SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
HR-REPORT 2015/2016
SCHWERPUNKT
UNTERNEHMENSKULTUR
Eine empirische Studie des Instituts für Beschäftigung und
Employability IBE im Auftrag von Hays für Deutschland,
Österreich und die Schweiz
2 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
Management Summary 	 3
1 	 Hintergrund und Methodik 	 4
1.1 	 Hintergrund und Aufbau
	 der Studie 	 5
1.2 	 Methodik und Statistik 	 6
2 	 Die Top-HR-Themen 	 8
3 	 Schwerpunktthema
	 Unternehmenskultur 	 10
3.1 	 Kommunikation 	 14
3.2 	 Führung 	 16
3.3 	 Flexibilität/
	 Veränderungsbereitschaft 	 18
3.4 	 Transparenz 	 20
3.5 	 Teilhabe/Partizipation 	 22
3.6 	 Vielfalt 	 24
4 	 Erfolgskritische
	 Handlungsfelder 	 26
4.1 	 Mitarbeitergewinnung 	 27
4.2 	 Mitarbeiterbindung 	 28
Schlussfolgerungen	30
Handlungsfelder 	 31
INHALT
AUTOREN
Silke Eilers, IBE
Kathrin Möckel, Hays
Prof. Dr. Jutta Rump, IBE
Frank Schabel, Hays
VORWORT
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
in den fünf Jahren, in denen wir den HR-Report veröffentlichen, hat sich bei den
empirischen Ergebnissen einiges bewegt. Bei der Rangfolge der wichtigsten HR-
Themen tut sich dagegen kaum etwas: Die weichen Themen Kultur, Führung,
Mitarbeiterbindung und Beschäftigungsfähigkeit hängen die anderen Themen
nach wie vor um Längen ab.
Die Krux an diesen weichen Themen ist nur: Sie lassen sich so schwer umsetzen.
Nach wie vor korrespondiert ihre zentrale Bedeutung keineswegs mit dem, was
Organisationen realisieren. Denn die weichen Themen lassen sich nicht per
Knopfdruck bedienen. Auch lassen sich schnelle Lösungen nicht aus dem Ärmel
zaubern. Sie benötigen Zeit, viel Zeit. Und nachhaltig agierende Führungskräfte,
die sie in ihrem Alltag leben. Bekanntlich sind Werte nur so gut, wie sie gelebt
werden – hier gehen die Manager als Vorbild oder als negatives Beispiel voran.
Für die Unternehmenskultur ist Führung daher ein zentraler Faktor. Eine noch
wichtigere Rolle spielt aber die Kommunikation. Diese setzen die Befragten des
HR-Reports auf Platz 1 der die Kultur am meisten prägenden Faktoren, wie unser
diesjähriges Schwerpunktthema Unternehmenskultur aufzeigt. Klar gesagt:
Kommunikation ist nicht gleichbedeutend mit offiziellen Verlautbarungen des
Topmanagements an die Mitarbeiter. Vielmehr geht Kommunikation alle Mitar-
beiter an und gerade die Bedeutung der kurzen Gespräche in Kaffeeecken kann
gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie sind in hohem Maße kulturstiftend.
Während die Befragten dabei betonen, wie wichtig ein offener Umgang mit
kritischen Themen und eine wertschätzende Kommunikation der Führungskräfte
sei, zeigen die empirischen Zahlen in Sachen Umsetzung ein anderes Bild.
Es besteht hoher Handlungsbedarf; zum einen in Richtung der Führungskräfte,
die zu begreifen haben, dass ihre Rolle in allererster Linie eine kommunikative ist.
Und zum Zweiten signalisieren die schwachen Umsetzungszahlen dem Top-
management, Kritik als Chance zu begreifen, nicht als Risiko.
Diese Diskrepanzen zwischen der hohen Wichtigkeit der Themen und dem, was
davon realisiert ist, zeichnet sich als zentrale Erkenntnis folglich auch in diesem
aktuellen HR-Report ab. Noch zu viele Unternehmen verschenken dadurch ver-
heißungsvolle Optionen für ihr Geschäft. Leider. Denn die digitale Transformation
gelingt in unseren Augen nur den Unternehmen, die nicht allein auf technologi-
sche und prozessuale Innovationen setzen, sondern vor allem die kulturellen und
sozialen Aspekte angehen.
Wir wünschen Ihnen wieder eine hoffentlich anregende Lektüre unseres neuen
HR-Reports. Kommen Sie auf uns zu, wenn Sie mit uns über die Ergebnisse disku-
tieren möchten oder zu einigen Punkten noch weitere Hintergrundinformationen
wünschen.
Prof. Dr. Jutta Rump und Klaus Breitschopf
Klaus Breitschopf
Vorstandsvorsitzender
der Hays AG
Prof. Dr. Jutta Rump
Direktorin des Instituts für Beschäftigung
und Employability IBE
IMPRESSUM
Herausgeber:	 Hays AG
	 Institut für Beschäftigung
	 und Employability IBE
Chefredaktion: 	Frank Schabel, Hays
Gestaltung: 	 Hays
Druck:	 Kraft Druck GmbH,
	Ettlingen
Auflage:	 5.000
Fotos:	 Hays
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 3
MANAGEMENT
SUMMARY
Die Top-HR-Themen sind in diesem Jahr die Weiterent-
wicklung der Unternehmenskultur (41 %), die Mitarbeiter-
bindung (38 %) und die Förderung der Beschäftigungs-
fähigkeit (34 %) – wie in den letzten Jahren befinden
sich also ausschließlich weiche Themen auf den ersten
Plätzen. Die Mitarbeiter auf die digitale Transformation
vorzubereiten (16 %) ist bei den Entscheidern noch nicht
als Topthema verankert.
Die Unternehmenskultur wird am stärksten durch die
Kommunikation (34 %) beeinflusst, gefolgt von Führung
(26 %) und Flexibilität bzw. Veränderungsbereitschaft
(25 %). Dagegen erhalten die Bereiche Transparenz (10 %),
Teilhabe/Partizipation (4 %) und Vielfalt (2 %) nur geringe
Werte. In diesen sechs Feldern sind die befragten Unter-
nehmen nach Aussagen der Entscheider nur befriedigend
aufgestellt.
Die größten Herausforderungen für Führungskräfte lauten:
das Managen von Veränderungen (80 %), der Umgang mit
der steigenden Komplexität im Führungsbereich (68 %)
und die Wahrnehmung der Vorbildfunktion (56 %).
Wie im Vorjahr zeigt sich nach wie vor ein erheblicher
Nachholbedarf bei der Umsetzung dieser Herausforde-
rungen in konkrete Maßnahmen.
Führungskräfte sollen vor allem eine Feedbackkultur
etablieren, ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter
haben, Freiräume gewähren, die Belegschaft motivieren
und Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter aufzeigen.
Die zentralen Stolpersteine für die Führung sind die
gleichen wie im letzten Jahr: die mangelnde Zeit für Füh-
rungsaufgaben (76 %) und das Loslassen der Mitarbeiter
zur Förderung der Eigenverantwortung (65 %).
Nicht einmal jeder fünfte Befragte sieht, dass seine
Organisation das notwendige Tempo für die Umsetzung
von Veränderungen vorgibt. Auch der aktive Umgang
mit Veränderungen ist noch nicht einmal in der Hälfte
der Unternehmen umgesetzt.
Mitarbeiter lassen sich am besten durch interessante
Aufgaben (71 %), ein gutes Betriebsklima (65 %) und eine
marktgerechte Entlohnung (49 %) motivieren. Als weniger
bedeutend angesehen werden dagegen die Themen flexi-
ble Arbeitszeiten (47 %), Personalentwicklung (43 %)
sowie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (42 %).
Zwei Drittel der befragten Unternehmen suchen ihre Fach-
kräfte nur im Inland. Wie in den Vorjahren wird internatio-
nal vor allem im deutschsprachigen Ausland (37 %) und in
Westeuropa (26 %) rekrutiert. Mit zunehmender Unterneh-
mensgröße steigt auch die internationale Rekrutierung.
Im Bereich Kommunikation werden dem offenen Umgang
mit kritischen Themen (81 %), der wertschätzenden Kom-
munikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern
(72 %) sowie der Etablierung einer Feedbackkultur (69 %)
höchste Bedeutung beigemessen. Bei diesen drei wichti-
gen Themen klaffen jedoch gravierende Lücken zwischen
Soll und Ist.
4 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 1
HINTERGRUND UND METHODIK
Der vorliegende fünfte HR-Report widmet sich wie gewohnt den zentralen
HR-Fragestellungen in Unternehmen und Institutionen in Deutschland,
Österreich und der Schweiz. Wir verstehen unter HR-Themen nicht die
originären Aufgaben des Personalbereichs. Vielmehr geht es uns im
HR-Report um mitarbeiterbezogene Handlungsfelder und Maßnahmen,
welche die gesamte Organisation betreffen.
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 5
1.1 Hintergrund und Aufbau der Studie
Das Schwerpunktthema in diesem HR-Report bildet die
Unternehmenskultur und schließt sich thematisch nahtlos
an den letztjährigen Fokus auf die Führung an. Denn in
der Realität von Organisationen zeigt sich, dass gerade die
Unternehmenskultur und ihr Vorleben durch die Führungs-
kräfte entscheidende Querschnittsthemen darstellen:
Mit ihnen steht und fällt der unternehmerische Erfolg.
Wir haben die aus unserer Sicht entscheidenden Faktoren
der Unternehmenskultur vorab definiert und anhand kon-
kreter Maßnahmen und Instrumente hinterfragt, wie sich
Bedeutung und tatsächliche Umsetzung im Unternehmen
zueinander verhalten. In Kapitel 3 sind die Ergebnisse aus-
führlich dargestellt. Aufgrund des großen Umfangs unseres
diesjährigen Schwerpunktthemas haben wir uns entschie-
den, im HR-Report 2015/2016 mit Mitarbeiterbindung und
-gewinnung nur zwei weitere Handlungsfelder zu vertiefen.
Die Themen Vielfalt und Führung, die in den Vorjahren
eigene Handlungsfelder darstellten, werden aufgrund ihres
engen Bezugs zum Schwerpunkt Unternehmenskultur
behandelt. Auch die Betrachtung zentraler Trends in der
Unternehmens- und Personalpolitik unterbleibt in diesem
Jahr. Abbildung 1 zeigt den Bezugsrahmen des HR-Reports.
Der HR-Report ist eine seit 2011 jährlich
durchgeführte Studienreihe von Hays
und des Instituts für Beschäftigung und
Employability IBE. Die bisherigen Ergebnisse
sind unter hays.de/studien veröffentlicht.
Abbildung 1
Bezugsrahmen der Langzeitbetrachtung des HR-Reports
Führung
Förderung der Beschäftigungsfähigkeit
Mitarbeitergewinnung
Mitarbeiterbindung
Frauenförderung
Work-Life-Balance
Unternehmens-
kultur
6 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
1.2 Methodik und Statistik
Im Jahr 2015/2016 haben 532 Entscheider1
, davon 49 Pro-
zent aus Deutschland, 20 Prozent aus Österreich und
32 Prozent aus der Schweiz, an der Online-Umfrage zum
HR-Report teilgenommen.2
Von den Befragten gehören 18 Prozent zur Unternehmens-
leitung. Der Anteil an Führungskräften aus dem HR-Be-
reich beträgt 25 Prozent, aus Fachabteilungen 38 Prozent.
Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung nahmen zu
19 Prozent an der Umfrage zum HR-Report 2015/2016 teil
(Abbildung 2).
Bezogen auf die Unternehmensgröße stammen mehr als
die Hälfte der Befragten (54 %) aus Unternehmen mit
weniger als 1.000 Mitarbeitern. 18 Prozent der Teilnehmer
kommen aus Betrieben mit 1.000 bis unter 5.000 Mitar-
beitern, weitere 28 Prozent sind Vertreter von großen
Unternehmen mit 5.000 und mehr Beschäftigten.
Die Umfrageteilnehmer stammen schwerpunktmäßig aus
Unternehmen (87 %), wobei der Dienstleistungsbereich
(52 %) stärker als Industrieunternehmen (35 %) vertreten
ist. Befragte aus dem öffentlichen Sektor sind zu 13
Prozent vertreten.
Auch 2015/2016 ist der Anteil der männlichen Befragten
mit 61 Prozent deutlich höher als der der weiblichen Be-
fragten mit 37 Prozent.3
Die Altersgruppen der Entscheider
verteilen sich wie folgt: 23 Prozent sind bis zu 40 Jahre alt,
38 Prozent zwischen 40 und unter 50 Jahre, 36 Prozent
sind 50 Jahre und älter.4
Die folgende Ergebnisdarstellung erfolgt in der Regel auf
Basis aller Befragten. Spezifische Ergebnisse, bezogen auf
Alter oder Geschlecht der Befragten, auf ihre Position im
Unternehmen, die Unternehmensgröße, den Sektor oder
das Land, werden einzelfallbezogen dargestellt.
1	
Aus Gründen der vereinfachten Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet. Angesprochen sind jedoch stets beide Geschlechter.
2
	Rundungsbedingt kann die Summe der Prozentwerte auch 99 Prozent oder 101 Prozent betragen.
3
	2 Prozent der Befragten machte keine Angabe zu ihrem Geschlecht.
4
	3 Prozent der Befragten machte keine Angabe zu ihrem Alter.
KAPITEL 1 Hintergrund und Methodik
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 7
Abbildung 2
Struktur der Befragten
UNTERNEHMENSGRÖSSE BRANCHE
ALTER DER BEFRAGTENPOSITION
54 %
28 %
18 %
13 %
35 %
38 %
18 %
25 %
19 %
23 %
36 %
38 %
Weniger als 1.000
Mitarbeiter
1.000 bis 4.999
Mitarbeiter
Mehr als 5.000
Mitarbeiter
Dienstleistungsbereich
Industrieunternehmen
Öffentlicher Sektor
Unter 40-Jährige
40- bis 49-Jährige
Ab 50-Jährige
Führungskräfte
Fachbereiche
Führungskräfte HR
Mitarbeiter
Unternehmensleitung
52 %
8 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 2
DIE TOP-HR-THEMEN
Ein festes Element des HR-Reports bildet die Frage, welche HR-Themen aus
Sicht der befragten Entscheider die drei wichtigsten sind. Für den HR-Report
2015/2016 haben wir das Thema Vorbereitung der Mitarbeiter auf die digitale
Transformation um die bestehenden Punkte ergänzt.
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 9
Seit dem ersten HR-Report im Jahr 2011 sind die Themen
Führung, Unternehmenskultur, Mitarbeiterbindung und
Beschäftigungsfähigkeit stets unter den Top Five der
wichtigsten HR-Themen zu finden. Dies ist auch im aktuel-
len HR-Report der Fall: Auf den ersten drei Plätzen liegen
in dieser Reihenfolge die Weiterentwicklung der Unter-
nehmenskultur, die Mitarbeiterbindung und die Förderung
der Beschäftigungsfähigkeit. Die Führung, die letztes Jahr
noch das Topthema war, ist auf Platz 4 gerutscht. Dagegen
ist die digitale Transformation in den Köpfen der Entschei-
der noch nicht als Topthema verankert. Nach wie vor als
weniger wichtig bewerten die Befragten die Punkte Diver-
sity und Vergütungsmodelle, die auf den letzten Plätzen
der Topthemen liegen. (Abbildung 3).
Aufschlussreich ist bei den Top-HR-Themen die Auswer-
tung nach der Position der Befragten im Unternehmen
sowie nach dem Standort des Unternehmens. Sowohl die
Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen als auch die Etablie-
rung einer Work-Life-Balance werden von den befragten
Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung für sehr viel
wichtiger erachtet als von den Führungskräften.
Dies fällt insbesondere bei der Work-Life-Balance auf. Für
42 Prozent der Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung
ist sie ein Top-Drei-Thema, aber nur für 22 Prozent der be-
fragten Geschäftsführer und 13 Prozent der Führungskräfte
aus dem HR-Bereich. Letzteren wiederum ist der Ausbau
der Führung im Unternehmen sehr viel wichtiger (49 %)
als den Führungskräften aus den Fachabteilungen (26 %)
und den Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung (27 %).
Neben der Mitarbeiterbindung ist den befragten Topma-
nagern die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit der
Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen (40 %, verglichen mit
34 % bzw. 35 % der Führungskräfte aus HR-Bereich und
Fachabteilungen sowie lediglich 27 % der Mitarbeiter ohne
Führungsverantwortung).
Zwischen den Ländern zeigen sich ebenfalls deutliche Un-
terschiede. Wie in den Vorjahren nehmen der Ausbau der
Führung, die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und
die Steuerung der demografischen Entwicklung bei den
deutschen Entscheidern eine sehr viel höhere Bedeutung
ein als bei ihren Kollegen aus Österreich und der Schweiz.
Gleiches gilt für den neu hinzugekommenen Aspekt, die
Mitarbeiter im Unternehmen auf die digitale Transformati-
on vorzubereiten. Diesen sehen 22 Prozent der deutschen,
jedoch nur neun Prozent der österreichischen und elf
Prozent der Schweizer Entscheider unter den Top-Drei-HR-
Themen 2015. Der Mitarbeiterbindung wird in der Schweiz
und in Österreich mit jeweils 45 Prozent der Nennungen
ein höheres Gewicht eingeräumt als in Deutschland (32 %).
Ebenso verhält es sich mit der Etablierung einer Work-
Life-Balance für Mitarbeiter (38 % in Österreich und 30 %
in der Schweiz, verglichen mit 20 % in Deutschland). Deut-
lich wichtiger als in Deutschland (20 %) wird, analog zu
den Ergebnissen des letzten Jahres, das Talent-Manage-
ment in Österreich (36 %) und der Schweiz (32 %)
angesehen.
Abbildung 3
Die wichtigsten HR-Themen/Handlungsfelder
Basis n = 532 Befragte
Unternehmenskultur
weiterentwickeln
Mitarbeiter binden
Beschäftigungsfähigkeit
der Mitarbeiter fördern
Führung im
Unternehmen ausbauen
Arbeitsstrukturen
flexibilisieren
Work-Life-Balance für
Mitarbeiter etablieren
Talent Management
ausbauen
Demografische
Entwicklung steuern
Neue Mitarbeiter gewinnen
Mitarbeiter auf die digitale
Transformation vorbereiten
Diversity im
Unternehmen fördern
Neue Vergütungs-
modelle aufsetzen
0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
10 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 3
SCHWERPUNKT UNTERNEHMENSKULTUR
Im HR-Report wurde der Unternehmenskultur bei der Nennung der zentralen
HR-Themen in den vergangenen Jahren immer ein hoher bzw. sehr hoher
Stellenwert beigemessen. Als Querschnittsthema prägt die Unternehmens-
kultur alle HR-Handlungsfelder und Maßnahmen zu deren Etablierung im
Unternehmensalltag entscheidend mit. Denn die im Miteinander gelebten
Normen, Werte und Orientierungen beeinflussen maßgeblich das Denken
und Handeln der Beschäftigten. Dabei wird oft der Vergleich mit einem Eis-
berg herangezogen: Neben den sichtbaren Elementen der Kultur weisen
insbesondere die unsichtbaren und dennoch prägenden Muster, Werte und
Annahmen eine hohe Relevanz auf.5
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 11
Die Unternehmenskultur ist damit das zentrale „Wertefun-
dament“ und bildet die Basis für den unternehmerischen
Erfolg. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass sowohl die Mit-
arbeiter als auch die Führungskräfte die Strategien und
Ziele ihres Arbeitgebers engagiert und motiviert umset-
zen. Gerade in Anbetracht der Trends zu mehr Individua-
lisierung und einer höheren unternehmerischen Vielfalt in
der Belegschaft trägt die Kultur in hohem Maße dazu bei,
einen gemeinsamen, sinnstiftenden Rahmen im Sinne eines
„kulturellen Kerns“ zu vermitteln. Um sich ihr begrifflich
zu nähern und sie für den HR-Report 2015/2016 zu ope-
rationalisieren, haben wir sechs Bereiche identifiziert, die
aus unserer Sicht die Unternehmenskultur am stärksten
beeinflussen. Die Frage nach dem wichtigsten Thema der
Unternehmenskultur zeigt, dass Kommunikation ganz oben
steht, gefolgt von Führung und Flexibilität bzw. Verände-
rungsbereitschaft (Abbildung 4). Dagegen erhalten die
Bereiche Transparenz, Teilhabe/Partizipation und vor allem
Vielfalt geringe Zustimmungswerte. Gefragt, wie gut die
befragten Unternehmen in diesen sechs Feldern der Un-
ternehmenskommunikation aufgestellt sind, zeigt sich ein
eher ernüchterndes Bild (Abbildung 5). Das Ergebnis ist
über alle Themen hinweg ‚nur‘ befriedigend. Den schlech-
testen Mittelwert weisen hier die beiden Bereiche Teilhabe/
Partizipation (3,00) und Transparenz (2,96) auf.
5
	Vgl.: Schein, E. H. (1995): Unternehmenskultur, Frankfurt 1995; Schmitt, M. (2015): Innovationskultur – Grundlage einer zukunftsfähigen Arbeitskultur, in: Widuckel, W./
	 de Molina, K./Ringlstetter, M. J./Frey, D. (Hrsg.) (2015): Arbeitskultur 2020. Herausforderungen und Best Practices der Arbeitswelt der Zukunft, Wiesbaden 2015, S. 73–87.
Abbildung 4
Auswahl des wichtigsten Themas in der Unternehmenskultur
Kommunikation
Führung
Teilhabe/Partizipation
Flexibilität/
Veränderungsbereitschaft
Transparenz
Vielfalt
0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %10 % 30 % 50 % 70 % 90 %
34 %
25 %
25 %
10 %
4 %
2 %
Basis n = 532 Befragte
•	 Kommunikation •	 Vielfalt
•	 Führung •	 Transparenz
•	 Flexibilität/
	Veränderungsbereitschaft
•	 Teilhabe/
	Partizipation
Die stärksten Bereiche in der Unternehmenskultur:
12 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
Abbildung 5
Wie gut sind die Unternehmen in den einzelnen Bereichen der Unternehmenskultur aufgestellt?
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
55 % 30 % 11 %
42 % 39 % 18 %
37 % 46 % 17 %
33 % 42 % 25 %
32 % 42 % 25 %
32 % 45 % 19 %
Kommunikation
Führung
Teilhabe/Partizipation
Flexibilität/
Veränderungsbereitschaft
Transparenz
Vielfalt
Diese empirischen Ergebnisse variieren nach der Position
der Entscheider im Unternehmen. So halten 42 Prozent der
befragten Geschäftsführer Kommunikation für den wich-
tigsten Bereich, verglichen mit 36 Prozent der Führungs-
kräfte aus Fachabteilungen, 29 Prozent der Mitarbeiter
ohne Führungsverantwortung und 27 Prozent der Füh-
rungskräfte aus HR-Abteilungen. Wenn es um den Bereich
Führung geht, dreht sich das Verhältnis nahezu um.
So sehen die Führungskräfte aus den HR-Abteilungen
diesen Bereich als besonders entscheidend an (35 %),
dicht gefolgt von den Mitarbeitern ohne Führungsver-
antwortung (31 %). Jedoch teilen nur 19 Prozent der
Führungskräfte aus Fachabteilungen und 18 Prozent der
Vertreter der Geschäftsleitung diese Ansicht.
Basis n = 532 Befragte Sehr gut/gut Befriedigend Mangelhaft/ungenügend k. A.
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 13
Über alle Bereiche der Unternehmenskultur hinweg sehen
die Vertreter der Geschäftsleitung ihre Unternehmen häu-
figer als sehr gut oder gut aufgestellt – im Gegensatz zu
den anderen befragten Gruppen. Am deutlichsten zeigt
sich diese unterschiedliche Wahrnehmung bei den Aspek-
ten Kommunikation und Führung. So geben bezüglich der
Kommunikation 63 Prozent und bezüglich der Führung
59 Prozent der Topmanager an, ihr Unternehmen sei sehr
gut oder gut aufgestellt. Im Vergleich sehen dies aber nur
39 Prozent bzw. 34 Prozent der Führungskräfte aus dem
HR-Bereich sowie 37 Prozent bzw. 32 Prozent der Füh-
rungskräfte aus Fachabteilungen so.
Deutliche Unterschiede in der Unternehmenskultur zeigen
sich auch im Hinblick auf die Sektoren. So legt der öffent-
liche Sektor großen Wert auf Kommunikation (40 %, ver-
glichen mit 36 % im Dienstleistungssektor und nur 27 %
in der Industrie), während für die Industrie Flexibilität und
Veränderungsbereitschaft die wichtigsten Bereiche der
Unternehmenskultur sind (31 %, verglichen mit 24 % in
den Dienstleistungsunternehmen und 13 % im öffentlichen
Sektor).
In der Umsetzung zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unter-
schied in den Bereichen Teilhabe/Partizipation sowie Flexi-
bilität und Veränderungsbereitschaft, in dem sich Industrie
und Dienstleistungen als sehr viel besser aufgestellt sehen
als der öffentliche Sektor.
Im Folgenden werden die oben genannten Bereiche der
Unternehmenskultur einer näheren Betrachtung unter-
zogen.
WIE GUT SIND DIE UNTERNEHMEN LAUT IHREN FÜHRUNGSKRÄFTEN
IN DEN BEREICHEN KOMMUNIKATION UND FÜHRUNG AUFGESTELLT?
63% 39% 37%
59% 34% 32%
Unternehmensleitung Führungskräfte HR-Bereich
Führungskräfte
Fachabteilungen
Kommunikation
Führung
Angaben: Sehr gut/gut
14 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.1 Kommunikation
Kommunikation ist eines der Kernelemente einer erfolgrei-
chen Unternehmenskultur. Hierbei nimmt eine offene und
durchgängige Informationspolitik über alle Hierarchieebe-
nen hinweg einen hohen Stellenwert ein. Im Rahmen des
HR-Reports 2015/2016 wurden die Entscheider zu zentra-
len Aspekten der Kommunikation im Zusammenhang mit
der Unternehmenskultur befragt – sowohl in Bezug auf
deren Bedeutung als auch auf deren Umsetzung in ihren
Unternehmen. Sofort ins Auge fällt, dass auch im Bereich
Kommunikation die weichen Themen die höchste Bedeu-
tung haben: offener Umgang mit kritischen Themen, wert-
schätzende Kommunikation sowie die Etablierung einer
Feedbackkultur (Abbildung 6).
Aber gerade bei diesen drei wichtigen Themen klaffen
erhebliche Lücken zwischen Soll und Ist.
Abbildung 6
Die wichtigsten Themen im Bereich Kommunikation und deren Umsetzung in den Unternehmen
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Regelmäßige Kommunikation zwischen
Vorstand/Geschäftsführung und Mitarbeitern
Kollaborative
Kommunikationsplattformen
Förderung der
formellen Kommunikation
Etablierung von informellen
Kommunikationsplätzen
Aktives Zuhören
Offener Umgang mit
kritischen Themen
Etablierung einer Feedbackkultur
Wertschätzung in der Kommunikation
auf einer Unternehmensebene
Wertschätzung in der
Kommunikation zwischen
Führungskräften und Mitarbeitern
Hierarchieübergreifende
offene Kommunikation
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 15
Umgekehrt haben Unternehmen die als weniger wichtig
erachteten harten Themen wie informelle Kommunika-
tionsplätze und regelmäßige Kommunikation zwischen
Vorstand und Mitarbeitern wesentlich besser umgesetzt.
Sie sind wohl einfacher zu realisieren. Bei der Differenzie-
rung der Aussagen nach der Position der Befragten im
Unternehmen sind sich alle über die Bedeutung der Aspek-
te recht einig. Ganz anders sieht dies bei der Einschätzung
der Umsetzung aus.
So bewerten die befragten Topmanager den offenen
Umgang mit kritischen Themen und das aktive Zuhören
wesentlich positiver als die übrigen Befragten: 45 Prozent
von ihnen meinen, in ihren Unternehmen werde ein offener
Umgang mit kritischen Themen gepflegt. Allerdings sehen
dies nur 20 Prozent der Führungskräfte aus Fachabteilun-
gen, 16 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich
und 17 Prozent der Mitarbeiter so. Auch bei der Wertschät-
zung in der Kommunikation zwischen Führungskräften und
Mitarbeitern besteht ein deutliches Gap in der Wahrneh-
mung der realen Umsetzung. Während nur 28 Prozent der
Mitarbeiter diese Wertschätzung als umgesetzt ansehen,
trifft dies auf 38 Prozent der Führungskräfte aus Fachab-
teilungen, 40 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Be-
reich und knapp die Hälfte der Vertreter der Geschäftslei-
tungen zu.
Fast identisch verhält es sich mit den Einschätzungen zur
hierarchieübergreifenden offenen Kommunikation: Nur für
23 Prozent der Mitarbeiter und 28 Prozent der Führungs-
kräfte aus Fachabteilungen ist sie gut umgesetzt. Dagegen
stehen 49 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich
sowie 55 Prozent der Vertreter der Geschäftsführung, die
sie als gelebte Realität ansehen.
INWIEWEIT SEHEN FÜHRUNGSKRÄFTE UND MITARBEITER DEN
OFFENEN UMGANG MIT KRITISCHEN THEMEN ALS UMGESETZT AN?
Führungskräfte
HR-Bereich
Unternehmensleitung
Führungskräfte
Fachabteilungen
45 %
20 %
17 %
16 %
Mitarbeiter
Angaben: sehr gut/gut
16 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.2 Führung
Führungskräfte an der Schnittstelle zwischen Unterneh-
mensleitung und Mitarbeitern tragen wesentlich dazu bei,
dass die gewünschte Unternehmenskultur tatsächlich in
der Organisation gelebt wird.
Um den Rahmen zu skizzieren, in dem Führung gegen-
wärtig stattfindet, wurde zunächst nach den fünf größten
Herausforderungen für Führungskräfte gefragt und
danach, welche davon bereits in Angriff genommen
wurden (Abbildung 7).
Wie schon im letzten HR-Report bestehen nach Ansicht
der befragten Entscheider die größten Herausforderungen
im Managen von Veränderungen, im Umgang mit der
steigenden Komplexität im Führungsbereich und in der
Wahrnehmung der Vorbildfunktion.
Wie im Vorjahr zeigt sich hier ein erheblicher Nachholbe-
darf in Bezug darauf, welche dieser Herausforderungen
bereits im Unternehmen angegangen werden.
Im vergangenen Jahr traten die Unterschiede in den Aus-
sagen in Abhängigkeit von der Position der Befragten
deutlich hervor. Dies zeigt sich auch im HR-Report 2015/
2016: Die Einschätzungen zur Bedeutung der Herausforde-
rungen für Führungskräfte gleichen sich weitgehend. Doch
wie im Jahr zuvor sind die Geschäftsleitungen und Füh-
rungskräfte in nahezu allen Bereichen der Ansicht, dass sie
diese großen Herausforderungen schon angegangen sind.
Dagegen antworten die Mitarbeiter deutlich zurückhalten-
der – insbesondere bei der Wahrung von Glaubwürdigkeit
und der Wahrnehmung der Vorbildfunktion, aber auch in
Bezug auf das Managen von Veränderungen.
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
Abbildung 7
Die größten Herausforderungen für Führungskräfte und deren Umsetzung
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Umgang mit wachsender
Komplexität im Führungsbereich
Wahrung von Glaubwürdigkeit
Erreichen der gesetzten Ziele
Umgang mit Kostendruck
Managen von Veränderungen
Wahrnehmung der Vorbildfunktion
Schaffung von Transparenz
Beachtung der eigenen
Work-Life-Balance
Managen der zunehmenden
Vielfalt in der Belegschaft
Basis n = 532 Befragte Größte Herausforderungen Umsetzung
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 17
ANFORDERUNGEN AN FÜHRUNGSKRÄFTE
IN RELATION ZUR UNTERNEHMENSGRÖSSE
Anforderungen an Führungskräfte
Auch bei den Anforderungen, die an Führungskräfte
gestellt werden, zeigen sich hohe Übereinstimmungen
zwischen den Ergebnissen der Jahre 2014 und 2015.
Wie schon im Vorjahr finden sich unter den Top Five das
Etablieren einer Feedbackkultur, die Motivation der Beleg-
schaft, das Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten für
die Mitarbeiter und das Agieren als Ansprechpartner.
Neu aufgerückt in die am häufigsten genannten Anforde-
rungen ist die Gewährung von Freiräumen für Mitarbeiter,
wohingegen das Führen regelmäßiger Mitarbeitergesprä-
che auf Platz 6 rutschte.
Bezogen auf die Unternehmensgröße zeigen sich vor allem
in zwei Aspekten unterschiedliche Einschätzungen der Ent-
scheider. So sehen Großunternehmen häufiger als kleinere
und mittlere Betriebe die Aufgabe von Führungskräften
darin, ihren Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten aufzu-
zeigen und sie zu motivieren (61 % bzw. 65 % in Großunter-
nehmen im Vergleich zu 48 % bzw. 52 % in Betrieben mit
bis zu 999 und 50 Prozent bzw. 51 % in Betrieben mit 1.000
bis 4.999 Mitarbeitern).
Der differenzierte Blick auf die Position der Entscheider
zeigt einige Ergebnisse, die sich eindeutig auf die mit der
Position verbundenen Arbeitsinhalte zurückführen lassen:
So sehen Führungskräfte aus Fachabteilungen die Aufga-
benkoordination deutlich stärker als ihre Aufgabe an als
die übrigen Befragten. Für Führungskräfte aus dem HR-
Bereich haben dagegen die Etablierung einer Feedback-
kultur und das Führen regelmäßiger Mitarbeitergesprä-
che eine viel stärkere Bedeutung. Deutlich divergieren
die Meinungen zur Gewährung von Möglichkeiten für die
Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation: 57 Prozent
der Mitarbeiter erwarten hier Unterstützung von ihren
Führungskräften. Jedoch sehen dies nur je 33 Prozent der
befragten Geschäftsleitungsvertreter und der Führungs-
kräfte aus Fachabteilungen sowie 29 Prozent der HR-Füh-
rungskräfte als Anforderung an sich selbst an. Auch dies
deckt sich mit den Ergebnissen des Vorjahres.
Stolpersteine für Führungskräfte
Auch in Bezug auf die Stolpersteine, mit denen Führungs-
kräfte sich konfrontiert sehen, haben sich die Einschätzun-
gen kaum verändert. Mit großem Vorsprung ist es auch
in 2015 wieder der Mangel an Zeit für Führungsaufgaben.
Diesen Mangel beklagen alle Gruppen, nach denen in
dieser Befragung differenziert wird, gleichermaßen. Die
Problematik, dass Führungskräften zu wenig Zeit für das
operative Tagesgeschäft bleibt, findet sich häufiger in der
Industrie und im Dienstleistungsbereich als im öffentli-
chen Sektor. Zudem tritt sie in Österreich und der Schweiz
stärker auf als in Deutschland. Hier wird jedoch häufiger
als Stolperstein erkannt, die Mitarbeiter „loslassen“ zu
müssen (70 %) als in Österreich (66 %) und vor allem in
der Schweiz (56 %).
61 %
65 %
48 %
52 %51 %
50 %
Großunternehmen 1.000-4.999 Mitarbeiter Bis zu 999 Mitarbeiter
Mitarbeitern Entwicklungs-
möglichkeiten aufzeigen
Mitarbeiter motivieren
18 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.3 Flexibilität/Veränderungsbereitschaft
Unternehmen sehen sich in den vergangenen Jahren zu-
nehmend dynamischeren Rahmenbedingungen mit hoher
Volatilität und einer abnehmenden Prognosefähigkeit der
künftigen Entwicklungen gegenüber. Mehr denn je braucht
man die Fähigkeit, die Prozesse und Strukturen und letzt-
lich die gesamte Wertschöpfungskette so auszugestalten,
dass ein aktiver Umgang mit Veränderungen erfolgen kann
und die erforderliche Geschwindigkeit in der Umsetzung
dieser Veränderungen gewährleistet ist.
Dazu bedarf es nicht zuletzt neuer Organisationsformen
wie die betriebliche Projektwirtschaft. Denn die traditi-
onellen Ablauf- und Aufbauorganisationen können den
rasanten Wandel von Märkten, Dienstleistungen und
Geschäftsmodellen in einem vernetzten, globalisierten und
wissensintensiven Umfeld nicht mehr abbilden. Auch die
Mitarbeiter selbst lassen sich aufgrund ihrer Bedürfnisse
immer weniger in starre Strukturen einbinden.6
Unsere Fragen lauteten daher: Wie flexibel sind die Unter-
nehmen, aus denen die befragten Entscheider kommen?
Und wie hoch schätzen sie die Bedeutung von Flexibilität
und Veränderungsbereitschaft als wichtiges Element der
Unternehmenskultur ein?
Es fällt auf, dass die im Zusammenhang mit Flexibilität
und Veränderungsbereitschaft aufgeführten Punkte –
im Gegensatz zu den anderen abgefragten Bereichen der
Unternehmenskultur – durchweg hohe Zustimmungswerte
erhalten (Abbildung 8). Selbst bei der mit der geringsten
Wichtigkeit versehenen Umsetzung neuer Organisations-
formen sind immerhin noch knapp 50 Prozent der Ent-
scheider von deren Bedeutung überzeugt. Eine hohe
Diskrepanz zwischen Bedeutung und tatsächlicher Um-
setzung tritt jedoch auch hier wieder deutlich zutage.
Am stärksten fällt sie in Bezug auf die Sicherstellung der
erforderlichen Geschwindigkeit bei der Umsetzung von
6
	Vgl.: Rump, J./Schabel, F. (2011): Organisation 2.0 oder: Die Uneinheitlichkeit der Unternehmenswelt, in: Rump, J./Schabel, F./Grabmeier, S. (Hrsg.) (2011):
	 Auf dem Weg in die Organisation 2.0. Mut zur Unsicherheit, Sternenfels 2011, S. 13–21; Abele, E./Reinhart, G. (2011): Zukunft der Produktion.
	 Herausforderungen, Forschungsfelder, Chancen, München 2011.
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 19
Veränderungen aus. Gerade einmal 17 Prozent der Befrag-
ten meinen, dass ihre Organisation das notwendige Tempo
für die Umsetzung von Veränderungen vorlegt. Aber auch
der aktive Umgang mit Veränderungen – das wichtigste
Item aus Sicht der Entscheider – ist noch nicht einmal in
der Hälfte der Unternehmen umgesetzt.
Obgleich sich die Einschätzungen der Entscheider in den
unterschiedlichen Positionen im Unternehmen zur Wichtig-
keit von Flexibilität und Veränderungsbereitschaft nur ge-
ringfügig unterscheiden, zeigt sich in der Beurteilung der
Umsetzung wiederum, dass die Vertreter der Geschäfts-
leitung zu mehr als 60 Prozent die Ansicht vertreten, ihr
Unternehmen gehe aktiv mit Veränderungen um. Diese
Ansicht teilen allerdings nur 42 Prozent der Führungskräfte
aus dem HR-Bereich, 38 Prozent der Führungskräfte aus
Fachabteilungen und 36 Prozent der Mitarbeiter. Wenn-
gleich nicht mit derselben Deutlichkeit, zeigt sich diese
Tendenz auch bei der Herstellung einer hohen Kunden-
nähe. Interessanterweise sind hier die Mitarbeiter stärker
als ihre Führungskräfte und Geschäftsleitungen davon
überzeugt, dass ihr Unternehmen neue Markttrends schnell
aufgreift. Altersbezogen treten in der Einschätzung der
Wichtigkeit zwei Auffälligkeiten hervor, die jedoch nahezu
selbsterklärend sind. So setzen die Jüngeren eher auf das
Aufgreifen neuer Markttrends (69 % in der jüngsten Alters-
gruppe verglichen mit 52 % in der ältesten Gruppe). Mit
zunehmendem Alter der Befragten steigt die Bedeutung
der Kundennähe stärker: 79 Prozent der ab 50-Jährigen,
verglichen mit 65 Prozent der bis 40-Jährigen. Allerdings
schätzen die Vertreter der unterschiedlichen Altersgrup-
pen die Umsetzung einzelner Aspekte differenziert ein.
Während jeweils knapp die Hälfte der 40- bis 50-Jährigen
sowie der ab 50-Jährigen die Ansicht vertreten, ihr Unter-
nehmen gehe aktiv mit Veränderungen um, sehen dies die
bis 40-Jährigen nur zu 32 Prozent so.
Abbildung 8
Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Flexibilität/Veränderungsbereitschaft und deren Umsetzung in Unternehmen
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Gezielte Nutzung strategischer Allianzen
Schnelles Aufgreifen neuer Markttrends
Aufbau von flexiblen Wertschöpfungs-
ketten, angepasst an Markterfordernisse
Aktiver Umgang mit Veränderungen
Sicherstellung der erford. Geschwindigkeit
bei der Umsetzung von Veränderungen
Herstellung einer hohen Kundennähe
Umsetzung neuer Organisationsformen
20 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.4 Transparenz
Die Unternehmenskultur entscheidet nicht zuletzt darüber,
welche Mitarbeiter ein Unternehmen gewinnen und binden
kann, denn gute Arbeitnehmer haben die Unternehmens-
kultur auf ihrer internen Entscheidungsmatrix. Dabei ist
die Kultur ein Gradmesser, an dem sich (potenzielle) Mitar-
beiter orientieren, um herauszufinden, ob sie in das jewei-
lige Unternehmen passen oder nicht. Dazu gehört, dass
das Auftreten nach außen stimmig ist mit den innerbe-
trieblichen Geschehnissen. Eine Selbstdarstellung nach au-
ßen, die im Widerspruch zur Unternehmenskultur steht,
wird über kurz oder lang als „Mehr Schein als Sein“ erkannt
werden. Damit verliert das Unternehmen seine Glaubwür-
digkeit sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch auf dem
Absatzmarkt.
Zur Transparenz gehört zudem die Einhaltung bestehender
Compliance-Richtlinien. Entscheidend für die Glaubwür-
digkeit nach innen ist vor allem, dass Entwicklungen und
Entscheidungen für die Beschäftigten nachvollziehbar
und ihnen die Unternehmensziele bekannt sind. Nur dann
können sie sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren und den
Wertbeitrag des eigenen Handelns für das Gesamtunter-
nehmen einschätzen. Wie bereits im Zusammenhang mit
der Kommunikation angeführt, ist es daher unerlässlich,
einen offenen Umgang mit den Beschäftigten zu pflegen.
Bezüglich der Transparenz stellten wir den Entscheidern
ebenfalls die beiden Fragen, welche Bedeutung die wich-
tigsten Themen hierzu aus ihrer Sicht einnehmen und wie
erfolgreich ihre Unternehmen diese in die Tat umsetzen
(Abbildung 9).
Die zur Auswahl gestellten Aspekte der Transparenz werden
von den Befragten in hohem Maße als wichtig angesehen.
Insbesondere die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen,
die Offenheit über die aktuelle Situation des Unternehmens
und die Bekanntheit der Unternehmensziele spielen eine
große Rolle. Die geringste Bedeutung wird der Offenheit
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
Abbildung 9
Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Transparenz in den Unternehmen und deren Umsetzung
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen
Offenheit über Kennzahlen
Einhalten von Compliance-Richtlinien
Stimmigkeit des Auftretens nach außen
mit den innerbetrieblichen Geschehnissen
Offenheit über aktuelle Situation
des Unternehmens
Bekanntheit der Unternehmensziele
Nachvollziehbarkeit von Entwicklungen
Offenheit über Gehaltsmodelle/Benefits
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 21
über Gehaltsmodelle bzw. Benefits beigemessen. Der Blick
auf die Umsetzung zeigt, dass vor allem beim Thema Nach-
vollziehbarkeit von Entwicklungen und Entscheidungen
aus Sicht der Befragten noch deutliche Defizite bestehen.
Compliance-Richtlinien hingegen werden aus ihrer Sicht
durchaus zufriedenstellend eingehalten; ebenso herrscht
Offenheit über Kennzahlen.
	
Was die Differenzierung nach der Position der Entscheider
im Unternehmen anbelangt, messen die Mitarbeiter ohne
Führungsverantwortung der Offenheit bezüglich Gehalts-
modellen bzw. Benefits eine sehr viel höhere Bedeutung
bei (39 %) als die übrigen Gruppen (20 % bei den Vertre-
tern der Geschäftsleitungen, 21 % bei den Führungskräften
aus dem HR-Bereich und 27 % bei den Führungskräften
aus Fachabteilungen). Dagegen spielt die Offenheit in
Bezug auf Kennzahlen für die „normalen“ Mitarbeiter eine
deutlich geringere Rolle als für alle anderen Befragten.
Erhebliche Unterschiede zeigen sich auch hier in der Ein-
schätzung der Umsetzung.
So ist auffällig, dass die Vertreter des Topmanagements
in hohem Maße als realisiert ansehen, dass Entwicklungen
und Entscheidungen nachvollziehbar sind, Offenheit über
die aktuelle Situation des Unternehmens herrscht und das
Auftreten nach außen stimmig mit den innerbetrieblichen
Geschehnissen ist. Dies deckt sich jedoch in keiner Weise
mit den Einschätzungen gerade der Mitarbeiter, die hier
noch enormen Realisierungsbedarf sehen. Was die meist
schriftlich dokumentierten Aspekte wie Kennzahlen,
Gehaltsmodelle oder Unternehmensziele angeht, herrscht
hingegen eine sehr viel größere Übereinstimmung. Er-
staunlich ist noch, dass nur 36 Prozent der Geschäftslei-
tungsvertreter, aber jeweils mehr als die Hälfte der übrigen
Befragtengruppen davon ausgehen, dass Compliance-
Richtlinien eingehalten werden.
UNTERSCHIEDLICHE EINSCHÄTZUNG ZUR UMSETZUNG –
IN ABHÄNGIGKEIT DER POSITION
49%
Unternehmens-
leitung
Führungskräfte
Fachabteilungen
Mitarbeiter
Nachvollziehbarkeit
von Entscheidungen
Offenheit über
aktuelle Situation
des Unternehmens
Führungskräfte
HR-Bereich
24% 18% 14%
61% 55% 47% 41%
22 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.5 Teilhabe/Partizipation
Studien zeigen seit Jahren, dass die Partizipation von Be-
schäftigten einen nicht zu unterschätzenden Motivations-
faktor darstellt, der die Identifikation und Leistungsfähig-
keit deutlich erhöht. Gerade die jüngere Generation fordert
dies vehement ein. Wesentliche Bestandteile einer Unter-
nehmenskultur, die auf Teilhabe und Partizipation setzt,
sind die Gewährung von Handlungsspielräumen für Mitar-
beiter, ihre aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen
und die Förderung ihrer Eigenverantwortung. Ebenfalls
bedeutsam ist es, die Vernetzung im Unternehmen auch
über Hierarchieebenen hinweg zu fördern. Dazu können
neue partizipative Methoden, z. B. Open Space, genutzt
werden. Auf Unternehmensebene nimmt die Relevanz der
verstärkten Einbindung von Stakeholdern zu: Kunden wie
Lieferanten werden immer intensiver an Prozessen betei-
ligt, um beispielsweise neue Produkte und Services aktiv
mitzugestalten.
Inwieweit erachten die Befragten die genannten Aspek-
te als wichtig und sind diese bereits umgesetzt? Auch
hier zeigt sich zwischen Bedeutung und Umsetzung der
wichtigen Aspekte zur Teilhabe eine erhebliche Differenz
(Abbildung 10).
Im Unterschied zu den beiden vorherigen Bereichen der
Unternehmenskultur unterscheidet sich die Wichtigkeit der
einzelnen abgefragten Aspekte hier erheblich. Sie reicht
von 28 Prozent in Bezug auf die Mitsprache bei personel-
len Entscheidungen bis zu 94 Prozent bei der Gewährung
von Handlungsspielräumen. Was den Soll-Ist-Vergleich
anbelangt, sehen die Befragten vor allem in Bezug auf
Handlungsspielräume, Eigenverantwortung, Vernetzung
und die aktive Beteiligung der Mitarbeiter noch sehr hohen
Handlungsbedarf in ihren Unternehmen.
Wieder sind sich alle befragten Gruppen vergleichsweise
einig, was die Bedeutung der angeführten Aspekte betrifft.
In Bezug auf die Umsetzung zeigt sich dagegen, dass mit
zunehmender Unternehmensgröße die Handlungsspielräu-
me für die Mitarbeiter kleiner und ihre aktive Beteiligung
an Entscheidungsprozessen geringer werden. Zudem redu-
zieren sich die Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen
Arbeitsplatzes erheblich (von 54 % in Unternehmen unter
1.000 Mitarbeitern auf 43 % in mittleren und 30 % in gro-
ßen Unternehmen), ebenso wie die Mitsprache bei perso-
nellen Entscheidungen, die immerhin in 21 Prozent der klei-
neren Betriebe, aber nur in neun Prozent der Unternehmen
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 23
ab 5.000 Mitarbeitern möglich ist. Andererseits werden
in Großunternehmen deutlich häufiger neue partizipative
Methoden genutzt. Die Vernetzung über Hierarchieebenen
hinweg funktioniert am besten in den Betrieben mit 1.000
bis 4.999 Mitarbeitern.
Ähnlich wie schon in Bezug auf andere Aspekte fällt die
Einschätzung der Vertreter der Geschäftsleitungen auch
bei der Frage nach der Umsetzung von Maßnahmen im
Bereich Teilhabe und Partizipation bei einigen Aspekten
deutlich positiver aus als bei den übrigen Befragten.
So geben sie zu je 64 Prozent an, dass in ihren Unterneh-
men den Mitarbeitern Handlungsspielräume gewährt und
deren Eigenverantwortung gefördert wird, 53 Prozent
vertreten die Ansicht, dass die Mitarbeiter werden aktiv an
Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Von den betrof-
fenen Mitarbeitern sehen jedoch nur 49 Prozent Hand-
lungsspielräume als gegeben an und 52 Prozent meinen,
ihre Eigenverantwortung werde gefördert. Noch deutlicher
lauten die Abweichungen bei den beiden darauffolgenden
Items. Für nur 22 Prozent der befragten Mitarbeiter ist eine
aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen gegeben,
nur zwölf Prozent berichten von einer Mitsprache bei per-
sonellen Entscheidungen.
Abbildung 10
Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Teilhabe/Partizipation und deren Umsetzung in den Unternehmen
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Stärkere Einbindung von Stakeholdern
(wie Kunden oder Lieferanten) in Prozesse
Möglichkeit der Gestaltung
des eigenen Arbeitsplatzes
Vernetzung über Hierarchieebenen hinweg
Gewährung von Handlungs-
spielräumen für Mitarbeiter
Förderung der Eigenverantwortung
der Mitarbeiter
Aktive Beteiligung der Mitarbeiter
an Entscheidungsprozessen
Nutzung neuer partizipativer
Methoden, z. B. Open Space
Mitsprache bei
personellen Entscheidungen
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
24 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
3.6 Vielfalt
Vielfalt zeigt sich in Unternehmen auf unterschiedliche
Weise. Sie ist häufig die Antwort auf die gegenwärtigen
Herausforderungen wie die Sicherung der Fachkräftebasis
durch die Nutzung aller vorhandenen Potenziale bis hin
zu eher unterrepräsentierten Gruppen. So ist es in zahlrei-
chen Unternehmen ein alltägliches Phänomen, dass ihre
Belegschaften zunehmend „bunter“ werden – nicht nur im
Hinblick auf die klassischen Dimensionen wie Geschlecht,
Alter und kultureller Hintergrund, sondern auch in Bezug
auf die verschiedenen Lebensentwürfe der Beschäftig-
ten und ihre Arbeitsmodelle. Um mit Vielfalt angemes-
sen umzugehen und sie möglichst optimal auszunutzen,
bedarf es zunächst der Verankerung der Thematik in der
Geschäftsführung und aktiver Schritte des HR-Bereichs,
beispielsweise durch eine Einstellungspolitik gemäß klar
definierten Diversity-Kriterien. Es gilt, alle Beschäftigten –
insbesondere Führungskräfte – für bestehende Klischees
und Stereotypen zu sensibilisieren und die Akzeptanz
von nicht geradlinigen Erwerbsbiografien, aber auch von
vielfältigen Teams zu fördern. Dazu ist es empfehlens-
wert, eine innerbetriebliche Öffentlichkeit für Vielfalt zu
etablieren und Arbeitsgruppen zur Thematik einzurichten.
Da Vielfalt bereits in den Vorjahren zu den Themen des
HR-Reports zählte, werden die Ergebnisse des Jahres 2015
in den Kontext der Vorgängerstudien gestellt.7
Die Themen, die von den befragten Entscheidern als die
wichtigsten im Rahmen einer vielfältigen Unternehmens-
kultur angesehen werden, sind die Förderung der Akzep-
tanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte, die Ver-
ankerung der Thematik in der Geschäftsleitung und ein
aktives Herangehen seitens HR. Ebenso wird es von jeweils
mehr als der Hälfte der Entscheider als wichtig erachtet,
das gesamte Unternehmen für bestehende Klischees bzw.
Abbildung 11
Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Vielfalt und deren Umsetzung in den Unternehmen
KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Förderung der Akzeptanz vielfältiger
Teams durch Führungskräfte
Einstellungspolitik gemäß
definierten Diversity-Kriterien
Akzeptanz von Erwerbs-
biografien mit Brüchen
Etablierung einer innerbetrieblichen
Öffentlichkeit für Vielfalt
Verankerung der Thematik
in der Geschäftsleitung
Aktives Herangehen seitens
HR an die Thematik
Sensibilisierung für bestehende
Klischees/Stereotypen
Einrichtung von
Arbeitsgruppen zur Thematik
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 25
7
	Nicht alle Items, die im HR-Report 2015/2016 abgefragt werden, sind identisch mit denen der Vorjahresstudie 2014/2015. Zudem gilt es zu beachten, dass in diesem Jahr
	 erstmals die Auswahl der Top Five zwingend vorgegeben wurde. Die Ergebnisse des HR-Reports 2013/2014 sind nur bedingt vergleichbar, da damals als Schwerpunkt
	 „Gender Diversity“ gewählt wurde.
Stereotypen zu sensibilisieren und eine innerbetriebliche
Öffentlichkeit für Vielfalt zu etablieren. Die Verankerung
der Thematik in der Geschäftsleitung, die Förderung der
Akzeptanz und die Sensibilisierung standen auch 2014
bereits oben in der Rangliste der entscheidenden Faktoren
zur Förderung von Diversity.
Wie im Vorjahr fällt die Kluft zwischen Soll und Ist erheb-
lich aus. Besonders hoher Nachholbedarf besteht nach
Ansicht der Entscheider, wenn es um die Förderung der
Akzeptanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte und
um die Verankerung der Thematik in der Geschäftsleitung
geht (Abbildung 11).
Wenngleich sich die Vertreter unterschiedlicher Unterneh-
mensgrößen bei der Bedeutung der Aspekte einer vielfälti-
gen Unternehmenskultur weitgehend einig sind, so zeigen
sich signifikante Unterschiede in der Umsetzung. Nicht
überraschend: Der HR-Bereich – den es in vielen kleinen
Betrieben in dieser Form nicht explizit gibt – ist in Unter-
nehmen ab 1.000 Mitarbeitern sehr viel aktiver involviert
als in Betrieben unterhalb dieser Größe. Auch eine Einstel-
lungspolitik gemäß definierten Diversity-Kriterien und die
Einrichtung spezieller Arbeitsgruppen zur Thematik finden
sich mit zunehmender Unternehmensgröße immer häufi-
ger. Die kleineren Betriebe zeigen sich allerdings deutlich
offener, wenn es um Erwerbsbiografien mit Brüchen geht.
Diese werden nach Einschätzung der Entscheider von
30 Prozent der kleineren Unternehmen, aber nur von
22 Prozent der mittleren und 19 Prozent der großen Unter-
nehmen akzeptiert.
Erwerbsbiografien mit Brüchen werden in den unterschied-
lichen Ländern, die an der Studie teilnehmen, äußerst dif-
ferenziert wahrgenommen. So halten 62 Prozent der deut-
schen Befragten deren Akzeptanz für wichtig, jedoch nur
40 Prozent ihrer Kollegen aus der Schweiz und 31 Prozent
aus Österreich. In der Umsetzung zeigt sich das gleiche
Bild: 35 Prozent der Deutschen glauben, dass solche Er-
werbsbiografien in ihren Unternehmen akzeptiert werden,
verglichen mit 19 Prozent der Schweizer und 15 Prozent der
Österreicher. In Österreich hingegen scheint die Akzeptanz
vielfältiger Teams durch Führungskräfte deutlich besser zu
sein. So geben 50 Prozent der österreichischen Entschei-
der (verglichen mit 37 % aus der Schweiz und % Prozent
aus Deutschland) an, diese werde gefördert.
Deutschland Schweiz Österreich
62% 40% 31%
35% 19% 15%
Wichtigkeit
Umsetzung
WICHTIGKEIT DER AKZEPTANZ VON ERWERBSBIOGRAFIEN
MIT BRÜCHEN UND DEREN UMSETZUNG
26 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
Nahezu identisch zum Vorjahr geben 64 Prozent der teilnehmenden Un-
ternehmen an, neue Mitarbeiter einzustellen. Auf Mitarbeitersuche sind
vor allem die Betriebe mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitern (77 %), verglichen
mit 69 Prozent der Betriebe ab 5.000 Beschäftigten sowie 57 Prozent der
kleineren Unternehmen.
KAPITEL 4
ERFOLGSKRITISCHE HANDLUNGSFELDER
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 27
4.1 Mitarbeitergewinnung
Jobportale im Internet sowie die eigenen Unternehmens-
kanäle sind weiterhin die Hauptrekrutierungskanäle für die
Unternehmen. An dritter Stelle stehen externe Dienstleis-
ter, erst danach folgen Social-Media-Plattformen. Das heißt,
die befragten Unternehmen setzen offenbar weniger als
vielfach vermutet auf die einschlägigen sozialen Netzwer-
ke, um Mitarbeiter zu gewinnen. In Deutschland ist die
Nutzung noch etwas stärker ausgeprägt (24 %) als in
Österreich (11 %) und in der Schweiz (14 %).
Dagegen arbeiten Schweizer und österreichische Unter-
nehmen sehr viel häufiger mit externen Dienstleistern zu-
sammen als ihre deutschen Kollegen (50 % bzw. 52 % im
Vergleich zu 31 % in Deutschland). Deutliche Unterschiede
zeigen sich auch bei den Sektoren. So werden externe
Dienstleister in erster Linie von Unternehmen aus der
Industrie (46 %) und dem Dienstleistungsbereich (42 %)
nachgefragt. Zudem rekrutieren Dienstleister neue Kolle-
gen sehr viel häufiger als die Industrie und der öffentliche
Dienst nach dem Motto „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“.
46 Prozent der Unternehmen, die nach neuen Mitarbeitern
suchen, rekrutieren diese landesweit, 42 Prozent regional,
21 Prozent weltweit und 19 Prozent EU-weit.
Insgesamt 63 Prozent der befragten Unternehmensvertre-
ter suchen ihre Fachkräfte nur im Inland. Wie in den Vor-
jahren wird international vor allem im deutschsprachigen
Ausland (37 %) und in Westeuropa (26 %) rekrutiert. Nach
wie vor steht Südeuropa trotz der hohen Arbeitslosigkeit
nicht im Fokus der Rekrutierungsbemühungen (knapp 1 %).
Dem Trend der letzten Jahre folgend, zeigt sich auch 2015,
dass mit zunehmender Unternehmensgröße vermehrt im
Ausland gesucht wird.
Während in Deutschland die Fachkräfte überwiegend
innerhalb der eigenen Landesgrenzen rekrutiert werden,
orientierte sich die Mitarbeitergewinnung in Österreich
und der Schweiz stärker nach außen. Dabei steht bei
der internationalen Rekrutierung das deutschsprachige
Ausland wie schon seit 2011 vor allem bei den Schweizer
Unternehmen hoch im Kurs (50 %, verglichen mit 27 % der
deutschen und 23 % der österreichischen Unternehmen).
Die deutschen Betriebe suchen hingegen sehr viel stär-
ker in Westeuropa (40 %) als ihre Nachbarn, während in
Österreich traditionell der nahe gelegene osteuropäische
Arbeitsmarkt eine größere Rolle spielt (33 %).
NUTZUNG DER EINZELNEN REKRUTIERUNGSKANÄLE
81%
Jobportale
im Internet
76%
Eigene Unter-
nehmenskanäle
20%
Printmedien
40%
Externe Dienstleister
36 %
Mitarbeiter
werben Mitarbeiter
18%
Social-Media-Plattformen
28 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
4.2 Mitarbeiterbindung
In diesem Jahr hat die Bedeutung der Mitarbeiterbindung
aus Sicht der Befragten zugenommen (69 %, Vorjahres-
wert 61 %). Als die am meisten geeigneten Instrumente,
um Mitarbeiter zu binden, sehen die Befragten interessante
Aufgaben (71 %), ein gutes Betriebsklima (65 %) und eine
marktgerechte Entlohnung an (49 %). Als weniger bedeu-
tend angesehen werden dagegen die Themen flexible
Arbeitszeiten (47 %), Personalentwicklung (43 %) sowie
Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (42 %). Im Ver-
gleich zwischen der Bedeutung der einzelnen Bindungs-
instrumente und ihrer realen Umsetzung zeigen sich vor
allem zwei Tendenzen: Als je weniger relevant ein Werk-
zeug angesehen wird, umso eher ist es bereits realisiert.
Und zum Zweiten sind harte Themen besser umgesetzt als
die sogenannten weichen Themen, die aber wiederum als
wichtiger für die Mitarbeiterbindung bewertet werden.
Ein Beispiel für diese Tendenz sind betriebliche Zusatz-
leistungen, die kaum ein Entscheider unter seinen Top
Five hat (10 %), die jedoch in 41 Prozent der Unternehmen
schon verbreitet sind. Ähnlich verhält es sich mit Maß-
nahmen zur Gesundheitsförderung und – wenn auch in
geringerem Maße – mit flexiblen
Abbildung 12
Die wichtigsten Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung und deren Umsetzung in den Unternehmen
KAPITEL 4 Erfolgskritische Handlungsfelder
Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Interessante Aufgaben
Differenziertes Führungsverhalten
Reputation des Arbeitgebers
Mobile Arbeit
Beschäftigungssicherheit
Gute Karriereperspektiven
Betriebliche Zusatzleistungen
Gutes Betriebsklima
Marktgerechte Entlohnung
Flexible Arbeitszeiten
Personalentwicklung
Maßnahmen zur Vereinbarkeit
von Beruf und Privatleben
Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 29
Arbeitszeiten und mobiler Arbeit. Immerhin sind gerade
flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit eines Homeoffice
in vielen Unternehmen mittlerweile fest verankert. Bei den
weichen Themen hapert es dagegen mit der Realisierung.
So sind ein gutes Betriebsklima nur in 45 Prozent und
interessante Aufgaben in 52 Prozent der befragten Unter-
nehmen umgesetzt (Abbildung 12).
Bei der Betrachtung der Instrumente zeigen sich innerhalb
der einzelnen Positionen ebenfalls große Differenzen. Die
Personalentwicklung halten beispielsweise 56 Prozent der
Führungskräfte aus dem HR-Bereich als Bindungsinstru-
ment, jedoch nur 34 Prozent des Topmanagements und
38 Prozent der Führungskräfte aus den Fachbereichen für
geeignet.
Umgesetzt ist die Personalentwicklung laut den HR-Füh-
rungskräften bereits zu knapp 50 Prozent, die übrigen Be-
fragten stimmen dem lediglich zu maximal 30 Prozent zu.
Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei den Instrumenten
gutes Betriebsklima und differenziertes Führungsverhalten.
Die befragten Geschäftsführer setzen besonders stark auf
beide Themen und bewerten deren Umsetzung positiv – im
deutlichen Gegensatz zu den Mitarbeitern und Führungs-
kräften aus den Fachabteilungen.
Von den drei beteiligten Ländern wird in Österreich und
der Schweiz bei der Mitarbeiterbindung ein sehr viel stär-
keres Gewicht auf eine marktgerechte Entlohnung und auf
interessante Aufgaben gelegt als in Deutschland. Dage-
gen ist die Personalentwicklung in Österreich ein nicht so
entscheidendes Thema (31 %) wie in Deutschland (48 %)
und der Schweiz (42 %). Wie in den Vorjahren legen die
deutschen Entscheider zudem mehr Gewicht (48 %) auf
Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
als ihre österreichischen (41 %) und Schweizer (32 %)
Kollegen. Die Work-Life-Balance ist in deutschen Unter-
nehmen auch wesentlich stärker umgesetzt (45 %) als in
Österreich (27 %) und in der Schweiz (23 %).
WICHTIGKEIT VON BETRIEBSKLIMA UND DIFFERENZIERTEM
FÜHRUNGSVERHALTEN UND DEREN UMSETZUNG
Unternehmensleitung
60%
Wichtigkeit Umsetzung
76%
54%
35%
38%63%
63%
63%
Betriebsklima
Führungskräfte
HR-Bereich
Führungskräfte
Fachabteilungen
Mitarbeiter
35%
Wichtigkeit Umsetzung
36%
22%
15%
17%23%
22%
26%
Differenziertes
Führungsverhalten
Führungskräfte
HR-Bereich
Führungskräfte
Fachabteilungen
Mitarbeiter
Unternehmensleitung
30 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur
Organisationen sind kulturell noch kaum auf die digitale Transformation eingestellt
Um den derzeit stattfindenden digitalen Wandel mental in der eigenen Organisation zu verankern,
fehlt vielen Unternehmen die kulturelle Disposition. Der Weg in die neue digitale Welt wird aber nur
erfolgreich beschritten werden können, wenn Unternehmen nicht nur neue technologische Lösungen
und integrierte Prozesse einführen, sondern eine (lern-)offene Kultur entwickeln. Denn digitale Trans-
formation bedeutet nicht nur technologische Veränderung, sondern vor allem einen Kulturwandel,
der soziale Innovationen ermöglicht. Der Dreiklang lautet daher in dieser Reihenfolge:
technische Innovation, Prozessinnovation und soziale Innovation.
Erfolgsentscheidende Themen werden noch zu wenig umgesetzt
Der HR-Report zeigt: In den sogenannten weichen Themen – wie Kultur, Führung, Betriebsklima
und Veränderungsbereitschaft – spielt die Musik. Ihnen wird die höchste Bedeutung bei den mit-
arbeiterbezogenen Themen zugesprochen. Aber gerade auf diesen Feldern handeln Unternehmen
noch zu wenig; hier zeigt sich nach wie vor ein hohes Talking-Action-Gap. Die als nicht so bedeu-
tend angesehenen harten Themen werden besser umgesetzt, weil sie schneller zu realisieren sind.
Organisationen sind in ihrer Kommunikation noch nicht offen und kritisch genug
Dokumentieren lässt sich diese Diskrepanz an den die Unternehmenskultur am stärksten prägen-
den Themen Kommunikation, Führung und Veränderungsbereitschaft. In der Kommunikation wird
zu selten ein offener Umgang mit kritischen Themen gelebt, eine Feedbackkultur ist noch nicht
etabliert und über Hierarchien hinweg findet keine offene Kommunikation statt. Diese drei kommu-
nikativen Aspekte bilden jedoch die Basis für einen erfolgreichen unternehmerischen Wandel hin
zu einer digitalen Welt.
Führung ist noch immer in alten Mustern verfangen
Führung bewegt sich in einem immer schwierigeren Umfeld, gekennzeichnet durch das ständige
Steuern von Veränderungen und zunehmender Komplexität. Um gut zu führen, fehlt es vielen
Führungskräften an der notwendigen Zeit für ihre Führungsaufgaben. Hier tragen die Führungs-
kräfte ihren Anteil selbst bei: Zu wenige lassen ihre Mitarbeiter los und geben ihnen mehr
Eigenverantwortung.
Organisationen bilden intern die Geschwindigkeit der Märkte nicht ab
An vielen Stellen sind die Unternehmen nach wie vor durch mangelnde Flexibilität und geringe
Veränderungsbereitschaft bestimmt. Mit Veränderungen aktiv und positiv umzugehen,
ist in vielen Unternehmen noch nicht Realität. Dadurch fehlt es an der erforderlichen
Geschwindigkeit, um Veränderungen zügig zu realisieren.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 31
Digitale Transformation muss mit kulturellem Wandel verknüpft sein
Die digitale Transformation funktioniert nur, wenn sie mit einem kulturellen Wandel einhergeht.
Denn digitale Vernetzung bedeutet gleichzeitig, sich sozial-kulturell zu vernetzen: Soziale Innovation
lautet hier das Gebot der Stunde. Dies klar und offen zu kommunizieren und als auch nachhaltig
vorzuleben, ist eine zentrale Aufgabe des Seniormanagements.
Roadmap für die weichen Themen erstellen
Nicht alle dieser als wichtig erkannten Punkte können Unternehmen gleich umsetzen, gerade wenn
es sich um weiche Themen handelt. Hier sind alle Führungskräfte gefragt, in ihrem eigenen Bereich
anzufangen und in enger Absprache mit der HR-Abteilung eine gemeinsame Roadmap mit ent-
sprechenden Meilensteinen zu entwickeln. Wenn die Talking-Action-Gaps nicht angegangen wer-
den, wirkt sich dies negativ auf den künftigen Unternehmenserfolg aus.
Interaktive und offene Kommunikation im Sinne der Generation Y
Die jüngeren Generationen leben eine offene und kritische Kommunikation vor, verbunden mit einer
starken Feedbackkultur und der Nutzung neuer sozialer Medien. Diese Ressourcen sollten Unternehmen
stärker einbinden, um endlich interaktiver und hierarchieübergreifend zu kommunizieren.
Führungskräfte sollen Mitarbeiter führen, nicht Aufgaben kontrollieren
Führung sollte neu aufgesetzt werden: Führungskräfte müssten noch wesentlich mehr von
ihren operativen Aufgaben befreit werden, um dadurch mehr Zeit für ihre Führungsaufgaben
zu haben – bei entsprechend passenden Führungsspannen. Im Gegenzug benötigen viele
Führungskräfte Coaching und Austausch, um ihren Mitarbeitern endlich mehr Freiräume
und Verantwortung zu eröffnen.
Change bedeutet, alle (wandlungsbereiten) Mitarbeiter einzubinden
Die Blockaden aufzulösen und einen Wandel einzuleiten, ist in vielen Unternehmen eine Kärrnerauf-
gabe. Das Topmanagement wie auch die Führungskräfte in den Fachbereichen sollten regelmäßig
klar aufzeigen (und kommunizieren), dass Change stets Chancen bietet, und diese Chancen dann sehr
konkret benennen. Hierzu gilt es, die Mitarbeiter einzubinden und von passiv Betroffenen zu aktiv
Beteiligten zu machen. Die zentrale Aufgabe eines Change Managements ist es daher, nicht nur
top-down zu agieren, sondern möglichst viele Mitarbeiter ins gemeinsame Boot zu holen.
HANDLUNGSFELDER
Hays
Willy-Brandt-Platz 1–3
68161 Mannheim
T: +49 621 1788 0
F: +49 621 1788 1299
info@hays.de
www.hays.de
Unsere Niederlassungen
finden Sie unter
www.hays.de/standorte
Hays (Schweiz) AG
Nüschelerstrasse 32
8001 Zürich
T: +41 44 2255 000
F: +41 44 2255 299
info@hays.ch
www.hays.ch
Unsere Niederlassungen
finden Sie unter
www.hays.ch/standorte
Hays Österreich GmbH
Personnel Services
BahnhofCity Wien West
Europaplatz 3/5
1150 Wien
T: +43 1 535 3443 0
F: +43 1 535 3443 299
info@hays.at
www.hays.at
© Hays plc, 2016. HAYS, die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche, Recruiting
Experts Worldwide, das Logo Hays Recruiting Experts Worldwide und Powering the World of Work
sind eingetragene Markenzeichen der Hays plc. Die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige
Branche sind Originaldesigns, die in vielen Ländern geschützt sind. Alle Rechte vorbehalten.
Dieses Werk darf ohne die schriftliche Genehmigung des Eigentümers weder ganz noch in Teilen
wiedergegeben oder übertragen werden, weder durch Fotokopie noch durch Speicherung auf
elektronischen oder anderen Medien. Unzulässige Handlungen hinsichtlich des Werkes können zu
zivil- und/oder strafrechtlicher Verfolgung führen.

Weitere ähnliche Inhalte

Was ist angesagt?

Anforderungen an HR 2020
Anforderungen an HR 2020Anforderungen an HR 2020
Anforderungen an HR 2020
HRpepper
 
Hiring Manager Report CH
Hiring Manager Report CHHiring Manager Report CH
Hiring Manager Report CH
Kelly Services
 
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
INOLUTION Innovative Solution AG
 
Die Kompetenz(r)evolution
Die Kompetenz(r)evolutionDie Kompetenz(r)evolution
Die Kompetenz(r)evolution
INOLUTION Innovative Solution AG
 
Competence Book Talent Management
Competence Book Talent ManagementCompetence Book Talent Management
Competence Book Talent Management
Competence Books
 
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
Marc Wagner
 
Die Rolle von HR in der Zukunft
Die Rolle von HR in der ZukunftDie Rolle von HR in der Zukunft
Die Rolle von HR in der Zukunft
HRpepper Management Consultants
 
Human Resource Management (deutsche Version)
Human Resource Management (deutsche Version)Human Resource Management (deutsche Version)
Human Resource Management (deutsche Version)
Armin Trost
 
Studie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
Studie: HR-Leistungen deutscher WeltmarktführerStudie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
Studie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
ADP Deutschland
 
Digital hr uv digital people_management slideshare_9_2016
Digital hr  uv  digital people_management slideshare_9_2016Digital hr  uv  digital people_management slideshare_9_2016
Digital hr uv digital people_management slideshare_9_2016
Ursula Vranken
 
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
das AMT GmbH und Co. KG
 
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
HRpepper
 
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSW
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSWStrategisches HRM - Vortrag bei der DSW
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSW
Stefan Doering
 
KGWI 2014 Karriereentwicklung
KGWI 2014 KarriereentwicklungKGWI 2014 Karriereentwicklung
KGWI 2014 Karriereentwicklung
Kelly Services
 
SHRM HR-Strategie
SHRM HR-StrategieSHRM HR-Strategie
SHRM HR-Strategie
Robert Zaugg
 
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
Marc Wagner
 
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
MWCC Markus Weigl Consulting & Coaching
 
Chancengerechtigkeit statt Quote
Chancengerechtigkeit statt QuoteChancengerechtigkeit statt Quote
Chancengerechtigkeit statt Quote
Claudia Nussberger
 
Competence Book Personaleinsatzplanung
Competence Book PersonaleinsatzplanungCompetence Book Personaleinsatzplanung
Competence Book Personaleinsatzplanung
Competence Books
 

Was ist angesagt? (19)

Anforderungen an HR 2020
Anforderungen an HR 2020Anforderungen an HR 2020
Anforderungen an HR 2020
 
Hiring Manager Report CH
Hiring Manager Report CHHiring Manager Report CH
Hiring Manager Report CH
 
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
Business Dossier: Kompetenz-Management 4.0 - Die Zukunft aktiv gestalten stat...
 
Die Kompetenz(r)evolution
Die Kompetenz(r)evolutionDie Kompetenz(r)evolution
Die Kompetenz(r)evolution
 
Competence Book Talent Management
Competence Book Talent ManagementCompetence Book Talent Management
Competence Book Talent Management
 
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
FUTURE HR: WAS KOMMT NACH DEM 3-ROLLENMODELL?
 
Die Rolle von HR in der Zukunft
Die Rolle von HR in der ZukunftDie Rolle von HR in der Zukunft
Die Rolle von HR in der Zukunft
 
Human Resource Management (deutsche Version)
Human Resource Management (deutsche Version)Human Resource Management (deutsche Version)
Human Resource Management (deutsche Version)
 
Studie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
Studie: HR-Leistungen deutscher WeltmarktführerStudie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
Studie: HR-Leistungen deutscher Weltmarktführer
 
Digital hr uv digital people_management slideshare_9_2016
Digital hr  uv  digital people_management slideshare_9_2016Digital hr  uv  digital people_management slideshare_9_2016
Digital hr uv digital people_management slideshare_9_2016
 
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
29. LAB Managerpanel: Frauenförderung
 
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
Von agilen Säuen und fröhlichem Bullshit – Welche Management Trends sind für ...
 
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSW
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSWStrategisches HRM - Vortrag bei der DSW
Strategisches HRM - Vortrag bei der DSW
 
KGWI 2014 Karriereentwicklung
KGWI 2014 KarriereentwicklungKGWI 2014 Karriereentwicklung
KGWI 2014 Karriereentwicklung
 
SHRM HR-Strategie
SHRM HR-StrategieSHRM HR-Strategie
SHRM HR-Strategie
 
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
DMR BLUE TRANSFORMATION & PEOPLEMANAGEMENT (FOKUS: LEADERSHIP)
 
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
HR Transformation: Unterstützung der HR Transformation durch ganzheitliches C...
 
Chancengerechtigkeit statt Quote
Chancengerechtigkeit statt QuoteChancengerechtigkeit statt Quote
Chancengerechtigkeit statt Quote
 
Competence Book Personaleinsatzplanung
Competence Book PersonaleinsatzplanungCompetence Book Personaleinsatzplanung
Competence Book Personaleinsatzplanung
 

Ähnlich wie HR-Report 2015/2016 von IBE und Hays

Hays HR-Report 2019
Hays  HR-Report 2019Hays  HR-Report 2019
Hays HR-Report 2019
Hays
 
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – ErgebnisberichtStudie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
Fink & Fuchs AG
 
Führungsstärke im Kommunikationsmanagement
Führungsstärke im KommunikationsmanagementFührungsstärke im Kommunikationsmanagement
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - ErgebnisberichtStudie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
Leipzig University - Chair of Strategic Communication
 
Die Hiring Manager Umfrage
Die Hiring Manager UmfrageDie Hiring Manager Umfrage
Die Hiring Manager Umfrage
Kelly Services
 
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
Hays
 
ICR Recruiting Controlling Report 2011
ICR Recruiting Controlling Report 2011ICR Recruiting Controlling Report 2011
ICR Recruiting Controlling Report 2011
Wolfgang Brickwedde
 
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
Leipzig University - Chair of Strategic Communication
 
Führung im Gesundheitswesen
Führung im GesundheitswesenFührung im Gesundheitswesen
Führung im Gesundheitswesen
Frank Edelkraut
 
HRpepper: Cultural leadership – was die Gewinner der digitalen Transformatio...
HRpepper: Cultural leadership –  was die Gewinner der digitalen Transformatio...HRpepper: Cultural leadership –  was die Gewinner der digitalen Transformatio...
HRpepper: Cultural leadership – was die Gewinner der digitalen Transformatio...
HRpepper
 
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der ITAPRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
APRIORI - business solutions AG
 
Societally Responsible HRM 2017
Societally Responsible HRM 2017Societally Responsible HRM 2017
Societally Responsible HRM 2017
Prescreen.io
 
Studie Mittelstandskommunikation 2016
Studie Mittelstandskommunikation 2016Studie Mittelstandskommunikation 2016
Studie Mittelstandskommunikation 2016
Leipzig University - Chair of Strategic Communication
 
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_finalTrm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
STRIMgroup
 
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
Leipzig University - Chair of Strategic Communication
 
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
Nico Kunkel
 
Servicebroschüre "Demographiemanagement"
Servicebroschüre "Demographiemanagement"Servicebroschüre "Demographiemanagement"
Servicebroschüre "Demographiemanagement"
APRIORI - business solutions AG
 
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
Fink & Fuchs AG
 
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische StudiePartizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
tpetry
 

Ähnlich wie HR-Report 2015/2016 von IBE und Hays (20)

Hays HR-Report 2019
Hays  HR-Report 2019Hays  HR-Report 2019
Hays HR-Report 2019
 
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – ErgebnisberichtStudie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 – Ergebnisbericht
 
BPM-Studie
BPM-StudieBPM-Studie
BPM-Studie
 
Führungsstärke im Kommunikationsmanagement
Führungsstärke im KommunikationsmanagementFührungsstärke im Kommunikationsmanagement
Führungsstärke im Kommunikationsmanagement
 
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - ErgebnisberichtStudie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
Studie Mittelstandskommunikation 2015 - Ergebnisbericht
 
Die Hiring Manager Umfrage
Die Hiring Manager UmfrageDie Hiring Manager Umfrage
Die Hiring Manager Umfrage
 
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?
 
ICR Recruiting Controlling Report 2011
ICR Recruiting Controlling Report 2011ICR Recruiting Controlling Report 2011
ICR Recruiting Controlling Report 2011
 
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
Management-Tools für die Unternehmenskommunikation: Bedeutung, Nutzung und Er...
 
Führung im Gesundheitswesen
Führung im GesundheitswesenFührung im Gesundheitswesen
Führung im Gesundheitswesen
 
HRpepper: Cultural leadership – was die Gewinner der digitalen Transformatio...
HRpepper: Cultural leadership –  was die Gewinner der digitalen Transformatio...HRpepper: Cultural leadership –  was die Gewinner der digitalen Transformatio...
HRpepper: Cultural leadership – was die Gewinner der digitalen Transformatio...
 
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der ITAPRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
APRIORI Studie: Karrieremodelle in der IT
 
Societally Responsible HRM 2017
Societally Responsible HRM 2017Societally Responsible HRM 2017
Societally Responsible HRM 2017
 
Studie Mittelstandskommunikation 2016
Studie Mittelstandskommunikation 2016Studie Mittelstandskommunikation 2016
Studie Mittelstandskommunikation 2016
 
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_finalTrm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
Trm strategie agilität_chro_dialog_strim_vortrag_final
 
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
Unternehmenskommunikation aus der Perspektive des Top-Managements - Studie Ju...
 
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
#30u30 2016: Jens Cornelißen & Philipp Blankenagel
 
Servicebroschüre "Demographiemanagement"
Servicebroschüre "Demographiemanagement"Servicebroschüre "Demographiemanagement"
Servicebroschüre "Demographiemanagement"
 
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
Ergebnisbericht der Studie Mittelstandskommunikation 2016
 
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische StudiePartizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
Partizipation in deutschsprachigen Unternehmen – eine empirische Studie
 

Mehr von Hays

Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
Hays
 
FINANCE-Gehaltsreport 2019
FINANCE-Gehaltsreport 2019FINANCE-Gehaltsreport 2019
FINANCE-Gehaltsreport 2019
Hays
 
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der ZukunftArbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
Hays
 
Whitepaper Banking
Whitepaper BankingWhitepaper Banking
Whitepaper Banking
Hays
 
Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung
Künstliche Intelligenz in der RekrutierungKünstliche Intelligenz in der Rekrutierung
Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung
Hays
 
IDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
IDG Freiberufler Studie – IT-FreelancerIDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
IDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
Hays
 
Hays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
Hays Studie Zwischen Effizienz und AgilitätHays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
Hays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
Hays
 
Studie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
Studie Einkommen und Altersvorsorge von SoloselbstständigenStudie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
Studie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
Hays
 
IDG Studie 2018 IT Freiberufler
IDG Studie 2018 IT FreiberuflerIDG Studie 2018 IT Freiberufler
IDG Studie 2018 IT Freiberufler
Hays
 
Finance Gehaltsreport 2017
Finance Gehaltsreport 2017Finance Gehaltsreport 2017
Finance Gehaltsreport 2017
Hays
 
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
Hays
 
Hays Branchenreport Elektroindustrie
Hays Branchenreport ElektroindustrieHays Branchenreport Elektroindustrie
Hays Branchenreport Elektroindustrie
Hays
 
Hays Branchenreport Ausblick Banking
Hays Branchenreport Ausblick Banking Hays Branchenreport Ausblick Banking
Hays Branchenreport Ausblick Banking
Hays
 
Arbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2020: Jobs der ZukunftArbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
Hays
 
Studie Freiheit vs. Sicherheit
Studie Freiheit vs. Sicherheit Studie Freiheit vs. Sicherheit
Studie Freiheit vs. Sicherheit
Hays
 
Hays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
Hays Professional Services aus Sicht des EinkaufsHays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
Hays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
Hays
 
Finance Gehaltsreport 2016
Finance Gehaltsreport 2016Finance Gehaltsreport 2016
Finance Gehaltsreport 2016
Hays
 
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenPharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Hays
 
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenBanken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Hays
 
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenAutomotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Hays
 

Mehr von Hays (20)

Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
Gehälter für Ingenieure/ Auszug aus der Gehaltsstudie Ingenieureinkommen 2002...
 
FINANCE-Gehaltsreport 2019
FINANCE-Gehaltsreport 2019FINANCE-Gehaltsreport 2019
FINANCE-Gehaltsreport 2019
 
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der ZukunftArbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft
 
Whitepaper Banking
Whitepaper BankingWhitepaper Banking
Whitepaper Banking
 
Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung
Künstliche Intelligenz in der RekrutierungKünstliche Intelligenz in der Rekrutierung
Künstliche Intelligenz in der Rekrutierung
 
IDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
IDG Freiberufler Studie – IT-FreelancerIDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
IDG Freiberufler Studie – IT-Freelancer
 
Hays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
Hays Studie Zwischen Effizienz und AgilitätHays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
Hays Studie Zwischen Effizienz und Agilität
 
Studie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
Studie Einkommen und Altersvorsorge von SoloselbstständigenStudie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
Studie Einkommen und Altersvorsorge von Soloselbstständigen
 
IDG Studie 2018 IT Freiberufler
IDG Studie 2018 IT FreiberuflerIDG Studie 2018 IT Freiberufler
IDG Studie 2018 IT Freiberufler
 
Finance Gehaltsreport 2017
Finance Gehaltsreport 2017Finance Gehaltsreport 2017
Finance Gehaltsreport 2017
 
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
Hays Professional Workforce Solutions - Ausblick 2017
 
Hays Branchenreport Elektroindustrie
Hays Branchenreport ElektroindustrieHays Branchenreport Elektroindustrie
Hays Branchenreport Elektroindustrie
 
Hays Branchenreport Ausblick Banking
Hays Branchenreport Ausblick Banking Hays Branchenreport Ausblick Banking
Hays Branchenreport Ausblick Banking
 
Arbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2020: Jobs der ZukunftArbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
Arbeitswelt 2020: Jobs der Zukunft
 
Studie Freiheit vs. Sicherheit
Studie Freiheit vs. Sicherheit Studie Freiheit vs. Sicherheit
Studie Freiheit vs. Sicherheit
 
Hays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
Hays Professional Services aus Sicht des EinkaufsHays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
Hays Professional Services aus Sicht des Einkaufs
 
Finance Gehaltsreport 2016
Finance Gehaltsreport 2016Finance Gehaltsreport 2016
Finance Gehaltsreport 2016
 
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenPharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Pharma im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
 
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenBanken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Banken im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
 
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und StrukturenAutomotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
Automotive im digitalen Wandel – Neue Themen, Kompetenzen und Strukturen
 

HR-Report 2015/2016 von IBE und Hays

  • 1. HR-REPORT 2015/2016 SCHWERPUNKT UNTERNEHMENSKULTUR Eine empirische Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE im Auftrag von Hays für Deutschland, Österreich und die Schweiz
  • 2. 2 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur Management Summary 3 1 Hintergrund und Methodik 4 1.1 Hintergrund und Aufbau der Studie 5 1.2 Methodik und Statistik 6 2 Die Top-HR-Themen 8 3 Schwerpunktthema Unternehmenskultur 10 3.1 Kommunikation 14 3.2 Führung 16 3.3 Flexibilität/ Veränderungsbereitschaft 18 3.4 Transparenz 20 3.5 Teilhabe/Partizipation 22 3.6 Vielfalt 24 4 Erfolgskritische Handlungsfelder 26 4.1 Mitarbeitergewinnung 27 4.2 Mitarbeiterbindung 28 Schlussfolgerungen 30 Handlungsfelder 31 INHALT AUTOREN Silke Eilers, IBE Kathrin Möckel, Hays Prof. Dr. Jutta Rump, IBE Frank Schabel, Hays VORWORT Sehr geehrte Leserinnen und Leser, in den fünf Jahren, in denen wir den HR-Report veröffentlichen, hat sich bei den empirischen Ergebnissen einiges bewegt. Bei der Rangfolge der wichtigsten HR- Themen tut sich dagegen kaum etwas: Die weichen Themen Kultur, Führung, Mitarbeiterbindung und Beschäftigungsfähigkeit hängen die anderen Themen nach wie vor um Längen ab. Die Krux an diesen weichen Themen ist nur: Sie lassen sich so schwer umsetzen. Nach wie vor korrespondiert ihre zentrale Bedeutung keineswegs mit dem, was Organisationen realisieren. Denn die weichen Themen lassen sich nicht per Knopfdruck bedienen. Auch lassen sich schnelle Lösungen nicht aus dem Ärmel zaubern. Sie benötigen Zeit, viel Zeit. Und nachhaltig agierende Führungskräfte, die sie in ihrem Alltag leben. Bekanntlich sind Werte nur so gut, wie sie gelebt werden – hier gehen die Manager als Vorbild oder als negatives Beispiel voran. Für die Unternehmenskultur ist Führung daher ein zentraler Faktor. Eine noch wichtigere Rolle spielt aber die Kommunikation. Diese setzen die Befragten des HR-Reports auf Platz 1 der die Kultur am meisten prägenden Faktoren, wie unser diesjähriges Schwerpunktthema Unternehmenskultur aufzeigt. Klar gesagt: Kommunikation ist nicht gleichbedeutend mit offiziellen Verlautbarungen des Topmanagements an die Mitarbeiter. Vielmehr geht Kommunikation alle Mitar- beiter an und gerade die Bedeutung der kurzen Gespräche in Kaffeeecken kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie sind in hohem Maße kulturstiftend. Während die Befragten dabei betonen, wie wichtig ein offener Umgang mit kritischen Themen und eine wertschätzende Kommunikation der Führungskräfte sei, zeigen die empirischen Zahlen in Sachen Umsetzung ein anderes Bild. Es besteht hoher Handlungsbedarf; zum einen in Richtung der Führungskräfte, die zu begreifen haben, dass ihre Rolle in allererster Linie eine kommunikative ist. Und zum Zweiten signalisieren die schwachen Umsetzungszahlen dem Top- management, Kritik als Chance zu begreifen, nicht als Risiko. Diese Diskrepanzen zwischen der hohen Wichtigkeit der Themen und dem, was davon realisiert ist, zeichnet sich als zentrale Erkenntnis folglich auch in diesem aktuellen HR-Report ab. Noch zu viele Unternehmen verschenken dadurch ver- heißungsvolle Optionen für ihr Geschäft. Leider. Denn die digitale Transformation gelingt in unseren Augen nur den Unternehmen, die nicht allein auf technologi- sche und prozessuale Innovationen setzen, sondern vor allem die kulturellen und sozialen Aspekte angehen. Wir wünschen Ihnen wieder eine hoffentlich anregende Lektüre unseres neuen HR-Reports. Kommen Sie auf uns zu, wenn Sie mit uns über die Ergebnisse disku- tieren möchten oder zu einigen Punkten noch weitere Hintergrundinformationen wünschen. Prof. Dr. Jutta Rump und Klaus Breitschopf Klaus Breitschopf Vorstandsvorsitzender der Hays AG Prof. Dr. Jutta Rump Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE IMPRESSUM Herausgeber: Hays AG Institut für Beschäftigung und Employability IBE Chefredaktion: Frank Schabel, Hays Gestaltung: Hays Druck: Kraft Druck GmbH, Ettlingen Auflage: 5.000 Fotos: Hays
  • 3. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 3 MANAGEMENT SUMMARY Die Top-HR-Themen sind in diesem Jahr die Weiterent- wicklung der Unternehmenskultur (41 %), die Mitarbeiter- bindung (38 %) und die Förderung der Beschäftigungs- fähigkeit (34 %) – wie in den letzten Jahren befinden sich also ausschließlich weiche Themen auf den ersten Plätzen. Die Mitarbeiter auf die digitale Transformation vorzubereiten (16 %) ist bei den Entscheidern noch nicht als Topthema verankert. Die Unternehmenskultur wird am stärksten durch die Kommunikation (34 %) beeinflusst, gefolgt von Führung (26 %) und Flexibilität bzw. Veränderungsbereitschaft (25 %). Dagegen erhalten die Bereiche Transparenz (10 %), Teilhabe/Partizipation (4 %) und Vielfalt (2 %) nur geringe Werte. In diesen sechs Feldern sind die befragten Unter- nehmen nach Aussagen der Entscheider nur befriedigend aufgestellt. Die größten Herausforderungen für Führungskräfte lauten: das Managen von Veränderungen (80 %), der Umgang mit der steigenden Komplexität im Führungsbereich (68 %) und die Wahrnehmung der Vorbildfunktion (56 %). Wie im Vorjahr zeigt sich nach wie vor ein erheblicher Nachholbedarf bei der Umsetzung dieser Herausforde- rungen in konkrete Maßnahmen. Führungskräfte sollen vor allem eine Feedbackkultur etablieren, ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter haben, Freiräume gewähren, die Belegschaft motivieren und Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter aufzeigen. Die zentralen Stolpersteine für die Führung sind die gleichen wie im letzten Jahr: die mangelnde Zeit für Füh- rungsaufgaben (76 %) und das Loslassen der Mitarbeiter zur Förderung der Eigenverantwortung (65 %). Nicht einmal jeder fünfte Befragte sieht, dass seine Organisation das notwendige Tempo für die Umsetzung von Veränderungen vorgibt. Auch der aktive Umgang mit Veränderungen ist noch nicht einmal in der Hälfte der Unternehmen umgesetzt. Mitarbeiter lassen sich am besten durch interessante Aufgaben (71 %), ein gutes Betriebsklima (65 %) und eine marktgerechte Entlohnung (49 %) motivieren. Als weniger bedeutend angesehen werden dagegen die Themen flexi- ble Arbeitszeiten (47 %), Personalentwicklung (43 %) sowie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (42 %). Zwei Drittel der befragten Unternehmen suchen ihre Fach- kräfte nur im Inland. Wie in den Vorjahren wird internatio- nal vor allem im deutschsprachigen Ausland (37 %) und in Westeuropa (26 %) rekrutiert. Mit zunehmender Unterneh- mensgröße steigt auch die internationale Rekrutierung. Im Bereich Kommunikation werden dem offenen Umgang mit kritischen Themen (81 %), der wertschätzenden Kom- munikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern (72 %) sowie der Etablierung einer Feedbackkultur (69 %) höchste Bedeutung beigemessen. Bei diesen drei wichti- gen Themen klaffen jedoch gravierende Lücken zwischen Soll und Ist.
  • 4. 4 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 1 HINTERGRUND UND METHODIK Der vorliegende fünfte HR-Report widmet sich wie gewohnt den zentralen HR-Fragestellungen in Unternehmen und Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir verstehen unter HR-Themen nicht die originären Aufgaben des Personalbereichs. Vielmehr geht es uns im HR-Report um mitarbeiterbezogene Handlungsfelder und Maßnahmen, welche die gesamte Organisation betreffen.
  • 5. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 5 1.1 Hintergrund und Aufbau der Studie Das Schwerpunktthema in diesem HR-Report bildet die Unternehmenskultur und schließt sich thematisch nahtlos an den letztjährigen Fokus auf die Führung an. Denn in der Realität von Organisationen zeigt sich, dass gerade die Unternehmenskultur und ihr Vorleben durch die Führungs- kräfte entscheidende Querschnittsthemen darstellen: Mit ihnen steht und fällt der unternehmerische Erfolg. Wir haben die aus unserer Sicht entscheidenden Faktoren der Unternehmenskultur vorab definiert und anhand kon- kreter Maßnahmen und Instrumente hinterfragt, wie sich Bedeutung und tatsächliche Umsetzung im Unternehmen zueinander verhalten. In Kapitel 3 sind die Ergebnisse aus- führlich dargestellt. Aufgrund des großen Umfangs unseres diesjährigen Schwerpunktthemas haben wir uns entschie- den, im HR-Report 2015/2016 mit Mitarbeiterbindung und -gewinnung nur zwei weitere Handlungsfelder zu vertiefen. Die Themen Vielfalt und Führung, die in den Vorjahren eigene Handlungsfelder darstellten, werden aufgrund ihres engen Bezugs zum Schwerpunkt Unternehmenskultur behandelt. Auch die Betrachtung zentraler Trends in der Unternehmens- und Personalpolitik unterbleibt in diesem Jahr. Abbildung 1 zeigt den Bezugsrahmen des HR-Reports. Der HR-Report ist eine seit 2011 jährlich durchgeführte Studienreihe von Hays und des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE. Die bisherigen Ergebnisse sind unter hays.de/studien veröffentlicht. Abbildung 1 Bezugsrahmen der Langzeitbetrachtung des HR-Reports Führung Förderung der Beschäftigungsfähigkeit Mitarbeitergewinnung Mitarbeiterbindung Frauenförderung Work-Life-Balance Unternehmens- kultur
  • 6. 6 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 1.2 Methodik und Statistik Im Jahr 2015/2016 haben 532 Entscheider1 , davon 49 Pro- zent aus Deutschland, 20 Prozent aus Österreich und 32 Prozent aus der Schweiz, an der Online-Umfrage zum HR-Report teilgenommen.2 Von den Befragten gehören 18 Prozent zur Unternehmens- leitung. Der Anteil an Führungskräften aus dem HR-Be- reich beträgt 25 Prozent, aus Fachabteilungen 38 Prozent. Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung nahmen zu 19 Prozent an der Umfrage zum HR-Report 2015/2016 teil (Abbildung 2). Bezogen auf die Unternehmensgröße stammen mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) aus Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern. 18 Prozent der Teilnehmer kommen aus Betrieben mit 1.000 bis unter 5.000 Mitar- beitern, weitere 28 Prozent sind Vertreter von großen Unternehmen mit 5.000 und mehr Beschäftigten. Die Umfrageteilnehmer stammen schwerpunktmäßig aus Unternehmen (87 %), wobei der Dienstleistungsbereich (52 %) stärker als Industrieunternehmen (35 %) vertreten ist. Befragte aus dem öffentlichen Sektor sind zu 13 Prozent vertreten. Auch 2015/2016 ist der Anteil der männlichen Befragten mit 61 Prozent deutlich höher als der der weiblichen Be- fragten mit 37 Prozent.3 Die Altersgruppen der Entscheider verteilen sich wie folgt: 23 Prozent sind bis zu 40 Jahre alt, 38 Prozent zwischen 40 und unter 50 Jahre, 36 Prozent sind 50 Jahre und älter.4 Die folgende Ergebnisdarstellung erfolgt in der Regel auf Basis aller Befragten. Spezifische Ergebnisse, bezogen auf Alter oder Geschlecht der Befragten, auf ihre Position im Unternehmen, die Unternehmensgröße, den Sektor oder das Land, werden einzelfallbezogen dargestellt. 1 Aus Gründen der vereinfachten Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet. Angesprochen sind jedoch stets beide Geschlechter. 2 Rundungsbedingt kann die Summe der Prozentwerte auch 99 Prozent oder 101 Prozent betragen. 3 2 Prozent der Befragten machte keine Angabe zu ihrem Geschlecht. 4 3 Prozent der Befragten machte keine Angabe zu ihrem Alter. KAPITEL 1 Hintergrund und Methodik
  • 7. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 7 Abbildung 2 Struktur der Befragten UNTERNEHMENSGRÖSSE BRANCHE ALTER DER BEFRAGTENPOSITION 54 % 28 % 18 % 13 % 35 % 38 % 18 % 25 % 19 % 23 % 36 % 38 % Weniger als 1.000 Mitarbeiter 1.000 bis 4.999 Mitarbeiter Mehr als 5.000 Mitarbeiter Dienstleistungsbereich Industrieunternehmen Öffentlicher Sektor Unter 40-Jährige 40- bis 49-Jährige Ab 50-Jährige Führungskräfte Fachbereiche Führungskräfte HR Mitarbeiter Unternehmensleitung 52 %
  • 8. 8 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 2 DIE TOP-HR-THEMEN Ein festes Element des HR-Reports bildet die Frage, welche HR-Themen aus Sicht der befragten Entscheider die drei wichtigsten sind. Für den HR-Report 2015/2016 haben wir das Thema Vorbereitung der Mitarbeiter auf die digitale Transformation um die bestehenden Punkte ergänzt.
  • 9. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 9 Seit dem ersten HR-Report im Jahr 2011 sind die Themen Führung, Unternehmenskultur, Mitarbeiterbindung und Beschäftigungsfähigkeit stets unter den Top Five der wichtigsten HR-Themen zu finden. Dies ist auch im aktuel- len HR-Report der Fall: Auf den ersten drei Plätzen liegen in dieser Reihenfolge die Weiterentwicklung der Unter- nehmenskultur, die Mitarbeiterbindung und die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit. Die Führung, die letztes Jahr noch das Topthema war, ist auf Platz 4 gerutscht. Dagegen ist die digitale Transformation in den Köpfen der Entschei- der noch nicht als Topthema verankert. Nach wie vor als weniger wichtig bewerten die Befragten die Punkte Diver- sity und Vergütungsmodelle, die auf den letzten Plätzen der Topthemen liegen. (Abbildung 3). Aufschlussreich ist bei den Top-HR-Themen die Auswer- tung nach der Position der Befragten im Unternehmen sowie nach dem Standort des Unternehmens. Sowohl die Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen als auch die Etablie- rung einer Work-Life-Balance werden von den befragten Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung für sehr viel wichtiger erachtet als von den Führungskräften. Dies fällt insbesondere bei der Work-Life-Balance auf. Für 42 Prozent der Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung ist sie ein Top-Drei-Thema, aber nur für 22 Prozent der be- fragten Geschäftsführer und 13 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich. Letzteren wiederum ist der Ausbau der Führung im Unternehmen sehr viel wichtiger (49 %) als den Führungskräften aus den Fachabteilungen (26 %) und den Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung (27 %). Neben der Mitarbeiterbindung ist den befragten Topma- nagern die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen (40 %, verglichen mit 34 % bzw. 35 % der Führungskräfte aus HR-Bereich und Fachabteilungen sowie lediglich 27 % der Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung). Zwischen den Ländern zeigen sich ebenfalls deutliche Un- terschiede. Wie in den Vorjahren nehmen der Ausbau der Führung, die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und die Steuerung der demografischen Entwicklung bei den deutschen Entscheidern eine sehr viel höhere Bedeutung ein als bei ihren Kollegen aus Österreich und der Schweiz. Gleiches gilt für den neu hinzugekommenen Aspekt, die Mitarbeiter im Unternehmen auf die digitale Transformati- on vorzubereiten. Diesen sehen 22 Prozent der deutschen, jedoch nur neun Prozent der österreichischen und elf Prozent der Schweizer Entscheider unter den Top-Drei-HR- Themen 2015. Der Mitarbeiterbindung wird in der Schweiz und in Österreich mit jeweils 45 Prozent der Nennungen ein höheres Gewicht eingeräumt als in Deutschland (32 %). Ebenso verhält es sich mit der Etablierung einer Work- Life-Balance für Mitarbeiter (38 % in Österreich und 30 % in der Schweiz, verglichen mit 20 % in Deutschland). Deut- lich wichtiger als in Deutschland (20 %) wird, analog zu den Ergebnissen des letzten Jahres, das Talent-Manage- ment in Österreich (36 %) und der Schweiz (32 %) angesehen. Abbildung 3 Die wichtigsten HR-Themen/Handlungsfelder Basis n = 532 Befragte Unternehmenskultur weiterentwickeln Mitarbeiter binden Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter fördern Führung im Unternehmen ausbauen Arbeitsstrukturen flexibilisieren Work-Life-Balance für Mitarbeiter etablieren Talent Management ausbauen Demografische Entwicklung steuern Neue Mitarbeiter gewinnen Mitarbeiter auf die digitale Transformation vorbereiten Diversity im Unternehmen fördern Neue Vergütungs- modelle aufsetzen 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
  • 10. 10 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 3 SCHWERPUNKT UNTERNEHMENSKULTUR Im HR-Report wurde der Unternehmenskultur bei der Nennung der zentralen HR-Themen in den vergangenen Jahren immer ein hoher bzw. sehr hoher Stellenwert beigemessen. Als Querschnittsthema prägt die Unternehmens- kultur alle HR-Handlungsfelder und Maßnahmen zu deren Etablierung im Unternehmensalltag entscheidend mit. Denn die im Miteinander gelebten Normen, Werte und Orientierungen beeinflussen maßgeblich das Denken und Handeln der Beschäftigten. Dabei wird oft der Vergleich mit einem Eis- berg herangezogen: Neben den sichtbaren Elementen der Kultur weisen insbesondere die unsichtbaren und dennoch prägenden Muster, Werte und Annahmen eine hohe Relevanz auf.5
  • 11. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 11 Die Unternehmenskultur ist damit das zentrale „Wertefun- dament“ und bildet die Basis für den unternehmerischen Erfolg. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass sowohl die Mit- arbeiter als auch die Führungskräfte die Strategien und Ziele ihres Arbeitgebers engagiert und motiviert umset- zen. Gerade in Anbetracht der Trends zu mehr Individua- lisierung und einer höheren unternehmerischen Vielfalt in der Belegschaft trägt die Kultur in hohem Maße dazu bei, einen gemeinsamen, sinnstiftenden Rahmen im Sinne eines „kulturellen Kerns“ zu vermitteln. Um sich ihr begrifflich zu nähern und sie für den HR-Report 2015/2016 zu ope- rationalisieren, haben wir sechs Bereiche identifiziert, die aus unserer Sicht die Unternehmenskultur am stärksten beeinflussen. Die Frage nach dem wichtigsten Thema der Unternehmenskultur zeigt, dass Kommunikation ganz oben steht, gefolgt von Führung und Flexibilität bzw. Verände- rungsbereitschaft (Abbildung 4). Dagegen erhalten die Bereiche Transparenz, Teilhabe/Partizipation und vor allem Vielfalt geringe Zustimmungswerte. Gefragt, wie gut die befragten Unternehmen in diesen sechs Feldern der Un- ternehmenskommunikation aufgestellt sind, zeigt sich ein eher ernüchterndes Bild (Abbildung 5). Das Ergebnis ist über alle Themen hinweg ‚nur‘ befriedigend. Den schlech- testen Mittelwert weisen hier die beiden Bereiche Teilhabe/ Partizipation (3,00) und Transparenz (2,96) auf. 5 Vgl.: Schein, E. H. (1995): Unternehmenskultur, Frankfurt 1995; Schmitt, M. (2015): Innovationskultur – Grundlage einer zukunftsfähigen Arbeitskultur, in: Widuckel, W./ de Molina, K./Ringlstetter, M. J./Frey, D. (Hrsg.) (2015): Arbeitskultur 2020. Herausforderungen und Best Practices der Arbeitswelt der Zukunft, Wiesbaden 2015, S. 73–87. Abbildung 4 Auswahl des wichtigsten Themas in der Unternehmenskultur Kommunikation Führung Teilhabe/Partizipation Flexibilität/ Veränderungsbereitschaft Transparenz Vielfalt 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %10 % 30 % 50 % 70 % 90 % 34 % 25 % 25 % 10 % 4 % 2 % Basis n = 532 Befragte • Kommunikation • Vielfalt • Führung • Transparenz • Flexibilität/ Veränderungsbereitschaft • Teilhabe/ Partizipation Die stärksten Bereiche in der Unternehmenskultur:
  • 12. 12 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur Abbildung 5 Wie gut sind die Unternehmen in den einzelnen Bereichen der Unternehmenskultur aufgestellt? 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % 55 % 30 % 11 % 42 % 39 % 18 % 37 % 46 % 17 % 33 % 42 % 25 % 32 % 42 % 25 % 32 % 45 % 19 % Kommunikation Führung Teilhabe/Partizipation Flexibilität/ Veränderungsbereitschaft Transparenz Vielfalt Diese empirischen Ergebnisse variieren nach der Position der Entscheider im Unternehmen. So halten 42 Prozent der befragten Geschäftsführer Kommunikation für den wich- tigsten Bereich, verglichen mit 36 Prozent der Führungs- kräfte aus Fachabteilungen, 29 Prozent der Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung und 27 Prozent der Füh- rungskräfte aus HR-Abteilungen. Wenn es um den Bereich Führung geht, dreht sich das Verhältnis nahezu um. So sehen die Führungskräfte aus den HR-Abteilungen diesen Bereich als besonders entscheidend an (35 %), dicht gefolgt von den Mitarbeitern ohne Führungsver- antwortung (31 %). Jedoch teilen nur 19 Prozent der Führungskräfte aus Fachabteilungen und 18 Prozent der Vertreter der Geschäftsleitung diese Ansicht. Basis n = 532 Befragte Sehr gut/gut Befriedigend Mangelhaft/ungenügend k. A.
  • 13. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 13 Über alle Bereiche der Unternehmenskultur hinweg sehen die Vertreter der Geschäftsleitung ihre Unternehmen häu- figer als sehr gut oder gut aufgestellt – im Gegensatz zu den anderen befragten Gruppen. Am deutlichsten zeigt sich diese unterschiedliche Wahrnehmung bei den Aspek- ten Kommunikation und Führung. So geben bezüglich der Kommunikation 63 Prozent und bezüglich der Führung 59 Prozent der Topmanager an, ihr Unternehmen sei sehr gut oder gut aufgestellt. Im Vergleich sehen dies aber nur 39 Prozent bzw. 34 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich sowie 37 Prozent bzw. 32 Prozent der Füh- rungskräfte aus Fachabteilungen so. Deutliche Unterschiede in der Unternehmenskultur zeigen sich auch im Hinblick auf die Sektoren. So legt der öffent- liche Sektor großen Wert auf Kommunikation (40 %, ver- glichen mit 36 % im Dienstleistungssektor und nur 27 % in der Industrie), während für die Industrie Flexibilität und Veränderungsbereitschaft die wichtigsten Bereiche der Unternehmenskultur sind (31 %, verglichen mit 24 % in den Dienstleistungsunternehmen und 13 % im öffentlichen Sektor). In der Umsetzung zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unter- schied in den Bereichen Teilhabe/Partizipation sowie Flexi- bilität und Veränderungsbereitschaft, in dem sich Industrie und Dienstleistungen als sehr viel besser aufgestellt sehen als der öffentliche Sektor. Im Folgenden werden die oben genannten Bereiche der Unternehmenskultur einer näheren Betrachtung unter- zogen. WIE GUT SIND DIE UNTERNEHMEN LAUT IHREN FÜHRUNGSKRÄFTEN IN DEN BEREICHEN KOMMUNIKATION UND FÜHRUNG AUFGESTELLT? 63% 39% 37% 59% 34% 32% Unternehmensleitung Führungskräfte HR-Bereich Führungskräfte Fachabteilungen Kommunikation Führung Angaben: Sehr gut/gut
  • 14. 14 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.1 Kommunikation Kommunikation ist eines der Kernelemente einer erfolgrei- chen Unternehmenskultur. Hierbei nimmt eine offene und durchgängige Informationspolitik über alle Hierarchieebe- nen hinweg einen hohen Stellenwert ein. Im Rahmen des HR-Reports 2015/2016 wurden die Entscheider zu zentra- len Aspekten der Kommunikation im Zusammenhang mit der Unternehmenskultur befragt – sowohl in Bezug auf deren Bedeutung als auch auf deren Umsetzung in ihren Unternehmen. Sofort ins Auge fällt, dass auch im Bereich Kommunikation die weichen Themen die höchste Bedeu- tung haben: offener Umgang mit kritischen Themen, wert- schätzende Kommunikation sowie die Etablierung einer Feedbackkultur (Abbildung 6). Aber gerade bei diesen drei wichtigen Themen klaffen erhebliche Lücken zwischen Soll und Ist. Abbildung 6 Die wichtigsten Themen im Bereich Kommunikation und deren Umsetzung in den Unternehmen KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Regelmäßige Kommunikation zwischen Vorstand/Geschäftsführung und Mitarbeitern Kollaborative Kommunikationsplattformen Förderung der formellen Kommunikation Etablierung von informellen Kommunikationsplätzen Aktives Zuhören Offener Umgang mit kritischen Themen Etablierung einer Feedbackkultur Wertschätzung in der Kommunikation auf einer Unternehmensebene Wertschätzung in der Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern Hierarchieübergreifende offene Kommunikation
  • 15. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 15 Umgekehrt haben Unternehmen die als weniger wichtig erachteten harten Themen wie informelle Kommunika- tionsplätze und regelmäßige Kommunikation zwischen Vorstand und Mitarbeitern wesentlich besser umgesetzt. Sie sind wohl einfacher zu realisieren. Bei der Differenzie- rung der Aussagen nach der Position der Befragten im Unternehmen sind sich alle über die Bedeutung der Aspek- te recht einig. Ganz anders sieht dies bei der Einschätzung der Umsetzung aus. So bewerten die befragten Topmanager den offenen Umgang mit kritischen Themen und das aktive Zuhören wesentlich positiver als die übrigen Befragten: 45 Prozent von ihnen meinen, in ihren Unternehmen werde ein offener Umgang mit kritischen Themen gepflegt. Allerdings sehen dies nur 20 Prozent der Führungskräfte aus Fachabteilun- gen, 16 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich und 17 Prozent der Mitarbeiter so. Auch bei der Wertschät- zung in der Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern besteht ein deutliches Gap in der Wahrneh- mung der realen Umsetzung. Während nur 28 Prozent der Mitarbeiter diese Wertschätzung als umgesetzt ansehen, trifft dies auf 38 Prozent der Führungskräfte aus Fachab- teilungen, 40 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Be- reich und knapp die Hälfte der Vertreter der Geschäftslei- tungen zu. Fast identisch verhält es sich mit den Einschätzungen zur hierarchieübergreifenden offenen Kommunikation: Nur für 23 Prozent der Mitarbeiter und 28 Prozent der Führungs- kräfte aus Fachabteilungen ist sie gut umgesetzt. Dagegen stehen 49 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich sowie 55 Prozent der Vertreter der Geschäftsführung, die sie als gelebte Realität ansehen. INWIEWEIT SEHEN FÜHRUNGSKRÄFTE UND MITARBEITER DEN OFFENEN UMGANG MIT KRITISCHEN THEMEN ALS UMGESETZT AN? Führungskräfte HR-Bereich Unternehmensleitung Führungskräfte Fachabteilungen 45 % 20 % 17 % 16 % Mitarbeiter Angaben: sehr gut/gut
  • 16. 16 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.2 Führung Führungskräfte an der Schnittstelle zwischen Unterneh- mensleitung und Mitarbeitern tragen wesentlich dazu bei, dass die gewünschte Unternehmenskultur tatsächlich in der Organisation gelebt wird. Um den Rahmen zu skizzieren, in dem Führung gegen- wärtig stattfindet, wurde zunächst nach den fünf größten Herausforderungen für Führungskräfte gefragt und danach, welche davon bereits in Angriff genommen wurden (Abbildung 7). Wie schon im letzten HR-Report bestehen nach Ansicht der befragten Entscheider die größten Herausforderungen im Managen von Veränderungen, im Umgang mit der steigenden Komplexität im Führungsbereich und in der Wahrnehmung der Vorbildfunktion. Wie im Vorjahr zeigt sich hier ein erheblicher Nachholbe- darf in Bezug darauf, welche dieser Herausforderungen bereits im Unternehmen angegangen werden. Im vergangenen Jahr traten die Unterschiede in den Aus- sagen in Abhängigkeit von der Position der Befragten deutlich hervor. Dies zeigt sich auch im HR-Report 2015/ 2016: Die Einschätzungen zur Bedeutung der Herausforde- rungen für Führungskräfte gleichen sich weitgehend. Doch wie im Jahr zuvor sind die Geschäftsleitungen und Füh- rungskräfte in nahezu allen Bereichen der Ansicht, dass sie diese großen Herausforderungen schon angegangen sind. Dagegen antworten die Mitarbeiter deutlich zurückhalten- der – insbesondere bei der Wahrung von Glaubwürdigkeit und der Wahrnehmung der Vorbildfunktion, aber auch in Bezug auf das Managen von Veränderungen. KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur Abbildung 7 Die größten Herausforderungen für Führungskräfte und deren Umsetzung 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Umgang mit wachsender Komplexität im Führungsbereich Wahrung von Glaubwürdigkeit Erreichen der gesetzten Ziele Umgang mit Kostendruck Managen von Veränderungen Wahrnehmung der Vorbildfunktion Schaffung von Transparenz Beachtung der eigenen Work-Life-Balance Managen der zunehmenden Vielfalt in der Belegschaft Basis n = 532 Befragte Größte Herausforderungen Umsetzung
  • 17. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 17 ANFORDERUNGEN AN FÜHRUNGSKRÄFTE IN RELATION ZUR UNTERNEHMENSGRÖSSE Anforderungen an Führungskräfte Auch bei den Anforderungen, die an Führungskräfte gestellt werden, zeigen sich hohe Übereinstimmungen zwischen den Ergebnissen der Jahre 2014 und 2015. Wie schon im Vorjahr finden sich unter den Top Five das Etablieren einer Feedbackkultur, die Motivation der Beleg- schaft, das Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter und das Agieren als Ansprechpartner. Neu aufgerückt in die am häufigsten genannten Anforde- rungen ist die Gewährung von Freiräumen für Mitarbeiter, wohingegen das Führen regelmäßiger Mitarbeitergesprä- che auf Platz 6 rutschte. Bezogen auf die Unternehmensgröße zeigen sich vor allem in zwei Aspekten unterschiedliche Einschätzungen der Ent- scheider. So sehen Großunternehmen häufiger als kleinere und mittlere Betriebe die Aufgabe von Führungskräften darin, ihren Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten aufzu- zeigen und sie zu motivieren (61 % bzw. 65 % in Großunter- nehmen im Vergleich zu 48 % bzw. 52 % in Betrieben mit bis zu 999 und 50 Prozent bzw. 51 % in Betrieben mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitern). Der differenzierte Blick auf die Position der Entscheider zeigt einige Ergebnisse, die sich eindeutig auf die mit der Position verbundenen Arbeitsinhalte zurückführen lassen: So sehen Führungskräfte aus Fachabteilungen die Aufga- benkoordination deutlich stärker als ihre Aufgabe an als die übrigen Befragten. Für Führungskräfte aus dem HR- Bereich haben dagegen die Etablierung einer Feedback- kultur und das Führen regelmäßiger Mitarbeitergesprä- che eine viel stärkere Bedeutung. Deutlich divergieren die Meinungen zur Gewährung von Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation: 57 Prozent der Mitarbeiter erwarten hier Unterstützung von ihren Führungskräften. Jedoch sehen dies nur je 33 Prozent der befragten Geschäftsleitungsvertreter und der Führungs- kräfte aus Fachabteilungen sowie 29 Prozent der HR-Füh- rungskräfte als Anforderung an sich selbst an. Auch dies deckt sich mit den Ergebnissen des Vorjahres. Stolpersteine für Führungskräfte Auch in Bezug auf die Stolpersteine, mit denen Führungs- kräfte sich konfrontiert sehen, haben sich die Einschätzun- gen kaum verändert. Mit großem Vorsprung ist es auch in 2015 wieder der Mangel an Zeit für Führungsaufgaben. Diesen Mangel beklagen alle Gruppen, nach denen in dieser Befragung differenziert wird, gleichermaßen. Die Problematik, dass Führungskräften zu wenig Zeit für das operative Tagesgeschäft bleibt, findet sich häufiger in der Industrie und im Dienstleistungsbereich als im öffentli- chen Sektor. Zudem tritt sie in Österreich und der Schweiz stärker auf als in Deutschland. Hier wird jedoch häufiger als Stolperstein erkannt, die Mitarbeiter „loslassen“ zu müssen (70 %) als in Österreich (66 %) und vor allem in der Schweiz (56 %). 61 % 65 % 48 % 52 %51 % 50 % Großunternehmen 1.000-4.999 Mitarbeiter Bis zu 999 Mitarbeiter Mitarbeitern Entwicklungs- möglichkeiten aufzeigen Mitarbeiter motivieren
  • 18. 18 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.3 Flexibilität/Veränderungsbereitschaft Unternehmen sehen sich in den vergangenen Jahren zu- nehmend dynamischeren Rahmenbedingungen mit hoher Volatilität und einer abnehmenden Prognosefähigkeit der künftigen Entwicklungen gegenüber. Mehr denn je braucht man die Fähigkeit, die Prozesse und Strukturen und letzt- lich die gesamte Wertschöpfungskette so auszugestalten, dass ein aktiver Umgang mit Veränderungen erfolgen kann und die erforderliche Geschwindigkeit in der Umsetzung dieser Veränderungen gewährleistet ist. Dazu bedarf es nicht zuletzt neuer Organisationsformen wie die betriebliche Projektwirtschaft. Denn die traditi- onellen Ablauf- und Aufbauorganisationen können den rasanten Wandel von Märkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen in einem vernetzten, globalisierten und wissensintensiven Umfeld nicht mehr abbilden. Auch die Mitarbeiter selbst lassen sich aufgrund ihrer Bedürfnisse immer weniger in starre Strukturen einbinden.6 Unsere Fragen lauteten daher: Wie flexibel sind die Unter- nehmen, aus denen die befragten Entscheider kommen? Und wie hoch schätzen sie die Bedeutung von Flexibilität und Veränderungsbereitschaft als wichtiges Element der Unternehmenskultur ein? Es fällt auf, dass die im Zusammenhang mit Flexibilität und Veränderungsbereitschaft aufgeführten Punkte – im Gegensatz zu den anderen abgefragten Bereichen der Unternehmenskultur – durchweg hohe Zustimmungswerte erhalten (Abbildung 8). Selbst bei der mit der geringsten Wichtigkeit versehenen Umsetzung neuer Organisations- formen sind immerhin noch knapp 50 Prozent der Ent- scheider von deren Bedeutung überzeugt. Eine hohe Diskrepanz zwischen Bedeutung und tatsächlicher Um- setzung tritt jedoch auch hier wieder deutlich zutage. Am stärksten fällt sie in Bezug auf die Sicherstellung der erforderlichen Geschwindigkeit bei der Umsetzung von 6 Vgl.: Rump, J./Schabel, F. (2011): Organisation 2.0 oder: Die Uneinheitlichkeit der Unternehmenswelt, in: Rump, J./Schabel, F./Grabmeier, S. (Hrsg.) (2011): Auf dem Weg in die Organisation 2.0. Mut zur Unsicherheit, Sternenfels 2011, S. 13–21; Abele, E./Reinhart, G. (2011): Zukunft der Produktion. Herausforderungen, Forschungsfelder, Chancen, München 2011.
  • 19. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 19 Veränderungen aus. Gerade einmal 17 Prozent der Befrag- ten meinen, dass ihre Organisation das notwendige Tempo für die Umsetzung von Veränderungen vorlegt. Aber auch der aktive Umgang mit Veränderungen – das wichtigste Item aus Sicht der Entscheider – ist noch nicht einmal in der Hälfte der Unternehmen umgesetzt. Obgleich sich die Einschätzungen der Entscheider in den unterschiedlichen Positionen im Unternehmen zur Wichtig- keit von Flexibilität und Veränderungsbereitschaft nur ge- ringfügig unterscheiden, zeigt sich in der Beurteilung der Umsetzung wiederum, dass die Vertreter der Geschäfts- leitung zu mehr als 60 Prozent die Ansicht vertreten, ihr Unternehmen gehe aktiv mit Veränderungen um. Diese Ansicht teilen allerdings nur 42 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich, 38 Prozent der Führungskräfte aus Fachabteilungen und 36 Prozent der Mitarbeiter. Wenn- gleich nicht mit derselben Deutlichkeit, zeigt sich diese Tendenz auch bei der Herstellung einer hohen Kunden- nähe. Interessanterweise sind hier die Mitarbeiter stärker als ihre Führungskräfte und Geschäftsleitungen davon überzeugt, dass ihr Unternehmen neue Markttrends schnell aufgreift. Altersbezogen treten in der Einschätzung der Wichtigkeit zwei Auffälligkeiten hervor, die jedoch nahezu selbsterklärend sind. So setzen die Jüngeren eher auf das Aufgreifen neuer Markttrends (69 % in der jüngsten Alters- gruppe verglichen mit 52 % in der ältesten Gruppe). Mit zunehmendem Alter der Befragten steigt die Bedeutung der Kundennähe stärker: 79 Prozent der ab 50-Jährigen, verglichen mit 65 Prozent der bis 40-Jährigen. Allerdings schätzen die Vertreter der unterschiedlichen Altersgrup- pen die Umsetzung einzelner Aspekte differenziert ein. Während jeweils knapp die Hälfte der 40- bis 50-Jährigen sowie der ab 50-Jährigen die Ansicht vertreten, ihr Unter- nehmen gehe aktiv mit Veränderungen um, sehen dies die bis 40-Jährigen nur zu 32 Prozent so. Abbildung 8 Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Flexibilität/Veränderungsbereitschaft und deren Umsetzung in Unternehmen Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Gezielte Nutzung strategischer Allianzen Schnelles Aufgreifen neuer Markttrends Aufbau von flexiblen Wertschöpfungs- ketten, angepasst an Markterfordernisse Aktiver Umgang mit Veränderungen Sicherstellung der erford. Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Veränderungen Herstellung einer hohen Kundennähe Umsetzung neuer Organisationsformen
  • 20. 20 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.4 Transparenz Die Unternehmenskultur entscheidet nicht zuletzt darüber, welche Mitarbeiter ein Unternehmen gewinnen und binden kann, denn gute Arbeitnehmer haben die Unternehmens- kultur auf ihrer internen Entscheidungsmatrix. Dabei ist die Kultur ein Gradmesser, an dem sich (potenzielle) Mitar- beiter orientieren, um herauszufinden, ob sie in das jewei- lige Unternehmen passen oder nicht. Dazu gehört, dass das Auftreten nach außen stimmig ist mit den innerbe- trieblichen Geschehnissen. Eine Selbstdarstellung nach au- ßen, die im Widerspruch zur Unternehmenskultur steht, wird über kurz oder lang als „Mehr Schein als Sein“ erkannt werden. Damit verliert das Unternehmen seine Glaubwür- digkeit sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch auf dem Absatzmarkt. Zur Transparenz gehört zudem die Einhaltung bestehender Compliance-Richtlinien. Entscheidend für die Glaubwür- digkeit nach innen ist vor allem, dass Entwicklungen und Entscheidungen für die Beschäftigten nachvollziehbar und ihnen die Unternehmensziele bekannt sind. Nur dann können sie sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren und den Wertbeitrag des eigenen Handelns für das Gesamtunter- nehmen einschätzen. Wie bereits im Zusammenhang mit der Kommunikation angeführt, ist es daher unerlässlich, einen offenen Umgang mit den Beschäftigten zu pflegen. Bezüglich der Transparenz stellten wir den Entscheidern ebenfalls die beiden Fragen, welche Bedeutung die wich- tigsten Themen hierzu aus ihrer Sicht einnehmen und wie erfolgreich ihre Unternehmen diese in die Tat umsetzen (Abbildung 9). Die zur Auswahl gestellten Aspekte der Transparenz werden von den Befragten in hohem Maße als wichtig angesehen. Insbesondere die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, die Offenheit über die aktuelle Situation des Unternehmens und die Bekanntheit der Unternehmensziele spielen eine große Rolle. Die geringste Bedeutung wird der Offenheit KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur Abbildung 9 Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Transparenz in den Unternehmen und deren Umsetzung 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen Offenheit über Kennzahlen Einhalten von Compliance-Richtlinien Stimmigkeit des Auftretens nach außen mit den innerbetrieblichen Geschehnissen Offenheit über aktuelle Situation des Unternehmens Bekanntheit der Unternehmensziele Nachvollziehbarkeit von Entwicklungen Offenheit über Gehaltsmodelle/Benefits Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
  • 21. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 21 über Gehaltsmodelle bzw. Benefits beigemessen. Der Blick auf die Umsetzung zeigt, dass vor allem beim Thema Nach- vollziehbarkeit von Entwicklungen und Entscheidungen aus Sicht der Befragten noch deutliche Defizite bestehen. Compliance-Richtlinien hingegen werden aus ihrer Sicht durchaus zufriedenstellend eingehalten; ebenso herrscht Offenheit über Kennzahlen. Was die Differenzierung nach der Position der Entscheider im Unternehmen anbelangt, messen die Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung der Offenheit bezüglich Gehalts- modellen bzw. Benefits eine sehr viel höhere Bedeutung bei (39 %) als die übrigen Gruppen (20 % bei den Vertre- tern der Geschäftsleitungen, 21 % bei den Führungskräften aus dem HR-Bereich und 27 % bei den Führungskräften aus Fachabteilungen). Dagegen spielt die Offenheit in Bezug auf Kennzahlen für die „normalen“ Mitarbeiter eine deutlich geringere Rolle als für alle anderen Befragten. Erhebliche Unterschiede zeigen sich auch hier in der Ein- schätzung der Umsetzung. So ist auffällig, dass die Vertreter des Topmanagements in hohem Maße als realisiert ansehen, dass Entwicklungen und Entscheidungen nachvollziehbar sind, Offenheit über die aktuelle Situation des Unternehmens herrscht und das Auftreten nach außen stimmig mit den innerbetrieblichen Geschehnissen ist. Dies deckt sich jedoch in keiner Weise mit den Einschätzungen gerade der Mitarbeiter, die hier noch enormen Realisierungsbedarf sehen. Was die meist schriftlich dokumentierten Aspekte wie Kennzahlen, Gehaltsmodelle oder Unternehmensziele angeht, herrscht hingegen eine sehr viel größere Übereinstimmung. Er- staunlich ist noch, dass nur 36 Prozent der Geschäftslei- tungsvertreter, aber jeweils mehr als die Hälfte der übrigen Befragtengruppen davon ausgehen, dass Compliance- Richtlinien eingehalten werden. UNTERSCHIEDLICHE EINSCHÄTZUNG ZUR UMSETZUNG – IN ABHÄNGIGKEIT DER POSITION 49% Unternehmens- leitung Führungskräfte Fachabteilungen Mitarbeiter Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen Offenheit über aktuelle Situation des Unternehmens Führungskräfte HR-Bereich 24% 18% 14% 61% 55% 47% 41%
  • 22. 22 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.5 Teilhabe/Partizipation Studien zeigen seit Jahren, dass die Partizipation von Be- schäftigten einen nicht zu unterschätzenden Motivations- faktor darstellt, der die Identifikation und Leistungsfähig- keit deutlich erhöht. Gerade die jüngere Generation fordert dies vehement ein. Wesentliche Bestandteile einer Unter- nehmenskultur, die auf Teilhabe und Partizipation setzt, sind die Gewährung von Handlungsspielräumen für Mitar- beiter, ihre aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen und die Förderung ihrer Eigenverantwortung. Ebenfalls bedeutsam ist es, die Vernetzung im Unternehmen auch über Hierarchieebenen hinweg zu fördern. Dazu können neue partizipative Methoden, z. B. Open Space, genutzt werden. Auf Unternehmensebene nimmt die Relevanz der verstärkten Einbindung von Stakeholdern zu: Kunden wie Lieferanten werden immer intensiver an Prozessen betei- ligt, um beispielsweise neue Produkte und Services aktiv mitzugestalten. Inwieweit erachten die Befragten die genannten Aspek- te als wichtig und sind diese bereits umgesetzt? Auch hier zeigt sich zwischen Bedeutung und Umsetzung der wichtigen Aspekte zur Teilhabe eine erhebliche Differenz (Abbildung 10). Im Unterschied zu den beiden vorherigen Bereichen der Unternehmenskultur unterscheidet sich die Wichtigkeit der einzelnen abgefragten Aspekte hier erheblich. Sie reicht von 28 Prozent in Bezug auf die Mitsprache bei personel- len Entscheidungen bis zu 94 Prozent bei der Gewährung von Handlungsspielräumen. Was den Soll-Ist-Vergleich anbelangt, sehen die Befragten vor allem in Bezug auf Handlungsspielräume, Eigenverantwortung, Vernetzung und die aktive Beteiligung der Mitarbeiter noch sehr hohen Handlungsbedarf in ihren Unternehmen. Wieder sind sich alle befragten Gruppen vergleichsweise einig, was die Bedeutung der angeführten Aspekte betrifft. In Bezug auf die Umsetzung zeigt sich dagegen, dass mit zunehmender Unternehmensgröße die Handlungsspielräu- me für die Mitarbeiter kleiner und ihre aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen geringer werden. Zudem redu- zieren sich die Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes erheblich (von 54 % in Unternehmen unter 1.000 Mitarbeitern auf 43 % in mittleren und 30 % in gro- ßen Unternehmen), ebenso wie die Mitsprache bei perso- nellen Entscheidungen, die immerhin in 21 Prozent der klei- neren Betriebe, aber nur in neun Prozent der Unternehmen KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur
  • 23. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 23 ab 5.000 Mitarbeitern möglich ist. Andererseits werden in Großunternehmen deutlich häufiger neue partizipative Methoden genutzt. Die Vernetzung über Hierarchieebenen hinweg funktioniert am besten in den Betrieben mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitern. Ähnlich wie schon in Bezug auf andere Aspekte fällt die Einschätzung der Vertreter der Geschäftsleitungen auch bei der Frage nach der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Teilhabe und Partizipation bei einigen Aspekten deutlich positiver aus als bei den übrigen Befragten. So geben sie zu je 64 Prozent an, dass in ihren Unterneh- men den Mitarbeitern Handlungsspielräume gewährt und deren Eigenverantwortung gefördert wird, 53 Prozent vertreten die Ansicht, dass die Mitarbeiter werden aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Von den betrof- fenen Mitarbeitern sehen jedoch nur 49 Prozent Hand- lungsspielräume als gegeben an und 52 Prozent meinen, ihre Eigenverantwortung werde gefördert. Noch deutlicher lauten die Abweichungen bei den beiden darauffolgenden Items. Für nur 22 Prozent der befragten Mitarbeiter ist eine aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen gegeben, nur zwölf Prozent berichten von einer Mitsprache bei per- sonellen Entscheidungen. Abbildung 10 Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Teilhabe/Partizipation und deren Umsetzung in den Unternehmen 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Stärkere Einbindung von Stakeholdern (wie Kunden oder Lieferanten) in Prozesse Möglichkeit der Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes Vernetzung über Hierarchieebenen hinweg Gewährung von Handlungs- spielräumen für Mitarbeiter Förderung der Eigenverantwortung der Mitarbeiter Aktive Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen Nutzung neuer partizipativer Methoden, z. B. Open Space Mitsprache bei personellen Entscheidungen Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
  • 24. 24 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 3.6 Vielfalt Vielfalt zeigt sich in Unternehmen auf unterschiedliche Weise. Sie ist häufig die Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen wie die Sicherung der Fachkräftebasis durch die Nutzung aller vorhandenen Potenziale bis hin zu eher unterrepräsentierten Gruppen. So ist es in zahlrei- chen Unternehmen ein alltägliches Phänomen, dass ihre Belegschaften zunehmend „bunter“ werden – nicht nur im Hinblick auf die klassischen Dimensionen wie Geschlecht, Alter und kultureller Hintergrund, sondern auch in Bezug auf die verschiedenen Lebensentwürfe der Beschäftig- ten und ihre Arbeitsmodelle. Um mit Vielfalt angemes- sen umzugehen und sie möglichst optimal auszunutzen, bedarf es zunächst der Verankerung der Thematik in der Geschäftsführung und aktiver Schritte des HR-Bereichs, beispielsweise durch eine Einstellungspolitik gemäß klar definierten Diversity-Kriterien. Es gilt, alle Beschäftigten – insbesondere Führungskräfte – für bestehende Klischees und Stereotypen zu sensibilisieren und die Akzeptanz von nicht geradlinigen Erwerbsbiografien, aber auch von vielfältigen Teams zu fördern. Dazu ist es empfehlens- wert, eine innerbetriebliche Öffentlichkeit für Vielfalt zu etablieren und Arbeitsgruppen zur Thematik einzurichten. Da Vielfalt bereits in den Vorjahren zu den Themen des HR-Reports zählte, werden die Ergebnisse des Jahres 2015 in den Kontext der Vorgängerstudien gestellt.7 Die Themen, die von den befragten Entscheidern als die wichtigsten im Rahmen einer vielfältigen Unternehmens- kultur angesehen werden, sind die Förderung der Akzep- tanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte, die Ver- ankerung der Thematik in der Geschäftsleitung und ein aktives Herangehen seitens HR. Ebenso wird es von jeweils mehr als der Hälfte der Entscheider als wichtig erachtet, das gesamte Unternehmen für bestehende Klischees bzw. Abbildung 11 Die wichtigsten Maßnahmen im Bereich Vielfalt und deren Umsetzung in den Unternehmen KAPITEL 3 Schwerpunkt Unternehmenskultur 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Förderung der Akzeptanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte Einstellungspolitik gemäß definierten Diversity-Kriterien Akzeptanz von Erwerbs- biografien mit Brüchen Etablierung einer innerbetrieblichen Öffentlichkeit für Vielfalt Verankerung der Thematik in der Geschäftsleitung Aktives Herangehen seitens HR an die Thematik Sensibilisierung für bestehende Klischees/Stereotypen Einrichtung von Arbeitsgruppen zur Thematik Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung
  • 25. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 25 7 Nicht alle Items, die im HR-Report 2015/2016 abgefragt werden, sind identisch mit denen der Vorjahresstudie 2014/2015. Zudem gilt es zu beachten, dass in diesem Jahr erstmals die Auswahl der Top Five zwingend vorgegeben wurde. Die Ergebnisse des HR-Reports 2013/2014 sind nur bedingt vergleichbar, da damals als Schwerpunkt „Gender Diversity“ gewählt wurde. Stereotypen zu sensibilisieren und eine innerbetriebliche Öffentlichkeit für Vielfalt zu etablieren. Die Verankerung der Thematik in der Geschäftsleitung, die Förderung der Akzeptanz und die Sensibilisierung standen auch 2014 bereits oben in der Rangliste der entscheidenden Faktoren zur Förderung von Diversity. Wie im Vorjahr fällt die Kluft zwischen Soll und Ist erheb- lich aus. Besonders hoher Nachholbedarf besteht nach Ansicht der Entscheider, wenn es um die Förderung der Akzeptanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte und um die Verankerung der Thematik in der Geschäftsleitung geht (Abbildung 11). Wenngleich sich die Vertreter unterschiedlicher Unterneh- mensgrößen bei der Bedeutung der Aspekte einer vielfälti- gen Unternehmenskultur weitgehend einig sind, so zeigen sich signifikante Unterschiede in der Umsetzung. Nicht überraschend: Der HR-Bereich – den es in vielen kleinen Betrieben in dieser Form nicht explizit gibt – ist in Unter- nehmen ab 1.000 Mitarbeitern sehr viel aktiver involviert als in Betrieben unterhalb dieser Größe. Auch eine Einstel- lungspolitik gemäß definierten Diversity-Kriterien und die Einrichtung spezieller Arbeitsgruppen zur Thematik finden sich mit zunehmender Unternehmensgröße immer häufi- ger. Die kleineren Betriebe zeigen sich allerdings deutlich offener, wenn es um Erwerbsbiografien mit Brüchen geht. Diese werden nach Einschätzung der Entscheider von 30 Prozent der kleineren Unternehmen, aber nur von 22 Prozent der mittleren und 19 Prozent der großen Unter- nehmen akzeptiert. Erwerbsbiografien mit Brüchen werden in den unterschied- lichen Ländern, die an der Studie teilnehmen, äußerst dif- ferenziert wahrgenommen. So halten 62 Prozent der deut- schen Befragten deren Akzeptanz für wichtig, jedoch nur 40 Prozent ihrer Kollegen aus der Schweiz und 31 Prozent aus Österreich. In der Umsetzung zeigt sich das gleiche Bild: 35 Prozent der Deutschen glauben, dass solche Er- werbsbiografien in ihren Unternehmen akzeptiert werden, verglichen mit 19 Prozent der Schweizer und 15 Prozent der Österreicher. In Österreich hingegen scheint die Akzeptanz vielfältiger Teams durch Führungskräfte deutlich besser zu sein. So geben 50 Prozent der österreichischen Entschei- der (verglichen mit 37 % aus der Schweiz und % Prozent aus Deutschland) an, diese werde gefördert. Deutschland Schweiz Österreich 62% 40% 31% 35% 19% 15% Wichtigkeit Umsetzung WICHTIGKEIT DER AKZEPTANZ VON ERWERBSBIOGRAFIEN MIT BRÜCHEN UND DEREN UMSETZUNG
  • 26. 26 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur Nahezu identisch zum Vorjahr geben 64 Prozent der teilnehmenden Un- ternehmen an, neue Mitarbeiter einzustellen. Auf Mitarbeitersuche sind vor allem die Betriebe mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitern (77 %), verglichen mit 69 Prozent der Betriebe ab 5.000 Beschäftigten sowie 57 Prozent der kleineren Unternehmen. KAPITEL 4 ERFOLGSKRITISCHE HANDLUNGSFELDER
  • 27. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 27 4.1 Mitarbeitergewinnung Jobportale im Internet sowie die eigenen Unternehmens- kanäle sind weiterhin die Hauptrekrutierungskanäle für die Unternehmen. An dritter Stelle stehen externe Dienstleis- ter, erst danach folgen Social-Media-Plattformen. Das heißt, die befragten Unternehmen setzen offenbar weniger als vielfach vermutet auf die einschlägigen sozialen Netzwer- ke, um Mitarbeiter zu gewinnen. In Deutschland ist die Nutzung noch etwas stärker ausgeprägt (24 %) als in Österreich (11 %) und in der Schweiz (14 %). Dagegen arbeiten Schweizer und österreichische Unter- nehmen sehr viel häufiger mit externen Dienstleistern zu- sammen als ihre deutschen Kollegen (50 % bzw. 52 % im Vergleich zu 31 % in Deutschland). Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den Sektoren. So werden externe Dienstleister in erster Linie von Unternehmen aus der Industrie (46 %) und dem Dienstleistungsbereich (42 %) nachgefragt. Zudem rekrutieren Dienstleister neue Kolle- gen sehr viel häufiger als die Industrie und der öffentliche Dienst nach dem Motto „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“. 46 Prozent der Unternehmen, die nach neuen Mitarbeitern suchen, rekrutieren diese landesweit, 42 Prozent regional, 21 Prozent weltweit und 19 Prozent EU-weit. Insgesamt 63 Prozent der befragten Unternehmensvertre- ter suchen ihre Fachkräfte nur im Inland. Wie in den Vor- jahren wird international vor allem im deutschsprachigen Ausland (37 %) und in Westeuropa (26 %) rekrutiert. Nach wie vor steht Südeuropa trotz der hohen Arbeitslosigkeit nicht im Fokus der Rekrutierungsbemühungen (knapp 1 %). Dem Trend der letzten Jahre folgend, zeigt sich auch 2015, dass mit zunehmender Unternehmensgröße vermehrt im Ausland gesucht wird. Während in Deutschland die Fachkräfte überwiegend innerhalb der eigenen Landesgrenzen rekrutiert werden, orientierte sich die Mitarbeitergewinnung in Österreich und der Schweiz stärker nach außen. Dabei steht bei der internationalen Rekrutierung das deutschsprachige Ausland wie schon seit 2011 vor allem bei den Schweizer Unternehmen hoch im Kurs (50 %, verglichen mit 27 % der deutschen und 23 % der österreichischen Unternehmen). Die deutschen Betriebe suchen hingegen sehr viel stär- ker in Westeuropa (40 %) als ihre Nachbarn, während in Österreich traditionell der nahe gelegene osteuropäische Arbeitsmarkt eine größere Rolle spielt (33 %). NUTZUNG DER EINZELNEN REKRUTIERUNGSKANÄLE 81% Jobportale im Internet 76% Eigene Unter- nehmenskanäle 20% Printmedien 40% Externe Dienstleister 36 % Mitarbeiter werben Mitarbeiter 18% Social-Media-Plattformen
  • 28. 28 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur 4.2 Mitarbeiterbindung In diesem Jahr hat die Bedeutung der Mitarbeiterbindung aus Sicht der Befragten zugenommen (69 %, Vorjahres- wert 61 %). Als die am meisten geeigneten Instrumente, um Mitarbeiter zu binden, sehen die Befragten interessante Aufgaben (71 %), ein gutes Betriebsklima (65 %) und eine marktgerechte Entlohnung an (49 %). Als weniger bedeu- tend angesehen werden dagegen die Themen flexible Arbeitszeiten (47 %), Personalentwicklung (43 %) sowie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (42 %). Im Ver- gleich zwischen der Bedeutung der einzelnen Bindungs- instrumente und ihrer realen Umsetzung zeigen sich vor allem zwei Tendenzen: Als je weniger relevant ein Werk- zeug angesehen wird, umso eher ist es bereits realisiert. Und zum Zweiten sind harte Themen besser umgesetzt als die sogenannten weichen Themen, die aber wiederum als wichtiger für die Mitarbeiterbindung bewertet werden. Ein Beispiel für diese Tendenz sind betriebliche Zusatz- leistungen, die kaum ein Entscheider unter seinen Top Five hat (10 %), die jedoch in 41 Prozent der Unternehmen schon verbreitet sind. Ähnlich verhält es sich mit Maß- nahmen zur Gesundheitsförderung und – wenn auch in geringerem Maße – mit flexiblen Abbildung 12 Die wichtigsten Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung und deren Umsetzung in den Unternehmen KAPITEL 4 Erfolgskritische Handlungsfelder Basis n = 532 Befragte Wichtigkeit Umsetzung 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Interessante Aufgaben Differenziertes Führungsverhalten Reputation des Arbeitgebers Mobile Arbeit Beschäftigungssicherheit Gute Karriereperspektiven Betriebliche Zusatzleistungen Gutes Betriebsklima Marktgerechte Entlohnung Flexible Arbeitszeiten Personalentwicklung Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
  • 29. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 29 Arbeitszeiten und mobiler Arbeit. Immerhin sind gerade flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit eines Homeoffice in vielen Unternehmen mittlerweile fest verankert. Bei den weichen Themen hapert es dagegen mit der Realisierung. So sind ein gutes Betriebsklima nur in 45 Prozent und interessante Aufgaben in 52 Prozent der befragten Unter- nehmen umgesetzt (Abbildung 12). Bei der Betrachtung der Instrumente zeigen sich innerhalb der einzelnen Positionen ebenfalls große Differenzen. Die Personalentwicklung halten beispielsweise 56 Prozent der Führungskräfte aus dem HR-Bereich als Bindungsinstru- ment, jedoch nur 34 Prozent des Topmanagements und 38 Prozent der Führungskräfte aus den Fachbereichen für geeignet. Umgesetzt ist die Personalentwicklung laut den HR-Füh- rungskräften bereits zu knapp 50 Prozent, die übrigen Be- fragten stimmen dem lediglich zu maximal 30 Prozent zu. Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei den Instrumenten gutes Betriebsklima und differenziertes Führungsverhalten. Die befragten Geschäftsführer setzen besonders stark auf beide Themen und bewerten deren Umsetzung positiv – im deutlichen Gegensatz zu den Mitarbeitern und Führungs- kräften aus den Fachabteilungen. Von den drei beteiligten Ländern wird in Österreich und der Schweiz bei der Mitarbeiterbindung ein sehr viel stär- keres Gewicht auf eine marktgerechte Entlohnung und auf interessante Aufgaben gelegt als in Deutschland. Dage- gen ist die Personalentwicklung in Österreich ein nicht so entscheidendes Thema (31 %) wie in Deutschland (48 %) und der Schweiz (42 %). Wie in den Vorjahren legen die deutschen Entscheider zudem mehr Gewicht (48 %) auf Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als ihre österreichischen (41 %) und Schweizer (32 %) Kollegen. Die Work-Life-Balance ist in deutschen Unter- nehmen auch wesentlich stärker umgesetzt (45 %) als in Österreich (27 %) und in der Schweiz (23 %). WICHTIGKEIT VON BETRIEBSKLIMA UND DIFFERENZIERTEM FÜHRUNGSVERHALTEN UND DEREN UMSETZUNG Unternehmensleitung 60% Wichtigkeit Umsetzung 76% 54% 35% 38%63% 63% 63% Betriebsklima Führungskräfte HR-Bereich Führungskräfte Fachabteilungen Mitarbeiter 35% Wichtigkeit Umsetzung 36% 22% 15% 17%23% 22% 26% Differenziertes Führungsverhalten Führungskräfte HR-Bereich Führungskräfte Fachabteilungen Mitarbeiter Unternehmensleitung
  • 30. 30 | HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur Organisationen sind kulturell noch kaum auf die digitale Transformation eingestellt Um den derzeit stattfindenden digitalen Wandel mental in der eigenen Organisation zu verankern, fehlt vielen Unternehmen die kulturelle Disposition. Der Weg in die neue digitale Welt wird aber nur erfolgreich beschritten werden können, wenn Unternehmen nicht nur neue technologische Lösungen und integrierte Prozesse einführen, sondern eine (lern-)offene Kultur entwickeln. Denn digitale Trans- formation bedeutet nicht nur technologische Veränderung, sondern vor allem einen Kulturwandel, der soziale Innovationen ermöglicht. Der Dreiklang lautet daher in dieser Reihenfolge: technische Innovation, Prozessinnovation und soziale Innovation. Erfolgsentscheidende Themen werden noch zu wenig umgesetzt Der HR-Report zeigt: In den sogenannten weichen Themen – wie Kultur, Führung, Betriebsklima und Veränderungsbereitschaft – spielt die Musik. Ihnen wird die höchste Bedeutung bei den mit- arbeiterbezogenen Themen zugesprochen. Aber gerade auf diesen Feldern handeln Unternehmen noch zu wenig; hier zeigt sich nach wie vor ein hohes Talking-Action-Gap. Die als nicht so bedeu- tend angesehenen harten Themen werden besser umgesetzt, weil sie schneller zu realisieren sind. Organisationen sind in ihrer Kommunikation noch nicht offen und kritisch genug Dokumentieren lässt sich diese Diskrepanz an den die Unternehmenskultur am stärksten prägen- den Themen Kommunikation, Führung und Veränderungsbereitschaft. In der Kommunikation wird zu selten ein offener Umgang mit kritischen Themen gelebt, eine Feedbackkultur ist noch nicht etabliert und über Hierarchien hinweg findet keine offene Kommunikation statt. Diese drei kommu- nikativen Aspekte bilden jedoch die Basis für einen erfolgreichen unternehmerischen Wandel hin zu einer digitalen Welt. Führung ist noch immer in alten Mustern verfangen Führung bewegt sich in einem immer schwierigeren Umfeld, gekennzeichnet durch das ständige Steuern von Veränderungen und zunehmender Komplexität. Um gut zu führen, fehlt es vielen Führungskräften an der notwendigen Zeit für ihre Führungsaufgaben. Hier tragen die Führungs- kräfte ihren Anteil selbst bei: Zu wenige lassen ihre Mitarbeiter los und geben ihnen mehr Eigenverantwortung. Organisationen bilden intern die Geschwindigkeit der Märkte nicht ab An vielen Stellen sind die Unternehmen nach wie vor durch mangelnde Flexibilität und geringe Veränderungsbereitschaft bestimmt. Mit Veränderungen aktiv und positiv umzugehen, ist in vielen Unternehmen noch nicht Realität. Dadurch fehlt es an der erforderlichen Geschwindigkeit, um Veränderungen zügig zu realisieren. SCHLUSSFOLGERUNGEN
  • 31. HR-Report 2015/2016 – Schwerpunkt Unternehmenskultur | 31 Digitale Transformation muss mit kulturellem Wandel verknüpft sein Die digitale Transformation funktioniert nur, wenn sie mit einem kulturellen Wandel einhergeht. Denn digitale Vernetzung bedeutet gleichzeitig, sich sozial-kulturell zu vernetzen: Soziale Innovation lautet hier das Gebot der Stunde. Dies klar und offen zu kommunizieren und als auch nachhaltig vorzuleben, ist eine zentrale Aufgabe des Seniormanagements. Roadmap für die weichen Themen erstellen Nicht alle dieser als wichtig erkannten Punkte können Unternehmen gleich umsetzen, gerade wenn es sich um weiche Themen handelt. Hier sind alle Führungskräfte gefragt, in ihrem eigenen Bereich anzufangen und in enger Absprache mit der HR-Abteilung eine gemeinsame Roadmap mit ent- sprechenden Meilensteinen zu entwickeln. Wenn die Talking-Action-Gaps nicht angegangen wer- den, wirkt sich dies negativ auf den künftigen Unternehmenserfolg aus. Interaktive und offene Kommunikation im Sinne der Generation Y Die jüngeren Generationen leben eine offene und kritische Kommunikation vor, verbunden mit einer starken Feedbackkultur und der Nutzung neuer sozialer Medien. Diese Ressourcen sollten Unternehmen stärker einbinden, um endlich interaktiver und hierarchieübergreifend zu kommunizieren. Führungskräfte sollen Mitarbeiter führen, nicht Aufgaben kontrollieren Führung sollte neu aufgesetzt werden: Führungskräfte müssten noch wesentlich mehr von ihren operativen Aufgaben befreit werden, um dadurch mehr Zeit für ihre Führungsaufgaben zu haben – bei entsprechend passenden Führungsspannen. Im Gegenzug benötigen viele Führungskräfte Coaching und Austausch, um ihren Mitarbeitern endlich mehr Freiräume und Verantwortung zu eröffnen. Change bedeutet, alle (wandlungsbereiten) Mitarbeiter einzubinden Die Blockaden aufzulösen und einen Wandel einzuleiten, ist in vielen Unternehmen eine Kärrnerauf- gabe. Das Topmanagement wie auch die Führungskräfte in den Fachbereichen sollten regelmäßig klar aufzeigen (und kommunizieren), dass Change stets Chancen bietet, und diese Chancen dann sehr konkret benennen. Hierzu gilt es, die Mitarbeiter einzubinden und von passiv Betroffenen zu aktiv Beteiligten zu machen. Die zentrale Aufgabe eines Change Managements ist es daher, nicht nur top-down zu agieren, sondern möglichst viele Mitarbeiter ins gemeinsame Boot zu holen. HANDLUNGSFELDER
  • 32. Hays Willy-Brandt-Platz 1–3 68161 Mannheim T: +49 621 1788 0 F: +49 621 1788 1299 info@hays.de www.hays.de Unsere Niederlassungen finden Sie unter www.hays.de/standorte Hays (Schweiz) AG Nüschelerstrasse 32 8001 Zürich T: +41 44 2255 000 F: +41 44 2255 299 info@hays.ch www.hays.ch Unsere Niederlassungen finden Sie unter www.hays.ch/standorte Hays Österreich GmbH Personnel Services BahnhofCity Wien West Europaplatz 3/5 1150 Wien T: +43 1 535 3443 0 F: +43 1 535 3443 299 info@hays.at www.hays.at © Hays plc, 2016. HAYS, die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche, Recruiting Experts Worldwide, das Logo Hays Recruiting Experts Worldwide und Powering the World of Work sind eingetragene Markenzeichen der Hays plc. Die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche sind Originaldesigns, die in vielen Ländern geschützt sind. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk darf ohne die schriftliche Genehmigung des Eigentümers weder ganz noch in Teilen wiedergegeben oder übertragen werden, weder durch Fotokopie noch durch Speicherung auf elektronischen oder anderen Medien. Unzulässige Handlungen hinsichtlich des Werkes können zu zivil- und/oder strafrechtlicher Verfolgung führen.