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Betriebsübergang

- Rechtsabteilung, Magª. Andrea Komar
Relevante gesetzliche
Grundlagen
o Betriebsübergangsrichtlinie – RL 2001/23/EG – Richtlinie zur Wahrung der Ansprüche der ArbeitnehmerInnen beim Übergang von Unternehmen, Betrieben
oder Unternehmens- oder Betriebsteilen
o AVRAG (Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz) –
Umsetzung der Betriebsübergangsrichtlinie in nationales
Recht – „Transformation“

o ArbVG (Arbeitsverfassungsgesetz) – Auswirkungen von
Betriebs(teil)übergängen auf Betriebsrat und Betriebsvereinbarungen

2
RL 2001/23/EG
o Hat die ursprüngliche RL 77/187/EWG (geändert durch RL
98/50/EG) aufgehoben und ist nunmehr auf EU-Ebene
Rechtsgrundlage!
o Gilt für ArbeitnehmerInnen.
o Gilt für öffentliche und private Unternehmen, die eine
wirtschaftliche Tätigkeit ausüben (gilt aber nicht für
Hoheitsakte).
o „Ex-lege“-Übergang der Arbeitsverhältnisse.

3
Transformation
So funktioniert die Umsetzung einer Richtlinie in
nationales Recht:
o Die Mitgliedstaaten sind bezüglich der Umsetzung an
bestimmte Fristen gebunden.

o Richtlinien legen zumeist Mindestinhalte fest (im
Arbeitsrecht zB zum Schutz der ArbeitnehmerInnen).
o Das nationale Recht ist iSd Richtlinie auszulegen.
o Bestehen Zweifel, wie eine Richtlinie auszulegen ist, kann
der EuGH (dh der Europäische Gerichtshof in Luxemburg)
angerufen werden.

4
Definition
Was ist ein Betriebs(teil)übergang?
o Laut EuGH ist erforderlich, dass eine wirtschaftliche
Einheit beim Übergang ihre Identität wahrt und nach
dem Übergang weitergeführt wird.
o Der Übergang kann durch vertragliche Übertragung,
einseitige Übertragung oder Verschmelzung erfolgen.
o ACHTUNG: Umstrukturierungen können Betriebs(teil)übergänge sein (stets sehr genau im Einzelfall zu prüfen).

5
Varianten des
Betriebsübergangs
o Betriebsidentität bleibt unberührt.
o Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt
(Identitätsgewinn).

o Mehrere Betriebe verschmelzen zu einem.
o Ein Betrieb wird von einem anderen aufgenommen
(Identitätsverlust).

6
Betriebsbegriff
Maßstab ist ein Betrieb iSd § 34 ArbVG.
Jede Arbeitsstätte, die eine organisatorische Einheit bildet,
innerhalb derer eine physische oder juristische Person mit
technischen oder immateriellen Mitteln die Erzielung
bestimmter Arbeitsergebnisse fortgesetzt verfolgt.
Voraussetzungen sind also eine gewisse Selbständigkeit
und eine gewisse Abgeschlossenheit oder Unabhängigkeit der Betriebsvorgänge.
Ob Erwerbsabsicht besteht oder nicht ist nicht relevant.

7
AVRAG
Die maßgeblichen Gesetzesbestimmungen:
o § 3 – Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen auf eine/n andere/n InhaberIn
o § 3 a – Informationspflicht
o § 4 – Betriebsübergang und Kollektivvertragsangehörigkeit
o § 5 – Betriebsübergang und betriebliche Pensionszusagen
o § 6 – Haftung bei Betriebsübergang

8
AVRAG - § 3
o Geht ein Unternehmen/Betrieb(steil) auf eine/n andere/n
InhaberIn über, so tritt diese/r als ArbeitgeberIn mit allen
Rechten und Pflichten in die im Zeitpunkt des Übergangs
bestehenden Arbeitsverhältnisse ein.
o Ex-Lege-Übergang (dh automatischer Übergang)
o Zeitpunkt des Übergangs iSd AVRAG ist der Zeitpunkt, ab welchem die tatsächliche Verfügungsgewalt auf den/die neue/n InhaberIn übertragen wird.
o Betroffen sind Rechte und Pflichten aufgrund des
Arbeitsvertrages (Individualansprüche).

9
AVRAG - § 3
o Die Arbeitsbedingungen bleiben bei Betriebsübergang
aufrecht, es sei denn aus den Bestimmungen über
o den Wechsel der Kollektivvertragsangehörigkeit,
o die betrieblichen Pensionszusagen und
o die Weitergeltung von Betriebsvereinbarungen
ergäbe sich anderes.
Der/die ErwerberIn hat dem/der ANIn jede erfolgte
Änderung der Arbeitsbedingungen unverzüglich
mitzuteilen.

10
AVRAG - § 3
o Ein Widerspruchsrecht der ArbeitnehmerInnen gegen den
Übergang besteht grundsätzlich nicht; Ausnahmen:
Wenn der/die ErwerberIn
o den kollektivvertraglichen Bestandschutz oder
o die betriebliche Pensionszusage
nicht übernimmt.
Der Widerspruch hat innerhalb 1 Monats ab Ablehnung
der Übernahme zu erfolgen.

11
AVRAG - § 3
o Besonderes Kündigungsrecht des/der ArbeitnehmerIn: Werden durch den nach Betriebsübergang anzuwendenden Kollektivvertrag (bzw anzuwendende
Betriebsvereinbarungen) Arbeitsbedingungen
wesentlich verschlechtert, kann der/die ANIn binnen 1
Monats ab (möglicher) Kenntnis unter Einhaltung der
Kündigungsfristen/-termine kündigen. Dabei bleiben
seine/ihre Ansprüche wie bei Arbeitgeberkündigung
gewahrt.
o Empfehlung: Der/die ANIn kann binnen 1 Monats ab
Kenntnis vorsorglich auf Feststellung der wesentlichen
Verschlechterung klagen anstatt gleich zu kündigen.

12
AVRAG - § 3 a
o Besteht in einem Unternehmen/Betrieb keine ArbeitnehmerInnenvertretung, hat der/die VeräußerIn oder
der/die ErwerberIn die vom Betriebsübergang betroffenen
ArbeitnehmerInnen im Vorhinein über
o den (geplanten) Zeitpunkt des Übergangs,
o den Grund des Übergangs,
o die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des
Übergangs für die ANInnen sowie
o die hinsichtlich der ANInnen in Aussicht genommenen
Maßnahmen
schriftlich zu informieren (auch durch Aushang möglich).

13
AVRAG - § 4 Abs 1
o Nach Betriebsübergang hat der/die ErwerberIn die in einem
Kollektivvertrag vereinbarten Arbeitsbedingungen
o bis zur Kündigung oder zum Ablauf des Kollektivvertrages oder
o bis zum Inkrafttreten oder bis zur Anwendung eines
anderen Kollektivvertrages

in gleichem Maße aufrecht zu erhalten, wie sie im
Kollektivvertrag für den/die Veräußerer/Veräußerin
vorgesehen waren.

14
AVRAG - § 4 Abs 1
o Die Arbeitsbedingungen dürfen zum Nachteil der ArbeitnehmerInnen durch Einzelarbeitsvertrag innerhalb
eines Jahres nach Betriebsübergang weder aufgehoben
noch beschränkt werden.

15
AVRAG - § 4 Abs 2
o Durch den Wechsel der Kollektivvertragsfähigkeit infolge
Betriebsübergangs darf das den ArbeitnehmerInnen vor
Betriebsübergang für die regelmäßige Arbeitsleistung
in der Normalarbeitszeit gebührende kollektivvertragliche Entgelt nicht geschmälert werden.
o Aktuelle OGH-Entscheidung 26.5.2010, 9 ObA 8/10g

o Kollektivvertragliche Regelungen über den Bestandschutz
werden dann Inhalt des Arbeitsvertrages zwischen
ArbeitnehmerInnen und ErwerberIn, wenn das Unternehmen des/der VeräußerIn iZm dem Betriebsübergang nicht weiter besteht.

16
AVRAG - § 5
o Eine auf Einzelvereinbarung beruhende betriebliche
Pensionszusage wird Inhalt des Arbeitsvertrages
zwischen ArbeitnehmerInnen und ErwerberIn, wenn der/
die ErwerberIn GesamtrechtsnachfolgerIn ist. Liegt
keine Gesamtrechtsnachfolge vor, kann der/die
ErwerberIn durch rechtzeitigen Vorbehalt die Übernahme einer solchen Pensionszusage ablehnen.
o In letzterem Fall kann der/die ArbeitnehmerIn Widerspruch gegen den Übergang seines/ihres Arbeitsverhältnisses erheben. Widerspricht er/sie nicht, endet mit
Übergang der Erwerb neuer Pensionsanwartschaften.
Der/die ArbeitnehmerIn hat Anspruch auf Abfindung
gegenüber dem/der VeräußerIn.

17
AVRAG - § 6
Zur Haftung bei Betriebsübergang: Es wird zwischen Altund Neuschulden unterschieden.
o Für Verpflichtungen aus einem Arbeitsverhältnis, die vor
Betriebsübergang begründet wurden, haften VeräußerIn
und ErwerberIn zur ungeteilten Hand.
o Für Verpflichtungen aus einem Arbeitsverhältnis, die nach
Betriebsübergang begründet wurden, haftet der/die
ErwerberIn zur Gänze, der/die VeräußerIn nur eingeschränkt.

18
Auswirkung auf BR
o Variante 1: Ein gesamter Betrieb geht über.
Der Betriebsrat bleibt aufrecht, seine Funktionsperiode
bleibt unberührt.
o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt.

§ 62 b ArbVG regelt:
o Besteht die organisatorische Einheit zwischen Betrieb und verselbständigtem Betriebsteil weiter fort,
bleibt die Zuständigkeit des Betriebsrates aufrecht.

19
Auswirkung auf BR
o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt.

§ 62 b ArbVG regelt weiters:
o Besteht die organisatorische Einheit zwischen
Betrieb und verselbständigtem Betriebsteil nicht weiter
fort, bleibt der Betriebsrat für den verselbständigten
Teil bis zur Neuwahl eines Betriebsrates in diesem
Teil, längstens aber bis zum Ablauf von 4 Monaten
nach der organisatorischen Verselbständigung
zuständig.

20
Auswirkung auf BR
o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt.
Es kommt zu keiner vorübergehenden Beibehaltung der
Zuständigkeit, wenn im verselbständigten Betriebsteil kein
Betriebsrat zu errichten ist.
Der Beginn der 4-Monats-Frist kann durch Betriebsvereinbarung festgehalten werden (§ 97 Abs 1 Z 23 a).
Die Frist kann durch Betriebsvereinbarung bis zum
Ablauf der Tätigkeitsdauer des Betriebsrates verlängert werden (§ 97 Abs 1 Z 23 a).

21
Auswirkung auf BR
o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt.
Führt die rechtliche Verselbständigung von Betriebsteilen
zur dauernden Einstellung des Betriebes oder zum
Ausscheiden von Betriebsratsmitgliedern aus dem Betrieb,
so treten für die Dauer der vorübergehenden Beibehaltung
des Zuständigkeitsbereiches die Beendigung der
Tätigkeitsdauer des Betriebsrates und das Erlöschen der
Mitgliedschaft zum Betriebsrat nicht ein.

22
Auswirkung auf BR
o Variante 3: Betriebe/Betriebsteile werden zu einem
neuen Betrieb zusammengeschlossen.
§ 62 c ArbVG regelt :
o In diesem Fall bilden die Betriebsräte (Betriebsausschüsse) bis zur Neuwahl eines Betriebsrates,
längstens aber bis zum Ablauf 1 Jahres nach Zusammenschluss, einen „einheitlichen Betriebsrat“.
o Der „einheitliche Betriebsrat“ muss sich konstituieren.
o Der Beginn der 1-Jahres-Frist kann durch Betriebsvereinbarung festgehalten werden (§ 97 Abs 1 Z
23a).

23
Auswirkung auf BR
o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen
bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem
aufgehen.
Der Betriebsrat des Stammbetriebes verliert die Zuständigkeit für die ANInnen in den von einem anderen
Betrieb aufgenommenen Betriebsteilen sofort.
Der Betriebsrat des aufnehmenden Betriebes ist für sie
zuständig.
Wird der ganze Betrieb aufgenommen, endet die Tätigkeitsdauer des Betriebsrates vorzeitig.

24
Auswirkung auf BV
o Variante 1: Ein gesamter Betrieb geht über.
§ 31 Abs 4 ArbVG regelt:
o Die Betriebsvereinbarungen bleiben in Geltung.

o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt.
§ 31 Abs 5 ArbVG regelt:
o Die Betriebsvereinbarungen bleiben in Geltung.

25
Auswirkung auf BV
o Variante 3: Betriebe/Betriebsteile werden zu einem
neuen Betrieb zusammengeschlossen.
§ 31 Abs 6 ArbVG regelt:
o Die Geltung von Betriebsvereinbarungen bleibt für
ArbeitnehmerInnen von Betrieben/Betriebsteilen
unberührt, die mit einem anderen Betrieb/ Betriebsteil so zusammengeschlossen werden, dass
ein neuer Betrieb entsteht.
o Unterschiedliche Betriebsvereinbarungen im neuen
Betrieb. Keine geltenden Betriebsvereinbarungen für
neu eintretende ANInnen.

26
Auswirkung auf BV
o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen
bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem
aufgehen.
§ 31 Abs 7 ArbVG regelt:
o Grundsätzlich gelten ab Übergang die Betriebsvereinbarungen des aufnehmenden Betriebes für alle
ANInnen.
o Die Geltung von Betriebsvereinbarungen des aufgenommenen Betriebes für dessen ANInnen bleibt nur
insofern unberührt, als sie Angelegenheiten
betreffen, die von den Betriebsvereinbarungen des
aufnehmenden Betriebes nicht geregelt werden.

27
Auswirkung auf BV
o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen
bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem
aufgehen.
§ 31 Abs 7 ArbVG regelt weiters:
o Betriebsvereinbarungen des aufgenommenen Betriebes
iSd § 97 Abs 1 Z 18, Z 18 a und Z 18 b ArbVG können
vom aufzunehmenden Betrieb innerhalb einer 1monatigen Frist gekündigt werden.

28
Kündigungen
Kündigungen, die aufgrund des Betriebs(teil)übergangs erfolgen, sind rechtsunwirksam.
Sie können beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht mit
Feststellungsklage bekämpft werden.
Für eine Feststellungsklage gibt es zwar keine Frist, den/die
Gekündigte/n trifft jedoch die sog. Aufgriffsobliegenheit
(Judikatur: Geltendmachung eines aufrechten Dienstverhältnisses innerhalb eines Zeitraums von höchstens 6 Monaten).

29
Betriebsübergang

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Betriebsübergang

  • 2. Relevante gesetzliche Grundlagen o Betriebsübergangsrichtlinie – RL 2001/23/EG – Richtlinie zur Wahrung der Ansprüche der ArbeitnehmerInnen beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Unternehmens- oder Betriebsteilen o AVRAG (Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz) – Umsetzung der Betriebsübergangsrichtlinie in nationales Recht – „Transformation“ o ArbVG (Arbeitsverfassungsgesetz) – Auswirkungen von Betriebs(teil)übergängen auf Betriebsrat und Betriebsvereinbarungen 2
  • 3. RL 2001/23/EG o Hat die ursprüngliche RL 77/187/EWG (geändert durch RL 98/50/EG) aufgehoben und ist nunmehr auf EU-Ebene Rechtsgrundlage! o Gilt für ArbeitnehmerInnen. o Gilt für öffentliche und private Unternehmen, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben (gilt aber nicht für Hoheitsakte). o „Ex-lege“-Übergang der Arbeitsverhältnisse. 3
  • 4. Transformation So funktioniert die Umsetzung einer Richtlinie in nationales Recht: o Die Mitgliedstaaten sind bezüglich der Umsetzung an bestimmte Fristen gebunden. o Richtlinien legen zumeist Mindestinhalte fest (im Arbeitsrecht zB zum Schutz der ArbeitnehmerInnen). o Das nationale Recht ist iSd Richtlinie auszulegen. o Bestehen Zweifel, wie eine Richtlinie auszulegen ist, kann der EuGH (dh der Europäische Gerichtshof in Luxemburg) angerufen werden. 4
  • 5. Definition Was ist ein Betriebs(teil)übergang? o Laut EuGH ist erforderlich, dass eine wirtschaftliche Einheit beim Übergang ihre Identität wahrt und nach dem Übergang weitergeführt wird. o Der Übergang kann durch vertragliche Übertragung, einseitige Übertragung oder Verschmelzung erfolgen. o ACHTUNG: Umstrukturierungen können Betriebs(teil)übergänge sein (stets sehr genau im Einzelfall zu prüfen). 5
  • 6. Varianten des Betriebsübergangs o Betriebsidentität bleibt unberührt. o Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt (Identitätsgewinn). o Mehrere Betriebe verschmelzen zu einem. o Ein Betrieb wird von einem anderen aufgenommen (Identitätsverlust). 6
  • 7. Betriebsbegriff Maßstab ist ein Betrieb iSd § 34 ArbVG. Jede Arbeitsstätte, die eine organisatorische Einheit bildet, innerhalb derer eine physische oder juristische Person mit technischen oder immateriellen Mitteln die Erzielung bestimmter Arbeitsergebnisse fortgesetzt verfolgt. Voraussetzungen sind also eine gewisse Selbständigkeit und eine gewisse Abgeschlossenheit oder Unabhängigkeit der Betriebsvorgänge. Ob Erwerbsabsicht besteht oder nicht ist nicht relevant. 7
  • 8. AVRAG Die maßgeblichen Gesetzesbestimmungen: o § 3 – Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen auf eine/n andere/n InhaberIn o § 3 a – Informationspflicht o § 4 – Betriebsübergang und Kollektivvertragsangehörigkeit o § 5 – Betriebsübergang und betriebliche Pensionszusagen o § 6 – Haftung bei Betriebsübergang 8
  • 9. AVRAG - § 3 o Geht ein Unternehmen/Betrieb(steil) auf eine/n andere/n InhaberIn über, so tritt diese/r als ArbeitgeberIn mit allen Rechten und Pflichten in die im Zeitpunkt des Übergangs bestehenden Arbeitsverhältnisse ein. o Ex-Lege-Übergang (dh automatischer Übergang) o Zeitpunkt des Übergangs iSd AVRAG ist der Zeitpunkt, ab welchem die tatsächliche Verfügungsgewalt auf den/die neue/n InhaberIn übertragen wird. o Betroffen sind Rechte und Pflichten aufgrund des Arbeitsvertrages (Individualansprüche). 9
  • 10. AVRAG - § 3 o Die Arbeitsbedingungen bleiben bei Betriebsübergang aufrecht, es sei denn aus den Bestimmungen über o den Wechsel der Kollektivvertragsangehörigkeit, o die betrieblichen Pensionszusagen und o die Weitergeltung von Betriebsvereinbarungen ergäbe sich anderes. Der/die ErwerberIn hat dem/der ANIn jede erfolgte Änderung der Arbeitsbedingungen unverzüglich mitzuteilen. 10
  • 11. AVRAG - § 3 o Ein Widerspruchsrecht der ArbeitnehmerInnen gegen den Übergang besteht grundsätzlich nicht; Ausnahmen: Wenn der/die ErwerberIn o den kollektivvertraglichen Bestandschutz oder o die betriebliche Pensionszusage nicht übernimmt. Der Widerspruch hat innerhalb 1 Monats ab Ablehnung der Übernahme zu erfolgen. 11
  • 12. AVRAG - § 3 o Besonderes Kündigungsrecht des/der ArbeitnehmerIn: Werden durch den nach Betriebsübergang anzuwendenden Kollektivvertrag (bzw anzuwendende Betriebsvereinbarungen) Arbeitsbedingungen wesentlich verschlechtert, kann der/die ANIn binnen 1 Monats ab (möglicher) Kenntnis unter Einhaltung der Kündigungsfristen/-termine kündigen. Dabei bleiben seine/ihre Ansprüche wie bei Arbeitgeberkündigung gewahrt. o Empfehlung: Der/die ANIn kann binnen 1 Monats ab Kenntnis vorsorglich auf Feststellung der wesentlichen Verschlechterung klagen anstatt gleich zu kündigen. 12
  • 13. AVRAG - § 3 a o Besteht in einem Unternehmen/Betrieb keine ArbeitnehmerInnenvertretung, hat der/die VeräußerIn oder der/die ErwerberIn die vom Betriebsübergang betroffenen ArbeitnehmerInnen im Vorhinein über o den (geplanten) Zeitpunkt des Übergangs, o den Grund des Übergangs, o die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Übergangs für die ANInnen sowie o die hinsichtlich der ANInnen in Aussicht genommenen Maßnahmen schriftlich zu informieren (auch durch Aushang möglich). 13
  • 14. AVRAG - § 4 Abs 1 o Nach Betriebsübergang hat der/die ErwerberIn die in einem Kollektivvertrag vereinbarten Arbeitsbedingungen o bis zur Kündigung oder zum Ablauf des Kollektivvertrages oder o bis zum Inkrafttreten oder bis zur Anwendung eines anderen Kollektivvertrages in gleichem Maße aufrecht zu erhalten, wie sie im Kollektivvertrag für den/die Veräußerer/Veräußerin vorgesehen waren. 14
  • 15. AVRAG - § 4 Abs 1 o Die Arbeitsbedingungen dürfen zum Nachteil der ArbeitnehmerInnen durch Einzelarbeitsvertrag innerhalb eines Jahres nach Betriebsübergang weder aufgehoben noch beschränkt werden. 15
  • 16. AVRAG - § 4 Abs 2 o Durch den Wechsel der Kollektivvertragsfähigkeit infolge Betriebsübergangs darf das den ArbeitnehmerInnen vor Betriebsübergang für die regelmäßige Arbeitsleistung in der Normalarbeitszeit gebührende kollektivvertragliche Entgelt nicht geschmälert werden. o Aktuelle OGH-Entscheidung 26.5.2010, 9 ObA 8/10g o Kollektivvertragliche Regelungen über den Bestandschutz werden dann Inhalt des Arbeitsvertrages zwischen ArbeitnehmerInnen und ErwerberIn, wenn das Unternehmen des/der VeräußerIn iZm dem Betriebsübergang nicht weiter besteht. 16
  • 17. AVRAG - § 5 o Eine auf Einzelvereinbarung beruhende betriebliche Pensionszusage wird Inhalt des Arbeitsvertrages zwischen ArbeitnehmerInnen und ErwerberIn, wenn der/ die ErwerberIn GesamtrechtsnachfolgerIn ist. Liegt keine Gesamtrechtsnachfolge vor, kann der/die ErwerberIn durch rechtzeitigen Vorbehalt die Übernahme einer solchen Pensionszusage ablehnen. o In letzterem Fall kann der/die ArbeitnehmerIn Widerspruch gegen den Übergang seines/ihres Arbeitsverhältnisses erheben. Widerspricht er/sie nicht, endet mit Übergang der Erwerb neuer Pensionsanwartschaften. Der/die ArbeitnehmerIn hat Anspruch auf Abfindung gegenüber dem/der VeräußerIn. 17
  • 18. AVRAG - § 6 Zur Haftung bei Betriebsübergang: Es wird zwischen Altund Neuschulden unterschieden. o Für Verpflichtungen aus einem Arbeitsverhältnis, die vor Betriebsübergang begründet wurden, haften VeräußerIn und ErwerberIn zur ungeteilten Hand. o Für Verpflichtungen aus einem Arbeitsverhältnis, die nach Betriebsübergang begründet wurden, haftet der/die ErwerberIn zur Gänze, der/die VeräußerIn nur eingeschränkt. 18
  • 19. Auswirkung auf BR o Variante 1: Ein gesamter Betrieb geht über. Der Betriebsrat bleibt aufrecht, seine Funktionsperiode bleibt unberührt. o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt. § 62 b ArbVG regelt: o Besteht die organisatorische Einheit zwischen Betrieb und verselbständigtem Betriebsteil weiter fort, bleibt die Zuständigkeit des Betriebsrates aufrecht. 19
  • 20. Auswirkung auf BR o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt. § 62 b ArbVG regelt weiters: o Besteht die organisatorische Einheit zwischen Betrieb und verselbständigtem Betriebsteil nicht weiter fort, bleibt der Betriebsrat für den verselbständigten Teil bis zur Neuwahl eines Betriebsrates in diesem Teil, längstens aber bis zum Ablauf von 4 Monaten nach der organisatorischen Verselbständigung zuständig. 20
  • 21. Auswirkung auf BR o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt. Es kommt zu keiner vorübergehenden Beibehaltung der Zuständigkeit, wenn im verselbständigten Betriebsteil kein Betriebsrat zu errichten ist. Der Beginn der 4-Monats-Frist kann durch Betriebsvereinbarung festgehalten werden (§ 97 Abs 1 Z 23 a). Die Frist kann durch Betriebsvereinbarung bis zum Ablauf der Tätigkeitsdauer des Betriebsrates verlängert werden (§ 97 Abs 1 Z 23 a). 21
  • 22. Auswirkung auf BR o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt. Führt die rechtliche Verselbständigung von Betriebsteilen zur dauernden Einstellung des Betriebes oder zum Ausscheiden von Betriebsratsmitgliedern aus dem Betrieb, so treten für die Dauer der vorübergehenden Beibehaltung des Zuständigkeitsbereiches die Beendigung der Tätigkeitsdauer des Betriebsrates und das Erlöschen der Mitgliedschaft zum Betriebsrat nicht ein. 22
  • 23. Auswirkung auf BR o Variante 3: Betriebe/Betriebsteile werden zu einem neuen Betrieb zusammengeschlossen. § 62 c ArbVG regelt : o In diesem Fall bilden die Betriebsräte (Betriebsausschüsse) bis zur Neuwahl eines Betriebsrates, längstens aber bis zum Ablauf 1 Jahres nach Zusammenschluss, einen „einheitlichen Betriebsrat“. o Der „einheitliche Betriebsrat“ muss sich konstituieren. o Der Beginn der 1-Jahres-Frist kann durch Betriebsvereinbarung festgehalten werden (§ 97 Abs 1 Z 23a). 23
  • 24. Auswirkung auf BR o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem aufgehen. Der Betriebsrat des Stammbetriebes verliert die Zuständigkeit für die ANInnen in den von einem anderen Betrieb aufgenommenen Betriebsteilen sofort. Der Betriebsrat des aufnehmenden Betriebes ist für sie zuständig. Wird der ganze Betrieb aufgenommen, endet die Tätigkeitsdauer des Betriebsrates vorzeitig. 24
  • 25. Auswirkung auf BV o Variante 1: Ein gesamter Betrieb geht über. § 31 Abs 4 ArbVG regelt: o Die Betriebsvereinbarungen bleiben in Geltung. o Variante 2: Betriebsteile werden rechtlich verselbständigt. § 31 Abs 5 ArbVG regelt: o Die Betriebsvereinbarungen bleiben in Geltung. 25
  • 26. Auswirkung auf BV o Variante 3: Betriebe/Betriebsteile werden zu einem neuen Betrieb zusammengeschlossen. § 31 Abs 6 ArbVG regelt: o Die Geltung von Betriebsvereinbarungen bleibt für ArbeitnehmerInnen von Betrieben/Betriebsteilen unberührt, die mit einem anderen Betrieb/ Betriebsteil so zusammengeschlossen werden, dass ein neuer Betrieb entsteht. o Unterschiedliche Betriebsvereinbarungen im neuen Betrieb. Keine geltenden Betriebsvereinbarungen für neu eintretende ANInnen. 26
  • 27. Auswirkung auf BV o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem aufgehen. § 31 Abs 7 ArbVG regelt: o Grundsätzlich gelten ab Übergang die Betriebsvereinbarungen des aufnehmenden Betriebes für alle ANInnen. o Die Geltung von Betriebsvereinbarungen des aufgenommenen Betriebes für dessen ANInnen bleibt nur insofern unberührt, als sie Angelegenheiten betreffen, die von den Betriebsvereinbarungen des aufnehmenden Betriebes nicht geregelt werden. 27
  • 28. Auswirkung auf BV o Variante 4: Betriebe/Betriebsteile werden so in einen bestehenden Betrieb eingefügt, dass sie in diesem aufgehen. § 31 Abs 7 ArbVG regelt weiters: o Betriebsvereinbarungen des aufgenommenen Betriebes iSd § 97 Abs 1 Z 18, Z 18 a und Z 18 b ArbVG können vom aufzunehmenden Betrieb innerhalb einer 1monatigen Frist gekündigt werden. 28
  • 29. Kündigungen Kündigungen, die aufgrund des Betriebs(teil)übergangs erfolgen, sind rechtsunwirksam. Sie können beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht mit Feststellungsklage bekämpft werden. Für eine Feststellungsklage gibt es zwar keine Frist, den/die Gekündigte/n trifft jedoch die sog. Aufgriffsobliegenheit (Judikatur: Geltendmachung eines aufrechten Dienstverhältnisses innerhalb eines Zeitraums von höchstens 6 Monaten). 29