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Lambert Heller
Berlin
November 2010
Das Web als Infrastruktur und
Werkzeugkasten für die Wissenschaft
2
Agenda
Modelle:
Wissenschaftler twittern über neue Literatur
„Open Notebook Science“
Bloggende Wissenschaftler
Schlußfolgerungen und Thesen
Einige Barrieren
Alle Quellenangaben unter
http://www.delicious.com/lambo/wiww2010
- Ihre Ergänzungen und Diskussionsbeiträge unter
http://www.delicious.com/tag/wiww2010
3
Wissenschaftler twittern über neue Literatur 1/3
• Kleine Untersuchung darüber, wie Wissenschaftler auf peer-
reviewte Literatur in Twitter hinweisen
• Nebenher: Ein Beispiel für digitale Ethnographie / Netnographie
• Laut vorangegangener Untersuchung twittern in der US-
Hochschullehre ca. ⅓ der Dozenten (FacultyFocus 2010)
• Methode quantitativ: 3.200 Tweets von einem nicht-
repräsentativen Sample quer durch Disziplinen
• Methode qualitativ: Zusätzlich teilstrukturierte Telefoninterviews
Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
4
Wissenschaftler twittern über neue Literatur 2/3
• Typisch: Tweet-Zitate zweiter Ordnung, d.h. Link auf im Web
frei zugängliche Ressource, in der peer-reviewte Literatur
verlinkt oder beschrieben wird. Im untersuchten Sample: 52%
direkte Links, 33% Tweets zweiter Ordnung, mit Link, sowie
15% Tweets zweiter Ordnung, ohne Link.
Qualitativ:
• Schneller hinweisen als bis eigene Verarbeitung erscheint.
(56% der untersuchten Twitter-Verweise noch im Monat der
Publikation.)
• Vertrauensnetzwerk als Filter nutzen: “I trust [the people I
follow] and they trust me to contribute to the conversation of
what to pay attention to.”
• Statement über Wichtigkeit einer Publikation für das Fach.
Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
5
Wissenschaftler twittern über neue Literatur 3/3
• Potential für alternative Metriken: Getwittert wird häufig, rasch,
und quer durch verschiedene Fächer – Twittern, Bookmarken
etc. als ein weiterer Indikator neben Zitaten in Aufsätzen.
• Vgl. Nenntwich et al. 2009: „Schließlich ist festzuhalten, dass
Microblogging ein sich noch stark weiterentwickelndes, neues
Kommunikationsmedium darstellt (… Es ist) zu vermuten, dass
es sich plattformunabhängig als Kommunikationsprinzip
erhalten dürfte, auch in der Wissenschaft. “
Anschließende Überlegungen:
• Schnell und einfach, weil Werkzeuge genommen werden
können, die da sind. (D.h. kommerzielle Anbieter)
• Fast sicher: Daß Wissenschaftler sich gegenseitig auf
interessante neue Papers hinweisen, wird nicht ursprüngliche
Intention der Twitter-Gründer gewesen sein.
Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
6
„Open Notebook Science“ (JC Bradley 2006)
• “(...) there is a URL to a laboratory notebook (...) that is freely available
and indexed on common search engines. It (...) is essential that all of
the information available to the researchers to make their conclusions is
equally available to the rest of the world.” (Jean-Claude Bradley in
seinem Weblog, 2006)
• Austausch und Pflege von Praktiker-Wissen über die Grenzen der
Labors hinweg. (Löslichkeitswerte, fehlgeschlagene Versuche etc.)
• Qualitative Veränderungen: Neue Forschungswege und -ergebnisse
mit Hilfe der neuen Medien. (Vgl. Nenntwichs Definition Cyberscience)
• Potential der Beschleunigung, aber auch der rigorosen Überprüfung
des Forschungsprozesses.
• Bessere „Studierbarkeit“ des Forschungsprozesses.
• Vgl. auch das Interview von Richard Poynder mit Jean-Claude Bradley
in Information Today (Poynder 2010), sowie Cameron Neylon et al. in
OpenWetWare
7
Bloggende Wissenschaftler
• „Blogs are bringing the tools of scholarly communication to the
mass market, and with the leverage the mass market gives the
technology, may well overwhelm the traditional forms“ (David
S.H. Rosenthal 2007)
• Seit 2008 zahlreiche Startups wie Researchgate, Mendeley,
Academia.edu, angelehnt an delicious.com, Facebook etc.
• Entstehung von RSS/XML-Feeds um 2000 aus Experimenten
mit den (damals neuen) Weblogs u.a. durch Dave Winer.
• Heute sind Konzepte blogartiger Darstellung/Verwaltung und
Inhalten im Web sowie XML-Feeds grundlegend, letztere u.a. in
der wissenschaftlichen Datenbankrecherche.
8
Schlußfolgerungen und Thesen
1. Innovation und Popularisierung neuer Anwendungen beginnt
im Internet unkoordiniert, an den Rändern. Sie sind
„schmutzig“: Kommerz, Spam, Scheitern etc. gehören immer
dazu, denn das Internet selbst ist „wertlos“ und inhaltsneutral.
(Searls/Weinberger 2003, „World of Ends“)
2. Wissenschaftler probieren aus, was da ist. Warten z.B. nicht
auf perfekte Lösungen, vgl. Verbreitung der E-Mail. Was sich
bewährt, bleibt, und es mutiert zu neuen Anwendungen.
3. Bibliotheken werden dadurch nicht obsolet – wenn sie ihre
Rollen neu bestimmen.
9
Zur Diskussion gestellt: Einige Barrieren
1. Zu kurz greifendes Verständnis der Medienrevolution. Beispiel:
„Katalogbenutzer wollen nicht taggen!“ (Vgl. Spalding 2007)
2. Klammern am alten Paradigma. Beispiel: „Datasets: Supply
Excel (.xls), RTF, or PDF files.“ (Vgl. Murray-Rust 2010)
3. Vernetzte / offene Innovation meiden um vermeintliche
Konkurrenzvorteile für die eigene Einrichtung zu sichern.
4. Aufgeblähte Anforderungsspezifikationen vs. kurze
Entwicklungszyklen. (Vgl. Nowak, Heller und Korzen 2010)
5. „Wein predigen und Wasser trinken“ in Hinsicht auf Open
Access / Open Data (Bargmann 2007)
6. ...
10
Fragen / Diskussion
• Gern auch nach dieser Veranstaltung:
• lambert.heller@tib.uni-hannover.de
• http://wikify.org/
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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Das Web als Infrastruktur und Werkzeugkasten für die Wissenschaft

  • 1. Lambert Heller Berlin November 2010 Das Web als Infrastruktur und Werkzeugkasten für die Wissenschaft
  • 2. 2 Agenda Modelle: Wissenschaftler twittern über neue Literatur „Open Notebook Science“ Bloggende Wissenschaftler Schlußfolgerungen und Thesen Einige Barrieren Alle Quellenangaben unter http://www.delicious.com/lambo/wiww2010 - Ihre Ergänzungen und Diskussionsbeiträge unter http://www.delicious.com/tag/wiww2010
  • 3. 3 Wissenschaftler twittern über neue Literatur 1/3 • Kleine Untersuchung darüber, wie Wissenschaftler auf peer- reviewte Literatur in Twitter hinweisen • Nebenher: Ein Beispiel für digitale Ethnographie / Netnographie • Laut vorangegangener Untersuchung twittern in der US- Hochschullehre ca. ⅓ der Dozenten (FacultyFocus 2010) • Methode quantitativ: 3.200 Tweets von einem nicht- repräsentativen Sample quer durch Disziplinen • Methode qualitativ: Zusätzlich teilstrukturierte Telefoninterviews Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
  • 4. 4 Wissenschaftler twittern über neue Literatur 2/3 • Typisch: Tweet-Zitate zweiter Ordnung, d.h. Link auf im Web frei zugängliche Ressource, in der peer-reviewte Literatur verlinkt oder beschrieben wird. Im untersuchten Sample: 52% direkte Links, 33% Tweets zweiter Ordnung, mit Link, sowie 15% Tweets zweiter Ordnung, ohne Link. Qualitativ: • Schneller hinweisen als bis eigene Verarbeitung erscheint. (56% der untersuchten Twitter-Verweise noch im Monat der Publikation.) • Vertrauensnetzwerk als Filter nutzen: “I trust [the people I follow] and they trust me to contribute to the conversation of what to pay attention to.” • Statement über Wichtigkeit einer Publikation für das Fach. Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
  • 5. 5 Wissenschaftler twittern über neue Literatur 3/3 • Potential für alternative Metriken: Getwittert wird häufig, rasch, und quer durch verschiedene Fächer – Twittern, Bookmarken etc. als ein weiterer Indikator neben Zitaten in Aufsätzen. • Vgl. Nenntwich et al. 2009: „Schließlich ist festzuhalten, dass Microblogging ein sich noch stark weiterentwickelndes, neues Kommunikationsmedium darstellt (… Es ist) zu vermuten, dass es sich plattformunabhängig als Kommunikationsprinzip erhalten dürfte, auch in der Wissenschaft. “ Anschließende Überlegungen: • Schnell und einfach, weil Werkzeuge genommen werden können, die da sind. (D.h. kommerzielle Anbieter) • Fast sicher: Daß Wissenschaftler sich gegenseitig auf interessante neue Papers hinweisen, wird nicht ursprüngliche Intention der Twitter-Gründer gewesen sein. Empirische Untersuchung Priem/Costello 2010
  • 6. 6 „Open Notebook Science“ (JC Bradley 2006) • “(...) there is a URL to a laboratory notebook (...) that is freely available and indexed on common search engines. It (...) is essential that all of the information available to the researchers to make their conclusions is equally available to the rest of the world.” (Jean-Claude Bradley in seinem Weblog, 2006) • Austausch und Pflege von Praktiker-Wissen über die Grenzen der Labors hinweg. (Löslichkeitswerte, fehlgeschlagene Versuche etc.) • Qualitative Veränderungen: Neue Forschungswege und -ergebnisse mit Hilfe der neuen Medien. (Vgl. Nenntwichs Definition Cyberscience) • Potential der Beschleunigung, aber auch der rigorosen Überprüfung des Forschungsprozesses. • Bessere „Studierbarkeit“ des Forschungsprozesses. • Vgl. auch das Interview von Richard Poynder mit Jean-Claude Bradley in Information Today (Poynder 2010), sowie Cameron Neylon et al. in OpenWetWare
  • 7. 7 Bloggende Wissenschaftler • „Blogs are bringing the tools of scholarly communication to the mass market, and with the leverage the mass market gives the technology, may well overwhelm the traditional forms“ (David S.H. Rosenthal 2007) • Seit 2008 zahlreiche Startups wie Researchgate, Mendeley, Academia.edu, angelehnt an delicious.com, Facebook etc. • Entstehung von RSS/XML-Feeds um 2000 aus Experimenten mit den (damals neuen) Weblogs u.a. durch Dave Winer. • Heute sind Konzepte blogartiger Darstellung/Verwaltung und Inhalten im Web sowie XML-Feeds grundlegend, letztere u.a. in der wissenschaftlichen Datenbankrecherche.
  • 8. 8 Schlußfolgerungen und Thesen 1. Innovation und Popularisierung neuer Anwendungen beginnt im Internet unkoordiniert, an den Rändern. Sie sind „schmutzig“: Kommerz, Spam, Scheitern etc. gehören immer dazu, denn das Internet selbst ist „wertlos“ und inhaltsneutral. (Searls/Weinberger 2003, „World of Ends“) 2. Wissenschaftler probieren aus, was da ist. Warten z.B. nicht auf perfekte Lösungen, vgl. Verbreitung der E-Mail. Was sich bewährt, bleibt, und es mutiert zu neuen Anwendungen. 3. Bibliotheken werden dadurch nicht obsolet – wenn sie ihre Rollen neu bestimmen.
  • 9. 9 Zur Diskussion gestellt: Einige Barrieren 1. Zu kurz greifendes Verständnis der Medienrevolution. Beispiel: „Katalogbenutzer wollen nicht taggen!“ (Vgl. Spalding 2007) 2. Klammern am alten Paradigma. Beispiel: „Datasets: Supply Excel (.xls), RTF, or PDF files.“ (Vgl. Murray-Rust 2010) 3. Vernetzte / offene Innovation meiden um vermeintliche Konkurrenzvorteile für die eigene Einrichtung zu sichern. 4. Aufgeblähte Anforderungsspezifikationen vs. kurze Entwicklungszyklen. (Vgl. Nowak, Heller und Korzen 2010) 5. „Wein predigen und Wasser trinken“ in Hinsicht auf Open Access / Open Data (Bargmann 2007) 6. ...
  • 10. 10 Fragen / Diskussion • Gern auch nach dieser Veranstaltung: • lambert.heller@tib.uni-hannover.de • http://wikify.org/
  • 11. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!