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Open Access –
Publikationsfreiheit oder Enteignung?
Übersicht
1. Heidelberger Appell
2. Google Books
3. Google Book Settlement
4. VG Wort
5. Aktionsbündnis „Urheberrecht in Bildung und
   Wissenschaft“
6. Open Access
7. Open Access als Enteignung?
Heidelberger Appell

    Im März 2009 vom Literaturwissenschaftler Roland
    Reuß initiierter Aufruf
    Gerichtet an die Bundesregierung und die Regierungen
    der Länder
    Unterzeichnet v.a. von Verlagen; Schriftsteller/innen
    und Geisteswissenschaftler/innen
    Zeitgleich aber von vielen Wissenschaftler/innen und
    Publizist/innen als fehlerhaft und irreführend
    bezeichnet
Appell für Publikationsfreiheit und die Wahrung der
Urheberrechte

„Massiver Angriff“ auf das Recht des Urhebers auf freie und
selbstbestimmte Publikation auf zwei Ebenen:
     International: Entwendung des geistigen Eigentums
     durch Google Books u.a.
     National: Allianz der dt. Wissenschaftsorganisationen
     propagieren gesetzeswidrige Eingriffe in die
     Publikationsfreiheit
     Allianz der dt. Wissenschaftsorganisationen will die
     Autor/innen zu Open Access verpflichten (= Zwang zu
     einer bestimmten Publikationsform)
Google Books

    2002 startet das geheime Buch-Projekt mit der Frage:
    „Wie lange dauert es, um alle existierenden Bücher zu
    digitalisieren?“
    2004 Start des Bibliotheksprogramm „Google Print“,
    woraus 2005 „Google Book Search“ wird
    Bestand speist sich aus zwei Quellen:
    −   Google Partner Programm
    −   Google Library
Google Partner Programm

    Zusammenarbeit v.a. mit Verlagen
    Buchinhalte online durchsuchbar machen und
    Bereitstellung von Links zum Kauf der Bücher
    Vorschau einer begrenzten Seitenzahl; Verlag
    entscheidet, wie viel in der Vorschau angezeigt wird
    Beispielseiten zu drucken oder zu kopieren ist nicht
    möglich
    Vertriebs- und Marketingprogramm (“Die Google
    Buchsuche ist eines der einfachsten und besten
    Online-Marketingtools.”)
    Wird von vielen Verlagen genutzt (z.B. VS-Verlag,
    Meiner-Verlag, Springer, De Gruyter)
Google Library Programm

    Zusammenarbeit mit mehreren großen Bibliotheken
    (z.B. Harvard Bibliothek, Oxford Bibliothek, Bayerische
    Staatsbibliothek)
    Digitalisierung der Bestände öffentlicher Bibliotheken
    (meist vergriffener oder gemeinfreier Bücher)
    Bibliografische Informationen zu dem Buch
    Vier Zugriffsoptionen:
    −   Keine Vorschau verfügbar
    −   Auszug (Schnipsel)
    −   Eingeschränkte Vorschau (Partnerprogramm)
    −   Vollständige Vorschau
Google Book Settlement

    Aber auch Bücher, die noch urheberrechtlich geschützt
    sind, wurden retrodigitalisiert, ohne die Erlaubnis der
    jeweiligen Rechteinhaber einzuholen
    2005 Sammelklage von Author’s Guild, Association of
    American Publishers und einzelnen Autor/innen
    Oktober 2008 Streitigkeiten werden durch 323-
    seitigen Vergleichsvorschlag beigelegt, dem Google
    Book Settlement
    Wird dieser Vergleich genehmigt, gilt er für „die ganze
    Klasse“, außer es wurde bis 4.9.09 Widerspruch
    eingelegt
Google Book Settlement

    Erlaubt Google das Einscannen urheberrechtlich
    geschützter Bücher und die Verwaltung in einer
    Datenbank
    Bei vergriffenen Büchern oder wenn die Erlaubnis des
    Rechteinhabers vorliegt, darf Google die Bücher
    kommerziell verwenden (z.B. den Zugriff auf einzelne
    Bücher und institutionelle Abonnements verkaufen)
    63% der Einnahmen gehen an den Rechteinhaber
    Einrichtung eines Buchrechteregisters, über das die
    Zahlungen geregelt werden
    Bereitstellung von 45 Millionen Dollar für Zahlungen
    bei bis einschließlich 5. Mai 09 eingescannten Büchern
Google Book Settlement

    Kritik europäischer und deutscher Interessensvertreter
    (z.B. Börsenverein, VG Wort, Bundesregierung)
    Forderung des US-Justizministeriums, die
    Entscheidung zum Settlement zu vertagen
    Kritiker sehen Verstöße gegen das Wettbewerbs- und
    das Urheberrecht
    Google, der Authors Guild und die Association of
    American Publishers entschließen sich zu einer
    Überarbeitung des Abkommens
    7. Oktober fand eine Status-Konferenz statt
    −   Bisheriger Vergleich ist ungültig, es wird ein neuer
        ausgearbeitet und dem Gericht bis zum 9.11. vorgelegt
    −   Gerichtliche Anhörung im Dez. 09 oder Jan. 10
VG Wort schreibt Autor/innen an

    VG Wort gründet Arbeitsgruppe zum Google-Vergleich
    VG Wort will sich folgende Rechte von Google
    übertragen lassen:
    −   Die Vergütungsansprüche für Digitalisierungen
    −   Das Recht, die Entfernung sämtlicher vergriffener und
        lieferbarer Bücher zu verlangen
    Rechteübertragung soll mit Änderungen des
    Wahrnehmungsvertrag verbunden werden
    −   Einräumung des Rechts, digitale Nutzungen von
        vergriffenen Büchern weltweit für Google oder Dritte zu
        lizenzieren, sofern nicht Autor/in oder Verlag dem
        widersprechen
    −   Einräumung des Recht, digitale Vervielfältigung zum
        Zwecke bibliografischer Angaben zu erlauben
Konsequenzen aus den Forderungen der VG Wort

    Entfernung aller deutschsprachigen Bücher aus der
    Google Book Suche
    Anschließend Verhandlung mit Google bzgl. der
    Anzeige vergriffener Titel (vermutlich über Pay-per-
    view-Modelle)
    Keine Textausschnitte oder Schnipsel bei noch
    lieferbaren Büchern (nur noch Anzeige bibliografischer
    Daten bei lieferbaren Büchern)
Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und
Wissenschaft“

    Kein Widerspruch gegen das Settlement, aber
    Protestschreiben an das Gericht
    VG Wort nicht die Rechte übertragen
    Brief des Urheberrechtsbündnisses an das zuständige
    New Yorker Gericht:
    −   Generelles Einverständnis mit der Digitalisierung durch
        Google
    −   Einwände gegen Google-Monopol an digitalisierten
        vergriffenen und verwaisten Werken
    −   Kritik an der einseitig ausgerichteten Organisation der
        Book Rights Registry
Warum Open Access?

  „Unsere Aufgabe Wissen weiterzugeben ist nur halb
  erfüllt, wenn diese Informationen für die Gesellschaft
  nicht in umfassender Weise und einfach zugänglich sind.
  Neben den konventionellen Methoden müssen
  zunehmend auch die neuen Möglichkeiten der
  Wissensverbreitung über das Internet nach dem Prinzip
  des offenen Zugangs (Open Access-Paradigma) gefördert
  werden.“
   (Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003)
Berliner Erklärung: Zwei Voraussetzungen für OA

  1. Die Urheber und die Rechteinhaber gewähren allen
     Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite
     Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und
     erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem
     beliebigen digitalen Medium und für jeden
     verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu
     verbreiten, zu übertragen und öffentlich
     wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu
     erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft
     korrekt angegeben wird.
  2. Eine vollständige Fassung der Veröffentlichung (…)
     wird in einem geeigneten elektronischen
     Standardformat in mindestens einem Online-Archiv
     hinterlegt (und damit veröffentlicht), (…)
Was meint Open Access?

    Originäre wissenschaftliche Forschungsergebnisse
    (Beiträge in Zeitschriften, Monografien, Preprints etc.)
    Aber auch: Ursprungsdaten, Metadaten, Bilder etc.
    Literatur, die Wissenschaftler/innen ohne Erwartung,
    hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen
    Heidelberger Appell nimmt eine unzulässige und
    gefährliche Vereinheitlichung vor
Open Access als Enteignung

    Open Access ist fast umsonst
    Die Kosten werden komplett auf die Autor/innen
    abgewälzt => typografische Massengräber
    Open Access will die Autor/innen ihrer Urheberrechte
    berauben => staatsmonopolisticher
    Verwertungskreislauf
„… kompetent organisiertes Wissen sei dauerhaft zum
Nulltarif zu haben“ (Rudolf Walther, taz.de)

     Schon in der Budapest Open Access Initiative wird
     darauf hingewiesen, dass kostenfreier Zugang nicht
     kostenlos hergestellt werden kann
     Die Herausgabe von Open-Access-Zeitschriften wie
     auch der Betrieb von Repositorien kosten Geld, was
     Open-Access-Befürworter nie geleugnet haben
     Äußerung von Reuß und anderen: Open Access ist
     unbezahlbar
     Viele Gegenstimmen haben aufgezeigt, dass die
     Rechnung von Uwe Jochum nicht stimmt
„Jeder ist sein eigener Lektor, der dem Autor großzügig jede
Eitelkeit durchgehen lässt.“ (Volker Gerhardt, FAZ.NET)

     Wissenschaftliche Texte, die kostenlos im Internet
     zugänglich sind, haben nicht per se eine schlechtere
     Qualität
     Untersuchung Weishaupt: mehr Open-Access-
     Zeitschriften als traditionelle Zeitschriften führen ein
     Peer Review durch
     Viele Verlage führen kein Lektorat mehr durch
„Das sogenannte Open access, die Abtretung der Nutzungs-
und Verwertungsrechte an den Arbeitgeber, (…) Bevor
dieser Albtraum Realität wird, sollten die Wissenschaftler
sich vielleicht noch einmal überlegen, welche Verträge zu
unterschreiben sie bereit sind.“ (Michael Hagner, FAZ.NET)

     Beispiel ZORA: „Die freie Wahl der Publikations-
     möglichkeiten und die Forschungsfreiheit werden
     durch diese Leitlinien nicht eingeschränkt.“
     Beispiel DFG: „An DFG-geförderten Projekten
     beteiligte Wissenschaftler sollten sich in
     Verlagsverträgen möglichst ein nicht ausschließliches
     Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation ihrer
     Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung
     fest und dauerhaft vorbehalten.“
Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen

Initiative „Digitale Informationen“ – Leitbild:
     Bestmögliche Informationsinfrastruktur (-versorgung),
     => entgelt- und barrierefreie Verfügbarkeit
     Intensive Koordination der Partnerorganisationen und
     Bündelung der Ressourcen in 6 Aktionsfeldern
     Aktionsfeld „Open Access“:
     −   Bezogen auf den „grünen“ Weg: Ausbau und stärkere
         Vernetzung von Repositorien und Entwicklung von
         Anreizkonzepten für Wissenschaftler/innen, Publikationen
         auf Repositorien verfügbar zu machen
     −   Bezogen auf den „goldenen“ Weg: Weiterentwicklung und
         gemeinschaftliche Finanzierung von Geschäfts- und
         Fördermodellen
Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen

Initiative „Digitale Informationen“ – Leitbild:
     Aktionsfeld „Rechtliche Rahmenbedingungen“:
     −   Sicherung eines „Grundrechts“ der Autor/innen, ihre
         Ergebnisse im Sinne eines freien Zugangs der
         Wissenschaft zu Informationen publizieren zu können
     −   Aufhebung der derzeitigen Wettbewerbsverzerrung
         zwischen Printpublikationen und digitalen Publikationen
         durch eine Angleichung der Mehrwertsteuersätze
Forderung nach einem Zweitveröffentlichungsrecht in §38
des UrhG:
     −   Vertraglich nicht abdingbare Recht des Urhebers, sein
         Werk 6 Monate nach der Erstveröffentlichung anderweitig
         öffentlich zugänglich zu machen
Wer enteignet wen?

    Autor/innen übertragen Verlagen die Nutzungsrechte
    Zeitschriften:
    −   nach einem Jahr darf der/die Urheber/in das Werk
        anderweitig verwerten

    Monografien:
    −   Autor/in überträgt das ausschließliche Nutzungsrecht an
        den Verlag für die Dauer des Urheberrechts
    −   Das bedeutet, ich als Urheber/in darf mein Werk nicht
        einmal auf meiner eigenen Webseite zur Verfügung
        stellen
„Nur solange es eine Alternative zum staatlichen open-
access-Server gibt, sind Wissenschaftler vor der
Monopolmacht des Staatswissenschaftsverlages (oder -
servers) geschützt.“ (Volker Rieble, FAZ.NET)

     Dahinterstehende Annahme(n): Open Access will
     Verlage abschaffen => Zensurgefahr
     Open Access kann die Nachfrage am gedruckten Buch
     erhöhen
     Kooperationen zwischen Open-Access-Projekten und
     Verlagen (z.B. pedocs)
     Verlage entwickeln neue Geschäftsmodelle (hybrid)
Die Unfreiheit der Verlage

     Ökonomische Zwänge
     Renommee des Verlags ist auch abhängig vom
     Renommee der dort publizierenden Autor/innen
     Unter dem Mantel der Unabhängigkeit können auch
     Verlage selektieren
     Nicht alles was drauf steht, ist auch drin =>
     Ghostwriting
„Eben darin liegt der Fehler der Open-access-Bewegung:
Sie sieht Wissenschaftspublikationen nur unter Ertrags- und
Kostengesichtspunkten und meint deswegen, auf das
Publikationsrecht des steuerfinanzierten Autors Zugriff
nehmen zu können.“ (Volker Rieble, FAZ.NET)

     Verwechslung von Open Access und Gratis Access
     Artikel 5 des Grundgesetz:
     −   Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und
         Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus
         allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu
         unterrichten. (…) Eine Zensur findet nicht statt. (Abs.1)
     −   Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.
         (Abs. 3)
Öffentlichkeit von Wissenschaft

    Wissenschaft entsteht, kontrolliert und entwickelt sich
    im Diskurs.
    Für wen wird Wissenschaft gemacht? Forschen
    Wissenschaftler/innen nur für sich selbst (und warum
    publizieren sie dann?)? Und was wären
    Wissenschaftler/innen ohne die wissenschaftliche
    Gemeinschaft (=> Renommee, Anerkennung,
    Reflexion, Kommentare, Kritik …)?
    Wissenschaft ist Verschriftlichung? => Früher oder
    später!
    Artikel von Fröhlich „Die Wissenschaftstheorie fordert
    Open Access“
„Möchten wir tatsächlich optimale Bedingungen für
   wissenschaftliche Öffentlichkeit bzw. Kommunikation,
 möchten wir wirklich Kritik, offene pluralistische kognitive
Konkurrenz, optimale Diffusion wissenschaftlicher Theorien,
Modelle, Methoden, Befunde fördern? Dann (…) sollten die
    Potentiale digitaler Technologien zur Förderung von
      Öffentlichkeit, Kritik, Qualitätskontrolle (…) voll
ausgeschöpft werden. Wären Popper und Merton noch unter
         uns: Sie wären wohl Open-Access-Fans.“

                                          (Gerhard Fröhlich, 2009)
"An old tradition and a new technology
 have converged to make possible an
     unprecedented public good."

      Budapest Open Access Initiative
Weiterführende Informationen



       Vielen Dank für

   Ihre Aufmerksamkeit!


                                    Informationsplattform
Kontakt: rubina.vock@fu-berlin.de   www.open-access.net

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Open Access Week 2009 - Open Access - Publikationsfreiheit oder Enteignung?

  • 2. Übersicht 1. Heidelberger Appell 2. Google Books 3. Google Book Settlement 4. VG Wort 5. Aktionsbündnis „Urheberrecht in Bildung und Wissenschaft“ 6. Open Access 7. Open Access als Enteignung?
  • 3. Heidelberger Appell Im März 2009 vom Literaturwissenschaftler Roland Reuß initiierter Aufruf Gerichtet an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder Unterzeichnet v.a. von Verlagen; Schriftsteller/innen und Geisteswissenschaftler/innen Zeitgleich aber von vielen Wissenschaftler/innen und Publizist/innen als fehlerhaft und irreführend bezeichnet
  • 4. Appell für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte „Massiver Angriff“ auf das Recht des Urhebers auf freie und selbstbestimmte Publikation auf zwei Ebenen: International: Entwendung des geistigen Eigentums durch Google Books u.a. National: Allianz der dt. Wissenschaftsorganisationen propagieren gesetzeswidrige Eingriffe in die Publikationsfreiheit Allianz der dt. Wissenschaftsorganisationen will die Autor/innen zu Open Access verpflichten (= Zwang zu einer bestimmten Publikationsform)
  • 5. Google Books 2002 startet das geheime Buch-Projekt mit der Frage: „Wie lange dauert es, um alle existierenden Bücher zu digitalisieren?“ 2004 Start des Bibliotheksprogramm „Google Print“, woraus 2005 „Google Book Search“ wird Bestand speist sich aus zwei Quellen: − Google Partner Programm − Google Library
  • 6. Google Partner Programm Zusammenarbeit v.a. mit Verlagen Buchinhalte online durchsuchbar machen und Bereitstellung von Links zum Kauf der Bücher Vorschau einer begrenzten Seitenzahl; Verlag entscheidet, wie viel in der Vorschau angezeigt wird Beispielseiten zu drucken oder zu kopieren ist nicht möglich Vertriebs- und Marketingprogramm (“Die Google Buchsuche ist eines der einfachsten und besten Online-Marketingtools.”) Wird von vielen Verlagen genutzt (z.B. VS-Verlag, Meiner-Verlag, Springer, De Gruyter)
  • 7. Google Library Programm Zusammenarbeit mit mehreren großen Bibliotheken (z.B. Harvard Bibliothek, Oxford Bibliothek, Bayerische Staatsbibliothek) Digitalisierung der Bestände öffentlicher Bibliotheken (meist vergriffener oder gemeinfreier Bücher) Bibliografische Informationen zu dem Buch Vier Zugriffsoptionen: − Keine Vorschau verfügbar − Auszug (Schnipsel) − Eingeschränkte Vorschau (Partnerprogramm) − Vollständige Vorschau
  • 8. Google Book Settlement Aber auch Bücher, die noch urheberrechtlich geschützt sind, wurden retrodigitalisiert, ohne die Erlaubnis der jeweiligen Rechteinhaber einzuholen 2005 Sammelklage von Author’s Guild, Association of American Publishers und einzelnen Autor/innen Oktober 2008 Streitigkeiten werden durch 323- seitigen Vergleichsvorschlag beigelegt, dem Google Book Settlement Wird dieser Vergleich genehmigt, gilt er für „die ganze Klasse“, außer es wurde bis 4.9.09 Widerspruch eingelegt
  • 9. Google Book Settlement Erlaubt Google das Einscannen urheberrechtlich geschützter Bücher und die Verwaltung in einer Datenbank Bei vergriffenen Büchern oder wenn die Erlaubnis des Rechteinhabers vorliegt, darf Google die Bücher kommerziell verwenden (z.B. den Zugriff auf einzelne Bücher und institutionelle Abonnements verkaufen) 63% der Einnahmen gehen an den Rechteinhaber Einrichtung eines Buchrechteregisters, über das die Zahlungen geregelt werden Bereitstellung von 45 Millionen Dollar für Zahlungen bei bis einschließlich 5. Mai 09 eingescannten Büchern
  • 10. Google Book Settlement Kritik europäischer und deutscher Interessensvertreter (z.B. Börsenverein, VG Wort, Bundesregierung) Forderung des US-Justizministeriums, die Entscheidung zum Settlement zu vertagen Kritiker sehen Verstöße gegen das Wettbewerbs- und das Urheberrecht Google, der Authors Guild und die Association of American Publishers entschließen sich zu einer Überarbeitung des Abkommens 7. Oktober fand eine Status-Konferenz statt − Bisheriger Vergleich ist ungültig, es wird ein neuer ausgearbeitet und dem Gericht bis zum 9.11. vorgelegt − Gerichtliche Anhörung im Dez. 09 oder Jan. 10
  • 11. VG Wort schreibt Autor/innen an VG Wort gründet Arbeitsgruppe zum Google-Vergleich VG Wort will sich folgende Rechte von Google übertragen lassen: − Die Vergütungsansprüche für Digitalisierungen − Das Recht, die Entfernung sämtlicher vergriffener und lieferbarer Bücher zu verlangen Rechteübertragung soll mit Änderungen des Wahrnehmungsvertrag verbunden werden − Einräumung des Rechts, digitale Nutzungen von vergriffenen Büchern weltweit für Google oder Dritte zu lizenzieren, sofern nicht Autor/in oder Verlag dem widersprechen − Einräumung des Recht, digitale Vervielfältigung zum Zwecke bibliografischer Angaben zu erlauben
  • 12. Konsequenzen aus den Forderungen der VG Wort Entfernung aller deutschsprachigen Bücher aus der Google Book Suche Anschließend Verhandlung mit Google bzgl. der Anzeige vergriffener Titel (vermutlich über Pay-per- view-Modelle) Keine Textausschnitte oder Schnipsel bei noch lieferbaren Büchern (nur noch Anzeige bibliografischer Daten bei lieferbaren Büchern)
  • 13. Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ Kein Widerspruch gegen das Settlement, aber Protestschreiben an das Gericht VG Wort nicht die Rechte übertragen Brief des Urheberrechtsbündnisses an das zuständige New Yorker Gericht: − Generelles Einverständnis mit der Digitalisierung durch Google − Einwände gegen Google-Monopol an digitalisierten vergriffenen und verwaisten Werken − Kritik an der einseitig ausgerichteten Organisation der Book Rights Registry
  • 14. Warum Open Access? „Unsere Aufgabe Wissen weiterzugeben ist nur halb erfüllt, wenn diese Informationen für die Gesellschaft nicht in umfassender Weise und einfach zugänglich sind. Neben den konventionellen Methoden müssen zunehmend auch die neuen Möglichkeiten der Wissensverbreitung über das Internet nach dem Prinzip des offenen Zugangs (Open Access-Paradigma) gefördert werden.“ (Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003)
  • 15. Berliner Erklärung: Zwei Voraussetzungen für OA 1. Die Urheber und die Rechteinhaber gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. 2. Eine vollständige Fassung der Veröffentlichung (…) wird in einem geeigneten elektronischen Standardformat in mindestens einem Online-Archiv hinterlegt (und damit veröffentlicht), (…)
  • 16. Was meint Open Access? Originäre wissenschaftliche Forschungsergebnisse (Beiträge in Zeitschriften, Monografien, Preprints etc.) Aber auch: Ursprungsdaten, Metadaten, Bilder etc. Literatur, die Wissenschaftler/innen ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen Heidelberger Appell nimmt eine unzulässige und gefährliche Vereinheitlichung vor
  • 17. Open Access als Enteignung Open Access ist fast umsonst Die Kosten werden komplett auf die Autor/innen abgewälzt => typografische Massengräber Open Access will die Autor/innen ihrer Urheberrechte berauben => staatsmonopolisticher Verwertungskreislauf
  • 18. „… kompetent organisiertes Wissen sei dauerhaft zum Nulltarif zu haben“ (Rudolf Walther, taz.de) Schon in der Budapest Open Access Initiative wird darauf hingewiesen, dass kostenfreier Zugang nicht kostenlos hergestellt werden kann Die Herausgabe von Open-Access-Zeitschriften wie auch der Betrieb von Repositorien kosten Geld, was Open-Access-Befürworter nie geleugnet haben Äußerung von Reuß und anderen: Open Access ist unbezahlbar Viele Gegenstimmen haben aufgezeigt, dass die Rechnung von Uwe Jochum nicht stimmt
  • 19. „Jeder ist sein eigener Lektor, der dem Autor großzügig jede Eitelkeit durchgehen lässt.“ (Volker Gerhardt, FAZ.NET) Wissenschaftliche Texte, die kostenlos im Internet zugänglich sind, haben nicht per se eine schlechtere Qualität Untersuchung Weishaupt: mehr Open-Access- Zeitschriften als traditionelle Zeitschriften führen ein Peer Review durch Viele Verlage führen kein Lektorat mehr durch
  • 20. „Das sogenannte Open access, die Abtretung der Nutzungs- und Verwertungsrechte an den Arbeitgeber, (…) Bevor dieser Albtraum Realität wird, sollten die Wissenschaftler sich vielleicht noch einmal überlegen, welche Verträge zu unterschreiben sie bereit sind.“ (Michael Hagner, FAZ.NET) Beispiel ZORA: „Die freie Wahl der Publikations- möglichkeiten und die Forschungsfreiheit werden durch diese Leitlinien nicht eingeschränkt.“ Beispiel DFG: „An DFG-geförderten Projekten beteiligte Wissenschaftler sollten sich in Verlagsverträgen möglichst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vorbehalten.“
  • 21. Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen Initiative „Digitale Informationen“ – Leitbild: Bestmögliche Informationsinfrastruktur (-versorgung), => entgelt- und barrierefreie Verfügbarkeit Intensive Koordination der Partnerorganisationen und Bündelung der Ressourcen in 6 Aktionsfeldern Aktionsfeld „Open Access“: − Bezogen auf den „grünen“ Weg: Ausbau und stärkere Vernetzung von Repositorien und Entwicklung von Anreizkonzepten für Wissenschaftler/innen, Publikationen auf Repositorien verfügbar zu machen − Bezogen auf den „goldenen“ Weg: Weiterentwicklung und gemeinschaftliche Finanzierung von Geschäfts- und Fördermodellen
  • 22. Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen Initiative „Digitale Informationen“ – Leitbild: Aktionsfeld „Rechtliche Rahmenbedingungen“: − Sicherung eines „Grundrechts“ der Autor/innen, ihre Ergebnisse im Sinne eines freien Zugangs der Wissenschaft zu Informationen publizieren zu können − Aufhebung der derzeitigen Wettbewerbsverzerrung zwischen Printpublikationen und digitalen Publikationen durch eine Angleichung der Mehrwertsteuersätze Forderung nach einem Zweitveröffentlichungsrecht in §38 des UrhG: − Vertraglich nicht abdingbare Recht des Urhebers, sein Werk 6 Monate nach der Erstveröffentlichung anderweitig öffentlich zugänglich zu machen
  • 23. Wer enteignet wen? Autor/innen übertragen Verlagen die Nutzungsrechte Zeitschriften: − nach einem Jahr darf der/die Urheber/in das Werk anderweitig verwerten Monografien: − Autor/in überträgt das ausschließliche Nutzungsrecht an den Verlag für die Dauer des Urheberrechts − Das bedeutet, ich als Urheber/in darf mein Werk nicht einmal auf meiner eigenen Webseite zur Verfügung stellen
  • 24. „Nur solange es eine Alternative zum staatlichen open- access-Server gibt, sind Wissenschaftler vor der Monopolmacht des Staatswissenschaftsverlages (oder - servers) geschützt.“ (Volker Rieble, FAZ.NET) Dahinterstehende Annahme(n): Open Access will Verlage abschaffen => Zensurgefahr Open Access kann die Nachfrage am gedruckten Buch erhöhen Kooperationen zwischen Open-Access-Projekten und Verlagen (z.B. pedocs) Verlage entwickeln neue Geschäftsmodelle (hybrid)
  • 25. Die Unfreiheit der Verlage Ökonomische Zwänge Renommee des Verlags ist auch abhängig vom Renommee der dort publizierenden Autor/innen Unter dem Mantel der Unabhängigkeit können auch Verlage selektieren Nicht alles was drauf steht, ist auch drin => Ghostwriting
  • 26. „Eben darin liegt der Fehler der Open-access-Bewegung: Sie sieht Wissenschaftspublikationen nur unter Ertrags- und Kostengesichtspunkten und meint deswegen, auf das Publikationsrecht des steuerfinanzierten Autors Zugriff nehmen zu können.“ (Volker Rieble, FAZ.NET) Verwechslung von Open Access und Gratis Access Artikel 5 des Grundgesetz: − Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. (…) Eine Zensur findet nicht statt. (Abs.1) − Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. (Abs. 3)
  • 27. Öffentlichkeit von Wissenschaft Wissenschaft entsteht, kontrolliert und entwickelt sich im Diskurs. Für wen wird Wissenschaft gemacht? Forschen Wissenschaftler/innen nur für sich selbst (und warum publizieren sie dann?)? Und was wären Wissenschaftler/innen ohne die wissenschaftliche Gemeinschaft (=> Renommee, Anerkennung, Reflexion, Kommentare, Kritik …)? Wissenschaft ist Verschriftlichung? => Früher oder später! Artikel von Fröhlich „Die Wissenschaftstheorie fordert Open Access“
  • 28. „Möchten wir tatsächlich optimale Bedingungen für wissenschaftliche Öffentlichkeit bzw. Kommunikation, möchten wir wirklich Kritik, offene pluralistische kognitive Konkurrenz, optimale Diffusion wissenschaftlicher Theorien, Modelle, Methoden, Befunde fördern? Dann (…) sollten die Potentiale digitaler Technologien zur Förderung von Öffentlichkeit, Kritik, Qualitätskontrolle (…) voll ausgeschöpft werden. Wären Popper und Merton noch unter uns: Sie wären wohl Open-Access-Fans.“ (Gerhard Fröhlich, 2009)
  • 29. "An old tradition and a new technology have converged to make possible an unprecedented public good." Budapest Open Access Initiative
  • 30. Weiterführende Informationen Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Informationsplattform Kontakt: rubina.vock@fu-berlin.de www.open-access.net