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03/2014
Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft
Zukünftige Entwicklungen, Bedrohungen und Chancen
2
Inhalt
Einführung
Seite 3-5
01
Zukünftige
Entwicklungen
im Mobilitätsbereich
On-demand-Mobilität
Real-time Decision Support
Intelligente und
autonome Fahrzeuge
Mikro-Mobilität
Seite 6-13
02
Neue Wettbewerber
und Herausforderungen
Demotorisierung
Branchenfremde
Wettbewerber
Neue
Mobilitätsdienstleistungen
Konvergenz
Seite 14-19
03
Zukunftsmärkte,
Chancen und neue
Geschäftsmodelle
Carsharing
Big Data Analytics
Smart Car + X
Optimierung der
Verkehrssysteme
Seite 20-27
Quellen
Seite 28
Einführung
3
Räumliche Mobilität war, ist und bleibt ein
natürliches Bedürfnis des Menschen. Dabei
unterliegt das Mobilitätsverhalten einem
kontinuierlichen Wandel und ist vor allem
gekoppelt an soziale Veränderungen und
technologische Entwicklungen. Umgekehrt ist
Mobilität selbst ein entscheidender Faktor, der
Veränderung überhaupt erst ermöglicht:
Fortbewegung und Wandel sind eng miteinander
verzahnt. So wie der technologische Fortschritt
sich beschleunigt, leben wir in einer Welt, deren
Mobilitätsgrad stetig wächst. Und mehr denn je
haben technologische Innovationen Einfluss
darauf, was wir unter Mobilität verstehen, welche
Anforderungen wir an Mobilität stellen und wie
wir uns letzten Endes von A nach B bewegen.
Zahlreiche Trends wirken auf die Mobilität der
Zukunft ein. Die wichtigsten unter ihnen sind die
fortschreitende Urbanisierung, ein zunehmend
auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtetes
Bewusstsein sowie die Durchdringung nahezu
aller Bereiche mit Informations- und Kommuni-
kationstechnologien. Veränderte Lebens- und
Arbeitswelten, die durch Multilokalität und hohe
Flexibilität gekennzeichnet sind, beeinflussen
unser Mobilitätsverhalten ebenfalls. In dem
Maße, wie sich die Welt um uns herum
verändert, steigt auch unsere Bereitschaft, unser
Mobilitätsverhalten an die neuen Bedingungen
anzupassen. Während in den letzten Jahrzehnten
der Erwerb des Führerscheins für junge
Menschen eine Selbstverständlichkeit war und die
Zahl der Pkw-Neuzulassungen kontinuierlich
gestiegen ist, scheint der Besitz eines eigenen
Fahrzeuges für die heute unter 30-Jährigen nicht
mehr zwingend. Zwar bleibt das Auto ein
zentrales Element der persönlichen Mobilität,
doch werden gerade von der urbanen und
technikaffinen jungen Generation integrierte
Konzepte und flexible Nutzungsmodelle
nachgefragt.1
Mobilität wird nicht mehr mit einem
einzigen Verkehrsmittel organisiert, sondern
zunehmend bedarfsorientiert und multimodal.2
Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist eine
permanente Anbindung des Einzelnen an
Datennetze, zum Beispiel über verschiedene
mobile Endgeräte oder über die Fahrzeuge
selbst. Wachsende Bandbreiten in der Daten-
übertragungstechnologie, sinkende Preise für
Datenverbindungen sowie die Möglichkeit, große
4
Datenmengen in Echtzeit auszuwerten (Big Data
Analytics), um ad-hoc und intelligent bei
Mobilitätsentscheidungen zu unterstützen, sind
die Basis hochflexibler Mobilitätsökosysteme in
der 'Always-on-Gesellschaft'.
Die Ausgaben für Mobilität werden in den
nächsten Jahrzehnten weltweit weiter steigen.
Mobilität ist und bleibt ein Multi-Milliardenmarkt.
Allein in Deutschland könnten die Ausgaben für
neue Mobilitätsdienstleistungen künftig bei acht
Milliarden Euro pro Jahr liegen, würden nur fünf
Prozent des Budgets für das eigene Auto hin zu
alternativen Angeboten verlagert.3
Welchen
Einfluss aber haben veränderte Bedarfe und
technologische Innovationen auf die Art und
Weise, wie wir uns künftig bewegen? Und wie
können oder müssen heutige Anbieter von
Fahrzeugen und Mobilitätsdienstleistungen in
einem immer dynamischeren, komplexeren und
härteren Wettbewerbsumfeld darauf reagieren?
Die Hotspots, um Geschäftsmodelle für die
Mobilität der Zukunft zu lancieren, sind die
Millionen-Metropolen und die schnell wachsenden
Städte der Entwicklungs- und Schwellenländer.
Allein die Zahl der Megacities, also Städte mit
mehr als zehn Millionen Einwohnern, wird von
heute 28 auf 41 im Jahr 2030 steigen. Die Zahl
der Städte mit einer Einwohnerzahl von fünf bis
zehn Millionen wird sich im gleichen Zeitraum von
417 auf 558 erhöhen.4
Entsprechend wird die
Mobilität in urbanen Ballungsräumen bis 2030 um
mehr als 60 Prozent auf 43,2 Billionen
Personenkilometer zunehmen.5
Die Vernetzung
intelligenter Fahrzeuge, neue Fahrzeugtypen,
Energie-Innovationen und attraktive Mobilitäts-
dienstleistungen eröffnen Marktchancen für
Dienstleister, Entwickler, Hersteller und Zulieferer
in den Mobilitäts-, Energie- und Kommunikations-
branchen. Heutige Insellösungen dürften in
Zukunft zunehmend durch ganzheitliche
Konzepte ersetzt werden. Um die Chancen der
Mobilität der Zukunft zu nutzen, müssen
unterschiedlichste Kompetenzen und
Technologien miteinander verzahnt werden. Dies
wird nur mithilfe der Etablierung offener
Standards möglich sein. Die Geschäftsmodelle
wandeln sich von produktbasierten Modellen hin
zu intelligenten und integrierten Mobilitäts-
dienstleistungen.
Einführung
5Einführung
Sharing Economy: 50 Prozent der Autobesitzer in den Industrieländern
könnten sich vorstellen, ihr Auto in Zukunft mit anderen zu teilen.
6
6
01
Zukünftige Entwicklungen
im Mobilitätsbereich
7
Welche Trends beeinflussen die Zukunft der Mobilität?
Virtualisierung Intelligente FahrzeugeInternet-Generation
Urbanisierung Informatisierung Ökologische Nachhaltigkeit Veränderte Lebens-
und Arbeitsverhältnisse
Elektromobilität
Netzwerkwirtschaft Zunehmender WettbewerbDematerialisierung Neue Mobilitätsdienstleistungen
8
Die Mobilität nimmt weiter zu. Verantwortlich für
diese Entwicklung sind das globale
Bevölkerungswachstum, das Entstehen einer
breiten Mittelschicht in den Schwellenländern
sowie ein verändertes Freizeitverhalten. Das
Reiseaufkommen zu Land, Wasser und in der
Luft steigt, ebenso der Motorisierungsgrad der
Weltbevölkerung. Die Zahl der weltweit
verkauften Pkw wird sich laut Studien von 83,1
Millionen im Jahr 2013 auf 117,9 Millionen im
Jahr 2020 erhöhen. Vor allem in den Emerging
Markets wächst die Nachfrage. China ist bereits
heute der größte Fahrzeugmarkt vor den USA
und wird seinen Vorsprung aufgrund der noch
relativ geringen Fahrzeugdichte in den nächsten
Jahren weiter ausbauen können.7
Das steigende Verkehrsaufkommen wird vor
allem die Metropolen und Megacities vor große
Herausforderungen stellen. Stockende Verkehrs-
flüsse erzeugen in den dreißig größten Städten
der Welt bereits heute jährliche Kosten von mehr
als 266 Milliarden US-Dollar.8
Das Problem wird
sich mit der fortschreitenden Urbanisierung
weiter verschärfen.
Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
9Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
Um der Luftverschmutzung und dem drohenden
Verkehrskollaps entgegenzuwirken, werden
innovative und nachhaltige Mobilitätsdienst-
leistungen in Zukunft eine immer wichtigere Rolle
spielen. Eine ökologisch nachhaltige Mobilität
wird zunehmend präferiert. Die Nachfrage nach
entsprechenden Angeboten in den Städten hat
sowohl etablierte Unternehmen als auch Start-
ups auf den Plan gerufen, die sich mit inno-
vativen Lösungen zu positionieren versuchen. Ob
Verleih- oder Car-Sharing-Konzepte, der
wachsende Bedarf eröffnet neue Geschäftsfelder.
Im Zentrum steht dabei nicht mehr ein Verkehrs-
mittel, also das Automobil, sondern das gesamte
Ökosystem Mobilität. Durch die Integration
verschiedenster Fahrzeuge und Dienstleistungen
entsteht etwas Neues: eine On-demand-Mobilität.
'Nutzen statt besitzen' lautet die Devise.
Der Anteil der Carsharing-Teilnehmer in
Deutschland ist in den letzten Jahren kontinu-
ierlich gestiegen und hat im Jahr 2014, bezogen
auf die führerscheinfähige Gesamtbevölkerung ab
18 Jahren, erstmals die 1-Prozent-Hürde
überschritten.9
Das Potenzial ist bei weitem noch
nicht ausgeschöpft. Weltweit wird sich der Markt
für Carsharing-Services von rund 940 Millionen
US-Dollar im Jahr 2013 auf 6,2 Milliarden US-
Dollar im Jahr 2020 mehr als versechsfachen.10
Neben kommerziellen Anbietern etablieren sich
zunehmend auch private Carsharing-Plattformen,
in Deutschland zum Beispiel Autonetzer, Flexauto
oder Carzapp.
Intelligente Informations- und Assistenzsysteme
werden uns dabei unterstützen, bedarfsorientiert
die für uns persönlich beste Mobilitätslösung zu
wählen ("Real-time Decision Support"). Dabei
berücksichtigen sie einen individuellen Kriterien-
mix, der den Preis, die Zeit, die ökologische
Nachhaltigkeit, den Erlebniswert und weitere
Aspekte mit einschließt. In rudimentärer Form
existiert mit 'Multicity' von CITROËN ein solches
Mobilitäts-Portal bereits. Ein weiterer Ansatz ist
'Moovel', ein Tochterunternehmen der Daimler
AG. Die Plattform bündelt die Angebote unter-
schiedlicher Mobilitätsanbieter und unterstützt
dabei, den optimalen Weg von A nach B zu
finden. Natürlich ist auch Daimlers Carsharing-
Service Car2Go integriert. Erlöse werden durch
Provisionsvereinbarungen mit den verschiedenen
Anbietern erzielt.
10
Tür-zu-Tür-Flexibilität wird in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen.
Ortungs- und Informationssysteme bilden die technische Voraussetzung.
Das Smartphone wird zum Mobilitätsmanager.
11
Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich 11
Mobilität wird in Zukunft deutlich effizienter. Die
Verbindung von On-demand-Lösungen und
ubiquitärer Informationsverfügbarkeit wird es
ermöglichen, ad-hoc die ideale Route zu finden
und dabei verschiedene Verkehrsmittel mit
einzubeziehen. Gleichzeitig kann die Route bei
einer Änderung der Verkehrssituation in Echtzeit
angepasst werden. Statt einem Wechsel vom
Leihfahrrad zum Leihauto an Punkt A wird
beispielsweise ein Wechsel zur Bahn an Punkt B
vorgeschlagen. Entsprechend wächst die
Bedeutung urbaner Mobilitäts-Hubs als
Schnittstelle zwischen den verschiedenen
Angeboten.12
Cross-modale Informationssysteme werden uns
alltäglich bei unseren Mobilitätsentscheidungen
unterstützen und eine flexible Tür-zu-Tür-
Mobilität ermöglichen. Mit Hilfe umfangreicher
Datenanalysen (Big Data Analytics) werden sie
irgendwann so intelligent sein, dass sie auf der
Grundlage unseres Verhaltens und unter
Rückgriff auf unsere digitalen Kalender und
Adressbücher automatisch und proaktiv
Wegstrecken und Reisen für uns organisieren
und buchen.
Während das Smartphone heute bereits eine
wichtige Schnittstelle im Bereich der On-demand-
Mobilität darstellt (Information, Buchung, Ortung
etc.), werden in Zukunft auch die Fahrzeuge
selbst mit dem Internet verbunden sein.
Sogenannte 'Smart Cars' werden das Fahrerlebnis
und den Fahrkomfort deutlich erhöhen: Lernende
Navigationssysteme passen sich dem Fahrver-
halten ihrer Nutzer an, Elektroautos teilen ihren
Besitzern per SMS mit, wann sie aufgeladen sind,
und innovative Infotainment-Systeme bieten
Inhalte und Dienstleistungen (Location Based
Services, Augmented Reality, Daten-Synchroni-
sation, Bezahldienste etc.), die vor allem exter-
nen Entwicklern neue Geschäftsfelder eröffnen.
Fristen mit dem Internet verbundene Fahrzeuge
heute noch ein Nischendasein, wird ihre Zahl bis
zum Jahr 2020 weltweit auf über 150 Millionen
steigen.13
Im Jahr 2025 könnte bereits jedes neu
ausgelieferte Fahrzeug über entsprechende
Schnittstellen verfügen.14
Trotz Datenschutz-
bedenken stehen zwei Drittel der deutschen
Autofahrer der Vorstellung eines vernetzten
Autos positiv gegenüber.15
12
Der weltweite Markt für vernetzte Fahrzeuge wird sich zwischen 2012
und 2018 auf 39 Milliarden US-Dollar verdreifachen.
16
Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
13
Nicht nur die Mobilität selbst wird deutlich
effizienter. Wir werden die mobil verbrachte Zeit
auch effizienter nutzen können. Verschiedene
Hersteller arbeiten bereits an (teil-)autonomen
Fahrzeugen. 2013 hat das Forschungsfahrzeug
'S 500 Intelligent Drive' von Mercedes Benz die
historische, rund 100 Kilometer lange Bertha-
Benz-Strecke von Mannheim nach Pforzheim
mithilfe seriennaher Technik vollständig autonom
absolviert. Continental will bis zum Jahr 2025 das
vollautomatische Fahren serienreif machen und
kooperiert im Bereich vernetzter Fahrzeuge u.a.
mit IBM und Cisco. Cloud- und Big-Data-
Technologien gewinnen stark an Bedeutung,
damit entsprechende Systeme in Echtzeit die
richtigen Entscheidungen treffen können – und
zwar fehlerlos. Auch Google testet bereits
autonome Fahrzeuge. Der Internetgigant könnte
sich als neuer bedeutender Player im Markt
etablieren.
Auch das Fahrzeugdesign wird sich verändern.
Die Entwicklung in den Städten geht klar zu
kompakteren und elektrisch betriebenen
Fahrzeugen. Dies umfasst sowohl kleinere, für
den Stadtverkehr optimierte Pkw als auch Roller
und E-Bikes. Daimler beispielsweise hat mit dem
'smart ebike' sein e-Produkt-Portfolio um ein
Zweirad erweitert. Toyota testet aktuell sein
elektrisches Neigedreirad 'i-Road' im Projekt
Ha:mo, ein neues Mobilitätskonzept, das
Carsharing und öffentlichen Nahverkehr
verbinden soll. Bis zum Jahr 2020 werden die
großen global agierenden Automobilhersteller
mehr als 150 Modelle im Segment Mikro-Mobilität
auf den Markt bringen.17
Zusätzlich versuchen
sich zahlreiche Start-ups mit innovativen City-
Fahrzeugen im Markt zu etablieren. Beispiele sind
der 'Hiriko Fold' des Hiriko Driving Mobility
Consortium, ein faltbares Elektroauto, bei dem
sich die Hinterachse unter die Fahrerkabine
klappen lässt, das klapp- und tragbare Mini-
Elektrorad 'Yike Bike', der zum Trolley-Format
zusammenfaltbare Roller 'Trikelet' oder das
Elektroeinrad 'Solowheel', das sich mittels
Körperverlagerung steuern lässt.
Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
14
02
www
Intensiverer Wettbewerb
und neue Herausforderungen
15
Die Nachfrage nach Services, die individuelle
urbane Mobilität ermöglichen und gleichzeitig den
innerstädtischen Verkehr sowie die Umwelt
entlasten, wird steigen. Dies betrifft nicht nur die
Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern
auch die europäischen Kernmärkte, die als
Absatzregion für die Automobilindustrie bereits
heute an Bedeutung verlieren. Demografische
Entwicklungen spielen hier ebenso eine Rolle, wie
das sich wandelnde gesellschaftliche Mobilitäts-
verhalten. Zum einen wird die Kombination aus
einer alternden Bevölkerung und einem
schrumpfenden Bestand an jungen Fahrern zu
einer allmählichen Demotorisierung in den west-
europäischen Staaten führen, wobei die
wachsende Zahl an Singles und die Zunahme
kleinerer Haushaltsgrößen diesem Trend
zumindest teilweise entgegenwirken könnte.18
Zum anderen ist der ohnehin weit fortge-
schrittene Urbanisierungsprozess in Europa
längst noch nicht abgeschlossen, und immer
mehr Menschen in den Städten sind dazu bereit,
auf ein eigenes Auto zu verzichten.
Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit der
Verkehrsträger rücken zunehmend in den Fokus:
Entsprechend ist der Anteil von Fahrrädern und
öffentlichen Verkehrsmitteln im Mobilitätsmix in
den letzten Jahren gestiegen. Vor allem das
Fahrrad hat das Automobil teilweise als
Symbolträger eines individuellen Lifestyles
substituiert. Dagegen immer seltener nutzt die
junge Generation das Auto. Ein Leben ohne
Internet und Smartphone kann sie sich nicht
vorstellen, sehr wohl aber eines ohne eigenes
Fahrzeug. Demotorisierung als urbaner Trend hat
viel mit diesem Statussymbolverlust des Autos für
die sogenannte Internet-Generation, also die
heute ca. 18- bis 34-Jährigen, zu tun. Besitz wird
immer öfter als Einschränkung der persönlichen
Freiheit empfunden oder als nicht nachhaltig
angesehen. Erstrebenswerter werden imma-
terielle Werte wie Unabhängigkeit, Flexibilität und
Individualität. Erlebnisse, Sinn und ethisches
Handeln gewinnen an Bedeutung. Von dieser
Entwicklung profitieren vor allem Carsharing-
Anbieter, die verstärkt in Konkurrenz zum
klassischen Fahrzeughandel treten. Denn: Ein
Carsharing-Fahrzeug ersetzt aufgrund seiner
besseren Auslastung gleich mehrere Pkw.
Gleichzeitig sind immer mehr Menschen dazu
Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
16
Die zunehmende Ausrichtung auf Nachhaltigkeit sowohl im
Mobilitätsverhalten als auch in der Verkehrsplanung wird die
Automobilindustrie vor neue Herausforderungen stellen.
Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
bereit, ihr eigenes Fahrzeug mit anderen zu
teilen (Peer-to-peer-Carsharing). Ökologische
und soziale Gesichtspunkte spielen hier ebenso
eine Rolle, wie die Möglichkeit, Mobilitätskosten
zu senken. Stärker noch als der Neuwagenmarkt
wird von dieser Entwicklung der Gebraucht-
wagenmarkt negativ betroffen sein. Vor allem
Händlern drohen Umsatzverluste.
Auch im Bereich der Personenbeförderung
werden neue Geschäftsmodelle bestehende
teilweise substituieren. Online-Plattformen wie
das US-Start-up Uber, die Kunden an private
Fahrer vermitteln, treten zunehmend in
Konkurrenz zu Taxiunternehmen. Auch der
öffentliche Personennahverkehr steht vor großen
Herausforderungen. Individuelle öffentliche
Verkehrsdienstleistungen werden verstärkt
kollektive öffentliche Verkehrsdienstleistungen
ergänzen.19
Die rasante Ausbreitung öffentlicher
Fahrradverleihsysteme ist hier nur ein Beispiel.
Die zunehmende Vernetzung und Automa-
tisierung dürften zudem stärker individualisierte
Mobilitätsdienstleistungen hervorbringen, die
Kunden einen echten Mehrwert bieten.
Hochflexible alternative Transportsysteme wie
zum Beispiel Carsharing-Flotten aus autonomen
Fahrzeugen könnten den traditionellen ÖPNV
langfristig sogar zu einem großen Teil überflüssig
machen. Eine entscheidende Voraussetzung
hierfür ist der Einsatz von Big Data Analytics, also
Verfahren um große Volumina digitaler Daten aus
unterschiedlichsten Quellen quasi in Echtzeit
auswerten zu können. Zwei Pilotprojekte, die mit
Hilfe von Big Data den öffentlichen Personen-
nahverkehr revolutionieren wollen, sind
'Kutsuplus', ein Dienst der finnischen Verkehrs-
betriebe in Helsinki, und 'Bridj', ein Angebot eines
gleichnamigen Start-ups in Boston. Im Prinzip
geht es bei beiden Diensten darum, Busrouten
unter Einbeziehung zahlreicher Parameter flexibel
an die Bedarfe der Fahrgäste anzupassen, das
heißt, es gibt keine starren Fahrpläne, fixen
Routen und festen Haltestellen mehr.
In Konkurrenz zu traditionellen Mobilitätsan-
bietern treten zunehmend innovative Start-ups
und etablierte Anbieter aus anderen Branchen
(IKT, E-Energy etc.). Für die Automobilindustrie
dürfte sich insbesondere das Internet der Dinge
(Smart Car, Smart Home, Smart Infrastructure,
Smart Grid etc.) als ein transformatives, wenn
17Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
18
nicht sogar disruptives Umfeld erweisen, das zu
Umbrüchen in der Wertschöpfungskette und bei
den Geschäftsmodellen führen wird. Ohne
Kooperationen und strategische Allianzen mit den
neuen Akteuren im Markt wird es schwierig
werden, am Zukunftsmarkt der vernetzten
Mobilität partizipieren zu können.20
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit internet- und
cloudbasierter Services sowie der Optimierung
und Standardisierung physischer und virtueller
Schnittstellen zwischen den einzelnen
Verkehrsträgern (Konvergenz) dürfte der Besitz
eines eigenen Autos weiter an Attraktivität
verlieren. Experten schätzen, dass der private
Pkw-Bestand in den USA aufgrund eines breiten
Angebots von Mobilitätsalternativen bis zum Jahr
2030 um 16 Prozent auf 120 Millionen sinken
wird.21
Automobilbauer werden ihre
Geschäftsmodelle entsprechend anpassen
müssen. Das Auto wird zwar vorerst das
wichtigste Verkehrsmittel bleiben, doch ist es in
Zukunft in einen multi- und intermodalen
Mobilitätsmix integriert. Es ist weniger Produkt
als Dienstleistung, die flexible On-demand-
Mobilität verspricht.
Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
Produkte
Services
19
42 Prozent der Führungskräfte in der Automobilindustrie erwarten,
dass ihrem Unternehmen bis zum Jahr 2020 neue Konkurrenz aus
anderen Branchen droht.22
Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
20
03
Zukunftsmärkte, Chancen
und neue Geschäftsmodelle
21
Carsharing ist ein Zukunftsmarkt. Mit 100
Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013 sind die
absoluten Zahlen im Vergleich zum deutschen
Automobilmarkt zwar noch gering. Dennoch: Bis
2017 soll sich das Marktvolumen auf 200
Millionen Euro verdoppeln.23
Längst haben sich
auch Autohersteller wie BMW, Daimler oder
Citroën mit eigenen Carsharing-Konzepten im
Markt etabliert. Um dem Kunden die Nutzung so
einfach wie möglich zu machen und gleichzeitig
eine wirtschaftliche Auslastung der Fahrzeuge
sicherzustellen, müssen diese in ein komplexes
Umfeld eingebettet werden, das zahlreichen
Herstellern und Dienstleistern Zukunftsmarkt-
chancen eröffnet. Parklösungen, Ortungs- und
Navigationsdienstleistungen, digitale Schlüssel,
mobile Bezahlverfahren, Versicherungen, Big
Data Analytics und Ökostrom für Elektromobile
sollen hier nur als einige Beispiele genannt
werden. Auch Infotainment-Services, also
Medienangebote, die sowohl informieren als auch
unterhalten, entwickeln sich zu einem Milliarden-
markt: Im Jahr 2018 werden in Fahrzeugen
weltweit mehr als vier Milliarden Apps
heruntergeladen werden.24
Mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge
steigt auch die Menge der erzeugten Daten.
Bereits im Jahr 2020 werden entsprechende
Fahrzeuge weltweit rund 30 Terabyte an Daten
pro Tag erzeugen.25
Für die verschiedenen
Akteure in der Mobilitätsbranche wird es damit
immer wichtiger, diejenigen Informationen
herauszufiltern, die relevant sind und mit denen
sich Wettbewerbsvorteile erzielen lassen. Erheb-
liches Potenzial verspricht hier Big Data Analytics.
Zu den möglichen Einsatzbereichen gehören das
Erstellen von Verhaltensprofilen von Fahrern
und/oder Fahrgästen, Produktoptimierungen,
individualisierte Services etc. Der Fokus der
Hersteller, Anbieter und Dienstleister wird sich
weg von den Produkten und hin zu den Kunden
verschieben.26
Völlig neue und innovative Geschäftsmodelle
werden auf der Digitalisierung und der
Vernetzung von Fahrzeugen gründen ("Smart Car
+ X"). Volvo zum Beispiel möchte mit 'Roam
Delivery' seinen Kunden einen Zustellservice
anbieten, bei dem im Internet bestellte Waren
on-demand direkt in das eigene Auto geliefert
werden, unabhängig davon, wo der Fahrzeug-
Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
Im Jahr 2020 werden weltweit rund 150 Millionen vernetzte
Fahrzeuge unterwegs sein. Big Data Analytics eröffnet hier in
verschiedenen Anwendungsfeldern potenzielle jährliche
Einnahmequellen in Höhe von insgesamt 14,5 Milliarden US-Dollar.
27
22
101001001011011010101
11001001111011010101
Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
23
besitzer sich gerade aufhält. Der Zusteller erhält
temporär einen digitalen Schlüssel, um das
Fahrzeug zu öffnen. Das österreichische Start-up
Checkrobin vernetzt über eine Online-Plattform
Privatpersonen, die Pakete aufgeben oder
mitnehmen wollen – quasi eine Mitfahrgelegen-
heit für Pakete. Elektroautos sollen zudem als
Stromspeicher fungieren. Wissenschaftler der
Hochschule Würzburg-Schweinfurt haben den
Prototyp einer Powerbox entwickelt, die Elektro-
autos bidirektional an das Stromnetz anbindet.
Die Verbindung von Smart Car und Smart Home
wird es ermöglichen, vom Auto aus Haushalts-
geräte an- oder auszuschalten, das Raumklima zu
steuern sowie Licht- und Sicherheitssysteme zu
bedienen. Mercedes-Benz kooperiert hier bereits
mit Google und bietet eine Schnittstelle zu
dessen Thermostat Nest. BMW i3-Fahrer sollen
bald die Möglichkeit haben, Fahrzeuginforma-
tionen über Samsungs Smartwatch Galaxy Gear
abzurufen. Digitale Datenbrillen weisen uns in
Zukunft bei Bedarf den Weg zum Standort
unseres Autos oder blenden während der Fahrt
Navigationshilfen, Fahrzeuginformationen oder
Verkehrshinweise ein.
Durch Wearables werden wir uns nicht nur mit
dem Auto vernetzen, sondern mit dem gesamten
Ökosystem Mobilität. Die Nachfrage nach
Premium-Komfort in Verkehrsmitteln wird
steigen. Genutzt wird die neue Mehrwert-
Mobilität vor allem von den Jüngeren und
Technik-affinen. Bessere Informationssysteme,
kürzere Wartezeiten und nahtlose Konnektivität
gehören zu den gewünschten Premiumdienst-
leistungen.28
Eine wichtige Voraussetzung,
digitale Geschäftsmodelle zum Erfolg zu führen
und den Kunden in seinen Wahlmöglichkeiten
nicht unnötig einzuschränken, ist die Etablierung
offener Standards. Kundenorientierte Mobilitäts-
Kooperationen gewinnen an Bedeutung.29
Durch die Integration zahlreicher Automa-
tisierungs- und Assistenzfunktionen und die
Vernetzung der Fahrzeuge mit intelligenter
Infrastruktur wird das Fahren mittel- bis
langfristig immer stärker automatisiert werden.
Im Jahr 2035 sollen weltweit rund 95 Millionen
(teil-)autonome Fahrzeuge verkauft werden.30
Der Fahrer verfügt dadurch über freie Zeit und
kann gezielt mit verschiedenen Konsumange-
boten angesprochen werden. Auch als Arbeits-
Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
In den nächsten fünf Jahren wird sich der weltweite Markt für
intelligente Transport- und Verkehrslösungen auf über 100 Milliarden
US-Dollar mehr als verdoppeln.31
24Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
25
raum lässt sich das Fahrzeug in Zukunft nutzen.
Diese Entwicklung wird erheblichen Einfluss auf
das Design des Innenraums haben.
Weitere Zukunftsmarktchancen eröffnet die
Integration verschiedener Mobilitätsdienst-
leistungen. Vor allem jüngere Menschen verhal-
ten sich immer häufiger multimodal, das heißt,
sie nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Fortbe-
wegungsmittel.32
Ein Bespiel für ein entsprech-
endes Geschäftsmodell ist die Kooperation von
myTaxi mit dem Carsharing-Anbieter Car2Go.
Hier kann der Kunde über eine gemeinsame App
bedarfsorientiert zwischen den verschiedenen
Mobilitätsdienstleistungen wählen. Auch
Kooperationen zwischen Carsharing-Anbietern
und dem ÖPNV treiben die multi-modale Mobilität
voran. Bis 2020 wird rund ein Fünftel des
weltweiten Marktes für Mobilitätsdienst-
leistungen auf Dienstleistungen entfallen, für die
der Besitz eines Autos nicht notwendig ist.33
Eine gut ausgebaute und leistungsfähige
Verkehrsinfrastruktur bleibt auch in Zukunft ein
wichtiger Standortfaktor. Während die Möglich-
keiten zum Neu- und Ausbau begrenzt sind,
bieten Informations- und Kommunikations-
technologien ein erhebliches Potenzial zur
Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Sicherheit
der bestehenden Infrastruktur. Intelligente
Verkehrsinfrastruktur kommuniziert kontinuierlich
in Echtzeit mit den sie nutzenden Fahrzeugen
und Fahrzeuginsassen. Sie erkennt mögliche
Überlastungen und Gefahrstellen und leitet
Verkehrsteilnehmer automatisch um sie herum.
Darüber hinaus steuert sie das Verhalten der
Verkehrsteilnehmer, um eine optimale Effizienz
im Verkehrsfluss zu erreichen und das Energie-
management der Fahrzeuge zu optimieren.
Nachhaltige urbane Mobilität ist ein Zukunfts-
markt, der auch Autoherstellern lukrative neue
Einnahmequellen eröffnet. Ihre Umsätze aus
alternativen Dienstleistungen rund um das
Thema "nachhaltige Mobilität" (Vehicle-to-Grid,
Vehicle-to-Building, Carsharing, Smart Parking
etc.) werden von heute 400 Millionen US-Dollar
auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar im Jahr
2023 steigen.34
Nutzen sie ihre Chancen
rechtzeitig und schaffen sie es, notwendige
Veränderungen umzusetzen, stehen auch
etablierten Anbietern erfolgreiche Zeiten bevor.
Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
26
Machen Sie Ihre Vision und
Strategie zukunftsrobuster!
27
Inhouse-Workshop
Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft
Impulsvortrag:
Ein Impulsvortrag zum Thema "Geschäftsmodelle für die Mobilität der
Zukunft" inspiriert Ihr Zukunftsteam.
Umfeld-Entwicklungen:
Wir analysieren gemeinsam, welche konkreten Auswirkungen die
Marktentwicklungen auf Ihr aktuelles Geschäft haben.
Ihre strategischen Handlungsoptionen:
Wir entwickeln gemeinsam vorteilhafte Handlungsmöglichkeiten
für Ihr Geschäft.
Nächste Schritte:
Konkrete Schritte zur Umsetzung und weiteren Verwendung der
erarbeiteten Ergebnisse bieten Orientierung und motivieren.
Abschluss:
Wir lassen den Tag im angenehmen Miteinander ausklingen.
Kontakt
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29
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Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft

  • 1. www.FutureManagementGroup.com Market Foresights 03/2014 Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft Zukünftige Entwicklungen, Bedrohungen und Chancen
  • 2. 2 Inhalt Einführung Seite 3-5 01 Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich On-demand-Mobilität Real-time Decision Support Intelligente und autonome Fahrzeuge Mikro-Mobilität Seite 6-13 02 Neue Wettbewerber und Herausforderungen Demotorisierung Branchenfremde Wettbewerber Neue Mobilitätsdienstleistungen Konvergenz Seite 14-19 03 Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle Carsharing Big Data Analytics Smart Car + X Optimierung der Verkehrssysteme Seite 20-27 Quellen Seite 28
  • 3. Einführung 3 Räumliche Mobilität war, ist und bleibt ein natürliches Bedürfnis des Menschen. Dabei unterliegt das Mobilitätsverhalten einem kontinuierlichen Wandel und ist vor allem gekoppelt an soziale Veränderungen und technologische Entwicklungen. Umgekehrt ist Mobilität selbst ein entscheidender Faktor, der Veränderung überhaupt erst ermöglicht: Fortbewegung und Wandel sind eng miteinander verzahnt. So wie der technologische Fortschritt sich beschleunigt, leben wir in einer Welt, deren Mobilitätsgrad stetig wächst. Und mehr denn je haben technologische Innovationen Einfluss darauf, was wir unter Mobilität verstehen, welche Anforderungen wir an Mobilität stellen und wie wir uns letzten Endes von A nach B bewegen. Zahlreiche Trends wirken auf die Mobilität der Zukunft ein. Die wichtigsten unter ihnen sind die fortschreitende Urbanisierung, ein zunehmend auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtetes Bewusstsein sowie die Durchdringung nahezu aller Bereiche mit Informations- und Kommuni- kationstechnologien. Veränderte Lebens- und Arbeitswelten, die durch Multilokalität und hohe Flexibilität gekennzeichnet sind, beeinflussen unser Mobilitätsverhalten ebenfalls. In dem Maße, wie sich die Welt um uns herum verändert, steigt auch unsere Bereitschaft, unser Mobilitätsverhalten an die neuen Bedingungen anzupassen. Während in den letzten Jahrzehnten der Erwerb des Führerscheins für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit war und die Zahl der Pkw-Neuzulassungen kontinuierlich gestiegen ist, scheint der Besitz eines eigenen Fahrzeuges für die heute unter 30-Jährigen nicht mehr zwingend. Zwar bleibt das Auto ein zentrales Element der persönlichen Mobilität, doch werden gerade von der urbanen und technikaffinen jungen Generation integrierte Konzepte und flexible Nutzungsmodelle nachgefragt.1 Mobilität wird nicht mehr mit einem einzigen Verkehrsmittel organisiert, sondern zunehmend bedarfsorientiert und multimodal.2 Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist eine permanente Anbindung des Einzelnen an Datennetze, zum Beispiel über verschiedene mobile Endgeräte oder über die Fahrzeuge selbst. Wachsende Bandbreiten in der Daten- übertragungstechnologie, sinkende Preise für Datenverbindungen sowie die Möglichkeit, große
  • 4. 4 Datenmengen in Echtzeit auszuwerten (Big Data Analytics), um ad-hoc und intelligent bei Mobilitätsentscheidungen zu unterstützen, sind die Basis hochflexibler Mobilitätsökosysteme in der 'Always-on-Gesellschaft'. Die Ausgaben für Mobilität werden in den nächsten Jahrzehnten weltweit weiter steigen. Mobilität ist und bleibt ein Multi-Milliardenmarkt. Allein in Deutschland könnten die Ausgaben für neue Mobilitätsdienstleistungen künftig bei acht Milliarden Euro pro Jahr liegen, würden nur fünf Prozent des Budgets für das eigene Auto hin zu alternativen Angeboten verlagert.3 Welchen Einfluss aber haben veränderte Bedarfe und technologische Innovationen auf die Art und Weise, wie wir uns künftig bewegen? Und wie können oder müssen heutige Anbieter von Fahrzeugen und Mobilitätsdienstleistungen in einem immer dynamischeren, komplexeren und härteren Wettbewerbsumfeld darauf reagieren? Die Hotspots, um Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft zu lancieren, sind die Millionen-Metropolen und die schnell wachsenden Städte der Entwicklungs- und Schwellenländer. Allein die Zahl der Megacities, also Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern, wird von heute 28 auf 41 im Jahr 2030 steigen. Die Zahl der Städte mit einer Einwohnerzahl von fünf bis zehn Millionen wird sich im gleichen Zeitraum von 417 auf 558 erhöhen.4 Entsprechend wird die Mobilität in urbanen Ballungsräumen bis 2030 um mehr als 60 Prozent auf 43,2 Billionen Personenkilometer zunehmen.5 Die Vernetzung intelligenter Fahrzeuge, neue Fahrzeugtypen, Energie-Innovationen und attraktive Mobilitäts- dienstleistungen eröffnen Marktchancen für Dienstleister, Entwickler, Hersteller und Zulieferer in den Mobilitäts-, Energie- und Kommunikations- branchen. Heutige Insellösungen dürften in Zukunft zunehmend durch ganzheitliche Konzepte ersetzt werden. Um die Chancen der Mobilität der Zukunft zu nutzen, müssen unterschiedlichste Kompetenzen und Technologien miteinander verzahnt werden. Dies wird nur mithilfe der Etablierung offener Standards möglich sein. Die Geschäftsmodelle wandeln sich von produktbasierten Modellen hin zu intelligenten und integrierten Mobilitäts- dienstleistungen. Einführung
  • 5. 5Einführung Sharing Economy: 50 Prozent der Autobesitzer in den Industrieländern könnten sich vorstellen, ihr Auto in Zukunft mit anderen zu teilen. 6
  • 7. 7 Welche Trends beeinflussen die Zukunft der Mobilität? Virtualisierung Intelligente FahrzeugeInternet-Generation Urbanisierung Informatisierung Ökologische Nachhaltigkeit Veränderte Lebens- und Arbeitsverhältnisse Elektromobilität Netzwerkwirtschaft Zunehmender WettbewerbDematerialisierung Neue Mobilitätsdienstleistungen
  • 8. 8 Die Mobilität nimmt weiter zu. Verantwortlich für diese Entwicklung sind das globale Bevölkerungswachstum, das Entstehen einer breiten Mittelschicht in den Schwellenländern sowie ein verändertes Freizeitverhalten. Das Reiseaufkommen zu Land, Wasser und in der Luft steigt, ebenso der Motorisierungsgrad der Weltbevölkerung. Die Zahl der weltweit verkauften Pkw wird sich laut Studien von 83,1 Millionen im Jahr 2013 auf 117,9 Millionen im Jahr 2020 erhöhen. Vor allem in den Emerging Markets wächst die Nachfrage. China ist bereits heute der größte Fahrzeugmarkt vor den USA und wird seinen Vorsprung aufgrund der noch relativ geringen Fahrzeugdichte in den nächsten Jahren weiter ausbauen können.7 Das steigende Verkehrsaufkommen wird vor allem die Metropolen und Megacities vor große Herausforderungen stellen. Stockende Verkehrs- flüsse erzeugen in den dreißig größten Städten der Welt bereits heute jährliche Kosten von mehr als 266 Milliarden US-Dollar.8 Das Problem wird sich mit der fortschreitenden Urbanisierung weiter verschärfen. Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
  • 9. 9Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich Um der Luftverschmutzung und dem drohenden Verkehrskollaps entgegenzuwirken, werden innovative und nachhaltige Mobilitätsdienst- leistungen in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Eine ökologisch nachhaltige Mobilität wird zunehmend präferiert. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten in den Städten hat sowohl etablierte Unternehmen als auch Start- ups auf den Plan gerufen, die sich mit inno- vativen Lösungen zu positionieren versuchen. Ob Verleih- oder Car-Sharing-Konzepte, der wachsende Bedarf eröffnet neue Geschäftsfelder. Im Zentrum steht dabei nicht mehr ein Verkehrs- mittel, also das Automobil, sondern das gesamte Ökosystem Mobilität. Durch die Integration verschiedenster Fahrzeuge und Dienstleistungen entsteht etwas Neues: eine On-demand-Mobilität. 'Nutzen statt besitzen' lautet die Devise. Der Anteil der Carsharing-Teilnehmer in Deutschland ist in den letzten Jahren kontinu- ierlich gestiegen und hat im Jahr 2014, bezogen auf die führerscheinfähige Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren, erstmals die 1-Prozent-Hürde überschritten.9 Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Weltweit wird sich der Markt für Carsharing-Services von rund 940 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 auf 6,2 Milliarden US- Dollar im Jahr 2020 mehr als versechsfachen.10 Neben kommerziellen Anbietern etablieren sich zunehmend auch private Carsharing-Plattformen, in Deutschland zum Beispiel Autonetzer, Flexauto oder Carzapp. Intelligente Informations- und Assistenzsysteme werden uns dabei unterstützen, bedarfsorientiert die für uns persönlich beste Mobilitätslösung zu wählen ("Real-time Decision Support"). Dabei berücksichtigen sie einen individuellen Kriterien- mix, der den Preis, die Zeit, die ökologische Nachhaltigkeit, den Erlebniswert und weitere Aspekte mit einschließt. In rudimentärer Form existiert mit 'Multicity' von CITROËN ein solches Mobilitäts-Portal bereits. Ein weiterer Ansatz ist 'Moovel', ein Tochterunternehmen der Daimler AG. Die Plattform bündelt die Angebote unter- schiedlicher Mobilitätsanbieter und unterstützt dabei, den optimalen Weg von A nach B zu finden. Natürlich ist auch Daimlers Carsharing- Service Car2Go integriert. Erlöse werden durch Provisionsvereinbarungen mit den verschiedenen Anbietern erzielt.
  • 10. 10 Tür-zu-Tür-Flexibilität wird in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen. Ortungs- und Informationssysteme bilden die technische Voraussetzung. Das Smartphone wird zum Mobilitätsmanager. 11 Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
  • 11. Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich 11 Mobilität wird in Zukunft deutlich effizienter. Die Verbindung von On-demand-Lösungen und ubiquitärer Informationsverfügbarkeit wird es ermöglichen, ad-hoc die ideale Route zu finden und dabei verschiedene Verkehrsmittel mit einzubeziehen. Gleichzeitig kann die Route bei einer Änderung der Verkehrssituation in Echtzeit angepasst werden. Statt einem Wechsel vom Leihfahrrad zum Leihauto an Punkt A wird beispielsweise ein Wechsel zur Bahn an Punkt B vorgeschlagen. Entsprechend wächst die Bedeutung urbaner Mobilitäts-Hubs als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Angeboten.12 Cross-modale Informationssysteme werden uns alltäglich bei unseren Mobilitätsentscheidungen unterstützen und eine flexible Tür-zu-Tür- Mobilität ermöglichen. Mit Hilfe umfangreicher Datenanalysen (Big Data Analytics) werden sie irgendwann so intelligent sein, dass sie auf der Grundlage unseres Verhaltens und unter Rückgriff auf unsere digitalen Kalender und Adressbücher automatisch und proaktiv Wegstrecken und Reisen für uns organisieren und buchen. Während das Smartphone heute bereits eine wichtige Schnittstelle im Bereich der On-demand- Mobilität darstellt (Information, Buchung, Ortung etc.), werden in Zukunft auch die Fahrzeuge selbst mit dem Internet verbunden sein. Sogenannte 'Smart Cars' werden das Fahrerlebnis und den Fahrkomfort deutlich erhöhen: Lernende Navigationssysteme passen sich dem Fahrver- halten ihrer Nutzer an, Elektroautos teilen ihren Besitzern per SMS mit, wann sie aufgeladen sind, und innovative Infotainment-Systeme bieten Inhalte und Dienstleistungen (Location Based Services, Augmented Reality, Daten-Synchroni- sation, Bezahldienste etc.), die vor allem exter- nen Entwicklern neue Geschäftsfelder eröffnen. Fristen mit dem Internet verbundene Fahrzeuge heute noch ein Nischendasein, wird ihre Zahl bis zum Jahr 2020 weltweit auf über 150 Millionen steigen.13 Im Jahr 2025 könnte bereits jedes neu ausgelieferte Fahrzeug über entsprechende Schnittstellen verfügen.14 Trotz Datenschutz- bedenken stehen zwei Drittel der deutschen Autofahrer der Vorstellung eines vernetzten Autos positiv gegenüber.15
  • 12. 12 Der weltweite Markt für vernetzte Fahrzeuge wird sich zwischen 2012 und 2018 auf 39 Milliarden US-Dollar verdreifachen. 16 Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
  • 13. 13 Nicht nur die Mobilität selbst wird deutlich effizienter. Wir werden die mobil verbrachte Zeit auch effizienter nutzen können. Verschiedene Hersteller arbeiten bereits an (teil-)autonomen Fahrzeugen. 2013 hat das Forschungsfahrzeug 'S 500 Intelligent Drive' von Mercedes Benz die historische, rund 100 Kilometer lange Bertha- Benz-Strecke von Mannheim nach Pforzheim mithilfe seriennaher Technik vollständig autonom absolviert. Continental will bis zum Jahr 2025 das vollautomatische Fahren serienreif machen und kooperiert im Bereich vernetzter Fahrzeuge u.a. mit IBM und Cisco. Cloud- und Big-Data- Technologien gewinnen stark an Bedeutung, damit entsprechende Systeme in Echtzeit die richtigen Entscheidungen treffen können – und zwar fehlerlos. Auch Google testet bereits autonome Fahrzeuge. Der Internetgigant könnte sich als neuer bedeutender Player im Markt etablieren. Auch das Fahrzeugdesign wird sich verändern. Die Entwicklung in den Städten geht klar zu kompakteren und elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Dies umfasst sowohl kleinere, für den Stadtverkehr optimierte Pkw als auch Roller und E-Bikes. Daimler beispielsweise hat mit dem 'smart ebike' sein e-Produkt-Portfolio um ein Zweirad erweitert. Toyota testet aktuell sein elektrisches Neigedreirad 'i-Road' im Projekt Ha:mo, ein neues Mobilitätskonzept, das Carsharing und öffentlichen Nahverkehr verbinden soll. Bis zum Jahr 2020 werden die großen global agierenden Automobilhersteller mehr als 150 Modelle im Segment Mikro-Mobilität auf den Markt bringen.17 Zusätzlich versuchen sich zahlreiche Start-ups mit innovativen City- Fahrzeugen im Markt zu etablieren. Beispiele sind der 'Hiriko Fold' des Hiriko Driving Mobility Consortium, ein faltbares Elektroauto, bei dem sich die Hinterachse unter die Fahrerkabine klappen lässt, das klapp- und tragbare Mini- Elektrorad 'Yike Bike', der zum Trolley-Format zusammenfaltbare Roller 'Trikelet' oder das Elektroeinrad 'Solowheel', das sich mittels Körperverlagerung steuern lässt. Zukünftige Entwicklungen im Mobilitätsbereich
  • 15. 15 Die Nachfrage nach Services, die individuelle urbane Mobilität ermöglichen und gleichzeitig den innerstädtischen Verkehr sowie die Umwelt entlasten, wird steigen. Dies betrifft nicht nur die Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern auch die europäischen Kernmärkte, die als Absatzregion für die Automobilindustrie bereits heute an Bedeutung verlieren. Demografische Entwicklungen spielen hier ebenso eine Rolle, wie das sich wandelnde gesellschaftliche Mobilitäts- verhalten. Zum einen wird die Kombination aus einer alternden Bevölkerung und einem schrumpfenden Bestand an jungen Fahrern zu einer allmählichen Demotorisierung in den west- europäischen Staaten führen, wobei die wachsende Zahl an Singles und die Zunahme kleinerer Haushaltsgrößen diesem Trend zumindest teilweise entgegenwirken könnte.18 Zum anderen ist der ohnehin weit fortge- schrittene Urbanisierungsprozess in Europa längst noch nicht abgeschlossen, und immer mehr Menschen in den Städten sind dazu bereit, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit der Verkehrsträger rücken zunehmend in den Fokus: Entsprechend ist der Anteil von Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln im Mobilitätsmix in den letzten Jahren gestiegen. Vor allem das Fahrrad hat das Automobil teilweise als Symbolträger eines individuellen Lifestyles substituiert. Dagegen immer seltener nutzt die junge Generation das Auto. Ein Leben ohne Internet und Smartphone kann sie sich nicht vorstellen, sehr wohl aber eines ohne eigenes Fahrzeug. Demotorisierung als urbaner Trend hat viel mit diesem Statussymbolverlust des Autos für die sogenannte Internet-Generation, also die heute ca. 18- bis 34-Jährigen, zu tun. Besitz wird immer öfter als Einschränkung der persönlichen Freiheit empfunden oder als nicht nachhaltig angesehen. Erstrebenswerter werden imma- terielle Werte wie Unabhängigkeit, Flexibilität und Individualität. Erlebnisse, Sinn und ethisches Handeln gewinnen an Bedeutung. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem Carsharing- Anbieter, die verstärkt in Konkurrenz zum klassischen Fahrzeughandel treten. Denn: Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt aufgrund seiner besseren Auslastung gleich mehrere Pkw. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen dazu Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
  • 16. 16 Die zunehmende Ausrichtung auf Nachhaltigkeit sowohl im Mobilitätsverhalten als auch in der Verkehrsplanung wird die Automobilindustrie vor neue Herausforderungen stellen. Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
  • 17. bereit, ihr eigenes Fahrzeug mit anderen zu teilen (Peer-to-peer-Carsharing). Ökologische und soziale Gesichtspunkte spielen hier ebenso eine Rolle, wie die Möglichkeit, Mobilitätskosten zu senken. Stärker noch als der Neuwagenmarkt wird von dieser Entwicklung der Gebraucht- wagenmarkt negativ betroffen sein. Vor allem Händlern drohen Umsatzverluste. Auch im Bereich der Personenbeförderung werden neue Geschäftsmodelle bestehende teilweise substituieren. Online-Plattformen wie das US-Start-up Uber, die Kunden an private Fahrer vermitteln, treten zunehmend in Konkurrenz zu Taxiunternehmen. Auch der öffentliche Personennahverkehr steht vor großen Herausforderungen. Individuelle öffentliche Verkehrsdienstleistungen werden verstärkt kollektive öffentliche Verkehrsdienstleistungen ergänzen.19 Die rasante Ausbreitung öffentlicher Fahrradverleihsysteme ist hier nur ein Beispiel. Die zunehmende Vernetzung und Automa- tisierung dürften zudem stärker individualisierte Mobilitätsdienstleistungen hervorbringen, die Kunden einen echten Mehrwert bieten. Hochflexible alternative Transportsysteme wie zum Beispiel Carsharing-Flotten aus autonomen Fahrzeugen könnten den traditionellen ÖPNV langfristig sogar zu einem großen Teil überflüssig machen. Eine entscheidende Voraussetzung hierfür ist der Einsatz von Big Data Analytics, also Verfahren um große Volumina digitaler Daten aus unterschiedlichsten Quellen quasi in Echtzeit auswerten zu können. Zwei Pilotprojekte, die mit Hilfe von Big Data den öffentlichen Personen- nahverkehr revolutionieren wollen, sind 'Kutsuplus', ein Dienst der finnischen Verkehrs- betriebe in Helsinki, und 'Bridj', ein Angebot eines gleichnamigen Start-ups in Boston. Im Prinzip geht es bei beiden Diensten darum, Busrouten unter Einbeziehung zahlreicher Parameter flexibel an die Bedarfe der Fahrgäste anzupassen, das heißt, es gibt keine starren Fahrpläne, fixen Routen und festen Haltestellen mehr. In Konkurrenz zu traditionellen Mobilitätsan- bietern treten zunehmend innovative Start-ups und etablierte Anbieter aus anderen Branchen (IKT, E-Energy etc.). Für die Automobilindustrie dürfte sich insbesondere das Internet der Dinge (Smart Car, Smart Home, Smart Infrastructure, Smart Grid etc.) als ein transformatives, wenn 17Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
  • 18. 18 nicht sogar disruptives Umfeld erweisen, das zu Umbrüchen in der Wertschöpfungskette und bei den Geschäftsmodellen führen wird. Ohne Kooperationen und strategische Allianzen mit den neuen Akteuren im Markt wird es schwierig werden, am Zukunftsmarkt der vernetzten Mobilität partizipieren zu können.20 Mit der zunehmenden Verfügbarkeit internet- und cloudbasierter Services sowie der Optimierung und Standardisierung physischer und virtueller Schnittstellen zwischen den einzelnen Verkehrsträgern (Konvergenz) dürfte der Besitz eines eigenen Autos weiter an Attraktivität verlieren. Experten schätzen, dass der private Pkw-Bestand in den USA aufgrund eines breiten Angebots von Mobilitätsalternativen bis zum Jahr 2030 um 16 Prozent auf 120 Millionen sinken wird.21 Automobilbauer werden ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen müssen. Das Auto wird zwar vorerst das wichtigste Verkehrsmittel bleiben, doch ist es in Zukunft in einen multi- und intermodalen Mobilitätsmix integriert. Es ist weniger Produkt als Dienstleistung, die flexible On-demand- Mobilität verspricht. Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen Produkte Services
  • 19. 19 42 Prozent der Führungskräfte in der Automobilindustrie erwarten, dass ihrem Unternehmen bis zum Jahr 2020 neue Konkurrenz aus anderen Branchen droht.22 Intensiverer Wettbewerb und neue Herausforderungen
  • 21. 21 Carsharing ist ein Zukunftsmarkt. Mit 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013 sind die absoluten Zahlen im Vergleich zum deutschen Automobilmarkt zwar noch gering. Dennoch: Bis 2017 soll sich das Marktvolumen auf 200 Millionen Euro verdoppeln.23 Längst haben sich auch Autohersteller wie BMW, Daimler oder Citroën mit eigenen Carsharing-Konzepten im Markt etabliert. Um dem Kunden die Nutzung so einfach wie möglich zu machen und gleichzeitig eine wirtschaftliche Auslastung der Fahrzeuge sicherzustellen, müssen diese in ein komplexes Umfeld eingebettet werden, das zahlreichen Herstellern und Dienstleistern Zukunftsmarkt- chancen eröffnet. Parklösungen, Ortungs- und Navigationsdienstleistungen, digitale Schlüssel, mobile Bezahlverfahren, Versicherungen, Big Data Analytics und Ökostrom für Elektromobile sollen hier nur als einige Beispiele genannt werden. Auch Infotainment-Services, also Medienangebote, die sowohl informieren als auch unterhalten, entwickeln sich zu einem Milliarden- markt: Im Jahr 2018 werden in Fahrzeugen weltweit mehr als vier Milliarden Apps heruntergeladen werden.24 Mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge steigt auch die Menge der erzeugten Daten. Bereits im Jahr 2020 werden entsprechende Fahrzeuge weltweit rund 30 Terabyte an Daten pro Tag erzeugen.25 Für die verschiedenen Akteure in der Mobilitätsbranche wird es damit immer wichtiger, diejenigen Informationen herauszufiltern, die relevant sind und mit denen sich Wettbewerbsvorteile erzielen lassen. Erheb- liches Potenzial verspricht hier Big Data Analytics. Zu den möglichen Einsatzbereichen gehören das Erstellen von Verhaltensprofilen von Fahrern und/oder Fahrgästen, Produktoptimierungen, individualisierte Services etc. Der Fokus der Hersteller, Anbieter und Dienstleister wird sich weg von den Produkten und hin zu den Kunden verschieben.26 Völlig neue und innovative Geschäftsmodelle werden auf der Digitalisierung und der Vernetzung von Fahrzeugen gründen ("Smart Car + X"). Volvo zum Beispiel möchte mit 'Roam Delivery' seinen Kunden einen Zustellservice anbieten, bei dem im Internet bestellte Waren on-demand direkt in das eigene Auto geliefert werden, unabhängig davon, wo der Fahrzeug- Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
  • 22. Im Jahr 2020 werden weltweit rund 150 Millionen vernetzte Fahrzeuge unterwegs sein. Big Data Analytics eröffnet hier in verschiedenen Anwendungsfeldern potenzielle jährliche Einnahmequellen in Höhe von insgesamt 14,5 Milliarden US-Dollar. 27 22 101001001011011010101 11001001111011010101 Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
  • 23. 23 besitzer sich gerade aufhält. Der Zusteller erhält temporär einen digitalen Schlüssel, um das Fahrzeug zu öffnen. Das österreichische Start-up Checkrobin vernetzt über eine Online-Plattform Privatpersonen, die Pakete aufgeben oder mitnehmen wollen – quasi eine Mitfahrgelegen- heit für Pakete. Elektroautos sollen zudem als Stromspeicher fungieren. Wissenschaftler der Hochschule Würzburg-Schweinfurt haben den Prototyp einer Powerbox entwickelt, die Elektro- autos bidirektional an das Stromnetz anbindet. Die Verbindung von Smart Car und Smart Home wird es ermöglichen, vom Auto aus Haushalts- geräte an- oder auszuschalten, das Raumklima zu steuern sowie Licht- und Sicherheitssysteme zu bedienen. Mercedes-Benz kooperiert hier bereits mit Google und bietet eine Schnittstelle zu dessen Thermostat Nest. BMW i3-Fahrer sollen bald die Möglichkeit haben, Fahrzeuginforma- tionen über Samsungs Smartwatch Galaxy Gear abzurufen. Digitale Datenbrillen weisen uns in Zukunft bei Bedarf den Weg zum Standort unseres Autos oder blenden während der Fahrt Navigationshilfen, Fahrzeuginformationen oder Verkehrshinweise ein. Durch Wearables werden wir uns nicht nur mit dem Auto vernetzen, sondern mit dem gesamten Ökosystem Mobilität. Die Nachfrage nach Premium-Komfort in Verkehrsmitteln wird steigen. Genutzt wird die neue Mehrwert- Mobilität vor allem von den Jüngeren und Technik-affinen. Bessere Informationssysteme, kürzere Wartezeiten und nahtlose Konnektivität gehören zu den gewünschten Premiumdienst- leistungen.28 Eine wichtige Voraussetzung, digitale Geschäftsmodelle zum Erfolg zu führen und den Kunden in seinen Wahlmöglichkeiten nicht unnötig einzuschränken, ist die Etablierung offener Standards. Kundenorientierte Mobilitäts- Kooperationen gewinnen an Bedeutung.29 Durch die Integration zahlreicher Automa- tisierungs- und Assistenzfunktionen und die Vernetzung der Fahrzeuge mit intelligenter Infrastruktur wird das Fahren mittel- bis langfristig immer stärker automatisiert werden. Im Jahr 2035 sollen weltweit rund 95 Millionen (teil-)autonome Fahrzeuge verkauft werden.30 Der Fahrer verfügt dadurch über freie Zeit und kann gezielt mit verschiedenen Konsumange- boten angesprochen werden. Auch als Arbeits- Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
  • 24. In den nächsten fünf Jahren wird sich der weltweite Markt für intelligente Transport- und Verkehrslösungen auf über 100 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln.31 24Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
  • 25. 25 raum lässt sich das Fahrzeug in Zukunft nutzen. Diese Entwicklung wird erheblichen Einfluss auf das Design des Innenraums haben. Weitere Zukunftsmarktchancen eröffnet die Integration verschiedener Mobilitätsdienst- leistungen. Vor allem jüngere Menschen verhal- ten sich immer häufiger multimodal, das heißt, sie nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Fortbe- wegungsmittel.32 Ein Bespiel für ein entsprech- endes Geschäftsmodell ist die Kooperation von myTaxi mit dem Carsharing-Anbieter Car2Go. Hier kann der Kunde über eine gemeinsame App bedarfsorientiert zwischen den verschiedenen Mobilitätsdienstleistungen wählen. Auch Kooperationen zwischen Carsharing-Anbietern und dem ÖPNV treiben die multi-modale Mobilität voran. Bis 2020 wird rund ein Fünftel des weltweiten Marktes für Mobilitätsdienst- leistungen auf Dienstleistungen entfallen, für die der Besitz eines Autos nicht notwendig ist.33 Eine gut ausgebaute und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Standortfaktor. Während die Möglich- keiten zum Neu- und Ausbau begrenzt sind, bieten Informations- und Kommunikations- technologien ein erhebliches Potenzial zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Sicherheit der bestehenden Infrastruktur. Intelligente Verkehrsinfrastruktur kommuniziert kontinuierlich in Echtzeit mit den sie nutzenden Fahrzeugen und Fahrzeuginsassen. Sie erkennt mögliche Überlastungen und Gefahrstellen und leitet Verkehrsteilnehmer automatisch um sie herum. Darüber hinaus steuert sie das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, um eine optimale Effizienz im Verkehrsfluss zu erreichen und das Energie- management der Fahrzeuge zu optimieren. Nachhaltige urbane Mobilität ist ein Zukunfts- markt, der auch Autoherstellern lukrative neue Einnahmequellen eröffnet. Ihre Umsätze aus alternativen Dienstleistungen rund um das Thema "nachhaltige Mobilität" (Vehicle-to-Grid, Vehicle-to-Building, Carsharing, Smart Parking etc.) werden von heute 400 Millionen US-Dollar auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 steigen.34 Nutzen sie ihre Chancen rechtzeitig und schaffen sie es, notwendige Veränderungen umzusetzen, stehen auch etablierten Anbietern erfolgreiche Zeiten bevor. Zukunftsmärkte, Chancen und neue Geschäftsmodelle
  • 26. 26 Machen Sie Ihre Vision und Strategie zukunftsrobuster!
  • 27. 27 Inhouse-Workshop Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft Impulsvortrag: Ein Impulsvortrag zum Thema "Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft" inspiriert Ihr Zukunftsteam. Umfeld-Entwicklungen: Wir analysieren gemeinsam, welche konkreten Auswirkungen die Marktentwicklungen auf Ihr aktuelles Geschäft haben. Ihre strategischen Handlungsoptionen: Wir entwickeln gemeinsam vorteilhafte Handlungsmöglichkeiten für Ihr Geschäft. Nächste Schritte: Konkrete Schritte zur Umsetzung und weiteren Verwendung der erarbeiteten Ergebnisse bieten Orientierung und motivieren. Abschluss: Wir lassen den Tag im angenehmen Miteinander ausklingen. Kontakt
  • 28. 1 Oliver Wyman (2012): Mobilität im Wandel: Die Rolle des Automobils muss neu erfunden werden, Link, Veröffentlichungsdatum: 07.03.2012, Abrufdatum: 17.09.2014 2/11/27 Münchner Kreis e.V. et al. (2013): Innovationsfelder der digitalen Welt. Bedürfnisse von übermorgen, München (Link) 3 BDU-ThinkTank (2014): Mobilität der Zukunft gestalten, Bonn (Link) 4 UN (2014): World Urbanization Prospects: The 2014 Revision, New York (Link) 5 Arthur D. Little (2014): The Future of Urban Mobility 2.0, Brüssel/Frankfurt (Link) 6 Roland Berger (2014): Shared Mobility. How new business are rewriting the rules of the private transportation game, München (Link) 7 KPMG (2013): Global Automotive Retail Market. From selling cars on the spot to centrally managing the retail grid. (Link) 8 Roland Berger (2013): Connected Mobility 2025. Neue Wertschöpfung im Personenverkehr der Zukunft, München. (Link) 9 Bundesverband CarSharing (2014): Carsharing- Boom hält an, Link, Veröffentlichungsdatum: 2014, Abrufdatum: 16.07.2014 10 Navigant Research (2013): Carsharing Services Will Reach Nearly $6.2 Billion in Revenue by 2020, Link, Veröffentlichungsdatum: 11.12.2013, Abrufdatum: 12.12.2013 12 Roland Berger (2014): Shared Mobility. How new business are rewriting the rules of the private transportation game, München (Link) 13/25/27 IHS (2013): Big Data in the Driver's Seat of Connected Car Technological Advances, Link, Veröffentlichungsdatum: 19.11.2013, Abrufdatum: 12.12.2013 14 GSMA (2013): GSMA: Every new car connected by 2025 as embedded mobile technology drives growth of connected car market, Link, Veröffentlichungsdatum: 13.06.2013, Abrufdatum: 06.09.2013 15 CreditPlus Bank AG (2013): Studie: Automobilität 2014, Stuttgart (Link) 16 GSMA (2013): Connected Car Forecast: Global Connected Car Market to Grow Threefold Within Five Years, London (Link) 17 Frost & Sullivan (2012): Strategic Analysis and Benchmarking of Global OEMs Micro-Mobility Solutions, Link, Veröffentlichungsdatum: 2012, Abrufdatum: 29.07.2014 18 Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (2013): Deutschland 2030: Mehr Autos, weniger Menschen, Link, Veröffentlichungsdatum: 26.08.2013, Abrufdatum: 16.07.2014. 19 Borghuis, Jan (2013): Kombinierte Mobilität als Schlüssel zur Mobilität in der Stadt von morgen, in: Public Transport International 4/2013, S. 6-8 (Link) 20 ABI research (2014): Smart Car Innovation and Value Creation to Shift to the Boundaries between Automotive and other IoT Segments, Link, Veröffentlichungsdatum: 18.06.2014, Abrufdatum: 17.07.2014 Quellen 28
  • 29. 21 ABI research (2014): Private Auto Installed Base in North America to Fall by 16% by End of 2030, Link, Veröffentlichungsdatum: 31.03.2014, Abrufdatum: 17.04.2014. 22 KPMG (2013): Survival of the Smartest. Welche Unternehmen überleben die digitale Revolution?, Berlin (Link) 23 Progenium (2014): Nutzen UND Besitzen, Link, Veröffentlichungsdatum: 28.08.2014, Abrufdatum: 26.09.2014 24 ABI research (2013): $1.67 Billion in Revenue from Automotive App Downloads by 2018, Link , Veröffentlichungsdatum: 24.06.2013, Abrufdatum: 17.07.2014 26 Bretting, Ralf (2013): Big Intelligence, in: Big Data automotive 01/2013 (Sonderedition), Pattensen (Link) 29 EBS Business School (2012): Die Mobilität der Zukunft – Wer bewegt wen?, Link, Veröffentlichungsdatum: 12.12.2012, Abrufdatum: 26.09.2014. 30 Navigant Research (2014): Autonomous Vehicles Will Reach Nearly 95 Million in Annual Sales by 2035, Link, Veröffentlichungsdatum: 16.07.2014, Abrufdatum: 18.07.2014 31 Markets and Markets (2014): Smart Transportation Market worth $104.19 Billion by 2019, Link, Veröffentlichungsdatum: 03/2014, Abrufdatum: 09.04.2014 32 Institut für Mobilitätsforschung et al. (2014): Langstreckenmobilität. Aktuelle Trends und Zukunftsperspektiven, Kiel. (Link) 33 Bormann, René et al. (2014): Wie Phönix aus der Asche? Zur Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland (WISO Diskurs) (Link) 34 Navigant Research (2014): Automaker Revenue from Alternative Services Will Reach Nearly $5.3 Billion by 2023, Link , Veröffentlichungsdatum: 23.04.2014, Abrufdatum: 24.04.2014 Quellen 29
  • 30. www.FutureManagementGroup.com Hier Promoter-Bild einfügen Hier Promoter-Teaser einfügen und an jeweiligen Senior anpassen Hier Impressum-Block einfügen und ISSN-Nr. anpassen Impressum © FutureManagementGroup AG, 2014 Wallufer Straße 3a D-65343 Eltville Telefon: +49 (0)6123 60109 – 0 Telefax: +49 (0)6123 60109 - 29 office@futuremanagementgroup.com www.FutureManagementGroup.com Vorstand: Dr. Pero Mićić (Vorsitzender), Martin Ruesch Aufsichtsratsvorsitzender: Prof. Dr. Peter Mettler Registergericht: Amtsgericht Wiesbaden Eintragungsnummer: HRB 17918 Umsatzsteuer-Ident.-Nr: DE 227 644 650 Bilder und Grafiken © iStock FutureManagementGroup AG Die Bilder und Grafiken in diesem Dokument sind urheberrechtlich geschützt. Bei weiterer Verwendung dieser Materialien setzen Sie sich bitte mit dem Rechteinhaber in Verbindung. ISSN: 2363-6734 Enno Däneke Partner und Leiter des FutureMarkets-Center 'Mobilität und Logistik' bei der FutureManagementGroup AG Kontakt: ED@FutureManagementGroup.com +49 - (0)173 – 34 69 840 Über die FutureManagementGroup AG Die FutureManagementGroup AG unterstützt seit 1991 Führungsteams internationaler Unternehmen dabei, Chancen in Zukunftsmärkten zu erkennen und eine motivierende und zukunftsrobuste Ausrichtung, Vision und Strategie zu entwickeln und zu implementieren. So schafft sie die wichtigste Grundlage für Wettbewerbs- vorteile, wirksame Führung und großen nachhaltigen Erfolg für Unternehmen und Mitarbeiter.