Präventionsfaktor 
Betriebsklima 
Sozialkapital, Retro-Mentoring, 
Kommunikation 
Univ. Doz. Dr. Dieter Scholz 
Mitglied von ASEP 
Stadtschlaining 2014
Inhalt 
• Vorbemerkungen; Fakten 
• Unternehmenskultur: Jung versus Alt 
• Sozialkapital 
• Fallbeispiele 
Retro-Mentoring: Jung lehrt Alt 
Kommunikation
Vorbemerkungen 
• Arbeitsmarktsituation: Steigende Arbeitslosigkeit bei 25-, 
45+ besonders, 
Langzeitarbeitslosigkeit steigt; Langzeitarbeitslose 2014 
+57% (ab 45+). 
• Psychische Belastungen nehmen zu: 
Stress, burn out, krank zur Arbeit, Schonarbeitsplätze 
• Betriebsschließungen 
• Produktionsverlagerungen 
• „Billige“ Junge statt erfahrene, teurere Ältere, 
Sonderpakete (BAWAG, IBM, Novartis…), blecherne 
Handschläge, Kostenverlagerung zur Allgemeinheit hin.
Psychische Belastungen 
IFES Studie 2014: 
23% Unterforderung! Teilzeitkräfte Frauen: 
Dequalifizierung, Aufgaben unter Niveau 
32% Keine Zeit für „Durchschnaufen“, 
Überstundenhäufung, all inklusive Verträge 
34% gehen bei gesundheitlichen 
Beeinträchtigung arbeiten 
44% Haben keine Ansprechpartner im Betrieb 
FÜHRUNGSFRAGEN = BETRIEBSKLIMA
Jung versus Alt 
Die fünf gängigsten Vorurteile zur Unvereinbarkeit 
von Alt und Jung 
• Weniger flexibel 
• Weniger leistungsfähig 
• Weniger motiviert 
• Weiterbildungsresistent 
• Weniger innovativ 
Zahlen, Daten Fakten widersprechen ALLEM! 
Trotzdem nicht aus den Köpfen zu bekommen. 
Real: Teurer, aber zu teuer? Gleicht sich über die Jahre 
außerdem an.
ANGST
Betriebswirtschaftliche Folgen 
• Reduzierte Produktivität 
• Reduzierte Kreativität 
• Intrigen gegen potentielle Konkurrenten 
• Politik mit Informationen 
• Wettbewerb um die Gunst des Chefs 
• Erhöhte Krankenstände 
• Schuldzuweisung 
Hier kennen wir alle viele, viele Verhaltensformen 
Ist die Angst real: Ja! 
WIFO Studie: Jeder 2. der heute Arbeit hat, wird in den 
nächsten 10 Jahren mindestens einmal arbeitslos
Sozialkapital I 
Realkapital: „IT“ 
↓ 
Humankapital: „Soft ware, bugs“ 
↓ 
Sozialkapital: Probleme miteinander lösen! 
Heute: Sündenböcke finden wichtiger als 
Lösungen, eine Folge der Angst
Sozialkapital II 
• Schwer messbar (soft Faktor), aber 
Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit: 
Direkter Einfluss auf Produktivität 
Soziale Produktivität: 
Beziehungsqualität x Kooperationsfähigkeit x 
Lösungskompetenz
Sozialkapital III 
• Hohe Produktivität im Betrieb: 
Gute Mischung in allen Teams 
Ständige Weiterbildung für alle Beschäftigten 
Wertschätzender Umgang und eine Kultur des 
Vertrauens (Fehler machen ist möglich, müssen nur 
offen besprochen werden) 
Arbeitsklima, System Unternehmungskultur: 
Eine Frage der Führung, statt Autorität 
Gemeinschaftlichkeit, Zuhörkultur, 
Kommunikation
Besonders wichtig in der Dienstleistungsgesellschaft: 
Kleine Teams 
Kunden- und lösungsorientiert 
Flexible Arbeitsanforderungen 
(keine „Fließbandarbeit“) 
Menschlichkeit als messbarer Faktor, 
da die Firmen Daten benötigen: 
„4 Dimensions“ System: www.4dimensions.at 
Sozialkapitalanalyse
Retro – Mentoring I 
Ein Beispiel von der 1. Bank 
Ausgangslage: Alle Manager (60% > 40+) 
bekommen schlagartig ein I Phon 
(Entdeckungsreise Web 2.0) 
• Problem: Viele können es nicht optimal 
bedienen; 
• Keine finanziellen Ressourcen für Training 
• Lösung: Hausinterne Kapazitäten und „know 
how“ nutzen → Lehrlinge
Retro – Mentoring II 
Workshop: Zielgruppe: Führungskräfte 
Coaches: Lehrlinge, Junge haben ein viel 
intuitiveres Umgehen mit IT Fragen 
WICHTIG: Sorgfältige Vorbereitung: 
Für Führungskräfte: Es dürfen dumme Fragen 
gestellt werden; 
Lehrlinge: Freiwillige via Recrutingabteilung: 
22 Lehrlinge machen in Summe vier work shops
Retro – Mentoring III 
Work shops (a 5h) 
• Einführung 
• „wild discovery“: Sich trauen, damit „herum zu 
spielen“ 
• Marktplatz der Lieblings-Apps 
• Führungskraft erhält Gutschein, sie darf den 
Lehrling bei weiteren Fragen wieder kontaktieren
Retro – Mentoring IV 
• Vorläufe mit Freiwilligen aus der Managerebene 
Dabei ausgearbeitet: notwendige Zeitrahmen, 
Gruppengröße etc. Der Erfolg überzeugte. Ausdehnung 
auf alle Führungskräfte. 
• Ergebnis: 
Führungskräfte: Ungewohnt: Hilfe und Unterstützung von 
jungen Kollegen annehmen und auch aktiv einfordern 
Lehrlinge: Fanden es lustig und ideal, auch die 
Führungskräfte kennen zu lernen. 
Ein neues Umgehen miteinander. 
Siehe auch: www.qualitaetszeit.at; www.saferinternet.at
Die Kommunikationsstiege I 
Ein Beispiel von Novartis Basel: 
Problem: Entwicklungszeiten von neuen Medikamenten 
verkürzen 
3 große Stufen: 
Primäre Forschung (Entdeckung, erste Profilierung, viel 
Zufall, zeitlich nur bedingt steuerbar) 
Translational Medicine: Weiterentwicklung für klinische 
Testungen 
Klinische Testung: Diverse Phasen, strenge gesetzliche 
Regelungen, Versuchslängen und Teilnehmergrößen 
von vielen Vorbedingungen abhängig, kaum Zeitgewinn 
“drinnen“
Die Kommunikationsstiege II 
Also Translationale Medicine: Die Analyse ergab: 
Voraussichtlich zu wenig Kommunikation der an 
dem jeweiligen Projekt beteiligten Gruppen 
(scale up, Tox, Galenik…) 
Testversuch: zwei Gruppen; 
Gruppe 1: Alles wie bisher (Phama liebt 
Vergleichsgruppen) 
Gruppe 2: Neuaufteilung der Abteilungen auf zwei 
Stockwerke, verbunden durch nur eine Treppe
Die Kommunikationsstiege III 
Großzügige Ausgestaltung, Webzugang, Bildschirme (auch 
Zugang zu Forschergruppen in Shanghai, Cambridge 
(USA) und Singapur), Sitzgruppen, Kaffeeautomat, 
Flippcharts (elektronisch; beschreibbar und 
verschickbar!) und Fachzeitschriften für die ältere 
(Papier)Generation. Papier, Schreibgeräte. 
Folge. Lebhafter Informationsaustausch, viel Informelles, 
fast automatische bessere Abstimmung der Zeitabläufe. 
Resultat: Zeitgewinn 1 Jahr zur Vergleichsgruppe, 
viel mehr Verständnis für die KollegInnenprobleme, 
Nutzung von know how und Erfahrungen, Austausch 
„alte Hasen“ und „junge Löwen“.
Zusammenfassung I 
Formale Papierkonzepte (CSR Manager) zu 
wenig. 
IBM CEO Österreich: Tatjana Opitz: „CSR und 
diversity bei IBM Teil der Firmenkultur.“ 
Zitat Exmitarbeiter: “Meine Entscheidung in der 
IBM Schluss zu machen, war das Beste, das ich 
tun konnte. Bin voll ausgelastet, auch ohne dem 
täglichen Büro-Wahnsinn und habe das Gefühl, 
mein Leben ist jetzt wesentlich sinnvoller.“
Zusammenfassung II 
Gutes Betriebsklima ist wesentlich eine 
Führungsaufgabe, erfordert Hirnschmalz, 
Wertschätzung und Würdigung der 
MitarbeiterInnen: Sowohl Leistung als auch 
Person. Solider Altersmix wichtig, 
Experimentierfreude, Fehlerkultur, Lösungen 
statt Sündenböcke. Arbeitsplatz sinnstiftend! 
„Von Stein zu Stein schreitend den Fluss 
überqueren“ (Deng Xiaoping).
Ein wenig ergänzende Literatur 
• Michael J. Sandel, “Was man für Geld nicht 
kaufen kann. Die moralischen Grenzen des 
Marktes” 
• George Packer: Die Abwicklung; Eine innere 
Geschichte des neuen Amerika 
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit

SYMPOSIUM 2014 REFERENT: UNIV. DOZ. DR. DIETER SCHOLZ "Präventionsfaktor Betriebsklima - Sozialkapital, Retro-Mentoring, Kommunikation"

  • 1.
    Präventionsfaktor Betriebsklima Sozialkapital,Retro-Mentoring, Kommunikation Univ. Doz. Dr. Dieter Scholz Mitglied von ASEP Stadtschlaining 2014
  • 2.
    Inhalt • Vorbemerkungen;Fakten • Unternehmenskultur: Jung versus Alt • Sozialkapital • Fallbeispiele Retro-Mentoring: Jung lehrt Alt Kommunikation
  • 3.
    Vorbemerkungen • Arbeitsmarktsituation:Steigende Arbeitslosigkeit bei 25-, 45+ besonders, Langzeitarbeitslosigkeit steigt; Langzeitarbeitslose 2014 +57% (ab 45+). • Psychische Belastungen nehmen zu: Stress, burn out, krank zur Arbeit, Schonarbeitsplätze • Betriebsschließungen • Produktionsverlagerungen • „Billige“ Junge statt erfahrene, teurere Ältere, Sonderpakete (BAWAG, IBM, Novartis…), blecherne Handschläge, Kostenverlagerung zur Allgemeinheit hin.
  • 4.
    Psychische Belastungen IFESStudie 2014: 23% Unterforderung! Teilzeitkräfte Frauen: Dequalifizierung, Aufgaben unter Niveau 32% Keine Zeit für „Durchschnaufen“, Überstundenhäufung, all inklusive Verträge 34% gehen bei gesundheitlichen Beeinträchtigung arbeiten 44% Haben keine Ansprechpartner im Betrieb FÜHRUNGSFRAGEN = BETRIEBSKLIMA
  • 5.
    Jung versus Alt Die fünf gängigsten Vorurteile zur Unvereinbarkeit von Alt und Jung • Weniger flexibel • Weniger leistungsfähig • Weniger motiviert • Weiterbildungsresistent • Weniger innovativ Zahlen, Daten Fakten widersprechen ALLEM! Trotzdem nicht aus den Köpfen zu bekommen. Real: Teurer, aber zu teuer? Gleicht sich über die Jahre außerdem an.
  • 6.
  • 7.
    Betriebswirtschaftliche Folgen •Reduzierte Produktivität • Reduzierte Kreativität • Intrigen gegen potentielle Konkurrenten • Politik mit Informationen • Wettbewerb um die Gunst des Chefs • Erhöhte Krankenstände • Schuldzuweisung Hier kennen wir alle viele, viele Verhaltensformen Ist die Angst real: Ja! WIFO Studie: Jeder 2. der heute Arbeit hat, wird in den nächsten 10 Jahren mindestens einmal arbeitslos
  • 8.
    Sozialkapital I Realkapital:„IT“ ↓ Humankapital: „Soft ware, bugs“ ↓ Sozialkapital: Probleme miteinander lösen! Heute: Sündenböcke finden wichtiger als Lösungen, eine Folge der Angst
  • 9.
    Sozialkapital II •Schwer messbar (soft Faktor), aber Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit: Direkter Einfluss auf Produktivität Soziale Produktivität: Beziehungsqualität x Kooperationsfähigkeit x Lösungskompetenz
  • 10.
    Sozialkapital III •Hohe Produktivität im Betrieb: Gute Mischung in allen Teams Ständige Weiterbildung für alle Beschäftigten Wertschätzender Umgang und eine Kultur des Vertrauens (Fehler machen ist möglich, müssen nur offen besprochen werden) Arbeitsklima, System Unternehmungskultur: Eine Frage der Führung, statt Autorität Gemeinschaftlichkeit, Zuhörkultur, Kommunikation
  • 11.
    Besonders wichtig inder Dienstleistungsgesellschaft: Kleine Teams Kunden- und lösungsorientiert Flexible Arbeitsanforderungen (keine „Fließbandarbeit“) Menschlichkeit als messbarer Faktor, da die Firmen Daten benötigen: „4 Dimensions“ System: www.4dimensions.at Sozialkapitalanalyse
  • 12.
    Retro – MentoringI Ein Beispiel von der 1. Bank Ausgangslage: Alle Manager (60% > 40+) bekommen schlagartig ein I Phon (Entdeckungsreise Web 2.0) • Problem: Viele können es nicht optimal bedienen; • Keine finanziellen Ressourcen für Training • Lösung: Hausinterne Kapazitäten und „know how“ nutzen → Lehrlinge
  • 13.
    Retro – MentoringII Workshop: Zielgruppe: Führungskräfte Coaches: Lehrlinge, Junge haben ein viel intuitiveres Umgehen mit IT Fragen WICHTIG: Sorgfältige Vorbereitung: Für Führungskräfte: Es dürfen dumme Fragen gestellt werden; Lehrlinge: Freiwillige via Recrutingabteilung: 22 Lehrlinge machen in Summe vier work shops
  • 14.
    Retro – MentoringIII Work shops (a 5h) • Einführung • „wild discovery“: Sich trauen, damit „herum zu spielen“ • Marktplatz der Lieblings-Apps • Führungskraft erhält Gutschein, sie darf den Lehrling bei weiteren Fragen wieder kontaktieren
  • 15.
    Retro – MentoringIV • Vorläufe mit Freiwilligen aus der Managerebene Dabei ausgearbeitet: notwendige Zeitrahmen, Gruppengröße etc. Der Erfolg überzeugte. Ausdehnung auf alle Führungskräfte. • Ergebnis: Führungskräfte: Ungewohnt: Hilfe und Unterstützung von jungen Kollegen annehmen und auch aktiv einfordern Lehrlinge: Fanden es lustig und ideal, auch die Führungskräfte kennen zu lernen. Ein neues Umgehen miteinander. Siehe auch: www.qualitaetszeit.at; www.saferinternet.at
  • 16.
    Die Kommunikationsstiege I Ein Beispiel von Novartis Basel: Problem: Entwicklungszeiten von neuen Medikamenten verkürzen 3 große Stufen: Primäre Forschung (Entdeckung, erste Profilierung, viel Zufall, zeitlich nur bedingt steuerbar) Translational Medicine: Weiterentwicklung für klinische Testungen Klinische Testung: Diverse Phasen, strenge gesetzliche Regelungen, Versuchslängen und Teilnehmergrößen von vielen Vorbedingungen abhängig, kaum Zeitgewinn “drinnen“
  • 17.
    Die Kommunikationsstiege II Also Translationale Medicine: Die Analyse ergab: Voraussichtlich zu wenig Kommunikation der an dem jeweiligen Projekt beteiligten Gruppen (scale up, Tox, Galenik…) Testversuch: zwei Gruppen; Gruppe 1: Alles wie bisher (Phama liebt Vergleichsgruppen) Gruppe 2: Neuaufteilung der Abteilungen auf zwei Stockwerke, verbunden durch nur eine Treppe
  • 18.
    Die Kommunikationsstiege III Großzügige Ausgestaltung, Webzugang, Bildschirme (auch Zugang zu Forschergruppen in Shanghai, Cambridge (USA) und Singapur), Sitzgruppen, Kaffeeautomat, Flippcharts (elektronisch; beschreibbar und verschickbar!) und Fachzeitschriften für die ältere (Papier)Generation. Papier, Schreibgeräte. Folge. Lebhafter Informationsaustausch, viel Informelles, fast automatische bessere Abstimmung der Zeitabläufe. Resultat: Zeitgewinn 1 Jahr zur Vergleichsgruppe, viel mehr Verständnis für die KollegInnenprobleme, Nutzung von know how und Erfahrungen, Austausch „alte Hasen“ und „junge Löwen“.
  • 19.
    Zusammenfassung I FormalePapierkonzepte (CSR Manager) zu wenig. IBM CEO Österreich: Tatjana Opitz: „CSR und diversity bei IBM Teil der Firmenkultur.“ Zitat Exmitarbeiter: “Meine Entscheidung in der IBM Schluss zu machen, war das Beste, das ich tun konnte. Bin voll ausgelastet, auch ohne dem täglichen Büro-Wahnsinn und habe das Gefühl, mein Leben ist jetzt wesentlich sinnvoller.“
  • 20.
    Zusammenfassung II GutesBetriebsklima ist wesentlich eine Führungsaufgabe, erfordert Hirnschmalz, Wertschätzung und Würdigung der MitarbeiterInnen: Sowohl Leistung als auch Person. Solider Altersmix wichtig, Experimentierfreude, Fehlerkultur, Lösungen statt Sündenböcke. Arbeitsplatz sinnstiftend! „Von Stein zu Stein schreitend den Fluss überqueren“ (Deng Xiaoping).
  • 21.
    Ein wenig ergänzendeLiteratur • Michael J. Sandel, “Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes” • George Packer: Die Abwicklung; Eine innere Geschichte des neuen Amerika Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit