WWF Deutschland
                                                                                           Reinhardstraße 14
                                                                                           10117 Berlin
                                                                                           Tel.: 0 30/30 87 42-00
                                                                                           Direkt: -18

                                                                                           Fax: 0 30/30 87 42-50
                                                                                           regine.guenther@wwf.de
Hintergrundpapier                                                                          www.wwf.de




Kernaussagen der Studie von Prognos AG/Öko-Institut/Dr. Ziesing:
„Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050. Vom Ziel her denken“
                                                                                                        Seite 1 von 6




Einleitung                                                  Die Ausgangslage

Um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren muss                 In der Abgrenzung, die für die Verpflichtungen
der Klimawandel gebremst und die globale Tem-               des Kioto-Protokolls relevant ist, sind die Treib-
peraturerhöhung auf 2°C gegenüber vorindustriel-            hausgasemissionen in Deutschland von 1990 bis
len Zeiten begrenzt werden. Der Ausstoß an kli-             2007 um 21,3 Prozent gesunken. Berücksichtigt
maschädlichen Treibhausgasen muss dafür global              man dagegen alle Emissionsquellen (mit Ausnah-
um 80 Prozent gegenüber 1990 sinken. Die Indust-            me der Hochseeschifffahrt) so ergibt sich ein deut-
rieländer müssen ihre Treibhausgase bis 2050 so-            lich anderes Bild. Vor allem durch die Entwick-
gar um 95 Prozent reduzieren.                               lung im Bereich Böden und Forsten, aber auch
                                                            durch den Emissionszuwachs im Bereich des in-
Noch nie wurde aus dieser Anforderung ein                   ternationalen Luftverkehrs ergibt sich hier für den
durchgerechneter Politikentwurf geformt, der bis            Zeitraum 1990 bis 2007 nur eine Minderung der
ins Jahr 2030 mit konkreten Maßnahmen und In-               Treibhausgasemissionen von 13,1 Prozent.
strumenten hinterlegt ist. Dies leistet die neue Stu-
die des WWF Deutschland erstmals. Wir betreten              Das heißt, zwischen der von 1990-2007 erreich-
Neuland und denken vom Ziel her. Nur so können              ten Emissionsreduktion und dem 95 Prozent-
wir unsere Stabilität, Sicherheit, Wohlstand und            Minderungsziel liegt eine Lücke von 82 Pro-
Arbeitsplätze sichern.                                      zentpunkten.

Die Studie von Prognos AG, Öko-Institut und Dr.             Die Studie zeigt, dass ein ambitioniertes Fortfüh-
Ziesing im Auftrag des WWF zeigt, dass der ge-              ren der heutigen Klima- und Energiepolitik diese
forderte Wandel von der klimaschädlichen zur                Lücke nicht annähernd schließen kann. Das Fort-
klimaverträglichen Wirtschaftsweise möglich und             schreiben der aktuellen Politik würde mit nur 45
bezahlbar ist. Ein solcher Wandel kann in allen             Prozent Emissionsreduktion bis 2050 (gegenüber
Sektoren an bestehende Entwicklungspfade an-                1990) zu einer dramatischen Zielverfehlung füh-
knüpfen. Unser Leben würde sich demnach verän-              ren.
dern, aber nicht dramatisch. Laufzeitverlängerun-
gen der Atomkraftwerke sind nicht zur Zielerrei-            Um auf den geforderten Minderungspfad von mi-
chung erforderlich. Deutschland könnte damit zum            nus 95 Prozent zu kommen, ist daher die Weichen-
Entwicklungsmodell für andere Länder werden.                stellung in den kommenden vier Jahren zentral. Es
                                                            müssen langfristige strategische Ziele formuliert
                                                            und in mittelfristige konkrete Maßnahmen über-
                                                            setzt werden.




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Langfristige Strategien

Politik die vom Langfrist-Ziel 2050 geleitet wird,          zeugung, der Gebäudesektor, der Verkehr, die
muss sich strategische Kurz- und Mittelfristziele           Landwirtschaft und die Industrie sind dabei be-
setzen, um den aktuellen Entwicklungsstatus je-             sonders zentrale Handlungsfelder.
derzeit prüfen zu können. Die Studie kommt zu               3. Die Kosten der Transformation sind mit
dem Ergebnis, dass folgende (Zwischen)-Ziele                durchschnittlich 0,3 Prozent und max. 0,6 Prozent
handlungsleitend sein sollen:                               des Bruttoinlandsproduktes überschaubar und ver-
• Minderung der Treibhausgase:                              kraftbar, eine Strategie zum Einsatz der erforderli-
                                                            chen Mittel muss schnellstmöglich entwickelt
   -40 Prozent bis 2020
                                                            werden. Aufgabe der Politik ist es auch Asymmet-
   -60 Prozent bis 2030                                     rien bei den Kostenbelastungen auszugleichen.
   -80 Prozent bis 2040                                     4. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und
                                                            die massive Steigerung der Energieeffizienz
   -95 Prozent bis 2050 (jeweils ggü. 1990)
                                                            müssen zu gleichen Teilen forciert werden.
• Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen
                                                            5. Wir brauchen verstärkte Innovationsanstren-
  Energieproduktivität um mindestens 2,6
                                                            gungen vor allem in den folgenden 8 Bereichen:
  Prozent pro Jahr.
                                                            • Energieeffizienz, v. a. bei Stromanwendungen,
• Erhöhung des Anteils erneuerbarer Ener-
                                                              in der Industrie und bei Fahrzeugantrieben
  gien am gesamten Primärenergieaufkom-
  men:                                                      • Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
  20 Prozent bis 2020
                                                            • Elektromobilität
   35 Prozent bis 2030
                                                            • Erzeugung und Nutzung der Biomasse
   55 Prozent bis 2040
                                                            • Intelligente Netze
   > 75 Prozent bis 2050
                                                            • Kohlenstoffspeicherung und Abscheidung
                                                            • Stromspeicherung
Zur Erreichung dieser Ziele empfehlen
die Gutachter fünf strategische Leit-                       • Entwicklung neue Dämmstoffe für Gebäude
planken:

1. Die Mehrheit der Minderungspotenziale der                Sektorspezifisches           Maßnahmenpaket
Treibhausemissionen ist an sehr langfristige In-            („WWF IEKP 2030“)
vestitions- und Infrastrukturentscheidungen
geknüpft (rund 60 Prozent). Deshalb führt eine              Zur Erreichung des Minderungspfades und der
Politik, die sich kurzfristig auf die vermeintlich          Reduktionsziele bis 2030 empfehlen die Gutachter
preiswerten Minderungsoptionen ausrichtet in die            folgende Instrumente und Maßnahmen in den
Irre.                                                       kommenden vier Jahren umzusetzen:
2. Alle Sektoren müssen ab sofort deutliche
Minderungsbeiträge erbringen. Die Stromer

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1.   Rechtlicher Rahmen für langfristige Kli-                    und ab 2025 auf den Nullenergie- bzw. Plus-
     maschutzpolitik (Klimaschutzgesetz)                         hausstandard.
•    verbindliche Festlegung langfristiger Ziele            •    Fortsetzung und Forcierung der Förderpro-
                                                                 gramme zur Gebäudesanierung zur Absiche-
•    Monitoringverfahren und Handlungspläne auf
                                                                 rung von Sanierungsraten von mehr als
     Grundlage der strategischen Ziele
                                                                 2 Prozent pro Jahr und einer langfristigen Sa-
•    Sanktions- und Anpassungsmechanismen für                    nierungseffizienz von 90 Prozent.
     den Fall von Zielverfehlungen
                                                            5.   Stromspezifische         Energieeffizienzmaß-
2.   Übergreifende Instrumente                                   nahmen
•    Weiterentwicklung           des         EU-            •    Durchgängige Verschärfung der Verbrauchs-
     Emissionshandelssystems mit einem Cap, das                  grenzwerte für alle elektrischen Geräteklassen
     für 2020 um 35 Prozent und für 2030 um                      nach dem Toprunner-Prinzip (Verbrauchs-
     60 Prozent unter dem Niveau von 2005 liegt                  werte der Bestgeräte als Mindeststandards für
     und mit einer deutlich stärkeren Begrenzung                 einen Abstand von 5 Jahren).
     der Emissionsminderungen, die außerhalb der
                                                            •    Verbot von Nachtstromspeicherheizungen
     vom Emissionshandelssystem erfassten Sek-
                                                                 nach einer Übergangszeit von 5 Jahren (flan-
     toren erbracht und als Verpflichtungsnach-
                                                                 kiert durch Förderprogramme).
     weis angerechnet werden können.
                                                            6.   Instrumente im Bereich der Industrie
•    Einführung einer CO2-Steuer für die nicht
     dem EU-Emissionshandelssystem unterlie-                •    Verpflichtende Einführung von betrieblichen
     genden Energieträger für den stationären Ein-               Energiemanagementsystemen.
     satz.
                                                            •    Verbindliche Einführung von CCS für die
3.   Übergeordnete Instrumente zur Energieef-                    prozessbedingten Emissionen im Bereich der
     fizienz                                                     Stahl-, Zement- und Kalkindustrie bis 2020.
•    Schaffung eines flexiblen Mengensteuerungs-            •    Initiierung eines Maßnahmenpakets zur Min-
     systems für Energieeinsparungen, in dem die                 derung der fluorierten THG, bestehend aus
     Lieferanten von Energie auf Grundlage einer                 ordnungsrechtlichen Vorgaben wie einem
     Positivliste für Energiesparprojekte jedes Jahr             Verbot des Einsatzes von F-Gasen als Kälte-
     mit frei handelbaren Einsparzertifikaten einen              mittel ab 2015 und einer von dem Treibhaus-
     bestimmten Energiesparbeitrag nachweisen                    gaspotenzial abhängigen Steuer für den Ein-
     müssen.                                                     satz von F-Gasen.
•    Wiedereinführung der steuerlichen Absetz-              7.   Verkehrsbezogene Instrumente
     barkeit von Energieeffizienzinvestitionen.
                                                            •    Investitionsprogramm zur Verdoppelung der
4.   Gebäudespezifische Instrumente zur Er-                      Kapazität des deutschen Schienennetzes bis
     höhung der Energieeffizienz                                 zum Jahr 2030.
•    Verschärfung der Neubaustandards auf einen             •    Investitionsprogramm zur Erhöhung der Leis-
     maximalen          jährlichen        End-                   tungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs
     energieverbrauchswert für Raumwärme von                     um 25 Prozent bis 2030 (und der Attraktivität
     20 kWh/m2 ab 2015, 10 kWh/m2 ab 2020                        des öffentlichen Nahverkehrs).

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•    Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte für                  knüpfung des deutschen Stromsystems mit
     Personenkraftwagen auf 70 g CO2/km in 2030                  den Nachbarstaaten und -regionen ergänzen
     (ohne Anrechnung von Biokraftstoffen und                    kann.
     ohne Nullanrechnung von Elektrofahrzeu-
                                                            9.   Abfallwirtschaftliche Maßnahmen
     gen).
                                                            •    Förderung von Abfallvermeidung und
•    Schaffung von LKW-Flottengrenzwerten auf
                                                                 -verwertung sowie des sparsamen Material-
     einem Niveau von 30 Prozent unter den aktu-
                                                                 einsatzes für energieintensive Produkte.
     ellen Werten bis 2030 (inklusive der Etablie-
     rung einer geeigneten technischen Berech-              •    Fördermaßnahmen zur energetischen Verwer-
     nungsgrundlage).                                            tung, insbesondere Ausbau der Vergasungs-
                                                                 und Vergärungskapazitäten auf ca. zwei Drit-
•    Erhöhung der LKW-Maut auf 50 ct/km in
                                                                 tel des anfallenden organischen Abfalls.
     2030, Gewährung eines Effizienzbonus und
     Ausweitung auf alle LKW.                               •    Die energetische Nutzung von biogenen Ab-
                                                                 fällen und Reststoffen muss Vorrang vor dem
•    Erhöhung der Mineralölsteuer auf ein Niveau,
                                                                 Anbau von Energiepflanzen haben.
     das im Jahr 2030 einen Preis von konventio-
     nellem Ottokraftstoff von 2,50 €/l bewirkt.            10. Landwirtschaftliche Maßnahmen
•    Anpassung der Biokraftstoffmenge an den                •    Erhöhung des Anteils des ökologischen
     aktuellen Bedarf im Jahr 2030 und Einfüh-                   Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten
     rung von verpflichtenden hohen und verläss-                 Fläche auf 25 Prozent bis spätestens 2030.
     lich überprüfbaren Nachhaltigkeitsstandards            •    Einführung von international abgestimmten
     und eindeutigen Treibhausgaseinsparungen.                   verpflichtenden Mindeststandards für Nach-
•    Einführung eines Tempolimits von 120 km/h                   haltigkeit von Agrarrohstoffen unabhängig
     auf Autobahnen.                                             von dem jeweiligen Nutzungspfad.
8.   Instrumente im Bereich der Stromerzeu-                 •    Initiierung eines Maßnahmenpakets Dünge-
     gung                                                        management bestehend aus einer Abgabe auf
                                                                 Stickstoffüberschüsse in der Landbewirt-
•    Einführung eines Moratoriums für Kohle-
                                                                 schaftung auf Betriebsebene, die Förderung
     kraftwerke ohne CCS.
                                                                 einer effizienteren Düngetechnik sowie ziel-
•    Weiterentwicklung des EEG (Erhaltung des                    gerichteter Fortbildung und Forschung für
     Einspeisevorrangs,    innovationsorientierte                klimafreundlichere Anbaumethoden.
     Kostendegression, Förderung der Biomasse-
                                                            •    Initiierung eines Maßnahmenpakets Klima-
     verstromung nur noch in Kraft-Wärme-
                                                                 schutz und Gesundheit mit ordnungsrechtli-
     Kopplung).
                                                                 chen Beschränkungen des Viehbestandes.
•    Schaffung zusätzlicher Marktanreize (Markt-
                                                            •    Durchführung einer Bildungskampagne zur
     modelle) für die Bereitstellung von Leistung
                                                                 Veränderung der Ernährungsgewohnheiten
     und Regelenergie für die verschiedenen
                                                                 der Bevölkerung hin zu einem reduzierten
     (Groß- und Klein-) Verbrauchergruppen.
                                                                 Fleischkonsum.
•    Erarbeitung eines langfristigen Stromspei-
                                                            •    Bindung aller Agrarzahlungen im Rahmen
     cher-Ausbauprogramms, das mittel- und lang-
                                                                 der neuen EU Agrarpolitik an Klimaschutz-
     fristig die ebenfalls notwendige stärkere Ver-
                                                                 und Umweltleistungen.
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•    Ordnungsrechtliche Regelung der gasdichten             •    Innovationsprogramm zur Entwicklung und
     Lagerung von Gülle und Fördermaßnahmen                      Verbreitung intelligenter Verteilungsnetze mit
     zur Verstärkung der energetischen Verwer-                   intelligenten Laststeuerungsoptionen.
     tung von Gülle sowie von Ernterückständen
                                                            •    Schnellstmögliche Umsetzung der CCS-Pilot-
     in Biogasanlagen.
                                                                 und Demonstrationsvorhaben und ggf. Erar-
11. Maßnahmen im Bereich der Landnutzung                         beitung     eines     „Deutschen       CCS-
                                                                 Entwicklungsplans“, in dem Lösungsbeiträge
•    Förderung von Maßnahmen in der Forstwirt-
                                                                 von CCS unter verschiedenen Rahmenbedin-
     schaft, die auf eine nachhaltige Waldbewirt-
                                                                 gungen, die notwendige Infrastruktur, eine
     schaftung (FSC) und den Erhalt bzw. die Er-
                                                                 Untertage-Raumordnung zur Lösung von
     höhung der Senkenwirkung des deutschen
                                                                 Nutzungskonkurrenzen im Untergrund sowie
     Waldes (Einbindung von CO2 in die Wald-
                                                                 Nutzungspriorisierungen definiert werden.
     biomasse) abzielen.
                                                            •    Erarbeitung eines „Deutschen Energie-
•    Ordnungsrechtliche Beschränkung des Flä-
                                                                 Infrastruktur-Umbauprogramms“, auf dessen
     chenverbrauches zur Umwandlung von un-
                                                                 Grundlage       Investitionsanreize     und
     versiegelten Flächen in Wohn-, Verkehrs- und
                                                                 -verpflichtungen für die Übertragungsnetze
     Siedlungsflächen.
                                                                 sowie den Ausbau der CO2-Infrastruktur etab-
•    Initiierung eines Maßnahmenpaketes Flächen-                 liert werden können, Umsetzung im Rahmen
     transformation, bestehend aus Fördermaß-                    der Deutschen Netz AG.
     nahmen für die Renaturierung von Mooren
                                                            •    Verstärkte Forschungsförderung mit Meilen-
     und entwässerten Grünlandböden, der ord-
                                                                 steinen    im Bereich        der   Energieef-
     nungsrechtliche Festlegung einer Alternativ-
                                                                 fizienzverbesserungen durch Weiterentwick-
     nutzung und der Umsetzung von Zielen der
                                                                 lung und Anwendung der neuen Schlüssel-
     Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung.
                                                                 technologien, z. B. bei Prozessen und Materi-
12. Innovations- und infrastrukturspezifische                    alien. Gezielte Markteinführungsinitiativen,
    Maßnahmen                                                    um diese Technologien in die breite Um-
•    Überarbeitung und Erweiterung der deutschen                 setzung und Optimierung zu bringen.
     Biomassestrategien, die langfristige Priorisie-
     rungen und konkrete Schritte in den Berei-             Rahmen der Umsetzung von „Modell
     chen Biokraftstoffe (einschließlich Spezifika-         Deutschland“
     tion von Flugkraftstoffen auf Biomassebasis),
     Biomethan-Einspeisung und Biomassever-                 Ungeachtet der Notwendigkeit einer europäischen
     stromung beinhaltet.                                   und internationalen Einbettung vieler Umset-
•    Innovationsprogramm für Biokraftstoffe der             zungsmaßnahmen für einen Emissionsminde-
     zweiten Generation mit dem Ziel, ab 2020 nur           rungspfad nach dem Muster „Modell Deutschland“
     noch Biokraftstoffe mit dieser Qualität im             ist Deutschland gefordert, eine fundierte nationale
     Markt zu haben.                                        Strategie mit dem Ziel der langfristigen Emissi-
                                                            onsminderung von 95 Prozent zu entwickeln. Eine
•    Innovations- und Markteinführungsprogramm              solche Strategie ist notwendig, um die Konsistenz
     für elektrische PKW, einschließlich effizienz-         aller politischen Maßnahmen zu prüfen. Die im
     orientierter Markteinführungsprämien.                  Rahmen der vorliegenden Studie skizzierten Stra-
                                                            tegien und Maßnahmen sind eine belastbare
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Grundlage für eine strikt an Innovation, Klima-             Weitere Hintergrundinformationen zur Studie
schutz und Vorreiterrolle ausgerichtete nationale           „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050“
Politikentwicklung. Neben der Entwicklung einer             finden    Sie     im     Internet     unter
Minderungsstrategie ist Deutschland gefordert,              www.wwf.de/klima2050.
den internationalen Prozess der Klimaverhandlun-
gen zu stimulieren. Hierzu sind neben der Formu-
lierung der genannten Treibhausgasminderungs-               Weitere Informationen:
ziele vor allem die nachfolgend beschriebenen
Schritte essentiell.                                        Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Ener-
                                                            giepolitik, WWF Deutschland, Tel.: 030 / 308742-
Der WWF fordert die Bundesregierung auf, im
                                                            18, Fax: -35, regine.guenther@wwf.de
Rahmen der UN-Klimaverhandlungen darauf hin-
wirken:
•    dass auch die EU bis 2020 ihre Emissionen
     gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent
     und bis 2050 praktisch auf Null zurückführt
     und dass die Industrieländer als Gruppe die-
     selben Ziele verfolgen.
•    dass die Industrieländer die Entwicklungs-
     und Schwellenländer bei Maßnahmen zum
     Klimaschutz und zur Anpassung an den Kli-
     mawandel massiv unterstützen. Hierzu gehört
     die Einführung verlässlicher Finanzierungsin-
     strumente. Deutschland sollte die Versteige-
     rung eines Teils der Assigned Amount Units
     (AAUs) unbedingt unterstützen.



Wichtiges Signal an die internationale Gemein-
schaft zur Ernsthaftigkeit der deutschen Klima-
schutzanstrengungen wäre der Beschluss, die Ein-
nahmen aus dem europäischen Emissionshandel ab
Januar 2010 zu 100 Prozent in Klimaschutz zu
investieren - zum Teil als Anschubfinanzierung für
eine kohlenstoffarme Zukunft in Deutschland, zum
anderen Teil in Entwicklungsländern für Techno-
logietransfer, Reduzierung der Emissionen aus
Waldvernichtung (REDD) und für Maßnahmen
zur Anpassung an den Klimawandel. Darüber hin-
aus ist es wichtig, dass Deutschland die finanzielle
Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellen-
länder in einer Größenordnung von rund 7 Mrd. €
jährlich anerkennt.
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"Modell Deutschland" - Kernaussagen

  • 1.
    WWF Deutschland Reinhardstraße 14 10117 Berlin Tel.: 0 30/30 87 42-00 Direkt: -18 Fax: 0 30/30 87 42-50 regine.guenther@wwf.de Hintergrundpapier www.wwf.de Kernaussagen der Studie von Prognos AG/Öko-Institut/Dr. Ziesing: „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050. Vom Ziel her denken“ Seite 1 von 6 Einleitung Die Ausgangslage Um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren muss In der Abgrenzung, die für die Verpflichtungen der Klimawandel gebremst und die globale Tem- des Kioto-Protokolls relevant ist, sind die Treib- peraturerhöhung auf 2°C gegenüber vorindustriel- hausgasemissionen in Deutschland von 1990 bis len Zeiten begrenzt werden. Der Ausstoß an kli- 2007 um 21,3 Prozent gesunken. Berücksichtigt maschädlichen Treibhausgasen muss dafür global man dagegen alle Emissionsquellen (mit Ausnah- um 80 Prozent gegenüber 1990 sinken. Die Indust- me der Hochseeschifffahrt) so ergibt sich ein deut- rieländer müssen ihre Treibhausgase bis 2050 so- lich anderes Bild. Vor allem durch die Entwick- gar um 95 Prozent reduzieren. lung im Bereich Böden und Forsten, aber auch durch den Emissionszuwachs im Bereich des in- Noch nie wurde aus dieser Anforderung ein ternationalen Luftverkehrs ergibt sich hier für den durchgerechneter Politikentwurf geformt, der bis Zeitraum 1990 bis 2007 nur eine Minderung der ins Jahr 2030 mit konkreten Maßnahmen und In- Treibhausgasemissionen von 13,1 Prozent. strumenten hinterlegt ist. Dies leistet die neue Stu- die des WWF Deutschland erstmals. Wir betreten Das heißt, zwischen der von 1990-2007 erreich- Neuland und denken vom Ziel her. Nur so können ten Emissionsreduktion und dem 95 Prozent- wir unsere Stabilität, Sicherheit, Wohlstand und Minderungsziel liegt eine Lücke von 82 Pro- Arbeitsplätze sichern. zentpunkten. Die Studie von Prognos AG, Öko-Institut und Dr. Die Studie zeigt, dass ein ambitioniertes Fortfüh- Ziesing im Auftrag des WWF zeigt, dass der ge- ren der heutigen Klima- und Energiepolitik diese forderte Wandel von der klimaschädlichen zur Lücke nicht annähernd schließen kann. Das Fort- klimaverträglichen Wirtschaftsweise möglich und schreiben der aktuellen Politik würde mit nur 45 bezahlbar ist. Ein solcher Wandel kann in allen Prozent Emissionsreduktion bis 2050 (gegenüber Sektoren an bestehende Entwicklungspfade an- 1990) zu einer dramatischen Zielverfehlung füh- knüpfen. Unser Leben würde sich demnach verän- ren. dern, aber nicht dramatisch. Laufzeitverlängerun- gen der Atomkraftwerke sind nicht zur Zielerrei- Um auf den geforderten Minderungspfad von mi- chung erforderlich. Deutschland könnte damit zum nus 95 Prozent zu kommen, ist daher die Weichen- Entwicklungsmodell für andere Länder werden. stellung in den kommenden vier Jahren zentral. Es müssen langfristige strategische Ziele formuliert und in mittelfristige konkrete Maßnahmen über- setzt werden. _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
  • 2.
    Seite 2 von6 Langfristige Strategien Politik die vom Langfrist-Ziel 2050 geleitet wird, zeugung, der Gebäudesektor, der Verkehr, die muss sich strategische Kurz- und Mittelfristziele Landwirtschaft und die Industrie sind dabei be- setzen, um den aktuellen Entwicklungsstatus je- sonders zentrale Handlungsfelder. derzeit prüfen zu können. Die Studie kommt zu 3. Die Kosten der Transformation sind mit dem Ergebnis, dass folgende (Zwischen)-Ziele durchschnittlich 0,3 Prozent und max. 0,6 Prozent handlungsleitend sein sollen: des Bruttoinlandsproduktes überschaubar und ver- • Minderung der Treibhausgase: kraftbar, eine Strategie zum Einsatz der erforderli- chen Mittel muss schnellstmöglich entwickelt -40 Prozent bis 2020 werden. Aufgabe der Politik ist es auch Asymmet- -60 Prozent bis 2030 rien bei den Kostenbelastungen auszugleichen. -80 Prozent bis 2040 4. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die massive Steigerung der Energieeffizienz -95 Prozent bis 2050 (jeweils ggü. 1990) müssen zu gleichen Teilen forciert werden. • Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen 5. Wir brauchen verstärkte Innovationsanstren- Energieproduktivität um mindestens 2,6 gungen vor allem in den folgenden 8 Bereichen: Prozent pro Jahr. • Energieeffizienz, v. a. bei Stromanwendungen, • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Ener- in der Industrie und bei Fahrzeugantrieben gien am gesamten Primärenergieaufkom- men: • Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien 20 Prozent bis 2020 • Elektromobilität 35 Prozent bis 2030 • Erzeugung und Nutzung der Biomasse 55 Prozent bis 2040 • Intelligente Netze > 75 Prozent bis 2050 • Kohlenstoffspeicherung und Abscheidung • Stromspeicherung Zur Erreichung dieser Ziele empfehlen die Gutachter fünf strategische Leit- • Entwicklung neue Dämmstoffe für Gebäude planken: 1. Die Mehrheit der Minderungspotenziale der Sektorspezifisches Maßnahmenpaket Treibhausemissionen ist an sehr langfristige In- („WWF IEKP 2030“) vestitions- und Infrastrukturentscheidungen geknüpft (rund 60 Prozent). Deshalb führt eine Zur Erreichung des Minderungspfades und der Politik, die sich kurzfristig auf die vermeintlich Reduktionsziele bis 2030 empfehlen die Gutachter preiswerten Minderungsoptionen ausrichtet in die folgende Instrumente und Maßnahmen in den Irre. kommenden vier Jahren umzusetzen: 2. Alle Sektoren müssen ab sofort deutliche Minderungsbeiträge erbringen. Die Stromer _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
  • 3.
    Seite 3 von6 1. Rechtlicher Rahmen für langfristige Kli- und ab 2025 auf den Nullenergie- bzw. Plus- maschutzpolitik (Klimaschutzgesetz) hausstandard. • verbindliche Festlegung langfristiger Ziele • Fortsetzung und Forcierung der Förderpro- gramme zur Gebäudesanierung zur Absiche- • Monitoringverfahren und Handlungspläne auf rung von Sanierungsraten von mehr als Grundlage der strategischen Ziele 2 Prozent pro Jahr und einer langfristigen Sa- • Sanktions- und Anpassungsmechanismen für nierungseffizienz von 90 Prozent. den Fall von Zielverfehlungen 5. Stromspezifische Energieeffizienzmaß- 2. Übergreifende Instrumente nahmen • Weiterentwicklung des EU- • Durchgängige Verschärfung der Verbrauchs- Emissionshandelssystems mit einem Cap, das grenzwerte für alle elektrischen Geräteklassen für 2020 um 35 Prozent und für 2030 um nach dem Toprunner-Prinzip (Verbrauchs- 60 Prozent unter dem Niveau von 2005 liegt werte der Bestgeräte als Mindeststandards für und mit einer deutlich stärkeren Begrenzung einen Abstand von 5 Jahren). der Emissionsminderungen, die außerhalb der • Verbot von Nachtstromspeicherheizungen vom Emissionshandelssystem erfassten Sek- nach einer Übergangszeit von 5 Jahren (flan- toren erbracht und als Verpflichtungsnach- kiert durch Förderprogramme). weis angerechnet werden können. 6. Instrumente im Bereich der Industrie • Einführung einer CO2-Steuer für die nicht dem EU-Emissionshandelssystem unterlie- • Verpflichtende Einführung von betrieblichen genden Energieträger für den stationären Ein- Energiemanagementsystemen. satz. • Verbindliche Einführung von CCS für die 3. Übergeordnete Instrumente zur Energieef- prozessbedingten Emissionen im Bereich der fizienz Stahl-, Zement- und Kalkindustrie bis 2020. • Schaffung eines flexiblen Mengensteuerungs- • Initiierung eines Maßnahmenpakets zur Min- systems für Energieeinsparungen, in dem die derung der fluorierten THG, bestehend aus Lieferanten von Energie auf Grundlage einer ordnungsrechtlichen Vorgaben wie einem Positivliste für Energiesparprojekte jedes Jahr Verbot des Einsatzes von F-Gasen als Kälte- mit frei handelbaren Einsparzertifikaten einen mittel ab 2015 und einer von dem Treibhaus- bestimmten Energiesparbeitrag nachweisen gaspotenzial abhängigen Steuer für den Ein- müssen. satz von F-Gasen. • Wiedereinführung der steuerlichen Absetz- 7. Verkehrsbezogene Instrumente barkeit von Energieeffizienzinvestitionen. • Investitionsprogramm zur Verdoppelung der 4. Gebäudespezifische Instrumente zur Er- Kapazität des deutschen Schienennetzes bis höhung der Energieeffizienz zum Jahr 2030. • Verschärfung der Neubaustandards auf einen • Investitionsprogramm zur Erhöhung der Leis- maximalen jährlichen End- tungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs energieverbrauchswert für Raumwärme von um 25 Prozent bis 2030 (und der Attraktivität 20 kWh/m2 ab 2015, 10 kWh/m2 ab 2020 des öffentlichen Nahverkehrs). _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
  • 4.
    Seite 4 von6 • Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte für knüpfung des deutschen Stromsystems mit Personenkraftwagen auf 70 g CO2/km in 2030 den Nachbarstaaten und -regionen ergänzen (ohne Anrechnung von Biokraftstoffen und kann. ohne Nullanrechnung von Elektrofahrzeu- 9. Abfallwirtschaftliche Maßnahmen gen). • Förderung von Abfallvermeidung und • Schaffung von LKW-Flottengrenzwerten auf -verwertung sowie des sparsamen Material- einem Niveau von 30 Prozent unter den aktu- einsatzes für energieintensive Produkte. ellen Werten bis 2030 (inklusive der Etablie- rung einer geeigneten technischen Berech- • Fördermaßnahmen zur energetischen Verwer- nungsgrundlage). tung, insbesondere Ausbau der Vergasungs- und Vergärungskapazitäten auf ca. zwei Drit- • Erhöhung der LKW-Maut auf 50 ct/km in tel des anfallenden organischen Abfalls. 2030, Gewährung eines Effizienzbonus und Ausweitung auf alle LKW. • Die energetische Nutzung von biogenen Ab- fällen und Reststoffen muss Vorrang vor dem • Erhöhung der Mineralölsteuer auf ein Niveau, Anbau von Energiepflanzen haben. das im Jahr 2030 einen Preis von konventio- nellem Ottokraftstoff von 2,50 €/l bewirkt. 10. Landwirtschaftliche Maßnahmen • Anpassung der Biokraftstoffmenge an den • Erhöhung des Anteils des ökologischen aktuellen Bedarf im Jahr 2030 und Einfüh- Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten rung von verpflichtenden hohen und verläss- Fläche auf 25 Prozent bis spätestens 2030. lich überprüfbaren Nachhaltigkeitsstandards • Einführung von international abgestimmten und eindeutigen Treibhausgaseinsparungen. verpflichtenden Mindeststandards für Nach- • Einführung eines Tempolimits von 120 km/h haltigkeit von Agrarrohstoffen unabhängig auf Autobahnen. von dem jeweiligen Nutzungspfad. 8. Instrumente im Bereich der Stromerzeu- • Initiierung eines Maßnahmenpakets Dünge- gung management bestehend aus einer Abgabe auf Stickstoffüberschüsse in der Landbewirt- • Einführung eines Moratoriums für Kohle- schaftung auf Betriebsebene, die Förderung kraftwerke ohne CCS. einer effizienteren Düngetechnik sowie ziel- • Weiterentwicklung des EEG (Erhaltung des gerichteter Fortbildung und Forschung für Einspeisevorrangs, innovationsorientierte klimafreundlichere Anbaumethoden. Kostendegression, Förderung der Biomasse- • Initiierung eines Maßnahmenpakets Klima- verstromung nur noch in Kraft-Wärme- schutz und Gesundheit mit ordnungsrechtli- Kopplung). chen Beschränkungen des Viehbestandes. • Schaffung zusätzlicher Marktanreize (Markt- • Durchführung einer Bildungskampagne zur modelle) für die Bereitstellung von Leistung Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und Regelenergie für die verschiedenen der Bevölkerung hin zu einem reduzierten (Groß- und Klein-) Verbrauchergruppen. Fleischkonsum. • Erarbeitung eines langfristigen Stromspei- • Bindung aller Agrarzahlungen im Rahmen cher-Ausbauprogramms, das mittel- und lang- der neuen EU Agrarpolitik an Klimaschutz- fristig die ebenfalls notwendige stärkere Ver- und Umweltleistungen. _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
  • 5.
    Seite 5 von6 • Ordnungsrechtliche Regelung der gasdichten • Innovationsprogramm zur Entwicklung und Lagerung von Gülle und Fördermaßnahmen Verbreitung intelligenter Verteilungsnetze mit zur Verstärkung der energetischen Verwer- intelligenten Laststeuerungsoptionen. tung von Gülle sowie von Ernterückständen • Schnellstmögliche Umsetzung der CCS-Pilot- in Biogasanlagen. und Demonstrationsvorhaben und ggf. Erar- 11. Maßnahmen im Bereich der Landnutzung beitung eines „Deutschen CCS- Entwicklungsplans“, in dem Lösungsbeiträge • Förderung von Maßnahmen in der Forstwirt- von CCS unter verschiedenen Rahmenbedin- schaft, die auf eine nachhaltige Waldbewirt- gungen, die notwendige Infrastruktur, eine schaftung (FSC) und den Erhalt bzw. die Er- Untertage-Raumordnung zur Lösung von höhung der Senkenwirkung des deutschen Nutzungskonkurrenzen im Untergrund sowie Waldes (Einbindung von CO2 in die Wald- Nutzungspriorisierungen definiert werden. biomasse) abzielen. • Erarbeitung eines „Deutschen Energie- • Ordnungsrechtliche Beschränkung des Flä- Infrastruktur-Umbauprogramms“, auf dessen chenverbrauches zur Umwandlung von un- Grundlage Investitionsanreize und versiegelten Flächen in Wohn-, Verkehrs- und -verpflichtungen für die Übertragungsnetze Siedlungsflächen. sowie den Ausbau der CO2-Infrastruktur etab- • Initiierung eines Maßnahmenpaketes Flächen- liert werden können, Umsetzung im Rahmen transformation, bestehend aus Fördermaß- der Deutschen Netz AG. nahmen für die Renaturierung von Mooren • Verstärkte Forschungsförderung mit Meilen- und entwässerten Grünlandböden, der ord- steinen im Bereich der Energieef- nungsrechtliche Festlegung einer Alternativ- fizienzverbesserungen durch Weiterentwick- nutzung und der Umsetzung von Zielen der lung und Anwendung der neuen Schlüssel- Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung. technologien, z. B. bei Prozessen und Materi- 12. Innovations- und infrastrukturspezifische alien. Gezielte Markteinführungsinitiativen, Maßnahmen um diese Technologien in die breite Um- • Überarbeitung und Erweiterung der deutschen setzung und Optimierung zu bringen. Biomassestrategien, die langfristige Priorisie- rungen und konkrete Schritte in den Berei- Rahmen der Umsetzung von „Modell chen Biokraftstoffe (einschließlich Spezifika- Deutschland“ tion von Flugkraftstoffen auf Biomassebasis), Biomethan-Einspeisung und Biomassever- Ungeachtet der Notwendigkeit einer europäischen stromung beinhaltet. und internationalen Einbettung vieler Umset- • Innovationsprogramm für Biokraftstoffe der zungsmaßnahmen für einen Emissionsminde- zweiten Generation mit dem Ziel, ab 2020 nur rungspfad nach dem Muster „Modell Deutschland“ noch Biokraftstoffe mit dieser Qualität im ist Deutschland gefordert, eine fundierte nationale Markt zu haben. Strategie mit dem Ziel der langfristigen Emissi- onsminderung von 95 Prozent zu entwickeln. Eine • Innovations- und Markteinführungsprogramm solche Strategie ist notwendig, um die Konsistenz für elektrische PKW, einschließlich effizienz- aller politischen Maßnahmen zu prüfen. Die im orientierter Markteinführungsprämien. Rahmen der vorliegenden Studie skizzierten Stra- tegien und Maßnahmen sind eine belastbare _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).
  • 6.
    Seite 6 von6 Grundlage für eine strikt an Innovation, Klima- Weitere Hintergrundinformationen zur Studie schutz und Vorreiterrolle ausgerichtete nationale „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050“ Politikentwicklung. Neben der Entwicklung einer finden Sie im Internet unter Minderungsstrategie ist Deutschland gefordert, www.wwf.de/klima2050. den internationalen Prozess der Klimaverhandlun- gen zu stimulieren. Hierzu sind neben der Formu- lierung der genannten Treibhausgasminderungs- Weitere Informationen: ziele vor allem die nachfolgend beschriebenen Schritte essentiell. Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Ener- giepolitik, WWF Deutschland, Tel.: 030 / 308742- Der WWF fordert die Bundesregierung auf, im 18, Fax: -35, regine.guenther@wwf.de Rahmen der UN-Klimaverhandlungen darauf hin- wirken: • dass auch die EU bis 2020 ihre Emissionen gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 praktisch auf Null zurückführt und dass die Industrieländer als Gruppe die- selben Ziele verfolgen. • dass die Industrieländer die Entwicklungs- und Schwellenländer bei Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Kli- mawandel massiv unterstützen. Hierzu gehört die Einführung verlässlicher Finanzierungsin- strumente. Deutschland sollte die Versteige- rung eines Teils der Assigned Amount Units (AAUs) unbedingt unterstützen. Wichtiges Signal an die internationale Gemein- schaft zur Ernsthaftigkeit der deutschen Klima- schutzanstrengungen wäre der Beschluss, die Ein- nahmen aus dem europäischen Emissionshandel ab Januar 2010 zu 100 Prozent in Klimaschutz zu investieren - zum Teil als Anschubfinanzierung für eine kohlenstoffarme Zukunft in Deutschland, zum anderen Teil in Entwicklungsländern für Techno- logietransfer, Reduzierung der Emissionen aus Waldvernichtung (REDD) und für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Darüber hin- aus ist es wichtig, dass Deutschland die finanzielle Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellen- länder in einer Größenordnung von rund 7 Mrd. € jährlich anerkennt. _________________________________________________________________________________________________________ WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz).