Auktion: 27. September 2018
AUTOGRAPHEN & MANUSKRIPTE
Autographen & Manuskripte
Auktion: Montag, 24. September 2018, 17:00 Uhr
Vorbesichtigung: Mittwoch, 19. bis Sonntag, 23. September 2018
Lot 501-569
Dr. Andreas Terwey
Tel. +41 44 445 63 44
terwey@kollerauktionen.ch
Gabriel Müller, M.A.
Tel. +41 44 445 63 40
books@kollerauktionen.ch
Bearbeitung:
Zusätzliche Abbildungen finden Sie auf unserer Website: www.kollerauktionen.ch
English descriptions upon request.
| 132
Autographen
501
Baker, Joséphine, Tänzerin u. Sängerin (1906-
1975). Zwei Portrait-Postkarten mit eigenh.
Namenszug u. Jahr: 1929. Original-Abzüge
"Iris"-Verlag (jeweils minimal gewölbt).
Beiliegend 3 weitere Postkarten in Original-Pho-
tographie von O. Rohr, Bern. - Entstanden beim
Besuch der Baker im April 1929 in Bern. Darun-
ter eine Aufnahme am Bärengraben, gemein-
sam mit Ehemann Pepito Abatino.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
502
Borelli, Giovanni Alfonso, Mathematiker u.
Naturforscher (1608-79). Brief mit eigenh. Un-
terschrift "Devotissio Sere Gio Alf. Borelli". Pisa,
6. September 1664. Folio. 1 S.
Sehr seltenes, wissenschaftsgeschichtlich inte-
ressantes Schreiben an den Arzt Marcello Mal-
pighi (1628-94) in Messina, den Begründer der
mikroskopischen Anatomie. Borelli hofft, dass
Malpighi nach seiner Genesung seine Studien
über das menschliche Gehirn fortsetzen könne,
und äussert sich in dem Zusammenhang u. a.
kritisch über das neueste Werk des englischen
Anatomen und Begünder der Neurologie, Tho-
mas Willis (1621-75), Cerebri anatome (1664),
dessen wissenschaftlicher Ansatz ihm zu
einseitig auf das Seelenleben, die Vorstellungs-
kraft und die Phantasie ausgerichtet zu sein
scheint. "... e stare allegramente p[er] poter poi
continuare i suoi studi et osservazioni intorno
al cervello, intorno al qual suggetto il Vuillis non
dice cosa di momento, p[er]che egli impazza
intorno le facultà interne dell’anima dell’immagi-
nazione fantasia fauende, che V. S. uede quando
se ne può sap[er]le, io pensauo fargliene fare un
sunto, ma il Sr. Fracassati mi dice che gli e ne ha
mandato da Bologna due esemplare, ne quali V.
S. vedrà, che non toca niùna cosa di quelle, che
V. S. ha ritrouato, e p[er]ò quando sarà riauuta
potrà con ogni franchezza p[er]fezzionar questa
materia, e darla subito fuori ..." - Im linken weis-
sen Rand mit Ausriss ohne Textberührung.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 740 / 2 610)
503
Chagall, Marc, Maler u. Graphiker (1887-1985).
Zwei eigenh. sign. Postkarten.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
504
Doria, Andrea, Fürst von Melfi, Admiral u.
Seeheld (1466-1560). Brief mit Unterschrift "A
comandi di V.S.ie / Amdrea Doria". Barcelona, 8.
Mai 1535. Folio. 1/2 S. auf Doppelblatt. Adress
u. Siegelrest auf der letzten Seite (kl. Falz- u.
Randläsuren, etw. feuchtrandig).
Als kaiserlicher Admiral an den Herzog und die
Räte von Genua von seiner Überfahrt nach
Tunis, das Karl V. im selben Jahr erobern sollte.
Er übermittelt die Anweisung des Kaisers, dass
Briefe für diesen nach Genua und von da aus
über Korsika weiter nach Sardinien und Tunis zu
senden seien, je nachdem wo der Kaiser sich
gerade aufhalte, und befördert von einer gut be-
waffneten Fregatte. - Doria war 1528 in kaiserli-
che Dienste getreten, nachdem er zuvor Franz
I. von Frankreich gedient hatte. Als kaiserlicher
Admiral befehligte er mehrere Züge gegen die
Türken und war trotz seines fortgeschrittenen
Alters bei der Eroberung von Tunis massgeblich
beteiligt. "... la Maesta sua ha detterminato che
le litere qualè da ogni parte li serano scritto pe-
ruenghino tutte in Genoa et de li siano indrizate
a Tunesi o dobe a S. Maesta accadera ritrouarsi.
Et perche la cura si e dil Senor Ambassador et a
sua Sia servio che il parer mio saria de manderle
con fregata ben armato ..." - Sehr selten.
CHF 2 500 / 4 000
(€ 2 170 / 3 480)
Autographen |
501 502 504
| 133
505*
Doyle, Arthur Conan, Schriftsteller (1859-1930).
Briefkarte von Hand seines Sekretärs Alfred H.
Wood. Windlesham, 17. Nov[ember] 1927. In
adress. Kuvert.
An eine Leserin in Amsterdam, der er für einen
"kind letter" über den "Oscar Slater case" dankt.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
506
Dvorák, Antonín, Komponist (1841-1904).
Eigenh. Musikwidmung mit Unterschrift. Prag,
14.6.1903. Auf Postkarte (nicht gelaufen).
Eineinhalb Zeilen aus der Oper "Norma" von
Bellini. Auf der Rückseite einer Bildpostkarte der
Piazza S. Croce in Florenz.
CHF 2 000 / 3 000
(€ 1 740 / 2 610)
507
Edison, Thomas Alva, Erfinder (1847-1931).
Postkarte mit eigenh. Namenszug auf der Bild-
seite. Florenz, um 1900. Nicht gelaufen.
Die Karte mit Ansicht der Via Calzaioli. - Wenig
gebräunt.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
508
Erni, Hans, Maler (1909-2015). Eigenhändiger
Brief mit farb. Original-Tusche-Zeichnung auf
Japanpapier. 29,5 x 21 cm. 1 S. (Faltspuren,
winziger Braunfleck).
An Robert Dreyfuss.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
509
Ferdinand III., römisch-deutscher Kaiser (1608-
1757). Gedruckter Brief mit eigenh. Unter-
schrift. Wien, 29.12.1635. Folio. 1 1/2 S. Mit
Siegel u. Adresse.
An Andreas Prudentius, Propst zu Spital, der zur
Teilnahme an dem auf den 11. Februar anbe-
raumten Landtag zu Linz aufgefordert wird.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
510
Fouqué, Friedrich Heinrich de la Motte, Schrift-
steller (1777-1843). Eigenh. Albumblatt. O.O.,
24.10.1840. Quer-Kl.-8°.
"Mein Leben war vorlängst schon dein/ Nun
mag's auch dein in diesem Abdruck sein."
CHF 140 / 200
(€ 120 / 170)
511
Franz II., römisch-deutscher Kaiser (1768-
1835). Wappenbrief für Stanislaus Tettmayer
sowie seine Brüder Adalbert und Alexander.
Deutsche Handschrift auf Pergament mit
Unterschrift des Kaisers sowie ganzseitiger
Wappen-Malerei in Gold u. Farben. Wien, 21.
März 1794. Folio. [2] w. Bll., [7] Bll., [1] w. Bl. Roter
Samtband mit 4 seidenen Schliessbändern.
Mit an schwarz-goldener Schnur hängendem
grossen Siegel (sehr gut erhalten) in Holzkapsel.
Zusammen in Original-Metallkassette.
Erhebung in den "ersten Grad des galizischen
Adels" und Verleihung des Ehrenwortes "von
Przerwa". - Wohlerhalten, mitsamt der seltenen
Transport-Kassette.
CHF 700 / 1 000
(€ 610 / 870)
508506
| 134
512*
Freud, Lucian, Maler (1922-2011). Eigenhändi-
ge sechszeilige Widmung mit Unterschrift auf
Titelblatt, in: Lucian Freud. [Katalog] Hayward
Gallery, London 1974. 4°. OKart. (leichte Ver-
gilbung).
"Dear Thomas / Here is a copy of the catalogue
as requested, an image of the Christian Bérard
1948 is on p.19. I am sorry not to have seen
more of you these last few weeks. Perhaps we
could meet on Sunday?????"
CHF 1 000 / 1 500
(€ 870 / 1 300)
513
Friedrich II., König von Preussen (1712-1786).
Eigenh. Brief mit Unterschrift "Federic". In
französischer Sprache. Rheinsberg, 1737. 4°. 2
1/3 S.
Berühmter, in Versen abgefasster Brief des
Kronprinzen an seinen Freund und einstigen
Lehrer Duhan de Jandun, den „treuen Führer
seiner frühesten Jugend“, der um seinetwillen
nach dem Fluchtversuch von 1730 verbannt
worden war. Duhan gilt als derjenige, der
Friedrichs Liebe zur Literatur der französischen
Klassik, der Antike und zum Dichten auf Fran-
zösisch am meisten beförderte. Dass Friedrich
ihn als seinen wichtigsten Lehrer und die seine
Jugend am meisten prägende Persönlichkeit
ansah, wird in dieser gereimten Hommage auf
das Schönste deutlich. Friedrich schildert ihm
auf drei Seiten in über 70 Zeilen die Entwicklung
seines Charakters, und am Ende erhebt er ihn
gar zu seinem geistigen und eigentlichen Vater
(„mon seule pere“). Auch als König hielt Friedrich
Duhan die Treue: Als er am 28. Dez. 1745 nach
siegreich beendetem Krieg in Berlin einzog,
stahl er sich von den Feierlichkeiten weg, um
den sterbenden Freund zu besuchen.
CHF 8 000 / 12 000
(€ 6 960 / 10 430)
514
Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der "Grosse
Kurfürst" (1620-1688). Urkunde mit eigenh.
Unterschrift. Kölln an der Spree, 16.XI.1660. Gr.-
4°. 4 S. Mit an schwarz-weisser Seidenschnur
hängendem Siegel in gedrechselter Holzkapsel.
Der Kurfürst verschreibt dem "Ober Jägermeis-
ter Cämmerer Haubtmann zu Liebenwalde und
Zehdenick", Jobst Gerhard von Hartenfeldt, 36
Hufen Brachland, "das Lydke heidichen gen-
andt". - Er erhält das Land "worauf Er ein Adelich
hauss zu bawen vorhabns" als Ausgleich für die
Rückgabe des Gutes Hohen-Landin, "welches
gutt ... wir albereit Anno 1652 an Unsere hoch-
geliebte Gemahlin Ld. abgetretten".
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
Autographen |
511 514
513
| 136
515
Gallas, Matthias, Graf von Campo, kaiserl.
General u. Verschwörer gegen Wallenstein
(1588-1647). Brief mit eigenh. Unterschrift.
Hauptquartier Berngau, 4. Februar 1647. Folio. 1
S. auf Doppelblatt.
Als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres
an eine bayerische Regierungsehörde, die er
über den Duchzug der "zum succurs in Tyrol
destinierten zwey Regimenter zu Fueß" des
Generals Adrian von Enkevort "auf München
... bey Ingolstadt vorbey" informiert. Kurfürst
Maximilian I. habe angeordnet, daß die Truppen
mit "die nothewendige Proviandt" zu versehen
seien. - Wenige Monate vor seinem Tod (25.
April) verfasst. - Beiliegend ein ausgeschnittene
Signatur desselben (Brieffragment, montiert).
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
516
Georg I., König von England u. Kurfürst von
Hannover (1660-1727). Brief mit Unterschrift
"Georg Ludwig Cuhrfürst". Hannover, 22.8.1713.
Folio. 2 S. auf Doppelblatt. Mit papiergedecktem
Siegel u. Adresse (Bugfalte ausgebessert).
An seinen Celler Hofrat Justus Speiermann, mit
einem Auftrag zur Teilnahme an einem westfäli-
schen Grafentag.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
517
Georg III., König von England (1738-1820).
Urkunde mit eigenh. Namenszug am Kopf. Lon-
don, St. James's, 20.6.1798. Folio. 1 S.
Ernennung des John Mackay zum Leutnant
in der Bürgerwehr von Rothesay ("Ensign in a
Company of the Associaton of the Inhabitants
of the Town of Rothesay"). - Gegengezeichnet
von Staatssekretär Herzog von Portland.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
518*
Haffner, Sebastian, Publizist (1907-1999). Ei-
genh. Briefentwurf mit Unterschrift. O.O.[Ham-
burg], von anderer Hand datiert 8.11.[1965]. 4°.
1 1/4 S.
An den Oberbürgermeister von Düsseldorf, Willi
Becker (1918-1977), im Zusammenhang mit
der Verbrennung eines Buches von Erich Käst-
ner durch den "Jugendbund für entschiedenes
Christentum". - Haffner hatt in einer Stern-Ko-
lumne "Prachtkerle" dem OB vorgeworfen, er
habe den Vorfall als "Bagatelle" abgetan. - Beilie-
gend zwei Maschinenbriefe Beckers an Haffner
in dieser Angelegenheit.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
519
Heintl, Franz von, Volkswirtschaftler und Land-
wirt (1769-1839). Die merkwürdigen Begeben-
heiten meines Lebens [...] selbst beschrieben
für meine Kinder und Nachkommen. Eigenhän-
diges Memoiren-Manuskript in 3 Bänden. Deut-
sche Handschrift auf Papier. Datiert 1817-1818.
Gr.-8°. Ca. 1500 beschriebene Seiten. HLwd. d.
Z. mit goldgepr. Rückentitel.
Vgl. ÖBL 1815-1950, Bd. 2, S. 250f. - Die ge-
druckte Fassung erschien 1838 im Selbstverlag.
- Der aus Mähren stammende Heintl arbeitete
zunächst als Adovkat, erwarb 1802 Güter in
Niederösterreich, später auch in Mähren, und
baute sie zu Musterwirtschaften aus. Er gründe-
te 1807 die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft in
Wien, initiierte aber auch Schadensversicherun-
gen (Feuer- und Hagelversicherung). Daneben
verfasste er zahlreiche volks- und landwirt-
schaftliche Schriften sowie jene umfangreiche
Autobiographie, deren Manuskript hier vorliegt.
- Saubere, gut lesbare Handschrift mit einigen
eigenh. Korrekturen u. Zusätzen.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
Autographen |
515 516 517
| 137
520
Hillary, Sir Edmund Percival, Bergsteiger (1919-
2008). State Reception to meet The Members
of the Mt. Everest Expedition at Raj Bhavan.
Gedruckte Einladungskarte zu einem Staats-
empfang in Kalkutta, unterzeichnet von Edmund
Hillary, Tenzing Norgay, John Hunt u.a. Kalkutta,
26. Juni 1953. 15 x 12 cm. Unter Glas gerahmt.
Früher Beleg kurz nach der Erstbesteigung vom
29. Mai und noch vor der Rückkehr nach Europa.
- Wenig gebräunt.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
521
Johann Georg II., Kurfürst von Sachsen (1613-
1680). Lehnsbrief für einen Joachim Wülm-
ersdorff aus Jüterbog. Deutsche Handschrift
auf Pergament. Mit kalligr. Kopfzeile. Dresden,
25. April 1658. 25,5 x 57 cm. Mit grossem
anhängenden Siegel (dieses etwas beschädigt).
Gefaltet.
Betrifft Erträge aus dem Dorf Öhne. - Wenig
staubfleckig.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
522*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1934).
Kaffee-Tasse mit Untertasse aus dem Besitz
Kästners. Rosenthal Kronach, "Azur" 21.
Beiliegend Portrait-Photo von Fritz Eschen,
Kästner mit einer Tasse aus diesem Service
zeigend. Undatiert [um 1950]. Ca. 23,5 x 18 cm.
Verso mit Studiostempel, Inventarnummer so-
wie Besitzstempel "Dr. Erich Kästner". - Beides
aus dem Besitz von Elfriede Mechnig.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
523*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974).
Lottchen in 20 Jahren. Eigenh. Bleistiftskizze
mit Portrait-Karikatur von Luiselotte Enderle.
O.O., dat. 16.6.[19]44. 21 x 15 cm. (im Oberand
mehrfach gelocht).
Seltenes Beispiel für Kästners Karikaturenstil als
Zeichner. - Papierbedingt leicht gebräunt. - BEI-
GEGEBEN: 4 aquarellierte Bleistiftzeichnungen
von Blumen, ebenfalls von Kästner, aber jeweils
unbezeichnet. Gleiches Format u. Papier. - Aus
dem Nachlass von Kästners Sekretärin Elfriede
Mechnig.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
524*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974).
Eigenh. Widmung mit Unterschrift auf Vortitel.
Dat. 15. April [19]29. In: Ders. Lärm im Spiegel.
Mit 10 Vignetten von Rudolf Grossmann. Leip-
zig u. Wien, C. Weller & Co., 1929. 4°. 110 S., [1]
B. Läd. Interimsbroschur mit Rückentitel (Deckel
gelöst u. etw. fleckig).
"Für & Co frisch aus dem Ofen / Ihr Brotherr".
- Frühe Widmung für seine Sekretärin Elfriede
Mechnig, wohl als Vorab-Exemplar noch ohne
den ebenfalls von Grossmann gestalteten
Schutzumschlag ausgeliefert. Auf dem hinteren
Innendeckel mit Besitzvermerk von Mechnig.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
525*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974).
Eigenh. Widmung an seine Mutter mit Unter-
schrift. Dat. Mai [19]29. In: Bänkelbuch. Neue
Deutsche Chansons. Hg. Erich Singer. 12.-15.
Tsd. Wien u. Leipzig, E. P. Tal & Co., 1929. Kl.-8°.
OLwd. mit OUmschlag (dieser mit kl. Randläsu-
ren).
"Meinem Muttchen. Vom Jungen." - Aus dem
ehemaligen Besitz von Kästners Sekretärin
Elfriede Mechnig. - Wohlerhalten.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
522523
| 138
526*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974).
Eigenh. Widmung mit Unterschrift. Dat. Ja-
nuar 1950, in: Ders. Die Konferenz der Tiere.
Illustriert von Walter Trier. München, K. Desch,
[1949]. 4°. Farbig illustr. OPp. (Rücken an drei
Stellen mit transpartentem Klebestreifen
fixiert).
An seine Sekretärin Elfriede Mechnig: "Liebe &
Co! Alles Gute, trotz allem, Ihr oller EK". - Durch-
gehend von Mechnig mit hs. Korrekturen und
Seitenzahlen versehen.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
527*
Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974).
Eigenh. Widmung mit Unterschrift, dat. 7.
Nov[ember] [19]32. Montiert in: Ders. Der 35.
Mai oder Konrad reitet in die Südsee. Illustriert
von Walter Trier. Berlin, Williams & Co. (Cecile
Dressler), 1948. Illustr. OPp. (Rücken u. 1 Ecke
mit Tape verstärkt, weitere Klebespuren).
Ungewöhnliches Exemplar: "Der lieben &
Co, der sozusagen stillen Teilhaberin, in die
Kästner-Bibliothek von Erich Kästner". Elfriede
Mechnig, die so beschenkte, hat die vorliegende
Widmung offenbar eigenhändig in ein Exemplar
der Nachkriegsausgabe montiert.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
528
Karl IX., König von Frankreich (1550-1574).
Schriftstück mit eigenh. Unterschrift. O.O., 27.
(?) Mai 1567. Folio. 2 1/2 S. auf Doppelblatt.
Liste von königlichen Zuweisungen ("Roolle
daucunes expeditions commandees par Le
Roy"), von der Grand Chancellerie protokolliert
und von Karl IX. signiert "Charles" (gegenge-
zeichnet von Robertet des Fresnes). Umfasst
7 solcher "dons royals", im linken Rand römisch
nummeriert und mit "seellée" als ausbezahlt
bezeichnet. - Aus einem ursprünglich mehrere
Halbjahre umfassenden Register (1564-67), das
sich inzwischen in Teilen im Staatlichen Muse-
um Moskau (2. Semester von 1564, 1566 und
1567) und im Nationalarchiv Paris befindet (1.
Semester 1566), teils als verschollen gilt. - Ver-
einzelt fleckig, mit kl. Falz- und Randeinrissen.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
529
Kipling, Rudyard, Schriftsteller (1865-1936).
Eigenh. Brief mit Unterschrift. Engelberg, 15.
Februar 1909. 8°. 1 1/5 S. auf Doppelblatt (Falts-
puren, kl. Falzeinriss sauber hinterlegt).
Auf gedrucktem Briefpapier des Hotels Cattani
mit hübschen lithogr. Vignetten.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
530
König, Johann Samuel, Mathematiker und Philo-
soph (1712-1757). Eigenh. Brief mit Unter-
schrift "SK". O. O. u. J. [um 1739-40]. 4°. 4 S. auf
Doppelblatt (in den Rändern sauber hinterlegt).
Umfangreicher Brief ohne Anrede und Adresse,
sehr wahrscheinlich jedoch an die Schriftstelle-
rin u. Salonière Mme de Graffigny (1695-1758),
der er aufgebracht von seinem Zerwürfnis mit
der Mathematikerin, Physikerin und Philoso-
phin, Marquise Émilie du Châtelet (1706-1749),
der Freundin Voltaires berichtet. König hatte
von Frühjahr bis November 1739 die Marquise
auf Schloss Cirey unterrichtet und mit ihr die
Publikation der Institutions de Physique (1740)
vorbereitet. Dem Zwist lagen offensichtlich
finanzielle Unstimmigkeiten zugrunde, die
zu erbitterten, unschönen Äusserungen auf
beiden Seiten und gegenüber Dritten führten.
- "... Notre afaire a fait enfin un Eclat comme un
bombe qui cesse de bruler. Je compte de finir
mal, mais j ay infiniment plus mal finir, avec cette
femme qui ne connoit aucune Regles d’honneur
et de probité ... Faites moi la grace Madame,
sans faire semblant que je Vous aie ecrit, de par-
ler a Maupertuis, et de lui dire ce que Vous savés,
pour que nous venions a bout de detruire dans
une femme qui nous avons egalement sujet de
detester. Je Vous baise les mains et les pieds
plaignes un homme qui Vous adore, et qui est
malheureux par la perfidie de Votre Ennemie.
Jamais je n’ai plus mal placé mon Amitié, chez
moi je suis deshonoré ou avoir vecû avec Elle ..."
Im Postscriptum bittet König die Adressatin um
Verschwiegenheit, tatsächlich beschrieb Mada-
me de Graffigny die Affäre aber wenig später in
einem Brief an ihren Liebhaber. Die Beziehung
zwischen der Marquise und Voltaire schildert sie
in La vie privée de Voltaire et de Mme Châtelet.
CHF 1 000 / 1 500
(€ 870 / 1 300)
Autographen |
524 526 529
| 139
531*
Lavater, Johann Caspar, Theologe (1741-
1801). Billet mit hs. Sinnspruch u. Unterschrift
"Lavater". O.O. u. D. 8,5 x 6 cm. 1 Blatt, beidseitig
beschrieben. Vorderseite mit gez. Rahmen.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
532
Mann, Thomas, Schriftsteller (1875-1955).
Eigenh. Brief mit Unterschrift. Pacific Palisades,
29. Juni 1943. 8°. 2 1/2 S. auf Doppelblatt.
An den Uebersetzer George R. Marek (1902-
1987), über dessen Arbeit an Manns Erzählung
"Das Gesetz": "Mr. [Arnim L.] Robinson wird
Ihnen die Uebersetzung zurückgeben, und ich
möchte um alles nicht, dass Sie durch die Ver-
besserungsvorschläge, die sich fast auf jeder
Seite finden, den Eindruck gewinnen, als ob ich
nicht sehr glücklich über Ihre Leistung wäre und
sehr dankbar dafür. Ich habe allles mit Bewun-
derung für die natürlich-genaue Wiedergabe
gelesen, die, wie mir scheint, der englischen
Sprache nirgends Zwang antut, und es ist der
reine Uebermut, dass ich an einigen Stellen ver-
sucht habe, es noch richtiger, noch genauer zu
machen." [...] "Ganz zum Schluss kommt ja noch
das Aller-Vertrackteste: das ,Tal der Notdurft'
und die ,Luderwiese'!"
CHF 800 / 1 200
(€ 700 / 1 040)
533*
Massenet, Jules, Komponist (1842-1912).
Eigenh. Brief mit Unterschrift. Paris, 5. Januar
1895. 8°. 1 S. auf Doppelblatt.
An einen "cher collaborateur et ami", dem er
seine Ankuft ankündigt.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
534
Maximilian II., König von Bayern (1811-1864).
Fünf Briefe mit Unterschrift. München, Aachen
und Berchtesgaden, 1845-1855. 4°. Jeweils 1/2
S. Mit 2 gesiegelten Umschlägen.
An den bayerischen Gesandten in Farankfurt
a. M., später Turin und Brüssel, Graf Max von
Marogna. - Im ersten Brief dankt der damalige
Kromprinz für Glückwünsche zur Geburt seines
ersten Sohnes, des späteren Königs Ludwig II.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
535
Napoléon I., Kaiser der Franzosen (1769-1821).
Notiz mit eigenh. Unterschrift: "Renvoyé à
monsieur Aldini pour me faire un rapport. Nap."
1 S. Tinte auf Papier, einfach gefaltet. O. O., Juli
1806.
Der Adressat war Antonio Aldini (1755-1826),
nach 1805 unter Napoleon Innenminister des
Königreichs Italien. - Mit alten Aktenzeichen in
Tinte.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
536
NAPOLEONICA - Holtz, Jean-Baptiste, Un-
terpräfekt von Delémont (1748-1813). Brief
an den Bürgermeister von Biel über Napoleons
Krönung in Italien. Delémont, le 29 floréal, an 13
[d. i. 19. Mai 1805]. 4°. Mehrfach gefaltet. Tinte
auf Papier.
Bittet den Bürgermeister, seine Beamten über
die anstehende Krönung Napoleons zu unter-
richten, dabei aber alle Öffentlichkeit zu meiden.
Jubelzeremonien sollen spontan und freiwillig
erfolgen. Interessantes Zeugnis zur Aussenpo-
litik Delémonts, das damals unter französischer
Herrschaft stand.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
537
Nikolaus I., Zar von Russland (1796-1855).
Urkunde mit eigenh. Unterschrift. Zarskoje Selo,
17.X.1833. 1 S. Quer-Imperial-4°. Pergament.
Mit reicher Bordüre in Kupferstich und papier-
gedecktem Siegel. Gerahmt.
Ernennung des Wirklichen Staatsrates Roman
Furmann zum Geheimen Rat. - Wohlerhaltenes,
sauberes Blatt.
CHF 4 000 / 6 000
(€ 3 480 / 5 220)
530 532
| 140
538
Orff, Carl, Komponist (1895-1982). Eigenh.
Brief mit Unterschrift. Diessen am Ammersee,
22.XI.[19]64. Quer-8°. 2 S. In eigenh. adress.
Kuvert.
An den Theaterwissenschaftler und Dramatur-
gen Rolf Badenhausen in Köln, dem er für die
Zusendung des "ausgezeichnete[n] Skizzen-
buch[s] von C[aspar] N[eher]" dankt. - Brief u.
Kuvert gelocht, kl. Buchstabenverluste.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
539
Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924).
Eigenh. Brief mit Unterschrift. [London],
18.5.1911. 8°. 2 1/2 S. auf Doppelblatt.
An Armanno Morlacchi: "Leggi i giornali. Pare
che Bohème sia un po’ immatura e non come
io speravo. Sempre così col Poli. Mah! È destino
che io a Milano non debba avere una buona
esecuzione - Occhio alla Butt[ertfly] d’autunno
– ma già è inutile - sarà come al solito. Mi scri-
vono da Firenze che anche lì Tango ha tagliato
preludio e l’esecuzione colla [non mi riesce di
leggere il nome] è cattiva e l’insieme è sfacciato.
Qui andiamo lentamente – ma spero bene –
basta però di queste fatiche- sono stufo - vorrei
essere nel fondo del lago a fare il palombaro." -
Auf Briefpapier des Savoy Hotel, London.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
540
Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924).
Eigenh. Brief mit zwei eintaktigen Noten-Skiz-
zen. Undat. (Poststempel 7.9.1918). Gr.-8°. 1 S.
gefaltet (Adresse verso).
An Raffaele Tenaglia vom Verlag Ricordi mit
Korrekturen für eine Partitur: "Mi affido a Lei per
tutte queste correzioni e così siano ripetute
anche in partitura."
CHF 800 / 1 200
(€ 700 / 1 040)
541
Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924).
"Monologo". Eigenh. Manuskript mit Textpas-
sage aus der Oper "il tabarro" und Unterschrift.
Undatiert.
Der Monolog des Michele: "Scorri fiume eterno/
Come il tuo mistero è fondo!/ L'ansia che mi
strugge/ non ha fine/ E sempre calmo passi/ e
non ti ferma/ nè paura nè tormento/ nè volgere
d'anni/ nè volgere d'anni Continui la tua corsa
[...]". BEIGEGEBEN: Portrait-Photo Puccinis.
Vintage mit blindgepr. Studiostempel „Badodi/
Milano“. Um 1920. 13 x 18,2 cm.
CHF 800 / 1 200
(€ 700 / 1 040)
Autographen |
537
| 141
542
Respighi, Ottorino, Komponist (1879-1936).
Eigenh. Briefkarte mit Unterschrift. Rom,
21.9.1933.
An den Dirigenten Guglielmo Tenaglia.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
543
Rimski-Korsakow, Nikolai, Komponist (1844-
1908). Eigenh. Musikwidmung mit Unterschrift.
Undat. (um 1900). Auf der Rückseite einer
Bildpostkarte mit Ansicht von St. Petersburg.
Eine Zeile aus seiner Oper Snegurotschka.
CHF 1 400 / 2 000
(€ 1 220 / 1 740)
544*
Rokitansky, Karl Freiherr von, Mediziner (1804-
1878). Eigenh. Brief mit Unterschrift. 15.
Dezember 1849. 8°. 1 S. auf Doppelblatt.
Der Wiener Pathologe gilt neben Virchow als
Begründer der modernen pathologischen
Anatomie.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
545
Sartre, Jean-Paul, Schriftsteller u. Philosoph
(1905-1980). Eigenh. Brief mit Unterschrift.
Paris, undatiert [1945]. 4°. 1 1/2 S. (gefaltet).
Interessanter Brief an einen Schweizer, dem
er wegen seines Amerika-Aufenthaltes nicht
eher schreiben konnte: "Je connais et l'aime
beaucoup la Suisse". - Wenige kl. Tintenver-
wischungen.- BEIGEGEBEN: Ders. Explication
de l'Étranger. O.O., aux dépens du Palimugre,
1946. OBroschur. - Nummeriertes Exemplar
einer kleinen Auflage.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
541541
543 545
| 142
546
Verne, Jules, Schriftsteller (1828-1905).
Eigenh. Widmung auf Bildpostkarte. Undat.
Adresse verso.
Auf einer Ansicht der Viale del Poggio Imperiale
in Florenz, an eine Verehrerin aus dieser Stadt.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
547*
Wagner, Richard, Komponist (1813-1883).
Eigenh. Brief mit Unterschrift. [Paris], 16 rue
Newton, 14. April [18]60. 8°. 1 S.
An einen Bekannten, den er bittet, ihm zwei
Plätze ("pour Madame Wagner et moi") für die
abendliche Vorstellung von Verdis "Il trovatore"
im Théâtre-Italien zu reservieren. - Kl. Rand-
läsuren u. Falzeinrisse.
CHF 3 500 / 5 000
(€ 3 040 / 4 350)
548
Wagner, Richard, Komponist (1813-1883).
Eigenhändige Widmung mit Unterschrift für
Charles Gounod. In: Ders. Tristan und Isolde.
Vollständige Partitur. Leipzig, Breitkopf & Härtel,
ohne Datum [13.1.1860]. Folio. Titelblatt und
441 S. (alles in Stahlstich). Grüne Halbleinwand
(Verlagseinband; kleiner Einriss beim Kapital, ein
Bund teilweise gelöst).
„A son cher ami Gounod, l’auteur / RW. / Paris
18 mars 1861“
Erstausgabe der gestochenen Orchesterpar-
titur, in einer Auflage von nur 50 Exemplaren
erschienen und entsprechend von grosser
Seltenheit.
Die geschichtsträchtige Widmung ist datiert am
Tag der zweiten und vorletzten Aufführung von
Wagners Tannhäuser in der Pariser Oper. Die
Vorführung wurde, wie die beiden andern, mas-
siv gestört von Trillerpfeifen und Zwischenrufen
der Mitglieder des „Jockey Club“, einer Gruppe
junger Aristokraten, die gegen die Entscheidung
Wagners waren, kein Ballett zu Beginn des zwei-
ten Aktes zu setzen. Charles Gounod (1818
– 1893) und Wagner hatten sich durch Hector
Berlioz Ende 1859 kennengelernt. Gounod
hatte vergeblich versucht, Wagner davon ab-
zuhalten, den Tannhäuser in Paris aufzuführen
und ihn vor den Neigungen des französischen
Publikums gewarnt. Nach einer Intervention
der Fürstin Metternich war es Napoleon IIII.
selbst, der die Aufführungen anordnete und
damit einen der grossen Opernskandale des 19.
Jahrhunderts auslöste.
CHF 17 000 / 25 000
EUR 14 780 / 21 740
549*
Zwinger, Theodor, Gelehrter u. Arzt (1533-
1588). Brief aus dem Umfeld des Basler Gelehr-
ten, möglicherweise auch von ihm selbst. Basel,
September 1571. Folio. 1 S. (kl. Randläsuren).
Wohl an den flämischen Philologen Karel von
Utenhove in Düsseldorf, mit dem Zwinger nach-
weislich in Kontakt stand. - Möglicherweise über
Publikationspläne, dazu passt die mehrfache
Erwähnung des Basler Druckers Henric Petri. -
Im linken Seitenrand alt hinterlegt, etwas fleckig.
CHF 1 200 / 1 800
(€ 1 040 / 1 570)
Autographen |
547 549
548
| 144
550*
AFRIKA - Glückwunschadresse der Deutschen
in Natal zu Bismarcks 70. Geburtstag. Hand-
schrift auf Papier. Natal, 1885. 60,5 x 11,5 cm.
Mit kalligraphierter Widmung. 4 Bll. (das erste
leer) u. 7 Bll. mit Unterschriften in kleinerem
Format. Mit Kordelheftung. Gerollt in blauer
Samtrolle.
Unterzeichnet von Gustav Monhaupt, Konsul
des Deutschen Reichs in Natal, u. vielen
anderen. - Etwas angestaubt und eingerissen,
Kordelheftung lädiert.
CHF 400 / 600
(€ 350 / 520)
551
AMERIKA - Geburtsanzeige einer deutschen
Einwanderer-Familie in Pennsylvania, USA. Ein-
blattdruck mit hs. Eintragungen und koloriertem
Holzschnitt-Dekor. Allentaun [d.i. Allentown],
gedruckt bei A. u. W. Blumer, 28. September
1835. Unter ovalem Passepartout gerahmt
(hinterlegte Fehlstellen im linken Rand). Gesam-
grösse: 55 x 40 Cm.
Den Ehegatten Jacob Odenwelder und seiner
Frau Mary, geb. Gradewohl, wurde ein Sohn ge-
boren, der in Forks Township, Northampton zur
Welt kam. - Schönes Beispiel für die populäre
Bildkultur deutscher Einwanderer in den USA.
CHF 200 / 300
(€ 170 / 260)
552
ASTRONOMIE - Berg, Adolph. Navigation und
Nautische Astronomie. Deutsche Handschrift
auf Papier. Mit 1 aquarellierten Schiffsportrait, 1
blattgr. Karte in Tuschfeder, kalligr. Titelblatt so-
wie zahlr. schemat. Federzeichnungen im Text.
Stralsund, 1824. Folio. 1 nn. Bl., S. 176-[305], 13
nn. Bll. Blattgrösse: 31,6 : 19,7 cm. HLdr. d. Z. mit
Schliessbändern.
Prachtvoll gestaltetes nautisches Handbuch
eines Stralsunder Kapitäns, aufgrund der
Paginierung wohl als in sich abgeschlossener
Teil einer allgemeinen Schiffahrtskunde konzi-
piert. - Das fein ausgeführte Aquarell mit einer
Ansicht von Bergs Schiff, der Brigg "Christina
Maria", unter vollen Segeln. Die ebenfalls sehr
qualitätvolle, grenzlavierte "Mercaturcharte von
England nach Caap Verd" zeigt den Atlantik mit
den Küsten Europas, Nordafrikas und Nord-
amerikas. - Enthält als Anhang ein "Journal auf
einer Reise von Engeland nach Madeira in das
Schiff Brittania. Commandor F. W. N. Gehalten
von Steuermann A. A. B." - Wenige Bll. leicht
fingerfleckig, sonst wohlerhaltenes Manuskript
auf starkem Papier.
CHF 1 800 / 2 500
(€ 1 570 / 2 170)
553*
GASTRONOMIE UND LEBENSMITTEL - Com-
positionen. Rezeptbuch für Liköre, Branntwein,
Farben, Bier u.a. Deutsche u. lateinische Hand-
schrift auf Papier. Wohl 18. Jahrhundert. Kl.-8°.
[92] Bll. Pgt. d. Z. (Block etwas verzogen, Bezüge
etwas fleckig, Schliessbänder fehlen).
Interessantes Rezeptbuch mit Anleitungen zur
Herstellung vor allem von alkoholischen Geträn-
ken, Einmachen von Obst etc. Die Beschreibun-
gen in deutsch, die Rezepturen meist in Latein.
- Unter anderem über: Coeruleum Novum oder
Sächsischblau, Viride Bremensis, Vinum Acacia-
rium oder Schleenwein, Vinum Ribesiorum,
Roth zu Färben, Blau zu Färben, Gelb zu Färben,
Vinum Sambuci, Virnis Surrinum, Stieffel Wachs,
Englisch Bier (Ale), weissen Bieressig, Runkelrü-
ben-Zucker, Eau Divine, Danziger Goldwasser,
Liqueur de Courassau, Kartoffelnbrandtwein
zu machen, Pommeranzen Liqueur, Kirschen
Liqueur, Quitten Liqueur, Nelken Liqueur, Rosen
Liqueur, Arack oder Punsch Liqueur, Punsch
Royal etc. - Etwas gebräunt u. fleckig.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
554*
HABSBURGER - Leopold I., römisch-deut-
scher Kaiser (1640-1705). "Jährlich einkom-
mens, wass zur Bestreittung der Hof und Statt
Hungarischen gränitzen alss auch Kayserli-
chen Armada angewendet und aussgeben
wirdt". Protokoll bzw. Abschrift der "geheimb
Conferenz" zur Festlegung des Kaiserlichen
Etats. Deutsche Handschrift auf Papier. Mit
eingeb. gest. Portraits, davon eines mit hs.
Titel überklebt. Undatiert, um 1673. Folio. Ca.
120 beidseitig beschr. Bll. (davon die letzten 60
durch Wasserschaden nahezu unlesbar). Pgt. d.
Z. mit Schwarzprägung (angestaubt u. fleckig, kl.
Fehlstelle im Deckelbezug).
Detaillierte Aufstellung der Etatposten des
kaiserl. Hofes samt Personal. Trotz des Was-
serschadens von hohem Quellenwert. - Exlibris
Heinrich von Gudenus auf vorderem Innende-
ckel (dat. 1891).
CHF 800 / 1 200
(€ 700 / 1 040)
Manuskripte
550
Manuskripte |
553555
| 145
555*
MEDIZIN - Artzney-Buch (Rückentitel). Deut-
sche Handschrift auf Papier. O. O., um 1740. Kl.-
4°. 200 S., [6] Bll. (Register), [48] Bll., [11] w. Bll.
HPgt. d. 19. Jhs. (Deckelbezüge leicht beschabt,
gering fleckig).
Ausführliche Erklärung zur Herstellung und
Verwendung einer grossen Zahl von Essenzen,
Tinkturen, Pulvern, Pillen und Pflastern zur
Heilung menschlicher Krankheiten und Gebre-
chen aller Art, insgesamt rund 270 Rezepte.
Behandelt wird alles vom Hundebiss über die
Wassersucht bis zur Pest. Der erste Teil in sau-
berer Kurrentschrift wird ergänzt durch weitere
Rezepte von verschiedenen Händen. Hier hat
der anonyme Schreiber oft auch die Herkunft
seiner Mittel angegeben, neben Ärzten und
Barbieren erscheinen hier vor allem adlige Herr-
schaften aus Mittel- und Ostdeutschland, was
auf einen Hofarzt des 18. Jhs. hinweisen könnte.
Neben den eigentlichen Behandlungsmittel im
medizinischen Sinn finden sich auch mehrere
Rezepte für Rosenwasser, verschiedene Essige,
Kirschwasser u.ä. - Interessantes Exlibris des
Dr. med. Carl Gerster, Sanitätsrat in Braunfels
(Radierung, einen Arzt beim Mischen eines Me-
dikamentes darstellend). - Etwas gebräunt.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
556
MILITARIA - Militarordonanz. Deutsche
Handschrift auf Papier. Mit 19 eingebundenen,
doppelblattgr. Kupferstichen der Militärischen
Gesellschaft, Zürich. Folio. 209 gez. S. Pp. d. Z.
(bestossen, Fehlstellen im Bezug).
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
557
Schreibmappe mit Briefsammlung. Blindge-
prägte Lederkassette mit Metallschloss und
ornamentaler Lederschnitt-Bordüre auf beiden
Deckeln. Frankreich, um 1840. 32 x 23,5 x 5 cm.
(gering berieben, kl. Gelenkeinriss).
Innen mit Original-Schreibutensilien (Feder,
Brieföffner, Petschaft, einklappbares Tinten-
fass etc.) sowie verschiedenen Fächern für
die Ablage von Korrespondenzen. - Inliegend
verschiedene deutschsprachige Korresponden-
zen (zumeist aus Ofterdingen in Schwaben) aus
den 1850er und 60er Jahren, ferner Visiten- u.
Tanzkarten u.a.m.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
558
URKUNDEN - Sammlung von 26 Schweizer
Ausweisdokumenten, zumeist Reisepässe.
1804-1857. Verschiedene Formate. Jeweils
unter Passepartout montiert.
Enthält neben Reisepässen auch Heimat- bzw.
Angehörigkeitsscheine für Unverheiratete.
- Zumeist bedruckte Papiere mit hs. Eintragun-
gen sowie amtlichen Stempeln oder papierge-
deckten Siegeln. - Enthält Pässe verschiedener
Kantone (Zürich, Bern, Wallis, Graubünden,
Aargau, St. Gallen, Glarus, Tessin u.a.) sowie von
Konsulaten in Rom u. Marseille. - Wohlerhalten.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
552
| 146
559
URKUNDEN - Kaufbrief aus Carpi in Italien von
1429, vorliegend in einer beglaubigten Kopie
von 1452. Lateinische Handschrift auf Perga-
ment. Carpi, Ludovicus de Cochapanis (oder
Cochapanus), 23. September 1452. Mit dessen
Notariatssignet im linken Seitenrand. 1 S. 33,5
x 21,3 cm. (alt aufgezogen, stärker gebräunt u.
fleckig, kl. Eckabriss).
Ugolinus, Sohn des Isachus de Isachis von Carpi,
verkauft drei Stück land ("tres petias terre") im
Ort Acibeni (Cicibeni?) für die Kaufsumme von
90 Pfund, 11 Schilling und 1 Pfennig. Im Vertrag
sind die genaue Lage und Grösse der einzelnen
Parzellen festgelegt und die Modalitäten der
Bezahlung beschrieben. - Teilweise Transkripti-
on beiliegend.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
560
URKUNDEN - Kaufbrief über ein Grundstück in
Unterferrieden ("Untern Verrrieden") bei Nürn-
berg. Deutsche Handschrift auf Pergament.
Nürnberg, 25. Januar 1537. Mit 4 anhängenden
Siegeln (diese jeweils mit Fehlstellen).
Die Brüder und Vettern Hieronymus, Thomas
und Pankratz Reiche, allesamt Nürnberger
Bürger, verkaufen ihrem "freundtlichen lieben
schwager" Wolf Harsdorffer das "frey lauter
aigen gut". - Gering angestaubt.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
561
URKUNDEN - Masonica - Zwei Freimaurer-Ur-
kunden. Kupferstiche auf Pergament mit hs.
Eintragungen. Speyer, 1810 u. 1811. 34,6 x 43,5
u. 40 x 47,5 cm. Die erste ohne Siegel, die zwei-
te mit anhängendem Siegel in Holzkapsel.
VerleihungdeserstenunddrittenGradesfürden
KaufmannPhilippeLichtenberger.Infranzösischer
Sprache,Speyergehörtevon1792bis1814zum
französischenDépartement"Mont-Tonnerre".-
Dekorative,nurwenigfleckigeStücke.
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
Manuskripte |
560
| 147
562
URKUNDEN - Rom - Confraternita di Gesù
Maria e Giuseppe. Bescheinigung über die
Mitgliedschaft. Kupferstich mit figürl. Vignetten
sowie hs. Ergänzungen u. Unterschriften. Rom,
9. November 1689. Folio. 2 S. auf Doppelblatt
(Faltspuren etw. staubrandig).
Ungewöhnliches Dokument barocker Heilsöko-
nomie. Die Bruderschaft fungierte als eine Art
Sterbekasse, die dem Mitglied für regelmässige
Beiträge zu Lebzeiten im Todesfall neben der
Beerdigung auch das Gebets-Gedenken garan-
tierte. - Auf der Rückseite des Einblattdruckes
sind die eingegangenen Beträge hs. notiert
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
563
Wieland, Hans, Maler (1867-1945). Skizzen-
buch zur Eidgenössischen Bundesfeier in
Schwyz 1891. Mit eigenh. Bleistift-Zeichnungen.
Quer-8°. Ca. 60 S. mit Skizzen auf verschie-
denen, stärkeren Papieren. Lwd. d. Z. mit hs.
Deckeltitel.
Frühe Arbeiten des bekannten Landschafts-
und Historienmalers. Zeigt die Protagonisten
des Festumzuges bzw. Festspiels in ihren
historischen Kostümen, die Teilnehmer des
Festgottesdienstes u.a.m. "Die Bilder des routi-
nierten, vielseitigen Alpenmalers, der sich auch
als Grafiker und Plakatmaler profilierte, waren zu
W.s Lebzeiten sehr populär, gerieten aber nach
seinem Tod bald in Vergessenheit." (HLS).
CHF 250 / 400
(€ 220 / 350)
564
ZÜRICH - Hagenbuch, Hans Ulrich. Eigent-
liche Abbildung Disses Titelplats Wie Die
Altere Schweitzer in Der Kriegsrüstung Einhär
Getreffen Kamen. Manuskript mit kalligraphisch
u. figürlich gestaltetem Titelblatt und 16 Tafeln
mit sign. Trachtendarstellungen. Zürich, "Mit
Der Feder Gemacht", 1770. Folio. Jeweils auf
Trägerkartons montiert. Zus. gebunden in
Lederband um 1900 mit goldgepr. Rücken- u.
Deckeltitel.
Interessantes Unikat eines sich als "Küffer"
bezeichnenden Zürcher Künstlers, der mit
grosser Akribie verschiedene Zürcher Trachten
vor städtischer Kulisse inszeniert hat. Die im
Hintergrund platzierten Gebäude sind jeweils
nummeriert und im Unterrand in einer Legende
bezeichnet. - Die Augen der Figuren jeweils
(wohl später) blau ausgemalt. - Etwas fleckig
in den Rändern, teils mit kl. Verwischungen. -
BEIGEGEBEN: Wappen-Buch einer Ehrenden
Gesellschafft der Herren Stube zu Winterthur
(Deckeltitel). Kopie nach dem Original im Besitz
der Stadtbibliothek durch H. Ed. Bühler, im
Winter 1917/18. Mit 98 aquarellierten Wap-
penzeichnungen. Folio. Pgt. d. Z. (Deckel leicht
aufgebogen). - Am Schluss mit einem Verzeich-
nis "Namen der Zünfter der Herrenstube in
Winterthur" sowie einem Register der Wappen.
CHF 600 / 900
(€ 520 / 780)
565
ZÜRICH - Urkunde im Namen von vier Räten
der Stadt. Deutsche Handschrift auf Perga-
ment. Zürich, 14.11.1642. Quer-Folio. 1 S.
(Siegel entfernt).
Urteil der Räte Hans Heinrich Wirtz, Hans
Heinrich Müller ("beid Seckelmeister und
Rychs-Vögt"), Hans Heinrich Grebel ("gewes-
sener Landtvogt") und Heinrich Grebel in einem
Wegerechtsstreit zwischen Rudolf Ehrsam und
Rudolf Corradi.
CHF 300 / 500
(€ 260 / 430)
558 563 564
| 148
566
Anonymer bolognesischer Buchmaler aus der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna
Bologna, ca. 1445-50. Blatt aus einem franziskanischen Psalter mit der Initiale B und dem musizierend, Gott huldigenden David sowie - auf der bas-de-
page - die das Christuskind anbetende Gottesmutter. Dazugehörend eine Serie von 9 weiteren Blättern aus demselben Verband mit Filigraninitialen.
Pergament, 563 x 406 mm.
Provenienz: Privatbesitz
Bibliographie: unveröffentlicht
Zitierte Literatur: Gaudenz Freuler Italian Miniatures from the Twelfth to the Sixteenth Centuries, Cinisello Balsamo 2013, S. S 312-337; Laura Zabeo, in:
Angelo Tartuferi, Francesco D’ Arelli, L’ Arte di Francesco. Capolavori d Arte Italiana e terre d Asia dal XIII al XV secolo, Ausstellungskat. Florenz, Galleria
dell’Accademia März-Oktober 2015; Florenz 2015, S.402-405; Massimo Medica in: Massimo Medica, Federica Toniolo (ed.) Le Miniature della Fondazio-
ne Giorgio Cini, Pagine , ritagli, manoscritti, Cinisello Balsamo 2016, S.314-315.
Die hier angebotenen Blätter, sind Teil eines zur napoleonischen Zeit aufgelösten und erst jüngst partiell rekonstruierten franziskanischen Psalters
(Gaudenz Freuler 2013, S. 312-337). Die einzige illuminierte Buchseite dieses Konvoluts, kann aufgrund übereinstimmender Blattgrösse, Kongruenz
in Stil und Seitenkonzept einwandfrei als Frontispiz dieses aufgebrochenen Manuskripts identifiziert werden. 14 weitere illuminierte Blätter aus dem
gleichen Psalter befinden sich in einer mailändischen Privatsammlung (fig.1) und fünf weitere Buchseiten verteilen sich auf die Sammlung der Fondazi-
one Giorgio Cini und Privatbesitz (fig.2). Der unbekannte, stilistisch etwas heterogene Buchmaler vorliegenden Blattes und dessen 19 bisher georteten
Schwesterblätter kann einwandfrei der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna zugeordnet werden. Auf letzteren geht das reiche Dekorations-
konzept der Seite aus Goldplaketten mit eingewobenen Blütenranken und darin nistenden Fantasievögeln zurück. Deshalb könnte gar Giovanni d’ Anto-
nio für das künstlerische Konzept der hier angesprochenen Serie von Psalter-Blättern geltend gemacht werden, während für die Ausführung jedoch ein
anonymer Buchmaler verantwortlich gezeichnet hat, dessen Hand auch in den Miniaturen einer Serie weiterer franziskanischer Chorbücher auszuma-
chen ist (Bologna, Museo Civico 547, a, 553, 549 , und Florenz Bargello, Antifonario A46), die ebenfalls von Giovanni d Antonio konzipiert wurden (M.
Medica 2016, S. 314-315; Laura Zabeo 2015, S. 402-405). Das künstlerische Repertoire des ausführenden Buchmalers vereint aus Giovanni d’ Antonio’s
Kunst geschöpfte Aspekte mit solchen des sogenannten Meisters von 1446, einem führenden, in Bologna tätigen Illustratoren, sowie unverkennbaren
Anklängen an die norditalienische Buchmalerei der Lombardei und Veneto, insbesondere an den unbekannten Buchmaler des Gonzaga Psalters in der
Bibliothèque Nationale in Paris MS. Latin 772, vgl. G. Freuler 2013, S 338-345). Das am rechten Blattrand erscheinende, in den Stern von Bethlehem
eingebundene Christus-Symbol des Heiligen Bernhardin von Siena weist für unsere Buchseite und die dieser zuzuordnenden Schwesterblätter auf
eine Herkunft aus einem Psalter, der für die Brüder eines franziskanischen Observanten Konvents, vielleicht für jene von San Paolo in Monte in Bologna,
hergestellt wurde. - Prof.emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich
CHF 5 000 / 8 000
(€ 4 350 / 6 960)
Manuskripte |
| 150
567
Fra Jacobus. Blatt aus einem Antiphonar mit der Darstellung des letzten Abendmahls, die den Text Imolabit hedum ... 2. Responsorium des Corpus-Do-
mini-Festes begleitet. Veneto, ca.1390. Pergament. 557 x 389 mm. Initiale ca. 130 x 125 mm. 6 Tetragramme. Echtgoldrahmung.
Provenienz: - New York, Sammlung Robert Lehman (bis 2004) - Hamburg, Sammlung Jörn Günther (2004) - Schweizer Privatbesitz (seit 2005) Biblio-
graphie: - Seymour De Ricci (assisted by William J. Wilson); Census of Medieval and Renaissance Manuscripts in the United States and Canada, New York
1927, S. 1709 Nr A.37 - Pia Palladino Treasures of a lost Art . Italian manuscript Painting of the Middle Ages and Renaissance, New Haven/London 2003,
S. 32 Vorliegendes Blatt mit der eindrücklichen Schilderung des letzten Abendmahls, die sich innerhalb einer für das Veneto charakteristischen, oben
in einen abgeflachten Vielpass gipfelnden Nische entwickelt, steht künstlerisch in der padovanischen Tradition um Altichiero. Die Darstellung der an
einem runden Tisch um Christus gescharten Jünger, von denen einige Gesichter in extremer Verkürzung gegeben sind, fügt sich nahtlos an die Bilder im
paduanischen Raum an, so beispielsweise an die Tafel von Dalmasio im Museo di S. Stefano in Bologna (vgl. Daniele Benati, Jacopo Avanzi nel ritrova-
mento della pittura padana del secondo 300, Bologna 1992, S. 123, Abb. 129). Wenngleich das sich über die Seitenränder erstreckende Rankensystem
sich direkt aus der bolognesischen Buchmalertradition herleitet, so erkennen wir gewisse Elemente, die eher in der Tradition der venezianischen Kunst
stehen. Das gilt, wie erwähnt für die Vielpassform des oberen Nischenabschlusses gleich wie für die Sitzbank um den Tisch, die auch später in ähnlicher
Form in den venezianischen Marienbildern als Thronsockel der Marienthrone figuriert. Es bestehen gute Gründe den noch unbekannten Fra Jacobus im
venezianischen Raum, womöglich in Verona, anzusiedeln. Seine Kunst scheint sich aus jener eines unbekannten, auch von Lorenzo Veneziano berühr-
ten Miniaturisten herzuleiten, von dem sich in einer österreichischen Privatsammlung zwei (Friedrich Georg Zeileis, Più ridon le carte. Buchmalerei aus
Mittelalter und Renaissance, Gallspach 2004, S. 122-131) Antiphonarblätter erhalten haben: eines mit Darstellungen der Genesis und das andere mit
einer grossartigen Apotheose des Ewigen in einer Initiale A. Womöglich stammt der unbekannte Buchmaler unseres Antiphonarblattes aus der Gegend
von Verona, zumal seine Kunst stilistisch auf die auch schon (vermutlich nicht zutreffend) mit Jacopo da Verona in Zusammenhang gebrachten und
etwas später anzusetzenden Miniaturen in den Chorbüchern von Monselice hinweisen. Prof.emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich
CHF 14 000 / 18 000
(€ 12 170 / 15 650)
Manuskripte |
567
| 151
568
Französischer Buchmaler, um 1500. Bildinitiale
N mit Verkündigungsszene, florale Bordüre
und 4 gez. Linien mit Noten. Gouache und
Goldhöhung auf Pergament. 13,7 x 16,2 cm.
Auf seiden bespannter Holzplatte montiert,
Echtgoldrahmung.
Die Jungfrau Maria in blauem Gewande vor dem
Betpult, wendet sich voller Erstaunen und emp-
fangender Handgeste zum Erzengel Gabriel, der
von links herannaht, vor ihr niederkniet und mit
der rechten Hand auf die schwebende Taube
weist, das Symbol des heiligen Geistes. Die Initi-
ale N, die diese Miniatur umschliesst, ist mit blau
mit weisser Innenzeichnung gegeben und wird
von goldener Bordüre umzogen. Links steht in
einer Banderole: "Ave Maria Grat[ia] plena, [D]
o[mi]n[u]s tecum". - Wohl aus einem aufgelös-
ten Antiphonar geschnitten. - In den Rändern
etwas angeschmutzt, leicht gewellt. Ansonsten
in sehr guter Erhaltung.
CHF 800 / 1 200
(€ 700 / 1 040)
569
ORIENTALIA - Koran. Arabische Handschrift
auf geglättetem Papier. Mit doppelblattgr. farbig
illuminiertem Titelblatt und zahlr. illuminierten
Surenüberschriften und Rezitationszeichen.
Mehrfacher Leistenrahmen mit 15 Zeilen
schwarzer Tinte. Osmanisches Reich, dat.
1216h. (1801-1802). 23,5 x 16 cm. [1] w. Bl.,
[305], [1] w. Bl. Blind- und goldgepr. Leder-Ein-
band (Klappe fehlt, bestossen, etwas berieben
und kratzspurig, kleine Fehlstellen im Bezug).
Sorgfältiges und vokalisiertes naskhi. Im
Kolophon sign. Muhammad al-Fardi bekannt
als"Hamil al-Quaran (=der den Koran auswendig
kann). - Sehr reich und dekorative ausgestatte-
te Handschrift mit reich illuminiertem Titelblatt.
- Titelei, erste und letzte Lagen vom Bundsteg
gelockert (eine Lage hinten unschön mit Tesa
verklebt), Bindung teilweise angeplatzt, Titel
am unteren Bundsteg angerissen, 2 Blatt mit
unschönen Blattrestaurationen, vereinzelt
Textverwischungen, in den Rändern gebräunt,
stellenweise leicht feuchtfleckig, insgesamt
aber sauber. - Titel recto und weitere Blatt
gestempelt "Vakif". Weiterer alter Besitzers-
tempel (wohl vor 1900) auf Titel recto, jedoch
nur schwach erkennbar.
CHF 500 / 800
(€ 430 / 700)
569

Koller Autographen & Manuskripte Auktion September 2018

  • 1.
    Auktion: 27. September2018 AUTOGRAPHEN & MANUSKRIPTE
  • 3.
    Autographen & Manuskripte Auktion:Montag, 24. September 2018, 17:00 Uhr Vorbesichtigung: Mittwoch, 19. bis Sonntag, 23. September 2018 Lot 501-569 Dr. Andreas Terwey Tel. +41 44 445 63 44 terwey@kollerauktionen.ch Gabriel Müller, M.A. Tel. +41 44 445 63 40 books@kollerauktionen.ch Bearbeitung: Zusätzliche Abbildungen finden Sie auf unserer Website: www.kollerauktionen.ch English descriptions upon request.
  • 4.
    | 132 Autographen 501 Baker, Joséphine,Tänzerin u. Sängerin (1906- 1975). Zwei Portrait-Postkarten mit eigenh. Namenszug u. Jahr: 1929. Original-Abzüge "Iris"-Verlag (jeweils minimal gewölbt). Beiliegend 3 weitere Postkarten in Original-Pho- tographie von O. Rohr, Bern. - Entstanden beim Besuch der Baker im April 1929 in Bern. Darun- ter eine Aufnahme am Bärengraben, gemein- sam mit Ehemann Pepito Abatino. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 502 Borelli, Giovanni Alfonso, Mathematiker u. Naturforscher (1608-79). Brief mit eigenh. Un- terschrift "Devotissio Sere Gio Alf. Borelli". Pisa, 6. September 1664. Folio. 1 S. Sehr seltenes, wissenschaftsgeschichtlich inte- ressantes Schreiben an den Arzt Marcello Mal- pighi (1628-94) in Messina, den Begründer der mikroskopischen Anatomie. Borelli hofft, dass Malpighi nach seiner Genesung seine Studien über das menschliche Gehirn fortsetzen könne, und äussert sich in dem Zusammenhang u. a. kritisch über das neueste Werk des englischen Anatomen und Begünder der Neurologie, Tho- mas Willis (1621-75), Cerebri anatome (1664), dessen wissenschaftlicher Ansatz ihm zu einseitig auf das Seelenleben, die Vorstellungs- kraft und die Phantasie ausgerichtet zu sein scheint. "... e stare allegramente p[er] poter poi continuare i suoi studi et osservazioni intorno al cervello, intorno al qual suggetto il Vuillis non dice cosa di momento, p[er]che egli impazza intorno le facultà interne dell’anima dell’immagi- nazione fantasia fauende, che V. S. uede quando se ne può sap[er]le, io pensauo fargliene fare un sunto, ma il Sr. Fracassati mi dice che gli e ne ha mandato da Bologna due esemplare, ne quali V. S. vedrà, che non toca niùna cosa di quelle, che V. S. ha ritrouato, e p[er]ò quando sarà riauuta potrà con ogni franchezza p[er]fezzionar questa materia, e darla subito fuori ..." - Im linken weis- sen Rand mit Ausriss ohne Textberührung. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 740 / 2 610) 503 Chagall, Marc, Maler u. Graphiker (1887-1985). Zwei eigenh. sign. Postkarten. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 504 Doria, Andrea, Fürst von Melfi, Admiral u. Seeheld (1466-1560). Brief mit Unterschrift "A comandi di V.S.ie / Amdrea Doria". Barcelona, 8. Mai 1535. Folio. 1/2 S. auf Doppelblatt. Adress u. Siegelrest auf der letzten Seite (kl. Falz- u. Randläsuren, etw. feuchtrandig). Als kaiserlicher Admiral an den Herzog und die Räte von Genua von seiner Überfahrt nach Tunis, das Karl V. im selben Jahr erobern sollte. Er übermittelt die Anweisung des Kaisers, dass Briefe für diesen nach Genua und von da aus über Korsika weiter nach Sardinien und Tunis zu senden seien, je nachdem wo der Kaiser sich gerade aufhalte, und befördert von einer gut be- waffneten Fregatte. - Doria war 1528 in kaiserli- che Dienste getreten, nachdem er zuvor Franz I. von Frankreich gedient hatte. Als kaiserlicher Admiral befehligte er mehrere Züge gegen die Türken und war trotz seines fortgeschrittenen Alters bei der Eroberung von Tunis massgeblich beteiligt. "... la Maesta sua ha detterminato che le litere qualè da ogni parte li serano scritto pe- ruenghino tutte in Genoa et de li siano indrizate a Tunesi o dobe a S. Maesta accadera ritrouarsi. Et perche la cura si e dil Senor Ambassador et a sua Sia servio che il parer mio saria de manderle con fregata ben armato ..." - Sehr selten. CHF 2 500 / 4 000 (€ 2 170 / 3 480) Autographen | 501 502 504
  • 5.
    | 133 505* Doyle, ArthurConan, Schriftsteller (1859-1930). Briefkarte von Hand seines Sekretärs Alfred H. Wood. Windlesham, 17. Nov[ember] 1927. In adress. Kuvert. An eine Leserin in Amsterdam, der er für einen "kind letter" über den "Oscar Slater case" dankt. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 506 Dvorák, Antonín, Komponist (1841-1904). Eigenh. Musikwidmung mit Unterschrift. Prag, 14.6.1903. Auf Postkarte (nicht gelaufen). Eineinhalb Zeilen aus der Oper "Norma" von Bellini. Auf der Rückseite einer Bildpostkarte der Piazza S. Croce in Florenz. CHF 2 000 / 3 000 (€ 1 740 / 2 610) 507 Edison, Thomas Alva, Erfinder (1847-1931). Postkarte mit eigenh. Namenszug auf der Bild- seite. Florenz, um 1900. Nicht gelaufen. Die Karte mit Ansicht der Via Calzaioli. - Wenig gebräunt. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 508 Erni, Hans, Maler (1909-2015). Eigenhändiger Brief mit farb. Original-Tusche-Zeichnung auf Japanpapier. 29,5 x 21 cm. 1 S. (Faltspuren, winziger Braunfleck). An Robert Dreyfuss. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 509 Ferdinand III., römisch-deutscher Kaiser (1608- 1757). Gedruckter Brief mit eigenh. Unter- schrift. Wien, 29.12.1635. Folio. 1 1/2 S. Mit Siegel u. Adresse. An Andreas Prudentius, Propst zu Spital, der zur Teilnahme an dem auf den 11. Februar anbe- raumten Landtag zu Linz aufgefordert wird. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 510 Fouqué, Friedrich Heinrich de la Motte, Schrift- steller (1777-1843). Eigenh. Albumblatt. O.O., 24.10.1840. Quer-Kl.-8°. "Mein Leben war vorlängst schon dein/ Nun mag's auch dein in diesem Abdruck sein." CHF 140 / 200 (€ 120 / 170) 511 Franz II., römisch-deutscher Kaiser (1768- 1835). Wappenbrief für Stanislaus Tettmayer sowie seine Brüder Adalbert und Alexander. Deutsche Handschrift auf Pergament mit Unterschrift des Kaisers sowie ganzseitiger Wappen-Malerei in Gold u. Farben. Wien, 21. März 1794. Folio. [2] w. Bll., [7] Bll., [1] w. Bl. Roter Samtband mit 4 seidenen Schliessbändern. Mit an schwarz-goldener Schnur hängendem grossen Siegel (sehr gut erhalten) in Holzkapsel. Zusammen in Original-Metallkassette. Erhebung in den "ersten Grad des galizischen Adels" und Verleihung des Ehrenwortes "von Przerwa". - Wohlerhalten, mitsamt der seltenen Transport-Kassette. CHF 700 / 1 000 (€ 610 / 870) 508506
  • 6.
    | 134 512* Freud, Lucian,Maler (1922-2011). Eigenhändi- ge sechszeilige Widmung mit Unterschrift auf Titelblatt, in: Lucian Freud. [Katalog] Hayward Gallery, London 1974. 4°. OKart. (leichte Ver- gilbung). "Dear Thomas / Here is a copy of the catalogue as requested, an image of the Christian Bérard 1948 is on p.19. I am sorry not to have seen more of you these last few weeks. Perhaps we could meet on Sunday?????" CHF 1 000 / 1 500 (€ 870 / 1 300) 513 Friedrich II., König von Preussen (1712-1786). Eigenh. Brief mit Unterschrift "Federic". In französischer Sprache. Rheinsberg, 1737. 4°. 2 1/3 S. Berühmter, in Versen abgefasster Brief des Kronprinzen an seinen Freund und einstigen Lehrer Duhan de Jandun, den „treuen Führer seiner frühesten Jugend“, der um seinetwillen nach dem Fluchtversuch von 1730 verbannt worden war. Duhan gilt als derjenige, der Friedrichs Liebe zur Literatur der französischen Klassik, der Antike und zum Dichten auf Fran- zösisch am meisten beförderte. Dass Friedrich ihn als seinen wichtigsten Lehrer und die seine Jugend am meisten prägende Persönlichkeit ansah, wird in dieser gereimten Hommage auf das Schönste deutlich. Friedrich schildert ihm auf drei Seiten in über 70 Zeilen die Entwicklung seines Charakters, und am Ende erhebt er ihn gar zu seinem geistigen und eigentlichen Vater („mon seule pere“). Auch als König hielt Friedrich Duhan die Treue: Als er am 28. Dez. 1745 nach siegreich beendetem Krieg in Berlin einzog, stahl er sich von den Feierlichkeiten weg, um den sterbenden Freund zu besuchen. CHF 8 000 / 12 000 (€ 6 960 / 10 430) 514 Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der "Grosse Kurfürst" (1620-1688). Urkunde mit eigenh. Unterschrift. Kölln an der Spree, 16.XI.1660. Gr.- 4°. 4 S. Mit an schwarz-weisser Seidenschnur hängendem Siegel in gedrechselter Holzkapsel. Der Kurfürst verschreibt dem "Ober Jägermeis- ter Cämmerer Haubtmann zu Liebenwalde und Zehdenick", Jobst Gerhard von Hartenfeldt, 36 Hufen Brachland, "das Lydke heidichen gen- andt". - Er erhält das Land "worauf Er ein Adelich hauss zu bawen vorhabns" als Ausgleich für die Rückgabe des Gutes Hohen-Landin, "welches gutt ... wir albereit Anno 1652 an Unsere hoch- geliebte Gemahlin Ld. abgetretten". CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) Autographen | 511 514
  • 7.
  • 8.
    | 136 515 Gallas, Matthias,Graf von Campo, kaiserl. General u. Verschwörer gegen Wallenstein (1588-1647). Brief mit eigenh. Unterschrift. Hauptquartier Berngau, 4. Februar 1647. Folio. 1 S. auf Doppelblatt. Als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres an eine bayerische Regierungsehörde, die er über den Duchzug der "zum succurs in Tyrol destinierten zwey Regimenter zu Fueß" des Generals Adrian von Enkevort "auf München ... bey Ingolstadt vorbey" informiert. Kurfürst Maximilian I. habe angeordnet, daß die Truppen mit "die nothewendige Proviandt" zu versehen seien. - Wenige Monate vor seinem Tod (25. April) verfasst. - Beiliegend ein ausgeschnittene Signatur desselben (Brieffragment, montiert). CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 516 Georg I., König von England u. Kurfürst von Hannover (1660-1727). Brief mit Unterschrift "Georg Ludwig Cuhrfürst". Hannover, 22.8.1713. Folio. 2 S. auf Doppelblatt. Mit papiergedecktem Siegel u. Adresse (Bugfalte ausgebessert). An seinen Celler Hofrat Justus Speiermann, mit einem Auftrag zur Teilnahme an einem westfäli- schen Grafentag. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 517 Georg III., König von England (1738-1820). Urkunde mit eigenh. Namenszug am Kopf. Lon- don, St. James's, 20.6.1798. Folio. 1 S. Ernennung des John Mackay zum Leutnant in der Bürgerwehr von Rothesay ("Ensign in a Company of the Associaton of the Inhabitants of the Town of Rothesay"). - Gegengezeichnet von Staatssekretär Herzog von Portland. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 518* Haffner, Sebastian, Publizist (1907-1999). Ei- genh. Briefentwurf mit Unterschrift. O.O.[Ham- burg], von anderer Hand datiert 8.11.[1965]. 4°. 1 1/4 S. An den Oberbürgermeister von Düsseldorf, Willi Becker (1918-1977), im Zusammenhang mit der Verbrennung eines Buches von Erich Käst- ner durch den "Jugendbund für entschiedenes Christentum". - Haffner hatt in einer Stern-Ko- lumne "Prachtkerle" dem OB vorgeworfen, er habe den Vorfall als "Bagatelle" abgetan. - Beilie- gend zwei Maschinenbriefe Beckers an Haffner in dieser Angelegenheit. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 519 Heintl, Franz von, Volkswirtschaftler und Land- wirt (1769-1839). Die merkwürdigen Begeben- heiten meines Lebens [...] selbst beschrieben für meine Kinder und Nachkommen. Eigenhän- diges Memoiren-Manuskript in 3 Bänden. Deut- sche Handschrift auf Papier. Datiert 1817-1818. Gr.-8°. Ca. 1500 beschriebene Seiten. HLwd. d. Z. mit goldgepr. Rückentitel. Vgl. ÖBL 1815-1950, Bd. 2, S. 250f. - Die ge- druckte Fassung erschien 1838 im Selbstverlag. - Der aus Mähren stammende Heintl arbeitete zunächst als Adovkat, erwarb 1802 Güter in Niederösterreich, später auch in Mähren, und baute sie zu Musterwirtschaften aus. Er gründe- te 1807 die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft in Wien, initiierte aber auch Schadensversicherun- gen (Feuer- und Hagelversicherung). Daneben verfasste er zahlreiche volks- und landwirt- schaftliche Schriften sowie jene umfangreiche Autobiographie, deren Manuskript hier vorliegt. - Saubere, gut lesbare Handschrift mit einigen eigenh. Korrekturen u. Zusätzen. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) Autographen | 515 516 517
  • 9.
    | 137 520 Hillary, SirEdmund Percival, Bergsteiger (1919- 2008). State Reception to meet The Members of the Mt. Everest Expedition at Raj Bhavan. Gedruckte Einladungskarte zu einem Staats- empfang in Kalkutta, unterzeichnet von Edmund Hillary, Tenzing Norgay, John Hunt u.a. Kalkutta, 26. Juni 1953. 15 x 12 cm. Unter Glas gerahmt. Früher Beleg kurz nach der Erstbesteigung vom 29. Mai und noch vor der Rückkehr nach Europa. - Wenig gebräunt. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 521 Johann Georg II., Kurfürst von Sachsen (1613- 1680). Lehnsbrief für einen Joachim Wülm- ersdorff aus Jüterbog. Deutsche Handschrift auf Pergament. Mit kalligr. Kopfzeile. Dresden, 25. April 1658. 25,5 x 57 cm. Mit grossem anhängenden Siegel (dieses etwas beschädigt). Gefaltet. Betrifft Erträge aus dem Dorf Öhne. - Wenig staubfleckig. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 522* Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1934). Kaffee-Tasse mit Untertasse aus dem Besitz Kästners. Rosenthal Kronach, "Azur" 21. Beiliegend Portrait-Photo von Fritz Eschen, Kästner mit einer Tasse aus diesem Service zeigend. Undatiert [um 1950]. Ca. 23,5 x 18 cm. Verso mit Studiostempel, Inventarnummer so- wie Besitzstempel "Dr. Erich Kästner". - Beides aus dem Besitz von Elfriede Mechnig. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 523* Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974). Lottchen in 20 Jahren. Eigenh. Bleistiftskizze mit Portrait-Karikatur von Luiselotte Enderle. O.O., dat. 16.6.[19]44. 21 x 15 cm. (im Oberand mehrfach gelocht). Seltenes Beispiel für Kästners Karikaturenstil als Zeichner. - Papierbedingt leicht gebräunt. - BEI- GEGEBEN: 4 aquarellierte Bleistiftzeichnungen von Blumen, ebenfalls von Kästner, aber jeweils unbezeichnet. Gleiches Format u. Papier. - Aus dem Nachlass von Kästners Sekretärin Elfriede Mechnig. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 524* Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974). Eigenh. Widmung mit Unterschrift auf Vortitel. Dat. 15. April [19]29. In: Ders. Lärm im Spiegel. Mit 10 Vignetten von Rudolf Grossmann. Leip- zig u. Wien, C. Weller & Co., 1929. 4°. 110 S., [1] B. Läd. Interimsbroschur mit Rückentitel (Deckel gelöst u. etw. fleckig). "Für & Co frisch aus dem Ofen / Ihr Brotherr". - Frühe Widmung für seine Sekretärin Elfriede Mechnig, wohl als Vorab-Exemplar noch ohne den ebenfalls von Grossmann gestalteten Schutzumschlag ausgeliefert. Auf dem hinteren Innendeckel mit Besitzvermerk von Mechnig. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 525* Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974). Eigenh. Widmung an seine Mutter mit Unter- schrift. Dat. Mai [19]29. In: Bänkelbuch. Neue Deutsche Chansons. Hg. Erich Singer. 12.-15. Tsd. Wien u. Leipzig, E. P. Tal & Co., 1929. Kl.-8°. OLwd. mit OUmschlag (dieser mit kl. Randläsu- ren). "Meinem Muttchen. Vom Jungen." - Aus dem ehemaligen Besitz von Kästners Sekretärin Elfriede Mechnig. - Wohlerhalten. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 522523
  • 10.
    | 138 526* Kästner, Erich,Schriftsteller (1899-1974). Eigenh. Widmung mit Unterschrift. Dat. Ja- nuar 1950, in: Ders. Die Konferenz der Tiere. Illustriert von Walter Trier. München, K. Desch, [1949]. 4°. Farbig illustr. OPp. (Rücken an drei Stellen mit transpartentem Klebestreifen fixiert). An seine Sekretärin Elfriede Mechnig: "Liebe & Co! Alles Gute, trotz allem, Ihr oller EK". - Durch- gehend von Mechnig mit hs. Korrekturen und Seitenzahlen versehen. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 527* Kästner, Erich, Schriftsteller (1899-1974). Eigenh. Widmung mit Unterschrift, dat. 7. Nov[ember] [19]32. Montiert in: Ders. Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee. Illustriert von Walter Trier. Berlin, Williams & Co. (Cecile Dressler), 1948. Illustr. OPp. (Rücken u. 1 Ecke mit Tape verstärkt, weitere Klebespuren). Ungewöhnliches Exemplar: "Der lieben & Co, der sozusagen stillen Teilhaberin, in die Kästner-Bibliothek von Erich Kästner". Elfriede Mechnig, die so beschenkte, hat die vorliegende Widmung offenbar eigenhändig in ein Exemplar der Nachkriegsausgabe montiert. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 528 Karl IX., König von Frankreich (1550-1574). Schriftstück mit eigenh. Unterschrift. O.O., 27. (?) Mai 1567. Folio. 2 1/2 S. auf Doppelblatt. Liste von königlichen Zuweisungen ("Roolle daucunes expeditions commandees par Le Roy"), von der Grand Chancellerie protokolliert und von Karl IX. signiert "Charles" (gegenge- zeichnet von Robertet des Fresnes). Umfasst 7 solcher "dons royals", im linken Rand römisch nummeriert und mit "seellée" als ausbezahlt bezeichnet. - Aus einem ursprünglich mehrere Halbjahre umfassenden Register (1564-67), das sich inzwischen in Teilen im Staatlichen Muse- um Moskau (2. Semester von 1564, 1566 und 1567) und im Nationalarchiv Paris befindet (1. Semester 1566), teils als verschollen gilt. - Ver- einzelt fleckig, mit kl. Falz- und Randeinrissen. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 529 Kipling, Rudyard, Schriftsteller (1865-1936). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Engelberg, 15. Februar 1909. 8°. 1 1/5 S. auf Doppelblatt (Falts- puren, kl. Falzeinriss sauber hinterlegt). Auf gedrucktem Briefpapier des Hotels Cattani mit hübschen lithogr. Vignetten. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 530 König, Johann Samuel, Mathematiker und Philo- soph (1712-1757). Eigenh. Brief mit Unter- schrift "SK". O. O. u. J. [um 1739-40]. 4°. 4 S. auf Doppelblatt (in den Rändern sauber hinterlegt). Umfangreicher Brief ohne Anrede und Adresse, sehr wahrscheinlich jedoch an die Schriftstelle- rin u. Salonière Mme de Graffigny (1695-1758), der er aufgebracht von seinem Zerwürfnis mit der Mathematikerin, Physikerin und Philoso- phin, Marquise Émilie du Châtelet (1706-1749), der Freundin Voltaires berichtet. König hatte von Frühjahr bis November 1739 die Marquise auf Schloss Cirey unterrichtet und mit ihr die Publikation der Institutions de Physique (1740) vorbereitet. Dem Zwist lagen offensichtlich finanzielle Unstimmigkeiten zugrunde, die zu erbitterten, unschönen Äusserungen auf beiden Seiten und gegenüber Dritten führten. - "... Notre afaire a fait enfin un Eclat comme un bombe qui cesse de bruler. Je compte de finir mal, mais j ay infiniment plus mal finir, avec cette femme qui ne connoit aucune Regles d’honneur et de probité ... Faites moi la grace Madame, sans faire semblant que je Vous aie ecrit, de par- ler a Maupertuis, et de lui dire ce que Vous savés, pour que nous venions a bout de detruire dans une femme qui nous avons egalement sujet de detester. Je Vous baise les mains et les pieds plaignes un homme qui Vous adore, et qui est malheureux par la perfidie de Votre Ennemie. Jamais je n’ai plus mal placé mon Amitié, chez moi je suis deshonoré ou avoir vecû avec Elle ..." Im Postscriptum bittet König die Adressatin um Verschwiegenheit, tatsächlich beschrieb Mada- me de Graffigny die Affäre aber wenig später in einem Brief an ihren Liebhaber. Die Beziehung zwischen der Marquise und Voltaire schildert sie in La vie privée de Voltaire et de Mme Châtelet. CHF 1 000 / 1 500 (€ 870 / 1 300) Autographen | 524 526 529
  • 11.
    | 139 531* Lavater, JohannCaspar, Theologe (1741- 1801). Billet mit hs. Sinnspruch u. Unterschrift "Lavater". O.O. u. D. 8,5 x 6 cm. 1 Blatt, beidseitig beschrieben. Vorderseite mit gez. Rahmen. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 532 Mann, Thomas, Schriftsteller (1875-1955). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Pacific Palisades, 29. Juni 1943. 8°. 2 1/2 S. auf Doppelblatt. An den Uebersetzer George R. Marek (1902- 1987), über dessen Arbeit an Manns Erzählung "Das Gesetz": "Mr. [Arnim L.] Robinson wird Ihnen die Uebersetzung zurückgeben, und ich möchte um alles nicht, dass Sie durch die Ver- besserungsvorschläge, die sich fast auf jeder Seite finden, den Eindruck gewinnen, als ob ich nicht sehr glücklich über Ihre Leistung wäre und sehr dankbar dafür. Ich habe allles mit Bewun- derung für die natürlich-genaue Wiedergabe gelesen, die, wie mir scheint, der englischen Sprache nirgends Zwang antut, und es ist der reine Uebermut, dass ich an einigen Stellen ver- sucht habe, es noch richtiger, noch genauer zu machen." [...] "Ganz zum Schluss kommt ja noch das Aller-Vertrackteste: das ,Tal der Notdurft' und die ,Luderwiese'!" CHF 800 / 1 200 (€ 700 / 1 040) 533* Massenet, Jules, Komponist (1842-1912). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Paris, 5. Januar 1895. 8°. 1 S. auf Doppelblatt. An einen "cher collaborateur et ami", dem er seine Ankuft ankündigt. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 534 Maximilian II., König von Bayern (1811-1864). Fünf Briefe mit Unterschrift. München, Aachen und Berchtesgaden, 1845-1855. 4°. Jeweils 1/2 S. Mit 2 gesiegelten Umschlägen. An den bayerischen Gesandten in Farankfurt a. M., später Turin und Brüssel, Graf Max von Marogna. - Im ersten Brief dankt der damalige Kromprinz für Glückwünsche zur Geburt seines ersten Sohnes, des späteren Königs Ludwig II. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 535 Napoléon I., Kaiser der Franzosen (1769-1821). Notiz mit eigenh. Unterschrift: "Renvoyé à monsieur Aldini pour me faire un rapport. Nap." 1 S. Tinte auf Papier, einfach gefaltet. O. O., Juli 1806. Der Adressat war Antonio Aldini (1755-1826), nach 1805 unter Napoleon Innenminister des Königreichs Italien. - Mit alten Aktenzeichen in Tinte. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 536 NAPOLEONICA - Holtz, Jean-Baptiste, Un- terpräfekt von Delémont (1748-1813). Brief an den Bürgermeister von Biel über Napoleons Krönung in Italien. Delémont, le 29 floréal, an 13 [d. i. 19. Mai 1805]. 4°. Mehrfach gefaltet. Tinte auf Papier. Bittet den Bürgermeister, seine Beamten über die anstehende Krönung Napoleons zu unter- richten, dabei aber alle Öffentlichkeit zu meiden. Jubelzeremonien sollen spontan und freiwillig erfolgen. Interessantes Zeugnis zur Aussenpo- litik Delémonts, das damals unter französischer Herrschaft stand. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 537 Nikolaus I., Zar von Russland (1796-1855). Urkunde mit eigenh. Unterschrift. Zarskoje Selo, 17.X.1833. 1 S. Quer-Imperial-4°. Pergament. Mit reicher Bordüre in Kupferstich und papier- gedecktem Siegel. Gerahmt. Ernennung des Wirklichen Staatsrates Roman Furmann zum Geheimen Rat. - Wohlerhaltenes, sauberes Blatt. CHF 4 000 / 6 000 (€ 3 480 / 5 220) 530 532
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    | 140 538 Orff, Carl,Komponist (1895-1982). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Diessen am Ammersee, 22.XI.[19]64. Quer-8°. 2 S. In eigenh. adress. Kuvert. An den Theaterwissenschaftler und Dramatur- gen Rolf Badenhausen in Köln, dem er für die Zusendung des "ausgezeichnete[n] Skizzen- buch[s] von C[aspar] N[eher]" dankt. - Brief u. Kuvert gelocht, kl. Buchstabenverluste. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 539 Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924). Eigenh. Brief mit Unterschrift. [London], 18.5.1911. 8°. 2 1/2 S. auf Doppelblatt. An Armanno Morlacchi: "Leggi i giornali. Pare che Bohème sia un po’ immatura e non come io speravo. Sempre così col Poli. Mah! È destino che io a Milano non debba avere una buona esecuzione - Occhio alla Butt[ertfly] d’autunno – ma già è inutile - sarà come al solito. Mi scri- vono da Firenze che anche lì Tango ha tagliato preludio e l’esecuzione colla [non mi riesce di leggere il nome] è cattiva e l’insieme è sfacciato. Qui andiamo lentamente – ma spero bene – basta però di queste fatiche- sono stufo - vorrei essere nel fondo del lago a fare il palombaro." - Auf Briefpapier des Savoy Hotel, London. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 540 Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924). Eigenh. Brief mit zwei eintaktigen Noten-Skiz- zen. Undat. (Poststempel 7.9.1918). Gr.-8°. 1 S. gefaltet (Adresse verso). An Raffaele Tenaglia vom Verlag Ricordi mit Korrekturen für eine Partitur: "Mi affido a Lei per tutte queste correzioni e così siano ripetute anche in partitura." CHF 800 / 1 200 (€ 700 / 1 040) 541 Puccini, Giacomo, Komponist (1858-1924). "Monologo". Eigenh. Manuskript mit Textpas- sage aus der Oper "il tabarro" und Unterschrift. Undatiert. Der Monolog des Michele: "Scorri fiume eterno/ Come il tuo mistero è fondo!/ L'ansia che mi strugge/ non ha fine/ E sempre calmo passi/ e non ti ferma/ nè paura nè tormento/ nè volgere d'anni/ nè volgere d'anni Continui la tua corsa [...]". BEIGEGEBEN: Portrait-Photo Puccinis. Vintage mit blindgepr. Studiostempel „Badodi/ Milano“. Um 1920. 13 x 18,2 cm. CHF 800 / 1 200 (€ 700 / 1 040) Autographen | 537
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    | 141 542 Respighi, Ottorino,Komponist (1879-1936). Eigenh. Briefkarte mit Unterschrift. Rom, 21.9.1933. An den Dirigenten Guglielmo Tenaglia. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 543 Rimski-Korsakow, Nikolai, Komponist (1844- 1908). Eigenh. Musikwidmung mit Unterschrift. Undat. (um 1900). Auf der Rückseite einer Bildpostkarte mit Ansicht von St. Petersburg. Eine Zeile aus seiner Oper Snegurotschka. CHF 1 400 / 2 000 (€ 1 220 / 1 740) 544* Rokitansky, Karl Freiherr von, Mediziner (1804- 1878). Eigenh. Brief mit Unterschrift. 15. Dezember 1849. 8°. 1 S. auf Doppelblatt. Der Wiener Pathologe gilt neben Virchow als Begründer der modernen pathologischen Anatomie. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 545 Sartre, Jean-Paul, Schriftsteller u. Philosoph (1905-1980). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Paris, undatiert [1945]. 4°. 1 1/2 S. (gefaltet). Interessanter Brief an einen Schweizer, dem er wegen seines Amerika-Aufenthaltes nicht eher schreiben konnte: "Je connais et l'aime beaucoup la Suisse". - Wenige kl. Tintenver- wischungen.- BEIGEGEBEN: Ders. Explication de l'Étranger. O.O., aux dépens du Palimugre, 1946. OBroschur. - Nummeriertes Exemplar einer kleinen Auflage. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 541541 543 545
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    | 142 546 Verne, Jules,Schriftsteller (1828-1905). Eigenh. Widmung auf Bildpostkarte. Undat. Adresse verso. Auf einer Ansicht der Viale del Poggio Imperiale in Florenz, an eine Verehrerin aus dieser Stadt. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 547* Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigenh. Brief mit Unterschrift. [Paris], 16 rue Newton, 14. April [18]60. 8°. 1 S. An einen Bekannten, den er bittet, ihm zwei Plätze ("pour Madame Wagner et moi") für die abendliche Vorstellung von Verdis "Il trovatore" im Théâtre-Italien zu reservieren. - Kl. Rand- läsuren u. Falzeinrisse. CHF 3 500 / 5 000 (€ 3 040 / 4 350) 548 Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigenhändige Widmung mit Unterschrift für Charles Gounod. In: Ders. Tristan und Isolde. Vollständige Partitur. Leipzig, Breitkopf & Härtel, ohne Datum [13.1.1860]. Folio. Titelblatt und 441 S. (alles in Stahlstich). Grüne Halbleinwand (Verlagseinband; kleiner Einriss beim Kapital, ein Bund teilweise gelöst). „A son cher ami Gounod, l’auteur / RW. / Paris 18 mars 1861“ Erstausgabe der gestochenen Orchesterpar- titur, in einer Auflage von nur 50 Exemplaren erschienen und entsprechend von grosser Seltenheit. Die geschichtsträchtige Widmung ist datiert am Tag der zweiten und vorletzten Aufführung von Wagners Tannhäuser in der Pariser Oper. Die Vorführung wurde, wie die beiden andern, mas- siv gestört von Trillerpfeifen und Zwischenrufen der Mitglieder des „Jockey Club“, einer Gruppe junger Aristokraten, die gegen die Entscheidung Wagners waren, kein Ballett zu Beginn des zwei- ten Aktes zu setzen. Charles Gounod (1818 – 1893) und Wagner hatten sich durch Hector Berlioz Ende 1859 kennengelernt. Gounod hatte vergeblich versucht, Wagner davon ab- zuhalten, den Tannhäuser in Paris aufzuführen und ihn vor den Neigungen des französischen Publikums gewarnt. Nach einer Intervention der Fürstin Metternich war es Napoleon IIII. selbst, der die Aufführungen anordnete und damit einen der grossen Opernskandale des 19. Jahrhunderts auslöste. CHF 17 000 / 25 000 EUR 14 780 / 21 740 549* Zwinger, Theodor, Gelehrter u. Arzt (1533- 1588). Brief aus dem Umfeld des Basler Gelehr- ten, möglicherweise auch von ihm selbst. Basel, September 1571. Folio. 1 S. (kl. Randläsuren). Wohl an den flämischen Philologen Karel von Utenhove in Düsseldorf, mit dem Zwinger nach- weislich in Kontakt stand. - Möglicherweise über Publikationspläne, dazu passt die mehrfache Erwähnung des Basler Druckers Henric Petri. - Im linken Seitenrand alt hinterlegt, etwas fleckig. CHF 1 200 / 1 800 (€ 1 040 / 1 570) Autographen | 547 549
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    | 144 550* AFRIKA -Glückwunschadresse der Deutschen in Natal zu Bismarcks 70. Geburtstag. Hand- schrift auf Papier. Natal, 1885. 60,5 x 11,5 cm. Mit kalligraphierter Widmung. 4 Bll. (das erste leer) u. 7 Bll. mit Unterschriften in kleinerem Format. Mit Kordelheftung. Gerollt in blauer Samtrolle. Unterzeichnet von Gustav Monhaupt, Konsul des Deutschen Reichs in Natal, u. vielen anderen. - Etwas angestaubt und eingerissen, Kordelheftung lädiert. CHF 400 / 600 (€ 350 / 520) 551 AMERIKA - Geburtsanzeige einer deutschen Einwanderer-Familie in Pennsylvania, USA. Ein- blattdruck mit hs. Eintragungen und koloriertem Holzschnitt-Dekor. Allentaun [d.i. Allentown], gedruckt bei A. u. W. Blumer, 28. September 1835. Unter ovalem Passepartout gerahmt (hinterlegte Fehlstellen im linken Rand). Gesam- grösse: 55 x 40 Cm. Den Ehegatten Jacob Odenwelder und seiner Frau Mary, geb. Gradewohl, wurde ein Sohn ge- boren, der in Forks Township, Northampton zur Welt kam. - Schönes Beispiel für die populäre Bildkultur deutscher Einwanderer in den USA. CHF 200 / 300 (€ 170 / 260) 552 ASTRONOMIE - Berg, Adolph. Navigation und Nautische Astronomie. Deutsche Handschrift auf Papier. Mit 1 aquarellierten Schiffsportrait, 1 blattgr. Karte in Tuschfeder, kalligr. Titelblatt so- wie zahlr. schemat. Federzeichnungen im Text. Stralsund, 1824. Folio. 1 nn. Bl., S. 176-[305], 13 nn. Bll. Blattgrösse: 31,6 : 19,7 cm. HLdr. d. Z. mit Schliessbändern. Prachtvoll gestaltetes nautisches Handbuch eines Stralsunder Kapitäns, aufgrund der Paginierung wohl als in sich abgeschlossener Teil einer allgemeinen Schiffahrtskunde konzi- piert. - Das fein ausgeführte Aquarell mit einer Ansicht von Bergs Schiff, der Brigg "Christina Maria", unter vollen Segeln. Die ebenfalls sehr qualitätvolle, grenzlavierte "Mercaturcharte von England nach Caap Verd" zeigt den Atlantik mit den Küsten Europas, Nordafrikas und Nord- amerikas. - Enthält als Anhang ein "Journal auf einer Reise von Engeland nach Madeira in das Schiff Brittania. Commandor F. W. N. Gehalten von Steuermann A. A. B." - Wenige Bll. leicht fingerfleckig, sonst wohlerhaltenes Manuskript auf starkem Papier. CHF 1 800 / 2 500 (€ 1 570 / 2 170) 553* GASTRONOMIE UND LEBENSMITTEL - Com- positionen. Rezeptbuch für Liköre, Branntwein, Farben, Bier u.a. Deutsche u. lateinische Hand- schrift auf Papier. Wohl 18. Jahrhundert. Kl.-8°. [92] Bll. Pgt. d. Z. (Block etwas verzogen, Bezüge etwas fleckig, Schliessbänder fehlen). Interessantes Rezeptbuch mit Anleitungen zur Herstellung vor allem von alkoholischen Geträn- ken, Einmachen von Obst etc. Die Beschreibun- gen in deutsch, die Rezepturen meist in Latein. - Unter anderem über: Coeruleum Novum oder Sächsischblau, Viride Bremensis, Vinum Acacia- rium oder Schleenwein, Vinum Ribesiorum, Roth zu Färben, Blau zu Färben, Gelb zu Färben, Vinum Sambuci, Virnis Surrinum, Stieffel Wachs, Englisch Bier (Ale), weissen Bieressig, Runkelrü- ben-Zucker, Eau Divine, Danziger Goldwasser, Liqueur de Courassau, Kartoffelnbrandtwein zu machen, Pommeranzen Liqueur, Kirschen Liqueur, Quitten Liqueur, Nelken Liqueur, Rosen Liqueur, Arack oder Punsch Liqueur, Punsch Royal etc. - Etwas gebräunt u. fleckig. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 554* HABSBURGER - Leopold I., römisch-deut- scher Kaiser (1640-1705). "Jährlich einkom- mens, wass zur Bestreittung der Hof und Statt Hungarischen gränitzen alss auch Kayserli- chen Armada angewendet und aussgeben wirdt". Protokoll bzw. Abschrift der "geheimb Conferenz" zur Festlegung des Kaiserlichen Etats. Deutsche Handschrift auf Papier. Mit eingeb. gest. Portraits, davon eines mit hs. Titel überklebt. Undatiert, um 1673. Folio. Ca. 120 beidseitig beschr. Bll. (davon die letzten 60 durch Wasserschaden nahezu unlesbar). Pgt. d. Z. mit Schwarzprägung (angestaubt u. fleckig, kl. Fehlstelle im Deckelbezug). Detaillierte Aufstellung der Etatposten des kaiserl. Hofes samt Personal. Trotz des Was- serschadens von hohem Quellenwert. - Exlibris Heinrich von Gudenus auf vorderem Innende- ckel (dat. 1891). CHF 800 / 1 200 (€ 700 / 1 040) Manuskripte 550 Manuskripte | 553555
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    | 145 555* MEDIZIN -Artzney-Buch (Rückentitel). Deut- sche Handschrift auf Papier. O. O., um 1740. Kl.- 4°. 200 S., [6] Bll. (Register), [48] Bll., [11] w. Bll. HPgt. d. 19. Jhs. (Deckelbezüge leicht beschabt, gering fleckig). Ausführliche Erklärung zur Herstellung und Verwendung einer grossen Zahl von Essenzen, Tinkturen, Pulvern, Pillen und Pflastern zur Heilung menschlicher Krankheiten und Gebre- chen aller Art, insgesamt rund 270 Rezepte. Behandelt wird alles vom Hundebiss über die Wassersucht bis zur Pest. Der erste Teil in sau- berer Kurrentschrift wird ergänzt durch weitere Rezepte von verschiedenen Händen. Hier hat der anonyme Schreiber oft auch die Herkunft seiner Mittel angegeben, neben Ärzten und Barbieren erscheinen hier vor allem adlige Herr- schaften aus Mittel- und Ostdeutschland, was auf einen Hofarzt des 18. Jhs. hinweisen könnte. Neben den eigentlichen Behandlungsmittel im medizinischen Sinn finden sich auch mehrere Rezepte für Rosenwasser, verschiedene Essige, Kirschwasser u.ä. - Interessantes Exlibris des Dr. med. Carl Gerster, Sanitätsrat in Braunfels (Radierung, einen Arzt beim Mischen eines Me- dikamentes darstellend). - Etwas gebräunt. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 556 MILITARIA - Militarordonanz. Deutsche Handschrift auf Papier. Mit 19 eingebundenen, doppelblattgr. Kupferstichen der Militärischen Gesellschaft, Zürich. Folio. 209 gez. S. Pp. d. Z. (bestossen, Fehlstellen im Bezug). CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 557 Schreibmappe mit Briefsammlung. Blindge- prägte Lederkassette mit Metallschloss und ornamentaler Lederschnitt-Bordüre auf beiden Deckeln. Frankreich, um 1840. 32 x 23,5 x 5 cm. (gering berieben, kl. Gelenkeinriss). Innen mit Original-Schreibutensilien (Feder, Brieföffner, Petschaft, einklappbares Tinten- fass etc.) sowie verschiedenen Fächern für die Ablage von Korrespondenzen. - Inliegend verschiedene deutschsprachige Korresponden- zen (zumeist aus Ofterdingen in Schwaben) aus den 1850er und 60er Jahren, ferner Visiten- u. Tanzkarten u.a.m. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 558 URKUNDEN - Sammlung von 26 Schweizer Ausweisdokumenten, zumeist Reisepässe. 1804-1857. Verschiedene Formate. Jeweils unter Passepartout montiert. Enthält neben Reisepässen auch Heimat- bzw. Angehörigkeitsscheine für Unverheiratete. - Zumeist bedruckte Papiere mit hs. Eintragun- gen sowie amtlichen Stempeln oder papierge- deckten Siegeln. - Enthält Pässe verschiedener Kantone (Zürich, Bern, Wallis, Graubünden, Aargau, St. Gallen, Glarus, Tessin u.a.) sowie von Konsulaten in Rom u. Marseille. - Wohlerhalten. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 552
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    | 146 559 URKUNDEN -Kaufbrief aus Carpi in Italien von 1429, vorliegend in einer beglaubigten Kopie von 1452. Lateinische Handschrift auf Perga- ment. Carpi, Ludovicus de Cochapanis (oder Cochapanus), 23. September 1452. Mit dessen Notariatssignet im linken Seitenrand. 1 S. 33,5 x 21,3 cm. (alt aufgezogen, stärker gebräunt u. fleckig, kl. Eckabriss). Ugolinus, Sohn des Isachus de Isachis von Carpi, verkauft drei Stück land ("tres petias terre") im Ort Acibeni (Cicibeni?) für die Kaufsumme von 90 Pfund, 11 Schilling und 1 Pfennig. Im Vertrag sind die genaue Lage und Grösse der einzelnen Parzellen festgelegt und die Modalitäten der Bezahlung beschrieben. - Teilweise Transkripti- on beiliegend. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 560 URKUNDEN - Kaufbrief über ein Grundstück in Unterferrieden ("Untern Verrrieden") bei Nürn- berg. Deutsche Handschrift auf Pergament. Nürnberg, 25. Januar 1537. Mit 4 anhängenden Siegeln (diese jeweils mit Fehlstellen). Die Brüder und Vettern Hieronymus, Thomas und Pankratz Reiche, allesamt Nürnberger Bürger, verkaufen ihrem "freundtlichen lieben schwager" Wolf Harsdorffer das "frey lauter aigen gut". - Gering angestaubt. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 561 URKUNDEN - Masonica - Zwei Freimaurer-Ur- kunden. Kupferstiche auf Pergament mit hs. Eintragungen. Speyer, 1810 u. 1811. 34,6 x 43,5 u. 40 x 47,5 cm. Die erste ohne Siegel, die zwei- te mit anhängendem Siegel in Holzkapsel. VerleihungdeserstenunddrittenGradesfürden KaufmannPhilippeLichtenberger.Infranzösischer Sprache,Speyergehörtevon1792bis1814zum französischenDépartement"Mont-Tonnerre".- Dekorative,nurwenigfleckigeStücke. CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) Manuskripte | 560
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    | 147 562 URKUNDEN -Rom - Confraternita di Gesù Maria e Giuseppe. Bescheinigung über die Mitgliedschaft. Kupferstich mit figürl. Vignetten sowie hs. Ergänzungen u. Unterschriften. Rom, 9. November 1689. Folio. 2 S. auf Doppelblatt (Faltspuren etw. staubrandig). Ungewöhnliches Dokument barocker Heilsöko- nomie. Die Bruderschaft fungierte als eine Art Sterbekasse, die dem Mitglied für regelmässige Beiträge zu Lebzeiten im Todesfall neben der Beerdigung auch das Gebets-Gedenken garan- tierte. - Auf der Rückseite des Einblattdruckes sind die eingegangenen Beträge hs. notiert CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 563 Wieland, Hans, Maler (1867-1945). Skizzen- buch zur Eidgenössischen Bundesfeier in Schwyz 1891. Mit eigenh. Bleistift-Zeichnungen. Quer-8°. Ca. 60 S. mit Skizzen auf verschie- denen, stärkeren Papieren. Lwd. d. Z. mit hs. Deckeltitel. Frühe Arbeiten des bekannten Landschafts- und Historienmalers. Zeigt die Protagonisten des Festumzuges bzw. Festspiels in ihren historischen Kostümen, die Teilnehmer des Festgottesdienstes u.a.m. "Die Bilder des routi- nierten, vielseitigen Alpenmalers, der sich auch als Grafiker und Plakatmaler profilierte, waren zu W.s Lebzeiten sehr populär, gerieten aber nach seinem Tod bald in Vergessenheit." (HLS). CHF 250 / 400 (€ 220 / 350) 564 ZÜRICH - Hagenbuch, Hans Ulrich. Eigent- liche Abbildung Disses Titelplats Wie Die Altere Schweitzer in Der Kriegsrüstung Einhär Getreffen Kamen. Manuskript mit kalligraphisch u. figürlich gestaltetem Titelblatt und 16 Tafeln mit sign. Trachtendarstellungen. Zürich, "Mit Der Feder Gemacht", 1770. Folio. Jeweils auf Trägerkartons montiert. Zus. gebunden in Lederband um 1900 mit goldgepr. Rücken- u. Deckeltitel. Interessantes Unikat eines sich als "Küffer" bezeichnenden Zürcher Künstlers, der mit grosser Akribie verschiedene Zürcher Trachten vor städtischer Kulisse inszeniert hat. Die im Hintergrund platzierten Gebäude sind jeweils nummeriert und im Unterrand in einer Legende bezeichnet. - Die Augen der Figuren jeweils (wohl später) blau ausgemalt. - Etwas fleckig in den Rändern, teils mit kl. Verwischungen. - BEIGEGEBEN: Wappen-Buch einer Ehrenden Gesellschafft der Herren Stube zu Winterthur (Deckeltitel). Kopie nach dem Original im Besitz der Stadtbibliothek durch H. Ed. Bühler, im Winter 1917/18. Mit 98 aquarellierten Wap- penzeichnungen. Folio. Pgt. d. Z. (Deckel leicht aufgebogen). - Am Schluss mit einem Verzeich- nis "Namen der Zünfter der Herrenstube in Winterthur" sowie einem Register der Wappen. CHF 600 / 900 (€ 520 / 780) 565 ZÜRICH - Urkunde im Namen von vier Räten der Stadt. Deutsche Handschrift auf Perga- ment. Zürich, 14.11.1642. Quer-Folio. 1 S. (Siegel entfernt). Urteil der Räte Hans Heinrich Wirtz, Hans Heinrich Müller ("beid Seckelmeister und Rychs-Vögt"), Hans Heinrich Grebel ("gewes- sener Landtvogt") und Heinrich Grebel in einem Wegerechtsstreit zwischen Rudolf Ehrsam und Rudolf Corradi. CHF 300 / 500 (€ 260 / 430) 558 563 564
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    | 148 566 Anonymer bolognesischerBuchmaler aus der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna Bologna, ca. 1445-50. Blatt aus einem franziskanischen Psalter mit der Initiale B und dem musizierend, Gott huldigenden David sowie - auf der bas-de- page - die das Christuskind anbetende Gottesmutter. Dazugehörend eine Serie von 9 weiteren Blättern aus demselben Verband mit Filigraninitialen. Pergament, 563 x 406 mm. Provenienz: Privatbesitz Bibliographie: unveröffentlicht Zitierte Literatur: Gaudenz Freuler Italian Miniatures from the Twelfth to the Sixteenth Centuries, Cinisello Balsamo 2013, S. S 312-337; Laura Zabeo, in: Angelo Tartuferi, Francesco D’ Arelli, L’ Arte di Francesco. Capolavori d Arte Italiana e terre d Asia dal XIII al XV secolo, Ausstellungskat. Florenz, Galleria dell’Accademia März-Oktober 2015; Florenz 2015, S.402-405; Massimo Medica in: Massimo Medica, Federica Toniolo (ed.) Le Miniature della Fondazio- ne Giorgio Cini, Pagine , ritagli, manoscritti, Cinisello Balsamo 2016, S.314-315. Die hier angebotenen Blätter, sind Teil eines zur napoleonischen Zeit aufgelösten und erst jüngst partiell rekonstruierten franziskanischen Psalters (Gaudenz Freuler 2013, S. 312-337). Die einzige illuminierte Buchseite dieses Konvoluts, kann aufgrund übereinstimmender Blattgrösse, Kongruenz in Stil und Seitenkonzept einwandfrei als Frontispiz dieses aufgebrochenen Manuskripts identifiziert werden. 14 weitere illuminierte Blätter aus dem gleichen Psalter befinden sich in einer mailändischen Privatsammlung (fig.1) und fünf weitere Buchseiten verteilen sich auf die Sammlung der Fondazi- one Giorgio Cini und Privatbesitz (fig.2). Der unbekannte, stilistisch etwas heterogene Buchmaler vorliegenden Blattes und dessen 19 bisher georteten Schwesterblätter kann einwandfrei der Werkstatt des Giovanni d’Antonio da Bologna zugeordnet werden. Auf letzteren geht das reiche Dekorations- konzept der Seite aus Goldplaketten mit eingewobenen Blütenranken und darin nistenden Fantasievögeln zurück. Deshalb könnte gar Giovanni d’ Anto- nio für das künstlerische Konzept der hier angesprochenen Serie von Psalter-Blättern geltend gemacht werden, während für die Ausführung jedoch ein anonymer Buchmaler verantwortlich gezeichnet hat, dessen Hand auch in den Miniaturen einer Serie weiterer franziskanischer Chorbücher auszuma- chen ist (Bologna, Museo Civico 547, a, 553, 549 , und Florenz Bargello, Antifonario A46), die ebenfalls von Giovanni d Antonio konzipiert wurden (M. Medica 2016, S. 314-315; Laura Zabeo 2015, S. 402-405). Das künstlerische Repertoire des ausführenden Buchmalers vereint aus Giovanni d’ Antonio’s Kunst geschöpfte Aspekte mit solchen des sogenannten Meisters von 1446, einem führenden, in Bologna tätigen Illustratoren, sowie unverkennbaren Anklängen an die norditalienische Buchmalerei der Lombardei und Veneto, insbesondere an den unbekannten Buchmaler des Gonzaga Psalters in der Bibliothèque Nationale in Paris MS. Latin 772, vgl. G. Freuler 2013, S 338-345). Das am rechten Blattrand erscheinende, in den Stern von Bethlehem eingebundene Christus-Symbol des Heiligen Bernhardin von Siena weist für unsere Buchseite und die dieser zuzuordnenden Schwesterblätter auf eine Herkunft aus einem Psalter, der für die Brüder eines franziskanischen Observanten Konvents, vielleicht für jene von San Paolo in Monte in Bologna, hergestellt wurde. - Prof.emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich CHF 5 000 / 8 000 (€ 4 350 / 6 960) Manuskripte |
  • 22.
    | 150 567 Fra Jacobus.Blatt aus einem Antiphonar mit der Darstellung des letzten Abendmahls, die den Text Imolabit hedum ... 2. Responsorium des Corpus-Do- mini-Festes begleitet. Veneto, ca.1390. Pergament. 557 x 389 mm. Initiale ca. 130 x 125 mm. 6 Tetragramme. Echtgoldrahmung. Provenienz: - New York, Sammlung Robert Lehman (bis 2004) - Hamburg, Sammlung Jörn Günther (2004) - Schweizer Privatbesitz (seit 2005) Biblio- graphie: - Seymour De Ricci (assisted by William J. Wilson); Census of Medieval and Renaissance Manuscripts in the United States and Canada, New York 1927, S. 1709 Nr A.37 - Pia Palladino Treasures of a lost Art . Italian manuscript Painting of the Middle Ages and Renaissance, New Haven/London 2003, S. 32 Vorliegendes Blatt mit der eindrücklichen Schilderung des letzten Abendmahls, die sich innerhalb einer für das Veneto charakteristischen, oben in einen abgeflachten Vielpass gipfelnden Nische entwickelt, steht künstlerisch in der padovanischen Tradition um Altichiero. Die Darstellung der an einem runden Tisch um Christus gescharten Jünger, von denen einige Gesichter in extremer Verkürzung gegeben sind, fügt sich nahtlos an die Bilder im paduanischen Raum an, so beispielsweise an die Tafel von Dalmasio im Museo di S. Stefano in Bologna (vgl. Daniele Benati, Jacopo Avanzi nel ritrova- mento della pittura padana del secondo 300, Bologna 1992, S. 123, Abb. 129). Wenngleich das sich über die Seitenränder erstreckende Rankensystem sich direkt aus der bolognesischen Buchmalertradition herleitet, so erkennen wir gewisse Elemente, die eher in der Tradition der venezianischen Kunst stehen. Das gilt, wie erwähnt für die Vielpassform des oberen Nischenabschlusses gleich wie für die Sitzbank um den Tisch, die auch später in ähnlicher Form in den venezianischen Marienbildern als Thronsockel der Marienthrone figuriert. Es bestehen gute Gründe den noch unbekannten Fra Jacobus im venezianischen Raum, womöglich in Verona, anzusiedeln. Seine Kunst scheint sich aus jener eines unbekannten, auch von Lorenzo Veneziano berühr- ten Miniaturisten herzuleiten, von dem sich in einer österreichischen Privatsammlung zwei (Friedrich Georg Zeileis, Più ridon le carte. Buchmalerei aus Mittelalter und Renaissance, Gallspach 2004, S. 122-131) Antiphonarblätter erhalten haben: eines mit Darstellungen der Genesis und das andere mit einer grossartigen Apotheose des Ewigen in einer Initiale A. Womöglich stammt der unbekannte Buchmaler unseres Antiphonarblattes aus der Gegend von Verona, zumal seine Kunst stilistisch auf die auch schon (vermutlich nicht zutreffend) mit Jacopo da Verona in Zusammenhang gebrachten und etwas später anzusetzenden Miniaturen in den Chorbüchern von Monselice hinweisen. Prof.emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich CHF 14 000 / 18 000 (€ 12 170 / 15 650) Manuskripte | 567
  • 23.
    | 151 568 Französischer Buchmaler,um 1500. Bildinitiale N mit Verkündigungsszene, florale Bordüre und 4 gez. Linien mit Noten. Gouache und Goldhöhung auf Pergament. 13,7 x 16,2 cm. Auf seiden bespannter Holzplatte montiert, Echtgoldrahmung. Die Jungfrau Maria in blauem Gewande vor dem Betpult, wendet sich voller Erstaunen und emp- fangender Handgeste zum Erzengel Gabriel, der von links herannaht, vor ihr niederkniet und mit der rechten Hand auf die schwebende Taube weist, das Symbol des heiligen Geistes. Die Initi- ale N, die diese Miniatur umschliesst, ist mit blau mit weisser Innenzeichnung gegeben und wird von goldener Bordüre umzogen. Links steht in einer Banderole: "Ave Maria Grat[ia] plena, [D] o[mi]n[u]s tecum". - Wohl aus einem aufgelös- ten Antiphonar geschnitten. - In den Rändern etwas angeschmutzt, leicht gewellt. Ansonsten in sehr guter Erhaltung. CHF 800 / 1 200 (€ 700 / 1 040) 569 ORIENTALIA - Koran. Arabische Handschrift auf geglättetem Papier. Mit doppelblattgr. farbig illuminiertem Titelblatt und zahlr. illuminierten Surenüberschriften und Rezitationszeichen. Mehrfacher Leistenrahmen mit 15 Zeilen schwarzer Tinte. Osmanisches Reich, dat. 1216h. (1801-1802). 23,5 x 16 cm. [1] w. Bl., [305], [1] w. Bl. Blind- und goldgepr. Leder-Ein- band (Klappe fehlt, bestossen, etwas berieben und kratzspurig, kleine Fehlstellen im Bezug). Sorgfältiges und vokalisiertes naskhi. Im Kolophon sign. Muhammad al-Fardi bekannt als"Hamil al-Quaran (=der den Koran auswendig kann). - Sehr reich und dekorative ausgestatte- te Handschrift mit reich illuminiertem Titelblatt. - Titelei, erste und letzte Lagen vom Bundsteg gelockert (eine Lage hinten unschön mit Tesa verklebt), Bindung teilweise angeplatzt, Titel am unteren Bundsteg angerissen, 2 Blatt mit unschönen Blattrestaurationen, vereinzelt Textverwischungen, in den Rändern gebräunt, stellenweise leicht feuchtfleckig, insgesamt aber sauber. - Titel recto und weitere Blatt gestempelt "Vakif". Weiterer alter Besitzers- tempel (wohl vor 1900) auf Titel recto, jedoch nur schwach erkennbar. CHF 500 / 800 (€ 430 / 700) 569