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  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


                                                                                       und Kollegen, begutachten (oft anonym, selten als
1. Einleitung	
  
                                                                                       sogenanntes Open-Peer-Review) zur Veröffentli-
Neue Technologien, insbesondere das Internet, ver-                                     chung eingereichte Beiträge, um so sicherzustellen,
ändern die Bedingungen für Lehre und Forschung                                         dass nur Artikel verbreitet werden, die wissenschaft-
sowie den Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen                                      lichen Standards genügen. Durch Zitationsanalysen
und Lernmaterialien. Vor allem für Lehrende an Uni-                                    veröffentlichter Artikel soll geprüft werden, wie
versitäten, aber auch für Studierende, sind das In-                                    häufig diese durch andere genutzt werden, welchen
ternet und den damit verbundenen Möglichkeiten des                                     „Impact“ (engl. für „Einfluss“) sie haben. Da wissen-
Zugriffs auf wissenschaftliche Veröffentlichungen                                      schaftliche Veröffentlichungen für berufliche Karrie-
und Materialien wesentlich: Während diese früher in                                    rewege und universitäre Mittelvergaben von beson-
der Regel nur gedruckt in Bibliotheken oder für die                                    derer Bedeutung sind, ist der Druck insbesondere in
Universitäten und deren Mitglieder in einem einge-                                     den Naturwissenschaften sehr hoch, in sogenannten
schränkten Intranet zur Verfügung standen, sind jetzt                                  High-Impact-Zeitschriften zu veröffentlichen. Hier
immer häufiger Fachpublikationen und Forschungs-                                       gilt der Grundsatz „publish or perish“, eine englische
daten frei im Internet zugänglich. Auch immer mehr-                                    Redewendung, die in etwa als „publiziere oder gehe
Lernmaterialien werden zur freien Nutzung ange-                                        unter“ ins Deutsche übertragen werden kann.
boten. In diesem Kapitel werden wir uns zum einen                                          Die Akzeptanz solcher Maße (vor allem deren Be-
dem Publizieren mit freiem Zugang (engl. „open                                         rechnungsgrundlage) wird vielfach kritisiert, zudem
access“) und zum anderen frei zugänglichen und                                         muss von verschiedenen Arten von Impact im Sinne
nutzbaren Bildungsmaterialien (engl. „open educa-                                      von Sichtbarkeit ausgegangen werden, der sich nicht
tional resources“) widmen. Dabei werden wir jeweils                                    allein an Zitationshäufigkeit bemisst (Mruck & Mey,
zunächst das tradierte Verfahren, dann die Neu- und                                    2002).
Weiterentwicklungen vorstellen und Fragen des Ur-
                                                                                       Der	
  tradi1onelle	
  Publika1onsprozess
heberrechts berühren.
                                                                                       Der traditionelle Publikationsprozess in Printzeit-
2. Tradi1onelle	
  wissenscha7liche	
  Publika1onen
                                                                                       schriften sieht vor, dass Wissenschaftler/innen Ar-
Damit Forschungsarbeiten diskutiert und zitiert                                        tikel schreiben und bei Zeitschriften, in denen sie
werden können, müssen Wissenschaftler/innen diese                                      gerne sichtbar sein wollen, zur Veröffentlichung ein-
veröffentlichen und bestmöglich verbreiten. Veröf-                                     reichen. Die Zeitschriftenredaktionen organisieren
fentlichungsformen unterscheiden sich je nach Dis-                                     dann die Begutachtung, indem sie Gutachter/innen
ziplin. So werden in den Geisteswissenschaften häu-                                    um eine Bewertung des eingereichten Artikels bitten,
figer als in anderen Bereichen Sammelbände und Mo-                                     also um eine Einschätzung darüber, ob ein Artikel
nografien genutzt, im Bauwesen und in der Archi-                                       zur Veröffentlichung angenommen, durch die Auto-
tektur spielen zum Beispiel Tagungsbände eine zen-                                     rinnen und Autoren überarbeitet oder abgelehnt
trale Rolle. Über alle Wissenschaftsfelder hinweg sind                                 werden sollte. Wenn ein solcher Artikel – teilweise
jedoch Artikel in Fachzeitschriften die am häufigsten                                  nach mehreren Überarbeitungsrunden – für die Ver-
genutzte Veröffentlichungsform (Deutsche For-                                          öffentlichung akzeptiert worden ist, organisiert die
schungsgemeinschaft, 2005).                                                            Redaktion in der Regel das Lektorat und Korrektorat,
                                                                                       also die formale Prüfung und Korrektur des Artikels
Der	
  Grundsatz	
  „Publish	
  or	
  perish“	
  
                                                                                       und gibt den fertigen Artikel an einen kommerziellen
Der Aufbau der modernen Wissenschaften, wie wir                                        Verlag weiter, der für Druck und Verbreitung der
sie heute kennen, war von Beginn an mit der                                            Zeitschrift, in dem der Artikel erscheinen soll, zu-
Gründung von wissenschaftlichen Fachgesellschaften                                     ständig ist. Mit der Veröffentlichung geben die Auto-
und wissenschaftlichen Fachzeitschriften verbunden.                                    rinnen und Autoren zumeist die Nutzungsrechte an
Die beiden ältesten Zeitschriften, das „Journal des                                    ihrer Arbeit an den Verlag weiter. Bibliotheken
sçavans“ und die „Philosophical Transactions“ of the                                   können die Zeitschrift dann für die Nutzung durch
Royal Society, starteten 1665 und erfüllten Funk-                                      ihre Mitglieder (zum Beispiel Angehörige einer Uni-
tionen, die bis heute für wissenschaftliche Zeit-                                      versität) wiedererwerben.
schriften zentral sind – die Sicherung von Priorität
                                                                                       3. Einfluss	
  der	
  digitalen	
  Technologien	
  auf	
  das	
  Publika1-­‐
durch möglichst schnelle und breite Veröffentlichung
                                                                                       onsverhalten
von Forschungsergebnissen und die Sicherung von
Qualität, letzteres insbesondere durch sogenannte                                      Erst mit dem Internet und der Verbreitung digitaler
„Peer-Review-Verfahren“: Peers, also Kolleginnen                                       Technologien begannen Wissenschaftler/innen, sich
Offener	
  Zugang.	
  Open	
  Access,	
  Open	
  EducaConal	
  Resources	
  und	
  Urheberrecht	
  	
  —	
  3


Artikel per E-Mail zuzuschicken, schnell folgten, als
                                                                                    „Open	
  access	
  meint,	
  dass	
  [...]	
  Literatur	
  kostenfrei	
  und
dies technisch machbar war, die ersten Preprint-
Server, über die sie ihre Papiere zugänglich machten,                         !     öffentlich	
   im	
   Internet	
   zugänglich	
   sein	
   sollte,	
   so	
   dass
                                                                                    Interessierte	
   die	
   Volltexte	
   lesen,	
   herunterladen,	
   ko-­‐
noch bevor sie in Zeitschriften veröffentlicht wurden.                              pieren,	
   verteilen,	
   drucken,	
   in	
   ihnen	
   suchen,	
   auf	
   sie
Ein solches Verfügbarmachen sollte helfen, den Text                                 verweisen	
  und	
  sie	
  auch	
  sonst	
  auf	
  jede	
  denkbare	
  legale
unter Kolleginnen und Kollegen – öffentlich – zu                                    Weise	
  benutzen	
  können,	
  ohne	
  finanzielle,	
  gesetzliche
diskutieren (und so die Güte beziehungsweise Qua-                                   oder	
  technische	
  Barrieren	
  jenseits	
  von	
  denen,	
  die	
  mit
lität des Textes zu erhöhen, eine Art „Vorläufer“ des                               dem	
   Internet-­‐Zugang	
   selbst	
   verbunden	
   sind.“	
   (Open
                                                                                    Society	
  FoundaCon,	
  2010)
Open-Peer-Review) und zur Vernetzung in der Com-
munity beitragen. Zudem konnten Prioritätsan-
sprüche, zum Beispiel im Falle von Entdeckungen,
frühzeitig kenntlich gemacht werden. Ebenfalls in
den Naturwissenschaften starteten die ersten elektro-                         Um die eigene Arbeit frei zugänglich zu machen,
nischen Zeitschriften, diese gehören mittlerweile aber                     lassen sich zwei Hauptstrategien des Open Access
zum Angebot fast aller Disziplinen (siehe das Di-                          unterscheiden: Bei dem sogenannten goldenen Weg
rectory of Open Access Journals, http://doaj.org). In                      veröffentlichen Wissenschaftler/innen direkt in
elektronischen Zeitschriften können neben Text und                         Open-Access-Zeitschriften, bei dem sogenannten
Bild zusätzliche Dateiformate (zum Beispiel Audio-                         grünen Weg werden digitale Kopien von Artikeln,
und Videodateien oder Primärdaten; letztere gerade                         die kostenpflichtig in Print- beziehungsweise Closed-
auch mit Blick auf bessere Nachvollziehbarkeit und                         Access-Zeitschriften veröffentlicht werden, auf Do-
Transparenz des Forschungsprozesses) angeboten                             kumentenservern zugänglich gemacht, die zum Bei-
werden. Einschränkungen wie die Anzahl der Druck-                          spiel von Universitäten oder für Fächer beziehungs-
seiten entfallen.                                                          weise Fachgruppen betrieben werden (siehe hierzu
    Mit der Entwicklung des Internets und von bes-                         das „Directory of Open Access Repositories“,
serer Software (insbesondere des Open Journal                              http://www.opendoar.org).
System, OJS) eröffnete sich für Wissenschaftler/in-                           Beiden Strategien gemeinsam ist aufgrund des
nen zudem die Option, nicht nur als Autor/in, Re-                          schnellen und freien Zugangs und der daraus fol-
daktionsmitglied, Gutachter/in oder Lektor/in ihre                         genden guten Auffindbarkeit wissenschaftlicher Ar-
in der Regel durch die öffentliche Hand finanzierte                        beiten über Suchmaschinen und Nachweisdienste die
Zeit in die Produktion von Artikeln zu investieren,                        Verbesserung der Informationsversorgung und das
sondern die Zeitschriften selbst zu betreiben. Zum
Beispiel über Mailinglisten können Kollegen und                                     Einige	
  ausgewählte	
  Meilensteine	
  der	
  Open-­‐Access-­‐Be-­‐
Kolleginnen auf ihre Zeitschrift, neue Artikel usw.
aufmerksam gemacht werden. Dies steht im Zeichen
                                                                              !     wegung:	
  
                                                                                     ▸ 1991	
  wird	
  arXiv	
  als	
  erster	
  frei	
  zugänglicher	
  Doku-­‐
der Demokratisierung von Wissenschaft und für die                                      mentenserver	
   gegründet;	
   er	
   bietet	
   heute	
   Zugang
zur ückg ewonnene Autonomie der Wissen-                                                zu	
   über	
   650.000	
   E-­‐Prints	
   aus	
   Physik,	
   MathemaCk,
schaftler/innen.                                                                       Computerwissenschag	
  usw.	
  (hhp://arxiv.org).
                                                                                     ▸ 2001	
   startet	
   die	
   erste	
   große	
   naturwissenschag-­‐
4. Die	
  Open-­‐Access-­‐Bewegung	
                                                   liche	
   Open-­‐Access-­‐Zeitschrig	
   der	
   Public	
   Library	
   of
                                                                                       Science	
  (hhp://www.plos.org).	
  
Da zeitgleich die sogenannte Bibliothekskrise um sich                                ▸ 2002	
   gewinnt	
   Open	
   Access	
   mit	
   der	
   Budapest
griff, das heißt dass wissenschaftliche Bibliotheken                                   Open	
   Access	
   IniCaCve	
   über	
   die	
   Naturwissen-­‐
die Arbeiten ihrer Wissenschaftler/innen trotz sin-                                    schagen	
   hinaus	
   Konturen	
   auch	
   im	
   Sinne	
   einer
kender Budgets bei teilweise horrende steigenden                                       Wendung	
  gegen	
  den	
  „Digital	
  Divide“	
  
Zeitschriftenpreisen zurückkaufen mussten bezie-                                       (hhp://www.soros.org/openaccess/).	
  
                                                                                     ▸ 2003	
   iniCiert	
   die	
   Max-­‐Planck-­‐Gesellschag	
   die
hungsweise nur noch in begrenztem Umfang zurück-                                       Berlin	
   DeclaraCon	
   on	
   Open	
   Access	
   to	
   Knowledge
kaufen konnten, formierte sich eine international                                      in	
   the	
   Sciences	
   and	
   HumaniCes,	
   die	
   auch	
   auf	
   den
immer stärker werdende Open-Access-Bewegung, in                                        Zugang	
   zum	
   kulturellen	
   Erbe	
   abhebt	
   und	
   der	
   sich
deren Kern die Forderung steht, dass die Ergebnisse                                    viele	
   wichCge	
   InsCtuConen	
   und	
   Fördereinrich-­‐
öffentlich finanzierter Forschung auch öffentlich                                      tungen	
  weltweit	
  anschließen.
zugänglich sein müssen (Mruck et al., 2004).                                           (hhp://oa.mpg.de/lang/de/berlin-­‐prozess/)
                                                                                     ▸ 2005	
   startet	
   die	
   „PeCCon	
   for	
   Guaranteed	
   Public
                                                                                       Access	
   to	
   Publicly-­‐funded	
   Research	
   Results“	
   mit
                                                                                       erheblicher	
   Breitenwirkung	
   insbesondere	
   in
                                                                                       Europa	
  (hhp://www.ec-­‐peCCon.eu/).	
  
4	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)



   In der Praxis : Die Zeitschrift „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research“
   QualitaCve	
   Forschungsmethoden	
   kommen	
   in	
   unterschied-­‐                        ArCkel	
   werden	
   in	
   deutsch,	
   englisch	
   oder	
   spanisch	
   begut-­‐
   lichsten	
  Disziplinen	
  zum	
  Einsatz.	
  Als	
  1999	
  die	
  Idee	
  entstand,         achtet	
  und	
  muhersprachlich	
  lektoriert,	
  RedakCon	
  und	
  Beirat
   ein	
  Journal	
  zu	
  gründen,	
  das	
  hilg,	
  qualitaCve	
  Forschung	
  trans-­‐       kommen	
   aus	
   10	
   Disziplinen	
   und	
   13	
   Ländern,	
   alle	
   ca.	
   1.350
   disziplinär	
  und	
  internaConal	
  sichtbar	
  zu	
  machen	
  und	
  Wissen-­‐            bisher	
   veröffentlichten	
   ArCkel	
   sind	
   frei	
   online	
   zugänglich
   schagler/innen	
  aus	
  aller	
  Welt	
  auf	
  diese	
  Weise	
  zu	
  vernetzen,           (Mruck	
  &	
  Mey,	
  2008).	
  Eine	
  gerade	
  veröffentlichte	
  empirische
   winkten	
   die	
   Verlage	
   ab	
   –	
   eine	
   elektronische	
   Zeitschrig?	
   Die   Untersuchung	
   zu	
   qualitaCver	
   Forschung	
   in	
   der	
   Psychologie
   Wissenschagler/innen	
   nahmen	
   dies	
   darauuin	
   selbst	
   in die        	
         zeigt,	
   dass	
   FQS-­‐Veröffentlichungen	
   nicht	
   nur	
   maximal
   Hand.	
   Heute	
   ist	
   die	
   Zeitschrig	
   "Forum	
   QualitaCve	
   Sozialfor-­‐     sichtbar	
   sind,	
   sondern	
   sich	
   auch	
   durch	
   eine	
   überdurch-­‐
   schung	
   /	
   Forum:	
   QualitaCve	
   Social	
   Research"	
   –	
   mit	
   über        schnihlich	
  hohe	
  Qualität	
  auszeichnen	
  (Ilg	
  &	
  Boothe,	
  2010).	
  
   13.000	
   registrierten	
   Leser/innen	
   die	
   weltweit	
   größte	
   Res-­‐
   source	
  für	
  qualitaCve	
  Forschung.	
                                                   URL:	
  hhp://www.qualitaCve-­‐research.net/index.php/fqs	
  	
  



Sichtbarmachen (neuer) Themen (besonders wichtig                                                 Bundestagsfraktionen gefunden. Und auch zum Bei-
bei Randthemen; Zawacki-Richter et al., 2010). Ins-                                              spiel in Österreich und der Schweiz haben die natio-
gesamt trägt Open Access wesentlich zur Förderung                                                nalen Fördereinrichtungen Open Access in ihre
internationaler und interdisziplinärer Zusammen-                                                 Richtlinien aufgenommen.
arbeit und von Forschungseffizienz durch die rasche
                                                                                                 5. Open	
  Educa1onal	
  Resources:	
  Frei	
  verwendbare	
  Lern-­‐
Diskussion von Forschungsergebnissen bei.
                                                                                                 und	
  Lehrmaterialien	
  
   Mittlerweile beschränkt sich die Forderung nach
Open Access nicht mehr nur auf wissenschaftliche                                                 Unabhängig hiervon, aber sicher von der Open-
Fachzeitschriften, sondern es geht zunehmend auch                                                Access-Bewegung auf der einen Seite sowie auf der
um Open Access zu Monografien, zu Daten und                                                      anderen Seite auch von Erfolgen der Open-Source-
prinzipieller zu kulturellem Erbe (Deutsche                                                      Entwicklungen wie das Betriebssystem „Linux“ be-
UNESCO-Kommission, 2007). Mit einigem Recht                                                      einflusst, hat sich Anfang des 21. Jahrhunderts eine
kann für einige Länder wie Großbritannien, Holland,                                              Bewegung formiert, die die freie Verwendung, den
aber auch die Bundesrepublik Deutschland gesagt                                                  Austausch und die Modifikation von Bildungsres-
werden, dass Open Access wissenschaftspolitisch                                                  sourcen im Web einfordert und unterstützt.
mehr und mehr zum herrschenden Paradigma ge-                                                         Frei verwendbare Lern- und Lehrmaterialien
worden ist: die Hochschulrektorenkonferenz, große                                                werden auch in der deutschsprachigen Diskussion
Forschungseinrichtungen sowie Fördereinrichtungen                                                häufig als „Open Educational Resources“ oder kurz
wie die Volkswagenstiftung, die Deutsche For-                                                    „OER“ bezeichnet. Solche frei verwendbaren digi-
schungsgemeinschaft (DFG) unterstützen Open                                                      talen Materialien zeichnen sich nicht nur dadurch aus,
Access. Letztere treiben die Verbreitung von Infor-                                              dass sie im Web zugänglich sind, sondern sie sollen
mationen über Open Access sowie von Open-
Access-Publikationsmodellen aktiv voran, indem sie                                                         Open	
   EducaConal	
   Resources	
   (OER)	
   sind	
   Materialien
die freie Verfügbarkeit in ihre Förderrichtlinien auf-
nehmen oder sich um ein wissenschaftsfreundlicheres                                                 !      für	
  Lernende	
  und	
  Lehrende,	
  die	
  kostenlos	
  im	
  Web	
  zu-­‐
                                                                                                           gänglich	
   sind,	
   entsprechend	
   zur	
   Verwendung	
   und
Urheberrecht bemühen. Diese Bemühungen haben                                                               auch	
   ModifikaCon	
   freigegeben,	
   das	
   heißt	
   lizensiert
zwischenzeitlich auch positive Resonanz bei allen                                                          wurden.	
   In	
   einigen	
   DefiniConen	
   wird	
   zusätzlich	
   die
                                                                                                           Verwendung	
   von	
   offenen	
   Sogware-­‐Standards	
   als	
   Kri-­‐
                                                                                                           terium	
  –	
  das	
  jedoch	
  häufig	
  nicht	
  erfüllt	
  wird	
  –	
  einge-­‐
         Für	
  Wissenschagler/innen	
  bedeutet	
  Open	
  Access	
  eine                                 fordert	
  (Geser,	
  2007).
   !     wesentliche	
  SelbstermächCgung:	
  "Science	
  back	
  to	
  the
         ScienCsts".	
   Eine	
   wissenschagliche	
   Zukung,	
   in	
   der
         E-­‐Learning,	
   E-­‐Publishing,	
   E-­‐Science,	
   Datenaustausch                   auch dezidiert frei nutzbar sein.
         usw.	
   integriert	
   am	
   Bildschirm	
   Tagesgeschäg	
   werden,                  Damit ist auch hier die Frage des Urheberrechts
         setzt	
   die	
   freie	
   Verfügbarkeit	
   aller	
   relevanten	
   Res-­‐           berührt. Es gilt generell, dass die Urheberrechtsin-
         sourcen	
  unmihelbar	
  voraus.                                                        haber/innen – also die Autorinnen und Autoren von
                                                                                                 Lern- und Lehrmaterialien – um Erlaubnis gefragt
Offener	
  Zugang.	
  Open	
  Access,	
  Open	
  EducaConal	
  Resources	
  und	
  Urheberrecht	
  	
  —	
  5



  In der Praxis : Umgang mit Internetressourcen in Unterricht und Lehre
  Das	
  Urheberrecht	
  war	
  ursprünglich	
  so	
  angelegt,	
  dass	
  es	
  Au-­‐             denen	
   Medien	
   in	
   der	
   Lehre	
   eingesetzt	
   werden,	
   ohne	
   dass
  torinnen	
  und	
  Autoren	
  erfolgreicher	
  Werke	
  eine	
  Finanzierung                     mit	
   Konsequenzen	
   zu	
   rechnen	
   ist.	
   Auch	
   gilt	
   hier:	
   „Wo	
   kein
  und	
   einen	
   Anreiz	
   zum	
   weiteren	
   kreaCven	
   Schaffen	
   bieten                Kläger,	
   da	
   kein	
   Richter“:	
   Was	
   im	
   Klassenzimmer,	
   Semi-­‐
  sollte	
   (vgl.	
   Steinhauer,	
   2010).	
   Dem	
   Recht	
   auf	
   alleinige	
   Her-­‐   narraum	
  oder	
  in	
  nicht	
  öffentlich	
  zugänglichen	
  virtuellen	
  Lern-­‐
  ausgabe	
  der	
  eigenen	
  Werke	
  standen	
  immer	
  Beschränkungen                         räumen	
   passiert,	
   wird	
   kaum	
   ausreichend	
   Aufregung	
   und
  entgegen	
  –	
  beispielsweise	
  die	
  zeitliche	
  Begrenzung	
  des	
  Urhe-­‐              wirkliche	
  Probleme	
  erzeugen	
  können.	
  
  berrechts	
   (ursprünglich	
   14	
  Jahre)	
   –	
   die	
   sicherstellen	
   sollten,
  dass	
   private	
   und	
   öffentliche	
   Interessen	
   im	
   Gleichgewicht                  Mehr	
  und	
  mehr	
  finden	
  wir	
  uns	
  aber	
  in	
  SituaConen	
  wieder,	
  in
  stehen.	
   Dieser	
   gesellschagliche	
   Interessenausgleich	
   hat	
   sich                 denen	
  die	
  Verwendung	
  von	
  Materialien	
  technisch	
  erschwert
  in	
  den	
  letzten	
  50	
  Jahren	
  vor	
  allem	
  zugunsten	
  der	
  Rechteinha-­‐        wird	
  oder	
  man	
  in	
  rechtlich	
  unsicheres	
  Fahrwasser	
  gerät.	
  Bei-­‐
  ber/innen	
  verändert.                                                                          spielsweise	
   dürfen	
   gefundene	
   Lernmaterialien	
   (Bilder,
                                                                                                   Screenshots,	
  Texte)	
  nicht	
  einfach	
  in	
  eigene	
  Materialien	
  inte-­‐
  Lehrende	
   an	
   einer	
   Schule	
   oder	
   Universität	
   hahen	
   bisher               griert	
   und	
   wieder	
   veröffentlicht	
   werden.	
   Hier	
   sind	
   es	
   also	
   die
  jedoch	
   kaum	
   mit	
   Problemen	
   zu	
   rechnen:	
   Die	
   Nutzung	
   aller          durch	
   die	
   neuen	
   Medien	
   und	
   Technologien	
   ermöglichten
  möglichen	
   Medienartefakte	
   war	
   normalerweise	
   durch                                Formen	
  der	
  Veröffentlichung	
  und	
  Verteilung	
  sowie	
  die	
  damit
  „Schrankenregelungen“	
  gedeckt,	
  die	
  explizite	
  Ausnahmen	
  für                        möglichen	
  neuen	
  Lern-­‐	
  und	
  Lehrformen,	
  die	
  Lehrende	
  –	
  und
  Zwecke	
   des	
   Unterrichts	
   und	
   Forschung	
   vorsahen.	
   In	
   diesem             auch	
   Lernende	
   –	
   auf	
   Kollisionskurs	
   mit	
   dem	
   Gesetz	
   bringen
  Sinne	
  können	
  alle	
  im	
  Internet	
  oder	
  auf	
  legalem	
  Wege	
  erstan-­‐         können.	
  


werden müssen, bevor die Materialien im Unterricht                                                 funktionen vieler Anwendungen (beispielsweise bei
verwendet, an anderer Stellen zur Verfügung gestellt                                               Flickr.com) auch gezielt die Recherche nach liberal li-
oder sogar modifiziert werden.                                                                     zenzierten Inhalten.
    Es liegen unterschiedliche Lizenzmodelle vor, die
es ermöglichen, eindeutig zu regeln, unter welchen
Voraussetzungen Bildungsressourcen oder auch                                                                  Ausgewählte	
   Meilensteine	
   der	
   Open-­‐EducaConal-­‐Re-­‐
andere Materialien weiterverwendet werden dürfen.                                                     !       sources-­‐Bewegung	
  sind:
                                                                                                               ▸ 2002:	
  Die	
  UNESCO-­‐IniCaCve	
  „Free	
  EducaConal	
  Re-­‐
    Im deutschsprachigen Raum ist der Einsatz der                                                                sources“	
   weckt	
   erstmal	
   breites	
   Interesse	
   für	
   das
„Creative-Commons-Lizenzen“ verbreitet. Dabei                                                                    Thema.	
  
stehen Lizenzformulierungen für viele europäische                                                              ▸ 2003:	
   Das	
   Massachusehs	
   InsCtute	
   of	
   Technology
Länder zur Verfügung, die von Juristinnen und Ju-                                                                startet	
   die	
   Veröffentlichung	
   von	
   Kursunterlagen
risten geprüft wurden, aber auch in einfacher, klarer                                                            (MIT	
  OpenCourseWare).	
  
                                                                                                               ▸ 2007:	
  Die	
  OECD	
  veröffentlicht	
  eine	
  Studie	
  zu	
  OER,
Sprache Rechte von Autorinnen und Autoren sowie
                                                                                                                 die	
   William	
   and	
   Flora	
   Hewleh	
   FoundaCon	
   analy-­‐
Benutzerinnen und Benutzern beschreiben.                                                                         siert	
   die	
   OER-­‐Bewegung	
   (Atkins	
   et	
   al.,	
   2007),	
   und
Urheber/innen können mit diesen Creative-                                                                        die	
  Europäische	
  Kommission	
  ko-­‐finanziert	
  erstmals
Commons-Lizenzen beispielsweise festlegen, ob (a)                                                                Projekte	
  zu	
  OER	
  (zum	
  Beispiel	
  OLCOS,	
  BAZAAR)	
  
der Name des Urhebers genannt werden muss, ob (b)
das Werk modifiziert werden darf oder ob (c) alle                                                     Argumente, die für die Einführung von OER
Werke, die auf den Inhalten aufbauen, unter der                                                    sprechen, sind (Geser, 2007): OER ermöglichen po-
gleichen Lizenz veröffentlich werden müssen (als                                                   tenziell einfacheren und kostengünstigeren Zugang
„Copyleft“ bezeichnet).                                                                            zu Ressourcen, die einigen Lernenden sonst nicht zu-
    In einigen Sammlungen von OER werden ent-                                                      gänglich wären. Auch werden Steuergelder rentabler
sprechende Lizenzierungen als Standard vorgegeben,                                                 eingesetzt, da Ressourcen wiederverwendet werden
das heißt Nutzer/innen müssen ihre Materialien                                                     können. Auch für Lehrende werden Möglichkeiten
unter einer solchen liberalen Lizenz veröffentlichen.                                              der effektiveren Erstellung von Materialien bezie-
Zu solchen Angeboten gehören unter anderem                                                         hungsweise Gestaltung des Unterrichts als Vorteile
OERcommons.org, Wikieducator.org (englisch-                                                        genannt. Oft steht dabei auch die Kooperation und
sprachig, für Hochschulen) oder auch das deutsch-                                                  Kollaboration von Lehrenden und Lernenden im
sprachige ZUM.wiki.de mit Lehr- und Lernmate-                                                      Vordergrund, beispielsweise bei der Open University
rialien für Schulen. Gleichzeitig ermöglichen Such-                                                im Vereinigten Königreich (Lane, 2008). Hoch-
                                                                                                   schulen wie das Massachusetts Institute of Tech-
6	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


nology, die OER-Strategien einführen, bringen                                                        http://www.dfg.de/download/programme/sachbeihilfe/ab-
darüber beispielsweise auch offen Argumente wie die                                                  schlussberichte/2_01/2_01.pdf [2010-12-06], 21-22.
Möglichkeit positiver Public Relations oder Neukun-                                              ▸   Koch, L.; Mey, G. & Mruck, K. (2009). Erfahrungen mit Open
dengewinnung an (Schaffert, 2010).                                                                   Access – ausgewählte Ergebnisse aus der Befragung zum
                                                                                                     Nutzen und Nutzung von FQS. In: Information, Wissenschaft,
         Auf	
   der	
   Website	
   Wikieducator.org	
   werden	
   gemein-­‐                       Praxis, 60(3), URL: http://eprints.rclis.org/16860 [2012-12-06],
   ?     schaglich	
   OER	
   erstellt,	
   die	
   überwiegend	
   um	
   Themen
         des	
   technologiegestützten	
   Lernens	
   kreisen.	
   Dort	
   gibt                ▸
                                                                                                     291-299.
                                                                                                     Lane, A. (2008). Reflections on Sustaining Open Educational
         es	
  auch	
  ein	
  Tutorium	
  in	
  mehreren	
  Sprachen,	
  das	
  unter                Resources: An Institutional Case Study. In: eLearning Papers,
         anderem	
   das	
   Recherchieren,	
   die	
   Erstellung	
   und	
   das
                                                                                                     10, URL: http://www.elearningeuropa.info/files/media/me-
         Publizieren	
   von	
   OER	
   themaCsiert.	
   Welche	
   Tipps	
   er-­‐
         halten	
   Sie	
   dort?	
   Sind	
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   Hinweise	
   aktuell?	
   Falls	
   Sie       dia16677.pdf [2010-12-06].
         wollen,	
  ändern	
  und	
  aktualisieren	
  Sie	
  die	
  Beiträge!                    ▸   Mruck, K. & Mey, G. (2002). Peer Review Between Printed
                                                                                                     Past and Digital Future. In: Research in Science Education,
Literatur                                                                                            32(2), 257-268.
                                                                                                 ▸   Mruck, K. &. Mey, G. (2008). Using the Internet for Scientific
▸ Atkins, D. E.; Brown, J. S. & Hammond, A. L. (2007). A                                             Publishing. In: Poiesis Praxis, 5, 113-123.
  Review of the Open Educational Resources (OER) Movement:                                       ▸   Mruck, K.; Gradmann, S. & Mey, G. (2004). Open Access: Wis-
  Achievements, Challenges and New Opportunities. Report to                                          senschaft als Öffentliches Gut. In: Forum Qualitative Sozial-
  The William and Flora Hewlett Foundation. URL: http://co-                                          forschung / Forum: Qualitative Social Research, 5(2), 14, URL:
  hesion.rice.edu/Conferences/Hewlett/emplibrary/A                                                   http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0402141 [2010-
  %20Review%20of%20the%20Open%20Educational%20Re-                                                    12-06].
  sources%20%28OER%29%20Movement_BlogLink.pdf                                                    ▸   OECD (2007). Giving Knowledge for Free. The Emergence of
  [2010-12-06].                                                                                      Open Educational Resources. Paris, URL:
▸ Deutsche Forschungsgemeinschaft (2005). Publikationsstra-                                          http://213.253.134.43/oecd/pdfs/browseit/9607041E.PDF
  tegien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publika-                                            [2010-12-06].
  tions- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksich-                                    ▸   Open Society Foundation (2010). Budapest: Open Access In-
  tigung von Open Access. Weinheim: Wiley-VCH Verlag, URL:                                           itiative, URL: http://www.soros.org/openaccess/g/read.shtml
  http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/programm                                         [2010-12-12].
  _evaluation/studien/studie_publikationsstrategien [2010-12-                                    ▸   Schaffert, S. (2010). Strategic Integration of Open Educational
  06], 31.                                                                                           Resources in Higher Education. Objectives, Case Studies, and
▸ Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.) (2007). Open                                                    the Impact of Web 2.0 on Universities. In: U.-D. Ehlers & D.
  Access. Chancen und Herausforderungen. Ein Handbuch.                                               Schneckenberg (Hrsg.), Changing Cultures in Higher Education
  Bonn, URL: http://open-                                                                            – Moving Ahead to Future Learning. New York: Springer, 119-
  access.net/fileadmin/downloads/Open-Access-Handbuch.pdf                                            131.
  [2010-12-06].                                                                                  ▸   Steinhauer, E. W. (2010). Das Recht auf Sichtbarkeit. Überle-
▸ Geser, G. (2007). Open Educational Practices and Resources.                                        gungen zu Open Access und Wissenschaftsfreiheit. URL:
  OLCOS Roadmap 2012. Salzburg: Salzburg Research, URL:                                              http://fiz1.fh-potsdam.de/volltext/aueintrag/10497.pdf
  http://www.salzburgresearch.at/research/publications_de-                                           [2010-12-06].
  tail.php?pub_id=357 [2010-12-06].                                                              ▸   Zawacki-Richter, O.; Anderson, T. & Tuncay, N. (2010) .The
▸ Ilg, S. & Boothe, B. (2010). Qualitative Forschung im psycholo-                                    Growing Impact of Open Access Distance Education Journals:
  gischen Feld: Was ist eine gute Publikation?. In: Forum Quali-                                     A Bibliometric Analysis. In: The Journal of Distance Edu-
  tative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research,                                       cation / Revue de l'Éducation à Distance, 24(3), URL:
  11(2), Art. 27, URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-                                      http://auspace.athabascau.ca:8080/dspace/handle/2149/2770
  fqs1002256 [2010-12-06].                                                                           [2010-12-06]..
▸ Informationsplattform Open Access. URL: http://open-ac-
  cess.net/ [2010-12-06]; URL:

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Offener Zugang - Open Access, Open Educational Resources und Urheberrecht

  • 1.
  • 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) und Kollegen, begutachten (oft anonym, selten als 1. Einleitung   sogenanntes Open-Peer-Review) zur Veröffentli- Neue Technologien, insbesondere das Internet, ver- chung eingereichte Beiträge, um so sicherzustellen, ändern die Bedingungen für Lehre und Forschung dass nur Artikel verbreitet werden, die wissenschaft- sowie den Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen lichen Standards genügen. Durch Zitationsanalysen und Lernmaterialien. Vor allem für Lehrende an Uni- veröffentlichter Artikel soll geprüft werden, wie versitäten, aber auch für Studierende, sind das In- häufig diese durch andere genutzt werden, welchen ternet und den damit verbundenen Möglichkeiten des „Impact“ (engl. für „Einfluss“) sie haben. Da wissen- Zugriffs auf wissenschaftliche Veröffentlichungen schaftliche Veröffentlichungen für berufliche Karrie- und Materialien wesentlich: Während diese früher in rewege und universitäre Mittelvergaben von beson- der Regel nur gedruckt in Bibliotheken oder für die derer Bedeutung sind, ist der Druck insbesondere in Universitäten und deren Mitglieder in einem einge- den Naturwissenschaften sehr hoch, in sogenannten schränkten Intranet zur Verfügung standen, sind jetzt High-Impact-Zeitschriften zu veröffentlichen. Hier immer häufiger Fachpublikationen und Forschungs- gilt der Grundsatz „publish or perish“, eine englische daten frei im Internet zugänglich. Auch immer mehr- Redewendung, die in etwa als „publiziere oder gehe Lernmaterialien werden zur freien Nutzung ange- unter“ ins Deutsche übertragen werden kann. boten. In diesem Kapitel werden wir uns zum einen Die Akzeptanz solcher Maße (vor allem deren Be- dem Publizieren mit freiem Zugang (engl. „open rechnungsgrundlage) wird vielfach kritisiert, zudem access“) und zum anderen frei zugänglichen und muss von verschiedenen Arten von Impact im Sinne nutzbaren Bildungsmaterialien (engl. „open educa- von Sichtbarkeit ausgegangen werden, der sich nicht tional resources“) widmen. Dabei werden wir jeweils allein an Zitationshäufigkeit bemisst (Mruck & Mey, zunächst das tradierte Verfahren, dann die Neu- und 2002). Weiterentwicklungen vorstellen und Fragen des Ur- Der  tradi1onelle  Publika1onsprozess heberrechts berühren. Der traditionelle Publikationsprozess in Printzeit- 2. Tradi1onelle  wissenscha7liche  Publika1onen schriften sieht vor, dass Wissenschaftler/innen Ar- Damit Forschungsarbeiten diskutiert und zitiert tikel schreiben und bei Zeitschriften, in denen sie werden können, müssen Wissenschaftler/innen diese gerne sichtbar sein wollen, zur Veröffentlichung ein- veröffentlichen und bestmöglich verbreiten. Veröf- reichen. Die Zeitschriftenredaktionen organisieren fentlichungsformen unterscheiden sich je nach Dis- dann die Begutachtung, indem sie Gutachter/innen ziplin. So werden in den Geisteswissenschaften häu- um eine Bewertung des eingereichten Artikels bitten, figer als in anderen Bereichen Sammelbände und Mo- also um eine Einschätzung darüber, ob ein Artikel nografien genutzt, im Bauwesen und in der Archi- zur Veröffentlichung angenommen, durch die Auto- tektur spielen zum Beispiel Tagungsbände eine zen- rinnen und Autoren überarbeitet oder abgelehnt trale Rolle. Über alle Wissenschaftsfelder hinweg sind werden sollte. Wenn ein solcher Artikel – teilweise jedoch Artikel in Fachzeitschriften die am häufigsten nach mehreren Überarbeitungsrunden – für die Ver- genutzte Veröffentlichungsform (Deutsche For- öffentlichung akzeptiert worden ist, organisiert die schungsgemeinschaft, 2005). Redaktion in der Regel das Lektorat und Korrektorat, also die formale Prüfung und Korrektur des Artikels Der  Grundsatz  „Publish  or  perish“   und gibt den fertigen Artikel an einen kommerziellen Der Aufbau der modernen Wissenschaften, wie wir Verlag weiter, der für Druck und Verbreitung der sie heute kennen, war von Beginn an mit der Zeitschrift, in dem der Artikel erscheinen soll, zu- Gründung von wissenschaftlichen Fachgesellschaften ständig ist. Mit der Veröffentlichung geben die Auto- und wissenschaftlichen Fachzeitschriften verbunden. rinnen und Autoren zumeist die Nutzungsrechte an Die beiden ältesten Zeitschriften, das „Journal des ihrer Arbeit an den Verlag weiter. Bibliotheken sçavans“ und die „Philosophical Transactions“ of the können die Zeitschrift dann für die Nutzung durch Royal Society, starteten 1665 und erfüllten Funk- ihre Mitglieder (zum Beispiel Angehörige einer Uni- tionen, die bis heute für wissenschaftliche Zeit- versität) wiedererwerben. schriften zentral sind – die Sicherung von Priorität 3. Einfluss  der  digitalen  Technologien  auf  das  Publika1-­‐ durch möglichst schnelle und breite Veröffentlichung onsverhalten von Forschungsergebnissen und die Sicherung von Qualität, letzteres insbesondere durch sogenannte Erst mit dem Internet und der Verbreitung digitaler „Peer-Review-Verfahren“: Peers, also Kolleginnen Technologien begannen Wissenschaftler/innen, sich
  • 3. Offener  Zugang.  Open  Access,  Open  EducaConal  Resources  und  Urheberrecht    —  3 Artikel per E-Mail zuzuschicken, schnell folgten, als „Open  access  meint,  dass  [...]  Literatur  kostenfrei  und dies technisch machbar war, die ersten Preprint- Server, über die sie ihre Papiere zugänglich machten, ! öffentlich   im   Internet   zugänglich   sein   sollte,   so   dass Interessierte   die   Volltexte   lesen,   herunterladen,   ko-­‐ noch bevor sie in Zeitschriften veröffentlicht wurden. pieren,   verteilen,   drucken,   in   ihnen   suchen,   auf   sie Ein solches Verfügbarmachen sollte helfen, den Text verweisen  und  sie  auch  sonst  auf  jede  denkbare  legale unter Kolleginnen und Kollegen – öffentlich – zu Weise  benutzen  können,  ohne  finanzielle,  gesetzliche diskutieren (und so die Güte beziehungsweise Qua- oder  technische  Barrieren  jenseits  von  denen,  die  mit lität des Textes zu erhöhen, eine Art „Vorläufer“ des dem   Internet-­‐Zugang   selbst   verbunden   sind.“   (Open Society  FoundaCon,  2010) Open-Peer-Review) und zur Vernetzung in der Com- munity beitragen. Zudem konnten Prioritätsan- sprüche, zum Beispiel im Falle von Entdeckungen, frühzeitig kenntlich gemacht werden. Ebenfalls in den Naturwissenschaften starteten die ersten elektro- Um die eigene Arbeit frei zugänglich zu machen, nischen Zeitschriften, diese gehören mittlerweile aber lassen sich zwei Hauptstrategien des Open Access zum Angebot fast aller Disziplinen (siehe das Di- unterscheiden: Bei dem sogenannten goldenen Weg rectory of Open Access Journals, http://doaj.org). In veröffentlichen Wissenschaftler/innen direkt in elektronischen Zeitschriften können neben Text und Open-Access-Zeitschriften, bei dem sogenannten Bild zusätzliche Dateiformate (zum Beispiel Audio- grünen Weg werden digitale Kopien von Artikeln, und Videodateien oder Primärdaten; letztere gerade die kostenpflichtig in Print- beziehungsweise Closed- auch mit Blick auf bessere Nachvollziehbarkeit und Access-Zeitschriften veröffentlicht werden, auf Do- Transparenz des Forschungsprozesses) angeboten kumentenservern zugänglich gemacht, die zum Bei- werden. Einschränkungen wie die Anzahl der Druck- spiel von Universitäten oder für Fächer beziehungs- seiten entfallen. weise Fachgruppen betrieben werden (siehe hierzu Mit der Entwicklung des Internets und von bes- das „Directory of Open Access Repositories“, serer Software (insbesondere des Open Journal http://www.opendoar.org). System, OJS) eröffnete sich für Wissenschaftler/in- Beiden Strategien gemeinsam ist aufgrund des nen zudem die Option, nicht nur als Autor/in, Re- schnellen und freien Zugangs und der daraus fol- daktionsmitglied, Gutachter/in oder Lektor/in ihre genden guten Auffindbarkeit wissenschaftlicher Ar- in der Regel durch die öffentliche Hand finanzierte beiten über Suchmaschinen und Nachweisdienste die Zeit in die Produktion von Artikeln zu investieren, Verbesserung der Informationsversorgung und das sondern die Zeitschriften selbst zu betreiben. Zum Beispiel über Mailinglisten können Kollegen und Einige  ausgewählte  Meilensteine  der  Open-­‐Access-­‐Be-­‐ Kolleginnen auf ihre Zeitschrift, neue Artikel usw. aufmerksam gemacht werden. Dies steht im Zeichen ! wegung:   ▸ 1991  wird  arXiv  als  erster  frei  zugänglicher  Doku-­‐ der Demokratisierung von Wissenschaft und für die mentenserver   gegründet;   er   bietet   heute   Zugang zur ückg ewonnene Autonomie der Wissen- zu   über   650.000   E-­‐Prints   aus   Physik,   MathemaCk, schaftler/innen. Computerwissenschag  usw.  (hhp://arxiv.org). ▸ 2001   startet   die   erste   große   naturwissenschag-­‐ 4. Die  Open-­‐Access-­‐Bewegung   liche   Open-­‐Access-­‐Zeitschrig   der   Public   Library   of Science  (hhp://www.plos.org).   Da zeitgleich die sogenannte Bibliothekskrise um sich ▸ 2002   gewinnt   Open   Access   mit   der   Budapest griff, das heißt dass wissenschaftliche Bibliotheken Open   Access   IniCaCve   über   die   Naturwissen-­‐ die Arbeiten ihrer Wissenschaftler/innen trotz sin- schagen   hinaus   Konturen   auch   im   Sinne   einer kender Budgets bei teilweise horrende steigenden Wendung  gegen  den  „Digital  Divide“   Zeitschriftenpreisen zurückkaufen mussten bezie- (hhp://www.soros.org/openaccess/).   ▸ 2003   iniCiert   die   Max-­‐Planck-­‐Gesellschag   die hungsweise nur noch in begrenztem Umfang zurück- Berlin   DeclaraCon   on   Open   Access   to   Knowledge kaufen konnten, formierte sich eine international in   the   Sciences   and   HumaniCes,   die   auch   auf   den immer stärker werdende Open-Access-Bewegung, in Zugang   zum   kulturellen   Erbe   abhebt   und   der   sich deren Kern die Forderung steht, dass die Ergebnisse viele   wichCge   InsCtuConen   und   Fördereinrich-­‐ öffentlich finanzierter Forschung auch öffentlich tungen  weltweit  anschließen. zugänglich sein müssen (Mruck et al., 2004). (hhp://oa.mpg.de/lang/de/berlin-­‐prozess/) ▸ 2005   startet   die   „PeCCon   for   Guaranteed   Public Access   to   Publicly-­‐funded   Research   Results“   mit erheblicher   Breitenwirkung   insbesondere   in Europa  (hhp://www.ec-­‐peCCon.eu/).  
  • 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) In der Praxis : Die Zeitschrift „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research“ QualitaCve   Forschungsmethoden   kommen   in   unterschied-­‐ ArCkel   werden   in   deutsch,   englisch   oder   spanisch   begut-­‐ lichsten  Disziplinen  zum  Einsatz.  Als  1999  die  Idee  entstand, achtet  und  muhersprachlich  lektoriert,  RedakCon  und  Beirat ein  Journal  zu  gründen,  das  hilg,  qualitaCve  Forschung  trans-­‐ kommen   aus   10   Disziplinen   und   13   Ländern,   alle   ca.   1.350 disziplinär  und  internaConal  sichtbar  zu  machen  und  Wissen-­‐ bisher   veröffentlichten   ArCkel   sind   frei   online   zugänglich schagler/innen  aus  aller  Welt  auf  diese  Weise  zu  vernetzen, (Mruck  &  Mey,  2008).  Eine  gerade  veröffentlichte  empirische winkten   die   Verlage   ab   –   eine   elektronische   Zeitschrig?   Die Untersuchung   zu   qualitaCver   Forschung   in   der   Psychologie Wissenschagler/innen   nahmen   dies   darauuin   selbst   in die   zeigt,   dass   FQS-­‐Veröffentlichungen   nicht   nur   maximal Hand.   Heute   ist   die   Zeitschrig   "Forum   QualitaCve   Sozialfor-­‐ sichtbar   sind,   sondern   sich   auch   durch   eine   überdurch-­‐ schung   /   Forum:   QualitaCve   Social   Research"   –   mit   über schnihlich  hohe  Qualität  auszeichnen  (Ilg  &  Boothe,  2010).   13.000   registrierten   Leser/innen   die   weltweit   größte   Res-­‐ source  für  qualitaCve  Forschung.   URL:  hhp://www.qualitaCve-­‐research.net/index.php/fqs     Sichtbarmachen (neuer) Themen (besonders wichtig Bundestagsfraktionen gefunden. Und auch zum Bei- bei Randthemen; Zawacki-Richter et al., 2010). Ins- spiel in Österreich und der Schweiz haben die natio- gesamt trägt Open Access wesentlich zur Förderung nalen Fördereinrichtungen Open Access in ihre internationaler und interdisziplinärer Zusammen- Richtlinien aufgenommen. arbeit und von Forschungseffizienz durch die rasche 5. Open  Educa1onal  Resources:  Frei  verwendbare  Lern-­‐ Diskussion von Forschungsergebnissen bei. und  Lehrmaterialien   Mittlerweile beschränkt sich die Forderung nach Open Access nicht mehr nur auf wissenschaftliche Unabhängig hiervon, aber sicher von der Open- Fachzeitschriften, sondern es geht zunehmend auch Access-Bewegung auf der einen Seite sowie auf der um Open Access zu Monografien, zu Daten und anderen Seite auch von Erfolgen der Open-Source- prinzipieller zu kulturellem Erbe (Deutsche Entwicklungen wie das Betriebssystem „Linux“ be- UNESCO-Kommission, 2007). Mit einigem Recht einflusst, hat sich Anfang des 21. Jahrhunderts eine kann für einige Länder wie Großbritannien, Holland, Bewegung formiert, die die freie Verwendung, den aber auch die Bundesrepublik Deutschland gesagt Austausch und die Modifikation von Bildungsres- werden, dass Open Access wissenschaftspolitisch sourcen im Web einfordert und unterstützt. mehr und mehr zum herrschenden Paradigma ge- Frei verwendbare Lern- und Lehrmaterialien worden ist: die Hochschulrektorenkonferenz, große werden auch in der deutschsprachigen Diskussion Forschungseinrichtungen sowie Fördereinrichtungen häufig als „Open Educational Resources“ oder kurz wie die Volkswagenstiftung, die Deutsche For- „OER“ bezeichnet. Solche frei verwendbaren digi- schungsgemeinschaft (DFG) unterstützen Open talen Materialien zeichnen sich nicht nur dadurch aus, Access. Letztere treiben die Verbreitung von Infor- dass sie im Web zugänglich sind, sondern sie sollen mationen über Open Access sowie von Open- Access-Publikationsmodellen aktiv voran, indem sie Open   EducaConal   Resources   (OER)   sind   Materialien die freie Verfügbarkeit in ihre Förderrichtlinien auf- nehmen oder sich um ein wissenschaftsfreundlicheres ! für  Lernende  und  Lehrende,  die  kostenlos  im  Web  zu-­‐ gänglich   sind,   entsprechend   zur   Verwendung   und Urheberrecht bemühen. Diese Bemühungen haben auch   ModifikaCon   freigegeben,   das   heißt   lizensiert zwischenzeitlich auch positive Resonanz bei allen wurden.   In   einigen   DefiniConen   wird   zusätzlich   die Verwendung   von   offenen   Sogware-­‐Standards   als   Kri-­‐ terium  –  das  jedoch  häufig  nicht  erfüllt  wird  –  einge-­‐ Für  Wissenschagler/innen  bedeutet  Open  Access  eine fordert  (Geser,  2007). ! wesentliche  SelbstermächCgung:  "Science  back  to  the ScienCsts".   Eine   wissenschagliche   Zukung,   in   der E-­‐Learning,   E-­‐Publishing,   E-­‐Science,   Datenaustausch auch dezidiert frei nutzbar sein. usw.   integriert   am   Bildschirm   Tagesgeschäg   werden, Damit ist auch hier die Frage des Urheberrechts setzt   die   freie   Verfügbarkeit   aller   relevanten   Res-­‐ berührt. Es gilt generell, dass die Urheberrechtsin- sourcen  unmihelbar  voraus. haber/innen – also die Autorinnen und Autoren von Lern- und Lehrmaterialien – um Erlaubnis gefragt
  • 5. Offener  Zugang.  Open  Access,  Open  EducaConal  Resources  und  Urheberrecht    —  5 In der Praxis : Umgang mit Internetressourcen in Unterricht und Lehre Das  Urheberrecht  war  ursprünglich  so  angelegt,  dass  es  Au-­‐ denen   Medien   in   der   Lehre   eingesetzt   werden,   ohne   dass torinnen  und  Autoren  erfolgreicher  Werke  eine  Finanzierung mit   Konsequenzen   zu   rechnen   ist.   Auch   gilt   hier:   „Wo   kein und   einen   Anreiz   zum   weiteren   kreaCven   Schaffen   bieten Kläger,   da   kein   Richter“:   Was   im   Klassenzimmer,   Semi-­‐ sollte   (vgl.   Steinhauer,   2010).   Dem   Recht   auf   alleinige   Her-­‐ narraum  oder  in  nicht  öffentlich  zugänglichen  virtuellen  Lern-­‐ ausgabe  der  eigenen  Werke  standen  immer  Beschränkungen räumen   passiert,   wird   kaum   ausreichend   Aufregung   und entgegen  –  beispielsweise  die  zeitliche  Begrenzung  des  Urhe-­‐ wirkliche  Probleme  erzeugen  können.   berrechts   (ursprünglich   14  Jahre)   –   die   sicherstellen   sollten, dass   private   und   öffentliche   Interessen   im   Gleichgewicht Mehr  und  mehr  finden  wir  uns  aber  in  SituaConen  wieder,  in stehen.   Dieser   gesellschagliche   Interessenausgleich   hat   sich denen  die  Verwendung  von  Materialien  technisch  erschwert in  den  letzten  50  Jahren  vor  allem  zugunsten  der  Rechteinha-­‐ wird  oder  man  in  rechtlich  unsicheres  Fahrwasser  gerät.  Bei-­‐ ber/innen  verändert. spielsweise   dürfen   gefundene   Lernmaterialien   (Bilder, Screenshots,  Texte)  nicht  einfach  in  eigene  Materialien  inte-­‐ Lehrende   an   einer   Schule   oder   Universität   hahen   bisher griert   und   wieder   veröffentlicht   werden.   Hier   sind   es   also   die jedoch   kaum   mit   Problemen   zu   rechnen:   Die   Nutzung   aller durch   die   neuen   Medien   und   Technologien   ermöglichten möglichen   Medienartefakte   war   normalerweise   durch Formen  der  Veröffentlichung  und  Verteilung  sowie  die  damit „Schrankenregelungen“  gedeckt,  die  explizite  Ausnahmen  für möglichen  neuen  Lern-­‐  und  Lehrformen,  die  Lehrende  –  und Zwecke   des   Unterrichts   und   Forschung   vorsahen.   In   diesem auch   Lernende   –   auf   Kollisionskurs   mit   dem   Gesetz   bringen Sinne  können  alle  im  Internet  oder  auf  legalem  Wege  erstan-­‐ können.   werden müssen, bevor die Materialien im Unterricht funktionen vieler Anwendungen (beispielsweise bei verwendet, an anderer Stellen zur Verfügung gestellt Flickr.com) auch gezielt die Recherche nach liberal li- oder sogar modifiziert werden. zenzierten Inhalten. Es liegen unterschiedliche Lizenzmodelle vor, die es ermöglichen, eindeutig zu regeln, unter welchen Voraussetzungen Bildungsressourcen oder auch Ausgewählte   Meilensteine   der   Open-­‐EducaConal-­‐Re-­‐ andere Materialien weiterverwendet werden dürfen. ! sources-­‐Bewegung  sind: ▸ 2002:  Die  UNESCO-­‐IniCaCve  „Free  EducaConal  Re-­‐ Im deutschsprachigen Raum ist der Einsatz der sources“   weckt   erstmal   breites   Interesse   für   das „Creative-Commons-Lizenzen“ verbreitet. Dabei Thema.   stehen Lizenzformulierungen für viele europäische ▸ 2003:   Das   Massachusehs   InsCtute   of   Technology Länder zur Verfügung, die von Juristinnen und Ju- startet   die   Veröffentlichung   von   Kursunterlagen risten geprüft wurden, aber auch in einfacher, klarer (MIT  OpenCourseWare).   ▸ 2007:  Die  OECD  veröffentlicht  eine  Studie  zu  OER, Sprache Rechte von Autorinnen und Autoren sowie die   William   and   Flora   Hewleh   FoundaCon   analy-­‐ Benutzerinnen und Benutzern beschreiben. siert   die   OER-­‐Bewegung   (Atkins   et   al.,   2007),   und Urheber/innen können mit diesen Creative- die  Europäische  Kommission  ko-­‐finanziert  erstmals Commons-Lizenzen beispielsweise festlegen, ob (a) Projekte  zu  OER  (zum  Beispiel  OLCOS,  BAZAAR)   der Name des Urhebers genannt werden muss, ob (b) das Werk modifiziert werden darf oder ob (c) alle Argumente, die für die Einführung von OER Werke, die auf den Inhalten aufbauen, unter der sprechen, sind (Geser, 2007): OER ermöglichen po- gleichen Lizenz veröffentlich werden müssen (als tenziell einfacheren und kostengünstigeren Zugang „Copyleft“ bezeichnet). zu Ressourcen, die einigen Lernenden sonst nicht zu- In einigen Sammlungen von OER werden ent- gänglich wären. Auch werden Steuergelder rentabler sprechende Lizenzierungen als Standard vorgegeben, eingesetzt, da Ressourcen wiederverwendet werden das heißt Nutzer/innen müssen ihre Materialien können. Auch für Lehrende werden Möglichkeiten unter einer solchen liberalen Lizenz veröffentlichen. der effektiveren Erstellung von Materialien bezie- Zu solchen Angeboten gehören unter anderem hungsweise Gestaltung des Unterrichts als Vorteile OERcommons.org, Wikieducator.org (englisch- genannt. Oft steht dabei auch die Kooperation und sprachig, für Hochschulen) oder auch das deutsch- Kollaboration von Lehrenden und Lernenden im sprachige ZUM.wiki.de mit Lehr- und Lernmate- Vordergrund, beispielsweise bei der Open University rialien für Schulen. Gleichzeitig ermöglichen Such- im Vereinigten Königreich (Lane, 2008). Hoch- schulen wie das Massachusetts Institute of Tech-
  • 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) nology, die OER-Strategien einführen, bringen http://www.dfg.de/download/programme/sachbeihilfe/ab- darüber beispielsweise auch offen Argumente wie die schlussberichte/2_01/2_01.pdf [2010-12-06], 21-22. Möglichkeit positiver Public Relations oder Neukun- ▸ Koch, L.; Mey, G. & Mruck, K. (2009). Erfahrungen mit Open dengewinnung an (Schaffert, 2010). Access – ausgewählte Ergebnisse aus der Befragung zum Nutzen und Nutzung von FQS. In: Information, Wissenschaft, Auf   der   Website   Wikieducator.org   werden   gemein-­‐ Praxis, 60(3), URL: http://eprints.rclis.org/16860 [2012-12-06], ? schaglich   OER   erstellt,   die   überwiegend   um   Themen des   technologiegestützten   Lernens   kreisen.   Dort   gibt ▸ 291-299. Lane, A. (2008). Reflections on Sustaining Open Educational es  auch  ein  Tutorium  in  mehreren  Sprachen,  das  unter Resources: An Institutional Case Study. In: eLearning Papers, anderem   das   Recherchieren,   die   Erstellung   und   das 10, URL: http://www.elearningeuropa.info/files/media/me- Publizieren   von   OER   themaCsiert.   Welche   Tipps   er-­‐ halten   Sie   dort?   Sind   die   Hinweise   aktuell?   Falls   Sie dia16677.pdf [2010-12-06]. wollen,  ändern  und  aktualisieren  Sie  die  Beiträge! ▸ Mruck, K. & Mey, G. (2002). Peer Review Between Printed Past and Digital Future. In: Research in Science Education, Literatur 32(2), 257-268. ▸ Mruck, K. &. Mey, G. (2008). Using the Internet for Scientific ▸ Atkins, D. E.; Brown, J. S. & Hammond, A. L. (2007). A Publishing. In: Poiesis Praxis, 5, 113-123. Review of the Open Educational Resources (OER) Movement: ▸ Mruck, K.; Gradmann, S. & Mey, G. (2004). Open Access: Wis- Achievements, Challenges and New Opportunities. Report to senschaft als Öffentliches Gut. In: Forum Qualitative Sozial- The William and Flora Hewlett Foundation. URL: http://co- forschung / Forum: Qualitative Social Research, 5(2), 14, URL: hesion.rice.edu/Conferences/Hewlett/emplibrary/A http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0402141 [2010- %20Review%20of%20the%20Open%20Educational%20Re- 12-06]. sources%20%28OER%29%20Movement_BlogLink.pdf ▸ OECD (2007). Giving Knowledge for Free. The Emergence of [2010-12-06]. Open Educational Resources. Paris, URL: ▸ Deutsche Forschungsgemeinschaft (2005). Publikationsstra- http://213.253.134.43/oecd/pdfs/browseit/9607041E.PDF tegien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publika- [2010-12-06]. tions- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksich- ▸ Open Society Foundation (2010). Budapest: Open Access In- tigung von Open Access. Weinheim: Wiley-VCH Verlag, URL: itiative, URL: http://www.soros.org/openaccess/g/read.shtml http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/programm [2010-12-12]. _evaluation/studien/studie_publikationsstrategien [2010-12- ▸ Schaffert, S. (2010). Strategic Integration of Open Educational 06], 31. Resources in Higher Education. Objectives, Case Studies, and ▸ Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.) (2007). Open the Impact of Web 2.0 on Universities. In: U.-D. Ehlers & D. Access. Chancen und Herausforderungen. Ein Handbuch. Schneckenberg (Hrsg.), Changing Cultures in Higher Education Bonn, URL: http://open- – Moving Ahead to Future Learning. New York: Springer, 119- access.net/fileadmin/downloads/Open-Access-Handbuch.pdf 131. [2010-12-06]. ▸ Steinhauer, E. W. (2010). Das Recht auf Sichtbarkeit. Überle- ▸ Geser, G. (2007). Open Educational Practices and Resources. gungen zu Open Access und Wissenschaftsfreiheit. URL: OLCOS Roadmap 2012. Salzburg: Salzburg Research, URL: http://fiz1.fh-potsdam.de/volltext/aueintrag/10497.pdf http://www.salzburgresearch.at/research/publications_de- [2010-12-06]. tail.php?pub_id=357 [2010-12-06]. ▸ Zawacki-Richter, O.; Anderson, T. & Tuncay, N. (2010) .The ▸ Ilg, S. & Boothe, B. (2010). Qualitative Forschung im psycholo- Growing Impact of Open Access Distance Education Journals: gischen Feld: Was ist eine gute Publikation?. In: Forum Quali- A Bibliometric Analysis. In: The Journal of Distance Edu- tative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, cation / Revue de l'Éducation à Distance, 24(3), URL: 11(2), Art. 27, URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114- http://auspace.athabascau.ca:8080/dspace/handle/2149/2770 fqs1002256 [2010-12-06]. [2010-12-06].. ▸ Informationsplattform Open Access. URL: http://open-ac- cess.net/ [2010-12-06]; URL: