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Mäcken: Veranstaltungsmanagement – Bemessung von Besucherplätzen

  1. 1. K VeranstaltungsrechtK2 Recht der VeranstaltungssicherheitVeranstaltungsmanagement –Bemessung von BesucherplätzenPraxishilfe zur Bemessung von Besucherplätzen:Konzeption und Herstellung von Bestuhlungs- und Rettungswegepläneauf der Basis der Musterverordnung für Versammlungsstätten(MVStättV)Walter MäckenAbteilungsleiter des Südwestrundfunks Baden-Baden; Gründungsgeschäftsführerder Europäischen Medien und Event-Akademie Baden-Baden; Hochschul-Lehrbeauftragter; Experte in den Fachbereichen Eventmanagement und Veran-staltungssicherheitInhalt Seite1. Rechtliche Ausgangslage 32. Was versteht der Regelsetzer unter dem Begriff „bauliche Anlage“? 43. Veranstalter- und Betreiberverantwortung 54. Irrationales Verhalten der Menschen bei einer Massenpanik 85. Die Verantwortung des Betreibers und Veranstalters haben eine wechselseitige Beziehung – Besondere Betriebsvorschriften der MVStättV 106. Gefährdung durch das Fehlverhalten der Menschen 117. Vermeidung von Massenpanik – Evakuierungskriterien 128. Das Bemessen der zulässigen Besucherzahl erfordert elementare Kenntnisse der Versammlungsstättenverordnung 159. Nichtanwendbarkeit der Versammlungsstättenverordnungen 1910. Die Bemessung der Anzahl der Besucher und deren Entfluchtungsmöglichkeiten bis hin zur öffentlichen Verkehrsfläche sind Bestandteil des Sicherheitskonzepts 2011. Bemessung der Besucher und Besucherplätze 2112. Sitzplatzbereiche von Tribünen 23 K13. Besucher- und Stellplätze für Behinderte und 2.3 Rollstuhlbenutzer sind in ausreichender Anzahl vorzusehen 2714. Besuchermenge in Abhängigkeit zur Grundfläche des S. 1 Versammlungsraumes 2815. Beschaffung der Stühle – Brandschutz 3616. Ordnungswidrigkeitenrecht 3617. Antrags- und Genehmigungsverfahren 3718. Schlussbemerkung 37 41 Kultur & Recht April 2008
  2. 2. K Veranstaltungsrecht K2 Recht der Veranstaltungssicherheit Gefährdungsursachen in Versammlungsstätten 6 Praxishilfe für die Bemessung zulässiger Besucherzahlen 16 Bevor sich Veranstaltungsverantwortliche der Ablauforganisation und dem Ti- cketmanagement hinwenden, sind sie gut beraten sich zunächst mit der jeweils landesspezifischen Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) zu befassen. Dies vor allem deshalb, weil der Gesetzgeber neben spezifischen baulichen Rege- lungen umfangreiche betriebsorganisatorische Maßnahmen festlegte. Insofern werden durch die Versammlungsstättenverordnung nicht nur Planer, Architekten und Bauingenieure tangiert, sondern gleichermaßen Betreiber von Veranstal- tungslocations und Veranstalter. Gerade die Verantwortlichen des Veranstal- tungsmanagement sind in ihrem Tagesgeschäft gesetzlich gefordert, auf die Ein- haltung betrieblicher Sicherheitsbestimmungen zu achten. Nun, warum ist die Auseinandersetzung mit der „Versammlungsstättenverordnung“ für Betreiber und Veranstalter gerade in der Planungsphase so unentbehrlich?K2.3S. 2 41 Kultur & Recht April 2008
  3. 3. K VeranstaltungsrechtK2 Recht der Veranstaltungssicherheit1. Rechtliche AusgangslageMithin spannend in diesem Zusammenhang ist die Auseinandersetzung mit derrechtlichen Ausgangslage. So werden Planer, Betreiber und Veranstalter durchdas geltende Baurecht a priori aufgefordert, die zulässige Besuchermenge zuermitteln und der zuständigen Baurechtsbehörde zur Genehmigung anzuzeigen.Infolge dessen ist es für die Verantwortlichen unverzichtbar, sich die „Sonder-bauvorschriften für Veranstaltungsstätten“ einer genauen Betrachtung zu unter-ziehen. Vor der Anwendung der Verordnung ist zu klären, ob es sich bei der ge-wählten Veranstaltungsstätte tatsächlich um eine Versammlungsstätte im Sinneder Verordnung handelt (nachstehend wird die Kurzform VStättVO verwendet).Um dies festzustellen, ist die VStättVO des jeweiligen Bundeslandes der BRDaufzuschlagen, in dem die Veranstaltung durchgeführt werden soll. Zwar gibt eseine sogenannte „Musterverordnung für Versammlungsstätten (MVStättV 2005)“,die als Universalausgabe an alle Bundesländer ging, jedoch oblag es den jeweili-gen Bundesländern, die Musterausgabe in ihr Landesrecht „eins zu eins“ umzu-wandeln. Leider gab es in diversen Bundesländern spezifische Anpassungen andie bestehenden Richtlinien und Rechtsverordnungen, so dass Abweichungengegenüber der Musterversammlungsstättenverordnung vorzufinden sind. Dieseuneinheitliche Regelung macht es für die Anwender der Verordnungen nichtgerade einfacher.Die Anwendung der Versammlungsstättenverordnung setzt drei Bedingungen voraus:1. Es muss eine bestimmte Anzahl von Besuchern gleichzeitig in einer Veran- staltungsstätte sein;2. Es muss sich um eine bauliche Anlage handeln; und –3. Es müssen bei Veranstaltungen im Freien „Szenenflächen“ hinzukommen.Somit ist vorauszusetzen, dass jedes Gebäude, welches die Möglichkeit bietet, alsVeranstaltungsort zu fungieren und gleichzeitig das Fassungsvermögen mit mehrals 100 bzw. 200 Besucher übersteigt, den Anwendungsbereich der VStättVOerfüllt. Für Veranstaltungen im Freien ist das Merkmal „Szenenfläche“ Bedin-gung. Entscheidend im Freien ist auch das Vorhandensein einer Absperrung (bau-liche Anlage), die es dem Veranstalter ermöglicht, die Besuchermengen zu kon-trollieren. Ferner setzt die Anwendung der VStättVO im Freien die Anwesenheit Kvon mindestens 1.000 Besuchern voraus. Insofern ist vor der Nutzung eines Ver- 2.3anstaltungsortes immer festzustellen, ob die VStättVO anzuwenden ist. Zur Klä- S. 3rung dieser Frage dient §1 der landesspezifischen VStättVO. In diesem Paragra-phen enthalten sind die marginalen Werte für Veranstaltungen in geschlossenenRäumen sowie für Events im Freien. Um die zulässige Besuchermenge tatsäch-lich bemessen zu können sind einerseits die Kriterien der Verordnung zu beachtenund andererseits ein rechnerischer und zeichnerischer Nachweis an die zuständigeBaurechtsbehörde zu liefern. 41 Kultur & Recht April 2008
  4. 4. K Veranstaltungsrecht K2 Recht der Veranstaltungssicherheit 2. Was versteht der Regelsetzer unter dem Begriff „bauliche Anlage“? Zum weiteren Verständnis ist zu konkretisieren was der Regelsetzer unter einer „baulichen Anlage“ im Sinne der VStättVO versteht. Im Bauordnungsrecht wird der Begriff der „baulichen Anlage“ als eigenständiger Rechtsbegriff des Landes- baurechts geführt und wird in der LBO BW wie folgt definiert: Auszug aus LBO BW §2 (1) Bauliche Anlagen sind unmittelbar mit dem Erdboden verbunden, aus Bau- produkten hergestellte Anlagen. Eine Verbindung mit dem Erdboden besteht auch dann, wenn die Anlage durch eigene Schwere auf dem Boden ruht oder wenn die Anlage nach ihrem Verwendungszweck dazu bestimmt ist, überwiegend ortsfest benutzt zu werden. (2) … (10) Bauprodukte sind 1. Baustoffe, Bauteile und Anlagen, die dazu bestimmt sind, in bauliche Anlagen dauerhaft eingebaut zu werden, 2. aus Baustoffen und Bauteilen vorgefertigte Anlagen, die hergestellt werden, um mit dem Erdboden verbunden zu werden, wie Fertighäuser, Fertiggaragen und Silos. (11) Bauart ist das Zusammenfügen von Bauprodukten zu baulichen Anlagen oder Teilen von baulichen Anlagen. (12) Es stehen gleich 1. der Errichtung das Herstellen, Aufstellen, Anbringen, Einbauen, Einrichten, Instandhalten, Ändern und die Nutzungsänderung, 2. dem Abbruch das Beseitigen, soweit nicht anderes bestimmt ist. Der Rechtsbegriff der baulichen Anlage i. S. d. Bauordnungsrechts hat über die eigentliche Bedeutung des Wortes hinausgehenden Inhalt. Als Anlage wird einer- seits definiert was unmittelbar mit dem Boden verbunden ist, somit Bauwerke des Hoch- und Tiefbaus, andererseits was aus Bauprodukten, somit Baustoffen und Bauteilen besteht. Bei präziser Durchleuchtung der Bauverordnung wird als bauliche Anlage klargestellt, dass damit auch temporär verwendete Abschrankun-K gen gemeint sind, wie sie zur Steuerung von Besuchermengen bei Veranstaltun-2.3 gen unter freiem Himmel Verwendung finden. Abgesperrte Territorien lassen sich in der Veranstaltungsbranche erreichen z. B. durch metallische Absperreinrich-S. 4 tungen, Bauzäune, Polizeigitter und ähnliches. Noch etwas konkreter: Wird ein Besucherbereich im Freien durch eine Absperrung begrenzt und ist eine Szenen- fläche von mindestens 20 m2 vorhanden, wird der Tatbestand der Anwendung der VStättVO bei gleichzeitiger Anwesenheit von mehr als 1.000 Personen vollum- fänglich erfüllt. Die entsprechende Formulierung in der MVStättV (§1, Abs. 1, Nr. 2) verdeutlicht, dass das Vorhandensein baulicher Anlagen und Szenenflächen ein zentrales Merkmal von Versammlungsstätten im Freien ist. 41 Kultur & Recht April 2008

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