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Über den Valentinstag
von Johannes Fiebig


Das Fest der Wölfin, das „Liebesfieber“ …
Der Sage nach geht dieser Tag auf den italienischen Bischof Valentin von Terni zurück, der heimlich
und gegen ein bestehendes Verbot Liebespaare, zum Beispiel Sklaven oder Soldaten, getraut haben
soll. Die frisch vermählten Paare beschenkte er mit Blumen. Ihre Ehen sollen unter einem glücklichen
Stern gestanden haben.

Valentins Leben jedoch nicht: Er wurde am 14. Februar im Jahre 269 auf Befehl des römischen
Kaisers wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Valentins Todestag aber fällt zusammen mit
dem altrömischen Fest Lupercalia.

Diese Luperkalien – zu Deutsch "Das Fest der Wölfin" – waren das Fest der römischen Ur-Göttin Lupa
(Die Wölfin). Zu diesem Anlass wurde sie in Gestalt der Göttin Juno Februata, der Göttin des
"Liebesfiebers", verehrt. An diesem Tag wurden Blumen geopfert und Paare offenbar per
„Liebeslotterie“ für ein Jahr verbandelt. Mädchen gingen an diesen Tag in den Tempel, um das
Liebesorakel zu befragen. Junge Männer zogen Lose, auf denen die ledigen Mädchen verzeichnet
waren. Die ausgelosten Paare spazierten am Tiber entlang, aus vielen soll ein Paar geworden sein.
Im Mittelalter passte der Klerus die bestehenden Feiertage und Bräuche dem christlichen Glauben
an, und nun nannte man den Tag der Verliebten "Valentinstag". So konnten die Christen den gleichen
Tag wie die "Heiden" feiern, und das alte Brauchtum wurde unter neuer Etikette weitergeführt.

… und die „Vogelhochzeit“
Einen besonders großen Stellenwert besitzt der Valentinstag im englischsprachigen Raum. Schon vor
mehr als 600 Jahren war es in England Brauch, sich an diesem Tag "Valentine"-Karten mit kleinen
Liebesgedichten zu schenken. Urheber der späteren Mode, diese Karten zusammen mit Blumen zu
verschicken, soll der Schriftsteller Samuel Pepys gewesen sein, der am 14.2.1667 seiner Gattin, auf
hellblauem Papier mit goldenen Initialen, einen Liebesbrief schrieb; woraufhin sie ihm begeistert
einen Blumenstrauß schickte. Von da an wurde die Verbindung von Brief und Blumen in der noblen
britischen Gesellschaft nachgeahmt.
Der Dichter Chaucer findet in seinem Gedicht "Das Parlament der Vögel" (vermutlich aus Anlass einer
St. Valentinsfeier am Hofe Königs Richard II. im Jahre 1383 fertiggestellt und dort erstmals
vorgetragen) auch noch eine andere Erklärung für den Tag der Verliebten: Er bringt die Paarung der
Vögel damit in Zusammenhang; denn es sei der Valentinstag, an dem die Vögel Hochzeit hielten.

Auch in westslawischen und ostdeutschen Gebieten fällt in die Zeit um den Valentinstag das Fest der
so genannten "Vogelhochzeit", wovon nicht nur das bekannte gleichnamige deutsche Volkslied
berichtet. Eine Zeitlang wurde der 14. Februar auch Vielliebchentag genannt; er erinnerte an die
alten Liebesbräuche und – viel profaner – daran, auf den Feldern den Vielliebchensalat (Feldsalat) zu
stechen. Der Feldsalat aber heißt im Österreichischen „Vogerlsalat“, womit wir wiederum beim Motiv
der Vögel und der Vogelhochzeit angelangt sind. Und wenn von „Vögeln“ die Rede ist, schwingen seit
alten Zeiten die Bedeutungen von Liebe und Sex, von Leichtigkeit, Freiheit und Begeisterung mit.

Für uns Heutige liegt die Bedeutung des Valentinstags vielleicht darin: Jenseits von Kommerz und
Kitsch und jenseits von urzeitlichen Massenhochzeiten und christlichen Heiligenlegenden erinnert
uns der Valentinstag einfach an die Lust der Liebe und die Liebe zur Lust. Das ist doch schon Grund
genug für einen Feiertag, oder?

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