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Nutzugsverhalten und Teilbereitschaft von
Carsharing-Nutzern und Autobesitzern
Management Report zur Marktforschungsstudie
22.02.2016
Das Wichtigste in aller Kürze…
Kategorie Fakten Folie
Marktüberblick
Vorhergehende Studien begründen die Themenaktualität der Studie. Carsharing wächst flächendeckend 5
Carsharing ist ein rasant wachsendes Geschäftsmodell – und ein Ende des Expansion ist nicht abzusehen 6
Die mit Abstand bekanntesten Anbieter sind car2go und DriveNow, einige Anbieter sind fast niemandem
bekannt
7
Struktur der
Stichprobe
Die Erhebung der Primärdaten fand mittels eines Fragebogens statt, bestehend aus 18 Einzelfragen 8
Die Probanden haben insgesamt 17 Stunden für die Bearbeitung des Fragebogens benötigt und jeder vierte
Teilnehmer hat die Befragung vorzeitig abgebrochen
9
Die Stichprobe setzt sich größtenteils aus Personen im Alter von 18-30 Jahren zusammen, die in Berlin
wohnen und Akademiker sind
11
Die meisten Befragten haben ein monatliches Einkommen zwischen 1001€ und 1500€ 13
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 2
Das Wichtigste in aller Kürze…
Kategorie Fakten Folie
Thesen und
Erkenntnisse
Befragte mit weniger als 1000€ Einkommen nutzen häufiger Carsharing. Ab 1500€ besitzen sie häufiger ein
eigenes Auto
14
Es besteht kein statistischer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Carsharing und der Bereitschaft zu
teilen. Jedoch haben Carsharer eine höhere Bereitschaft zu teilen, wenn es um die Nutzung von Wohnraum
oder Gärten geht
15
Autofahrer geben die grundsätzliche Bereitschaft an, durch Carsharing auf ein eigenes Auto verzichten zu
können – tun dies jedoch nicht
17
In Bezug auf Mobilität ist Flexibilität das wichtigste Kriterium der Befragten und die Auswertung des AHP hat
ergeben, dass 44,6% der Carsharing-Nutzer gerne ein eigenes Auto besitzen würden
18
Befragte meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten sowie außerhalb Berlins auch wegen mangelnder
Verfügbarkeit am Wohnort.
20
Nutzer sind im Allgemeinen sehr zufrieden mit dem Carsharing-Service der Anbieter, nicht jedoch mit deren
Preisgestaltung
22
Empfehlungen Carsharing-Anbieter sollten flexibler agieren und Vorreiter für die Einführung von E-Autos sein. 23
Kritische
Betrachtung
Die meisten Fehler wurden bei der Erstellung des Fragebogens und der Stichprobenauswahl gemacht. 24
3Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Das Wichtigste in aller Kürze…
Wir sind davon ausgegangen…
• Personen mit weniger Einkommen nutzen eher Carsharing wohingegen
Personen mit höherem Einkommen ein Auto besitzen.
• Personen, die Carsharing nutzen, sind grundsätzlich eher bereit Güter und
Dienstleistungen mit anderen zu teilen.
• Bei einem hinreichend gutem Carsharing-Angebot sind Personen
bereit auf ein eigenes Auto zu verzichten und es abzuschaffen.
• Personen mit eigenem Auto ist die Flexibilität und der Komfort am
wichtigsten für Carsharer Umweltschutz und Kostenvorteil.
• Personen meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten.
Ausgangspunkt der Hypothesen waren Grundannahmen der Autoren sowie Auswertungen von Ergebnissen vorrangegangener Studien,
darunter u.a.:
• Gemeinsame Studie von car2go und DriveNow (Quelle: http://www.carsharing-news.de/car2go-drivenow-studie/ )
• Forsa Umfrage zum Thema Carsharing (Quelle: http://www.carsharing-news.de/forsa-umfrage-zum-thema-carsharing/ )
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 4
Vorhergehende Studien begründen die Themenaktualität der
Studie. Carsharing wächst flächendeckend
„Etwa 75 % der Nutzer sind Männer, über 70 % der Kunden haben einen
Hochschulabschluss und verfügen über durchschnittlich 2500€
Nettoeinkommen.“
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/neue-studie-zu-berlin-und-muenchen-carsharing-entlastet-den-
verkehr-kaum/12461384.html
Wachstum zum Vorjahr 2014:
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 5
6
Carsharing ist ein rasant wachsendes Geschäftsmodell – und ein
Ende des Expansion ist nicht abzusehen
Carsharing ist eine Form der Mobilität, welche sich insbesondere in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit, vor allem im
städtischen Raum, erfreut. Es beschreibt die gemeinsame und organisierte Nutzung einer Flotte an Kraftfahrzeugen, welche von
sogenannten Carsharing-Anbietern bereitgestellt werden. Nicht selten stecken hinter diesen Anbietern Autohersteller oder
Autovermietungen. "Benutzen statt Besitzen" ist das Motto derer, die mehr oder weniger regelmäßig auf die Dienste von Carsharing-
Anbietern zurückgreifen.
Beim Carsharing werden die Fixkosten gleichmäßig auf alle Nutzer verteilt. Sie sind bereits in die Nutzungsgebühr eingerechnet. Dazu
gehören Steuern, Versicherungen, Wartungen etc.. Carsharing-Teilnehmern steht in der Regel eine große Fahrzeugflotte zur Verfügung,
bestehend aus Fahrzeugen mehrerer Fahrzeugkategorien. Darunter Kleinwagen, Transporter, Limousinen und manche Anbieter haben
sogar Cabrios im Programm.
Mit Stand 01. Januar 2015…
• können Carsharing-Kunden in
Deutschland auf insgesamt 15.400
Fahrzeuge zurückgreifen
• ist Carsharing in 490 deutschen
Städten und Gemeinden verfügbar –
110 mehr als im Vorjahr
• waren rund 1.040.000
Fahrberechtigte bei den ca. 150
deutschen Carsharing-Anbietern
angemeldet
Quelle: http://www.carsharing-news.de/carsharing-jahresbilanz-2014-2015/
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Car2Go ist mit 92% der bekannteste Carsharing Anbieter der Befragten, gefolgt von DriveNow mit 88%.
Car2Go ist ein Tochterunternehmen von Daimler und stellt seinen Kunden Fahrzeuge der Daimler-Tochter SMART zur Verfügung.
DriveNow ist ein Angebot von BMW und bietet seinen Kunden hauptsächlich den MINI (Cabrio) und kleinere BMW-Fahrzeuge zur Auswahl.
Die mit Abstand bekanntesten Anbieter sind car2go und
DriveNow, einige Anbieter sind fast niemandem bekannt
10 der 14 genannten Anbieter sind
nicht einmal jedem fünften
Befragten bekannt.
BMW und Daimler dominieren den Carsharing-Markt
7Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Alle vollständigen Interviews (n=147)
Die Primärdaten wurden anhand eines Fragebogens erhoben, welcher aus insgesamt 18 Einzelfragen besteht. Um die
Aufmerksamkeit der Befragten zu fördern, besteht eine große Bandbreite in Bezug auf die Fragetypen: so finden beispielsweise
klassische Single und Multiple Choice Fragestellungen, aber auch aktuelle Ansätze, wie TinSort oder der Entscheidungsbaum
Anwendung.
Die Anordnung der Fragen basiert auf dem System, dass zunächst 2 Gruppen von Befragten identifiziert werden sollen:
diejenigen Personen, welche Carsharing nutzen, jedoch kein eigenes Auto besitzen und jene Gruppe, welche ein eigenes Auto
besitzt, jedoch nicht auf Carsharing-Services zurückgreift.
Die Erhebung der Primärdaten fand mittels eines Fragebogens,
bestehend aus 18 Einzelfragen, statt
Erhebungsinstrument: schriftliche Befragung (Fragebogen)
Befragungstool: questfox.com
Anzahl der Fragen: 18
Fragetypen:
Einfachantworten (single choice)
Mehrfachantworten (multiple choice)
TinSort
Net Promoter Score
AHP (Entscheidungsbaum)
8Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Facebook E-Mail
Innerhalb von 1021 Minuten wurden insgesamt 203 Befragungen begonnen, von denen 147 erfolgreich abgeschlossen wurden.
Die Durchschnittliche Bearbeitungszeit betrug dabei 5:44 Minuten.
Als wichtigster Rekrutierungskanal ist Facebook anzusehen, der 82,3% der Probanden generierte.
Der größte Teil der Befragten beantwortete die Studie über einen Link, der nur Studierenden der HTW-Berlin zugesandt wurde.
Damit erklärt sich der hohe Anteil an Studenten.
Die Probanden haben insgesamt 17 Stunden für die Bearbeitung
des Fragebogens benötigt
Befragungszeitraum: 25.12.2015 – 09.01.2016
Durchschnittl. Zeit: 5:44 Minuten
Gesamtzeit: 1020 Minuten
Rekrutierungskanäle:
82,3%
17,7%
Alle vollständigen Interviews (n=147)
9Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Von insgesamt 203 gestarteten Interviews wurden insgesamt 147 vervollständigt. 56 Befragte haben das Interview vorzeitig
beendet, was einer Abbruchquote von 27,6% entspricht.
Im nächsten Schritt erfolgt eine Aufteilung der vollständigen Interviews in vier Gruppen zur weiteren Betrachtung und Analyse
der Ergebnisse: Autobesitzer, die kein Carsharing nutzen und Carsharer, die kein eigenes Auto besitzen stellen die ersten beiden
Gruppen dar. Stichprobenteilnehmer, die Carsharing nutzen und ein Auto besitzen sowie Personen, die kein Carsharing in
Anspruch nehmen und auch kein Auto besitzen bilden zwei weitere Gruppen.
Jeder vierte Teilnehmer hat die Befragung vorzeitig abgebrochen
Autobesitzer (nutzen kein Carsharing)
Carsharer (besitzen kein eigenes Auto)
nutzen Carsharing UND besitzen ein eigenes Auto
nutzen KEIN Carsharing und besitzen KEIN Auto
40,1%
18,4%
15,0%
26,5%
0
50
100
150
200
250
gestartete
Interviews
(n=203)
vollständige
Interviews
(n=147)
Abbrecher
(n=56)
Abbruchquote:
27,6%
10Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Alle vollständigen Interviews (n=147)
Während das Geschlechterverhältnis einigermaßen ausgeglichen ist (43% männliche und 57% weibliche Teilnehmer), ist ein
deutlicher Trend hin zu jüngeren Probanden erkennbar. So sind nur 24% der Befragten 30 Jahre oder älter. Dies ist durch die
Tatsache erkennbar, dass die Autoren selbst Studierende unter 30 sind und vor allem Freunde und Bekannte über den Kanal
Facebook rekrutiert wurden.
Die Stichprobe setzt sich größtenteils aus Personen im Alter von
18-30 Jahren zusammen…
38%
20%
18%
24%
57% der Teilnehmer
sind weiblich
43% der Teilnehmer
sind männlich
Geschlecht Alter in Jahren
Alle vollständigen Interviews (n=147)
11Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
>=3028-2926-27<=25
Fast jeder achte Befragte wohnt in der Bundeshauptstadt Berlin. Einen akademischen Abschluss können 57,6% der Probanden
vorweisen, während knapp 30% angeben eine Hochschulreife zu besitzen. Der hohe Anteil an Akademikern kommt dadurch
zustande, dass unter anderem in Facebook-Gruppen der HTW Berlin Posts veröffentlicht wurden, durch die eine Vielzahl an
Studierenden dieser Hochschule an der Umfrage teilgenommen haben.
… die in Berlin wohnen und Akademiker sind
8%
der Teilnehmer
kommen aus Berlin
Brandenburg
13%
sonstige
Bundesländer &
Ausland
79% Mittlere Reife
(Realschulabschluss)
Hauptschulabschluss abgeschlossene
Berufsausbildung
(Fach-)Hochschulreife akademischer
Abschluss
Bildungsabschluss
Wohnort
Alle vollständigen Interviews (n=147)
Alle vollständigen Interviews (n=147)
12Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Die meisten Befragten verfügen über ein monatliches
Einkommen zwischen 1001 € und 1500 €
Bei der Wahl der Mobilitätsmittel spielt das Einkommen mutmaßlich eine bedeutende Rolle. Daher wurde das monatliche Einkommen
ermittelt.
Befragte konnten in Intervallen angeben, wieviel Einkommen sie monatlich zur Verfügung haben. Diese Intervalle sollten den Befragten die
Möglichkeit geben, ihr Einkommen grob anzugeben, ohne sich auf den Euro genau festlegen zu müssen und so das Gefühl der Anonymität
zu verlieren.
Obwohl die absolute Mehrheit der Befragten Studierende sind, überrascht das zur Verfügung stehende Einkommen von über 1000€.
Männer geben ein höheres Einkommen an als Frauen. 11% der Befragten wollten ihr Einkommen nicht preisgeben.
Männer (blaue Linie) sind im Bereich
ab 1500€ häufiger vertreten, Frauen
im Bereich unter 750€. Soziale
Erwünschtheit könnte hier eine Rolle
spielen.
Bei einem Studierendenanteil der
Befragten von 87% überrascht das
hohe Einkommen.
13Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Alle vollständigen Interviews (n=147)
Befragte mit weniger als 1000€ Einkommen nutzen häufiger
Carsharing. Ab 1500€ besitzen sie häufiger ein eigenes Auto
Es wird angenommen, dass Menschen mit wenig Einkommen eher das Carsharing Angebot nutzen, da es eine günstige und unkomplizierte
Nutzung eines Kraftfahrzeugs ermöglicht. Kauf, Unterhalt, Reparatur usw. entfallen im Gegensatz zum eigenen Autobesitz.
Niedriges Einkommen ist für diese Studie mit <1000€ definiert.
Im Ergebnis zeigt sich, dass diese These bestätigt wird. Weiterhin bestätigt sich im Umkehrschluss, dass mit erhöhtem Einkommen der
Autobesitz zunimmt.
Die Grafik zeigt den Nutzerüberhang bei Carsharing im unteren Einkommensbereich (orange Fläche).
Die orangefarbene Fläche zeigt den
relativen Überhang von Carsharing
Nutzern im Einkommensbereich bis
1000€.
Die graue Fläche rechts zeigt den
Überhang der Autobesitzer.
14Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Die Bereitschaft zu Teilen
korreliert nicht mit der Nutzung
von Carsharing.
Korrelationskoeffizient - ,143
Signifikanz: 0,033
Es besteht kein statistischer Zusammenhang zwischen der
Nutzung von Carsharing und der Bereitschaft zu teilen
Die Grundannahme der Studie war u.a., dass Carsharer die „sharing is caring“-Mentalität eher ausleben als Nicht-Carsharer. Daher wurde
mit Hilfe des TinSort-Fragetyps ermittelt, ob Befragte bereit sind, Dinge des täglichen Lebens zu teilen oder nicht. Die Grafik zeigt, dass
sich die verschiedenen Nutzergruppen in ihrer Bereitschaft zu teilen kaum voneinander unterscheiden.
Carsharer haben jedoch eine sichtbar höhere Bereitschaft, die Wohnung über Dienste wie airbnb oder Couchsurfing mit anderen zu
teilen. Eine Auswertung mit SPSS zeigt jedoch, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu teilen und der
Nutzung von Carsharing gibt. Der Wert von - ,143 deutet sogar auf eine negative Tendenz in, welche mit einem Signifikanzwert von 0,033
als nicht zufällig angesehen werden kann.
Nennenswerte Unterschiede
gibt es nur bei der Bereitschaft
die Wohnung kurzzeitig zu teilen
sowie die Dusche
geschlechterneutral zu nutzen.
15Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Carsharer haben eine höhere Bereitschaft zu teilen, wenn es um
die Nutzung von Wohnraum oder Gärten geht
Nachdem zuvor verschiedene Nutzergruppen bezüglich ihrer Teilbereitschaft ausgewertet wurden, richtet sich das Augenmerk nun auf
jene Probanden, die angaben, entweder nur Carsharing zu nutzen oder ausschließlich ein Auto zu besitzen. Unterschiede gibt es hier nur
in einigen Bereichen und dies mitunter auch nur marginal.
Auffällig ist jedoch, dass Carsharer bei den Bereichen des Wohnens (Couchsurfing/airbnb, Gartengrundstück mit Nachbarn,
Studentenwohnheimzimmer) eine sichtbar höhere Bereitschaft aufweisen, diese zu teilen. Eine auffällig geringere Bereitschaft zu teilen
gibt es jedoch beim Notebook/PC innerhalb der eigenen Wohngemeinschaft.
16Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Ja
Ist Carsharing eine echte Alternative zum eigenen Auto? Jeder vierte Autobesitzer gab an, auf ein eigenes Auto zu verzichten,
sollte ihm ein ausreichend gutes Carsharing-Angebot zur Verfügung stehen. Mehr als die Hälfte (54,3%) ist bei dieser Frage
unentschlossen. Fragt man die Carsharing-Nutzer, die zusätzlich ein eigenes Auto besitzen, hat real niemand auf den Besitz
seines Autos zugunsten von Carsharing verzichtet. Hier sagen 59,1% der Befragten, dass ein eigenes Auto für sie unverzichtbar
ist.
Bei der Beantwortung dieser Frage könnte somit soziale Erwünschtheit eine Rolle gespielt haben, denn wie sich zeigt, ist
Carsharing für die Befragten keine wirkliche Alternative zum eigenen Auto sondern höchstens eine Ergänzung.
Autofahrer geben die Bereitschaft an, durch CS auf ein eigenes
Auto zu verzichten – tun dies jedoch nicht
Bereitschaft, bei einem hinreichend guten Carsharing-Angebot
auf ein eigenes Auto zu verzichten:
Wurde durch die Carsharing-Nutzung ein eigenes Auto
aufgegeben?
20,3%
25,4%
54,3%
59,1%
40,9%
Carsharing-Nutzer, die zusätzlich ein eigenes Auto besitzen (n=22)
17Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Ja: 25,4%
Ich bin unentschlossen: 20,3%
Nein:
54,3%
Nein, aber ich könnte
mir grundsätzlich
vorstellen, es zu tun:
40,9%
Nein, auf ein eigenes
Auto möchte ich
nicht verzichten:
59,1%
Autobesitzer, die kein Carsharing nutzen (n=59)
0,0%Ja
Mithilfe des Analytic Hierarchy Process konnte ermittelt werden, dass sowohl Autofahrer als auch Carsharing-Nutzer Flexibilität
als wichtigstes Kriterium erachten, wenn es um das Thema Mobilität geht. Während bei den Carsharing-Nutzern der
Kostenvorteil eine weitere wichtige Rolle spielt, ist es bei den Autofahrern der Komfortaspekt, den Carsharer wiederum
vernachlässigen.
Umweltfreundlichkeit ist bei beiden Gruppen eher schwach ausgeprägt. Primäre Aufgabe sollte also die Schaffung eines
Umweltbewusstseins – auch bei Nutzern von Fahrzeugen des Individualverkehrs sein, verbunden mit einer deutlichen
Steigerung der Zahl an Autos, welche mit alternativen Antriebsarten ausgestattet sind.
Im Bezug auf Mobilität ist Flexibilität das wichtigste Kriterium
der Befragten
18,2%
29,1%
36,0%
13,7%
17,8%
22,7%
17,1%
Kostenvorteil
Flexibilität
Umwelt-
freundlichkeit
Komfort
Autofahrer Carsharing-User
1 Flexibilität Flexibilität
2 Komfort Kostenvorteil
3 Kostenvorteil Umweltfreundl.
4 Umweltfreundl. Komfort
Basierend auf den Entscheidungen
der Befragten ergibt sich folgende
Hierarchie der Mobilitätskriterien:
18Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
45,4%
Der Analytic-Hierarchy-Process ist ein Tool um Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Im konkreten Fall war es die Aufgabe der
Befragten, die vier zuvor gezeigten Attribute in Bezug auf das eigene Mobilitätsverhalten zu gewichten.
Im Ergebnis zeigt sich die eigentliche Präferenz der Befragten. Anhand der Grafik kann abgeleitet werden, dass fast 45% der
Nutzer von Carsharing-Services im Lichte des Entscheidungsbaums ein eigenes Auto bevorzugen würden. Betrachtet man das
zuvor vorgestellte Ergebnis verdeutlicht sich diese Aussage. Nicht, wie in zuvor gesichteten Studien angenommen, die
Umweltfreundlichkeit ist den Carsharern besonders wichtig, sondern in erster Linie die Flexibilität. Somit wird das eigene
Fahrzeug attraktiver für jene Befragte.
Auf Basis der Auswertung des AHP wäre für 44,6% der
Carsharing-Nutzer ein eigenes Auto die bessere Wahl
44,6%
27,3%
55,4%
Eigenes Auto
Carsharing-Fahrzeug
19Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Befragte meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten und
aufgrund mangelnder Verfügbarkeit am Wohnort
29 ct /
Fahrminute
31 ct /
Fahrminute
Etwa ein Drittel der Befragten nutzt kein Carsharing. Hierfür sollten die Gründe unter jenem Anfangsverdacht ermittelt werden, dass
Carsharing-Angebote trotz Ihres scheinbaren Kostenvorteils zu teuer für Nicht-Nutzer sind. Die Fahrpreise pro Minute liegen im Cent-
Bereich, summieren sich bei Fahrten innerhalb der Stadt jedoch schnell auf hohe Beträge (Stau, Rush-Hour etc.).
Im Ergebnis zeigt sich, dass der häufigste Grund der Nicht-Nutzung tatsächlich die hohe Nutzungsgebühr ist. Fast ebenso viele Befragte
gaben an, Carsharing sei an ihrem Wohnort nicht verfügbar. Dies ist Grundlage für eine weitere Eingrenzung der Nutzergruppe auf Berliner.
Die (Fahr-)Preise der Marktführer
sind ähnlich. DriveNOW ist dabei
etwas teurer, bietet dafür jedoch
Cabrios an und hat etwas geringere
Parkgebühren.
20Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Betrachtet man nur Befragte aus Berlin, erhärtet sich der
Verdacht, dass Menschen den hohen Preis der Anbieter scheuen
Eine geografisch unabhängige Auswertung ergab, dass 34% der Personen, die kein Carsharing nutzen, als Grund die Nichtverfügbarkeit an
ihrem Wohnort angeben. Um den Fokus stärker auf die Kostenfrage zu legen, wurden im nächsten Schritt ausschließlich Berliner
überprüft, denn in der Hauptstadt können Nutzer auf ein großes Operationsgebiet verschiedener Anbieter zurückgreifen.
Es bestätigt sich die These, dass der vorherrschende Grund der Nichtnutzung die zu hohe Nutzungsgebühr ist. Fast jeder zweite Befragte
Berliner empfindet den Preis als zu hoch.
21Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Quelle:
http://www.berlinstadtservice.de/image/Deutschland-
Karte.png
Die Carsharing-Nutzer wurden mithilfe des Net-Promoter-Score bezüglich ihrer Zufriedenheit befragt. Die Zufriedenheit mit der
Preisgestaltung wurde hierbei absichtlich doppelt ermittelt, um die Aufmerksamkeit der Befragten zu überprüfen. Hierbei ergab sich ein
bemerkenswertes Bild, das die zuvor genannte Unzufriedenheit der Nicht-Nutzer bestätigt. Die Grafik zeigt deutlich, dass die Nutzer mit
der Preisgestaltung am wenigsten zufrieden sind.
Ebenfalls bemerkenswert: die allgemeine Zufriedenheit orientiert sich an den Höchstwerten der einzelnen Attribute. Dies lässt darauf
schließen, dass die Nutzer nicht auf den Preis achten, bzw. diesen für den gebotenen Service gern in Kauf nehmen.
Nutzer sind im Allgemeinen sehr zufrieden mit dem Carsharing-
Service der Anbieter, nicht jedoch mit deren Preisgestaltung
Am wenigsten zufrieden sind
Carsharing Nutzer mit den
Kosten der Nutzung.
Das Attribut Preis/ Kosten
wurde zweimal abgefragt,
um die Aufmerksamkeit
zu überprüfen (orange).
22Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Aus den Erkenntnissen der vorliegenden Studie wurden Problemfelder identifiziert, um daraus geeignete Lösungsansätze zu
entwickeln:
So kritisierten die Teilnehmer weite Laufwege zum nächstgelegenen Carsharing-Fahrzeug, was durch eine Clusterbildung der
Fahrzeuge hervorgerufen wird, die sich mittels spezieller Angebote für bestimmte Strecken verringern lässt. Um auch die
Bedürfnisse von Personen mit hohem Einkommen zu befriedigen, sollten unterschiedliche Fahrzeugsegmente zur Verfügung
gestellt werden. Die Erweiterung der Carsharing-Flotte um weitere E-Modelle kann zur Umweltschonung und der Stärkung des
Umweltbewusstseins von Autofahrern beitragen.
Carsharing-Anbieter sollten flexibler agieren und Vorreiter für die
Einführung von E-Autos sein.
Befragte gaben zu
weite Laufwege zum
Fahrzeug als Grund für
die Nichtnutzung von
Carsharing an
Zu kleine Flotte oder
Clusterbildung von
Fahrzeugen
Spezielle Angebote für
bestimmte Strecken,
sodass eine
Clusterbildung
verhindert wird
Personen mit einem
höheren Einkommen
besitzen häufiger ein
eigenes Auto
Es stehen keine
Fahrzeuge der
gewünschten
Fahrzeugkategorie
bereit
Einführung von
unterschiedlichen
Fahrzeugsegmenten,
z.B. Basic, medium,
Premium
Umweltfreundlichkeit:
eher unwichtiges
Kriterium, wenn es um
Mobilität geht
zu wenig Erfahrung
und Berührung mit E-
Autos
Carsharing-Anbieter
sollten hier als
Vorreiter agieren und
die Flotte um (mehr) E-
Autos ergänzen
23Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Aus den Erkenntnissen der vorliegenden Studie wurden Problemfelder identifiziert, um daraus geeignete Lösungsansätze zu
entwickeln:
So kritisierten die Teilnehmer weite Laufwege zum nächstgelegenen Carsharing-Fahrzeug, was durch eine Clusterbildung der
Fahrzeuge hervorgerufen wird, die sich mittels spezieller Angebote für bestimmte Strecken verringern lässt. Um auch die
Bedürfnisse von Personen mit hohem Einkommen zu befriedigen, sollten unterschiedliche Fahrzeugsegmente zur Verfügung
gestellt werden. Die Erweiterung der Carsharing-Flotte um weitere E-Modelle kann zur Umweltschonung und der Stärkung des
Umweltbewusstseins von Autofahrern beitragen.
Die meisten Fehler wurden bei der Erstellung des Fragebogens
und der Stichprobenauswahl gemacht.
• Das Auswertungspotential der einzelnen Fragen sollte bereits bei der
Erstellung des Fragebogens berücksichtigt werden.Wichtige Fragen vergessen
• Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, sollten die
Rekrutierungskanäle für die Probanden möglichst weit gestreut
werden, um genügend Teilnehmer (auch aus Randgruppen) zu
erreichen.
Repräsentativität des
Samples
• Um die vorliegenden Ergebnisse auch auf die Grundgesamtheit
übertragen zu können, sollte auch in diesem Punkt auf die
Repräsentativität geachtet werden, da sie sonst als zufällig gelten.
Kaum signifikante Ergebnisse
• Durch Pre-Tests vor der Veröffentlichung des Fragebogens lassen sich
technische Fehler identifizieren und die Abbruchquote kann
gegebenenfalls minimiert werden.
Technische Restriktionen
24Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
25
Appendix
• http://www.directupload.net/file/d/427
2/5jee4thg_pdf.htmPressemitteilung
• https://infogr.am/jrzujzj-190130321
Infografik
• http://goo.gl/ft9sHqManagement-
Präsentation
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
26
Appendix
Fragebogenaufbau
Nr. Fragetyp Fragestellung
1. Multiple Choice Welche Carsharing-Anbieter kennst du?
2. Single Choice Du besitzt Zugriff auf ein Auto oder besitzt selbst eins?
3. Single Choice Wie oft benutzt du dein Auto?
4. Multiple Choice Warum besitzt du kein eigenes Auto?
5. Single Choice Benutzt du Carsharing oder hast du es schon einmal benutzt?
6. Single Choice Wie oft benutzt du Carsharing-Services?
7. Multiple Choice Warum benutzt du kein Carsharing?
8. NPS (Slider 1-10) Wie Zufrieden bist du mit folgenden Aspekten des Carsharing?
9. Single Choice Hast du dein Auto wegen Carsharing abgeschafft?
10. Single Choice Würdest du dein Auto bei gutem Carsharing-Angebot abschaffen?
11. TinSort (swipen) Wärst du bereit folgende Dinge (Bilder gezeigt) zu teilen?
12. Single Choice Wieviel gibst du für Carsharing im Monat aus?
13. Single Choice Wieviel kostet dich (geschätzt) dein eigenes Auto im Monat?
14. Decision Tree Was ist dir in Bezug auf…wichtiger?(Carsharing eigenes Auto)
15. Single Choice Wie ist dein Geschlecht/Alter? Wie viele Geschwister hast du?
16. Single Choice Welcher ist dein höchster bisher erreichter Bildungsabschluss?
17. SC/ NPS Slider Wie hoch ist dein monatliches Einkommen? Wie teilt es sich auf?
18. Single Choice In welchem Bundesland wohnst du?
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
27
Appendix
Kontakt zu den Autoren
Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
Die Autoren sind Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft
Berlin.
Die Ausarbeitung fand im Rahmen des Studienmoduls Markt- und
Wettbewerbsforschung/SPSS statt.
Mathias Hütter
Student: M(ISIM)
s0552319@htw-berlin.de
Michael Pfeifer
Student: M(ISIM)
s0531398@htw-berlin.de

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Nutzungsverhalten und Teilbereitschaft von Carsharing-Nutzern und Autobesitzern

  • 1. Nutzugsverhalten und Teilbereitschaft von Carsharing-Nutzern und Autobesitzern Management Report zur Marktforschungsstudie 22.02.2016
  • 2. Das Wichtigste in aller Kürze… Kategorie Fakten Folie Marktüberblick Vorhergehende Studien begründen die Themenaktualität der Studie. Carsharing wächst flächendeckend 5 Carsharing ist ein rasant wachsendes Geschäftsmodell – und ein Ende des Expansion ist nicht abzusehen 6 Die mit Abstand bekanntesten Anbieter sind car2go und DriveNow, einige Anbieter sind fast niemandem bekannt 7 Struktur der Stichprobe Die Erhebung der Primärdaten fand mittels eines Fragebogens statt, bestehend aus 18 Einzelfragen 8 Die Probanden haben insgesamt 17 Stunden für die Bearbeitung des Fragebogens benötigt und jeder vierte Teilnehmer hat die Befragung vorzeitig abgebrochen 9 Die Stichprobe setzt sich größtenteils aus Personen im Alter von 18-30 Jahren zusammen, die in Berlin wohnen und Akademiker sind 11 Die meisten Befragten haben ein monatliches Einkommen zwischen 1001€ und 1500€ 13 Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 2
  • 3. Das Wichtigste in aller Kürze… Kategorie Fakten Folie Thesen und Erkenntnisse Befragte mit weniger als 1000€ Einkommen nutzen häufiger Carsharing. Ab 1500€ besitzen sie häufiger ein eigenes Auto 14 Es besteht kein statistischer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Carsharing und der Bereitschaft zu teilen. Jedoch haben Carsharer eine höhere Bereitschaft zu teilen, wenn es um die Nutzung von Wohnraum oder Gärten geht 15 Autofahrer geben die grundsätzliche Bereitschaft an, durch Carsharing auf ein eigenes Auto verzichten zu können – tun dies jedoch nicht 17 In Bezug auf Mobilität ist Flexibilität das wichtigste Kriterium der Befragten und die Auswertung des AHP hat ergeben, dass 44,6% der Carsharing-Nutzer gerne ein eigenes Auto besitzen würden 18 Befragte meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten sowie außerhalb Berlins auch wegen mangelnder Verfügbarkeit am Wohnort. 20 Nutzer sind im Allgemeinen sehr zufrieden mit dem Carsharing-Service der Anbieter, nicht jedoch mit deren Preisgestaltung 22 Empfehlungen Carsharing-Anbieter sollten flexibler agieren und Vorreiter für die Einführung von E-Autos sein. 23 Kritische Betrachtung Die meisten Fehler wurden bei der Erstellung des Fragebogens und der Stichprobenauswahl gemacht. 24 3Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 4. Das Wichtigste in aller Kürze… Wir sind davon ausgegangen… • Personen mit weniger Einkommen nutzen eher Carsharing wohingegen Personen mit höherem Einkommen ein Auto besitzen. • Personen, die Carsharing nutzen, sind grundsätzlich eher bereit Güter und Dienstleistungen mit anderen zu teilen. • Bei einem hinreichend gutem Carsharing-Angebot sind Personen bereit auf ein eigenes Auto zu verzichten und es abzuschaffen. • Personen mit eigenem Auto ist die Flexibilität und der Komfort am wichtigsten für Carsharer Umweltschutz und Kostenvorteil. • Personen meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten. Ausgangspunkt der Hypothesen waren Grundannahmen der Autoren sowie Auswertungen von Ergebnissen vorrangegangener Studien, darunter u.a.: • Gemeinsame Studie von car2go und DriveNow (Quelle: http://www.carsharing-news.de/car2go-drivenow-studie/ ) • Forsa Umfrage zum Thema Carsharing (Quelle: http://www.carsharing-news.de/forsa-umfrage-zum-thema-carsharing/ ) Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 4
  • 5. Vorhergehende Studien begründen die Themenaktualität der Studie. Carsharing wächst flächendeckend „Etwa 75 % der Nutzer sind Männer, über 70 % der Kunden haben einen Hochschulabschluss und verfügen über durchschnittlich 2500€ Nettoeinkommen.“ Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/neue-studie-zu-berlin-und-muenchen-carsharing-entlastet-den- verkehr-kaum/12461384.html Wachstum zum Vorjahr 2014: Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 5
  • 6. 6 Carsharing ist ein rasant wachsendes Geschäftsmodell – und ein Ende des Expansion ist nicht abzusehen Carsharing ist eine Form der Mobilität, welche sich insbesondere in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit, vor allem im städtischen Raum, erfreut. Es beschreibt die gemeinsame und organisierte Nutzung einer Flotte an Kraftfahrzeugen, welche von sogenannten Carsharing-Anbietern bereitgestellt werden. Nicht selten stecken hinter diesen Anbietern Autohersteller oder Autovermietungen. "Benutzen statt Besitzen" ist das Motto derer, die mehr oder weniger regelmäßig auf die Dienste von Carsharing- Anbietern zurückgreifen. Beim Carsharing werden die Fixkosten gleichmäßig auf alle Nutzer verteilt. Sie sind bereits in die Nutzungsgebühr eingerechnet. Dazu gehören Steuern, Versicherungen, Wartungen etc.. Carsharing-Teilnehmern steht in der Regel eine große Fahrzeugflotte zur Verfügung, bestehend aus Fahrzeugen mehrerer Fahrzeugkategorien. Darunter Kleinwagen, Transporter, Limousinen und manche Anbieter haben sogar Cabrios im Programm. Mit Stand 01. Januar 2015… • können Carsharing-Kunden in Deutschland auf insgesamt 15.400 Fahrzeuge zurückgreifen • ist Carsharing in 490 deutschen Städten und Gemeinden verfügbar – 110 mehr als im Vorjahr • waren rund 1.040.000 Fahrberechtigte bei den ca. 150 deutschen Carsharing-Anbietern angemeldet Quelle: http://www.carsharing-news.de/carsharing-jahresbilanz-2014-2015/ Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 7. Car2Go ist mit 92% der bekannteste Carsharing Anbieter der Befragten, gefolgt von DriveNow mit 88%. Car2Go ist ein Tochterunternehmen von Daimler und stellt seinen Kunden Fahrzeuge der Daimler-Tochter SMART zur Verfügung. DriveNow ist ein Angebot von BMW und bietet seinen Kunden hauptsächlich den MINI (Cabrio) und kleinere BMW-Fahrzeuge zur Auswahl. Die mit Abstand bekanntesten Anbieter sind car2go und DriveNow, einige Anbieter sind fast niemandem bekannt 10 der 14 genannten Anbieter sind nicht einmal jedem fünften Befragten bekannt. BMW und Daimler dominieren den Carsharing-Markt 7Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Alle vollständigen Interviews (n=147)
  • 8. Die Primärdaten wurden anhand eines Fragebogens erhoben, welcher aus insgesamt 18 Einzelfragen besteht. Um die Aufmerksamkeit der Befragten zu fördern, besteht eine große Bandbreite in Bezug auf die Fragetypen: so finden beispielsweise klassische Single und Multiple Choice Fragestellungen, aber auch aktuelle Ansätze, wie TinSort oder der Entscheidungsbaum Anwendung. Die Anordnung der Fragen basiert auf dem System, dass zunächst 2 Gruppen von Befragten identifiziert werden sollen: diejenigen Personen, welche Carsharing nutzen, jedoch kein eigenes Auto besitzen und jene Gruppe, welche ein eigenes Auto besitzt, jedoch nicht auf Carsharing-Services zurückgreift. Die Erhebung der Primärdaten fand mittels eines Fragebogens, bestehend aus 18 Einzelfragen, statt Erhebungsinstrument: schriftliche Befragung (Fragebogen) Befragungstool: questfox.com Anzahl der Fragen: 18 Fragetypen: Einfachantworten (single choice) Mehrfachantworten (multiple choice) TinSort Net Promoter Score AHP (Entscheidungsbaum) 8Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 9. Facebook E-Mail Innerhalb von 1021 Minuten wurden insgesamt 203 Befragungen begonnen, von denen 147 erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Durchschnittliche Bearbeitungszeit betrug dabei 5:44 Minuten. Als wichtigster Rekrutierungskanal ist Facebook anzusehen, der 82,3% der Probanden generierte. Der größte Teil der Befragten beantwortete die Studie über einen Link, der nur Studierenden der HTW-Berlin zugesandt wurde. Damit erklärt sich der hohe Anteil an Studenten. Die Probanden haben insgesamt 17 Stunden für die Bearbeitung des Fragebogens benötigt Befragungszeitraum: 25.12.2015 – 09.01.2016 Durchschnittl. Zeit: 5:44 Minuten Gesamtzeit: 1020 Minuten Rekrutierungskanäle: 82,3% 17,7% Alle vollständigen Interviews (n=147) 9Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 10. Von insgesamt 203 gestarteten Interviews wurden insgesamt 147 vervollständigt. 56 Befragte haben das Interview vorzeitig beendet, was einer Abbruchquote von 27,6% entspricht. Im nächsten Schritt erfolgt eine Aufteilung der vollständigen Interviews in vier Gruppen zur weiteren Betrachtung und Analyse der Ergebnisse: Autobesitzer, die kein Carsharing nutzen und Carsharer, die kein eigenes Auto besitzen stellen die ersten beiden Gruppen dar. Stichprobenteilnehmer, die Carsharing nutzen und ein Auto besitzen sowie Personen, die kein Carsharing in Anspruch nehmen und auch kein Auto besitzen bilden zwei weitere Gruppen. Jeder vierte Teilnehmer hat die Befragung vorzeitig abgebrochen Autobesitzer (nutzen kein Carsharing) Carsharer (besitzen kein eigenes Auto) nutzen Carsharing UND besitzen ein eigenes Auto nutzen KEIN Carsharing und besitzen KEIN Auto 40,1% 18,4% 15,0% 26,5% 0 50 100 150 200 250 gestartete Interviews (n=203) vollständige Interviews (n=147) Abbrecher (n=56) Abbruchquote: 27,6% 10Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Alle vollständigen Interviews (n=147)
  • 11. Während das Geschlechterverhältnis einigermaßen ausgeglichen ist (43% männliche und 57% weibliche Teilnehmer), ist ein deutlicher Trend hin zu jüngeren Probanden erkennbar. So sind nur 24% der Befragten 30 Jahre oder älter. Dies ist durch die Tatsache erkennbar, dass die Autoren selbst Studierende unter 30 sind und vor allem Freunde und Bekannte über den Kanal Facebook rekrutiert wurden. Die Stichprobe setzt sich größtenteils aus Personen im Alter von 18-30 Jahren zusammen… 38% 20% 18% 24% 57% der Teilnehmer sind weiblich 43% der Teilnehmer sind männlich Geschlecht Alter in Jahren Alle vollständigen Interviews (n=147) 11Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter >=3028-2926-27<=25
  • 12. Fast jeder achte Befragte wohnt in der Bundeshauptstadt Berlin. Einen akademischen Abschluss können 57,6% der Probanden vorweisen, während knapp 30% angeben eine Hochschulreife zu besitzen. Der hohe Anteil an Akademikern kommt dadurch zustande, dass unter anderem in Facebook-Gruppen der HTW Berlin Posts veröffentlicht wurden, durch die eine Vielzahl an Studierenden dieser Hochschule an der Umfrage teilgenommen haben. … die in Berlin wohnen und Akademiker sind 8% der Teilnehmer kommen aus Berlin Brandenburg 13% sonstige Bundesländer & Ausland 79% Mittlere Reife (Realschulabschluss) Hauptschulabschluss abgeschlossene Berufsausbildung (Fach-)Hochschulreife akademischer Abschluss Bildungsabschluss Wohnort Alle vollständigen Interviews (n=147) Alle vollständigen Interviews (n=147) 12Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 13. Die meisten Befragten verfügen über ein monatliches Einkommen zwischen 1001 € und 1500 € Bei der Wahl der Mobilitätsmittel spielt das Einkommen mutmaßlich eine bedeutende Rolle. Daher wurde das monatliche Einkommen ermittelt. Befragte konnten in Intervallen angeben, wieviel Einkommen sie monatlich zur Verfügung haben. Diese Intervalle sollten den Befragten die Möglichkeit geben, ihr Einkommen grob anzugeben, ohne sich auf den Euro genau festlegen zu müssen und so das Gefühl der Anonymität zu verlieren. Obwohl die absolute Mehrheit der Befragten Studierende sind, überrascht das zur Verfügung stehende Einkommen von über 1000€. Männer geben ein höheres Einkommen an als Frauen. 11% der Befragten wollten ihr Einkommen nicht preisgeben. Männer (blaue Linie) sind im Bereich ab 1500€ häufiger vertreten, Frauen im Bereich unter 750€. Soziale Erwünschtheit könnte hier eine Rolle spielen. Bei einem Studierendenanteil der Befragten von 87% überrascht das hohe Einkommen. 13Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Alle vollständigen Interviews (n=147)
  • 14. Befragte mit weniger als 1000€ Einkommen nutzen häufiger Carsharing. Ab 1500€ besitzen sie häufiger ein eigenes Auto Es wird angenommen, dass Menschen mit wenig Einkommen eher das Carsharing Angebot nutzen, da es eine günstige und unkomplizierte Nutzung eines Kraftfahrzeugs ermöglicht. Kauf, Unterhalt, Reparatur usw. entfallen im Gegensatz zum eigenen Autobesitz. Niedriges Einkommen ist für diese Studie mit <1000€ definiert. Im Ergebnis zeigt sich, dass diese These bestätigt wird. Weiterhin bestätigt sich im Umkehrschluss, dass mit erhöhtem Einkommen der Autobesitz zunimmt. Die Grafik zeigt den Nutzerüberhang bei Carsharing im unteren Einkommensbereich (orange Fläche). Die orangefarbene Fläche zeigt den relativen Überhang von Carsharing Nutzern im Einkommensbereich bis 1000€. Die graue Fläche rechts zeigt den Überhang der Autobesitzer. 14Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 15. Die Bereitschaft zu Teilen korreliert nicht mit der Nutzung von Carsharing. Korrelationskoeffizient - ,143 Signifikanz: 0,033 Es besteht kein statistischer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Carsharing und der Bereitschaft zu teilen Die Grundannahme der Studie war u.a., dass Carsharer die „sharing is caring“-Mentalität eher ausleben als Nicht-Carsharer. Daher wurde mit Hilfe des TinSort-Fragetyps ermittelt, ob Befragte bereit sind, Dinge des täglichen Lebens zu teilen oder nicht. Die Grafik zeigt, dass sich die verschiedenen Nutzergruppen in ihrer Bereitschaft zu teilen kaum voneinander unterscheiden. Carsharer haben jedoch eine sichtbar höhere Bereitschaft, die Wohnung über Dienste wie airbnb oder Couchsurfing mit anderen zu teilen. Eine Auswertung mit SPSS zeigt jedoch, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu teilen und der Nutzung von Carsharing gibt. Der Wert von - ,143 deutet sogar auf eine negative Tendenz in, welche mit einem Signifikanzwert von 0,033 als nicht zufällig angesehen werden kann. Nennenswerte Unterschiede gibt es nur bei der Bereitschaft die Wohnung kurzzeitig zu teilen sowie die Dusche geschlechterneutral zu nutzen. 15Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 16. Carsharer haben eine höhere Bereitschaft zu teilen, wenn es um die Nutzung von Wohnraum oder Gärten geht Nachdem zuvor verschiedene Nutzergruppen bezüglich ihrer Teilbereitschaft ausgewertet wurden, richtet sich das Augenmerk nun auf jene Probanden, die angaben, entweder nur Carsharing zu nutzen oder ausschließlich ein Auto zu besitzen. Unterschiede gibt es hier nur in einigen Bereichen und dies mitunter auch nur marginal. Auffällig ist jedoch, dass Carsharer bei den Bereichen des Wohnens (Couchsurfing/airbnb, Gartengrundstück mit Nachbarn, Studentenwohnheimzimmer) eine sichtbar höhere Bereitschaft aufweisen, diese zu teilen. Eine auffällig geringere Bereitschaft zu teilen gibt es jedoch beim Notebook/PC innerhalb der eigenen Wohngemeinschaft. 16Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 17. Ja Ist Carsharing eine echte Alternative zum eigenen Auto? Jeder vierte Autobesitzer gab an, auf ein eigenes Auto zu verzichten, sollte ihm ein ausreichend gutes Carsharing-Angebot zur Verfügung stehen. Mehr als die Hälfte (54,3%) ist bei dieser Frage unentschlossen. Fragt man die Carsharing-Nutzer, die zusätzlich ein eigenes Auto besitzen, hat real niemand auf den Besitz seines Autos zugunsten von Carsharing verzichtet. Hier sagen 59,1% der Befragten, dass ein eigenes Auto für sie unverzichtbar ist. Bei der Beantwortung dieser Frage könnte somit soziale Erwünschtheit eine Rolle gespielt haben, denn wie sich zeigt, ist Carsharing für die Befragten keine wirkliche Alternative zum eigenen Auto sondern höchstens eine Ergänzung. Autofahrer geben die Bereitschaft an, durch CS auf ein eigenes Auto zu verzichten – tun dies jedoch nicht Bereitschaft, bei einem hinreichend guten Carsharing-Angebot auf ein eigenes Auto zu verzichten: Wurde durch die Carsharing-Nutzung ein eigenes Auto aufgegeben? 20,3% 25,4% 54,3% 59,1% 40,9% Carsharing-Nutzer, die zusätzlich ein eigenes Auto besitzen (n=22) 17Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Ja: 25,4% Ich bin unentschlossen: 20,3% Nein: 54,3% Nein, aber ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, es zu tun: 40,9% Nein, auf ein eigenes Auto möchte ich nicht verzichten: 59,1% Autobesitzer, die kein Carsharing nutzen (n=59) 0,0%Ja
  • 18. Mithilfe des Analytic Hierarchy Process konnte ermittelt werden, dass sowohl Autofahrer als auch Carsharing-Nutzer Flexibilität als wichtigstes Kriterium erachten, wenn es um das Thema Mobilität geht. Während bei den Carsharing-Nutzern der Kostenvorteil eine weitere wichtige Rolle spielt, ist es bei den Autofahrern der Komfortaspekt, den Carsharer wiederum vernachlässigen. Umweltfreundlichkeit ist bei beiden Gruppen eher schwach ausgeprägt. Primäre Aufgabe sollte also die Schaffung eines Umweltbewusstseins – auch bei Nutzern von Fahrzeugen des Individualverkehrs sein, verbunden mit einer deutlichen Steigerung der Zahl an Autos, welche mit alternativen Antriebsarten ausgestattet sind. Im Bezug auf Mobilität ist Flexibilität das wichtigste Kriterium der Befragten 18,2% 29,1% 36,0% 13,7% 17,8% 22,7% 17,1% Kostenvorteil Flexibilität Umwelt- freundlichkeit Komfort Autofahrer Carsharing-User 1 Flexibilität Flexibilität 2 Komfort Kostenvorteil 3 Kostenvorteil Umweltfreundl. 4 Umweltfreundl. Komfort Basierend auf den Entscheidungen der Befragten ergibt sich folgende Hierarchie der Mobilitätskriterien: 18Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter 45,4%
  • 19. Der Analytic-Hierarchy-Process ist ein Tool um Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Im konkreten Fall war es die Aufgabe der Befragten, die vier zuvor gezeigten Attribute in Bezug auf das eigene Mobilitätsverhalten zu gewichten. Im Ergebnis zeigt sich die eigentliche Präferenz der Befragten. Anhand der Grafik kann abgeleitet werden, dass fast 45% der Nutzer von Carsharing-Services im Lichte des Entscheidungsbaums ein eigenes Auto bevorzugen würden. Betrachtet man das zuvor vorgestellte Ergebnis verdeutlicht sich diese Aussage. Nicht, wie in zuvor gesichteten Studien angenommen, die Umweltfreundlichkeit ist den Carsharern besonders wichtig, sondern in erster Linie die Flexibilität. Somit wird das eigene Fahrzeug attraktiver für jene Befragte. Auf Basis der Auswertung des AHP wäre für 44,6% der Carsharing-Nutzer ein eigenes Auto die bessere Wahl 44,6% 27,3% 55,4% Eigenes Auto Carsharing-Fahrzeug 19Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 20. Befragte meiden Carsharing aufgrund der hohen Kosten und aufgrund mangelnder Verfügbarkeit am Wohnort 29 ct / Fahrminute 31 ct / Fahrminute Etwa ein Drittel der Befragten nutzt kein Carsharing. Hierfür sollten die Gründe unter jenem Anfangsverdacht ermittelt werden, dass Carsharing-Angebote trotz Ihres scheinbaren Kostenvorteils zu teuer für Nicht-Nutzer sind. Die Fahrpreise pro Minute liegen im Cent- Bereich, summieren sich bei Fahrten innerhalb der Stadt jedoch schnell auf hohe Beträge (Stau, Rush-Hour etc.). Im Ergebnis zeigt sich, dass der häufigste Grund der Nicht-Nutzung tatsächlich die hohe Nutzungsgebühr ist. Fast ebenso viele Befragte gaben an, Carsharing sei an ihrem Wohnort nicht verfügbar. Dies ist Grundlage für eine weitere Eingrenzung der Nutzergruppe auf Berliner. Die (Fahr-)Preise der Marktführer sind ähnlich. DriveNOW ist dabei etwas teurer, bietet dafür jedoch Cabrios an und hat etwas geringere Parkgebühren. 20Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 21. Betrachtet man nur Befragte aus Berlin, erhärtet sich der Verdacht, dass Menschen den hohen Preis der Anbieter scheuen Eine geografisch unabhängige Auswertung ergab, dass 34% der Personen, die kein Carsharing nutzen, als Grund die Nichtverfügbarkeit an ihrem Wohnort angeben. Um den Fokus stärker auf die Kostenfrage zu legen, wurden im nächsten Schritt ausschließlich Berliner überprüft, denn in der Hauptstadt können Nutzer auf ein großes Operationsgebiet verschiedener Anbieter zurückgreifen. Es bestätigt sich die These, dass der vorherrschende Grund der Nichtnutzung die zu hohe Nutzungsgebühr ist. Fast jeder zweite Befragte Berliner empfindet den Preis als zu hoch. 21Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Quelle: http://www.berlinstadtservice.de/image/Deutschland- Karte.png
  • 22. Die Carsharing-Nutzer wurden mithilfe des Net-Promoter-Score bezüglich ihrer Zufriedenheit befragt. Die Zufriedenheit mit der Preisgestaltung wurde hierbei absichtlich doppelt ermittelt, um die Aufmerksamkeit der Befragten zu überprüfen. Hierbei ergab sich ein bemerkenswertes Bild, das die zuvor genannte Unzufriedenheit der Nicht-Nutzer bestätigt. Die Grafik zeigt deutlich, dass die Nutzer mit der Preisgestaltung am wenigsten zufrieden sind. Ebenfalls bemerkenswert: die allgemeine Zufriedenheit orientiert sich an den Höchstwerten der einzelnen Attribute. Dies lässt darauf schließen, dass die Nutzer nicht auf den Preis achten, bzw. diesen für den gebotenen Service gern in Kauf nehmen. Nutzer sind im Allgemeinen sehr zufrieden mit dem Carsharing- Service der Anbieter, nicht jedoch mit deren Preisgestaltung Am wenigsten zufrieden sind Carsharing Nutzer mit den Kosten der Nutzung. Das Attribut Preis/ Kosten wurde zweimal abgefragt, um die Aufmerksamkeit zu überprüfen (orange). 22Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 23. Aus den Erkenntnissen der vorliegenden Studie wurden Problemfelder identifiziert, um daraus geeignete Lösungsansätze zu entwickeln: So kritisierten die Teilnehmer weite Laufwege zum nächstgelegenen Carsharing-Fahrzeug, was durch eine Clusterbildung der Fahrzeuge hervorgerufen wird, die sich mittels spezieller Angebote für bestimmte Strecken verringern lässt. Um auch die Bedürfnisse von Personen mit hohem Einkommen zu befriedigen, sollten unterschiedliche Fahrzeugsegmente zur Verfügung gestellt werden. Die Erweiterung der Carsharing-Flotte um weitere E-Modelle kann zur Umweltschonung und der Stärkung des Umweltbewusstseins von Autofahrern beitragen. Carsharing-Anbieter sollten flexibler agieren und Vorreiter für die Einführung von E-Autos sein. Befragte gaben zu weite Laufwege zum Fahrzeug als Grund für die Nichtnutzung von Carsharing an Zu kleine Flotte oder Clusterbildung von Fahrzeugen Spezielle Angebote für bestimmte Strecken, sodass eine Clusterbildung verhindert wird Personen mit einem höheren Einkommen besitzen häufiger ein eigenes Auto Es stehen keine Fahrzeuge der gewünschten Fahrzeugkategorie bereit Einführung von unterschiedlichen Fahrzeugsegmenten, z.B. Basic, medium, Premium Umweltfreundlichkeit: eher unwichtiges Kriterium, wenn es um Mobilität geht zu wenig Erfahrung und Berührung mit E- Autos Carsharing-Anbieter sollten hier als Vorreiter agieren und die Flotte um (mehr) E- Autos ergänzen 23Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 24. Aus den Erkenntnissen der vorliegenden Studie wurden Problemfelder identifiziert, um daraus geeignete Lösungsansätze zu entwickeln: So kritisierten die Teilnehmer weite Laufwege zum nächstgelegenen Carsharing-Fahrzeug, was durch eine Clusterbildung der Fahrzeuge hervorgerufen wird, die sich mittels spezieller Angebote für bestimmte Strecken verringern lässt. Um auch die Bedürfnisse von Personen mit hohem Einkommen zu befriedigen, sollten unterschiedliche Fahrzeugsegmente zur Verfügung gestellt werden. Die Erweiterung der Carsharing-Flotte um weitere E-Modelle kann zur Umweltschonung und der Stärkung des Umweltbewusstseins von Autofahrern beitragen. Die meisten Fehler wurden bei der Erstellung des Fragebogens und der Stichprobenauswahl gemacht. • Das Auswertungspotential der einzelnen Fragen sollte bereits bei der Erstellung des Fragebogens berücksichtigt werden.Wichtige Fragen vergessen • Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, sollten die Rekrutierungskanäle für die Probanden möglichst weit gestreut werden, um genügend Teilnehmer (auch aus Randgruppen) zu erreichen. Repräsentativität des Samples • Um die vorliegenden Ergebnisse auch auf die Grundgesamtheit übertragen zu können, sollte auch in diesem Punkt auf die Repräsentativität geachtet werden, da sie sonst als zufällig gelten. Kaum signifikante Ergebnisse • Durch Pre-Tests vor der Veröffentlichung des Fragebogens lassen sich technische Fehler identifizieren und die Abbruchquote kann gegebenenfalls minimiert werden. Technische Restriktionen 24Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 25. 25 Appendix • http://www.directupload.net/file/d/427 2/5jee4thg_pdf.htmPressemitteilung • https://infogr.am/jrzujzj-190130321 Infografik • http://goo.gl/ft9sHqManagement- Präsentation Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 26. 26 Appendix Fragebogenaufbau Nr. Fragetyp Fragestellung 1. Multiple Choice Welche Carsharing-Anbieter kennst du? 2. Single Choice Du besitzt Zugriff auf ein Auto oder besitzt selbst eins? 3. Single Choice Wie oft benutzt du dein Auto? 4. Multiple Choice Warum besitzt du kein eigenes Auto? 5. Single Choice Benutzt du Carsharing oder hast du es schon einmal benutzt? 6. Single Choice Wie oft benutzt du Carsharing-Services? 7. Multiple Choice Warum benutzt du kein Carsharing? 8. NPS (Slider 1-10) Wie Zufrieden bist du mit folgenden Aspekten des Carsharing? 9. Single Choice Hast du dein Auto wegen Carsharing abgeschafft? 10. Single Choice Würdest du dein Auto bei gutem Carsharing-Angebot abschaffen? 11. TinSort (swipen) Wärst du bereit folgende Dinge (Bilder gezeigt) zu teilen? 12. Single Choice Wieviel gibst du für Carsharing im Monat aus? 13. Single Choice Wieviel kostet dich (geschätzt) dein eigenes Auto im Monat? 14. Decision Tree Was ist dir in Bezug auf…wichtiger?(Carsharing eigenes Auto) 15. Single Choice Wie ist dein Geschlecht/Alter? Wie viele Geschwister hast du? 16. Single Choice Welcher ist dein höchster bisher erreichter Bildungsabschluss? 17. SC/ NPS Slider Wie hoch ist dein monatliches Einkommen? Wie teilt es sich auf? 18. Single Choice In welchem Bundesland wohnst du? Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter
  • 27. 27 Appendix Kontakt zu den Autoren Carsharer vs. Autobesitzer | Michael Pfeifer, Mathias Hütter Die Autoren sind Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Ausarbeitung fand im Rahmen des Studienmoduls Markt- und Wettbewerbsforschung/SPSS statt. Mathias Hütter Student: M(ISIM) s0552319@htw-berlin.de Michael Pfeifer Student: M(ISIM) s0531398@htw-berlin.de