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”Startups ohne klare Fokussierung werden es schwer haben“

ti-talk mit Sarik Weber, Mitgründer und Vorstand cellity AG, Hamburg

text intern Cellity hat ein neues Adressbuch 2.0 für Handys entwickelt.
Warum, wo doch jedes Handy ohnehin ein Adressbuch hat?

Weber Viele Handynutzer können ihre Kontakte nur schwer
synchronisieren. Um die Adressen auf dem Handy mit den Kontakten in
Outlook oder in Social Networks abzugleichen, fehlten bisher immer Daten
– von dem einem Kontakt hatte man nur die Handynummer, von dem
anderem nur die Email-Adresse oder man wollte über ein Social Network
etwas schicken, dann musste man wieder raus aus der Software, es war
einfach extrem umständlich. Deshalb haben wir eine Software auf Java
basierend entwickelt, die auf über 90 Prozent der neueren Handys
funktioniert, Kontaktdubletten automatisch zusammenfügt und alle
Kontaktdaten aus den verschiedenen Quellen automatisch synchronisiert
und aktuell hält.

text intern Zeichnet sich auch im klassischen Web eine Tendenz ab,
Nutzerprofile und Kontakte in einem Metaadressbuch zu sammeln?

Weber Es geht in diese Richtung. Die Social Networks haben sich lange
Zeit abgeschottet und versucht, die Daten für sich zu behalten. Das hat sich
aber entscheidend geändert, seit Facebook eine offene Schnittstelle für
Appikationen von Dritten eingeführt hat. Dieses Prinzip haben die anderen
Netzwerke wie z.B. Twitter nach und nach übernommen. Wenn der User
seine Autorisierungsdaten freigibt, können wir sie importieren. Über diese
offene Schnittstelle können auch Entwickler Programme schreiben, die mit
dem Netzwerk kompatibel sind. Vor allem Facebook hat davon extrem
profitiert, weil die Plattform dadurch attraktiver wird.

text intern Wie profitiert cellity von dieser Entwicklung?

Weber Bisher haben wir uns als Least-Cost-Router auf günstige Telefonate
ins Ausland und in andere Netze konzentriert. Dann kamen Messaging-
Dienste und eine mobile Email-Lösung hinzu. Wir haben dann von den
Nutzern sehr viel Feedback bekommen, dass diese Dienste sehr nützlich
sind aber das Adressbuch fehlt.

text intern Und was ist das Geschäftsmodell dahinter?
Weber Die Software bleibt wie bisher für den Nutzer kostenlos. Als Least-
Cost-Router verdienen wir wie bisher am Transaktionsgeschäft. Wir werden
aber zusätzlich voraussichtlich Anfang nächsten Jahres einen
Premiumdienst einrichten, bei dem man erweiterte Funktionen bekommt,
zum Beispiel mehr Speicherplatz für noch größere Datenbestände und
Komfortsuchfunktionen.

text intern Für welche Geschäftsmodelle im Web sieht es derzeit besser
aus? Werbe- oder gebührenfinanziert?

Weber Bei vielen Unternehmen wird es wahrscheinlich eine Mischung sein.
Facebook hat auf dem Mobile 2.0 Kongress in San Francisco Anfang
November verkündet, dass sie künftig noch mehr auf digitale Güter setzen
werden. Das sind diese kleinen kostenpflichtigen Grafiken, mit denen sich
Facebook-Nutzer untereinander beschenken können. Xing setzt inzwischen
ja auch auf ein Mischmodell mit einem werbefinanzierten Basisdienst und
einem werbefreien Premiumdienst.

text intern Web 2.0 Guru Tim O’Reilly erwartet, dass es Technologie- und
Web-Start-Ups künftig schwerer haben, weil sich Investoren auf echte
Problemlösungen und Geschäftsmodelle konzentrieren. Sehen Sie das
auch so?

Weber Es findet insgesamt sicher eine Marktbereinigung statt. Auf dem
Web 2.0 Summit von O’Reilly in der vergangenen Woche waren wir
Teilnehmer uns weitgehend einig, dass Startups, die ohne klare
Fokussierung und echte Problemlösungen auftreten, sondern nur
erfolgreiche Konzepte anderer Firmen zu kopieren versuchen, es sehr
schwer haben werden. Bestehende Startups sollten versuchen, ihre Kosten
zu reduzieren und noch früher die Profitabilität zu schaffen. Die Hoffnung,
dass große Firmen wie Google ihre Firmenkäufe ausweiten werden, ist
derzeit unbegründet, daher sollte das Streben nach eigenen Gewinnen bei
Startups oberste Priorität haben. Für Cellity wirkt sich die Finanzkrise sogar
eher günstig aus. Zum einen, weil wir mit der Adressbuchlösung ein echtes
Problem beseitigen. Außerdem haben uns unsere Investoren schon im
Frühsommer volle Unterstützung für das Adressbuch 2.0 signalisiert.
Unsere Finanzierung ist bis Ende nächsten Jahres gesichert.

text intern Werden in der Krise bloß die vielen Me-Too-Produkte
verschwinden oder auch originäre Ideen, die jedoch länger brauchen, um
sich im Markt durchzusetzen?
Weber Das zehnte Social Network zu starten ohne wirkliche Vorteile zu
bieten, ist sicherlich in der jetzigen Zeit kaum möglich, dafür halten sich die
Investoren momentan zu sehr zurück. Der zweite Punkt ist: Wenn ich heute
als Gründer eine gewisse Summe aufnehme, die mich aber nur bis in den
Sommer 2009 bringt, ist die große Frage, ob bis dahin überhaupt frisches
Kapital zur Verfügung stehen wird. Zwei bis drei Jahre braucht aber
eigentlich jedes vernünftige Geschäftsmodell, um profitabel zu werden.


Infokasten:

Die Hamburger cellity AG (www.cellity.com) stellt ab Ende November 2008
mit ihrem Adressbuch 2.0 eine Synchronisationssoftware für vielschichtig
vernetzte Internet- und Handynutzer in den Mittelpunkt ihrer mobilen
Dienste, zu denen unter anderem auch der mobile Email-Versand,
kostengünstige Telefonkonferenzen und mobile Twitter-Updates gehören.
Das Startup wurde 2006 von Sarik Weber, Nils Weitemeyer, Tim von Törne,
Benjamin Körber und Matthias Lanz gegründet. An Cellity sind außer den
privaten Investoren auch zwei Venture Capital Firmen beteiligt. Weber
baute zuvor bereits vier weitere Unternehmen auf, darunter im Technologie-
und Internetbereich die eprofessional GmbH und die Xing AG.

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  • 1. ”Startups ohne klare Fokussierung werden es schwer haben“ ti-talk mit Sarik Weber, Mitgründer und Vorstand cellity AG, Hamburg text intern Cellity hat ein neues Adressbuch 2.0 für Handys entwickelt. Warum, wo doch jedes Handy ohnehin ein Adressbuch hat? Weber Viele Handynutzer können ihre Kontakte nur schwer synchronisieren. Um die Adressen auf dem Handy mit den Kontakten in Outlook oder in Social Networks abzugleichen, fehlten bisher immer Daten – von dem einem Kontakt hatte man nur die Handynummer, von dem anderem nur die Email-Adresse oder man wollte über ein Social Network etwas schicken, dann musste man wieder raus aus der Software, es war einfach extrem umständlich. Deshalb haben wir eine Software auf Java basierend entwickelt, die auf über 90 Prozent der neueren Handys funktioniert, Kontaktdubletten automatisch zusammenfügt und alle Kontaktdaten aus den verschiedenen Quellen automatisch synchronisiert und aktuell hält. text intern Zeichnet sich auch im klassischen Web eine Tendenz ab, Nutzerprofile und Kontakte in einem Metaadressbuch zu sammeln? Weber Es geht in diese Richtung. Die Social Networks haben sich lange Zeit abgeschottet und versucht, die Daten für sich zu behalten. Das hat sich aber entscheidend geändert, seit Facebook eine offene Schnittstelle für Appikationen von Dritten eingeführt hat. Dieses Prinzip haben die anderen Netzwerke wie z.B. Twitter nach und nach übernommen. Wenn der User seine Autorisierungsdaten freigibt, können wir sie importieren. Über diese offene Schnittstelle können auch Entwickler Programme schreiben, die mit dem Netzwerk kompatibel sind. Vor allem Facebook hat davon extrem profitiert, weil die Plattform dadurch attraktiver wird. text intern Wie profitiert cellity von dieser Entwicklung? Weber Bisher haben wir uns als Least-Cost-Router auf günstige Telefonate ins Ausland und in andere Netze konzentriert. Dann kamen Messaging- Dienste und eine mobile Email-Lösung hinzu. Wir haben dann von den Nutzern sehr viel Feedback bekommen, dass diese Dienste sehr nützlich sind aber das Adressbuch fehlt. text intern Und was ist das Geschäftsmodell dahinter?
  • 2. Weber Die Software bleibt wie bisher für den Nutzer kostenlos. Als Least- Cost-Router verdienen wir wie bisher am Transaktionsgeschäft. Wir werden aber zusätzlich voraussichtlich Anfang nächsten Jahres einen Premiumdienst einrichten, bei dem man erweiterte Funktionen bekommt, zum Beispiel mehr Speicherplatz für noch größere Datenbestände und Komfortsuchfunktionen. text intern Für welche Geschäftsmodelle im Web sieht es derzeit besser aus? Werbe- oder gebührenfinanziert? Weber Bei vielen Unternehmen wird es wahrscheinlich eine Mischung sein. Facebook hat auf dem Mobile 2.0 Kongress in San Francisco Anfang November verkündet, dass sie künftig noch mehr auf digitale Güter setzen werden. Das sind diese kleinen kostenpflichtigen Grafiken, mit denen sich Facebook-Nutzer untereinander beschenken können. Xing setzt inzwischen ja auch auf ein Mischmodell mit einem werbefinanzierten Basisdienst und einem werbefreien Premiumdienst. text intern Web 2.0 Guru Tim O’Reilly erwartet, dass es Technologie- und Web-Start-Ups künftig schwerer haben, weil sich Investoren auf echte Problemlösungen und Geschäftsmodelle konzentrieren. Sehen Sie das auch so? Weber Es findet insgesamt sicher eine Marktbereinigung statt. Auf dem Web 2.0 Summit von O’Reilly in der vergangenen Woche waren wir Teilnehmer uns weitgehend einig, dass Startups, die ohne klare Fokussierung und echte Problemlösungen auftreten, sondern nur erfolgreiche Konzepte anderer Firmen zu kopieren versuchen, es sehr schwer haben werden. Bestehende Startups sollten versuchen, ihre Kosten zu reduzieren und noch früher die Profitabilität zu schaffen. Die Hoffnung, dass große Firmen wie Google ihre Firmenkäufe ausweiten werden, ist derzeit unbegründet, daher sollte das Streben nach eigenen Gewinnen bei Startups oberste Priorität haben. Für Cellity wirkt sich die Finanzkrise sogar eher günstig aus. Zum einen, weil wir mit der Adressbuchlösung ein echtes Problem beseitigen. Außerdem haben uns unsere Investoren schon im Frühsommer volle Unterstützung für das Adressbuch 2.0 signalisiert. Unsere Finanzierung ist bis Ende nächsten Jahres gesichert. text intern Werden in der Krise bloß die vielen Me-Too-Produkte verschwinden oder auch originäre Ideen, die jedoch länger brauchen, um sich im Markt durchzusetzen?
  • 3. Weber Das zehnte Social Network zu starten ohne wirkliche Vorteile zu bieten, ist sicherlich in der jetzigen Zeit kaum möglich, dafür halten sich die Investoren momentan zu sehr zurück. Der zweite Punkt ist: Wenn ich heute als Gründer eine gewisse Summe aufnehme, die mich aber nur bis in den Sommer 2009 bringt, ist die große Frage, ob bis dahin überhaupt frisches Kapital zur Verfügung stehen wird. Zwei bis drei Jahre braucht aber eigentlich jedes vernünftige Geschäftsmodell, um profitabel zu werden. Infokasten: Die Hamburger cellity AG (www.cellity.com) stellt ab Ende November 2008 mit ihrem Adressbuch 2.0 eine Synchronisationssoftware für vielschichtig vernetzte Internet- und Handynutzer in den Mittelpunkt ihrer mobilen Dienste, zu denen unter anderem auch der mobile Email-Versand, kostengünstige Telefonkonferenzen und mobile Twitter-Updates gehören. Das Startup wurde 2006 von Sarik Weber, Nils Weitemeyer, Tim von Törne, Benjamin Körber und Matthias Lanz gegründet. An Cellity sind außer den privaten Investoren auch zwei Venture Capital Firmen beteiligt. Weber baute zuvor bereits vier weitere Unternehmen auf, darunter im Technologie- und Internetbereich die eprofessional GmbH und die Xing AG.