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Zeitmanagement für Wissensarbeiter:
Mit Motivation und Konzentration zum Erfolg
Golden Rules
Martin Krengel
MartinKrengelEazybookz
Eazybookz
GoldenRules
Die goldene Methoden­Bibel.
Endlich kommen sie! Die goldenen Regeln für Erfolg, Zufriedenheit
und persönliche Produktivität. Martin Krengel präsentiert 50 erprobte
Methoden und innovative Konzepte, die frischen Wind in den Alltag
bringen: Mit einer „Farbpalette“ können wir unsere Probleme lösen,
mit den „Lebensbatterien“ eine perfekte Work-Life-Balance erzielen
und mit dem „Krengelschen Imperativ“ wird Ordnung zum Kinder-
spiel.
Hier findet jeder etwas Motivierendes, Inspirierendes, Bewährtes. Vor
allem besticht der ungewöhnliche Ratgeber durch seine persönliche
und humorvolle Art. Kurzum: Ein unentbehrliches Handbuch, das in
keinem Bücherregal fehlen sollte. Für alle Ehrgeizigen und Chaoten,
für Studierende und Young Professionals aber auch anspornend für
Fortgeschrittene.
Golden Rules: Für alle, die noch viel im Leben vorhaben!
Martin Krengel schloss zwei Studiengänge
mit Auszeichnung ab und ist Autor, Redner
und Unternehmer. Der begeisterte Kunst-
turner studierte in fünf Ländern, reiste
quer durch Asien und entwickelte eigene
Konzepte für die Bedürfnisse einer neuen
Generation. Martin möchte beweisen:
Erfolg und Selbstverwirklichung gehen
Hand in Hand. Man muss nicht überdurch-
schnittlich intelligent sein – viel wichtiger
sind die richtigen Methoden!
Golden Rules
Martin Krengel
Erfolgreich lernen und arbeiten: Alles, was man braucht.
Selbstcoaching | Motivation | Konzentration | Zeitmanagement | Organisation
3
Weitere Informationen sowie nützliche Downloads
zum Buch auf dem Online-Ratgeber:
www.studienstrategie.de
Martin Krengel
Golden Rules
Erfolgreich lernen und arbeiten: Alles, was man braucht.
Umschlaggestaltung: Jolanda Buck, Berlin
Layout und Satz: www.dashmedia.de & Guido Schaffrin
Grafiken S. 8, 14, 52, 84, 112, 154: Jolanda Buck; Weitere: Martin Krengel / Gregor Hinz / Patrick Rebacz / Fotolia / IconDock
Herstellung: Alphaprint, Martin; Printed in Slovakia
© Martin Krengel 2009–2013, Alle Rechte ausdrücklich vorbehalten.
Eazybookz
ISBN: 978-3-941193-444
4. Auflage, März 2013
Eazybookz UG (haftungsbeschränkt)
Weststraße 13, 01979 Lauchhammer
Kontakt@eazybookz.de
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deut-
schen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.
Quelle:
Martin Krengel:
“Golden Rules”,
Eazybookz
Like und
twittere
gerne diese
Leseprobe.
Alle anderen Rechte,
inklusive Download
und Druck sind jedoch
vorenthalten.
„Die Golden Rules gehen über bloße Tipps weit hinaus.
Für mich ist das Buch ein richtiges Lexikon des Zeitmanagements“
Ilja Grzeskowitz, Experte für Veränderung Potenzialentfaltung
„Ich bin begeistert - vor allem von der Kombination
der fünf Module und der Darstellungsdichte”
Evelyn Schulz, Rechtsanwältin
„Da ist mit Sicherheit für jeden etwas Neues dabei!“
Nils Dreyer, Unternehmensgründer
„Das Konzept hat uns überzeugt“
Doro und Heiner, Studierende
5
:
,
Inhalt
Modul 1­Selbstcoaching Seite 15
1. Don’t Panic | 2. Überschreite deine Grenzen | 3. Habe
Selbstvertrauen | 4. Denke in Prozessen | 5. Verschaffe
dir Überblick | 6. Analysiere die Erfolgsfaktoren | 7.
Experimentiere bei der Umsetzung | 8. Coache dich
selbst | 9. Suche dir Vorbilder | 10. Stehe wieder auf,
wenn du auf die Nase fällst
Modul 2­Motivation Seite 53
11. Erfülle deine Träume | 12. Löse deine inneren Hand-
bremsen | 13. Balanciere durchs Leben | 14. Pumpe Ener-
gie in jede Lebensbatterie | 15. Visualisiere deine Ziele
| 16. Akzeptiere emotionale Schwankungen | 17. Suche
Feedback | 18. Baue Kompetenzen auf | 19. Kultiviere
Routinen und Rituale | 20. Trickse den inneren Schwei-
nehund aus
Modul 3­Zeitmanagement Seite 85
21. Schlage zwei Fliegen mit einer Klappe | 22. Eat the
Frog first | 23. Hüte dich vor dem Affen | 24. Behalte die
Woche im Blick | 25. Carpe diem | 26. Verjage den Detail-
fuchs | 27. Senke Transaktionskosten | 28. Fange Zeit-
und Energiediebe | 29. Entscheide dich | 30. Packe die
Gelegenheit am Schopfe
Modul 4­Konzentration Seite 123
31. Surfe auf der Flow-Welle | 32. Stimme dich auf die
Aufgabe ein | 33. Setze dir Limits | 34. Calm down | 35.
Sei unstetig | 36. Schalte ein zur Primetime | 37. Lenke
Ablenkungen ab | 38. Sprich die Sinne an | 39. Eins nach
dem anderen | 40. Gehe nie ohne Anker zu Vorträgen
Modul 5­Organisation Seite 155
41. Lenke deine Energie | 42. Krengels kategorischer
Imperativ | 43. Das Reichweiten-Prinzip | 44. Mache Auf-
gaben sichtbar | 45. Befreie dich von Ballast | 46. Nutze
alle 6 Wände | 47. Sei Prozessmanager | 48. Nutze dein
externes Gedächtnis | 49. Bringe Kreativität in dein Leben
| 50. Bau einen Damm gegen die E-Mail Flut
EINLEITUNG 6
Selbst­
coaching
Konzen­
tration Organisation
Zeit­­-
ma­nage­ment
Zuversicht Energie Balance Erfolg Struktur
Was sind die Golden Rules?
Die Golden Rules repräsentieren die wichtigsten Faustregeln für deine
persönliche Produktivität. Mit den fünf Bausteinen Selbst­coaching,
Motivation, Konzentration, Zeitmanagement und Organisation kannst
du deine Leistung und Zufriedenheit steigern und Stress reduzieren.
Die Golden Rules enthalten alle Selbstmanagement-Techniken, die du
zum effektiven Lernen und Arbeiten brauchst. Sie sind eine Methoden-
Bibel, regen zum Denken an, unterstützen beim bewussten Umgang
mit deiner Zeit und sind eine Goldgrube für Situationen, in denen es
brennt.
Die Golden Rules sind:
Kompakt. „Alles aus einer Hand“ ist einer der leitenden Gedanken des
Buches: Fünf wichtige Schlüsselqualifikationen werden prägnant in je
zehn Regeln erklärt. Statt dich durch fünf separate Bücher zu kämp-
fen, hältst du die Essenz bereits in deinen Händen!
Anschaulich. Jede Regel wird durch Beispiele, Erklärungen und Illustra-
tionen lebendig. Erfahrungen des Autors helfen, Fehler zu vermeiden
und Hindernisse zu umschiffen.
Praktisch. Zu jeder Regel gibt es konkrete Umsetzungstipps, alle
Module schließen mit einer „Zielscheibe“ und einem kleinen „Trai-
ningslager“ ab. Die Zusammenfassungen in Form von „Mini-Postern“
sind eine wertvolle Gedankenstütze.
Inspirierend. Das Buch präsentiert Insider-Tricks und innovative Metho-
den, die sich in Studium und Praxis bewährt haben. Sie regen zum
Nachdenken an, liefern Anstöße für die präzisere Selbstbeobachtung
und rütteln an eingefahrenen Verhaltensweisen.
Motivation
7
Für wen sind die Golden Rules?
Dieses Buch ist für alle, die sich persönlich, fachlich und methodisch
weiterentwickeln wollen. Für Zielstrebige, die ihre Zukunft aktiv
gestalten und die zeitliche und organisatorische Höchstleistungen
vollbringen. Für Menschen, die sich mehr Erfolg wünschen und sich
selbst verwirklichen möchten. Und natürlich für Dauer-Glühwürm-
chen, die Stress reduzieren müssen und mehr Freizeit erstreben.
Die Golden Rules sind für ein sich jung fühlendes, lebensfrohes Publi-
kum geschrieben. Sie sind keine trockene Lektüre, sondern sollen Spaß
machen und inspirieren. Sie reden dich direkt an, ohne ein gestelztes
„Sie“, und sind auch mal mit einem Augenzwinkern geschrieben.
Studierende & Doktoranden
Selbstmotivation | Größeres Selbstvertrauen | Bessere
Konzentration | Mehr Freizeit | Lange Studienarbeiten
meistern | Ablenkungen reduzieren | Geschickte Pla-
nung und Zeiteinteilung | Effizienteres Lernen | Bessere
Noten
Berufstätige & Berufseinsteiger
Gut organisiert sein | Mit neuen Herausforderungen
umgehen | Zeit managen | Prioritäten setzen | Sich
schnell in Aufgaben einarbeiten | Sich nicht demotivie-
ren lassen | Stress reduzieren | Mehr schaffen | Mit sei-
ner Energie haushalten
Wissensarbeiter & Freiberufler
Arbeitsmethodik verbessern | Bestehende Handlungs-
weisen hinterfragen | Neue Routinen etablieren | Pro-
zesse anpassen | Ausgeglichener werden | Sich immer
wieder neu auf die Aufgaben freuen | Komplexe Denk-
aufgaben steuern
EINLEITUNG 8
Warum schreibe ich dieses Buch?
Noch vor wenigen Jahren hatte ich Schwierigkeiten, mich zu fokus-
sieren und motiviert an Aufgaben heranzugehen. Mein Zeitmanage-
ment war eine Katastrophe. Ich hielt mich mit Details auf und wurde
unzufrieden, wenn ich meine großen Pläne verschieben musste. Mein
Arbeitszimmer war ein Chaos, wenn Ordnung das halbe Leben ist, so
lebte ich in der anderen Hälfte. Irgendwann fing ich an, mir die viel-
leicht wichtigste Frage meines Lebens zu stellen: „Wie kann ich es bes-
ser machen?“. Ich begann, mein Handeln zu hinterfragen und andere
genau zu beobachten. Ich suchte nach Prinzipien, die meine Arbeit
leichter machten und beschäftigte mich mit Selbstmanagement-
Regeln, um endlich zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte.
Durch den hohen Anspruch meiner Universitäten und persönlichen
Ehrgeiz blieb mir keine andere Wahl, als gezielt nach neuen Techni-
ken zu suchen, um der Arbeitsbelastung standzuhalten. An der Uni
Witten/Herdecke musste ich ab dem ersten Semester anspruchsvolle
Praxisprojekte durchführen und mir den Lernstoff vollkommen eigen-
ständig erarbeiten. Auch der Master, den ich an der London School
of Economics innerhalb von zehn Monaten in einem neuen Studien-
fach absolvierte, verlangte nach raffinierten Zeitmanagement-Tricks:
Das Lesevolumen war enorm, oft 500 Seiten pro Woche. Sobald eine
schriftliche Arbeit abgegeben war, kam die nächste. In der Lernzeit
galt es, sechs Fächer gleichzeitig zu pauken. Es blieb keine Zeit für
Ineffizienzen. Tag um Tag musste gehandelt, gelernt, gelesen und
geschrieben werden. Und das beim organisatorischen Aufwand eines
Auslandsstudiums inklusive Fernbeziehung.
Angefangen von einem Start-up bis zum Großkonzern, von freier Pro-
jektarbeit bis zur fordernden Unternehmensberatung arbeitete ich
mich in verschiedenste berufliche Aufgaben ein. Dann arbeitete ich
als Autor, Redner, Seminarleiter, Doktorand und Unternehmensgrün-
der in ganz verschiedenen Rollen. Dabei merkte ich, welche Methoden
sich in andere Bereiche übertragen ließen. Ob im Studium oder Beruf
– ich versuchte dabei neben dem eigentlichen Projekt auch persönlich
zu wachsen und meine Kompetenzen zu erweitern. Dieses Wissen
möchte ich nun weitergeben.
9
Die 5 Module der persönlichen Produktivität
Gutes Zeitmanagement ist wichtig, doch längst nicht alles. Sicher hast
du schon einmal einen Tag vertrödelt und dich am Ende gewundert,
warum du wieder nichts geschafft hast – obwohl du eigentlich viel Zeit
hattest. Spätestens, wenn du alle Verabredungen und Termine abge-
sagt hast und dann am Schreibtisch auf ein leeres Blatt Papier starrst,
merkst du, dass dir weitere Zutaten zur zündenden Idee fehlen. Und
so kannst du wohl nachvollziehen, dass 95 Prozent meiner Seminar-
teilnehmer über Motivations- und Konzentra­tionsprobleme klagen.
Aber auch eine clevere Organisation ist nicht zu verachten: Wenn dein
Arbeitsumfeld gut strukturiert ist, fällt die Kontrolle über deine Aufga-
ben leichter. Und hält dir den Effizienzkiller Unentschlossenheit vom
Hals. Aufgrund dieser verschiedenen Erfolgszutaten möchte ich hier
lieber von „persönlicher Produktivität“ sprechen.
Das Ende des Zeitmanagements?
Zeitmanagement ist genau genommen ein verfehlter Begriff. Zeit
kann man nicht managen: Du kannst die Batterien aus deiner Armand-
uhr herausnehmen oder den Wecker kaputtschlagen – die Zeit läuft
dennoch weiter. Wichtiger ist, was du mit ihr anstellst. Welche Dinge
du tust, wie motiviert, lustvoll und konzentriert du lebst, lernst,
arbeitest. Das subjektive Zeitgefühl ist entscheidend! Und dies wird
durch Faktoren wie Motivation, Konzentration und Entschlossenheit
geprägt. Deswegen passt das Wort „Produktivität“ als Begriff für die-
ses Buch besser als „Zeit- bzw. Selbstmanagement“. Er ist vielseitiger
und treffender:
	 • Rein ökonomisch ist man produktiv, ­­wenn man effizienter arbeitet: Ent-
weder schafft man mehr mit gleichem Aufwand, braucht weniger Zeit
oder steigert seine Qualität. Produktivität ist also ein Mittel, Ressour-
cen (Zeit, Energie, Geld) zu sparen und seine Wünsche und Aufgaben zu
erfüllen.
	 • Aber auch der Aspekt der „Leistungsfähigkeit“ spielt eine Rolle:
Während „Zeit-  Selbstmanagement“ eine Anmutung des „Sich-
Disziplinierens“ und von Pflicht und Strenge mit sich bringt, nimmt
„Leistungsfähigkeit“ eine ganzheitlichere Perspektive ein: Langfristig
produktiv sind wir eben nur, wenn wir eine gute Mischung aus Anspan-
nung und Entspannung finden.
EINLEITUNG 10
Auch die Wortherkunft stimmt positiv:
	 • Demnach ist jemand „produktiv“, der energisch, fleißig, tatkräftig oder
fähig ist, immer Neues hervorzubringen. Lateinisch „producere“ bedeu-
tete u.a. „vorwärts führen“.
	 • Aber vor allem die Synonyme verheißen Gutes: Demnach wird Pro-
duktivität mit Energie, Schaffensdrang, Tatkraft, Tüchtigkeit, Einfalls-
reichtum, Innovationskraft, Vorstellungsvermögen und Kreativität
gleichgesetzt.
Fassen wir zusammen: „produktiv“ als Adjektiv hat zwei Bedeutungen:
Produkte hervorbringen (in unserem Fall also Berichte, Präsentatio-
nen, E-Mails) und in der zweiten Bedeutung wird es mit „schöpferisch,
fruchtbar“ umschrieben. Es wurde ursprünglich mit Kraft und Energie
verbunden, aber auch mit Willen, Vorstellungsvermögen und Ideen.
Eine gute Mischung aus einem körperlichen und geistigen Aspekt! Ein
schönes Wort, findest du nicht auch? Doch halt! Es steckt noch mehr in
den 13 Buchstaben:
	 • In Produktivität steckt das „Pro“, etwas Bejahendes, Zusätzliches und
hat etwas von „sich aufraffen“, „es wagen“.
	 • Das „du“ im Wort möchte uns vielleicht darauf hinweisen, dass wir für
unser Schicksal selbst verantwortlich sind und es proaktiv in die Hand
nehmen.
	 • Und letztendlich steckt darin das „Produkt“ – Produktivität als Produkt
von vielen kleinen Stellhebeln und Schrauben. Diese sind für sich schritt-
weise leicht änderbar, machen aber in der Summe einen ge­waltigen
Unterschied!
Das 5 x 10 der persönlichen Produktivität
Bleiben wir kurz bei der Produkt-Metapher, denn sie passt wiederum
sehr schön in dieses Konzept; wie bei einem richtigen (mathema-
tischen) Produkt kann man die Faktoren beliebig vertauschen. Wo
du beginnst, ist also vollkommen dir überlassen. Der Anteil der fünf
Schlüsselqualifikationen zur persönlichen Produktivität beträgt ohne-
hin nicht jeweils 20 Prozent – jeder hat in dem einen oder anderen
Bereich seine größten Baustellen.
Voilá, ich präsentiere dir nun die effektivsten Faktoren! Sie sind in
zwei Ebenen gegliedert: einmal in fünf Module, die du gleichermaßen
11
gezielt und flexibel auf die jeweilige Situation anpassen kannst – eine
Art „Selbstcoaching-Tetris“ also. Zudem wollte ich das Buch so interak-
tiv wie möglich halten und habe die Konzepte und Methoden in jeweils
„10 goldene Regeln“ geformt, die dir Tipps häppchenweise servieren.
Letzten Endes spielen alle Faktoren natürlich zusammen und ergänzen
sich. Daraus ergibt sich der
Aufbau des Buches:
	 • Wir beginnen mit dem Selbstcoaching. Wie ein Trainer einen Sportler,
kannst du dich selbst zu Höchstleistungen anspornen. Dieses Modul
hilft, dein Selbstvertrauen zu stärken, innere Blockaden zu lösen und
aktiv deinen Entwicklungsprozess voranzutreiben. Damit legt es den
Grundstein für die anderen Module.
	 • Motivation ist der Schlüssel, etwas zu verändern und voranzubringen.
Es geht hier um deine Ziel- und Selbstfindung, aber auch darum, die not-
wendigen energetischen Ressourcen kurz- und langfristig bereitzustel-
len.
	 • Ist die Grundenergie aufgebaut, hilft dir Zeitmanagement bei der
Umsetzung deiner Ziele. Dieses Kapitel wird dich animieren, bewusster
mit deiner Zeit umzugehen, und Denkkategorien vermitteln, mit denen
es leichter fällt, die richtigen Prioritäten zu setzen.
	 • Das Konzentrations-Kapitel gibt nützliche Hinweise, wie du die Klarheit
und Tiefe deiner Gedanken steigern und auf dein Ziel richten kannst.
Auch Motivations- und Zeitmanagement-Tricks helfen dabei.
	 • Im letzten Schritt verankern wir im Kapitel „Organisation“ die genann-
ten Ideen und Konzepte fest in deinem Alltag, indem wir deine Umge-
bung produktivitätsfördernd gestalten.
Achtung! Die Golden Rules inspirieren am besten in kleinen Dosierun-
gen. Nimm dir jeden Tag nur eine Regel oder ein Modul vor. Gehe einen
Schritt nach dem anderen. Teste deine Erkenntnisse lieber gleich in der
Praxis, als alles auf einmal zu lesen.
Dieses Buch möchte dein Begleiter durch alle Lebens- und Arbeitspha-
sen sein. Verwende es als Ressource, um dir ein breites Methodenwis-
sen anzueignen. Oder nutze es als Ideengenerator für ein spezielles
Problem. Natürlich ist es auch ideal, um Grundsätze aufzufrischen und
neue Anregungen für die Praxis zu holen.
EINLEITUNG 12
Vergiss den Hammer! – Meine Methode(n)
Das „Law of Instrument“ ist ein scherzhafter Ausspruch: „Wenn das
einzige Werkzeug, das du besitzt, ein Hammer ist, so sieht jedes Prob-
lem wie ein Nagel aus!“ Anders gesagt: Wenn man nur eine Methode
kennt, wendet man immer wieder diese Methode an – egal, ob das der
richtige Lösungsweg ist. Ein Zeitmanagement-Autor wird dir immer
sagen, dass du effizienter und disziplinierter werden sollst, wird aber
nicht darauf achten, ob du in Wirklichkeit Motivations- oder Kon-
zentrationsprobleme hast. Ich möchte durch die breite Auswahl an
Methoden meinen Lesern bewusst zu machen, dass sie sich auf ver-
schiedenen Ebenen gleichzeitig verbessern können.
„Methode“ (griech.) heißt soviel wie „Ein Weg, der zum Ziel führt“.
Ich möchte aber zeigen, dass es mehrere Wege gibt (und welche
Abkürzungen die besten sind). In der richtigen Situation die passende
Methode zu haben – das ist perfektes Selbstmanagement. Einen
Königsweg gibt es leider nicht. Ihn zu propagieren ist ver­lockend, doch
unseriös. Menschen sind zu verschieden, die Situationen zu vielfältig,
als dass es nur ein Erfolgsrezept geben könnte. Die Golden Rules eröff-
nen dir mehrere Perspektiven. Hab Freude daran, verschiedene Heran-
gehensweisen auszuprobieren. Den Holzhammer kannst du ab heute
getrost am Nagel hängen lassen!
Ich strebe nach einem interdisziplinären Ansatz und suche nach einer star-
ken Integration der Methoden, damit mein Leser daraus mit minimalem
Leseaufwand den maximalen Nutzen zieht.
Golden
Rules
KONZENTRATIONS- 
LERNMETHODEN
Denken
ZEITMANAGEMENT 
ORGANISATION
Handeln
ERFOLGSPRINZIPIEN
Umfeld  Individuum
13
In diesem Modul lernst du:
Unsicherheit systematisch zu reduzieren | Selbstsicherer zu werden |
Schwierige Aufgaben zu lösen | Exzellente Leistungen zu erzielen |
Dich in neue Sachverhalte einzuarbeiten | Projekte, Probleme und Pro-
zesse geschickt anzugehen
Selbstcoaching
Strukturen schaffen.
Wir sind häufig auf uns allein gestellt. Guter Rat wäre da
angebracht. Doch dein Professor hat keine Zeit, dein Chef
ist nie da. Typisch. Oft wird aber trotzdem von dir erwar-
tet, dass du mit neuen Ideen und Lösungsvorschlägen
kommst! Da hilft nur Selbstcoaching. Der Coach in dir
muss aktiv werden und dich wie ein­Trainer immer wieder
herausfordern und motivieren, neue Dinge auszuprobie-
ren und Projekte, Probleme und Prozesse in den Griff zu
bekommen.
Höchste Zeit also, sich einmal anzusehen, welche Faktoren
helfen, Unsicherheit zu reduzieren und systematisch an
Prozesse heranzugehen. Die folgenden 10 Regeln sollen
dein Selbstvertrauen stärken und dich durch unbekannte
Gewässer navigieren.
15
1 | Don’t Panic
Kennst du das Gefühl, vor einer neuen Aufgabe zu stehen und keinen
Fahrplan zu haben? Jemand setzt dir ein anspruchsvolles Projekt-
ziel, du weißt aber nicht, wie du das innerhalb so kurzer Zeit erledi-
gen sollst? Oder verfällst du beim Anblick der Fülle an Prüfungsstoff
in Schockstarre, während sich zugleich innerlich ein Sorgencocktail
zusammenbrodelt? Möglicherweise versinkst du nun in Grübeleien,
Zweifeln und Ängsten, schläfst schlecht und findest den Anfang nicht.
Mit diesen Reaktionen bist du nicht allein. Es sind natürliche Anpas-
sungsreaktionen von Körper und Geist. Angst und Furcht waren
einmal Schutzmechanismen, die uns beim Überleben halfen. Heute
behindern uns diese Emotionen eher, denn wir leben ja nicht mehr
in der Steppe. Manch einer mag nun argumentieren, dass sein Büro
dennoch einem Dschungel gleicht, mit brüllendem Chef, umherschlei-
chenden Kolleginnen und tödlichen PC-Viren. Doch darauf will ich an
dieser Stelle nicht weiter eingehen. Stattdessen möchte ich dir ein
psychologisches Gesetz vorstellen, das viel darüber verrät, welchen
Schaden übertriebene Panik anrichten kann, nämlich das sogenannte
Yerkes-Dodson-Gesetz.
Sind wir zu gelassen, finden wir den Anfangsschwung nicht. Bei mittlerer
Aktivierung ist die Leistungsfähigkeit am größten: Wir machen uns etwas
Sorgen und bereiten uns entsprechend vor. Wird der Stress jedoch zu hoch,
blockiert das Gehirn.
Dieses empirische Gesetz zeigt, was mit unserem Körper in verschie-
denen Zuständen passiert: Im Schlaf sind wir ausgeruht, unsere
Gehirnwellen und Atmung sind ruhig und gleichmäßig. Der Körper
AKTIVIERUNG
bzw. Stresslevel
LEISTUNG
bzw. Effizienz
Schlaf entspannte
Wachheit
wache
Aufmerk­
samkeit
starke
Erregung
Panik
(Blockade)
SELBSTCOACHING 16
erholt sich. Im Zustand der entspannten Wachheit können wir leicht
Informationen aufnehmen und praktische Tätigkeiten verrichten.
In der Phase der wachen Aufmerksamkeit ist unser Körper optimal
leistungsfähig. Wir haben viel Energie und die ganze Bandbreite des
Gehirns steht zur Verfügung. Kommt der Körper allerdings in eine
Phase der starken Erregung, sinkt die Leistung. Sorgen lassen nun
unsere Gedanken kreisen und blockieren das Gehirn. Der berühmte
„Tunnelblick“ stellt sich ein, ein Perspektivenwechsel ist nicht möglich.
Überkommt uns gar ein Anflug von Panik, dann ist das Denken kom-
plett blockiert. Typisch beim berühmten „Blackout“ in Bewerbungs-
gesprächen und Prüfungen. Derart angespannt und verkrampft haben
wir keinen Zugriff mehr auf unser Wissen. Ist die brenzlige Situation
vorbei, fällt uns plötzlich wieder alles ein, und wir ärgern uns. So weit
muss es aber gar nicht kommen!
Spielverderber. Emotionen wie Angst und Furcht entstehen im limbi-
schen System. Dieser Bereich ist evolutionär älter als das Großhirn und
diesem vorgelagert. Somit haben unsere Gefühle ein „Veto-Recht“
und blockieren mitunter Denkprozesse. Deshalb können wir mit einer
lustlosen und negativen Einstellung nur schwer lernen. Neugier und
Offenheit sind dagegen die Turbinen des Lernens: Sie erzeugen einen
Sog, der Texte, Tabellen und Grafiken in uns hineinzieht. Jede schein-
bar öde Aufgabe enthält interessante Aspekte und Herausforderun-
gen. Welche sind das für dich?
Das mulmige Gefühl im Magen hat etwas Gutes. Wir sollten akzeptieren,
dass neue Situationen mit mulmigen Gefühlen verbunden sind. Das
Yerkson-Dodson-Gesetz zeigt, dass ein gewisser Anspannungsgrad
energetisiert und leistungsfähig macht. Ich ärgerte mich immer, wenn
mir selbst nach 100 Turnwettkämpfen vor jedem Gerät erneut mulmig
wurde. Bis mir ein Künstler beichtete, dass er vor jedem Auftritt noch
nervös sei, dass er das aber positiv sehe, weil er sonst emotionslos
und routinemäßig auf der Bühne stehen würde. Er könne ohne diese
gewisse Anspannung nicht gut sein. Ohne dieses Kribbeln im Bauch
würde ihm das Spielen ohnehin keinen Spaß machen. Wow. So hatte
ich das noch nie gesehen!
Eine gewisse Grundspannung ist also notwendig. Um aber nicht in den
Überspannungsbereich zu kommen, versuche in akuten Furcht- oder
Unlust-Zuständen auf den „Abwarten“-Modus umzuschalten. Stelle
17
negative Gefühle zurück. Suche die Chancen, nicht die Gefahren einer
neuen Aufgabe. Fange einfach an, arbeite dich ein. Schon die ersten
Einblicke geben oft ein besseres Gefühl. Verschwende keine Energie
damit herumzulamentieren. Wie du dir denken kannst, ist das abso-
lut kontraproduktiv: Negative Gefühle verfestigen sich, dein Handeln
erstarrt. Suche lieber nach Lösungen, denke in Optionen und Szena-
rien. Die ganze Kunst besteht darin, die aufkommende Energie in pro-
duktive Bahnen zu lenken. Ein gutes Werkzeug ist dafür zum Beispiel
die Arbeit mit der sogenannten „Farbpalette“, die ich in Regel drei vor-
stelle.
Ruhe bewahren! In der Ruhe liegt die Kraft: Am Anfang ist es schließ-
lich normal, dass man noch nicht so genau weiß, worauf es bei einem
neuen Projekt ankommt, wie eine Lösung aussehen soll oder wie man
ein gewünschtes Endergebnis erreicht. Denke an einen Krimi: Wenn
du zu Beginn schon wüsstest, wie er ausgeht, wäre er unspannend!
Bleibe ruhig und gehe den heißen Spuren und Fährten nach, die dich
der Lösung näherbringen könnten. Etwas anderes kann der Detektiv
im Krimi auch nicht machen. Nur: Er behält Ruhe und Weitsicht und
analysiert die Fakten mit scharfem Verstand. Hätte er selbst allzu
viel Angst vor dem Täter, würde er sich wohl selbst hemmen. Zudem
beweisen Studien, dass Probanden, die eine knifflige Aufgabe unter
Stress enträtseln müssen, die Lösung überwiegend nicht finden.
Anders als diejenige Versuchsgruppe, die darüber geschlafen hat.
Ruhe zu bewahren, hilft unserer Problemlösungsfähigkeit erst in den
Sattel. Aus der Kreativitätsforschung wissen wir: Es ist ganz normal,
dass man sich erst eine gewisse Zeit mit einem Problem beschäftigt
haben muss, bevor neue Ideen und Lösungen entwickelt werden kön-
nen. Es bringt nie etwas, sich an einer Sache festzubeißen!
Erste Hilfe: Sich das Schlimmste ausmalen. Überkommen dich Furcht
und Zweifel und du wirst sie einfach nicht los? Dann trickse sie aus!
Rufe ganz bewusst alle negativen Gedanken und Befürchtungen auf,
die dir in den Sinn kommen. Was könnte passieren, wenn du diese
Aufgabe oder diese Prüfung tatsächlich nicht schaffst? Schreibe dies
in die erste Spalte einer Tabelle. Dann notiere in der zweiten Spalte
die Konsequenzen. Beispiel: „Wenn das Projekt scheitert, könnte ich
meinen Job verlieren“. Die Konsequenz: „Ich müsste einen neuen
suchen“. Hat man einmal alle möglichen Konsequenzen im Blick, kann
man sich überlegen, wie schlimm das denn tatsächlich wäre. Den Job
SELBSTCOACHING 18
zu verlieren, ist sicher nicht schön, aber vielleicht macht der Job ohne-
hin wenig Spaß. Dann hättest du wenigstens einen konkreten Anlass
zu wechseln. Nicht alle Konsequenzen müssen schließlich negativ sein!
Noch wichtiger nun ist aber die dritte Spalte der Tabelle, in der du alle
Dinge notierst, die du tun könntest, um zu verhindern, dass die nega-
tiven Konsequenzen eintreten. Also: „regelmäßige Abstimmung mit
dem Chef“, „Erfahrungen vom vorhergehenden Projektleiter einho-
len“, „ein Fachbuch zum Thema lesen“ etc. Alle Worst-Case-Szenarien
gründlich durchdacht zu haben, tut gut. Nun hast du alles schwarz auf
weiß und kannst deine Gedanken wieder nach vorn richten!
Einer Statistik zufolge machen wir uns ohnehin viel zu viele Sorgen.
Danach sind von den Dingen, über die wir grübeln und uns ärgern,
• 40 Prozent Dinge, die nie geschehen
• 30 Prozent Dinge, die in der Vergangenheit liegen
• 12 Prozent unbegründete Sorgen über die Gesundheit
• 10 Prozent Aufregung über unwichtige Angelegenheiten
• 4 Prozent Dinge, die uns zwar betreffen, die wir aber ohnehin nicht
ändern können
Es verbleiben gerade mal vier Prozent an Dingen, die wir wirklich
beeinflussen können. Konzentriere deine Energie auf diese vier Pro-
zent, alles andere zerrt nur an deiner Zufriedenheit und Effizienz!
Eine hilfreiche Entlastungsfrage:
„Wenn jetzt etwas schief geht, wird das in 2 Jahren
noch nachhaltige Konsequenzen für mein Leben
und meine Zufriedenheit haben?“
Diese Frage hilft, die langfristige Perspektive im Kopf zu behalten. Oft
fokussieren wir zu sehr auf Kurzfristiges. Doch meist deuten sich selbst
Missgeschicke und Brüche im Lebenslauf hinterher als gute Umstände
oder hilfreiche Lernerfahrungen. Es geht ein Scherz im Silicon Valley
um, dass man in einer großen Computerfirma nur eingestellt wird,
wenn man zwei Start-up-Pleiten miterlebt hat.
19
2 | Überschreite deine Grenzen
Haben wir einmal einen passablen Job gefunden oder kennen uns in
einem Fachgebiet gut aus, werden wir leicht träge. Das Gehirn ist in
seiner Grundarchitektur bestrebt, Aufwand und Energie zu sparen.
Also steht es Neuem und Unbekanntem oft höchst skeptisch gegen-
über. Unbehagen und Zurückhaltung bei neuen Aufgaben oder Unlust,
sich in ein neues, kompliziertes Themengebiet einzuarbeiten, sind oft
das Resultat. Unser bisheriges Wissen und unsere Erfahrungen sind
wie ein Nest indem wir es uns bequem gemacht haben. Dieses geistige
Nest nennt man Komfortzone. Darin liegen Aufgaben, mit denen wir
uns gut auskennen und die wir routiniert abarbeiten können.
Leider können wir uns nicht in unserer Komfortzone einkuscheln. Auch
wenn es manchmal schön wäre. Wissen veraltet. Die Kon­kurrenz wird
besser. Man will sich persönlich weiterentwickeln. Deswegen gilt: Wer
aufhört, besser zu werden, hört auf gut zu sein! Stelle dich anspruchs-
vollen Aufgaben. Sie sind der Motor für geistiges Wachstum und den
Erwerb neuer Fähigkeiten. Versuche, Dinge schneller, anders oder bes-
ser zu machen. Arbeite dich mit Neugier und Spannung in neue The-
mengebiete ein. Betrete Neuland. Stürze dich auf neue Dinge, auch
wenn du nicht weißt, ob sie funk­tio­nieren. Nur so bilden sich neue Ver-
knüpfungen im Gehirn. Nur so wird der innere Schweinhund auf Trab
gehalten wie der Hamster im Laufrad. Sicher kennst du das vom Jog-
gen: Gibst du der Versuchung nach, stehenzubleiben und dich auszuru-
hen, wird das Weiterlaufen schwer. Bleibst du in Bewegung, erreichst
Das Verlassen der Komfortzone erfordert, seine Kompetenzen und sein
Wissen zu erweitern. Andersherum gilt ebenso: Willst du eine steile Lern-
kurve haben, musst du neue Dinge wagen.
Umwelt
Dinge, die du
nicht kannst
Handlungsspielraum
(Wissen, Fähigkeiten,
Kontakte)
= Komfortzone
Umwelt
Handlungsspielraum
(Wissen, Fähigkeiten,
Kontakte)
= Komfortzone
SELBSTCOACHING 20
du dagegen irgendwann sogar das „Runners High“ – die Ausschüttung
von Glückshormonen. Bleib auch geistig in Bewegung! Das hält das
Gehirn aufnahmebereit und fordert es. Die Belohnung ist garantiert
– entweder in Form von Erfolgen oder wertvollen Lernerfahrungen!
Das Überschreiten der Komfortzone ist mit Unannehmlichkeiten ver-
bunden: Zur Unsicherheit und dem mulmigen Gefühl im Bauch gesellen
sich anfänglich gern Selbstzweifel und Versagensängste. Doch wenn
du nichts überstürzt, sondern überlegt handelst und schrittweise vor-
gehst, kann eigentlich nicht viel schief gehen.
Für mich persönlich ist dieses mulmige Gefühl – wenn ich nicht sicher
weiß, ob ich eine Sache wagen soll oder nicht – sogar zu einem Indiz
geworden das mir sagt: Versuche es! Wie sollte ich sonst herausfin-
den, ob sich die Sache lohnt oder nicht? Ich habe z.B. lange überlegt,
ob ich wirklich ein Buch schreiben soll. Kann ich das überhaupt, fragte
ich mich. Lohnt sich das? Ich konnte es natürlich nicht. Wie auch? Ich
habe es ja erst gelernt, indem ich es in die Tat umsetzte. Doch ich hatte
Lust dazu und wollte es einfach tun. Dann hatte ich eine noch beunruhi-
gendere Idee: Warum halte ich nicht auch Seminare? Und komme damit
direkt in den Kontakt mit meinen Lesern. Und erhalte obendrein wert-
volles Feedback. Also gab ich mit gemischten Gefühlen mein erstes
Seminar. Das machte nicht nur mir, sondern auch den Teilnehmern gro-
ßen Spaß. Das Ergebnis: Meine Haupteinkommensquelle beziehe ich
heute aus meiner Referententätigkeit. Danach kam die nächste Heraus-
forderung: Ich wollte ein neues Fachbuch veröffentlichen, doch 50 Cent
Vergütung pro Buch für ein knappes Jahr Arbeit empfand ich nicht fair.
Sollte ich das Buch selbst verlegen? Mir wurde wieder mulmig, ich hatte
unruhige Nächte, aber dann habe ich es doch getan: einen eigenen Ver-
lag gegründet. Nun habe ich durch die schrittweisen Ausweitungen
meiner Komfortzone auch meinen Handlungsspielraum und mein Wis-
sen enorm erweitert. Ich schreibe nun „nicht nur“ Bücher – sondern
habe gelernt, sie zu produzieren – angefangen von der Kalkulation bis
zum Vertrieb. All das hätte ich mir vor gerade mal zwei Jahren nie vor-
stellen können. Nur die regelmäßige Überschreitung meiner Komfort-
zone – der Grenzen in meinem Kopf – hat mich weitergebracht.
Kein Mensch wird als Präsident, CEO oder Popstar geboren.
Alle haben irgendwann angefangen und im Rahmen
ihrer Möglichkeiten ihren Einflussbereich stetig erweitert.
21
3 | Habe Selbstvertrauen
Wie oft hört man den Satz „Ich kann nicht“. Doch das bedeutet meist
nichts anderes als „Ich habe keine Lust“. Man will einfach nicht so viel
Energie aufwenden und scheut Rückschläge. Sicher hast du dir auch
ab und an gesagt „geht nicht“, „ich bin nicht geeignet“ oder „ich bin
nicht intelligent genug“. Doch prüfe, ob du wirklich ungeeignet bist.
Woher willst du wissen, dass es nicht geht, wenn du es nicht versuchst?
Tatsache ist: Die meisten Schranken liegen in deinem Kopf! Denn auf
welchen Fakten, Grundannahmen, Tatsachen beruhen deine Annah-
men? Leider sind uns viele Schranken anerzogen worden. Hör genau
auf deine inneren Stimmen. Wer ist es genau, der zu dir spricht und
sagt „geht nicht“?
Optimismus – Gesetz der Anziehung
Es sind deine Gedanken, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden:
Glaubst du an dich, lenkst du auch dein Handeln in die richtigen Bah-
nen. Entsprechend bist du bereit, mehr zu geben, mehr zu wagen und
nimmst Rückschläge leichter in Kauf. Man kann es nicht genug beto-
nen: Optimisten sind nicht nur glücklicher, sondern auch erfolgreicher!
Sie sind Menschen, die immer einen Weg finden, weil sie ihn auch kon-
sequent suchen. Optimisten haben die Zukunft im Auge, nicht die Ver-
gangenheit. Sie denken darüber nach, was getan werden kann, nicht
darüber, was geschehen ist und wer die Schuld trägt. Optimisten sind
lösungsorientiert, sie konzentrieren sich auf die nächsten Schritte,
nicht auf Probleme und ihre Entstehung. Ihnen gelingen Dinge leich-
ter, weil sie durch die Zuversicht, die sie ausstrahlen, auch andere
dazu motivieren, Schwierigkeiten zu überwinden und für ihre Ziele zu
kämpfen.
Sicher kennst du den Begriff der „sich selbst erfüllenden Prophezei-
ung“. Er besagt, dass sich unsere Gedanken – egal ob in Form von
Ängsten und Sorgen oder von Zielen und Hoffnungen – auf unsere
Umwelt übertragen. Da gibt es den eifersüchtigen Freund, der durch
seine kontrollierende Art tatsächlich eine Beziehungskrise hervorruft,
die ängstliche Studentin, die durch Selbstzweifel Lernblockaden pro-
voziert, oder den Berufsanfänger, der Angst hat, Fehler zu begehen
und so zurückhaltend und blass wirkt, sodass er entbehrlich scheint.
Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille der sich selbst erfüllen-
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den Erwartungen: den Entrepreneur, der sich nicht beirren lässt und
seine Geschäftsidee kontinuierlich weiterentwickelt, bis sie funktio-
niert. Den Sportler, der fest an seinen Sieg glaubt und so die letzten
Reserven mobilisiert. Und den gut gelaunten Lebemann, der tatsäch-
lich unbeschwerter durchs Leben geht, weil man solch einer Frohnatur
nicht wirklich etwas übelnehmen kann.
Die schädlichsten Einflüsse sind die, die dich einschränken. Suche nach
solchen selbst auferlegten Beschränkungen, wenn du das Gefühl hast,
dass andere dir überlegen sind. Es gibt auch für dich keine Schranken!
Du kannst genau das erreichen, was andere schon vor dir erreicht
haben – oder vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Verkaufe dich nie
unter Wert! Gib dich nicht mit weniger zufrieden! Selbst auferlegte
Schranken sind wie ständig schleifende Bremsen und hindern dich
am Vorwärtskommen. Es ist daher wichtig, dass du dir viel zutraust.
Solange du an dich und deine Stärken glaubst, kannst du deine Ziele
auch erreichen.
Die beste Übung für mehr Selbstvertrauen
Unser Denken ist ein ständiger innerer Dialog. Lenke diesen, indem du
deinen inneren Skeptiker mit positiven Tatsachen, Berichten, Bewei-
sen und Gedanken konfrontierst. Sich selbstsuggestive Formeln vor-
zusprechen wie „Ich habe mich gut vorbereitet, es kann nicht wirklich
etwas danebengehen“, beruhigt in einer brenzligen Situation. Besser
ist jedoch, langfristig vorzubeugen und Selbstvertrauen zu festigen.
Schreibe dir deswegen jeden Tag abends vor dem Schlafengehen drei
Dinge auf, auf die du stolz bist! Das können die großen Erfolge sein,
wie ein gewonnener Wettkampf oder das bestandene Abitur bzw.
Diplom. Oder alltägliche Kleinigkeiten, z.B. dass du dich motiviert hast,
trotz Badewetters zu lernen. Oder dass du dich trotz eigenen Stres-
ses dich um Nachbars Blumen gekümmert hast. Am Ende des Monats
wirst du erstaunt sein, wie viele Gründe es gibt, stolz auf dich zu sein!
Diese Übung ist so wirkungsvoll, weil sie kontinuierlich viele kleine
Argumente liefert, warum es unbegründet ist, allzu skeptisch zu sein.
So schaltest du die pessimistische Argumentation des Skeptikers aus,
der sich immer wieder in deine Gedanken schleichen will. Gegen viele
kleine positive Tatsachen kann er sich irgendwann nicht mehr wehren.
Die Wirkung ist vergleichbar mit der von Werbung (nur dass du hier um
dich selbst wirbst): Laut aktuellen Studien haben viele unbewusste
23
:
,
Markenkontakte einen stärkeren Effekt als die bewusste Verarbei-
tung eines starken Reizes. Wird man einer Werbung direkt ausgesetzt,
sucht das Bewusstsein eben sofort nach Gegenargumenten. Überliste
auch du dein Bewusstsein durch viele kleine Schritte mit Hilfe dieser
Übung.
Deine Farbpalette: Eine Ideenskizze für den Start
Die „Farbpalette“ habe ich als Startritual für neue, unstrukturierte
Aufgaben entwickelt. Früher lag ich abends oft wach und grübelte,
wie ich eine schwierige Aufgabe lösen könnte. Beim Malen entdeckte
ich die Parallele ...
Versetze dich für einen Moment in ein Atelier: Es sieht hier etwas cha-
otisch aus, doch der Maler steht ganz konzentriert vor einer weißen
Leinwand. Alles, was er zur Verfügung hat, sind seine Vorstellungs-
kraft und drei Grundfarben, aus denen er alle anderen Farben und
Nuancen mischen kann, um sein Ziel real zu machen. Im Prinzip sind wir
bei neuen Projekten wie ein solcher Maler: Wir müssen uns zuerst ein
Bild über unser Ziel, über das „große Ganze“ machen. Wie ein Maler
können wir aus nur drei „Farben“ unsere Ziele verwirklichen:
BLAU
= Kreativität
GELB
= Ressourcen
Rot
= Initiative
Hier symbolisieren diese 3 Farben deine wichtigsten Helfer:
	 • Blau steht für Kreativität, eine Anspielung an den blauen Himmel,
an dem sich immer wieder neue Ideen und Gedankenwolken formen.
	 • Gelb steht für Ressourcen, wie die „Gelben Seiten“ oder die Post.
	 • Rot steht für Initiative, assoziierbar mit Feuer und Energie.
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Gedanken­Bändiger: Deine Farbpalette
Immer, wenn dir etwas Angst macht, dich verzweifeln lässt oder dich
überfordert, dann analysiere schriftlich:
Ausgangssituation
Was genau ist das Problem / die Aufgabe? Welche Aspekte spielen eine Rolle?
Kreativität
Schreibe alle Möglichkeiten auf, wie du diese einzelnen Aspekte angehen könntest.
Ressourcen
Was weißt du schon über das Thema? Kennst du Bücher, Webseiten, Modelle, Theorien,
etc., auf die du zurückgreifen könntest? Wen könntest du um Rat fragen?
Initiative
Welche der Lösungsmöglichkeiten sind am erfolgversprechendsten? Entwickle einen
Plan aus der Kombination mehrerer Ansätze. Bestimme Meilensteine für die baldige
Umsetzung.
25
:
,
Die Farbpalette. So malst du dein Meisterwerk:
Halte im oberen Feld dein aktuelles Problem fest. Versuche, dabei die
zur Aufgabe gehörigen Aspekte und Fragestellungen zu ergründen.
Damit werden konkrete Ansatzpunkte identifizierbar. Oft ist eine Auf-
gabe gar nicht so schwer, manchmal müssen aber erst Ungewisshei-
ten und andere Barrieren überwunden werden, bevor die Aufgabe in
Angriff genommen werden kann.
Das zweite Feld nutzen wir für ein Brainstorming. Im Kreativitäts- und
Problemlösungsprozess zählt zunächst vor allem eins: Masse statt
Klasse! Also sammele alle Ideen und Informationen und sortiere erst
im zweiten Schritt aus. Denn was zunächst banal erscheint, kann in
Kombination mit anderen Begriffen manchmal die entscheidenden
Denkprozesse auslösen.
Nun kommen deine Ressourcen an die Reihe. Die erste Reaktion ist oft:
„Das kann ich nicht”, „Ich habe keine Mittel dazu”. Aber das stimmt
nicht. Es gibt Menschen, die aus einfachsten Verhältnissen stammen
und Großes vollbracht haben. Ich habe zum Beispiel Sportstätten
gesehen, die jeder Beschreibung spotten, aber dennoch Top-Turner
hervorgebracht haben. Ebenso gibt es jede Menge kleiner Start-ups,
die mit wenig Marketingbudget eine große Reichweite erreichen.
Der wohl entscheidenste Schritt ist, unter dem Stichwort Initiative
einen konkreten Umsetzungsplan zu erarbeiten.
Die Farbpalette hilft, ein Problem in Teilbereiche zu zerlegen und
gezielt Lösungen zu entwickeln. Sie setzt an deinem Vorwissen und
deinen Fähigkeiten an und will zeigen, dass es immer ganz konkrete
Schritte gibt, mit denen man starten kann. Die Palette führt dich zu
einem Denken, das immer zuerst nach Lösungsmöglichkeiten sucht
und ziellose Grübeleien vermeidet. Indem du Ideen, Vorschläge und
Strategien entwirfst, kannst du obendrein viel effektivere Coaching-
Gespräche mit deinem Vorgesetzten führen. Dein Chef, Professor oder
Betreuer steckt schließlich nicht in deinen Schuhen, sie haben ganz
andere Sorgen. Deshalb erarbeite mithilfe der Farbpalette zwei oder
mehrere Alternativen und vergleiche deren Vor- und Nachteile. So ent-
wickelst du eine solide Diskussionsbasis. Und bereitest dich optimal
auf jede Besprechung vor.
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4 | Denke in Prozessen
Bei neuen Themen und Projekten ist man schnell verunsichert, weil
alles noch unstrukturiert erscheint. Doch bei genauerem Betrachten
erkennt man, dass hinter vielen Aufgaben und Projekten ähnliche Pro-
zesse stehen. Zur Illustration vergleiche ich hier zwei Aufgaben:
Eine Präsentation
vorbereiten
Prozesse Ein Essay schreiben
Überlegungen zum Start:
Wer ist der Empfänger?
Wer kennt das Produkt und
kann es mir erklären? Gibt es
Vorarbeiten?
Überblick
erarbeiten
Anforderung: Hausarbeit,
15 Seiten einzeilig, Abgabe bis zum
30.9., selbes Thema wie gehaltenes
Referat
Die Recherche ergab, dass
ältere Präsentationen vor-
liegen. Das Rad muss nicht
neu erfunden werden, ein
Update reicht.
Ziele Notenziel 1,7; Thema aus neuem
Blickwinkel betrachten, ange-
nehmes Layout und gute Grafiken
entwerfen
Präsentations-Skills:
Lebhaft, Beispiele, selbst-
sicheres Auftreten
Erfolgs-
faktoren
Wissenschaftliche Anforderungen:
Sauberes Zitieren, inhaltliche Tiefe
und Darstellung des Praxisbezuges
Zeitplan erstellen, erstes
Brainstorming zum Inhalt
Planung Zeitplan erstellen, erstes Brain-
storming zum Inhalt
Erstellung der Präsentation
- Informationsbeschaffung
- Folien basteln
- Optimieren
Umsetzung
Meilensteine
Teilprozesse
Einzelschritte:
- Recherche (3 Tage)
- Zitierrichtlinien aneignen (1 Tag)
- Struktur / Besprechung mit Hiwi
- Schreiben (6 Tage)
- Korrektur, extern (2 Tage)
- Überarbeiten mit Grafiken (2 Tage)
Auswertung mit Kollegen/
Chef
Reflexion
Kontrolle
Besprechung der Arbeit mit Pro-
fessor
Beiden Aufgaben, dem Essay und der Präsentation, liegen ähnliche
Prozesse zugrunde. Dies ist bei vielen Aufgaben im Arbeitsalltag der
Fall. Und darin liegt auch der Schlüssel zum Bewältigen neuer und
komplexer Aufgaben: Ein großer Brocken wird in überschaubare Ein-
zelteile zerlegt, die für sich genommen optimiert werden können.
Das ist es, was ich unter der berüchtigten Phrase „Lerne zu lernen“
verstehe: Man muss lernen, die immer wiederkehrenden Prozesse zu
erkennen, zu strukturieren und effizient zu gestalten. Wenn wir die
Gemeinsamkeiten identifizieren, können wir aus jeder undefinierten
eine definierte Situation machen.
27
:
,
Vier große Bausteine begegnen uns immer wieder in Projekten und
komplexeren Aufgabenstellungen: Zunächst gilt es, sich einen Über-
blick zu verschaffen, dann eine Strategie zu entwerfen, bevor wir an
die Umsetzung gehen. Während und nach dem Prozess wird schließ-
lich genau reflektiert, ob wir auch effizient arbeiten und handeln.
Teilen wir große Projekte in diese Schritte mit den jeweiligen Teilpro-
zessen, haben wir ganz spezifische Ansatzpunkte generiert, die wir
nacheinander abarbeiten können. Eine unübersichtliche Aufgabe wird
damit handhabbar und wirkt weniger bedrohlich.
Durch das Zerlegen einer komplexen Aufgabe in überschaubare und kon-
krete Teilschritte wird ein Projekt besser analysierbar und steuerbar.
Dieses Modell verdeutlicht auch, warum wir bei neuen Aufgaben ver-
unsichert sind: Wir wollen uns gleich auf die Erledigung der Aufgabe
stürzen. Dabei haben wir nur das Endergebnis im Kopf und nicht die
einzelnen Arbeitsschritte. Zudem will man ja möglichst perfekt sein –
dabei haben wir die Aufgabe zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal
richtig analysiert! Wir versteifen uns auf die Ausführung, nehmen
uns aber nicht genügend Zeit, eine Sache tief zu durchdringen und
Erfolgsfaktoren und Ziele sorgfältig zu bestimmen. Und selbst dann
sollte man nicht sofort handeln, sondern die Ausführung gedanklich
vorwegnehmen und planen. Das gibt Orientierung im Prozess und ver-
hindert Irrwege.
In den folgenden Kapiteln vertiefen wir nun die vier Teilschritte: Über-
blick (Regel 5), Strategie (Regel 6), Ausführung (Regel 7) und Reflexion
(Regel 8).
Überblick
(Regel 5)
Strategie
(Regel 6)
Umsetzung
(Regel 7)
kontrollieren,
reflektieren,
modifizieren
(Regel 8)analysieren planen anpassen
Erfolgsfaktoren
bestimmen
erledigenInformationen
sammeln
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5 | Verschaffe dir Überblick
Jedes Projekt beginnt mit Fragen: Wer will etwas von dir? Bis wann?
Was sind wichtige Komponenten des Problems? Welche Dinge musst
du abklären, welches Wissen erwerben, welche Meilensteine bewäl-
tigen? Ein selbst erstellter Fragekatalog ist aber nicht nur zu Beginn
eines Auftrags hilfreich, sondern wann immer du stockst. Jede Frage,
die du abarbeitest, verschafft dir mehr Überblick. Wissen festigt sich.
In meiner Promotion gerate ich oft in solche Sackgassen. Dann erstelle
ich eine To-do-Liste mit allen Dingen, die es abzuklären und zu erar-
beiten gilt, um einen nächsten Zwischenbericht für den Professor
zu schreiben. Dann suche ich die entsprechende Literatur, lege eine
Leserunde ein, erstelle Zusammenfassungen und teste mit Mindmaps,
ob ich die Zusammenhänge verstanden habe. Auf dieser Grundlage
erarbeite ich eine neue Frageliste und schon geht es in die nächste
Runde. So lange, bis ich meine Fragen und Denkblockaden weggegoo-
gelt, -gelesen oder -telefoniert habe.
Eine breite Informationssuche und ein erweiterter Blick zahlen sich
grundsätzlich aus. Ein Beispiel: Du möchtest eine Webseite kreieren.
Du weißt, dass man dafür Frontpage nutzen kann, und hast dieses
Programm schon vorinstalliert. Nun musst du aber weitere Informa-
tionen sammeln: Wie gehe ich mit dem Programm um? Wie kann ich
die Webseite ins Internet überspielen? Wo bekomme ich eine Webad-
resse her? Schreibe dir die wichtigsten Informationen auf. Die Analyse
sollte dabei aber immer über den Tellerrand schauen und die nahelie-
gendsten oder „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Lösungen“
hinterfragen. Hättest du dich nach anderen Wegen, eine Webseite
zu publizieren, umgeschaut, hättest du herausgefunden, dass du
deine Webpräsenz mit kinderleichten Blogprogrammen vollkommen
kostenfrei und ohne jegliche Vorkenntnisse erstellen könntest. In 30
Minuten hättest du dann deine eigene Webseite – für die Frontpage-
Variante bräuchtest du wohl zwei Wochen oder mehr.
29
:
,
Das hilft, schnell einen Überblick über ein Thema zu bekommen:
	 • Inhaltsverzeichnisse von Büchern und Skripten. Mir hilft es, vor dem
Durcharbeiten von Fachliteratur die Inhaltsverzeichnisse abzutippen,
um in deren Struktur Notizen einzufügen.
	 • Einführende Literatur, die alle Grundelemente eines Themengebietes
beschreibt bzw. Taschenguides, die Praxiswissen zusammenfassen.
	 • Es dem Freund, der Nichte oder der Oma erklären. Ein Thema Laien zu
vermitteln, hilft die wesentlichen Punkte zu identifizieren.
	 • Diskussionen in Arbeitsgruppen. Auch wenn jeder nur einen Teil des
Themas durchdrungen hat, kann das Team puzzleartig ein gemeinsa-
mes Verständnis erarbeiten.
	 • Wissen konsolidieren: Statt endlos zu lesen, immer wieder Zusammen­
fassungen, grafische Übersichten, Tabellen, Ideensammlungen oder
Mindmaps erstellen.
	 • Das Ausschlussprinzip anwenden: Beim Lesen und Erarbeiten sofort
wegstreichen, was offensichtlich irrelevant ist.
	 • Dienste wie getabstract.com, die prägnante Buchzusammenfassungen
anbieten. Mit Glück findet man komplette Vorlesungs- und Buchzusam-
menfassungen von fleißigen Bienchen im Netz!
Das hilft, Überblick über eine Aufgabe zu bekommen:
	 • Mit Menschen reden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Keine
Hemmungen: oft fühlen die sich geehrt, dass sie um Rat gebeten werden!
	 • Auf Messen mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch kommen und
Fragen klären. Hier sammelt sich das Know-how einer Branche.
	 • Ich rufe gern professionelle Anbieter an. Letztendlich bin ich ein poten-
zieller Kunde und man berät mich gern, zum Beispiel bei Druckereien,
Verlagen, Bewerbungen oder der Konkurrenz.
	 • Mehrere Optionen generieren. Das hält dich im Kopf flexibel und gibt
dir Spielraum für Verhandlungen. Zudem ist es spannend, im nächsten
Schritt zu versuchen, die Vorteile von zwei Varianten in einem neuem
Konzept zu vereinen.
	 • Internet-Foren von Anwendern mit ähnlichen Problemen. Mir hilft zum
Beispiel ein Autorenforum auf Xing, wo ich mich mit anderen Verlegern
und Autoren austauschen kann.
	 • Überblickswebseiten wie Wikipedia, Branchen- und Expertenportale,
Produktvergleichsseiten etc.
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So erlangst du schnell einen Überblick über ein Buch
Nimm dir zuerst die Schlüsselinformationen vor:
• Auf welchen Inhalt deuten Titel und Untertitel?
• Der Klappentext weist auf Fragen und Konzepte hin.
• Welche Qualifikationen und Erfahrungen hat der Autor?
• Die Jahreszahl ist wichtig, denn ob ein Buch 1989 oder 1990 geschrieben
wurde, kann einen gewaltigen Unterschied machen.
• Aus welchem Kontext heraus ist das Buch entstanden? Wie ist es einzu-
ordnen? Diese Infos stehen im Vorwort.
Und schon geht es weiter:
• Wie ist das Buch strukturiert? Welche Themen scheinen im Zusammen-
hang mit dem Titel von Bedeutung zu sein?
• Ist ein Thema besonders hervorgehoben? Ist aus dem Inhaltsverzeichnis
die Kernaussage und der rote Faden erkennbar?
• Lies das Vorwort, überfliege Einleitung und Schluss!
Nun bereite die nächste Runde vor: Versuche nun, aufgrund deines
Vorwissens und der ersten Informationen aus dem Buch, den Inhalt
zu antizipieren. Erinnere dich an dein Ziel: Warum hältst du den Text
überhaupt in der Hand? Aus Interesse? Ist es Pflicht- oder Zusatzlek-
türe? Dient der Text zur Beantwortung einer konkreten Frage oder der
Bearbeitung einer bestimmen Aufgabe? Was sind die wesentlichen
Eckpunkte des Auftrags?
• Urteile, inwiefern der Text bei der Beantwortung deiner Fragen helfen
kann, und versuche vorherzusagen, welche Textstellen und Kapitel
besonders relevant sind.
• Lies nun den Text in mehreren Lesedurchgängen. Also lieber 3x flüchtig
als 1x langsam lesen. So verhinderst du Informationsüberlastung und
prägst dir den Text besser ein. (Mehr zur Methode in: „Bestnote: Lern-
erfolg verdoppeln – Prüfungsangst halbieren“, Eazybookz 2012.)
31
:
,
6 | Ermittle die Erfolgsfaktoren
Alle Dinge entstehen zweimal: einmal im Kopf und einmal als Hand-
lung. Du würdest nie ein Haus bauen, ohne Grundriss, Funktionalität
der Räume und Details zu durchdenken. Wenn dieses intensive Über-
legen fehlt, bekommst du Probleme beim Bau: Plötzlich merkst du,
dass du keine Toilette eingeplant hast oder dass du ein Treppenhaus
brauchst! Auch Dinge, die nur auf dem Papier entstehen, müssen gut
durchdacht sein: Hast du keine Argumentationsstruktur, wird deine
Präsentation ein reines Chaos oder der Artikel ein Desaster. Dabei gilt:
je intensiver durchdacht, desto besser und schneller die Umsetzung.
Diese Überlegungen münden in die Strategie. Eine Strategie lässt
sich anhand von fünf Bausteinen erarbeiten: den Ressourcen, Zielen,
Erfolgsfaktoren, der Stoßrichtung und dem Umsetzungsplan.
Ressourcen bestimmen, wie du deinen Weg gehst.
Strategien sind abhängig von den Mitteln, die man zur Verfügung hat.
Kopiere nicht einfach die Lösungen und Ansätze anderer, sondern
passe deine Umsetzungsschritte auf deine Situation, deine Stärken/
Schwächen und deine Art zu denken und zu handeln an.
Ziele leiten dein Handeln.
Bestimme Ziele möglichst konkret und detailliert. Damit machst du dir
das Leben wesentlich einfacher. Ziele ermöglichen die Entscheidung,
welche Tätigkeiten einen direkten und großen Einfluss haben und
welche unwesentlich sind. Zeit und Energie lassen sich so gezielt ein-
setzen. Also: Was sind die Anforderungen der Aufgabe? Welche Inter-
essen hat der Auftraggeber? Gibt es klare Kriterien?
Setze dir zu den inhaltlichen/fachlichen Zielen auch immer persön­
liche Lernziele. Das lenkt deinen Fokus auch auf die Prozesse und hilft,
Rückschläge als Lernchancen zu begreifen. (» Mehr zu den Zielen in
Regel 15: „Visualisiere deine Ziele“).
SELBSTCOACHING 32
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Erfolgsfaktoren verraten dir, worauf es ankommt.
Jede Branche und jedes Umfeld hat bestimmte Erwartungen, Mecha-
nismen und Gesetzmäßigkeiten. Was sind die jeweiligen Treiber des
Erfolgs bei deiner Aufgabe? Welches sind die Stellhebel, die Dinge mit
der größten Erfolgswahrscheinlichkeit? Beachte, dass Erfolgsfaktoren
kontextabhängig sind. So zeigte eine viel zitierte Studie, dass bei Prä-
sentationen nur 7 Prozent des Inhaltes bestimmen, wie gut eine Rede
eingeschätzt wird (der größte Teil sind Rhetorik, Körpersprache und
selbstsicheres Auftreten). Das mag für öffentliche Reden gelten. Es
wäre jedoch gefährlich anzunehmen, dass du einen Kunden mit elo-
quenten Worten, aber einem schlecht durchdachten Angebot über-
zeugst oder einen Professor durch ein tolles Outfit, aber mit mäßig
recherchierten Ergebnissen beeindruckst.
Ich habe lange die Erfolgsfaktoren in Bewerbungsgesprächen falsch
eingeschätzt. Ich wollte durch Fachwissen und Ideenreichtum über-
zeugen und lieferte den Interviewern viele Informationen, die nicht
in der Bewerbung standen. Dieses „Mehr ist besser“-Paradigma kam
nicht an. Die Personaler konnten die Zusatzinfos nicht einordnen.
Nachdem ich immer wieder die gleichen Absagegründe hörte („Uns
wurde nicht klar, was Sie eigentlich wollen“) änderte ich meine Stra-
tegie. Nun wiederholte und bestätigte ich nur das, was schon in den
Unterlagen stand und lieferte nur ein Beispiel. Und ich war entsetzt,
dass nur selten nach weiteren Infos gefragt wurde! Das ging mir nicht
in den Kopf, weil meine Überzeugung gewesen war: „Je mehr die von
mir erfahren, desto mehr Facetten kann ich präsentieren.“ Dennoch
zwang ich mich, meine Klappe zu halten. Und auch wenn ich mir nicht
100-prozentig sicher war, ob ich die Stelle wirklich wollte – ich zeigte
diese Unsicherheit nicht mehr, sondern nutzte die Chance, weitere
Informationen zu erfragen. Das stärkte wohl den Eindruck des Inter-
esses bei meinen Gesprächspartnern. Denn tatsächlich: Meine Erfolgs-
rate stieg signifikant an! Nun hatte ich ein anderes Problem: mich
zwischen den Angeboten zu entscheiden.
Natürlich gibt es immer wieder mal Pleiten. Zum Beispiel in der einen
Präsentation, die ich tiptop vorbereitet und gehalten hatte. Volle Zufrie-
denheit beim Publikum. Dennoch bekam ich auf die Abschlusspräsen-
tation „nur“ eine „5,5“ (Schweizer System, circa 1,7). Auf meine Frage,
worin die Differenz zur Bestnote bestand, antwortete der kurz vor der
33
:
,
Emeritierung stehende Professor etwas gekränkt: Er hätte erwartet,
dass ich zu jeder seiner schlecht besuchten Vorlesungen hätte erschei-
nen sollen. Das war unfair, aber für mich eine Lehre, dass Erfolgsfakto-
ren sehr „weicher“ Natur sein können. Ich habe mir nun angewöhnt,
für jedes Projekt eine kleine Liste mit den kritischen Erfolgsfaktoren
zu machen. Diese Überlegungen entstehen manchmal nur im Kopf, auf
einer Busfahrt, vorm Einschlafen oder im Gespräch mit der Freundin.
Aber bei nächster Gelegenheit schreibe ich sie auf.
Also: Ergründe immer die Erfolgsfaktoren und arbeite mit ihnen!
Schreibe die wichtigsten Kriterien, die ein Artikel vermitteln soll, auf
das Deckblatt. Zum Beispiel „Frech. Provokant. Informativ. Kreativ.“,
damit diese Adjektive deinen Schreibstil leiten. Spiegele vor Bewer-
bungsgesprächen das Anforderungsprofil mit überzeugenden Argu-
menten, wo und wie du die geforderten Eigenschaften bereits unter
Beweis gestellt hast, wider. Oder erstelle ein „Psychogramm“ deines
Prüfers, ergründe, welche Interessen und Ziele er verfolgt und wel-
che Abfragestrategien er benutzt. Geht es ihm um den Gesamtblick
oder um Detailwissen? Honoriert er kreative Ideen oder will er, dass
seine Bücher originalgetreu wiedergeben werden? Liebt er Vergleiche,
Ab­wägungen, Wenn-dann-Beziehungen? Oder versetze dich vollkom-
men in die Lage deines Auftraggebers und frage dich: „Wenn ich in der
Situation des Klienten wäre, welche Aspekte und Inhalte wären mir
besonders wichtig?“ Halte dies in einer kleinen Checkliste fest. Nach-
dem du das Angebot erstellt hast, prüfe Punkt für Punkt, ob dein Kon-
zept den Kriterien entspricht und bessere gegebenenfalls nach.
Und auch hier nochmals der Hinweis, dass du das Rad nicht neu erfin-
den musst. Es gibt genug Menschen, die sich schon Gedanken in ähn­
lichen Bereichen gemacht haben:
	 • Jährlich erscheinen 90.000 deutschsprachige Bücher – darunter unzäh-
lige Fachbücher und Ratgeber. Sicher ist dort auch etwas für dein Pro­
blem dabei.
	 • Im Netz tummeln sich nützliche Quellen und Foren. Ich habe mich z.B.
durch gesammelte Bewerbungsberichte auf Squaker.net gezielt auf
Vorstellungsgespräche verschiedener Firmen vorbereiten können.
	 • Höhere Semester sind eine gute Quelle. Einige Medizinstudierende z.B.
geben Prüfungsfragen durch „Gedächtnisprotokolle“ weiter, die sie
sofort nach den großen Examina festhalten.
SELBSTCOACHING 34
Quelle:
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Die Stoßrichtung gibt die Richtung vor.
Es existieren immer mehrere Möglichkeiten, ein Ziel zu erreichen.
Prüfe mehrere Varianten und wähle jene, die du mit deinen Ressour-
cen am besten verwirklichen kannst. Ein paar Stichworte möglicher
Optionen ...
• Risiko streuen/minimieren
• Schwerpunkte setzen
• Sich auf Notwendiges konzentrieren
• Mini-Max-Strategie (viel Erreichen mit wenig Energie)
• Darauf setzen, was man gut kann oder was am schnellsten geht
Planung vermeidet Irrwege.
Bestimme zum Abschluss konkrete Meilensteine:
• Was gibt es konkret zu tun?
• Welche Aufgaben sollten erledigt sein, bevor du einen weiteren Schritt
machen kannst?
• Welche Umsetzungsschritte können parallel oder abwechselnd hinter-
einander verlaufen?
Clever ist, sich gleich zu fragen, wie das Ergebnis am Ende präsen-
tiert werden soll. Damit sparst du viel Arbeit und Irrwege. Überlege
zu Beginn, welche Präsentationsfolien du für einen Vortrag brauchst.
Besonders wenn es schnell gehen muss, ist das der Königsweg zur
Effizienz: Zuerst die Endstruktur vorbereiten, dann zielgenau die ent-
sprechenden Infos erarbeiten. Lass dich nicht vom kleinen Skeptiker
in deinem Kopf irritieren – auch wenn er noch so oft sagt: „Das kann
niemals funktionieren!“ Oder: „Das ist viel zu oberflächlich, zu sehr
von der Form getrieben!“ So wie bei mir vor einigen Jahren, als ich
zusammen mit einer Person, die ich für einen oberflächlichen Schwät-
zer hielt, einen Vortrag vorbereiten sollte. Im Nachhinein musste ich
erkennen, dass ich mich getäuscht hatte. Denn er hatte nicht unrecht.
Während ich zuerst über den Inhalt unserer gemeinsamen Präsenta-
tion sprechen wollte, widersprach mir Markus, so hieß mein damaliger
Arbeitspartner, und malte eine Folienstruktur auf, für die wir dann
zielgerichtet die Inhalte aus dem Buch heraussuchten. Ich fühlte mich
dabei zwar unwohl, doch statt, wie gedacht, zwei bis drei Treffen für
den Vortrag zu brauchen, waren wir nach zweieinhalb Stunden fertig!
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:
,
Nach diesem Erlebnis wurde ich neugierig und beschloss, mit ihm für
eine Prüfung zu lernen. Und ich erkannte, dass mein mentales Modell
bis dahin wohl lautete: „Nur wenn ich gründlich lese und mir das
Wissen Stück für Stück erarbeite, kann ich erfolgreich sein“. Markus
Motto war dagegen wohl eher: „Ich mache nur das, worauf es wirklich
ankommt.“ Ich quälte mich vier Wochen Seite um Seite durch einen
zähen Text und versuchte jeden Satz zu verstehen. Markus’ Modell
hingegen war ein radikal anderes: Er blätterte das Buch nur durch
und suchte die Zusammenfassungen. Diese versuchte er zu verste-
hen und ein Anwendungsbeispiel dafür zu finden. Nur wenn ihm das
nicht gelang, blätterte er vor und las das entsprechende Kapitel nach.
Damals schüttelte ich nur mit dem Kopf: Nicht nur, weil ich dachte:
„Wie oberflächlich!“ Sondern auch, weil ich ziemlich perplex war, als
Markus mit dieser Methode bei halbem Aufwand eine ganze Note bes-
ser in der Klausur abschnitt! Ich hingegen konnte die Zusammenhänge
vor lauter Details nicht sehen. Inzwischen lese und lerne ich genauso –
eine spürbare Erleichterung.
So genannte Gantt-Charts sind eine gute Methode, Meilensteine und deren
Umsetzungsziele zu visualisieren, wie es dieser Doktorand getan hat.
SELBSTCOACHING 36
:
,
7 | Experimentiere bei der Umsetzung
Puh. Geschafft! Nachdem du einen Überblick gewonnen und dir die
Ziele und Erfolgsfaktoren des Projekts verdeutlicht hast, fühlt sich
das Ganze schon nicht mehr so schwammig an, oder? Du weißt, was
auf dich zukommt und welche Schritte zu unternehmen sind. Die
Unsicherheit ist auf ein handhabbares Maß reduziert. Bei der Umset-
zung wird nun Woche für Woche, Tag für Tag und Stunde für Stunde an
der Verwirklichung deiner Ziele gearbeitet.
Erledigen/Handeln. Zunächst versucht man natürlich, die selbst gesetz-
ten Teilschritte und Aufgaben abzuarbeiten. Sei dabei vorsichtig, denn
zu leicht verzettelt man sich mit kleinen, unwichtigen Aufgaben. Achte
auf Effizienz: Unterscheide zwischen Dingen, die absolut gut sein müs-
sen (weil sie den Erfolg bestimmen) und zwischen solchen Dingen, die
einfach nur – egal wie – getan werden müssen. Visualisiere deine Fort-
schritte mit Pfeildiagrammen, Bildern, Smilies (» Regel 18). Das moti-
viert.
Versuch-Irrtum-Prinzip. Bei vielen Tätigkeiten kann man den Erfolg ein-
zelner Aktionen nicht immer gut vorhersagen. In anderen Bereichen
fehlt vielleicht nötige Erfahrung. Und gerade der Forschungsprozess
ist durch Irrwege, Exkurse und Umwege gekennzeichnet. Es bleibt also
nichts anderes übrig, als systematisch nach dem Versuch-Irrtum-Prin-
zip zu handeln. Beginne mit den Tätigkeiten, die deiner Meinung nach
den größten Fortschritt bringen. Beobachte kritisch, ob die Hand-
lung auch tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt. Sonst versuche
andere Vorgehensweisen solange, bis du einen merklichen Schritt
nach vorn verzeichnest. Hier empfiehlt sich die wissenschaftliche
Vorgehensweise: erst einmal nur einen Faktor zu verändern und zu
schauen, ob das einen Erfolg bringt. Wenn wir alles auf einmal ansto-
ßen, verlieren wir A) schnell den Überblick und damit an Potenzial und
B) können wir bei Erfolg keine eindeutige Ursache feststellen. Einige
Existenzgründer nutzen dieses Prinzip, indem sie immer nur 1–2 Dinge
an ihrer Webseite verändern und nach ein paar Tagen messen, ob dies
zu mehr Besuchen oder Verkäufen geführt hat. Ist dies nicht der Fall,
kann der Testversuch aufgeben werden, bevor man eine ganze Woche
Arbeit verschenkt.
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:
,
Flexibilität ist gefragt. Prozesse lassen sich nicht bis ins letzte Detail
voraussehen und planen. Sie haben eine Eigendynamik und sind
durch Überraschungen, neue Informationen und Zufälle gekenn-
zeichnet. Einige Meilensteine erreichst du wie vorgesehen, andere
müssen ge­ändert oder dazwischengeschoben werden. Bei einem Mar-
ketingprojekt entwickelten wir zum Beispiel ein sehr gut durchdach-
tes Produktkonzept. Wir waren total überzeugt, bis eines Morgens
ein Kollege kam und fragte: „Habt ihr die neue Werbung von XY schon
gesehen?“ ( !!) Der Schock saß tief: Die Konkurrenz
hatte ein ganz ähnliches Konzept schon umgesetzt! Es nutzte nichts:
Wir mussten unsere Strategie komplett ändern.
Nur wenig klappt auf Anhieb. Programmierer wissen das und eliminie-
ren nach und nach geduldig jeden Fehler, bis das Programm zuver-
lässig läuft (bei Microsoft-Entwicklern bin ich mir da allerdings nicht
sicher). Eine IT-Administratorin verriet mir kürzlich, dass sie bei jedem
Programmupdate Extra-Kapazitäten einplant, um die unvorhergese-
henen Fehler sofort anzugehen. Auch du solltest Unvorhergesehenes
als Teil des Prozesses akzeptieren.
Man wird leicht von einem Prozess aufgesaugt. Man ist so drin in sei-
nem Element, ja manchmal regelrecht besessen von seiner Idee, dass
man gar nicht mehr empfänglich gegenüber Rückmeldungen aus der
Umwelt ist. Doch gerade der Umsetzungsprozess gibt wertvolle Infor-
mationen, die ernst genommen werden sollten. Lass dich also nicht
von dem Projekt aufsaugen, verliere dich nicht in den Details. Distan-
ziere dich immer wieder von dem Projekt und arbeite auch am statt
nur im Prozess! Durch folgende Maßnahmen gewinnst du ein wenig
Abstand:
	 • Frage Unbeteiligte um Rat.
	 • Suche Benchmarks: Wer macht welche Tätigkeiten besonders gut? (Z.B.
Kollegen, Vorbilder, Konkurrenz oder andere Branchen.)
	 • Diskutiere viel mit Projektmitgliedern, um euer Denken gegenseitig zu
überprüfen. Probiert verschiedene Herangehensweisen aus.
	 • Lege eine Brainstorming-Session ein. Halte fest, was bereits geschafft
ist, was es derzeit zu tun gibt und was zukünftige Optionen sind.
SELBSTCOACHING 38
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8 | Coache dich selbst
Die Reflexionsebene ist die letzte Ebene im Prozesszyklus. Sie erfolgt
vor, während und nach der Arbeit und ist ein übergeordnetes Kontroll-
organ deines Handelns. Leider wird nur selten bewusste Reflexion
betrieben. Kaum jemand fragt sich, wie er in Zukunft Dinge noch bes-
ser machen könnte. Dabei ist die Reflexion der Spiegel unseres Han-
delns, der sagen kann, wo es lang geht.
Eine Reflexion sollte spätestens nach Abschluss eines Projektes erfol-
gen, getreu dem Motto: Nach der Arbeit ist vor der Arbeit, Prüfung,
Präsentation. Schreibst du die frischen Eindrücke auf, werden die
wertvollen Erfahrungen auch in der Zukunft nutzbar. Du vermeidest
es, dieselben Fehler noch einmal zu machen und erkennst Irrwege
schon im Ansatz. Analysiere im Detail:
• Was war gut?
• Was war verbesserungsfähig?
• Was konkret möchtest du beim nächsten Mal anders machen?
Halte gelegentlich inne und schreibe die Gründe für Erfolg oder Miss-
erfolg auf! Vermerke Verbesserungsvorschläge. Lege dir für diese
„Lessons learned“ ein kleines Büchlein oder eine Datei an. Du holst
Gedanken aktiv in dein Bewusstsein, beantwortest wiederkehrende
Fragen und erinnerst dich auch später noch an Details. Auch lässt
sich so das erworbene Wissen besser auf ähnliche Situationen trans-
ferieren. Deine Entwicklung wird transparenter und du schaffst dir ein
gutes Stück persönlicher Entwicklungschronik.
Ohne bewusste
Reflexion
Vergangenheit
Erfahrungen,
Fehler, Erfolge
Vergessen
Zukunft
Unkonkrete
Erinnerungen
Das Ursache-Wirkungsprinzip kann nicht greifen
Mit Tagebuch
Vergangenheit
Erfahrungen,
Fehler, Erfolge
Gegenwart
Reflexion: Woran
lag es? Was genau
ist geschehen?
Zukunft
Nutzbare
Lerneffekte
Du kannst Ursache und Wirkung verstehen und nutzen
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Zwischenfazits ziehen!
Berichte regelmäßig an einen imaginären Chef:
	 • Was hast du bisher erreicht?
	 • Was war gut? / Was hat dir am meisten geholfen?
	 • Welche Fehler sind dir unterlaufen? Was ging nicht so gut
von der Hand? / Wie kannst du das ändern?
	 • Was waren die größten Zeitfresser?
	 • Was willst du beim nächsten Mal besser machen?
	 • Welche konkreten Aufgaben stehen nun an?
Solche schriftlichen Auseinandersetzungen mit deinem Projekt sind wie
Gesprächspartner. Durch diese bewusste Reflexion wirst du zu deinem
eigenen Beobachter. Du versuchst, dein Handeln objektiv zu verbessern
und dir selbst Ratschläge zu geben, wie es weiter geht. Getreu nach dem
Motto: Coache dich selbst, sonst coacht dich keiner!
Welche Prozesse können optimiert werden?
Oft reicht es schon, sich nur eine halbe Stunde hinzusetzen und seine
Situation schriftlich zu analysieren: Welches sind die Schlüsselpro-
zesse meines Projekts? Was habe ich bisher gelernt? Welche nächsten
Meilensteine ergeben sich daraus? Der Abgleich von Soll- und Ist-Pro-
zessen ist sehr aufschlussreich: Stelle gegenüber, welche Tätigkeiten
du operativ machst und welche es eigentlich sein sollten. Beispiel: Bei
meinem ersten Buch habe ich nach drei Monaten ein Zwischenfazit
gezogen, alle Prozesse aufgelistet, die im Zusammenhang mit dem
eigentlichen Schreiben standen und den jeweiligen Anteil geschätzt.
Zu meinem Erschrecken erkannte ich, dass die wichtigsten Prozesse
„Konzeptionieren“ und „strukturiertes Schreiben“ nur 10 Prozent
ausmachten! Die restlichen 90 Prozent bestanden aus halbherzigem
Redigieren, nach weiteren Informationen suchen (obwohl ich bereits
mehr als genug hatte), Verlagsoptionen abwägen, Layout und Grafik-
prozessen (die sich aber bis zur Abgabe noch oft ändern sollten). Ich
analysierte, in welchen Situationen ich besonders produktiv war, zum
Beispiel wenn ich vorher schwimmen war oder einen inspirierenden
Text gelesen hatte. Ich zeichnete mir eine Prozess-Grafik, wie ich die
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verschiedenen Tätigkeiten sinnvoller miteinander integrieren könnte
und eliminierte Prozesse mit geringem Wirkungsgrad (u.a. tägliches
Ausdrucken).
Auf geht´s! Coache dich selbst:
• Suche Feedback von außen: Unbeteiligte sind objektiver.
• Werte Kritik konstruktiv: Lass Emotionen beiseite – was stimmt,
stimmt!
• Führe ein Tagebuch: Schärfe deine Gedanken und konserviere sie.
• Lies Bücher und besuche Seminare, in denen du etwas über dich lernst.
• Wechsele öfter die Perspektive: Was würde der Kunde / der Chef / der
Mitarbeiter / der Kollege / die Freundin dazu sagen?
• Abgleich mit Zielen: Behalte deine selbst gesetzten Kriterien im Auge!
Damit haben wir den generischen Prozesszyklus (Regeln 4–8) einmal
durchlaufen. Ich wollte zeigen, dass es immer wiederkehrende Pro-
zesse gibt, die sich bewusst steuern lassen und dass Projekte durch
Iterationsschleifen gekennzeichnet sind. Ich staune bei jedem Projekt
und bei jedem Buch erneut, wie unterschiedlich das Ergebnis am Ende
ist im Vergleich zu dem, was ich zu Anfang geplant hatte. Bin ich des-
wegen ein schlechter Planer? Ich glaube nicht. Ich sehe meine Stärke
eher darin, dass ich flexibel gegenüber Rückmeldungen und Feed-
backs bin. Auch wenn es manchmal hart ist, ein gutes Konzept zu zer-
stören, nur um es besser zu machen.
Je schwieriger die Aufgabe ist,
desto öfter müssen wir den Prozesszyklus
durchlaufen und neue Erfahrungen sammeln,
um Erfolgsfaktoren besser einschätzen
zu können und unsere Ziele anzupassen.
41
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,
9 | Suche dir Vorbilder
Vorbilder zeigen dir, dass das, was du in deinem Kopf noch für unmög-
lich hältst, im wahren Leben schon längst Wirklichkeit ist. Willst du
eine bestimmte Sache erreichen? Sicher gibt es jemanden, der genau
das oder etwas Ähnliches schon einmal erlebt hat. Suche solche Men-
schen, frage sie um Rat. Besuche ihre Vorträge, schleiche dich Back-
stage, versuche, ein Praktikum bei ihnen zu ergattern. Von Menschen,
die absolut nicht greifbar oder schon verstorben sind, existieren Bio-
grafien, Berichte, Dokumentarfilme. Lass dich von ihnen inspirieren!
Vorbilder meiner Seminarteilnehmer
Die Tante, weil sie interessiert und humorvoll, dabei gleichzeitig
erfolgreich und fleißig ist + Die Chefin, weil sie ihre Themen geschickt
in der Männerwelt platzieren kann + Ein Geiger, weil er eine bestimmte
Art hat aufzutreten und Schemen bricht + Ein indischer Yogi, der eine
unglaubliche Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlt + Der Papa, weil
er sich immer Freiräume für die Familie geschaffen hat + Der Mitbewoh-
ner, der irgendwie immer überall war, die Prüfungen aber dennoch
gut hinbekommen hat + Kinder, weil sie nicht soviel denken, sondern
einfach Dinge tun und keine Schranken im Kopf haben + Ein sehr
spontaner Freund + Google, wegen der hohen Innovationskraft + Der
Basketballer Dirk Nowitzki, weil er trotz Berühmtheit (und unglaub­
licher Sprungkraft) auf dem Boden geblieben ist + Der Großvater, weil
er trotz seines Alters offen und lebensfreundlich war + Die Uroma, weil
sie bis in ihre 90er selbstständig und willensstark war + Der Bruder, der
Ruhe ausstrahlt + Eine ehrgeizige Freundin, die viel Energie hat + Der
Onkel mit seinem enormen Allgemeinwissen
Bemerkenswerterweise nennen viele ihre Eltern oder ein anderes
Familienmitglied als Vorbild. Dies ist verständlich, doch es ist wich-
tig, gerade auch Vorbilder zu nehmen, die außerhalb des eigenen
sozialen Dunstkreises liegen. Damit wird es leichter, eingeschliffene
Annahmen und Denkhaltungen zu durchbrechen. Es geht nicht darum,
wer besonders lieb zu einem ist, sondern darum, von wem man das
meiste für seine aktuellen Herausforderungen lernen kann! Finde
eine gute Mischung aus wirklich erfolgreichen Vorbildern und ver-
schiedenen Menschen aus deiner Umgebung (der verständnisvolle
SELBSTCOACHING 42
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Chef, der immer gut gelaunte Kollege oder der lässige Wissenschaft-
ler). Vorbilder müssen im Übrigen nicht nur Leute sein, die man mag.
Oft sind es die Leute, auf die wir neidisch sind, von denen wir etwas
lernen können – auch wenn man manchmal als erste Reaktion genau
diejenigen Eigenschaften verabscheut, die sie so erfolgreich gemacht
haben. Greife einfach die für dich erstrebenswerten Eigenschaften
heraus und trenne diese gedanklich von der Person an sich. Was ist die
Eigenschaft, die diese Person besitzt und was macht diese in welchen
Situationen anders als du, das du dir abschauen und ebenfalls verin-
nerlichen möchtest?
Nur ein Vorbild zu haben und dies blind zu imitieren ist nicht ratsam.
Das wäre leichtgläubig: Kein Mensch ist makellos und jedes Vorbild
lebt(e) in einem anderen Kontext als wir selbst es tun. Suche lieber
Vorbilder aus verschiedenen Lebensbereichen und mache dir bewusst,
was es genau ist, das du an ihnen bewunderst:
• Besondere Charakterzüge: z.B. Stärke, Optimismus, Warmherzigkeit
• Besondere Taten: mutige Firmengründungen, Forschungseifer, be-
stimmte Management-Entscheidungen, übernommenes Engagement
• Besondere Effizienz: Wer geht besonders effizient an seine Aufgaben
heran? Wer lernt besonders effektiv? Wer verzettelt sich nicht im Detail?
So springst du über deinen eigenen Schatten
Wenn uns eine Situation unangenehm ist und wir über unseren eige-
nen Schatten springen müssen, gelingt das wesentlich leichter, wenn
wir so tun, als wären wir eine andere Person. „Persona“ heißt im Latei-
nischen „Maske“ und deutet darauf hin, dass wir ohnehin im Alltag
verschiedene Facetten unseres Selbst offenbaren. Definiere deswe-
gen eine ganz neue Maske, die wie ein Schauspieler genau die Eigen-
schaften annimmt, die sie braucht, um erfolgreich zu sein. Es bist nicht
mehr du, der diese Dinge tut, sondern der verkörperte Charakter.
Diese Distanzierung deiner selbst hilft, die unangenehmen Gefühle zu
reduzieren, die entstehen, wenn wir uns aus der Komfortzone bewe-
gen. Ein befreundeter Künstler brachte mich auf diese Idee. Er spielt
im Alltag ganz verschiedene Rollen: Ist er in der Rolle des Pianisten,
dann ist er der „Bluescowboy“, der grundsätzlich nur mit Westernhut
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:
,
zu sehen ist. Wenn er flirtet, versetzt er sich in die Rolle eines lässigen
Lebemanns. Wenn er arbeitet, imitiert er einen berechnenden Strate-
gen.
Auch ich frage mich in schwierigen Situationen, wie sich meine Vorbil-
der an meiner Stelle verhalten würden: Bin ich wütend, denke ich an
den beschwichtigenden Dalai Lama. Bin ich unentschlossen, frage ich
mich, was der wagemutige Richard Branson (englischer Gründer von
200 Firmen) an meiner Stelle tun würde. Bin ich entmutigt, denke ich
immer daran, was mein willensstarker Großvater mir geraten hat.
Und? Mit welchen Vorbildern willst du dich nun stärker auseinander-
setzen? An wem kannst du dich orientieren?
SELBSTCOACHING 44
:
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10 | Steh wieder auf, wenn du fällst
Wer kennt es nicht, das deprimierende Gefühl im Magen, wenn man
etwas nicht geschafft hat. Dieses unangenehme Kreisen der Gedan-
ken im Kopf, wenn man einen Fehler begangen hat? Ja, das Leben ist
manchmal hart und ungerecht. Doch das ist es zu anderen auch! Es
gibt keinen Grund, das persönlich zu nehmen!
Das chinesische Wort für Krise „weiji” enthält die Schriftzeichen „wei”
(Gefahr) und „ji“ (Gelegenheit oder Wendepunkt). Eine Krise bedeutet
in dieser Sprache sowohl „Moment einer Gefahr“ als auch „Moment
einer Chance“ . Ebenso bezeichnet das griechische „krisis“ nicht eine
hoffnungslose Situation, sondern den Höhe- oder Wendepunkt einer
gefährlichen Lage. Von da an kann es nur noch besser werden. Dieses
Sprachspiel zeigt: Jede Chance birgt ein Risiko, ein Risiko wiederum
birgt eine große Chance. Das ist nicht nur an der Börse so, sondern
gehört zum Spiel. Und: „Irrwege erhöhen die Orientierung“, schenkt
man dem deutschen Sprichwort Glauben. Wir unterlassen es oft,
Dinge zu verändern, weil wir Angst vorm Scheitern haben. Doch das
ist kontraproduktiv:
„Ich habe mehr als 9.000 Chancen (Würfe) in meiner Karriere verfehlt.
Ich habe mehr als 300 Spiele verloren. Ich habe immer wieder Fehler be--
gangen in meinem Leben. Und das ist eins meiner Erfolgsgeheimnisse.“
Michael Jordan, berühmter Basketballer
Sieh auch du Rückschritte und Fehler als eine Chance an. Denn sie
haben eine wichtige Funktion: Sie weisen dich auf Schwachstellen hin.
Jedes Mal, wenn du eine Blockade hast oder dich einer Krise ausge-
setzt fühlst, frage dich: „Welche Veränderung versucht sich hier den
Weg zu bahnen? Wie lautet die Botschaft, die in der Krise steckt?“ In
den meisten Fällen bedeutet eine Krise, dass etwas schief läuft und die
bisherige Vorgehensweise offensichtlich nicht geeignet ist, das Pro-
blem zu lösen. Lernen heißt, zwei Schritte vorwärts und einen zurück
zu gehen. Verdoppelst du die Geschwindigkeit deiner Fehler, kommst
du schneller voran.
„Von 200 Glühbirnen, die nicht funktionieren, lehrte mich jeder
Versuch etwas, das ich beim nächsten Mal berücksichtigte“.
Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne
45
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Die Medaillenübung
Oft sind Enttäuschungen ein Ergebnis hoher Erwartungen. Wir soll-
ten daher die Möglichkeit eines Misserfolgs im Hinterkopf behalten.
Eine Übung für mehr geistige Flexibilität in dieser Hinsicht hat sich in
meinen Stressmanagement-Seminaren bewährt. Mit der „Medaillen­
übung“ versuche ich, das Bewusstsein für die sprichwörtlichen „zwei
Seiten einer Medaille“ zu schaffen: Positives kann in gewissen Situa-
tionen unerwünschte Folgen haben (der Lottogewinn zieht Neider
auf sich, dein beruflicher Erfolg lässt dir weniger Zeit für Privates)
und negative Ereignisse haben auch ihre positiven Seiten. Einen sol-
chen Paradigmenwechsel erlebte ich vor zwei Jahren in Asien. Dort
beschäftigte ich mich mit Meditation und dem Buddhismus. Ein Satz
eines Mönchs ist mir besonders gut im Ohr geblieben: Er sagte: „Ich
verstehe euch Westler nicht. Ihr regt euch auf, wenn ihr mal warten
müsst. Wenn euer Bus mal etwas später kommt oder ihr irgendwo in
der Schlange stehen müsst. Für mich ist das eine wunderbare Chance,
zu meditieren.“ Hmm. Da stand ich nun, in meiner westlichen Unge-
duld entblößt. Ja natürlich, eigentlich sollte man dankbar sein für die
kleinen Zeitgeschenke, die man an einem stressigen Tag bekommt!
Wer nimmt sich wirklich schon mal die Zeit, einfach nichts zu tun?
Solche Momente bieten Gelegenheit dazu. Zwar sind sie unfreiwillig,
doch durch unseren inneren Zorn rauben sie uns nur unnötig Ener-
gie! Ich versuche seither, mich an Ampeln, Bushaltestellen und an der
Kasse zu entspannen; kurz die Augen zu schließen, an etwas Schönes
zu denken, Musik zu hören oder tief durchzuatmen. Oder ich sortiere
meine Gedanken.
Auch gibt es genügend Berichte von Leuten, denen eine unerwartete
Krankheit geholfen hat, ihre Ziele zu überdenken und ihr Leben grund-
legend zu ändern. Ja, und auch der Regentag hat etwas Gutes, wenn
er eine ordentliche Arbeitseinheit (ohne ständiges Denken an die Son-
nenwiese) verschafft. Suchen wir die positiven Aspekte, reduzieren
Unzufriedenheit, fördern Ausgeglichenheit und richten unsere Gedan-
ken auf die Dinge, die wir tatsächlich ändern können.
Jeder hat dabei seine eigenen Dinge, Menschen und Aktivitäten, die
ihn stressen oder aus dem Konzept bringen. So empfinden viele Abwa-
schen als notwendiges Übel, während andere es als Entspannung erle-
ben. Den einen „kostet“ es viel Zeit und Ärgernis, die Steuer­erklä­rung
Diese Leseprobe stammt aus: Martin Krengel:
Golden Rules, 4. Auflage 2013SELBSTCOACHING 46
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Martin Krengel:
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zu machen, während andere damit mit Freude ihren Lebensunterhalt
verdienen. Also: Flexibilität ist gefragt! Probiere es gleich einmal mit
dieser kleinen Medaillenübung und suche kurz 2–3 positive Aspekte zu
diesen Ereignissen:
• Du hast ein schlechtes Feedback bekommen.
• Du hast eine Absage erhalten.
• Du hattest einen Streit mit deinem Partner.
• Du hast ein Kleidungsstück verloren.
• Dein Chef ist anderer Meinung und findet dein Konzept nicht gut.
Hinterfrage in der nächsten Woche automatische Reaktionen. Ver-
suche trotz des Ärgers positive Aspekte in dem Ereignis zu sehen!
So vollbringst du Höchstleistungen: Suche Kritik, nicht Lob!
Es ist einfach, Zustimmung zu finden. Beschwere dich nach einer
schlechten Note einfach bei deinen besten Freunden: Mach ein trauri-
ges Gesicht, sage, du hast hart dafür gearbeitet. Sie werden dir sagen,
dass du großartig warst und dass der Dozent keine Ahnung hat. Gut.
Dein Gewissen ist beruhigt. Aber leider wird es dir bald wieder so
gehen, wenn du nicht aus diesem Erlebnis lernst.
Picke Dir nicht nur die guten Dinge einer Kritik oder eines Feedbacks
heraus. Wir neigen dazu, die gelungenen Sachen auf unsere Kompe-
tenz zurückzuführen, Fehler aber auf die Umwelt abzuwälzen. Nein,
sieh zweimal hin! Wie hättest du das verhindern können? Was musst
du verbessern?
Wenn du durchschnittlich gute Arbeit produzierst, kannst du zufrie-
den sein. Mit dir im Reinen, in deinem Herzen. Dein Kopf aber sollte
kritisch bleiben. Ein Freund, den ich durch einen Essay-Wettbewerb
kennen gelernt hatte, erzählte mir, dass er den Leuten keine seiner
Aufsätze und schriftlichen Arbeiten mehr schickt, die ihm den Aufsatz
mit ein paar Rechtschreibkorrekturen zurückschicken und sagen „Das
ist gut“. Nein, betonte Klaus, die Teile, in denen alles rot ist, viele Fra-
gezeichen stehen und das Fazit lautet: „Mach’s nochmal!“ – das seien
die besten Korrekturen. „Nur so kann ich meinen Text verbessern.
Sonst denke ich tatsächlich, der Text ist schon fertig. Dabei ist der Text
in Wahrheit nur mittelmäßig.“, meinte Klaus voller Überzeugung.
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Wahrscheinlich ist dein Entwurf auch gut. Aber er ist nicht groß­artig.
Willst du dich selbst übertreffen, ersetze die Frage: „Ist es gut?“
durch: „Was kann ich (noch) besser machen?“ Wenn du einen Vortrag
hältst, den die anderen super finden, hake genau nach: „Schön? Was
würdet ihr dennoch anders machen? Wo habe ich zu viel erzählt? Wo
habe ich gelangweilt?“ Wenn du auf diese Weise selbstkritisch fragst,
bekommst du eher eine ehrliche Antwort. Ansonsten wird man dir
immer „sozial erwünscht“ antworten. Habe keine Angst vor zu viel
„Kritik“. Es liegt immer noch an dir, was du davon umsetzt.
Es ist wichtig zu wissen, was gut ist.
Noch bedeutsamer ist es aber zu wissen,
wie das bisherige Ergebnis übertroffen werden kann.
SELBSTCOACHING 48
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Praxisteil: Analysen  Methoden
Bestimmung der Strategie. Eine Strategie sollte sich an deinen Stärken
orientieren. Doch manchmal gibt es Schwächen, die dem Erfolg im
Wege stehen und gezielt abgebaut werden müssen. Da Stärken und
Schwächen relativ sind, solltest du diese in Bezug zu deiner konkre-
ten Aufgabe setzen. Zeichne eine Tabelle wie unten angedeutet, in
der deine Ziele und die entsprechenden förderlichen und hemmenden
Faktoren eingetragen werden.
Nutze diese Aufstellung, um dich Feld für Feld zu fragen:
• Wie kann ich die benötigten Stärken ausbauen?
• Wie kann ich die hinderlichen Schwächen reduzieren?
• Wie vermeide ich, dass meine Schwächen zum Tragen kommen?
Ideenzettel. Lass bei einem Problem deiner Vorstellungskraft freien
Lauf: Schreibe das Problem an den oberen Rand eines Zettels – in Form
einer Frage, zum Beispiel „Was kann ich tun, um meine Hausarbeit gut
und schnell fertig zu kriegen?“ Suche 15–20 Antworten auf diese Frage,
egal wie naheliegend diese erscheinen (dadurch wird der Gedanken-
prozess angeregt). Wähle dann mindestens eine Idee aus und konkre-
tisiere sie. Zögere nicht mit der Umsetzung. Je öfter du diese Übung
machst, desto besser klappt es beim nächsten Mal. Außerdem werden
Kreativität und Selbstvertrauen gefördert und die eigene Lösungs-
kompetenz gestärkt!
Ziele Deine Stärken,
die du besonders
einsetzen willst
Eigenschaften, die dich in der
konkreten Situation hindern:
Abschlussarbeit
• Mindestens mit
2.0 bestehen
• Ich schreibe
gerne
• Mich interes-
siert das Thema
• Ich habe keine Ausdauer bei
langen und zähen Projekten
Chines. lernen
• 500 Schrift-
zeichen
• 1000 Vokabeln
• Ich war schon
mal dort und
kann mir das
Land vorstellen
• Ich kann mir Vokabeln schlecht
merken
Gutes Praktikum
• Vernünftige
Aufgabe
• Bezahlung
• Ich habe schon
gute Referen-
zen vorzuwei-
sen
• Ich bin etwas schüchtern und
kann mich nicht so gut präsen-
tieren
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Deine Zielscheibe: Was willst du ändern?
Diese Karte ist ein kleiner Rückblick des Kapitels in Stichworten. Nutze
sie, um deine Verbesserungspotenziale zu bestimmen. Markiere mit
Stiften oder Textmarkern Schwachstellen, trage weitere Ideen und
Konkretisierungen ein.
Was sind deine nächsten Schritte?
kühlen Kopf / Ruhe
bewahren
Komfortzone
überwinden an Farbpallette denken
(Resourcen, Kreativität,
Mut)
sich nicht schon
vorher Stress
machenFehler
systematischer
analysieren konkrete
Ziele und
Meilensteine
bestimmen
Selbstvertrauen
stärken schriftlich
reflektieren
Verbesserungspotenziale
identifizieren
Erfolgsfaktoren
ermitteln
vorher analysieren
 planen
wiederkehrende
Teilprozesse
identifizieren
das Projekt aus der Vogelperspektive
betrachten („rauszoomen”)
in andere Rollen /
Masken schlüpfen
Gezielter konstruktive
Kritik suchen
durch Trial  Error
den richtigen Weg
finden
Reflexionsjournal
führen
nicht entmutigen lassen
immer wieder Überblick
über Ziele  aktuellen
Standpunkt verschaffen
konkrete Vorbilder
suchen nicht gleich aufgeben
Fehler
akzeptieren
SELBSTCOACHING 50
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So gelingen Projekte
Don’t panic! Wer seine Energie mit Ängsten und Sorgen blockiert, hat
es schwer. Bewahre einen kühlen Kopf und Optimismus. Dann kann
eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Überschreite deine Grenzen. Grenzen sind dazu da, durchbrochen zu
werden. Das Lernen darf niemals aufhören! Raus aus deiner Komfort-
zone! Richte deinen Blick nach vorne. Wenn du zurückschaust, dann
nur, um aus deinen Fehlern zu lernen.
Hab Selbstvertrauen. Jeder verfügt über die Ressourcen, sich seine
eigene Zukunft auszumalen. Vielleicht ist dein Zukunftsbild ein wenig
bunter als das von anderen. Egal – Hauptsache dir gefällt dieses Bild!
Denke in Prozessen. Gewisse Prozesse kehren immer wieder. Sie wan-
deln Unsicherheit in lenkbare Ungewissheit.
Verschaffe dir einen Überblick. Worum geht es konkret? Wie ist die Aus-
gangssituation? Was sind die fachlichen, inhaltlichen und deine per-
sönlichen Ziele bei dieser Aufgabe?
Ermittle die Erfolgsfaktoren. Ergründe die Erfolgsfaktoren jeder Auf-
gabe und konzentriere deine Energie darauf.
Experimentiere bei der Umsetzung. Versuche, deinen Plan effizient
umzusetzen. Sei aber offen gegenüber Rückmeldungen und Informa-
tionen, die sich durch das Handeln ergeben.
Coache dich selbst. Fordere so viel Feedback wie möglich über deine
Leistungen und dein Verhalten ein. Analysiere schriftlich, was dir gut
gelingt und identifiziere deine „Baustellen“.
Suche Vorbilder. Suche Inspiration durch Menschen aus Wissenschaft,
Geschichte, Wirtschaft, Politik und deinem Umfeld. Lies Biografien.
Oder erfinde eine Idealfigur und ahme diese nach.
Wenn du auf die Nase fällst, steh wieder auf! Nur wer handelt und dabei
Fehler macht, wird auch erfolgreich. Rückschläge zeigen dir falsche
Annahmen und Schwächen und sind damit wichtige Informationen im
Lernprozess.
ZusammenfassungMini-Poster
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In diesem Modul lernst du:
Konkrete Ziele zu setzen | Die Antriebskraft zu verstärken | Stress und
Demotivation zu vermeiden | Mit Motivationsschwankungen umzu-
gehen | kurzfristige Motivationstricks | Ziele zu visualisieren
Motivation
Sich selbst verwirklichen.
Früher habe ich mich gewundert, warum ich trotz Ehrgeiz
oft antriebslos war. Eigentlich hoch motiviert, fand ich
dennoch keine Kraft, etwas zu Ende zu bringen. Frustrie-
rend! Ich beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen:
„Movere“ bedeutet „Bewegung zu etwas“ (einer ange-
nehmen Sache) oder „weg von etwas“ (einem uner-
wünschten Zustand). Motivation hat außerdem eine
geistige (Erwartungen und Ziele) und eine körperliche
Ebene: Fehlen Grundbedürfnisse wie Schlaf, gute Ernäh-
rung und soziale Kontakte, rebelliert der Körper und er
versucht sich zu holen, was ihm zusteht.
Damit erklärten sich meine Motivationsschwankungen:
Kopf und Körper müssen zusammenspielen! Ich hingegen
versuchte, meinen Körper auszupressen wie eine Zitrone.
Kein Wunder, dass mir der „Saft“ ausging. Nur die Balance
verschiedener Lebensbereiche hält die Antriebskraft
hoch. In den folgenden 10 Regeln ergründen wir dieses
Wechselspiel.
Diese Leseprobe stammt aus den „Golden Rules“
von Martin Krengel, 4. Auflage, Eazybookz 2013
53
11 | Verwirkliche deine Träume
Was führt Unternehmensgründer dazu, unermüdlich an einem Projekt
zu arbeiten und dabei vollste Zufriedenheit zu erlangen? Sie sind das
Projekt! Sie wissen, wofür es sich lohnt zu kämpfen, denn sie verwirk-
lichen sich selbst! Sich selbst, seine Wünsche, Träume, Ziele zu reali-
sieren, ist die stärkste und zuverlässigste Motivationsquelle. Macht
man Dinge, die einem Spaß machen, gehen diese auch viel leichter
von der Hand. Man erreicht Zwischenetappen schneller; das motiviert
zusätzlich. Hast du den Zustand erreicht, in dem du bist, was du tust,
brauchst du dir um deine Motivation keine Gedanken mehr machen.
Du wirst von größeren Motivationstiefs weitgehend verschont blei-
ben (Rückschläge und „Dellen“ hat jeder mal). Es gibt keinen Grund,
nicht nach Glück, Zufriedenheit und Erfolg zu streben. Im Gegenteil, es
gibt viele Gründe dafür: Wenn dir das „Warum“ deines Handelns klar
ist, dann schaffst du jedes „Wie“. So ähnlich jedenfalls hat es Friedrich
Nietzsche ausgedrückt.
Werde dir deiner übergeordneten Ziele und Motivationsfaktoren
bewusst, denn kurzfristige Leistungsanreize und „Belohnungen“ sind
etwas temporäres, von außen gesetztes, externes. Echte Motivation
kommt von innen! Es ist wie beim Sport: Zum Anfang hilft uns viel-
leicht ein externer Anreiz, man geht wegen der Freunde ins Fitness-
center oder ein Sonderangebot lockt. Fallen diese Anreize weg, wird
die Eigenmotivation auf die Probe gestellt.
„Wenn Du ein Schiff bauen willst,
lehre die Sehnsucht nach dem weiten Meer!“
Antoine de Saint-Exupery
Externe Leistungsanreize und materielle Belohnungen verpuffen
schnell. Was du brauchst, ist eine Mission, ein Leitbild! Das hat viel mit
deiner Einstellung zu tun: Psychologen haben gezeigt, dass die Wün-
sche des Menschen unerschöpflich sind: Nach einem Lottogewinn
fühlt man sich kurzfristig besser, aber bald passen sich die Erwar-
tungen dem neuen Niveau an. Man merkt, dass man nicht unbedingt
beliebter oder erfolgreicher ist und giert wieder nach mehr. Wirklich
zufrieden wird man dadurch nicht. Viele bekannte Menschen sind
dadurch erfolgreich geworden, dass sie einfach Spaß an ihrer Tätigkeit
MOTIVATION 54
Quelle:
Martin Krengel:
“Golden Rules”,
Eazybookz
Like und
twittere
gerne diese
Leseprobe.
Alle anderen Rechte,
inklusive Download
und Druck sind jedoch
vorenthalten.
hatten und daraus enorme Energie gezogen haben. Wer seine Talente,
Interessen und Neigungen auslebt, erlebt mehr Freude bei der Arbeit,
hat niemals das Gefühl, seine Zeit zu vergeuden und erwirbt schneller
und müheloser das notwendige Wissen. Höchste Zeit also, sich essen-
zielle Fragen zu stellen:
• Was ist für mich ein erstrebenswertes Leben?
• Aus welchen Tätigkeiten und Handlungen besteht es?
Dein Leitbild ist eine Übersicht über das „große Ganze“. Es gibt Ant-
wort auf die Fragen:
• Wer bin ich und wer möchte ich sein?
• Was ist mein großes Ziel im Leben?
Kaum jemand macht sich intensiv Gedanken über diese grundlegen-
den Dinge! Du etwa? Natürlich kann man diese Fragen nicht sofort und
nie abschließend beantworten. Doch genau diese Suche hat seit jeher
die Menschheit motiviert. Versuche daher immer wieder, an diesen
Fragen zu arbeiten:
• Was möchte ich erreichen?
• Wovon träume ich?
• Wie möchte ich sein?
• Was will ich verändern? / Was hinterlassen?
Rufe dir deine Träume in Erinnerung: vielleicht einen Kindheitstraum,
der irgendwo vernachlässigt in dir schlummert oder die Idee, die du im
Studium hattest und die dir immer noch im Kopf umhergeht. Mache
aus diesem „Was wäre wenn ...?“ ein konkretes Ziel. Nur wer seine
Träume in Ziele umformt, kann sie in Erfüllung gehen lassen. Der Rest
verschläft sein Leben.
Wie schreibt man ein persönliches Leitbild? Das hängt ganz davon ab,
was du darin verankern möchtest und welche Darstellungsform dir
am liebsten ist: Für manche ist es einfach nur ein Zitat oder ein Satz –
ein Motto, das alle Bereiche ihres Lebens zu integrieren versucht. Für
andere ist es eine Art persönliche Verfassung, die in mehreren Para-
grafen verschiedene Ziele und Teilaspekte aufschlüsselt. Man sollte
es persönlich, positiv und im Präsens schreiben. Ansonsten gibt es
keine Regeln, Hauptsache es motiviert und lenkt deine Energie in die
gewünschten Bahnen!
55
:
,
Was sind deine Träume? Ein glückliches Familienleben mit Haus, Kind
und Katze? Eine eigene Firma? Dein eigener Liebesroman? Geht es dir
um Wohlstand? Akzeptanz? Glück? Ruhm? Veränderung? Möchtest du
vielleicht eine Schule gründen oder dich für die Umwelt einsetzen?
Fast alle reichen und mächtigen Leute sind nicht
er­wähnens­wert talentiert, gebildet, charmant oder
gutaussehend. Sie werden reich und mächtig,
weil sie reich und mächtig werden wollten. Deine Vision
ist dein größtes Vermögen. Ohne ein Tor (bzw. Ziel)
zu haben, ist es schwierig zu treffen!
Paul Arden, Werbeguru und Filmproduzent
Ziele im Leben sind unheimlich wichtig! Sie geben dir eine Richtung,
deinem Handeln einen Sinn. Richtig gesetzt bringen sie dir mehr
Zufriedenheit und Glück. Und sie haben noch einen angenehmen
Nebeneffekt: Angeblich verdienen Menschen, die sich zum Beginn
ihrer Karriere klare und schriftliche Ziele setzen, 10 Jahre nach Berufs-
einstieg ein Vielfaches ihrer ehemaligen Kommilitonen ohne Vision.
Denke daran:
Liebst du, was du tust, wird es auch gut!
Diese Leseprobe stammt aus den „Golden Rules“ von Martin Krengel,
4. Auflage, Eazybookz 2013
MOTIVATION 56
:
,
Golden Rules
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  • 2. Die goldene Methoden­Bibel. Endlich kommen sie! Die goldenen Regeln für Erfolg, Zufriedenheit und persönliche Produktivität. Martin Krengel präsentiert 50 erprobte Methoden und innovative Konzepte, die frischen Wind in den Alltag bringen: Mit einer „Farbpalette“ können wir unsere Probleme lösen, mit den „Lebensbatterien“ eine perfekte Work-Life-Balance erzielen und mit dem „Krengelschen Imperativ“ wird Ordnung zum Kinder- spiel. Hier findet jeder etwas Motivierendes, Inspirierendes, Bewährtes. Vor allem besticht der ungewöhnliche Ratgeber durch seine persönliche und humorvolle Art. Kurzum: Ein unentbehrliches Handbuch, das in keinem Bücherregal fehlen sollte. Für alle Ehrgeizigen und Chaoten, für Studierende und Young Professionals aber auch anspornend für Fortgeschrittene. Golden Rules: Für alle, die noch viel im Leben vorhaben! Martin Krengel schloss zwei Studiengänge mit Auszeichnung ab und ist Autor, Redner und Unternehmer. Der begeisterte Kunst- turner studierte in fünf Ländern, reiste quer durch Asien und entwickelte eigene Konzepte für die Bedürfnisse einer neuen Generation. Martin möchte beweisen: Erfolg und Selbstverwirklichung gehen Hand in Hand. Man muss nicht überdurch- schnittlich intelligent sein – viel wichtiger sind die richtigen Methoden!
  • 3. Golden Rules Martin Krengel Erfolgreich lernen und arbeiten: Alles, was man braucht. Selbstcoaching | Motivation | Konzentration | Zeitmanagement | Organisation 3
  • 4. Weitere Informationen sowie nützliche Downloads zum Buch auf dem Online-Ratgeber: www.studienstrategie.de Martin Krengel Golden Rules Erfolgreich lernen und arbeiten: Alles, was man braucht. Umschlaggestaltung: Jolanda Buck, Berlin Layout und Satz: www.dashmedia.de & Guido Schaffrin Grafiken S. 8, 14, 52, 84, 112, 154: Jolanda Buck; Weitere: Martin Krengel / Gregor Hinz / Patrick Rebacz / Fotolia / IconDock Herstellung: Alphaprint, Martin; Printed in Slovakia © Martin Krengel 2009–2013, Alle Rechte ausdrücklich vorbehalten. Eazybookz ISBN: 978-3-941193-444 4. Auflage, März 2013 Eazybookz UG (haftungsbeschränkt) Weststraße 13, 01979 Lauchhammer Kontakt@eazybookz.de Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deut- schen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar. Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 5. „Die Golden Rules gehen über bloße Tipps weit hinaus. Für mich ist das Buch ein richtiges Lexikon des Zeitmanagements“ Ilja Grzeskowitz, Experte für Veränderung Potenzialentfaltung „Ich bin begeistert - vor allem von der Kombination der fünf Module und der Darstellungsdichte” Evelyn Schulz, Rechtsanwältin „Da ist mit Sicherheit für jeden etwas Neues dabei!“ Nils Dreyer, Unternehmensgründer „Das Konzept hat uns überzeugt“ Doro und Heiner, Studierende 5 : ,
  • 6. Inhalt Modul 1­Selbstcoaching Seite 15 1. Don’t Panic | 2. Überschreite deine Grenzen | 3. Habe Selbstvertrauen | 4. Denke in Prozessen | 5. Verschaffe dir Überblick | 6. Analysiere die Erfolgsfaktoren | 7. Experimentiere bei der Umsetzung | 8. Coache dich selbst | 9. Suche dir Vorbilder | 10. Stehe wieder auf, wenn du auf die Nase fällst Modul 2­Motivation Seite 53 11. Erfülle deine Träume | 12. Löse deine inneren Hand- bremsen | 13. Balanciere durchs Leben | 14. Pumpe Ener- gie in jede Lebensbatterie | 15. Visualisiere deine Ziele | 16. Akzeptiere emotionale Schwankungen | 17. Suche Feedback | 18. Baue Kompetenzen auf | 19. Kultiviere Routinen und Rituale | 20. Trickse den inneren Schwei- nehund aus Modul 3­Zeitmanagement Seite 85 21. Schlage zwei Fliegen mit einer Klappe | 22. Eat the Frog first | 23. Hüte dich vor dem Affen | 24. Behalte die Woche im Blick | 25. Carpe diem | 26. Verjage den Detail- fuchs | 27. Senke Transaktionskosten | 28. Fange Zeit- und Energiediebe | 29. Entscheide dich | 30. Packe die Gelegenheit am Schopfe Modul 4­Konzentration Seite 123 31. Surfe auf der Flow-Welle | 32. Stimme dich auf die Aufgabe ein | 33. Setze dir Limits | 34. Calm down | 35. Sei unstetig | 36. Schalte ein zur Primetime | 37. Lenke Ablenkungen ab | 38. Sprich die Sinne an | 39. Eins nach dem anderen | 40. Gehe nie ohne Anker zu Vorträgen Modul 5­Organisation Seite 155 41. Lenke deine Energie | 42. Krengels kategorischer Imperativ | 43. Das Reichweiten-Prinzip | 44. Mache Auf- gaben sichtbar | 45. Befreie dich von Ballast | 46. Nutze alle 6 Wände | 47. Sei Prozessmanager | 48. Nutze dein externes Gedächtnis | 49. Bringe Kreativität in dein Leben | 50. Bau einen Damm gegen die E-Mail Flut EINLEITUNG 6
  • 7. Selbst­ coaching Konzen­ tration Organisation Zeit­­- ma­nage­ment Zuversicht Energie Balance Erfolg Struktur Was sind die Golden Rules? Die Golden Rules repräsentieren die wichtigsten Faustregeln für deine persönliche Produktivität. Mit den fünf Bausteinen Selbst­coaching, Motivation, Konzentration, Zeitmanagement und Organisation kannst du deine Leistung und Zufriedenheit steigern und Stress reduzieren. Die Golden Rules enthalten alle Selbstmanagement-Techniken, die du zum effektiven Lernen und Arbeiten brauchst. Sie sind eine Methoden- Bibel, regen zum Denken an, unterstützen beim bewussten Umgang mit deiner Zeit und sind eine Goldgrube für Situationen, in denen es brennt. Die Golden Rules sind: Kompakt. „Alles aus einer Hand“ ist einer der leitenden Gedanken des Buches: Fünf wichtige Schlüsselqualifikationen werden prägnant in je zehn Regeln erklärt. Statt dich durch fünf separate Bücher zu kämp- fen, hältst du die Essenz bereits in deinen Händen! Anschaulich. Jede Regel wird durch Beispiele, Erklärungen und Illustra- tionen lebendig. Erfahrungen des Autors helfen, Fehler zu vermeiden und Hindernisse zu umschiffen. Praktisch. Zu jeder Regel gibt es konkrete Umsetzungstipps, alle Module schließen mit einer „Zielscheibe“ und einem kleinen „Trai- ningslager“ ab. Die Zusammenfassungen in Form von „Mini-Postern“ sind eine wertvolle Gedankenstütze. Inspirierend. Das Buch präsentiert Insider-Tricks und innovative Metho- den, die sich in Studium und Praxis bewährt haben. Sie regen zum Nachdenken an, liefern Anstöße für die präzisere Selbstbeobachtung und rütteln an eingefahrenen Verhaltensweisen. Motivation 7
  • 8. Für wen sind die Golden Rules? Dieses Buch ist für alle, die sich persönlich, fachlich und methodisch weiterentwickeln wollen. Für Zielstrebige, die ihre Zukunft aktiv gestalten und die zeitliche und organisatorische Höchstleistungen vollbringen. Für Menschen, die sich mehr Erfolg wünschen und sich selbst verwirklichen möchten. Und natürlich für Dauer-Glühwürm- chen, die Stress reduzieren müssen und mehr Freizeit erstreben. Die Golden Rules sind für ein sich jung fühlendes, lebensfrohes Publi- kum geschrieben. Sie sind keine trockene Lektüre, sondern sollen Spaß machen und inspirieren. Sie reden dich direkt an, ohne ein gestelztes „Sie“, und sind auch mal mit einem Augenzwinkern geschrieben. Studierende & Doktoranden Selbstmotivation | Größeres Selbstvertrauen | Bessere Konzentration | Mehr Freizeit | Lange Studienarbeiten meistern | Ablenkungen reduzieren | Geschickte Pla- nung und Zeiteinteilung | Effizienteres Lernen | Bessere Noten Berufstätige & Berufseinsteiger Gut organisiert sein | Mit neuen Herausforderungen umgehen | Zeit managen | Prioritäten setzen | Sich schnell in Aufgaben einarbeiten | Sich nicht demotivie- ren lassen | Stress reduzieren | Mehr schaffen | Mit sei- ner Energie haushalten Wissensarbeiter & Freiberufler Arbeitsmethodik verbessern | Bestehende Handlungs- weisen hinterfragen | Neue Routinen etablieren | Pro- zesse anpassen | Ausgeglichener werden | Sich immer wieder neu auf die Aufgaben freuen | Komplexe Denk- aufgaben steuern EINLEITUNG 8
  • 9. Warum schreibe ich dieses Buch? Noch vor wenigen Jahren hatte ich Schwierigkeiten, mich zu fokus- sieren und motiviert an Aufgaben heranzugehen. Mein Zeitmanage- ment war eine Katastrophe. Ich hielt mich mit Details auf und wurde unzufrieden, wenn ich meine großen Pläne verschieben musste. Mein Arbeitszimmer war ein Chaos, wenn Ordnung das halbe Leben ist, so lebte ich in der anderen Hälfte. Irgendwann fing ich an, mir die viel- leicht wichtigste Frage meines Lebens zu stellen: „Wie kann ich es bes- ser machen?“. Ich begann, mein Handeln zu hinterfragen und andere genau zu beobachten. Ich suchte nach Prinzipien, die meine Arbeit leichter machten und beschäftigte mich mit Selbstmanagement- Regeln, um endlich zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte. Durch den hohen Anspruch meiner Universitäten und persönlichen Ehrgeiz blieb mir keine andere Wahl, als gezielt nach neuen Techni- ken zu suchen, um der Arbeitsbelastung standzuhalten. An der Uni Witten/Herdecke musste ich ab dem ersten Semester anspruchsvolle Praxisprojekte durchführen und mir den Lernstoff vollkommen eigen- ständig erarbeiten. Auch der Master, den ich an der London School of Economics innerhalb von zehn Monaten in einem neuen Studien- fach absolvierte, verlangte nach raffinierten Zeitmanagement-Tricks: Das Lesevolumen war enorm, oft 500 Seiten pro Woche. Sobald eine schriftliche Arbeit abgegeben war, kam die nächste. In der Lernzeit galt es, sechs Fächer gleichzeitig zu pauken. Es blieb keine Zeit für Ineffizienzen. Tag um Tag musste gehandelt, gelernt, gelesen und geschrieben werden. Und das beim organisatorischen Aufwand eines Auslandsstudiums inklusive Fernbeziehung. Angefangen von einem Start-up bis zum Großkonzern, von freier Pro- jektarbeit bis zur fordernden Unternehmensberatung arbeitete ich mich in verschiedenste berufliche Aufgaben ein. Dann arbeitete ich als Autor, Redner, Seminarleiter, Doktorand und Unternehmensgrün- der in ganz verschiedenen Rollen. Dabei merkte ich, welche Methoden sich in andere Bereiche übertragen ließen. Ob im Studium oder Beruf – ich versuchte dabei neben dem eigentlichen Projekt auch persönlich zu wachsen und meine Kompetenzen zu erweitern. Dieses Wissen möchte ich nun weitergeben. 9
  • 10. Die 5 Module der persönlichen Produktivität Gutes Zeitmanagement ist wichtig, doch längst nicht alles. Sicher hast du schon einmal einen Tag vertrödelt und dich am Ende gewundert, warum du wieder nichts geschafft hast – obwohl du eigentlich viel Zeit hattest. Spätestens, wenn du alle Verabredungen und Termine abge- sagt hast und dann am Schreibtisch auf ein leeres Blatt Papier starrst, merkst du, dass dir weitere Zutaten zur zündenden Idee fehlen. Und so kannst du wohl nachvollziehen, dass 95 Prozent meiner Seminar- teilnehmer über Motivations- und Konzentra­tionsprobleme klagen. Aber auch eine clevere Organisation ist nicht zu verachten: Wenn dein Arbeitsumfeld gut strukturiert ist, fällt die Kontrolle über deine Aufga- ben leichter. Und hält dir den Effizienzkiller Unentschlossenheit vom Hals. Aufgrund dieser verschiedenen Erfolgszutaten möchte ich hier lieber von „persönlicher Produktivität“ sprechen. Das Ende des Zeitmanagements? Zeitmanagement ist genau genommen ein verfehlter Begriff. Zeit kann man nicht managen: Du kannst die Batterien aus deiner Armand- uhr herausnehmen oder den Wecker kaputtschlagen – die Zeit läuft dennoch weiter. Wichtiger ist, was du mit ihr anstellst. Welche Dinge du tust, wie motiviert, lustvoll und konzentriert du lebst, lernst, arbeitest. Das subjektive Zeitgefühl ist entscheidend! Und dies wird durch Faktoren wie Motivation, Konzentration und Entschlossenheit geprägt. Deswegen passt das Wort „Produktivität“ als Begriff für die- ses Buch besser als „Zeit- bzw. Selbstmanagement“. Er ist vielseitiger und treffender: • Rein ökonomisch ist man produktiv, ­­wenn man effizienter arbeitet: Ent- weder schafft man mehr mit gleichem Aufwand, braucht weniger Zeit oder steigert seine Qualität. Produktivität ist also ein Mittel, Ressour- cen (Zeit, Energie, Geld) zu sparen und seine Wünsche und Aufgaben zu erfüllen. • Aber auch der Aspekt der „Leistungsfähigkeit“ spielt eine Rolle: Während „Zeit- Selbstmanagement“ eine Anmutung des „Sich- Disziplinierens“ und von Pflicht und Strenge mit sich bringt, nimmt „Leistungsfähigkeit“ eine ganzheitlichere Perspektive ein: Langfristig produktiv sind wir eben nur, wenn wir eine gute Mischung aus Anspan- nung und Entspannung finden. EINLEITUNG 10
  • 11. Auch die Wortherkunft stimmt positiv: • Demnach ist jemand „produktiv“, der energisch, fleißig, tatkräftig oder fähig ist, immer Neues hervorzubringen. Lateinisch „producere“ bedeu- tete u.a. „vorwärts führen“. • Aber vor allem die Synonyme verheißen Gutes: Demnach wird Pro- duktivität mit Energie, Schaffensdrang, Tatkraft, Tüchtigkeit, Einfalls- reichtum, Innovationskraft, Vorstellungsvermögen und Kreativität gleichgesetzt. Fassen wir zusammen: „produktiv“ als Adjektiv hat zwei Bedeutungen: Produkte hervorbringen (in unserem Fall also Berichte, Präsentatio- nen, E-Mails) und in der zweiten Bedeutung wird es mit „schöpferisch, fruchtbar“ umschrieben. Es wurde ursprünglich mit Kraft und Energie verbunden, aber auch mit Willen, Vorstellungsvermögen und Ideen. Eine gute Mischung aus einem körperlichen und geistigen Aspekt! Ein schönes Wort, findest du nicht auch? Doch halt! Es steckt noch mehr in den 13 Buchstaben: • In Produktivität steckt das „Pro“, etwas Bejahendes, Zusätzliches und hat etwas von „sich aufraffen“, „es wagen“. • Das „du“ im Wort möchte uns vielleicht darauf hinweisen, dass wir für unser Schicksal selbst verantwortlich sind und es proaktiv in die Hand nehmen. • Und letztendlich steckt darin das „Produkt“ – Produktivität als Produkt von vielen kleinen Stellhebeln und Schrauben. Diese sind für sich schritt- weise leicht änderbar, machen aber in der Summe einen ge­waltigen Unterschied! Das 5 x 10 der persönlichen Produktivität Bleiben wir kurz bei der Produkt-Metapher, denn sie passt wiederum sehr schön in dieses Konzept; wie bei einem richtigen (mathema- tischen) Produkt kann man die Faktoren beliebig vertauschen. Wo du beginnst, ist also vollkommen dir überlassen. Der Anteil der fünf Schlüsselqualifikationen zur persönlichen Produktivität beträgt ohne- hin nicht jeweils 20 Prozent – jeder hat in dem einen oder anderen Bereich seine größten Baustellen. Voilá, ich präsentiere dir nun die effektivsten Faktoren! Sie sind in zwei Ebenen gegliedert: einmal in fünf Module, die du gleichermaßen 11
  • 12. gezielt und flexibel auf die jeweilige Situation anpassen kannst – eine Art „Selbstcoaching-Tetris“ also. Zudem wollte ich das Buch so interak- tiv wie möglich halten und habe die Konzepte und Methoden in jeweils „10 goldene Regeln“ geformt, die dir Tipps häppchenweise servieren. Letzten Endes spielen alle Faktoren natürlich zusammen und ergänzen sich. Daraus ergibt sich der Aufbau des Buches: • Wir beginnen mit dem Selbstcoaching. Wie ein Trainer einen Sportler, kannst du dich selbst zu Höchstleistungen anspornen. Dieses Modul hilft, dein Selbstvertrauen zu stärken, innere Blockaden zu lösen und aktiv deinen Entwicklungsprozess voranzutreiben. Damit legt es den Grundstein für die anderen Module. • Motivation ist der Schlüssel, etwas zu verändern und voranzubringen. Es geht hier um deine Ziel- und Selbstfindung, aber auch darum, die not- wendigen energetischen Ressourcen kurz- und langfristig bereitzustel- len. • Ist die Grundenergie aufgebaut, hilft dir Zeitmanagement bei der Umsetzung deiner Ziele. Dieses Kapitel wird dich animieren, bewusster mit deiner Zeit umzugehen, und Denkkategorien vermitteln, mit denen es leichter fällt, die richtigen Prioritäten zu setzen. • Das Konzentrations-Kapitel gibt nützliche Hinweise, wie du die Klarheit und Tiefe deiner Gedanken steigern und auf dein Ziel richten kannst. Auch Motivations- und Zeitmanagement-Tricks helfen dabei. • Im letzten Schritt verankern wir im Kapitel „Organisation“ die genann- ten Ideen und Konzepte fest in deinem Alltag, indem wir deine Umge- bung produktivitätsfördernd gestalten. Achtung! Die Golden Rules inspirieren am besten in kleinen Dosierun- gen. Nimm dir jeden Tag nur eine Regel oder ein Modul vor. Gehe einen Schritt nach dem anderen. Teste deine Erkenntnisse lieber gleich in der Praxis, als alles auf einmal zu lesen. Dieses Buch möchte dein Begleiter durch alle Lebens- und Arbeitspha- sen sein. Verwende es als Ressource, um dir ein breites Methodenwis- sen anzueignen. Oder nutze es als Ideengenerator für ein spezielles Problem. Natürlich ist es auch ideal, um Grundsätze aufzufrischen und neue Anregungen für die Praxis zu holen. EINLEITUNG 12
  • 13. Vergiss den Hammer! – Meine Methode(n) Das „Law of Instrument“ ist ein scherzhafter Ausspruch: „Wenn das einzige Werkzeug, das du besitzt, ein Hammer ist, so sieht jedes Prob- lem wie ein Nagel aus!“ Anders gesagt: Wenn man nur eine Methode kennt, wendet man immer wieder diese Methode an – egal, ob das der richtige Lösungsweg ist. Ein Zeitmanagement-Autor wird dir immer sagen, dass du effizienter und disziplinierter werden sollst, wird aber nicht darauf achten, ob du in Wirklichkeit Motivations- oder Kon- zentrationsprobleme hast. Ich möchte durch die breite Auswahl an Methoden meinen Lesern bewusst zu machen, dass sie sich auf ver- schiedenen Ebenen gleichzeitig verbessern können. „Methode“ (griech.) heißt soviel wie „Ein Weg, der zum Ziel führt“. Ich möchte aber zeigen, dass es mehrere Wege gibt (und welche Abkürzungen die besten sind). In der richtigen Situation die passende Methode zu haben – das ist perfektes Selbstmanagement. Einen Königsweg gibt es leider nicht. Ihn zu propagieren ist ver­lockend, doch unseriös. Menschen sind zu verschieden, die Situationen zu vielfältig, als dass es nur ein Erfolgsrezept geben könnte. Die Golden Rules eröff- nen dir mehrere Perspektiven. Hab Freude daran, verschiedene Heran- gehensweisen auszuprobieren. Den Holzhammer kannst du ab heute getrost am Nagel hängen lassen! Ich strebe nach einem interdisziplinären Ansatz und suche nach einer star- ken Integration der Methoden, damit mein Leser daraus mit minimalem Leseaufwand den maximalen Nutzen zieht. Golden Rules KONZENTRATIONS- LERNMETHODEN Denken ZEITMANAGEMENT ORGANISATION Handeln ERFOLGSPRINZIPIEN Umfeld Individuum 13
  • 14. In diesem Modul lernst du: Unsicherheit systematisch zu reduzieren | Selbstsicherer zu werden | Schwierige Aufgaben zu lösen | Exzellente Leistungen zu erzielen | Dich in neue Sachverhalte einzuarbeiten | Projekte, Probleme und Pro- zesse geschickt anzugehen
  • 15. Selbstcoaching Strukturen schaffen. Wir sind häufig auf uns allein gestellt. Guter Rat wäre da angebracht. Doch dein Professor hat keine Zeit, dein Chef ist nie da. Typisch. Oft wird aber trotzdem von dir erwar- tet, dass du mit neuen Ideen und Lösungsvorschlägen kommst! Da hilft nur Selbstcoaching. Der Coach in dir muss aktiv werden und dich wie ein­Trainer immer wieder herausfordern und motivieren, neue Dinge auszuprobie- ren und Projekte, Probleme und Prozesse in den Griff zu bekommen. Höchste Zeit also, sich einmal anzusehen, welche Faktoren helfen, Unsicherheit zu reduzieren und systematisch an Prozesse heranzugehen. Die folgenden 10 Regeln sollen dein Selbstvertrauen stärken und dich durch unbekannte Gewässer navigieren. 15
  • 16. 1 | Don’t Panic Kennst du das Gefühl, vor einer neuen Aufgabe zu stehen und keinen Fahrplan zu haben? Jemand setzt dir ein anspruchsvolles Projekt- ziel, du weißt aber nicht, wie du das innerhalb so kurzer Zeit erledi- gen sollst? Oder verfällst du beim Anblick der Fülle an Prüfungsstoff in Schockstarre, während sich zugleich innerlich ein Sorgencocktail zusammenbrodelt? Möglicherweise versinkst du nun in Grübeleien, Zweifeln und Ängsten, schläfst schlecht und findest den Anfang nicht. Mit diesen Reaktionen bist du nicht allein. Es sind natürliche Anpas- sungsreaktionen von Körper und Geist. Angst und Furcht waren einmal Schutzmechanismen, die uns beim Überleben halfen. Heute behindern uns diese Emotionen eher, denn wir leben ja nicht mehr in der Steppe. Manch einer mag nun argumentieren, dass sein Büro dennoch einem Dschungel gleicht, mit brüllendem Chef, umherschlei- chenden Kolleginnen und tödlichen PC-Viren. Doch darauf will ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Stattdessen möchte ich dir ein psychologisches Gesetz vorstellen, das viel darüber verrät, welchen Schaden übertriebene Panik anrichten kann, nämlich das sogenannte Yerkes-Dodson-Gesetz. Sind wir zu gelassen, finden wir den Anfangsschwung nicht. Bei mittlerer Aktivierung ist die Leistungsfähigkeit am größten: Wir machen uns etwas Sorgen und bereiten uns entsprechend vor. Wird der Stress jedoch zu hoch, blockiert das Gehirn. Dieses empirische Gesetz zeigt, was mit unserem Körper in verschie- denen Zuständen passiert: Im Schlaf sind wir ausgeruht, unsere Gehirnwellen und Atmung sind ruhig und gleichmäßig. Der Körper AKTIVIERUNG bzw. Stresslevel LEISTUNG bzw. Effizienz Schlaf entspannte Wachheit wache Aufmerk­ samkeit starke Erregung Panik (Blockade) SELBSTCOACHING 16
  • 17. erholt sich. Im Zustand der entspannten Wachheit können wir leicht Informationen aufnehmen und praktische Tätigkeiten verrichten. In der Phase der wachen Aufmerksamkeit ist unser Körper optimal leistungsfähig. Wir haben viel Energie und die ganze Bandbreite des Gehirns steht zur Verfügung. Kommt der Körper allerdings in eine Phase der starken Erregung, sinkt die Leistung. Sorgen lassen nun unsere Gedanken kreisen und blockieren das Gehirn. Der berühmte „Tunnelblick“ stellt sich ein, ein Perspektivenwechsel ist nicht möglich. Überkommt uns gar ein Anflug von Panik, dann ist das Denken kom- plett blockiert. Typisch beim berühmten „Blackout“ in Bewerbungs- gesprächen und Prüfungen. Derart angespannt und verkrampft haben wir keinen Zugriff mehr auf unser Wissen. Ist die brenzlige Situation vorbei, fällt uns plötzlich wieder alles ein, und wir ärgern uns. So weit muss es aber gar nicht kommen! Spielverderber. Emotionen wie Angst und Furcht entstehen im limbi- schen System. Dieser Bereich ist evolutionär älter als das Großhirn und diesem vorgelagert. Somit haben unsere Gefühle ein „Veto-Recht“ und blockieren mitunter Denkprozesse. Deshalb können wir mit einer lustlosen und negativen Einstellung nur schwer lernen. Neugier und Offenheit sind dagegen die Turbinen des Lernens: Sie erzeugen einen Sog, der Texte, Tabellen und Grafiken in uns hineinzieht. Jede schein- bar öde Aufgabe enthält interessante Aspekte und Herausforderun- gen. Welche sind das für dich? Das mulmige Gefühl im Magen hat etwas Gutes. Wir sollten akzeptieren, dass neue Situationen mit mulmigen Gefühlen verbunden sind. Das Yerkson-Dodson-Gesetz zeigt, dass ein gewisser Anspannungsgrad energetisiert und leistungsfähig macht. Ich ärgerte mich immer, wenn mir selbst nach 100 Turnwettkämpfen vor jedem Gerät erneut mulmig wurde. Bis mir ein Künstler beichtete, dass er vor jedem Auftritt noch nervös sei, dass er das aber positiv sehe, weil er sonst emotionslos und routinemäßig auf der Bühne stehen würde. Er könne ohne diese gewisse Anspannung nicht gut sein. Ohne dieses Kribbeln im Bauch würde ihm das Spielen ohnehin keinen Spaß machen. Wow. So hatte ich das noch nie gesehen! Eine gewisse Grundspannung ist also notwendig. Um aber nicht in den Überspannungsbereich zu kommen, versuche in akuten Furcht- oder Unlust-Zuständen auf den „Abwarten“-Modus umzuschalten. Stelle 17
  • 18. negative Gefühle zurück. Suche die Chancen, nicht die Gefahren einer neuen Aufgabe. Fange einfach an, arbeite dich ein. Schon die ersten Einblicke geben oft ein besseres Gefühl. Verschwende keine Energie damit herumzulamentieren. Wie du dir denken kannst, ist das abso- lut kontraproduktiv: Negative Gefühle verfestigen sich, dein Handeln erstarrt. Suche lieber nach Lösungen, denke in Optionen und Szena- rien. Die ganze Kunst besteht darin, die aufkommende Energie in pro- duktive Bahnen zu lenken. Ein gutes Werkzeug ist dafür zum Beispiel die Arbeit mit der sogenannten „Farbpalette“, die ich in Regel drei vor- stelle. Ruhe bewahren! In der Ruhe liegt die Kraft: Am Anfang ist es schließ- lich normal, dass man noch nicht so genau weiß, worauf es bei einem neuen Projekt ankommt, wie eine Lösung aussehen soll oder wie man ein gewünschtes Endergebnis erreicht. Denke an einen Krimi: Wenn du zu Beginn schon wüsstest, wie er ausgeht, wäre er unspannend! Bleibe ruhig und gehe den heißen Spuren und Fährten nach, die dich der Lösung näherbringen könnten. Etwas anderes kann der Detektiv im Krimi auch nicht machen. Nur: Er behält Ruhe und Weitsicht und analysiert die Fakten mit scharfem Verstand. Hätte er selbst allzu viel Angst vor dem Täter, würde er sich wohl selbst hemmen. Zudem beweisen Studien, dass Probanden, die eine knifflige Aufgabe unter Stress enträtseln müssen, die Lösung überwiegend nicht finden. Anders als diejenige Versuchsgruppe, die darüber geschlafen hat. Ruhe zu bewahren, hilft unserer Problemlösungsfähigkeit erst in den Sattel. Aus der Kreativitätsforschung wissen wir: Es ist ganz normal, dass man sich erst eine gewisse Zeit mit einem Problem beschäftigt haben muss, bevor neue Ideen und Lösungen entwickelt werden kön- nen. Es bringt nie etwas, sich an einer Sache festzubeißen! Erste Hilfe: Sich das Schlimmste ausmalen. Überkommen dich Furcht und Zweifel und du wirst sie einfach nicht los? Dann trickse sie aus! Rufe ganz bewusst alle negativen Gedanken und Befürchtungen auf, die dir in den Sinn kommen. Was könnte passieren, wenn du diese Aufgabe oder diese Prüfung tatsächlich nicht schaffst? Schreibe dies in die erste Spalte einer Tabelle. Dann notiere in der zweiten Spalte die Konsequenzen. Beispiel: „Wenn das Projekt scheitert, könnte ich meinen Job verlieren“. Die Konsequenz: „Ich müsste einen neuen suchen“. Hat man einmal alle möglichen Konsequenzen im Blick, kann man sich überlegen, wie schlimm das denn tatsächlich wäre. Den Job SELBSTCOACHING 18
  • 19. zu verlieren, ist sicher nicht schön, aber vielleicht macht der Job ohne- hin wenig Spaß. Dann hättest du wenigstens einen konkreten Anlass zu wechseln. Nicht alle Konsequenzen müssen schließlich negativ sein! Noch wichtiger nun ist aber die dritte Spalte der Tabelle, in der du alle Dinge notierst, die du tun könntest, um zu verhindern, dass die nega- tiven Konsequenzen eintreten. Also: „regelmäßige Abstimmung mit dem Chef“, „Erfahrungen vom vorhergehenden Projektleiter einho- len“, „ein Fachbuch zum Thema lesen“ etc. Alle Worst-Case-Szenarien gründlich durchdacht zu haben, tut gut. Nun hast du alles schwarz auf weiß und kannst deine Gedanken wieder nach vorn richten! Einer Statistik zufolge machen wir uns ohnehin viel zu viele Sorgen. Danach sind von den Dingen, über die wir grübeln und uns ärgern, • 40 Prozent Dinge, die nie geschehen • 30 Prozent Dinge, die in der Vergangenheit liegen • 12 Prozent unbegründete Sorgen über die Gesundheit • 10 Prozent Aufregung über unwichtige Angelegenheiten • 4 Prozent Dinge, die uns zwar betreffen, die wir aber ohnehin nicht ändern können Es verbleiben gerade mal vier Prozent an Dingen, die wir wirklich beeinflussen können. Konzentriere deine Energie auf diese vier Pro- zent, alles andere zerrt nur an deiner Zufriedenheit und Effizienz! Eine hilfreiche Entlastungsfrage: „Wenn jetzt etwas schief geht, wird das in 2 Jahren noch nachhaltige Konsequenzen für mein Leben und meine Zufriedenheit haben?“ Diese Frage hilft, die langfristige Perspektive im Kopf zu behalten. Oft fokussieren wir zu sehr auf Kurzfristiges. Doch meist deuten sich selbst Missgeschicke und Brüche im Lebenslauf hinterher als gute Umstände oder hilfreiche Lernerfahrungen. Es geht ein Scherz im Silicon Valley um, dass man in einer großen Computerfirma nur eingestellt wird, wenn man zwei Start-up-Pleiten miterlebt hat. 19
  • 20. 2 | Überschreite deine Grenzen Haben wir einmal einen passablen Job gefunden oder kennen uns in einem Fachgebiet gut aus, werden wir leicht träge. Das Gehirn ist in seiner Grundarchitektur bestrebt, Aufwand und Energie zu sparen. Also steht es Neuem und Unbekanntem oft höchst skeptisch gegen- über. Unbehagen und Zurückhaltung bei neuen Aufgaben oder Unlust, sich in ein neues, kompliziertes Themengebiet einzuarbeiten, sind oft das Resultat. Unser bisheriges Wissen und unsere Erfahrungen sind wie ein Nest indem wir es uns bequem gemacht haben. Dieses geistige Nest nennt man Komfortzone. Darin liegen Aufgaben, mit denen wir uns gut auskennen und die wir routiniert abarbeiten können. Leider können wir uns nicht in unserer Komfortzone einkuscheln. Auch wenn es manchmal schön wäre. Wissen veraltet. Die Kon­kurrenz wird besser. Man will sich persönlich weiterentwickeln. Deswegen gilt: Wer aufhört, besser zu werden, hört auf gut zu sein! Stelle dich anspruchs- vollen Aufgaben. Sie sind der Motor für geistiges Wachstum und den Erwerb neuer Fähigkeiten. Versuche, Dinge schneller, anders oder bes- ser zu machen. Arbeite dich mit Neugier und Spannung in neue The- mengebiete ein. Betrete Neuland. Stürze dich auf neue Dinge, auch wenn du nicht weißt, ob sie funk­tio­nieren. Nur so bilden sich neue Ver- knüpfungen im Gehirn. Nur so wird der innere Schweinhund auf Trab gehalten wie der Hamster im Laufrad. Sicher kennst du das vom Jog- gen: Gibst du der Versuchung nach, stehenzubleiben und dich auszuru- hen, wird das Weiterlaufen schwer. Bleibst du in Bewegung, erreichst Das Verlassen der Komfortzone erfordert, seine Kompetenzen und sein Wissen zu erweitern. Andersherum gilt ebenso: Willst du eine steile Lern- kurve haben, musst du neue Dinge wagen. Umwelt Dinge, die du nicht kannst Handlungsspielraum (Wissen, Fähigkeiten, Kontakte) = Komfortzone Umwelt Handlungsspielraum (Wissen, Fähigkeiten, Kontakte) = Komfortzone SELBSTCOACHING 20
  • 21. du dagegen irgendwann sogar das „Runners High“ – die Ausschüttung von Glückshormonen. Bleib auch geistig in Bewegung! Das hält das Gehirn aufnahmebereit und fordert es. Die Belohnung ist garantiert – entweder in Form von Erfolgen oder wertvollen Lernerfahrungen! Das Überschreiten der Komfortzone ist mit Unannehmlichkeiten ver- bunden: Zur Unsicherheit und dem mulmigen Gefühl im Bauch gesellen sich anfänglich gern Selbstzweifel und Versagensängste. Doch wenn du nichts überstürzt, sondern überlegt handelst und schrittweise vor- gehst, kann eigentlich nicht viel schief gehen. Für mich persönlich ist dieses mulmige Gefühl – wenn ich nicht sicher weiß, ob ich eine Sache wagen soll oder nicht – sogar zu einem Indiz geworden das mir sagt: Versuche es! Wie sollte ich sonst herausfin- den, ob sich die Sache lohnt oder nicht? Ich habe z.B. lange überlegt, ob ich wirklich ein Buch schreiben soll. Kann ich das überhaupt, fragte ich mich. Lohnt sich das? Ich konnte es natürlich nicht. Wie auch? Ich habe es ja erst gelernt, indem ich es in die Tat umsetzte. Doch ich hatte Lust dazu und wollte es einfach tun. Dann hatte ich eine noch beunruhi- gendere Idee: Warum halte ich nicht auch Seminare? Und komme damit direkt in den Kontakt mit meinen Lesern. Und erhalte obendrein wert- volles Feedback. Also gab ich mit gemischten Gefühlen mein erstes Seminar. Das machte nicht nur mir, sondern auch den Teilnehmern gro- ßen Spaß. Das Ergebnis: Meine Haupteinkommensquelle beziehe ich heute aus meiner Referententätigkeit. Danach kam die nächste Heraus- forderung: Ich wollte ein neues Fachbuch veröffentlichen, doch 50 Cent Vergütung pro Buch für ein knappes Jahr Arbeit empfand ich nicht fair. Sollte ich das Buch selbst verlegen? Mir wurde wieder mulmig, ich hatte unruhige Nächte, aber dann habe ich es doch getan: einen eigenen Ver- lag gegründet. Nun habe ich durch die schrittweisen Ausweitungen meiner Komfortzone auch meinen Handlungsspielraum und mein Wis- sen enorm erweitert. Ich schreibe nun „nicht nur“ Bücher – sondern habe gelernt, sie zu produzieren – angefangen von der Kalkulation bis zum Vertrieb. All das hätte ich mir vor gerade mal zwei Jahren nie vor- stellen können. Nur die regelmäßige Überschreitung meiner Komfort- zone – der Grenzen in meinem Kopf – hat mich weitergebracht. Kein Mensch wird als Präsident, CEO oder Popstar geboren. Alle haben irgendwann angefangen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihren Einflussbereich stetig erweitert. 21
  • 22. 3 | Habe Selbstvertrauen Wie oft hört man den Satz „Ich kann nicht“. Doch das bedeutet meist nichts anderes als „Ich habe keine Lust“. Man will einfach nicht so viel Energie aufwenden und scheut Rückschläge. Sicher hast du dir auch ab und an gesagt „geht nicht“, „ich bin nicht geeignet“ oder „ich bin nicht intelligent genug“. Doch prüfe, ob du wirklich ungeeignet bist. Woher willst du wissen, dass es nicht geht, wenn du es nicht versuchst? Tatsache ist: Die meisten Schranken liegen in deinem Kopf! Denn auf welchen Fakten, Grundannahmen, Tatsachen beruhen deine Annah- men? Leider sind uns viele Schranken anerzogen worden. Hör genau auf deine inneren Stimmen. Wer ist es genau, der zu dir spricht und sagt „geht nicht“? Optimismus – Gesetz der Anziehung Es sind deine Gedanken, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden: Glaubst du an dich, lenkst du auch dein Handeln in die richtigen Bah- nen. Entsprechend bist du bereit, mehr zu geben, mehr zu wagen und nimmst Rückschläge leichter in Kauf. Man kann es nicht genug beto- nen: Optimisten sind nicht nur glücklicher, sondern auch erfolgreicher! Sie sind Menschen, die immer einen Weg finden, weil sie ihn auch kon- sequent suchen. Optimisten haben die Zukunft im Auge, nicht die Ver- gangenheit. Sie denken darüber nach, was getan werden kann, nicht darüber, was geschehen ist und wer die Schuld trägt. Optimisten sind lösungsorientiert, sie konzentrieren sich auf die nächsten Schritte, nicht auf Probleme und ihre Entstehung. Ihnen gelingen Dinge leich- ter, weil sie durch die Zuversicht, die sie ausstrahlen, auch andere dazu motivieren, Schwierigkeiten zu überwinden und für ihre Ziele zu kämpfen. Sicher kennst du den Begriff der „sich selbst erfüllenden Prophezei- ung“. Er besagt, dass sich unsere Gedanken – egal ob in Form von Ängsten und Sorgen oder von Zielen und Hoffnungen – auf unsere Umwelt übertragen. Da gibt es den eifersüchtigen Freund, der durch seine kontrollierende Art tatsächlich eine Beziehungskrise hervorruft, die ängstliche Studentin, die durch Selbstzweifel Lernblockaden pro- voziert, oder den Berufsanfänger, der Angst hat, Fehler zu begehen und so zurückhaltend und blass wirkt, sodass er entbehrlich scheint. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille der sich selbst erfüllen- SELBSTCOACHING 22 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 23. den Erwartungen: den Entrepreneur, der sich nicht beirren lässt und seine Geschäftsidee kontinuierlich weiterentwickelt, bis sie funktio- niert. Den Sportler, der fest an seinen Sieg glaubt und so die letzten Reserven mobilisiert. Und den gut gelaunten Lebemann, der tatsäch- lich unbeschwerter durchs Leben geht, weil man solch einer Frohnatur nicht wirklich etwas übelnehmen kann. Die schädlichsten Einflüsse sind die, die dich einschränken. Suche nach solchen selbst auferlegten Beschränkungen, wenn du das Gefühl hast, dass andere dir überlegen sind. Es gibt auch für dich keine Schranken! Du kannst genau das erreichen, was andere schon vor dir erreicht haben – oder vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Verkaufe dich nie unter Wert! Gib dich nicht mit weniger zufrieden! Selbst auferlegte Schranken sind wie ständig schleifende Bremsen und hindern dich am Vorwärtskommen. Es ist daher wichtig, dass du dir viel zutraust. Solange du an dich und deine Stärken glaubst, kannst du deine Ziele auch erreichen. Die beste Übung für mehr Selbstvertrauen Unser Denken ist ein ständiger innerer Dialog. Lenke diesen, indem du deinen inneren Skeptiker mit positiven Tatsachen, Berichten, Bewei- sen und Gedanken konfrontierst. Sich selbstsuggestive Formeln vor- zusprechen wie „Ich habe mich gut vorbereitet, es kann nicht wirklich etwas danebengehen“, beruhigt in einer brenzligen Situation. Besser ist jedoch, langfristig vorzubeugen und Selbstvertrauen zu festigen. Schreibe dir deswegen jeden Tag abends vor dem Schlafengehen drei Dinge auf, auf die du stolz bist! Das können die großen Erfolge sein, wie ein gewonnener Wettkampf oder das bestandene Abitur bzw. Diplom. Oder alltägliche Kleinigkeiten, z.B. dass du dich motiviert hast, trotz Badewetters zu lernen. Oder dass du dich trotz eigenen Stres- ses dich um Nachbars Blumen gekümmert hast. Am Ende des Monats wirst du erstaunt sein, wie viele Gründe es gibt, stolz auf dich zu sein! Diese Übung ist so wirkungsvoll, weil sie kontinuierlich viele kleine Argumente liefert, warum es unbegründet ist, allzu skeptisch zu sein. So schaltest du die pessimistische Argumentation des Skeptikers aus, der sich immer wieder in deine Gedanken schleichen will. Gegen viele kleine positive Tatsachen kann er sich irgendwann nicht mehr wehren. Die Wirkung ist vergleichbar mit der von Werbung (nur dass du hier um dich selbst wirbst): Laut aktuellen Studien haben viele unbewusste 23 : ,
  • 24. Markenkontakte einen stärkeren Effekt als die bewusste Verarbei- tung eines starken Reizes. Wird man einer Werbung direkt ausgesetzt, sucht das Bewusstsein eben sofort nach Gegenargumenten. Überliste auch du dein Bewusstsein durch viele kleine Schritte mit Hilfe dieser Übung. Deine Farbpalette: Eine Ideenskizze für den Start Die „Farbpalette“ habe ich als Startritual für neue, unstrukturierte Aufgaben entwickelt. Früher lag ich abends oft wach und grübelte, wie ich eine schwierige Aufgabe lösen könnte. Beim Malen entdeckte ich die Parallele ... Versetze dich für einen Moment in ein Atelier: Es sieht hier etwas cha- otisch aus, doch der Maler steht ganz konzentriert vor einer weißen Leinwand. Alles, was er zur Verfügung hat, sind seine Vorstellungs- kraft und drei Grundfarben, aus denen er alle anderen Farben und Nuancen mischen kann, um sein Ziel real zu machen. Im Prinzip sind wir bei neuen Projekten wie ein solcher Maler: Wir müssen uns zuerst ein Bild über unser Ziel, über das „große Ganze“ machen. Wie ein Maler können wir aus nur drei „Farben“ unsere Ziele verwirklichen: BLAU = Kreativität GELB = Ressourcen Rot = Initiative Hier symbolisieren diese 3 Farben deine wichtigsten Helfer: • Blau steht für Kreativität, eine Anspielung an den blauen Himmel, an dem sich immer wieder neue Ideen und Gedankenwolken formen. • Gelb steht für Ressourcen, wie die „Gelben Seiten“ oder die Post. • Rot steht für Initiative, assoziierbar mit Feuer und Energie. SELBSTCOACHING 24 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 25. Gedanken­Bändiger: Deine Farbpalette Immer, wenn dir etwas Angst macht, dich verzweifeln lässt oder dich überfordert, dann analysiere schriftlich: Ausgangssituation Was genau ist das Problem / die Aufgabe? Welche Aspekte spielen eine Rolle? Kreativität Schreibe alle Möglichkeiten auf, wie du diese einzelnen Aspekte angehen könntest. Ressourcen Was weißt du schon über das Thema? Kennst du Bücher, Webseiten, Modelle, Theorien, etc., auf die du zurückgreifen könntest? Wen könntest du um Rat fragen? Initiative Welche der Lösungsmöglichkeiten sind am erfolgversprechendsten? Entwickle einen Plan aus der Kombination mehrerer Ansätze. Bestimme Meilensteine für die baldige Umsetzung. 25 : ,
  • 26. Die Farbpalette. So malst du dein Meisterwerk: Halte im oberen Feld dein aktuelles Problem fest. Versuche, dabei die zur Aufgabe gehörigen Aspekte und Fragestellungen zu ergründen. Damit werden konkrete Ansatzpunkte identifizierbar. Oft ist eine Auf- gabe gar nicht so schwer, manchmal müssen aber erst Ungewisshei- ten und andere Barrieren überwunden werden, bevor die Aufgabe in Angriff genommen werden kann. Das zweite Feld nutzen wir für ein Brainstorming. Im Kreativitäts- und Problemlösungsprozess zählt zunächst vor allem eins: Masse statt Klasse! Also sammele alle Ideen und Informationen und sortiere erst im zweiten Schritt aus. Denn was zunächst banal erscheint, kann in Kombination mit anderen Begriffen manchmal die entscheidenden Denkprozesse auslösen. Nun kommen deine Ressourcen an die Reihe. Die erste Reaktion ist oft: „Das kann ich nicht”, „Ich habe keine Mittel dazu”. Aber das stimmt nicht. Es gibt Menschen, die aus einfachsten Verhältnissen stammen und Großes vollbracht haben. Ich habe zum Beispiel Sportstätten gesehen, die jeder Beschreibung spotten, aber dennoch Top-Turner hervorgebracht haben. Ebenso gibt es jede Menge kleiner Start-ups, die mit wenig Marketingbudget eine große Reichweite erreichen. Der wohl entscheidenste Schritt ist, unter dem Stichwort Initiative einen konkreten Umsetzungsplan zu erarbeiten. Die Farbpalette hilft, ein Problem in Teilbereiche zu zerlegen und gezielt Lösungen zu entwickeln. Sie setzt an deinem Vorwissen und deinen Fähigkeiten an und will zeigen, dass es immer ganz konkrete Schritte gibt, mit denen man starten kann. Die Palette führt dich zu einem Denken, das immer zuerst nach Lösungsmöglichkeiten sucht und ziellose Grübeleien vermeidet. Indem du Ideen, Vorschläge und Strategien entwirfst, kannst du obendrein viel effektivere Coaching- Gespräche mit deinem Vorgesetzten führen. Dein Chef, Professor oder Betreuer steckt schließlich nicht in deinen Schuhen, sie haben ganz andere Sorgen. Deshalb erarbeite mithilfe der Farbpalette zwei oder mehrere Alternativen und vergleiche deren Vor- und Nachteile. So ent- wickelst du eine solide Diskussionsbasis. Und bereitest dich optimal auf jede Besprechung vor. SELBSTCOACHING 26 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 27. 4 | Denke in Prozessen Bei neuen Themen und Projekten ist man schnell verunsichert, weil alles noch unstrukturiert erscheint. Doch bei genauerem Betrachten erkennt man, dass hinter vielen Aufgaben und Projekten ähnliche Pro- zesse stehen. Zur Illustration vergleiche ich hier zwei Aufgaben: Eine Präsentation vorbereiten Prozesse Ein Essay schreiben Überlegungen zum Start: Wer ist der Empfänger? Wer kennt das Produkt und kann es mir erklären? Gibt es Vorarbeiten? Überblick erarbeiten Anforderung: Hausarbeit, 15 Seiten einzeilig, Abgabe bis zum 30.9., selbes Thema wie gehaltenes Referat Die Recherche ergab, dass ältere Präsentationen vor- liegen. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, ein Update reicht. Ziele Notenziel 1,7; Thema aus neuem Blickwinkel betrachten, ange- nehmes Layout und gute Grafiken entwerfen Präsentations-Skills: Lebhaft, Beispiele, selbst- sicheres Auftreten Erfolgs- faktoren Wissenschaftliche Anforderungen: Sauberes Zitieren, inhaltliche Tiefe und Darstellung des Praxisbezuges Zeitplan erstellen, erstes Brainstorming zum Inhalt Planung Zeitplan erstellen, erstes Brain- storming zum Inhalt Erstellung der Präsentation - Informationsbeschaffung - Folien basteln - Optimieren Umsetzung Meilensteine Teilprozesse Einzelschritte: - Recherche (3 Tage) - Zitierrichtlinien aneignen (1 Tag) - Struktur / Besprechung mit Hiwi - Schreiben (6 Tage) - Korrektur, extern (2 Tage) - Überarbeiten mit Grafiken (2 Tage) Auswertung mit Kollegen/ Chef Reflexion Kontrolle Besprechung der Arbeit mit Pro- fessor Beiden Aufgaben, dem Essay und der Präsentation, liegen ähnliche Prozesse zugrunde. Dies ist bei vielen Aufgaben im Arbeitsalltag der Fall. Und darin liegt auch der Schlüssel zum Bewältigen neuer und komplexer Aufgaben: Ein großer Brocken wird in überschaubare Ein- zelteile zerlegt, die für sich genommen optimiert werden können. Das ist es, was ich unter der berüchtigten Phrase „Lerne zu lernen“ verstehe: Man muss lernen, die immer wiederkehrenden Prozesse zu erkennen, zu strukturieren und effizient zu gestalten. Wenn wir die Gemeinsamkeiten identifizieren, können wir aus jeder undefinierten eine definierte Situation machen. 27 : ,
  • 28. Vier große Bausteine begegnen uns immer wieder in Projekten und komplexeren Aufgabenstellungen: Zunächst gilt es, sich einen Über- blick zu verschaffen, dann eine Strategie zu entwerfen, bevor wir an die Umsetzung gehen. Während und nach dem Prozess wird schließ- lich genau reflektiert, ob wir auch effizient arbeiten und handeln. Teilen wir große Projekte in diese Schritte mit den jeweiligen Teilpro- zessen, haben wir ganz spezifische Ansatzpunkte generiert, die wir nacheinander abarbeiten können. Eine unübersichtliche Aufgabe wird damit handhabbar und wirkt weniger bedrohlich. Durch das Zerlegen einer komplexen Aufgabe in überschaubare und kon- krete Teilschritte wird ein Projekt besser analysierbar und steuerbar. Dieses Modell verdeutlicht auch, warum wir bei neuen Aufgaben ver- unsichert sind: Wir wollen uns gleich auf die Erledigung der Aufgabe stürzen. Dabei haben wir nur das Endergebnis im Kopf und nicht die einzelnen Arbeitsschritte. Zudem will man ja möglichst perfekt sein – dabei haben wir die Aufgabe zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal richtig analysiert! Wir versteifen uns auf die Ausführung, nehmen uns aber nicht genügend Zeit, eine Sache tief zu durchdringen und Erfolgsfaktoren und Ziele sorgfältig zu bestimmen. Und selbst dann sollte man nicht sofort handeln, sondern die Ausführung gedanklich vorwegnehmen und planen. Das gibt Orientierung im Prozess und ver- hindert Irrwege. In den folgenden Kapiteln vertiefen wir nun die vier Teilschritte: Über- blick (Regel 5), Strategie (Regel 6), Ausführung (Regel 7) und Reflexion (Regel 8). Überblick (Regel 5) Strategie (Regel 6) Umsetzung (Regel 7) kontrollieren, reflektieren, modifizieren (Regel 8)analysieren planen anpassen Erfolgsfaktoren bestimmen erledigenInformationen sammeln SELBSTCOACHING 28 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 29. 5 | Verschaffe dir Überblick Jedes Projekt beginnt mit Fragen: Wer will etwas von dir? Bis wann? Was sind wichtige Komponenten des Problems? Welche Dinge musst du abklären, welches Wissen erwerben, welche Meilensteine bewäl- tigen? Ein selbst erstellter Fragekatalog ist aber nicht nur zu Beginn eines Auftrags hilfreich, sondern wann immer du stockst. Jede Frage, die du abarbeitest, verschafft dir mehr Überblick. Wissen festigt sich. In meiner Promotion gerate ich oft in solche Sackgassen. Dann erstelle ich eine To-do-Liste mit allen Dingen, die es abzuklären und zu erar- beiten gilt, um einen nächsten Zwischenbericht für den Professor zu schreiben. Dann suche ich die entsprechende Literatur, lege eine Leserunde ein, erstelle Zusammenfassungen und teste mit Mindmaps, ob ich die Zusammenhänge verstanden habe. Auf dieser Grundlage erarbeite ich eine neue Frageliste und schon geht es in die nächste Runde. So lange, bis ich meine Fragen und Denkblockaden weggegoo- gelt, -gelesen oder -telefoniert habe. Eine breite Informationssuche und ein erweiterter Blick zahlen sich grundsätzlich aus. Ein Beispiel: Du möchtest eine Webseite kreieren. Du weißt, dass man dafür Frontpage nutzen kann, und hast dieses Programm schon vorinstalliert. Nun musst du aber weitere Informa- tionen sammeln: Wie gehe ich mit dem Programm um? Wie kann ich die Webseite ins Internet überspielen? Wo bekomme ich eine Webad- resse her? Schreibe dir die wichtigsten Informationen auf. Die Analyse sollte dabei aber immer über den Tellerrand schauen und die nahelie- gendsten oder „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Lösungen“ hinterfragen. Hättest du dich nach anderen Wegen, eine Webseite zu publizieren, umgeschaut, hättest du herausgefunden, dass du deine Webpräsenz mit kinderleichten Blogprogrammen vollkommen kostenfrei und ohne jegliche Vorkenntnisse erstellen könntest. In 30 Minuten hättest du dann deine eigene Webseite – für die Frontpage- Variante bräuchtest du wohl zwei Wochen oder mehr. 29 : ,
  • 30. Das hilft, schnell einen Überblick über ein Thema zu bekommen: • Inhaltsverzeichnisse von Büchern und Skripten. Mir hilft es, vor dem Durcharbeiten von Fachliteratur die Inhaltsverzeichnisse abzutippen, um in deren Struktur Notizen einzufügen. • Einführende Literatur, die alle Grundelemente eines Themengebietes beschreibt bzw. Taschenguides, die Praxiswissen zusammenfassen. • Es dem Freund, der Nichte oder der Oma erklären. Ein Thema Laien zu vermitteln, hilft die wesentlichen Punkte zu identifizieren. • Diskussionen in Arbeitsgruppen. Auch wenn jeder nur einen Teil des Themas durchdrungen hat, kann das Team puzzleartig ein gemeinsa- mes Verständnis erarbeiten. • Wissen konsolidieren: Statt endlos zu lesen, immer wieder Zusammen­ fassungen, grafische Übersichten, Tabellen, Ideensammlungen oder Mindmaps erstellen. • Das Ausschlussprinzip anwenden: Beim Lesen und Erarbeiten sofort wegstreichen, was offensichtlich irrelevant ist. • Dienste wie getabstract.com, die prägnante Buchzusammenfassungen anbieten. Mit Glück findet man komplette Vorlesungs- und Buchzusam- menfassungen von fleißigen Bienchen im Netz! Das hilft, Überblick über eine Aufgabe zu bekommen: • Mit Menschen reden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Keine Hemmungen: oft fühlen die sich geehrt, dass sie um Rat gebeten werden! • Auf Messen mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch kommen und Fragen klären. Hier sammelt sich das Know-how einer Branche. • Ich rufe gern professionelle Anbieter an. Letztendlich bin ich ein poten- zieller Kunde und man berät mich gern, zum Beispiel bei Druckereien, Verlagen, Bewerbungen oder der Konkurrenz. • Mehrere Optionen generieren. Das hält dich im Kopf flexibel und gibt dir Spielraum für Verhandlungen. Zudem ist es spannend, im nächsten Schritt zu versuchen, die Vorteile von zwei Varianten in einem neuem Konzept zu vereinen. • Internet-Foren von Anwendern mit ähnlichen Problemen. Mir hilft zum Beispiel ein Autorenforum auf Xing, wo ich mich mit anderen Verlegern und Autoren austauschen kann. • Überblickswebseiten wie Wikipedia, Branchen- und Expertenportale, Produktvergleichsseiten etc. SELBSTCOACHING 30 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 31. So erlangst du schnell einen Überblick über ein Buch Nimm dir zuerst die Schlüsselinformationen vor: • Auf welchen Inhalt deuten Titel und Untertitel? • Der Klappentext weist auf Fragen und Konzepte hin. • Welche Qualifikationen und Erfahrungen hat der Autor? • Die Jahreszahl ist wichtig, denn ob ein Buch 1989 oder 1990 geschrieben wurde, kann einen gewaltigen Unterschied machen. • Aus welchem Kontext heraus ist das Buch entstanden? Wie ist es einzu- ordnen? Diese Infos stehen im Vorwort. Und schon geht es weiter: • Wie ist das Buch strukturiert? Welche Themen scheinen im Zusammen- hang mit dem Titel von Bedeutung zu sein? • Ist ein Thema besonders hervorgehoben? Ist aus dem Inhaltsverzeichnis die Kernaussage und der rote Faden erkennbar? • Lies das Vorwort, überfliege Einleitung und Schluss! Nun bereite die nächste Runde vor: Versuche nun, aufgrund deines Vorwissens und der ersten Informationen aus dem Buch, den Inhalt zu antizipieren. Erinnere dich an dein Ziel: Warum hältst du den Text überhaupt in der Hand? Aus Interesse? Ist es Pflicht- oder Zusatzlek- türe? Dient der Text zur Beantwortung einer konkreten Frage oder der Bearbeitung einer bestimmen Aufgabe? Was sind die wesentlichen Eckpunkte des Auftrags? • Urteile, inwiefern der Text bei der Beantwortung deiner Fragen helfen kann, und versuche vorherzusagen, welche Textstellen und Kapitel besonders relevant sind. • Lies nun den Text in mehreren Lesedurchgängen. Also lieber 3x flüchtig als 1x langsam lesen. So verhinderst du Informationsüberlastung und prägst dir den Text besser ein. (Mehr zur Methode in: „Bestnote: Lern- erfolg verdoppeln – Prüfungsangst halbieren“, Eazybookz 2012.) 31 : ,
  • 32. 6 | Ermittle die Erfolgsfaktoren Alle Dinge entstehen zweimal: einmal im Kopf und einmal als Hand- lung. Du würdest nie ein Haus bauen, ohne Grundriss, Funktionalität der Räume und Details zu durchdenken. Wenn dieses intensive Über- legen fehlt, bekommst du Probleme beim Bau: Plötzlich merkst du, dass du keine Toilette eingeplant hast oder dass du ein Treppenhaus brauchst! Auch Dinge, die nur auf dem Papier entstehen, müssen gut durchdacht sein: Hast du keine Argumentationsstruktur, wird deine Präsentation ein reines Chaos oder der Artikel ein Desaster. Dabei gilt: je intensiver durchdacht, desto besser und schneller die Umsetzung. Diese Überlegungen münden in die Strategie. Eine Strategie lässt sich anhand von fünf Bausteinen erarbeiten: den Ressourcen, Zielen, Erfolgsfaktoren, der Stoßrichtung und dem Umsetzungsplan. Ressourcen bestimmen, wie du deinen Weg gehst. Strategien sind abhängig von den Mitteln, die man zur Verfügung hat. Kopiere nicht einfach die Lösungen und Ansätze anderer, sondern passe deine Umsetzungsschritte auf deine Situation, deine Stärken/ Schwächen und deine Art zu denken und zu handeln an. Ziele leiten dein Handeln. Bestimme Ziele möglichst konkret und detailliert. Damit machst du dir das Leben wesentlich einfacher. Ziele ermöglichen die Entscheidung, welche Tätigkeiten einen direkten und großen Einfluss haben und welche unwesentlich sind. Zeit und Energie lassen sich so gezielt ein- setzen. Also: Was sind die Anforderungen der Aufgabe? Welche Inter- essen hat der Auftraggeber? Gibt es klare Kriterien? Setze dir zu den inhaltlichen/fachlichen Zielen auch immer persön­ liche Lernziele. Das lenkt deinen Fokus auch auf die Prozesse und hilft, Rückschläge als Lernchancen zu begreifen. (» Mehr zu den Zielen in Regel 15: „Visualisiere deine Ziele“). SELBSTCOACHING 32 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 33. Erfolgsfaktoren verraten dir, worauf es ankommt. Jede Branche und jedes Umfeld hat bestimmte Erwartungen, Mecha- nismen und Gesetzmäßigkeiten. Was sind die jeweiligen Treiber des Erfolgs bei deiner Aufgabe? Welches sind die Stellhebel, die Dinge mit der größten Erfolgswahrscheinlichkeit? Beachte, dass Erfolgsfaktoren kontextabhängig sind. So zeigte eine viel zitierte Studie, dass bei Prä- sentationen nur 7 Prozent des Inhaltes bestimmen, wie gut eine Rede eingeschätzt wird (der größte Teil sind Rhetorik, Körpersprache und selbstsicheres Auftreten). Das mag für öffentliche Reden gelten. Es wäre jedoch gefährlich anzunehmen, dass du einen Kunden mit elo- quenten Worten, aber einem schlecht durchdachten Angebot über- zeugst oder einen Professor durch ein tolles Outfit, aber mit mäßig recherchierten Ergebnissen beeindruckst. Ich habe lange die Erfolgsfaktoren in Bewerbungsgesprächen falsch eingeschätzt. Ich wollte durch Fachwissen und Ideenreichtum über- zeugen und lieferte den Interviewern viele Informationen, die nicht in der Bewerbung standen. Dieses „Mehr ist besser“-Paradigma kam nicht an. Die Personaler konnten die Zusatzinfos nicht einordnen. Nachdem ich immer wieder die gleichen Absagegründe hörte („Uns wurde nicht klar, was Sie eigentlich wollen“) änderte ich meine Stra- tegie. Nun wiederholte und bestätigte ich nur das, was schon in den Unterlagen stand und lieferte nur ein Beispiel. Und ich war entsetzt, dass nur selten nach weiteren Infos gefragt wurde! Das ging mir nicht in den Kopf, weil meine Überzeugung gewesen war: „Je mehr die von mir erfahren, desto mehr Facetten kann ich präsentieren.“ Dennoch zwang ich mich, meine Klappe zu halten. Und auch wenn ich mir nicht 100-prozentig sicher war, ob ich die Stelle wirklich wollte – ich zeigte diese Unsicherheit nicht mehr, sondern nutzte die Chance, weitere Informationen zu erfragen. Das stärkte wohl den Eindruck des Inter- esses bei meinen Gesprächspartnern. Denn tatsächlich: Meine Erfolgs- rate stieg signifikant an! Nun hatte ich ein anderes Problem: mich zwischen den Angeboten zu entscheiden. Natürlich gibt es immer wieder mal Pleiten. Zum Beispiel in der einen Präsentation, die ich tiptop vorbereitet und gehalten hatte. Volle Zufrie- denheit beim Publikum. Dennoch bekam ich auf die Abschlusspräsen- tation „nur“ eine „5,5“ (Schweizer System, circa 1,7). Auf meine Frage, worin die Differenz zur Bestnote bestand, antwortete der kurz vor der 33 : ,
  • 34. Emeritierung stehende Professor etwas gekränkt: Er hätte erwartet, dass ich zu jeder seiner schlecht besuchten Vorlesungen hätte erschei- nen sollen. Das war unfair, aber für mich eine Lehre, dass Erfolgsfakto- ren sehr „weicher“ Natur sein können. Ich habe mir nun angewöhnt, für jedes Projekt eine kleine Liste mit den kritischen Erfolgsfaktoren zu machen. Diese Überlegungen entstehen manchmal nur im Kopf, auf einer Busfahrt, vorm Einschlafen oder im Gespräch mit der Freundin. Aber bei nächster Gelegenheit schreibe ich sie auf. Also: Ergründe immer die Erfolgsfaktoren und arbeite mit ihnen! Schreibe die wichtigsten Kriterien, die ein Artikel vermitteln soll, auf das Deckblatt. Zum Beispiel „Frech. Provokant. Informativ. Kreativ.“, damit diese Adjektive deinen Schreibstil leiten. Spiegele vor Bewer- bungsgesprächen das Anforderungsprofil mit überzeugenden Argu- menten, wo und wie du die geforderten Eigenschaften bereits unter Beweis gestellt hast, wider. Oder erstelle ein „Psychogramm“ deines Prüfers, ergründe, welche Interessen und Ziele er verfolgt und wel- che Abfragestrategien er benutzt. Geht es ihm um den Gesamtblick oder um Detailwissen? Honoriert er kreative Ideen oder will er, dass seine Bücher originalgetreu wiedergeben werden? Liebt er Vergleiche, Ab­wägungen, Wenn-dann-Beziehungen? Oder versetze dich vollkom- men in die Lage deines Auftraggebers und frage dich: „Wenn ich in der Situation des Klienten wäre, welche Aspekte und Inhalte wären mir besonders wichtig?“ Halte dies in einer kleinen Checkliste fest. Nach- dem du das Angebot erstellt hast, prüfe Punkt für Punkt, ob dein Kon- zept den Kriterien entspricht und bessere gegebenenfalls nach. Und auch hier nochmals der Hinweis, dass du das Rad nicht neu erfin- den musst. Es gibt genug Menschen, die sich schon Gedanken in ähn­ lichen Bereichen gemacht haben: • Jährlich erscheinen 90.000 deutschsprachige Bücher – darunter unzäh- lige Fachbücher und Ratgeber. Sicher ist dort auch etwas für dein Pro­ blem dabei. • Im Netz tummeln sich nützliche Quellen und Foren. Ich habe mich z.B. durch gesammelte Bewerbungsberichte auf Squaker.net gezielt auf Vorstellungsgespräche verschiedener Firmen vorbereiten können. • Höhere Semester sind eine gute Quelle. Einige Medizinstudierende z.B. geben Prüfungsfragen durch „Gedächtnisprotokolle“ weiter, die sie sofort nach den großen Examina festhalten. SELBSTCOACHING 34 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 35. Die Stoßrichtung gibt die Richtung vor. Es existieren immer mehrere Möglichkeiten, ein Ziel zu erreichen. Prüfe mehrere Varianten und wähle jene, die du mit deinen Ressour- cen am besten verwirklichen kannst. Ein paar Stichworte möglicher Optionen ... • Risiko streuen/minimieren • Schwerpunkte setzen • Sich auf Notwendiges konzentrieren • Mini-Max-Strategie (viel Erreichen mit wenig Energie) • Darauf setzen, was man gut kann oder was am schnellsten geht Planung vermeidet Irrwege. Bestimme zum Abschluss konkrete Meilensteine: • Was gibt es konkret zu tun? • Welche Aufgaben sollten erledigt sein, bevor du einen weiteren Schritt machen kannst? • Welche Umsetzungsschritte können parallel oder abwechselnd hinter- einander verlaufen? Clever ist, sich gleich zu fragen, wie das Ergebnis am Ende präsen- tiert werden soll. Damit sparst du viel Arbeit und Irrwege. Überlege zu Beginn, welche Präsentationsfolien du für einen Vortrag brauchst. Besonders wenn es schnell gehen muss, ist das der Königsweg zur Effizienz: Zuerst die Endstruktur vorbereiten, dann zielgenau die ent- sprechenden Infos erarbeiten. Lass dich nicht vom kleinen Skeptiker in deinem Kopf irritieren – auch wenn er noch so oft sagt: „Das kann niemals funktionieren!“ Oder: „Das ist viel zu oberflächlich, zu sehr von der Form getrieben!“ So wie bei mir vor einigen Jahren, als ich zusammen mit einer Person, die ich für einen oberflächlichen Schwät- zer hielt, einen Vortrag vorbereiten sollte. Im Nachhinein musste ich erkennen, dass ich mich getäuscht hatte. Denn er hatte nicht unrecht. Während ich zuerst über den Inhalt unserer gemeinsamen Präsenta- tion sprechen wollte, widersprach mir Markus, so hieß mein damaliger Arbeitspartner, und malte eine Folienstruktur auf, für die wir dann zielgerichtet die Inhalte aus dem Buch heraussuchten. Ich fühlte mich dabei zwar unwohl, doch statt, wie gedacht, zwei bis drei Treffen für den Vortrag zu brauchen, waren wir nach zweieinhalb Stunden fertig! 35 : ,
  • 36. Nach diesem Erlebnis wurde ich neugierig und beschloss, mit ihm für eine Prüfung zu lernen. Und ich erkannte, dass mein mentales Modell bis dahin wohl lautete: „Nur wenn ich gründlich lese und mir das Wissen Stück für Stück erarbeite, kann ich erfolgreich sein“. Markus Motto war dagegen wohl eher: „Ich mache nur das, worauf es wirklich ankommt.“ Ich quälte mich vier Wochen Seite um Seite durch einen zähen Text und versuchte jeden Satz zu verstehen. Markus’ Modell hingegen war ein radikal anderes: Er blätterte das Buch nur durch und suchte die Zusammenfassungen. Diese versuchte er zu verste- hen und ein Anwendungsbeispiel dafür zu finden. Nur wenn ihm das nicht gelang, blätterte er vor und las das entsprechende Kapitel nach. Damals schüttelte ich nur mit dem Kopf: Nicht nur, weil ich dachte: „Wie oberflächlich!“ Sondern auch, weil ich ziemlich perplex war, als Markus mit dieser Methode bei halbem Aufwand eine ganze Note bes- ser in der Klausur abschnitt! Ich hingegen konnte die Zusammenhänge vor lauter Details nicht sehen. Inzwischen lese und lerne ich genauso – eine spürbare Erleichterung. So genannte Gantt-Charts sind eine gute Methode, Meilensteine und deren Umsetzungsziele zu visualisieren, wie es dieser Doktorand getan hat. SELBSTCOACHING 36 : ,
  • 37. 7 | Experimentiere bei der Umsetzung Puh. Geschafft! Nachdem du einen Überblick gewonnen und dir die Ziele und Erfolgsfaktoren des Projekts verdeutlicht hast, fühlt sich das Ganze schon nicht mehr so schwammig an, oder? Du weißt, was auf dich zukommt und welche Schritte zu unternehmen sind. Die Unsicherheit ist auf ein handhabbares Maß reduziert. Bei der Umset- zung wird nun Woche für Woche, Tag für Tag und Stunde für Stunde an der Verwirklichung deiner Ziele gearbeitet. Erledigen/Handeln. Zunächst versucht man natürlich, die selbst gesetz- ten Teilschritte und Aufgaben abzuarbeiten. Sei dabei vorsichtig, denn zu leicht verzettelt man sich mit kleinen, unwichtigen Aufgaben. Achte auf Effizienz: Unterscheide zwischen Dingen, die absolut gut sein müs- sen (weil sie den Erfolg bestimmen) und zwischen solchen Dingen, die einfach nur – egal wie – getan werden müssen. Visualisiere deine Fort- schritte mit Pfeildiagrammen, Bildern, Smilies (» Regel 18). Das moti- viert. Versuch-Irrtum-Prinzip. Bei vielen Tätigkeiten kann man den Erfolg ein- zelner Aktionen nicht immer gut vorhersagen. In anderen Bereichen fehlt vielleicht nötige Erfahrung. Und gerade der Forschungsprozess ist durch Irrwege, Exkurse und Umwege gekennzeichnet. Es bleibt also nichts anderes übrig, als systematisch nach dem Versuch-Irrtum-Prin- zip zu handeln. Beginne mit den Tätigkeiten, die deiner Meinung nach den größten Fortschritt bringen. Beobachte kritisch, ob die Hand- lung auch tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt. Sonst versuche andere Vorgehensweisen solange, bis du einen merklichen Schritt nach vorn verzeichnest. Hier empfiehlt sich die wissenschaftliche Vorgehensweise: erst einmal nur einen Faktor zu verändern und zu schauen, ob das einen Erfolg bringt. Wenn wir alles auf einmal ansto- ßen, verlieren wir A) schnell den Überblick und damit an Potenzial und B) können wir bei Erfolg keine eindeutige Ursache feststellen. Einige Existenzgründer nutzen dieses Prinzip, indem sie immer nur 1–2 Dinge an ihrer Webseite verändern und nach ein paar Tagen messen, ob dies zu mehr Besuchen oder Verkäufen geführt hat. Ist dies nicht der Fall, kann der Testversuch aufgeben werden, bevor man eine ganze Woche Arbeit verschenkt. 37 : ,
  • 38. Flexibilität ist gefragt. Prozesse lassen sich nicht bis ins letzte Detail voraussehen und planen. Sie haben eine Eigendynamik und sind durch Überraschungen, neue Informationen und Zufälle gekenn- zeichnet. Einige Meilensteine erreichst du wie vorgesehen, andere müssen ge­ändert oder dazwischengeschoben werden. Bei einem Mar- ketingprojekt entwickelten wir zum Beispiel ein sehr gut durchdach- tes Produktkonzept. Wir waren total überzeugt, bis eines Morgens ein Kollege kam und fragte: „Habt ihr die neue Werbung von XY schon gesehen?“ ( !!) Der Schock saß tief: Die Konkurrenz hatte ein ganz ähnliches Konzept schon umgesetzt! Es nutzte nichts: Wir mussten unsere Strategie komplett ändern. Nur wenig klappt auf Anhieb. Programmierer wissen das und eliminie- ren nach und nach geduldig jeden Fehler, bis das Programm zuver- lässig läuft (bei Microsoft-Entwicklern bin ich mir da allerdings nicht sicher). Eine IT-Administratorin verriet mir kürzlich, dass sie bei jedem Programmupdate Extra-Kapazitäten einplant, um die unvorhergese- henen Fehler sofort anzugehen. Auch du solltest Unvorhergesehenes als Teil des Prozesses akzeptieren. Man wird leicht von einem Prozess aufgesaugt. Man ist so drin in sei- nem Element, ja manchmal regelrecht besessen von seiner Idee, dass man gar nicht mehr empfänglich gegenüber Rückmeldungen aus der Umwelt ist. Doch gerade der Umsetzungsprozess gibt wertvolle Infor- mationen, die ernst genommen werden sollten. Lass dich also nicht von dem Projekt aufsaugen, verliere dich nicht in den Details. Distan- ziere dich immer wieder von dem Projekt und arbeite auch am statt nur im Prozess! Durch folgende Maßnahmen gewinnst du ein wenig Abstand: • Frage Unbeteiligte um Rat. • Suche Benchmarks: Wer macht welche Tätigkeiten besonders gut? (Z.B. Kollegen, Vorbilder, Konkurrenz oder andere Branchen.) • Diskutiere viel mit Projektmitgliedern, um euer Denken gegenseitig zu überprüfen. Probiert verschiedene Herangehensweisen aus. • Lege eine Brainstorming-Session ein. Halte fest, was bereits geschafft ist, was es derzeit zu tun gibt und was zukünftige Optionen sind. SELBSTCOACHING 38 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 39. 8 | Coache dich selbst Die Reflexionsebene ist die letzte Ebene im Prozesszyklus. Sie erfolgt vor, während und nach der Arbeit und ist ein übergeordnetes Kontroll- organ deines Handelns. Leider wird nur selten bewusste Reflexion betrieben. Kaum jemand fragt sich, wie er in Zukunft Dinge noch bes- ser machen könnte. Dabei ist die Reflexion der Spiegel unseres Han- delns, der sagen kann, wo es lang geht. Eine Reflexion sollte spätestens nach Abschluss eines Projektes erfol- gen, getreu dem Motto: Nach der Arbeit ist vor der Arbeit, Prüfung, Präsentation. Schreibst du die frischen Eindrücke auf, werden die wertvollen Erfahrungen auch in der Zukunft nutzbar. Du vermeidest es, dieselben Fehler noch einmal zu machen und erkennst Irrwege schon im Ansatz. Analysiere im Detail: • Was war gut? • Was war verbesserungsfähig? • Was konkret möchtest du beim nächsten Mal anders machen? Halte gelegentlich inne und schreibe die Gründe für Erfolg oder Miss- erfolg auf! Vermerke Verbesserungsvorschläge. Lege dir für diese „Lessons learned“ ein kleines Büchlein oder eine Datei an. Du holst Gedanken aktiv in dein Bewusstsein, beantwortest wiederkehrende Fragen und erinnerst dich auch später noch an Details. Auch lässt sich so das erworbene Wissen besser auf ähnliche Situationen trans- ferieren. Deine Entwicklung wird transparenter und du schaffst dir ein gutes Stück persönlicher Entwicklungschronik. Ohne bewusste Reflexion Vergangenheit Erfahrungen, Fehler, Erfolge Vergessen Zukunft Unkonkrete Erinnerungen Das Ursache-Wirkungsprinzip kann nicht greifen Mit Tagebuch Vergangenheit Erfahrungen, Fehler, Erfolge Gegenwart Reflexion: Woran lag es? Was genau ist geschehen? Zukunft Nutzbare Lerneffekte Du kannst Ursache und Wirkung verstehen und nutzen 39 : ,
  • 40. Zwischenfazits ziehen! Berichte regelmäßig an einen imaginären Chef: • Was hast du bisher erreicht? • Was war gut? / Was hat dir am meisten geholfen? • Welche Fehler sind dir unterlaufen? Was ging nicht so gut von der Hand? / Wie kannst du das ändern? • Was waren die größten Zeitfresser? • Was willst du beim nächsten Mal besser machen? • Welche konkreten Aufgaben stehen nun an? Solche schriftlichen Auseinandersetzungen mit deinem Projekt sind wie Gesprächspartner. Durch diese bewusste Reflexion wirst du zu deinem eigenen Beobachter. Du versuchst, dein Handeln objektiv zu verbessern und dir selbst Ratschläge zu geben, wie es weiter geht. Getreu nach dem Motto: Coache dich selbst, sonst coacht dich keiner! Welche Prozesse können optimiert werden? Oft reicht es schon, sich nur eine halbe Stunde hinzusetzen und seine Situation schriftlich zu analysieren: Welches sind die Schlüsselpro- zesse meines Projekts? Was habe ich bisher gelernt? Welche nächsten Meilensteine ergeben sich daraus? Der Abgleich von Soll- und Ist-Pro- zessen ist sehr aufschlussreich: Stelle gegenüber, welche Tätigkeiten du operativ machst und welche es eigentlich sein sollten. Beispiel: Bei meinem ersten Buch habe ich nach drei Monaten ein Zwischenfazit gezogen, alle Prozesse aufgelistet, die im Zusammenhang mit dem eigentlichen Schreiben standen und den jeweiligen Anteil geschätzt. Zu meinem Erschrecken erkannte ich, dass die wichtigsten Prozesse „Konzeptionieren“ und „strukturiertes Schreiben“ nur 10 Prozent ausmachten! Die restlichen 90 Prozent bestanden aus halbherzigem Redigieren, nach weiteren Informationen suchen (obwohl ich bereits mehr als genug hatte), Verlagsoptionen abwägen, Layout und Grafik- prozessen (die sich aber bis zur Abgabe noch oft ändern sollten). Ich analysierte, in welchen Situationen ich besonders produktiv war, zum Beispiel wenn ich vorher schwimmen war oder einen inspirierenden Text gelesen hatte. Ich zeichnete mir eine Prozess-Grafik, wie ich die SELBSTCOACHING 40 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 41. verschiedenen Tätigkeiten sinnvoller miteinander integrieren könnte und eliminierte Prozesse mit geringem Wirkungsgrad (u.a. tägliches Ausdrucken). Auf geht´s! Coache dich selbst: • Suche Feedback von außen: Unbeteiligte sind objektiver. • Werte Kritik konstruktiv: Lass Emotionen beiseite – was stimmt, stimmt! • Führe ein Tagebuch: Schärfe deine Gedanken und konserviere sie. • Lies Bücher und besuche Seminare, in denen du etwas über dich lernst. • Wechsele öfter die Perspektive: Was würde der Kunde / der Chef / der Mitarbeiter / der Kollege / die Freundin dazu sagen? • Abgleich mit Zielen: Behalte deine selbst gesetzten Kriterien im Auge! Damit haben wir den generischen Prozesszyklus (Regeln 4–8) einmal durchlaufen. Ich wollte zeigen, dass es immer wiederkehrende Pro- zesse gibt, die sich bewusst steuern lassen und dass Projekte durch Iterationsschleifen gekennzeichnet sind. Ich staune bei jedem Projekt und bei jedem Buch erneut, wie unterschiedlich das Ergebnis am Ende ist im Vergleich zu dem, was ich zu Anfang geplant hatte. Bin ich des- wegen ein schlechter Planer? Ich glaube nicht. Ich sehe meine Stärke eher darin, dass ich flexibel gegenüber Rückmeldungen und Feed- backs bin. Auch wenn es manchmal hart ist, ein gutes Konzept zu zer- stören, nur um es besser zu machen. Je schwieriger die Aufgabe ist, desto öfter müssen wir den Prozesszyklus durchlaufen und neue Erfahrungen sammeln, um Erfolgsfaktoren besser einschätzen zu können und unsere Ziele anzupassen. 41 : ,
  • 42. 9 | Suche dir Vorbilder Vorbilder zeigen dir, dass das, was du in deinem Kopf noch für unmög- lich hältst, im wahren Leben schon längst Wirklichkeit ist. Willst du eine bestimmte Sache erreichen? Sicher gibt es jemanden, der genau das oder etwas Ähnliches schon einmal erlebt hat. Suche solche Men- schen, frage sie um Rat. Besuche ihre Vorträge, schleiche dich Back- stage, versuche, ein Praktikum bei ihnen zu ergattern. Von Menschen, die absolut nicht greifbar oder schon verstorben sind, existieren Bio- grafien, Berichte, Dokumentarfilme. Lass dich von ihnen inspirieren! Vorbilder meiner Seminarteilnehmer Die Tante, weil sie interessiert und humorvoll, dabei gleichzeitig erfolgreich und fleißig ist + Die Chefin, weil sie ihre Themen geschickt in der Männerwelt platzieren kann + Ein Geiger, weil er eine bestimmte Art hat aufzutreten und Schemen bricht + Ein indischer Yogi, der eine unglaubliche Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlt + Der Papa, weil er sich immer Freiräume für die Familie geschaffen hat + Der Mitbewoh- ner, der irgendwie immer überall war, die Prüfungen aber dennoch gut hinbekommen hat + Kinder, weil sie nicht soviel denken, sondern einfach Dinge tun und keine Schranken im Kopf haben + Ein sehr spontaner Freund + Google, wegen der hohen Innovationskraft + Der Basketballer Dirk Nowitzki, weil er trotz Berühmtheit (und unglaub­ licher Sprungkraft) auf dem Boden geblieben ist + Der Großvater, weil er trotz seines Alters offen und lebensfreundlich war + Die Uroma, weil sie bis in ihre 90er selbstständig und willensstark war + Der Bruder, der Ruhe ausstrahlt + Eine ehrgeizige Freundin, die viel Energie hat + Der Onkel mit seinem enormen Allgemeinwissen Bemerkenswerterweise nennen viele ihre Eltern oder ein anderes Familienmitglied als Vorbild. Dies ist verständlich, doch es ist wich- tig, gerade auch Vorbilder zu nehmen, die außerhalb des eigenen sozialen Dunstkreises liegen. Damit wird es leichter, eingeschliffene Annahmen und Denkhaltungen zu durchbrechen. Es geht nicht darum, wer besonders lieb zu einem ist, sondern darum, von wem man das meiste für seine aktuellen Herausforderungen lernen kann! Finde eine gute Mischung aus wirklich erfolgreichen Vorbildern und ver- schiedenen Menschen aus deiner Umgebung (der verständnisvolle SELBSTCOACHING 42 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 43. Chef, der immer gut gelaunte Kollege oder der lässige Wissenschaft- ler). Vorbilder müssen im Übrigen nicht nur Leute sein, die man mag. Oft sind es die Leute, auf die wir neidisch sind, von denen wir etwas lernen können – auch wenn man manchmal als erste Reaktion genau diejenigen Eigenschaften verabscheut, die sie so erfolgreich gemacht haben. Greife einfach die für dich erstrebenswerten Eigenschaften heraus und trenne diese gedanklich von der Person an sich. Was ist die Eigenschaft, die diese Person besitzt und was macht diese in welchen Situationen anders als du, das du dir abschauen und ebenfalls verin- nerlichen möchtest? Nur ein Vorbild zu haben und dies blind zu imitieren ist nicht ratsam. Das wäre leichtgläubig: Kein Mensch ist makellos und jedes Vorbild lebt(e) in einem anderen Kontext als wir selbst es tun. Suche lieber Vorbilder aus verschiedenen Lebensbereichen und mache dir bewusst, was es genau ist, das du an ihnen bewunderst: • Besondere Charakterzüge: z.B. Stärke, Optimismus, Warmherzigkeit • Besondere Taten: mutige Firmengründungen, Forschungseifer, be- stimmte Management-Entscheidungen, übernommenes Engagement • Besondere Effizienz: Wer geht besonders effizient an seine Aufgaben heran? Wer lernt besonders effektiv? Wer verzettelt sich nicht im Detail? So springst du über deinen eigenen Schatten Wenn uns eine Situation unangenehm ist und wir über unseren eige- nen Schatten springen müssen, gelingt das wesentlich leichter, wenn wir so tun, als wären wir eine andere Person. „Persona“ heißt im Latei- nischen „Maske“ und deutet darauf hin, dass wir ohnehin im Alltag verschiedene Facetten unseres Selbst offenbaren. Definiere deswe- gen eine ganz neue Maske, die wie ein Schauspieler genau die Eigen- schaften annimmt, die sie braucht, um erfolgreich zu sein. Es bist nicht mehr du, der diese Dinge tut, sondern der verkörperte Charakter. Diese Distanzierung deiner selbst hilft, die unangenehmen Gefühle zu reduzieren, die entstehen, wenn wir uns aus der Komfortzone bewe- gen. Ein befreundeter Künstler brachte mich auf diese Idee. Er spielt im Alltag ganz verschiedene Rollen: Ist er in der Rolle des Pianisten, dann ist er der „Bluescowboy“, der grundsätzlich nur mit Westernhut 43 : ,
  • 44. zu sehen ist. Wenn er flirtet, versetzt er sich in die Rolle eines lässigen Lebemanns. Wenn er arbeitet, imitiert er einen berechnenden Strate- gen. Auch ich frage mich in schwierigen Situationen, wie sich meine Vorbil- der an meiner Stelle verhalten würden: Bin ich wütend, denke ich an den beschwichtigenden Dalai Lama. Bin ich unentschlossen, frage ich mich, was der wagemutige Richard Branson (englischer Gründer von 200 Firmen) an meiner Stelle tun würde. Bin ich entmutigt, denke ich immer daran, was mein willensstarker Großvater mir geraten hat. Und? Mit welchen Vorbildern willst du dich nun stärker auseinander- setzen? An wem kannst du dich orientieren? SELBSTCOACHING 44 : ,
  • 45. 10 | Steh wieder auf, wenn du fällst Wer kennt es nicht, das deprimierende Gefühl im Magen, wenn man etwas nicht geschafft hat. Dieses unangenehme Kreisen der Gedan- ken im Kopf, wenn man einen Fehler begangen hat? Ja, das Leben ist manchmal hart und ungerecht. Doch das ist es zu anderen auch! Es gibt keinen Grund, das persönlich zu nehmen! Das chinesische Wort für Krise „weiji” enthält die Schriftzeichen „wei” (Gefahr) und „ji“ (Gelegenheit oder Wendepunkt). Eine Krise bedeutet in dieser Sprache sowohl „Moment einer Gefahr“ als auch „Moment einer Chance“ . Ebenso bezeichnet das griechische „krisis“ nicht eine hoffnungslose Situation, sondern den Höhe- oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage. Von da an kann es nur noch besser werden. Dieses Sprachspiel zeigt: Jede Chance birgt ein Risiko, ein Risiko wiederum birgt eine große Chance. Das ist nicht nur an der Börse so, sondern gehört zum Spiel. Und: „Irrwege erhöhen die Orientierung“, schenkt man dem deutschen Sprichwort Glauben. Wir unterlassen es oft, Dinge zu verändern, weil wir Angst vorm Scheitern haben. Doch das ist kontraproduktiv: „Ich habe mehr als 9.000 Chancen (Würfe) in meiner Karriere verfehlt. Ich habe mehr als 300 Spiele verloren. Ich habe immer wieder Fehler be-- gangen in meinem Leben. Und das ist eins meiner Erfolgsgeheimnisse.“ Michael Jordan, berühmter Basketballer Sieh auch du Rückschritte und Fehler als eine Chance an. Denn sie haben eine wichtige Funktion: Sie weisen dich auf Schwachstellen hin. Jedes Mal, wenn du eine Blockade hast oder dich einer Krise ausge- setzt fühlst, frage dich: „Welche Veränderung versucht sich hier den Weg zu bahnen? Wie lautet die Botschaft, die in der Krise steckt?“ In den meisten Fällen bedeutet eine Krise, dass etwas schief läuft und die bisherige Vorgehensweise offensichtlich nicht geeignet ist, das Pro- blem zu lösen. Lernen heißt, zwei Schritte vorwärts und einen zurück zu gehen. Verdoppelst du die Geschwindigkeit deiner Fehler, kommst du schneller voran. „Von 200 Glühbirnen, die nicht funktionieren, lehrte mich jeder Versuch etwas, das ich beim nächsten Mal berücksichtigte“. Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne 45 : ,
  • 46. Die Medaillenübung Oft sind Enttäuschungen ein Ergebnis hoher Erwartungen. Wir soll- ten daher die Möglichkeit eines Misserfolgs im Hinterkopf behalten. Eine Übung für mehr geistige Flexibilität in dieser Hinsicht hat sich in meinen Stressmanagement-Seminaren bewährt. Mit der „Medaillen­ übung“ versuche ich, das Bewusstsein für die sprichwörtlichen „zwei Seiten einer Medaille“ zu schaffen: Positives kann in gewissen Situa- tionen unerwünschte Folgen haben (der Lottogewinn zieht Neider auf sich, dein beruflicher Erfolg lässt dir weniger Zeit für Privates) und negative Ereignisse haben auch ihre positiven Seiten. Einen sol- chen Paradigmenwechsel erlebte ich vor zwei Jahren in Asien. Dort beschäftigte ich mich mit Meditation und dem Buddhismus. Ein Satz eines Mönchs ist mir besonders gut im Ohr geblieben: Er sagte: „Ich verstehe euch Westler nicht. Ihr regt euch auf, wenn ihr mal warten müsst. Wenn euer Bus mal etwas später kommt oder ihr irgendwo in der Schlange stehen müsst. Für mich ist das eine wunderbare Chance, zu meditieren.“ Hmm. Da stand ich nun, in meiner westlichen Unge- duld entblößt. Ja natürlich, eigentlich sollte man dankbar sein für die kleinen Zeitgeschenke, die man an einem stressigen Tag bekommt! Wer nimmt sich wirklich schon mal die Zeit, einfach nichts zu tun? Solche Momente bieten Gelegenheit dazu. Zwar sind sie unfreiwillig, doch durch unseren inneren Zorn rauben sie uns nur unnötig Ener- gie! Ich versuche seither, mich an Ampeln, Bushaltestellen und an der Kasse zu entspannen; kurz die Augen zu schließen, an etwas Schönes zu denken, Musik zu hören oder tief durchzuatmen. Oder ich sortiere meine Gedanken. Auch gibt es genügend Berichte von Leuten, denen eine unerwartete Krankheit geholfen hat, ihre Ziele zu überdenken und ihr Leben grund- legend zu ändern. Ja, und auch der Regentag hat etwas Gutes, wenn er eine ordentliche Arbeitseinheit (ohne ständiges Denken an die Son- nenwiese) verschafft. Suchen wir die positiven Aspekte, reduzieren Unzufriedenheit, fördern Ausgeglichenheit und richten unsere Gedan- ken auf die Dinge, die wir tatsächlich ändern können. Jeder hat dabei seine eigenen Dinge, Menschen und Aktivitäten, die ihn stressen oder aus dem Konzept bringen. So empfinden viele Abwa- schen als notwendiges Übel, während andere es als Entspannung erle- ben. Den einen „kostet“ es viel Zeit und Ärgernis, die Steuer­erklä­rung Diese Leseprobe stammt aus: Martin Krengel: Golden Rules, 4. Auflage 2013SELBSTCOACHING 46 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 47. zu machen, während andere damit mit Freude ihren Lebensunterhalt verdienen. Also: Flexibilität ist gefragt! Probiere es gleich einmal mit dieser kleinen Medaillenübung und suche kurz 2–3 positive Aspekte zu diesen Ereignissen: • Du hast ein schlechtes Feedback bekommen. • Du hast eine Absage erhalten. • Du hattest einen Streit mit deinem Partner. • Du hast ein Kleidungsstück verloren. • Dein Chef ist anderer Meinung und findet dein Konzept nicht gut. Hinterfrage in der nächsten Woche automatische Reaktionen. Ver- suche trotz des Ärgers positive Aspekte in dem Ereignis zu sehen! So vollbringst du Höchstleistungen: Suche Kritik, nicht Lob! Es ist einfach, Zustimmung zu finden. Beschwere dich nach einer schlechten Note einfach bei deinen besten Freunden: Mach ein trauri- ges Gesicht, sage, du hast hart dafür gearbeitet. Sie werden dir sagen, dass du großartig warst und dass der Dozent keine Ahnung hat. Gut. Dein Gewissen ist beruhigt. Aber leider wird es dir bald wieder so gehen, wenn du nicht aus diesem Erlebnis lernst. Picke Dir nicht nur die guten Dinge einer Kritik oder eines Feedbacks heraus. Wir neigen dazu, die gelungenen Sachen auf unsere Kompe- tenz zurückzuführen, Fehler aber auf die Umwelt abzuwälzen. Nein, sieh zweimal hin! Wie hättest du das verhindern können? Was musst du verbessern? Wenn du durchschnittlich gute Arbeit produzierst, kannst du zufrie- den sein. Mit dir im Reinen, in deinem Herzen. Dein Kopf aber sollte kritisch bleiben. Ein Freund, den ich durch einen Essay-Wettbewerb kennen gelernt hatte, erzählte mir, dass er den Leuten keine seiner Aufsätze und schriftlichen Arbeiten mehr schickt, die ihm den Aufsatz mit ein paar Rechtschreibkorrekturen zurückschicken und sagen „Das ist gut“. Nein, betonte Klaus, die Teile, in denen alles rot ist, viele Fra- gezeichen stehen und das Fazit lautet: „Mach’s nochmal!“ – das seien die besten Korrekturen. „Nur so kann ich meinen Text verbessern. Sonst denke ich tatsächlich, der Text ist schon fertig. Dabei ist der Text in Wahrheit nur mittelmäßig.“, meinte Klaus voller Überzeugung. 47 : ,
  • 48. Wahrscheinlich ist dein Entwurf auch gut. Aber er ist nicht groß­artig. Willst du dich selbst übertreffen, ersetze die Frage: „Ist es gut?“ durch: „Was kann ich (noch) besser machen?“ Wenn du einen Vortrag hältst, den die anderen super finden, hake genau nach: „Schön? Was würdet ihr dennoch anders machen? Wo habe ich zu viel erzählt? Wo habe ich gelangweilt?“ Wenn du auf diese Weise selbstkritisch fragst, bekommst du eher eine ehrliche Antwort. Ansonsten wird man dir immer „sozial erwünscht“ antworten. Habe keine Angst vor zu viel „Kritik“. Es liegt immer noch an dir, was du davon umsetzt. Es ist wichtig zu wissen, was gut ist. Noch bedeutsamer ist es aber zu wissen, wie das bisherige Ergebnis übertroffen werden kann. SELBSTCOACHING 48 : ,
  • 49. Praxisteil: Analysen Methoden Bestimmung der Strategie. Eine Strategie sollte sich an deinen Stärken orientieren. Doch manchmal gibt es Schwächen, die dem Erfolg im Wege stehen und gezielt abgebaut werden müssen. Da Stärken und Schwächen relativ sind, solltest du diese in Bezug zu deiner konkre- ten Aufgabe setzen. Zeichne eine Tabelle wie unten angedeutet, in der deine Ziele und die entsprechenden förderlichen und hemmenden Faktoren eingetragen werden. Nutze diese Aufstellung, um dich Feld für Feld zu fragen: • Wie kann ich die benötigten Stärken ausbauen? • Wie kann ich die hinderlichen Schwächen reduzieren? • Wie vermeide ich, dass meine Schwächen zum Tragen kommen? Ideenzettel. Lass bei einem Problem deiner Vorstellungskraft freien Lauf: Schreibe das Problem an den oberen Rand eines Zettels – in Form einer Frage, zum Beispiel „Was kann ich tun, um meine Hausarbeit gut und schnell fertig zu kriegen?“ Suche 15–20 Antworten auf diese Frage, egal wie naheliegend diese erscheinen (dadurch wird der Gedanken- prozess angeregt). Wähle dann mindestens eine Idee aus und konkre- tisiere sie. Zögere nicht mit der Umsetzung. Je öfter du diese Übung machst, desto besser klappt es beim nächsten Mal. Außerdem werden Kreativität und Selbstvertrauen gefördert und die eigene Lösungs- kompetenz gestärkt! Ziele Deine Stärken, die du besonders einsetzen willst Eigenschaften, die dich in der konkreten Situation hindern: Abschlussarbeit • Mindestens mit 2.0 bestehen • Ich schreibe gerne • Mich interes- siert das Thema • Ich habe keine Ausdauer bei langen und zähen Projekten Chines. lernen • 500 Schrift- zeichen • 1000 Vokabeln • Ich war schon mal dort und kann mir das Land vorstellen • Ich kann mir Vokabeln schlecht merken Gutes Praktikum • Vernünftige Aufgabe • Bezahlung • Ich habe schon gute Referen- zen vorzuwei- sen • Ich bin etwas schüchtern und kann mich nicht so gut präsen- tieren 49 : ,
  • 50. Deine Zielscheibe: Was willst du ändern? Diese Karte ist ein kleiner Rückblick des Kapitels in Stichworten. Nutze sie, um deine Verbesserungspotenziale zu bestimmen. Markiere mit Stiften oder Textmarkern Schwachstellen, trage weitere Ideen und Konkretisierungen ein. Was sind deine nächsten Schritte? kühlen Kopf / Ruhe bewahren Komfortzone überwinden an Farbpallette denken (Resourcen, Kreativität, Mut) sich nicht schon vorher Stress machenFehler systematischer analysieren konkrete Ziele und Meilensteine bestimmen Selbstvertrauen stärken schriftlich reflektieren Verbesserungspotenziale identifizieren Erfolgsfaktoren ermitteln vorher analysieren planen wiederkehrende Teilprozesse identifizieren das Projekt aus der Vogelperspektive betrachten („rauszoomen”) in andere Rollen / Masken schlüpfen Gezielter konstruktive Kritik suchen durch Trial Error den richtigen Weg finden Reflexionsjournal führen nicht entmutigen lassen immer wieder Überblick über Ziele aktuellen Standpunkt verschaffen konkrete Vorbilder suchen nicht gleich aufgeben Fehler akzeptieren SELBSTCOACHING 50 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 51. So gelingen Projekte Don’t panic! Wer seine Energie mit Ängsten und Sorgen blockiert, hat es schwer. Bewahre einen kühlen Kopf und Optimismus. Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Überschreite deine Grenzen. Grenzen sind dazu da, durchbrochen zu werden. Das Lernen darf niemals aufhören! Raus aus deiner Komfort- zone! Richte deinen Blick nach vorne. Wenn du zurückschaust, dann nur, um aus deinen Fehlern zu lernen. Hab Selbstvertrauen. Jeder verfügt über die Ressourcen, sich seine eigene Zukunft auszumalen. Vielleicht ist dein Zukunftsbild ein wenig bunter als das von anderen. Egal – Hauptsache dir gefällt dieses Bild! Denke in Prozessen. Gewisse Prozesse kehren immer wieder. Sie wan- deln Unsicherheit in lenkbare Ungewissheit. Verschaffe dir einen Überblick. Worum geht es konkret? Wie ist die Aus- gangssituation? Was sind die fachlichen, inhaltlichen und deine per- sönlichen Ziele bei dieser Aufgabe? Ermittle die Erfolgsfaktoren. Ergründe die Erfolgsfaktoren jeder Auf- gabe und konzentriere deine Energie darauf. Experimentiere bei der Umsetzung. Versuche, deinen Plan effizient umzusetzen. Sei aber offen gegenüber Rückmeldungen und Informa- tionen, die sich durch das Handeln ergeben. Coache dich selbst. Fordere so viel Feedback wie möglich über deine Leistungen und dein Verhalten ein. Analysiere schriftlich, was dir gut gelingt und identifiziere deine „Baustellen“. Suche Vorbilder. Suche Inspiration durch Menschen aus Wissenschaft, Geschichte, Wirtschaft, Politik und deinem Umfeld. Lies Biografien. Oder erfinde eine Idealfigur und ahme diese nach. Wenn du auf die Nase fällst, steh wieder auf! Nur wer handelt und dabei Fehler macht, wird auch erfolgreich. Rückschläge zeigen dir falsche Annahmen und Schwächen und sind damit wichtige Informationen im Lernprozess. ZusammenfassungMini-Poster 51 : ,
  • 52. In diesem Modul lernst du: Konkrete Ziele zu setzen | Die Antriebskraft zu verstärken | Stress und Demotivation zu vermeiden | Mit Motivationsschwankungen umzu- gehen | kurzfristige Motivationstricks | Ziele zu visualisieren
  • 53. Motivation Sich selbst verwirklichen. Früher habe ich mich gewundert, warum ich trotz Ehrgeiz oft antriebslos war. Eigentlich hoch motiviert, fand ich dennoch keine Kraft, etwas zu Ende zu bringen. Frustrie- rend! Ich beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen: „Movere“ bedeutet „Bewegung zu etwas“ (einer ange- nehmen Sache) oder „weg von etwas“ (einem uner- wünschten Zustand). Motivation hat außerdem eine geistige (Erwartungen und Ziele) und eine körperliche Ebene: Fehlen Grundbedürfnisse wie Schlaf, gute Ernäh- rung und soziale Kontakte, rebelliert der Körper und er versucht sich zu holen, was ihm zusteht. Damit erklärten sich meine Motivationsschwankungen: Kopf und Körper müssen zusammenspielen! Ich hingegen versuchte, meinen Körper auszupressen wie eine Zitrone. Kein Wunder, dass mir der „Saft“ ausging. Nur die Balance verschiedener Lebensbereiche hält die Antriebskraft hoch. In den folgenden 10 Regeln ergründen wir dieses Wechselspiel. Diese Leseprobe stammt aus den „Golden Rules“ von Martin Krengel, 4. Auflage, Eazybookz 2013 53
  • 54. 11 | Verwirkliche deine Träume Was führt Unternehmensgründer dazu, unermüdlich an einem Projekt zu arbeiten und dabei vollste Zufriedenheit zu erlangen? Sie sind das Projekt! Sie wissen, wofür es sich lohnt zu kämpfen, denn sie verwirk- lichen sich selbst! Sich selbst, seine Wünsche, Träume, Ziele zu reali- sieren, ist die stärkste und zuverlässigste Motivationsquelle. Macht man Dinge, die einem Spaß machen, gehen diese auch viel leichter von der Hand. Man erreicht Zwischenetappen schneller; das motiviert zusätzlich. Hast du den Zustand erreicht, in dem du bist, was du tust, brauchst du dir um deine Motivation keine Gedanken mehr machen. Du wirst von größeren Motivationstiefs weitgehend verschont blei- ben (Rückschläge und „Dellen“ hat jeder mal). Es gibt keinen Grund, nicht nach Glück, Zufriedenheit und Erfolg zu streben. Im Gegenteil, es gibt viele Gründe dafür: Wenn dir das „Warum“ deines Handelns klar ist, dann schaffst du jedes „Wie“. So ähnlich jedenfalls hat es Friedrich Nietzsche ausgedrückt. Werde dir deiner übergeordneten Ziele und Motivationsfaktoren bewusst, denn kurzfristige Leistungsanreize und „Belohnungen“ sind etwas temporäres, von außen gesetztes, externes. Echte Motivation kommt von innen! Es ist wie beim Sport: Zum Anfang hilft uns viel- leicht ein externer Anreiz, man geht wegen der Freunde ins Fitness- center oder ein Sonderangebot lockt. Fallen diese Anreize weg, wird die Eigenmotivation auf die Probe gestellt. „Wenn Du ein Schiff bauen willst, lehre die Sehnsucht nach dem weiten Meer!“ Antoine de Saint-Exupery Externe Leistungsanreize und materielle Belohnungen verpuffen schnell. Was du brauchst, ist eine Mission, ein Leitbild! Das hat viel mit deiner Einstellung zu tun: Psychologen haben gezeigt, dass die Wün- sche des Menschen unerschöpflich sind: Nach einem Lottogewinn fühlt man sich kurzfristig besser, aber bald passen sich die Erwar- tungen dem neuen Niveau an. Man merkt, dass man nicht unbedingt beliebter oder erfolgreicher ist und giert wieder nach mehr. Wirklich zufrieden wird man dadurch nicht. Viele bekannte Menschen sind dadurch erfolgreich geworden, dass sie einfach Spaß an ihrer Tätigkeit MOTIVATION 54 Quelle: Martin Krengel: “Golden Rules”, Eazybookz Like und twittere gerne diese Leseprobe. Alle anderen Rechte, inklusive Download und Druck sind jedoch vorenthalten.
  • 55. hatten und daraus enorme Energie gezogen haben. Wer seine Talente, Interessen und Neigungen auslebt, erlebt mehr Freude bei der Arbeit, hat niemals das Gefühl, seine Zeit zu vergeuden und erwirbt schneller und müheloser das notwendige Wissen. Höchste Zeit also, sich essen- zielle Fragen zu stellen: • Was ist für mich ein erstrebenswertes Leben? • Aus welchen Tätigkeiten und Handlungen besteht es? Dein Leitbild ist eine Übersicht über das „große Ganze“. Es gibt Ant- wort auf die Fragen: • Wer bin ich und wer möchte ich sein? • Was ist mein großes Ziel im Leben? Kaum jemand macht sich intensiv Gedanken über diese grundlegen- den Dinge! Du etwa? Natürlich kann man diese Fragen nicht sofort und nie abschließend beantworten. Doch genau diese Suche hat seit jeher die Menschheit motiviert. Versuche daher immer wieder, an diesen Fragen zu arbeiten: • Was möchte ich erreichen? • Wovon träume ich? • Wie möchte ich sein? • Was will ich verändern? / Was hinterlassen? Rufe dir deine Träume in Erinnerung: vielleicht einen Kindheitstraum, der irgendwo vernachlässigt in dir schlummert oder die Idee, die du im Studium hattest und die dir immer noch im Kopf umhergeht. Mache aus diesem „Was wäre wenn ...?“ ein konkretes Ziel. Nur wer seine Träume in Ziele umformt, kann sie in Erfüllung gehen lassen. Der Rest verschläft sein Leben. Wie schreibt man ein persönliches Leitbild? Das hängt ganz davon ab, was du darin verankern möchtest und welche Darstellungsform dir am liebsten ist: Für manche ist es einfach nur ein Zitat oder ein Satz – ein Motto, das alle Bereiche ihres Lebens zu integrieren versucht. Für andere ist es eine Art persönliche Verfassung, die in mehreren Para- grafen verschiedene Ziele und Teilaspekte aufschlüsselt. Man sollte es persönlich, positiv und im Präsens schreiben. Ansonsten gibt es keine Regeln, Hauptsache es motiviert und lenkt deine Energie in die gewünschten Bahnen! 55 : ,
  • 56. Was sind deine Träume? Ein glückliches Familienleben mit Haus, Kind und Katze? Eine eigene Firma? Dein eigener Liebesroman? Geht es dir um Wohlstand? Akzeptanz? Glück? Ruhm? Veränderung? Möchtest du vielleicht eine Schule gründen oder dich für die Umwelt einsetzen? Fast alle reichen und mächtigen Leute sind nicht er­wähnens­wert talentiert, gebildet, charmant oder gutaussehend. Sie werden reich und mächtig, weil sie reich und mächtig werden wollten. Deine Vision ist dein größtes Vermögen. Ohne ein Tor (bzw. Ziel) zu haben, ist es schwierig zu treffen! Paul Arden, Werbeguru und Filmproduzent Ziele im Leben sind unheimlich wichtig! Sie geben dir eine Richtung, deinem Handeln einen Sinn. Richtig gesetzt bringen sie dir mehr Zufriedenheit und Glück. Und sie haben noch einen angenehmen Nebeneffekt: Angeblich verdienen Menschen, die sich zum Beginn ihrer Karriere klare und schriftliche Ziele setzen, 10 Jahre nach Berufs- einstieg ein Vielfaches ihrer ehemaligen Kommilitonen ohne Vision. Denke daran: Liebst du, was du tust, wird es auch gut! Diese Leseprobe stammt aus den „Golden Rules“ von Martin Krengel, 4. Auflage, Eazybookz 2013 MOTIVATION 56 : ,