Politik in den digitalen Wohnzimmern
Politische Kommunikation über Netzwerkplattformen und (Micro-)Blogs
Jan-Hinrik Schmidt
Hamburg, 04.11.2010
IST DAS ÜBERHAUPT RELEVANT?
Digitale WohnzimmeSeite
0
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100
Internet Fernsehen Zeitung Radio Zeitschriften
Gesamt 18-24
25-34 35-44 45-54
55-65 65+
Abb. 1: Nutzung von Medien für Wahlkampfinformationen im BTW 2009
(in % der Onliner; n=761)
Quelle: von Pape/Quandt 2010
Leitmedium Internet?
Digitale WohnzimmeSeite
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eingebette Nachrichten Webseite von
Tageszeitung
Webseite von
Partei/Kandidat
Blog Netzwerkplattform
Gesamt 18-24
25-34 35-44 45-54
55-65 65+
Abb. 2: Nutzung ausgewählter Internetquellen für Wahlkampfinformationen im BTW 2009
(in % der Online-Informierer; n=355)
Quelle: von Pape/Quandt 2010
Wahlkampf 2.0?
Digitale WohnzimmeSeite
Worüber spreche ich?
1. Digitale Wohnzimmer? Entstehen und Strukturen persönlicher Öffentlichkeiten
2. Dis-Intermediation und Re-Intermediation in vernetzten Öffentlichkeiten
3. Was meint „politische Partizipation“ in vernetzten Öffentlichkeiten?
Digitale WohnzimmeSeite
Was geschieht im Web 2.0? Diagnosen.
Commons-Based Peer
Production
(Yochai Benkler)
Convergence/
Participatory Culture
(Henry Jenkins)
Emergenz digitaler
Öffentlichkeiten
(Stefan Münker)
Das neue Netz = „social
web“
„Politik in Echtzeit“
(Christoph Bieber)
Digitale WohnzimmeSeite
Was geschieht im Social Web? Meine Perspektive.
Das Social Web senkt die Hürden für onlinebasiertes…
www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664/
– Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen,
Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)
 z.B. Weblogs, YouTube
http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908/
– Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und
Knüpfen von neuen Beziehungen)
  z.B. Facebook, studiVZ, XING, Wer-kennt-Wen
http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/
– Informationsmanagement (Selektion und Weiterverbreitung
von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)
  z.B. Wikipedia, Twitter
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Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten
• Das Social Web unterstützt das Entstehen von persönlichen Öffentlichkeiten, in denen
• (a) Informationen nach Kriterien der persönlichen Relevanz ausgewählt werden,
[anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren]
• (b) man sich an ein (intendiertes) Publikum richtet, das aus sozialen Kontakten besteht,
[anstatt des verstreuten, unbekannten, unverbundenen Publikums der Massenmedien]
• (c) und sich im Kommunikationsmodus des „Konversation betreibens“ befindet
[anstatt im Modus des „Publizierens“]
Digitale WohnzimmeSeite
Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten
• Vor allem in diesen persönlichen Öffentlichkeiten des Social Web verschwimmt
die Trennung zwischen „Sender“- und „Empfänger“-Rollen der
Massenkommunikation
• Twitter, Facebook u.ä. Angebote haben Konzept des „streams“ popularisiert – der
konstante Informationsfluss, der an die Seite bzw. Stelle von statischem Text tritt
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Wie orientiere ich mich in der Welt?
http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/
• Die Grenzen zwischen journalistischen und
„Laien“-Öffentlichkeiten werden fließender,…
– … nicht so sehr, weil Nutzer auch als Urheber
von Informationen auftreten („user-generated
content“; „citizen journalism“)
– …sondern vor allem, weil Nutzer als Filter bzw.
Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen
Netzwerke agieren und Informationen (auch aus
etablierten Medien) miteinander teilen
• Entgegen mancher Befürchtungen (oder Hoffnungen), verdrängt das Social Web den
professionellen Journalismus nicht, noch macht es ihn überflüssig.
• Richtig ist aber: In dem Maße, wie Menschen ohne besondere technische oder
berufliche Ausbildung Informationen mit anderen teilen können, schwindet das Monopol
von professionellen Experten (Journalisten, Enzyklopädisten, Bibliothekare, …) auf das
Auswählen, Aufbereiten und öffentliche zur-Verfügung-Stellen von Informationen
Digitale WohnzimmeSeite
Publizistische und persönliche Öffentlichkeiten
• In den vernetzten Öffentlichkeiten
des Social Web äußert sich somit
auch und vor allem die „Anschluß-
kommunikation“ des Publikums
– Publizistische Angebote machen
ihre Inhalte für die neuen
Vermittlungsplattformen
zugänglich
– Nutzer verlinken, retweeten,
bookmarken, diggen, teilen und
empfehlen journalistische Inhalte
• Die Online-Ableger etablierter
publizistisch-redaktioneller
Angebote bündeln nach wie vor das
Gros der Aufmerksamkeit
„Twittercharts“ nach
Verweisen
Digitale WohnzimmeSeite
Publizistische und persönliche Öffentlichkeiten
• In den vernetzten Öffentlichkeiten
des Social Web äußert sich somit
auch und vor allem die „Anschluß-
kommunikation“ des Publikums
– Publizistische Angebote machen
ihre Inhalte für die neuen
Vermittlungsplattformen
zugänglich
– Nutzer verlinken, retweeten,
bookmarken, diggen, teilen und
empfehlen journalistische Inhalte
• Die Online-Ableger etablierter
publizistisch-redaktioneller
Angebote bündeln nach wie vor das
Gros der Aufmerksamkeit
„Twittercharts“ nach
Verweisen
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z.B. Politische
Akteure
Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009
Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation
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z.B. Politische
Akteure
Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009
Reintermediation
Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation
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studiVZ: Wahlzentrale
 “Wahlzentrale” bündelte Informationen
und Aktivitäten zum Bundestags-
wahlkampf 2009
 Anzahl der Unterstützer pro
Partei
 “Sonntagsfrage”
 Diskussionsgruppen
 “Politikfibel” als spezifische
Regeln für politische Inhalte auf
der Plattform
 weiterführende
Informationen/Inhalte in
Kooperation mit publizistischen
Angeboten
(u.a. ZDF, Spiegel Online,
sueddeutsche.de)
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Interaktive Features: Wahlkarte
 Kartographische Darstellung aller
Wahlbezirke und der jeweiligen Kandidaten,
auf deren studiVZ-Profil verlinkt wurde (sofern
vorhanden)
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Interaktive Features: „Wahl-Seifenoper“
 Die wöchentliche „Soap Deiner Wahl“
präsentierte pro Episode ein spezifisches
politisches Thema sowie begleitende
Diskussionsgruppe
 Am Ende der Episode konnte der Nutzer
zwischen verschiedenen Alternativen
wählen, die parteipolitischen Positionen
entsprachen
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Unterschiede zwischen den SNS im BTW 2009
StudiVZ/MeinVZ Facebook WKW
Identitäts-
management
Beziehungs-
Management
Technisch: reziproke
Beziehungen
Semantisch: eher
schwach („Ich kenne“)
Informations-
management
User-generated content
&
Professionell-journalistische
Inhalte
Interaktive Funktionen
Nutzer: Politische Präferenzen und politisches Engagement werden innerhalb
persönlicher Öffentlichkeiten und innerhalb thematischer Gruppen signalisiert
Kandidaten: Präsenz und Aufgeschlossenheit werden signalisiert; politische
Standpunkte an interessierte Bürger und Unterstützer vermittelt
Technisch: Einseitige Beziehungen
Semantisch: eher stark („Unterstützer“ bzw. „gefällt
mir“)
User-generated content
Keine zusätzlichen Inhalte / Funktionen
Quelle: Kunert/Schmidt 2011
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Abgestufte Partizipation
• Die Interaktionsräume des Social Web erlauben verschiedene Varianten politischer
Partizipation (nach Wagner/Brüggen/Gebel 2009):
– Sich positionieren: Ausdrücken von politischen Überzeugungen i.S.v. „signalling“
– Sich einbringen: Teilhabe an Konversationen/Diskursen zu politischen Themen
– Andere aktivieren: Mobilisierung von anderen Nutzern für politische Aktivitäten
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Kommunikationsräume gestaltbar machen
• Auch der Einsatz für die eigenen
Belange und Rechte im Internet
gehört zu politischer Partizipation
– Plattformen räumen Nutzern
höchstens als „Kunden“, nicht aber
als „Bürger“ Mitspracherechte bei
der Verwendung der Werke und
Daten ein
– formalisierte Verfahren der
Nutzeranhörung existieren nicht /
nur in Ansätzen; auf Nutzerseite
fehlt Bewusstsein, durch kollektives
Handeln auch Mitbestimmung
einzufordern
 Schnittbereich politische Bildung
& Medienkompetenzförderung
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The naked gnome demonstration
Quelle: http://www.cesspit.net/drupal/node/491
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Fazit
• Auch wenn andere Mediengattungen noch von mehr Personen für politische
Informationen genutzt werden, das Internet und neuere Web 2.0-Anwendungen sind
wichtige Kanäle für politische Kommunikation
 Das Social Web lässt einen neuen Typ von Öffentlichkeit entstehen: Persönliche
Öffentlichkeiten bestehen aus Informationen von persönlicher Relevanz, die an
vergleichsweise kleine Publika gerichtet sind; es geht eher um Konversation als um
Publizieren
 Zusammen mit etablierten publizistischen Angeboten entsteht so ein Geflecht von
vernetzten Öffentlichkeiten, das durch Dis- und Reintermediation gekennzeichnet ist
 Den Werkzeugen und Plattformen des Social Web (und ihrer spezifischen Architektur)
kommt daher eine besondere, weil rahmende Stellung für politische Kommunikation zu
 Angesichts dieser besonderen Stellung von neuen Intermediären für politische
Information und politisches Handeln werden Formen der Teilhabe (und der dafür
notwendigen Kompetenzen) in Zukunft immer wichtiger werden – nicht nur, um die
Rahmenbedingungen unseres privat-persönlichen Handelns, sondern auch für
politische Information und Willensbildung zu gestalten
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Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Jan-Hinrik Schmidt
Hans-Bredow-Institut
Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg
j.schmidt@hans-bredow-institut.de
www.hans-bredow-institut.de
www.schmidtmitdete.de
www.dasneuenetz.de
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Weiterführende Literatur
– ARD-ZDF-Onlinestudie 2010:
– Van Eimeren, Birgit/Beate Frees (2010): Fast 50 Millionen Deutsche online – Multimedia für alle?
Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. In: Media Perspektiven, Nr. 7-8, 2010, S. 334-349.
– Busemann, Katrin & Gscheidle, Christoph (2010). Web 2.0: Nutzung steigt – Interesse an aktiver
Teilnahme sinkt. Media Perspektiven, 7-8/2010, 359-368.
– Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom.
New Haven/London.
– Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Where old and new media collide. New York.
– Kunert, Jessica / Jan Schmidt (2011): Hub, Fine-Tuner oder Business as Usual? Social Network Sites und
die Bundestagswahl 2009. Erscheint in: Schweitzer, Eva Johanna / Steffen Albrecht (Hrsg.): Das Internet
im Wahlkampf. Analysen zur Bundestagswahl 2009. Wiesbaden.
– Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet.
Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden.
– Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.
– Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web.
Berlin.
– Von Pape, Thilo/Thorsten Quandt (2010): Wen erreicht der Wahlkampf 2.0? In: Media-Perspektiven,
9/2010, S. 390-398.
– Wagner, Ulrike / Niels Brüggen / Christa Gebel (2009): Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und
Vernetzung Jugendlicher. Analyse jugendnaher Plattformen und ausgewählter Selbstdarstellungen von 14-
bis 20-Jährigen. München.

Schmidt ringvorlesung 2010_print

  • 1.
    Politik in dendigitalen Wohnzimmern Politische Kommunikation über Netzwerkplattformen und (Micro-)Blogs Jan-Hinrik Schmidt Hamburg, 04.11.2010 IST DAS ÜBERHAUPT RELEVANT?
  • 2.
    Digitale WohnzimmeSeite 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Internet FernsehenZeitung Radio Zeitschriften Gesamt 18-24 25-34 35-44 45-54 55-65 65+ Abb. 1: Nutzung von Medien für Wahlkampfinformationen im BTW 2009 (in % der Onliner; n=761) Quelle: von Pape/Quandt 2010 Leitmedium Internet?
  • 3.
    Digitale WohnzimmeSeite 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 eingebette NachrichtenWebseite von Tageszeitung Webseite von Partei/Kandidat Blog Netzwerkplattform Gesamt 18-24 25-34 35-44 45-54 55-65 65+ Abb. 2: Nutzung ausgewählter Internetquellen für Wahlkampfinformationen im BTW 2009 (in % der Online-Informierer; n=355) Quelle: von Pape/Quandt 2010 Wahlkampf 2.0?
  • 4.
    Digitale WohnzimmeSeite Worüber sprecheich? 1. Digitale Wohnzimmer? Entstehen und Strukturen persönlicher Öffentlichkeiten 2. Dis-Intermediation und Re-Intermediation in vernetzten Öffentlichkeiten 3. Was meint „politische Partizipation“ in vernetzten Öffentlichkeiten?
  • 5.
    Digitale WohnzimmeSeite Was geschiehtim Web 2.0? Diagnosen. Commons-Based Peer Production (Yochai Benkler) Convergence/ Participatory Culture (Henry Jenkins) Emergenz digitaler Öffentlichkeiten (Stefan Münker) Das neue Netz = „social web“ „Politik in Echtzeit“ (Christoph Bieber)
  • 6.
    Digitale WohnzimmeSeite Was geschiehtim Social Web? Meine Perspektive. Das Social Web senkt die Hürden für onlinebasiertes… www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664/ – Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)  z.B. Weblogs, YouTube http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908/ – Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und Knüpfen von neuen Beziehungen)   z.B. Facebook, studiVZ, XING, Wer-kennt-Wen http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/ – Informationsmanagement (Selektion und Weiterverbreitung von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)   z.B. Wikipedia, Twitter
  • 7.
    Digitale WohnzimmeSeite Entstehen persönlicherÖffentlichkeiten • Das Social Web unterstützt das Entstehen von persönlichen Öffentlichkeiten, in denen • (a) Informationen nach Kriterien der persönlichen Relevanz ausgewählt werden, [anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren] • (b) man sich an ein (intendiertes) Publikum richtet, das aus sozialen Kontakten besteht, [anstatt des verstreuten, unbekannten, unverbundenen Publikums der Massenmedien] • (c) und sich im Kommunikationsmodus des „Konversation betreibens“ befindet [anstatt im Modus des „Publizierens“]
  • 8.
    Digitale WohnzimmeSeite Entstehen persönlicherÖffentlichkeiten • Vor allem in diesen persönlichen Öffentlichkeiten des Social Web verschwimmt die Trennung zwischen „Sender“- und „Empfänger“-Rollen der Massenkommunikation • Twitter, Facebook u.ä. Angebote haben Konzept des „streams“ popularisiert – der konstante Informationsfluss, der an die Seite bzw. Stelle von statischem Text tritt
  • 9.
    Digitale WohnzimmeSeite Wie orientiereich mich in der Welt? http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/ • Die Grenzen zwischen journalistischen und „Laien“-Öffentlichkeiten werden fließender,… – … nicht so sehr, weil Nutzer auch als Urheber von Informationen auftreten („user-generated content“; „citizen journalism“) – …sondern vor allem, weil Nutzer als Filter bzw. Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen Netzwerke agieren und Informationen (auch aus etablierten Medien) miteinander teilen • Entgegen mancher Befürchtungen (oder Hoffnungen), verdrängt das Social Web den professionellen Journalismus nicht, noch macht es ihn überflüssig. • Richtig ist aber: In dem Maße, wie Menschen ohne besondere technische oder berufliche Ausbildung Informationen mit anderen teilen können, schwindet das Monopol von professionellen Experten (Journalisten, Enzyklopädisten, Bibliothekare, …) auf das Auswählen, Aufbereiten und öffentliche zur-Verfügung-Stellen von Informationen
  • 10.
    Digitale WohnzimmeSeite Publizistische undpersönliche Öffentlichkeiten • In den vernetzten Öffentlichkeiten des Social Web äußert sich somit auch und vor allem die „Anschluß- kommunikation“ des Publikums – Publizistische Angebote machen ihre Inhalte für die neuen Vermittlungsplattformen zugänglich – Nutzer verlinken, retweeten, bookmarken, diggen, teilen und empfehlen journalistische Inhalte • Die Online-Ableger etablierter publizistisch-redaktioneller Angebote bündeln nach wie vor das Gros der Aufmerksamkeit „Twittercharts“ nach Verweisen
  • 11.
    Digitale WohnzimmeSeite Publizistische undpersönliche Öffentlichkeiten • In den vernetzten Öffentlichkeiten des Social Web äußert sich somit auch und vor allem die „Anschluß- kommunikation“ des Publikums – Publizistische Angebote machen ihre Inhalte für die neuen Vermittlungsplattformen zugänglich – Nutzer verlinken, retweeten, bookmarken, diggen, teilen und empfehlen journalistische Inhalte • Die Online-Ableger etablierter publizistisch-redaktioneller Angebote bündeln nach wie vor das Gros der Aufmerksamkeit „Twittercharts“ nach Verweisen
  • 12.
    Digitale WohnzimmeSeite z.B. Politische Akteure Quelle:Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009 Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation
  • 13.
    Digitale WohnzimmeSeite z.B. Politische Akteure Quelle:Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009 Reintermediation Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation
  • 14.
    Digitale WohnzimmeSeite studiVZ: Wahlzentrale “Wahlzentrale” bündelte Informationen und Aktivitäten zum Bundestags- wahlkampf 2009  Anzahl der Unterstützer pro Partei  “Sonntagsfrage”  Diskussionsgruppen  “Politikfibel” als spezifische Regeln für politische Inhalte auf der Plattform  weiterführende Informationen/Inhalte in Kooperation mit publizistischen Angeboten (u.a. ZDF, Spiegel Online, sueddeutsche.de)
  • 15.
    Digitale WohnzimmeSeite Interaktive Features:Wahlkarte  Kartographische Darstellung aller Wahlbezirke und der jeweiligen Kandidaten, auf deren studiVZ-Profil verlinkt wurde (sofern vorhanden)
  • 16.
    Digitale WohnzimmeSeite Interaktive Features:„Wahl-Seifenoper“  Die wöchentliche „Soap Deiner Wahl“ präsentierte pro Episode ein spezifisches politisches Thema sowie begleitende Diskussionsgruppe  Am Ende der Episode konnte der Nutzer zwischen verschiedenen Alternativen wählen, die parteipolitischen Positionen entsprachen
  • 17.
    Digitale WohnzimmeSeite Unterschiede zwischenden SNS im BTW 2009 StudiVZ/MeinVZ Facebook WKW Identitäts- management Beziehungs- Management Technisch: reziproke Beziehungen Semantisch: eher schwach („Ich kenne“) Informations- management User-generated content & Professionell-journalistische Inhalte Interaktive Funktionen Nutzer: Politische Präferenzen und politisches Engagement werden innerhalb persönlicher Öffentlichkeiten und innerhalb thematischer Gruppen signalisiert Kandidaten: Präsenz und Aufgeschlossenheit werden signalisiert; politische Standpunkte an interessierte Bürger und Unterstützer vermittelt Technisch: Einseitige Beziehungen Semantisch: eher stark („Unterstützer“ bzw. „gefällt mir“) User-generated content Keine zusätzlichen Inhalte / Funktionen Quelle: Kunert/Schmidt 2011
  • 18.
    Digitale WohnzimmeSeite Abgestufte Partizipation •Die Interaktionsräume des Social Web erlauben verschiedene Varianten politischer Partizipation (nach Wagner/Brüggen/Gebel 2009): – Sich positionieren: Ausdrücken von politischen Überzeugungen i.S.v. „signalling“ – Sich einbringen: Teilhabe an Konversationen/Diskursen zu politischen Themen – Andere aktivieren: Mobilisierung von anderen Nutzern für politische Aktivitäten
  • 19.
    Digitale WohnzimmeSeite Kommunikationsräume gestaltbarmachen • Auch der Einsatz für die eigenen Belange und Rechte im Internet gehört zu politischer Partizipation – Plattformen räumen Nutzern höchstens als „Kunden“, nicht aber als „Bürger“ Mitspracherechte bei der Verwendung der Werke und Daten ein – formalisierte Verfahren der Nutzeranhörung existieren nicht / nur in Ansätzen; auf Nutzerseite fehlt Bewusstsein, durch kollektives Handeln auch Mitbestimmung einzufordern  Schnittbereich politische Bildung & Medienkompetenzförderung
  • 20.
    Digitale WohnzimmeSeite The nakedgnome demonstration Quelle: http://www.cesspit.net/drupal/node/491
  • 21.
    Digitale WohnzimmeSeite Fazit • Auchwenn andere Mediengattungen noch von mehr Personen für politische Informationen genutzt werden, das Internet und neuere Web 2.0-Anwendungen sind wichtige Kanäle für politische Kommunikation  Das Social Web lässt einen neuen Typ von Öffentlichkeit entstehen: Persönliche Öffentlichkeiten bestehen aus Informationen von persönlicher Relevanz, die an vergleichsweise kleine Publika gerichtet sind; es geht eher um Konversation als um Publizieren  Zusammen mit etablierten publizistischen Angeboten entsteht so ein Geflecht von vernetzten Öffentlichkeiten, das durch Dis- und Reintermediation gekennzeichnet ist  Den Werkzeugen und Plattformen des Social Web (und ihrer spezifischen Architektur) kommt daher eine besondere, weil rahmende Stellung für politische Kommunikation zu  Angesichts dieser besonderen Stellung von neuen Intermediären für politische Information und politisches Handeln werden Formen der Teilhabe (und der dafür notwendigen Kompetenzen) in Zukunft immer wichtiger werden – nicht nur, um die Rahmenbedingungen unseres privat-persönlichen Handelns, sondern auch für politische Information und Willensbildung zu gestalten
  • 22.
    Digitale WohnzimmeSeite Herzlichen Dankfür Ihre Aufmerksamkeit! Dr. Jan-Hinrik Schmidt Hans-Bredow-Institut Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg j.schmidt@hans-bredow-institut.de www.hans-bredow-institut.de www.schmidtmitdete.de www.dasneuenetz.de
  • 23.
    Digitale WohnzimmeSeite Weiterführende Literatur –ARD-ZDF-Onlinestudie 2010: – Van Eimeren, Birgit/Beate Frees (2010): Fast 50 Millionen Deutsche online – Multimedia für alle? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. In: Media Perspektiven, Nr. 7-8, 2010, S. 334-349. – Busemann, Katrin & Gscheidle, Christoph (2010). Web 2.0: Nutzung steigt – Interesse an aktiver Teilnahme sinkt. Media Perspektiven, 7-8/2010, 359-368. – Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom. New Haven/London. – Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Where old and new media collide. New York. – Kunert, Jessica / Jan Schmidt (2011): Hub, Fine-Tuner oder Business as Usual? Social Network Sites und die Bundestagswahl 2009. Erscheint in: Schweitzer, Eva Johanna / Steffen Albrecht (Hrsg.): Das Internet im Wahlkampf. Analysen zur Bundestagswahl 2009. Wiesbaden. – Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden. – Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz. – Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web. Berlin. – Von Pape, Thilo/Thorsten Quandt (2010): Wen erreicht der Wahlkampf 2.0? In: Media-Perspektiven, 9/2010, S. 390-398. – Wagner, Ulrike / Niels Brüggen / Christa Gebel (2009): Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher. Analyse jugendnaher Plattformen und ausgewählter Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen. München.

Hinweis der Redaktion