Smart Hero Award 2014

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Wie nutzen zivilgesellschaftliche Organisationen das Internet, besonders Social Media am besten? Die Gewinner des Smart Hero Awards zeigen's Dir. Mehr über den Smart Hero Award erfährst Du hier: https://www.smart-hero-award.de/

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Smart Hero Award 2014

  1. 1. Smart Hero Award 2014 Mit 13.000 Facebook-Fans für ein tolerantesMarzahn-Hellersdorf:Seite46•SogehtKatastrophe nhilfe2.0:Seite36•WieauseinemBlogdasSprachrohrfüral leinerziehendeMütterwurde:S.28•DerkleinsteSocial-Media -Berater der Welt: Seite 32 • Wie Initiativen der Zivilgesellschaft soziale Medien nutzen, um Gutes zu tun
  2. 2. 2 85%der Millennials* glauben, dass die Welt mithilfe des Internets zu einem besseren Ort werden kann. Telefónica Global Millennial Studie 2013 *Jugendliche, die mit dem Internet aufgewachsen sind.
  3. 3. 3 Inhalt Vorwort Facebook 4 Vorwort Stiftung Digitale Chancen 6 Was ist der Smart Hero Award? 10 Initiativen openTransfer 12 Wheelmap.org 16 Digital Helpers 20 Helfen WOLLEn 24 mutterseelenalleinerziehend 28 Mabacher 32 Passau räumt auf 36 Teilzeitblogger 40 Frankfurt Gestalten 42 Hellersdorf hilft Asylbewerbern 46 GreenAction 50 Soziale Medien fürs Gute 54 Über Facebook 58 Über die Stiftung Digitale Chancen 58 Über betterplace lab 58 Impressum 59
  4. 4. 4 Diese Vision begleitet seit der Gründung vor zehn Jahren das Handeln von Facebook. Heute melden sich 20 MillionenMenschen in Deutschland einmal am Tag bei Facebook an, um mit Freunden zu kommunizieren oder sich über Neu- igkeiten, Events oder Produkte zu informieren. Von dieser Reichweite und den Möglichkeiten der Vernetzung profitieren natürlich auch gemein- nützige Organisationen. Es finden sich zahlreiche BeispielevonNGOs,die Online-Netzwerke und Kanäle in ihre Kommunikationsstrategie integriert haben und ihr ehrenamtliches und soziales Engagement in und mit sozialen Medien realisieren. Um genau solche Organisationen auszuzeichnen, haben wir in diesem Jahr erstmals zusammen mit der Stiftung Digitale Chancen den Smart Hero Award ins Leben gerufen. Bereits im ersten Jahr gab es knapp hundert Bewerbungen, was uns natür- lich besonders freut. Den diesjährigen Preisträgern gilt unser ganz spezieller Dank. Die Initiativen „Hellersdorf hilft Asylbewerbern“ (Kategorie „Bürger- schaftliche Beteiligung“), Wheelmap. org (Kategorie „Ehrenamtliches Engagement“), mutterseelenallein- erziehend.de (Kategorie „Soziales Miteinander“) und „Der Teilzeitblogger“ (Publikumspreis) zeigen, wie soziale Medien erfolgreich in den Kommunika- tionsmix eingebunden werden können. Jedes der eingereichten Projekte ist auf seine Art und Weise besonders, hat uns berührt und zeigt den gesellschaftlichen Make the world more open and connected. Vorwort Facebook Von dieser Reichweite und den Möglichkeiten der Vernetzung profitieren natürlich auch gemein- nützige Organisationen.
  5. 5. 5 Wert sozialer Medien. Facebook wurde als soziales Netzwerk geschaffen, um viele verschiedene Verbindungen zu schaffen – von Mensch zu Mensch, aber auch zwischen Menschen und Organisationen. Facebook möchte gemeinnützige Organisationen dabei unterstützen, ein größeres Publikum zu erreichen und Unterstützer für die gute Sache zu finden. Gleichsam wollen wir dabei helfen, die Aufmerksamkeit auf Themen oder Initiativen zu lenken, für die Menschen sich Tag für Tag einsetzen und engagieren. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei der Stiftung Digitale Chancen bedanken, insbeson- dere dem Geschäftsführer Gerhard Seiler und seinem Team, die mit ihrem Engagement diesen Award und die Preisverleihung erst möglich gemacht haben. Mein Dank gilt zudem auch der Jury, die sich mit sehr viel Mühe dieser nicht ganz einfachen Aufgabe gestellt hat. In dieser Dokumentation finden Sie alle zwölf Organisationen, die es auf die Shortlist geschafft haben. Das ist ein kleiner Beitrag, diesen wirklich tollen Projekten die dringend benötigte Auf- merksamkeit zu geben, die sie brauchen, umauchinZukunftihreZielezuerreichen. Wir möchten den Smart Hero Award auch 2015 fortsetzen und freuen uns darauf,auchdannwiedervielespannende Projekte kennenzulernen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Ihre Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy Germany Facebook möchte gemeinnützige Organisa- tionen dabei unterstützen, ein größeres Publikum zu erreichen und Unterstützer fürdieguteSachezufinden.
  6. 6. 6 regelmäßig wird zum Spenden aufgerufen, zum Beispielnacheiner großen Naturka- tastrophe oder wenn Menschen in Kriegs- und Kri- sengebieten dringend Hilfe benötigen. Und – na klar, hin und wieder, besonders zur Weihnachtszeit, spendet man bereit- willig den einen oder anderen Euro. Das geht ja inzwischen ganz einfach: „Sende SMS an …“ - und schon hat man etwas für Menschen in Not getan. Vielen Mitbürgern ist das aber nicht genug. Sie wollen mehr tun und selbst für andere aktiv werden. Es sind ja auch nicht nur die großen Katastrophen, die Menschen in Notlagen bringen oder Anlass für ehrenamtliches und bürgerliches Engagement geben. Oftmals sind es Menschen in unserer Nähe, in direkter Nachbarschaft, die in Not geraten, auf der Flucht sind oder obdachlos werden oder aus verschiedensten Gründen am Rande der Gesellschaft stehen. Für diese Menschen ist konkrete Hilfe vor Ort und nachhaltiges persönliches Engagement oftmals wertvoller, weil sie sich dann in ihrer Situation nicht so alleingelassen fühlen. Bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement kommt nicht nur hilfebe- dürftigen Menschen zugute, es ist zu- gleich ein Beitrag für das solidarische Zusammenleben in unserer demokra- tischen Gesellschaft. Wenn es darum geht, möglichst viele Menschen zu erreichen, zur Beteiligung zu motivieren und die Aktivitäten vieler helfender Hände zu koordinieren, bietet das Internet mit den sozialen Netzwerken inzwischen ein enormes Potenzial. Nie zuvor war es so einfach, sich zu vernetzen und im Dienste einer guten Sache zusammenzukommen. Gemeinsam mit Facebook hat die Stiftung Digitale Chancen deshalb im Jahr 2014 erstmals den „Smart Hero Award“ ausgeschrieben. Ausgezeichnet wurden insgesamt vier „Smarte Helden“ für ihre Projekte, die Social Media strategisch klug einsetzen und ehrenamtliches und soziales Engage- ment rund um die Werte soziales Miteinander, Anerkennung, Respekt und Toleranz realisieren. In dieser Publikation werden die nominierten Vorwort Stiftung Digitale Chancen Liebe Leserin, lieber Leser, Bürgerschaftliches Engagement ist ein Beitrag für das solidarische Zusammenleben in unserer demokratischenGesellschaft.
  7. 7. 7 Projekte und Preisträger vorgestellt, die in beeindruckender Weise zeigen, dass gesellschaftliches Engagement mit Social Media einfach mehr Menschen erreicht. Als es darum ging, die vielen einge- reichten Projekte zu begutachten, war ich fasziniert und zugleich tief berührt von den großartigen Ideen und wie diese kreativ, strategisch klug und vor allem erfolgreich mithilfe sozialer Netzwerke wie Facebook umgesetzt werden. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele „Gefällt mir“-Klicks zu generieren. Social-Media-Plattformen werden vielmehr gezielt als logistische Kommunikationszentralen für Hilfs- projekte genutzt und beispielsweise zur Informationssammelstelle für eine ganze vom Hochwasser betroffene Stadt, die Tausende freiwillige Helfer koordiniert. Ein wunderbares Beispiel für Digitale Inklusion ist das Gemein- schaftswerk einer Landkarte im Internet, die barrierefreie Orte verzeichnet. Alle können so mithelfen, Rollstuhlfahrern die Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern. Die Stiftung Digitale Chancen setzt sich dafür ein, dass alle Menschen das Internet nutzen können. Digitale Inklusion eröffnet allen bessere Chancen auf Partizipation in unserer Gesellschaft. Der Smart Hero Award unterstützt dieses Ziel in idealer Weise: Es geht um gesellschaftliches Engage- ment und Solidarität, um Beteiligung und soziales Miteinander und es geht darum, dies mit den digitalen Medien zu realisieren. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, welche großartigen Chancen uns das Internet jetzt und in Zukunft bieten kann, wenn wir es für die gute Sache einsetzen. Wir, die Mit- arbeitenden bei der Stiftung Digitale Chancen, sind uns sicher, dass es noch weit mehr großartige Projekte und Initiativen gibt. Gemeinsam mit Facebook möchten wir in Zukunft die Menschen dahinter unterstützen und eine breitere Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen. Denn eines ist sicher: Wir brauchen viel mehr engagierte Menschen! Dafür soll der Smart Hero Award ein Ansporn sein. Wir freuen uns sehr auf die Ausschreibung des Smart Hero Awards 2015, auf die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit Facebook und danken allen, die uns dabei auch weiterhin unterstützen. Ihr Gerhard Seiler, Geschäftsführer Stiftung Digitale Chancen DigitaleInklusioneröffnet allenbessereChancen aufPartizipationin unsererGesellschaft.
  8. 8. 8 Smart Hero – Der Smart Hero Award ist der erste Wettbewerb im deutschsprachigen Raum, der Menschen und Organisationen auszeichnet, die ihr ehrenamtliches und soziales Engagement mithilfe von Social Media verwirklichen.
  9. 9. 9 Jurymitglieder, Nominierte und Preisträger derKategorieSozialesMiteinander(v.l.n.r.): Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek (Bundes- ministeriumfürFamilie,Senioren,Frauen und Jugend), Maike von Wegen (mutter- seelenalleinerziehend), Jurymitglied Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg (Deutsches Rotes Kreuz), Holger Wicht (Deutsche AIDS-Hilfe, stellvertretend für Der Teilzeitblogger), Martin Habacher (mabacher.com) und Lisa Wagner (Passau räumt auf).
  10. 10. 10 Die Wahl fiel nicht leicht – zu gut waren all die Nominierten, die wir Ihnen in dieser Broschüre vorstellen. Smart steht dabei für den klugen Einsatz und die Anfangsbuchstaben von Social Media für Anerkennung, Respekt und Toleranz. Der Smart Hero Award wurde in den folgenden drei Kategorien vergeben und war mit jeweils 1000 Euro Preisgeld dotiert: • Ehrenamtliches Engagement • Bürgerschaftliche Beteiligung • Soziales Miteinander Zusätzlich wurde ein Publikumspreis vergeben. Wo finde ich barrierefreie Orte in meiner Stadt - und sei es auch nur ein „stilles Örtchen“ (S. 32)? Warum ist Selbst- bewusstsein das beste Accessoire, um sich in der Online-Community gegen Diskriminierung von Homosexuellen, HIV-Infizierten oder gegen den alltäg- lichen Rassismus einzusetzen (S. 40)?  Wie können wir der Fremdenfeind- lichkeit im eigenen Kiez durch eine Willkommenskultur für Flüchtlinge begegnen (S. 46)? Welche Schwierig- keiten müssen alleinerziehende Mütter oder Väter tagtäglich meistern (S. 28)? Die mit dem Smart Hero Award ausge- zeichneten Projekte und Aktionen geben ihre eigenen Antworten auf diese und viele weitere Fragen und zeigen in beein- druckender Weise, welche Rolle soziale Medien dabei inzwischen spielen. Über den Smart Hero Award 2014 Katja Schwabe von Helfen WOLLEn im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo Unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, haben Facebook und die Stiftung Digitale Chancen vier Initiativen mit dem Smart Hero Award ausgezeichnet.
  11. 11. 11 Der Smart Hero Award in der Kategorie Ehrenamtliches Engagement ging an Wheelmap.org (v. l. n. r.): Jurymitglied Tabea Wilke, Adina Baß (Wheelmap.org/ SOZIALHELDEN), Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend).
  12. 12. 12 openTransfer – Hier werden Projekte und Initiativen mit wichtigem Skalierungswissen versorgt. Kategorie: Ehrenamtliches Engagement 820 Teilnehmer an 166 Workshops des openTransfer CAMPs 2,3 Mio. Seitenaufrufe auf openTransfer.de in den letzten 12 Monaten 840 Mal wurde das e-Book per Tweet oder FB-Post bezahlt 10.947 Downloads des e-Books über erfolgreichen Projekttransfer
  13. 13. 13 openTransfer.de Unzählige Projekte der Zivilgesellschaft engagieren sich für eine bessere Welt. Doch die meisten schaffen es nicht, zu wachsen, mehr Menschen zu erreichen und so noch wirksamer zu werden. OpenTransfer zeigt, wie es geht. Die Initiative versorgt soziale Projekte mit relevantem Praxis- wissen, damit sie skalieren, also sich weiterverbreiten können. Ein kostenloses e-Book zeigt, wie man das Potenzial der digitalen Technik ausschöpfen kann, und auf Bar-Camps kommen die Menschen zusammen, um im direkten Aus- tausch voneinander zu lernen.
  14. 14. 14 Katarina, bei openTransfer geht es um Wissenstransfersysteme, ihr verbreitet Wissen zum Thema Projekttransfer im Netz – klingt kompliziert, was genau meint ihr damit? Uns geht es vor allem um das Wissen der Praktiker. Auf Konferenzen reden Theoretiker schon immer viel darüber, wie man Projekte skalieren und in die Breite tragen kann. Aber dieses Wissen erreicht die eigentlichen Projektmacher kaum. Doch gerade diese Projektmacher tragen selbst so viel wertvolles Wissen mit sich herum. Diese Schätze der Zivilgesellschaft wollen wir heben und für andere nutzbar machen. 660 Facebook-Fans sind relativ wenige, auf Twitter seid ihr mit 830 Followern besser vernetzt. Wie erklärst du dir das? Gute Projekte müssen wachsen! Auch für spezielle Themen wie Organisationsentwicklung sind soziale Medien sehr nützlich. Katarina Peranic spricht im Interview über Schätze der Zivilgesellschaft, qualitativhochwertigeFacebook-FansunddigitaleSkalierung. Wir beschäftigen uns ja mit Organisa- tionsentwicklung. Das ist nicht gerade ein unterhaltsames, massentaugliches Thema. Deshalb geht es uns auch nicht um möglichst viele Fans und Follower. Auf Facebook sind es zwar relativ wenige, aber die sind mit Herz und Seele dabei, das sind sozusagen qualitativ sehr hochwertige Fans. Auf Twitter sind eher Fachleute unterwegs, wahrscheinlich erreichen wir dort deshalb mehr Leute. Wenn wir in einer anderen Stadt ein Camp organisieren wollen, ist Twitter auch unerlässlich, um vorab Kontakte zu knüpfen, ein Netzwerk aufzubauen und Diskussionen zu starten. Ihr habt mit verschiedenen Autoren kollaborativ ein Ratgeber-Buch zu- sammengestellt – wie habt ihr das gemacht? Über soziale Medien. Wir haben in einem Twitter-Chat diskutiert und eine Interview
  15. 15. 15 Unsere Facebook-Fans sind mit Herz und Seele dabei. Katarina Peranic ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Bür- germut. Die Stiftung fördert mit ihren Projekten Weltbeweger, openTransfer und dem „Enter Magazin“ den digita- len und realen Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von engagierten Bürgern. Die Politikwissenschaftlerin begann schon während des Studiums in verschiedenen Non-Profit-Organisatio- nen mit dem Aufbau von Communities, zunächst off- dann auch online. Nach ihrem Diplom-Abschluss arbeitete sie bei der Stiftung Bürgermut in diesem Feld weiter und baute dort die Welt- beweger-Community auf, zu der mehr als 1.000 bürgerschaftlich initiierte Projekte und deren Macher zählen. Nach einer Zwischenstation in einer Online-Agentur ist sie seit Herbst 2012 wieder in der Stiftung tätig. Neben einer hohen Internet-Affinität begeistert sich Katarina Peranic auch leidenschaftlich für die Themen Barcamp sowie offener Wissens- und Projekttransfer in der Zivilgesellschaft. Twitter @staranov Blogparade gestartet, also Blogger aufgefordert, Beiträge zu schreiben. So kamen die Inhalte zusammen, die wir dann zum Ratgeber aufbereitet haben. Was empfehlt ihr denn bezüglich sozialer Medien, wenn es darum geht, Projekte zu skalieren? Wir zeigen, wie wertvoll und nützlich soziale Medien sind. Zum Beispiel kann man dort sehr gut ehrenamtliche Helfer gewinnen, seine Marke bekannt machen und andere Leute finden, die ein Projekt auch bei sich umsetzen, also den Projekttransfer umsetzen. Soziale Medien sind da unerlässlich, das zeigt ja auch die Broschüre „Digitalskalieren“ des betterplace lab sehr gut.
  16. 16. 16 Wheelmap.org – Wheelmap ist die wohl größte für alle verfügbare Online-Karte, auf der man herausfinden kann, ob Orte rollstuhlgerecht sind. Kategorie: Ehrenamtliches Engagement * Wheelmap an sich ist schon ein soziales Medium, weil die Menschen dort nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten von Inhalten sind. Wie Wikipedia gehört Wheelmap zu den sogenannten Kollektivprojekten innerhalb der sozialen Medien. 4.500 Facebook-Fans 1.467 Wheelmap-Blog-Leser 500.000 Orte hat die Crowd bereits markiert 35.000 User weltweit
  17. 17. 17 Wheelmap.org Komme ich mit meinem Rollstuhl durch die schmale Tür des kleinen Geschäfts? Wie bei Wikipedia kann jeder mitma- chen und öffentlich zugängliche Orte nach einem einfachen Ampelsystem bewerten: • grün = rollstuhlgerecht, • orange = eingeschränkt rollstuhlgerecht, • rot = nicht rollstuhlgerecht. Man kann seine Bewertungen auch mit Kommentaren und Fotos ergänzen, damit Rollstuhlfahrer noch besser einschät- zen können, ob der Ort für sie zugänglich ist. Wheelmap, ein Projekt der Sozialhelden, gibt es nicht nur als Website, sondern auch als App für Android und iPhone und basiert auf der Open Street Map.
  18. 18. 18 Andi, ist Wheelmap.org an sich schon ein soziales Medium? Ja, weil Wheelmap eine Website ist, auf der der wichtigste Content – die Ortsmarkierungen – von den Nutzern kommt. Orte zu markieren ist sehr sozial, denn man tut es, damit andere davon profitieren können. Außerdem gibt es eine Community, die wir über unseren Blog motivieren, Kartierungs- Partys zu veranstalten. Eure Community ist ziemlich aktiv. Braucht ihr überhaupt noch weitere soziale Medien wie Facebook etc.? Na klar, die spielen für unsere Arbeit eine wichtige Rolle. Dort können wir noch mehr Menschen unsere Geschichte erzählen. Außerdem ist es kosten- günstiger, Neuigkeiten über soziale Medien zu verbreiten, als die klassi- schen Medien direkt anzuschreiben. Pressemitteilungen und -konferenzen machen viel Arbeit. Für grenzenloses Rollstuhlfahren „Man tut es für andere“: Andi Weiland, Social-Media- Chef bei Wheelmap.org, über die Markierungs- Community, Wheelmap als Vor-Ort-Medium und das Glück seiner selbst. Welche Strategie fahrt ihr bezüglich Twitter, Facebook und einem Newsletter? Facebook und Twitter sind am wich- tigsten für tägliche Neuigkeiten, da posten wir mindestens alle zwei Tage. Auf Twitter hören uns aber andere Menschen, da geht es eher technischer zu, wir twittern zum Beispiel viel über Entwicklungen der freien Open-Street- Map-Software. Newsletter schreiben wir unregelmäßig, aber der ist auch wichtig, weil wir dort noch einmal andere Leute erreichen. Stichwort „mobile“: Wie wichtig ist eure App? Sehr wichtig, denn wir sind ja ein Vor-Ort-Medium. Wenn ich vor einem Restaurant stehe und Rollstuhlfahrern mitteilen möchte, wie toll die Rampe hier ist, dann möchte ich das sofort tun. Bis ich wieder zu Hause am Rechner bin, hab ich’s vergessen oder schon wieder andere Dinge zu tun. Interview
  19. 19. 19 Andi Weiland studierte Politik- und Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er hat langjährige Erfah- rungen im Bereich der Jugendarbeit und Förderung von Nachwuchs- journalistInnen. Er ist Vorstand der Jugendpresse Deutschland e.V. und Verantwortlicher der Medienprojekte „politikorange“ und „Jugendfotos.de“. Andi beschäftigt sich mit Technik- philosophie und betreibt mit ohren- flimmern.de sein eigenes Blog. Seit 2010 ist er außerdem Gastredakteur bei der „Berliner Gazette“ und seit 2011 Projektmitarbeiter und Presse- sprecher bei den SOZIALHELDEN e.V., die Wheelmap.org betreiben. Entsprechend stark steigen auch die Zahlen der Markierungen und Such- anfragen, die über unsere iPhone- und Android-Apps eingehen. Aber Pflege und Weiterentwicklung der Apps sind auch kostenintensiv. Viele Initiativen nehmen sich nicht genug Zeit für gute Fotos, aber auf eurer Website und in euren Blog- posts geht’s visuell ziemlich profes- sionell zu. Wie macht ihr das? Da haben wir vor allem Glück mit mir. Ich mache auch privat gerne Fotos und habe eine gute Kamera. Ich nutze gerne ein Lego-Männchen im Rollstuhl als Leitmotiv. Das ist sehr praktisch, weil ich es überallhin mitnehmen kann, um gute Fotos mit Wiedererkennungswert zu machen. Wenn ich vor einem Restaurant eine tolle Rampe sehe, möchte ich das Rollstuhlfahrern sofort mitteilen.
  20. 20. 20 Digital Helpers – Alte Computer: Nicht wegschmeißen, sondern an Bedürftige spenden! Kategorie: Ehrenamtliches Engagement 692 Facebook-Fans 10 Millionen Deutsche haben in Sachen Computer „gar keine Kenntnisse“ laut dem Statistischen Bundesamt 86 Twitter-Follower 200 PCs konnten seit Juli 2012 Bedürftigen gegeben werden
  21. 21. 21 digitalhelpers.org Sie haben ein Laptop, ein Tablet und ein Handy? Oder zwei? Während die einen bereits leicht übersättigt sind mit Computern, können sich andere gar keinen leisten. Deshalb nimmt der Verein Digital Helpers Computerspenden von Firmen und Privatpersonen an, überprüft und repariert die Geräte und verteilt sie dann an soziale Einrichtungen, die sie den Bedürftigen geben.
  22. 22. 22 Carmelo, auf eurer Website steht prominent der Call to Action: „Spende Deinen alten Computer an sozial Bedürftige!“ Doch warum ist euer Blog, mit dem ihr Aktualität und Dynamik auf die Seite bringen könnt, im Footer versteckt? Weil wir den Blog nur automatisiert mit Inhalten aus anderen sozialen Medien füllen.VorallemFacebook-Postserscheinen hier. Der Blog ist für Interessierte ein Sprungbrett zu Facebook – da spielt dann die eigentliche Musik. Ihr habt zwölf Mitarbeiter, aber mit 700 Fans vergleichsweise wenig Facebook-Fans – da ist noch Luft nach oben, oder? Ja, deshalb geben wir gerade mächtig Gas. Gerade weil die sozialen Medien so wichtig sind, um auf die digitale Computer für alle! Carmelo Russo ist bei den Digital Helpers seit 2014 der Leiter des Ressorts Marketing. Im Interview spricht er nicht nur über den Blog als Sprungbrett, sondern auch über ein Crowdspeaking-Werkzeug, mit dem schon die Vereinten Nationen Social-Media-Wellen erzeugt haben. Spaltung aufmerksam zu machen, wachsen unsere Zahlen in gutem Tempo. Über Facebook bekommen wir auch die meisten Anfragen von Leuten, die mitmachen oder spenden wollen. Zusätzlich nutzt ihr Twitter: Wie unterscheidet sich der 140-Zeichen-Dienst von Facebook? Bei Facebook muss man die Digital Helpers erst liken, um richtig dabei sein zu können. Auf Twitter hingegen wird viel mit Hashtags gearbeitet und Leute können die Inhalte von allen Twitterern sehen, sie müssen ihnen nicht folgen. Die Suche ist dadurch besser und man selbst wird besser gefunden. Facebook hingegen nutzen wir auch für die interne Kommunikation in einer geschlossenen Gruppe. Das ist sehr praktisch, da unser Team über ganz Deutschland verteilt ist. Interview
  23. 23. 23 Der Blog ist bei uns ein Sprungbrett zu Facebook – da spielt dann die eigentliche Musik. Carmelo Russo, 27, ist Student der Wirtschaftswissenschaften mit Schwer- punkt Marketing an der Universität Kassel. Bei Digital Helpers ist er seit 2013 ehrenamtlicher Mitarbeiter und seit 2014 zusätzlich Ressortleiter im Bereich Marketing. Zwei seiner großen Leidenschaften, Social Media Marketing und (Social) Entrepreneurship, kann er so bei den Digital Helpers sinnvoll ausleben. Carmelo, Social Media Marketing ist eine deiner Leidenschaften. Hast du einen heißen Tipp, wie man seine Botschaften noch weiter verbreiten kann? Ja, Thunderclap ist eine interessante Software, eine so genannte Crowd- speaking-Plattform, mit der wir auch experimentieren. Bei Thunderclap gilt es, eine bestimmte Anzahl von Leuten für seine Botschaft bzw. seinen Post zu begeistern. Kommen genug Leute zusammen, wird die Botschaft gleich- zeitig von allen ihren Facebook-, Twitter- oder Tumblr-Accounts verbreitet. So entsteht eine mächtige Welle. Das Weiße Haus und die Vereinten Nationen haben Thunderclap auch schon genutzt.
  24. 24. 24 Helfen WOLLEn – Stricken für Berliner Obdachlose und gegen den kalten Ostwind. Kategorie: Ehrenamtliches Engagement 750 Facebook-Fans 56 Strickerinnen organisieren sich in einer Facebook-Gruppe 10 Stunden ungefähr dauert es, einen Schal zu stricken 0 Männer stricken mit (aber 3 helfen beim Transport etc.)
  25. 25. 25 Facebook.com/helfenwollen Eigentlich sollte es nur eine Aktion für den Winter 2013 werden: Katja Schwabe strickte zusammen mit ein paar Freundinnen Mützen, Schals und Socken, damit Berliner Obdachlose nicht frieren müssen. Doch immer mehr Freunde und Bekannte sagten: „Hey, lass uns doch weiter- machen!“ Denn über 700-mal Gestricktes für 10 Berliner Kältehilfen und Einrichtungen, die Obdachlose damit versorgen, sind ein großer Erfolg für eine kleine Initiative. Mittlerweile helfen auch zwei Frauen bei der Lagerung, dem Versand und der Spendenabwicklung. Allein in Berlin stricken 20 Leute, bis die Nadeln glühen. Und Menschen aus ganz Deutschland schicken Woll- und Strickspenden, über 80 Pakete kamen so letztes Jahr bei Katja Schwabe und ihren Mitstreitern an. Eine eigene Website ist zwar in Planung, aber bislang reicht die Facebook-Fanpage völlig aus – auch zur internen Organisation mit einer Facebook-Gruppe. Also, man darf gespannt sein, wie viele Meter Wolle diesen Winter in Reih und Glied für wohlige Wärme sorgen!
  26. 26. 26 Katja, am Anfang warst du ganz allein mit deiner Idee, Wollreste für Obdachlose zu verstricken. Jetzt, nur ein gutes Jahr später, zählt deine Facebook-Gruppe 56 fleißige Strickerinnen. Wie hast du es geschafft, dass so schnell so viele Leute mitmachen? Erst einmal hab ich mir den Namen Helfen WOLLEn ausgedacht und dann damit eine Facebook-Seite erstellt. Ich hab alle meine Freunde angeschrieben und einige haben mich auch unterstützt. Aber es lief schon ein bisschen schlep- pend am Anfang, obwohl ich regel- mäßig Updates gepostet hab. Doch eines Tages, als hätte ich eine magische Grenze erreicht, wurde es zum Selbst- läufer. Da hab ich dann ein Paket nach demanderenmitGestricktembekommen. Ich gebe die Spenden dann der Kälte- hilfe in Berlin, die sie wiederum an die Obdachlosen verteilt. Wieso Wollreste wegschmeißen, wenn man Obdachlose damit wärmen kann? Katja Schwabe, Gründerin von Helfen WOLLEn, spricht über Facebook und klassische Flyer, die sich als Engagement-Werkzeuge ergänzen. Du musstest also gar nicht aus dem Haus, um genug Wollspenden zu bekommen? Facebook war schon sehr nützlich am Anfang und ist es immer noch. So erreiche ich Leute aus ganz Deutsch- land – sogar aus Österreich und der Schweiz habe ich Spenden geschickt bekommen. Doch um die Aktion noch bekannter zu machen, habe ich Flyer gedruckt und in den Wollläden ausge- legt. So habe ich auch Leute außerhalb von Facebook erreicht. Es sind zwar sehr viele Leute auf Facebook, aber halt nicht jeder, besonders ältere Men- schen nicht – und die stricken ja meist recht gern. Interview
  27. 27. 27 Eines Tages, als hätte ich eine magische Grenze erreicht, wurde es zum Selbstläufer. Die Krankenschwester und Psychologie- Studentin Katja Schwabe strickt nicht nur für ihr eigenes Leben gern. Seit Oktober 2013 freuen sich auch Obdachlose in Berlin über die warme Winterkleidung. So verbindet sie ihre Neigung zu sozialem Engagement mit ihrem liebsten Hobby. Außerdem möchte Katja mit Helfen WOLLEn, dass sich möglichst viele Menschen mit einer sinnvollen Aufgabe in ihr Projekt verstricken. Mit dabei sind zum Bei- spiel Bewohner der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg. Eine eigene Website nutzt du aber nicht für Helfen WOLLEn? Nicht wirklich. Ich hab zwar einen Blog, aber dort schreibe ich nur in relativ großen Abständen Artikel. Aktueller geht’s da auf der Facebook- Seite zu. Dort kann ich die Leute besser auf dem Laufenden halten, da die meisten ohnehin täglich auf der Facebook-Seite sind. Außerdem ist un- sere Facebook-Gruppe sehr praktisch, um die Strickerinnen zu koordinieren. Dort verabreden wir uns, posten Fotos von unseren Socken oder Mützen und freuen uns über gegenseitige Likes :)
  28. 28. 28 mutterseelen- alleinerziehend – Mit ihrem Blog und Tausenden Lesern kämpft Meike Büttner für die Belange der Alleinerziehenden. Kategorie: Soziales Miteinander 2.300 Facebook-Fans 30.000 monatliche Blog-Leser 9 Minuten durchschnittliche Verweildauer auf mutterseelenalleinerziehend.de 1,7 Mio. Mütter in Deutschland sind alleinerziehend
  29. 29. 29 mutterseelenalleinerziehend.de Wenn das Arbeitsamt einer schwangeren Frau das Hartz-IV-Geld streicht und sie mit monatlichen Essensgutscheinen im Wert von 180 Euro nach Hause schickt, ist das ein Skandal. Doch wen kümmert‘s? Zu wenige! Deshalb schreibt sich Meike Büttner in ihrem Blog und auf Facebook die Finger wund. Über 1,7 Millionen Mütter ziehen ihr Kind oder ihre Kinder allein groß. Bei aller Liebe: Das ist auch anstrengend. Viele Mütter können nicht arbeiten und müssen Hartz IV beantragen. Der Staat und die Gesellschaft macht ihnen das Leben schwer. Weil sich kaum jemand für die Probleme einer Randgruppe interessiert, deren Nische mittlerweile aus allen Nähten platzt, klärt Meike Büttner auf, empört sich, vernetzt und informiert.
  30. 30. 30 Meike, als du 2011 deinen Blog gestartet hast, warst du mutter- seelenalleinerziehend. Warum hast du deine Erfahrungen für die Öffentlichkeit aufgeschrieben? Weil ich zwar alleinerziehend, aber nicht die Einzige war. Zunächst hab ich nur über meinen Alltag geschrieben, doch es kamen immer mehr Leser auf meine Website und diskutierten mit. Knapp jede dritte Frau in Berlin ist alleinerziehend. Viele können nicht arbeiten und müssen von Hartz IV leben. Darauf will ich aufmerksam machen, denn alleinerziehende Frauen werden von Politik und Gesellschaft benachteiligt. Allein, aber nicht einsam Wieso wird es einem so schwer gemacht, wenn man sein Kind allein großzieht? Meike Büttner, Gründerin des Blogs mutterseelenalleinerziehend, über Anfang, Alltag und Aufmerksamkeitsschübe in Abwesenheit des Vaters. Du gibst also mit deinem Blog den Müttern eine Stimme, und zwei Jahre später ist auch ein Buch draus geworden. Erst Blog, dann Buch, ist das die logische Reihenfolge? Ja, und ich wollte ja auch ursprünglich kein Buch schreiben. Aber aus dem Blog hat es sich wie von selbst ergeben: Ich hatte ein wichtiges Thema zur Sprache gebracht und schon viele Leute damit erreicht. Nach zwei Jah- ren kam dann ein Buchagent auf mich zu und fand einen Verlag. Interview
  31. 31. 31 Meike Büttner, geboren 1982, ist Autorin und lebt in Berlin. Sie hat Drehbücher für das ZDF geschrieben, 2013 das Buch „mutterseelenallein- erziehend“ mit Droemer Knaur veröffentlicht und schreibt für diver- se Magazine, Zeitungen und Blogs. Obwohl sie seit zwei Jahren wieder partnerschaftlich erzieht, engagiert sie sich weiterhin ehrenamtlich für Alleinerziehende und ist nominiert für den Engagementpreis 2014. Ein klassisches Buch folgt auf das relativ junge und soziale Medium des Blog: Was hat das Buch verändert? Durch das Buch wurde ich dann auch von klassischen Medien wahr- genommen. Plötzlich hat die auf- lagenstärkste Frauenzeitschrift Deutschlands, die „Brigitte“, über mich und Mutterseelenalleinerziehende berichtet. Das ist schon toll, wenn das Thema noch einmal so einen großen Aufmerksamkeitsschub bekommt. Plötzlich musste ich meinen Server aufrüsten lassen, weil ihn die vielen Zugriffe auf dem Blog fast lahmgelegt hätten – das ist schon ein schönes Problem. Wer sich heute zivilgesellschaftlich engagiert, kommt an Facebook als Multiplikator nicht vorbei.
  32. 32. 32 Mabacher – Der wohl kleinste Social-Media-Berater der Welt. Und der bissigste? Kategorie: Soziales Miteinander 300.000 Aufrufe des mabacher.TV-Kanals auf YouTube 446 Abonnenten des Kanals 8 bespielte Social-Media-Kanäle 264 Facebook-Fans
  33. 33. 33 mabacher.com Martin Habacher kam mit Osteogenesis imperfecta, der Glasknochenkrankheit, zur Welt und ist deshalb im Rollstuhl unterwegs. Auf seinem YouTube-Kanal mabacher. TV macht er mit Vlogs eloquent darauf aufmerksam, das so mancher Bahnhof und so manches Amt noch immer nicht barrierefrei ist. Habacher berichtet gewitzt aus seinem Leben und ermöglicht seinen Zuschauern, die Perspektive eines Rollstuhlfahrers einzunehmen. Etwa wenn er sich Gedanken übers Gehen macht und fragt: „Wie könnt ihr auf solch kleinen Flächen wie euren Fuß- sohlen überhaupt sicher stehen?“ Es gibt kaum einen Ka- nal, den der 37-jährige Social-Media-Profi nicht nutzt, um Wirbel zu machen für mehr Inklusion und Barrierefreiheit.
  34. 34. 34 Martin, hast du eine spezielle Ausbildung gemacht oder wie bist du ein Social-Media-Profi geworden? Ein bisschen hab ich das unserem damaligen Finanzminister zu verdan- ken. Der hat 2009 einen Praktikanten gesucht, und mit einem Video sollte man sich für die Stelle bewerben. Stattdessen hab ich dem Minister in meinem Video angeboten, eine Woche im Rolli zu leben und zu arbeiten. Ich würde ihn auch dabei begleiten. Zwar hat er abgelehnt, aber in den sozialen Medien kam die Idee sehr gut an, das Video wurde geteilt und getweetet und die Leute haben über das Thema Barrierefreiheit und Inklusion diskutiert. Da hab ich gemerkt, wie gut soziale Medien funktionieren können, um Aufmerksamkeit für ein Thema zu erzeugen. Social Media mit Stacheln Martin Habacher über seine One-Man-Show, verknüpfte Kanäle und ein ungewöhnliches Angebot an den Finanzminister von Österreich. Aber ein Video allein macht noch keinen Profi, oder? Nein, aber dann bin ich’s professionel- ler angegangen, hab Agenturen nach Tipps und Tricks gefragt und mir das Ganze autodidaktisch beigebracht. Inklusion und Barrierefreiheit sind deine Themen. Warum nutzt du vor allemsozialeMedienalsdeineBühne? Ist doch klar, ohne soziale Medien geht heute nichts mehr. Dort kann ich mir Gehör im globalen Rauschen verschaf- fen und das Beste dabei: Ich brauch kein großes Redaktionsteam und viel Geld, sondern schaff das locker ganz allein als One-Man-Show. Du bespielst mit Facebook, Twitter, Google +, Tumblr usw. acht Social- Media-Kanäle. Das schaffst du locker ganz allein?
  35. 35. 35 SocialMediasindDERKommunikationsweg, um sich im großen globalen Rauschen Gehör zu verschaffen. Martin Habacher studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften und absolvierte eine Ausbildung an der Handelsakademie. Er arbeitete erst als Buchhalter und schrieb dann bei einer Wiener Werbeagentur unter anderem Radiospots. Heute ist Habacher selbst- ständiger Social-Media-Berater und Barrierefreiheitstester. Nun ja, die Kanäle sind miteinander verknüpft, sodass einmal produzierte Inhalte automatisch auch in den ande- ren Kanälen zu sehen sind. Das ist gut für die Google-Suche und nötig, wenn man Buzz erzeugen will. Hast du noch weitere Tipps für Leute, die soziale Medien für ihr Engagement nutzen wollen? Zunächst sollte man sich fragen: Welche Ressourcen habe ich? Welche Botschaft für wen? Welche Medien sollen’s sein, Text oder Videos oder beides? Erst dann kann man sich für das richtige soziale Medium entscheiden. Und dabei be- denken: Dort geht es um ehrliche und direkte Kommunikation und nicht um Werbung und Verkäufe.
  36. 36. 36 Passau räumt auf – Eine Flutkatastrophe, vier Initiatoren und Tausende freiwillige Helfer: Ärmel hochkrempeln 2.0 Kategorie: Soziales Miteinander 16.642 Facebook-Fans 39.136 Menschen mit einem einzigen Post erreicht 80 täglich beantwortete Facebook-Nachrichten während der Flut 112 Posts hat Passau räumt auf während der Flut auf seiner Timeline gepostet
  37. 37. 37 Facebook.com/passauraeumtauf Passau räumt auf wurde von den Studierenden Manuel Grabowski, Lisa Wagner, Dorothea Will und Karoline Oberländer im Zuge der Flutkatastrophe im Juni 2013 initiiert. Da die vier damals schon in der Hochschulpolitik aktiv waren, genossen sie bei ihren Kommilitonen ein Vertrauen, auf dem sie aufbauen konnten. Auch die Bürger der Stadt riefen mit ihren Anliegen oft im Büro von Passau räumt auf an, da ihnen dort schnell und unbürokratisch geholfen wurde. Wegen der Dringlichkeit der Probleme während der Flut eigneten sich die schnellen sozialen Medien in Kombination mit der Flexibilität der Initiative optimal, um vielen Menschen in kurzer Zeit zu helfen. Die Behörden der Dreiflüssestadt waren beeindruckt und lernen noch heute von dem online- basierten Engagement.
  38. 38. 38 Karoline, wie kommt’s, dass ausge- rechnet eure Studenteninitiative zur offiziellen Anlaufstelle für die Fragen der von der Flut betroffenen Bürger wurde? Wir schrieben zunächst nur einen Post auf dem Campusblog, in dem wir unsere Kommilitonen dazu aufriefen, sich in Helferlisten einzutragen. Die Hilfsbereitschaft war riesig: 700 Leute trugen sich ein, unzählige standen vor unserem Büro und wollten helfen. Von einem Tag auf den anderen waren 1.500 Menschen in den Straßen und packten mit an. Kurz darauf haben wir uns schon mit der Stadt getroffen, die uns dann zur offiziellen Anlaufstelle erklärt hat. Ihr wart nur vier Leute bei „Passau räumt auf“. Wie habt ihr es geschafft, all die Helfer zu koordinieren? Beim Helfen helfen Wie man 1.500 freiwillige Helfer koordiniert und warum Facebook für eine volle Bude sorgt – Karoline Oberländer im Interview. Wir haben uns kurzfristig ein System ausgedacht. Zahlreiche Scouts notierten in den Straßen, was wo gebraucht wird, und berichteten an sieben Koordinatoren, die wiederum mit unseren beiden Zentralen in Verbin- dung waren. Dort haben wir dann Tabellen mit den Bedarfen gefüllt. Welche Rolle spielte Facebook dabei? An Facebook hatten wir zunächst gar nicht gedacht. Doch als wir merkten, dass dort immer mehr Seiten auf- kamen, die falsche Infos oder Panik verbreiteten, haben auch wir eine Facebook-Seite eingerichtet. Dort haben wir die Leute eher allgemein zur Lage informiert, Sicherheits- bekanntmachungen veröffentlicht und Spenden gesammelt. Posts wie „Wir brauchen 20 Leute mit Schaufeln in der Milchgasse“ sind schwierig, weil unberechenbar. Nicht dass die Interview
  39. 39. 39 Nach dem Abitur und einem Auslands- jahr in Italien hat Karoline Oberländer, 24, ihren Bachelor in European Studies an der Universität Passau absolviert. Währenddessen vertrat sie drei Jahre als Fachschaftsprecherin die Studie- renden der Philosophischen Fakultät. Seit Sommer 2014 studiert sie im Master-Studiengang Emergency and Disaster Management an der Universität in Tel Aviv. Milchgasse plötzlich verstopft ist von Leuten mit Schaufeln, die alle helfen wollen. Als wir auf Facebook um ein paar Pflaster gebeten haben, hatten wir kurz danach drei Umzugskartons davon bei uns im Büro stehen. Die Flut ist vorbei, aber ihr habt immer noch 16.000 Fans auf Facebook. Funktioniert die Seite auch ohne Flut noch? Ja, wir posten zwar nicht mehr so häufig, aber informieren etwa über das einjährige Jubiläum der Flut und nutzen unsere Reichweite, um Unterstützer für andere Fluten wie zum Beispiel die im Juni 2014 in Bosnien zu gewinnen. Außerdem interessieren sich die Feuer- wehr, das Technische Hilfswerk und die Stadt sehr dafür, wie die Online-Mobili- sierung der Bürger im Katastrophenfall funktioniert. Und man weiß ja auch nicht, wann die nächste Flut kommt … Als wir auf Facebook um ein paar Pflaster gebeten haben, hatten wir kurz danach drei Umzugskartons da- von bei uns im Büro stehen.
  40. 40. 40 Teilzeitblogger – Der Menschenrechtsaktivist mit Humor. Kategorie: Soziales Miteinander ~10.000 Blog-Leser pro Monat ~10.000 Views pro Video 2.518 YouTube-Abonnenten ~100 Kommentare pro Video
  41. 41. 41 derteilzeitblogger.wordpress.com Marcel Dams nimmt kein Blatt vor den Mund: Wie ist es eigentlich, als HIV-Positiver Sex zu haben? Nun ja, man muss vor allem wieder lernen, den Kopf auszuschalten und sich fallen zu lassen. Gar nicht so einfach, wenn man denkt, man sei eine geladene Biowaffe mit Viren in sich. Über solche und andere Probleme aus dem Alltag eines HIV-Infizierten plaudert Marcel in seinen YouTube Videos mit be- neidenswerter Leichtigkeit. Und die vielen positiven Kommentare zeigen, dass er vielen Menschen aus der Seele spricht. Als Teilzeitblogger und -vlogger schreibt er regelmäßig über Homophobie, LGBT-Themen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) und spricht in seinen YouTube-Videos darüber. Auf sehr persönliche Weise sensibilisiert er die Menschen über seine Fangemeinde hinaus für diese gesellschaftlich wichtigen Themen. Marcel ist ein wahrer Internet-Aktivist, denn er engagiert sich für Menschenrechte, bei Aidshilfen, auf Selbsthilfekongressen und bei Welt-Aids-Konferenz – um nur einen Teil seiner Teilzeitaktivitäten zu nennen. Marcel Dams hat sich im Oktober 2014 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und aufgehört, teilzeit zu bloggen. Verständlich, dass er kein Interview mehr geben mochte.
  42. 42. 42 Frankfurt Gestalten – Menschen der Mainmetropole Frankfurt können auf diesem Portal lokalpolitisch mitwirken. Kategorie: Bürgerschaftliche Beteiligung 1.000 Mitglieder machen mit 1.724 Twitter-Follower 30.000 Ortsbeiratsanträge aus 10 Jahren Lokalpolitik dokumentiert 100 Initiativen wurden gestartet
  43. 43. 43 frankfurt-gestalten.de Frankfurt Gestalten ist ein Portal von und für die Bürger der Stadt Frankfurt. Auf der Open-Source-Plattform wer- den nicht nur lokalpolitische Ereignisse dokumentiert, sondern vor allem auch Menschen mit gleichen Interessen zusammengebracht. So entstehen beispielsweise lebhafte Diskussionen über die Erweiterung des Museumsparks. Doch bleibt es nicht bei Worten: Wie der Name schon sagt, können die Bürger ihre Stadt gestalten. Sie tragen ihre Ideen als Initiative auf der Website ein und sammeln Kommentare und Unterstützer. Politiker können an den Initiativen ablesen, was den Wählern wichtig ist. Frankfurt Gestalten ist politisch unabhängig und eines der ersten Portale in Deutschland, die politische Partizipation via Internet ermöglichen.
  44. 44. 44 Christian, eine engagierte Community ist die Grundlage eurer Partizipations- plattform. Wie aktiviert ihr die Menschen? LeiderhabenwirdafürkeineRessourcen, das Projekt läuft zurzeit auf Autopilot. Trotzdem haben wir über die Jahre erreicht, dass die Leute kontinuierlich und konstruktiv über die Lokalpolitik diskutieren. Und noch immer haben wir 20.000 Seitenzugriffe pro Monat! Doch jetzt hat die Stadt Frankfurt eine Konkurrenzplattform gestartet … Fühlst du dich geehrt, dass Frankfurt Gestalten kopiert wird? Wir bedauern das sehr, zumal wir finden, dass diese Plattform leider nicht allzu transparent oder offen ist. Wir denken, dass ein langfristiger Dialog mit den Bürgern entscheidend für den Erfolg ist. Zurück zur Aktivierung: Ist es mühsam, die Menschen zum Mitmachen zu bewegen? Pilotprojekt mit langfristiger Perspektive Nur mit Transparenz und Offenheit kann politische Bürgerbeteiligung gelingen, erklärt Christian Kreutz im Interview. Ja, denn unsere Zielgruppe ist sehr klein: Wie viele Menschen wohnen in Frankfurt? Wie viele davon engagieren sich politisch? Wie viele davon sind internetaffin? Und wie viele kennen unsere Plattform? Da bleiben nicht viele übrig. Aber es geht uns auch nicht um massenhafte Nutzerzahlen, sondern um hyperlokale, sehr sachli- che Angelegenheiten. Und die disku- tieren die Menschen sehr konstruktiv. In anderen Ländern mischen sich die Menschen online viel stärker in die Politik ein. Sind die Deutschen tatsächlich internetfaul? Pauschalisierungen sind zwar mit Vorsicht zu genießen. Aber ich war gerade in Mexiko, wo Millionen Menschen dem Präsidenten auf Twitter folgen und die Regierung eine große Open-Government-Initiative gestartet hat. Zurück in Deutschland muss ich schon sagen: Hier fehlt der Spirit für die Möglichkeiten des Internets. Sowohl die Regierung ist sehr zurück- Interview
  45. 45. 45 In Mexiko folgen die Menschen dem Präsidenten zu Tausenden auf Twitter. Doch hier fehlt der Online-Spirit. Christian Kreutz ist Geschäftsführer der crisscrossed GmbH. Er arbeitet an unterschiedlichen Projekten zu digitaler Beteiligung und bietet mit WE THINQ ein Online-Instrument für Beteiligungs- und Ideenprozesse. haltend, aber auch die Bürger haben viele Vorbehalte. Deshalb haben wir hier insgesamt starke Online-Mobili- sierungsprobleme. Du hattest keine Vorbehalte und hast 2010 zusammen mit Freunden Frankfurt Gestalten gelauncht. Kannst du schon ein erstes Fazit dieses Experiments ziehen? Ja, es hat sich in jedem Fall gelohnt. Frankfurt Gestalten ist als Pilotprojekt sehr erfolgreich und wurde deutschland- weit kopiert. Vor allem haben wir viel gelernt: Politische Online-Partizipation bietet völlig neue Möglichkeiten der BürgerbeteiligunganunsererDemokratie. Deshalb haben wir auch viele Anfragen von Wissenschaftlern bekommen.
  46. 46. 46 Hellersdorf hilft Asylbewerbern – Nachbarschaftshilfe macht mehr Spaß als Vorurteile! Kategorie: Bürgerschaftliche Beteiligung 13.000 Facebook-Fans 400 engagierte Menschen vor Ort 6 Augen gucken auf einen Facebook-Post, bevor er online geht 550 Twitter-Follower
  47. 47. 47 Facebook.com/ HellersdorfhilftAsylbewerbern Als 2013 öffentlich wurde, dass in einem alten Gymnasium in Berlin-Hellersdorf 400 Flüchtlinge aus 19 Nationen, überwiegend aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan, untergebracht werden sollen, machten Rechte dagegen Stimmung. Doch Marzahn-Hellersdorf ist kein bloßer Neonazi-Kiez, im Gegenteil. Stephan Jung und ein paar weitere Hellersdorfer gründeten die Facebook-Seite „Hellersdorf hilft“ und flugs wurden sie in ihrem Anliegen, den Flüchtlingen beizustehen, von 13.000 Fans unterstützt. Sie klärten auf und brachten die Bewohner mit den Flücht- lingen, die unter dem Krieg gelitten haben und nur Frieden wollen, zusammen – mit der Zeit lösten sich viele Ängste und Vorbehalte der Anwohner auf. Heute ist Hellersdorf hilft ein eingetragener Verein, und die Flüchtlinge treffen sich in der von ihnen gestalteten Begegnungsstätte mit den Hellersdorfern, um gemeinsam verschiedenste Projekte zu organisieren.
  48. 48. 48 Stephan, in Reaktion auf die rech- ten Stimmungsmacher habt ihr als Erstes eine Facebook-Seite erstellt. Warum? Weil wir über Facebook sehr schnell und kostengünstig sehr viele Leute erreichen konnten. Wenn wir nur vor Ort mit 20 Leuten eine Integrations- aktion gemacht hätten, dann hätte ohne die sozialen Medien ja kaum jemand davon erfahren. So konnten wirabernichtnurselbstdavonberichten, sondern anderen Menschen auch die Möglichkeit geben, mitzumachen. Ist denn ein Mitmachen mit Likes und Kommentaren ausreichend? Es geht nicht nur darum. Wir haben mit Fakten gegen die rechte Stimmung gekämpft, also zunächst einmal auf- geklärt und vor allem auch positive Nachrichten verbreitet. Klassische Medien konzentrieren sich ja eher auf Von null auf 13.000 in null Komma nix Stephan Jung, beim Verein Hellersdorf hilft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, spricht über Facebook als Mobilisierungsmedium, echte Begegnungen und das Sechsaugenprinzip. das Negative. Als die Unterkunft dann eröffnet wurde, konnten unsere Fans auch Spenden und eine Online-Petition unterzeichnen – 24.000 Unterschriften kamen schnell zusammen. Viele engagierten sich dann auch vor Ort, so haben wir die vielen Spenden für die Begegnungsstätte in einer großen Menschenkette zur Flüchtlingsunter- kunft gebracht. Mittlerweile engagieren sich fast 400 Hellersdorfer vor Ort. Außerdem können wir unsere Erfah- rungen weit verbreiten und Menschen im gesamten deutschsprachigen Raum dazu ermutigen, ähnliche Initiativen zu gründen. Ihr konntet also Online-Engagement ins „echte“ Leben konvertieren? Ja, und das ist ja auch ganz wichtig. Denn nur echte Begegnungen zwischen den Flüchtlingen und den Anwohnern können Ängste abbauen. Gerade dort, wo sich die Menschen nicht begegnen, Interview
  49. 49. 49 Stephan Jung hat selbst nur 800 Meter von der Notunterkunft in der Carola- Neher-Straße gewohnt. Der 30-Jährige ist selbstständiger Musiker und hat noch immer Familie im Marzahn-Hellers- dorfer Kiez. Im Verein Hellersdorf hilft gehört er dem Vorstand an und ist für die Pressearbeit zuständig. sind die Ressentiments ja am größten. Deshalb ist der Face-to-face-Kontakt so wichtig. Hat euch der Ansturm auf eure Facebook-Seite anfangs auch über- fordert? Es bedarf ja auch einiger Ressourcen, um auf all die Kom- mentare und Fragen reagieren zu können. Ja, anfangs lief das ziemlich ad hoc. Wir waren ja auch stark damit beschäftigt, den Verein zu gründen, zu networken und die Finanzierung zu stemmen. Hinzu kamen unzählige Presseanfragen. Jetzt aber sind wir 20 Leute bzw. 10 im engeren Kreis und haben einen richtigen Facebook-Plan. Wir schreiben die Posts vor und verfahren nach dem Sechsaugenprinzip: Mindestens drei von uns müssen zustimmen, bevor ein Post online geht. Wir können unsere Erfahrungen weit verbreiten und Menschen dazu ermutigen, ähnliche Initiativen zu gründen.
  50. 50. 50 GreenAction – Die Mitmach-Plattform für große und kleine Umweltschützer. Kategorie: Bürgerschaftliche Beteiligung 45.000 Webseitenbesucher pro Monat 14.000 registrierte AktivistInnen 750 aktive Kampagnen seit 2009 2.161 Facebook-Fans
  51. 51. 51 greenaction.de GreenAction ist eine Plattform, auf der jeder mobilmachen kann. Ob es um einen geplanten Kernreaktor oder die kleine Hufeisennase (eine Fledermausart) geht: In nur fünf Schritten ist die eigene Kampagne online. Greenpeace stellt mit der Plattform nicht nur die technische Infrastruktur, sondern dient auch als Schutzwall vor juristischen Drohungen. Über die Plattform können Umweltschützer Mitstreiter finden, sich mit ihnen vernetzen und Aktionen organisieren. Besonders kleinere Initiativen und Privatpersonen, die keine Ressourcen für eine eigene Online-Kampagnen-Infrastruktur haben, können auf GreenAction ihre Botschaften verbreiten. Ein wunderbares Werkzeug für eine aktive Zivilgesellschaft!
  52. 52. 52 Geschützter Raum für AktivistInnen Klicktivismus, Datenschutz und juristische Drohungen gro- ßer Konzerne: Volker Gaßner erzählt aus dem Leben des Umweltaktivisten-Netzwerks GreenAction. Interview Volker, GreenAction macht Umwelt- aktivismus möglich. Was genau ist damit gemeint? Unsere Philosophie ist es, einen digitalen Raum für Umweltschutzkampagnen und -aktionen zu schaffen. Besonders kleine Initiativen und einzelne Bürger haben kaum Know-how, Zeit und Geld, um online eigene Kampagnen zu starten. Da möchten wir als Mobilisierungs- Tool helfen. In nur fünf Schritten kann jeder seine Kampagne auf GreenAction online stellen. Greenpeace tritt dabei als Marke bescheiden in den Hintergrund. Warum? Weil wir noch mehr Menschen erreichen wollen. Engagierten Menschen geht es weniger um eine bestimmte Organisa- tion – Vereinsmeierei war gestern. Heute interessieren sich die Leute für ein bestimmtes Thema, sie sind flexibler in ihrem Engagement. Wir als Greenpeace sind aber trotzdem präsent, sei es, wenn wir einzelne Kampagnen hervorheben oder als Schutzwall für die AktivistInnen. Wovor muss Greenpeace seine Community beschützen? Vor allem vor juristischen Drohungen durch Konzerne. Wer zum Beispiel gegen die Umweltzerstörung eines Ölmultis mobilmacht, hat gegen dessen Rechtsabteilung kaum eine Chance. Wir prüfen deshalb die Fakten auf GreenAction und geben auch die Daten der AktivistInnen nicht heraus. Datenschutz ist unseren Nutzern ver- ständlicherweise sehr wichtig. Über 3.000 Kampagnen wurden seit 2009 auf GreenAction gestartet. Wie steht es um Klicktivismus bei euch? Gibt es viele inaktive Kampagnen, die nie zu etwas geführt haben?
  53. 53. 53 Volker Gaßner leitet seit 2008 das Team Presse, Recherche und Neue Medien von Greenpeace e.V. in Hamburg. Zuvor war er acht Jahre als Projektleiter und Campaigner u. a. für die Umsetzung von Kampagnen bei Greenpeace zuständig. Er veröffentlichte Fachartikel in Büchern und Magazinen zu den Themen Krisen- kommunikation, Social Media, Corporate Social Responsibility (CSR) und Kam- pagnen. Er ist Gründungsmitglied der campaigning-academy.com in Berlin. Vereinsmeierei war gestern – heute engagieren sich Menschen flexibel. Ja, da haben wir auch ein gewisses Konstruktionsproblem. Viele Menschen denken nicht in Kampagnen, wie wir sie verstehen, sondern stellen manch- mal nur einen Termin ein. So sind ein ViertelbiseinDrittelunsererKampagnen, also ca. 750 Stück, tatsächlich aktiv. Wir haben viele Stufen des Engagements bei uns, vom unterstützenden Klick bis zur eigenen Kampagne. Wie hoch ist der Aufwand für das Community-Management bei so vielen Kampagnen und Webseiten-Besuchen? 2011 und 2012 war bei uns am meisten los, da haben wir zwei bis drei Personen- tage pro Woche investiert. Heute geht es etwas ruhiger zu, da kostet es uns nur einen Tag.
  54. 54. 54 Warum schüttet sich Bill Gates vor laufender Kamera einen Eimer Eis- wasser über den Kopf und verbreitet das Video über Facebook? Weil er von Freunden dazu herausgefordert wurde und weil er sich für die Nervenkrank- heit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) einsetzt. Dass sich auch Mark Zuckerberg und andere Größen Eiswasser über den Kopf geschüttet haben, zeigt: Soziale Medien haben ein gewaltiges Mobilisierungspotenzial – und sorgen beispielsweise dafür, dass Hunderttau- sende Menschen Geld für eine Krank- heit spenden, von der sie vorher noch nie gehört haben. Mehr als 20 Millionen Menschen haben sich allein das Video von Bill Gates an- gesehen. In nur drei Monaten wurden 17 Millionen Videos auf Facebook ge- teilt, die von 440 Millionen Menschen mehr als 10 Milliarden Mal angeguckt wurden. Hinzu kommen 2,4 Millionen weitere Videos, die von Menschen aus aller Welt über YouTube zur Ice-bucket- Challenge verbreitet worden sind. Bis zum 30. August 2014 kamen durch diese Spendenaktion mehr als 100 Millionen US-Dollar zusammen. Soziale Medien gehören für Milliarden Menschen weltweit zum Alltag. In Deutschland sind 54,2 Millionen Menschen online1 und etwa 78 Prozent davon sind in einem sozialen Netzwerk angemeldet. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 90 Prozent.2 Der Begriff soziale Medien umfasst dabei vieles – denn überall dort, wo Menschen online miteinander in den Dialog treten, sprechen wir von sozialen Medien. Die Bandbreite ist groß: von der hoch spezialisierten Community der Kanarienvögelzüchter bis hin zu Freundschaftsnetzwerken wie Facebook, WhatsApp und Co. Facebook ist mit weltweit monatlich 1,3 Milliarden aktiven Nutzern das Soziale Medien fürs Gute Oder warum Bill Gates sich Eiswasser über den Kopf schüttete Hintergrund 78% der Deutschen sind in einem sozialen Netzwerk angemeldet
  55. 55. 55 weitreichendste Netzwerk.3 Und davon lebt der Großteil nicht nur in den USA, sondern auch in Mexiko, Brasilien, Indonesien und Indien. Allein in Deutschland sind täglich 20 Millionen Nutzer aktiv.4 Weil dieses Netzwerk so riesig ist, kann sich ein Facebook- Nutzer in Berlin mit einem User in Bandung, Indonesien, vernetzen und sich zum Beispiel über den Schutz der Orang-Utans austauschen. Verbindungen schaffen Vertrauen Das ist das Besondere an den sozia- len Online-Netzwerken: Sie kennen keine Grenzen. Weder räumliche noch zeitliche. Sie vernetzen un- kompliziert und nahezu kostenlos Menschen mit ähnlichen Interessen, Ideen oder Hobbys. Dabei sind der Dialog und die Verbindung zwischen den Nutzern unglaublich viel wert. Was in sozialen Netzwerken weiter- gegeben wird, ob Informationen, Links oder Ideen, kommt meist von jemandem, mit dem der Nutzer eine persönliche Verbindung hat – das schafft Vertrauen. Informationen aus sozialen Netzwerken sind daher ungleich mehr wert als anonyme Einträge in Suchmaschinen. Dieses Vertrauen birgt großes Potenzial für soziale Organisationen. Eine Studie zur Psychologie des Online-Spendens hat gezeigt, dass Freunde und Familie viel mehr zum Spenden motivieren als beispielsweise Promi-Aufrufe.5 Etwa 60 Prozent der Millennials, also junge Menschen zwischen 13 und 30 Jahren, folgen NGOs über soziale Netz- werke und sammeln dort auch für sie Spenden. Und 85 Prozent der Millenni- als glauben, dass soziale Medien eine wichtige Rolle für politische Bewegun- gen im Land spielen und mithilfe des Internets die Welt zu einem besseren Ort für alle werden kann.6 Und so teilen, verbreiten, empfehlen und verlinken die Nutzer der sozialen Medien, was das Zeug hält. Die Ice- bucket-Challenge ist also nur die Spitze eines Eisberges des Online-Engagements. Mit dem richtigen Anschub können über soziale Netzwerke Themen eine richtige Ansteckungskraft entwickeln – und sich wie ein Virus verbreiten. Weil bei der Icebucket-Challenge jeder Teilnehmer weitere Mitmacher nominierte, verbreitete sich der Eis- wasser-Wahn in Windeseile über die sozialen Netzwerke und schwappte 20 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Facebook täglich
  56. 56. 56 von den USA auch nach Deutschland, wo die Challenge eine Eigendynamik entwickelte, von der auch deutsche NGOs profitieren konnten. Freiwillige koordinieren: Passau räumt auf Ein weiteres Beispiel dafür, wie Facebook Menschen für die gute Sache zusammenbringen kann, ist die Facebook-Gruppe „Passau räumt auf“, in der sich zum Hochwasser mehr als 13.000 Menschen vernetzten, um Sandsäcke zu stapeln, Wohnungen zu vermitteln und die Aufräumarbeiten zu koordinieren. Die Facebook-Fluthelfer waren dabei teilweise schneller und besser organisiert als die Feuerwehr (S. 36). Weltweit werden soziale Netzwerke im Katastrophenfall genutzt. Sei es in Indonesien, wo die Bewohner in der Region des Vulkans Merapi sich über aktuelle Ausbruch-Warnungen per Twitter und Facebook auf dem Laufenden halten, oder in Brasilien, wo die Bewohner Rios beim Unwetter per SMS und Facebook-Alarm gewarnt werden. Passend dazu hat Facebook vor Kurzem den Safety Check veröf- fentlicht: Menschen, die sich eventuell in der Nähe einer Katastrophe befinden, beispielsweise nach einem Erdbeben, werden von Facebook automatisch nach ihrem Wohlbefinden gefragt und können so allen Freunden schnell mit- teilen, ob es ihnen gut geht. Die Beispiele zeigen, dass in sozialen Netzwerken auch jene eine Stimme bekommen, die sonst nicht gehört werden. Zum Beispiel können NGOs durch den Dialog mit ihren Unterstüt- zern und Begünstigten schneller auf Anfragen und Ideen reagieren. Das sorgt für mehr Glaubwürdigkeit und bessere Arbeit. Die Jugendorganisation „Das macht Schule“ lädt zum Beispiel ihre Begünstigten dazu ein, Sternchen für durchgeführte Projekte zu verge- ben – um so ihre Arbeit besser den Bedürfnissen der Jugendlichen anpas- sen zu können. Diese Ansprechbarkeit bedeutet aber auch, dass sich NGOs auf Kritik einstellen müssen – und auf die- se angemessen reagieren sollten. Diese Transparenz wird dann aber auch mit mehr Vertrauen und einer starken Community belohnt. 60% der Millennials folgen NGOs in sozialen Netzwerken
  57. 57. 57 Mithilfe starker Netzwerke können NGOs auch das Prinzip der Koprodukti- on stärken. Das heißt: Das Wissen von Spezialisten kommt mit der „Weisheit der vielen“ zusammen. Auf diesem Weg hat das openTransfer Camp zum Beispiel ein ganzes e-Book geschrieben. Titel: „Gutes einfach verbreiten“. Hier kommen erfolgreiche soziale Projekte zu Wort und Experten, die sich mit dem Thema Projekttransfer auskennen. Und das alles nur mithilfe der Community, die sich das openTransfer Camp aufgebaut hat (S. 12)! Der offene Charakter, der die Kommu- nikation in sozialen Medien prägt, konfrontiert NGOs mit Forderungen nach mehr Transparenz, größerer Offenheit gegenüber Kritik und schnelleren Reaktionen auf Fragen und Kritik. Im- mer mehr Organisationen in Deutsch- land öffnen sich für den Online-Dialog und für partizipative Prozesse und stellen sich damit der Herausforderung des Kontrollverlusts in sozialen Medi- en. Denn damit NGOs das Potenzial der sozialen Medien voll ausschöpfen kön- nen, brauchen sie nicht nur die nötige Medienkompetenz, das entsprechende Gespür für Inhalte und den richtigen Ton, sondern auch eine Organisations- kultur, die es ihnen ermöglicht, schnell und direkt auf Fragen oder Kritik einzugehen. So werden dank sozialer Medien NGOs immer mehr zu einem integralen Teil der aktiven Zivilgesell- schaft – auch online. Damit das in Zukunft auch immer mehr Organisationen besser gelingt, sind Initiativen wie der Smart Hero Award wichtig. Organisationen, die noch Lern- bedarf haben, sollen von denen lernen können, die sich schon professionell im Netz bewegen. Dazu tragen die hier versammelten Preisträger bei. 1) ARD/ZDF Onlinestudie 2) www.bitkom.org/de/markt_statistik/64018_77778.aspx 3) www.statista.com/statistics/264810/number-of-monthly-active- Facebook-users-worldwide/ 4) Statista 5) www.betterplace-lab.org/de/blog/psychologie-des-onlinespendens 6) Telefónica Global Millennial Studie Über 100 Mio. Dollar wurden für die Bekämpfung der Krankheit ALS gespendet – weil sich die Icebucket-Challenge viral verbreitete
  58. 58. 58 Ziel der Stiftung Digitale Chancen ist es, Menschen für die Möglichkeiten des Internets zu interessieren, damit sie die Chancen dieses digitalen Mediums erkennen und für sich nutzen können. Die Stiftung Digitale Chancen wurde im Januar 2002 von AOL Deutschland und der Universität Bremen mit Sitz in Berlin gegründet. Sie steht unter der Schirm- herrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Bun- desministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Kathleen Ziemann und Dennis Buchmann sind Teil des betterplace-lab-Teams. Ihr digital-soziales Hintergrundwissen machte sie zu idealen Produzenten dieser Broschüre. Denn in immer mehr Ecken der Welt nutzen Menschen erfolgreich digitale Technologien, um echte soziale Probleme zu lösen: von Sozialunternehmen in Kenia über Hilfs- organisationen in Indien bis zu Aktivisten in Brasilien – in Form von Websites, Apps oder Mobilfunk-Services. Als Deutschlands erstes digital-soziales Forschungsinstitut analysiert das betterplace lab diese Innovationen und beschreibt kommende Trends im betterplace Trendreport. Mal vom Berliner Bürostuhl aus, mal während der Feldforschung auf einer indischen WIFI-Rikscha hockend. Darüber hinaus vergleicht das betterplace lab mit dem NGO-Meter die Leistungsfähigkeit von Online-Fundraising, erstellt erkenntnis- reiche Studien, hält inspirierende Vorträge und veranstaltet jährlich die coolste Konferenz an der Schnittstelle zwischen Innovation und Gemeinwohl, das betterplace lab together. Unser Hintergrund: Der „Think-and-Do-Tank“ betterplace lab wurde 2010 gegründet und ist Teil der gut.org gemeinnützigen Aktiengesellschaft, die auch betterplace.org betreibt, Deutschlands größte Online-Spendenplattform. Facebook wurde im Februar 2004 gegründet und ist eine soziale Plattform, die es ermöglicht, dass sich Menschen austauschen und mit Freunden, Kollegen, aber auch Unternehmen und Marken interagieren können. Jeder kann sich bei Facebook registrieren und mit Familie, Freunden,BekanntenoderArbeitskollegen in einer sicheren Umgebung interagieren.
  59. 59. 59 Impressum: Smart Hero Award Broschüre 2014 Herausgeber: Facebook Germany GmbH Großer Burstah 50-52 20458 Hamburg Facebook.com Konzept: Dennis Buchmann, Rico Reinhold Redaktion: Dennis Buchmann Grafische Gestaltung: Rico Reinhold Interviews und Texte zu den Nominierten: Dennis Buchmann Text „Soziale Medien fürs Gute“: Kathleen Ziemann Mit textlicher Unterstützung der Stiftung Digitale Chancen. Druck: Laserline, Berlin Alle Zahlen zu den Initiativen sind vom Oktober 2014. Bildnachweis S. 4: Frank Ossenbrink S. 6: Klaus-Dieter Klingberg S. 8–11: Christian Kruppa S. 13: o.l.: Milos Djuric o.r.: Thilo Schmülgen u.l.: Milos Djuric u.r.: Florian Hammerich S. 15: Florian Hammerich S. 19: Melanie Wehnert S. 21: Digital Helpers S. 23: Carmelo Russo S. 25 und 27: Katja Schwabe S. 29 und 31: Meike Büttner S. 33: Martin Habacher S. 35: Angelika Luger S. 37: Quirin Leppert S. 39: Karoline Oberländer S. 45: Christian Kreutz S. 47: Hellersdorf hilft e.V. S. 49: privat S. 51 und 53: Greenpeace Deutschland e.V. Alle Rechte vorbehalten.
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