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L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten


L6 Film




Verträge für die Filmauswertung


Andrés Heyn
Rechtsanwalt in Hamburg mit Fachanwaltskenntnissen im Urheber- und Medien-
recht. Schwerpunkte: Musik-, Film- und Medienrecht; siehe www.filmkanzlei.de
bzw. www.musikrecht-kanzlei.de


Inhalt                                                                Seite


1.    Auswertung einer Filmproduktion                                     2
1.1   Der Kinoverleihvertrag                                              4
1.2   Videolizenzvertrag                                                  7
1.3   Verträge für die Abruf- und Fernsehauswertung                       8
2.    Vertragsmuster zur Auswertung einer Kino-Filmproduktion             9




                                                                               L
                                                                               6.2
                                                                               S. 1




                                              51 Kultur & Recht Oktober 2010
L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten


       L6 Film




       1.     Auswertung einer Filmproduktion
       Im Rahmen der Filmproduktion werden häufig bereits diverse Auswertungsver-
       träge abgeschlossen, die dann der Finanzierung des Films dienen. Sofern die
       Finanzierung nicht über derartige Vorverkäufe geschlossen werden muss, können
       die Erlöse aus der Auswertung dem Produzenten bzw. den Koproduzenten als
       Rückflüsse zukommen. Die Kinoauswertung eines Films ist hierbei die Königs-
       disziplin und verschafft dem Film eine besondere Wertigkeit im Zuge der darauf
       folgenden Auswertungskaskade. Hierbei führt selbst eine relativ erfolgreiche
       Kinoauswertung allein meist bei weitem nicht zu einer Refinanzierung der sog.
       Herausbringungskosten (häufig auch Vorkosten oder Print- and Advertising-
       Kosten („P & A“) genannt, also Kinokopien und Werbeaufwendungen und schon
       gar nicht der Produktionskosten. Vielmehr wirkt sich der Kinostart aufgrund des
       (hoffentlich) gesteigerten Bekanntheitsgrades des Films bei einem Erfolg an der
       Kinokassepositiv auf die Erlösströme aus den weiteren Auswertungsstufen Video,
       Abruf und Fernsehen aus. Die Technik- und Marketingkosten (sog. Herausbrin-
       gungskosten) sind dabei oft ganz erheblich und stellen für den Verleiher ein im-
       menses Risiko dar. Deshalb sind die Verleiher häufig bestrebt, sich auch die Vi-
       deogramm- und Abrufrechte und sogar die Senderechte bzw. eine Beteiligung an
       den Fernseherlösen zu sichern. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass die
       Mehrzahl der deutschen Filmproduktionen keinen großen Kinostart erfahren,
       sondern mangels kommerziellen Potentials nur mit geringem Aufwand gestartet
       werden, um den Auflagen der Filmförderung bzw. des Deutschen FilmFörder-
       Fonds (DFFF) nachzukommen (s. hierzu die Ausführungen des Präsidenten der
       FFA unter www.ffa.de). Noch immer sind viele Produzenten über Jahre mit den
       komplexen Fragen der Finanzierung und Produktion voll ausgelastet und verges-
       sen darüber die Auswertungsproblematik gleich bei der Produktion mit zu be-
       rücksichtigen. Viele durchaus gelungene Produktionen bleiben durch ungenügen-
       de Marketingkenntnisse der Produzenten oder mangelnden Einsatz des Verleihs
       leider auf der Strecke und erreichen ihr Publikum am Ende nicht.

       Es wird im Filmmarkt typischerweise zwischen Filmen, die „Made for Cinema“,
       „Direct to Video“ und „Made for TV“ sind, differenziert. „Made for Cinema“
       bzw. „for TV“ sind Filmproduktionen, die ihren Ersteinsatz im Kino bzw. im TV
       haben. Eine interessante, aber von diversen Regisseuren kritisierte Entwicklung
       sind sog. Amphibische Produktionen. Dies sind Kinofilme, aus denen auch ein
       verlängerter Mehrteiler für das Fernsehen hergestellt wird. „Direct to Video“ sind
       solche Veröffentlichungen, die nicht fürs Kino oder Fernsehen produziert werden
       und umfasst auch den Bereich der Musikvideos und sog. Special Interest-Titel
L      (zum Beispiel Hobby-, Fitness- und Umweltthemen). Die bei Fernsehfilmen
6.2    übliche Auftragsproduktion wurde bereits unter L6 behandelt. Der deutsche Ki-
S. 2   nomarkt hatte laut der von der Filmförderungsanstalt (www.ffa.de) veröffentlich-
       ten Zahlen im Jahr 2009 ein Volumen von 976 Mio. Euro. Der deutsche Video-
       markt (DVD und Blu-Ray-Disc) hatte 2009 einen Marktwert von 1,3 Milliarden,
       wovon 1,1 Milliarden auf den sog. Kaufvideo-Markt und ca. 200 Mio. Euro auf


       51 Kultur & Recht Oktober 2010
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den Verleih-Markt entfielen (Quelle: GfK Panel Services Deutschland). Im Jahr
2009 hat auch das sog. 3-D Kino den Durchbruch geschafft. Nicht vorangekom-
men ist die Filmförderungsanstalt mit ihren Bemühungen, eine branchenweite
Lösung für die Digitalisierung der Kinos zu erreichen. Die Kinofilmauswertung
unterteilt sich typischerweise in verschiedene Auswertungsphasen, oft auch
„Fenster“, „Holdbacks“ oder „Windows“ genannt:

Ab Kinostart gelten folgende Sperrfristen:

-   Video: zur Zeit nach dem Filmförderungsgesetz 6 Monate
-   Abruf: zur Zeit 9 Monate und
-   Fernsehen: Pay TV 12 Monate und Free TV 18 Monate.

Für die Auswertung außerhalb des deutschsprachigen Europas wird zudem häufig
ein sog. Weltvertriebsvertrag mit einem sog. Weltvertrieb abgeschlossen. Bei
größeren Projekten sind für den Produzenten auch lukrative Auswertungen in den
Bereichen Soundtrack, „Buch zum Film“ und durch sonstige Merchandisingrech-
te möglich. Bei diesen Verträgen sind die zum Teil sehr langen Vorlaufzeiten für
die Beteiligten zu beachten. Beispiele sind etwa die „7 Zwerge“-Figuren in den
Überraschungseiern von Ferrero oder die Plüschtiere zu den „Keinohrhasen“. Es
ist für den Produzenten von großer Bedeutung, die Verträge mit den verschiede-
nen Auswertenden in zeitlicher, inhaltlicher und räumlicher Hinsicht eindeutig
voneinander abzugrenzen, damit keine Überschneidungen bei der Rechtsübertra-
gung entstehen. In Deutschland werden die meisten Filme mit öffentlichen Gel-
dern der Filmförderung hergestellt. Besonders wichtig ist hierbei die Unterstüt-
zung durch die regionalen Filmförderungen (etwa das Medienboard Berlin-
Brandenburg, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, FFF in Bayern, Hamburg/
Schlewig-Holstein) die Filmförderungsanstalt und den Deutschen FilmFörder-
Fonds. Es wird nicht nur die Filmproduktion, sondern auch der sog. Filmabsatz,
also die Kinoherausbringung und auch der Videogrammvertrieb gefördert. Eine
Darstellung des Filmförderungsrechts würde den hier gesetzten Rahmen spren-
gen. Eine gelungene Auflistung über die kulturwirtschaftliche Förderung der
FFA, des Bundes und der Länder findet sich auf der Seite der FFA (www.ffa.de,
FFA-Info vom 09.02.2010). Das Fördervolumen lag 2009 insgesamt bei über 300
Mio. Euro. Es sei erwähnt, dass die Vergabe dieser Gelder an den Produzenten an
die Erfüllung einer Vielzahl von Bedingungen und Auflagen geknüpft werden
und im Falle der Nichteinhaltung der Förderverträge eine Rückzahlungspflicht
des Produzenten besteht. Insbesondere sind die meisten Zahlungen an eine späte-
re Kinoherausbringung geknüpft. Die zahlreichen Bestimmungen des Filmförde-
rungsrechts haben einen erheblichen Einfluss auf die Vertragsgestaltung aller        L
verschiedenen Auswertungsstufen und sind vom Produzenten, sozusagen als              6.2
grober Bauplan, stets penibel einzuhalten. Im Folgenden kann aus Platzgründen        S. 3
nur ein Kinoverleihvertrag erläutert und eine Checkliste für einen Videolizenzver-
trag wieder gegeben werden.




                                                  51 Kultur & Recht Oktober 2010
L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten


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       1.1    Der Kinoverleihvertrag

       Die Kinoauswertung ist nach wie vor die „Lokomotive“ bei der Spielfilmauswer-
       tung und die Gretchenfrage „Ist das was fürs Kino oder doch nur Video/TV-Ware ?“
       muss sich jeder Film stellen lassen. Das Kinogeschäft hat sich im Jahr 2009 trotz
       der Bedrohung durch illegale Streamings und Downloads insbesondere mithilfe
       der Durchsetzung der 3D-Technik als erstaunlich stabil erwiesen. Es gibt laut der
       Erhebungen der Filmförderungsanstalt bundesweit 1.744 Kinos und 4.734 Kino-
       säle. Der Gesamtdurchschnittspreis für eine Kinokarte lag bei 6,67 Euro. Im Jahr
       2009 sind 513 Filme in den deutschen Kinos angelaufen, wobei der deutsche
       Film einen beachtlichen Marktanteil von ca. 27 % erreicht hat. Nachdem sich der
       Filmproduzent sämtliche am Film entstehenden Nutzungsrechte gesichert hat,
       wird er diese Rechte an dem Film in Form einer Lizenz, also einer zumeist exklu-
       siven Rechtseinräumung, in seiner Funktion als Lizenzgeber an verschiedene
       Lizenznehmer zur Auswertung übertragen (§§ 31 ff. UrhG). Hierbei findet die
       sog. Zweckübertragungstheorie Anwendung und es gelten die Besonderheiten der
       §§ 88 ff UrhG, die die Stellung des Filmproduzenten stärken und ungehinderte
       Auswertung des Filmwerks sichern sollen (s. hierzu im Einzelnen auch den Teil
       B1 3.1., 4.1. und B1 5.1.). Dem Filmproduzenten wird in diesem Abschnitt des
       Urheberrechts der Rechtserwerb durch diverse Vermutungen erleichtert, er erhält
       ein eigenes Leistungsschutzrecht zum Schutz seiner erheblichen Investitionen
       und diverse Rechte der an der Filmherstellung Beteiligten werden eingeschränkt.

       Der Verleihvertrag mit einem Filmverleih wird meist schon vor Drehbeginn ge-
       schlossen, denn der gesicherte Kinostart ist den Filmförderern als Voraussetzung
       für eine Auszahlung der Fördermittel an den Produzenten nachzuweisen. Neben
       den sog. großen Hollywood-Studios (Warner Bros., Sony Pictures, 20th Century
       Fox, Universal, Paramount, Buena Vista (Walt Disney)), sind auch diverse kleine-
       re Verleiher im Markt aktiv (allen voran Constantin, aber auch Senator Film,
       Universum, Majestic, Kinowelt, Prokino, Concorde, X Verleih, NFP u.a.).Wegen
       des erheblichen Investitionsrisikos des Verleihers ist es nicht unüblich, dass sich
       der Verleih das Recht vorbehält, das Vorliegen sämtlicher Rechtsübertragungen
       durch Vorlage aller Verträge mit allen an der Produktion Beteiligten („Cast and
       Crew, Drehbuchautor, Filmkomponisten, Markenrechte usw.) nachweisen zu
       lassen (sog. „chain of title“ Prüfung). Wie die Gerichtsverfahren zu den Filmen
       „Der Baader Meinhof Komplex“, „Peanuts – Die Bank zahlt alles“, „Der Kanni-
       bale von Rothenburg“ oder zum TV-Zweiteiler „Contergan“ zeigen, kann die
       Verfilmung von tatsächlichen Geschehnissen wegen der zu beachtenden Persön-
       lichkeitsrechte weitere, erhebliche, rechtliche Risiken für den Filmproduzenten
L      und die Auswertenden mit sich bringen.
6.2
S. 4   Im Rahmen eines Verleihvertrages sind die für die Kinotheaterauswertung gel-
       tenden Regeln zu bestimmen. Hierbei ist es üblich, dass der Verleih sämtliche
       Kosten der Herausbringung (auch „Vorkosten“ oder „P & A-Kosten„ genannt)
       und eine etwa geleistete sog. Minimum-Garantie (also eine nicht rückzahlbare,
       aber mit der Umsatzbeteiligung des Lizenzgebers verrechenbare Vorauszahlung)

       51 Kultur & Recht Oktober 2010

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Heyn: Verträge für die Filmauswertung

  • 1. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L6 Film Verträge für die Filmauswertung Andrés Heyn Rechtsanwalt in Hamburg mit Fachanwaltskenntnissen im Urheber- und Medien- recht. Schwerpunkte: Musik-, Film- und Medienrecht; siehe www.filmkanzlei.de bzw. www.musikrecht-kanzlei.de Inhalt Seite 1. Auswertung einer Filmproduktion 2 1.1 Der Kinoverleihvertrag 4 1.2 Videolizenzvertrag 7 1.3 Verträge für die Abruf- und Fernsehauswertung 8 2. Vertragsmuster zur Auswertung einer Kino-Filmproduktion 9 L 6.2 S. 1 51 Kultur & Recht Oktober 2010
  • 2. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L6 Film 1. Auswertung einer Filmproduktion Im Rahmen der Filmproduktion werden häufig bereits diverse Auswertungsver- träge abgeschlossen, die dann der Finanzierung des Films dienen. Sofern die Finanzierung nicht über derartige Vorverkäufe geschlossen werden muss, können die Erlöse aus der Auswertung dem Produzenten bzw. den Koproduzenten als Rückflüsse zukommen. Die Kinoauswertung eines Films ist hierbei die Königs- disziplin und verschafft dem Film eine besondere Wertigkeit im Zuge der darauf folgenden Auswertungskaskade. Hierbei führt selbst eine relativ erfolgreiche Kinoauswertung allein meist bei weitem nicht zu einer Refinanzierung der sog. Herausbringungskosten (häufig auch Vorkosten oder Print- and Advertising- Kosten („P & A“) genannt, also Kinokopien und Werbeaufwendungen und schon gar nicht der Produktionskosten. Vielmehr wirkt sich der Kinostart aufgrund des (hoffentlich) gesteigerten Bekanntheitsgrades des Films bei einem Erfolg an der Kinokassepositiv auf die Erlösströme aus den weiteren Auswertungsstufen Video, Abruf und Fernsehen aus. Die Technik- und Marketingkosten (sog. Herausbrin- gungskosten) sind dabei oft ganz erheblich und stellen für den Verleiher ein im- menses Risiko dar. Deshalb sind die Verleiher häufig bestrebt, sich auch die Vi- deogramm- und Abrufrechte und sogar die Senderechte bzw. eine Beteiligung an den Fernseherlösen zu sichern. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass die Mehrzahl der deutschen Filmproduktionen keinen großen Kinostart erfahren, sondern mangels kommerziellen Potentials nur mit geringem Aufwand gestartet werden, um den Auflagen der Filmförderung bzw. des Deutschen FilmFörder- Fonds (DFFF) nachzukommen (s. hierzu die Ausführungen des Präsidenten der FFA unter www.ffa.de). Noch immer sind viele Produzenten über Jahre mit den komplexen Fragen der Finanzierung und Produktion voll ausgelastet und verges- sen darüber die Auswertungsproblematik gleich bei der Produktion mit zu be- rücksichtigen. Viele durchaus gelungene Produktionen bleiben durch ungenügen- de Marketingkenntnisse der Produzenten oder mangelnden Einsatz des Verleihs leider auf der Strecke und erreichen ihr Publikum am Ende nicht. Es wird im Filmmarkt typischerweise zwischen Filmen, die „Made for Cinema“, „Direct to Video“ und „Made for TV“ sind, differenziert. „Made for Cinema“ bzw. „for TV“ sind Filmproduktionen, die ihren Ersteinsatz im Kino bzw. im TV haben. Eine interessante, aber von diversen Regisseuren kritisierte Entwicklung sind sog. Amphibische Produktionen. Dies sind Kinofilme, aus denen auch ein verlängerter Mehrteiler für das Fernsehen hergestellt wird. „Direct to Video“ sind solche Veröffentlichungen, die nicht fürs Kino oder Fernsehen produziert werden und umfasst auch den Bereich der Musikvideos und sog. Special Interest-Titel L (zum Beispiel Hobby-, Fitness- und Umweltthemen). Die bei Fernsehfilmen 6.2 übliche Auftragsproduktion wurde bereits unter L6 behandelt. Der deutsche Ki- S. 2 nomarkt hatte laut der von der Filmförderungsanstalt (www.ffa.de) veröffentlich- ten Zahlen im Jahr 2009 ein Volumen von 976 Mio. Euro. Der deutsche Video- markt (DVD und Blu-Ray-Disc) hatte 2009 einen Marktwert von 1,3 Milliarden, wovon 1,1 Milliarden auf den sog. Kaufvideo-Markt und ca. 200 Mio. Euro auf 51 Kultur & Recht Oktober 2010
  • 3. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L6 Film den Verleih-Markt entfielen (Quelle: GfK Panel Services Deutschland). Im Jahr 2009 hat auch das sog. 3-D Kino den Durchbruch geschafft. Nicht vorangekom- men ist die Filmförderungsanstalt mit ihren Bemühungen, eine branchenweite Lösung für die Digitalisierung der Kinos zu erreichen. Die Kinofilmauswertung unterteilt sich typischerweise in verschiedene Auswertungsphasen, oft auch „Fenster“, „Holdbacks“ oder „Windows“ genannt: Ab Kinostart gelten folgende Sperrfristen: - Video: zur Zeit nach dem Filmförderungsgesetz 6 Monate - Abruf: zur Zeit 9 Monate und - Fernsehen: Pay TV 12 Monate und Free TV 18 Monate. Für die Auswertung außerhalb des deutschsprachigen Europas wird zudem häufig ein sog. Weltvertriebsvertrag mit einem sog. Weltvertrieb abgeschlossen. Bei größeren Projekten sind für den Produzenten auch lukrative Auswertungen in den Bereichen Soundtrack, „Buch zum Film“ und durch sonstige Merchandisingrech- te möglich. Bei diesen Verträgen sind die zum Teil sehr langen Vorlaufzeiten für die Beteiligten zu beachten. Beispiele sind etwa die „7 Zwerge“-Figuren in den Überraschungseiern von Ferrero oder die Plüschtiere zu den „Keinohrhasen“. Es ist für den Produzenten von großer Bedeutung, die Verträge mit den verschiede- nen Auswertenden in zeitlicher, inhaltlicher und räumlicher Hinsicht eindeutig voneinander abzugrenzen, damit keine Überschneidungen bei der Rechtsübertra- gung entstehen. In Deutschland werden die meisten Filme mit öffentlichen Gel- dern der Filmförderung hergestellt. Besonders wichtig ist hierbei die Unterstüt- zung durch die regionalen Filmförderungen (etwa das Medienboard Berlin- Brandenburg, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, FFF in Bayern, Hamburg/ Schlewig-Holstein) die Filmförderungsanstalt und den Deutschen FilmFörder- Fonds. Es wird nicht nur die Filmproduktion, sondern auch der sog. Filmabsatz, also die Kinoherausbringung und auch der Videogrammvertrieb gefördert. Eine Darstellung des Filmförderungsrechts würde den hier gesetzten Rahmen spren- gen. Eine gelungene Auflistung über die kulturwirtschaftliche Förderung der FFA, des Bundes und der Länder findet sich auf der Seite der FFA (www.ffa.de, FFA-Info vom 09.02.2010). Das Fördervolumen lag 2009 insgesamt bei über 300 Mio. Euro. Es sei erwähnt, dass die Vergabe dieser Gelder an den Produzenten an die Erfüllung einer Vielzahl von Bedingungen und Auflagen geknüpft werden und im Falle der Nichteinhaltung der Förderverträge eine Rückzahlungspflicht des Produzenten besteht. Insbesondere sind die meisten Zahlungen an eine späte- re Kinoherausbringung geknüpft. Die zahlreichen Bestimmungen des Filmförde- rungsrechts haben einen erheblichen Einfluss auf die Vertragsgestaltung aller L verschiedenen Auswertungsstufen und sind vom Produzenten, sozusagen als 6.2 grober Bauplan, stets penibel einzuhalten. Im Folgenden kann aus Platzgründen S. 3 nur ein Kinoverleihvertrag erläutert und eine Checkliste für einen Videolizenzver- trag wieder gegeben werden. 51 Kultur & Recht Oktober 2010
  • 4. L Vertragsgestaltungen in den einzelnen Kultursparten L6 Film 1.1 Der Kinoverleihvertrag Die Kinoauswertung ist nach wie vor die „Lokomotive“ bei der Spielfilmauswer- tung und die Gretchenfrage „Ist das was fürs Kino oder doch nur Video/TV-Ware ?“ muss sich jeder Film stellen lassen. Das Kinogeschäft hat sich im Jahr 2009 trotz der Bedrohung durch illegale Streamings und Downloads insbesondere mithilfe der Durchsetzung der 3D-Technik als erstaunlich stabil erwiesen. Es gibt laut der Erhebungen der Filmförderungsanstalt bundesweit 1.744 Kinos und 4.734 Kino- säle. Der Gesamtdurchschnittspreis für eine Kinokarte lag bei 6,67 Euro. Im Jahr 2009 sind 513 Filme in den deutschen Kinos angelaufen, wobei der deutsche Film einen beachtlichen Marktanteil von ca. 27 % erreicht hat. Nachdem sich der Filmproduzent sämtliche am Film entstehenden Nutzungsrechte gesichert hat, wird er diese Rechte an dem Film in Form einer Lizenz, also einer zumeist exklu- siven Rechtseinräumung, in seiner Funktion als Lizenzgeber an verschiedene Lizenznehmer zur Auswertung übertragen (§§ 31 ff. UrhG). Hierbei findet die sog. Zweckübertragungstheorie Anwendung und es gelten die Besonderheiten der §§ 88 ff UrhG, die die Stellung des Filmproduzenten stärken und ungehinderte Auswertung des Filmwerks sichern sollen (s. hierzu im Einzelnen auch den Teil B1 3.1., 4.1. und B1 5.1.). Dem Filmproduzenten wird in diesem Abschnitt des Urheberrechts der Rechtserwerb durch diverse Vermutungen erleichtert, er erhält ein eigenes Leistungsschutzrecht zum Schutz seiner erheblichen Investitionen und diverse Rechte der an der Filmherstellung Beteiligten werden eingeschränkt. Der Verleihvertrag mit einem Filmverleih wird meist schon vor Drehbeginn ge- schlossen, denn der gesicherte Kinostart ist den Filmförderern als Voraussetzung für eine Auszahlung der Fördermittel an den Produzenten nachzuweisen. Neben den sog. großen Hollywood-Studios (Warner Bros., Sony Pictures, 20th Century Fox, Universal, Paramount, Buena Vista (Walt Disney)), sind auch diverse kleine- re Verleiher im Markt aktiv (allen voran Constantin, aber auch Senator Film, Universum, Majestic, Kinowelt, Prokino, Concorde, X Verleih, NFP u.a.).Wegen des erheblichen Investitionsrisikos des Verleihers ist es nicht unüblich, dass sich der Verleih das Recht vorbehält, das Vorliegen sämtlicher Rechtsübertragungen durch Vorlage aller Verträge mit allen an der Produktion Beteiligten („Cast and Crew, Drehbuchautor, Filmkomponisten, Markenrechte usw.) nachweisen zu lassen (sog. „chain of title“ Prüfung). Wie die Gerichtsverfahren zu den Filmen „Der Baader Meinhof Komplex“, „Peanuts – Die Bank zahlt alles“, „Der Kanni- bale von Rothenburg“ oder zum TV-Zweiteiler „Contergan“ zeigen, kann die Verfilmung von tatsächlichen Geschehnissen wegen der zu beachtenden Persön- lichkeitsrechte weitere, erhebliche, rechtliche Risiken für den Filmproduzenten L und die Auswertenden mit sich bringen. 6.2 S. 4 Im Rahmen eines Verleihvertrages sind die für die Kinotheaterauswertung gel- tenden Regeln zu bestimmen. Hierbei ist es üblich, dass der Verleih sämtliche Kosten der Herausbringung (auch „Vorkosten“ oder „P & A-Kosten„ genannt) und eine etwa geleistete sog. Minimum-Garantie (also eine nicht rückzahlbare, aber mit der Umsatzbeteiligung des Lizenzgebers verrechenbare Vorauszahlung) 51 Kultur & Recht Oktober 2010