Übersicht

1. Intro

Dialog als Mythos

2. Technikdeterminismus: Californian Ideology

Normative Konzeptionen der Online-PR im Spannungsfeld zwischen
Technikdeterminismus und strategischem Handlungsfeld

3. Befreiungsideologie des Netzes: Cluetrain Manifesto
4. Logiken des Dialogs

Swaran Sandhu
Hochschule der Medien | Stuttgart

5. Zusammenfassung

#onkomm13
Kritischere Öffentlichkeit? Neue Meinungsbildung? Mehr Beteiligung?
Neue Rahmenbedingungen für die strategische Online-Kommunikation
20. Jahrestagung 2013 der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation
der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
Wolfsburg, 1. November 2013

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

Das Janusgesicht der Technologie

Konzeptionen des Dialogs

„Das Internet gab uns das große Versprechen der
Befreiung und der Demokratisierung. Die Menschheit
sollte mithilfe offener und freier Kommunikation die
Macht haben, gemeinsam Machtmissbrauch zu
bekämpfen. Die Bürger sollten sich ungehindert vernetzen
können, um Ideen auszutauschen und die Grenzen der
menschlichen Freiheit zu erweitern. Der
Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz. Er will
dieses Werkzeug der Freiheit in sein Gegenteil verkehren,
in ein Werkzeug der Überwachung und Kontrolle. Wir
stehen an einem Scheideweg.“

1. wechselseitiges Reagieren von Systemen (systemtheoretisch)
2. formal wechselseitige Sprechakte („sokratischer Dialog“)
3. reflexiver Prozess („gegenseitige Bezugnahme“) (Szyszka 1996)
4. Offenheit des Zugangs
5. Verständigung
> menschliche Grundform der interpersonalen Kommunikation
> idealisiert in der PR u.a. als „symmetrisches Modell“

Glenn Greenwald (2013): Interview in Zeit Online, 30. Oktober 2013

> neue Technologie = mehr Interaktion = mehr Dialog ?

http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/Glenn-Greenwald-Snowden-Interview/komplettansicht

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

2

3

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

4
Dialog: Anzahl der beantworteten Fragen

http://frag.mcdonalds.de/questions/11330

Aus dem Maschinenraum des Dialogs

„Einen gewichtigen Teil der redaktionellen Betreuung übernimmt unsere Agentur, die seit
Jahren auch die Qualitätskommunikation betreut. Einen Teil übernehmen wir in meinem
Team. Dazu gibt es in jedem Fachbereich Ambassadors, die als fachliche Ansprechpartner
unterstützen. Komplexere Fragen gehen von der Agentur über uns an den zuständigen
Fachbereich und wieder zurück.“
Nicolas von Sobbe, Sr. Department Head Corporate Affairs bei McDonalds Deutschland
http://blog.henne-digital.com/mcdonalds-social-crm-kunden-dialog/ | http://www.lessingvonklenze.de/de/arbeiten/projekte/mcdonalds-online-dialogplattform

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Nestles-Abwehr-gegen-Shitstorms/story/30642493, Bild: Denis Balibouse/Reuters

5

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

Dialog: nur keine Wechselseitigkeit!
http://direktzu.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/stuttgart21

Dialog = warten?

6

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/80-Meta/Kontakt/kontakt_node.html

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

7

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

8
Mythos Dialog?

Leitfrage

Sachdimension:

Erfolgsmessung: Quantität vor Qualität

Zeitdimension:

Antwort mit drei Monaten Verzögerung

Sozialdimension:

wechselseitige Bezugnahme „stört“

Obwohl das Web 2.0 (Social Media, etc.) Dialogpotenziale im Sinne
von Partizipation, Vernetzung und Austausch auf der technischen
Seite ermöglicht, findet dies - jenseits von technizistischen Lösungen
und „Pseudo“-Dialog im Sinne von Fassaden/Rhetorik verhältnismäßig selten statt.

Otto
Brenner
Stiftung

OBS-Arbeitsheft 75

GRUNDANNAHMEN DER PR 2.0

Social Media fördern Vernetzung & Partizipation zwischen
Organisationen und ihren Stakeholdern

Warum?

OBS-Arbeitsheft 75

… aber: Vernetzungs- und Partizipationsverständnis oftmals
reine Rhetorik

Der Partizipationsmythos

www.otto-brenner-stiftung.de

Olaf Hoffjann, Jeannette Gusko

Der Partizipationsmythos
Wie Verbände Facebook, Twitter & Co. nutzen

Eine Studie der Otto Brenner Stiftung
Frankfurt/Main 2013

34

FACHHOCHSCHULE FÜR MANAGEMENT & KOMMUNIKATION

Hoffjann, O. & Gusko, J. (2013): Der
Partizipationsmythos. Frankfurt/Main: OBS.

Rußmann, U. & Winkler, P. (2013): Einsatz von Social Media in den Ö Top 500 Status quo und Herausforderung der Zukunft. Wien: FH Wien, WKO. (Vortrag vom 7. Juni 2013)

http://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/
AH_75_Partizipation_WEB.pdf

http://kommunikationsmanagement.at/wp-content/uploads/2013/06/Ru%C3%9Fmann-+-Winkler_Social-Media-%C3%96-Top-500_06-2013.pdf

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

9

These

10

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

Kalifornische Ideologie I

Die Vorstellung des Internets (Web 2.0) schwankt zwischen
a) einer stärker technik-deterministischen Perspektive:
„Technologie löst all unsere Probleme“
(Wurzel: „Californian Ideology“, heute: „Googlelism“)

+

und
b) einer emanzipatorischen-egalitären Vorstellung:
das Netz ermöglicht die „Urform menschlichen Zusammenlebens“,
nämlich partizipativ-demokratische Strukturen
(Wurzel: „Cluetrain Manifesto“, heute: „Gutenberg Parenthesis“)

Universitäten / Forschung
& staatliche Förderung

+
Gegenkultur der 1960er
Jahre in Kalifornien

Neo-Liberalismus &
Individualismus (Ayn Rand)

TechnologieDeterminismus

=

Barbrock, R. & Cameron, A. (2008): The Californian Ideology. Online: Mute 1(3): Code. http://www.metamute.org/editorial/articles/californian-ideology#
Jarvis, J. (2009): What would Google do? New York: Harper Business.
Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York: Basic Books.
Petitt, T. (2011): Bracketing the Gutenberg Paranthesis. In: Explorations in Media Ecology, 11(2)

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

+

11

Castells, M. (2001): Internet Galaxy. London: Oxford University Press.
Barbrock, R. & Cameron, A. (2008): The Californian Ideology. Online:
Mute 1(3): Code. http://www.metamute.org/editorial/articles/californian-ideology#

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

12
Intermezzo: Mythos Silicon Valley (2013)

Kalifornische Ideologie II

Prämissen
- Verbesserung der Welt durch Technologie („Solutionismus“)
- Effizienzorientierung & Determinismus („Internet-Centrism“)
- ahistorische Gegenwartsorientierung („Presentism“)
http://www.welt.de/politik/deutschland/article116397994/Roesler-wird-im-Silicon-Valley-ein-bisschen-keck.html

Konsequenzen
- Das „Internet“ wird zum nicht-hinterfragbaren Mythos
- Technische Lösungen werden präferiert genutzt
- Nutzungspraktiken rücken in den Hintergrund
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/bild-chef-kai-diekmann-erfolgreicher-journalismus-haengt-nicht-am-papier/8236324.html

Latour, B. (2007): Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Morozov, E. (2013): To save everything, click here. The folly of technological solutionism. New York: BBS.

13

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

14

Web 2.0 als Befreiungsideologie II

Web 2.0 als Befreiungsideologie I

Prämissen
- Das Web ist die „natürliche Art“ der Kommunikation („Fluss“)
- Technik ermöglicht Freiheit („Befreiung“)
- Revolutionärer Wandel vernichtet alte Strukturen („Revolution“)

#26 „Öffentlichkeitsarbeit
steht in keiner Beziehung
zur Öffentlichkeit.“
# 39 „Menschliche
Gemeinschaften entstehen
aus Diskursen.“

I.

Die Kommunikation war
Lineare Kodifizierung von
ungesteuert, oral und
Wissen (z.B. durch Sprache/
vernetzt. (HabermasiBücher) führt zu isolierten
anisches Ideal der
und abgeschlossenen
Öffentlichkeit)
ALTERNATIVE MINDSETS Systemen.

Das „Netz“ ermöglicht den
Anschluss an die oraldiskursive Tradition des
Dialogs und Austauschs.

Konsequenzen
- Das „Web“ wird zum deus-ex-machina sozialer Veränderung
- Wer das Netz nicht nutzt, gilt als reaktionär und zurückgeblieben

I.1. Homo Clausus and the Privacy Syndrome
Re-Humanisierung der
Kommunikation

The characteristics of the mindset conducive to the privacy syndrome are readily discernible
behind the terminology deployed in its discussion, both scholarly (as indeed at MiT8) and
idiomatic, and with regard to its conceptual, perceptual, attitudinal, and material aspects.Basic Books.
Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York:
Petitt, T. (2013): The privacy parenthesis: Gutenberg, Homo Clausus and the networked self.
MiT8 Conference, May 3rd 2013, Boston: MIT (online: http://web.mit.edu/comm-forum/mit8/) p. 3.

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | of privacy indeed
The very concept Wolfsburg, 01.11.2013

implies a demarcation from something else, typically the
15

concept of the public, and the two have of course gone through a parallel, symbiotic
development over recent centuries.4 They are both perceived as ‘spaces’  (10  MiT8

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

16
Zur Logik des Dialogs in der Online-PR
Kalifornische Ideologie

Emanzipatorische Rhetorik

Wurzel

Kalifornische Ideologie

Emanzipatorischer Diskurs

Technologie

Selbstzweck (weil es die Technik gibt)

Werkzeug (zur Emanzipation)

Beispiele

Google, Facebook, Twitter, etc.

Wikipedia, Diaspora, lokale Netzwerke

Kommunikation

monologisch / dialogisch

konstitutiv / emergent

Ziel

Quantifizierbarkeit (funktionale Logik)

Qualität (normativ-diskursive Logik)

Zeitdimension

Beschleunigung

Verlangsamung

Sachdimension

Austausch / Quantifizierbarkeit

Dialog / Verständigung

Sozialdimension

Individuum

Zusammenfassung

Gemeinschaft

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

(1) Online-PR basiert auf stärker grundlegenden paradigmatischen
Annahmen, die häufig nicht offen gelegt sind.
(2) Sowohl technik-deterministische als auch emanzipatorische
Ansätze führen zu Dialog-Angeboten.
(3) Diese werden in der Praxis allerdings mit unterschiedlichen
Prämissen umgesetzt (Austausch vs. Verständigung).

17

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

18

Quellen
Barbrook, R. & Cameron, A. (1995): The Californian Ideology. Science as Culture, 26, 44-72, http://www.imaginaryfutures.net/2007/04/17/the-californianideology-2/, Zugriff: 01.09.2013
Bentele, G., Steinmann, H., & Zerfaß, A. (1996): Dialogorientierte Unternehmenskommunikation. Grundlagen, Praxiserfahrungen, Perspektiven. Berlin: Vistas.
Boelter, D., & Hütt, H. (2012): Dialogkommunikation und Partizipation: Wandel einer kommunikativen Praxis. In: Zerfaß, A. & Pleil, T. (Hg.): Handbuch
Online-PR. Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Konstanz: UVK, 395-407.
Bunz, M. (2012): Die stille Revolution. Frankfurt: Suhrkamp.
Carr, N. (2008): The Big Switch. New York: Norton.
Castells, M. (2001): Internet Galaxy. London: Oxford University Press.
Jarvis, J. (2009): What would Google do? New York: Harper Business.
Kent, M. L., & Taylor, M. (1998): Building dialogic relationships through the world wide web. In: Public Relations Review, 24(3), 321-334.
Kent, M. L. (2011): Public Relations Rhetoric: Criticism, Dialogue, and the Long Now. In: Management Communication Quarterly, 25(3), 550-559.
Kurz, C., & Rieger, F. (2012): Die Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber
zurückerlangen. München: Fischer.
Lanier, J. (2013): Who owns the future? London: Allen Lane.
Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York: Basic Books.
McAllister, S. M. (2009): Fulfilling the dialogic promise: A ten-year reflective survey on dialogic Internet principles. In: Public Relations Review, 35, 320-322.
Morozov, E. (2013): To save everything, click here. The folly of technological solutionism. New York: Perseus.
Pariser, E. (2012): Filter Bubble: Wie wir im Internet entmündigt werden. München: Hanser.
Petitt, T. (2013): The privacy parenthesis: Gutenberg, Homo Clausus and the networked self. MiT8 Conference, May 3rd 2013, Boston: MIT
Pieczka, M. (2011): Public relations as dialogic expertise? In: Journal of Communication Management, 15(2), 108-124.
Schirrmacher, F. (2013): Ego. Das Spiel des Lebens. München: Blessing.
Schmidt, E. & Cohen, J. (2013): The New Digital Age. New York: Knopf.
Shirky, C. (2010): Digital Surplus. London: Allen Lane.
Thornton, P. H., Ocasio, W., & Lounsbury, M. (2012): The institutional logics perspective. Oxford: Oxford University Press.
Solis, B., & Breakenridge, D. (2009): Putting the public back in Public Relations. Upper Saddle River, NJ: Pearson.
Sommerfeldt, E. J., Kent, M. L., & Taylor, M. (2012): Activist practitioner perspectives of website public relations: Why aren’t activist websites fulfilling the
dialogic promise? In: Public Relations Review, 38(2), 303-312.
Theunissen, P., & Wan, N. (2012): Revisiting the concept „dialogue“ in public relations. In: Public Relations Review, 38(1), 5-13.
van Es, R., & Meijlink, T. L. (2000): The dialogical turn of public relations ethics. In: Journal of Business Ethics, 27, 69-77.
van Dijk, J., & Nieborg, D. (2009): Wikinomics and its discontents: a critical analysis of Web 2.0 business manifestos. In: new media & society, 11(4),
855-874.
Zerfaß, A., & Pleil, T. (Hg.) (2012): Handbuch Online-PR. Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Konstanz: UVK.

Vielen Dank.
Kontakt
Prof. Dr. Swaran Sandhu
Hochschule der Medien
Nobelstr. 10
70569 Stuttgart
0711/8923 2226
sandhu@hdm-stuttgart.de
www.hdm-stuttgart.de/pr

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

19

Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013

20

#onkomm13 - Panel 2 - Swaran Sandhu (Hochschule der Medien): Dialog als Mythos

  • 1.
    Übersicht 1. Intro Dialog alsMythos 2. Technikdeterminismus: Californian Ideology Normative Konzeptionen der Online-PR im Spannungsfeld zwischen Technikdeterminismus und strategischem Handlungsfeld 3. Befreiungsideologie des Netzes: Cluetrain Manifesto 4. Logiken des Dialogs Swaran Sandhu Hochschule der Medien | Stuttgart 5. Zusammenfassung #onkomm13 Kritischere Öffentlichkeit? Neue Meinungsbildung? Mehr Beteiligung? Neue Rahmenbedingungen für die strategische Online-Kommunikation 20. Jahrestagung 2013 der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) Wolfsburg, 1. November 2013 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 Das Janusgesicht der Technologie Konzeptionen des Dialogs „Das Internet gab uns das große Versprechen der Befreiung und der Demokratisierung. Die Menschheit sollte mithilfe offener und freier Kommunikation die Macht haben, gemeinsam Machtmissbrauch zu bekämpfen. Die Bürger sollten sich ungehindert vernetzen können, um Ideen auszutauschen und die Grenzen der menschlichen Freiheit zu erweitern. Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz. Er will dieses Werkzeug der Freiheit in sein Gegenteil verkehren, in ein Werkzeug der Überwachung und Kontrolle. Wir stehen an einem Scheideweg.“ 1. wechselseitiges Reagieren von Systemen (systemtheoretisch) 2. formal wechselseitige Sprechakte („sokratischer Dialog“) 3. reflexiver Prozess („gegenseitige Bezugnahme“) (Szyszka 1996) 4. Offenheit des Zugangs 5. Verständigung > menschliche Grundform der interpersonalen Kommunikation > idealisiert in der PR u.a. als „symmetrisches Modell“ Glenn Greenwald (2013): Interview in Zeit Online, 30. Oktober 2013 > neue Technologie = mehr Interaktion = mehr Dialog ? http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/Glenn-Greenwald-Snowden-Interview/komplettansicht Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 2 3 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 4
  • 2.
    Dialog: Anzahl derbeantworteten Fragen http://frag.mcdonalds.de/questions/11330 Aus dem Maschinenraum des Dialogs „Einen gewichtigen Teil der redaktionellen Betreuung übernimmt unsere Agentur, die seit Jahren auch die Qualitätskommunikation betreut. Einen Teil übernehmen wir in meinem Team. Dazu gibt es in jedem Fachbereich Ambassadors, die als fachliche Ansprechpartner unterstützen. Komplexere Fragen gehen von der Agentur über uns an den zuständigen Fachbereich und wieder zurück.“ Nicolas von Sobbe, Sr. Department Head Corporate Affairs bei McDonalds Deutschland http://blog.henne-digital.com/mcdonalds-social-crm-kunden-dialog/ | http://www.lessingvonklenze.de/de/arbeiten/projekte/mcdonalds-online-dialogplattform http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Nestles-Abwehr-gegen-Shitstorms/story/30642493, Bild: Denis Balibouse/Reuters 5 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 Dialog: nur keine Wechselseitigkeit! http://direktzu.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/stuttgart21 Dialog = warten? 6 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/80-Meta/Kontakt/kontakt_node.html Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 7 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 8
  • 3.
    Mythos Dialog? Leitfrage Sachdimension: Erfolgsmessung: Quantitätvor Qualität Zeitdimension: Antwort mit drei Monaten Verzögerung Sozialdimension: wechselseitige Bezugnahme „stört“ Obwohl das Web 2.0 (Social Media, etc.) Dialogpotenziale im Sinne von Partizipation, Vernetzung und Austausch auf der technischen Seite ermöglicht, findet dies - jenseits von technizistischen Lösungen und „Pseudo“-Dialog im Sinne von Fassaden/Rhetorik verhältnismäßig selten statt. Otto Brenner Stiftung OBS-Arbeitsheft 75 GRUNDANNAHMEN DER PR 2.0 Social Media fördern Vernetzung & Partizipation zwischen Organisationen und ihren Stakeholdern Warum? OBS-Arbeitsheft 75 … aber: Vernetzungs- und Partizipationsverständnis oftmals reine Rhetorik Der Partizipationsmythos www.otto-brenner-stiftung.de Olaf Hoffjann, Jeannette Gusko Der Partizipationsmythos Wie Verbände Facebook, Twitter & Co. nutzen Eine Studie der Otto Brenner Stiftung Frankfurt/Main 2013 34 FACHHOCHSCHULE FÜR MANAGEMENT & KOMMUNIKATION Hoffjann, O. & Gusko, J. (2013): Der Partizipationsmythos. Frankfurt/Main: OBS. Rußmann, U. & Winkler, P. (2013): Einsatz von Social Media in den Ö Top 500 Status quo und Herausforderung der Zukunft. Wien: FH Wien, WKO. (Vortrag vom 7. Juni 2013) http://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/ AH_75_Partizipation_WEB.pdf http://kommunikationsmanagement.at/wp-content/uploads/2013/06/Ru%C3%9Fmann-+-Winkler_Social-Media-%C3%96-Top-500_06-2013.pdf Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 9 These 10 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 Kalifornische Ideologie I Die Vorstellung des Internets (Web 2.0) schwankt zwischen a) einer stärker technik-deterministischen Perspektive: „Technologie löst all unsere Probleme“ (Wurzel: „Californian Ideology“, heute: „Googlelism“) + und b) einer emanzipatorischen-egalitären Vorstellung: das Netz ermöglicht die „Urform menschlichen Zusammenlebens“, nämlich partizipativ-demokratische Strukturen (Wurzel: „Cluetrain Manifesto“, heute: „Gutenberg Parenthesis“) Universitäten / Forschung & staatliche Förderung + Gegenkultur der 1960er Jahre in Kalifornien Neo-Liberalismus & Individualismus (Ayn Rand) TechnologieDeterminismus = Barbrock, R. & Cameron, A. (2008): The Californian Ideology. Online: Mute 1(3): Code. http://www.metamute.org/editorial/articles/californian-ideology# Jarvis, J. (2009): What would Google do? New York: Harper Business. Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York: Basic Books. Petitt, T. (2011): Bracketing the Gutenberg Paranthesis. In: Explorations in Media Ecology, 11(2) Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 + 11 Castells, M. (2001): Internet Galaxy. London: Oxford University Press. Barbrock, R. & Cameron, A. (2008): The Californian Ideology. Online: Mute 1(3): Code. http://www.metamute.org/editorial/articles/californian-ideology# Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 12
  • 4.
    Intermezzo: Mythos SiliconValley (2013) Kalifornische Ideologie II Prämissen - Verbesserung der Welt durch Technologie („Solutionismus“) - Effizienzorientierung & Determinismus („Internet-Centrism“) - ahistorische Gegenwartsorientierung („Presentism“) http://www.welt.de/politik/deutschland/article116397994/Roesler-wird-im-Silicon-Valley-ein-bisschen-keck.html Konsequenzen - Das „Internet“ wird zum nicht-hinterfragbaren Mythos - Technische Lösungen werden präferiert genutzt - Nutzungspraktiken rücken in den Hintergrund http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/bild-chef-kai-diekmann-erfolgreicher-journalismus-haengt-nicht-am-papier/8236324.html Latour, B. (2007): Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie. Frankfurt/Main: Suhrkamp. Morozov, E. (2013): To save everything, click here. The folly of technological solutionism. New York: BBS. 13 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 14 Web 2.0 als Befreiungsideologie II Web 2.0 als Befreiungsideologie I Prämissen - Das Web ist die „natürliche Art“ der Kommunikation („Fluss“) - Technik ermöglicht Freiheit („Befreiung“) - Revolutionärer Wandel vernichtet alte Strukturen („Revolution“) #26 „Öffentlichkeitsarbeit steht in keiner Beziehung zur Öffentlichkeit.“ # 39 „Menschliche Gemeinschaften entstehen aus Diskursen.“ I. Die Kommunikation war Lineare Kodifizierung von ungesteuert, oral und Wissen (z.B. durch Sprache/ vernetzt. (HabermasiBücher) führt zu isolierten anisches Ideal der und abgeschlossenen Öffentlichkeit) ALTERNATIVE MINDSETS Systemen. Das „Netz“ ermöglicht den Anschluss an die oraldiskursive Tradition des Dialogs und Austauschs. Konsequenzen - Das „Web“ wird zum deus-ex-machina sozialer Veränderung - Wer das Netz nicht nutzt, gilt als reaktionär und zurückgeblieben I.1. Homo Clausus and the Privacy Syndrome Re-Humanisierung der Kommunikation The characteristics of the mindset conducive to the privacy syndrome are readily discernible behind the terminology deployed in its discussion, both scholarly (as indeed at MiT8) and idiomatic, and with regard to its conceptual, perceptual, attitudinal, and material aspects.Basic Books. Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York: Petitt, T. (2013): The privacy parenthesis: Gutenberg, Homo Clausus and the networked self. MiT8 Conference, May 3rd 2013, Boston: MIT (online: http://web.mit.edu/comm-forum/mit8/) p. 3. Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | of privacy indeed The very concept Wolfsburg, 01.11.2013 implies a demarcation from something else, typically the 15 concept of the public, and the two have of course gone through a parallel, symbiotic development over recent centuries.4 They are both perceived as ‘spaces’  (10  MiT8 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 16
  • 5.
    Zur Logik desDialogs in der Online-PR Kalifornische Ideologie Emanzipatorische Rhetorik Wurzel Kalifornische Ideologie Emanzipatorischer Diskurs Technologie Selbstzweck (weil es die Technik gibt) Werkzeug (zur Emanzipation) Beispiele Google, Facebook, Twitter, etc. Wikipedia, Diaspora, lokale Netzwerke Kommunikation monologisch / dialogisch konstitutiv / emergent Ziel Quantifizierbarkeit (funktionale Logik) Qualität (normativ-diskursive Logik) Zeitdimension Beschleunigung Verlangsamung Sachdimension Austausch / Quantifizierbarkeit Dialog / Verständigung Sozialdimension Individuum Zusammenfassung Gemeinschaft Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 (1) Online-PR basiert auf stärker grundlegenden paradigmatischen Annahmen, die häufig nicht offen gelegt sind. (2) Sowohl technik-deterministische als auch emanzipatorische Ansätze führen zu Dialog-Angeboten. (3) Diese werden in der Praxis allerdings mit unterschiedlichen Prämissen umgesetzt (Austausch vs. Verständigung). 17 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 18 Quellen Barbrook, R. & Cameron, A. (1995): The Californian Ideology. Science as Culture, 26, 44-72, http://www.imaginaryfutures.net/2007/04/17/the-californianideology-2/, Zugriff: 01.09.2013 Bentele, G., Steinmann, H., & Zerfaß, A. (1996): Dialogorientierte Unternehmenskommunikation. Grundlagen, Praxiserfahrungen, Perspektiven. Berlin: Vistas. Boelter, D., & Hütt, H. (2012): Dialogkommunikation und Partizipation: Wandel einer kommunikativen Praxis. In: Zerfaß, A. & Pleil, T. (Hg.): Handbuch Online-PR. Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Konstanz: UVK, 395-407. Bunz, M. (2012): Die stille Revolution. Frankfurt: Suhrkamp. Carr, N. (2008): The Big Switch. New York: Norton. Castells, M. (2001): Internet Galaxy. London: Oxford University Press. Jarvis, J. (2009): What would Google do? New York: Harper Business. Kent, M. L., & Taylor, M. (1998): Building dialogic relationships through the world wide web. In: Public Relations Review, 24(3), 321-334. Kent, M. L. (2011): Public Relations Rhetoric: Criticism, Dialogue, and the Long Now. In: Management Communication Quarterly, 25(3), 550-559. Kurz, C., & Rieger, F. (2012): Die Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen. München: Fischer. Lanier, J. (2013): Who owns the future? London: Allen Lane. Locke, C.; Levine, R.; Searle, D. & Weinberger, D. (1995): The Cluetrain Manifesto. New York: Basic Books. McAllister, S. M. (2009): Fulfilling the dialogic promise: A ten-year reflective survey on dialogic Internet principles. In: Public Relations Review, 35, 320-322. Morozov, E. (2013): To save everything, click here. The folly of technological solutionism. New York: Perseus. Pariser, E. (2012): Filter Bubble: Wie wir im Internet entmündigt werden. München: Hanser. Petitt, T. (2013): The privacy parenthesis: Gutenberg, Homo Clausus and the networked self. MiT8 Conference, May 3rd 2013, Boston: MIT Pieczka, M. (2011): Public relations as dialogic expertise? In: Journal of Communication Management, 15(2), 108-124. Schirrmacher, F. (2013): Ego. Das Spiel des Lebens. München: Blessing. Schmidt, E. & Cohen, J. (2013): The New Digital Age. New York: Knopf. Shirky, C. (2010): Digital Surplus. London: Allen Lane. Thornton, P. H., Ocasio, W., & Lounsbury, M. (2012): The institutional logics perspective. Oxford: Oxford University Press. Solis, B., & Breakenridge, D. (2009): Putting the public back in Public Relations. Upper Saddle River, NJ: Pearson. Sommerfeldt, E. J., Kent, M. L., & Taylor, M. (2012): Activist practitioner perspectives of website public relations: Why aren’t activist websites fulfilling the dialogic promise? In: Public Relations Review, 38(2), 303-312. Theunissen, P., & Wan, N. (2012): Revisiting the concept „dialogue“ in public relations. In: Public Relations Review, 38(1), 5-13. van Es, R., & Meijlink, T. L. (2000): The dialogical turn of public relations ethics. In: Journal of Business Ethics, 27, 69-77. van Dijk, J., & Nieborg, D. (2009): Wikinomics and its discontents: a critical analysis of Web 2.0 business manifestos. In: new media & society, 11(4), 855-874. Zerfaß, A., & Pleil, T. (Hg.) (2012): Handbuch Online-PR. Strategische Kommunikation in Internet und Social Web. Konstanz: UVK. Vielen Dank. Kontakt Prof. Dr. Swaran Sandhu Hochschule der Medien Nobelstr. 10 70569 Stuttgart 0711/8923 2226 sandhu@hdm-stuttgart.de www.hdm-stuttgart.de/pr Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 19 Prof. Dr. Swaran Sandhu | DGPuK Fachgruppentagung PR/OK: #onkomm13 | Wolfsburg, 01.11.2013 20