, denn aus jeder noch so verfahrenen Situation können sich Entwicklungsmög- lichkeiten ergeben. Lernchancen könnten zum Beispiel sein: Prioritäten setzen, Abläufe neu organisieren und damit fle- xibler werden, an persönlichen Schwächen arbeiten, Anre- 2
  • 3. gung zu neuen Standortbestimmung bekommen, im Team enger zusammenrücken, stärker auf seinen Körper achten oder Konflikte aus dem Weg räumen. Sind Team und Mitarbeiter sich bewusst, welcher Nutzen durch die Integration der Veränderung erreicht werden kann, folgen daraus positive Emotionen wie Zuversicht, Motivation, Zufriedenheit, Vertrauen. Entsprechend wird das Verhalten getriggert, mit dem sich der neuen Aufgabe zugewandt wird. Antworten auf die Frage nach dem Sinn nützen in zweierlei Hinsicht: Die vegetativ-affektive Steuerung, die über Angriff und Verteidigung entscheidet, wird sanft gestimmt. Auch die emotionale Bewertung durch die Amygdala im limbi- schen System fällt positiver aus. Das ist wichtig, weil hier das Belohnungs- und Motivationssystem zu Hause ist, das Freude und Spaß an einer Sache auslöst. Sowohl die vegeta- tiv-affektive Steuerung als auch die Funktion der emotiona- len Bewertung sind unbewusst. Das heißt, dass auf Entscheidun- gen, die hier fallen, kein verbaler Zugriff besteht. Und doch, wenn das „naive Kleinkind“ in diesen primiti- ven Teil des Gehirns laut und deutlich „ja“ zu einer Heraus- forderung sagt, weil die Lösung etwas nützt, dann setzt sich der „AMG-V12-Doppelturbo-Motor“ des Mitarbeiters in Gang. Der viel diskutierte freie Wille des Menschen ist ein Gefühl; sagt dieses zu etwas „ja“, werden enorme Kräfte freigesetzt. Noch einmal sei erwähnt, dass Men- schen mit positiven Emotionen wie Freude und Spaß sowie durch Sinnhaftigkeit leistungs- stärker und kreativer beim Finden von Lösungen sind, zu- verlässigere Diagnosen stellen und weniger Fehler machen. Mitarbeiter, die sich gemeinsam mit dem Krankenhaus ent- wickeln möchten, brauchen gleichzeitig Sicherheit und die Freiheit, sich auch mit eigenen Ideen einbringen und aus- probieren zu können. Zum Beispiel zurück: Nachdem die Hebammen „die Täler der Tränen“ der Veränderungskurve durchschritten hatten, traf ich sie im Frühjahr wieder und erfuhr in einem Nebensatz, dass die Einführung des Bereitschaftsdienstes ein Segen für die Work-Life-Balance sei, da nun freie Tage auch wirklich frei zur Verfügung stünden und man für Bereitschaft eine Vergütung bekäme. Diese Chancen und Möglichkeiten hatte die Krise gebracht. Umsteigen vom „Red Train“ in den „Blue Train“ Fünf Verhaltensmaximen machen den Umstieg in das konst- ruktive Bewertungsmuster, den „Blue Train“, möglich. 1. Bewusstheit Veränderungen lösen in den meisten Fällen zunächst ne- gative Gefühle aus; dann wird mehr oder weniger typisch die Veränderungskurve durchlaufen. Bewusstheit ob dieser Gedanken und Gefühle sowie deren Verlauf ist der erste gro- ße Schritt in Richtung konstruktiven Umgangs mit Verän- derungen. Erwarten Sie diese Reaktion bei sich selbst, aber auch bei ihren Mitarbeitern. „Wenn man es gemerkt hat, hat man es schon gemerkt“. Beobachten Sie sich und Ihre Re- aktionen, lernen Sie daraus für die Zukunft. Schaffen Sie Bewusstsein dafür, dass die Gedanken im Umgang mit der Veränderung Ihr Verhalten und damit den Erfolg des Pro- jektes steuern. 2. Akzeptanz Akzeptieren Sie die anstehende Veränderung, was nicht gleichzusetzen ist mit Resignation. Wenn jedoch die Energie in Abwehr und Leugnung verpulvert wird, ist niemandem geholfen, schon gar nicht Ihnen selbst. Schauen Sie sich stets nach Handlungsspielräumen innerhalb der neuen Re- geln bzw. Bedingungen um, und tun Sie, was es für Sie zu tun gibt, um Positives aus der Veränderung zu ziehen: Ler- nen Sie etwas dazu? Sind neue Erkenntnisse unumgänglich? Werden bisher nur unterschwellig vorhandene Konflikte an die Oberfläche gespült und zwingen Sie genau jetzt dazu, et- was zu tun? Umstände zu akzeptieren, die sich nicht ändern lassen, kann unheimlich erleichternd wirken. Schöpfen Sie Ihre Energie bewusst aus den Dingen, die Ihnen Freude be- reiten. 3
  • 4. 3. Loslassen Trennen Sie sich von alten Verhaltensmustern, Denkweisen und Gewohnheiten. Woher wissen Sie, dass diese die besten sind? Probieren Sie Neues aus; nicht nur einmal. Sie können nur gewinnen – mindestens an Erfahrung. Motivieren Sie sich selbst, lustvoll Neues auszuprobieren. Hinterfragen Sie bei Ihren Mitarbeitern immer wieder wertschätzend, voller Interesse und Verständnis, eingeschliffene Verhaltenswei- sen. Setzen Sie dann vorsichtig Impulse für neue Ideen und motivieren Sie zur Umsetzung. Richten Sie den Fokus auf positive Aspekte der Veränderung. Die rosarote Brille ist zum Zweck der Motivation erlaubt. 4. Risiken eingehen Scheitern? – Na und! Wenigstens haben Sie es probiert, es macht Sie klüger. Nicht jedes Veränderungsprojekt wird den gewünschten Erfolg bringen. Definieren Sie Erfolgskriteri- en, die das Projekt als gelungen markieren. Welche Hürden wird es geben? Wie gehen Sie mit diesen um? Definieren Sie außerdem einen Zeitraum, den Sie sich für die Umsetzung geben, um dann Bilanz zu ziehen. Nutzen Sie folgendes Feedback-Muster: Was begeistert? Was funktioniert? Was funktioniert bis jetzt noch nicht? Was lässt sich noch erreichen? Was hat nicht funktioniert? Entwickeln Sie aus den Ergebnissen dieses (Team-)Feed- backs Plan B, der ebenfalls den neuen Rahmenbedingungen gerecht wird. Das diszipliniert auch dazu, den Mitarbeitern die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie sich bewegen, genau und verständlich zu erklären. 5. Entwickeln Passagiere des „Red Train“ tendieren dazu, den Status quo erhalten zu wollen und killen damit Energie, Ideen, kons- truktive Gespräche und Möglichkeiten. Gefördert werden diese positiven Impulse hingegen von denen, die im „Blue Train“ fahren. Diese Mitarbeiter sorgen für Frische und po- sitive Energie im Arbeitsalltag. Als Führungskraft sind Sie Vorbild und sollten sich in erster Linie selbst gut unter Kon- trolle haben, um konstruktiv, wach und flexibel zu bleiben. Aber auch latent negative Äußerungen aus den Reihen der Mitarbeiter gehören unterbunden, weil sie dem Energieräu- ber Futter geben. Anerkennen Sie Skepsis der Mitarbeiter, fragen Sie interessiert nach, was genau den Argwohn aus- löst. Argumentieren Sie nicht gegen den Mitarbeiter, son- dern für Nutzen und Sinn des Projektes. Fragen Sie interes- siert weiter, ob Sie die Zweifel ausräumen konnten, bleiben Sie im Gespräch. Die Verantwortung des Mitarbeiters ist es hingegen, immer wieder zu prüfen, ob die Kosten-Nutzen-Bilanz seines Ein- satzes beim Arbeitgeber noch stimmt und ob die Motive und Ziele des Unternehmens mit den persönlichen annähernd in Einklang stehen. Welchen Sinn macht es, sich diesem Arbeitgeber zu verpflichten? – Nur wenn der Mitarbeiter für sich selbst die Sinnfrage positiv beantworten kann, ist er gerne Passagier im „Blue Train“ des Unternehmens. An- dernfalls wäre es fair für beide Seiten, jemandem den Platz zu überlassen, für den die Bedingungen stimmen. Literatur Bart, S.; Surinder, K.: Riding the Blue Train: A Leadership Plane for Explosive Growth. 2006. Kübler-Ross, E.: Interviews mit Sterbenden. Freiburg 2001. Maehrlein, K.: Die Bambus-Strategie: Den täglichen Druck mit Resilienz meistern. Offenbach 2012. Seligmann, M.: Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die po- sitive Psychologie des gelingenden Lebens. München 2012. Seligmann, M.: Der Glücksfaktor: Warum Optimisten länger leben. Bergisch Gladbach 2009. Seligmann, M.: Erlernte Hilflosigkeit. Weinheim und Basel 2011. 4 Die Autorin Christiane Fruht M. A., Kommunikationswissenschaft- lerin und Psycholinguistin, Coach, Mediatorin, Trai- nerin für Führung, Kom- munikation und Auftreten, berät und coacht Klinik- Teams dabei, ihre Zusam- menarbeit zu optimieren. Neben ihrer langjährigen Beraterpraxis in der Wirt- schaft kommt ihr dabei ihre 16-jährige Berufser- fahrung als examinierte Krankenschwester, u. a. auf einer Herzchirurgischen Intensivstation, zugute. Christiane Fruht verfasst regelmäßig Fachartikel zu Brennpunktthemen rund um Kommunikation und Zusammenarbeit in Kliniken und Unternehmen. Christiane Fruht // ERFOLGSDIALOGE // www.fruht-klinikberatung.de