Social Media und Journalismus

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Sind Social Media im Jahr 2014 noch aus dem Journalismus wegzudenken? Wie profitieren deutschsprachige Medien von Facebook und Co.? Und wie konkurrieren die Social Networks bereits mit klassischen Medien um Aufmerksamkeit und Werbemarkt? Ein Vortrag zum Status quo von Social Media im deutschsprachigen Journalismus.

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Social Media und Journalismus

  1. 1. Social Media und Journalismus ! Jakob Steinschaden, München, 17. Juni 2014
 Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW)
  2. 2. Über mich: • Publizistik in Wien (Bachelor)
 • Journalistisch tätig seit 2006 (Kurier, Manstein Verlag)
 • zweifacher Buchautor (2010, 2012)
 • Blogger (seit 2010, drei Blogs bisher)
  3. 3. Wo ich publiziere:
  4. 4. Die Inhalte für heute: • Social Media in meiner journalistischen Praxis • Social Media in Recherche und Berichterstattung • Social Media als Traffic-Quelle • Der Journalist als Social-Media-Marke • Social Media als Konkurrenz für Medien • Ein paar Tipps und Tricks • 20, 30 Minuten für Fragen, Feedback, Diskussion
  5. 5. 1. Social Media in meiner ! journalistischen Praxis
  6. 6. Aufstehen, Computer/ Smartphone aufdrehen, und:
  7. 7. TweetDeck + RSS-Reeder = kostenloser Agentur-Ersatz
  8. 8. Den Content aktiv verteilen:
  9. 9. Social Sharing ermöglichen: • Facebook Like, Tweet und Google+ Buttons sind heute Standard auf News- Seiten und Blogs
 • zeigen Autor und anderen Lesern, wie ein Artikel beim Publikum ankommt
 • Social Shares sind zu einer Art Währung geworden
 

  10. 10. Meine wichtigsten Kanäle: 200 1000 2200 70.000
  11. 11. 4 1 3 2 Kanäle-Ranking: 200 1000 2200 70.000
  12. 12. E-Mail-Ersatz: • Vernetzung mit der eigenen Branche lässt Privat- und Berufsleben verschwimmen • Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing, etc. werden zu neuen Inboxen, die man managen muss
  13. 13. 2. Social Media 
 in Recherche und 
 Berichterstattung
  14. 14. Studienergebnisse I: • 79 Prozent der deutschen Journalisten publizieren in sozialen Netzwerken oder Blogs
 • 49 Prozent der Befragten veröffentlichen die eigenen Texte, Videos oder Hörfunkbeiträge regelmäßig in SN, 30 Prozent unregelmäßig ! • Facebook (63 Prozent) vor Blogs/Foren (49 Prozent), Twitter (45 Prozent), Google+ (37 Prozent), Xing (37 Prozent) und LinkedIn (22 Prozent) Quelle: BITKOM-Studie „Medienmacher 2014 – Recherche, Qualitätsanspruch und Finanzierung im digitalen Alltag“, Mai 2014
  15. 15. Studienergebnisse II: Quelle: Deutschland-Report der Cision Social Journalism-Studie 2013/14 • 79% deutscher Journalisten nutzen soziale Medien zur Recherche (100% Rundfunk, 97% Online, 82% Zeitschriften, 74% Zeitungen)
 • 67% nutzen Social Media zum Networking. ! • 60% nutzen Social Media zur Verifizierung. ! • 66% nutzen Social Media zur Medienbeobachtung.
 • für 66% dient Social Media dazu, besser die Ergebnisse der eigenen Arbeit und die Aktivität Anderer aus der Branche nachzuvollziehen. !
  16. 16. Studienergebnisse III: Quelle: Deutschland-Report der Cision Social Journalism-Studie 2013/14 • 37% informieren sich täglich in Social Media darüber, wie auf ihre Inhalte reagiert wird ! • 25% posten selbst täglich Kommentare zu anderen Artikeln auf Facebook, Twitter und Co. ! • Twitter: 56 Prozent passiv, 44 Prozent aktiv
 • 27% lesen arbeitsrelevante Blogs einmal pro Woche 
 • 29% lesen wöchentlich in Online-Foren

  17. 17. ! • Branchenkollegen auf Twitter folgen und mit ihnen gelegentlich über aktuelle Themen diskutieren ! • Facebook, Xing und LinkedIn zur Personensuche verwenden ! • Facebook wird gerne zur Bildersuche verwendet (Profilbilder, Logos, etc.) ! • Links zu eigenen Artikeln verbreiten ! • Artikel werden bei großen Medien mittlerweile von eigenen Social Media Teams gepostet, die oft 20 oder mehr Kanäle betreuen
 Klassische Anwendungen:
  18. 18. Social Media ist auch selbst Thema: • Facebook-Experiment, welche Fans man sich mit Ads einfängt
 • Twitter-Analyse mit Roman Mittermayr, wie viele falsche und inaktive Follower ö. Top- Accounts haben (bis zu 68%) ! • Social Media eignet sich gut für Datenjournalismus, weil sich über die APIs spannende Zahlen abrufen lassen
 

  19. 19. User Content in den News: • „Quelle: YouTube“ sieht man in TV-Nachrichten nach wie vor immer wieder
 • Twitter- und Instagram-Bilder von Justin Bieber in der Klatsch&Tratsch-Presse ! • Facebook-Seiten („Anliegen 
 X hat Y Likes“) in Politik und Chronik
 • Zitate von Prominenten u. Politikern von Twitter

  20. 20. </>??
  21. 21. </>
  22. 22. Probleme mit Embedded Content: • erfordert minimale HTML- Kenntnisse und CMS- Systeme, die Einbettung ermöglichen • Content liegt auf Fremd- Servern, kann dort gelöscht/geändert werden • Wer hat das Urheberrecht?? • GEMA fordert Abgaben für eingebettete Videos
  23. 23. 3. Social Media 
 als Traffic-Quelle
  24. 24. „Die Oma seines Frauchens ist gestorben. Was dieser Husky an ihrem Grab macht, ist herzzerreißend.“ (heftig.co) ! „Welch Zufall: Hätte er diesen Brief weggeworfen, wären wir niemals an die Geschichte dahinter gekommen.“ (heftig.co) ! “Er wohnte auf einer Insel inmitten von 13 Mio. Menschen. Keiner beachtete ihn, bis eine Frau hinsah.” (Likemag.com) ! “Bei dieser 79-jährigen Tänzerin gähnen zuerst alle… doch plötzlich geschieht etwas Unfassbares. WOW!” (likemag.com) Schon mal angeklickt?
  25. 25. Willkommen beim Clickbaiting: • Schlagzeilen werden so optimiert, dass sie von möglichst vielen
 a) angeglickt
 b) geteilt werden ! • Buzzfeed, Upworthy, Viralnova oder heftig.co haben das perfektioniert
 • Jene Online-Medien, die durch Social Traffic schnell gewachsen sind
 
 

  26. 26. Achtung, pseudowissenschaftlich:
  27. 27. Quelle: Media Tenor Zitate-Ranking, Januar bis Dezember 2013. Die alte Welt: Wer zitiert wen? • Anerkennung und Qualität von Stories und Medien wird auch über Zitierungen gemessen
 • Spiegel und Bild führen das Ranking 2013 an ! •BTW: Auch Googles PageRank funktioniert nach dem Zitate-Prinzip
 

  28. 28. Traffic-Quellen von Online- Medien
  29. 29. Hoffen auf virale Effekte: • Sharing-Buttons können für Gratis-Reichweite sorgen ! • Sind für andere Leser auch ein Indikator, welche Storys gut angekommen sind (Weiterlese-Effekt)
 • Achtung: Bei Verwendung muss Datenschutzerklärung angepasst werden

  30. 30. Der Tod der Homepage: • NYT: Zugriffe auf Startseite von 2011 auf 2013 fast halbiert, aber Page Views konstant ! • Huffington Post: „Social is our frontpage“
 • Schlussfolgerung: Nicht Startseite, sondern Artikelebene muss optimiert werden und weitere Storys schmackhaft machen
 
 Quelle: New York Times Innovation Report, März 2014
  31. 31. Abhängigkeit von EdgeRank: • Organische Reichweite sinkt, Paid Posts müssen kompensieren ! • Facebook erneuert immer wieder Newsfeed-Regeln
 (Spam, Story Bumping, Qualität) ! • Viele Fans ≄große Reichweite

  32. 32. (kurze Pause)
  33. 33. 4. Der Journalist als! Social-Media-Marke
  34. 34. Armin! Wolf! 111 Tsd. Follower
 155 Tsd. Likes Richard Gutjahr! 43 Tsd. Follower 3600 Likes Sascha Lobo! 190 Tsd. Follower 21.500 Likes Stefan Niggemeier! 38 Tsd. Follower 5000
 Likes
  35. 35. Was zeichnet eine SM-Marke aus? • Sie haben hohe Social-Media-Reichweite, aber sie sind auch in den „alten“ Medien sehr präsent und treten dort oftmals als „Internet-Experten“ auf
 • Ihre Tätigkeit beschränkt sich nicht auf Social Media, sondern sie kommen entweder aus den „alten“ Medien (ORF, WDR) oder sie haben dort Anschluss gefunden (SpON)
 • Sie sind auch offline sehr präsent und immer auf einschlägigen Events als Speaker anzutreffen
 • => Von Blogs und Social Media kann keiner leben, es braucht noch die „alte Welt“
  36. 36. Experiment Krautreporter • Verdichtung von Social-Media-Stars (Gutjahr, Niggemeier, Tilo Jung)
 • Crowdfunding v.a. via Social Media ! • sucht den direkten Draht zum Internet- Publikum
 • lebt von den Geldern des Online-Publikum

  37. 37. • Medien leben seit jeher nicht nur von der Bekanntheit ihrer eigenen Marke, sondern auch von den großen Namen ihrer Macher ! • Social-Media-Funktionen zur Maximierung der Reichweite ihrer Journalisten
 • Gefahr: Zu große Marken gründen eigene Medien (z.B. Ezra Klein mit Vox.com) ! Medien brauchen SM-Marken:
  38. 38. 5. Social Media als Konkurrenz
 für Online-Medien
  39. 39. Ist Facebook nur ein Dienst?
  40. 40. Oder doch auch ein Medium? • WM-News werden von der Facebook-Agentur HeinePR gemacht
 • Content auf Facebook wird kuratiert und als Newsletter versandt
 • Facebook-Pages werden beworben
 • Derzeit nur als „Service“ für Redakteure - aber wohin kann das führen?
  41. 41. Twitter mit Breaking News: • Erstes Bild der Notlandung eines Flugzeugs im Hudson River zuerst auf Twitter
 • Falschmeldung über Terroranschlag in gehacktem AP-Account
 • Twitter-Nutzer berichtet über bevorstehende Tötung von Bin Laden
 

  42. 42. Google Now mit Nachrichten: • Google Now ist ein persönlicher Assistent, der durch den Tag hilft
 • Neben Wetter, Parkplatz, etc. werden neuerdings auch News angezeigt
 • Ich muss nicht mehr nachschauen, wie das Spiel XY ausgegangen ist

  43. 43. Das Leistungsschutzrecht: • Deutsche Verlage wollen Geld von Google, wenn ihr Content angezeigt wird
 • Content = Anrisstexte, Vorschaubilder
 • Google liefert ihnen jedoch Milliarden Klicks
 •Redaktionsempfehlung: Annäherung in Österreich und 19 anderen Ländern

  44. 44. 6. Ein paar Tipps und Tricks
  45. 45. Beim Teilen taggen: • Links zu Facebook- Profilen und Pages
 • Twitter mit @-Mentions und Hashtags
 • Verlinkte Personen, Marken, Firmen etc. bekommen eine Notification
  46. 46. Blog-Content verteilen: • RSS-Feed automatisch bei XING veröffentlichen
 • Twitter kann auch bei XING veröffentlicht werden
 • Tumblr oder Medium können ebenfalls zum Verteilen von Content genutzt werden
  47. 47. Achtung Facebook Messages: • Wenn Nicht-Freunde eine Direktnachricht schreiben, landet sie im „Andere“-Ordner
 • Empfänger bekommt keine Benachrichtigung, sondern muss aktiv in den Ordner schauen
 • Habe deswegen schon einige wichtige Interview-Anfragen verpasst
 

  48. 48. Tools zum Sharen: • Social-Media- Management mit Möglichkeit zum Vordatieren
 • Aufpassen bei Teaser: max. 140 Zeichen, unterschiedliche Zielgruppen
 • Alternativen: Hootsuite, Swat.io, Sysomos, HubSpot, uvm.
  49. 49. Mit Neuem experimentieren: • BBC, vol.at, Buzzfeed mit WhatsApp-Sharing
 • Vine, Instagram für kurze News-Videos
 • Snapchat wird von US- Marken z.B. für Coupons genutzt
  50. 50. Foren, Blogs, etc. nicht unterschätzen:
  51. 51. Zusammenfassung I: • An Social Media führt für Journalisten kein Weg vorbei, egal ob bei Print, TV oder Radio • Social Media ist als Traffic-Quelle genauso wichtig wie als Content-Quelle und Kommunikations-Plattform • Nein, Journalisten müssen keine Social-Media-Stars werden, aber sie sollten sich auf dem Gebiet auskennen und nützlich für ihre Leser sein • Content Curation wird im Journalismus noch wichtiger werden als bisher
  52. 52. Zusammenfassung II: • Social Media sind wie auch Google Rivalen von lokalen Medien, weil sie am gleichen Werbemarkt operieren • Die Frage des Urheberrechts wird sich künftig durch Social Media verschärfen • Egal ob Facebook einmal stirbt und Snapchat riesig wird: Es geht um Mensch-zu-Mensch- Kommunikation, also: Be nice & useful!
  53. 53. Danke für die Aufmerksamkeit! Zeit für Fragen, Feedback, Wünsche, Beschwerden!
  54. 54. Kontakt:! jakob.steinschaden@gmx.at @jakkse ! Folien ab morgen unter www.jakkse.com

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