Die Implikatur in der Bildtheorie Matthias Wühle
Merkmale der Implikatur <ul><li>Bedeutungswechsel  </li></ul><ul><li>Einunddieselbe Aussage kann unterschiedliches Meinen ...
<ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreib...
<ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreiben“ </li></ul><ul><li>(lokutionäre Sprechakte) </li></ul>
<ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreib...
<ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreib...
<ul><li>„Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit. Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken“ </li...
Austin: Sprache als Handlung <ul><li>Performative Äußerungen: </li></ul><ul><li>„ Hiermit erkläre ich Sie für Mann und Fra...
<ul><li>Verstehen eines Satzes: Rekursive Semantik </li></ul><ul><li>Verstehen eines Satzes in einer Kommunikation: Maxime...
Die 4 Gesprächsmaximen <ul><li>Quantitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Mache Deinen Beitrag so informativ wie nötig </li></...
Die Implikatur… <ul><li>… erklärt die Transformation von wörtlich Gesagtem zu darüber hinaus Gemeintem </li></ul><ul><li>…...
5 Dinge, die man wissen muß, um eine Aussage in der Kommunikation zu verstehen <ul><li>Die konventionelle Bedeutung der ve...
Verstehen und Verständigen <ul><li>„ Es ist gewiß nicht dasselbe, ob man die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks verste...
Verstehen und Verständigen <ul><li>„ Whatever one implied, suggested or meant is distinct from what one said“ </li></ul><u...
Bedeutung und Zeichen <ul><li>„ Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?“ </li></ul><ul><li>(Bedeutung der Aussage weic...
Probleme der Implikatur <ul><li>Sprache als soziales Phänomen </li></ul><ul><li>Sprache als besondere Weise des Handelns <...
Probleme der Implikatur <ul><li>Macht die sprachliche Reichhaltigkeit die Implikatur notwendig? </li></ul><ul><li>Oder </l...
Ironie <ul><li>„ Da kommt Dein persönlicher Freund“ </li></ul><ul><li>„ Hals und Beinbruch!“ </li></ul><ul><li>„ Na, schön...
Funktion der Ironie <ul><li>„ I cannot say something ironically unless what I say is intended to reflect a hostile or dero...
Für die Implikatur gilt: <ul><li>Verständigungsinteresse ist (nicht-intentionalistisch) allgemein, denn: </li></ul><ul><li...
Das Dilemma der Implikatur <ul><li>Davidson: „Wenn Verständigung auch dann gelingt, wenn geltende Regeln verletzt werden, ...
<ul><li>Ist die Implikatur auf die Bildtheorie anwendbar? </li></ul>
Bild als Zeichen <ul><li>„ Damit etwas ein Bild ist, muß es ein Zeichen sein“ (Scholz) </li></ul><ul><li>„ Zum richtigen V...
Bildimplikatur als Interpretationsrahmen von Zeichen <ul><li>Bilder als natürliche und nichtnatürliche Zeichen </li></ul><...
 
Implikatur und Ähnlichkeit <ul><li>„ Kein Grad von Ähnlichkeit und kein Mischungsverhältnis von Ähnlichkeit und Unähnlichk...
Bilder mit geschlossener Bedeutung <ul><li>Piktogramm </li></ul><ul><li>Verkehrszeichen </li></ul><ul><li>Ob etwas als Pik...
Die 4 Zeichenmaximen – ein Übertrag von den Griceschen Gesprächsmaximen <ul><li>Quantitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Mac...
Bildimplikatur und Kontext <ul><li>Wenn nicht besondere Gründe vorliegen, verstehen wir die Bilder dahingehend, daß die ve...
 
Bilder ohne Sachbezug
Kausale Bildtheorie <ul><li>„Etwas soll nur dann ein Bild von x sein, wenn x ein (herausragender) kausal relevanter Faktor...
Intentionalistische Bildtheorie <ul><li>1. Bildhersteller </li></ul><ul><li>2. Bildverwender </li></ul><ul><li>3. Bildvers...
Für die Bildimplikatur gilt: <ul><li>Hersteller/Verwender hat ein Interesse daran, daß der Betrachter sein Werk erkennen, ...
Wann sind Bilder Kommunikation? <ul><li>Benachrichtigung (z.B. Technische Informationen) </li></ul><ul><li>Werbung </li></...
5 Dinge, die man wissen muß, um eine Bildaussage in der Kommunikation zu verstehen <ul><li>Die konventionelle Bedeutung de...
Die Bildaussage in der Kommunikation <ul><li>„ many pictures require much learning for their interpretation.“ (Daitz) </li...
1. Benachrichtigung/Technische Information <ul><li>Sender kann sich keine Fehlinterpretationen leisten: Strenge Einhaltung...
<ul><li>Differentialrechnung: Polynomfunktion </li></ul>
 
<ul><li>Magnesium-Atom (Schalenmodell) </li></ul>
2. Werbung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
 
 
 
 
 
 
 
3. Lehre/Aufklärung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
<ul><li>Britische Road Safety Kampagne, 2002 </li></ul>
<ul><li>Britische Road Safety Kampagne, 2002 </li></ul>
<ul><li>Indische Road Safety Kampagne, 2007 </li></ul>
 
 
4. Politik/Gesellschaft <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
<ul><li>Titelblatt zu Thomas Hobbes‘: Leviathan, 1651 </li></ul>
<ul><li>„ Von Geistlichkeit“ - Klosterkatze mit Nonnenhaube, anonymer Holzschnitt von 1532 </li></ul>
<ul><li>Die Kutte macht nicht den Mönch. - 16. Jahrhundert   </li></ul>
<ul><li>„ Der Bapst zwen Schlüssel hat gefürt“, Holzschnitt auf einem Flugblatt, 1538 </li></ul>
<ul><li>Hans von Kulmbach „Das Schiff der Kirche geht unter“, Holzschnitt, 1508 </li></ul>
<ul><li>Lucas Cranach d. J. Die falsche und die rechte Kirche, um 1546 </li></ul>
<ul><li>Das Volk entreißt dem Unwürdigen den Schlüssel Petri, Flugblatt der Reformationszeit  </li></ul>
<ul><li>Heinrich von Zille: Das eiserne Kreuz, 1916 </li></ul>
<ul><li>Karikatur gegen Autobahnprivatisierung, Quelle: Greenpeace Wuppertal, 2007  </li></ul>
 
<ul><li>Antirassistische Karikatur, Quelle: „Schwarze Katze“, Rundbrief der Punk-Bewegung in Deutschland </li></ul>
<ul><li>Antimilitaristische Karikatur, Quelle: „Schwarze Katze“, Rundbrief der Punk-Bewegung in Deutschland </li></ul>
5. Religion (= Werbung + Aufklärung?) <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
<ul><li>Mathias Grünwald: Kreuzigung Christi, 1505 </li></ul>
6. Unterhaltung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
 
 
 
 
Bildimplikatur in der Kunst
<ul><li>Friedrich Overbeck: Italia und Germania, 1928 </li></ul>
<ul><li>Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer, 1822 </li></ul>
<ul><li>Hieronymus Bosch: Die Versuchung des heiligen Antonius, 1500 </li></ul>
Bildsymbolik des Hieronymus Bosch <ul><li>Bär    Todsünde „Zorn“  </li></ul><ul><li>Kröte    „Verdorbenheit“ </li></ul><...
<ul><li>Fieberwahn und Alptraum </li></ul><ul><li>Johann Heinrich Füssli: Der Nachtmahr, 1781 </li></ul>
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Bildimplikatur

  1. 1. Die Implikatur in der Bildtheorie Matthias Wühle
  2. 2. Merkmale der Implikatur <ul><li>Bedeutungswechsel </li></ul><ul><li>Einunddieselbe Aussage kann unterschiedliches Meinen zum Ausdruck bringen (kontextuelle Differenz) </li></ul>
  3. 3. <ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreiben“ </li></ul>
  4. 4. <ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreiben“ </li></ul><ul><li>(lokutionäre Sprechakte) </li></ul>
  5. 5. <ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreiben“ </li></ul><ul><li>(illokutionäre Sprechakte) </li></ul>
  6. 6. <ul><li>„ Kommst Du heute Abend mit, ein Bier trinken?“ </li></ul><ul><li>„ Ich muß heute Abend noch einen Bericht schreiben“ </li></ul><ul><li>Kneipengang findet nicht statt </li></ul><ul><li>perlokutionäre Sprechakte </li></ul>
  7. 7. <ul><li>„Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit. Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken“ </li></ul><ul><li>(Wittgenstein, T L-P, 4.01) </li></ul>
  8. 8. Austin: Sprache als Handlung <ul><li>Performative Äußerungen: </li></ul><ul><li>„ Hiermit erkläre ich Sie für Mann und Frau“ </li></ul><ul><li>„ Ich taufe Dich auf den Namen >Titanic<“ </li></ul><ul><li>„ Ich wette um 5,- €, daß Du es nicht schaffst“ </li></ul>
  9. 9. <ul><li>Verstehen eines Satzes: Rekursive Semantik </li></ul><ul><li>Verstehen eines Satzes in einer Kommunikation: Maximen der rationalen Verständigung (Grice) </li></ul><ul><li>Kooperationsprinzip: „Gestalte Deine Konversation so, wie sie erforderlich ist“ </li></ul>
  10. 10. Die 4 Gesprächsmaximen <ul><li>Quantitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Mache Deinen Beitrag so informativ wie nötig </li></ul></ul><ul><ul><li>Mache Deinen Beitrag nicht informativer als nötig </li></ul></ul><ul><li>Qualitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Sage nichts, was Du für falsch hältst </li></ul></ul><ul><ul><li>Sage nichts, wofür Dir angemessene Gründe fehlen </li></ul></ul><ul><li>Relationsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Sei relevant </li></ul></ul><ul><li>Modalitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks </li></ul></ul><ul><ul><li>Vermeide Mehrdeutigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Vermeide unnötige Weitschweifigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Halte die Reihenfolge der Ereignisse im Bericht ein </li></ul></ul>
  11. 11. Die Implikatur… <ul><li>… erklärt die Transformation von wörtlich Gesagtem zu darüber hinaus Gemeintem </li></ul><ul><li>… beschreibt den Unterschied zwischen dem semantischen Gehalt eines Satzes und seiner Äußerungsbedeutung </li></ul><ul><li>… ist über die Semantik hinaus sinnkonstitutiv </li></ul><ul><li>… ist eine nicht aufgeschriebene und nicht thematisierte Regel </li></ul><ul><li>… behandelt die Sprache nicht in ihrer gegenständlichen, sondern in ihrer sozialen Wirklichkeit </li></ul>
  12. 12. 5 Dinge, die man wissen muß, um eine Aussage in der Kommunikation zu verstehen <ul><li>Die konventionelle Bedeutung der verwendeten Wörter </li></ul><ul><li>Das Kooperationsprinzip und seine Maximen </li></ul><ul><li>Der Kontext </li></ul><ul><li>Sonstiges Hintergrundwissen </li></ul><ul><li>Der (angenommene) Fakt, daß der Sprecher all diese Punkte kennt </li></ul>
  13. 13. Verstehen und Verständigen <ul><li>„ Es ist gewiß nicht dasselbe, ob man die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks versteht oder ob man sich mit Hilfe einer für gültig gehaltenen Äußerung über etwas verständigt“ </li></ul><ul><ul><li>(Habermas) </li></ul></ul>
  14. 14. Verstehen und Verständigen <ul><li>„ Whatever one implied, suggested or meant is distinct from what one said“ </li></ul><ul><li>(Grice) </li></ul>
  15. 15. Bedeutung und Zeichen <ul><li>„ Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?“ </li></ul><ul><li>(Bedeutung der Aussage weicht vollständig von den verwendeten Zeichen ab – Searle-Beispiel): </li></ul><ul><ul><li>Meinen ist nicht nur Subjekt der Intention, sondern auch der Konvention </li></ul></ul><ul><ul><li>Konvention erfordert Regeln – jenseits der Intention  Implikatur </li></ul></ul><ul><ul><li>Implizieren ist mehr als meinen: bedeuten, anzeigen </li></ul></ul>
  16. 16. Probleme der Implikatur <ul><li>Sprache als soziales Phänomen </li></ul><ul><li>Sprache als besondere Weise des Handelns </li></ul><ul><li>Reichhaltigkeit der Sprache: Ironie, Scherz, Lüge, Kunst, Metaphern etc. pp. (Sprache ist reicher, als wissenschaftlich notwendig wäre)  Regelverletzungen </li></ul><ul><li>Wie ist Kommunikation trotz dieser Regelverletzungen möglich? </li></ul><ul><li>Einfluß von Gefühlen, Einstellungen und Bewertungen </li></ul>
  17. 17. Probleme der Implikatur <ul><li>Macht die sprachliche Reichhaltigkeit die Implikatur notwendig? </li></ul><ul><li>Oder </li></ul><ul><li>Macht die Implikatur sprachliche Reichhaltigkeit notwendig? </li></ul>
  18. 18. Ironie <ul><li>„ Da kommt Dein persönlicher Freund“ </li></ul><ul><li>„ Hals und Beinbruch!“ </li></ul><ul><li>„ Na, schönen Dank auch!“ </li></ul><ul><li>„ Ich kann‘s wirklich kaum erwarten“ </li></ul><ul><li>„ Ich kann mir echt nichts schöneres vorstellen“ </li></ul>
  19. 19. Funktion der Ironie <ul><li>„ I cannot say something ironically unless what I say is intended to reflect a hostile or derogatory judgment or a feeling such as indignation or contempt“ </li></ul><ul><ul><li>(Grice) </li></ul></ul>
  20. 20. Für die Implikatur gilt: <ul><li>Verständigungsinteresse ist (nicht-intentionalistisch) allgemein, denn: </li></ul><ul><li>Es spiegelt nicht das persönliche Interesse des einzelnen Sprechers, sondern die häufigsten Intentionen der meisten Sprechenden wider </li></ul><ul><li>Gründet auf gemeinsame Überzeugungen </li></ul><ul><li>Implikatur als soziales Phänomen </li></ul>
  21. 21. Das Dilemma der Implikatur <ul><li>Davidson: „Wenn Verständigung auch dann gelingt, wenn geltende Regeln verletzt werden, können diese für die Verständigung nicht notwendig gelten“ </li></ul><ul><li>Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ (T L-P, 5.6.) </li></ul><ul><li>Kann die Implikatur diese Grenzen erweitern? </li></ul>
  22. 22. <ul><li>Ist die Implikatur auf die Bildtheorie anwendbar? </li></ul>
  23. 23. Bild als Zeichen <ul><li>„ Damit etwas ein Bild ist, muß es ein Zeichen sein“ (Scholz) </li></ul><ul><li>„ Zum richtigen Verständnis eines Bildes gehört, daß man es als Zeichen behandelt“ (Scholz) </li></ul><ul><ul><li>Pferdebild ist das Zeichen eines Pferdes </li></ul></ul><ul><ul><li>Diese Verknüpfung ist aber weder inhärent, noch natürlich oder zwingend </li></ul></ul><ul><ul><li>Sprachliche Zeichen sind arbiträr (Aristoteles) </li></ul></ul><ul><li>Bildverständnis mittels Semiotik: Aktivierung von unterschiedlichen Deutungsebenen </li></ul>
  24. 24. Bildimplikatur als Interpretationsrahmen von Zeichen <ul><li>Bilder als natürliche und nichtnatürliche Zeichen </li></ul><ul><li>„ While some natural signs are related to what they signify in an obvious and familiar way, in case of others the relations are complex, frequently difficult to unravel, and require for their discovery the use of quite elaborate structures“ (Ernest Nagel) </li></ul><ul><li>Wie läßt sich das Verständnis nichtnatürlicher Zeichen erklären? </li></ul><ul><li>„ Ob ein Ding ein Bild ist oder nicht, hängt also nicht allein von den Beschaffenheiten des Dinges ab, sondern vor allem auch davon, welches Zeichensystem als Interpretationsrahmen dient“ (Scholz) </li></ul>
  25. 26. Implikatur und Ähnlichkeit <ul><li>„ Kein Grad von Ähnlichkeit und kein Mischungsverhältnis von Ähnlichkeit und Unähnlichkeit ist hinreichend dafür, daß ein Zeichen vorliegt“ (Scholz) </li></ul><ul><li>Je genauer die Ähnlichkeitsbeziehung, desto stärker wird die Bildimplikatur eingehalten </li></ul>
  26. 27. Bilder mit geschlossener Bedeutung <ul><li>Piktogramm </li></ul><ul><li>Verkehrszeichen </li></ul><ul><li>Ob etwas als Piktogramm fungiert, hängt nicht allein von der Beschaffenheit des Symbols ab, sondern davon wie es in einer bestimmten Umgebung zu interpretieren ist (Scholz) </li></ul><ul><li>Relevanzmaxime: Es ist ökonomisch, nur solche Züge hervorzuheben, die für den Zweck des Piktogramms wichtig sind, und auf ablenkende Details zu verzichten </li></ul>
  27. 28. Die 4 Zeichenmaximen – ein Übertrag von den Griceschen Gesprächsmaximen <ul><li>Quantitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Mache Dein Zeichen so informativ wie nötig </li></ul></ul><ul><ul><li>Mache Dein Zeichen nicht informativer als nötig </li></ul></ul><ul><li>Qualitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Zeige nichts, was Du für falsch hältst </li></ul></ul><ul><ul><li>Zeige nichts, wofür Dir angemessene Gründe fehlen </li></ul></ul><ul><li>Relationsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Sei relevant </li></ul></ul><ul><li>Modalitätsmaxime </li></ul><ul><ul><li>Vermeide Dunkelheit des Abbildens </li></ul></ul><ul><ul><li>Vermeide Mehrdeutigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Vermeide unnötige Weitschweifigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Halte die Reihenfolge der Ereignisse ein </li></ul></ul>
  28. 29. Bildimplikatur und Kontext <ul><li>Wenn nicht besondere Gründe vorliegen, verstehen wir die Bilder dahingehend, daß die verdeckten Teile vollständig (und normal) abgebildet sind (Ziff) </li></ul><ul><li>Kontextualität der Implikatur: „Welche Eigenschaften eines Dinges wichtig sind, welche hervorstechen oder ins Auge springen, ist äußerst umgebungsabhängig und kann von Kontext zu Kontext und von Interesse zu Interesse wechseln“ (Scholz) </li></ul><ul><li>Man sollte nicht fragen, was ein Bild ist, sondern wann und unter welchen Bedingungen etwas ein Bild ist“ (Scholz) </li></ul>
  29. 31. Bilder ohne Sachbezug
  30. 32. Kausale Bildtheorie <ul><li>„Etwas soll nur dann ein Bild von x sein, wenn x ein (herausragender) kausal relevanter Faktor bei der Entstehung des Bildes gewesen sei“ (Scholz) </li></ul><ul><li>Dargestellte Gegenstand ist Ursache des Bildes </li></ul>
  31. 33. Intentionalistische Bildtheorie <ul><li>1. Bildhersteller </li></ul><ul><li>2. Bildverwender </li></ul><ul><li>3. Bildversteher </li></ul><ul><li>Klassische intentionalistische Bildtheorien rücken die Absichten des Bildherstellers in den Mittelpunkt </li></ul><ul><li>Für die Bildimplikatur ist jedoch die Absicht des Bildverwenders wesentlich </li></ul>
  32. 34. Für die Bildimplikatur gilt: <ul><li>Hersteller/Verwender hat ein Interesse daran, daß der Betrachter sein Werk erkennen, sehen und verstehen kann </li></ul><ul><li>Betrachter hat ein Interesse daran, das Bild so gut wie möglich zu sehen und zu verstehen  Verständigungsinteresse ist allgemein, denn: es spiegelt die häufigsten Intentionen der meisten Bildverwender wider </li></ul><ul><li>Gründet auf gemeinsame Überzeugungen  Darstellungsregeln </li></ul><ul><li>Weichen Mitglieder der Bildverwender-Gruppe von den Darstellungsregeln ab, gilt dies als inkorrekt </li></ul><ul><li>Bilder können korrekt oder inkorrekt verwendet werden </li></ul>
  33. 35. Wann sind Bilder Kommunikation? <ul><li>Benachrichtigung (z.B. Technische Informationen) </li></ul><ul><li>Werbung </li></ul><ul><li>Lehre/Aufklärung </li></ul><ul><li>Politik/Gesellschaft (z.B. Karikatur) </li></ul><ul><li>Religion (= Werbung + Aufklärung?) </li></ul><ul><li>Unterhaltung </li></ul><ul><li>Kunst </li></ul><ul><li>(Bildbedeutung vom Sachbezug zum Kontextbezug) </li></ul>
  34. 36. 5 Dinge, die man wissen muß, um eine Bildaussage in der Kommunikation zu verstehen <ul><li>Die konventionelle Bedeutung der verwendeten Zeichen </li></ul><ul><li>Das Kooperationsprinzip und seine Maximen </li></ul><ul><li>Der Kontext </li></ul><ul><li>Sonstiges Hintergrundwissen </li></ul><ul><li>Der (angenommene) Fakt, daß der Sprecher all diese Punkte kennt </li></ul>
  35. 37. Die Bildaussage in der Kommunikation <ul><li>„ many pictures require much learning for their interpretation.“ (Daitz) </li></ul>
  36. 38. 1. Benachrichtigung/Technische Information <ul><li>Sender kann sich keine Fehlinterpretationen leisten: Strenge Einhaltung der Implikatur </li></ul><ul><li>Technisches Bild-Verständnis </li></ul><ul><li>Be relevant! </li></ul>
  37. 39. <ul><li>Differentialrechnung: Polynomfunktion </li></ul>
  38. 41. <ul><li>Magnesium-Atom (Schalenmodell) </li></ul>
  39. 42. 2. Werbung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
  40. 50. 3. Lehre/Aufklärung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
  41. 51. <ul><li>Britische Road Safety Kampagne, 2002 </li></ul>
  42. 52. <ul><li>Britische Road Safety Kampagne, 2002 </li></ul>
  43. 53. <ul><li>Indische Road Safety Kampagne, 2007 </li></ul>
  44. 56. 4. Politik/Gesellschaft <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
  45. 57. <ul><li>Titelblatt zu Thomas Hobbes‘: Leviathan, 1651 </li></ul>
  46. 58. <ul><li>„ Von Geistlichkeit“ - Klosterkatze mit Nonnenhaube, anonymer Holzschnitt von 1532 </li></ul>
  47. 59. <ul><li>Die Kutte macht nicht den Mönch. - 16. Jahrhundert </li></ul>
  48. 60. <ul><li>„ Der Bapst zwen Schlüssel hat gefürt“, Holzschnitt auf einem Flugblatt, 1538 </li></ul>
  49. 61. <ul><li>Hans von Kulmbach „Das Schiff der Kirche geht unter“, Holzschnitt, 1508 </li></ul>
  50. 62. <ul><li>Lucas Cranach d. J. Die falsche und die rechte Kirche, um 1546 </li></ul>
  51. 63. <ul><li>Das Volk entreißt dem Unwürdigen den Schlüssel Petri, Flugblatt der Reformationszeit </li></ul>
  52. 64. <ul><li>Heinrich von Zille: Das eiserne Kreuz, 1916 </li></ul>
  53. 65. <ul><li>Karikatur gegen Autobahnprivatisierung, Quelle: Greenpeace Wuppertal, 2007 </li></ul>
  54. 67. <ul><li>Antirassistische Karikatur, Quelle: „Schwarze Katze“, Rundbrief der Punk-Bewegung in Deutschland </li></ul>
  55. 68. <ul><li>Antimilitaristische Karikatur, Quelle: „Schwarze Katze“, Rundbrief der Punk-Bewegung in Deutschland </li></ul>
  56. 69. 5. Religion (= Werbung + Aufklärung?) <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
  57. 70. <ul><li>Mathias Grünwald: Kreuzigung Christi, 1505 </li></ul>
  58. 71. 6. Unterhaltung <ul><li>Korrekte und inkorrekte Bildverwendung </li></ul>
  59. 76. Bildimplikatur in der Kunst
  60. 77. <ul><li>Friedrich Overbeck: Italia und Germania, 1928 </li></ul>
  61. 78. <ul><li>Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer, 1822 </li></ul>
  62. 79. <ul><li>Hieronymus Bosch: Die Versuchung des heiligen Antonius, 1500 </li></ul>
  63. 80. Bildsymbolik des Hieronymus Bosch <ul><li>Bär  Todsünde „Zorn“ </li></ul><ul><li>Kröte  „Verdorbenheit“ </li></ul><ul><li>Kröte auf Geschlechtsteil  Todsünde „Wollust“ </li></ul><ul><li>Kröte im Gesicht  „Hochmut“ (Hoffart, Dünkel) </li></ul><ul><li>Trichter auf den Kopf gestülpt  „Gemeinheit, betrügerische Absicht“ </li></ul><ul><li>„ Knochenschuhe“  böser Mensch </li></ul><ul><li>Pfeil  „das Böse“ </li></ul><ul><li>Pfeil im Anus einer nackten Person  Verdorbenheit </li></ul><ul><li>Krug, Faß oder Dudelsack  „Wollust“. </li></ul><ul><li>Eule  Heimtücke, das Böse, geistige Blindheit, Rachsucht </li></ul><ul><li>Schwan  Reinheit, Keuschheit </li></ul><ul><li>Haus auf Fahne  Bordell </li></ul>
  64. 81. <ul><li>Fieberwahn und Alptraum </li></ul><ul><li>Johann Heinrich Füssli: Der Nachtmahr, 1781 </li></ul>

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