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Geothermie hat grosses Potenzial, steht aber
erst langfristig zur Verfügung
Grosses Potenzial übers ganze Jahr verteilt
Die Temperatur der Erdhülle nimmt pro 100 Meter um rund drei Grad zu (wegen Erdwärme und
natürlichem radioaktivem Zerfall). Ab einer Tiefe von einigen 1000 Metern kann aus der vorhandenen
Energie auch Strom produziert werden. Die realisierbaren elektrischen Wirkungsgrade liegen dabei
unter 15 Prozent. Das bedeutet, dass immer grosse Mengen an Verlustwärme auf tiefem und kaum
weiter nutzbarem Temperaturniveau anfallen. Doch trotz dieser ungünstigen Eigenschaften macht es
Sinn, an der geothermischen Stromerzeugung weiterzuarbeiten, da das Mengenpotenzial sehr gross
ist und der Strom gleichmässig über das ganze Jahr erzeugt werden könnte. Dies wäre insbesondere
aus versorgungstechnischer Sicht und in Kombination mit anderen erneuerbaren Energien sehr
wertvoll.

Entwicklung braucht noch sehr viel Zeit
Nach den Mikroerdbeben beim Pilotprojekt der Geopower Basel AG wurde die politische Akzeptanz für
die Entwicklung der tiefengeothermischen Stromerzeugung in der Schweiz allerdings weit
zurückgeworfen. Die hohen Erwartungen sind seither gedämpft. Bis heute wird hierzulande kein Strom
aus Erdwärme erzeugt. Die geothermische Stromerzeugung in geologischen Störzonen hat sich in der
Vergangenheit in einigen Ländern (beispielsweise Italien, Island, USA, Philippinen) bereits gut
bewährt. In der Schweiz gibt es allerdings keine solchen geologischen Anomalien (beispielsweise
Vulkane, Geysire), die auf vergleichsweise einfache Art genutzt werden könnten. Doch grundsätzlich
spricht nichts gegen einen langfristigen Erfolg der geothermischen Stromerzeugung in der Schweiz.
Allerdings wird die Entwicklung und Erschliessung dieser Potenziale noch einige Zeit beanspruchen.
Weitere Rückschläge bei dieser noch jungen Technologie sind nicht ausgeschlossen, nicht zuletzt,
weil der Untergrund in der entsprechenden Tiefe letztlich immer Unbekanntes aufweist.

Fazit: Beharrlich weiterarbeiten, aber realistisch bleiben
Es ist sehr schwierig abzuschätzen, welchen Beitrag die Geothermie in 20 oder 30 Jahren an die
Schweizer Stromversorgung leisten wird. Die kurzfristigen Hoffnungen werden kaum erfüllt. Trotzdem
sollte beharrlich an der Entwicklung dieser Technologie weitergearbeitet werden, nicht zuletzt, weil
geothermische Stromproduktion aus energiewirtschaftlicher Sicht günstige Eigenschaften hat.

Das Beispiel Geothermie zeigt deutlich, dass es aus heutiger Sicht sinnvoll ist, engagiert weiter-
zuforschen und keine voreiligen Technologieentscheide für die kommenden Jahrzehnte zu fällen.
Zu gross sind die Ungewissheiten, was unter Umständen in den kommenden Jahren möglich ist.
Daher ist es klug, wenn sich die Schweiz jetzt alle Optionen offen hält.

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Geothermie

  • 1. Geothermie hat grosses Potenzial, steht aber erst langfristig zur Verfügung Grosses Potenzial übers ganze Jahr verteilt Die Temperatur der Erdhülle nimmt pro 100 Meter um rund drei Grad zu (wegen Erdwärme und natürlichem radioaktivem Zerfall). Ab einer Tiefe von einigen 1000 Metern kann aus der vorhandenen Energie auch Strom produziert werden. Die realisierbaren elektrischen Wirkungsgrade liegen dabei unter 15 Prozent. Das bedeutet, dass immer grosse Mengen an Verlustwärme auf tiefem und kaum weiter nutzbarem Temperaturniveau anfallen. Doch trotz dieser ungünstigen Eigenschaften macht es Sinn, an der geothermischen Stromerzeugung weiterzuarbeiten, da das Mengenpotenzial sehr gross ist und der Strom gleichmässig über das ganze Jahr erzeugt werden könnte. Dies wäre insbesondere aus versorgungstechnischer Sicht und in Kombination mit anderen erneuerbaren Energien sehr wertvoll. Entwicklung braucht noch sehr viel Zeit Nach den Mikroerdbeben beim Pilotprojekt der Geopower Basel AG wurde die politische Akzeptanz für die Entwicklung der tiefengeothermischen Stromerzeugung in der Schweiz allerdings weit zurückgeworfen. Die hohen Erwartungen sind seither gedämpft. Bis heute wird hierzulande kein Strom aus Erdwärme erzeugt. Die geothermische Stromerzeugung in geologischen Störzonen hat sich in der Vergangenheit in einigen Ländern (beispielsweise Italien, Island, USA, Philippinen) bereits gut bewährt. In der Schweiz gibt es allerdings keine solchen geologischen Anomalien (beispielsweise Vulkane, Geysire), die auf vergleichsweise einfache Art genutzt werden könnten. Doch grundsätzlich spricht nichts gegen einen langfristigen Erfolg der geothermischen Stromerzeugung in der Schweiz. Allerdings wird die Entwicklung und Erschliessung dieser Potenziale noch einige Zeit beanspruchen. Weitere Rückschläge bei dieser noch jungen Technologie sind nicht ausgeschlossen, nicht zuletzt, weil der Untergrund in der entsprechenden Tiefe letztlich immer Unbekanntes aufweist. Fazit: Beharrlich weiterarbeiten, aber realistisch bleiben Es ist sehr schwierig abzuschätzen, welchen Beitrag die Geothermie in 20 oder 30 Jahren an die Schweizer Stromversorgung leisten wird. Die kurzfristigen Hoffnungen werden kaum erfüllt. Trotzdem sollte beharrlich an der Entwicklung dieser Technologie weitergearbeitet werden, nicht zuletzt, weil geothermische Stromproduktion aus energiewirtschaftlicher Sicht günstige Eigenschaften hat. Das Beispiel Geothermie zeigt deutlich, dass es aus heutiger Sicht sinnvoll ist, engagiert weiter- zuforschen und keine voreiligen Technologieentscheide für die kommenden Jahrzehnte zu fällen. Zu gross sind die Ungewissheiten, was unter Umständen in den kommenden Jahren möglich ist. Daher ist es klug, wenn sich die Schweiz jetzt alle Optionen offen hält.