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LIVING PLANET REPORT 2008
            DEUTSCHSPRACHIGE VERSION
VORWORT                                          3    WWF                                  CHEFREDAKTEUR           WWF INTERNATIONAL
                                                      Der World Wide Fund For Nature       Chris Hails             Avenue du Mont-Blanc
                                                      ist eine der größten und erfahren-                           CH-1196 Gland
EINFÜHRUNG                                       4    sten unabhängigen Naturschutz-       REDAKTION               Schweiz
Biodiversität, Funktionen von Ökosystemen,            organisationen der Welt. Er wird     Sarah Humphrey          www.panda.org
                                                      von fast fünf Millionen Förderern    Jonathan Loh
   Fußabdruck des Menschen                       6    unterstützt und verfügt über ein     Steven Goldfinger       WWF DEUTSCHLAND
                                                      weltweites Netzwerk in mehr                                  Rebstöcker Straße 55
                                                      als 100 Ländern. Der WWF will        MITWIRKENDE             60326 Frankfurt
DATENLAGE                                        8                                         WWF                     Deutschland
                                                      der weltweiten Naturzerstörung
Living Planet Index Global                       8    Einhalt gebieten und eine Zukunft    Sarah Humphrey          www.wwf.de
                                                                                           Ashok Chapagain
    Systeme und Biome                           10    gestalten, in der Menschen und
                                                      Natur in Harmonie leben.             Greg Bourne             WWF ÖSTERREICH
    Biogeografische Regionen                    12                                         Richard Mott            Ottakringer Straße 114-116
    Taxa                                        14                                         Judy Oglethorpe         1160 Wien
                                                                                           Aimee Gonzales          Österreich
Der Ökologische Fußabdruck der Nationen         16    ZOOLOGICAL SOCIETY
                                                                                           Martin Atkin            www.wwf.at
                                                      OF LONDON
Biokapazität                                    18    Die 1826 gegründete Zoological
                                                                                           ZSL                     WWF SCHWEIZ
Der Wasser-Fußabdruck des Konsums               20    Society of London ist eine
                                                                                           Jonathan Loh            Hohlstraße 110
                                                      internationale Organisation
Der Wasser-Fußabdruck der Produktion            22                                         Ben Collen              8010 Zürich
                                                      mit wissenschaftlichen, päda-
                                                                                           Louise McRae            Schweiz
                                                      gogischen und Naturschutzzielen.
                                                                                           Tharsila T. Carranza    www.wwf.ch
RICHTUNGSWECHSEL                                24    Sie setzt sich für den Schutz von
                                                                                           Fiona A. Pamplin
                                                      Tieren und ihren Lebensräumen
Hin zu Nachhaltigkeit                           24                                         Rajan Amin
                                                      ein. Sie betreibt die ZSL Zoos in                            INSTITUTE OF ZOOLOGY
                                                                                           Jonathan E.M. Baillie
Das Energieproblem                              26    London und Whipsnade, führt                                  Zoological Society of London
                                                      wissenschaftliche Forschungen
Bevölkerung und Verbrauch                       28                                         GFN                     Regent’s Park
                                                      durch und engagiert sich aktiv       Steven Goldfinger       London NW1 4RY
Weltweiter Handel                               30    beim Schutz von natürlichen                                  Großbritannien
                                                                                           Mathis Wackernagel
Biokapazität nutzen: Ein ökosystemarer Ansatz   32    Lebensräumen in aller Welt.          Meredith Stechbart      www.zoo.cam.ac.uk
                                                                                           Sarah Rizk
                                                      GLOBAL FOOTPRINT                     Anders Reed             GLOBAL FOOTPRINT NETWORK
DATEN UND TABELLEN                               34   NETWORK                              Justin Kitzes           312 Clay Street, Suite 300
                                                      Das Global Footprint Network         Audrey Peller           Oakland, California 94607
Der Ökologische Fußabdruck, Biokapazität und
                                                      fördert durch die Bekannt-           Shiva Niazi             USA
    Wasser-Fußabdruck                            34   machung des Ökologischen             Brad Ewing              www.footprintnetwork.org
Living Planet Index, Ökologischer Fußabdruck,         Fußabdrucks eine nachhaltige         Alessandro Galli
                                                      Wirtschaftsweise. Dieses             Yoshihiko Wada          TWENTE WATER CENTRE
   Biokapazität und Wasser-Fußabdruck im Wandel 42    Instrument dient als Maß für die                             University of Twente
                                                                                           Dan Moran
Living Planet Index: Artenzahlen                 42   Nachhaltigkeit menschlicher          Robert Williams         7500 AE Enschede
                                                      Aktivitäten. Mit seinen Partnern     Willy De Backer         Niederlande
Living Planet Index: Technische Anmerkungen      43
                                                      koordiniert das Netzwerk                                     www.water.utwente.nl
Ökologischer Fußabdruck: Häufig gestellte Fragen 44   Forschungen und macht für            TWENTE
                                                      Entscheidungsträger auf der          Arjen Y. Hoekstra
                                                      ganzen Welt die ökologische          Mesfin Mekonnen
Literaturnachweise und weitere Informationen    46    Begrenztheit unseres Planeten
Danksagungen                                    47    besser sichtbar.
VORWORT


D
         er gegenwärtige Abschwung der Weltwirtschaft erin-            reichten 2008 Rekordhöhen, was größtenteils aus der verstärkten    deutlich zu senken. Wie sie angegangen werden kann, erklärt
         nert uns nachdrücklich daran, welche Konsequenzen             Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraft-         das WWF Climate Solutions Model. Dieses Modell betont, dass
         es hat, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch         stoffen und in manchen Gebieten aus versiegenden Wasser-           sofortige Maßnahmen unverzichtbar sind, um dem gefährlichen
die Gefahr einer wirtschaftlichen Rezession verblasst im Ver-          quellen resultierte. Zum ersten Mal seit Menschengedenken war      Klimawandel Einhalt zu gebieten.
gleich zu der drohenden Kreditkrise in ökologischer Hinsicht.          in diesem Sommer die arktische Eiskappe von offenem Wasser
                                                                       umgeben – sie verschwand buchstäblich unter dem Einfluss un-       Wenn wir tätig werden, um unseren Fußabdruck – also unse-
Ob wir am Waldrand oder mitten in einer Stadt leben: Unsere            seres Kohlendioxid-Fußabdrucks.                                    ren Einfluss auf die Ressourcen unserer Erde – zu verkleinern,
Lebensgrundlage und sogar unser Leben hängt von der Ver-                                                                                  müssen wir auch den Umgang mit den Ökosystemen, die diese
sorgung durch die Ökosysteme der Erde ab. Der Living Planet            Die ökologische Kreditkrise ist eine globale Herausforderung.      Ressourcen bereitstellen, optimieren. Um Erfolge zu erzielen,
Report 2008 stellt fest, dass wir die Ressourcen für diese Ver-        Im Living Planet Report 2008 erfahren wir, dass mehr als           müssen wir dabei die von der Natur vorgegebenen Bedingun-
sorgung viel zu schnell aufbrauchen – schneller, als sie erneuert      drei Viertel der Menschheit in Ländern leben, die ökologische      gen und Maßstäbe berücksichtigen. Das bedeutet, dass in jedem
werden können. Genau wie unbedachte Ausgaben zur Rezes-                Schuldner sind – der nationale Konsum übersteigt die Bioka-        Bereich (wie der Landwirtschaft oder der Fischerei) Entschei-
sion führen, so führt unbedachter Konsum zur Erschöpfung des           pazität ihres Landes. Die meisten von uns nutzen also für ihren    dungen mit Blick auf weitreichende ökologische Konsequenzen
natürlichen Kapitals der Erde und letztendlich zur Gefährdung          gegenwärtigen Lebensstil und für wirtschaftliches Wachstum         gefällt werden müssen. Es heißt auch, dass wir über Eigentums-
unseres zukünftigen Wohlstands. Der Living Planet Index zeigt,         das ökologische Kapital anderer Teile der Welt.                    und politische Grenzen hinweg Wege finden müssen, um für
dass wir allein in den letzten 35 Jahren fast ein Drittel des ökolo-                                                                      das Ökosystem als Ganzes zu sorgen.
gischen Kapitals der Erde verloren haben.                              Die gute Nachricht ist, dass wir die ökologische Kreditkrise
                                                                       umdrehen können – es ist nicht zu spät, um den Beginn einer        Fast vierzig Jahre ist es her, dass die Apollo-8-Astronauten den
Doch unsere Ansprüche steigen weiter, angetrieben vom unbe-            unabänderlichen ökologischen Rezession zu verhindern. Die-         berühmten „Erdaufgang“ fotografiert haben und damit das erste
grenzten Wachstum der menschlichen Bevölkerung und des in-             ser Bericht identifiziert die wichtigsten Gebiete, auf denen wir   Bild der Erde lieferten. Während der zwei folgenden Genera-
dividuellen Konsums. Unser Fußabdruck übersteigt die Fähig-            unseren Lebensstil und unsere Wirtschaftssysteme verändern         tionen hat sich die Welt von einem ökologischen Guthaben zu
keit der Erde zur Regeneration nun um rund 30 Prozent. Wenn            müssen, um einen Weg der Nachhaltigkeit einzuschlagen.             einem ökologischen Defizit bewegt. Die menschliche Spezies
unsere Ansprüche an den Planeten weiter mit der gleichen Ge-                                                                              verfügt über bemerkenswerten Einfallsreichtum und Problem-
schwindigkeit zunehmen, werden wir in den 2030er Jahren den            Die Größe der Herausforderung wirkt zeitweise erdrückend,          lösungsfähigkeit. Der gleiche Geist, der sie zum Mond gebracht
Gegenwert von zwei Planeten brauchen, um unseren Lebensstil            weshalb wir das Konzept der „Maßnahmenpakete für Nach-             hat, muss nun genutzt werden, um zukünftige Generationen vor
aufrechtzuerhalten. Der Bericht befasst sich in diesem Jahr erst-      haltigkeit“ („Sustainability wedges“ ) eingeführt haben, um        lähmenden ökologischen Schulden zu bewahren.
mals mit den Auswirkungen unseres Konsums auf die Was-                 die Überschreitung ökologischer Grenzen zu verdeutlichen, die
servorräte unserer Erde und mit unserer Verwundbarkeit durch           in verschiedenen Bereichen und als Folge diverser Ursachen
Wassermangel in vielen Gebieten.                                       auftritt. Diese Analyse ermöglicht es, die unterschiedlichen
                                                                       Faktoren aufzuschlüsseln und jeweils passende Lösungen vor-
Diese Entwicklungen haben konkrete Folgen, die wir in diesem           zuschlagen. Die größte Herausforderung besteht darin, 2050
Jahr den täglichen Schlagzeilen entnehmen konnten. Die glo-            die vorausgesagte erhöhte Nachfrage nach Energie zu erfüllen                                                  James P. Leape
balen Preise für zahlreiche pflanzliche Agrarerzeugnisse er-           und gleichzeitig den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen                                   Generaldirektor WWF International




                                                                                                                                                                             LIVING PLANET REPORT 2008 3
EINLEITUNG

      Wir haben nur eine Erde. Ihre Kapazität           Der Living Planet Index der weltweiten           ökologischer Grenzen nimmt zu. Als Folge                 sowohl in zeitlicher als auch geografischer
   zur Versorgung der Vielfalt an Lebewesen,         Biodiversität wird an den Beständen von             werden Ökosysteme zerstört, und Schad-                   Hinsicht. Rund 50 Länder sind derzeit in
   darunter der Mensch, ist groß, aber nicht         1.686 Wirbeltierarten in aller Welt gemessen        stoffe sammeln sich in der Luft, an Land                 unterschiedlichem Maß mit Wassermangel
   unbegrenzt. Wenn die Nachfrage der Men-           und hat allein während der letzten 35 Jahre         und im Wasser. Dies führt zu Entwaldung,                 konfrontiert. Aller Voraussicht nach wird die
   schen nach dieser Kapazität die vorhandenen       um fast 30 Prozent abgenommen (Abbil-               Wassermangel, abnehmender Biodiversität,                 Anzahl der Menschen, denen das ganze Jahr
   Möglichkeiten übersteigt, wir uns also über       dung 1). Während die Abnahme in man-                verstärkt den Klimawandel und stellt eine                über oder zu bestimmten Jahreszeiten nicht
   ökologische Grenzen hinwegsetzen, unter-          chen gemäßigten Zonen ein Ende gefunden             wachsende Gefahr für das Wohlergehen und                 ausreichend Wasser zur Verfügung steht, in
   graben wir die Stabilität von Lebensräumen.       hat, zeigt der gesamte Living Planet Index          die Entwicklung aller Nationen dar.                      Folge des Klimawandels zunehmen. Dies
   Letztendlich gefährdet dies das menschliche       weiterhin einen Rückgang. Es erscheint                 Wasserknappheit gibt in vielen Ländern                hat tiefgreifende Auswirkungen auf Ökosys-
   Wohlergehen.                                      immer unwahrscheinlicher, dass auch nur             und Regionen zunehmend Anlass zur                        teme, Gesundheit, Nahrungsmittelproduk-
      Der vorliegende Bericht setzt zwei             das bescheidene Ziel des Übereinkommens             Besorgnis. Daher beinhaltet der vorliegende              tion und menschliches Wohlergehen.
   sich ergänzende Kennzahlen ein, um die            über die biologische Vielfalt erreicht wird:        Bericht eine dritte Messgröße, den Wasser-                   Die Inanspruchnahme des Planeten durch
   Veränderungen der weltweiten Biodiversität        den Rückgang der Biodiversität bis 2010 zu          Fußabdruck. Er beschreibt den Bedarf an                  die Menschheit hat sich in den letzten 45
   und des menschlichen Konsums zu unter-            verlangsamen.                                       nationalen, regionalen und weltweiten                    Jahren mit dem Bevölkerungswachstum und
   suchen. Der Living Planet Index spiegelt den         Die Nachfrage der Menschheit nach den            Wasserressourcen, den der Konsum eines                   steigendem individuellen Konsum mehr als
   Zustand der Ökosysteme unserer Erde wider,        Ressourcen des Planeten, ihr Ökologischer           Produkts oder einer Dienstleistung erzeugt.              verdoppelt. Im Jahr 1961 verfügten fast alle
   während der Ökologische Fußabdruck den            Fußabdruck, übersteigt die regenerativen            Auch wenn Wasser weltweit nicht als                      Länder der Welt über mehr als ausreichende
   Umfang und die Art der Beanspruchung              Kapazitäten nun um rund 30 Prozent (Ab-             knappe Ressource gilt, sind doch seine                   Kapazitäten, um ihren eigenen Bedarf zu
   dieser Systeme durch den Menschen anzeigt.        bildung 2). Diese weltweite Übertretung             Verteilung und Verfügbarkeit sehr ungleich,              stillen; 2005 stellte sich die Situation voll-


     Abb. 1: LIVING PLANET INDEX, 1970–2005                                                           Abb. 2: ÖKOLOGISCHER FUSSABDRUCK DER MENSCHHEIT, 1961-2005
                     1.8                                                                                              1.8

                     1.6                                                                                              1.6

                     1.4                                                                                              1.4

                     1.2                                                                                              1.2
  Index (1970=1.0)




                                                                                                    Anzahl Planeten
                                                                                                                                   Biokapazität der Erde
                     1.0                                                                                              1.0

                     0.8                                                                                              0.8

                     0.6                                                                                              0.6

                     0.4                                                                                              0.4

                     0.2                                                                                              0.2

                      0                                                                                                0
                           1960   1970            1980             1990              2000      05                           1960          1970             1980                 1990               2000      05



4 LIVING PLANET REPORT 2008
kommen anders dar: Zahlreiche Länder           vorliegende Bericht zeigt beispielsweise,          menschliche Inanspruchnahme der Natur                 Abb. 1: Living Planet Index. Der Gesamtin-
konnten ihren Bedarf nur durch den Import      wie ein Maßnahmenpaket aus sauberer                abbildet, sowie der Living Planet Index zur           dex zeigt, dass die Bestände von Wirbeltier-




                                                                                                                                                                                                           EINLEITUNG
von Ressourcen anderer Nationen und durch      Energiegewinnung und effizienter Nutzung           Messung des weltweiten Zustands der Natur             arten von 1970 bis 2005 um fast 30 Prozent
die Nutzung der Atmosphäre als Abfallhalde     heutiger Technologien es uns ermöglichen           fungieren als klare und deutliche Wegweiser           abgenommen haben.
für Kohlendioxid und andere Treibhausgase      können, den für 2050 prognostizierten              für die erforderlichen Maßnahmen. Wenn
decken (Abbildung 3).                          Energiebedarf zu decken und gleichzeitig           die Menschheit den notwendigen Willen                 Abb. 2: Der Ökologische Fußabdruck der
    Wenn wir weitermachen wie bisher,          die Kohlendioxid-Emissionen stark zu redu-         aufbringt, kann sie innerhalb der Kapazitäten         Menschheit. Die Inanspruchnahme der
werden wir Anfang der 2030er Jahre zwei        zieren.                                            des Planeten leben und dabei die Ökosys-              Biosphäre durch den Menschen hat sich von
Planeten brauchen, um mit der menschlichen        Technologietransfer und technologische          teme und ihr davon abhängendes Wohlerge-              1961 bis 2005 mehr als verdoppelt.
Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen     Unterstützung bei lokalen Innovationen             hen sichern.
Schritt zu halten. Doch es gibt zahlreiche     können Schwellenländern helfen, ihre                                                                     Abb. 3: Ökologische Geber- und Schuldner-
effiziente Wege für einen Kurswechsel.         Lebensbedingungen zu verbessern und dabei                                                                länder. Der Ökologische Fußabdruck von
Technologische Weiterentwicklungen             ressourcenintensive Phasen der Industriali-                                                              ökologischen Schuldnern ist größer als ihre
werden weiterhin eine wichtige Rolle dabei     sierung zu überspringen. Die Stärkung der                                                                eigene Biokapazität; Länder mit ökologischem
spielen, den Anforderungen des nach-           Rolle von Frauen, Bildung und der Zugang                                                                 Guthaben haben einen Ökologischen Fußab-
haltigen Wirtschaftens gerecht zu werden.      zu freiwilligen Instrumenten der Familien-                                                               druck, der kleiner ist als ihre Biokapazität.
Doch ein großer Teil dessen, was zu tun        planung können das Bevölkerungswachstum
ist, ist bereits bekannt, und viele Lösungen   verlangsamen oder sogar stoppen.
stehen heute schon zur Verfügung. Der             Der Ökologische Fußabdruck, der die


Abb. 3: ÖKOLOGISCHE SCHULDNER- UND                     Öko-Schulden: Fußabdruck relativ zur Biokapazität   über 150% größer    100-150% größer      50-100% größer     0-50%größer
                                                                                                                                                                                        Daten ungenügend
GEBERLÄNDER, 1961 und 2005                             Öko-Guthaben: Biokapazität relativ zum Fußabdruck    0-50%größer       50-100% größer     100-150% größer     über 150% größer




1961                                                                                               2005
(Grenzen
wie 2005)




                                                                                                                                                                           LIVING PLANET REPORT 2008 5
BIODIVERSITÄT, FUNKTIONEN VON ÖKOSYSTEMEN, FUSSABDRUCK

  Der Living Planet Index zeigt, dass Arten       Tieren für die Herstellung von Nahrungsmit-      der Manschen nach Nahrungsmitteln, Wasser,        auf Klima und Gewässer, die Reinigung
  und natürliche Ökosysteme in allen Biomen       teln, Werkstoffen oder Medikamenten über         Energie und Werkstoffen. Diese äußert sich        von Wasser, die Bestäubung von Pflanzen
  und Regionen der Welt unter Belastung ste-      die Reproduktionsfähigkeit des jeweiligen        konkret in der Produktion und im Konsum           sowie die Eindämmung von Schädlingen
  hen. Die direkte, vom Menschen verursachte      Bestands hinaus ist Raubbau an den Arten.        von Agrarerzeugnissen, Fleisch- und Mol-        I kulturelle Funktionen in ästhetischer, spiri-
  Bedrohung der Biodiversität wird häufig in      So hat beispielsweise die Überfischung           kereiprodukten, Fisch und Meeresfrüchten,         tueller und pädagogischer Hinsicht sowie
  fünf Bereiche eingeteilt:                       zahlreiche Fischbestände mit wirtschaftli-       Nutzholz und Papier, Wasser, Energie sowie        Erholungsfunktion
  I Verlust oder Veränderung von Lebens-          cher Bedeutung vernichtet. Und der maßlose       von Ressourcen für Verkehr und Flächen für
     raum, besonders durch Landwirtschaft         Einschlag von Nutz- und Feuerholz hat zum        Städte und Infrastruktur. Mit dem Wachstum          Jede dieser Funktionen wird letztlich von
  I Übernutzung einer Art, besonders durch        Verlust von Wäldern und den dort beheima-        der Weltbevölkerung und der Wirtschaft          lebenden Organismen bereitgestellt. Es ist
     Fischerei und Jagd                           teten Pflanzen- und Tierarten geführt.           nimmt auch der Druck auf die Biodiversität      jedoch nicht die Biodiversität per se, die das
  I Verschmutzung                                      Invasive Arten, die mit oder ohne Absicht   zu. Durch verbesserte Technologien und          Funktionieren eines Ökosystems ermöglicht,
  I Ausbreitung invasiver Arten oder Gene         von einem Teil der Welt in einen anderen         die effizientere Nutzung von Ressourcen         sondern die Häufigkeit von bestimmten
  I Klimawandel                                   gebracht wurden und die sich als Konkur-         könnte dieser Druck gemindert werden. Der       Arten, die für die Erhaltung eines Lebens-
                                                  renten, Jäger oder Parasiten heimischer Arten    Ökologische Fußabdruck ist eine komplexe        raums und für die Bereitstellung dieser
      Diese fünf Bedrohungen sind Folge der       erwiesen haben, tragen Schuld am Rückgang        Messgröße für die Inanspruchnahme von           Funktionen entscheidend sind. Der lokale
  menschlichen Inanspruchnahme der Biosphäre      zahlreicher einheimischer Bestände.              Ökosystemen und Arten durch den Verbrauch       Rückgang einer entscheidenden Art hat
  – also der Verarbeitung und dem Konsum               Eine weitere wichtige Ursache für den       von Ressourcen. Die Interaktionen zwischen      negative Auswirkungen auf die Funktionen
  natürlicher Ressourcen für die Herstellung      Verlust von Biodiversität ist Verschmutzung,     der Biodiversität, den Ursachen für den Ver-    eines Ökosystems, auch wenn diese Art
  von Lebensmitteln, Getränken, Energie oder      gerade in Süßwasser-Ökosystemen. Die             lust der Biodiversität und dem Fußabdruck der   nicht weltweit bedroht ist.
  Werkstoffen sowie den damit verbundenen         übermäßige Anreicherung mit Nährstoffen          Menschheit zu verstehen, ist unumgänglich,          Mit den meisten unterstützenden, reguli-
  Abfällen – oder aus der Verdrängung natür-      in Folge des zunehmenden Einsatzes von           um den andauernden Rückgang von Ökosys-         erenden und kulturellen Ökosystemfunktio-
  licher Ökosysteme durch Städte und Infras-      Stickstoff- und Phosphorverbindungen in          temen und Tier- und Pflanzenarten zu verlang-   nen wird kein Handel getrieben, sie haben
  truktur (vgl. Abbildung 4). Zudem führt der     Düngemitteln führt zu Eutrophierung und          samen, anzuhalten und umzukehren.               also keinen Marktwert. Ihr Rückgang hat
  starke Güter- und Personenverkehr rund um       Sauerstoffmangel. Pestizide aus der Land- und                                                    keine aufsehenerregenden Auswirkungen
  den Globus zu einer Verbreitung von gebiets-    Wasserwirtschaft sowie aus Industrie- und        FUNKTIONEN VON ÖKOSYSTEMEN                      auf die lokale oder weltweite Wirtschaft.
  fremden Arten und Krankheiten.                  Bergbauabfällen führen zudem oft zu giftigen     Die Menschheit ist auf funktionierende Öko-     Auf Märkten werden Entscheidungen zum
      Natürliche Lebensräume gehen durch die      chemischen Verschmutzungen.                      systeme angewiesen: Sie unterstützen oder       Einsatz von Ressourcen getroffen, die die
  Umwandlung in Acker- und Weideland oder              Die wahrscheinlich größte Bedrohung für     verbessern unsere Lebensqualität, ohne sie      Vorteile einzelner Produzenten und Konsu-
  Aquakulturen sowie durch industrielle oder      die Biodiversität in den nächsten Jahrzehnten    wäre die Erde unbewohnbar. Das Millennium       menten maximieren, aber oft die Biodiver-
  städtische Nutzung verloren, werden verändert   ist der Klimawandel. Seine Auswirkungen          Ecosystem Assessment (MA) beschreibt vier       sität und die Ökosystemfunktionen unter-
  oder zerteilt. Flusssysteme werden aufgestaut   zeigen sich bereits in polaren ,Berg-, Küsten-   Funktionen von Ökosystemen:                     graben, auf denen Produktion und Konsum
  und für Bewässerungszwecke, Stromgewin-         und marinen Ökosystemen. Die zukünftigen         I unterstützende Funktionen wie der             letztendlich beruhen. Die Bedeutung der
  nung oder Flussregelung umgestaltet. Sogar      Auswirkungen lassen sich auf lokaler Ebene           Nährstoffkreislauf, die Bodenbildung und    Biodiversität für das menschliche Wohl-
  marine Lebensräume, vor allem der Meeres-       schwer voraussagen, doch jedes Ökosystem             die Primärproduktion                        ergehen lässt sich zwar nicht leicht monetär
  boden, werden durch Schleppnetze, Bauar-        kann auf Temperatur- und Klimaveränderun-        I versorgende Funktionen wie die Bereit-        abbilden. Sie könnte aber den Unterschied
  beiten und die Gewinnung von Rohstoffen         gen empfindlich reagieren.                           stellung von Nahrungsmitteln, Süßwasser,    zwischen einem Planeten ausmachen, der die
  mechanisch beschädigt.                               All diese Bedrohungen und Belastungen           Werkstoffen und Kraftstoffen                menschliche Bevölkerung ernähren kann,
      Das Ernten von Pflanzen und Töten von       haben ihren Ursprung haben in der Nachfrage      I regulierende Funktionen wie der Einfluss      und einem, der dazu nicht in der Lage ist.


6 LIVING PLANET REPORT 2008
DER MENSCHHEIT

 Abb. 4: VERLUST DER BIODIVERSITÄT, EINFLUSS DES MENSCHEN UND DER ÖKOLOGISCHE FUSSABDRUCK, Ursachen und Auswirkungen

  ÖKOLOGISCHER FUSSABDRUCK/                  INDIREKTE BEDROHUNGEN DER                             DIREKTE BEDROHUNGEN                              BEDROHUNGEN




                                                                                                                                                                           EINLEITUNG
  KONSUMSEKTOREN                        BIODIVERSITÄT/MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN                        DER BIODIVERSITÄT                         und GEFÄHRDUNGEN

   Nutzholz, Papier Fasern                  Holz-, Papier- und Zellstoffproduktion
                                                                                         Zerstörung und Fragmentierung von Wäldern
   Feuerholz                                Sammeln von Brennholz
                                                                                         und Mangroven
   Nahrungs- und Ölpflanzen                 Umwandlung in Ackerland
                                                                                         Zerstörung und Schädigung von Graslandschaften
   Fleisch, Fisch und Meeres-               Umwandlung in Weideland
                                            Umwandlung in Aquakultur
                                                                                                                                                     LEBENSRAUM-
   früchte aus Zuchtbestand                                                              Zerschneidung und Regulierung von Flüssen
   Milchprodukte, Eier                                                                                                                                   VERLUST
                                            Umwandlung in Bauland                        Zerstörung von Korallenriffen und Küstenhabitaten
   Baustoffe, Zement                        Straßenbau
                                            Bau von Dämmen                               Zerstörung von Habitaten des Meeresbodens
   Bergbau und Metalle

                                            Netzfischerei (inklusive Schleppnetz)
                                                                                         Überfischung
   Fleisch, Fisch und Meeres-               Langleinenfischerei
                                                                                         Beifang                                                     ÜBERNUTZUNG
   früchte aus Wildbeständen
                                            Bushmeat
                                                                                         Übernutzung von landlebenden und Süßwasserarten
                                            Handel mit Wildtieren


                                                                                         Eutrophierung und Algenblüten

                                            Stickstoff- und Schwefelausstoß              Saurer Regen
   Brauchwasser                             Organische Abfälle                                                                                    VERSCHMUTZUNG
   Industrielle Verarbeitung                Chemikalien aus der Landwirtschaft           Pestizide und giftige Chemikalien
                                            Abraum und Abfall aus dem Bergbau            Ölpest

                                                                                         Versauerung der Meere


                                                                                         Invasive Meeresarten
                                            Transport
   Verkehr
   Handel                                                                                Invasive Süßwasserarten                                   INVASIVE ARTEN
                                            Absichtliche oder versehentiche
   Tourismus                                Einfuhr gebietsfremder Arten                 Invasive landlebende Arten, vor allem auf Inseln


                                                                                          Schädigung arktischer und alpiner Lebensräume

                                                                                          Rückgang des Packeises
   Energieverbrauch
                                            Kohlendioxid, Methan und                      Ausbleichen und Absterben von Korallenriffen                     KLIMA-
   Verbrennung fossiler
                                            andere Treibhausgasemissionen                                                                                  WANDEL
   Brennstoffe                                                                            Veränderung jahreszeitlicher Kreisläufe

                                                                                          Waldsterben aufgrund von Trockenheit

                                                                                          Verlust temporärer Feuchtgebiete



                                                                                                                                             LIVING PLANET REPORT 2008 7
LIVING PLANET INDEX: GLOBAL

   Der Living Planet Index ist ein Indikator,                  erhalten die gleiche Gewichtung. Innerhalb                           1970 und 2005 (Abbildung 5). Der Index                               Abb. 5: Globaler Living Planet Index.
   der den Zustand der Biodiversität anzeigt.                  der Indizes für gemäßigte und tropische                              für die Tropen fiel um rund 50 Prozent,                              Er zeigt einen durchschnittlichen Rückgang
   Er berücksichtigt Entwicklungen innerhalb                   Zonen werden die Entwicklungen bei land-                             während der Index für gemäßigte Zonen für                            von -28 Prozent bei 4.642 Populationen von
   einer großen Anzahl von Arten in einer                      lebenden, Süßwasser- und marinen Arten                               den gleichen Zeitraum wenig Veränderung                              1.686 Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005 *.
   sehr ähnlichen Weise, wie ein Börsenindex                   ebenfalls gleich gewichtet.                                          aufweist (Abbildungen 6 und 7).
   den Wert bestimmter Aktien misst oder ein                      Der tropische Index bezieht sich auf                                 Dieser deutliche Unterschied zwischen                             Abb 6: Living Planet Index gemäßigter
   Preisindex die Kosten eines Warenkorbs.                     landlebende und Süßwasserbestände in                                 den Populationrn in gemäßigten und tro-                              Regionen. Der Index zeigt eine durchschnitt-
   Der Living Planet Index basiert auf fast                    der Afrotropis, im Indopazifik und in der                            pischen Zonen zeigt sich bei landlebenden,                           liche Entwicklung von +6 Prozent zwischen
   5.000 Populationen von 1.686 Arten von                      Neotropis sowie auf marine Bestände der                              Süßwasser- und marinen Arten. Daraus                                 1970 und 2005 bei 3.309 Beständen von
   Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien                   Zone zwischen dem nördlichen und süd-                                folgt aber nicht zwangsweise, dass sich die                          1.235 Arten *
   und Fischen in aller Welt. Die Bestands-                    lichen Wendekreis.                                                   tropische Biodiversität in einem schlechte-
   veränderungen jeder Art werden gemittelt                       Der Index für die gemäßigte Zone                                  ren Zustand befindet als die der gemäßigten                          Abb 7: Living Planet Index tropischer
   und im Vergleich zum Bestand von 1970                       beinhaltet die Bestände von landlebenden                             Zonen. Würde der Index Jahrhunderte statt                            Regionen. Der Index zeigt eine durchschnitt-
   angezeigt, dem ein Wert von 1,0 zugeord-                    und Süßwasserarten der paläarktischen                                Jahrzehnte zurückreichen, würde er wo-                               liche Entwicklung von -51 Prozent bei 1.333
   net wird.                                                   und nearktischen Zone sowie marine Arten                             möglich einen vergleichbaren oder stärker-                           Beständen von 585 Arten im Zeitraum von
      Der globale Living Planet Index setzt                    nördlich und südlich der Tropen (vgl. Ab-                            en Rückgang bei den Arten der gemäßigten                             1970 bis 2005 *.
   sich aus zwei Indizes zusammen – dem für                    bildung 8).                                                          Zonen anzeigen. In jedem Fall beweist er,
   gemäßigte Zonen (einschließlich der Polar-                     Der globale Index zeigt einen allgemei-                           dass es einen starken andauernden Rück-                              * Manche Arten kommen in gemäßigten und tropischen Regionen

   regionen) und dem für die Tropen. Beide                     nen Rückgang um fast 30 Prozent zwischen                             gang der tropischen Biodiversität gibt.                              vor.




     Abb. 5: GLOBALER LIVING PLANET INDEX,                                       Abb. 6: LIVING PLANET INDEX gemäßigter Regionen,                                      Abb. 7: LIVING PLANET INDEX tropischer Regionen,
     1970–2005                                                                   1970–2005                                                                             1970–2005
                     1.8                                                                         1.8                                                                                   1.8

                     1.6                                                                         1.6                                                                                   1.6

                     1.4                                                                         1.4                                                                                   1.4

                     1.2                                                                         1.2                                                                                   1.2
  Index (1970=1.0)




                                                                              Index (1970=1.0)




                                                                                                                                                                    Index (1970=1.0)
                     1.0                                                                         1.0                                                                                   1.0

                     0.8                                                                         0.8                                                                                   0.8

                     0.6                                                                         0.6                                                                                   0.6
                                  Globaler Index                                                              Index gemäßigter Regionen                                                             Index tropischer Regionen
                     0.4                                                                         0.4                                                                                   0.4
                                  Konfidenzintervalle                                                         Konfidenzintervalle                                                                   Konfidenzintervalle
                     0.2                                                                         0.2                                                                                   0.2

                      0                                                                           0                                                                                     0
                           1970              1980       1990      2000   05                            1970               1980            1990        2000     05                            1970               1980               1990                 2000       05



8 LIVING PLANET REPORT 2008
Paläarktis
                Nearktis




nördlicher Wendekreis
                                                                                                                                                            Ozeanien




                                                                                                                                                                             DATENLAGE
                                                                                                                          Indomalaysia



südlicher Wendekreis
                            Ozeanien
                                                                 Neotropis                                   Afrotropis
                                                                                                                                         Australasia




                                                                                         Antarktis




Abb. 8: TERRESTRISCHE BIOGEOGRAPHISCHE REGIONEN UND ÖKOZONEN
  Tropische und subtropische feuchte Laubwälder                                      Überflutetes Grasland und Savannen
  Tropische und subtropishe trockene Laubwälder                                      Montanes Gras- und Buschland
  Tropische und subtropische Nadelwälder                                             Tundra
  Temperierte Laub- und Mischwälder                                                  Mediterraner Wald und Hartlaubgewächse
  Temperierte Nadelwälder                                                            Wüsten und Halbwüsten
  Borealer Wald/Taiga                                                                Mangroven
  Tropisches und subtropisches Grasland, Savanne und Buschland                       Wasserfächen
  Temperiertes Grasland, Savanne und Buschland                                       Fels und Eis



                                                                                                                                               LIVING PLANET REPORT 2008 9
LIVING PLANET INDEX: SYSTEME UND BIOME

    Die Indizes für landlebende, marine und                          der Holzgewinnung und der Jagd – zu den                                Temperatur des Oberflächenwassers.                                   Abb. 9: Living Planet Index für landlebende
    Süßwasserarten errechnen sich jeweils                            wichtigsten Ursachen für den Rückgang von                                 Binnengewässer sind die Heimat zahl-                              Arten. Dieser Index zeigt eine durchschnitt-
    als der Durchschnitt zweier Indizes, die die                     Populationen.                                                          reicher Arten und stellen zudem Ressourcen                           liche Entwicklung von -33 Prozent zwischen
    Entwicklungen bei Wirbeltierbeständen der                           Der Index für marine Arten zeigt einen                              und ökologische Funktionen bereit, die für                           1970 und 2005 bei 2.007 Beständen von 887
    tropischen und gemäßigten Zonen einzeln                          durchschnittlichen Rückgang um 14 Prozent                              das menschliche Wohlergehen unerlässlich                             Arten.
    messen.                                                          zwischen 1970 und 2005 (Abbildung 10).                                 sind. Der Index für Süßwasserarten zeigt,
       Der Index für landlebende Arten hat                           Überfischung ist die Hauptursache dafür. So                            dass die Bestände in Binnengewässern                                 Abb. 10: Living Planet Index für marine
    seit Mitte der 1970er Jahre stetig abgenom-                      gelten die meisten kommerziellen marinen                               zwischen 1970 und 2005 durchschnittlich um                           Arten. Der Index zeigt eine durchschnittliche
    men (Abbildung 9) und weist eine durch-                          Fischgründe weltweit als überfischt. Ozeane                            35 Prozent zurückgingen (Abbildung 11).                              Entwicklung von -14 Prozent bei 1.175 Be-
    schnittliche Abnahme von 33 Prozent bei                          halten lebenswichtige Ressourcen und Öko-                              Die Flächen mit Feuchtgebieten gingen im                             ständen von 341 Arten über einen Zeitraum
    landlebenden Wirbeltierbeständen zwischen                        systemfunktionen bereit, auf die jegliches                             20. Jahrhundert um geschätzte 50 Prozent                             von 35 Jahren.
    1970 und 2005 auf. Die meisten dieser                            Leben angewiesen ist. Dennoch machen                                   zurück. Ursachen sind die Zerstörung von
    Veränderungen ereigneten sich in den Tro-                        marine Schutzzonen derzeit weniger als ein                             Feuchtgebieten durch Überfischung, invasive                          Abb. 11: Living Planet Index für
    pen; in gemäßigten Regionen veränderten                          Prozent der Meere aus. Kürzlich durchge-                               Arten, Verschmutzung, die Errichtung von                             Süßwasserarten. Der Index zeigt eine durch-
    sich die Bestände im Allgemeinen wenig.                          führte Zählungen zeigen auf, dass der Be-                              Dämmen und die Umleitung von Gewässern.                              schnittliche Entwicklung von -35 Prozent bei
    In den Tropen zählt die Kombination aus                          standsrückgang nicht nur Wirbeltiere betrifft.                                                                                              1.463 Beständen von 458 Arten im Zeitraum
    Entwaldung und sonstiger Zerstörung von                          Beispielsweise gibt der Rückgang der Koral-                                                                                                 von 1970 bis 2005.
    Lebensräumen – verursacht durch land-                            len in Folge von Bleichen und Krankheiten
    wirtschaftliche Nutzung und Raubbau bei                          Anlass zur Sorge. Auslöser ist die steigende


      Abb. 9: LIVING PLANET INDEX landlebender Arten,                                    Abb. 10: LIVING PLANET INDEX mariner Arten,                                           Abb. 11: LIVING PLANET INDEX von Süßwasserarten,
      1970–2005                                                                          1970–2005                                                                             1970–2005
                      1.8                                                                                1.8                                                                                   1.8

                      1.6                                                                                1.6                                                                                   1.6

                      1.4                                                                                1.4                                                                                   1.4

                      1.2                                                                                1.2                                                                                   1.2
   Index (1970=1.0)




                                                                                      Index (1970=1.0)




                                                                                                                                                                            Index (1970=1.0)
                      1.0                                                                                1.0                                                                                   1.0

                      0.8                                                                                0.8                                                                                   0.8

                      0.6                                                                                0.6                                                                                   0.6
                                   Index landlebender Arten                                                           Index mariner Arten                                                                   Index von Süßwasserarten
                      0.4                                                                                0.4                                                                                   0.4
                                   Konfidenzintervalle                                                                Konfidenzintervalle                                                                   Konfidenzintervalle
                      0.2                                                                                0.2                                                                                   0.2

                       0                                                                                  0                                                                                     0
                            1970              1980            1990      2000     05                            1970               1980          1990           2000    05                            1970              1980            1990          2000        05



10 LIVING PLANET REPORT 2008
Die unten stehenden Indizes machen den Be-                  aufweist (Abbildung 12).                                                   Graslandschaften existieren auf allen                              Abb. 12: : Living Planet Index für Arten den
 standsrückgang in drei Gruppen von Ökozo-                       Artbestände in Trockengebieten haben                                Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis.                               Tropenwaldes. Er zeigt eine durchschnittliche
 nen, bzw. Zonobiomen deutlich, die starkem                  seit 1970 um rund 44 Prozent abgenommen                                 Seine Qualität wie auch seine Ausdehnung                              Entwicklung von -62 Prozent zwischen 1970
 lokalem und weltweitem Druck ausgesetzt                     (Abbildung 13). Trockengebiete stellen mehr                             haben in den letzten Jahrzehnten abgenom-                             und 2005 bei 503 Beständen von 186 Arten.
 sind.                                                       als 40 Prozent der Land-Ökosysteme dar.                                 men, wobei große Teile in landwirtschaft-
    Tropenwälder sind die Heimat unzähliger                  Dazu gehören so unterschiedliche Ökosys-                                liche Nutzflächen umgewandelt wurden. Der                             Abb. 13: Living Planet Index für Arten der
 Arten. Ihre ökosystemaren Funktionen sind                   teme wie Wüsten, Savannen und trockene                                  Mensch ist von Grasland abhängig: sowohl                              Trockengebiete. Er zeigt eine durchschnit-
 lokal und weltweit von großer Bedeutung.                    tropische Waldgebiete. Trockengebiete sind                              direkt für seine Ernährung als auch indirekt                          tliche Entwicklung von -44 Prozent bei 476
 Dieser Lebensraum und die darin lebenden                    außerdem Heimat von über zwei Milliarden                                von Funktionen dieses Ökosystems wie zum                              Beständen von 149 Arten im Zeitraum von
 Arten sind durch legale und illegale Abhol-                 Menschen, deren Existenz oft direkt auf den                             Beispiel dem Nährstoffkreislauf. Die Bestände                         1970 bis 2005.
 zung, Waldbrände und Klimawandel bedroht.                   Erzeugnissen lokaler Ökosysteme aufbaut.                                an Wirbeltieren im Grasland haben seit 1970
 Die Entwaldung in den Tropen schreitet                      Die Anlage von Wasserstellen in Trockenge-                              um 36 Prozent abgenommen (Abbildung                                   Abb. 14: Der Living Planet Index für Arten
 voran. Der Regenwald ging zwischen 2000                     bieten hat zwar größere Viehbestände für die                            14). Grasland unterliegt Ereignissen wie                              des Graslands. Er zeigt eine durchschnittliche




                                                                                                                                                                                                                                                              DATENLAGE
 und 2005 mit einer Geschwindigkeit von fast                 kurzfristige menschliche Nutzung ermög-                                 vom Menschen verursachten und natürlichen                             Entwicklung von -36 Prozent zwischen 1970
 3,5 Millionen Hektar pro Jahr in Brasilien und              licht. Dies hat jedoch negative Auswirkungen                            Bränden, Beweidung, Trockenperioden und                               und 2005 bei 703 Beständen von 309 Arten.
 1,5 Millionen Hektar pro Jahr in Indonesien                 auf empfindliche Ökosysteme und schadet                                 Regenfällen. So entsteht ein empfindliches
 verloren. Dies schlägt sich im Index für den                der Biodiversität. Geschätzte 20 Prozent der                            Gleichgewicht, das leicht gestört werden kann,
 Tropenwald nieder, der einen Rückgang von                   Trockengebiete leiden derzeit unter Boden-                              wodurch Prozesse wie die Wüstenbildung
 mehr als 60 Prozent bei den Tierbeständen                   degradation.                                                            beschleunigt werden können.


   Abb. 12: LIVING PLANET INDEX Tropenwald,                                      Abb. 13: LIVING PLANET INDEX Trockengebiete,                                            Abb. 14: LIVING PLANET INDEX Graslandschaften,
   1970–2005                                                                     1970–2005                                                                               1970–2005
                   1.8                                                                           1.8                                                                                     1.8

                   1.6                                                                           1.6                                                                                     1.6

                   1.4                                                                           1.4                                                                                     1.4

                   1.2                                                                           1.2                                                                                     1.2
Index (1970=1.0)




                                                                              Index (1970=1.0)




                                                                                                                                                                      Index (1970=1.0)
                   1.0                                                                           1.0                                                                                     1.0

                   0.8                                                                           0.8                                                                                     0.8

                   0.6                                                                           0.6                                                                                     0.6
                                Index Tropenwald                                                              Index Trockengebiete                                                                    Index Graslandschaften
                   0.4                                                                           0.4                                                                                     0.4
                                Konfidenzintervalle                                                           Konfidenzintervalle                                                                     Konfidenzintervalle
                   0.2                                                                           0.2                                                                                     0.2

                    0                                                                             0                                                                                       0
                         1970              1980       1990      2000     05                            1970              1980            1990            2000    05                            1970               1980           1990          2000     05



                                                                                                                                                                                                                               LIVING PLANET REPORT 2008 11
LIVING PLANET INDEX: BIOGEOGRAFISCHE REGIONEN

    Die Landfläche der Erde kann in biogeo-                     doch die Menge an verfügbaren Populationen                             vorhandenen Bestandsdaten stammt aus                                  gegenüberliegende Seite).
    graphische Regionen, bzw. Reiche eingeteilt                 ist im Vergleich zu den anderen biogeogra-                             Westeuropa, also dem Teil der Welt, der in                               Der Index für die Afrotropis zeigt einen
    werden, die sich durch die unterschiedliche                 phischen Regionen relativ klein. Daher wirkt                           den vergangenen 300 Jahren am meisten                                 durchschnittlichen Rückgang um 19 Prozent
    Zusammensetzung der Tier- und Pflanzen-                     sich der katastrophale Rückgang einiger                                von menschlichen Aktivitäten betroffen war.                           innerhalb von 35 Jahren (Abbildung 18).
    welt auszeichnen (Abbildung 8). Die                         amphibischer Arten wie der Goldkröte (Bufo                             Mehr als 50 Prozent der Fläche wurden in                              Die positive Tendenz dieses Index spiegelt
    Entwicklungstendenz bei den Beständen jeder                 periglenes) aus Costa Rica, die inzwischen                             landwirtschaftliche Nutzflächen umgewan-                              womöglich Naturschutzmaßnahmen für Arten
    einzelnen Region hängt von den Bedrohun-                    als ausgestorben gilt, stark auf die Gesamt-                           delt, so dass sich der Artenrückgang in vielen                        wie das Breitmaulnashorn (Ceratotherium
    gen ab, denen ihre Biodiversität ausgesetzt                 tendenz aus.                                                           Fällen vor 1970 ereignet hat. Die positive                            simum) wider. Allerdings wurde die nörd-
    war und ist.                                                    In der Neotropis kommen 40 Prozent aller                           Entwicklung der paläarktischen Region mag                             liche Unterart in den ursprünglichen Verbrei-
       Zahlreiche Arten der nearktischen Zone                   Tier- und Pflanzenarten des Planeten vor; sie                          teilweise die Erfolge des Naturschutzes beim                          tungsgebieten ausgerottet und steht vor dem
    werden ausgiebig untersucht, daher stehen                   ist damit die Region mit der höchsten Biodi-                           Schutz von Lebensräumen, bei der Verrin-                              Aussterben (s. gegenüberliegende Seite). Es
    umfangreiche Bestands-Daten zur Verfügung.                  versität. Die hauptsächliche Bedrohung dieser                          gerung von Verschmutzung und bei anderen                              besteht daher weiterhin Bedarf an Natur-
    Die Abundanz der Bestände weist zwischen                    Arten besteht im Verlust ihres Lebensraums.                            ökologischen Verbesserungen widerspiegeln.                            schutzmaßnahmen, um den Bestandsrück-
    1970 bis 2005 keine allgemeine Veränderung                  Zum Beispiel betrug der Netto-Waldverlust                                  Tendenzen in der ostpaläarktischen Region                         gang in der Afrotropis aufzuhalten.
    auf (Abbildung 15).                                         zwischen 2000 und 2005 in Südamerika rund                              lassen sich mit geringerer Sicherheit ein-                               Der Index für den Indopazifik vereint Be-
       Dagegen zeigt der Index der Neotro-                      4,3 Millionen Hektar jährlich.                                         schätzen, da es weniger Daten gibt. Eine der                          standsdaten aus den drei biogeographischen
    pis zwischen 1970 und 2004 einen starken                        In der paläarktischen Zone nahm die                                bedrohten Arten ist die Saiga-Antilope, deren                         Regionen Indomalaysia, Australasia und
    Rückgang (Abbildung 16). Zwar enthält                       Abundanz zwischen 1970 und 2005 insge-                                 Bestände durch den Jagddruck in den vergan-                           Ozeanien. Die Datenlage in diesen Regio-
    dieser Index Daten für alle Wirbeltierklassen,              samt zu (Abbildung 17). Der Großteil der                               gen 40 Jahren stark abgenommen haben (s.                              nen war unzureichend, um daraus einzelne


      Abb. 15: LIVING PLANET INDEX Nearktis,                                        Abb. 16: LIVING PLANET INDEX Neotropis,                                                Abb. 17: LIVING PLANET INDEX Paläarktis,
      1970–2005                                                                     1970–2004                                                                              1970–2005
                      1.8                                                                           1.8                                                                                    1.8

                      1.6                                                                           1.6                                                                                    1.6

                      1.4                                                                           1.4                                                                                    1.4

                      1.2                                                                           1.2                                                                                    1.2
   Index (1970=1.0)




                                                                                 Index (1970=1.0)




                                                                                                                                                                        Index (1970=1.0)
                      1.0                                                                           1.0                                                                                    1.0

                      0.8                                                                           0.8                                                                                    0.8

                      0.6                                                                           0.6                                                                                    0.6
                                   Index Nearktis                                                                Index Neotropis                                                                        Index Paläarktis
                      0.4                                                                           0.4                                                                                    0.4
                                   Konfidenzintervalle                                                           Konfidenzintervalle                                                                    Konfidenzintervalle
                      0.2                                                                           0.2                                                                                    0.2

                       0                                                                             0                                                                                      0
                            1970              1980       1990      2000     05                            1970              1980           1990            2000    05                            1970               1980         1990           2000     05



12 LIVING PLANET REPORT 2008
Indizes zu berechnen. Der Gesamtindex                       einen Zeitraum von 34 Jahren.
 zeigt einen durchschnittlichen Rückgang um                                                                                         SAIGA-ANTILOPE                                    NÖRDLICHES BREITMAULNASHORN
 etwa 35 Prozent zwischen 1970 bis 2005                      Abb. 17: Living Planet Index für die Paläark-                          Die Saiga-Antilope (Saiga tatarica) lebt in       Das nördliche Breitmaulnashorn (Ceratoth-
 und eine kontinuierliche negative Tendenz                   tis. Hier zeigt sich eine Gesamttendenz von                            der Trockensteppe Zentralasiens und wurde         erium simum cottoni) war im nördlichen Zen-
 seit den späten 1970er Jahren (Abbildung                    +30 Prozent bei 1.167 Beständen von 363                                wegen ihres Fleisches, ihres Horns und ihres      tralafrika früher sehr zahlreich. Heutzutage ist
 19). Große Teile der ursprünglichen Wälder                  paläarktischen Arten über einen Zeitraum von                           Fells jahrhundertelang gejagt. In den letz-       nur noch ein Bestand in der Demokratischen
 im Indopazifik wurden für Landwirtschaft                    35 Jahren.                                                             ten Jahren wurde sie vor allem wegen ihres        Republik Kongo bekannt, der von 500 Tieren
 oder Plantagen gerodet, was sich durch die                                                                                         Horns gejagt, das in der traditionellen chine-    auf 4 abgenommen hat. Vor kurzem durch-
 internationale Nachfrage nach Produkten wie                 Abb. 18: Living Planet Index für Arten der                             sischen Medizin verwendet wird. Obwohl die        geführte Zählungen konnten die letzten reg-
 Palmöl erklärt.                                             Afrotropis. Hier zeigt sich eine durchschnitt-                         Jagd nun reguliert und internationaler Handel     istrierten Tiere nicht finden. Die Bestände
                                                             liche Entwicklung von -19 Prozent bei 552                              mit Produkten der Saiga-Antilope verboten         ihres nächsten Verwandten, des südlichen
 Abb. 15: Der Living Planet Index für neark-                 Beständen von 201 Arten der Afrotropis über                            ist, ist Wilderei weit verbreitet. Dies ist die   Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum
 tische Arten. Der Index zeigt keine Änderung                einen Zeitraum von 35 Jahren.                                          wahrscheinlichste Erklärung für den starken       simum), nehmen dagegen zu, und auch bei




                                                                                                                                                                                                                                                                        DATENLAGE
 über 1.117 Bestände von 588 Arten.                                                                                                 und andauernden Rückgang der letzten              der Erhaltung des vom Aussterben bedroh-
                                                             Abb. 19: Living Planet Index für den Indo-                             Jahre, die auch durch das große Angebot           ten Spitzmaulnashorns (Diceros bicornis)
 Abb. 16: Living Planet Index für Arten der                  pazifik. Er zeigt eine durchschnittliche Ent-                          an Saiga-Fleisch auf kasachischen Märkten         wurden Fortschritte erzielt.
 Neotropis. Der Index zeigt eine durchschnitt-               wicklung von -35 Prozent bei 441 Beständen                             untermauert wird.
 liche Entwicklung von -76 Prozent bei 202                   von 155 Arten über einen Zeitraum von 35
 Beständen von 144 Arten der Neotropis über                  Jahren.



   Abb. 18: LIVING PLANET INDEX Afrotropis,                                      Abb. 19: LIVING PLANET INDEX Indopazifik,                                                                                                 1

   1970–2005                                                                     1970–2005




                                                                                                                                                                                                             Anzahl Individuen (Mio.)
                   1.8                                                                           1.8

                   1.6                                                                           1.6

                   1.4                                                                           1.4

                   1.2                                                                           1.2                                                                                                                        0
                                                                                                                                                                                                                                        1965                  2000
Index (1970=1.0)




                                                                              Index (1970=1.0)




                                                                                                                                                                                        Saiga-Antilope (Saiga tatarica)
                   1.0                                                                           1.0
                                                                                                                                                                                                                  5




                                                                                                                                                                                                       Anzahl Individuen (Hundert)
                   0.8                                                                           0.8

                   0.6                                                                           0.6
                                Index Afrotropis                                                              Index Indopazifik
                   0.4                                                                           0.4
                                Konfidenzintervalle                                                           Konfidenzintervalle
                   0.2                                                                           0.2
                                                                                                                                                                                                                   0
                                                                                                                                                                                                                                     1970                    2005
                    0                                                                             0
                         1970              1980       1990       2000    05                            1970               1980        1990             2000     05         Nördliches Breitmaulnasnorn (Ceratotherium simum cottoni)



                                                                                                                                                                                                                                         LIVING PLANET REPORT 2008 13
L I V I N G P L A N E T I N D E X : TA X A

    Zwar geben allgemeine Tendenzen über                            Mehr als 5.400 Säugetierarten sind                                Menschheit ist auf gesunde Ökosysteme
    Ökosysteme hinweg einen Überblick über                      bekannt, 20 Prozent stehen auf der Roten                              und Artenbestände angewiesen, um ihre          ENTWICKLUNG VON BEISPIEL-
    Bestandsänderungen; allerdings zeigen sie                   Liste gefährdeter Arten der IUCN. Der                                 weitere Versorgung durch die Funktionen        BESTÄNDEN AUSGEWÄHLTER ARTEN
    nicht den jeweiligen Einfluss, den der vom                  Säugetierindex hat im letzten Jahrzehnt um                            der Ökosysteme sicherzustellen.                Die gegenüberliegende Seite zeigt Be-
    Menschen verursachte Druck auf einzelne                     rund 20 Prozent abgenommen (Abbildung                                                                                standsentwicklungen für zwölf landle-
    Arten und taxonomische Gruppen hat.                         21), wobei die tropischen Ökozonen die                                Abb. 20: Living Planet Index für Vögel. Er     bende, marine und Süßwasserarten, die
       Es gibt fast 10.000 Vogelarten, die                      höchsten Verluste aufwiesen. Übernutzung                              zeigt eine durchschnittliche Entwicklung von   beispielhaft für die Datengrundlage des
    unterschiedlichste Lebensräume bewohnen.                    ist eine der stärksten Bedrohungen für diese                          -20 Prozent bei 2.185 Beständen von 895        Living Planet Index stehen. Die gezeigten
    Ihre weite Verbreitung und die umfang-                      Gruppe.                                                               Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005. Arten     Beispiele geben Einsicht in Bestandsent-
    reichen vorhandenen Daten ermöglichten                          Zwar nehmen die Bestände mancher                                  in gemäßigten und tropischen Zonen wer-        wicklungen von Tieren aus verschiedenen
    die Aufstellung eines verlässlichen Index.                  Arten stellenweise zu (s. gegenüberliegende                           den gleich stark gewichtet, um die größere     Regionen, ohne aber notwendigerweise
    Der Gesamt-Rückgang um 20 Prozent (Ab-                      Seite), und die Bedrohung durch den wach-                             Datenmenge für gemäßigte Regionen auszu-       die ganze Art abzubilden.
    bildung 20) verbirgt einen noch stärkeren                   senden Fußabdruck der Menschheit betrifft                             gleichen.
    Rückgang um 50 Prozent bei überprüften                      nicht alle Arten in gleicher Weise. Doch                                                                             Ein positives Zeichen ist die Stabilität oder
    Beständen von tropischen und marinen                        das Gesamtbild zeigt einen weltweiten                                 Abb. 21: Living Planet Index für Säugetiere.   Zunahme mancher Bestände, die für Er-
    Vögeln. Zu den größten Bedrohungen                          Rückgang der Arten. Diese Entwicklung                                 Er zeigt eine durchschnittliche Entwicklung    folge bei der Wiederverbreitung stehen,
    gehören der Verlust des Lebensraums, der                    bedeutet nicht nur einen Verlust an Biodi-                            von -19 Prozent bei 1.161 Beständen von 355    so etwa im Fall der Wiedereinführung des
    Einfluss gebietsfremder Arten, Übernut-                     versität, sondern hat auch Auswirkungen                               Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005.           Mauritiusfalken.
    zung und Verschmutzung.                                     auf das menschliche Wohlergehen. Die
                                                                                                                                                                                     Leider unterstreicht die Anzahl rückläu-
                                                                                                                                                                                     figer Tendenzen weiteren dringenden
      Abb. 20: LIVING PLANET INDEX Vögel,                                          Abb. 21: LIVING PLANET INDEX Säugetiere,                                                          Handlungsbedarf. Zu den häufigsten Be-
      1970–2005                                                                    1970–2005                                                                                         drohungen gehört die Zerstörung des Le-
                      1.8                                                                          1.8                                                                               bensraums, wie der Rückgang des Stelzen-
                                                                                                                                                                                     läufers zeigt. Eine weitere Bedrohung ist
                      1.6                                                                          1.6
                                                                                                                                                                                     die Übernutzung von Arten, entweder
                      1.4                                                                          1.4                                                                               direkt – durch aktuelle Jagdpraktiken wie
                                                                                                                                                                                     im Fall des Flusspferds in der demokra-
                      1.2                                                                          1.2
                                                                                                                                                                                     tischen Republik Kongo oder durch his-
   Index (1970=1.0)




                                                                                Index (1970=1.0)




                      1.0                                                                          1.0                                                                               torische Praktiken wie bei der Diamant-
                                                                                                                                                                                     schildkröte – oder indirekt als Beifang bei
                      0.8                                                                          0.8
                                                                                                                                                                                     bestimmten Fischereimethoden. Letzteres
                      0.6                                                                          0.6                                                                               betrifft unter anderem den Wanderalbatros
                                   Index Vögel                                                                  Index Säugetiere                                                     und die Unechte Karettschildkröte.
                      0.4                                                                          0.4
                                   Konfidenzintervalle                                                          Konfidenzintervalle
                      0.2                                                                          0.2
                                                                                                                                                                                     Anmerkung: Die x-Achse in allen Grafiken
                                                                                                                                                                                     markiert den Wert 0.
                       0                                                                            0
                            1970              1980       1990      2000    05                            1970              1980           1990            2000    05



14 LIVING PLANET REPORT 2008
160                                                                              160                                                               60,000




                          Min. Populationsgröße




                                                                                                     Kuh/Kalb-Paare




                                                                                                                                                                                      Gezählte Vögel
                                                       1970   2005                                                                      1970     2005                                                     1970                  2005
          Mauritiusfalke (Falco punctatus)                                    Südkaper (Eubalaena australis), Indischer Ozean                               Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Ost-Australien
                     Mauritius                                                         (südliche Küste Südafrikas)

                                                        350                                                                              2,000                                                             5,000
                          Anzahl Individuen




                                                                                                     Anzahl Brutpaare




                                                                                                                                                                                      Anzahl Fische




                                                                                                                                                                                                                                           DATENLAGE
                                                       1970   2005                                                                      1970     2005                                                     1970                  2005
        Roter Brüllaffe (Alouatta seniculus)                                 Wanderalbatross (Diomedea exulans), Südatlantik                                     Coho Lachs (Oncorhynchus kisutch), Yukon,
    Hato Masaguaral, Guarico state, Venezuela                                          (Vogelinsel, Südgeorgien)                                                               Alaska, USA

                                                        10                                                                               800                                                               400
                          Populationshäufigkeit




                                                                                                                                                                                      Anzahl Individuen
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     Fettschwanzbeutelratte (Thylamys elegans)                             Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), Südpazifik                      Carolina-Diamantschildkröte (Malaclemys terrapin), Kiawa-Fluss,
    Las Chinchillas Nationalreservat, Auco, Chile                                       (Wreck Island, Australien)                                                           South Carolina, USA

                                                        5                                                                                2                                                                 30,000
                                                                                                     Anzahl Individuen (unit efforts)
                          Relativer Häufigkeitsindex




                                                                                                                                                                                      Anzahl Individuen
                                                       1970   2005                                                                      1970     2005                                                     1970                  2005
Grauer Baumfrosch (Hyla versicolor), Wisconsin, USA                  Walhai (Rhincodon typus), Indischer Ozean (Andamansee, Thailand)                    Flusspferd (Hippopotamus amphibius), Dem. Republik Kongo



                                                                                                                                                                                                            LIVING PLANET REPORT 2008 15
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  • 1. LIVING PLANET REPORT 2008 DEUTSCHSPRACHIGE VERSION
  • 2. VORWORT 3 WWF CHEFREDAKTEUR WWF INTERNATIONAL Der World Wide Fund For Nature Chris Hails Avenue du Mont-Blanc ist eine der größten und erfahren- CH-1196 Gland EINFÜHRUNG 4 sten unabhängigen Naturschutz- REDAKTION Schweiz Biodiversität, Funktionen von Ökosystemen, organisationen der Welt. Er wird Sarah Humphrey www.panda.org von fast fünf Millionen Förderern Jonathan Loh Fußabdruck des Menschen 6 unterstützt und verfügt über ein Steven Goldfinger WWF DEUTSCHLAND weltweites Netzwerk in mehr Rebstöcker Straße 55 als 100 Ländern. Der WWF will MITWIRKENDE 60326 Frankfurt DATENLAGE 8 WWF Deutschland der weltweiten Naturzerstörung Living Planet Index Global 8 Einhalt gebieten und eine Zukunft Sarah Humphrey www.wwf.de Ashok Chapagain Systeme und Biome 10 gestalten, in der Menschen und Natur in Harmonie leben. Greg Bourne WWF ÖSTERREICH Biogeografische Regionen 12 Richard Mott Ottakringer Straße 114-116 Taxa 14 Judy Oglethorpe 1160 Wien Aimee Gonzales Österreich Der Ökologische Fußabdruck der Nationen 16 ZOOLOGICAL SOCIETY Martin Atkin www.wwf.at OF LONDON Biokapazität 18 Die 1826 gegründete Zoological ZSL WWF SCHWEIZ Der Wasser-Fußabdruck des Konsums 20 Society of London ist eine Jonathan Loh Hohlstraße 110 internationale Organisation Der Wasser-Fußabdruck der Produktion 22 Ben Collen 8010 Zürich mit wissenschaftlichen, päda- Louise McRae Schweiz gogischen und Naturschutzzielen. Tharsila T. Carranza www.wwf.ch RICHTUNGSWECHSEL 24 Sie setzt sich für den Schutz von Fiona A. Pamplin Tieren und ihren Lebensräumen Hin zu Nachhaltigkeit 24 Rajan Amin ein. Sie betreibt die ZSL Zoos in INSTITUTE OF ZOOLOGY Jonathan E.M. Baillie Das Energieproblem 26 London und Whipsnade, führt Zoological Society of London wissenschaftliche Forschungen Bevölkerung und Verbrauch 28 GFN Regent’s Park durch und engagiert sich aktiv Steven Goldfinger London NW1 4RY Weltweiter Handel 30 beim Schutz von natürlichen Großbritannien Mathis Wackernagel Biokapazität nutzen: Ein ökosystemarer Ansatz 32 Lebensräumen in aller Welt. Meredith Stechbart www.zoo.cam.ac.uk Sarah Rizk GLOBAL FOOTPRINT Anders Reed GLOBAL FOOTPRINT NETWORK DATEN UND TABELLEN 34 NETWORK Justin Kitzes 312 Clay Street, Suite 300 Das Global Footprint Network Audrey Peller Oakland, California 94607 Der Ökologische Fußabdruck, Biokapazität und fördert durch die Bekannt- Shiva Niazi USA Wasser-Fußabdruck 34 machung des Ökologischen Brad Ewing www.footprintnetwork.org Living Planet Index, Ökologischer Fußabdruck, Fußabdrucks eine nachhaltige Alessandro Galli Wirtschaftsweise. Dieses Yoshihiko Wada TWENTE WATER CENTRE Biokapazität und Wasser-Fußabdruck im Wandel 42 Instrument dient als Maß für die University of Twente Dan Moran Living Planet Index: Artenzahlen 42 Nachhaltigkeit menschlicher Robert Williams 7500 AE Enschede Aktivitäten. Mit seinen Partnern Willy De Backer Niederlande Living Planet Index: Technische Anmerkungen 43 koordiniert das Netzwerk www.water.utwente.nl Ökologischer Fußabdruck: Häufig gestellte Fragen 44 Forschungen und macht für TWENTE Entscheidungsträger auf der Arjen Y. Hoekstra ganzen Welt die ökologische Mesfin Mekonnen Literaturnachweise und weitere Informationen 46 Begrenztheit unseres Planeten Danksagungen 47 besser sichtbar.
  • 3. VORWORT D er gegenwärtige Abschwung der Weltwirtschaft erin- reichten 2008 Rekordhöhen, was größtenteils aus der verstärkten deutlich zu senken. Wie sie angegangen werden kann, erklärt nert uns nachdrücklich daran, welche Konsequenzen Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraft- das WWF Climate Solutions Model. Dieses Modell betont, dass es hat, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch stoffen und in manchen Gebieten aus versiegenden Wasser- sofortige Maßnahmen unverzichtbar sind, um dem gefährlichen die Gefahr einer wirtschaftlichen Rezession verblasst im Ver- quellen resultierte. Zum ersten Mal seit Menschengedenken war Klimawandel Einhalt zu gebieten. gleich zu der drohenden Kreditkrise in ökologischer Hinsicht. in diesem Sommer die arktische Eiskappe von offenem Wasser umgeben – sie verschwand buchstäblich unter dem Einfluss un- Wenn wir tätig werden, um unseren Fußabdruck – also unse- Ob wir am Waldrand oder mitten in einer Stadt leben: Unsere seres Kohlendioxid-Fußabdrucks. ren Einfluss auf die Ressourcen unserer Erde – zu verkleinern, Lebensgrundlage und sogar unser Leben hängt von der Ver- müssen wir auch den Umgang mit den Ökosystemen, die diese sorgung durch die Ökosysteme der Erde ab. Der Living Planet Die ökologische Kreditkrise ist eine globale Herausforderung. Ressourcen bereitstellen, optimieren. Um Erfolge zu erzielen, Report 2008 stellt fest, dass wir die Ressourcen für diese Ver- Im Living Planet Report 2008 erfahren wir, dass mehr als müssen wir dabei die von der Natur vorgegebenen Bedingun- sorgung viel zu schnell aufbrauchen – schneller, als sie erneuert drei Viertel der Menschheit in Ländern leben, die ökologische gen und Maßstäbe berücksichtigen. Das bedeutet, dass in jedem werden können. Genau wie unbedachte Ausgaben zur Rezes- Schuldner sind – der nationale Konsum übersteigt die Bioka- Bereich (wie der Landwirtschaft oder der Fischerei) Entschei- sion führen, so führt unbedachter Konsum zur Erschöpfung des pazität ihres Landes. Die meisten von uns nutzen also für ihren dungen mit Blick auf weitreichende ökologische Konsequenzen natürlichen Kapitals der Erde und letztendlich zur Gefährdung gegenwärtigen Lebensstil und für wirtschaftliches Wachstum gefällt werden müssen. Es heißt auch, dass wir über Eigentums- unseres zukünftigen Wohlstands. Der Living Planet Index zeigt, das ökologische Kapital anderer Teile der Welt. und politische Grenzen hinweg Wege finden müssen, um für dass wir allein in den letzten 35 Jahren fast ein Drittel des ökolo- das Ökosystem als Ganzes zu sorgen. gischen Kapitals der Erde verloren haben. Die gute Nachricht ist, dass wir die ökologische Kreditkrise umdrehen können – es ist nicht zu spät, um den Beginn einer Fast vierzig Jahre ist es her, dass die Apollo-8-Astronauten den Doch unsere Ansprüche steigen weiter, angetrieben vom unbe- unabänderlichen ökologischen Rezession zu verhindern. Die- berühmten „Erdaufgang“ fotografiert haben und damit das erste grenzten Wachstum der menschlichen Bevölkerung und des in- ser Bericht identifiziert die wichtigsten Gebiete, auf denen wir Bild der Erde lieferten. Während der zwei folgenden Genera- dividuellen Konsums. Unser Fußabdruck übersteigt die Fähig- unseren Lebensstil und unsere Wirtschaftssysteme verändern tionen hat sich die Welt von einem ökologischen Guthaben zu keit der Erde zur Regeneration nun um rund 30 Prozent. Wenn müssen, um einen Weg der Nachhaltigkeit einzuschlagen. einem ökologischen Defizit bewegt. Die menschliche Spezies unsere Ansprüche an den Planeten weiter mit der gleichen Ge- verfügt über bemerkenswerten Einfallsreichtum und Problem- schwindigkeit zunehmen, werden wir in den 2030er Jahren den Die Größe der Herausforderung wirkt zeitweise erdrückend, lösungsfähigkeit. Der gleiche Geist, der sie zum Mond gebracht Gegenwert von zwei Planeten brauchen, um unseren Lebensstil weshalb wir das Konzept der „Maßnahmenpakete für Nach- hat, muss nun genutzt werden, um zukünftige Generationen vor aufrechtzuerhalten. Der Bericht befasst sich in diesem Jahr erst- haltigkeit“ („Sustainability wedges“ ) eingeführt haben, um lähmenden ökologischen Schulden zu bewahren. mals mit den Auswirkungen unseres Konsums auf die Was- die Überschreitung ökologischer Grenzen zu verdeutlichen, die servorräte unserer Erde und mit unserer Verwundbarkeit durch in verschiedenen Bereichen und als Folge diverser Ursachen Wassermangel in vielen Gebieten. auftritt. Diese Analyse ermöglicht es, die unterschiedlichen Faktoren aufzuschlüsseln und jeweils passende Lösungen vor- Diese Entwicklungen haben konkrete Folgen, die wir in diesem zuschlagen. Die größte Herausforderung besteht darin, 2050 Jahr den täglichen Schlagzeilen entnehmen konnten. Die glo- die vorausgesagte erhöhte Nachfrage nach Energie zu erfüllen James P. Leape balen Preise für zahlreiche pflanzliche Agrarerzeugnisse er- und gleichzeitig den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen Generaldirektor WWF International LIVING PLANET REPORT 2008 3
  • 4. EINLEITUNG Wir haben nur eine Erde. Ihre Kapazität Der Living Planet Index der weltweiten ökologischer Grenzen nimmt zu. Als Folge sowohl in zeitlicher als auch geografischer zur Versorgung der Vielfalt an Lebewesen, Biodiversität wird an den Beständen von werden Ökosysteme zerstört, und Schad- Hinsicht. Rund 50 Länder sind derzeit in darunter der Mensch, ist groß, aber nicht 1.686 Wirbeltierarten in aller Welt gemessen stoffe sammeln sich in der Luft, an Land unterschiedlichem Maß mit Wassermangel unbegrenzt. Wenn die Nachfrage der Men- und hat allein während der letzten 35 Jahre und im Wasser. Dies führt zu Entwaldung, konfrontiert. Aller Voraussicht nach wird die schen nach dieser Kapazität die vorhandenen um fast 30 Prozent abgenommen (Abbil- Wassermangel, abnehmender Biodiversität, Anzahl der Menschen, denen das ganze Jahr Möglichkeiten übersteigt, wir uns also über dung 1). Während die Abnahme in man- verstärkt den Klimawandel und stellt eine über oder zu bestimmten Jahreszeiten nicht ökologische Grenzen hinwegsetzen, unter- chen gemäßigten Zonen ein Ende gefunden wachsende Gefahr für das Wohlergehen und ausreichend Wasser zur Verfügung steht, in graben wir die Stabilität von Lebensräumen. hat, zeigt der gesamte Living Planet Index die Entwicklung aller Nationen dar. Folge des Klimawandels zunehmen. Dies Letztendlich gefährdet dies das menschliche weiterhin einen Rückgang. Es erscheint Wasserknappheit gibt in vielen Ländern hat tiefgreifende Auswirkungen auf Ökosys- Wohlergehen. immer unwahrscheinlicher, dass auch nur und Regionen zunehmend Anlass zur teme, Gesundheit, Nahrungsmittelproduk- Der vorliegende Bericht setzt zwei das bescheidene Ziel des Übereinkommens Besorgnis. Daher beinhaltet der vorliegende tion und menschliches Wohlergehen. sich ergänzende Kennzahlen ein, um die über die biologische Vielfalt erreicht wird: Bericht eine dritte Messgröße, den Wasser- Die Inanspruchnahme des Planeten durch Veränderungen der weltweiten Biodiversität den Rückgang der Biodiversität bis 2010 zu Fußabdruck. Er beschreibt den Bedarf an die Menschheit hat sich in den letzten 45 und des menschlichen Konsums zu unter- verlangsamen. nationalen, regionalen und weltweiten Jahren mit dem Bevölkerungswachstum und suchen. Der Living Planet Index spiegelt den Die Nachfrage der Menschheit nach den Wasserressourcen, den der Konsum eines steigendem individuellen Konsum mehr als Zustand der Ökosysteme unserer Erde wider, Ressourcen des Planeten, ihr Ökologischer Produkts oder einer Dienstleistung erzeugt. verdoppelt. Im Jahr 1961 verfügten fast alle während der Ökologische Fußabdruck den Fußabdruck, übersteigt die regenerativen Auch wenn Wasser weltweit nicht als Länder der Welt über mehr als ausreichende Umfang und die Art der Beanspruchung Kapazitäten nun um rund 30 Prozent (Ab- knappe Ressource gilt, sind doch seine Kapazitäten, um ihren eigenen Bedarf zu dieser Systeme durch den Menschen anzeigt. bildung 2). Diese weltweite Übertretung Verteilung und Verfügbarkeit sehr ungleich, stillen; 2005 stellte sich die Situation voll- Abb. 1: LIVING PLANET INDEX, 1970–2005 Abb. 2: ÖKOLOGISCHER FUSSABDRUCK DER MENSCHHEIT, 1961-2005 1.8 1.8 1.6 1.6 1.4 1.4 1.2 1.2 Index (1970=1.0) Anzahl Planeten Biokapazität der Erde 1.0 1.0 0.8 0.8 0.6 0.6 0.4 0.4 0.2 0.2 0 0 1960 1970 1980 1990 2000 05 1960 1970 1980 1990 2000 05 4 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 5. kommen anders dar: Zahlreiche Länder vorliegende Bericht zeigt beispielsweise, menschliche Inanspruchnahme der Natur Abb. 1: Living Planet Index. Der Gesamtin- konnten ihren Bedarf nur durch den Import wie ein Maßnahmenpaket aus sauberer abbildet, sowie der Living Planet Index zur dex zeigt, dass die Bestände von Wirbeltier- EINLEITUNG von Ressourcen anderer Nationen und durch Energiegewinnung und effizienter Nutzung Messung des weltweiten Zustands der Natur arten von 1970 bis 2005 um fast 30 Prozent die Nutzung der Atmosphäre als Abfallhalde heutiger Technologien es uns ermöglichen fungieren als klare und deutliche Wegweiser abgenommen haben. für Kohlendioxid und andere Treibhausgase können, den für 2050 prognostizierten für die erforderlichen Maßnahmen. Wenn decken (Abbildung 3). Energiebedarf zu decken und gleichzeitig die Menschheit den notwendigen Willen Abb. 2: Der Ökologische Fußabdruck der Wenn wir weitermachen wie bisher, die Kohlendioxid-Emissionen stark zu redu- aufbringt, kann sie innerhalb der Kapazitäten Menschheit. Die Inanspruchnahme der werden wir Anfang der 2030er Jahre zwei zieren. des Planeten leben und dabei die Ökosys- Biosphäre durch den Menschen hat sich von Planeten brauchen, um mit der menschlichen Technologietransfer und technologische teme und ihr davon abhängendes Wohlerge- 1961 bis 2005 mehr als verdoppelt. Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen Unterstützung bei lokalen Innovationen hen sichern. Schritt zu halten. Doch es gibt zahlreiche können Schwellenländern helfen, ihre Abb. 3: Ökologische Geber- und Schuldner- effiziente Wege für einen Kurswechsel. Lebensbedingungen zu verbessern und dabei länder. Der Ökologische Fußabdruck von Technologische Weiterentwicklungen ressourcenintensive Phasen der Industriali- ökologischen Schuldnern ist größer als ihre werden weiterhin eine wichtige Rolle dabei sierung zu überspringen. Die Stärkung der eigene Biokapazität; Länder mit ökologischem spielen, den Anforderungen des nach- Rolle von Frauen, Bildung und der Zugang Guthaben haben einen Ökologischen Fußab- haltigen Wirtschaftens gerecht zu werden. zu freiwilligen Instrumenten der Familien- druck, der kleiner ist als ihre Biokapazität. Doch ein großer Teil dessen, was zu tun planung können das Bevölkerungswachstum ist, ist bereits bekannt, und viele Lösungen verlangsamen oder sogar stoppen. stehen heute schon zur Verfügung. Der Der Ökologische Fußabdruck, der die Abb. 3: ÖKOLOGISCHE SCHULDNER- UND Öko-Schulden: Fußabdruck relativ zur Biokapazität über 150% größer 100-150% größer 50-100% größer 0-50%größer Daten ungenügend GEBERLÄNDER, 1961 und 2005 Öko-Guthaben: Biokapazität relativ zum Fußabdruck 0-50%größer 50-100% größer 100-150% größer über 150% größer 1961 2005 (Grenzen wie 2005) LIVING PLANET REPORT 2008 5
  • 6. BIODIVERSITÄT, FUNKTIONEN VON ÖKOSYSTEMEN, FUSSABDRUCK Der Living Planet Index zeigt, dass Arten Tieren für die Herstellung von Nahrungsmit- der Manschen nach Nahrungsmitteln, Wasser, auf Klima und Gewässer, die Reinigung und natürliche Ökosysteme in allen Biomen teln, Werkstoffen oder Medikamenten über Energie und Werkstoffen. Diese äußert sich von Wasser, die Bestäubung von Pflanzen und Regionen der Welt unter Belastung ste- die Reproduktionsfähigkeit des jeweiligen konkret in der Produktion und im Konsum sowie die Eindämmung von Schädlingen hen. Die direkte, vom Menschen verursachte Bestands hinaus ist Raubbau an den Arten. von Agrarerzeugnissen, Fleisch- und Mol- I kulturelle Funktionen in ästhetischer, spiri- Bedrohung der Biodiversität wird häufig in So hat beispielsweise die Überfischung kereiprodukten, Fisch und Meeresfrüchten, tueller und pädagogischer Hinsicht sowie fünf Bereiche eingeteilt: zahlreiche Fischbestände mit wirtschaftli- Nutzholz und Papier, Wasser, Energie sowie Erholungsfunktion I Verlust oder Veränderung von Lebens- cher Bedeutung vernichtet. Und der maßlose von Ressourcen für Verkehr und Flächen für raum, besonders durch Landwirtschaft Einschlag von Nutz- und Feuerholz hat zum Städte und Infrastruktur. Mit dem Wachstum Jede dieser Funktionen wird letztlich von I Übernutzung einer Art, besonders durch Verlust von Wäldern und den dort beheima- der Weltbevölkerung und der Wirtschaft lebenden Organismen bereitgestellt. Es ist Fischerei und Jagd teten Pflanzen- und Tierarten geführt. nimmt auch der Druck auf die Biodiversität jedoch nicht die Biodiversität per se, die das I Verschmutzung Invasive Arten, die mit oder ohne Absicht zu. Durch verbesserte Technologien und Funktionieren eines Ökosystems ermöglicht, I Ausbreitung invasiver Arten oder Gene von einem Teil der Welt in einen anderen die effizientere Nutzung von Ressourcen sondern die Häufigkeit von bestimmten I Klimawandel gebracht wurden und die sich als Konkur- könnte dieser Druck gemindert werden. Der Arten, die für die Erhaltung eines Lebens- renten, Jäger oder Parasiten heimischer Arten Ökologische Fußabdruck ist eine komplexe raums und für die Bereitstellung dieser Diese fünf Bedrohungen sind Folge der erwiesen haben, tragen Schuld am Rückgang Messgröße für die Inanspruchnahme von Funktionen entscheidend sind. Der lokale menschlichen Inanspruchnahme der Biosphäre zahlreicher einheimischer Bestände. Ökosystemen und Arten durch den Verbrauch Rückgang einer entscheidenden Art hat – also der Verarbeitung und dem Konsum Eine weitere wichtige Ursache für den von Ressourcen. Die Interaktionen zwischen negative Auswirkungen auf die Funktionen natürlicher Ressourcen für die Herstellung Verlust von Biodiversität ist Verschmutzung, der Biodiversität, den Ursachen für den Ver- eines Ökosystems, auch wenn diese Art von Lebensmitteln, Getränken, Energie oder gerade in Süßwasser-Ökosystemen. Die lust der Biodiversität und dem Fußabdruck der nicht weltweit bedroht ist. Werkstoffen sowie den damit verbundenen übermäßige Anreicherung mit Nährstoffen Menschheit zu verstehen, ist unumgänglich, Mit den meisten unterstützenden, reguli- Abfällen – oder aus der Verdrängung natür- in Folge des zunehmenden Einsatzes von um den andauernden Rückgang von Ökosys- erenden und kulturellen Ökosystemfunktio- licher Ökosysteme durch Städte und Infras- Stickstoff- und Phosphorverbindungen in temen und Tier- und Pflanzenarten zu verlang- nen wird kein Handel getrieben, sie haben truktur (vgl. Abbildung 4). Zudem führt der Düngemitteln führt zu Eutrophierung und samen, anzuhalten und umzukehren. also keinen Marktwert. Ihr Rückgang hat starke Güter- und Personenverkehr rund um Sauerstoffmangel. Pestizide aus der Land- und keine aufsehenerregenden Auswirkungen den Globus zu einer Verbreitung von gebiets- Wasserwirtschaft sowie aus Industrie- und FUNKTIONEN VON ÖKOSYSTEMEN auf die lokale oder weltweite Wirtschaft. fremden Arten und Krankheiten. Bergbauabfällen führen zudem oft zu giftigen Die Menschheit ist auf funktionierende Öko- Auf Märkten werden Entscheidungen zum Natürliche Lebensräume gehen durch die chemischen Verschmutzungen. systeme angewiesen: Sie unterstützen oder Einsatz von Ressourcen getroffen, die die Umwandlung in Acker- und Weideland oder Die wahrscheinlich größte Bedrohung für verbessern unsere Lebensqualität, ohne sie Vorteile einzelner Produzenten und Konsu- Aquakulturen sowie durch industrielle oder die Biodiversität in den nächsten Jahrzehnten wäre die Erde unbewohnbar. Das Millennium menten maximieren, aber oft die Biodiver- städtische Nutzung verloren, werden verändert ist der Klimawandel. Seine Auswirkungen Ecosystem Assessment (MA) beschreibt vier sität und die Ökosystemfunktionen unter- oder zerteilt. Flusssysteme werden aufgestaut zeigen sich bereits in polaren ,Berg-, Küsten- Funktionen von Ökosystemen: graben, auf denen Produktion und Konsum und für Bewässerungszwecke, Stromgewin- und marinen Ökosystemen. Die zukünftigen I unterstützende Funktionen wie der letztendlich beruhen. Die Bedeutung der nung oder Flussregelung umgestaltet. Sogar Auswirkungen lassen sich auf lokaler Ebene Nährstoffkreislauf, die Bodenbildung und Biodiversität für das menschliche Wohl- marine Lebensräume, vor allem der Meeres- schwer voraussagen, doch jedes Ökosystem die Primärproduktion ergehen lässt sich zwar nicht leicht monetär boden, werden durch Schleppnetze, Bauar- kann auf Temperatur- und Klimaveränderun- I versorgende Funktionen wie die Bereit- abbilden. Sie könnte aber den Unterschied beiten und die Gewinnung von Rohstoffen gen empfindlich reagieren. stellung von Nahrungsmitteln, Süßwasser, zwischen einem Planeten ausmachen, der die mechanisch beschädigt. All diese Bedrohungen und Belastungen Werkstoffen und Kraftstoffen menschliche Bevölkerung ernähren kann, Das Ernten von Pflanzen und Töten von haben ihren Ursprung haben in der Nachfrage I regulierende Funktionen wie der Einfluss und einem, der dazu nicht in der Lage ist. 6 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 7. DER MENSCHHEIT Abb. 4: VERLUST DER BIODIVERSITÄT, EINFLUSS DES MENSCHEN UND DER ÖKOLOGISCHE FUSSABDRUCK, Ursachen und Auswirkungen ÖKOLOGISCHER FUSSABDRUCK/ INDIREKTE BEDROHUNGEN DER DIREKTE BEDROHUNGEN BEDROHUNGEN EINLEITUNG KONSUMSEKTOREN BIODIVERSITÄT/MENSCHLICHE AKTIVITÄTEN DER BIODIVERSITÄT und GEFÄHRDUNGEN Nutzholz, Papier Fasern Holz-, Papier- und Zellstoffproduktion Zerstörung und Fragmentierung von Wäldern Feuerholz Sammeln von Brennholz und Mangroven Nahrungs- und Ölpflanzen Umwandlung in Ackerland Zerstörung und Schädigung von Graslandschaften Fleisch, Fisch und Meeres- Umwandlung in Weideland Umwandlung in Aquakultur LEBENSRAUM- früchte aus Zuchtbestand Zerschneidung und Regulierung von Flüssen Milchprodukte, Eier VERLUST Umwandlung in Bauland Zerstörung von Korallenriffen und Küstenhabitaten Baustoffe, Zement Straßenbau Bau von Dämmen Zerstörung von Habitaten des Meeresbodens Bergbau und Metalle Netzfischerei (inklusive Schleppnetz) Überfischung Fleisch, Fisch und Meeres- Langleinenfischerei Beifang ÜBERNUTZUNG früchte aus Wildbeständen Bushmeat Übernutzung von landlebenden und Süßwasserarten Handel mit Wildtieren Eutrophierung und Algenblüten Stickstoff- und Schwefelausstoß Saurer Regen Brauchwasser Organische Abfälle VERSCHMUTZUNG Industrielle Verarbeitung Chemikalien aus der Landwirtschaft Pestizide und giftige Chemikalien Abraum und Abfall aus dem Bergbau Ölpest Versauerung der Meere Invasive Meeresarten Transport Verkehr Handel Invasive Süßwasserarten INVASIVE ARTEN Absichtliche oder versehentiche Tourismus Einfuhr gebietsfremder Arten Invasive landlebende Arten, vor allem auf Inseln Schädigung arktischer und alpiner Lebensräume Rückgang des Packeises Energieverbrauch Kohlendioxid, Methan und Ausbleichen und Absterben von Korallenriffen KLIMA- Verbrennung fossiler andere Treibhausgasemissionen WANDEL Brennstoffe Veränderung jahreszeitlicher Kreisläufe Waldsterben aufgrund von Trockenheit Verlust temporärer Feuchtgebiete LIVING PLANET REPORT 2008 7
  • 8. LIVING PLANET INDEX: GLOBAL Der Living Planet Index ist ein Indikator, erhalten die gleiche Gewichtung. Innerhalb 1970 und 2005 (Abbildung 5). Der Index Abb. 5: Globaler Living Planet Index. der den Zustand der Biodiversität anzeigt. der Indizes für gemäßigte und tropische für die Tropen fiel um rund 50 Prozent, Er zeigt einen durchschnittlichen Rückgang Er berücksichtigt Entwicklungen innerhalb Zonen werden die Entwicklungen bei land- während der Index für gemäßigte Zonen für von -28 Prozent bei 4.642 Populationen von einer großen Anzahl von Arten in einer lebenden, Süßwasser- und marinen Arten den gleichen Zeitraum wenig Veränderung 1.686 Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005 *. sehr ähnlichen Weise, wie ein Börsenindex ebenfalls gleich gewichtet. aufweist (Abbildungen 6 und 7). den Wert bestimmter Aktien misst oder ein Der tropische Index bezieht sich auf Dieser deutliche Unterschied zwischen Abb 6: Living Planet Index gemäßigter Preisindex die Kosten eines Warenkorbs. landlebende und Süßwasserbestände in den Populationrn in gemäßigten und tro- Regionen. Der Index zeigt eine durchschnitt- Der Living Planet Index basiert auf fast der Afrotropis, im Indopazifik und in der pischen Zonen zeigt sich bei landlebenden, liche Entwicklung von +6 Prozent zwischen 5.000 Populationen von 1.686 Arten von Neotropis sowie auf marine Bestände der Süßwasser- und marinen Arten. Daraus 1970 und 2005 bei 3.309 Beständen von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien Zone zwischen dem nördlichen und süd- folgt aber nicht zwangsweise, dass sich die 1.235 Arten * und Fischen in aller Welt. Die Bestands- lichen Wendekreis. tropische Biodiversität in einem schlechte- veränderungen jeder Art werden gemittelt Der Index für die gemäßigte Zone ren Zustand befindet als die der gemäßigten Abb 7: Living Planet Index tropischer und im Vergleich zum Bestand von 1970 beinhaltet die Bestände von landlebenden Zonen. Würde der Index Jahrhunderte statt Regionen. Der Index zeigt eine durchschnitt- angezeigt, dem ein Wert von 1,0 zugeord- und Süßwasserarten der paläarktischen Jahrzehnte zurückreichen, würde er wo- liche Entwicklung von -51 Prozent bei 1.333 net wird. und nearktischen Zone sowie marine Arten möglich einen vergleichbaren oder stärker- Beständen von 585 Arten im Zeitraum von Der globale Living Planet Index setzt nördlich und südlich der Tropen (vgl. Ab- en Rückgang bei den Arten der gemäßigten 1970 bis 2005 *. sich aus zwei Indizes zusammen – dem für bildung 8). Zonen anzeigen. In jedem Fall beweist er, gemäßigte Zonen (einschließlich der Polar- Der globale Index zeigt einen allgemei- dass es einen starken andauernden Rück- * Manche Arten kommen in gemäßigten und tropischen Regionen regionen) und dem für die Tropen. Beide nen Rückgang um fast 30 Prozent zwischen gang der tropischen Biodiversität gibt. vor. Abb. 5: GLOBALER LIVING PLANET INDEX, Abb. 6: LIVING PLANET INDEX gemäßigter Regionen, Abb. 7: LIVING PLANET INDEX tropischer Regionen, 1970–2005 1970–2005 1970–2005 1.8 1.8 1.8 1.6 1.6 1.6 1.4 1.4 1.4 1.2 1.2 1.2 Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) 1.0 1.0 1.0 0.8 0.8 0.8 0.6 0.6 0.6 Globaler Index Index gemäßigter Regionen Index tropischer Regionen 0.4 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 0.2 0 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 8 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 9. Paläarktis Nearktis nördlicher Wendekreis Ozeanien DATENLAGE Indomalaysia südlicher Wendekreis Ozeanien Neotropis Afrotropis Australasia Antarktis Abb. 8: TERRESTRISCHE BIOGEOGRAPHISCHE REGIONEN UND ÖKOZONEN Tropische und subtropische feuchte Laubwälder Überflutetes Grasland und Savannen Tropische und subtropishe trockene Laubwälder Montanes Gras- und Buschland Tropische und subtropische Nadelwälder Tundra Temperierte Laub- und Mischwälder Mediterraner Wald und Hartlaubgewächse Temperierte Nadelwälder Wüsten und Halbwüsten Borealer Wald/Taiga Mangroven Tropisches und subtropisches Grasland, Savanne und Buschland Wasserfächen Temperiertes Grasland, Savanne und Buschland Fels und Eis LIVING PLANET REPORT 2008 9
  • 10. LIVING PLANET INDEX: SYSTEME UND BIOME Die Indizes für landlebende, marine und der Holzgewinnung und der Jagd – zu den Temperatur des Oberflächenwassers. Abb. 9: Living Planet Index für landlebende Süßwasserarten errechnen sich jeweils wichtigsten Ursachen für den Rückgang von Binnengewässer sind die Heimat zahl- Arten. Dieser Index zeigt eine durchschnitt- als der Durchschnitt zweier Indizes, die die Populationen. reicher Arten und stellen zudem Ressourcen liche Entwicklung von -33 Prozent zwischen Entwicklungen bei Wirbeltierbeständen der Der Index für marine Arten zeigt einen und ökologische Funktionen bereit, die für 1970 und 2005 bei 2.007 Beständen von 887 tropischen und gemäßigten Zonen einzeln durchschnittlichen Rückgang um 14 Prozent das menschliche Wohlergehen unerlässlich Arten. messen. zwischen 1970 und 2005 (Abbildung 10). sind. Der Index für Süßwasserarten zeigt, Der Index für landlebende Arten hat Überfischung ist die Hauptursache dafür. So dass die Bestände in Binnengewässern Abb. 10: Living Planet Index für marine seit Mitte der 1970er Jahre stetig abgenom- gelten die meisten kommerziellen marinen zwischen 1970 und 2005 durchschnittlich um Arten. Der Index zeigt eine durchschnittliche men (Abbildung 9) und weist eine durch- Fischgründe weltweit als überfischt. Ozeane 35 Prozent zurückgingen (Abbildung 11). Entwicklung von -14 Prozent bei 1.175 Be- schnittliche Abnahme von 33 Prozent bei halten lebenswichtige Ressourcen und Öko- Die Flächen mit Feuchtgebieten gingen im ständen von 341 Arten über einen Zeitraum landlebenden Wirbeltierbeständen zwischen systemfunktionen bereit, auf die jegliches 20. Jahrhundert um geschätzte 50 Prozent von 35 Jahren. 1970 und 2005 auf. Die meisten dieser Leben angewiesen ist. Dennoch machen zurück. Ursachen sind die Zerstörung von Veränderungen ereigneten sich in den Tro- marine Schutzzonen derzeit weniger als ein Feuchtgebieten durch Überfischung, invasive Abb. 11: Living Planet Index für pen; in gemäßigten Regionen veränderten Prozent der Meere aus. Kürzlich durchge- Arten, Verschmutzung, die Errichtung von Süßwasserarten. Der Index zeigt eine durch- sich die Bestände im Allgemeinen wenig. führte Zählungen zeigen auf, dass der Be- Dämmen und die Umleitung von Gewässern. schnittliche Entwicklung von -35 Prozent bei In den Tropen zählt die Kombination aus standsrückgang nicht nur Wirbeltiere betrifft. 1.463 Beständen von 458 Arten im Zeitraum Entwaldung und sonstiger Zerstörung von Beispielsweise gibt der Rückgang der Koral- von 1970 bis 2005. Lebensräumen – verursacht durch land- len in Folge von Bleichen und Krankheiten wirtschaftliche Nutzung und Raubbau bei Anlass zur Sorge. Auslöser ist die steigende Abb. 9: LIVING PLANET INDEX landlebender Arten, Abb. 10: LIVING PLANET INDEX mariner Arten, Abb. 11: LIVING PLANET INDEX von Süßwasserarten, 1970–2005 1970–2005 1970–2005 1.8 1.8 1.8 1.6 1.6 1.6 1.4 1.4 1.4 1.2 1.2 1.2 Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) 1.0 1.0 1.0 0.8 0.8 0.8 0.6 0.6 0.6 Index landlebender Arten Index mariner Arten Index von Süßwasserarten 0.4 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 0.2 0 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 10 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 11. Die unten stehenden Indizes machen den Be- aufweist (Abbildung 12). Graslandschaften existieren auf allen Abb. 12: : Living Planet Index für Arten den standsrückgang in drei Gruppen von Ökozo- Artbestände in Trockengebieten haben Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Tropenwaldes. Er zeigt eine durchschnittliche nen, bzw. Zonobiomen deutlich, die starkem seit 1970 um rund 44 Prozent abgenommen Seine Qualität wie auch seine Ausdehnung Entwicklung von -62 Prozent zwischen 1970 lokalem und weltweitem Druck ausgesetzt (Abbildung 13). Trockengebiete stellen mehr haben in den letzten Jahrzehnten abgenom- und 2005 bei 503 Beständen von 186 Arten. sind. als 40 Prozent der Land-Ökosysteme dar. men, wobei große Teile in landwirtschaft- Tropenwälder sind die Heimat unzähliger Dazu gehören so unterschiedliche Ökosys- liche Nutzflächen umgewandelt wurden. Der Abb. 13: Living Planet Index für Arten der Arten. Ihre ökosystemaren Funktionen sind teme wie Wüsten, Savannen und trockene Mensch ist von Grasland abhängig: sowohl Trockengebiete. Er zeigt eine durchschnit- lokal und weltweit von großer Bedeutung. tropische Waldgebiete. Trockengebiete sind direkt für seine Ernährung als auch indirekt tliche Entwicklung von -44 Prozent bei 476 Dieser Lebensraum und die darin lebenden außerdem Heimat von über zwei Milliarden von Funktionen dieses Ökosystems wie zum Beständen von 149 Arten im Zeitraum von Arten sind durch legale und illegale Abhol- Menschen, deren Existenz oft direkt auf den Beispiel dem Nährstoffkreislauf. Die Bestände 1970 bis 2005. zung, Waldbrände und Klimawandel bedroht. Erzeugnissen lokaler Ökosysteme aufbaut. an Wirbeltieren im Grasland haben seit 1970 Die Entwaldung in den Tropen schreitet Die Anlage von Wasserstellen in Trockenge- um 36 Prozent abgenommen (Abbildung Abb. 14: Der Living Planet Index für Arten voran. Der Regenwald ging zwischen 2000 bieten hat zwar größere Viehbestände für die 14). Grasland unterliegt Ereignissen wie des Graslands. Er zeigt eine durchschnittliche DATENLAGE und 2005 mit einer Geschwindigkeit von fast kurzfristige menschliche Nutzung ermög- vom Menschen verursachten und natürlichen Entwicklung von -36 Prozent zwischen 1970 3,5 Millionen Hektar pro Jahr in Brasilien und licht. Dies hat jedoch negative Auswirkungen Bränden, Beweidung, Trockenperioden und und 2005 bei 703 Beständen von 309 Arten. 1,5 Millionen Hektar pro Jahr in Indonesien auf empfindliche Ökosysteme und schadet Regenfällen. So entsteht ein empfindliches verloren. Dies schlägt sich im Index für den der Biodiversität. Geschätzte 20 Prozent der Gleichgewicht, das leicht gestört werden kann, Tropenwald nieder, der einen Rückgang von Trockengebiete leiden derzeit unter Boden- wodurch Prozesse wie die Wüstenbildung mehr als 60 Prozent bei den Tierbeständen degradation. beschleunigt werden können. Abb. 12: LIVING PLANET INDEX Tropenwald, Abb. 13: LIVING PLANET INDEX Trockengebiete, Abb. 14: LIVING PLANET INDEX Graslandschaften, 1970–2005 1970–2005 1970–2005 1.8 1.8 1.8 1.6 1.6 1.6 1.4 1.4 1.4 1.2 1.2 1.2 Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) 1.0 1.0 1.0 0.8 0.8 0.8 0.6 0.6 0.6 Index Tropenwald Index Trockengebiete Index Graslandschaften 0.4 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 0.2 0 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 LIVING PLANET REPORT 2008 11
  • 12. LIVING PLANET INDEX: BIOGEOGRAFISCHE REGIONEN Die Landfläche der Erde kann in biogeo- doch die Menge an verfügbaren Populationen vorhandenen Bestandsdaten stammt aus gegenüberliegende Seite). graphische Regionen, bzw. Reiche eingeteilt ist im Vergleich zu den anderen biogeogra- Westeuropa, also dem Teil der Welt, der in Der Index für die Afrotropis zeigt einen werden, die sich durch die unterschiedliche phischen Regionen relativ klein. Daher wirkt den vergangenen 300 Jahren am meisten durchschnittlichen Rückgang um 19 Prozent Zusammensetzung der Tier- und Pflanzen- sich der katastrophale Rückgang einiger von menschlichen Aktivitäten betroffen war. innerhalb von 35 Jahren (Abbildung 18). welt auszeichnen (Abbildung 8). Die amphibischer Arten wie der Goldkröte (Bufo Mehr als 50 Prozent der Fläche wurden in Die positive Tendenz dieses Index spiegelt Entwicklungstendenz bei den Beständen jeder periglenes) aus Costa Rica, die inzwischen landwirtschaftliche Nutzflächen umgewan- womöglich Naturschutzmaßnahmen für Arten einzelnen Region hängt von den Bedrohun- als ausgestorben gilt, stark auf die Gesamt- delt, so dass sich der Artenrückgang in vielen wie das Breitmaulnashorn (Ceratotherium gen ab, denen ihre Biodiversität ausgesetzt tendenz aus. Fällen vor 1970 ereignet hat. Die positive simum) wider. Allerdings wurde die nörd- war und ist. In der Neotropis kommen 40 Prozent aller Entwicklung der paläarktischen Region mag liche Unterart in den ursprünglichen Verbrei- Zahlreiche Arten der nearktischen Zone Tier- und Pflanzenarten des Planeten vor; sie teilweise die Erfolge des Naturschutzes beim tungsgebieten ausgerottet und steht vor dem werden ausgiebig untersucht, daher stehen ist damit die Region mit der höchsten Biodi- Schutz von Lebensräumen, bei der Verrin- Aussterben (s. gegenüberliegende Seite). Es umfangreiche Bestands-Daten zur Verfügung. versität. Die hauptsächliche Bedrohung dieser gerung von Verschmutzung und bei anderen besteht daher weiterhin Bedarf an Natur- Die Abundanz der Bestände weist zwischen Arten besteht im Verlust ihres Lebensraums. ökologischen Verbesserungen widerspiegeln. schutzmaßnahmen, um den Bestandsrück- 1970 bis 2005 keine allgemeine Veränderung Zum Beispiel betrug der Netto-Waldverlust Tendenzen in der ostpaläarktischen Region gang in der Afrotropis aufzuhalten. auf (Abbildung 15). zwischen 2000 und 2005 in Südamerika rund lassen sich mit geringerer Sicherheit ein- Der Index für den Indopazifik vereint Be- Dagegen zeigt der Index der Neotro- 4,3 Millionen Hektar jährlich. schätzen, da es weniger Daten gibt. Eine der standsdaten aus den drei biogeographischen pis zwischen 1970 und 2004 einen starken In der paläarktischen Zone nahm die bedrohten Arten ist die Saiga-Antilope, deren Regionen Indomalaysia, Australasia und Rückgang (Abbildung 16). Zwar enthält Abundanz zwischen 1970 und 2005 insge- Bestände durch den Jagddruck in den vergan- Ozeanien. Die Datenlage in diesen Regio- dieser Index Daten für alle Wirbeltierklassen, samt zu (Abbildung 17). Der Großteil der gen 40 Jahren stark abgenommen haben (s. nen war unzureichend, um daraus einzelne Abb. 15: LIVING PLANET INDEX Nearktis, Abb. 16: LIVING PLANET INDEX Neotropis, Abb. 17: LIVING PLANET INDEX Paläarktis, 1970–2005 1970–2004 1970–2005 1.8 1.8 1.8 1.6 1.6 1.6 1.4 1.4 1.4 1.2 1.2 1.2 Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) 1.0 1.0 1.0 0.8 0.8 0.8 0.6 0.6 0.6 Index Nearktis Index Neotropis Index Paläarktis 0.4 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 0.2 0 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 12 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 13. Indizes zu berechnen. Der Gesamtindex einen Zeitraum von 34 Jahren. zeigt einen durchschnittlichen Rückgang um SAIGA-ANTILOPE NÖRDLICHES BREITMAULNASHORN etwa 35 Prozent zwischen 1970 bis 2005 Abb. 17: Living Planet Index für die Paläark- Die Saiga-Antilope (Saiga tatarica) lebt in Das nördliche Breitmaulnashorn (Ceratoth- und eine kontinuierliche negative Tendenz tis. Hier zeigt sich eine Gesamttendenz von der Trockensteppe Zentralasiens und wurde erium simum cottoni) war im nördlichen Zen- seit den späten 1970er Jahren (Abbildung +30 Prozent bei 1.167 Beständen von 363 wegen ihres Fleisches, ihres Horns und ihres tralafrika früher sehr zahlreich. Heutzutage ist 19). Große Teile der ursprünglichen Wälder paläarktischen Arten über einen Zeitraum von Fells jahrhundertelang gejagt. In den letz- nur noch ein Bestand in der Demokratischen im Indopazifik wurden für Landwirtschaft 35 Jahren. ten Jahren wurde sie vor allem wegen ihres Republik Kongo bekannt, der von 500 Tieren oder Plantagen gerodet, was sich durch die Horns gejagt, das in der traditionellen chine- auf 4 abgenommen hat. Vor kurzem durch- internationale Nachfrage nach Produkten wie Abb. 18: Living Planet Index für Arten der sischen Medizin verwendet wird. Obwohl die geführte Zählungen konnten die letzten reg- Palmöl erklärt. Afrotropis. Hier zeigt sich eine durchschnitt- Jagd nun reguliert und internationaler Handel istrierten Tiere nicht finden. Die Bestände liche Entwicklung von -19 Prozent bei 552 mit Produkten der Saiga-Antilope verboten ihres nächsten Verwandten, des südlichen Abb. 15: Der Living Planet Index für neark- Beständen von 201 Arten der Afrotropis über ist, ist Wilderei weit verbreitet. Dies ist die Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum tische Arten. Der Index zeigt keine Änderung einen Zeitraum von 35 Jahren. wahrscheinlichste Erklärung für den starken simum), nehmen dagegen zu, und auch bei DATENLAGE über 1.117 Bestände von 588 Arten. und andauernden Rückgang der letzten der Erhaltung des vom Aussterben bedroh- Abb. 19: Living Planet Index für den Indo- Jahre, die auch durch das große Angebot ten Spitzmaulnashorns (Diceros bicornis) Abb. 16: Living Planet Index für Arten der pazifik. Er zeigt eine durchschnittliche Ent- an Saiga-Fleisch auf kasachischen Märkten wurden Fortschritte erzielt. Neotropis. Der Index zeigt eine durchschnitt- wicklung von -35 Prozent bei 441 Beständen untermauert wird. liche Entwicklung von -76 Prozent bei 202 von 155 Arten über einen Zeitraum von 35 Beständen von 144 Arten der Neotropis über Jahren. Abb. 18: LIVING PLANET INDEX Afrotropis, Abb. 19: LIVING PLANET INDEX Indopazifik, 1 1970–2005 1970–2005 Anzahl Individuen (Mio.) 1.8 1.8 1.6 1.6 1.4 1.4 1.2 1.2 0 1965 2000 Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) Saiga-Antilope (Saiga tatarica) 1.0 1.0 5 Anzahl Individuen (Hundert) 0.8 0.8 0.6 0.6 Index Afrotropis Index Indopazifik 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 0 1970 2005 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 Nördliches Breitmaulnasnorn (Ceratotherium simum cottoni) LIVING PLANET REPORT 2008 13
  • 14. L I V I N G P L A N E T I N D E X : TA X A Zwar geben allgemeine Tendenzen über Mehr als 5.400 Säugetierarten sind Menschheit ist auf gesunde Ökosysteme Ökosysteme hinweg einen Überblick über bekannt, 20 Prozent stehen auf der Roten und Artenbestände angewiesen, um ihre ENTWICKLUNG VON BEISPIEL- Bestandsänderungen; allerdings zeigen sie Liste gefährdeter Arten der IUCN. Der weitere Versorgung durch die Funktionen BESTÄNDEN AUSGEWÄHLTER ARTEN nicht den jeweiligen Einfluss, den der vom Säugetierindex hat im letzten Jahrzehnt um der Ökosysteme sicherzustellen. Die gegenüberliegende Seite zeigt Be- Menschen verursachte Druck auf einzelne rund 20 Prozent abgenommen (Abbildung standsentwicklungen für zwölf landle- Arten und taxonomische Gruppen hat. 21), wobei die tropischen Ökozonen die Abb. 20: Living Planet Index für Vögel. Er bende, marine und Süßwasserarten, die Es gibt fast 10.000 Vogelarten, die höchsten Verluste aufwiesen. Übernutzung zeigt eine durchschnittliche Entwicklung von beispielhaft für die Datengrundlage des unterschiedlichste Lebensräume bewohnen. ist eine der stärksten Bedrohungen für diese -20 Prozent bei 2.185 Beständen von 895 Living Planet Index stehen. Die gezeigten Ihre weite Verbreitung und die umfang- Gruppe. Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005. Arten Beispiele geben Einsicht in Bestandsent- reichen vorhandenen Daten ermöglichten Zwar nehmen die Bestände mancher in gemäßigten und tropischen Zonen wer- wicklungen von Tieren aus verschiedenen die Aufstellung eines verlässlichen Index. Arten stellenweise zu (s. gegenüberliegende den gleich stark gewichtet, um die größere Regionen, ohne aber notwendigerweise Der Gesamt-Rückgang um 20 Prozent (Ab- Seite), und die Bedrohung durch den wach- Datenmenge für gemäßigte Regionen auszu- die ganze Art abzubilden. bildung 20) verbirgt einen noch stärkeren senden Fußabdruck der Menschheit betrifft gleichen. Rückgang um 50 Prozent bei überprüften nicht alle Arten in gleicher Weise. Doch Ein positives Zeichen ist die Stabilität oder Beständen von tropischen und marinen das Gesamtbild zeigt einen weltweiten Abb. 21: Living Planet Index für Säugetiere. Zunahme mancher Bestände, die für Er- Vögeln. Zu den größten Bedrohungen Rückgang der Arten. Diese Entwicklung Er zeigt eine durchschnittliche Entwicklung folge bei der Wiederverbreitung stehen, gehören der Verlust des Lebensraums, der bedeutet nicht nur einen Verlust an Biodi- von -19 Prozent bei 1.161 Beständen von 355 so etwa im Fall der Wiedereinführung des Einfluss gebietsfremder Arten, Übernut- versität, sondern hat auch Auswirkungen Arten im Zeitraum von 1970 bis 2005. Mauritiusfalken. zung und Verschmutzung. auf das menschliche Wohlergehen. Die Leider unterstreicht die Anzahl rückläu- figer Tendenzen weiteren dringenden Abb. 20: LIVING PLANET INDEX Vögel, Abb. 21: LIVING PLANET INDEX Säugetiere, Handlungsbedarf. Zu den häufigsten Be- 1970–2005 1970–2005 drohungen gehört die Zerstörung des Le- 1.8 1.8 bensraums, wie der Rückgang des Stelzen- läufers zeigt. Eine weitere Bedrohung ist 1.6 1.6 die Übernutzung von Arten, entweder 1.4 1.4 direkt – durch aktuelle Jagdpraktiken wie im Fall des Flusspferds in der demokra- 1.2 1.2 tischen Republik Kongo oder durch his- Index (1970=1.0) Index (1970=1.0) 1.0 1.0 torische Praktiken wie bei der Diamant- schildkröte – oder indirekt als Beifang bei 0.8 0.8 bestimmten Fischereimethoden. Letzteres 0.6 0.6 betrifft unter anderem den Wanderalbatros Index Vögel Index Säugetiere und die Unechte Karettschildkröte. 0.4 0.4 Konfidenzintervalle Konfidenzintervalle 0.2 0.2 Anmerkung: Die x-Achse in allen Grafiken markiert den Wert 0. 0 0 1970 1980 1990 2000 05 1970 1980 1990 2000 05 14 LIVING PLANET REPORT 2008
  • 15. 160 160 60,000 Min. Populationsgröße Kuh/Kalb-Paare Gezählte Vögel 1970 2005 1970 2005 1970 2005 Mauritiusfalke (Falco punctatus) Südkaper (Eubalaena australis), Indischer Ozean Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Ost-Australien Mauritius (südliche Küste Südafrikas) 350 2,000 5,000 Anzahl Individuen Anzahl Brutpaare Anzahl Fische DATENLAGE 1970 2005 1970 2005 1970 2005 Roter Brüllaffe (Alouatta seniculus) Wanderalbatross (Diomedea exulans), Südatlantik Coho Lachs (Oncorhynchus kisutch), Yukon, Hato Masaguaral, Guarico state, Venezuela (Vogelinsel, Südgeorgien) Alaska, USA 10 800 400 Populationshäufigkeit Anzahl Individuen Anzahl Nester 1970 2005 1970 2005 1970 2005 Fettschwanzbeutelratte (Thylamys elegans) Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), Südpazifik Carolina-Diamantschildkröte (Malaclemys terrapin), Kiawa-Fluss, Las Chinchillas Nationalreservat, Auco, Chile (Wreck Island, Australien) South Carolina, USA 5 2 30,000 Anzahl Individuen (unit efforts) Relativer Häufigkeitsindex Anzahl Individuen 1970 2005 1970 2005 1970 2005 Grauer Baumfrosch (Hyla versicolor), Wisconsin, USA Walhai (Rhincodon typus), Indischer Ozean (Andamansee, Thailand) Flusspferd (Hippopotamus amphibius), Dem. Republik Kongo LIVING PLANET REPORT 2008 15