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Villa-Hügel-Gespräch 2012
         Wie viel Bund
      braucht die Uni?
Die Anforderungen an das Hochschulsystem sind
gestiegen:
 Hochschulen sollen sich internationalisieren,
 zugleich als zentrale Akteure regionale Entwicklungen voranbringen,
 für die Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstands sorgen und
 auf Spitzenniveau lehren.




          Insbesondere vor dem Hintergrund knapper
          finanzieller Ressourcen sind diese Aufgaben
          kaum noch zu bewältigen.
Aktuelles Problemfeld

Die Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln steigt, während die
Grundfinanzierung – also der Finanzierungsanteil der Länder – sinkt.

Erwartet wird, dass sich die Finanzsituation verschärfen wird:

 insbesondere durch das Auslaufen der Exzellenzinitiative ab 2017,
 aber auch das Auslaufen weiterer Förderprogramme wie dem
 Hochschulpakt 2015,
 dem Pakt für Forschung und Innovation ab 2015,
 dem Auslaufen der Bundesfinanzierung bei Hochschulbauten ab
 2013
 sowie der Schuldenbremse, die ab 2020 dazu führen wird, dass die
 öffentlichen Etats weiter zurückgefahren werden und die
 Hochschulbildung mit anderen Politikfeldern um finanzielle
 Ressourcen stärker konkurrieren muss.
Die Kernfragen:

Wie kann die
Finanzierung des
Hochschulsystems
langfristig gesichert
werden?


                                Welche neuen
                        Finanzierungsmodelle
                           könnten nachhaltig
                                     wirken?
Dr. Volker Meyer-Guckel (Stifterverband), Prof. Dr. Hans N. Weiler (Stanford University),
Dr. Arend Oetker (Stifterverband) und Prof. Dr. Andreas Schlüter (Stifterverband) (v.li.)
Themenblock 1


   Zwischen Bildungsauftrag und
        Exzellenzanspruch

      Wie haben die Förderprogramme der
letzten Jahre das Hochschulsystem verändert,
            und was folgt daraus?
Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass insbesondere die vom
Bund initiierte Exzellenzinitiative zu zahlreichen Vorteilen geführt habe:

 Differenzierung im deutschen Hochschulsystem: Einerseits haben
 sich unterschiedliche Hochschultypen und Forschungsschwerpunkte
 herausgebildet. Aber auch eine stärkerer Binnendifferenzierung jenseits
 der Fakultäten hat stattgefunden.

 Kooperationen mit externen Akteuren haben deutlich zugenommen.
 Hochschulen arbeiten stärker als zuvor mit Partnern aus der Wirtschaft
 oder der außeruniversitären Forschung zusammen. Dabei wurden neue
 Kooperationsformen geschaffen, die bis zur Fusion von universitären und
 außeruniversitären Institutionen geht, wie das Beispiel des KIT zeigte.

 Die Autonomie der Hochschulen hat zugenommen. Interdisziplinarität
 ist an den Universitäten gewachsen. Es wurden neue Stellen im
 Wissenschaftssystem geschaffen und die Attraktivität der deutschen
 Hochschulen für ausländische Forscher ist gestiegen.
Nachteile der Exzellenzinitiative
Als Negativeffekte benannten Hochschulvertreter:

 Gefahr der Kurzatmigkeit von Förderprogrammen, die häufig
 auf einen Zeitraum von 3 (bzw. 5-6 Jahre) beschränkt sind.
 Für nachhaltige Strukturveränderungen seien längere
 Förderzeiträume nötig.

 Gefahr einer zu starken Verschiebung hin zu mehr Forschung
 zu Lasten der Lehre an den Hochschulen

 Gefahr der Mainstream-Orientierung in der Forschung

 Die Fachhochschulen konnten von der Exzellenzinitiative nur wenig
 profitieren. Sie müssen künftig stärker mit in den Fokus genommen werden.
Wirtschaftsvertreter betonten, dass:

 eine gute Grundlagenforschung an den Hochschulen unerlässlich
 sei für den langfristigen Erfolg der Industrie.

 In Hinblick auf die demografische Entwicklung (Fachkräftemangel)
 eine hohe Qualität der Hochschulbildung immer essentieller werde.

 Bei deutschen Professoren müsse die Bereitschaft steigen,
 stärker die industrielle Verwertbarkeit von Wissen zu identifizieren.

 Als kritisch bewertet wurde zudem, dass mit den bisherigen
 Förderprogrammen in Deutschland der internationale Trend zur
 Diversifizierung nur unzureichend berücksichtigt wurde.
 Hier bestehe Nachholbedarf.
Prof. Dr. Horst Hippler (Hochschulrektorenkonferenz, li.) und
Prof. Dr. Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln)
Impulse für künftige Finanzierungsmodelle des
Hochschulsystems


Oppositionspolitiker im Bund drängen auf:

 eine Verstetigung der Grundfinanzierung des Hochschulsystems an.
 Ziel sei mehr Nachhaltigkeit.


Zudem müsste die Personalstruktur an Hochschulen geändert werden.
Andernfalls würden sich die Chancen verschlechtern, die besten Köpfe
im deutschen Wissenschaftssystem zu halten. Es sei absehbar, dass vom
Bund initiierte Förderimpulse von den Ländern künftig nicht mehr einfach
kofinanziert werden können (Schuldenbremse).
Prof. Dr. Andreas Barner (Boehringer Ingelheim), Dr. Kurt Bock (BASF), Prof. Dr. Bruno O. Braun (Verein Deutscher
Ingenieure) und Dr. Jörg Dräger (CHE Centrum für Hochschulentwicklung) (v.li.)
Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen drängen auf:

 einen Abbau bürokratischer Hürden bei Kooperationen zwischen
 Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Konkret
 müsste das Haushalts- und Steuerrecht der Hochschulen mit dem der
 außeruniversitären Forschung harmonisiert werden.

 Nötig sei noch mehr Autonomie der Hochschulen und mehr Deregulierung.

 Auch der Föderalismus wird als Hürde für eine Infrastruktur für
 Kooperationen angesehen.

 Leistungsstarke Universitäten brauchen langfristig eine Mitfinanzierung
 des Bundes. Auch kleinere und mittlere Universitäten müssen von Bund-
 Förderprogrammen stärker als bislang partizipieren können.

 Betont werden müsse zudem, dass Wissenschaftsförderung sich von
 anderen Politikfeldern abhebt, weil sie eine gesamtgesellschaftliche
 Bedeutung hat.
Themenblock 2


Zwischen Prioritätensetzung und
      Grundfinanzierung

    Welche Perspektiven gibt es für die
Wissenschaftsfinanzierung in Deutschland?
Die Bundesregierung betont:

 dass der Bund aktuell mehr als je zuvor in Wissenschaft und Bildung
 investiert.

 Langfristig könnten Hochschulen aber nur substanziell unterstützt werden,
 wenn Grundgesetzartikel 91b geändert wird, also das Kooperationsverbot
 von Bund und Ländern im Wissenschaftsbereich fiele. Ziel sei, dass
 Bundesgeld nicht nur befristet an die Hochschulen fließen kann.
 Dadurch könnten zum Beispiel auch Forschungszentren und Cluster
 (die durch die Exzellenzinitiative entstanden sind) verstetigt werden.

 Durch eine Grundgesetzänderung ermöglichte Bundesförderung müsse
 aber eine Förderung mit Profil bzw. Schwerpunktorientierung nach
 wettbewerblichen Gesichtspunkten sein.
Vertreter der Bundesländer plädieren für:

 Umsatzsteuerneuverteilung zwischen Bund und Ländern. Diese solle
 zweckgebunden sein (was bislang nicht möglich ist) an die Erhöhung der
 Grundfinanzierung der Hochschulen. Damit verbunden wären auch Ziel- und
 Leistungsvereinbarung zwischen den Ländern und dem Bund.

 Die Mobilität der Studierenden müsse berücksichtigt werden und
 Förderprogramme bzw. Finanzausgleichsmechanismen etwa nach dem
 Grundsatz „Geld folgt Studierenden“ erfolgen.

 Die bisherigen Förderprogramme des Bundes müssten überführt werden in
 eine nationale Hochschulstrategie.

 Grenzüberschreitende Hochschulkooperationen müssen gestärkt
 werden.
Prof. Dr. Bernhard Kempen (Deutscher Hochschulverband, li.) und
Annegret Kramp-Karrenbauer (Ministerpräsidentin des Saarlandes)
Ein Vertreter der Wirtschaftsforschung betont, dass

 eine durch die Schuldenbremse angestrebte Haushaltskonsolidierung nicht
 unbedingt die Handlungsfähigkeit der Hochschulen einschränken muss. Das
 Problem sei eher ein Verteilungsproblem. Effizienzreserven müssten daher
 in den Blick genommen werden.

 Nötig sei auch eine steuerliche FuE-Förderung, ebenso sollte die Idee der
 Forschungsprämie weiter entwickelt werden.

 Die Frage nach Studiengebühren müsse dringend wieder aufgegriffen
 werden. Bei 500 Euro pro Student und Semester würden allein jährlich zwei
 Milliarden Euro Mehreinnahmen für die Hochschulen generiert werden.
Vertreter von Stiftungen weisen darauf hin:

 dass es unausgeschöpfte Potenziale bei privaten Wissenschafts-
 förderern gebe. So sei davon auszugehen, dass der aktuelle Stiftungsboom
 anhalten werde (pro Jahr entstünden derzeit 800 bis 1.000 neue Stiftungen).
 Die Entwicklung sei bislang aber am Wissenschaftsbereich vorbei gegangen.
 Zudem böten unbefristete Stiftungsprofessuren ausbaufähige Förder-
 möglichkeiten.



Nach Meinung von Vertretern der Wissenschaftsorganisationen:

 Braucht das deutsche Wissenschaftssystem mehr Tenure-Track-Systeme,
 Verstetigung von Exzellenzclustern und mehr Kooperationsmöglichkeiten
 zwischen Universitäten und außeruniversitärer Forschung.
Dr. Wilhelm Krull (VolkswagenStiftung, li.) und
Prof. Dr. Antonio Loprieno (Universität Basel)
Fazit und Ausblick

Die Tagungsteilnehmer waren sich einig,
    dass eine weitere Differenzierung
des Hochschulsystems angestrebt wird.
Bei künftigen vom Bund initiierten Förderprogrammen bzw. Finan-
zierungsmodellen müssten folgende Aspekte Berücksichtigung finden:

 Längere Förderzeiträume: externe Stimulationen im Zeitraum von 3 Jahren
 führen nicht zu Nachhaltigkeit.

 Die Vergabeverfahren für Bund-Fördermittel müssten sich dem
 differenzierten Hochschulsystem anpassen.

 Wettbewerbsprinzip als Vergabekriterium soll grundsätzlich weiter
 Anwendung finden, insbesondere im Forschungsbereich. In der Lehre
 sei dagegen auch Stabilität und Strukturkontinuität nötig.

 Neue Förderprogramme sollten ausgerichtet sein auf Schwerpunktbildung,
 Forschung und Lehre.

 Neue Förderprogramme oder Finanzierungsmodelle müssten gründlich
 evaluiert werden.

 Finanzierung von Wissenschaft ist nur als Gemeinschaftsaufgabe möglich.
Es müssen zudem neue Finanzquellen erschlossen werden:


 Einerseits kann mehr Effizienz durch Harmonisierung von Steuer- und
 Haushaltsrecht erreicht werden.

 Private Mittel durch Studiengebühren zu generieren wurde von zahlreichen
 Tagungsteilnehmern als unerlässlich bewertet. Ein Vorschlag war,
 Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer zu erheben. Zudem könnten
 Studiengebühren durch ein Stipendiensystem abgefedert werden.

 Private Mittel bei der Wirtschaft und bei Stiftungen generieren

 Die Idee zur Gründung einer Nationalstiftung für wissenschaftliche
 Exzellenz wurde angeregt.
Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer (Leibniz Gemeinschaft) (Mi.) und
Achim Meyer auf der Heyde (Deutsches Studentenwerk, re.)
Mehr Info & Podcast zur Veranstaltung auf
  www.stifterverband.de/vhg2012
Die Teilnehmer des
Villa-Hügel-Gesprächs 2012                                                Krull, Dr. Wilhelm, Generalsekretär
                                                                          VolkswagenStiftung, Hannover

Barner, Professor Dr. Dr. Andreas, Vorsitzender der Unternehmensleitung   Loprieno, Professor Dr. Antonio, Präsident der Rektorenkonferenz der
Boehringer Ingelheim GmbH, Ingelheim am Rhein                             Schweizer Universitäten (CRUS), Rektor der Universität Basel

Bock, Dr. Kurt, Vorsitzender des Vorstandes                               Mayer, Professor Dr. Karl Ulrich, Präsident
BASF SE, Ludwigshafen                                                     Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., Berlin

Braun, Professor Dr.-Ing. habil. Bruno O., Präsident                      Meyer auf der Heyde, Dipl. Volksw., Dipl.-Kfm., Dipl.-Hdl. Achim,
Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf                              Generalsekretär
                                                                          Deutsches Studentenwerk, Berlin
Dräger, Dr. Jörg, Geschäftsführer
CHE Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH, Gütersloh                     Meyer-Guckel, Dr. Volker, stellv. Generalsekretär und Mitglied der
                                                                          Geschäftsleitung
Dzwonnek, Dorothee, Generalsekretärin                                     Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen
Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V., Bonn
                                                                          Oetker, Dr. rer. pol. Arend, Präsident
Eitel, Professor Dr. rer. nat. habil. Bernhard, Rektor                    Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
                                                                          Quennet-Thielen, Staatssekretärin Cornelia
Frankenberg, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Peter, Vorstand                 Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin
Heinrich-Vetter-Stiftung, Ilvesheim
                                                                          Sager, Krista, MdB
Hippler, Professor Dr. sc. tech. Horst, Präsident                         Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Ausschusses für Bildung,
Hochschulrektorenkonferenz, Bonn                                          Forschung und Technikfolgenabschätzung, Deutscher Bundestag, Berlin

Hüther, Professor Dr. Michael, Direktor und Mitglied des Präsidiums       Schiewer, Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen, Rektor
Institut der deutschen Wirtschaft, Köln                                   Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Husung, MinDirig. Dr. Hans-Gerhard, Generalsekretär                       Schlüter, Professor Dr. Andreas, Generalsekretär
Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, Bonn                                   Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen

Kempen, Professor Dr. Bernhard, Präsident                                 Simon, Professor Dr. Babette, Präsidentin
Deutscher Hochschulverband, Bonn                                          Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin Annegret                           Strohschneider, Professor Dr. phil. Peter
Ministerium des Saarlandes, Saarbrücken                                   Institut für deutsche Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Kronthaler, Dr. jur. Ludwig, Generalsekretär                              Weiler, Prof. Dr. Hans N.
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., München    School of Education, Stanford University, United States of America
Ansprechpartner für inhaltliche Fragen zum Villa-Hügel-Gespräch 2012:

                     Dr. Volker Meyer-Guckel
                     stellvertretender Generalsekretär
                     Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

                     Tel.: (030) 32 29 82-500
                     Fax: (030) 32 29 82-515
                     E-Mail: volker.guckel@stifterverband.de




Die Villa-Hügel-Gespräche des Stifterverbandes bringen Entscheidungsträger aus
Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu wissenschaftspolitischen Themen zusammen.
Eine hochkarätige Expertenrunde beleuchtet alle zwei Jahre ein zukunftsrelevantes
wissenschaftspolitisches Thema. Viele dieser Gespräche haben Wirkungen in politische
Entscheidungsprozesse hinein erzielt und Anregungen für Förderprogramme des
Stifterverbandes gegeben.
Autorin der Zusammenfassung: Christine Xuân Müller
              Fotos: David Ausserhofer

              © Stifterverband 2012

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Villa-Hügel-Gespräch 2012 - Zusammenfassung

  • 1. Villa-Hügel-Gespräch 2012 Wie viel Bund braucht die Uni?
  • 2. Die Anforderungen an das Hochschulsystem sind gestiegen: Hochschulen sollen sich internationalisieren, zugleich als zentrale Akteure regionale Entwicklungen voranbringen, für die Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstands sorgen und auf Spitzenniveau lehren. Insbesondere vor dem Hintergrund knapper finanzieller Ressourcen sind diese Aufgaben kaum noch zu bewältigen.
  • 3. Aktuelles Problemfeld Die Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln steigt, während die Grundfinanzierung – also der Finanzierungsanteil der Länder – sinkt. Erwartet wird, dass sich die Finanzsituation verschärfen wird: insbesondere durch das Auslaufen der Exzellenzinitiative ab 2017, aber auch das Auslaufen weiterer Förderprogramme wie dem Hochschulpakt 2015, dem Pakt für Forschung und Innovation ab 2015, dem Auslaufen der Bundesfinanzierung bei Hochschulbauten ab 2013 sowie der Schuldenbremse, die ab 2020 dazu führen wird, dass die öffentlichen Etats weiter zurückgefahren werden und die Hochschulbildung mit anderen Politikfeldern um finanzielle Ressourcen stärker konkurrieren muss.
  • 4. Die Kernfragen: Wie kann die Finanzierung des Hochschulsystems langfristig gesichert werden? Welche neuen Finanzierungsmodelle könnten nachhaltig wirken?
  • 5. Dr. Volker Meyer-Guckel (Stifterverband), Prof. Dr. Hans N. Weiler (Stanford University), Dr. Arend Oetker (Stifterverband) und Prof. Dr. Andreas Schlüter (Stifterverband) (v.li.)
  • 6. Themenblock 1 Zwischen Bildungsauftrag und Exzellenzanspruch Wie haben die Förderprogramme der letzten Jahre das Hochschulsystem verändert, und was folgt daraus?
  • 7. Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass insbesondere die vom Bund initiierte Exzellenzinitiative zu zahlreichen Vorteilen geführt habe: Differenzierung im deutschen Hochschulsystem: Einerseits haben sich unterschiedliche Hochschultypen und Forschungsschwerpunkte herausgebildet. Aber auch eine stärkerer Binnendifferenzierung jenseits der Fakultäten hat stattgefunden. Kooperationen mit externen Akteuren haben deutlich zugenommen. Hochschulen arbeiten stärker als zuvor mit Partnern aus der Wirtschaft oder der außeruniversitären Forschung zusammen. Dabei wurden neue Kooperationsformen geschaffen, die bis zur Fusion von universitären und außeruniversitären Institutionen geht, wie das Beispiel des KIT zeigte. Die Autonomie der Hochschulen hat zugenommen. Interdisziplinarität ist an den Universitäten gewachsen. Es wurden neue Stellen im Wissenschaftssystem geschaffen und die Attraktivität der deutschen Hochschulen für ausländische Forscher ist gestiegen.
  • 8. Nachteile der Exzellenzinitiative Als Negativeffekte benannten Hochschulvertreter: Gefahr der Kurzatmigkeit von Förderprogrammen, die häufig auf einen Zeitraum von 3 (bzw. 5-6 Jahre) beschränkt sind. Für nachhaltige Strukturveränderungen seien längere Förderzeiträume nötig. Gefahr einer zu starken Verschiebung hin zu mehr Forschung zu Lasten der Lehre an den Hochschulen Gefahr der Mainstream-Orientierung in der Forschung Die Fachhochschulen konnten von der Exzellenzinitiative nur wenig profitieren. Sie müssen künftig stärker mit in den Fokus genommen werden.
  • 9. Wirtschaftsvertreter betonten, dass: eine gute Grundlagenforschung an den Hochschulen unerlässlich sei für den langfristigen Erfolg der Industrie. In Hinblick auf die demografische Entwicklung (Fachkräftemangel) eine hohe Qualität der Hochschulbildung immer essentieller werde. Bei deutschen Professoren müsse die Bereitschaft steigen, stärker die industrielle Verwertbarkeit von Wissen zu identifizieren. Als kritisch bewertet wurde zudem, dass mit den bisherigen Förderprogrammen in Deutschland der internationale Trend zur Diversifizierung nur unzureichend berücksichtigt wurde. Hier bestehe Nachholbedarf.
  • 10. Prof. Dr. Horst Hippler (Hochschulrektorenkonferenz, li.) und Prof. Dr. Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln)
  • 11. Impulse für künftige Finanzierungsmodelle des Hochschulsystems Oppositionspolitiker im Bund drängen auf: eine Verstetigung der Grundfinanzierung des Hochschulsystems an. Ziel sei mehr Nachhaltigkeit. Zudem müsste die Personalstruktur an Hochschulen geändert werden. Andernfalls würden sich die Chancen verschlechtern, die besten Köpfe im deutschen Wissenschaftssystem zu halten. Es sei absehbar, dass vom Bund initiierte Förderimpulse von den Ländern künftig nicht mehr einfach kofinanziert werden können (Schuldenbremse).
  • 12. Prof. Dr. Andreas Barner (Boehringer Ingelheim), Dr. Kurt Bock (BASF), Prof. Dr. Bruno O. Braun (Verein Deutscher Ingenieure) und Dr. Jörg Dräger (CHE Centrum für Hochschulentwicklung) (v.li.)
  • 13. Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen drängen auf: einen Abbau bürokratischer Hürden bei Kooperationen zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Konkret müsste das Haushalts- und Steuerrecht der Hochschulen mit dem der außeruniversitären Forschung harmonisiert werden. Nötig sei noch mehr Autonomie der Hochschulen und mehr Deregulierung. Auch der Föderalismus wird als Hürde für eine Infrastruktur für Kooperationen angesehen. Leistungsstarke Universitäten brauchen langfristig eine Mitfinanzierung des Bundes. Auch kleinere und mittlere Universitäten müssen von Bund- Förderprogrammen stärker als bislang partizipieren können. Betont werden müsse zudem, dass Wissenschaftsförderung sich von anderen Politikfeldern abhebt, weil sie eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat.
  • 14. Themenblock 2 Zwischen Prioritätensetzung und Grundfinanzierung Welche Perspektiven gibt es für die Wissenschaftsfinanzierung in Deutschland?
  • 15. Die Bundesregierung betont: dass der Bund aktuell mehr als je zuvor in Wissenschaft und Bildung investiert. Langfristig könnten Hochschulen aber nur substanziell unterstützt werden, wenn Grundgesetzartikel 91b geändert wird, also das Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Wissenschaftsbereich fiele. Ziel sei, dass Bundesgeld nicht nur befristet an die Hochschulen fließen kann. Dadurch könnten zum Beispiel auch Forschungszentren und Cluster (die durch die Exzellenzinitiative entstanden sind) verstetigt werden. Durch eine Grundgesetzänderung ermöglichte Bundesförderung müsse aber eine Förderung mit Profil bzw. Schwerpunktorientierung nach wettbewerblichen Gesichtspunkten sein.
  • 16. Vertreter der Bundesländer plädieren für: Umsatzsteuerneuverteilung zwischen Bund und Ländern. Diese solle zweckgebunden sein (was bislang nicht möglich ist) an die Erhöhung der Grundfinanzierung der Hochschulen. Damit verbunden wären auch Ziel- und Leistungsvereinbarung zwischen den Ländern und dem Bund. Die Mobilität der Studierenden müsse berücksichtigt werden und Förderprogramme bzw. Finanzausgleichsmechanismen etwa nach dem Grundsatz „Geld folgt Studierenden“ erfolgen. Die bisherigen Förderprogramme des Bundes müssten überführt werden in eine nationale Hochschulstrategie. Grenzüberschreitende Hochschulkooperationen müssen gestärkt werden.
  • 17. Prof. Dr. Bernhard Kempen (Deutscher Hochschulverband, li.) und Annegret Kramp-Karrenbauer (Ministerpräsidentin des Saarlandes)
  • 18. Ein Vertreter der Wirtschaftsforschung betont, dass eine durch die Schuldenbremse angestrebte Haushaltskonsolidierung nicht unbedingt die Handlungsfähigkeit der Hochschulen einschränken muss. Das Problem sei eher ein Verteilungsproblem. Effizienzreserven müssten daher in den Blick genommen werden. Nötig sei auch eine steuerliche FuE-Förderung, ebenso sollte die Idee der Forschungsprämie weiter entwickelt werden. Die Frage nach Studiengebühren müsse dringend wieder aufgegriffen werden. Bei 500 Euro pro Student und Semester würden allein jährlich zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen für die Hochschulen generiert werden.
  • 19. Vertreter von Stiftungen weisen darauf hin: dass es unausgeschöpfte Potenziale bei privaten Wissenschafts- förderern gebe. So sei davon auszugehen, dass der aktuelle Stiftungsboom anhalten werde (pro Jahr entstünden derzeit 800 bis 1.000 neue Stiftungen). Die Entwicklung sei bislang aber am Wissenschaftsbereich vorbei gegangen. Zudem böten unbefristete Stiftungsprofessuren ausbaufähige Förder- möglichkeiten. Nach Meinung von Vertretern der Wissenschaftsorganisationen: Braucht das deutsche Wissenschaftssystem mehr Tenure-Track-Systeme, Verstetigung von Exzellenzclustern und mehr Kooperationsmöglichkeiten zwischen Universitäten und außeruniversitärer Forschung.
  • 20. Dr. Wilhelm Krull (VolkswagenStiftung, li.) und Prof. Dr. Antonio Loprieno (Universität Basel)
  • 21. Fazit und Ausblick Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass eine weitere Differenzierung des Hochschulsystems angestrebt wird.
  • 22. Bei künftigen vom Bund initiierten Förderprogrammen bzw. Finan- zierungsmodellen müssten folgende Aspekte Berücksichtigung finden: Längere Förderzeiträume: externe Stimulationen im Zeitraum von 3 Jahren führen nicht zu Nachhaltigkeit. Die Vergabeverfahren für Bund-Fördermittel müssten sich dem differenzierten Hochschulsystem anpassen. Wettbewerbsprinzip als Vergabekriterium soll grundsätzlich weiter Anwendung finden, insbesondere im Forschungsbereich. In der Lehre sei dagegen auch Stabilität und Strukturkontinuität nötig. Neue Förderprogramme sollten ausgerichtet sein auf Schwerpunktbildung, Forschung und Lehre. Neue Förderprogramme oder Finanzierungsmodelle müssten gründlich evaluiert werden. Finanzierung von Wissenschaft ist nur als Gemeinschaftsaufgabe möglich.
  • 23. Es müssen zudem neue Finanzquellen erschlossen werden: Einerseits kann mehr Effizienz durch Harmonisierung von Steuer- und Haushaltsrecht erreicht werden. Private Mittel durch Studiengebühren zu generieren wurde von zahlreichen Tagungsteilnehmern als unerlässlich bewertet. Ein Vorschlag war, Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer zu erheben. Zudem könnten Studiengebühren durch ein Stipendiensystem abgefedert werden. Private Mittel bei der Wirtschaft und bei Stiftungen generieren Die Idee zur Gründung einer Nationalstiftung für wissenschaftliche Exzellenz wurde angeregt.
  • 24. Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer (Leibniz Gemeinschaft) (Mi.) und Achim Meyer auf der Heyde (Deutsches Studentenwerk, re.)
  • 25. Mehr Info & Podcast zur Veranstaltung auf www.stifterverband.de/vhg2012
  • 26. Die Teilnehmer des Villa-Hügel-Gesprächs 2012 Krull, Dr. Wilhelm, Generalsekretär VolkswagenStiftung, Hannover Barner, Professor Dr. Dr. Andreas, Vorsitzender der Unternehmensleitung Loprieno, Professor Dr. Antonio, Präsident der Rektorenkonferenz der Boehringer Ingelheim GmbH, Ingelheim am Rhein Schweizer Universitäten (CRUS), Rektor der Universität Basel Bock, Dr. Kurt, Vorsitzender des Vorstandes Mayer, Professor Dr. Karl Ulrich, Präsident BASF SE, Ludwigshafen Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., Berlin Braun, Professor Dr.-Ing. habil. Bruno O., Präsident Meyer auf der Heyde, Dipl. Volksw., Dipl.-Kfm., Dipl.-Hdl. Achim, Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf Generalsekretär Deutsches Studentenwerk, Berlin Dräger, Dr. Jörg, Geschäftsführer CHE Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH, Gütersloh Meyer-Guckel, Dr. Volker, stellv. Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung Dzwonnek, Dorothee, Generalsekretärin Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V., Bonn Oetker, Dr. rer. pol. Arend, Präsident Eitel, Professor Dr. rer. nat. habil. Bernhard, Rektor Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Quennet-Thielen, Staatssekretärin Cornelia Frankenberg, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Peter, Vorstand Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin Heinrich-Vetter-Stiftung, Ilvesheim Sager, Krista, MdB Hippler, Professor Dr. sc. tech. Horst, Präsident Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Ausschusses für Bildung, Hochschulrektorenkonferenz, Bonn Forschung und Technikfolgenabschätzung, Deutscher Bundestag, Berlin Hüther, Professor Dr. Michael, Direktor und Mitglied des Präsidiums Schiewer, Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen, Rektor Institut der deutschen Wirtschaft, Köln Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Husung, MinDirig. Dr. Hans-Gerhard, Generalsekretär Schlüter, Professor Dr. Andreas, Generalsekretär Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, Bonn Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen Kempen, Professor Dr. Bernhard, Präsident Simon, Professor Dr. Babette, Präsidentin Deutscher Hochschulverband, Bonn Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin Annegret Strohschneider, Professor Dr. phil. Peter Ministerium des Saarlandes, Saarbrücken Institut für deutsche Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München Kronthaler, Dr. jur. Ludwig, Generalsekretär Weiler, Prof. Dr. Hans N. Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., München School of Education, Stanford University, United States of America
  • 27. Ansprechpartner für inhaltliche Fragen zum Villa-Hügel-Gespräch 2012: Dr. Volker Meyer-Guckel stellvertretender Generalsekretär Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft Tel.: (030) 32 29 82-500 Fax: (030) 32 29 82-515 E-Mail: volker.guckel@stifterverband.de Die Villa-Hügel-Gespräche des Stifterverbandes bringen Entscheidungsträger aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu wissenschaftspolitischen Themen zusammen. Eine hochkarätige Expertenrunde beleuchtet alle zwei Jahre ein zukunftsrelevantes wissenschaftspolitisches Thema. Viele dieser Gespräche haben Wirkungen in politische Entscheidungsprozesse hinein erzielt und Anregungen für Förderprogramme des Stifterverbandes gegeben.
  • 28. Autorin der Zusammenfassung: Christine Xuân Müller Fotos: David Ausserhofer © Stifterverband 2012