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Stromproduktion aus Biomasse stösst an
natürliche Grenzen
Zwei Vorteile: Entsorgung und gleichzeitige Stromgewinnung
Biomasse kann durch Verbrennung in Wärme oder durch Vergärung in Biogas und schliesslich in
Strom umgewandelt werden. Infrage kommen Abfälle und Dung aus der Landwirtschaft, der
Lebensmittelindustrie und dem Haushalt, aber auch Klärschlamm in Abwasserkläranlagen, Waldholz
und Holzabfälle aus Gewerbe und Industrie. Die Verwertung von biogenen Abfällen in einer
Vergärungsanlage sowie die Verbrennung oder Vergasung von Altholz und Abfällen lösen einerseits
eine Entsorgungsaufgabe und tragen andererseits mit Strom- und Wärmeerzeugung zur Energie-
versorgung bei. Da die Primärenergie in Form von Biomasse lagerfähig ist, kann diese Art von
erneuerbarem Strom, innerhalb gewisser Grenzen, nachfragegerecht erzeugt werden. Der Ausbau der
Wärmenutzung zur Stromerzeugung in Kehrichtverbrennungsanlagen ist heute bereits weit
fortgeschritten. Dasselbe gilt für Biogasanlagen in Abwasserreinigungsanlagen. Mit Werten zwischen
15 bis 40 Rappen pro kWh gehört Biomasse zu den mittelpreisigen erneuerbaren Energiequellen mit
der Tendenz, bis ins Jahr 2030 günstiger zu werden.

Der Anbau von Energiepflanzen ist ökonomisch und ökologisch umstritten
Von der Bevölkerung werden die für den Betrieb der Biomassekraftwerke notwendigen Transporte
sowie die bei der thermischen Verwertung der Biomasse entstehenden Luftschadstoffe negativ
wahrgenommen, selbst dann, wenn alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Das führt
dazu, dass energie- und betriebswirtschaftlich sinnvolle Anlagen auf Widerstand stossen und nur mit
Verzögerungen oder überhaupt nicht realisiert werden können. Kommt hinzu: Sobald die Abfallströme
nicht mehr ausreichen, müssen spezielle, schnell wachsende Energiepflanzen als Rohstoff verwendet
werden. Dieser Entwicklung sind jedoch Grenzen gesetzt:

− Denn der Flächenstromertrag (kWh Strom pro Hektare und Jahr) ist bei Energiepflanzen sehr
  gering, da die Sonnenenergie zuerst über die Fotosynthese in Biomasse und diese anschliessend
  über Verbrennung, Vergasung oder Vergärung und danach über eine Turbine respektive einen
  Gasmotor sowie anschliessend über einen Generator in Strom umgewandelt werden muss.

− Während für die Entgegennahme von Abfällen ein Ertrag erwirtschaftet wird, fallen bei
  Energiepflanzen Kosten für deren Bewirtschaftung und Ernte an.

− Die effiziente Bewirtschaftung von Energiepflanzen führt in der Regel zu grossen
  zusammenhängenden Anbauflächen und Plantagen. Damit verbunden sind tendenziell lange
  Transportwege und die Gefahr von Monokulturen.

Fazit: Sinnvolle Alternative mit schwindender Akzeptanz
In der Schweiz wird sich die energetische Biomassenutzung auf die Verwertung von Abfällen und
Kehricht konzentrieren. Diese Nutzungsart ist energetisch und ökologisch sinnvoll und soll weiter
vorankommen. Allerdings ist dieses beschränkte Potenzial bereits weitgehend ausgebaut und die
Akzeptanz für weitere Anlagen ist in der Bevölkerung immer weniger gegeben. Der Anbau von
Energiepflanzen hingegen scheint zurzeit politisch für die Schweiz keine valable Option zu sein –
dies sollte in jedem Fall auch überdacht werden. Somit bleibt das realistische Potenzial für die Strom-
erzeugung aus Biomasse (inklusive Kehricht) in der Schweiz auf etwa 3000 MWh/pro Jahr
beschränkt, was dem Gesamtverbrauch von rund 350 000 Personen entspricht.

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