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Erfolgsmodell Master
	 Offen für internationale Kooperationen und
	 individuelle Bildungsbiographien
*




* Lebenslanges Lernen
Editorial




Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser!

                                                                                        Professor Dr. Horst Hippler
Bildung und Qualifikation sind zu Begriffen geworden, die in fast allen Politikberei-
chen eine bedeutsame Rolle spielen. Der „Weg in die Wissensgesellschaft“ ist – so       Präsident der Hochschulrektorenkonferenz
abgegriffen dieses Schlagwort auch inzwischen klingen mag – ein Thema von essen-
tieller Bedeutung: Davon, wie gut wir diesen Wandel bewerkstelligen, hängt unser
künftiger Wohlstand in erheblichem Maße ab.
Die Hochschulen in Deutschland haben längst erkannt, welche Anforderungen das an
sie stellt. Die vielen Veränderungen der vergangenen Jahre sind dafür ein unüberseh-
bares Zeugnis. In diesem Magazin möchten wir uns auf einen Bereich konzentrieren,
in dem an Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen Wegweisendes geleistet
wurde: Es sind unzählige Masterstudiengänge entstanden, die für Studierende und für
die Hochschulen selbst große Chancen bergen.
Viele Lehrende haben ihr Fach, haben das Curriculum ihrer Studiengänge neu durch-
dacht. In diesem Magazin begeben wir uns auf eine Rundreise durch Deutschland, um
den vielen Ideen und Innovationen nachzuspüren. Auf den folgenden Seiten lernen wir
beeindruckende Beispiele kennen – sowohl aus dem Bereich der konsekutiven Master,
die direkt an ein Bachelor-Studium anschließen, als auch aus dem Bereich der weiter-
bildenden Master, deren Studierende schon erfolgreich im Berufsleben stehen.
Wir möchten drei unterschiedliche Aspekte beleuchten. Im ersten Teil des Magazins
werfen wir einen Blick darauf, wie Hochschulen weiterbildende Masterprogramme in
ihre Struktur integrieren. Im zweiten Teil legen wir unser Augenmerk auf Hochschul-
kooperationen im Masterbereich; sei es international, sei es interdisziplinär. Und im
dritten Teil zeigen wir auf, wie innovative Masterprogramme dazu beitragen, dass
Studierende in unterschiedlichen Lebenssituationen ein Bildungsangebot finden, das
für sie genau passend ist.
Natürlich können wir in diesem Magazin nur einen Bruchteil der innovativen Konzepte
vorstellen, die pars pro toto für die unzähligen gelungenen Studiengänge stehen, die
an deutschen Hochschulen angeboten werden.


Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Streifzug durch die Hochschulen und eine anregen-
de Lektüre!

Ihr




                                                                                                                                   3
Inhalt


    03	 Editorial
    06	
         „Man braucht Mut, Ausdauer und Zuversicht“
    	  er Schweizer Weiterbildungs-Pionier Andreas Fischer im Inter-
         D
         view über berufsbegleitende Studiengänge, neue Strukturen an
         den Hochschulen und unternehmerische Risiken




     Chancen zur Profilbildung                                               Chancen zur Brückenbildung


    12	 Weiterbildung als integrale Aufgabe                                  46	 Internationalität inklusive
    	  ie Freiburger Universität will berufsbegleitende Masterstudien-
        D                                                                    	  ie Universität Flensburg baut auf ihre Nähe zu Dänemark – 	
                                                                                 D
        gänge zum umfassenden Angebot ausbauen                                   in einem binationalen Wirtschaftsstudiengang

    20	 Ein passendes Angebot für jeden                                      50	 Helfen als Wissenschaft
    	 n Oldenburg will die Universität Lust machen auf Weiterbil-
        I                                                                    	  ie Ruhr-Universität Bochum bereitet Studierende auf den
                                                                                 D
        dung. Dafür setzt sie auf den Bildungshunger der Interessenten           humanitären Einsatz in Katastrophengebieten vor

    26	 Die Public Private University                                        54	 Wissen für den Wandel
    	  ine staatliche Hochschule und ein privater Bildungs-	
        E                                                                    	  er Master Global Change Ecology an der Universität Bayreuth
                                                                                 D
        anbieter betreiben gemeinsam die Deutsche Universität 	                  ist Teil des bayerischen Elitenetzwerks
        für Weiterbildung
                                                                             58	 High-Tech im Wald
    30	 Inkubator mit Strahlkraft                                            	  ie Fachhochschule Eberswalde macht aus der traditionsbe-
                                                                                 D
    	  ie Leuphana Universität Lüneburg nutzt als einzige Hochschule
        D                                                                        wussten Forstwirtschaft ein international vernetztes 	
        Mittel aus dem EU-Strukturfonds                                          Erfolgsmodell

    34	 Masterprogramme für die ganze Welt                                   60	 Forschen im Weinberg
    	  ie Hochschule Bremen setzt mit ihrem Graduate Center auf 	
        D                                                                    	  ie Bewerber für die Studiengänge in Geisenheim stammen 	
                                                                                 D
        ein internationales Publikum                                             aus aller Welt. In ihren Labors kommen sie den Geheimnissen
                                                                                 des Weins auf die Spur
    38	 Der Karriere-Master
    	  ie Hector School ist Teil des Karlsruher Instituts für Technologie
        D                                                                    64	 Die Polizei im Internet
        und richtet sich an Führungskräfte aus der Wirtschaft                	  ie Hochschule Albstadt-Sigmaringen rollt das Feld der 	
                                                                                 D
                                                                                 Online-Sicherheit auf
    40	 Der Master als Wettbewerbsvorteil
    	  islang war die Duale Hochschule Baden-Württemberg auf 	
        B
        Bachelorstudiengänge spezialisiert. Jetzt expandiert sie im
        Bereich der Master




                             Forschend lernen am Objekt



4
Foto: LESC/KIT in Kooperation mit HECTOR School of
                                                                                           Schon heute in der Zukunft




                         Engineering  Management/KIT
                                                                                           Karlsruher Studierende arbeiten
                                                                                           an einer 3-D-Präsentation




Chancen individualisierter                                                    Blickpunkt Studierende
Bildungsbiographien

70	 Das individualisierte Studium                                             25	 r. Helen Schultz, Absolventin aus Freiburg
                                                                                  D
	  it der Didaktik für berufsbegleitende Studiengänge hat die
    M                                                                             Als Zahnärztin wieder an die Uni
    FernUniversität in Hagen mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung
                                                                              33	 lvia Gaida, Studentin in Lüneburg
                                                                                   E
74	 Die andere Geschichte                                                         Das Stipendium, von dem auch die regionale Wirtschaft 	
	  n der Freien Universität Berlin werden Historiker auf 	
    A                                                                             profitiert
    Innovationen getrimmt
                                                                              37	 ariann Karlstad und Detrick Brown, Studierende in Bremen
                                                                                 M
76	 Die Versicherungs-Theoretiker                                                Getrieben von der Neugier auf Deutschland
	  er Executive Master of Insurance an der Münchner Ludwig-
    D
    Maximilians-Universität ist ein berufsbegleitender Studiengang,           49	 Kim Plätz, Studentin in Flensburg
    in dem die Theorie im Vordergrund steht                                   	 Forschung in der Grenzregion als Sprungbrett zur EU

78	 Führung für die Schule                                                    53	 aura Puts, Studentin in Bochum
                                                                                  L
	  ie Universität Kaiserslautern bildet in einem spezialisierten
    D                                                                             Der Berufsalltag? Wasserfilter herstellen, Ruinen aufräumen, 	
    Masterstudiengang künftige Schulleiter aus. Sie sollen später                 Schulen bauen
    den Wandel im Bildungsbereich mitgestalten
                                                                              73	 Thilo Rörtgen, Student in Hagen
80	 Zwei Perspektiven auf die Kunst                                           	 Aus dem Plenarsaal zurück an die Universität
	 n einer Kooperation der Universität Heidelberg mit der 	
    I
    Pariser École du Louvre werden zwei Schulen der Kunst-	
    geschichte vereint                                                        82	 eutsche Hochschulen auf dem Weg zum
                                                                                 D
                                                                                 individualisierten Angebot
                                                                              	  ine Analyse von Dr. Peter A. Zervakis, Projektleiter nexus der HRK
                                                                                 E

                                                                              84	 Lexikalischer Teil

                                                                              86	 Impressum




                                                                                                                                                       5
Interview




       „Um Weiterbildung zu etablieren, braucht
         man Mut, Zuversicht und Ausdauer“



             Der Schweizer Andreas Fischer, Pionier der universitären Weiterbildung,
          im Gespräch über wissenschaftliche Standards, unternehmerische Risiken – und
               die Gründe für den Weiterbildungs-Boom in der Eidgenossenschaft




     Herzlichen Glückwunsch, Herr Fischer! Ihre Schweizer              Glücklicherweise haben alle Universitäten beschlossen,
     Weiterbildungsstudiengänge sind so beliebt, dass viele            den Weg weiterzugehen, nachdem die Weiterbildung
     ausländische Hochschulen von einem solchen Erfolg nur             mit vielen Mühen aufgebaut worden ist.
     träumen können. Wie schaffen Sie das?
                                                                   Wie rasch haben Sie es denn geschafft, kostendeckend zu
         (lacht) Das ist nicht von heute auf morgen entstan-       arbeiten?
         den, sondern war ein kontinuierliches Wachstum. Sie
         dürfen nicht vergessen, dass wir das jetzt schon über         Ab 1996 mussten die Studiengänge mehr oder
         20 Jahre machen. Ich denke, dass bei den Schweizer            weniger kostendeckend sein, und das hat auch gut
         Universitäten zwei Erfolgsfaktoren zusammenkom-               geklappt. Wir haben in der Zeit davor sukzessive die
         men: Zum einen ist das Angebot attraktiv und zum              Preise für die Angebote erhöht, anders ging das ja gar
         anderen gibt es eine große Nachfrage nach Weiterbil-          nicht.
         dung auf Seiten der Arbeitswelt.
                                                                   Trotzdem: In Deutschland gibt es häufig das Problem, dass
     Und dann gibt es ja noch einen dritten Faktor – die gesell-   manche Weiterbildungsstudiengänge einfach zu wenig
     schaftliche Akzeptanz von Weiterbildung.                      nachgefragt sind, um die Kosten zu decken. Haben Sie damit
                                                                   keine Schwierigkeiten?
         Sie haben Recht, es muss erstmal normal werden,
         dass man nach einigen Jahren oder auch Jahrzehnten            Man muss sich natürlich immer jedes Programm
         im Beruf wieder an die Universität zurückgeht. Da             einzeln anschauen. Wir haben einige Angebote, die
         hat uns sicherlich geholfen, dass das Thema Wei-              immer ausgebucht sind, beispielsweise viele Studien-
         terbildung in der Schweiz im Rahmen einer großen              gänge im Bereich Management oder auch Weiterbil-
         Bundesinitiative gefördert worden ist. Das hat viel           dungen im Feld der Psychologie. Und natürlich gab es
         Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gelenkt.                    auch bei uns Studiengänge, die von vornherein nur
                                                                       auf ein oder zwei Durchführungen angelegt waren
     Das war schon im Jahr 1990, damals gab es in der Schweiz          oder die kein ausreichendes Interesse fanden. Die sind
     Fördermittel für den Aufbau von Weiterbildungsstrukturen          dann wieder von der Bildfläche verschwunden.
     an den Universitäten. Inzwischen sind die längst ausgelau-
     fen – wie finanzieren Sie die Weiterbildung heute?            Moment, es gibt in der Schweiz inzwischen ein paar Hun-
                                                                   dert Weiterbildungsstudiengänge. Sind die tatsächlich alle
         Wir haben ja schon 1990 gewusst, dass die Finanzie-       ausgebucht, oder experimentieren Sie damit, was ankommt
         rung irgendwann wegfällt, und konnten uns darauf          und was nicht?
         vorbereiten. Ab 1996 gab es keine Mittel mehr für
6        konkrete Studiengänge, die Förderung für die Wei-
         terbildungsstellen ist dann 1999 eingestellt worden.
                                                                       Nein, für reine Experimente sind die Entwicklungs-
                                                                       kosten für einen Masterstudiengang viel zu hoch.         R
                                                                                                                                R
Auf einen Blick




                                                                                                      Foto: © Jkey | Dreamstime.com
Gipfelstürmer: Die Schweizer haben eines der ausgeklügeltsten Weiterbildungssysteme in Europa




Das Schweizer System
Alle Schweizer Universitäten bieten ein profiliertes Weiterbildungsprogramm an. Sie sind im landeswei-
ten Verband SwissUni zusammengeschlossen, in dem sie ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsame
Projekte planen. Auf SwissUni geht auch die Standardisierung der Weiterbildungsabschlüsse zurück: Die
Absolventen bekommen entweder einen Master of Advanced Studies (MAS), der 60 Kreditpunkte umfasst,
ein Diploma of Advanced Studies (DAS mit 30 Kreditpunkten) oder ein Certificate of Advanced Studies
(CAS mit 10 Kreditpunkten). Dadurch hat die Weiterbildung einen eigenständigen Status in der Ordnung
der universitären Abschlüsse bekommen, zugleich ist die Vergleichbarkeit der Angebote gewährleistet. Die
Nachfrage nach Weiterbildung ist bei allen Schweizer Universitäten groß; das Land gilt in dieser Hinsicht
europaweit als Vorbild. Nach einer Studie gab es im Jahr 2010 in der Schweiz 320 weiterbildende Master-
angebote, inzwischen ist die Zahl nach Schätzung von Experten auf etwa 400 angestiegen.

Die unterschiedlichen Angebote sind oft miteinander kompatibel. So kann ein CAS für ein DAS im glei-
chen Fach angerechnet werden und dieses Diplom wiederum für einen MAS. Die Weiterbildungs-Master
allerdings berechtigen im Regelfall nicht zu einem Promotionsstudium.                                                                 7
Interview




                                                                                                                   Angebot, bei dem Professoren von beiden Hochschu-
                                                                                                                   len an der Lehre beteiligt sind.

                                                                                                               Wäre da nicht ein Angebot von Fernstudien die Chance,
                                                                                                               auch überregional aktiv zu werden?

                                                                                                                   Bevor der falsche Eindruck entsteht: Formen des
      Foto: © Universität Bern | Abt. Kommunikation




                                                                                                                   Blended Learning haben wir ja bereits, das Selbstler-
                                                                                                                   nen etwa mit Elementen des E-Learnings spielt also
                                                                                                                   schon eine Rolle. Ein reines Fernstudium ist für uns
                                                                                                                   aber undenkbar. Das hat hier keine Tradition. Sie
                                                                                                                   müssen sehen, dass die Schweiz ein Land mit klei-
                                                                                                                   nen Distanzen ist – da fährt man schon selbst an die
                                                                                                                   Universität. Wir stellen auch immer wieder fest, dass
                                                                                                                   die Teilnehmenden über die Präsenzveranstaltungen
                                                                                                                   froh sind. Dadurch kommen sie aus ihrem üblichen
                                                                                                                   Umfeld raus und finden eine neue Umgebung zum
                                                                                                                   Lernen.

     Die Universitätsbibliothek in Bern                                                                        Wie funktioniert bei Ihnen in Bern die Zusammenarbeit
                                                                                                               der Weiterbildungseinrichtung mit den Fakultäten – von
                                                                                                               welcher Seite kommen die Impulse?

                                                      Einfach mal auszuprobieren, das können wir uns               Die Ideen für einen Weiterbildungsstudiengang kom-
                                                      nicht leisten. Es gibt im Prinzip zwei Wege, auf denen       men in der Regel aus den Fakultäten. Unsere Aufgabe
                                                      wir an einen neuen Studiengang herangehen. Der               ist es dann, aus den Ideen ein Angebot zu machen,
                                                      erste ist, dass wir klein beginnen und dann groß wer-        das sinnvoll ist und Chancen auf dem Markt hat. Die
                                                      den. Da bieten wir also erst einmal Zertifikatskurse         erste Frage ist dabei die nach dem Format: Reicht es,
                                                      an, die wir dann bei guter Nachfrage zu einem Master         ein Zertifikatsangebot zu machen oder trägt die Idee
                                                      weiterentwickeln. Den zweiten Weg gehen wir dann,            einen ganzen Masterstudiengang? Und natürlich
                                                      wenn wir von Beginn an einen Master anbieten                 müssen wir die Zielgruppe definieren, denn oft ist die
                                                      möchten: In dem Fall muss man Bedarfsabklärun-               Idee aus der Universität angebotsorientiert. Da heißt
                                                      gen machen, und das geht nur mit guten Kontakten             es dann, wir haben dieses und jenes Wissen, das wir
                                                      im Feld. Wir sprechen mit Berufsorganisationen               weitergeben möchten. Wir müssen die umgekehrte
                                                      und Verbänden und fragen dort ganz offen: Hat der            Frage stellen: Wem nützt das etwas?
                                                      angedachte Studiengang Chancen, bei der Zielgruppe
                                                      anzukommen?                                              Sind die Weiterbildungsangebote innerhalb der Universitä-
                                                                                                               ten so breit akzeptiert, dass Sie diese Diskussionen gleichbe-
     Da klingen sehr viele betriebswirtschaftliche Aspekte durch,                                              rechtigt führen können?
     die im Hintergrund eine Rolle spielen. Sehen sich eigentlich
     die Universitäten gegenseitig als Konkurrenten? Es gibt                                                       Da gibt es große Unterschiede. Eine Selbstverständ-
     ja in der Schweiz fast überall sehr profilierte Weiterbil-                                                    lichkeit jedenfalls ist die Akzeptanz nicht, oft nehmen
     dungsangebote.                                                                                                Professoren die Unterstützung durch die Weiterbil-
                                                                                                                   dungsstellen als eine von vielen Dienstleistungen
                                                      Im Bereich der Management- und Wirtschaftsweiter-            wahr, die eine Universität nun einmal anbietet. Viele
                                                      bildung machen sich die Universitäten Konkurrenz,            sehen die Weiterbildung eher auf der administrativen
                                                      ganz ohne Frage. Ansonsten aber eher nicht. Dabei            Ebene als tatsächlich im wissenschaftlichen Bereich.
                                                      spielt sicher eine Rolle, dass wir keine reinen Fern-        In Bern haben wir zum Glück eine bessere Situation,
                                                      studiengänge anbieten. Überall sind viele Präsenz-           unsere Weiterbildungsstelle ist als wissenschaftliche
                                                      seminare eingeplant, und da ist die geographische            Institution anerkannt. Meiner Erfahrung nach kommt
                                                      Nähe immer ein ausschlaggebendes Argument. Das               das oft auf die Leute an: Wenn in der Universitäts-
                                                      schränkt die Konkurrenz natürlich ein. In vielen Fäl-        leitung und anderen maßgebenden Organen starke
8                                                     len arbeiten wir sogar zusammen: Universitäten sind          Persönlichkeiten sitzen, denen die Weiterbildung am
                                                      im Kontakt miteinander und planen ein gemeinsames            Herzen liegt, dann ist das eine wichtige Vorausset-
Zur Person




    zung. Wir haben aus unseren Erfahrungen die Lehre
    gezogen, dass man drei Dinge braucht, um die Weiter-
    bildung innerhalb der Universität zu etablieren: Mut,
    Zuversicht und Ausdauer.

Dass manche Fakultäten skeptisch gegenüber der Weiterbil-
dung sind, hängt ja damit zusammen, dass sie die Wissen-
schaftlichkeit der Programme bezweifeln.

    Grundsätzlich gilt: Wir haben den Anspruch der
    Wissenschaftlichkeit, das ist unser Profil und das
    können nur wir als Universität. Auf der anderen Seite




                                                             Foto: © Universität Bern
    kommen die Teilnehmenden aus der Berufspraxis
    nicht in erster Linie zu uns, um hier Wissenschaft-
    liches zu lernen. Sie kommen deshalb, weil sie ihre
    Arbeit möglichst gut machen wollen; sie bringen also
    einen praktischen Antrieb und praktische Erfahrun-
    gen mit. Als Universität müssen wir deshalb einen
    Mittelweg fahren: Wir können nicht rein akademisch
    sein, sondern müssen sehr stark die Praxiswirklichkeit                              Dr. Andreas Fischer leitet das Zentrum für
    in die Angebote aufnehmen. Wir nennen es so: Die                                    universitäre Weiterbildung (ZUW) der Uni-
    universitäre Weiterbildung fundiert auf Wissenschaft                                versität Bern. Zugleich ist der promovierte
    und Forschung und befähigt die Studierenden zu                                      Geograph Vorstandsmitglied von SwissUni.
    einem reflektierten Transfer der Bildungsinhalte in                                 Das ZUW bietet 26 Masterstudiengänge und
    die Arbeitswelt und ihr weiteres Lebensumfeld. Für                                  zahlreiche Zertifikatskurse an. Insgesamt
    die Lehrenden ist das eine didaktische Herausforde-                                 sind in Bern rund 5.500 Studierende für
    rung. Sie stehen nicht vor Studierenden, die gerade                                 Weiterbildungsprogramme eingeschrieben.
    frisch ihr Abitur gemacht haben – da haben sie es auf
    einmal mit Leuten zu tun, die schon jahrelange Erfah-
    rung haben in ihrem Bereich.

Wie schaffen Sie es, zwischen diesen unterschiedlichen An-
sprüchen die Balance zu halten?

    Wie schwierig das ist, zeigt ja allein schon die Viel-
    falt an Begriffen: Man redet von wissenschaftlicher
    Weiterbildung, von universitärer Weiterbildung und
                                                                                        „Wir haben den An-
    von Weiterbildung für Akademiker. Das sind drei                                     spruch der Wissenschaft-
    unterschiedliche Blickwinkel und Ansprüche, und wir
    sind mittendrin in diesem Spannungsfeld. Eines ist für                              lichkeit. Das ist unser
    uns von vornherein klar: Wir bieten keine normalen
    Kommunikationskurse an oder solche Sachen, die                                      Profil und das können
    man auch außerhalb der Universität lernen kann.
    Damit grenzen wir uns schon einmal von anderen                                      nur wir als Universität“
    Anbietern ab. Hier in Bern muss grundsätzlich der
    Senat der Universität jeden Studiengang bewilligen,
    auch in der Weiterbildung – das ist ein Kontrollin-
    strument für die Wissenschaftlichkeit. Eine zweite
    Stellschraube sind die Leistungskontrollen: Natürlich
    achten die Fakultäten darauf, dass die Seminar- und
    Masterarbeiten der Studierenden den wissenschaft-
    lichen Standards genügen. Dadurch halten wir die
    Balance.                                                                                                                          9
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                                                                                      nce
                                                                                Cha
                                                                                        d ung
                                                                             ro f ilbil
                                                                         P
                                                                zur




Das Studium nach dem Studium wird immer üblicher. Man lernt nie aus, sagt der Volksmund.
Jetzt kümmern sich auch die Hochschulen darum, dass alle weiterlernen können – auch, wenn
sie ihr erstes Studium schon lange hinter sich haben und erfolgreich im Beruf stehen. Wissen-
schaftliche Weiterbildung ist das Schlagwort dazu. In den USA, aber auch in der Schweiz ist das
Thema längst etabliert: Dort gibt es Masterstudiengänge, die speziell auf die Bedürfnisse von
Berufstätigen zugeschnitten sind. Ein ähnliches Angebot entwickelt sich jetzt auch in Deutsch-
land. Es ist genauso vielseitig wie die Hochschulen: Welche Studiengänge sie anbieten, ob sie auf
Fern- oder Präsenzstudien setzen und wie sie die Weiterbildung in die eigene Hochschulstruktur
einbinden – auf diese Fragen findet jede Hochschule eine andere Antwort. Diejenige, die am
besten zur eigenen Hochschulkultur passt.
Universität
       Freiburg




        Weiterbildung als integrale Aufgabe
        Die Freiburger Universität gehört zu den Pionieren bei berufsbegleitenden
        Masterstudiengängen. Jetzt soll das Angebot ausgebaut werden und in die
        gesamte Hochschule ausstrahlen




                                                               Unter Kollegen: Erfahrene Zahnärzte lernen in ihrer
                                                               Freizeit für den Master in Parodontologie




12
D
                          ie Freiburger Universität wird von dort         Charlotte Bünemann, Fachbereichsleiterin
                          geleitet, wo einst die Kommandanten der         Wissenschaftliche Weiterbildung bei der
                          französischen Besatzungszone ihren Sitz         FRAUW. Eine zentrale Anlaufstelle, eine
                          hatten. Ein klotziges Gebäude mit sechs         Art Dienstleister soll die FRAUW sein, denn
                          Stockwerken ist es, die Lage ist für die        inhaltlich wie organisatorisch sind die
                          Universität symbolträchtig: Aus der Verwal-     Weiterbildungsstudiengänge weitgehend
                          tung fällt der Blick in Richtung Norden auf     an den Fakultäten angesiedelt. Das ist
                          den naturwissenschaftlichen Campus, in          eines der Prinzipien, nach dem die Fach-
                          Richtung Süden auf die Gebäude der Geis-        wissenschaftler die treibenden Kräfte sein
                          tes- und Sozialwissenschaftler, die in der      sollen. In den meisten Fällen war es so wie
                          Altstadt siedeln; dort, wo 1457 die lange       etwa beim Studiengang Parodontologie
                          Tradition der Freiburger Albert-Ludwigs-        der medizinischen Fakultät (s. S. 15): Die
                          Universität begründet wurde.                    Professoren haben einen akuten Bedarf an
                               Hier ist der Sitz von Vizerektor Profes-   Fachwissen erkannt und sich entschieden,
                          sor Dr. Heiner Schanz. Auf dem Rektorats-       die Lücke zu schließen. Die Lehre erbringen
                          flur vor seinem Büro hängen wuchtige Ge-        die Dozenten im Nebenamt, so dass sich
                          mälde der früheren Uni-Rektoren. Tradition      die zusätzlichen Studienangebote nicht auf
                          mit der Moderne verbinden – dieser Brü-         das Lehrdeputat auswirken. Auf mittlere
                          ckenschlag ist hier greifbar, zwischen Öl-      Sicht sollen sich die Studiengänge selbst
                          bildern und Designermöbeln in den Büros.        finanzieren; sie sind berufsbegleitend und
                          Ein Anspruch, der auch für die Studienan-       kosten bis zum Abschluss eine fünfstellige
                          gebote gilt. „Wir haben gesehen, dass sich      Summe. „Das ist ein schwieriger Spagat
                          die Zielgruppe für den Master verschiebt“,      zwischen Kostendeckung und Marktnach-
                          sagt Schanz. „Allen Unkenrufen zum Trotz        frage“, räumt Jan Ihwe ein. Als Profit-
                          gehen viele unserer Bachelor-Absolventen        Center allerdings seien die Weiterbildungs-
                          erstmal in den Beruf, besonders deutlich ist    studiengänge nicht gedacht. Und ohnehin
                          diese Tendenz in stark vom Arbeitsmarkt         geht das Geld nicht an eine zentrale Stelle
                          nachgefragten Bereichen wie beispiels-          der Universität, sondern verbleibt bei den
                          weise der Informatik.“ Einige Jahre später      Fakultäten, die damit Lehrmaterial und
                          wollen die Absolventen dann, um wertvolle       Lehrende bezahlen.
                          Erfahrungen reicher, noch weiterstudieren.          Eine Gemeinsamkeit der Weiterbil-
                          Gleiches gilt auch für die traditionellen       dungsmaster ist, dass sie als berufsbeglei-
                          Abschlüsse. „Und diese Zielgruppen dürfen       tende Studiengänge etwa 20 Prozent Prä-
                          wir nicht einfach privaten Weiterbildungs-      senzphasen vorsehen, den Rest des Stoffes
                          anbietern überlassen.“                          aber online vermitteln. „Die Lehrinhalte
                               Die Antwort, die man in Freiburg auf       kommen direkt von den Lehrenden, wir un-
                          diese dauerhafte Verschiebung gefunden          terstützen bei der technischen Umsetzung
                          hat, ist innovativ: Für Weiterbildungsan-       der didaktischen Konzepte“, sagt Dr. Nicole
                          gebote hat die Universität eine eigene          Wöhrle, Leiterin der Servicestelle E-Lear-
                          Abteilung eingerichtet, die Studiengänge        ning an der Universität Freiburg. Mit der
                          aus allen Fakultäten koordiniert. „Unser        Kombination aus einer Lehrplattform und
                          Freiburger Spezifikum dabei ist, dass wir       einem virtuellen Klassenzimmer, in dem
                          bewusst eine Gemeinschaft von Profes-           sich die Studierenden austauschen, haben
                                                                                                                             R
                                                                                                                             R
Foto: Baschi Bender




                          sionals schaffen und nicht nur eine reine       die Freiburger lange Erfahrungen: 2001
                          Wissensvermittlung betreiben“, sagt Jan
                          Ihwe, Direktor der Freiburger Akademie für
                          Weiterbildung (FRAUW). Sieben Masterstu-        Zahl der im Arbeitsvertrag geregelten Stunden,
                          diengänge aus drei Fakultäten sind derzeit      die ein Hochschullehrer für die Lehre aufwendet.
                          im Angebot; allesamt in ihrer Zielrichtung
                          bundesweit einzigartig. Ergänzt werden die
                          kompletten Studiengänge durch Zertifikats-      Lernen sowie Kommunikation und Interakti-
                          kurse, die nur einzelne Module umfassen.        on mit Hilfe von elektronischen und digitalen
                               „Organisatorisch sind wir eine             Medien. Dazu gehören unter anderem online
                          Grenzstelle zwischen der akademischen           verfügbare Lernmaterialien, Videomitschnitte
                          und der administrativen Welt. Wir leisten       von Vorlesungen und der digitale Kontakt               13
                          hier die Übersetzungsarbeit“, sagt Toni         zwischen Studierenden und Dozenten.
Universität
       Freiburg
         Foto: © Peter Mesenholl




                                     Zurück an die Uni: Die Freiburger geben
                                     den Studierenden neue Impulse nach
                                     den ersten Jahren in der Praxis




                                   waren sie bundesweit eine der ersten           kommenden Jahren weiter ausbauen.
                                   Hochschulen, die auf ein fortschrittliches     „Wir können uns noch viele andere
                                   Learning-Management-System setzten.            Fächer vorstellen“, sagt Vizerektor Heiner
                                        Inhaltlich hat diese Architektur großen   Schanz: „Die Angebote sehen wir als
                                   Einfluss auf die Studiengänge. „Unsere         integralen Bestandteil der Universität.“
                                   Grundidee ist, keine bloße Fortsetzung der     Damit wolle man sich bewusst abgrenzen
                                   wissenschaftlichen Lehre aus den grund-        von „Satelliten, auf die wir als Universität
                                   ständigen Studiengängen anzubieten,            nur unseren Namen draufkleben.“
                                   sondern engen Kontakt auf Augenhöhe                 Dazu haben die Freiburger eine
                                   zu suchen“, sagt Akademie-Direktor Jan         gezielte Masterstrategie ausgerufen, in
                                   Ihwe. Weil die Teilnehmer gestandene           die sie die konsekutiven und die wei-
                                   Praktiker sind, teilweise auch schon eine      terbildenden Studiengänge einbinden.
                                   Promotion abgeschlossen haben, können          Die Grundlage dafür wird schon in den
                                   sie wechselseitig von ihren Erfahrungen        Bachelor-Programmen gelegt: Dort haben
                                   profitieren. „Wir beobachten, dass sich        die Studierenden die Möglichkeit, an die
        Studierende mit Berufs-    bei Online-Meetings die Lehrenden oft          vorgesehenen drei Jahre noch ein viertes
                                   rausziehen und die Teilnehmer unterein-        Jahr dranzuhängen. Darin können sie sich
        erfahrung: „Diese Ziel-    ander diskutieren“, sagt Wöhrle. Genau         bewusst auf einen bestimmten Masterstu-
                                   das ist mit dem Schlagwort von der             diengang vorbereiten. IndividualTrack und
        gruppe dürfen wir nicht    Gemeinschaft von Professionals gemeint,        GlobalTrack heißen die Programme, die
                                   die das erklärte Ziel der Weiterbildungs-      der Universität die Auszeichnung für Ex-
        einfach privaten Wei-      kurse ist.                                     zellente Lehre eingebracht haben – zwei
                                        Die Freiburger Angebote zeigen indes      Semester lang können die Studierenden
        terbildungsanbietern       auch, wie viele Inhalte dank der techni-       auf eigene Faust eine Art Studium Genera-
                                   schen Möglichkeiten online vermittelt          le in Freiburg absolvieren oder Ausland-
        überlassen“                werden können. „Wir sind längst darüber        serfahrungen sammeln. Die Leistungen
                                   hinaus, dass man einfach nur Texte online      aus diesem Jahr können dann, wenn sie
                                   stellt und die Studierenden dann Multiple-     sich für einen Master entscheiden, unmit-
                                   Choice-Fragen dazu beantworten lässt“,         telbar angerechnet werden.
                                   sagt Nicole Wöhrle. Die Mediziner können            Alles für die Attraktivität des Stu-
                                   etwa Videos von Operationen hochladen          dienangebots, das ist das Credo an der
                                   oder komplette virtuell aufbereitete Pa-       Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.
                                   tientenfälle mit Fotos oder Animationen;       In diesem Gesamtkonzept spielen die
                                   auf dieser Grundlage können die Teilneh-       weiterbildenden Master ebenso eine
                                   mer dann einen Behandlungsvorschlag            Rolle wie die konsekutiven Programme.
                                   erstellen. Oder der Bereich Informatik: Im     „Das Studienverhalten ändert sich“, fasst
                                   Studiengang Eingebettete Mikrosysteme          Vizerektor Heiner Schanz zusammen,
                                   bekommen die Teilnehmer per Post ein           „und es ist unsere Verpflichtung, allen die
                                   Mini-Laboratorium nach Haus geschickt,         passenden Angebote zu machen.“
                                   das sie von der Infrastruktur des Instituts
                                   weitgehend unabhängig macht (s. S. 18).
14                                      Die Universitätsleitung in Freiburg
                                   will den Weiterbildungsmaster in den
Foto: © Baschi Bender
Die Freiburger Weiterbildungs-
Master im Kurzportrait
Parodontologie und                            deshalb Teilnehmer aus dem gesamten
Periimplantäre Therapie                       deutschsprachigen Raum ein. Für sie ist die
                                              Mischung aus Online- und Präsenzphasen
Der Bedarf nach Behandlungen am               ideal: Im virtuellen Klassenzimmer stellen
Zahnhalte-Apparat ist groß: „45 Prozent       sich beispielsweise fiktive Patienten vor, zu
der erwachsenen Patienten haben Erkran-       deren Problemen Fotos, Videos und weitere
kungen am Parodont“, sagt Professorin Dr.     Angaben mitgeliefert werden. So lässt
Petra Ratka-Krüger, „aber trotzdem werden     sich auch aus der Ferne ein realitätsnaher
nur fünf Prozent der Behandlungszeit in       Einblick gewinnen; bei Rückfragen stehen
den Praxen darauf verwendet.“ Ratka-          jederzeit Tutoren zur Verfügung – die sind
Krüger ist Leiterin des Masterstudiengangs    Spezialisten für Parodontologie und haben
Parodontologie  Periimplantäre Therapie,     eine Weiterbildung zum Teletutor gemacht.
der diese Lücke im Angebot schließen          In den Praxisphasen müssen die Zahnärzte
soll: Er richtet sich an Zahnärzte, die       dann selbst Hand anlegen. An Tierkiefern
nach ihrem Studium schon mehrere Jahre        üben sie komplizierte Operationen und
Praxiserfahrung gesammelt haben und           führen im Klinikum später auch Eingriffe an
sich dann ein neues Fachgebiet erschließen
wollen. Die Parodontologie wird zwar auch
im grundständigen Studium behandelt,
allerdings lassen die Curricula meistens
                                              realen Patienten durch.
                                              (s. Portrait auf S. 19)

                                              Steckbrief:
                                                                                              R
                                                                                              R
keine Zeit für eine Vertiefung des Themas.
„Wegen dieser Diskrepanz zwischen der         qq der Kreditpunkte: 80
                                               Zahl
                                               
klinisch-epidemiologischen Bedeutung und       Regelstudiendauer: 6 Semester
                                              qq
der strukturell eingeschränkten Möglichkeit    Abschluss: Master of Science
                                              qq
der einzelnen Universitätskliniken besteht     C
                                                harakteristik: berufsbegleitend,
                                              qq
ein hoher Ausbildungsbedarf im Fach            weiterbildend, 80 Prozent Fernstudium, 	
Parodontologie“, sagt Petra Ratka-Krüger.      20 Prozent Präsenzstudium
Zu ihrem Studiengang, der in dieser Form                                                                                  15
bundesweit einzigartig ist, schreiben sich
Universität
       Freiburg




                                   © Istockphoto.com | IAlexander Raths
         Foto: Markus Lassmann




                                                                                   Der Arzt als Techniker: In Freiburg wer-
                                                                                   den Mediziner in Sachen High-Tech auf
                                                                                   den aktuellen Stand gebracht




                                  Physikalisch-Technische Medizin                sind als Ärzte in Kliniken beschäftigt, in
                                                                                 vielen Fällen unterstützt der Arbeitgeber
                                  Dass in Praxen und Kliniken immer mehr         das Studium. „Die Abschlussarbeit wird
                                  medizintechnische Geräte stehen, spiegelt      am Arbeitsplatz verfasst, beispielsweise
                                  sich in der klassischen medizinischen          über die Lösung eines medizintechnischen
                                  Ausbildung nur bedingt wider. „Natürlich       Problems. Davon kann also nicht nur der
                                  gehören auch Grundlagen der Physik             Absolvent, sondern auch seine klinische
                                  zum Medizinstudium, aber meist fehlt           Abteilung unmittelbar profitieren“, sagt
                                  der Bezug zur Medizin weitgehend“, sagt        Studiengangsleiter Josef Guttmann.
        Das Credo für die         Professor Dr. Josef Guttmann, Studien-
                                  gangsleiter des Masterstudiengangs             Steckbrief:
        wissenschaftliche Wei-    Physikalisch-Technische Medizin. In diesen
                                  Bereich soll das weiterbildende Master-        qq der Kreditpunkte: 90
                                                                                  Zahl
        terbildung: Kontakt auf   programm vorstoßen: Während Ingenieure          Regelstudiendauer: 6 Semester
                                                                                 qq
                                  schon an mehreren Dutzend Hochschulen           Abschluss: Master of Science
                                                                                 qq
        Augenhöhe statt Lehrer-   in Deutschland die Möglichkeit haben,           C
                                                                                   harakteristik: berufsbegleitend, weiter-
                                                                                 qq
                                  sich als Medizintechniker zu spezialisie-       bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent
        Schüler-Verhältnis        ren, gibt es den umgekehrten Fall – dass        Präsenzstudium
                                  sich also Ärzte mit Grundlagen aus der
                                  Technik weiterbilden – bislang noch nicht.
                                  Dabei hat ein Verständnis der Geräte und       Palliative Care
                                  Verfahren tiefgreifende Auswirkungen auf
                                  die medizinische Praxis. „Ärzte messen         Das Schlagwort vom „multiprofessionellen
                                  und interpretieren ständig zahlreiche Vital-   Zugang“, sagt Bettina Couné, beschreibe
                                  daten ihrer Patienten“, sagt Guttmann:         den Studiengang Palliativmedizin, den
                                  „Aber die Grundlagen etwa im Bereich der       sie koordiniert, am treffendsten: „In der
                                  Messtechnik haben sie nicht.“ Wie kom-         Palliativmedizin ist es tatsächlich so, dass
                                  men also die Ergebnisse zustande, welche       alle eng zusammenarbeiten müssen: Ärzte,
                                  Fehlerquellen gibt es und wie groß sind die    Pfleger, Sozialarbeiter, Psychologen, Seel-
                                  möglichen Abweichungen? Solche Kennt-          sorger, Apotheker und ehrenamtliche Hel-
                                  nisse spielen in immer mehr Bereichen          fer.“ An der Stelle setzt der Studiengang
                                  eine Rolle – bei bildgebenden Verfahren        an: Die Teilnehmer aus den unterschiedli-
                                  wie Ultraschall und Endoskopie ebenso          chen Berufsgruppen sollen einen komple-
                                  wie in der Beatmungs- und Narkosetechnik       xeren Blick auf den Bereich bekommen
                                  oder der Robotik. Die Teilnehmer durch-        und die Perspektive der jeweils anderen
                                  laufen in dem Studium zunächst mehrere         kennenlernen. Derzeit sind etwa zwei Drit-
                                  Module mit physikalisch-technischen            tel der Teilnehmer Ärzte; ein abgeschlosse-
                                  Grundlagen, anschließend kann jeder aus        nes Hochschulstudium sowie fachrelevante
                                  dem breiten Spektrum zwei Vertiefungs-         Berufserfahrung sind Voraussetzung. „Es
                                  richtungen auswählen. Auf ein Semester         gibt Fälle, in denen die Patienten selbst mit
                                  Fernstudium folgt jeweils eine einwöchige      hohen Dosen Morphium noch Schmerzen
16                                Präsenzphase; die Regelstudienzeit liegt       leiden. Manchmal ist das ein psychosoma-
                                  bei sechs Semestern. Fast alle Bewerber        tischer Schmerz – etwa, wenn Menschen
ihre Krankheit als Strafe wahrnehmen“,
sagt Bettina Couné: „Da reichen Opiate
nicht, da braucht der Arzt einen spiri-
tuellen und psychologischen Zugang.“
Entsprechend ist das Studium aufgebaut,
das die Bereiche Gesundheitsökonomie
und Psychoonkologie ebenso umfasst
wie Fragen der Ethik und des Rechts, die
besonders im Umgang mit Patientenverfü-
gungen und Therapieentscheidungen eine
große Rolle spielen. Die Teilnehmer absol-
vieren dabei gemeinsam zwei Drittel aller
Module, je nach Vorwissen und Interesse
gibt es zusätzlich unterschiedliche Vertie-
fungsmaterialien und Tutorien. „Wir lagern
das Sachwissen in die E-Learning-Bereiche
aus und nutzen die Präsenzphasen vor
allem für Trainings, Rollenspiele, Refle-
xion und den Austausch, der in diesem
Studiengang besonders wertvoll ist“, sagt
Bettina Couné. Für die Teilnehmer sind die
Erfahrungen der Kommilitonen so wichtig,
dass sie auch im virtuellen Klassenzimmer
in engem Kontakt bleiben: „Sie bilden
eine echte Gruppe und öffnen sich, das
funktioniert auch am Computer“, hat Stu-
diengangkoordinatorin Couné beobachtet
– „der Austausch ist sehr kontinuierlich,
auch außerhalb der Präsenzphasen.“
                                                   Foto: © Istockphoto.com | Eliza Snow




Steckbrief:

qq der Kreditpunkte: 80-120
 Z
  ahl
 (je nach erstem Hochschulabschluss)
 Regelstudiendauer: 4-6 Semester
 
qq
 Abschluss: Master of Science
qq
 C
  harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil-
qq
 dend, 80 Prozent internetgestütztes Selbststu-
 dium, 20 Prozent Präsenzstudium                                                                 Arbeiten im Reinraum: Die Wafer, Grundlage für
                                                                                                 Solarzellen, sind hochempfindlich

Photovoltaics
                                                  dem spektakulären Sichtbeton-Gebäude
Der Masterstudiengang in Photovoltaics            auf dem Campus der Technischen Fakultät
ist der einzige englischsprachige Weiterbil-      verteilen sich die Experten für Photovoltaik
dungs-Master an der Universität Freiburg.         auf drei Etagen. Ganz in der Nachbarschaft
„Deutschland ist im Bereich Solartechnik          ist zudem das Fraunhofer-Institut für
führend, und das Interesse aus anderen            Solare Energiesysteme untergebracht. Der
Ländern ist ausgesprochen groß“, sagt             Masterstudiengang ist in enger Koopera-
Studiengangkoordinator Dr. Martin Kase-           tion entstanden. Die meisten Bewerber
mann. Der Studiengang profitiert von der          sind Physiker, manche haben auch schon
großen globalen Nachfrage im Bereich der          promoviert. „Wir wollen die Absolven-
erneuerbaren Energien: In vier Semestern          ten in die Lage versetzen, Technologien
werden die Studierenden zu Experten auf           weiterzuentwickeln, aber auch Neues zu
dem Gebiet der Solartechnik ausgebildet.          entdecken“, so Kasemann. Große Teile
Freiburg hat sich zu einem der weltweit           des Studiums finden online statt. Die
wichtigsten Forschungsstandorte auf               Präsenzphasen in Freiburg sind dann strikt
diesem Feld entwickelt. Wer Kasemann              durchgetaktet, um das Pensum zu schaf-
in seinem Büro besucht, läuft vorbei an
Labors mit aufwendigster Messtechnik. In
                                                  fen; an manchen Tagen gibt es bis zu zehn
                                                  Stunden Seminare. Eines der Praxissemina-      R
                                                                                                 R                                                17
Universität
       Freiburg



                                                    re findet in einem speziell ausgestatteten     der Praxis zu Genüge – von komplexen In-
                                                    Messlabor statt; ein anderes an einer          dustriemaschinen über Chips in Waschma-
                                                    Produktionslinie des Fraunhofer-Instituts,     schinen bis hin zu Bauteilen in modernen
                                                    wo Solarzellen mit frei gewählten Para-        Autos. Der Roboter aus dem Studiengang
                                                    metern hergestellt werden. So lassen sich      ist auch ein eingebettetes System, in dem
                                                    die Einflussgrößen und ihre Auswirkungen       mehrere Elemente zusammenwirken. Die
                                                    genau studieren. Die meisten Absolventen       Studierenden müssen beispielsweise einen
                                                    arbeiten in der Industrie; es gab aber auch    eingebauten Sensor so programmieren,
                                                    schon Bewerber, die bei einer Bank für         dass er etwa eine Münze erkennt, wenn
                                                    die technische Bewertung von Projekten         der Roboter über den Boden rollt. Mittels
                                                    zuständig waren und das Risiko bei der         Ultraschallsensoren müssen sie Zusam-
                                                    Kreditvergabe einschätzen. Der nächste         menstöße verhindern können oder über
                                                    Schritt für den Studiengang soll jetzt         spezielle Lichtsensoren am Antrieb die
                                                    die weitere Internationalisierung sein:        Fortbewegung überprüfen. Dieser Roboter
                                                    „Die wissenschaftlichen Inhalte kommen         zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen
                                                    immer von uns“, sagt Martin Kasemann,          Präsenz- und Fernstudium sein können:
                                                    „aber wir würden gern in Kooperation mit       Die Teilnehmer bekommen ihr eigenes La-
                                                    anderen Universitäten noch weitere Kom-        bor kurzerhand nach Hause geliefert und
                                                    petenzzentren einrichten, damit nicht alle     können so für sich alleine Inhalte lernen,
                                                    Studierenden für die Präsenzphasen nach        für die früher die Ausstattung einer Univer-
                                                    Freiburg einfliegen müssen.“ Angedacht         sität unabdingbare Voraussetzung war.
                                                    sind Standorte in den USA, den arabischen          Der Masterstudiengang Intelligente Ein-
                                                    Ländern und vor allem in Asien. Für die        gebettete Mikrosysteme ist im Jahr 2007
                                                    Module im Fernstudium sind dann nach           gestartet. Er richtet sich vor allem an Infor-
          Labor für den heimischen Schreibtisch:    wie vor die Freiburger zuständig, die Prä-     matiker, Mikrosystemtechniker, Maschinen-
          Dank handlicher Roboter können            senzphasen aber können die Studierenden        bauer und Physiker und sei in Deutschland
          Freiburger Technik-Studierende zu Hause   irgendwo auf der Welt absolvieren.             einzigartig. „Wir sprechen bewusst auch
          nicht nur die Theorie lernen, sondern                                                    Absolventen von Dualen Studiengängen
          auch praktisch arbeiten.                  Steckbrief:                                    oder Fachhochschulen an“, sagt Koordi-
                                                                                                   nator Christoph Hermann. Für manche der
                                                    qq der Kreditpunkte: 60-120 ECTS
                                                     Zahl                                          Teilnehmer eröffne sich mit dem Master
                                                     Regelstudiendauer:  4-6 Semester
                                                    qq                                             der Weg zur Promotion. Die Resonanz auf
                                                     Abschluss: Master of Science
                                                    qq                                             das Studium sei sehr zufriedenstellend,
                                                     C
                                                      harakteristik: berufsbegleitend, weiter-
                                                    qq                                             vermelden die Freiburger – „nur dass sie
                                                     bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent   den Roboter nach einem Semester wieder
                                                     Präsenzstudium                                zurückgeben müssen, gefällt manchen
                                                                                                   Studierenden ganz und gar nicht!“

                                                    Intelligente Eingebettete                      Steckbrief:
                                                    Mikrosysteme
                                                                                                   qq der Kreditpunkte: 60-120 (je nach
                                                                                                    Zahl
                                                                                                    
                                                    Das Labor bekommen die Studierenden             Vorbildung)
                                                    per Post nach Hause geschickt: Ein Koffer       Regelstudiendauer: 3-7 Semester
                                                                                                   qq
                                                    ist es, von innen weich mit Schaumstoff         Abschluss: Master of Science
                                                                                                   qq
                                                    ausgekleidet. Darin liegt ein Roboter, der      C
                                                                                                     harakteristik: berufsbegleitend, weiter-
                                                                                                   qq
                                                    mit seinem Kettenantrieb an eine Planier-       bildend, 90 Prozent Fernstudium, 10 Prozent
                                                    raupe erinnert. Statt eines Daches hat er       Präsenzstudium
                                                    eine aufgelötete Platine; von allen Seiten
                                                    stehen zusätzliche Gerätschaften ab, und
                                                    an zentraler Stelle hat der Roboter einen      Taxation
                                                    Anschluss für ein externes Steuerungsge-
                                                    rät. „Darüber lässt er sich programmie-        An Betriebswirte und Juristen richten sich
                                                    ren“, sagt Christoph Hermann, Studien-         die beiden Studiengänge, die sich mit
                                                    gangkoordinator des Masterstudiengangs         den Themen Steuerlehre und Steuerrecht
                                                    Intelligente Eingebettete Mikrosysteme.        beschäftigen. Im Fokus des Master of Arts
                                                    Von eingebetteten Systemen sprechen die        Taxation stehen Bachelorabsolventen
                                                    Experten, wenn verschiedene Technologien       mit erster Berufserfahrung. Das Pro-
                                                    oder auch verschiedene Geräte miteinan-        gramm kombiniert einen anspruchsvollen
18                                                  der verbunden sind und miteinander inter-      weiterbildenden Studiengang mit der
                                                    agieren. Anwendungsbeispiele gibt es in        Vorbereitung auf die staatliche Steuer-
Blickpunkt Studierende


beraterprüfung. Diese Prüfung wird zwar
nicht im Rahmen des Studiums absolviert;
bei erfolgreichem Bestehen werden dafür
jedoch etwa 40 Prozent der insgesamt
120 ECTS-Punkte angerechnet. „Diese
enge Verzahnung verkürzt zum einen die
Studiendauer und sorgt für ein vertieftes
Verständnis der Themen. Zum anderen
gehen unsere Teilnehmer optimal vorbe-
reitet in die Steuerberaterprüfung“, sagt
Studiengangkoordinator Falk Mehlhorn.
In zehn Einheiten zum Selbststudium mit
anschließenden Präsenzphasen werden die
Teilnehmer zum Masterabschluss geführt
Eine etwas andere Zielgruppe hat das
                                                                                                      Dr. Helen Schultz
MBA-Programm „International Taxation“,
                                                                                                      Zahnärztin und Absolventin
das am gleichen Lehrstuhl angesiedelt ist:
                                                                                                      des weiterbildenden Studien-
Wer sich hier bewirbt, ist schon Steu-                                                                gangs Parodontologie an der
                                                 Foto: Privat


erberater und oft bei einer der großen                                                                Universität Freiburg
internationalen Kanzleien tätig. „Die
Steuerberaterprüfung ist anspruchsvoll,
aber sie klammert das Internationale
Steuerrecht weitgehend aus“, sagt Niels
Arnold, der Studiengangkoordinator. Dabei
führt die weitreichende internationale
Verflechtung von Unternehmen gerade im                          Als Zahnärztin wieder an die Uni
Steuerrecht zu komplexen internationalen
Fragestellungen. An dieser Stelle setzt                         Über Parodontologie haben wir natürlich schon etwas im Studium
das Curriculum des MBA-Programms an:                            gelernt, aber es wurde nur als Randgebiet behandelt. Dabei ist
Neben einer intensiven Ausbildung im                            es ein sehr wichtiges Thema: Parodontitis umfasst die Erkran-
deutschen internationalen Steuerrecht                           kung des Zahnhalte-Apparates; der Grundbaustein, auf dem alles
werden die Teilnehmer mit den Steuersys-                        basiert. Solche Krankheiten von Zahnfleisch oder Kieferknochen
temen weiterer wichtiger Länder vertraut                        werden immer häufiger und können ohne Behandlung bis zum
gemacht. Dabei steht eine praxisorientierte                     Zahnverlust führen – und trotzdem macht die Parodontologie im
Vermittlung des Lehrinhalts im Fokus. Ziel                      klassischen Zahnmedizin-Studium nur einen kleinen Teil aus. Das
ist es, die Absolventen auf Führungsauf-                        ist auch der Grund dafür, warum ich mich für den Masterstudien-
gaben insbesondere in multinationalen                           gang entschieden habe: Zwar war ich schon mehrere Jahre lang
Konzernen, Beratungsunternehmen sowie                           berufstätige promovierte Zahnärztin, aber die Zusatzkenntnisse
Verbänden und Organisationen vorzube-                           wollte ich mir aneignen, um diese Lücke zu schließen. Also habe
reiten.                                                         ich mich wieder an der Universität Freiburg eingeschrieben. Die
                                                                Seminare waren meistens am Wochenende, viele Lehrmaterialien
Steckbriefe:                                                    kamen per Post oder digital und waren somit jederzeit abrufbar.
                                                                Betreut wurden wir über Teletutoren, die uns das ganze Studium
Master of Arts Taxation                                         über zur Seite standen. Was mich sehr überrascht hat, war die
qq der Kreditpunkte: 120
 Zahl                                                           Gruppendynamik unter den Kommilitonen: Wir waren alle schon
 Regelstudiendauer: 7 Semester
qq                                                              Zahnärzte mit mehr oder weniger Berufserfahrung, deshalb wa-
 Abschluss: Master of Arts
qq                                                              ren die Seminare ganz anders als früher zu Zeiten meines ersten
 C
  harakteristik: berufsbegleitend, weiter-
qq                                                              Studiums. Es war ein sehr kollegialer Umgang untereinander,
 bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent                    auch mit den Lehrenden. Und weil jeder von uns sein eigenes
 Präsenzstudium                                                 Spezialgebiet hat, konnten wir nicht nur von den Professoren,
                                                                sondern auch voneinander etwas lernen. Was mir das zusätzliche
MBA International Taxation                                      Studium bringt? Ich werde die Parodontologie als Praxisschwer-
 Anzahl der Kreditpunkte: 90
qq                                                              punkt aufbauen. Die ersten Patienten fragen jetzt schon danach;
 Regelstudiendauer: 4 Semester
qq                                                              so etwas spricht sich schnell herum.
 A
  bschluss: Master of Business Administration
qq
 „International Taxation“
 C
  harakteristik: berufsbegleitend, weiter-
qq
 bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent
 Präsenzstudium                                                                                                                      19
Universität
     Oldenburg




        Ein passendes Angebot für jeden
        In Oldenburg will die Universität systematisch Lust machen auf Weiterbildung:
        Interessenten können zunächst nur einzelne Veranstaltungen besuchen – und diesen
        Kern dann später zu einem kompletten Bachelor- oder Masterstudium ausbauen.
        Die Struktur ist dafür maßgeschneidert




                   Nicht bloß Schlagworte: Die Oldenburger füllen das Thema
                   Weiterbildung mit Leben. Auf dem Bild: Eine Projektion zur
                               Eröffnung des Centers für lebenslanges Lernen




20
V
                          on Minute zu Minute füllen sich die              an der Universität gut aufgehoben fühlen
                          Reihen, schnell ist das Theater restlos be-      – dort bekommt er verschiedene Ange-
                          setzt. Ein Samstagvormittag in Oldenburg,        bote zum Einsteigen. Und wenn jemand
                          draußen vor der Tür ist Wochenmarkt und          sich dann weiter in ein Thema vertiefen
                          Studierende machen unter den Einkäufern          will, kann er sogar einen universitären
                          eifrig Reklame für die kleine Vorlesung.         Abschluss machen; alles das bekommt er
                          Das Thema: „Geld vernünftig anlegen –            aus einer Hand.
                          können Menschen das überhaupt?“ Eine                  Das Center für lebenslanges Lernen
                          halbe Stunde lang wird ein Professor             ist aus jahrzehntelangen Erfahrungen der
                          darüber referieren, das Publikum sind            Universität hervorgegangen. 2006 ist es
                          interessierte Oldenburger, ob mit oder           entstanden, als vorher getrennte Bereiche
                          ohne akademische Vorbildung.                     zusammengelegt wurden: Unter anderem
                               „Uni am Markt“ heißt das Format,            sind das Center for Distributed e-Learning
                          zu dem die Carl von Ossietzky Universi-          (CDL), die zentrale Einheit Fernstudi-
                          tät in das Theatergebäude einlädt. Die           enzentrum (ZEF) und das Zentrum für
                          Berührungsängste mit der Hochschule              wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW)
                          abzubauen, das ist erklärtes Ziel. „Wir          im C3L aufgegangen. Organisatorisch
                          wollen die Leute neugierig machen und            untersteht das C3L direkt dem Präsidium.
                          ihr Interesse wecken, mehr zu erfahren“,              Vier weiterbildende Masterstudi-
                          sagt Dr. Michaela Zilling. Sie ist eine der      engänge sowie zwei berufsbegleitende
                          geschäftsführenden Direktorinnen des             Bachelorstudiengänge gibt es derzeit
                          Centers für lebenslanges Lernen an der           (s. S. 23), weitere sind in Planung. Die
                          Universität, das in Oldenburg unter der          organisatorische und finanzielle Verant-
                          Abkürzung C3L bekannt ist. Fast 70 Mitar-        wortung für diese Angebote liegt beim
                          beiter sind dort beschäftigt, sie kümmern        C3L, um die Fachwissenschaftler mög-
                          sich um das Feld der öffentlichen Wissen-        lichst wenig zu belasten. Die Fakultäten
                          schaft ebenso wie um Zertifikatskurse für        bringen die inhaltliche Expertise ein. In
                          Berufstätige und um berufsbegleitende            enger Kooperation mit dem C3L erfolgt
                          beziehungsweise weiterbildende Bache-            die Akkreditierung; im späteren Be-
                          lor- und Master-Studiengänge.                    trieb laufen dann „rund 90 Prozent der
Foto: Uni-Oldenburg




                               „Wir haben dieses breite Spektrum           anstehenden Arbeiten über das C3L “,
                          an Aufgaben ganz bewusst zusammenge-             sagt die geschäftsführende Direktorin Dr.
                          fasst, weil sie letzten Endes eng zusam-         Michaela Zilling. „Im C3L kümmern wir
                          menhängen“, sagt Zilling. Der Grundge-           uns um die organisatorische Abwicklung:
                          danke dabei: Wer neugierig ist, soll sich        Wir kümmern uns um die Akquisition und


                          Zur öffentlichen Wissenschaft gehören Ver-
                          anstaltungen, bei denen Forscher sich einem
                                                                           Vergütung der Dozenten, wir nehmen
                                                                           Modulanmeldungen entgegen und                     R
                                                                                                                             R
                          breiteren Publikum präsentieren, das üblicher-   Programme für berufserfahrene Studierende,
                          weise nicht mit Hochschulen und Wissenschaft     die nach einigen Jahren in der Arbeitswelt noch       21
                          in Kontakt kommt.                                einmal an die Hochschule zurückkehren.
Universität
     Oldenburg



                                                                                                     




                                                                                                     Studieren in jedem Alter: In Oldenburg




                                                      Foto: © Uni-Oldenburg
                                                                                                     werden junge Berufstätige ebenso wie

                                Foto: © Uta Rauser
                                                                                                     Senioren neugierig gemacht auf akade-
                                                                                                     mische Inhalte




                                                     stellen Zertifikate aus.“ Der akademische     Oldenburg kein Stiefkind, sondern ein
                                                     Titel wird schließlich durch die jeweilige    zentraler Bestandteil der Hochschul-
                                                     Fakultät vergeben. Die Studienbeiträge        Strategie.
                                                     der Teilnehmer bleiben im C3L. „Wir sind           „In unseren Angeboten möchten wir
                                                     nicht gewinnorientiert, sondern arbeiten      die Zugangsschwelle bewusst so niedrig
                                                     kostendeckend“, sagt Michaela Zilling.        wie möglich halten“, sagt Dr. Christiane
                                                     Manche Studiengänge erwirtschaften            Brokmann-Nooren, die beim C3L den
                                                     mittlerweile Überschüsse, gerade die neu-     Bereich öffentliche Wissenschaft leitet.
                                                     en Angebote seien allerdings erst noch        „Natürlich bieten wir auch komplette
        Klare Aufgabenteilung                        auf größere Teilnehmerzahlen angewiesen       Bachelor- und Master-Studiengänge an“,
                                                     und werden über Drittmittel oder aus          so Brokmann-Nooren, „aber wir können
        in der Weiterbildung:                        eigenen Geldern mitfinanziert.                es auch verstehen, wenn sich jemand, der
                                                          Das Center für lebenslanges Lernen ist   seit Jahren nicht mehr an der Universität
        Das Fachliche kommt                          in einem eigenen Gebäudekomplex, dem          war, nicht gleich so umfassend ver-
                                                     Lifelong Learning Campus, untergebracht.      pflichten möchte.“ Alle weiterbildenden
        aus den Fakultäten,                          Gerade erst ist er renoviert worden;          Studiengänge sind deshalb vollständig
                                                     entlang der Flure sitzen die Koordinatoren    modularisiert und können auch einzeln
        die Organisation über-                       für die weiterbildenden Studiengänge          als Zertifikatskurse belegt werden. In
                                                     und Zertifikatsprogramme, die Mitarbeiter     manchen Fächern geht es noch kleintei-
        nimmt das Center für                         aus der Abteilung für IT/Medien/Lern-         liger: Da gibt es die Möglichkeit, nur eine
                                                     design und die Ansprechpartner aus dem        einzelne Veranstaltung auszuwählen.
        lebenslanges Lernen                          Kontaktbüro, das die erste Anlaufstelle für   „Dadurch kann jeder feststellen, ob ihn
                                                     Interessenten ist. Im Erdgeschoss finden      das Thema wirklich so interessiert, wie
                                                     sich die Seminarräume; unter der Woche        er sich das anfangs gedacht hat. Wenn
                                                     werden sie von der Universität genutzt,       ihm alles zusagt, steht ihm immer noch
                                                     am Wochenende finden hier Präsenz-            der vollständige Studiengang offen. Die
                                                     veranstaltungen für die weiterbildenden       bereits absolvierten Veranstaltungen
                                                     Angebote statt. Technisch sind sie auf        rechnen wir in solchen Fällen natürlich
                                                     dem neuesten Stand: Schon im Foyer            komplett an.“ Gerade weil die Bachelor-
                                                     werden die Besucher von einem großen          und Master-Studiengänge bis zu knapp
                                                     Bildschirm empfangen, auf dem die             20.000 Euro kosten, prüfen viele Teilneh-
                                                     laufenden Vorlesungen samt zugehörigem        mer vorab, was sie für ihr Geld bekom-
                                                     Raum angezeigt werden. In den Hörsälen        men. „Diese Auskopplung von Angeboten
                                                     selbst stehen die Dozenten vor einem          aus den weiterbildenden Studiengängen
                                                     großen Pult mit Smartboard, auf dem sie
                                                     per Knopfdruck Leinwand, Beamer und
                                                     elektronische Medien steuern können. Vor
                                                     den Seminarräumen ist eine Lounge als
                                                                                                   hat sich gut bewährt“, sagt Christiane
                                                                                                   Brokmann-Nooren.                                  R
                                                                                                                                                     R
                                                     Aufenthaltsbereich eingerichtet, in dem       Inhaltlich zusammenhängende Seminare, die
                                                     sich die Teilnehmer in den Seminarpausen      mit einem universitären Zertifikat abschließen
                                                     treffen können. Die Weiterbildung – das       und einen thematischen Aspekt abdecken. Zerti-
22                                                   ist der Eindruck, den die großzügige Aus-     fikate werden bisweilen auch für den erfolgrei-
                                                     stattung erweckt – ist an der Universität     chen Besuch einzelner Seminare verliehen.
Auf einen Blick




                                        Das Oldenburger Angebot an weiterbildenden
                                        Master-Studiengängen
                                        Den Master of Distance Education  E-Learning bietet das University of Maryland University College
                                        (UMUC) in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg an. In dem englischsprachi-
                                        gen Programm werden nach Eigenauskunft die „zukünftigen Manager von mediengestützten Fernunter-
                                        richtsangeboten“ qualifiziert. Die Teilnehmer können sich auf Management und Planungsaspekte speziali-
                                        sieren, auf die technischen Grundlagen oder auf die pädagogischen Komponenten. Der akademische Grad
                                        wird vom UMUC verliehen.

                                        Das MBA-Programm Bildungs- und Wissenschaftsmanagement richtet sich an Experten für Erwachse-
                                        nen- und Weiterbildung sowie an Wissenschaftsmanager. Zulassungsvoraussetzung ist neben einem ersten
                                        Studienabschluss eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Der Studiengang ist auf sechs Semester an-
                                        gelegt und umfasst inhaltlich zahlreiche Aspekte vom Bildungsmarketing über neue Technologien bis hin
                                        zum Controlling in Bildungseinrichtungen. Interessenten können im Rahmen eines Zertifikatsprogramms
                                        auch einzelne Module sowie Modulkombinationen belegen, die zu einem Expertenzertifikat führen.

                                        Der Masterstudiengang Innovationsmanagement bildet in sechs Semestern Experten für den Umgang mit
                                        den raschen Veränderungen in Organisationen und Unternehmen aus. Wie lassen sich Innovationen in
                                        bestehende Strukturen einbinden, wie bildet man ein innovationsfreundliches Umfeld aus – und wie geht
                                        man mit Innovationsfolgen und der gesellschaftlichen Verantwortung um? Das sind die Fragen, die im Vor-
                                        dergrund stehen. Dank der modularen Struktur können Bewerber im Rahmen eines Zertifikatsprogramms
                                        auch einzelne Inhalte des Studiengangs belegen.

                                        Die Absolventen des Masterstudiengangs Informationsrecht erwerben den auch international gefragten
                                        Titel LL.M. Das Studium richtet sich an Juristen, die für sich die neu entstandenen Arbeitsbereiche auf dem
                                        Feld des Rechts im Internet erschließen möchten. Datenschutz, IT-Vertragsrecht und Immaterialgüterrecht
                                        sind nur einige der Module, die in dem Studiengang angeboten werden. Für Nicht-Juristen, die in Unter-
                                        nehmen und Organisationen mit Fragen des Informationsrechts betraut sind, gibt es die Möglichkeit, im
                                        Rahmen eines Zertifikatsprogramms einzelne Module zu belegen.
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                                                                                                     Lernen überall: Dank der modernen
                                                                                                     Didaktik sind die Oldenburger Studierenden
                                                                                                     örtlich ungebunden




                                                                                                                                                      23
Universität
     Oldenburg



                                       Wer sich für eines der Zertifikats-          Gesetzen oder Gerichtsurteilen, damit
                                  programme entscheidet, bekommt den                diese stets sehr aktuell gehalten werden
                                  Status eines Gasthörers. Das hat zwei             können. Das sind ganz andere Voraus-
                                  Gründe: Zum einen ist es für die Teilneh-         setzungen als in anderen Disziplinen,
                                  mer eine rechtliche Absicherung, dass             wo man beispielsweise mit Videos oder
                                  sie sich die Ergebnisse auf ein späteres          anderen Hilfsmitteln arbeiten kann.“
                                  Studium anrechnen lassen können. Zum                   Seine Abteilung ist aber auch für die
                                  anderen fördert es das Zusammengehö-              Gestaltung der gedruckten Studiengangs-
                                  rigkeitsgefühl – „alle sollen sich gleich als     materialien zuständig. Für die Lehrenden
                                  Teil der Universität wahrnehmen“, sagt            gibt es eine Handreichung, in der die
                                  Brokmann-Nooren. Auch das Studium                 didaktischen Grundsätze für das Studium
                                  generale oder die Kinder-Universität wer-         zusammengefasst sind und, daraus abge-
                                  den vom C3L organisiert. „Das sind alles          leitet, die Empfehlungen zur Gestaltung
                                  Möglichkeiten, wie wir die interessierte          des Studienmaterials. „Selbst die besten
                                  Öffentlichkeit ansprechen können, um              Lehrenden haben ja nicht zwangsläufig
                                  sie auf die Inhalte, Programme und die            Erfahrung im Bereich des Fernstudiums“,
                                  Qualität der C3L-Angebote aufmerksam              sagt Axel Kleinschmidt. Wenn die Profes-
                                  zu machen“                                        soren ein Modul vorbereiten, können sie
                                       Ein weiterer Schwerpunkt des C3L             den Stoff in eine Vorlage eingeben, die
        Expertenrat fürs          sind Professionalisierungsprogramme.              das Layout gleich anpasst. Abschließend
                                  Diesen Bereich leitet PD Dr. Joseph               schauen dann noch einmal Didaktik-
        Lehrmaterial – „denn      Rieforth gemeinsam mit Dr. Christiane             Experten darauf, um dem Studienmaterial
                                  Brokmann-Nooren. Die überwiegend be-              den Feinschliff zu verpassen. So werden
        selbst die besten Leh-    rufsbegleitenden Angebote ermöglichen             etwa Leseeinheiten den Bedürfnissen
                                  Weiterbildung auf universitärem Niveau            berufstätiger Studierender angepasst oder
        renden haben ja nicht     mit beruflich qualifizierendem Abschluss.         Abbildungen, Fallbeispiele und reflexive
                                  Ein beispielhafter Themenkomplex ist die          Aufgaben eingebunden, wenn es beim
        zwangsläufig Erfahrung    Psychotherapieausbildung, die auch zur            Verständnis hilft. Dieses Verfahren soll
                                  staatlichen Approbation führt.                    den Beteiligten die Arbeit erleichtern: Für
        im Bereich des Fernstu-        Alle Masterstudiengänge – vier               die fachlichen Experten, die für die Inhalte
                                  Angebote gibt es im Center für lebens-            verantwortlich sind, soll die Vorbereitung
        diums!“                   langes Lernen an der Carl von Ossietzky           so reibungslos laufen wie möglich.
                                  Universität – sind im Sinne des Blended                Dass das C3L in Zukunft an der
                                  Learning aufgebaut, also als Kombination          Universität eine immer stärkere Rolle
                                  aus Fern- und Präsenzstudium. Für die             spielen dürfte, wird deutlich, wenn man
                                  Fernstudien-Elemente unterhalten die Ol-          die Entwicklung der vergangenen Jahre
                                  denburger eine eigene Abteilung am C3L,           fortschreibt. Das Interesse an der Weiter-
                                  die sich mit dem Lerndesign auseinander-          bildung steigt, auch das Studienangebot
                                  setzt. „Wir haben eine spezielle Lernum-          wird kontinuierlich ausgebaut. „Vorstell-
                                  gebung entwickelt, auf der die Angebote           bar ist, dass wir aus den bestehenden
                                  basieren“, sagt Axel Kleinschmidt, Leiter         Studiengängen mehr Zertifikatsangebote
                                  dieser Abteilung. Es ist ein eigenständiges       auskoppeln, weil sich das Prinzip sehr gut
                                  Oldenburger System, in das die Erfahrun-          bewährt hat und es viele Interessenten
                                  gen aus vielen Jahren Online-Lehre einge-         gibt“, sagt Michaela Zilling. Mit dieser
                                  flossen sind. „Wir haben es so konzipiert,        Strategie spreche man zwei unterschied-
                                  dass wir das Studiengangskonzept und              liche Zielgruppen an: Während die Zertifi-
                                  den didaktischen Hintergrund ideal wi-            katsangebote eine starke Nachfrage aus
                                  derspiegeln können“, sagt Kleinschmidt.           Unternehmen erfahren, die ihre Mitarbei-
                                  Die Anforderungen seien von Fach zu               ter zielgerichtet qualifizieren wollen, seien
                                  Fach unterschiedlich: „Nehmen Sie etwa            es bei den Bachelor- und Master-Studi-
                                  die Juristen. Da sind die Lehrmaterialien         engängen vor allem Bildungshungrige,
                                  komplett online, und in den Texten finden         die sich auf eigene Faust für ein weiteres
                                  sich Verknüpfungen zu den jeweiligen              Studium entscheiden. Im Idealfall, sagt
                                                                                    Zilling, wird ein Mitarbeiter vom Unter-
                                                                                    nehmen zu einer Weiterbildung geschickt
                                  Kombiniert die Vorteile der persönlichen Kom-     und ist dann so angetan davon, dass er
                                  munikation aus Präsenzveranstaltungen an          dieses erste Zertifikat als Grundlage für
                                  der Hochschule mit dem effektiven und flexiblen   ein komplettes Studium verwendet – eine
24                                Eigenlernen. Wird auch als integriertes oder      Option, auf die das Oldenburger System
                                  hybrides Lernen bezeichnet.                       von vornherein ausgelegt ist.
Auf einen Blick




Forschung und Entwicklung
Gleich drei Professoren kooperieren eng mit dem Center für lebenslanges Lernen (C3L) in Oldenburg –
eine bundesweite Besonderheit, denn üblicherweise statten die Universitäten ihren Weiterbildungsbereich
nicht mit eigenen Professuren aus. Die wissenschaftliche Leiterin des C3L, Professorin Dr. Anke Hanft,
hat ein reduziertes Lehrdeputat, um den Aufgaben im C3L mehr Zeit widmen zu können. Zum Ausgleich
beteiligt sich das C3L an der Finanzierung der Professur „Wissenstransfer und Lernen mit neuen Techno-
logien“ von Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. „Mein Lehrdeputat umfasst auch den Bereich der Weiter-
bildung“, sagt er – die Aufgaben aus Studium, Lehre und Forschung verteilt er jeweils zur Hälfte auf die
Fakultät und das C3L.

In der Struktur des C3L spielt die Forschung eine bedeutsame Rolle. Inhaltlich geht es darin um didak-
tische Aspekte des weiterbildenden Studierens. Dieses Thema findet sich in mehreren der angebotenen
Master-Studiengänge wieder: Beim Master of Distance Education  E-Learning und im MBA-Programm
Bildungsmanagement etwa werden die Teilnehmer auf den Umgang mit dem berufsbegleitenden Lernen
vorbereitet (s. auch Studiengangs-Portraits auf S. 23). Die Forschungsergebnisse der Oldenburger tragen
bundesweit zur Verbesserung von weiterbildenden Seminaren bei. So leitet Zawacki-Richter zusammen mit
der Professur für Bildungsmanagement und dem C3L das Verbundprojekt „mint.online - Aufbau berufsbe-
gleitender Studienangebote in MINT-Fächern“, das vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft
finanziert und mit namhaften Kooperationspartnern wie etwa der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt wird.
„Unser Ziel ist es, die Studiengänge möglichst gut auf die Lernbedürfnisse von Berufstätigen auszurichten“,
sagt Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. In der Projektbeschreibung von mint.online heißt es: „In ihrer
(medien-) didaktischen Gestaltung müssen berufsbegleitende Angebote den Ansprüchen erwachsener
Lerner/innen entsprechen. Durch umfassende und qualitätsgesicherte Anrechnung beruflicher Kompeten-
zen sollten die Angebote unmittelbar an den individuellen Kenntnisstand der Lernenden anknüpfen und
auf deren Kompetenzniveau aufbauen. Das Verbundprojekt verfolgt das Ziel, deutsche Hochschulen mit
Studienprogrammen auf dem Weiterbildungsmarkt erfolgreich zu platzieren.“ Aus dem Forschungspro-
jekt heraus sollen mehrere Studiengänge sowie Zertifikatsprogramme an den beteiligten Universitäten mit
Schwerpunkt im MINT-Bereich entwickelt werden.

Die Professuren ändern nach der Erfahrung von Olaf Zawacki-Richter die Wahrnehmung der Weiterbil-
dung an der Universität. „Dass wir hier ein eigenes wissenschaftliches Zentrum aufgebaut haben“, sagt er,
„sorgt dafür, dass wir nicht herablassend als ‚Weiterbildungsbude’ betrachtet werden.“



Bezeichnung für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik




Anrechnungsverfahren
In allen weiterbildenden Studiengängen an der Oldenburger Universität lassen sich berufliche Kompeten-
zen und Zusatzqualifikationen anrechnen, sei es aus einem vorangegangenen Studium oder einer aner-
kannten Weiterbildung. Am einfachsten geht das bei Leistungen aus einem universitären Studium; darüber
hinaus gibt es aber ein ausgeklügeltes System von pauschalen und individuellen Anrechnungsverfahren.
Einschlägige Weiterbildungskurse etwa an einer Industrie- und Handelskammer werden von den zuständi-
gen Wissenschaftlern exemplarisch begutachtet und können auf das Studium angerechnet werden. Quali-
fikationen aus bisherigen akademischen oder beruflichen Tätigkeiten, ob mit oder ohne Zertifikat, werden
individuell bewertet und anerkannt, wenn sie äquivalent sind.




                                                                                                              25
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  • 1. Erfolgsmodell Master Offen für internationale Kooperationen und individuelle Bildungsbiographien
  • 3. Editorial Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser! Professor Dr. Horst Hippler Bildung und Qualifikation sind zu Begriffen geworden, die in fast allen Politikberei- chen eine bedeutsame Rolle spielen. Der „Weg in die Wissensgesellschaft“ ist – so Präsident der Hochschulrektorenkonferenz abgegriffen dieses Schlagwort auch inzwischen klingen mag – ein Thema von essen- tieller Bedeutung: Davon, wie gut wir diesen Wandel bewerkstelligen, hängt unser künftiger Wohlstand in erheblichem Maße ab. Die Hochschulen in Deutschland haben längst erkannt, welche Anforderungen das an sie stellt. Die vielen Veränderungen der vergangenen Jahre sind dafür ein unüberseh- bares Zeugnis. In diesem Magazin möchten wir uns auf einen Bereich konzentrieren, in dem an Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen Wegweisendes geleistet wurde: Es sind unzählige Masterstudiengänge entstanden, die für Studierende und für die Hochschulen selbst große Chancen bergen. Viele Lehrende haben ihr Fach, haben das Curriculum ihrer Studiengänge neu durch- dacht. In diesem Magazin begeben wir uns auf eine Rundreise durch Deutschland, um den vielen Ideen und Innovationen nachzuspüren. Auf den folgenden Seiten lernen wir beeindruckende Beispiele kennen – sowohl aus dem Bereich der konsekutiven Master, die direkt an ein Bachelor-Studium anschließen, als auch aus dem Bereich der weiter- bildenden Master, deren Studierende schon erfolgreich im Berufsleben stehen. Wir möchten drei unterschiedliche Aspekte beleuchten. Im ersten Teil des Magazins werfen wir einen Blick darauf, wie Hochschulen weiterbildende Masterprogramme in ihre Struktur integrieren. Im zweiten Teil legen wir unser Augenmerk auf Hochschul- kooperationen im Masterbereich; sei es international, sei es interdisziplinär. Und im dritten Teil zeigen wir auf, wie innovative Masterprogramme dazu beitragen, dass Studierende in unterschiedlichen Lebenssituationen ein Bildungsangebot finden, das für sie genau passend ist. Natürlich können wir in diesem Magazin nur einen Bruchteil der innovativen Konzepte vorstellen, die pars pro toto für die unzähligen gelungenen Studiengänge stehen, die an deutschen Hochschulen angeboten werden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Streifzug durch die Hochschulen und eine anregen- de Lektüre! Ihr 3
  • 4. Inhalt 03 Editorial 06 „Man braucht Mut, Ausdauer und Zuversicht“ er Schweizer Weiterbildungs-Pionier Andreas Fischer im Inter- D view über berufsbegleitende Studiengänge, neue Strukturen an den Hochschulen und unternehmerische Risiken Chancen zur Profilbildung Chancen zur Brückenbildung 12 Weiterbildung als integrale Aufgabe 46 Internationalität inklusive ie Freiburger Universität will berufsbegleitende Masterstudien- D ie Universität Flensburg baut auf ihre Nähe zu Dänemark – D gänge zum umfassenden Angebot ausbauen in einem binationalen Wirtschaftsstudiengang 20 Ein passendes Angebot für jeden 50 Helfen als Wissenschaft n Oldenburg will die Universität Lust machen auf Weiterbil- I ie Ruhr-Universität Bochum bereitet Studierende auf den D dung. Dafür setzt sie auf den Bildungshunger der Interessenten humanitären Einsatz in Katastrophengebieten vor 26 Die Public Private University 54 Wissen für den Wandel ine staatliche Hochschule und ein privater Bildungs- E er Master Global Change Ecology an der Universität Bayreuth D anbieter betreiben gemeinsam die Deutsche Universität ist Teil des bayerischen Elitenetzwerks für Weiterbildung 58 High-Tech im Wald 30 Inkubator mit Strahlkraft ie Fachhochschule Eberswalde macht aus der traditionsbe- D ie Leuphana Universität Lüneburg nutzt als einzige Hochschule D wussten Forstwirtschaft ein international vernetztes Mittel aus dem EU-Strukturfonds Erfolgsmodell 34 Masterprogramme für die ganze Welt 60 Forschen im Weinberg ie Hochschule Bremen setzt mit ihrem Graduate Center auf D ie Bewerber für die Studiengänge in Geisenheim stammen D ein internationales Publikum aus aller Welt. In ihren Labors kommen sie den Geheimnissen des Weins auf die Spur 38 Der Karriere-Master ie Hector School ist Teil des Karlsruher Instituts für Technologie D 64 Die Polizei im Internet und richtet sich an Führungskräfte aus der Wirtschaft ie Hochschule Albstadt-Sigmaringen rollt das Feld der D Online-Sicherheit auf 40 Der Master als Wettbewerbsvorteil islang war die Duale Hochschule Baden-Württemberg auf B Bachelorstudiengänge spezialisiert. Jetzt expandiert sie im Bereich der Master Forschend lernen am Objekt 4
  • 5. Foto: LESC/KIT in Kooperation mit HECTOR School of Schon heute in der Zukunft Engineering Management/KIT Karlsruher Studierende arbeiten an einer 3-D-Präsentation Chancen individualisierter Blickpunkt Studierende Bildungsbiographien 70 Das individualisierte Studium 25 r. Helen Schultz, Absolventin aus Freiburg D it der Didaktik für berufsbegleitende Studiengänge hat die M Als Zahnärztin wieder an die Uni FernUniversität in Hagen mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung 33 lvia Gaida, Studentin in Lüneburg E 74 Die andere Geschichte Das Stipendium, von dem auch die regionale Wirtschaft n der Freien Universität Berlin werden Historiker auf A profitiert Innovationen getrimmt 37 ariann Karlstad und Detrick Brown, Studierende in Bremen M 76 Die Versicherungs-Theoretiker Getrieben von der Neugier auf Deutschland er Executive Master of Insurance an der Münchner Ludwig- D Maximilians-Universität ist ein berufsbegleitender Studiengang, 49 Kim Plätz, Studentin in Flensburg in dem die Theorie im Vordergrund steht Forschung in der Grenzregion als Sprungbrett zur EU 78 Führung für die Schule 53 aura Puts, Studentin in Bochum L ie Universität Kaiserslautern bildet in einem spezialisierten D Der Berufsalltag? Wasserfilter herstellen, Ruinen aufräumen, Masterstudiengang künftige Schulleiter aus. Sie sollen später Schulen bauen den Wandel im Bildungsbereich mitgestalten 73 Thilo Rörtgen, Student in Hagen 80 Zwei Perspektiven auf die Kunst Aus dem Plenarsaal zurück an die Universität n einer Kooperation der Universität Heidelberg mit der I Pariser École du Louvre werden zwei Schulen der Kunst- geschichte vereint 82 eutsche Hochschulen auf dem Weg zum D individualisierten Angebot ine Analyse von Dr. Peter A. Zervakis, Projektleiter nexus der HRK E 84 Lexikalischer Teil 86 Impressum 5
  • 6. Interview „Um Weiterbildung zu etablieren, braucht man Mut, Zuversicht und Ausdauer“ Der Schweizer Andreas Fischer, Pionier der universitären Weiterbildung, im Gespräch über wissenschaftliche Standards, unternehmerische Risiken – und die Gründe für den Weiterbildungs-Boom in der Eidgenossenschaft Herzlichen Glückwunsch, Herr Fischer! Ihre Schweizer Glücklicherweise haben alle Universitäten beschlossen, Weiterbildungsstudiengänge sind so beliebt, dass viele den Weg weiterzugehen, nachdem die Weiterbildung ausländische Hochschulen von einem solchen Erfolg nur mit vielen Mühen aufgebaut worden ist. träumen können. Wie schaffen Sie das? Wie rasch haben Sie es denn geschafft, kostendeckend zu (lacht) Das ist nicht von heute auf morgen entstan- arbeiten? den, sondern war ein kontinuierliches Wachstum. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir das jetzt schon über Ab 1996 mussten die Studiengänge mehr oder 20 Jahre machen. Ich denke, dass bei den Schweizer weniger kostendeckend sein, und das hat auch gut Universitäten zwei Erfolgsfaktoren zusammenkom- geklappt. Wir haben in der Zeit davor sukzessive die men: Zum einen ist das Angebot attraktiv und zum Preise für die Angebote erhöht, anders ging das ja gar anderen gibt es eine große Nachfrage nach Weiterbil- nicht. dung auf Seiten der Arbeitswelt. Trotzdem: In Deutschland gibt es häufig das Problem, dass Und dann gibt es ja noch einen dritten Faktor – die gesell- manche Weiterbildungsstudiengänge einfach zu wenig schaftliche Akzeptanz von Weiterbildung. nachgefragt sind, um die Kosten zu decken. Haben Sie damit keine Schwierigkeiten? Sie haben Recht, es muss erstmal normal werden, dass man nach einigen Jahren oder auch Jahrzehnten Man muss sich natürlich immer jedes Programm im Beruf wieder an die Universität zurückgeht. Da einzeln anschauen. Wir haben einige Angebote, die hat uns sicherlich geholfen, dass das Thema Wei- immer ausgebucht sind, beispielsweise viele Studien- terbildung in der Schweiz im Rahmen einer großen gänge im Bereich Management oder auch Weiterbil- Bundesinitiative gefördert worden ist. Das hat viel dungen im Feld der Psychologie. Und natürlich gab es Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gelenkt. auch bei uns Studiengänge, die von vornherein nur auf ein oder zwei Durchführungen angelegt waren Das war schon im Jahr 1990, damals gab es in der Schweiz oder die kein ausreichendes Interesse fanden. Die sind Fördermittel für den Aufbau von Weiterbildungsstrukturen dann wieder von der Bildfläche verschwunden. an den Universitäten. Inzwischen sind die längst ausgelau- fen – wie finanzieren Sie die Weiterbildung heute? Moment, es gibt in der Schweiz inzwischen ein paar Hun- dert Weiterbildungsstudiengänge. Sind die tatsächlich alle Wir haben ja schon 1990 gewusst, dass die Finanzie- ausgebucht, oder experimentieren Sie damit, was ankommt rung irgendwann wegfällt, und konnten uns darauf und was nicht? vorbereiten. Ab 1996 gab es keine Mittel mehr für 6 konkrete Studiengänge, die Förderung für die Wei- terbildungsstellen ist dann 1999 eingestellt worden. Nein, für reine Experimente sind die Entwicklungs- kosten für einen Masterstudiengang viel zu hoch. R R
  • 7. Auf einen Blick Foto: © Jkey | Dreamstime.com Gipfelstürmer: Die Schweizer haben eines der ausgeklügeltsten Weiterbildungssysteme in Europa Das Schweizer System Alle Schweizer Universitäten bieten ein profiliertes Weiterbildungsprogramm an. Sie sind im landeswei- ten Verband SwissUni zusammengeschlossen, in dem sie ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsame Projekte planen. Auf SwissUni geht auch die Standardisierung der Weiterbildungsabschlüsse zurück: Die Absolventen bekommen entweder einen Master of Advanced Studies (MAS), der 60 Kreditpunkte umfasst, ein Diploma of Advanced Studies (DAS mit 30 Kreditpunkten) oder ein Certificate of Advanced Studies (CAS mit 10 Kreditpunkten). Dadurch hat die Weiterbildung einen eigenständigen Status in der Ordnung der universitären Abschlüsse bekommen, zugleich ist die Vergleichbarkeit der Angebote gewährleistet. Die Nachfrage nach Weiterbildung ist bei allen Schweizer Universitäten groß; das Land gilt in dieser Hinsicht europaweit als Vorbild. Nach einer Studie gab es im Jahr 2010 in der Schweiz 320 weiterbildende Master- angebote, inzwischen ist die Zahl nach Schätzung von Experten auf etwa 400 angestiegen. Die unterschiedlichen Angebote sind oft miteinander kompatibel. So kann ein CAS für ein DAS im glei- chen Fach angerechnet werden und dieses Diplom wiederum für einen MAS. Die Weiterbildungs-Master allerdings berechtigen im Regelfall nicht zu einem Promotionsstudium. 7
  • 8. Interview Angebot, bei dem Professoren von beiden Hochschu- len an der Lehre beteiligt sind. Wäre da nicht ein Angebot von Fernstudien die Chance, auch überregional aktiv zu werden? Bevor der falsche Eindruck entsteht: Formen des Foto: © Universität Bern | Abt. Kommunikation Blended Learning haben wir ja bereits, das Selbstler- nen etwa mit Elementen des E-Learnings spielt also schon eine Rolle. Ein reines Fernstudium ist für uns aber undenkbar. Das hat hier keine Tradition. Sie müssen sehen, dass die Schweiz ein Land mit klei- nen Distanzen ist – da fährt man schon selbst an die Universität. Wir stellen auch immer wieder fest, dass die Teilnehmenden über die Präsenzveranstaltungen froh sind. Dadurch kommen sie aus ihrem üblichen Umfeld raus und finden eine neue Umgebung zum Lernen. Die Universitätsbibliothek in Bern Wie funktioniert bei Ihnen in Bern die Zusammenarbeit der Weiterbildungseinrichtung mit den Fakultäten – von welcher Seite kommen die Impulse? Einfach mal auszuprobieren, das können wir uns Die Ideen für einen Weiterbildungsstudiengang kom- nicht leisten. Es gibt im Prinzip zwei Wege, auf denen men in der Regel aus den Fakultäten. Unsere Aufgabe wir an einen neuen Studiengang herangehen. Der ist es dann, aus den Ideen ein Angebot zu machen, erste ist, dass wir klein beginnen und dann groß wer- das sinnvoll ist und Chancen auf dem Markt hat. Die den. Da bieten wir also erst einmal Zertifikatskurse erste Frage ist dabei die nach dem Format: Reicht es, an, die wir dann bei guter Nachfrage zu einem Master ein Zertifikatsangebot zu machen oder trägt die Idee weiterentwickeln. Den zweiten Weg gehen wir dann, einen ganzen Masterstudiengang? Und natürlich wenn wir von Beginn an einen Master anbieten müssen wir die Zielgruppe definieren, denn oft ist die möchten: In dem Fall muss man Bedarfsabklärun- Idee aus der Universität angebotsorientiert. Da heißt gen machen, und das geht nur mit guten Kontakten es dann, wir haben dieses und jenes Wissen, das wir im Feld. Wir sprechen mit Berufsorganisationen weitergeben möchten. Wir müssen die umgekehrte und Verbänden und fragen dort ganz offen: Hat der Frage stellen: Wem nützt das etwas? angedachte Studiengang Chancen, bei der Zielgruppe anzukommen? Sind die Weiterbildungsangebote innerhalb der Universitä- ten so breit akzeptiert, dass Sie diese Diskussionen gleichbe- Da klingen sehr viele betriebswirtschaftliche Aspekte durch, rechtigt führen können? die im Hintergrund eine Rolle spielen. Sehen sich eigentlich die Universitäten gegenseitig als Konkurrenten? Es gibt Da gibt es große Unterschiede. Eine Selbstverständ- ja in der Schweiz fast überall sehr profilierte Weiterbil- lichkeit jedenfalls ist die Akzeptanz nicht, oft nehmen dungsangebote. Professoren die Unterstützung durch die Weiterbil- dungsstellen als eine von vielen Dienstleistungen Im Bereich der Management- und Wirtschaftsweiter- wahr, die eine Universität nun einmal anbietet. Viele bildung machen sich die Universitäten Konkurrenz, sehen die Weiterbildung eher auf der administrativen ganz ohne Frage. Ansonsten aber eher nicht. Dabei Ebene als tatsächlich im wissenschaftlichen Bereich. spielt sicher eine Rolle, dass wir keine reinen Fern- In Bern haben wir zum Glück eine bessere Situation, studiengänge anbieten. Überall sind viele Präsenz- unsere Weiterbildungsstelle ist als wissenschaftliche seminare eingeplant, und da ist die geographische Institution anerkannt. Meiner Erfahrung nach kommt Nähe immer ein ausschlaggebendes Argument. Das das oft auf die Leute an: Wenn in der Universitäts- schränkt die Konkurrenz natürlich ein. In vielen Fäl- leitung und anderen maßgebenden Organen starke 8 len arbeiten wir sogar zusammen: Universitäten sind Persönlichkeiten sitzen, denen die Weiterbildung am im Kontakt miteinander und planen ein gemeinsames Herzen liegt, dann ist das eine wichtige Vorausset-
  • 9. Zur Person zung. Wir haben aus unseren Erfahrungen die Lehre gezogen, dass man drei Dinge braucht, um die Weiter- bildung innerhalb der Universität zu etablieren: Mut, Zuversicht und Ausdauer. Dass manche Fakultäten skeptisch gegenüber der Weiterbil- dung sind, hängt ja damit zusammen, dass sie die Wissen- schaftlichkeit der Programme bezweifeln. Grundsätzlich gilt: Wir haben den Anspruch der Wissenschaftlichkeit, das ist unser Profil und das können nur wir als Universität. Auf der anderen Seite Foto: © Universität Bern kommen die Teilnehmenden aus der Berufspraxis nicht in erster Linie zu uns, um hier Wissenschaft- liches zu lernen. Sie kommen deshalb, weil sie ihre Arbeit möglichst gut machen wollen; sie bringen also einen praktischen Antrieb und praktische Erfahrun- gen mit. Als Universität müssen wir deshalb einen Mittelweg fahren: Wir können nicht rein akademisch sein, sondern müssen sehr stark die Praxiswirklichkeit Dr. Andreas Fischer leitet das Zentrum für in die Angebote aufnehmen. Wir nennen es so: Die universitäre Weiterbildung (ZUW) der Uni- universitäre Weiterbildung fundiert auf Wissenschaft versität Bern. Zugleich ist der promovierte und Forschung und befähigt die Studierenden zu Geograph Vorstandsmitglied von SwissUni. einem reflektierten Transfer der Bildungsinhalte in Das ZUW bietet 26 Masterstudiengänge und die Arbeitswelt und ihr weiteres Lebensumfeld. Für zahlreiche Zertifikatskurse an. Insgesamt die Lehrenden ist das eine didaktische Herausforde- sind in Bern rund 5.500 Studierende für rung. Sie stehen nicht vor Studierenden, die gerade Weiterbildungsprogramme eingeschrieben. frisch ihr Abitur gemacht haben – da haben sie es auf einmal mit Leuten zu tun, die schon jahrelange Erfah- rung haben in ihrem Bereich. Wie schaffen Sie es, zwischen diesen unterschiedlichen An- sprüchen die Balance zu halten? Wie schwierig das ist, zeigt ja allein schon die Viel- falt an Begriffen: Man redet von wissenschaftlicher Weiterbildung, von universitärer Weiterbildung und „Wir haben den An- von Weiterbildung für Akademiker. Das sind drei spruch der Wissenschaft- unterschiedliche Blickwinkel und Ansprüche, und wir sind mittendrin in diesem Spannungsfeld. Eines ist für lichkeit. Das ist unser uns von vornherein klar: Wir bieten keine normalen Kommunikationskurse an oder solche Sachen, die Profil und das können man auch außerhalb der Universität lernen kann. Damit grenzen wir uns schon einmal von anderen nur wir als Universität“ Anbietern ab. Hier in Bern muss grundsätzlich der Senat der Universität jeden Studiengang bewilligen, auch in der Weiterbildung – das ist ein Kontrollin- strument für die Wissenschaftlichkeit. Eine zweite Stellschraube sind die Leistungskontrollen: Natürlich achten die Fakultäten darauf, dass die Seminar- und Masterarbeiten der Studierenden den wissenschaft- lichen Standards genügen. Dadurch halten wir die Balance. 9
  • 10.
  • 11. n nce Cha d ung ro f ilbil P zur Das Studium nach dem Studium wird immer üblicher. Man lernt nie aus, sagt der Volksmund. Jetzt kümmern sich auch die Hochschulen darum, dass alle weiterlernen können – auch, wenn sie ihr erstes Studium schon lange hinter sich haben und erfolgreich im Beruf stehen. Wissen- schaftliche Weiterbildung ist das Schlagwort dazu. In den USA, aber auch in der Schweiz ist das Thema längst etabliert: Dort gibt es Masterstudiengänge, die speziell auf die Bedürfnisse von Berufstätigen zugeschnitten sind. Ein ähnliches Angebot entwickelt sich jetzt auch in Deutsch- land. Es ist genauso vielseitig wie die Hochschulen: Welche Studiengänge sie anbieten, ob sie auf Fern- oder Präsenzstudien setzen und wie sie die Weiterbildung in die eigene Hochschulstruktur einbinden – auf diese Fragen findet jede Hochschule eine andere Antwort. Diejenige, die am besten zur eigenen Hochschulkultur passt.
  • 12. Universität Freiburg Weiterbildung als integrale Aufgabe Die Freiburger Universität gehört zu den Pionieren bei berufsbegleitenden Masterstudiengängen. Jetzt soll das Angebot ausgebaut werden und in die gesamte Hochschule ausstrahlen Unter Kollegen: Erfahrene Zahnärzte lernen in ihrer Freizeit für den Master in Parodontologie 12
  • 13. D ie Freiburger Universität wird von dort Charlotte Bünemann, Fachbereichsleiterin geleitet, wo einst die Kommandanten der Wissenschaftliche Weiterbildung bei der französischen Besatzungszone ihren Sitz FRAUW. Eine zentrale Anlaufstelle, eine hatten. Ein klotziges Gebäude mit sechs Art Dienstleister soll die FRAUW sein, denn Stockwerken ist es, die Lage ist für die inhaltlich wie organisatorisch sind die Universität symbolträchtig: Aus der Verwal- Weiterbildungsstudiengänge weitgehend tung fällt der Blick in Richtung Norden auf an den Fakultäten angesiedelt. Das ist den naturwissenschaftlichen Campus, in eines der Prinzipien, nach dem die Fach- Richtung Süden auf die Gebäude der Geis- wissenschaftler die treibenden Kräfte sein tes- und Sozialwissenschaftler, die in der sollen. In den meisten Fällen war es so wie Altstadt siedeln; dort, wo 1457 die lange etwa beim Studiengang Parodontologie Tradition der Freiburger Albert-Ludwigs- der medizinischen Fakultät (s. S. 15): Die Universität begründet wurde. Professoren haben einen akuten Bedarf an Hier ist der Sitz von Vizerektor Profes- Fachwissen erkannt und sich entschieden, sor Dr. Heiner Schanz. Auf dem Rektorats- die Lücke zu schließen. Die Lehre erbringen flur vor seinem Büro hängen wuchtige Ge- die Dozenten im Nebenamt, so dass sich mälde der früheren Uni-Rektoren. Tradition die zusätzlichen Studienangebote nicht auf mit der Moderne verbinden – dieser Brü- das Lehrdeputat auswirken. Auf mittlere ckenschlag ist hier greifbar, zwischen Öl- Sicht sollen sich die Studiengänge selbst bildern und Designermöbeln in den Büros. finanzieren; sie sind berufsbegleitend und Ein Anspruch, der auch für die Studienan- kosten bis zum Abschluss eine fünfstellige gebote gilt. „Wir haben gesehen, dass sich Summe. „Das ist ein schwieriger Spagat die Zielgruppe für den Master verschiebt“, zwischen Kostendeckung und Marktnach- sagt Schanz. „Allen Unkenrufen zum Trotz frage“, räumt Jan Ihwe ein. Als Profit- gehen viele unserer Bachelor-Absolventen Center allerdings seien die Weiterbildungs- erstmal in den Beruf, besonders deutlich ist studiengänge nicht gedacht. Und ohnehin diese Tendenz in stark vom Arbeitsmarkt geht das Geld nicht an eine zentrale Stelle nachgefragten Bereichen wie beispiels- der Universität, sondern verbleibt bei den weise der Informatik.“ Einige Jahre später Fakultäten, die damit Lehrmaterial und wollen die Absolventen dann, um wertvolle Lehrende bezahlen. Erfahrungen reicher, noch weiterstudieren. Eine Gemeinsamkeit der Weiterbil- Gleiches gilt auch für die traditionellen dungsmaster ist, dass sie als berufsbeglei- Abschlüsse. „Und diese Zielgruppen dürfen tende Studiengänge etwa 20 Prozent Prä- wir nicht einfach privaten Weiterbildungs- senzphasen vorsehen, den Rest des Stoffes anbietern überlassen.“ aber online vermitteln. „Die Lehrinhalte Die Antwort, die man in Freiburg auf kommen direkt von den Lehrenden, wir un- diese dauerhafte Verschiebung gefunden terstützen bei der technischen Umsetzung hat, ist innovativ: Für Weiterbildungsan- der didaktischen Konzepte“, sagt Dr. Nicole gebote hat die Universität eine eigene Wöhrle, Leiterin der Servicestelle E-Lear- Abteilung eingerichtet, die Studiengänge ning an der Universität Freiburg. Mit der aus allen Fakultäten koordiniert. „Unser Kombination aus einer Lehrplattform und Freiburger Spezifikum dabei ist, dass wir einem virtuellen Klassenzimmer, in dem bewusst eine Gemeinschaft von Profes- sich die Studierenden austauschen, haben R R Foto: Baschi Bender sionals schaffen und nicht nur eine reine die Freiburger lange Erfahrungen: 2001 Wissensvermittlung betreiben“, sagt Jan Ihwe, Direktor der Freiburger Akademie für Weiterbildung (FRAUW). Sieben Masterstu- Zahl der im Arbeitsvertrag geregelten Stunden, diengänge aus drei Fakultäten sind derzeit die ein Hochschullehrer für die Lehre aufwendet. im Angebot; allesamt in ihrer Zielrichtung bundesweit einzigartig. Ergänzt werden die kompletten Studiengänge durch Zertifikats- Lernen sowie Kommunikation und Interakti- kurse, die nur einzelne Module umfassen. on mit Hilfe von elektronischen und digitalen „Organisatorisch sind wir eine Medien. Dazu gehören unter anderem online Grenzstelle zwischen der akademischen verfügbare Lernmaterialien, Videomitschnitte und der administrativen Welt. Wir leisten von Vorlesungen und der digitale Kontakt 13 hier die Übersetzungsarbeit“, sagt Toni zwischen Studierenden und Dozenten.
  • 14. Universität Freiburg Foto: © Peter Mesenholl Zurück an die Uni: Die Freiburger geben den Studierenden neue Impulse nach den ersten Jahren in der Praxis waren sie bundesweit eine der ersten kommenden Jahren weiter ausbauen. Hochschulen, die auf ein fortschrittliches „Wir können uns noch viele andere Learning-Management-System setzten. Fächer vorstellen“, sagt Vizerektor Heiner Inhaltlich hat diese Architektur großen Schanz: „Die Angebote sehen wir als Einfluss auf die Studiengänge. „Unsere integralen Bestandteil der Universität.“ Grundidee ist, keine bloße Fortsetzung der Damit wolle man sich bewusst abgrenzen wissenschaftlichen Lehre aus den grund- von „Satelliten, auf die wir als Universität ständigen Studiengängen anzubieten, nur unseren Namen draufkleben.“ sondern engen Kontakt auf Augenhöhe Dazu haben die Freiburger eine zu suchen“, sagt Akademie-Direktor Jan gezielte Masterstrategie ausgerufen, in Ihwe. Weil die Teilnehmer gestandene die sie die konsekutiven und die wei- Praktiker sind, teilweise auch schon eine terbildenden Studiengänge einbinden. Promotion abgeschlossen haben, können Die Grundlage dafür wird schon in den sie wechselseitig von ihren Erfahrungen Bachelor-Programmen gelegt: Dort haben profitieren. „Wir beobachten, dass sich die Studierenden die Möglichkeit, an die Studierende mit Berufs- bei Online-Meetings die Lehrenden oft vorgesehenen drei Jahre noch ein viertes rausziehen und die Teilnehmer unterein- Jahr dranzuhängen. Darin können sie sich erfahrung: „Diese Ziel- ander diskutieren“, sagt Wöhrle. Genau bewusst auf einen bestimmten Masterstu- das ist mit dem Schlagwort von der diengang vorbereiten. IndividualTrack und gruppe dürfen wir nicht Gemeinschaft von Professionals gemeint, GlobalTrack heißen die Programme, die die das erklärte Ziel der Weiterbildungs- der Universität die Auszeichnung für Ex- einfach privaten Wei- kurse ist. zellente Lehre eingebracht haben – zwei Die Freiburger Angebote zeigen indes Semester lang können die Studierenden terbildungsanbietern auch, wie viele Inhalte dank der techni- auf eigene Faust eine Art Studium Genera- schen Möglichkeiten online vermittelt le in Freiburg absolvieren oder Ausland- überlassen“ werden können. „Wir sind längst darüber serfahrungen sammeln. Die Leistungen hinaus, dass man einfach nur Texte online aus diesem Jahr können dann, wenn sie stellt und die Studierenden dann Multiple- sich für einen Master entscheiden, unmit- Choice-Fragen dazu beantworten lässt“, telbar angerechnet werden. sagt Nicole Wöhrle. Die Mediziner können Alles für die Attraktivität des Stu- etwa Videos von Operationen hochladen dienangebots, das ist das Credo an der oder komplette virtuell aufbereitete Pa- Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. tientenfälle mit Fotos oder Animationen; In diesem Gesamtkonzept spielen die auf dieser Grundlage können die Teilneh- weiterbildenden Master ebenso eine mer dann einen Behandlungsvorschlag Rolle wie die konsekutiven Programme. erstellen. Oder der Bereich Informatik: Im „Das Studienverhalten ändert sich“, fasst Studiengang Eingebettete Mikrosysteme Vizerektor Heiner Schanz zusammen, bekommen die Teilnehmer per Post ein „und es ist unsere Verpflichtung, allen die Mini-Laboratorium nach Haus geschickt, passenden Angebote zu machen.“ das sie von der Infrastruktur des Instituts weitgehend unabhängig macht (s. S. 18). 14 Die Universitätsleitung in Freiburg will den Weiterbildungsmaster in den
  • 15. Foto: © Baschi Bender Die Freiburger Weiterbildungs- Master im Kurzportrait Parodontologie und deshalb Teilnehmer aus dem gesamten Periimplantäre Therapie deutschsprachigen Raum ein. Für sie ist die Mischung aus Online- und Präsenzphasen Der Bedarf nach Behandlungen am ideal: Im virtuellen Klassenzimmer stellen Zahnhalte-Apparat ist groß: „45 Prozent sich beispielsweise fiktive Patienten vor, zu der erwachsenen Patienten haben Erkran- deren Problemen Fotos, Videos und weitere kungen am Parodont“, sagt Professorin Dr. Angaben mitgeliefert werden. So lässt Petra Ratka-Krüger, „aber trotzdem werden sich auch aus der Ferne ein realitätsnaher nur fünf Prozent der Behandlungszeit in Einblick gewinnen; bei Rückfragen stehen den Praxen darauf verwendet.“ Ratka- jederzeit Tutoren zur Verfügung – die sind Krüger ist Leiterin des Masterstudiengangs Spezialisten für Parodontologie und haben Parodontologie Periimplantäre Therapie, eine Weiterbildung zum Teletutor gemacht. der diese Lücke im Angebot schließen In den Praxisphasen müssen die Zahnärzte soll: Er richtet sich an Zahnärzte, die dann selbst Hand anlegen. An Tierkiefern nach ihrem Studium schon mehrere Jahre üben sie komplizierte Operationen und Praxiserfahrung gesammelt haben und führen im Klinikum später auch Eingriffe an sich dann ein neues Fachgebiet erschließen wollen. Die Parodontologie wird zwar auch im grundständigen Studium behandelt, allerdings lassen die Curricula meistens realen Patienten durch. (s. Portrait auf S. 19) Steckbrief: R R keine Zeit für eine Vertiefung des Themas. „Wegen dieser Diskrepanz zwischen der qq der Kreditpunkte: 80 Zahl klinisch-epidemiologischen Bedeutung und Regelstudiendauer: 6 Semester qq der strukturell eingeschränkten Möglichkeit Abschluss: Master of Science qq der einzelnen Universitätskliniken besteht C harakteristik: berufsbegleitend, qq ein hoher Ausbildungsbedarf im Fach weiterbildend, 80 Prozent Fernstudium, Parodontologie“, sagt Petra Ratka-Krüger. 20 Prozent Präsenzstudium Zu ihrem Studiengang, der in dieser Form 15 bundesweit einzigartig ist, schreiben sich
  • 16. Universität Freiburg © Istockphoto.com | IAlexander Raths Foto: Markus Lassmann Der Arzt als Techniker: In Freiburg wer- den Mediziner in Sachen High-Tech auf den aktuellen Stand gebracht Physikalisch-Technische Medizin sind als Ärzte in Kliniken beschäftigt, in vielen Fällen unterstützt der Arbeitgeber Dass in Praxen und Kliniken immer mehr das Studium. „Die Abschlussarbeit wird medizintechnische Geräte stehen, spiegelt am Arbeitsplatz verfasst, beispielsweise sich in der klassischen medizinischen über die Lösung eines medizintechnischen Ausbildung nur bedingt wider. „Natürlich Problems. Davon kann also nicht nur der gehören auch Grundlagen der Physik Absolvent, sondern auch seine klinische zum Medizinstudium, aber meist fehlt Abteilung unmittelbar profitieren“, sagt der Bezug zur Medizin weitgehend“, sagt Studiengangsleiter Josef Guttmann. Das Credo für die Professor Dr. Josef Guttmann, Studien- gangsleiter des Masterstudiengangs Steckbrief: wissenschaftliche Wei- Physikalisch-Technische Medizin. In diesen Bereich soll das weiterbildende Master- qq der Kreditpunkte: 90 Zahl terbildung: Kontakt auf programm vorstoßen: Während Ingenieure Regelstudiendauer: 6 Semester qq schon an mehreren Dutzend Hochschulen Abschluss: Master of Science qq Augenhöhe statt Lehrer- in Deutschland die Möglichkeit haben, C harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq sich als Medizintechniker zu spezialisie- bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent Schüler-Verhältnis ren, gibt es den umgekehrten Fall – dass Präsenzstudium sich also Ärzte mit Grundlagen aus der Technik weiterbilden – bislang noch nicht. Dabei hat ein Verständnis der Geräte und Palliative Care Verfahren tiefgreifende Auswirkungen auf die medizinische Praxis. „Ärzte messen Das Schlagwort vom „multiprofessionellen und interpretieren ständig zahlreiche Vital- Zugang“, sagt Bettina Couné, beschreibe daten ihrer Patienten“, sagt Guttmann: den Studiengang Palliativmedizin, den „Aber die Grundlagen etwa im Bereich der sie koordiniert, am treffendsten: „In der Messtechnik haben sie nicht.“ Wie kom- Palliativmedizin ist es tatsächlich so, dass men also die Ergebnisse zustande, welche alle eng zusammenarbeiten müssen: Ärzte, Fehlerquellen gibt es und wie groß sind die Pfleger, Sozialarbeiter, Psychologen, Seel- möglichen Abweichungen? Solche Kennt- sorger, Apotheker und ehrenamtliche Hel- nisse spielen in immer mehr Bereichen fer.“ An der Stelle setzt der Studiengang eine Rolle – bei bildgebenden Verfahren an: Die Teilnehmer aus den unterschiedli- wie Ultraschall und Endoskopie ebenso chen Berufsgruppen sollen einen komple- wie in der Beatmungs- und Narkosetechnik xeren Blick auf den Bereich bekommen oder der Robotik. Die Teilnehmer durch- und die Perspektive der jeweils anderen laufen in dem Studium zunächst mehrere kennenlernen. Derzeit sind etwa zwei Drit- Module mit physikalisch-technischen tel der Teilnehmer Ärzte; ein abgeschlosse- Grundlagen, anschließend kann jeder aus nes Hochschulstudium sowie fachrelevante dem breiten Spektrum zwei Vertiefungs- Berufserfahrung sind Voraussetzung. „Es richtungen auswählen. Auf ein Semester gibt Fälle, in denen die Patienten selbst mit Fernstudium folgt jeweils eine einwöchige hohen Dosen Morphium noch Schmerzen 16 Präsenzphase; die Regelstudienzeit liegt leiden. Manchmal ist das ein psychosoma- bei sechs Semestern. Fast alle Bewerber tischer Schmerz – etwa, wenn Menschen
  • 17. ihre Krankheit als Strafe wahrnehmen“, sagt Bettina Couné: „Da reichen Opiate nicht, da braucht der Arzt einen spiri- tuellen und psychologischen Zugang.“ Entsprechend ist das Studium aufgebaut, das die Bereiche Gesundheitsökonomie und Psychoonkologie ebenso umfasst wie Fragen der Ethik und des Rechts, die besonders im Umgang mit Patientenverfü- gungen und Therapieentscheidungen eine große Rolle spielen. Die Teilnehmer absol- vieren dabei gemeinsam zwei Drittel aller Module, je nach Vorwissen und Interesse gibt es zusätzlich unterschiedliche Vertie- fungsmaterialien und Tutorien. „Wir lagern das Sachwissen in die E-Learning-Bereiche aus und nutzen die Präsenzphasen vor allem für Trainings, Rollenspiele, Refle- xion und den Austausch, der in diesem Studiengang besonders wertvoll ist“, sagt Bettina Couné. Für die Teilnehmer sind die Erfahrungen der Kommilitonen so wichtig, dass sie auch im virtuellen Klassenzimmer in engem Kontakt bleiben: „Sie bilden eine echte Gruppe und öffnen sich, das funktioniert auch am Computer“, hat Stu- diengangkoordinatorin Couné beobachtet – „der Austausch ist sehr kontinuierlich, auch außerhalb der Präsenzphasen.“ Foto: © Istockphoto.com | Eliza Snow Steckbrief: qq der Kreditpunkte: 80-120 Z ahl (je nach erstem Hochschulabschluss) Regelstudiendauer: 4-6 Semester qq Abschluss: Master of Science qq C harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil- qq dend, 80 Prozent internetgestütztes Selbststu- dium, 20 Prozent Präsenzstudium Arbeiten im Reinraum: Die Wafer, Grundlage für Solarzellen, sind hochempfindlich Photovoltaics dem spektakulären Sichtbeton-Gebäude Der Masterstudiengang in Photovoltaics auf dem Campus der Technischen Fakultät ist der einzige englischsprachige Weiterbil- verteilen sich die Experten für Photovoltaik dungs-Master an der Universität Freiburg. auf drei Etagen. Ganz in der Nachbarschaft „Deutschland ist im Bereich Solartechnik ist zudem das Fraunhofer-Institut für führend, und das Interesse aus anderen Solare Energiesysteme untergebracht. Der Ländern ist ausgesprochen groß“, sagt Masterstudiengang ist in enger Koopera- Studiengangkoordinator Dr. Martin Kase- tion entstanden. Die meisten Bewerber mann. Der Studiengang profitiert von der sind Physiker, manche haben auch schon großen globalen Nachfrage im Bereich der promoviert. „Wir wollen die Absolven- erneuerbaren Energien: In vier Semestern ten in die Lage versetzen, Technologien werden die Studierenden zu Experten auf weiterzuentwickeln, aber auch Neues zu dem Gebiet der Solartechnik ausgebildet. entdecken“, so Kasemann. Große Teile Freiburg hat sich zu einem der weltweit des Studiums finden online statt. Die wichtigsten Forschungsstandorte auf Präsenzphasen in Freiburg sind dann strikt diesem Feld entwickelt. Wer Kasemann durchgetaktet, um das Pensum zu schaf- in seinem Büro besucht, läuft vorbei an Labors mit aufwendigster Messtechnik. In fen; an manchen Tagen gibt es bis zu zehn Stunden Seminare. Eines der Praxissemina- R R 17
  • 18. Universität Freiburg re findet in einem speziell ausgestatteten der Praxis zu Genüge – von komplexen In- Messlabor statt; ein anderes an einer dustriemaschinen über Chips in Waschma- Produktionslinie des Fraunhofer-Instituts, schinen bis hin zu Bauteilen in modernen wo Solarzellen mit frei gewählten Para- Autos. Der Roboter aus dem Studiengang metern hergestellt werden. So lassen sich ist auch ein eingebettetes System, in dem die Einflussgrößen und ihre Auswirkungen mehrere Elemente zusammenwirken. Die genau studieren. Die meisten Absolventen Studierenden müssen beispielsweise einen arbeiten in der Industrie; es gab aber auch eingebauten Sensor so programmieren, schon Bewerber, die bei einer Bank für dass er etwa eine Münze erkennt, wenn die technische Bewertung von Projekten der Roboter über den Boden rollt. Mittels zuständig waren und das Risiko bei der Ultraschallsensoren müssen sie Zusam- Kreditvergabe einschätzen. Der nächste menstöße verhindern können oder über Schritt für den Studiengang soll jetzt spezielle Lichtsensoren am Antrieb die die weitere Internationalisierung sein: Fortbewegung überprüfen. Dieser Roboter „Die wissenschaftlichen Inhalte kommen zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen immer von uns“, sagt Martin Kasemann, Präsenz- und Fernstudium sein können: „aber wir würden gern in Kooperation mit Die Teilnehmer bekommen ihr eigenes La- anderen Universitäten noch weitere Kom- bor kurzerhand nach Hause geliefert und petenzzentren einrichten, damit nicht alle können so für sich alleine Inhalte lernen, Studierenden für die Präsenzphasen nach für die früher die Ausstattung einer Univer- Freiburg einfliegen müssen.“ Angedacht sität unabdingbare Voraussetzung war. sind Standorte in den USA, den arabischen Der Masterstudiengang Intelligente Ein- Ländern und vor allem in Asien. Für die gebettete Mikrosysteme ist im Jahr 2007 Module im Fernstudium sind dann nach gestartet. Er richtet sich vor allem an Infor- Labor für den heimischen Schreibtisch: wie vor die Freiburger zuständig, die Prä- matiker, Mikrosystemtechniker, Maschinen- Dank handlicher Roboter können senzphasen aber können die Studierenden bauer und Physiker und sei in Deutschland Freiburger Technik-Studierende zu Hause irgendwo auf der Welt absolvieren. einzigartig. „Wir sprechen bewusst auch nicht nur die Theorie lernen, sondern Absolventen von Dualen Studiengängen auch praktisch arbeiten. Steckbrief: oder Fachhochschulen an“, sagt Koordi- nator Christoph Hermann. Für manche der qq der Kreditpunkte: 60-120 ECTS Zahl Teilnehmer eröffne sich mit dem Master Regelstudiendauer: 4-6 Semester qq der Weg zur Promotion. Die Resonanz auf Abschluss: Master of Science qq das Studium sei sehr zufriedenstellend, C harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq vermelden die Freiburger – „nur dass sie bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent den Roboter nach einem Semester wieder Präsenzstudium zurückgeben müssen, gefällt manchen Studierenden ganz und gar nicht!“ Intelligente Eingebettete Steckbrief: Mikrosysteme qq der Kreditpunkte: 60-120 (je nach Zahl Das Labor bekommen die Studierenden Vorbildung) per Post nach Hause geschickt: Ein Koffer Regelstudiendauer: 3-7 Semester qq ist es, von innen weich mit Schaumstoff Abschluss: Master of Science qq ausgekleidet. Darin liegt ein Roboter, der C harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq mit seinem Kettenantrieb an eine Planier- bildend, 90 Prozent Fernstudium, 10 Prozent raupe erinnert. Statt eines Daches hat er Präsenzstudium eine aufgelötete Platine; von allen Seiten stehen zusätzliche Gerätschaften ab, und an zentraler Stelle hat der Roboter einen Taxation Anschluss für ein externes Steuerungsge- rät. „Darüber lässt er sich programmie- An Betriebswirte und Juristen richten sich ren“, sagt Christoph Hermann, Studien- die beiden Studiengänge, die sich mit gangkoordinator des Masterstudiengangs den Themen Steuerlehre und Steuerrecht Intelligente Eingebettete Mikrosysteme. beschäftigen. Im Fokus des Master of Arts Von eingebetteten Systemen sprechen die Taxation stehen Bachelorabsolventen Experten, wenn verschiedene Technologien mit erster Berufserfahrung. Das Pro- oder auch verschiedene Geräte miteinan- gramm kombiniert einen anspruchsvollen 18 der verbunden sind und miteinander inter- weiterbildenden Studiengang mit der agieren. Anwendungsbeispiele gibt es in Vorbereitung auf die staatliche Steuer-
  • 19. Blickpunkt Studierende beraterprüfung. Diese Prüfung wird zwar nicht im Rahmen des Studiums absolviert; bei erfolgreichem Bestehen werden dafür jedoch etwa 40 Prozent der insgesamt 120 ECTS-Punkte angerechnet. „Diese enge Verzahnung verkürzt zum einen die Studiendauer und sorgt für ein vertieftes Verständnis der Themen. Zum anderen gehen unsere Teilnehmer optimal vorbe- reitet in die Steuerberaterprüfung“, sagt Studiengangkoordinator Falk Mehlhorn. In zehn Einheiten zum Selbststudium mit anschließenden Präsenzphasen werden die Teilnehmer zum Masterabschluss geführt Eine etwas andere Zielgruppe hat das Dr. Helen Schultz MBA-Programm „International Taxation“, Zahnärztin und Absolventin das am gleichen Lehrstuhl angesiedelt ist: des weiterbildenden Studien- Wer sich hier bewirbt, ist schon Steu- gangs Parodontologie an der Foto: Privat erberater und oft bei einer der großen Universität Freiburg internationalen Kanzleien tätig. „Die Steuerberaterprüfung ist anspruchsvoll, aber sie klammert das Internationale Steuerrecht weitgehend aus“, sagt Niels Arnold, der Studiengangkoordinator. Dabei führt die weitreichende internationale Verflechtung von Unternehmen gerade im Als Zahnärztin wieder an die Uni Steuerrecht zu komplexen internationalen Fragestellungen. An dieser Stelle setzt Über Parodontologie haben wir natürlich schon etwas im Studium das Curriculum des MBA-Programms an: gelernt, aber es wurde nur als Randgebiet behandelt. Dabei ist Neben einer intensiven Ausbildung im es ein sehr wichtiges Thema: Parodontitis umfasst die Erkran- deutschen internationalen Steuerrecht kung des Zahnhalte-Apparates; der Grundbaustein, auf dem alles werden die Teilnehmer mit den Steuersys- basiert. Solche Krankheiten von Zahnfleisch oder Kieferknochen temen weiterer wichtiger Länder vertraut werden immer häufiger und können ohne Behandlung bis zum gemacht. Dabei steht eine praxisorientierte Zahnverlust führen – und trotzdem macht die Parodontologie im Vermittlung des Lehrinhalts im Fokus. Ziel klassischen Zahnmedizin-Studium nur einen kleinen Teil aus. Das ist es, die Absolventen auf Führungsauf- ist auch der Grund dafür, warum ich mich für den Masterstudien- gaben insbesondere in multinationalen gang entschieden habe: Zwar war ich schon mehrere Jahre lang Konzernen, Beratungsunternehmen sowie berufstätige promovierte Zahnärztin, aber die Zusatzkenntnisse Verbänden und Organisationen vorzube- wollte ich mir aneignen, um diese Lücke zu schließen. Also habe reiten. ich mich wieder an der Universität Freiburg eingeschrieben. Die Seminare waren meistens am Wochenende, viele Lehrmaterialien Steckbriefe: kamen per Post oder digital und waren somit jederzeit abrufbar. Betreut wurden wir über Teletutoren, die uns das ganze Studium Master of Arts Taxation über zur Seite standen. Was mich sehr überrascht hat, war die qq der Kreditpunkte: 120 Zahl Gruppendynamik unter den Kommilitonen: Wir waren alle schon Regelstudiendauer: 7 Semester qq Zahnärzte mit mehr oder weniger Berufserfahrung, deshalb wa- Abschluss: Master of Arts qq ren die Seminare ganz anders als früher zu Zeiten meines ersten C harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq Studiums. Es war ein sehr kollegialer Umgang untereinander, bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent auch mit den Lehrenden. Und weil jeder von uns sein eigenes Präsenzstudium Spezialgebiet hat, konnten wir nicht nur von den Professoren, sondern auch voneinander etwas lernen. Was mir das zusätzliche MBA International Taxation Studium bringt? Ich werde die Parodontologie als Praxisschwer- Anzahl der Kreditpunkte: 90 qq punkt aufbauen. Die ersten Patienten fragen jetzt schon danach; Regelstudiendauer: 4 Semester qq so etwas spricht sich schnell herum. A bschluss: Master of Business Administration qq „International Taxation“ C harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent Präsenzstudium 19
  • 20. Universität Oldenburg Ein passendes Angebot für jeden In Oldenburg will die Universität systematisch Lust machen auf Weiterbildung: Interessenten können zunächst nur einzelne Veranstaltungen besuchen – und diesen Kern dann später zu einem kompletten Bachelor- oder Masterstudium ausbauen. Die Struktur ist dafür maßgeschneidert Nicht bloß Schlagworte: Die Oldenburger füllen das Thema Weiterbildung mit Leben. Auf dem Bild: Eine Projektion zur Eröffnung des Centers für lebenslanges Lernen 20
  • 21. V on Minute zu Minute füllen sich die an der Universität gut aufgehoben fühlen Reihen, schnell ist das Theater restlos be- – dort bekommt er verschiedene Ange- setzt. Ein Samstagvormittag in Oldenburg, bote zum Einsteigen. Und wenn jemand draußen vor der Tür ist Wochenmarkt und sich dann weiter in ein Thema vertiefen Studierende machen unter den Einkäufern will, kann er sogar einen universitären eifrig Reklame für die kleine Vorlesung. Abschluss machen; alles das bekommt er Das Thema: „Geld vernünftig anlegen – aus einer Hand. können Menschen das überhaupt?“ Eine Das Center für lebenslanges Lernen halbe Stunde lang wird ein Professor ist aus jahrzehntelangen Erfahrungen der darüber referieren, das Publikum sind Universität hervorgegangen. 2006 ist es interessierte Oldenburger, ob mit oder entstanden, als vorher getrennte Bereiche ohne akademische Vorbildung. zusammengelegt wurden: Unter anderem „Uni am Markt“ heißt das Format, sind das Center for Distributed e-Learning zu dem die Carl von Ossietzky Universi- (CDL), die zentrale Einheit Fernstudi- tät in das Theatergebäude einlädt. Die enzentrum (ZEF) und das Zentrum für Berührungsängste mit der Hochschule wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) abzubauen, das ist erklärtes Ziel. „Wir im C3L aufgegangen. Organisatorisch wollen die Leute neugierig machen und untersteht das C3L direkt dem Präsidium. ihr Interesse wecken, mehr zu erfahren“, Vier weiterbildende Masterstudi- sagt Dr. Michaela Zilling. Sie ist eine der engänge sowie zwei berufsbegleitende geschäftsführenden Direktorinnen des Bachelorstudiengänge gibt es derzeit Centers für lebenslanges Lernen an der (s. S. 23), weitere sind in Planung. Die Universität, das in Oldenburg unter der organisatorische und finanzielle Verant- Abkürzung C3L bekannt ist. Fast 70 Mitar- wortung für diese Angebote liegt beim beiter sind dort beschäftigt, sie kümmern C3L, um die Fachwissenschaftler mög- sich um das Feld der öffentlichen Wissen- lichst wenig zu belasten. Die Fakultäten schaft ebenso wie um Zertifikatskurse für bringen die inhaltliche Expertise ein. In Berufstätige und um berufsbegleitende enger Kooperation mit dem C3L erfolgt beziehungsweise weiterbildende Bache- die Akkreditierung; im späteren Be- lor- und Master-Studiengänge. trieb laufen dann „rund 90 Prozent der Foto: Uni-Oldenburg „Wir haben dieses breite Spektrum anstehenden Arbeiten über das C3L “, an Aufgaben ganz bewusst zusammenge- sagt die geschäftsführende Direktorin Dr. fasst, weil sie letzten Endes eng zusam- Michaela Zilling. „Im C3L kümmern wir menhängen“, sagt Zilling. Der Grundge- uns um die organisatorische Abwicklung: danke dabei: Wer neugierig ist, soll sich Wir kümmern uns um die Akquisition und Zur öffentlichen Wissenschaft gehören Ver- anstaltungen, bei denen Forscher sich einem Vergütung der Dozenten, wir nehmen Modulanmeldungen entgegen und R R breiteren Publikum präsentieren, das üblicher- Programme für berufserfahrene Studierende, weise nicht mit Hochschulen und Wissenschaft die nach einigen Jahren in der Arbeitswelt noch 21 in Kontakt kommt. einmal an die Hochschule zurückkehren.
  • 22. Universität Oldenburg Studieren in jedem Alter: In Oldenburg Foto: © Uni-Oldenburg werden junge Berufstätige ebenso wie Foto: © Uta Rauser Senioren neugierig gemacht auf akade- mische Inhalte stellen Zertifikate aus.“ Der akademische Oldenburg kein Stiefkind, sondern ein Titel wird schließlich durch die jeweilige zentraler Bestandteil der Hochschul- Fakultät vergeben. Die Studienbeiträge Strategie. der Teilnehmer bleiben im C3L. „Wir sind „In unseren Angeboten möchten wir nicht gewinnorientiert, sondern arbeiten die Zugangsschwelle bewusst so niedrig kostendeckend“, sagt Michaela Zilling. wie möglich halten“, sagt Dr. Christiane Manche Studiengänge erwirtschaften Brokmann-Nooren, die beim C3L den mittlerweile Überschüsse, gerade die neu- Bereich öffentliche Wissenschaft leitet. en Angebote seien allerdings erst noch „Natürlich bieten wir auch komplette Klare Aufgabenteilung auf größere Teilnehmerzahlen angewiesen Bachelor- und Master-Studiengänge an“, und werden über Drittmittel oder aus so Brokmann-Nooren, „aber wir können in der Weiterbildung: eigenen Geldern mitfinanziert. es auch verstehen, wenn sich jemand, der Das Center für lebenslanges Lernen ist seit Jahren nicht mehr an der Universität Das Fachliche kommt in einem eigenen Gebäudekomplex, dem war, nicht gleich so umfassend ver- Lifelong Learning Campus, untergebracht. pflichten möchte.“ Alle weiterbildenden aus den Fakultäten, Gerade erst ist er renoviert worden; Studiengänge sind deshalb vollständig entlang der Flure sitzen die Koordinatoren modularisiert und können auch einzeln die Organisation über- für die weiterbildenden Studiengänge als Zertifikatskurse belegt werden. In und Zertifikatsprogramme, die Mitarbeiter manchen Fächern geht es noch kleintei- nimmt das Center für aus der Abteilung für IT/Medien/Lern- liger: Da gibt es die Möglichkeit, nur eine design und die Ansprechpartner aus dem einzelne Veranstaltung auszuwählen. lebenslanges Lernen Kontaktbüro, das die erste Anlaufstelle für „Dadurch kann jeder feststellen, ob ihn Interessenten ist. Im Erdgeschoss finden das Thema wirklich so interessiert, wie sich die Seminarräume; unter der Woche er sich das anfangs gedacht hat. Wenn werden sie von der Universität genutzt, ihm alles zusagt, steht ihm immer noch am Wochenende finden hier Präsenz- der vollständige Studiengang offen. Die veranstaltungen für die weiterbildenden bereits absolvierten Veranstaltungen Angebote statt. Technisch sind sie auf rechnen wir in solchen Fällen natürlich dem neuesten Stand: Schon im Foyer komplett an.“ Gerade weil die Bachelor- werden die Besucher von einem großen und Master-Studiengänge bis zu knapp Bildschirm empfangen, auf dem die 20.000 Euro kosten, prüfen viele Teilneh- laufenden Vorlesungen samt zugehörigem mer vorab, was sie für ihr Geld bekom- Raum angezeigt werden. In den Hörsälen men. „Diese Auskopplung von Angeboten selbst stehen die Dozenten vor einem aus den weiterbildenden Studiengängen großen Pult mit Smartboard, auf dem sie per Knopfdruck Leinwand, Beamer und elektronische Medien steuern können. Vor den Seminarräumen ist eine Lounge als hat sich gut bewährt“, sagt Christiane Brokmann-Nooren. R R Aufenthaltsbereich eingerichtet, in dem Inhaltlich zusammenhängende Seminare, die sich die Teilnehmer in den Seminarpausen mit einem universitären Zertifikat abschließen treffen können. Die Weiterbildung – das und einen thematischen Aspekt abdecken. Zerti- 22 ist der Eindruck, den die großzügige Aus- fikate werden bisweilen auch für den erfolgrei- stattung erweckt – ist an der Universität chen Besuch einzelner Seminare verliehen.
  • 23. Auf einen Blick Das Oldenburger Angebot an weiterbildenden Master-Studiengängen Den Master of Distance Education E-Learning bietet das University of Maryland University College (UMUC) in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg an. In dem englischsprachi- gen Programm werden nach Eigenauskunft die „zukünftigen Manager von mediengestützten Fernunter- richtsangeboten“ qualifiziert. Die Teilnehmer können sich auf Management und Planungsaspekte speziali- sieren, auf die technischen Grundlagen oder auf die pädagogischen Komponenten. Der akademische Grad wird vom UMUC verliehen. Das MBA-Programm Bildungs- und Wissenschaftsmanagement richtet sich an Experten für Erwachse- nen- und Weiterbildung sowie an Wissenschaftsmanager. Zulassungsvoraussetzung ist neben einem ersten Studienabschluss eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Der Studiengang ist auf sechs Semester an- gelegt und umfasst inhaltlich zahlreiche Aspekte vom Bildungsmarketing über neue Technologien bis hin zum Controlling in Bildungseinrichtungen. Interessenten können im Rahmen eines Zertifikatsprogramms auch einzelne Module sowie Modulkombinationen belegen, die zu einem Expertenzertifikat führen. Der Masterstudiengang Innovationsmanagement bildet in sechs Semestern Experten für den Umgang mit den raschen Veränderungen in Organisationen und Unternehmen aus. Wie lassen sich Innovationen in bestehende Strukturen einbinden, wie bildet man ein innovationsfreundliches Umfeld aus – und wie geht man mit Innovationsfolgen und der gesellschaftlichen Verantwortung um? Das sind die Fragen, die im Vor- dergrund stehen. Dank der modularen Struktur können Bewerber im Rahmen eines Zertifikatsprogramms auch einzelne Inhalte des Studiengangs belegen. Die Absolventen des Masterstudiengangs Informationsrecht erwerben den auch international gefragten Titel LL.M. Das Studium richtet sich an Juristen, die für sich die neu entstandenen Arbeitsbereiche auf dem Feld des Rechts im Internet erschließen möchten. Datenschutz, IT-Vertragsrecht und Immaterialgüterrecht sind nur einige der Module, die in dem Studiengang angeboten werden. Für Nicht-Juristen, die in Unter- nehmen und Organisationen mit Fragen des Informationsrechts betraut sind, gibt es die Möglichkeit, im Rahmen eines Zertifikatsprogramms einzelne Module zu belegen. Foto: © Istockphoto.com | Zeynep Ogan Lernen überall: Dank der modernen Didaktik sind die Oldenburger Studierenden örtlich ungebunden 23
  • 24. Universität Oldenburg Wer sich für eines der Zertifikats- Gesetzen oder Gerichtsurteilen, damit programme entscheidet, bekommt den diese stets sehr aktuell gehalten werden Status eines Gasthörers. Das hat zwei können. Das sind ganz andere Voraus- Gründe: Zum einen ist es für die Teilneh- setzungen als in anderen Disziplinen, mer eine rechtliche Absicherung, dass wo man beispielsweise mit Videos oder sie sich die Ergebnisse auf ein späteres anderen Hilfsmitteln arbeiten kann.“ Studium anrechnen lassen können. Zum Seine Abteilung ist aber auch für die anderen fördert es das Zusammengehö- Gestaltung der gedruckten Studiengangs- rigkeitsgefühl – „alle sollen sich gleich als materialien zuständig. Für die Lehrenden Teil der Universität wahrnehmen“, sagt gibt es eine Handreichung, in der die Brokmann-Nooren. Auch das Studium didaktischen Grundsätze für das Studium generale oder die Kinder-Universität wer- zusammengefasst sind und, daraus abge- den vom C3L organisiert. „Das sind alles leitet, die Empfehlungen zur Gestaltung Möglichkeiten, wie wir die interessierte des Studienmaterials. „Selbst die besten Öffentlichkeit ansprechen können, um Lehrenden haben ja nicht zwangsläufig sie auf die Inhalte, Programme und die Erfahrung im Bereich des Fernstudiums“, Qualität der C3L-Angebote aufmerksam sagt Axel Kleinschmidt. Wenn die Profes- zu machen“ soren ein Modul vorbereiten, können sie Ein weiterer Schwerpunkt des C3L den Stoff in eine Vorlage eingeben, die Expertenrat fürs sind Professionalisierungsprogramme. das Layout gleich anpasst. Abschließend Diesen Bereich leitet PD Dr. Joseph schauen dann noch einmal Didaktik- Lehrmaterial – „denn Rieforth gemeinsam mit Dr. Christiane Experten darauf, um dem Studienmaterial Brokmann-Nooren. Die überwiegend be- den Feinschliff zu verpassen. So werden selbst die besten Leh- rufsbegleitenden Angebote ermöglichen etwa Leseeinheiten den Bedürfnissen Weiterbildung auf universitärem Niveau berufstätiger Studierender angepasst oder renden haben ja nicht mit beruflich qualifizierendem Abschluss. Abbildungen, Fallbeispiele und reflexive Ein beispielhafter Themenkomplex ist die Aufgaben eingebunden, wenn es beim zwangsläufig Erfahrung Psychotherapieausbildung, die auch zur Verständnis hilft. Dieses Verfahren soll staatlichen Approbation führt. den Beteiligten die Arbeit erleichtern: Für im Bereich des Fernstu- Alle Masterstudiengänge – vier die fachlichen Experten, die für die Inhalte Angebote gibt es im Center für lebens- verantwortlich sind, soll die Vorbereitung diums!“ langes Lernen an der Carl von Ossietzky so reibungslos laufen wie möglich. Universität – sind im Sinne des Blended Dass das C3L in Zukunft an der Learning aufgebaut, also als Kombination Universität eine immer stärkere Rolle aus Fern- und Präsenzstudium. Für die spielen dürfte, wird deutlich, wenn man Fernstudien-Elemente unterhalten die Ol- die Entwicklung der vergangenen Jahre denburger eine eigene Abteilung am C3L, fortschreibt. Das Interesse an der Weiter- die sich mit dem Lerndesign auseinander- bildung steigt, auch das Studienangebot setzt. „Wir haben eine spezielle Lernum- wird kontinuierlich ausgebaut. „Vorstell- gebung entwickelt, auf der die Angebote bar ist, dass wir aus den bestehenden basieren“, sagt Axel Kleinschmidt, Leiter Studiengängen mehr Zertifikatsangebote dieser Abteilung. Es ist ein eigenständiges auskoppeln, weil sich das Prinzip sehr gut Oldenburger System, in das die Erfahrun- bewährt hat und es viele Interessenten gen aus vielen Jahren Online-Lehre einge- gibt“, sagt Michaela Zilling. Mit dieser flossen sind. „Wir haben es so konzipiert, Strategie spreche man zwei unterschied- dass wir das Studiengangskonzept und liche Zielgruppen an: Während die Zertifi- den didaktischen Hintergrund ideal wi- katsangebote eine starke Nachfrage aus derspiegeln können“, sagt Kleinschmidt. Unternehmen erfahren, die ihre Mitarbei- Die Anforderungen seien von Fach zu ter zielgerichtet qualifizieren wollen, seien Fach unterschiedlich: „Nehmen Sie etwa es bei den Bachelor- und Master-Studi- die Juristen. Da sind die Lehrmaterialien engängen vor allem Bildungshungrige, komplett online, und in den Texten finden die sich auf eigene Faust für ein weiteres sich Verknüpfungen zu den jeweiligen Studium entscheiden. Im Idealfall, sagt Zilling, wird ein Mitarbeiter vom Unter- nehmen zu einer Weiterbildung geschickt Kombiniert die Vorteile der persönlichen Kom- und ist dann so angetan davon, dass er munikation aus Präsenzveranstaltungen an dieses erste Zertifikat als Grundlage für der Hochschule mit dem effektiven und flexiblen ein komplettes Studium verwendet – eine 24 Eigenlernen. Wird auch als integriertes oder Option, auf die das Oldenburger System hybrides Lernen bezeichnet. von vornherein ausgelegt ist.
  • 25. Auf einen Blick Forschung und Entwicklung Gleich drei Professoren kooperieren eng mit dem Center für lebenslanges Lernen (C3L) in Oldenburg – eine bundesweite Besonderheit, denn üblicherweise statten die Universitäten ihren Weiterbildungsbereich nicht mit eigenen Professuren aus. Die wissenschaftliche Leiterin des C3L, Professorin Dr. Anke Hanft, hat ein reduziertes Lehrdeputat, um den Aufgaben im C3L mehr Zeit widmen zu können. Zum Ausgleich beteiligt sich das C3L an der Finanzierung der Professur „Wissenstransfer und Lernen mit neuen Techno- logien“ von Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. „Mein Lehrdeputat umfasst auch den Bereich der Weiter- bildung“, sagt er – die Aufgaben aus Studium, Lehre und Forschung verteilt er jeweils zur Hälfte auf die Fakultät und das C3L. In der Struktur des C3L spielt die Forschung eine bedeutsame Rolle. Inhaltlich geht es darin um didak- tische Aspekte des weiterbildenden Studierens. Dieses Thema findet sich in mehreren der angebotenen Master-Studiengänge wieder: Beim Master of Distance Education E-Learning und im MBA-Programm Bildungsmanagement etwa werden die Teilnehmer auf den Umgang mit dem berufsbegleitenden Lernen vorbereitet (s. auch Studiengangs-Portraits auf S. 23). Die Forschungsergebnisse der Oldenburger tragen bundesweit zur Verbesserung von weiterbildenden Seminaren bei. So leitet Zawacki-Richter zusammen mit der Professur für Bildungsmanagement und dem C3L das Verbundprojekt „mint.online - Aufbau berufsbe- gleitender Studienangebote in MINT-Fächern“, das vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft finanziert und mit namhaften Kooperationspartnern wie etwa der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt wird. „Unser Ziel ist es, die Studiengänge möglichst gut auf die Lernbedürfnisse von Berufstätigen auszurichten“, sagt Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. In der Projektbeschreibung von mint.online heißt es: „In ihrer (medien-) didaktischen Gestaltung müssen berufsbegleitende Angebote den Ansprüchen erwachsener Lerner/innen entsprechen. Durch umfassende und qualitätsgesicherte Anrechnung beruflicher Kompeten- zen sollten die Angebote unmittelbar an den individuellen Kenntnisstand der Lernenden anknüpfen und auf deren Kompetenzniveau aufbauen. Das Verbundprojekt verfolgt das Ziel, deutsche Hochschulen mit Studienprogrammen auf dem Weiterbildungsmarkt erfolgreich zu platzieren.“ Aus dem Forschungspro- jekt heraus sollen mehrere Studiengänge sowie Zertifikatsprogramme an den beteiligten Universitäten mit Schwerpunkt im MINT-Bereich entwickelt werden. Die Professuren ändern nach der Erfahrung von Olaf Zawacki-Richter die Wahrnehmung der Weiterbil- dung an der Universität. „Dass wir hier ein eigenes wissenschaftliches Zentrum aufgebaut haben“, sagt er, „sorgt dafür, dass wir nicht herablassend als ‚Weiterbildungsbude’ betrachtet werden.“ Bezeichnung für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik Anrechnungsverfahren In allen weiterbildenden Studiengängen an der Oldenburger Universität lassen sich berufliche Kompeten- zen und Zusatzqualifikationen anrechnen, sei es aus einem vorangegangenen Studium oder einer aner- kannten Weiterbildung. Am einfachsten geht das bei Leistungen aus einem universitären Studium; darüber hinaus gibt es aber ein ausgeklügeltes System von pauschalen und individuellen Anrechnungsverfahren. Einschlägige Weiterbildungskurse etwa an einer Industrie- und Handelskammer werden von den zuständi- gen Wissenschaftlern exemplarisch begutachtet und können auf das Studium angerechnet werden. Quali- fikationen aus bisherigen akademischen oder beruflichen Tätigkeiten, ob mit oder ohne Zertifikat, werden individuell bewertet und anerkannt, wenn sie äquivalent sind. 25