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report
eine Beilage der vom 8. November 2005
In Life Sciences
an der Weltspitze
Zum ersten Mal:
Die metropolitane Region
Basel im Vergleich mit
15 andern metropolitanen
Standorten in Europa
und Übersee
Zum ersten Mal:
Die metropolitane Region
Basel im Vergleich mit
15 andern metropolitanen
Standorten in Europa
und Übersee
In Life Sciences
an der Weltspitze
inhalt
metrobasel report___3
Heute erreicht die metropolitane Re-
gion Basel – prägnant metrobasel ge-
nannt – einen Meilenstein. Denn
heute veröffentlicht die Basler Zei-
tung den ersten metrobasel report.
VonBAKBaselEconomics,demTeam
Christoph Koellreuters mit der Unter-
stützung von vielen Partnern erarbei-
tet,zeigtdieseersteAusgabeinbisher
unerreichter Schärfe auf, wo metro-
basel sehr stark geworden ist: In der
Branche der Life Sciences, mit
Pharma, Agro, Medizinaltechnik und
vielen spezialisierten Forschungs-
und Entwicklungsunternehmen. Der
metrobasel report weist nach: Das tri-
nationale, in vielen metropolitanen
Beziehungen mit dem Zentrum Basel
verwobene Gebiet, das von Laufen-
burg bis Sierentz und von Lörrach bis
Delémont reicht, kann sich mit den
Besten der Welt vergleichen. Wer
immer künftig über metrobasel
spricht, hier wird er seine Argumente
finden.
IN BEWEGUNG. Dass sich metrobasel
kräftigbewegt,lässtsichanvielemab-
lesen. Unglaublich, was in letzter Zeit
alles in Gang gekommen ist. Im St. Jo-
hannbautNovartisaufihremCampus
mit grosser Entschlossenheit eine ein-
zigartige Stadt des Wissens, am Rhein
soll auch für das Publikum vieles an-
ders werden. Stromaufwärts am rech-
ten Ufer ist Roche das weltweit
führende Unternehmen auf dem Ge-
biet der Krebsbehandlung (und welt-
berühmter Hoffnungsträger in Sa-
chen Vogelgrippe) geworden. Beide
Firmen haben wiederum mit glänzen-
den Zwischenresultaten brilliert. Syn-
genta als Agrokonzern, der Vitamin-
hersteller DSM engagieren sich in
metrobasel. Zwischen den «Leucht-
türmen» ist in den letzten Jahren ein
lebhaftes Biotop herangewachsen. Ei-
nige der einst kleinen Spin-offs sind
zu Powerhäusern hochgewachsen.
Das früher als Chemiestadt etiket-
tierte Basel und die mit ihm eng ver-
flochtene Region haben sich erfolg-
reich zum Life Sciences-Standort ge-
wandelt. Doch auch die Stadt selbst
und der Kanton Baselland haben weit
reichende Entwicklungsprojekte an
die Hand genommen. Ein ETH-Insti-
tut für Systembiologie befindet sich in
denStartlöchern,diebeidenBaselrei-
chen sich die Hand, um gemeinsam
der für metrobasel so wichtigen Uni-
versität im Zentrum mehr Schub und
vorerst mehr Sicherheit zu verschaf-
fen. So viel Bewegung war schon
lange nicht mehr.
VORWÄRTS BLICKEN. Doch wer die
Zukunft meistern will, muss seine
Schwächen in der Gegenwart ken-
nen. Der metrobasel report benennt
auch sie. So kräftig metrobasel sich
alsLifeSciences-Standortdarstellt,so
einzigartig ist er auch in seiner politi-
schen Zerstückelung. Viele Akteure
müssen enger zusammenarbeiten,
wenn die Dynamik von metrobasel
erhalten und gefördert werden soll.
Auch dazu wird heute eine Analyse
geliefert. Zum Dritten richtet BAK
Basel Economics die Teleskope in die
Zukunft. Der metrobasel outlook – so
ebenfalls eine Premiere – bietet neu
auch differenzierte Aussagen für die
Teilgebiete.
Das Projekt metrobasel auf einen
ersten Gipfel zu bringen, hat Mut und
die Anstrengung und finanzielle Un-
terstützung vieler Partner verlangt.
Dass das ins Auge gefasste Ziel er-
reicht worden ist, mag als Beweis
dafür gelten, wie stark metrobasel
vorwärts blickt.
Martin Hicklin
metrobasel report:
Ein Meilenstein für
eine starke Region
Metrobasel steht für einen urbanen Lebens-
raum: den trinationalen Metropolitanraum
Basel. Er umfasst die dicht gebaute Stadt,
ebenso sehr aber auch die Landschaft da-
rumherum und dazwischen. Die auf den fol-
genden Seiten abgebildeten, grossen Pa-
noramen porträtieren diese Stadtlandschaft
ähnlich wie alte Stadtveduten. Sie zeigen nicht
nur, wie attraktiv und lebenswert metroba-
sel ist, sie zeigen vor allem auch, welche Po-
tenziale dieser Metropolitanraum hat. Die Bil-
der entlang dem Rhein weisen auf Orte hin,
deren Potenzial als Arbeits- und Wohnort
noch nicht voll ausgeschöpft ist. Die ehemali-
gen Industriestandorte könnten zu Quartieren
einer attraktiven Stadt am Wasser werden.
Diesen Stadtbildern stehen Bilder der Land-
schaft des Rheintals und seiner Seitentäler
gegenüber. Sie zeigen den gemeinsamen Le-
bensraum der grossen trinationalen Agglome-
ration. Die drei Landschaftsbilder, in Deutsch-
land, Frankreich und der Schweiz aufgenom-
men, bringen die einmalige Qualität der
Region zum Ausdruck: eine weite Landschaft,
offen und ohne Grenzen.
Emanuel Christ, ETH-Studio Basel
METROBASEL IN PANORAMEN
IMPRESSUM
Redaktion: Martin Hicklin. Bildkonzeption: ETH-Studio
Basel, Emanuel Christ, David Vaner. Panoramafotos:
David Vaner. Layout: Birgit Leifhelm. Korrektorat:
Andreas Herzog. Inserate: Publicitas AG Basel
www.bakbasel.com, www.baz.ch/metrobasel
5 Warum metrobasel jetzt?
BAK-Chefökonom Christoph Koellreuter über
die metrobasel-Projekte
6 Life Sciences:
Eine Erfolgsgeschichte
Der erste metrobasel report zeigt, wo metro-
basel Spitze ist — und Schwächen hat.
16 3 Länder, 8 Kantone und
ein Landkreis
Die Fragmentierung der metropolitanen
Region behindert das Wachstum.
22 metrobasel wächst
2006 schneller
metrobasel outlook über die Aussichten der
metropolitanen Region und ihrer Teilgebiete.
24 Reiches Biotop zwischen den
Leuchttürmen
Martin Hicklin über den frühen Start und das
Aufblühen der Life Sciences in metrobasel.
25 Das bkb Forum
28 Trainieren als Nummer 1
Hans-Peter Wessels sagt, wie er ab 2006
den Standort fördern will.
30 metrobasel als Marke
30 Die Autoren
vorwort
Mit metrobasel geben wir dem Wirt-
schaftsraum Basel einen Namen, der
auf seine metropolitane Stärke ver-
weist. Der erste metrobasel report be-
legt, wie gross er in der Life Sciences-
Branche geworden ist.
Die Wachstumsbranche Life Sciences –
bestehend aus Pharma, Agro, Medizinal-
technik und den in diesen Bereichen spe-
zialisierten Forschungs- und Entwicklungs-
unternehmen – vor allem aus dem Bereich
der Gen- und Biotechnologie – prägt den
Wirtschaftsraum Basel immer mehr. Der
vorliegende, als Beilage zur Basler Zeitung
erscheinendeerstemetrobaselreportdoku-
mentiert und analysiert diese Erfolgsstory,
basierend auf einem von BAK Basel Econo-
mics erstmals durchgeführten Vergleich
mit den 15 wichtigsten Life Sciences-Re-
gionen in Nordamerika und Westeuropa.
STARKE PARTNER. Zu den ersten Auftrag-
gebern dieses längerfristig angelegten
Benchmarkings von Life Sciences-Stand-
orten gehören die Kantone Basel-Stadt,
Basel-Landschaft, Zürich sowie die Stadt
Zürich, die Greater London Authority und
die Verbände Interpharma, VSAC und
Unia. Den Projektteilnehmern und Finan-
ciers der ersten Stunde sei für ihren Mut
gedankt, zusammen mit BAK ein Projekt
lanciert zu haben, in dem es schwierige
konzeptionelle und statistische Herausfor-
derungen zu bewältigen galt.
WO KRITISCHE MASSE NOCH FEHLT. Bei
einigen für den längerfristigen Erfolg der
Life-Sciences-Branche wichtigen Rahmen-
bedingungenfindenwirdenStandortBasel
allerdings auf den letzten Plätzen. Dies gilt
insbesondere für die für die Life Sciences-
Branche so wichtige Grundlagenforschung
im Hochschulbereich, in der die kritische
Masse bei Weitem nicht erreicht ist, um
längerfristig im «War for Talents» die Ober-
hand behalten zu können. Diese missliche
Lage ist unter anderem eine Folge der inne-
ren Zerschnittenheit der Wirtschaftsregion
Basel durch Landes- und Kantonsgrenzen,
welche die Bereitstellung und Finanzie-
rung öffentlicher Leistungen sehr er-
schwert und einen wirklich integrierten
regionalen Binnenmarkt verhindert.
Der Umstand, dass die Life Sciences-
Region Basel ohne stärkere Integration
ihrer verschiedenen Teile längerfristig ge-
fährdet sein könnte, hat rund 20 Unterneh-
men, Verbände und Gebietskörperschaften
aus der trinationalen Metropolitanregion
Basel bewogen, zusammen mit BAK Basel
Economics die Projekte metrobasel report,
outlook und forum zu lancieren. Mit diesen
Produkten soll den Entscheidungsträgern
in Politik und Wirtschaft sowie letztlich
allen Bürgerinnen und Bürgern der tri-
nationalen Metropolitanregion Basel min-
destens einmal jährlich vor Augen geführt
werden, ob sich die Wettbewerbsfähigkeit
ihrer Region im Vergleich zu Konkurrenz-
regionen verbessert, gleich bleibt oder sich
gar verschlechtert. Mit den metrobasel-
Projekten von BAK Basel Economics sollen
die Angesprochenen sensibilisiert und
mobilisiert werden, die nötigen Beiträge zu
leisten, damit aus der fragmentierten tri-
nationalen Agglomeration Basel (TAB)
eine dynamische Metropolitanregion wird.
IM WETTBEWERB POSITIONIEREN. Jede
Wirtschaftsregion muss sich in der globali-
sierten Weltwirtschaft auf den für sie rele-
vanten Zielmärkten positionieren. In der
EinschätzungvonBAKBaselEconomicsund
den rund 20 Partnern ihrer metrobasel-Pro-
jekte erfüllt der Brand metrobasel diese An-
forderung am ehesten: Die Nordamerikaner
(wichtig für die Life Sciences-Metropole
Basel) wissen beim Begriff metrobasel so-
fort, um was es sich handelt: «metro» ist für
sie Metro Boston, Metro San Diego etc. und
steht für urbane Agglomeration.
METROPOLITANREGION. InEuropaund
auch in der Schweiz setzt sich der Begriff
Metropolitanregion zusehends durch:
> In den Avenir-Suisse-Studien mit dem
ETH Studio wie auch mit BAK Basel
Economics wurde dieser Begriff konse-
quent verwendet.
> Die europäische Vereinigung der Metro-
politanregionen «Metrex» propagiert
selbstverständlich den Begriff ebenfalls.
> Die wohl berühmteste grenzübergrei-
fende europäische Metropolitanregion
Lille nennt sich Lille Métropole.
Es freut BAK Basel Economics und seine
Partner, dass sich offensichtlich immer
mehr Repräsentanten der Zivilgesell-
schaft – letztlich Bürgerinnen und Bürger –
für eine Stärkung der trinationalen Metro-
politanregion Basel und als ein Mittel
hierzu für den Gebrauch des Brands
metrobasel einsetzen wollen.
ALLE DABEI. Wichtig ist die Verankerung
der metrobasel-Projekte von BAK Basel
Economics in den verschiedenen Regionen.
So hegen die Communautés des Com-
munes des Trois Frontières, der Kanton
Jura und der Bezirk Delémont, das Forum
Fricktal sowie die Stadt und der Landkreis
Lörrach die Absicht, sich ebenfalls an
den metrobasel-Projekten zu beteiligen.
Die Vereinigung Regio Plus als Vertreterin
der solothurnischen Bezirke Thierstein und
Dorneck sowie Pro Laufental haben sich
bereits für ein Mitmachen entschieden.
Auf der Basis dieser regionalen Projekt-
partnerschaften wird BAK Basel Economics
in den Hauptorten dieser Regionen auf
sie fokussierte dezentrale metrobasel foren
durchführen.
Warum metrobasel jetzt
Christoph Koellreuter, Chefökonom
von BAK Basel Economics.
metrobasel report___5
«Jede Wirtschaftsregion muss
sich in der globalisierten
Weltwirtschaft auf den wichtigen
Zielmärkten positionieren.»
AARGAU
SIERENTZ
BASEL-
STADT
BASELLAND
JURA
SOLOTHURN
FERRETTE
HUNINGUE
LÖRRACH
metrobasel – eine klare Marke
für die trinationale metropolitane
Wirtschaftsregion Basel.
metrobasel report
Hohes Wachstumstempo, überdurch-
schnittliche Produktivität, mehr Ar-
beitsplätze: Die metrobasel-Region
kann sich in den Life Sciences mit den
Besten messen.
Mit der Entwicklung neuer Methoden,
insbesondere in den Bereichen der Gen-
und Biotechnologie, der Markteinführung
zahlreicher neuer Medikamente und diag-
nostischer Hilfsmittel gegen unterschied-
liche Krankheiten und dem hohem Innova-
tionstempo hat die Wachstumsbranche Life
Sciences in den letzten Jahren weltweit ihr
Potenzial unter Beweis gestellt. Der trina-
tionale Wirtschaftsraum metrobasel – seit
jeher als traditioneller Chemie-Standort
bekannt – hat den Aufsprung auf diesen
in hohem Tempo vorpreschenden Zug ge-
schafft.
Die von BAK Basel Economics erarbei-
tete Informationsbasis vergleicht die tri-
nationale Metropolitanregion Basel mit 15
bedeutenden Life Sciences-Regionen in
Nordamerika und Europa. Die Studien-
ergebnisse liefern detaillierte Informatio-
nen für alle an der Leistungsfähigkeit und
den Rahmenbedingungen der Life Scien-
ces-Industrie Interessierten und unterstüt-
zen politische Entscheidungsträger und
Wirtschaftsvertreter im Hinblick auf ihre
Kenntnisse der Entwicklung und Auswir-
kungen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher
und politischer Handlungsfelder.
DIE KONKURRENTEN. Beim Benchmar-
kingvonBedeutungundLeistungsfähigkeit
der Life Sciences-Branche bildet der Ver-
gleich mit ausgewählten Regionen das
Kernelement. Dabei richtet sich der
Blick nicht nur auf andere bereits etablierte
Life Sciences-Regionen, sondern es werden
auch Vergleichsregionen ins Augenmerk
genommen, denen ein grosses Wachstums-
potenzial zugesprochen wird und die in
der öffentlichen Wahrnehmung als poten-
zielle «Konkurrenten» gesehen werden. Als
Benchmarking-Regionen wurden deshalb
die beiden Schweizer Regionen Zürich und
das Bassin Lémanique (Genf und Waadt),
die US-Regionen New Jersey, Boston, New
York, Südkalifornien (Los Angeles und San
Diego) und die San Francisco Bay Area, die
britischen Regionen Oxford und London
metrobasel im internationalen Vergleich
Life Sciences:
Eine Erfolgsgeschichte
6___metrobasel report
Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
Nominale Bruttowertschöpfung USD 6,6 Mrd., EUR5,3 Mrd., CHF8,2 Mrd.
Anteil der Life Sciences an der Gesamtwirtschaft 13,2%
Durchschnittliche reale Wachstumsrate 1990 – 2004 7,11% p.a.
Nominale Stundenproduktivität Gesamtwirtschaft USD 63, EUR 51, CHF 79
Nominale Stundenproduktivität Life Sciences-Industrie USD 170, EUR 137, CHF 212
Beschäftigung
Life Sciences-Industrie 27800 Personen
> Agro 5,2%
> Pharma/Biotech 89,6%
> Medtech 5,2%
Anteil der Life Sciences an der Gesamtwirtschaft 5,8%
DIE LIFE SCIENCES-INDUSTRIE IN METROBASEL
Quelle: BAK Basel Economics
metrobasel report
sowie München, Paris, Wien und die Öre-
sund-Region (Kopenhagen und Malmö)
ausgewählt.
WAS SIND LIFE SCIENCES? Die Life
Sciences umfassen die Segmente Agroche-
mie, Pharma/Biotechnologie und Medizi-
naltechnik. Nicht zum Life Sciences-Sektor
zählen dagegen die Roh- und Grundstoff-
chemie sowie die Spezialitätenchemie. Alle
Life Sciences-Anwendungsgebiete haben
eines gemein: Im Fokus der Aktivitäten
steht immer das Leben von Mensch, Tier
und Pflanze. Die Branche ist allerdings sehr
heterogen und umfasst junge Biotech-
Start-ups ebenso wie gewachsene milliar-
denschwere Pharmakonzerne.
LIFE SCIENCES-CLUSTER METROBASEL.
Im trinationalen Wirtschaftsraum metro-
basel darf durchaus von einem so ge-
nannten Life Sciences-Cluster gesprochen
werden: Einer Häufung von konkurrieren-
den, kooperierenden und voneinander ab-
hängigen Unternehmen der Life Sciences-
Branche, die durch ihre räumliche Konzen-
tration von positiven externen Effekten
wie Agglomerationsvorteilen, lokal ver-
fügbaren Arbeitskräften mit einem spezi-
fischen Qualifikationsprofil sowie bereichs-
spezifischer Forschung und Ausbildungsan-
geboten profitieren. Ein Cluster ist also
per Definition mehr als die Summe seiner
Teile. Die Stärke der Life Sciences-Branche
01____Hafen St. Johann und Novartis Campus. Urbanes Potenzial wird aktiviert. Industrieanlagen werden lebendige Stadt.
Innovationskraft der Life Sciences
in metrobasel stärken!
Die Life Sciences-Industrie im trinationalen Me-
tropolitanraum metrobasel blickt auf eine ein-
zigartige Erfolgsgeschichte zurück: In keiner
Region der Welt findet sich eine solche Kombi-
nation von sowohl hoher volkswirtschaftlicher
Bedeutung als auch Wachstumsdynamik der
Branche, die sich aus den Segmenten Agro-
chemie, Pharma/Biotechnologie und Medizi-
naltechnik zusammensetzt. Was muss getan
werden, damit das in Zukunft so bleibt?
Der internationale Vergleich mit anderen
Life Sciences-Regionen zeigt, dass metrobasel
Grössennachteile – vor allem im Vergleich mit
US-Regionen – besitzt. Metrobasel ist eine Re-
gion, die sich über drei unterschiedliche Natio-
nen erstreckt. Die verschiedenen Teilgebiete
tragen sehr unterschiedlich zur Erfolgsge-
schichte bei, denn der Life Sciences-Sektor fin-
det vor allem im Schweizer Teil von metrobasel
statt. Dafür dürften die unterschiedlichen na-
tional bedingten Rahmenbedingungen in
hohem Mass verantwortlich sein.
Die Akzeptanz neuer Technologien ist in
der Schweiz grösser als in vielen anderen Län-
dern. Gen- und Biotechnologie sind akzeptier-
ter als in Europa, vor allem als in Deutschland
und Frankreich, Stammzellenforschung sogar
akzeptierter als in den USA. Die direktdemo-
kratische Entscheidungsfindung bei Fragen der
Technologieakzeptanz gibt Investoren auf
Schweizer Boden mehr Planungssicherheit.
Auch die regulatorischen Rahmenbedingun-
gen sind in der Schweiz günstiger als in
Deutschland oder Frankreich: der Arbeits-
markt ist weniger reguliert und die Steuern
für Unternehmen oder hoch qualifizierte Arbeit-
nehmer bei Weitem niedriger.
Neben den Rahmenbedingungen ist die re-
gionale Wissensbasis der letztlich zentrale
Standortfaktor. Zwar ist die Situation bezüglich
privater Forschungsgelder sehr gut, aber die
öffentliche Hochschulsituation schneidet in
Bezug auf Masse an Qualität schlecht ab.
Noch ist es nicht gelungen, die Fragmentie-
rung und politische Zerrissenheit von metroba-
sel zu überwinden. Will man im «war for ta-
lents» bestehen und die Präsenz und Dynamik
der Big Players in kreatives Unternehmertum,
Innovationskraft und Wohlstand umsetzen,
müssen insbesondere der deutsche und der
französische Teil von metrobasel mehr zu den
Innovationsressourcen beitragen. Ihnen wird in
Zukunft die Aufgabe zufallen, auf ihren Territo-
rien Forschungszentren mit öffentlichen Gel-
dern aufzubauen, welche dann dringend
benötigte Kapazitäten im Bereich
der Grundlagenforschung be-
reitstellen.
metrobasel report___7
AARGAU
SIERENTZ
BASEL-
STADT
BASELLAND
JURA
SOLOTHURN
FERRETTE
HUNINGUE
LÖRRACH
Die Life Sciences umfassen
die Segmente Agrochemie,
Pharma/Biotechnologie und
Medizinaltechnik.
metrobasel report
in metrobasel ist weltweit einzigartig: Die
Branche generiert im trinationalen Raum
metrobasel mehr als 13 % der Wertschöp-
fung.
Die räumliche Definition des Life Sci-
ences-Clusters macht dabei nicht an beste-
henden politisch-administrativen Grenzen
Halt: Von den rund 27800 Personen, die
die Branche im Raum metrobasel beschäf-
tigt,arbeitenrund14 %imdeutschen,rund
5 % im französischen und 81 % im schwei-
zerischen Metropolitangebiet. Die Branche
produziert zu laufenden Preisen jährlich
mehr als 6,6 Milliarden USD (5,3 Mrd.
EUR oder 8,2 Mrd. CHF) an Wertschöpfung
und ist in den letzten 15 Jahren im Durch-
schnitt real um jährlich 7,1 % gewachsen.
Die Gesamtwirtschaft hat in derselben
Periode um lediglich 1,6 % real pro Jahr
zugelegt.
ÜBERDURCHSCHNITTLICH PRODUKTIV.
Die Life Sciences-Branche zeichnet sich
darüber hinaus durch ein deutlich über-
durchschnittliches Produktivitätsniveau
aus: Pro eingesetzter Arbeitsstunde gene-
riertdieLifeSciences-Branchemehrals2,5-
mal mehr Wert als die Gesamtwirtschaft
(Stundenproduktivität nominal Gesamt-
wirtschaft: USD 63/EUR 51/ CHF 79, Life
Sciences: USD 170/EUR 137/CHF 212).
Der Produktivitätsvorsprung hat sich insbe-
sondere in den letzten zehn Jahren, durch
die ausgesprochen grossen Produktivitäts-
gewinne in der Life Sciences-Industrie,
deutlich ausgeweitet. Dies ist insbesondere
gelungen, weil innerhalb der chemisch-
pharmazeutischen Industrie eine Fokussie-
rung auf die Pharmasparte stattgefunden
hat, während speziell in der klassischen
Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate
–8%
–4%
0%
4%
8%
12%
16%
1990–2000
2000–2004
B
assin
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Zürich
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outhern
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aliforniaM
ilano
W
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Schweiz
Beitrag am BIP-Wachstum
Bassin Lémanique
New Jersey
Öresund
Milano
SF Bay Area
London
Oxford
München
Paris
Boston
Southern
California
Zürich
New York
metrobasel
Wien
–8%
–4%
0%
4%
8%
12%
16%
0%
DurchschnittlichesWachstum00–04
2% 4% 6% 8% 10% 12% 14%
Anteil Life Sciences am BIP, 2004
2000–2004, basierend auf USD zu Preisen von 1995 und PPP 1997
3%
2%
1%
0,5%
BEITRAG DER LIFE SCIENCES-INDUSTRIE ZUM REALEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM
WACHSTUM DER BRUTTOWERTSCHÖPFUNG IN DER LIFE SCIENCES-BRANCHE
8___metrobasel report
Quelle: BAK Basel Economics
Quelle: BAK Basel Economics
metrobasel report
Chemie (Roh-, Grundstoffe, Farben) abge-
baut wurde.
Nebst dem beeindruckenden Produkti-
vitätswachstum ist es der Branche gelun-
gen,gleichzeitigauchneueArbeitsplätzezu
schaffen. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist
zwischen 1995 und 2004 im Raum metro-
basel um jährlich rund 3,5 % gewachsen,
im Vergleich zu weniger als 0,7 % in der
Gesamtwirtschaft.
METROBASEL LÄSST ALLE HINTER SICH.
Die Life Sciences-Industrie im Raum metro-
basel sucht auf dem internationalen Spiel-
feld vergebens nach seinesgleichen. In kei-
ner anderen Region ist die Life Sciences-In-
dustrie von so starker Bedeutung wie in der
trinationalen Metropolitanregion Basel. Die
Region weist nicht nur den grössten Anteil
der Life Sciences-Branche an der Gesamt-
wirtschaft auf, auch das Wachstum im Zeit-
raum 2000–2004 zählt zu den höchsten
unter den Vergleichsregionen. Zwar konnte
das Bassin Lémanique die Region Basel hin-
sichtlich Dynamik zwischen 2000 und 2004
leicht übertreffen. Die Kombination von
hohem Anteil und hoher Wachstumsdyna-
mik ist jedoch einzigartig: Mehr als 1,2 Pro-
zentpunkte gesamtwirtschaftliches Wachs-
tum verdankt die Region allein der Life
Sciences-Industrie. (Zur Illustration siehe
Grafik «Der Beitrag der Life Sciences-Indu-
strie zum realen Wirtschaftswachstum».)
Nebst der herausragenden Erscheinung
von metrobasel überrascht, dass in den
meistenUS-RegionendasWachstumimbe-
trachteten Zeitraum vergleichsweise gerin-
ger ausfällt. Ausnahme ist dabei New Jer-
sey, das ähnlich wie Basel ebenfalls einen
hohen Anteil Pharmaproduktion aufweist.
Auch die Region Öresund fällt auf: Die (wie
Basel) ebenfalls länderübergreifende Me-
tropolitanregion hat insbesondere im Phar-
mabereich mit einer Verdreifachung der
Wertschöpfung seit 1994 ein hohes Wachs-
tumstempo vorgelegt.
UNTERSCHIEDLICH STRUKTURIERTE LIFE
SCIENCES-BRANCHE. Zürich fällt im Ver-
gleich zu den beiden anderen Schweizer
Regionen (Bassin Lémanique und metroba-
sel) ab. Dabei muss insbesondere beachtet
werden, dass die Life Sciences-Branche im
Kanton Zürich ganz anders strukturiert ist.
Im Gegensatz zu metrobasel ist Zürich auf
die Medizinaltechnik spezialisiert, welche
speziell Anfang der Neunziger starke Um-
strukturierungen erfahren hat, sich in den
letzten Jahren aber zusehends wieder dy-
namischer zeigt.
Nicht alle Regionen haben von der Be-
schleunigung der Life Sciences-Branche
gleichermassen profitieren können. In eini-
gen hat sich das Wachstumstempo in den
letzten Jahren eher etwas verlangsamt. Die
Grossregion Wien weist als einzige der aus-
gewählten Regionen ein negatives Wachs-
tum in den jüngsten Jahren auf. Dies insbe-
sondere dadurch, dass die Agrochemie und
der Pharmabereich starke Restrukturie-
rungen und Redimensionierungen hinneh-
men mussten.
MEHR ARBEITSPLÄTZE. Die Life Sciences-
Industrie war allerdings in der Vergangen-
heit nicht nur ein wichtiger Wachstums-
motor, sondern zeigt sich auch als treibende
Kraft in Bezug auf die Schaffung von Ar-
beitsplätzen. In der metrobasel-Region ist
die Zahl der Erwerbstätigen im Bereich der
Life Sciences seit 1990 um jährlich beinahe
drei Prozent gewachsen. Ruft man sich in
Erinnerung, dass die Gesamtwirtschaft in
der gleichen Zeitperiode kaum Arbeits-
plätze geschaffen hat (das Wachstum der
Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft be-
trug1990–2004gerademal0,2%proJahr),
darf man im Falle der Life Sciences-Branche
im Raum metrobasel von einer wahren Er-
folgsgeschichte sprechen. In einigen Ver-
metrobasel report___9
02____ EuroAirport Basel-Mulhouse. Das grösste grenzüberschreitende Projekt im Wirtschaftsraum Basel.
Die Bahn in metrobasel. Tausende
fahren zur Arbeit. Foto Roland Schmid
Die Life Sciences-Industrie
im Raum metrobasel sucht
auf dem internationalen
Spielfeld vergebens nach
ihresgleichen.
Seine schönsten
Erinnerungen bewahrt er
tief in seinem Herzen.
Es freut uns, dass Sie es genauer wissen möchten: www.novartis.ch
Karl Thommen blickt mit Stolz auf seine sportlichen Erfolge vor
mehr als 10 Jahren zurück, als er an den Europa- und Weltmeister-
schaften für Transplantationspatienten zwölf Gold-, neun Silber-
und zwei Bronzemedaillen im Weitsprung und in anderen
Disziplinen gewann. Doch diese Erinnerungen verblassen gegen-
über denen seiner früheren Herztransplantation, die ihm das
Leben rettete. Mit der Hilfe eines innovativen Medikamentes von
Novartis, welches das Abstossen von fremdem Gewebe verhindert,
kann Karl Thommen auch weiterhin aktiv Sport treiben und darf
sich auch in Zukunft auf weitere schöne Erinnerungen freuen.
gleichsregionen fällt die Beschäftigungsent-
wicklung weit weniger erfreulich aus. In der
trinationalen Agglomeration Basel beschäf-
tigt die Branche zurzeit rund 27800 Perso-
nen, was einem Anteil von rund 5,8 % aller
Erwerbstätigen der Region entspricht.
Ein zentraler Faktor, der die trinatio-
nale Region metrobasel in Bezug auf das
Wachstum der Zukunftsbranche Life Sci-
ences in der vordersten Liga spielen lässt,
ist die hohe Produktivität der Branche.
Die metrobasel-Region hat in Bezug auf
ihre Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der
Life Sciences mit Blick auf die Zukunft eine
ausgesprochen gute Ausgangsposition. Die
Kunst wird darin bestehen, die entspre-
chenden Rahmenbedingungen so zu set-
zen, dass sich die Branche auch künftig ent-
falten kann.
Die Autoren dieser Studie sind auf
Seite 30 aufgeführt.
metrobasel report
Konkurrenzfähige Steuern, flexibler Arbeitsmarkt und Planungssicherheit
Standortattraktivität als Herausforderung
Die Analyse der wirtschaftlichen Leis-
tungsfähigkeit des Life Sciences-Stand-
orts metrobasel im internationalen Ver-
gleich zeigt, dass die Region in der
obersten Liga mitspielt.
Die Unternehmen des Life Sciences-
Sektors stellen hohe Anforderungen an
ihren Standort. Viele dieser Standortfakto-
ren sind politisch beeinflussbar und für die
gezielte Entwicklung und Förderung eines
Standortes sehr bedeutsam. Dabei sind
Anforderungen, die stärker der Forschung
und solche, die stärker der Produktion zu-
zuordnen sind, zu unterscheiden. Zum
einen ist demnach der Bereich der Wissens-
produktion und -diffusion interessant, zum
anderen der Bereich all jener Faktoren, die
die Anreize zur vollen Entfaltung der un-
ternehmerischen Leistungsfähigkeit be-
stimmen.
SCHWEIZER STEUERN ALS ANREIZ. Die
Anreizstrukturen können durch unter-
schiedliche Einflüsse mehr oder weniger
belastet sein, wie zum Beispiel die Be-
steuerung von Unternehmensgewinnen
oder der hoch qualifizierten Arbeitskräf-
ten und Marktregulierungen. In Fragen
der Besteuerung zeigt sich die Schweiz in-
ternational sehr konkurrenzfähig. Die Be-
steuerung von Unternehmen und hoch
qualifizierten Arbeitskräften ist im inter-
nationalen Vergleich relativ gering. Die
durchschnittliche Steuerbelastung von
Unternehmen variiert deutlich zwischen
den relevanten Vergleichsregionen: Sie
ist am niedrigsten in Irland (ca. 14%) und
am höchsten in Deutschland in der Region
München (im Durchschnitt ca. 37%).
Basel schneidet dabei international her-
vorragend ab (22%), befindet sich jedoch
5,6
Beschäftigte in Tausend
83,1 43,3 65,3 27,8 9,6 11,682,5 62,4 45,4 13,7 38,0 1,9 7,4 37,84,5
Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1990 bis 2004 in Prozent
–4
–2
0
2
4
Bassin
Lém
anique
Schw
eiz
ZürichN
ew
YorkÖ
resund
Southern
California
M
ilano
SF
Bay
Area
Boston
London
W
ien
O
xford
m
etrobasel
N
ew
Jersey
M
ünchen
Paris
6
ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNG IN DER LIFE SCIENCES-INDUSTRIE
0 = keine Regelung 6 = sehr restriktiv
D
änem
ark
G
rossbritannien
Irland
USA
Schw
edenD
eutschland
Schw
eiz
Frankreich
Japan
Italien
Österreich
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
ADMINISTRATIVE HÜRDEN BEI DER GRÜNDUNG VON UNTERNEHMEN
metrobasel report___11
in Prozent, 2003
0
10
20
30
40
Irland
Schw
eiz
B
assin
Lém
anique
B
asel (B
S/B
L)
Zürich
Schw
eden
D
änem
ark
G
rossbritannien
Ö
sterreich
Frankreich
D
eutschland
Italien
U
SA
M
ilano
M
ünchen
Paris
DURCHSCHNITTLICHE BESTEUERUNG VON UNTERNEHMEN
Quelle: BAK Basel Economics
Quelle: BAK Basel Economics
Quelle: OECD
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auf dem letzten Rang der relevanten
Schweizer Vergleichsregionen. Eine Be-
trachtung über die Zeit zeigt ausserdem,
dass sich die Steuerbelastung von Unter-
nehmen in vielen Regionen stark verrin-
gert hat, während sie in Basel vergleichs-
weise wenig gesunken ist. Demnach holen
andere Regionen stark auf.
Im Bereich der Besteuerung der hoch
qualifizierten Arbeitskräfte sieht das Bild
düsterer aus: Während in den meisten
Regionen die Belastung abnimmt, ver-
zeichnet Basel eine deutliche Zunahme
(+2 Prozentpunkte jährlich zwischen
1990 und 2003). Noch sind aber die Per-
sonensteuern in den schweizerischen
Regionen deutlich tiefer als im internatio-
nalen Schnitt. Die Schweiz nimmt immer
noch mit Abstand den ersten Platz ein.
Unter steuerlichen Gesichtspunkten ist
metrobasel als Unternehmensstandort
daher grundsätzlich interessant, verliert
jedoch gegenüber anderen Standorten an
Boden.
FLEXIBLER IN DER SCHWEIZ. Eine an-
dere zentrale Frage ist die der Regulie-
rung. Aus einer Wachstumsperspektive ist
vor allem die Regulierung des Arbeits-
marktes von Interesse. Je liberaler der Ar-
beitsmarkt, desto effizienter ist die Vertei-
lung der Arbeit auf Arbeitnehmer. Durch
ein flexibleres Arbeitsmarktregime wer-
den Anreize zur Schaffung von Arbeits-
plätzen erzeugt und der Strukturwandel
erleichtert.FürdieUnternehmenbedeutet
dies vor allem, dass sie schnell auf aktuelle
Gegebenheiten oder kurzfristige Bedürf-
nisse reagieren können.
Im Allgemeinen zeigt sich ein klarer
Unterschied zwischen den kontinental-
europäischen und den angloamerikani-
schen Regionen. Die Schweiz nimmt eine
Zwischenposition ein. Die Region metro-
basel ist differenzierter zu betrachten.
Während die Schweizer Seite hervorra-
gend abschneidet, befinden sich Deutsch-
land und Frankreich auf den hinteren
Rängen.
NIEDRIGE HÜRDEN FÜR START-UPS. Für
den Life Sciences-Sektor ist aber nicht nur
ein flexibler Arbeitsmarkt bedeutend. Die
Innovationskraft der Branche lebt we-
sentlich davon, dass sich gute Ideen auf
dem Markt umsetzen lassen. Dabei spielt
die Möglichkeit, dies in einem jungen,
neuen und flexiblen Unternehmen tun zu
können, eine grosse Rolle. Bei der Grün-
dung eines neuen Unternehmens sind die
administrativen Hürden in Frankreich
deutlich höher als in Deutschland, der
Schweiz oder im internationalen Ver-
gleich.
Eine Expertenbefragung von BAK
Basel Economics hat ergeben, dass die
Schweiz auch bei weiteren für die Life
Sciences-Branche zentralen Bestimmun-
gen weit vorne liegt: etwa im Bereich der
Akzeptanz neuer Technologien, wie Gen-
und Biotechnologie oder der Stammzel-
lenforschung. Vor allem gibt die Bestäti-
gung der Gesetze durch Volksentscheid
den Unternehmen Planungssicherheit.
Ebenfalls vorteilhaft, insbesondere im in-
nereuropäischen Vergleich, wirken die
eher geringen Einschränkungen bei der
Zulassung neuer Medikamente. Die
schnelle Zulassung ist ein weiteres Plus.
Allesamt sind dies Faktoren, die den
Forschungs- und Produktionsstandort der
Life Sciences-Branche in der Nordwest-
schweiz, also den Schweizer Teil von
metrobasel, stärken und diesen insgesamt
deutlich besser dastehen lassen als die
Teilgebiete in Frankreich und Deutsch-
land.
metrobasel report
Wo metrobasel noch aufholen muss
Innovation als Erfolgsfaktor
Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte
und Forschungsleistung sind zentrale
Determinanten der Innovationsfähig-
keit. Metrobasel offenbart hier Hand-
lungsbedarf.
Wirtschaftswachstum kann nur durch
eine Vergrösserung der innovativen
Ressourcen – neue Technologien und
Know-how – erreicht werden. In der
stark wissensbasierten Life Sciences-
Industrie, spielen sie eine besonders
grosse Rolle: Wie stellt sich das Innovati-
onspotenzial von metrobasel dar? Wie
sieht es hinsichtlich der Verfügbarkeit
hoch ausgebildeter Arbeitskräfte aus? Wie
steht es um die Institutionen, die Ausbil-
dung anbieten und sich um Forschung
bemühen?
AUSBILDUNGSNIVEAU. Die Qualität der
erwerbstätigen Bevölkerung ist unter an-
derem durch ihr Ausbildungsniveau ge-
kennzeichnet. Insgesamt verfügen nahezu
30 % der Erwerbstätigen in metrobasel
2003 über einen Leistungsausweis einer
Universität, Fachhochschule oder höhe-
ren Fachschule (so genannte tertiäre Aus-
bildung). Dies liegt deutlich über dem Ge-
samtschweizer Durchschnitt (25,6%). Ur-
bane Schweizer Vergleichsregionen wie
Zürich (31,2%) und Bassin Lémanique
(32,1%) besitzen leicht höhere Quoten.
Im internationalen Vergleich ist metro-
basel im vorderen Mittelfeld platziert.
Der Abstand zu Regionen, die diesbezüg-
lich zur internationalen Spitze gehören, ist
jedoch enorm (New York und London mit
über 40%).
Anders sieht das Bild hingegen aus,
wenn man die tertiär Ausgebildeten in der
Life Sciences-Industrie vergleicht. Gegen-
über Zürich und Bassin Lémanique ver-
bessert sich Basel deutlich (40,5%) und
kann gleichziehen mit London bzw. fast
das Niveau von Cambridge oder Oxford –
klassischen Forschungsstandorten – reali-
sieren.
Wer sorgt nun für die hoch qualifizier-
ten Arbeitskräfte und die Forschungs-
ergebnisse, die für die Innovationsfähig-
keit der Life Sciences so wichtig sind und
wer bezahlt das Ganze? Während die öf-
metrobasel report___13
Forschung braucht gut ausgebildete Mitarbeitende. In metrobasel kann man sie
finden. Je mehr Ausbildungsmöglichkeiten, desto besser. Foto Keystone
metrobasel report
fentliche Hand in den Universitäten und
Fachhochschulen die nötige Grundlagen-
forschung betreibt und eine akademische
Ausbildung anbietet, sind die anwen-
dungsorientierte Forschung und die prak-
tische Ausbildung in der privaten Wirt-
schaft zu finden. Gerade metrobasel als
hoch spezialisierter Produktionsstandort
weist eine Vielzahl an Ausbildungsstätten
auf, die spezifische Kenntnisse vermitteln.
Auch die Erwerbsbevölkerung mit Berufs-
ausbildung ist äusserst wichtig für die Pro-
duktivität.
PRIVATE FORSCHUNG TOP, ÖFFENTLI-
CHE HAND LAHMT. Die vom Privatsektor
der Metropolitanregion Basel erbrachte
Forschungsleistung wird in folgenden Zah-
len deutlich: International ist metrobasel
in Sachen Patenten pro Million Einwohner
(2000–2002: 250 Patentanmeldungen,
Boston: 210) unter den Topregionen.
Keine andere Vergleichsregion publiziert
pro Million Einwohner mehr wissenschaft-
liche Artikel (2000–2002: 1654, Boston:
891).
Beim Angebot der öffentlichen Hand of-
fenbart der Standort deutliche Schwächen.
ZurBeurteilungvonQuantitätundQualität
wird die insgesamt von einer Region er-
reichte Punktzahl des Shanghai Index
herangezogen. Dieser Index vergleicht die
500 weltweit besten Forschungsuniversitä-
ten anhand von Erwähnungen in wissen-
schaftlichen Arbeiten oder Publikationen,
Nobelpreisen von Ehemaligen oder Profes-
soren, und stellt die Ergebnisse in einem
Ranking dar. Die Universität Basel erreicht
mit Platz 91 eine gute Position. Leider er-
reicht Basel aber nicht die kritische Masse,
80
60
40
20
0
Arbeitskräfte mit tertiärer Ausbildung in Prozent der Erwerbstätigen
(jeweils letztes verfügbares Jahr)
Boston
Paris
N
ew
York
SF
Bay
AreaN
ew
Jersey
O
xford
London
m
etrobaselÖresund
ZürichM
ünchen
Bassin
Lém
aniqueSchw
eiz
W
ien
M
ilano
GesamtwirtschaftLife Sciences
VERFÜGBARKEIT VON HOCH QUALIFIZIERTEN LIFE SCIENCES-ARBEITSKRÄFTEN
14___metrobasel report
0
50
100
150
200
250
300
350
400
0
10
20
30
40
50
60
70
in Klammern: Anzahl Universitäten
Shanghai Index der Forschungsqualität von Universitäten 2004
Boston
(10)
Paris
(10)
N
ew
York
(14)
Southern
California
(7)
SF
Bay
Area
(4)
N
ew
Jersey
(4)
O
xford
(1)
London
(8)
m
etrobasel(1)
Öresund
(3)
Zürich
(2)
M
ünchen
(2)
Bassin
Lém
anique
(3)W
ien
(2)
M
ilano
(2)
SummederResultate
Resultate/Universität
QUALITÄT DER LEHRE UND FORSCHUNG
Quelle: BFS; Eurostat,
U.S. Census Bureau,
BAK Basel Economics
Quelle: University of Shanghai/
BAK Basel Economics
um den Life Sciences-Standort metrobasel
mit ausreichend erstklassiger Forschung
versorgen zu können.
ZU WENIG MITTEL FÜR UNIVERSITÄT.
Metrobasel fällt mit nur einer Universität
hinsichtlich Gesamtpunktzahl im Shanghai
Index weit zurück – andere Regionen besit-
zen mehr als eine Forschungsuniversität mit
Spitzenrang, sind grösser und verfügen so
über ein gesamtes innovatives Netzwerk.
Um international als Forschungsstandort
und in der Konkurrenz um die besten Köpfe
wahrgenommen zu werden, ist eine gewisse
Grösse aber unabdingbar.
Eine Befragung von BAK Basel Econo-
mics, die auf die Finanzierungsstrukturen
von Forschungsuniversitäten gerichtet ist,
zeigt, dass die Mittel, die der Universität
Basel von der öffentlichen Hand zur Verfü-
gung gestellt werden, zu gering sind. Inte-
ressanter ist aber das Verhältnis der Dritt-
mittel (einschliesslich Mittel der Wissen-
schaftsförderung, die im Wettbewerb ver-
geben werden, zum Beispiel vom Schweize-
rischen Nationalfonds) zur öffentlichen Fi-
nanzierung:DieUniversitätBaselwirdnach
den Ergebnissen der BAK-Hochschulbefra-
gung zu ungefähr drei Vierteln öffentlich fi-
nanziert. Andere Regionen erreichen eine
ähnlich hohe Quote, keine jedoch mehr.
Eine Mehrzahl von Hochschulen erhält
deutlich mehr Drittmittel. Es sind gerade
diese Drittmittel, vor allem Studienge-
bühren, Spenden und Lizenzgebühren, die
wichtige Anreize erzeugen, denn die Zah-
lenden stellen berechtigterweise Anforde-
rungen an Güte der Ausbildung und For-
schung. Daneben verfügen viele angloame-
rikanische Universitäten zusätzlich über
grosse Vermögenswerte, die Einkommen
generieren.
ZU WENIG VON ALLEM. Dabei geht es
nichtnurumGeld,sondernvielmehrumdie
Konkurrenz um diese Geldmittel. Insbeson-
derederWettbewerbumStudentenundum
die von ihnen geleisteten Studiengebühren
hat wichtige Anreizfunktionen. Wer zahlt,
wird auf die Qualität der Ausbildung grös-
seren Wert legen. Vom Wettbewerb um
Mittel und erstklassige Köpfe gehen wich-
tige Anreize für Forscher und Professoren
aus. Nur erstklassige Standorte können in
diesem Wettbewerb mithalten. Und nur
diese Erstklassigkeit ist an einem
Forschungsstandort wie Basel von Rele-
vanz. Der Hochschulstandort metrobasel
fällt durch eine mangelnde Quantität an
Qualität auf: zu wenig Studenten, Forscher
und Professoren. Zukünftig wird es von be-
sonderer Bedeutung sein, ob es gelingt,
durch entsprechende Gestaltung der Studi-
engebühren oder einem vermehrten Wett-
bewerb um öffentliche Mittel, wie den Mit-
teln des Schweizerischen Nationalfonds,
eine Anreizwirkung zu erzeugen.
Zusätzlich ist zu betonen, dass die fran-
zösischen und deutschen Gebiete von der
wirtschaftlichen Stärke metrobasels als Life
Sciences-Cluster profitieren. Ein dement-
sprechender Beitrag in das Innovationspo-
tenzial der Region erfolgte bislang nicht. Er
könnte etwa auch darin bestehen, auf eige-
nem Territorium, möglichst in Grenznähe
und damit unmittelbarer Nachbarschaft
zum Schweizer Life Sciences-Biotop, For-
schungseinrichtungen aufzubauen.
metrobasel report
03____Basel Dreirosen. Die traditionellen Industriestandorte gehören zu den attraktivsten Orten des Metropolitanraums.
Musse an schönsten Plätzen. Das urbane Zentrum von metrobasel bietet, oft
nahe den Arbeitsplätzen, wunderbare Orte. Foto Pino Covino
metrobasel report___15
16___metrobasel report
Basel ist die wohl fragmentierteste
und politisch zerschnittenste Metro-
politanregion Europas. Diese Situation
behindert das Wachstum von metro-
basel.
Wie auch immer die Metropolitan-
region Basel definiert wird, sie reicht vom
Jurabogen im Süden bis ins nahe Deutsch-
land und nach Frankreich im Norden. Me-
trobasel umfasst Gebiete von drei Ländern:
fünf Kantonen in der Schweiz, drei cantons
in Frankreich und einen Landkreis in
Deutschland. Es ist offensichtlich, dass das
wirtschaftliche Einzugsgebiet einerseits
und die politischen Entscheidungsräume
weit auseinander fallen.
FOLGEN DER FRAGMENTIERUNG. Wird
die Grenzüberschreitung in unserer Region
oft als ideelle Bereicherung empfunden,
stellt sich doch auch die nüchterne Frage,
ob eine derartige politische Zerstückelung
wirtschaftlich betrachtet vor- oder nach-
teilhaft ist. Leider trifft eher Letzteres zu.
Worin bestehen also die Nachteile dieser
Fragmentierung? Mit welchen Problemen
hat eine fragmentierte Metropolitanregion
zu kämpfen, die in weniger zerschnittenen
Metropolitanregionen weitgehend unbe-
kannt sind?
FEHLENDE AGGLOMERATIONSVORTEILE.
Metropolen gelten heute als nationale
Wachstumstreiber. Metropolen sind pro-
duktiver als der Rest des Landes. Metro-
polen entstehen aufgrund sogenannter Ag-
glomerationsvorteile, dem Grund dafür,
dass Städte überhaupt entstehen: Auf engs-
tem Raum gibt es ein befruchtendes Spiel
aus Konkurrenz und Zusammenarbeit.
Diese Agglomerationsvorteile müssen sich
aber ungestört entfalten können. Politisch-
territoriale Fragmentierung kann einen
Teil der Agglomerationsvorteile zunichte
machen. Politische Grenzen stören den rei-
bungslosen Austausch und vermindern die
Produktivitätsgewinne aus Dichte, Grösse
und Spezialisierung. Je mehr Grenzen eine
wirtschaftlich verbundene und integrierte
Metropolitanregion durchschneiden, desto
stärker wirkt sich dies auf die langfristige
Entwicklung aus.
Dass Basel ein langfristiges Opfer terri-
torialer Fragmentierung sein könnte, zei-
gen Untersuchungen aus Europa und den
USA. Europäische Metropolitanregionen,
die stark fragmentiert beziehungsweise in
viele Gebietskörperschaften unterteilt sind,
wachsen langsamer. Die kostspielige Koor-
dination über politische Grenzen hinweg
und eine tendenzielle Unterversorgung mit
zentralörtlichen Dienstleistungen verrin-
gern das Wachstumspotenzial. In den USA
scheint es so zu sein, dass starke Agglome-
rationen schneller wachsen und dass poli-
tisch schwache, von ihrer Umgebung abge-
koppelte Kernstädte das Wachstum der
ganzen Agglomeration herunterziehen.
War Basel bis ins 19. Jahrhundert noch
die bevölkerungsmässig grösste und
wirtschaftlich bedeutendste Stadt
der Schweiz, können Grenzlage
und politische Fragmentierung
für das seit dem Ersten Welt-
krieg im Schnitt geringere
Wachstum von Basel verant-
wortlich sein.
Ein anderer Hinweis auf
die Last der Fragmentierung
ist die atypische Wirtschafts-
struktur Basels. Basel hat
einen hohen Anteil an Indu-
strie, wie man ihn in grossen
Städten kaum noch antrifft.
Dafür ist der urbane Sektor,
der Branchen wie Handel,
Verkehr,Finanzen,Immobi-
lien und Unternehmens-
dienstleistungen um-
fasst, in Basel unter-
vertreten. Diese für
grosse Städte typi-
schen Dienstleistun-
gen, die auf einen
grossen Markt ange-
wiesen sind, fehlt das
Einzugsgebiet im Nor-
den der Stadt.
Ein internationaler Vergleich dieser
zentralörtlichen Dienstleistungen zeigt die
Schwäche von metrobasel: In einer nicht
fragmentierten Metropolitanregion wie
beispielsweise London ist der urbane Sek-
tor sehr bedeutend und wächst sehr schnell
(sieheGrafikSeite19).Inmetrobaselistdie
Bedeutung gemessen am regionalen BIP
im internationalen Vergleich sehr ge-
ring; zudem hat der urbane Sek-
tor seit dem Jahr 2000 sta-
gniert. Oder anders
ausgedrückt: Da die
Stadt Basel die ty-
pisch urbanen
Dienstleistun-
gen aufgrund
derstarkfrag-
mentierten
Märkte nur in
einem Teil der
Region wirklich
vermarkten kann,
sind das Niveau
und das Wachs-
tum dieses Sek-
tors begrenzt.
Dies bremst letztlich die Wirt-
schaft der ganzen Region.
Noch deutlicher als die Strukturgrafi-
ken zeigt der städtische Zonenplan die
Kultur ohne Grenzen. metrobasel kann
mit Museen glänzen. Foto Pino Covino
Die politische Fragmentierung von metrobasel als Wachstumshindernis
Drei Länder, acht Kantone und
politische fragmentierung
metrobasel report___17
ein Landkreis
Weniger als drei Kilometer vom
Zentrum wirken Schlachthöfe,
Tanklager und Zollfreiareale als
Blockaden.
Problematik der engen Grenzen. In den
meisten Metropolitanregionen liegen die
hoch produktiven Unternehmen in der
Nähe des städtischen Zentrums. In Basel
liegenwenigeralsdreiKilometervomZen-
trum entfernt dagegen Schlachthöfe,
Tanklager, Zollfreiareale und Schreber-
gärten – wohl kaum die Wachstums-
treiber, die sich der Wirtschaftsförderer er-
träumt. In anderen Städten verdrängen
wertschöpfungsintensive Unternehmen
weniger produktive Aktivitäten immer
weiter in die urbane Peripherie. In Basel ist
das aufgrund der territorialen Grenzen
kaum möglich. Faktisch verhindern die
Grafik: ETH-Studio, BaZ
Blockade Süd
> Dreispitz, Lager- und Gewerbeareal
Blockaden Ost
> Schrebergärten am Rhein
> Hauptfriedhof
> Hafenanlagen
> Industriegebiet
Blockaden am Rhein
> Rheinhäfen
> Tanklager
> Industriegebiet
Blockaden West
> Psychiatrische Klinik
> Schrebergärten
> Gewerbezone
Blockaden Nord
> Gleisfelder
> Kläranlage
politische fragmentierung
politische fragmentierung
eingezeichneten Blockaden eine räumlich
optimale Entwicklung des Zentrums. Die
Fragmentierung konserviert damit die
alten Stadtstrukturen auf Kosten produk-
tiver und kreativer städtischer Wachs-
tumspole und vermindert das Wachstums-
potenzial von metrobasel.
FEHLENDER BINNENMARKT. Ein Binnen-
markt fehlt sowohl zwischen der Schweiz,
Deutschland und Frankreich als auch –
trotz Binnenmarktgesetz – zwischen den
Kantonen, gerade im Raum Basel. Dies
trifft nicht nur die private Wirtschaft, wo
die Landesgrenzen wegen unterschiedli-
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politische fragmentierung
04____Pfeffingen. Blick über die trinationale Agglomeration in Richtung Norden. Attraktiver Wohn- und Erholungsraum.
metrobasel report___19
chen länderspezifischen Regelungen (z.B.
bei Banken und Versicherungen) zu be-
triebswirtschaftlichen Grenzen werden,
sondern vor allem auch die öffentliche
Wirtschaft, den Service public. Vor allem
die öffentlichen Infrastrukturen sind nicht
nur monopolisiert, sie sind auch meistens
zu klein und damit zu teuer. Bahnen, Elek-
trizitätswerke, Schulen und Spitäler arbei-
ten zum Teil weit unter ihrer optimalen
Betriebsgrösse. Vielen Einrichtungen fehlt
die «kritische Masse», was Überversor-
gung bei gleichzeitigem Mangel an Spit-
zenqualität zur Folge hat. Die Bildungsin-
stitutionen der Metropolitanregion Basel
gelten als zu klein; es werden zu wenig öf-
fentliche Mittel für die Forschung in den
Life Sciences-Industrien aufgewendet,
und die vorhandenen Mittel werden zu
wenig konzentriert eingesetzt.
Vor allem im Life Sciences-Bereich sind
die Hochschulkapazitäten wegen der
Fragmentierung suboptimal. Die Univer-
sität beklagt mangelnde Grösse und man-
gelnde wissenschaftliche Leistungsfähig-
keit, und die Fachhochschule Nordwest-
schweiz ist auf mehrere Standorte auch
ausserhalb von metrobasel verzettelt.
INNER-METROPOLITANE FINANZDISPA-
RITÄTEN. Die schweizerischen Gross-
städte und vor allem die kleinen urbanen
Kantone wie Genf oder Basel-Stadt leiden
unter dem Zwillingsproblem sinkender
Steuereinnahmen und wachsender Ausga-
ben. Der finanzstarke Mittelstand wandert
mit seinem Einkommen in die schweizeri-
schen Vororte ab oder wohnt im grenzna-
hen Ausland, während der Stadt die Kos-
ten der Zentrumsfunktionen verbleiben.
Der Anteil der Körperschaftssteuern – die
ja in den zentralen Orten die Einkom-
menssteuer ersetzen könnte – nimmt ge-
samtschweizerisch wie auch im Kanton
Basel-Stadt ab, von 25 auf 20 % am Ge-
samtsteueraufkommen zwischen 1990
und 2003. Zudem schwanken die Einnah-
men aus den Körperschaftssteuern viel
mehr als die Einkommenssteuern, was die
Finanzplanung wesentlich erschwert.
Gleichzeitig haben Städte und städtische
Kantone überdurchschnittliche Pro-Kopf-
Ausgaben, vor allem für Fürsorge, Bil-
dung, Gesundheit und Sicherheit. Den Ag-
glomerationszentren – also Basel-Stadt –
fehlt das Geld für aus regionaler Optik
sinnvolle zentralörtliche Leistungen, was
letztlich die ganze Region und deren Ver-
sorgung mit öffentlichen Leistungen be-
einträchtigen kann.
HOHE KOORDINATIONSKOSTEN. Die Ko-
ordination politischer Strategien über
die kantonalen und nationalen Grenzen
hinweg ist aufwändig. Die Kantone und
der Landkreis, die sich die Metropolitanre-
gion Basel teilen, verwenden viel poli-
tische Energie für die interne Koordina-
tion und darauf, dass öffentliche In-
frastruktur und zentralörtliche Leistun-
gen möglichst gleichmässig verteilt wer-
den und kein Gemeinwesen zu kurz
kommt.
Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist
ein entscheidender Faktor für hohe Pro-
duktivität, doch divergierende Interessen
zwischen Gebietskörperschaften lassen
Züge und Trams weiterhin an der Gren-
ze enden. Häufig kommt es zu Doppel-
spurigkeiten, vor allem dann, wenn
jede Teilregion alles selber macht. Die
3%
2%
1%
0,5%
–2%
–1%
0%
1%
2%
3%
4%
5%
35%
DurchschnittlichesWachstum2000–2004
40% 45% 50% 55% 60% 65% 70%
Anteil des urbanen Sektors am BIP, 2004
Wachstumsbeitrag
2000–2004
metrobasel
Zürich
Bassin Lémanique
Schweiz
New Jersey
New YorkBoston
SF Bay Area
Southern California London
Oxford
München
Paris
Milano
Wien
Öresund
2000–2004
BEITRAG DES URBANEN SEKTORS ZUM REALEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Quelle: BAK Basel Economics
politische fragmentierung
Zeit und Energie, die auf Koordination ver-
wendet und verschwendet wird, fehlt
dann für die Entwicklung von veritablen
Wachstumsstrategien.
Man kann es so zusammenfassen:
Während sich erfolgreiche Regionen
wie München, Lyon, Dublin, Manchester,
Helsinki oder Stockholm auf ihre inter-
nationale Wettbewerbsfähigkeit konzen-
trieren können, ist die Metropolitanregion
Basel in erster Linie damit beschäftigt, sich
selber zusammenzuhalten oder sich im
grenzüberschreitenden Kontext erst zu
finden.
WO ANSETZEN? Nachdem die Analyse ge-
zeigt hat, dass die Grenzen innerhalb un-
serer Region die wirtschaftliche Entwick-
lung bremsen, stellt sich die Frage, was un-
ternommen werden kann. Weder Gebiets-
reformen noch Kantonsfusionen sind
taugliche Rezepte für das Fragmentie-
rungsproblem. Sie sind derzeit nicht nur
politisch chancenlos, sie schaffen auch
mindestenssovieleneueProbleme,wiesie
alte lösen. Harte Gebietsreformen stehen
zudem schief in der politischen Land-
schaft, in der eine variable Geometrie und
flexible Grenzen im Vordergrund metro-
politaner Regierungsführung stehen. Es
gibt aber ein paar Reformen, mit denen
sich bessere Voraussetzungen für eine in-
tegrierte Metropolitanregion Basel schaf-
fen lassen.
FINANZPOLITISCHE REFORMEN: Im
Herbst 2004 wurde die Vorlage zur «Neu-
gestaltung des Finanzausgleichs und der
Aufgabenteilung zwischen Bund und Kan-
tonen» (NFA) vom Schweizervolk an-
genommen. Die NFA ist in erster Linie als
Ausgleich zwischen armen und reichen
Kantonen wahrgenommen worden. Sie
enthält aber auch verschiedene Elemente,
die für städtische Kantone von Interesse
sind, etwa die Entflechtung von Aufgaben,
die höhere Zweckfreiheit von Bundesmit-
teln und insbesondere den Spezialfonds
für städtische Kantone.
Zum ersten Mal wird im schweizeri-
schen Finanzausgleich anerkannt, was in
anderen föderalistischen Staaten längst
selbstverständlich ist, nämlich die beson-
dere Situation der Städte. Vor allem aber
enthält sie neu ein Element, das die Frag-
mentierungsproblematik entschärft: der
Zwang zur interkantonalen Kooperation.
Davon dürften in erster Linie Metroregio-
nen wie Basel profitieren. Noch ungelöst
ist aber der Beitrag der deutschen und
französischen Seite.
BILDUNGSPOLITISCHE REFORMEN: Der
Wohlstandsmotor der Region Basel – und
nicht nur des schweizerischen Teils – ist
die Life Sciences-Industrie. Die Hoch-
schulkapazitäten in diesem Bereich wider-
spiegeln dies aber nur sehr ungenügend.
Sowohl die Ausbildung als auch die
Grundlagenforschung müssen deutlich
ausgeweitet werden. Die Ansiedlung des
ETH-Instituts für Systembiologie wie auch
die Erhaltung von spitzenmedizinischen
Leistungen in Basel sind deshalb von emi-
nenter Bedeutung. Eine ideale Ergänzung
wären Hochschulinstitute im Life Scien-
ces-Bereich innerhalb von metrobasel,
vorzugsweise am Rhein in Weil und in Hu-
ningue, die zusammen mit dem ETH-Insti-
tut, der Universität und der Fachhoch-
schule in Muttenz einen innovativen und
weltweit konkurrenzfähigen Hoch-
schulcluster bilden.
WIRTSCHAFTSPOLITISCHE REFORMEN:
Die Verabschiedung eines wirksamen
schweizerischen Binnenmarktgesetzes
rückt näher. Es soll jede wirtschaftliche
Tätigkeit nach dem Prinzip von Nicht-
Leben am Rhein. Wer hier wohnen
darf, muss glücklich sein. Foto Erwin Zbinden
20___metrobasel report
politische fragmentierung
diskriminierung und gegenseitiger An-
erkennung in allen Kantonen erlauben.
Doch das Binnenmarktgesetz umfasst der-
zeit nur die private, nicht die öffentliche
Wirtschaft. Öffentliche Dienste des Bil-
dungs- und Gesundheitswesens, im Ver-
kehr und der Energieversorgung werden
vom neuen Gesetz nicht erfasst; der
öffentliche Dienst bleibt zerstückelt und
monopolisiert.
Ein echtes Binnenmarktprogramm
müsste alle Bereiche umfassen, in denen
Grenzen eine Rolle spielen. Zudem erfasst
das schweizerische Binnenmarktgesetz
nur das schweizerische Teilgebiet; Basel
ist aber trinational. Es ist deshalb nahelie-
gend, den Binnenmarkt auf die angren-
zenden ausländischen Teile der Metro-Re-
gion auszudehnen. Die Schaffung eines
international grenzüberschreitenden Bin-
nenmarktes könnte eines der zentralen
Programme für die Metropolitanregion
Basel darstellen.
TERRITORIALE REFORMEN: Die interkan-
tonale Zusammenarbeit, auch die Zusam-
menarbeit über die internationalen Gren-
zen, funktioniert durchaus, aber sie ist oft
undemokratisch, unstabil und langsam.
Ein Reformansatz, der diese Zusammenar-
beit zugleich demokratischer und dynami-
scher gestaltet, sind die «Verfassten
Zweckregionen», Gebietskörperschaften,
die bestimmte Aufgaben von den Kanto-
nen oder den interkantonalen Konkorda-
ten übernehmen.
Vielleicht werden sich BS und BL nie
auf eine Kantonsfusion einigen können,
aber vielleicht auf eine Zweckregion, die
bestimmte Aufgaben wie zum Beispiel
Verkehr oder Verkehrsplanung über-
nimmt – der Tarifverbund Nordwest-
schweiz oder die Universität beider Basel
als Gebietskörperschaften bieten gute Bei-
spiele. Und warum nicht über die interna-
tionale Grenze hinaus verfasste Zweck-
regionen schaffen? In der Abfallverwer-
tung wurde zwischen den beiden Basel
und dem Landkreis Lörrach bereits vor
Jahren erfolgreich ein erster Schritt getan,
und in der grenzüberschreitenden Ge-
sundheitsversorgung ist jetzt ein Pilotpro-
jekt geplant. In der EU entstehen institu-
tionelle Innovationen, etwa die sogenann-
ten «Eurodistrikte», die international
grenzüberschreitend öffentliche Aufgaben
angehen. Solche Distrikte können auch
schweizerisches Gebiet umfassen. Innova-
tive Köpfe in metrobasel haben dies er-
kannt und wollen die sich eröffnenden
Chance nutzen.
Kaum eine Metropolitanregion in Eu-
ropa ist derart durch politische Grenzen
zerschnitten wie metrobasel. Um die
Nachteile dieser Fragmentierung im Inter-
esse einer prosperierenden Zukunft zu lin-
dern, sind deshalb grosse Anstrengungen
aus allen drei Ländern unabdingbar.
Drehscheibe in der trinationalen metropolitanen Region. Basel als Zentrum von
metrobasel bietet Anschluss an die Welt. Foto Dominik Plüss
05____Rheinhafen Kleinhüningen. Die am meisten diskutierte Wasserfront. Wann wird aus Silos Wohn- und Arbeitsraum?
metrobasel report___21
outlook
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2005 wachsen fast alle Branchen in
metrobasel etwas schwächer als im
Vorjahr. Für 2006 darf aber wieder mit
einer Beschleunigung gerechnet wer-
den. Als besonders wachstumsstark
erweist sich einmal mehr die Phar-
mabranche.
Metrobasel als trinationale Metropoli-
tanregion zeigt sich als ein in vielerlei Hin-
sicht verflochtener Wirtschaftsraum. Die
einzelnen Teilregionen haben sich in den
vergangenen Jahren jedoch in teilweise
sehr unterschiedlicher Art und Weise spe-
zialisiert. Je nach Branchenstruktur sind
die Regionen in der Folge von konjunktu-
rellen oder strukturellen Einflussfaktoren
unterschiedlichbetroffenundweisenauch
sehr unterschiedliche Perspektiven ihrer
wirtschaftlichen Zukunft auf.
Für Unternehmen, Verbände und kom-
munale Institutionen, die in das regionale
Wirtschaftsnetz der Metropolitanregion
Baseleingebundensind,isteszentral,zum
einen über die branchenmässigen Wirt-
schaftsstrukturen und -aussichten auf
einer tiefen regionalen Ebene grundsätz-
lich Bescheid zu wissen, um dann zum an-
deren Auswirkungen von weltwirtschaftli-
chen Entwicklungen auf der regionalen
Ebene abschätzen zu können. Auch Ar-
beitnehmer, die vor der Wahl ihres Wohn-
und Arbeitsstandorts stehen, sind an de-
taillierten Informationen auch prospekti-
ver Art über die Teilgebiete der Metropoli-
tanregion Basel interessiert.
BLICK NACH VORNE. Mit dem metrobasel
outlook wurde nun ein innovatives Infor-
mationsinstrument ins Leben gerufen, das
von BAK Basel Economics im Auftrag der
Basellandschaftlichen Kantonalbank jähr-
lich erarbeitet wird. Analysen und Progno-
sen für die trinationale Metropolitanregion
Basel, ihre Branchen und Teilregionen sind
in dieser detaillierten Form neu- und ein-
zigartig.
Der Takt der Wirtschaftsentwicklung
in metrobasel schlägt seit Jahren höher
als derjenige in der Schweiz, Frankreich
und insbesondere Deutschland. Dies
ist auch gegenwärtig der Fall. Die Ab-
kühlung der wirtschaftlichen Aktivität,
die in der zweiten Jahreshälfte 2004
erfolgte, ist mittlerweile überwunden,
die konjunkturelle Dynamik zeigt sich
wieder beschleunigt. Das Wirtschafts-
wachstum ist dabei breit abgestützt, das
Aufwärtspotenzial bleibt jedoch insbeson-
dere bei den binnenwirtschaftlichen Kom-
ponenten begrenzt. Die Expansion der
privaten Konsumausgaben wird durch
die nach wie vor angespannte Lage auf
dem Arbeitsmarkt limitiert. Angesichts
hoher Ölpreise und der Unsicherheit be-
züglich der weltweiten Wirtschaftsent-
wicklung ist zudem die Investitionsbereit-
schaft der Unternehmen eher von Zurück-
haltung geprägt. Die Summe dieser Fak-
toren führt zu einer Expansion des Brut-
toinlandprodukts von metrobasel im Ge-
samtjahr 2005 um 1,9% (2004: +2,6%).
Für 2006 geht BAK Basel Economics von
metrobasel outlook: Analysen und Prognosen für die trinationale Metropolitanregion Basel
metrobasel 2006:
Wachstum beschleunigt sich
ANZEIGE
outlook
einer leicht beschleunigten Zunahme von
2,1% aus.
UNTERSCHIEDE IM BRANCHENWACHS-
TUM. Für 2005 weisen fast alle bedeuten-
den Branchen in metrobasel eine leicht
schwächere Entwicklung als 2004 auf. Vor-
rangig liegt dies an einer schwächeren in-
ternationalenEntwicklung.Dernachlassen-
den Dynamik der Weltwirtschaft 2005 und
besonders der Schwäche der Eurozone als
wichtigstem Handelspartner können sich
viele exportorientierte Unternehmen aus
der trinationalen Metropolitanregion nicht
entziehen. Dies bekommt vor allem die In-
vestitionsgüterindustrie zu spüren, welche
nicht mehr an die erfreulichen Wachstums-
raten des Vorjahres anknüpfen kann. Eine
merkliche Beschleunigung kann in dieser
Branche erst 2007 wieder erwartet werden.
Die chemisch-pharmazeutische Indus-
trie der Region metrobasel muss in diesem
Jahr mit einem Wertschöpfungswachstum
von 4,5% ebenfalls eine schwächere Ent-
wicklung als im Vorjahr hinnehmen. Inner-
halb des sekundären Sektors bedeutet dies
aber dennoch eine herausragend positive
Performance. Besonders wachstumsstark
erweistsicheinmalmehrdiePharmasparte,
sie gewinnt mehr und mehr an Bedeutung
für den Wirtschaftsstandort metrobasel.
DerWachstumspfadderchemisch-pharma-
zeutischen Industrie dürfte im kommenden
Jahr in etwa gehalten werden.
Eine Ausnahme innerhalb des Bran-
chenportefeuilles bildet das Baugewerbe,
dessen Wachstum sich im laufenden Jahr
etwasbeschleunigt.Diesistvorwiegendauf
die Entwicklung im Schweizer metrobasel-
Gebietzurückzuführen,wodieBautätigkeit
im bisherigen Jahresverlauf im Vergleich
zur entsprechenden Vorjahresperiode ins-
besondereimWohnungsbaudeutlichzuge-
nommen hat. Ein Blick auf die Auftragsein-
gänge lässt jedoch erahnen, dass diese Dy-
namik sich im kommenden Jahr kaum fort-
setzen dürfte.
Ebenfalls wieder beschleunigen dürfte
sich 2006 die Dynamik im Dienstleistungs-
sektor, welche 2005 ebenfalls einen leich-
ten Dämpfer hinnehmen muss. Während
der Handel nach wie vor an der etwas ge-
trübten Konsumstimmung leidet, bringt
dem Verkehrssektor dagegen das laufende
Jahr schon einen Dynamikschub, der insbe-
sondere von der wachsenden Frequentie-
rung des EuroAirports ausgelöst wird.
GETRÜBTER ARBEITSMARKT. Die kon-
junkturelle Entwicklung bietet wenig An-
lass für die Unternehmen, gegenwärtig zu-
sätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. So
dürften insbesondere im sekundären Sek-
tor 2005 per saldo keine, 2006 kaum neue
Arbeitsplätze entstehen. Nachfragesteige-
rungen werden überwiegend durch Pro-
duktivitätsfortschritte aufgefangen. Nur in
den Branchen, in denen in den vergange-
nen Jahren bereits erhebliche Produkti-
vitätsgewinne erzielt wurden, wird eine
Nachfragesteigerung auch zu einer Zu-
nahme der Arbeitsplätze führen. Nament-
lich sind dies die Pharma- und Teile der In-
vestitionsgüterindustrie sowie einige
Dienstleistungsbranchen. Nach einer leich-
ten Zunahme der gesamtwirtschaftlichen
Erwerbstätigkeit in metrobasel 2005 um
0,4% dürfte im kommenden Jahr ein An-
stieg um knapp ein Prozent möglich sein.
KERNMETROPOLGEBIET ALS LOKOMO-
TIVE. Von den einzelnen Regionen metro-
basels weist das Kernmetropolitangebiet,
also die beiden Basler Halbkantone, mit
einem realen BIP-Wachstum um 2,1% als
einzige Teilregion ein überdurchschnittli-
ches Wachstum auf. Im Mittelfeld mit
einem leicht unterdurchschnittlichen
Wachstum gruppieren sich das Fricktal,
das französische metrobasel-Gebiet und
der Landkreis Lörrach. Nur sehr gering ist
das Wachstum im Schwarzbubenland und
im Bezirk Delémont. Im kommenden Jahr
können sämtliche Regionen ihr gesamt-
wirtschaftliches Wachstum leicht erhöhen.
Mittelfristig können das Kernmetropo-
litangebiet, das Fricktal sowie das französi-
sche metrobasel-Gebiet mit Expansions-
pfaden von über 2% mit dem höchsten
Wachstum aufwarten, während das
Schwarzbubenland und das jurassische
metrobasel-Gebiet mit Wachstumsraten
von rund einem Prozent den Schluss des
Rankings bilden.
Alle drei Mutterländer der
grenzübergreifenden Region
metrobasel haben im Jahres-
verlauf 2005 deutlich an
Wachstumsdynamik einge-
büsst. Am kräftigsten fiel die
Wachstumsabschwächung
für die Schweizer Wirtschaft
aus. Das reale Bruttoinland-
produkt nimmt hier im
Jahresdurchschnitt 2005 nur
noch um 1,2 % zu – im Jahr
2004 hatte das gesamtwirt-
schaftliche Wachstum der
Schweiz noch 2,1% betragen.
Für 2006 erwartet BAK dank
Exporterfolgen und stärkerem
Konsum ein Wachstum von
1,5 %. Auch Frankreich zeigt
sich 2005 mit einer Zunahme
des realen Bruttoinlands-
produkts von 1,4 % nur un-
wesentlich dynamischer als
die Schweiz (2004: 2,1%).
Die robuste Verfassung der
Binnenwirtschaft – insbeson-
dere Konsum und Bau – sollte
im nächsten Jahr zu einem
Wachstum von 1,6 % führen.
Im Wachstumsvergleich der
drei metrobasel-Mutterländer
zeigt sich 2005 die deutsche
Wirtschaft mit einer Zu-
nahme des realen Bruttoin-
landsprodukts von nur
0,9 % erneut am bescheiden-
sten. Und auch 2006 dürfte
angesichts der Kaufzurück-
haltung der privaten
Haushalte nicht viel mehr
als 1 % Wachstum möglich
sein.
Real, prozentuale Veränderung gegenüber Vorjahr
Chem
ie/Pharm
a
Finanzsektor
G
astgew
erbe
Investitionsgüterindustrie
H
andel, G
aragengew
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Papier, Verlag, D
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brige
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Baugew
erbe
–6
–4
–2
0
2
4
6
8
2004 2005 2006
WERTSCHÖPFUNG IN METROBASEL NACH BRANCHEN
0
2
4
3
1
Real, prozentuale Veränderung gegenüber Vorjahr
Basel-Stadt,Baselland
Schw
arzbubenland
m
etrobasel
Fricktal
Lörrach
D
elém
ont
Huningue, Sierentz, Ferrette
2004 2005 2006
BRUTTOINLANDSPRODUKT
KONJUNKTURELLE LAGE IN DEUTSCHLAND, FRANKREICH UND DER SCHWEIZ
metrobasel report___23
24___metrobasel report
life sciences
Die Basis für Life Sciences wurde in metrobasel früh gelegt
Zwischen den Leuchttürmen
wächst ein reiches Biotop
Rasanter Fortschritt prägt die Life
Sciences. Wissenschaftlich und tech-
nisch. In der metropolitanen Region
Basel war man früh dabei. Der Struk-
turwandel in der Chemie- und Pharma-
industrie hat erst den raschen Einstieg
erleichtert. Doch die grossen Schritte
stehen vielleicht erst bevor.
Rund eine Million Menschen leben in
der trinationalen metropolitanen Region,
die Basel als urbanes Zentrum nutzt. Her-
vorragende Institutionen der Forschung
und Ausbildung machen den Platz zu
einem der führenden Wissenschaftszent-
ren Europas. Die Universität rangiert mit
über 15 000 Studierenden ganz vorne
unterden50bestenHochschulenderWelt:
Noch ist es nicht so weit, aber möglich wärs
schon. Was die Basler Regierung in ihrem
neusten Politikplan formuliert, ist nicht der
Zustand von heute, sondern projektiertes
Ziel für das Jahr – 2020.
Eine grosse Vision, die manch anderer
Partner in dieser Region gerne teilen wird.
Denn wie in dieser Beilage belegt wird: me-
trobasel ist zumindest im Bereich Life Sci-
ences Spitze. Nach härteren Jahren im letz-
ten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhun-
derts, geprägt durch Fusionen und Struk-
turwandel, zeigt sich heute die forschende
Industrie stark wie noch nie. Und zwischen
den Leuchttürmen von Basels Grossen ist
ein vielgestaltiges Biotop an Life Sciences-
Firmen herangewachsen, das besonders
kräftige Mitglieder aufweist.
AUFBRUCH. War bis Anfang der siebziger
Jahre die Erforschung des Lebens in der
Hand der Zoologen und Botaniker, brach
auf einen Schlag die noch junge, pionier-
hafte Molekularbiologie in Basel an. Ende
der von Hochkonjunktur geprägten sechzi-
ger Jahre gründeten in Basel einige weit-
blickende Köpfe drei Forschungsinstitute,
die sich in verschiedenen Feldern der
Grundlagenforschung in der noch jungen
molekularen Biologie widmen sollten. Das
Biozentrum an der Universität, eine Grün-
dung ohne Vorbild, das Friedrich Miescher
Institut der damals noch unverbundenen
Firmen Ciba und Geigy, sowie das Basel
Institut für Immunologie, das Roche sich
und der Stadt zu ihrem Jubiläum gönnte.
Alle drei setzten Höhepunkte und leisteten
hervorragende Arbeit. Die «Chemische»
aber sah sich mehr als Mäzenin und war
noch weit entfernt davon, die molekulare
Biologie in ihre Arbeitsweisen zu integrie-
ren. Mit guten Gründen. Zu diffus schien
der Nutzen. Doch das sollte sich rasch
ändern.
NOBELPREISREIGEN. Dass in Basel her-
vorragendeForscherarbeiteten,zeigtesich
bald. Werner Arber war 1978 der Erste,
den Stockholm mit dem Nobelpreis ehrte.
Der Mikrobiologe hatte in Genf, bevor er
nach Basel kam, jene Werkzeuge entdeckt,
die es erlauben, die in Genen niederge-
schriebenen Baupläne neu zu kombinie-
ren. Oder zum Beispiel in Bakterien einzu-
bauen, die darauf fleissig therapeutisch
wirksame, aber chemisch komplizierte
Stoffe wie Interferone produzierten. (Wie
dies später Roche als Erste in Basel tat.) Be-
merkenswert dazu: Zwei Jahre vor Arbers
Gang nach Stockholm hatte sich der Bio-
chemiker und spätere Nobelpreisträger
Herbert W. Boyer mit dem Financier
Robert A. Swanson getroffen und vorge-
schlagen, eine Firma zu gründen, die sich
der Neukombination von Genen mit Arbers
Scheren zuwenden sollte. Zehn Minuten
habe das Gespräch des Forschers mit dem
Risikokapitalisten gedauert, weiss die Le-
gende. Dann war Genentech geboren. In
einem meisterhaften Akt erwarb später
Martin Hicklin
life sciences
Roche eine Mehrheit an der zur Firma mu-
tiertenForschungsstätte,ohneinderenGe-
triebe und Kultur einzugreifen. Heute führt
daskalifornischeWunderinallenAspekten
bis hin zum Umgang mit arbeitenden Müt-
tern. An der Börse fehlt zur Freude der Sha-
reholder nicht mehr viel bis zum Beitritt in
den 100-Milliarden-Klub.
MILLIARDEN AUS IMMUNOLOGIE. Gleich
drei Nobelpreise fielen gar dem von Roche
fundierten Institut für Immunologie zu.
1984 dem Gründungsdirektor Niels Kaj
Jerne, der wegweisende Theorien zur
Funktion des Immunsystems formuliert
hatte, 1987 dem Japaner Susumu Tone-
gawa für seine in Basel gelungene Enthül-
lung der Art und Weise, wie die Vielfalt der
Antikörper zustande kommt. Und schliess-
lich zusammen mit Jerne dem früh ver-
storbenen Georges Köhler, der als Erster
jene monoklonalen Antikörper gebaut und
beschrieben hatte, die heute als genau ab-
gerichtete Medikamente – bei Roche etwa
als Avastin, Herceptin oder Mabthera – den
Patienten Hilfe und den Unternehmen Mil-
liardenumsätze bringen.
NEU AUSGERICHTET. Heute sieht die
Landschaft völlig anders aus. Die Pionier-
zeiten sind vorbei. Neue genetische Tech-
niken haben sich in Forschung und An-
wendung etabliert. Das Institut für Immu-
nologie wurde von Roche aufgegeben, das
Friedrich Miescher Institut hat seine For-
schungsrichtungen neu orientiert und
auchamBiozentrumwerdenneueThemen
bearbeitet. Die Universität hat ihre kli-
nisch-biologischen Fächer in ein Departe-
ment integriert. Auch die Pharmaindustrie
hatte sich nach anfänglichem Zögern die
neuen Technologien zunutze gemacht. Zu
verlockend war die Aussicht, auf direkte-
rem Weg zu wirklich neuartigen Medika-
menten zu kommen. Novartis – aus der Fu-
sion von Ciba-Geigy und Sandoz entstan-
den – konzentrierte sich wie auf der andern
Seite des Rheins Roche auf das Pharma-
geschäft und trennte sich vom Rest. Einige
der abgestossenen Zweige sind zu mächti-
gen Bäumen herangewachsen. Syngenta
ist ein weltweit führendes Agro-Unterneh-
men, das seine Forschungsaktivitäten wei-
ter ausbaut. Roches Vitaminsparte hat in
HändenderDSMneuenSchubbekommen.
Sie engagiert sich in weisser Biotechnolo-
gie im Nahrungssektor und lässt ihr Stand-
bein in metrobasel wachsen.
ERFOLGSGESCHICHTEN. Nicht nur ent-
standen neue Konzerne, einige der von den
Firmen fallen gelassenen Projekte wurden
06____Grenzach-Wyhlen, Industriegebiet am Rhein. Produktive Arbeitsplätze in nächster Nähe zu wunderbarer Natur.
metrobasel report___25
Als eine Leadpartnerin im Pro-
jekt metrobasel engagiert sich
die Basler Kantonalbank mit
dem metrobasel bkb forum.
Dieses ist als jährlich wieder-
kehrendes Fachsymposium zu
jeweils aktuellen Themen im
Bereich der Metropolitanre-
gion Basel konzipiert. Als öf-
fentliche Plattform für Vertre-
ter und Vertreterinnen aus
Politik und Wirtschaft sowie
für weitere Interessierte ge-
staltet, wird hier die Wettbe-
werbsfähigkeit der Region
Basel im Vergleich zu Konkur-
renzregionen aufgezeigt und
diskutiert.
Der diesjährige Themen-
schwerpunkt «Life Sciences»
stiess angesichts seiner Be-
deutung bereits im Vorfeld auf
grosses Interesse. Im Rah-
men der ersten Vormittags-
veranstaltung am 7. Novem-
ber wurden die Ergebnisse
des metrobasel outlooks und
reports präsentiert, welche
die wirtschaftlichen und kon-
junkturellen Aussichten der
Region analysieren. Anschlies-
send diskutierte ein hoch-
karätig besetztes Panel die Ta-
gungsinhalte. Neben Spitzen
aus Politik und Wirtschaft sind
auch die metropolitanen Part-
ner aus den beiden Nachbar-
ländern in die Analyse der Fak-
ten involviert.
Für die BKB ist die Partner-
schaft mit metrobasel eine
neuerliche Gelegenheit, ihre
Verantwortung gegenüber der
Region Basel zu dokumentie-
ren. Die Aufgabe des bkb
forums im Gesamtprojekt
metrobasel ist dabei massgeb-
lich in seiner Rolle als Kommu-
nikations- und Steuerungsin-
strumentarium zu sehen. Die
Weiterentwicklung der Region
Basel und seines Zentrums ist
nur durch eine intensive Zu-
sammenarbeit möglich. Diese
muss von einem Dialog aller
Partner «auf gleicher Augen-
höhe» getragen sein. Ausser-
dem dient das bkb forum zur
Positionierung der Marke me-
trobasel und zur nachhaltigen
Stärkung derselben. Die BKB
zeigt damit, dass sie als wich-
tige und in der Metropolitanre-
gion Basel sehr gut verankerte
Finanzinstitution am Platze an
der Entwicklung der Wettbe-
werbsfähigkeit des Wirt-
schaftsstandortes eminent in-
teressiert ist.
BKB bietet Forum für metrobasel
26___metrobasel report
life sciences
in Spin-offs hinübergerettet. Erfahrene
Projektverantwortliche, die an ihre Mo-
leküle glaubten, machten sich mit Starthil-
fen selbstständig. Alice Huxley zum Bei-
spielgründetedieSpeedel,dasEhepaarClo-
zel mit Walter Fischli und Partnern die Ac-
telion. In der Basilea hat Roches einst
führende Antibiotika-Forschung ihre Fort-
setzung. Speedel ist heute an der Börse bald
eine Milliarde wert, Actelion mehr als drei
Milliarden. Erfolgsgeschichten in metro-
basel.
In den kleinen Firmen mit klarem Ziel
hält die Gründerstimmung länger. Im
festen Vertrauen auf das eigene Urteil wer-
den Projekte rasch vorangetrieben. Spee-
del und Actelion sind unter anderem im
Gebiet der Renininhibitoren aktiv. Eine
neue Generation von Medikamenten wird
marktreif. Ihr erstes Produkt Aliskiren oder
SP-100 hat Speedel wieder an Novartis
zurücklizenziert und geht voraussichtlich
2006 in die Registrierung. Es ist «first-in-
class»,dasErsteeinerneuenGeneration.«In
der Region Basel wird ein weltweiter medi-
zinischer Innovationsschub vorbereitet»,
meint dazu Alice Huxley. In ihrem heute
neunköpfigen Managementteam aus acht
Nationen sind mehr als 150 Jahre Pharma-
erfahrung versammelt. Nicht untypisch für
Start-upsundSpin-offs,dassbeiBigPharma
gesammelte Erfahrung neue Früchte trägt.
DAS BIOVALLEY. Die wachsende Aussicht
auf eine neue Industrie war am Oberrhein
1995 ausschlaggebend für die Begründung
der Biovalley-Initiative. Ein Siliconvalley
der Life Sciences im Dreieck der vielfach
verbundenen Zentren Basel, Strassburg
und Freiburg ihr überregionaler Traum.
Erst kürzlich hat Basel an einer Biovalley
Life Sciences-Week im Messezentrum vor-
geführt bekommen, was es an Highlights
gibt, 500 Schüler folgten dem College Day.
RISIKOSCHEUE KAPITALISTEN. Längst
nicht alle Firmen im Life Sciences-Gebiet
versuchen Medikamente zu entwickeln. In
den Nischen bieten sich für technische
Hilfeleistungen, Technoplattformen und
Zulieferer viele Möglichkeiten. Biologicals,
Proteine und Reagenzien anzubieten ist
zum Geschäft geworden. Die eher vorsich-
tigen Investoren setzten allerdings zuerst
auf Ideen, die rasch Ertrag versprachen. Ac-
telion-Mitgründer Walter Fischli erinnert
sich, wie schwierig es in den neunziger Jah-
ren war, Geld für die auf lange Sicht ange-
legte Medikamentenentwicklung aufzu-
treiben. Auch das hat sich geändert.
AllerdingsistdieFinanzierungvonNeu-
gründungen und Projekten, die erst nach
Jahren Ertrag abwerfen, nach wie vor
schwierig. Henri B. Meier, ehemals die Mit-
tel der Roche wunderbar mehrender Fi-
nanzdirektor und heute Vorsitzender meh-
rerer Biotech-Funds, kritisiert die fehlende
Risikobereitschaft von Kapitalgebern in der
Schweiz. Auf Innovationen zu setzen
scheine ihnen als zu riskant. Obwohl die
wenigen Erfolge manche Fehlschläge reich-
lich wettmachen. Vorausgesetzt, die Geld-
geber können sich an guten Rat halten.
Doch daran fehle es, sagt Meier.
Dabei scheinen die Möglichkeiten, im
Life Sciences-Gebiet auf interessante Spu-
ren zu kommen, geradezu unbegrenzt. Das
Genom des Menschen ist buchstabiert und
kann analysiert und mit jenen anderer Le-
bewesen verglichen werden. Berge von
Daten stehen in öffentlichen Banken bereit.
Das Wachstum ist atemberaubend. Am
22. August dieses Jahres wurde eine magi-
sche Grenze überschritten. 100 Milliarden
BausteineausganzenGenomenoderTeilen
von 165 000 Lebewesen waren auf der öf-
fentlichen GenBank deponiert. Mehr als
doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Das einst
Spezialisten vorbehaltene Buchstabieren
der Gene wird bald jedem wohlhabenden
Heimwerker zugänglich sein. Etwa mit der
schnellsten erst Anfang Oktober auf den
Markt gekommenen Maschine. Eine ein-
zige Person kann mit einem einzigen Vor-
bereitungsschritt innert fünf Stunden
20 Millionen Bausteine entziffern. Bald
jeder sein eigener Craig Venter? Die Tech-
nik der Maschine stammt von 454 Life
Sciences. Zu haben ist sie bei – Roche. Was
früher Jahre an Arbeit kostete, kann heute
in Minuten erledigt werden. Die Daten-
berge wachsen dafür ins Unermessliche.
WERBEN UM TALENTE. Mit Partnerschaf-
ten und Übernahmen kommen grosse und
kleine Firmen zu Innovationen 0oder
neuen Verfahren. Roche etwa hatte sich
früh die Schlüsseltechnik zur Vermehrung
von Erbmolekülen, PCR und die Nutzung
von Gen-Chips gesichert. Novartis weist
heute über 50 meist forschungsorientierte
Partnerschaften aus.
Neben Geld zählt im Wettbewerb auch
das Image. Novartis baut einen einmaligen
Campus des Wissens in Basel und hat in
Cambridge/Boston ein modernes For-
schungsinstitut in Betrieb genommen. Bei-
des mit grosser Entschlossenheit. Das sind
Trümpfe im Werben um Talente. Die glo-
bal umworbenen «High Potentials» kom-
life sciences
metrobasel report___27
men lieber, wenn Forschung zählt. In Um-
fragen rangieren Novartis und Roche als
mögliche Life Sciences-Arbeitgeber weit
vorne in der Gunst von Forschenden. Rang 1
hält allerdings mit Vorsprung – Genentech.
WARTEN AUF DIE FLUT. Obwohl immer
mehrbiologischeMedikamentezugelassen
sind, lässt die erwartete Flut spektakulärer
Arzneien auf sich warten. Die Zahl neuer
Stoffe, die auf den Markt kommen, bleibt
noch relativ bescheiden. 20 bis 30 sind es
pro Jahr, nur ein Viertel davon richtet sich
gegen neue Ziele, stellt Mark C. Fishman,
Forschungschef der Novartis und Präsident
des neu gegründeten NIBR-Instituts der
Firma in Boston, fest.
Trotz einer Unmenge von Daten, neuen
Hilfsmitteln wie Gen-Chips und Computer-
programmen, müssen zuerst die Angriffs-
punkte oder «Targets» identifiziert und
«validiert» werden, über die Krankheiten
behandelt werden können. Das kann Jahre
dauern. Immer mehr Buchstaben, Wörter
und Sätze der Sprache des Lebens seien
zwar zugänglich, aber nach welcher Gram-
matik diese Sprache arbeite, sei – so Fish-
man – noch weithin rätselhaft. Man solle
sich drum intensiver um die Wege küm-
mern, auf denen Zellen ihre Signale wei-
tergeben. Und empfiehlt, die bisher wegen
fehlenden Markts vernachlässigten selte-
nen Erbkrankheiten zu untersuchen, wo
hohe Chancen bestehen, in Sachen Signal-
wegen allgemein gültige Einsichten zu ge-
winnen.
ZUKUNFT SYSTEMBIOLOGIE. Nicht um-
sonst erhofft man sich von der Erforschung
ganzer lebender Systeme besseren Einblick
auf Angriffspunkte, an denen sich eine
Krankheit behandeln liesse. Doch das Zu-
sammenspielsovielerPartnerkannnurmit
Super-Rechnern simuliert werden. Bio-
informatiker gehören drum zu den ge-
suchtesten Fachleuten auf der ganzen
Welt. Sie braucht auch das am Start befind-
liche Basler ETH-Institut für Systembiolo-
gie. Die Suche nach der Gründergruppe
läuft auf Hochtouren. In metrobasel wird
bald ein neues Kapitel aufgeschlagen.
07____Rangierbahnhof Muttenz. Das grosse Bahnareal ist Ausdruck hoher wirtschaftlicher Aktivität und spektakulär.
metrobasel: Dank an die Partner
Der metrobasel report wird
künftig regelmässig ein detail-
liertes Bild der Wettbewerbs-
fähigkeit von metrobasel, der
metropolitanen Region Basel,
zeichnen. Der in dieser baz-
Beilage erstmals publizierte me-
trobasel report zum Thema Life
Sciences BAK Basel Economics
war nur möglich, weil sich eine
ganze Reihe von Partnern hinter
dieses Projekt gestellt haben,
das der Bevölkerung und den
politischen wie wirtschaftlichen
Entscheidungsträgern ein schar-
fes Bild der aktuellen Wettbe-
werbsfähigkeit von metrobasel
im Vergleich mit anderen Kon-
kurrenten zeichnet. Wie schon
auf Seite 5 erwähnt, waren die
ersten Auftraggeber eines län-
gerfristig angelegten Benchmar-
kings von Life Sciences-Stand-
orten die Kantone Basel-Stadt,
Basel-Landschaft, Zürich sowie
die Stadt Zürich, die Greater
London Authority und die Ver-
bände Interpharma, VSAC und
Unia.
Es sind aber bisher rund
20 Unternehmen, Verbände und
Gebietskörperschaften aus der
trinationalen Metropolitanregi-
onBasel,diegeholfenhaben,die
Projekte metrobasel report, out-
look und forum zu lancieren.
Wir danken unseren Partnern
herzlich für die Unterstützung:
>der Basler Kantonalbank für
die Durchführung des ersten
metrobasel bkb forums am
7. November
>derBasellandschaftlichenKan-
tonalbank für die Ermögli-
chungdesmetrobaseloutlooks
mit Analysen und Prognosen
für die trinationale Metropoli-
tanregionBasel,ihreBranchen
und Teilregionen
>und dem ETH-Studio Basel
(Professoren Herzog und
de Meuron sowie Emanuel
Christ) für die Bebilderung des
ersten metrobasel reports
Es freut BAK Basel Econo-
mics, dass eine Reihe namhafter
Unternehmungen die Projekte
metrobasel report, outlook und
forum unterstützt: AHA Marke-
ting und Kommunikation, Ernst
& Young, EuroAirport, Genos-
senschaft Migros Basel, Grand
Casino Basel, MCH Messe
Schweiz AG, Novartis, Pricewa-
terhouseCoopers, RCC Ltd. und
F. Hoffmann-La Roche AG.
Verbände, die vor allem die
KMU aus der trinationalen Me-
tropolitanregion vertreten, sind
zu einer Beteiligung eingeladen
worden.Zugesagthatbereitsder
Gewerbeverband Basel-Stadt.
28___metrobasel report
interview
Interview: Martin Hicklin
Ab 2006 wird er als Geschäftsführer
der Wirtschaftsförderung Basel-Stadt
und Baselland besonders für den Life
Sciences-Standort werben. Die baz
fragte nach Konzepten und Ideen.
baz: Hans-Peter Wessels, Sie haben
bei Ihrer Wahl zum Geschäftsführer
gesagt, die Region Basel sei, was die
Life Sciences betrifft, der beste Stand-
ort der Welt. Bereits ein gewagter
Werbespruch?
Wir haben eine ganze Reihe von Life-
Sciences-Firmen hier, die zu den Welt-
marktleadern in ihrem Bereich zählen,
nicht nur grosse Konzerne, sondern auch
KMU. Allein das zeigt, dass der Standort
ausgezeichnet ist. Denn sonst wäre dieser
Erfolg nicht möglich. Es hat in den letzten
Jahren erfolgreiche Start-ups und Spin-offs
gegeben. Der Pharmabereich, aber auch
verwandte Branchen wie die Bio- und die
Medizinaltechnik oder die Chemie-, die
Agro- und die Lebensmittelindustrie ent-
wickeln sich erfolgreich. Dieser Cluster von
Firmen gewinnt mehr und mehr Dynamik.
Braucht es da noch eine Wirtschafts-
förderung mit dem Schwerpunkt Life
Sciences?
Das ist wie im Spitzensport. Wenn man
im Tennis die Nummer 1 ist, hört man ja
nicht auf zu trainieren. Es ist eher ein An-
sporn, noch besser zu werden. Das heisst,
den Standort mit weiteren Firmen zu stär-
ken. Wenn wir uns ausruhen, werden wir
von der Konkurrenz überholt. Gerade im
Bereich der High-Tech spielt die Konkur-
renz global sehr stark; ein Vorsprung kann
rasch verloren gehen.
Wie steht es mit dem Rückhalt in Poli-
tik und Bevölkerung?
Der Goodwill gegenüber der Life Scien-
ces-Branche im Speziellen und der Wirt-
schaft im Allgemeinen ist in der Politik
gross. Auch die öffentlich finanzierte Life
Sciences-Forschung und -Lehre an unseren
Hochschulen geniesst politische Unterstüt-
zung. Die Finanzen sind allerdings knapp.
Es gilt deshalb sicherzustellen, dass es nicht
bei Lippenbekenntnissen bleibt. Minde-
stens ebenso wichtig: Ich habe den Ein-
druck, dass die Unterstützung der Life
Sciences und der Wille, eine starke Life
Sciences-Region zu sein in der Bevölkerung
zugenommen hat und fest verankert ist.
Natürlich gibt es auch Kritik, aber diese
kann ebenfalls zur Wettbewerbsfähigkeit
beitragen, wenn von beiden Seiten kons-
truktiv mit ihr umgegangen wird.
Was bringt eine Firma dazu, hierher zu
ziehen?
Für eine Firma muss die Grundlage
zum Erfolg gegeben sein. Die Schweiz bie-
tet politische Stabilität, das Bildungsni-
veau ist sehr hoch, die Produktivität eben-
falls. Die Verwaltung ist ein verlässlicher
Partner. Die Unternehmenssteuern im in-
ternationalen Vergleich bewegen sich in
vernünftiger Höhe. Das alles heisst jedoch
nicht, dass wir uns nicht noch in jeder Hin-
sicht verbessern können und müssen. Aus-
ser bei der politischen Stabilität. Dort sind
wir Weltmeister.
Standorte, wo die Steuern niedriger
sind und Zuzüger mit Steuerrabatten gekö-
dert werden, haben unbestreitbar Vorteile
bei der Ansiedlung neuer Firmen. Insge-
samt geht die Schweiz mit ihren Finanzen
jedoch haushälterisch um. Die Unterneh-
men wissen, dass sie von den Leistungen
profitieren, die der Staat etwa in Bereichen
wie Infrastruktur und Ausbildung erbringt.
Wie steht es mit dem Arbeitsmarkt?
Es gibt bei uns keine Betriebsräte.
Der Arbeitsmarkt gilt im Vergleich zum
europäischen Umfeld als flexibel. Ich
glaube, das Beispiel Schweiz zeigt, dass
man einen funktionierenden Arbeitsmarkt
und gleichzeitig ein gut ausgebautes Sozi-
alsystem haben kann. Das muss kein Wider-
spruch sein. Die letzten zehn Jahre waren in
der Schweiz wirtschaftlich nicht einfach und
trotzdem funktionieren beide noch.
Was spricht für die Region Basel im
Speziellen?
Ein wichtiger Faktor ist die Tatsache,
dass wir hier viele verschiedene Firmen
haben, die in einem verwandten Bereich
tätig sind: Pharma, Biotech, Medtech, Che-
mie, Agro, Food – die Life Sciences eben.
Dies schafft Synergien. Es gibt kaum
sonstwo auf der Welt so viele Leute und Un-
ternehmen auf so engem Raum, die mit Life
Scienceszutunhaben,wieandiesemStand-
ort. Das ist ein bestechender Grund hierher
zukommen.NichtnurfürweitereLifeScien-
ces-Firmen, sondern für alle Unternehmen,
die an der Dynamik in unserer Region teil-
haben und zu ihr beitragen wollen.
Da dürfte auch die Konkurrenz um qua-
lifiziertes Personal höher sein?
Nicht nur die Konkurrenz um qualifi-
ziertes Personal, auch die Konkurrenz um
qualifizierte Arbeitsplätze ist höher. Faire
Konkurrenz schadet nie. Im Gegenteil:
Konkurrenz vor Ort trägt zum Erfolg auf
dem Weltmarkt bei.
Reichen die Ausbildungskapazitäten?
Nur ein kleiner Teil des Personals wie
Spitzenforscher(innen) oder Top-Mana-
ger(innen) werden global rekrutiert. Es ist
also wichtig, dass in der Region ausgezeich-
nete Berufsleute ausgebildet werden. Her-
vorragende Schulen und Hochschulen sind
ein Muss. Von der neugebildeten Fachhoch-
schule Nordwestschweiz verspreche ich mir
einen Schub für den Standort. Die vier be-
teiligten Kantone Aargau, Basel-Landschaft,
Basel-Stadt und Solothurn setzen mit dem
gemeinsamen Aufbau eines neuen Bereichs
Life Sciences in Muttenz ein bemerkenswer-
tes Zeichen.
Hans-Peter Wessels, ab 2006 Wirtschaftsförderer beider Basel, über Standortwerbung
«Auch die Nummer1 im Tennis
muss weiter trainieren»
Ab 2006 Wirtschaftsförderer beider
Basel: Hans-Peter Wessels. Foto Flierl
Hans-Peter Wessels, 43, ab 2006 Geschäfts-
führer der Wirtschaftsförderung Basel-Stadt
und Baselland, hat am Basler Biozentrum in
Biochemie doktoriert und war zuletzt Geschäfts-
führer des Zentrums für Pharmazeutische
Wissenschaften der Universität Basel und der
ETH Zürich (bis Ende 2005). Grossrat (SP)
1991–2000 und Feb. bis Dez. 2005, 1992–
2000 Präsident der Universitätskommission
des Grossen Rates. Verheiratet, zwei Kinder.
interview
An andern grossen Life Sciences-
Standorten gibt es berühmte Uni-
versitäten. Die Basler Uni mit Life
Sciences-Schwerpunkt ist klein – aber
fein?
Mit der Bereitschaft, die Universität ab
2007 gleichberechtigt mitzutragen, ermög-
licht der Kanton Baselland einen grossen
Schritt nach vorne. Ich schliesse mich dem
Universitätsratspräsidenten Ueli Vischer
an, der kürzlich in der baz gesagt hat, Qua-
lität sei das Mass aller Dinge und man
müsse viel Wert auf eine gute Ausbildung
legen. Als kleine Universität muss die Uni
Basel den Mut aufbringen, Schwerpunkte
zusetzen.DieserProzessistmitderimApril
2004veröffentlichtenPortfolio-Analysedes
Unirates in Gang gekommen.
Grosse Hoffnungen ruhen auf dem Bas-
ler ETH-Institut für Systembiologie?
Bei der Systembiologie handelt es sich
um ein langfristig vielversprechendes For-
schungsgebiet von zentraler Bedeutung.
Zudem verbessert das ETH-Institut in Basel
unsere Vernetzung mit der Zürcher Hoch-
schulforschung, die sehr stark ist. Die Ein-
richtung darf in der Öffentlichkeit jedoch
nicht als Projektionsfläche für übersteigerte
Hoffnungen dienen. Das ETH-Institut ent-
bindet die Universität Basel keineswegs,
selber zukunftsgerichtete Initiativen in den
Life Sciences zu ergreifen, wie das die ETH
und die Universität Zürich tun.
Sie sind grösser.
Das stimmt. Aber Grösse allein ist nicht
immer entscheidend. Es gibt Eliteuniver-
sitäten wie Harvard oder das MIT, die ge-
messen an der Studierendenzahl sehr klein
sind. Gerade wenn man klein ist, ist ein ge-
zielter Einsatz der Mittel absolut notwen-
dig. An der Universität Basel fällt auf, dass
es kostenintensive Bereiche gibt, für die
sich kaum Studierende interessieren. An-
dere überlaufen, sind aber massiv unterdo-
tiert.DieFakultätenorientierensichnurzö-
gerlich an der Nachfrage der Studierenden
und den Bedürfnissen der Wirtschaft. Im
Vergleich mit der sich agil bewegenden
Fachhochschule erscheinen die Entschei-
dungsprozesse an der Uni oft schwerfällig.
Reichen die Mittel für die Wirtschaftsför-
derung?
Fragen Sie mich das in einem Jahr. Es
stimmtzwar,dassdieMitteleherbescheiden
sind im Vergleich beispielsweise mit der
«Greater Zurich Area», wo sieben Kantone
zusammenspannen. Aber wir haben im Life
Sciences-Segment eine klare Leaderrolle
und damit exzellente Voraussetzungen.
Argumente statt Geld?
So könnte man das sagen.
Was nehmen Sie sich als Erstes vor?
Ein Ziel ist sicher, die Wirtschaftsförde-
rung Basel-Stadt und Baselland vor Ort be-
kannter zu machen. Das mag auf den
ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen
für eine Stelle, die von aussen Firmen
anziehen sollte. Aber es ist eine notwen-
dige Voraussetzung. Nur wenn die an-
sässigen Unternehmen wissen, wer wir
sind und was wir tun, können wir gegen
aussen wirksam auftreten. Die meisten
Firmen kommen ja nicht aus heiterem
Himmel hierher, sondern weil bereits eine
Beziehung zum Standort besteht, sei es
eine Geschäftsbeziehung oder auf persön-
licher Ebene.
An erfolgreichen Standorten wächst
die Bevölkerung, bei uns stagniert sie?
Wir können ja nicht nur quantitativ, son-
dern auch qualitativ wachsen. Wenn es uns
gelingt, weitere attraktive Firmen hier an-
zusiedeln, schlägt sich das in der Bevölke-
rungsstruktur nieder. Zudem müssen wir
wachsen, indem wir uns regional stärker
vernetzen mit unseren Nachbarkantonen,
aber auch mit unseren Partnern im Elsass
und in Südbaden.
«Die Region setzt alles
daran, den Life Sciences-
Cluster weiter zu stärken.
Davon profitiert die ganze
Wirtschaft.»
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30___metrobasel report
autoren
metrobasel steht
vielen offen
metrobasel ist neu als eingängige, international ausge-
zeichnet kommunizierbare Marke für die trinationale Me-
tropolitanregion Basel lanciert. Es freut BAK Basel Eco-
nomics und seine
Partner, dass sich
immer mehr Re-
präsentanten der
Zivilgesellschaft –
Bürgerinnen und
Bürger – für eine
starke trinatio-
nale Metropolitanregion Basel und als Mittel hiezu für
den Gebrauch des Brands metrobasel einsetzen wollen.
PROJEKT TRANSLEARN. So wird zum Beispiel das hy-
perWerk der Fachhochschule Nordwestschweiz unter
dem Brand «metrobasel translearn» Projekte lancieren,
in welchen auch die Arbeiten von BAK Basel Economics
in den Themenfeldern internationale Wettbewerbs-
fähigkeit des Life Sciences-Standortes Basel einerseits
und negative Auswirkungen der politischen Fragmen-
tierung der Region andererseits auf neuartige Weise an
die Einwohner und Einwohnerinnen von metrobasel
herangetragen werden.
DieMarkemetrobaselstehtallenzurVerfügung,die
sich mit Projekten an der Förderung der metropolita-
nen Region Basel beteiligen wollen oder sich als Teil
von metrobasel bezeichnen. Um den Schutz der Marke
vor Missbrauch zu sichern, wurde eine metrobasel
GmbH gegründet, an der BAK Basel Economics mehr-
heitlich, als Partner Prof. Jacques Herzog und Prof.
Pierre de Meuron vom ETH-Studio sowie die baz betei-
ligt sind. Geschäftsführer und Ansprechperson ist Peter
A. Zahn, St. Jakobsstr. 7, 4002 Basel, Postfach 2879,
061 278 99 55, peter.andreas.zahn@fromer-law.com
Schriftzug zur Marke metrobasel
für die metropolitane Region Basel.
Autoren der metrobasel reports
Christoph Koellreuter (1944)
Mitbegründer, Direktor,
Chefökonom und VR-Präsident von
BAK Basel Economics.
Studium der Volkswirtschaft an der Uni-
versität Basel, wissenschaftlicher Mit-
arbeiter bei der OECD, Paris, Master of
Public Administration an der Queens
University, Kingston, Kanada, Projektlei-
ter für Konjunkturprognosen bei Prog-
nos AG, Basel. 1980 Gründung der
BAK Basler Arbeitsgruppe für Konjunk-
turforschung als Spin-off der Universität
Basel und von Prognos AG. Seit 1987
geschäftsführender Direktor und Präsi-
dent des Verwaltungsrates von BAK
Basel Economics. Mitglied des Verwal-
tungsrates von Oxford Economic Fore-
casting Ltd., Oxford, und Skandia Leben
(CH) AG sowie Vorstandsmitglied der
Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesell-
schaft Basel und der Vereinigung Bas-
ler Ökonomen.
Urs Müller (1957)
Senior Consultant
Studium an den Universitäten von Basel
und Harvard, Cambridge, USA, 1981–
1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei
BAK, 1985–1989 Oberassistent am
Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum
(WWZ) der Universität Basel,
1989–1996 stellvertretender Direktor
von BAK, 1996–2005 Chef der Finanz-
verwaltung des Kantons Basel-Stadt,
seit 2005 Senior Consultant bei BAK
Basel Economics; nebenamtlich seit
1998 Professor für Nationalökonomie in
empirischer Wirtschaftsforschung und
Public Finance an der Universität Basel.
Thomas Schoder (1966)
Senior Economist, Leiter Branchen-
und Nachhaltigkeitsstudien
Studium der Volkswirtschaftslehre und
Politikwissenschaft in Tübingen und
Freiburg im Breisgau, seit 1994 bei
BAK Basel Economics. Er ist im Be-
reich International Benchmarking für
Branchenstudien verantwortlich und lei-
tet das transnationale Interreg IIIB
Nachhaltigkeits-Projekt MARS (Monito-
ring Alpine Regions’ Sustainability).
Branchenspezialist für die chemisch-
pharmazeutische Industrie und den
Life-Sciences-Sektor. Leitet seit 1996
das Projekt «Regio-Plus», seit 2001
das Projekt «Analyse und Prognose der
regionalen Wirtschaftsstrukturen in
der Nordwestschweiz» und seit 2005
das Projekt «metrobasel».
Manuela Merki (1980)
Economist
Studium der Wirtschaftswissenschaf-
ten an den Universitäten Basel und
Lausanne. Seit 2005 arbeitet Manuela
Merki bei BAK Basel Economics, vor
allem im Bereich Life Sciences und
Kommunikationsbranche. Sie bearbei-
tet mehrere Länder im Rahmen des In-
ternational Benchmark Clubs und ist
Regionalverantwortliche für die Region
Alsace.
autoren
08____Obertüllingen. Blick über metrobasel. Eine attraktive Landschaft ist Voraussetzung für eine attraktive Stadt.
Andreas Steffes (1976). Economist
Studium des Steuerrechts an der Fachhochschule
für Finanzen des Landes Nordrheinwestfalen,
Nordkirchen, und der Volkswirtschaft an den Uni-
versitäten Bonn und Basel. Nachdiplom-Studien
im Bereich «Nachhaltigkeit». Seit 2005 als Econo-
mist bei BAK Basel Economics. Seine Schwer-
punkte liegen im Bereich Nachhaltigkeit, Innovati-
onsfaktoren und Life Sciences. Bearbeitet meh-
rere Länder im Rahmen des International Bench-
mark Clubs und ist Regionalverantwortlicher für
die Regionen Schwyz, Obwalden und Zug.
marketing live.
Art|Basel, Art|Basel|Miami Beach, BASELWORLD, Basler Weinmesse, Berufsmesse Zürich, BuchBasel, focus.
technology forum, GiardinaZÜRICH, go, herbschtwaremäss, Hilsa, Holz, Igeho, ILMAC, ineltec, in_side,
Lefa, mavex, MipTec, muba, powertage, staplex, Swissbau, SWISS-MOTO, Swiss Sensor Market,
Swisstech, WORLDDIDAC Basel, XCHAIN, Zürcher Weinmesse, Züspa www.messe.ch
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metrobasel report 2005

  • 1. report eine Beilage der vom 8. November 2005 In Life Sciences an der Weltspitze Zum ersten Mal: Die metropolitane Region Basel im Vergleich mit 15 andern metropolitanen Standorten in Europa und Übersee Zum ersten Mal: Die metropolitane Region Basel im Vergleich mit 15 andern metropolitanen Standorten in Europa und Übersee In Life Sciences an der Weltspitze
  • 2. inhalt metrobasel report___3 Heute erreicht die metropolitane Re- gion Basel – prägnant metrobasel ge- nannt – einen Meilenstein. Denn heute veröffentlicht die Basler Zei- tung den ersten metrobasel report. VonBAKBaselEconomics,demTeam Christoph Koellreuters mit der Unter- stützung von vielen Partnern erarbei- tet,zeigtdieseersteAusgabeinbisher unerreichter Schärfe auf, wo metro- basel sehr stark geworden ist: In der Branche der Life Sciences, mit Pharma, Agro, Medizinaltechnik und vielen spezialisierten Forschungs- und Entwicklungsunternehmen. Der metrobasel report weist nach: Das tri- nationale, in vielen metropolitanen Beziehungen mit dem Zentrum Basel verwobene Gebiet, das von Laufen- burg bis Sierentz und von Lörrach bis Delémont reicht, kann sich mit den Besten der Welt vergleichen. Wer immer künftig über metrobasel spricht, hier wird er seine Argumente finden. IN BEWEGUNG. Dass sich metrobasel kräftigbewegt,lässtsichanvielemab- lesen. Unglaublich, was in letzter Zeit alles in Gang gekommen ist. Im St. Jo- hannbautNovartisaufihremCampus mit grosser Entschlossenheit eine ein- zigartige Stadt des Wissens, am Rhein soll auch für das Publikum vieles an- ders werden. Stromaufwärts am rech- ten Ufer ist Roche das weltweit führende Unternehmen auf dem Ge- biet der Krebsbehandlung (und welt- berühmter Hoffnungsträger in Sa- chen Vogelgrippe) geworden. Beide Firmen haben wiederum mit glänzen- den Zwischenresultaten brilliert. Syn- genta als Agrokonzern, der Vitamin- hersteller DSM engagieren sich in metrobasel. Zwischen den «Leucht- türmen» ist in den letzten Jahren ein lebhaftes Biotop herangewachsen. Ei- nige der einst kleinen Spin-offs sind zu Powerhäusern hochgewachsen. Das früher als Chemiestadt etiket- tierte Basel und die mit ihm eng ver- flochtene Region haben sich erfolg- reich zum Life Sciences-Standort ge- wandelt. Doch auch die Stadt selbst und der Kanton Baselland haben weit reichende Entwicklungsprojekte an die Hand genommen. Ein ETH-Insti- tut für Systembiologie befindet sich in denStartlöchern,diebeidenBaselrei- chen sich die Hand, um gemeinsam der für metrobasel so wichtigen Uni- versität im Zentrum mehr Schub und vorerst mehr Sicherheit zu verschaf- fen. So viel Bewegung war schon lange nicht mehr. VORWÄRTS BLICKEN. Doch wer die Zukunft meistern will, muss seine Schwächen in der Gegenwart ken- nen. Der metrobasel report benennt auch sie. So kräftig metrobasel sich alsLifeSciences-Standortdarstellt,so einzigartig ist er auch in seiner politi- schen Zerstückelung. Viele Akteure müssen enger zusammenarbeiten, wenn die Dynamik von metrobasel erhalten und gefördert werden soll. Auch dazu wird heute eine Analyse geliefert. Zum Dritten richtet BAK Basel Economics die Teleskope in die Zukunft. Der metrobasel outlook – so ebenfalls eine Premiere – bietet neu auch differenzierte Aussagen für die Teilgebiete. Das Projekt metrobasel auf einen ersten Gipfel zu bringen, hat Mut und die Anstrengung und finanzielle Un- terstützung vieler Partner verlangt. Dass das ins Auge gefasste Ziel er- reicht worden ist, mag als Beweis dafür gelten, wie stark metrobasel vorwärts blickt. Martin Hicklin metrobasel report: Ein Meilenstein für eine starke Region Metrobasel steht für einen urbanen Lebens- raum: den trinationalen Metropolitanraum Basel. Er umfasst die dicht gebaute Stadt, ebenso sehr aber auch die Landschaft da- rumherum und dazwischen. Die auf den fol- genden Seiten abgebildeten, grossen Pa- noramen porträtieren diese Stadtlandschaft ähnlich wie alte Stadtveduten. Sie zeigen nicht nur, wie attraktiv und lebenswert metroba- sel ist, sie zeigen vor allem auch, welche Po- tenziale dieser Metropolitanraum hat. Die Bil- der entlang dem Rhein weisen auf Orte hin, deren Potenzial als Arbeits- und Wohnort noch nicht voll ausgeschöpft ist. Die ehemali- gen Industriestandorte könnten zu Quartieren einer attraktiven Stadt am Wasser werden. Diesen Stadtbildern stehen Bilder der Land- schaft des Rheintals und seiner Seitentäler gegenüber. Sie zeigen den gemeinsamen Le- bensraum der grossen trinationalen Agglome- ration. Die drei Landschaftsbilder, in Deutsch- land, Frankreich und der Schweiz aufgenom- men, bringen die einmalige Qualität der Region zum Ausdruck: eine weite Landschaft, offen und ohne Grenzen. Emanuel Christ, ETH-Studio Basel METROBASEL IN PANORAMEN IMPRESSUM Redaktion: Martin Hicklin. Bildkonzeption: ETH-Studio Basel, Emanuel Christ, David Vaner. Panoramafotos: David Vaner. Layout: Birgit Leifhelm. Korrektorat: Andreas Herzog. Inserate: Publicitas AG Basel www.bakbasel.com, www.baz.ch/metrobasel 5 Warum metrobasel jetzt? BAK-Chefökonom Christoph Koellreuter über die metrobasel-Projekte 6 Life Sciences: Eine Erfolgsgeschichte Der erste metrobasel report zeigt, wo metro- basel Spitze ist — und Schwächen hat. 16 3 Länder, 8 Kantone und ein Landkreis Die Fragmentierung der metropolitanen Region behindert das Wachstum. 22 metrobasel wächst 2006 schneller metrobasel outlook über die Aussichten der metropolitanen Region und ihrer Teilgebiete. 24 Reiches Biotop zwischen den Leuchttürmen Martin Hicklin über den frühen Start und das Aufblühen der Life Sciences in metrobasel. 25 Das bkb Forum 28 Trainieren als Nummer 1 Hans-Peter Wessels sagt, wie er ab 2006 den Standort fördern will. 30 metrobasel als Marke 30 Die Autoren
  • 3. vorwort Mit metrobasel geben wir dem Wirt- schaftsraum Basel einen Namen, der auf seine metropolitane Stärke ver- weist. Der erste metrobasel report be- legt, wie gross er in der Life Sciences- Branche geworden ist. Die Wachstumsbranche Life Sciences – bestehend aus Pharma, Agro, Medizinal- technik und den in diesen Bereichen spe- zialisierten Forschungs- und Entwicklungs- unternehmen – vor allem aus dem Bereich der Gen- und Biotechnologie – prägt den Wirtschaftsraum Basel immer mehr. Der vorliegende, als Beilage zur Basler Zeitung erscheinendeerstemetrobaselreportdoku- mentiert und analysiert diese Erfolgsstory, basierend auf einem von BAK Basel Econo- mics erstmals durchgeführten Vergleich mit den 15 wichtigsten Life Sciences-Re- gionen in Nordamerika und Westeuropa. STARKE PARTNER. Zu den ersten Auftrag- gebern dieses längerfristig angelegten Benchmarkings von Life Sciences-Stand- orten gehören die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Zürich sowie die Stadt Zürich, die Greater London Authority und die Verbände Interpharma, VSAC und Unia. Den Projektteilnehmern und Finan- ciers der ersten Stunde sei für ihren Mut gedankt, zusammen mit BAK ein Projekt lanciert zu haben, in dem es schwierige konzeptionelle und statistische Herausfor- derungen zu bewältigen galt. WO KRITISCHE MASSE NOCH FEHLT. Bei einigen für den längerfristigen Erfolg der Life-Sciences-Branche wichtigen Rahmen- bedingungenfindenwirdenStandortBasel allerdings auf den letzten Plätzen. Dies gilt insbesondere für die für die Life Sciences- Branche so wichtige Grundlagenforschung im Hochschulbereich, in der die kritische Masse bei Weitem nicht erreicht ist, um längerfristig im «War for Talents» die Ober- hand behalten zu können. Diese missliche Lage ist unter anderem eine Folge der inne- ren Zerschnittenheit der Wirtschaftsregion Basel durch Landes- und Kantonsgrenzen, welche die Bereitstellung und Finanzie- rung öffentlicher Leistungen sehr er- schwert und einen wirklich integrierten regionalen Binnenmarkt verhindert. Der Umstand, dass die Life Sciences- Region Basel ohne stärkere Integration ihrer verschiedenen Teile längerfristig ge- fährdet sein könnte, hat rund 20 Unterneh- men, Verbände und Gebietskörperschaften aus der trinationalen Metropolitanregion Basel bewogen, zusammen mit BAK Basel Economics die Projekte metrobasel report, outlook und forum zu lancieren. Mit diesen Produkten soll den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft sowie letztlich allen Bürgerinnen und Bürgern der tri- nationalen Metropolitanregion Basel min- destens einmal jährlich vor Augen geführt werden, ob sich die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Region im Vergleich zu Konkurrenz- regionen verbessert, gleich bleibt oder sich gar verschlechtert. Mit den metrobasel- Projekten von BAK Basel Economics sollen die Angesprochenen sensibilisiert und mobilisiert werden, die nötigen Beiträge zu leisten, damit aus der fragmentierten tri- nationalen Agglomeration Basel (TAB) eine dynamische Metropolitanregion wird. IM WETTBEWERB POSITIONIEREN. Jede Wirtschaftsregion muss sich in der globali- sierten Weltwirtschaft auf den für sie rele- vanten Zielmärkten positionieren. In der EinschätzungvonBAKBaselEconomicsund den rund 20 Partnern ihrer metrobasel-Pro- jekte erfüllt der Brand metrobasel diese An- forderung am ehesten: Die Nordamerikaner (wichtig für die Life Sciences-Metropole Basel) wissen beim Begriff metrobasel so- fort, um was es sich handelt: «metro» ist für sie Metro Boston, Metro San Diego etc. und steht für urbane Agglomeration. METROPOLITANREGION. InEuropaund auch in der Schweiz setzt sich der Begriff Metropolitanregion zusehends durch: > In den Avenir-Suisse-Studien mit dem ETH Studio wie auch mit BAK Basel Economics wurde dieser Begriff konse- quent verwendet. > Die europäische Vereinigung der Metro- politanregionen «Metrex» propagiert selbstverständlich den Begriff ebenfalls. > Die wohl berühmteste grenzübergrei- fende europäische Metropolitanregion Lille nennt sich Lille Métropole. Es freut BAK Basel Economics und seine Partner, dass sich offensichtlich immer mehr Repräsentanten der Zivilgesell- schaft – letztlich Bürgerinnen und Bürger – für eine Stärkung der trinationalen Metro- politanregion Basel und als ein Mittel hierzu für den Gebrauch des Brands metrobasel einsetzen wollen. ALLE DABEI. Wichtig ist die Verankerung der metrobasel-Projekte von BAK Basel Economics in den verschiedenen Regionen. So hegen die Communautés des Com- munes des Trois Frontières, der Kanton Jura und der Bezirk Delémont, das Forum Fricktal sowie die Stadt und der Landkreis Lörrach die Absicht, sich ebenfalls an den metrobasel-Projekten zu beteiligen. Die Vereinigung Regio Plus als Vertreterin der solothurnischen Bezirke Thierstein und Dorneck sowie Pro Laufental haben sich bereits für ein Mitmachen entschieden. Auf der Basis dieser regionalen Projekt- partnerschaften wird BAK Basel Economics in den Hauptorten dieser Regionen auf sie fokussierte dezentrale metrobasel foren durchführen. Warum metrobasel jetzt Christoph Koellreuter, Chefökonom von BAK Basel Economics. metrobasel report___5 «Jede Wirtschaftsregion muss sich in der globalisierten Weltwirtschaft auf den wichtigen Zielmärkten positionieren.» AARGAU SIERENTZ BASEL- STADT BASELLAND JURA SOLOTHURN FERRETTE HUNINGUE LÖRRACH metrobasel – eine klare Marke für die trinationale metropolitane Wirtschaftsregion Basel.
  • 4. metrobasel report Hohes Wachstumstempo, überdurch- schnittliche Produktivität, mehr Ar- beitsplätze: Die metrobasel-Region kann sich in den Life Sciences mit den Besten messen. Mit der Entwicklung neuer Methoden, insbesondere in den Bereichen der Gen- und Biotechnologie, der Markteinführung zahlreicher neuer Medikamente und diag- nostischer Hilfsmittel gegen unterschied- liche Krankheiten und dem hohem Innova- tionstempo hat die Wachstumsbranche Life Sciences in den letzten Jahren weltweit ihr Potenzial unter Beweis gestellt. Der trina- tionale Wirtschaftsraum metrobasel – seit jeher als traditioneller Chemie-Standort bekannt – hat den Aufsprung auf diesen in hohem Tempo vorpreschenden Zug ge- schafft. Die von BAK Basel Economics erarbei- tete Informationsbasis vergleicht die tri- nationale Metropolitanregion Basel mit 15 bedeutenden Life Sciences-Regionen in Nordamerika und Europa. Die Studien- ergebnisse liefern detaillierte Informatio- nen für alle an der Leistungsfähigkeit und den Rahmenbedingungen der Life Scien- ces-Industrie Interessierten und unterstüt- zen politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsvertreter im Hinblick auf ihre Kenntnisse der Entwicklung und Auswir- kungen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Handlungsfelder. DIE KONKURRENTEN. Beim Benchmar- kingvonBedeutungundLeistungsfähigkeit der Life Sciences-Branche bildet der Ver- gleich mit ausgewählten Regionen das Kernelement. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf andere bereits etablierte Life Sciences-Regionen, sondern es werden auch Vergleichsregionen ins Augenmerk genommen, denen ein grosses Wachstums- potenzial zugesprochen wird und die in der öffentlichen Wahrnehmung als poten- zielle «Konkurrenten» gesehen werden. Als Benchmarking-Regionen wurden deshalb die beiden Schweizer Regionen Zürich und das Bassin Lémanique (Genf und Waadt), die US-Regionen New Jersey, Boston, New York, Südkalifornien (Los Angeles und San Diego) und die San Francisco Bay Area, die britischen Regionen Oxford und London metrobasel im internationalen Vergleich Life Sciences: Eine Erfolgsgeschichte 6___metrobasel report Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Nominale Bruttowertschöpfung USD 6,6 Mrd., EUR5,3 Mrd., CHF8,2 Mrd. Anteil der Life Sciences an der Gesamtwirtschaft 13,2% Durchschnittliche reale Wachstumsrate 1990 – 2004 7,11% p.a. Nominale Stundenproduktivität Gesamtwirtschaft USD 63, EUR 51, CHF 79 Nominale Stundenproduktivität Life Sciences-Industrie USD 170, EUR 137, CHF 212 Beschäftigung Life Sciences-Industrie 27800 Personen > Agro 5,2% > Pharma/Biotech 89,6% > Medtech 5,2% Anteil der Life Sciences an der Gesamtwirtschaft 5,8% DIE LIFE SCIENCES-INDUSTRIE IN METROBASEL Quelle: BAK Basel Economics
  • 5. metrobasel report sowie München, Paris, Wien und die Öre- sund-Region (Kopenhagen und Malmö) ausgewählt. WAS SIND LIFE SCIENCES? Die Life Sciences umfassen die Segmente Agroche- mie, Pharma/Biotechnologie und Medizi- naltechnik. Nicht zum Life Sciences-Sektor zählen dagegen die Roh- und Grundstoff- chemie sowie die Spezialitätenchemie. Alle Life Sciences-Anwendungsgebiete haben eines gemein: Im Fokus der Aktivitäten steht immer das Leben von Mensch, Tier und Pflanze. Die Branche ist allerdings sehr heterogen und umfasst junge Biotech- Start-ups ebenso wie gewachsene milliar- denschwere Pharmakonzerne. LIFE SCIENCES-CLUSTER METROBASEL. Im trinationalen Wirtschaftsraum metro- basel darf durchaus von einem so ge- nannten Life Sciences-Cluster gesprochen werden: Einer Häufung von konkurrieren- den, kooperierenden und voneinander ab- hängigen Unternehmen der Life Sciences- Branche, die durch ihre räumliche Konzen- tration von positiven externen Effekten wie Agglomerationsvorteilen, lokal ver- fügbaren Arbeitskräften mit einem spezi- fischen Qualifikationsprofil sowie bereichs- spezifischer Forschung und Ausbildungsan- geboten profitieren. Ein Cluster ist also per Definition mehr als die Summe seiner Teile. Die Stärke der Life Sciences-Branche 01____Hafen St. Johann und Novartis Campus. Urbanes Potenzial wird aktiviert. Industrieanlagen werden lebendige Stadt. Innovationskraft der Life Sciences in metrobasel stärken! Die Life Sciences-Industrie im trinationalen Me- tropolitanraum metrobasel blickt auf eine ein- zigartige Erfolgsgeschichte zurück: In keiner Region der Welt findet sich eine solche Kombi- nation von sowohl hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung als auch Wachstumsdynamik der Branche, die sich aus den Segmenten Agro- chemie, Pharma/Biotechnologie und Medizi- naltechnik zusammensetzt. Was muss getan werden, damit das in Zukunft so bleibt? Der internationale Vergleich mit anderen Life Sciences-Regionen zeigt, dass metrobasel Grössennachteile – vor allem im Vergleich mit US-Regionen – besitzt. Metrobasel ist eine Re- gion, die sich über drei unterschiedliche Natio- nen erstreckt. Die verschiedenen Teilgebiete tragen sehr unterschiedlich zur Erfolgsge- schichte bei, denn der Life Sciences-Sektor fin- det vor allem im Schweizer Teil von metrobasel statt. Dafür dürften die unterschiedlichen na- tional bedingten Rahmenbedingungen in hohem Mass verantwortlich sein. Die Akzeptanz neuer Technologien ist in der Schweiz grösser als in vielen anderen Län- dern. Gen- und Biotechnologie sind akzeptier- ter als in Europa, vor allem als in Deutschland und Frankreich, Stammzellenforschung sogar akzeptierter als in den USA. Die direktdemo- kratische Entscheidungsfindung bei Fragen der Technologieakzeptanz gibt Investoren auf Schweizer Boden mehr Planungssicherheit. Auch die regulatorischen Rahmenbedingun- gen sind in der Schweiz günstiger als in Deutschland oder Frankreich: der Arbeits- markt ist weniger reguliert und die Steuern für Unternehmen oder hoch qualifizierte Arbeit- nehmer bei Weitem niedriger. Neben den Rahmenbedingungen ist die re- gionale Wissensbasis der letztlich zentrale Standortfaktor. Zwar ist die Situation bezüglich privater Forschungsgelder sehr gut, aber die öffentliche Hochschulsituation schneidet in Bezug auf Masse an Qualität schlecht ab. Noch ist es nicht gelungen, die Fragmentie- rung und politische Zerrissenheit von metroba- sel zu überwinden. Will man im «war for ta- lents» bestehen und die Präsenz und Dynamik der Big Players in kreatives Unternehmertum, Innovationskraft und Wohlstand umsetzen, müssen insbesondere der deutsche und der französische Teil von metrobasel mehr zu den Innovationsressourcen beitragen. Ihnen wird in Zukunft die Aufgabe zufallen, auf ihren Territo- rien Forschungszentren mit öffentlichen Gel- dern aufzubauen, welche dann dringend benötigte Kapazitäten im Bereich der Grundlagenforschung be- reitstellen. metrobasel report___7 AARGAU SIERENTZ BASEL- STADT BASELLAND JURA SOLOTHURN FERRETTE HUNINGUE LÖRRACH Die Life Sciences umfassen die Segmente Agrochemie, Pharma/Biotechnologie und Medizinaltechnik.
  • 6. metrobasel report in metrobasel ist weltweit einzigartig: Die Branche generiert im trinationalen Raum metrobasel mehr als 13 % der Wertschöp- fung. Die räumliche Definition des Life Sci- ences-Clusters macht dabei nicht an beste- henden politisch-administrativen Grenzen Halt: Von den rund 27800 Personen, die die Branche im Raum metrobasel beschäf- tigt,arbeitenrund14 %imdeutschen,rund 5 % im französischen und 81 % im schwei- zerischen Metropolitangebiet. Die Branche produziert zu laufenden Preisen jährlich mehr als 6,6 Milliarden USD (5,3 Mrd. EUR oder 8,2 Mrd. CHF) an Wertschöpfung und ist in den letzten 15 Jahren im Durch- schnitt real um jährlich 7,1 % gewachsen. Die Gesamtwirtschaft hat in derselben Periode um lediglich 1,6 % real pro Jahr zugelegt. ÜBERDURCHSCHNITTLICH PRODUKTIV. Die Life Sciences-Branche zeichnet sich darüber hinaus durch ein deutlich über- durchschnittliches Produktivitätsniveau aus: Pro eingesetzter Arbeitsstunde gene- riertdieLifeSciences-Branchemehrals2,5- mal mehr Wert als die Gesamtwirtschaft (Stundenproduktivität nominal Gesamt- wirtschaft: USD 63/EUR 51/ CHF 79, Life Sciences: USD 170/EUR 137/CHF 212). Der Produktivitätsvorsprung hat sich insbe- sondere in den letzten zehn Jahren, durch die ausgesprochen grossen Produktivitäts- gewinne in der Life Sciences-Industrie, deutlich ausgeweitet. Dies ist insbesondere gelungen, weil innerhalb der chemisch- pharmazeutischen Industrie eine Fokussie- rung auf die Pharmasparte stattgefunden hat, während speziell in der klassischen Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate –8% –4% 0% 4% 8% 12% 16% 1990–2000 2000–2004 B assin Lém aniqueS chw eiz m etrobasel N ew Jersey O xford LondonM ünchen S F B ay A rea Ö resund P aris Zürich N ew York B oston S outhern C aliforniaM ilano W ien Schweiz Beitrag am BIP-Wachstum Bassin Lémanique New Jersey Öresund Milano SF Bay Area London Oxford München Paris Boston Southern California Zürich New York metrobasel Wien –8% –4% 0% 4% 8% 12% 16% 0% DurchschnittlichesWachstum00–04 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% Anteil Life Sciences am BIP, 2004 2000–2004, basierend auf USD zu Preisen von 1995 und PPP 1997 3% 2% 1% 0,5% BEITRAG DER LIFE SCIENCES-INDUSTRIE ZUM REALEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM WACHSTUM DER BRUTTOWERTSCHÖPFUNG IN DER LIFE SCIENCES-BRANCHE 8___metrobasel report Quelle: BAK Basel Economics Quelle: BAK Basel Economics
  • 7. metrobasel report Chemie (Roh-, Grundstoffe, Farben) abge- baut wurde. Nebst dem beeindruckenden Produkti- vitätswachstum ist es der Branche gelun- gen,gleichzeitigauchneueArbeitsplätzezu schaffen. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist zwischen 1995 und 2004 im Raum metro- basel um jährlich rund 3,5 % gewachsen, im Vergleich zu weniger als 0,7 % in der Gesamtwirtschaft. METROBASEL LÄSST ALLE HINTER SICH. Die Life Sciences-Industrie im Raum metro- basel sucht auf dem internationalen Spiel- feld vergebens nach seinesgleichen. In kei- ner anderen Region ist die Life Sciences-In- dustrie von so starker Bedeutung wie in der trinationalen Metropolitanregion Basel. Die Region weist nicht nur den grössten Anteil der Life Sciences-Branche an der Gesamt- wirtschaft auf, auch das Wachstum im Zeit- raum 2000–2004 zählt zu den höchsten unter den Vergleichsregionen. Zwar konnte das Bassin Lémanique die Region Basel hin- sichtlich Dynamik zwischen 2000 und 2004 leicht übertreffen. Die Kombination von hohem Anteil und hoher Wachstumsdyna- mik ist jedoch einzigartig: Mehr als 1,2 Pro- zentpunkte gesamtwirtschaftliches Wachs- tum verdankt die Region allein der Life Sciences-Industrie. (Zur Illustration siehe Grafik «Der Beitrag der Life Sciences-Indu- strie zum realen Wirtschaftswachstum».) Nebst der herausragenden Erscheinung von metrobasel überrascht, dass in den meistenUS-RegionendasWachstumimbe- trachteten Zeitraum vergleichsweise gerin- ger ausfällt. Ausnahme ist dabei New Jer- sey, das ähnlich wie Basel ebenfalls einen hohen Anteil Pharmaproduktion aufweist. Auch die Region Öresund fällt auf: Die (wie Basel) ebenfalls länderübergreifende Me- tropolitanregion hat insbesondere im Phar- mabereich mit einer Verdreifachung der Wertschöpfung seit 1994 ein hohes Wachs- tumstempo vorgelegt. UNTERSCHIEDLICH STRUKTURIERTE LIFE SCIENCES-BRANCHE. Zürich fällt im Ver- gleich zu den beiden anderen Schweizer Regionen (Bassin Lémanique und metroba- sel) ab. Dabei muss insbesondere beachtet werden, dass die Life Sciences-Branche im Kanton Zürich ganz anders strukturiert ist. Im Gegensatz zu metrobasel ist Zürich auf die Medizinaltechnik spezialisiert, welche speziell Anfang der Neunziger starke Um- strukturierungen erfahren hat, sich in den letzten Jahren aber zusehends wieder dy- namischer zeigt. Nicht alle Regionen haben von der Be- schleunigung der Life Sciences-Branche gleichermassen profitieren können. In eini- gen hat sich das Wachstumstempo in den letzten Jahren eher etwas verlangsamt. Die Grossregion Wien weist als einzige der aus- gewählten Regionen ein negatives Wachs- tum in den jüngsten Jahren auf. Dies insbe- sondere dadurch, dass die Agrochemie und der Pharmabereich starke Restrukturie- rungen und Redimensionierungen hinneh- men mussten. MEHR ARBEITSPLÄTZE. Die Life Sciences- Industrie war allerdings in der Vergangen- heit nicht nur ein wichtiger Wachstums- motor, sondern zeigt sich auch als treibende Kraft in Bezug auf die Schaffung von Ar- beitsplätzen. In der metrobasel-Region ist die Zahl der Erwerbstätigen im Bereich der Life Sciences seit 1990 um jährlich beinahe drei Prozent gewachsen. Ruft man sich in Erinnerung, dass die Gesamtwirtschaft in der gleichen Zeitperiode kaum Arbeits- plätze geschaffen hat (das Wachstum der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft be- trug1990–2004gerademal0,2%proJahr), darf man im Falle der Life Sciences-Branche im Raum metrobasel von einer wahren Er- folgsgeschichte sprechen. In einigen Ver- metrobasel report___9 02____ EuroAirport Basel-Mulhouse. Das grösste grenzüberschreitende Projekt im Wirtschaftsraum Basel. Die Bahn in metrobasel. Tausende fahren zur Arbeit. Foto Roland Schmid Die Life Sciences-Industrie im Raum metrobasel sucht auf dem internationalen Spielfeld vergebens nach ihresgleichen.
  • 8. Seine schönsten Erinnerungen bewahrt er tief in seinem Herzen. Es freut uns, dass Sie es genauer wissen möchten: www.novartis.ch Karl Thommen blickt mit Stolz auf seine sportlichen Erfolge vor mehr als 10 Jahren zurück, als er an den Europa- und Weltmeister- schaften für Transplantationspatienten zwölf Gold-, neun Silber- und zwei Bronzemedaillen im Weitsprung und in anderen Disziplinen gewann. Doch diese Erinnerungen verblassen gegen- über denen seiner früheren Herztransplantation, die ihm das Leben rettete. Mit der Hilfe eines innovativen Medikamentes von Novartis, welches das Abstossen von fremdem Gewebe verhindert, kann Karl Thommen auch weiterhin aktiv Sport treiben und darf sich auch in Zukunft auf weitere schöne Erinnerungen freuen.
  • 9. gleichsregionen fällt die Beschäftigungsent- wicklung weit weniger erfreulich aus. In der trinationalen Agglomeration Basel beschäf- tigt die Branche zurzeit rund 27800 Perso- nen, was einem Anteil von rund 5,8 % aller Erwerbstätigen der Region entspricht. Ein zentraler Faktor, der die trinatio- nale Region metrobasel in Bezug auf das Wachstum der Zukunftsbranche Life Sci- ences in der vordersten Liga spielen lässt, ist die hohe Produktivität der Branche. Die metrobasel-Region hat in Bezug auf ihre Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Life Sciences mit Blick auf die Zukunft eine ausgesprochen gute Ausgangsposition. Die Kunst wird darin bestehen, die entspre- chenden Rahmenbedingungen so zu set- zen, dass sich die Branche auch künftig ent- falten kann. Die Autoren dieser Studie sind auf Seite 30 aufgeführt. metrobasel report Konkurrenzfähige Steuern, flexibler Arbeitsmarkt und Planungssicherheit Standortattraktivität als Herausforderung Die Analyse der wirtschaftlichen Leis- tungsfähigkeit des Life Sciences-Stand- orts metrobasel im internationalen Ver- gleich zeigt, dass die Region in der obersten Liga mitspielt. Die Unternehmen des Life Sciences- Sektors stellen hohe Anforderungen an ihren Standort. Viele dieser Standortfakto- ren sind politisch beeinflussbar und für die gezielte Entwicklung und Förderung eines Standortes sehr bedeutsam. Dabei sind Anforderungen, die stärker der Forschung und solche, die stärker der Produktion zu- zuordnen sind, zu unterscheiden. Zum einen ist demnach der Bereich der Wissens- produktion und -diffusion interessant, zum anderen der Bereich all jener Faktoren, die die Anreize zur vollen Entfaltung der un- ternehmerischen Leistungsfähigkeit be- stimmen. SCHWEIZER STEUERN ALS ANREIZ. Die Anreizstrukturen können durch unter- schiedliche Einflüsse mehr oder weniger belastet sein, wie zum Beispiel die Be- steuerung von Unternehmensgewinnen oder der hoch qualifizierten Arbeitskräf- ten und Marktregulierungen. In Fragen der Besteuerung zeigt sich die Schweiz in- ternational sehr konkurrenzfähig. Die Be- steuerung von Unternehmen und hoch qualifizierten Arbeitskräften ist im inter- nationalen Vergleich relativ gering. Die durchschnittliche Steuerbelastung von Unternehmen variiert deutlich zwischen den relevanten Vergleichsregionen: Sie ist am niedrigsten in Irland (ca. 14%) und am höchsten in Deutschland in der Region München (im Durchschnitt ca. 37%). Basel schneidet dabei international her- vorragend ab (22%), befindet sich jedoch 5,6 Beschäftigte in Tausend 83,1 43,3 65,3 27,8 9,6 11,682,5 62,4 45,4 13,7 38,0 1,9 7,4 37,84,5 Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1990 bis 2004 in Prozent –4 –2 0 2 4 Bassin Lém anique Schw eiz ZürichN ew YorkÖ resund Southern California M ilano SF Bay Area Boston London W ien O xford m etrobasel N ew Jersey M ünchen Paris 6 ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNG IN DER LIFE SCIENCES-INDUSTRIE 0 = keine Regelung 6 = sehr restriktiv D änem ark G rossbritannien Irland USA Schw edenD eutschland Schw eiz Frankreich Japan Italien Österreich 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 ADMINISTRATIVE HÜRDEN BEI DER GRÜNDUNG VON UNTERNEHMEN metrobasel report___11 in Prozent, 2003 0 10 20 30 40 Irland Schw eiz B assin Lém anique B asel (B S/B L) Zürich Schw eden D änem ark G rossbritannien Ö sterreich Frankreich D eutschland Italien U SA M ilano M ünchen Paris DURCHSCHNITTLICHE BESTEUERUNG VON UNTERNEHMEN Quelle: BAK Basel Economics Quelle: BAK Basel Economics Quelle: OECD
  • 10. Will a general understanding be enough? Or will we truly know our client’s business? What works for one client won’t necessarily work for all. Understanding the inner workings of a company may make all the difference in finding the right solution. At Deloitte, our people add value by continously adding to their expertise. We ask the right questions and leverage our knowledge by sharing across the firm. As a result, we truly understand each client’s business. Providing outstanding value to clients is a shared value and just one of the ways we’ll support our clients’ advancement. Do you really know Deloitte? For more information: Deloitte & Touche AG Andrea Bianchi Steinengraben 22 4002 Basel 2 Tel. 061 285 12 13 Deloitte Consulting GmbH Christoph Wellinger Thurgauerstrasse 23 8050 Zürich Tel. 044 318 71 11
  • 11. auf dem letzten Rang der relevanten Schweizer Vergleichsregionen. Eine Be- trachtung über die Zeit zeigt ausserdem, dass sich die Steuerbelastung von Unter- nehmen in vielen Regionen stark verrin- gert hat, während sie in Basel vergleichs- weise wenig gesunken ist. Demnach holen andere Regionen stark auf. Im Bereich der Besteuerung der hoch qualifizierten Arbeitskräfte sieht das Bild düsterer aus: Während in den meisten Regionen die Belastung abnimmt, ver- zeichnet Basel eine deutliche Zunahme (+2 Prozentpunkte jährlich zwischen 1990 und 2003). Noch sind aber die Per- sonensteuern in den schweizerischen Regionen deutlich tiefer als im internatio- nalen Schnitt. Die Schweiz nimmt immer noch mit Abstand den ersten Platz ein. Unter steuerlichen Gesichtspunkten ist metrobasel als Unternehmensstandort daher grundsätzlich interessant, verliert jedoch gegenüber anderen Standorten an Boden. FLEXIBLER IN DER SCHWEIZ. Eine an- dere zentrale Frage ist die der Regulie- rung. Aus einer Wachstumsperspektive ist vor allem die Regulierung des Arbeits- marktes von Interesse. Je liberaler der Ar- beitsmarkt, desto effizienter ist die Vertei- lung der Arbeit auf Arbeitnehmer. Durch ein flexibleres Arbeitsmarktregime wer- den Anreize zur Schaffung von Arbeits- plätzen erzeugt und der Strukturwandel erleichtert.FürdieUnternehmenbedeutet dies vor allem, dass sie schnell auf aktuelle Gegebenheiten oder kurzfristige Bedürf- nisse reagieren können. Im Allgemeinen zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen den kontinental- europäischen und den angloamerikani- schen Regionen. Die Schweiz nimmt eine Zwischenposition ein. Die Region metro- basel ist differenzierter zu betrachten. Während die Schweizer Seite hervorra- gend abschneidet, befinden sich Deutsch- land und Frankreich auf den hinteren Rängen. NIEDRIGE HÜRDEN FÜR START-UPS. Für den Life Sciences-Sektor ist aber nicht nur ein flexibler Arbeitsmarkt bedeutend. Die Innovationskraft der Branche lebt we- sentlich davon, dass sich gute Ideen auf dem Markt umsetzen lassen. Dabei spielt die Möglichkeit, dies in einem jungen, neuen und flexiblen Unternehmen tun zu können, eine grosse Rolle. Bei der Grün- dung eines neuen Unternehmens sind die administrativen Hürden in Frankreich deutlich höher als in Deutschland, der Schweiz oder im internationalen Ver- gleich. Eine Expertenbefragung von BAK Basel Economics hat ergeben, dass die Schweiz auch bei weiteren für die Life Sciences-Branche zentralen Bestimmun- gen weit vorne liegt: etwa im Bereich der Akzeptanz neuer Technologien, wie Gen- und Biotechnologie oder der Stammzel- lenforschung. Vor allem gibt die Bestäti- gung der Gesetze durch Volksentscheid den Unternehmen Planungssicherheit. Ebenfalls vorteilhaft, insbesondere im in- nereuropäischen Vergleich, wirken die eher geringen Einschränkungen bei der Zulassung neuer Medikamente. Die schnelle Zulassung ist ein weiteres Plus. Allesamt sind dies Faktoren, die den Forschungs- und Produktionsstandort der Life Sciences-Branche in der Nordwest- schweiz, also den Schweizer Teil von metrobasel, stärken und diesen insgesamt deutlich besser dastehen lassen als die Teilgebiete in Frankreich und Deutsch- land. metrobasel report Wo metrobasel noch aufholen muss Innovation als Erfolgsfaktor Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte und Forschungsleistung sind zentrale Determinanten der Innovationsfähig- keit. Metrobasel offenbart hier Hand- lungsbedarf. Wirtschaftswachstum kann nur durch eine Vergrösserung der innovativen Ressourcen – neue Technologien und Know-how – erreicht werden. In der stark wissensbasierten Life Sciences- Industrie, spielen sie eine besonders grosse Rolle: Wie stellt sich das Innovati- onspotenzial von metrobasel dar? Wie sieht es hinsichtlich der Verfügbarkeit hoch ausgebildeter Arbeitskräfte aus? Wie steht es um die Institutionen, die Ausbil- dung anbieten und sich um Forschung bemühen? AUSBILDUNGSNIVEAU. Die Qualität der erwerbstätigen Bevölkerung ist unter an- derem durch ihr Ausbildungsniveau ge- kennzeichnet. Insgesamt verfügen nahezu 30 % der Erwerbstätigen in metrobasel 2003 über einen Leistungsausweis einer Universität, Fachhochschule oder höhe- ren Fachschule (so genannte tertiäre Aus- bildung). Dies liegt deutlich über dem Ge- samtschweizer Durchschnitt (25,6%). Ur- bane Schweizer Vergleichsregionen wie Zürich (31,2%) und Bassin Lémanique (32,1%) besitzen leicht höhere Quoten. Im internationalen Vergleich ist metro- basel im vorderen Mittelfeld platziert. Der Abstand zu Regionen, die diesbezüg- lich zur internationalen Spitze gehören, ist jedoch enorm (New York und London mit über 40%). Anders sieht das Bild hingegen aus, wenn man die tertiär Ausgebildeten in der Life Sciences-Industrie vergleicht. Gegen- über Zürich und Bassin Lémanique ver- bessert sich Basel deutlich (40,5%) und kann gleichziehen mit London bzw. fast das Niveau von Cambridge oder Oxford – klassischen Forschungsstandorten – reali- sieren. Wer sorgt nun für die hoch qualifizier- ten Arbeitskräfte und die Forschungs- ergebnisse, die für die Innovationsfähig- keit der Life Sciences so wichtig sind und wer bezahlt das Ganze? Während die öf- metrobasel report___13 Forschung braucht gut ausgebildete Mitarbeitende. In metrobasel kann man sie finden. Je mehr Ausbildungsmöglichkeiten, desto besser. Foto Keystone
  • 12. metrobasel report fentliche Hand in den Universitäten und Fachhochschulen die nötige Grundlagen- forschung betreibt und eine akademische Ausbildung anbietet, sind die anwen- dungsorientierte Forschung und die prak- tische Ausbildung in der privaten Wirt- schaft zu finden. Gerade metrobasel als hoch spezialisierter Produktionsstandort weist eine Vielzahl an Ausbildungsstätten auf, die spezifische Kenntnisse vermitteln. Auch die Erwerbsbevölkerung mit Berufs- ausbildung ist äusserst wichtig für die Pro- duktivität. PRIVATE FORSCHUNG TOP, ÖFFENTLI- CHE HAND LAHMT. Die vom Privatsektor der Metropolitanregion Basel erbrachte Forschungsleistung wird in folgenden Zah- len deutlich: International ist metrobasel in Sachen Patenten pro Million Einwohner (2000–2002: 250 Patentanmeldungen, Boston: 210) unter den Topregionen. Keine andere Vergleichsregion publiziert pro Million Einwohner mehr wissenschaft- liche Artikel (2000–2002: 1654, Boston: 891). Beim Angebot der öffentlichen Hand of- fenbart der Standort deutliche Schwächen. ZurBeurteilungvonQuantitätundQualität wird die insgesamt von einer Region er- reichte Punktzahl des Shanghai Index herangezogen. Dieser Index vergleicht die 500 weltweit besten Forschungsuniversitä- ten anhand von Erwähnungen in wissen- schaftlichen Arbeiten oder Publikationen, Nobelpreisen von Ehemaligen oder Profes- soren, und stellt die Ergebnisse in einem Ranking dar. Die Universität Basel erreicht mit Platz 91 eine gute Position. Leider er- reicht Basel aber nicht die kritische Masse, 80 60 40 20 0 Arbeitskräfte mit tertiärer Ausbildung in Prozent der Erwerbstätigen (jeweils letztes verfügbares Jahr) Boston Paris N ew York SF Bay AreaN ew Jersey O xford London m etrobaselÖresund ZürichM ünchen Bassin Lém aniqueSchw eiz W ien M ilano GesamtwirtschaftLife Sciences VERFÜGBARKEIT VON HOCH QUALIFIZIERTEN LIFE SCIENCES-ARBEITSKRÄFTEN 14___metrobasel report 0 50 100 150 200 250 300 350 400 0 10 20 30 40 50 60 70 in Klammern: Anzahl Universitäten Shanghai Index der Forschungsqualität von Universitäten 2004 Boston (10) Paris (10) N ew York (14) Southern California (7) SF Bay Area (4) N ew Jersey (4) O xford (1) London (8) m etrobasel(1) Öresund (3) Zürich (2) M ünchen (2) Bassin Lém anique (3)W ien (2) M ilano (2) SummederResultate Resultate/Universität QUALITÄT DER LEHRE UND FORSCHUNG Quelle: BFS; Eurostat, U.S. Census Bureau, BAK Basel Economics Quelle: University of Shanghai/ BAK Basel Economics
  • 13. um den Life Sciences-Standort metrobasel mit ausreichend erstklassiger Forschung versorgen zu können. ZU WENIG MITTEL FÜR UNIVERSITÄT. Metrobasel fällt mit nur einer Universität hinsichtlich Gesamtpunktzahl im Shanghai Index weit zurück – andere Regionen besit- zen mehr als eine Forschungsuniversität mit Spitzenrang, sind grösser und verfügen so über ein gesamtes innovatives Netzwerk. Um international als Forschungsstandort und in der Konkurrenz um die besten Köpfe wahrgenommen zu werden, ist eine gewisse Grösse aber unabdingbar. Eine Befragung von BAK Basel Econo- mics, die auf die Finanzierungsstrukturen von Forschungsuniversitäten gerichtet ist, zeigt, dass die Mittel, die der Universität Basel von der öffentlichen Hand zur Verfü- gung gestellt werden, zu gering sind. Inte- ressanter ist aber das Verhältnis der Dritt- mittel (einschliesslich Mittel der Wissen- schaftsförderung, die im Wettbewerb ver- geben werden, zum Beispiel vom Schweize- rischen Nationalfonds) zur öffentlichen Fi- nanzierung:DieUniversitätBaselwirdnach den Ergebnissen der BAK-Hochschulbefra- gung zu ungefähr drei Vierteln öffentlich fi- nanziert. Andere Regionen erreichen eine ähnlich hohe Quote, keine jedoch mehr. Eine Mehrzahl von Hochschulen erhält deutlich mehr Drittmittel. Es sind gerade diese Drittmittel, vor allem Studienge- bühren, Spenden und Lizenzgebühren, die wichtige Anreize erzeugen, denn die Zah- lenden stellen berechtigterweise Anforde- rungen an Güte der Ausbildung und For- schung. Daneben verfügen viele angloame- rikanische Universitäten zusätzlich über grosse Vermögenswerte, die Einkommen generieren. ZU WENIG VON ALLEM. Dabei geht es nichtnurumGeld,sondernvielmehrumdie Konkurrenz um diese Geldmittel. Insbeson- derederWettbewerbumStudentenundum die von ihnen geleisteten Studiengebühren hat wichtige Anreizfunktionen. Wer zahlt, wird auf die Qualität der Ausbildung grös- seren Wert legen. Vom Wettbewerb um Mittel und erstklassige Köpfe gehen wich- tige Anreize für Forscher und Professoren aus. Nur erstklassige Standorte können in diesem Wettbewerb mithalten. Und nur diese Erstklassigkeit ist an einem Forschungsstandort wie Basel von Rele- vanz. Der Hochschulstandort metrobasel fällt durch eine mangelnde Quantität an Qualität auf: zu wenig Studenten, Forscher und Professoren. Zukünftig wird es von be- sonderer Bedeutung sein, ob es gelingt, durch entsprechende Gestaltung der Studi- engebühren oder einem vermehrten Wett- bewerb um öffentliche Mittel, wie den Mit- teln des Schweizerischen Nationalfonds, eine Anreizwirkung zu erzeugen. Zusätzlich ist zu betonen, dass die fran- zösischen und deutschen Gebiete von der wirtschaftlichen Stärke metrobasels als Life Sciences-Cluster profitieren. Ein dement- sprechender Beitrag in das Innovationspo- tenzial der Region erfolgte bislang nicht. Er könnte etwa auch darin bestehen, auf eige- nem Territorium, möglichst in Grenznähe und damit unmittelbarer Nachbarschaft zum Schweizer Life Sciences-Biotop, For- schungseinrichtungen aufzubauen. metrobasel report 03____Basel Dreirosen. Die traditionellen Industriestandorte gehören zu den attraktivsten Orten des Metropolitanraums. Musse an schönsten Plätzen. Das urbane Zentrum von metrobasel bietet, oft nahe den Arbeitsplätzen, wunderbare Orte. Foto Pino Covino metrobasel report___15
  • 14. 16___metrobasel report Basel ist die wohl fragmentierteste und politisch zerschnittenste Metro- politanregion Europas. Diese Situation behindert das Wachstum von metro- basel. Wie auch immer die Metropolitan- region Basel definiert wird, sie reicht vom Jurabogen im Süden bis ins nahe Deutsch- land und nach Frankreich im Norden. Me- trobasel umfasst Gebiete von drei Ländern: fünf Kantonen in der Schweiz, drei cantons in Frankreich und einen Landkreis in Deutschland. Es ist offensichtlich, dass das wirtschaftliche Einzugsgebiet einerseits und die politischen Entscheidungsräume weit auseinander fallen. FOLGEN DER FRAGMENTIERUNG. Wird die Grenzüberschreitung in unserer Region oft als ideelle Bereicherung empfunden, stellt sich doch auch die nüchterne Frage, ob eine derartige politische Zerstückelung wirtschaftlich betrachtet vor- oder nach- teilhaft ist. Leider trifft eher Letzteres zu. Worin bestehen also die Nachteile dieser Fragmentierung? Mit welchen Problemen hat eine fragmentierte Metropolitanregion zu kämpfen, die in weniger zerschnittenen Metropolitanregionen weitgehend unbe- kannt sind? FEHLENDE AGGLOMERATIONSVORTEILE. Metropolen gelten heute als nationale Wachstumstreiber. Metropolen sind pro- duktiver als der Rest des Landes. Metro- polen entstehen aufgrund sogenannter Ag- glomerationsvorteile, dem Grund dafür, dass Städte überhaupt entstehen: Auf engs- tem Raum gibt es ein befruchtendes Spiel aus Konkurrenz und Zusammenarbeit. Diese Agglomerationsvorteile müssen sich aber ungestört entfalten können. Politisch- territoriale Fragmentierung kann einen Teil der Agglomerationsvorteile zunichte machen. Politische Grenzen stören den rei- bungslosen Austausch und vermindern die Produktivitätsgewinne aus Dichte, Grösse und Spezialisierung. Je mehr Grenzen eine wirtschaftlich verbundene und integrierte Metropolitanregion durchschneiden, desto stärker wirkt sich dies auf die langfristige Entwicklung aus. Dass Basel ein langfristiges Opfer terri- torialer Fragmentierung sein könnte, zei- gen Untersuchungen aus Europa und den USA. Europäische Metropolitanregionen, die stark fragmentiert beziehungsweise in viele Gebietskörperschaften unterteilt sind, wachsen langsamer. Die kostspielige Koor- dination über politische Grenzen hinweg und eine tendenzielle Unterversorgung mit zentralörtlichen Dienstleistungen verrin- gern das Wachstumspotenzial. In den USA scheint es so zu sein, dass starke Agglome- rationen schneller wachsen und dass poli- tisch schwache, von ihrer Umgebung abge- koppelte Kernstädte das Wachstum der ganzen Agglomeration herunterziehen. War Basel bis ins 19. Jahrhundert noch die bevölkerungsmässig grösste und wirtschaftlich bedeutendste Stadt der Schweiz, können Grenzlage und politische Fragmentierung für das seit dem Ersten Welt- krieg im Schnitt geringere Wachstum von Basel verant- wortlich sein. Ein anderer Hinweis auf die Last der Fragmentierung ist die atypische Wirtschafts- struktur Basels. Basel hat einen hohen Anteil an Indu- strie, wie man ihn in grossen Städten kaum noch antrifft. Dafür ist der urbane Sektor, der Branchen wie Handel, Verkehr,Finanzen,Immobi- lien und Unternehmens- dienstleistungen um- fasst, in Basel unter- vertreten. Diese für grosse Städte typi- schen Dienstleistun- gen, die auf einen grossen Markt ange- wiesen sind, fehlt das Einzugsgebiet im Nor- den der Stadt. Ein internationaler Vergleich dieser zentralörtlichen Dienstleistungen zeigt die Schwäche von metrobasel: In einer nicht fragmentierten Metropolitanregion wie beispielsweise London ist der urbane Sek- tor sehr bedeutend und wächst sehr schnell (sieheGrafikSeite19).Inmetrobaselistdie Bedeutung gemessen am regionalen BIP im internationalen Vergleich sehr ge- ring; zudem hat der urbane Sek- tor seit dem Jahr 2000 sta- gniert. Oder anders ausgedrückt: Da die Stadt Basel die ty- pisch urbanen Dienstleistun- gen aufgrund derstarkfrag- mentierten Märkte nur in einem Teil der Region wirklich vermarkten kann, sind das Niveau und das Wachs- tum dieses Sek- tors begrenzt. Dies bremst letztlich die Wirt- schaft der ganzen Region. Noch deutlicher als die Strukturgrafi- ken zeigt der städtische Zonenplan die Kultur ohne Grenzen. metrobasel kann mit Museen glänzen. Foto Pino Covino Die politische Fragmentierung von metrobasel als Wachstumshindernis Drei Länder, acht Kantone und politische fragmentierung
  • 15. metrobasel report___17 ein Landkreis Weniger als drei Kilometer vom Zentrum wirken Schlachthöfe, Tanklager und Zollfreiareale als Blockaden. Problematik der engen Grenzen. In den meisten Metropolitanregionen liegen die hoch produktiven Unternehmen in der Nähe des städtischen Zentrums. In Basel liegenwenigeralsdreiKilometervomZen- trum entfernt dagegen Schlachthöfe, Tanklager, Zollfreiareale und Schreber- gärten – wohl kaum die Wachstums- treiber, die sich der Wirtschaftsförderer er- träumt. In anderen Städten verdrängen wertschöpfungsintensive Unternehmen weniger produktive Aktivitäten immer weiter in die urbane Peripherie. In Basel ist das aufgrund der territorialen Grenzen kaum möglich. Faktisch verhindern die Grafik: ETH-Studio, BaZ Blockade Süd > Dreispitz, Lager- und Gewerbeareal Blockaden Ost > Schrebergärten am Rhein > Hauptfriedhof > Hafenanlagen > Industriegebiet Blockaden am Rhein > Rheinhäfen > Tanklager > Industriegebiet Blockaden West > Psychiatrische Klinik > Schrebergärten > Gewerbezone Blockaden Nord > Gleisfelder > Kläranlage politische fragmentierung
  • 16. politische fragmentierung eingezeichneten Blockaden eine räumlich optimale Entwicklung des Zentrums. Die Fragmentierung konserviert damit die alten Stadtstrukturen auf Kosten produk- tiver und kreativer städtischer Wachs- tumspole und vermindert das Wachstums- potenzial von metrobasel. FEHLENDER BINNENMARKT. Ein Binnen- markt fehlt sowohl zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich als auch – trotz Binnenmarktgesetz – zwischen den Kantonen, gerade im Raum Basel. Dies trifft nicht nur die private Wirtschaft, wo die Landesgrenzen wegen unterschiedli- ANZEIGE
  • 17. politische fragmentierung 04____Pfeffingen. Blick über die trinationale Agglomeration in Richtung Norden. Attraktiver Wohn- und Erholungsraum. metrobasel report___19 chen länderspezifischen Regelungen (z.B. bei Banken und Versicherungen) zu be- triebswirtschaftlichen Grenzen werden, sondern vor allem auch die öffentliche Wirtschaft, den Service public. Vor allem die öffentlichen Infrastrukturen sind nicht nur monopolisiert, sie sind auch meistens zu klein und damit zu teuer. Bahnen, Elek- trizitätswerke, Schulen und Spitäler arbei- ten zum Teil weit unter ihrer optimalen Betriebsgrösse. Vielen Einrichtungen fehlt die «kritische Masse», was Überversor- gung bei gleichzeitigem Mangel an Spit- zenqualität zur Folge hat. Die Bildungsin- stitutionen der Metropolitanregion Basel gelten als zu klein; es werden zu wenig öf- fentliche Mittel für die Forschung in den Life Sciences-Industrien aufgewendet, und die vorhandenen Mittel werden zu wenig konzentriert eingesetzt. Vor allem im Life Sciences-Bereich sind die Hochschulkapazitäten wegen der Fragmentierung suboptimal. Die Univer- sität beklagt mangelnde Grösse und man- gelnde wissenschaftliche Leistungsfähig- keit, und die Fachhochschule Nordwest- schweiz ist auf mehrere Standorte auch ausserhalb von metrobasel verzettelt. INNER-METROPOLITANE FINANZDISPA- RITÄTEN. Die schweizerischen Gross- städte und vor allem die kleinen urbanen Kantone wie Genf oder Basel-Stadt leiden unter dem Zwillingsproblem sinkender Steuereinnahmen und wachsender Ausga- ben. Der finanzstarke Mittelstand wandert mit seinem Einkommen in die schweizeri- schen Vororte ab oder wohnt im grenzna- hen Ausland, während der Stadt die Kos- ten der Zentrumsfunktionen verbleiben. Der Anteil der Körperschaftssteuern – die ja in den zentralen Orten die Einkom- menssteuer ersetzen könnte – nimmt ge- samtschweizerisch wie auch im Kanton Basel-Stadt ab, von 25 auf 20 % am Ge- samtsteueraufkommen zwischen 1990 und 2003. Zudem schwanken die Einnah- men aus den Körperschaftssteuern viel mehr als die Einkommenssteuern, was die Finanzplanung wesentlich erschwert. Gleichzeitig haben Städte und städtische Kantone überdurchschnittliche Pro-Kopf- Ausgaben, vor allem für Fürsorge, Bil- dung, Gesundheit und Sicherheit. Den Ag- glomerationszentren – also Basel-Stadt – fehlt das Geld für aus regionaler Optik sinnvolle zentralörtliche Leistungen, was letztlich die ganze Region und deren Ver- sorgung mit öffentlichen Leistungen be- einträchtigen kann. HOHE KOORDINATIONSKOSTEN. Die Ko- ordination politischer Strategien über die kantonalen und nationalen Grenzen hinweg ist aufwändig. Die Kantone und der Landkreis, die sich die Metropolitanre- gion Basel teilen, verwenden viel poli- tische Energie für die interne Koordina- tion und darauf, dass öffentliche In- frastruktur und zentralörtliche Leistun- gen möglichst gleichmässig verteilt wer- den und kein Gemeinwesen zu kurz kommt. Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist ein entscheidender Faktor für hohe Pro- duktivität, doch divergierende Interessen zwischen Gebietskörperschaften lassen Züge und Trams weiterhin an der Gren- ze enden. Häufig kommt es zu Doppel- spurigkeiten, vor allem dann, wenn jede Teilregion alles selber macht. Die 3% 2% 1% 0,5% –2% –1% 0% 1% 2% 3% 4% 5% 35% DurchschnittlichesWachstum2000–2004 40% 45% 50% 55% 60% 65% 70% Anteil des urbanen Sektors am BIP, 2004 Wachstumsbeitrag 2000–2004 metrobasel Zürich Bassin Lémanique Schweiz New Jersey New YorkBoston SF Bay Area Southern California London Oxford München Paris Milano Wien Öresund 2000–2004 BEITRAG DES URBANEN SEKTORS ZUM REALEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM Quelle: BAK Basel Economics
  • 18. politische fragmentierung Zeit und Energie, die auf Koordination ver- wendet und verschwendet wird, fehlt dann für die Entwicklung von veritablen Wachstumsstrategien. Man kann es so zusammenfassen: Während sich erfolgreiche Regionen wie München, Lyon, Dublin, Manchester, Helsinki oder Stockholm auf ihre inter- nationale Wettbewerbsfähigkeit konzen- trieren können, ist die Metropolitanregion Basel in erster Linie damit beschäftigt, sich selber zusammenzuhalten oder sich im grenzüberschreitenden Kontext erst zu finden. WO ANSETZEN? Nachdem die Analyse ge- zeigt hat, dass die Grenzen innerhalb un- serer Region die wirtschaftliche Entwick- lung bremsen, stellt sich die Frage, was un- ternommen werden kann. Weder Gebiets- reformen noch Kantonsfusionen sind taugliche Rezepte für das Fragmentie- rungsproblem. Sie sind derzeit nicht nur politisch chancenlos, sie schaffen auch mindestenssovieleneueProbleme,wiesie alte lösen. Harte Gebietsreformen stehen zudem schief in der politischen Land- schaft, in der eine variable Geometrie und flexible Grenzen im Vordergrund metro- politaner Regierungsführung stehen. Es gibt aber ein paar Reformen, mit denen sich bessere Voraussetzungen für eine in- tegrierte Metropolitanregion Basel schaf- fen lassen. FINANZPOLITISCHE REFORMEN: Im Herbst 2004 wurde die Vorlage zur «Neu- gestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kan- tonen» (NFA) vom Schweizervolk an- genommen. Die NFA ist in erster Linie als Ausgleich zwischen armen und reichen Kantonen wahrgenommen worden. Sie enthält aber auch verschiedene Elemente, die für städtische Kantone von Interesse sind, etwa die Entflechtung von Aufgaben, die höhere Zweckfreiheit von Bundesmit- teln und insbesondere den Spezialfonds für städtische Kantone. Zum ersten Mal wird im schweizeri- schen Finanzausgleich anerkannt, was in anderen föderalistischen Staaten längst selbstverständlich ist, nämlich die beson- dere Situation der Städte. Vor allem aber enthält sie neu ein Element, das die Frag- mentierungsproblematik entschärft: der Zwang zur interkantonalen Kooperation. Davon dürften in erster Linie Metroregio- nen wie Basel profitieren. Noch ungelöst ist aber der Beitrag der deutschen und französischen Seite. BILDUNGSPOLITISCHE REFORMEN: Der Wohlstandsmotor der Region Basel – und nicht nur des schweizerischen Teils – ist die Life Sciences-Industrie. Die Hoch- schulkapazitäten in diesem Bereich wider- spiegeln dies aber nur sehr ungenügend. Sowohl die Ausbildung als auch die Grundlagenforschung müssen deutlich ausgeweitet werden. Die Ansiedlung des ETH-Instituts für Systembiologie wie auch die Erhaltung von spitzenmedizinischen Leistungen in Basel sind deshalb von emi- nenter Bedeutung. Eine ideale Ergänzung wären Hochschulinstitute im Life Scien- ces-Bereich innerhalb von metrobasel, vorzugsweise am Rhein in Weil und in Hu- ningue, die zusammen mit dem ETH-Insti- tut, der Universität und der Fachhoch- schule in Muttenz einen innovativen und weltweit konkurrenzfähigen Hoch- schulcluster bilden. WIRTSCHAFTSPOLITISCHE REFORMEN: Die Verabschiedung eines wirksamen schweizerischen Binnenmarktgesetzes rückt näher. Es soll jede wirtschaftliche Tätigkeit nach dem Prinzip von Nicht- Leben am Rhein. Wer hier wohnen darf, muss glücklich sein. Foto Erwin Zbinden 20___metrobasel report
  • 19. politische fragmentierung diskriminierung und gegenseitiger An- erkennung in allen Kantonen erlauben. Doch das Binnenmarktgesetz umfasst der- zeit nur die private, nicht die öffentliche Wirtschaft. Öffentliche Dienste des Bil- dungs- und Gesundheitswesens, im Ver- kehr und der Energieversorgung werden vom neuen Gesetz nicht erfasst; der öffentliche Dienst bleibt zerstückelt und monopolisiert. Ein echtes Binnenmarktprogramm müsste alle Bereiche umfassen, in denen Grenzen eine Rolle spielen. Zudem erfasst das schweizerische Binnenmarktgesetz nur das schweizerische Teilgebiet; Basel ist aber trinational. Es ist deshalb nahelie- gend, den Binnenmarkt auf die angren- zenden ausländischen Teile der Metro-Re- gion auszudehnen. Die Schaffung eines international grenzüberschreitenden Bin- nenmarktes könnte eines der zentralen Programme für die Metropolitanregion Basel darstellen. TERRITORIALE REFORMEN: Die interkan- tonale Zusammenarbeit, auch die Zusam- menarbeit über die internationalen Gren- zen, funktioniert durchaus, aber sie ist oft undemokratisch, unstabil und langsam. Ein Reformansatz, der diese Zusammenar- beit zugleich demokratischer und dynami- scher gestaltet, sind die «Verfassten Zweckregionen», Gebietskörperschaften, die bestimmte Aufgaben von den Kanto- nen oder den interkantonalen Konkorda- ten übernehmen. Vielleicht werden sich BS und BL nie auf eine Kantonsfusion einigen können, aber vielleicht auf eine Zweckregion, die bestimmte Aufgaben wie zum Beispiel Verkehr oder Verkehrsplanung über- nimmt – der Tarifverbund Nordwest- schweiz oder die Universität beider Basel als Gebietskörperschaften bieten gute Bei- spiele. Und warum nicht über die interna- tionale Grenze hinaus verfasste Zweck- regionen schaffen? In der Abfallverwer- tung wurde zwischen den beiden Basel und dem Landkreis Lörrach bereits vor Jahren erfolgreich ein erster Schritt getan, und in der grenzüberschreitenden Ge- sundheitsversorgung ist jetzt ein Pilotpro- jekt geplant. In der EU entstehen institu- tionelle Innovationen, etwa die sogenann- ten «Eurodistrikte», die international grenzüberschreitend öffentliche Aufgaben angehen. Solche Distrikte können auch schweizerisches Gebiet umfassen. Innova- tive Köpfe in metrobasel haben dies er- kannt und wollen die sich eröffnenden Chance nutzen. Kaum eine Metropolitanregion in Eu- ropa ist derart durch politische Grenzen zerschnitten wie metrobasel. Um die Nachteile dieser Fragmentierung im Inter- esse einer prosperierenden Zukunft zu lin- dern, sind deshalb grosse Anstrengungen aus allen drei Ländern unabdingbar. Drehscheibe in der trinationalen metropolitanen Region. Basel als Zentrum von metrobasel bietet Anschluss an die Welt. Foto Dominik Plüss 05____Rheinhafen Kleinhüningen. Die am meisten diskutierte Wasserfront. Wann wird aus Silos Wohn- und Arbeitsraum? metrobasel report___21
  • 20. outlook www.dsmnutritionalproducts.com © UNLIMITED REGIOWIR VON DSM NUTRITIONAL PRODUCTS ENTWICKELN HIER VITAMIN-PRODUKTE FÜR IHRE GESUNDHEIT 2005 wachsen fast alle Branchen in metrobasel etwas schwächer als im Vorjahr. Für 2006 darf aber wieder mit einer Beschleunigung gerechnet wer- den. Als besonders wachstumsstark erweist sich einmal mehr die Phar- mabranche. Metrobasel als trinationale Metropoli- tanregion zeigt sich als ein in vielerlei Hin- sicht verflochtener Wirtschaftsraum. Die einzelnen Teilregionen haben sich in den vergangenen Jahren jedoch in teilweise sehr unterschiedlicher Art und Weise spe- zialisiert. Je nach Branchenstruktur sind die Regionen in der Folge von konjunktu- rellen oder strukturellen Einflussfaktoren unterschiedlichbetroffenundweisenauch sehr unterschiedliche Perspektiven ihrer wirtschaftlichen Zukunft auf. Für Unternehmen, Verbände und kom- munale Institutionen, die in das regionale Wirtschaftsnetz der Metropolitanregion Baseleingebundensind,isteszentral,zum einen über die branchenmässigen Wirt- schaftsstrukturen und -aussichten auf einer tiefen regionalen Ebene grundsätz- lich Bescheid zu wissen, um dann zum an- deren Auswirkungen von weltwirtschaftli- chen Entwicklungen auf der regionalen Ebene abschätzen zu können. Auch Ar- beitnehmer, die vor der Wahl ihres Wohn- und Arbeitsstandorts stehen, sind an de- taillierten Informationen auch prospekti- ver Art über die Teilgebiete der Metropoli- tanregion Basel interessiert. BLICK NACH VORNE. Mit dem metrobasel outlook wurde nun ein innovatives Infor- mationsinstrument ins Leben gerufen, das von BAK Basel Economics im Auftrag der Basellandschaftlichen Kantonalbank jähr- lich erarbeitet wird. Analysen und Progno- sen für die trinationale Metropolitanregion Basel, ihre Branchen und Teilregionen sind in dieser detaillierten Form neu- und ein- zigartig. Der Takt der Wirtschaftsentwicklung in metrobasel schlägt seit Jahren höher als derjenige in der Schweiz, Frankreich und insbesondere Deutschland. Dies ist auch gegenwärtig der Fall. Die Ab- kühlung der wirtschaftlichen Aktivität, die in der zweiten Jahreshälfte 2004 erfolgte, ist mittlerweile überwunden, die konjunkturelle Dynamik zeigt sich wieder beschleunigt. Das Wirtschafts- wachstum ist dabei breit abgestützt, das Aufwärtspotenzial bleibt jedoch insbeson- dere bei den binnenwirtschaftlichen Kom- ponenten begrenzt. Die Expansion der privaten Konsumausgaben wird durch die nach wie vor angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt limitiert. Angesichts hoher Ölpreise und der Unsicherheit be- züglich der weltweiten Wirtschaftsent- wicklung ist zudem die Investitionsbereit- schaft der Unternehmen eher von Zurück- haltung geprägt. Die Summe dieser Fak- toren führt zu einer Expansion des Brut- toinlandprodukts von metrobasel im Ge- samtjahr 2005 um 1,9% (2004: +2,6%). Für 2006 geht BAK Basel Economics von metrobasel outlook: Analysen und Prognosen für die trinationale Metropolitanregion Basel metrobasel 2006: Wachstum beschleunigt sich ANZEIGE
  • 21. outlook einer leicht beschleunigten Zunahme von 2,1% aus. UNTERSCHIEDE IM BRANCHENWACHS- TUM. Für 2005 weisen fast alle bedeuten- den Branchen in metrobasel eine leicht schwächere Entwicklung als 2004 auf. Vor- rangig liegt dies an einer schwächeren in- ternationalenEntwicklung.Dernachlassen- den Dynamik der Weltwirtschaft 2005 und besonders der Schwäche der Eurozone als wichtigstem Handelspartner können sich viele exportorientierte Unternehmen aus der trinationalen Metropolitanregion nicht entziehen. Dies bekommt vor allem die In- vestitionsgüterindustrie zu spüren, welche nicht mehr an die erfreulichen Wachstums- raten des Vorjahres anknüpfen kann. Eine merkliche Beschleunigung kann in dieser Branche erst 2007 wieder erwartet werden. Die chemisch-pharmazeutische Indus- trie der Region metrobasel muss in diesem Jahr mit einem Wertschöpfungswachstum von 4,5% ebenfalls eine schwächere Ent- wicklung als im Vorjahr hinnehmen. Inner- halb des sekundären Sektors bedeutet dies aber dennoch eine herausragend positive Performance. Besonders wachstumsstark erweistsicheinmalmehrdiePharmasparte, sie gewinnt mehr und mehr an Bedeutung für den Wirtschaftsstandort metrobasel. DerWachstumspfadderchemisch-pharma- zeutischen Industrie dürfte im kommenden Jahr in etwa gehalten werden. Eine Ausnahme innerhalb des Bran- chenportefeuilles bildet das Baugewerbe, dessen Wachstum sich im laufenden Jahr etwasbeschleunigt.Diesistvorwiegendauf die Entwicklung im Schweizer metrobasel- Gebietzurückzuführen,wodieBautätigkeit im bisherigen Jahresverlauf im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode ins- besondereimWohnungsbaudeutlichzuge- nommen hat. Ein Blick auf die Auftragsein- gänge lässt jedoch erahnen, dass diese Dy- namik sich im kommenden Jahr kaum fort- setzen dürfte. Ebenfalls wieder beschleunigen dürfte sich 2006 die Dynamik im Dienstleistungs- sektor, welche 2005 ebenfalls einen leich- ten Dämpfer hinnehmen muss. Während der Handel nach wie vor an der etwas ge- trübten Konsumstimmung leidet, bringt dem Verkehrssektor dagegen das laufende Jahr schon einen Dynamikschub, der insbe- sondere von der wachsenden Frequentie- rung des EuroAirports ausgelöst wird. GETRÜBTER ARBEITSMARKT. Die kon- junkturelle Entwicklung bietet wenig An- lass für die Unternehmen, gegenwärtig zu- sätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. So dürften insbesondere im sekundären Sek- tor 2005 per saldo keine, 2006 kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Nachfragesteige- rungen werden überwiegend durch Pro- duktivitätsfortschritte aufgefangen. Nur in den Branchen, in denen in den vergange- nen Jahren bereits erhebliche Produkti- vitätsgewinne erzielt wurden, wird eine Nachfragesteigerung auch zu einer Zu- nahme der Arbeitsplätze führen. Nament- lich sind dies die Pharma- und Teile der In- vestitionsgüterindustrie sowie einige Dienstleistungsbranchen. Nach einer leich- ten Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit in metrobasel 2005 um 0,4% dürfte im kommenden Jahr ein An- stieg um knapp ein Prozent möglich sein. KERNMETROPOLGEBIET ALS LOKOMO- TIVE. Von den einzelnen Regionen metro- basels weist das Kernmetropolitangebiet, also die beiden Basler Halbkantone, mit einem realen BIP-Wachstum um 2,1% als einzige Teilregion ein überdurchschnittli- ches Wachstum auf. Im Mittelfeld mit einem leicht unterdurchschnittlichen Wachstum gruppieren sich das Fricktal, das französische metrobasel-Gebiet und der Landkreis Lörrach. Nur sehr gering ist das Wachstum im Schwarzbubenland und im Bezirk Delémont. Im kommenden Jahr können sämtliche Regionen ihr gesamt- wirtschaftliches Wachstum leicht erhöhen. Mittelfristig können das Kernmetropo- litangebiet, das Fricktal sowie das französi- sche metrobasel-Gebiet mit Expansions- pfaden von über 2% mit dem höchsten Wachstum aufwarten, während das Schwarzbubenland und das jurassische metrobasel-Gebiet mit Wachstumsraten von rund einem Prozent den Schluss des Rankings bilden. Alle drei Mutterländer der grenzübergreifenden Region metrobasel haben im Jahres- verlauf 2005 deutlich an Wachstumsdynamik einge- büsst. Am kräftigsten fiel die Wachstumsabschwächung für die Schweizer Wirtschaft aus. Das reale Bruttoinland- produkt nimmt hier im Jahresdurchschnitt 2005 nur noch um 1,2 % zu – im Jahr 2004 hatte das gesamtwirt- schaftliche Wachstum der Schweiz noch 2,1% betragen. Für 2006 erwartet BAK dank Exporterfolgen und stärkerem Konsum ein Wachstum von 1,5 %. Auch Frankreich zeigt sich 2005 mit einer Zunahme des realen Bruttoinlands- produkts von 1,4 % nur un- wesentlich dynamischer als die Schweiz (2004: 2,1%). Die robuste Verfassung der Binnenwirtschaft – insbeson- dere Konsum und Bau – sollte im nächsten Jahr zu einem Wachstum von 1,6 % führen. Im Wachstumsvergleich der drei metrobasel-Mutterländer zeigt sich 2005 die deutsche Wirtschaft mit einer Zu- nahme des realen Bruttoin- landsprodukts von nur 0,9 % erneut am bescheiden- sten. Und auch 2006 dürfte angesichts der Kaufzurück- haltung der privaten Haushalte nicht viel mehr als 1 % Wachstum möglich sein. Real, prozentuale Veränderung gegenüber Vorjahr Chem ie/Pharm a Finanzsektor G astgew erbe Investitionsgüterindustrie H andel, G aragengew erbe S EK U N D Ä R ER S EK TO R B IP Verkehr TER TIÄ R ER S EK TO R N ahrungsm ittel,Getränke N achrichtenüberm ittlung Papier, Verlag, D ruck Ü brige D ienstleistungen Baugew erbe –6 –4 –2 0 2 4 6 8 2004 2005 2006 WERTSCHÖPFUNG IN METROBASEL NACH BRANCHEN 0 2 4 3 1 Real, prozentuale Veränderung gegenüber Vorjahr Basel-Stadt,Baselland Schw arzbubenland m etrobasel Fricktal Lörrach D elém ont Huningue, Sierentz, Ferrette 2004 2005 2006 BRUTTOINLANDSPRODUKT KONJUNKTURELLE LAGE IN DEUTSCHLAND, FRANKREICH UND DER SCHWEIZ metrobasel report___23
  • 22. 24___metrobasel report life sciences Die Basis für Life Sciences wurde in metrobasel früh gelegt Zwischen den Leuchttürmen wächst ein reiches Biotop Rasanter Fortschritt prägt die Life Sciences. Wissenschaftlich und tech- nisch. In der metropolitanen Region Basel war man früh dabei. Der Struk- turwandel in der Chemie- und Pharma- industrie hat erst den raschen Einstieg erleichtert. Doch die grossen Schritte stehen vielleicht erst bevor. Rund eine Million Menschen leben in der trinationalen metropolitanen Region, die Basel als urbanes Zentrum nutzt. Her- vorragende Institutionen der Forschung und Ausbildung machen den Platz zu einem der führenden Wissenschaftszent- ren Europas. Die Universität rangiert mit über 15 000 Studierenden ganz vorne unterden50bestenHochschulenderWelt: Noch ist es nicht so weit, aber möglich wärs schon. Was die Basler Regierung in ihrem neusten Politikplan formuliert, ist nicht der Zustand von heute, sondern projektiertes Ziel für das Jahr – 2020. Eine grosse Vision, die manch anderer Partner in dieser Region gerne teilen wird. Denn wie in dieser Beilage belegt wird: me- trobasel ist zumindest im Bereich Life Sci- ences Spitze. Nach härteren Jahren im letz- ten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhun- derts, geprägt durch Fusionen und Struk- turwandel, zeigt sich heute die forschende Industrie stark wie noch nie. Und zwischen den Leuchttürmen von Basels Grossen ist ein vielgestaltiges Biotop an Life Sciences- Firmen herangewachsen, das besonders kräftige Mitglieder aufweist. AUFBRUCH. War bis Anfang der siebziger Jahre die Erforschung des Lebens in der Hand der Zoologen und Botaniker, brach auf einen Schlag die noch junge, pionier- hafte Molekularbiologie in Basel an. Ende der von Hochkonjunktur geprägten sechzi- ger Jahre gründeten in Basel einige weit- blickende Köpfe drei Forschungsinstitute, die sich in verschiedenen Feldern der Grundlagenforschung in der noch jungen molekularen Biologie widmen sollten. Das Biozentrum an der Universität, eine Grün- dung ohne Vorbild, das Friedrich Miescher Institut der damals noch unverbundenen Firmen Ciba und Geigy, sowie das Basel Institut für Immunologie, das Roche sich und der Stadt zu ihrem Jubiläum gönnte. Alle drei setzten Höhepunkte und leisteten hervorragende Arbeit. Die «Chemische» aber sah sich mehr als Mäzenin und war noch weit entfernt davon, die molekulare Biologie in ihre Arbeitsweisen zu integrie- ren. Mit guten Gründen. Zu diffus schien der Nutzen. Doch das sollte sich rasch ändern. NOBELPREISREIGEN. Dass in Basel her- vorragendeForscherarbeiteten,zeigtesich bald. Werner Arber war 1978 der Erste, den Stockholm mit dem Nobelpreis ehrte. Der Mikrobiologe hatte in Genf, bevor er nach Basel kam, jene Werkzeuge entdeckt, die es erlauben, die in Genen niederge- schriebenen Baupläne neu zu kombinie- ren. Oder zum Beispiel in Bakterien einzu- bauen, die darauf fleissig therapeutisch wirksame, aber chemisch komplizierte Stoffe wie Interferone produzierten. (Wie dies später Roche als Erste in Basel tat.) Be- merkenswert dazu: Zwei Jahre vor Arbers Gang nach Stockholm hatte sich der Bio- chemiker und spätere Nobelpreisträger Herbert W. Boyer mit dem Financier Robert A. Swanson getroffen und vorge- schlagen, eine Firma zu gründen, die sich der Neukombination von Genen mit Arbers Scheren zuwenden sollte. Zehn Minuten habe das Gespräch des Forschers mit dem Risikokapitalisten gedauert, weiss die Le- gende. Dann war Genentech geboren. In einem meisterhaften Akt erwarb später Martin Hicklin
  • 23. life sciences Roche eine Mehrheit an der zur Firma mu- tiertenForschungsstätte,ohneinderenGe- triebe und Kultur einzugreifen. Heute führt daskalifornischeWunderinallenAspekten bis hin zum Umgang mit arbeitenden Müt- tern. An der Börse fehlt zur Freude der Sha- reholder nicht mehr viel bis zum Beitritt in den 100-Milliarden-Klub. MILLIARDEN AUS IMMUNOLOGIE. Gleich drei Nobelpreise fielen gar dem von Roche fundierten Institut für Immunologie zu. 1984 dem Gründungsdirektor Niels Kaj Jerne, der wegweisende Theorien zur Funktion des Immunsystems formuliert hatte, 1987 dem Japaner Susumu Tone- gawa für seine in Basel gelungene Enthül- lung der Art und Weise, wie die Vielfalt der Antikörper zustande kommt. Und schliess- lich zusammen mit Jerne dem früh ver- storbenen Georges Köhler, der als Erster jene monoklonalen Antikörper gebaut und beschrieben hatte, die heute als genau ab- gerichtete Medikamente – bei Roche etwa als Avastin, Herceptin oder Mabthera – den Patienten Hilfe und den Unternehmen Mil- liardenumsätze bringen. NEU AUSGERICHTET. Heute sieht die Landschaft völlig anders aus. Die Pionier- zeiten sind vorbei. Neue genetische Tech- niken haben sich in Forschung und An- wendung etabliert. Das Institut für Immu- nologie wurde von Roche aufgegeben, das Friedrich Miescher Institut hat seine For- schungsrichtungen neu orientiert und auchamBiozentrumwerdenneueThemen bearbeitet. Die Universität hat ihre kli- nisch-biologischen Fächer in ein Departe- ment integriert. Auch die Pharmaindustrie hatte sich nach anfänglichem Zögern die neuen Technologien zunutze gemacht. Zu verlockend war die Aussicht, auf direkte- rem Weg zu wirklich neuartigen Medika- menten zu kommen. Novartis – aus der Fu- sion von Ciba-Geigy und Sandoz entstan- den – konzentrierte sich wie auf der andern Seite des Rheins Roche auf das Pharma- geschäft und trennte sich vom Rest. Einige der abgestossenen Zweige sind zu mächti- gen Bäumen herangewachsen. Syngenta ist ein weltweit führendes Agro-Unterneh- men, das seine Forschungsaktivitäten wei- ter ausbaut. Roches Vitaminsparte hat in HändenderDSMneuenSchubbekommen. Sie engagiert sich in weisser Biotechnolo- gie im Nahrungssektor und lässt ihr Stand- bein in metrobasel wachsen. ERFOLGSGESCHICHTEN. Nicht nur ent- standen neue Konzerne, einige der von den Firmen fallen gelassenen Projekte wurden 06____Grenzach-Wyhlen, Industriegebiet am Rhein. Produktive Arbeitsplätze in nächster Nähe zu wunderbarer Natur. metrobasel report___25 Als eine Leadpartnerin im Pro- jekt metrobasel engagiert sich die Basler Kantonalbank mit dem metrobasel bkb forum. Dieses ist als jährlich wieder- kehrendes Fachsymposium zu jeweils aktuellen Themen im Bereich der Metropolitanre- gion Basel konzipiert. Als öf- fentliche Plattform für Vertre- ter und Vertreterinnen aus Politik und Wirtschaft sowie für weitere Interessierte ge- staltet, wird hier die Wettbe- werbsfähigkeit der Region Basel im Vergleich zu Konkur- renzregionen aufgezeigt und diskutiert. Der diesjährige Themen- schwerpunkt «Life Sciences» stiess angesichts seiner Be- deutung bereits im Vorfeld auf grosses Interesse. Im Rah- men der ersten Vormittags- veranstaltung am 7. Novem- ber wurden die Ergebnisse des metrobasel outlooks und reports präsentiert, welche die wirtschaftlichen und kon- junkturellen Aussichten der Region analysieren. Anschlies- send diskutierte ein hoch- karätig besetztes Panel die Ta- gungsinhalte. Neben Spitzen aus Politik und Wirtschaft sind auch die metropolitanen Part- ner aus den beiden Nachbar- ländern in die Analyse der Fak- ten involviert. Für die BKB ist die Partner- schaft mit metrobasel eine neuerliche Gelegenheit, ihre Verantwortung gegenüber der Region Basel zu dokumentie- ren. Die Aufgabe des bkb forums im Gesamtprojekt metrobasel ist dabei massgeb- lich in seiner Rolle als Kommu- nikations- und Steuerungsin- strumentarium zu sehen. Die Weiterentwicklung der Region Basel und seines Zentrums ist nur durch eine intensive Zu- sammenarbeit möglich. Diese muss von einem Dialog aller Partner «auf gleicher Augen- höhe» getragen sein. Ausser- dem dient das bkb forum zur Positionierung der Marke me- trobasel und zur nachhaltigen Stärkung derselben. Die BKB zeigt damit, dass sie als wich- tige und in der Metropolitanre- gion Basel sehr gut verankerte Finanzinstitution am Platze an der Entwicklung der Wettbe- werbsfähigkeit des Wirt- schaftsstandortes eminent in- teressiert ist. BKB bietet Forum für metrobasel
  • 24. 26___metrobasel report life sciences in Spin-offs hinübergerettet. Erfahrene Projektverantwortliche, die an ihre Mo- leküle glaubten, machten sich mit Starthil- fen selbstständig. Alice Huxley zum Bei- spielgründetedieSpeedel,dasEhepaarClo- zel mit Walter Fischli und Partnern die Ac- telion. In der Basilea hat Roches einst führende Antibiotika-Forschung ihre Fort- setzung. Speedel ist heute an der Börse bald eine Milliarde wert, Actelion mehr als drei Milliarden. Erfolgsgeschichten in metro- basel. In den kleinen Firmen mit klarem Ziel hält die Gründerstimmung länger. Im festen Vertrauen auf das eigene Urteil wer- den Projekte rasch vorangetrieben. Spee- del und Actelion sind unter anderem im Gebiet der Renininhibitoren aktiv. Eine neue Generation von Medikamenten wird marktreif. Ihr erstes Produkt Aliskiren oder SP-100 hat Speedel wieder an Novartis zurücklizenziert und geht voraussichtlich 2006 in die Registrierung. Es ist «first-in- class»,dasErsteeinerneuenGeneration.«In der Region Basel wird ein weltweiter medi- zinischer Innovationsschub vorbereitet», meint dazu Alice Huxley. In ihrem heute neunköpfigen Managementteam aus acht Nationen sind mehr als 150 Jahre Pharma- erfahrung versammelt. Nicht untypisch für Start-upsundSpin-offs,dassbeiBigPharma gesammelte Erfahrung neue Früchte trägt. DAS BIOVALLEY. Die wachsende Aussicht auf eine neue Industrie war am Oberrhein 1995 ausschlaggebend für die Begründung der Biovalley-Initiative. Ein Siliconvalley der Life Sciences im Dreieck der vielfach verbundenen Zentren Basel, Strassburg und Freiburg ihr überregionaler Traum. Erst kürzlich hat Basel an einer Biovalley Life Sciences-Week im Messezentrum vor- geführt bekommen, was es an Highlights gibt, 500 Schüler folgten dem College Day. RISIKOSCHEUE KAPITALISTEN. Längst nicht alle Firmen im Life Sciences-Gebiet versuchen Medikamente zu entwickeln. In den Nischen bieten sich für technische Hilfeleistungen, Technoplattformen und Zulieferer viele Möglichkeiten. Biologicals, Proteine und Reagenzien anzubieten ist zum Geschäft geworden. Die eher vorsich- tigen Investoren setzten allerdings zuerst auf Ideen, die rasch Ertrag versprachen. Ac- telion-Mitgründer Walter Fischli erinnert sich, wie schwierig es in den neunziger Jah- ren war, Geld für die auf lange Sicht ange- legte Medikamentenentwicklung aufzu- treiben. Auch das hat sich geändert. AllerdingsistdieFinanzierungvonNeu- gründungen und Projekten, die erst nach Jahren Ertrag abwerfen, nach wie vor schwierig. Henri B. Meier, ehemals die Mit- tel der Roche wunderbar mehrender Fi- nanzdirektor und heute Vorsitzender meh- rerer Biotech-Funds, kritisiert die fehlende Risikobereitschaft von Kapitalgebern in der Schweiz. Auf Innovationen zu setzen scheine ihnen als zu riskant. Obwohl die wenigen Erfolge manche Fehlschläge reich- lich wettmachen. Vorausgesetzt, die Geld- geber können sich an guten Rat halten. Doch daran fehle es, sagt Meier. Dabei scheinen die Möglichkeiten, im Life Sciences-Gebiet auf interessante Spu- ren zu kommen, geradezu unbegrenzt. Das Genom des Menschen ist buchstabiert und kann analysiert und mit jenen anderer Le- bewesen verglichen werden. Berge von Daten stehen in öffentlichen Banken bereit. Das Wachstum ist atemberaubend. Am 22. August dieses Jahres wurde eine magi- sche Grenze überschritten. 100 Milliarden BausteineausganzenGenomenoderTeilen von 165 000 Lebewesen waren auf der öf- fentlichen GenBank deponiert. Mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Das einst Spezialisten vorbehaltene Buchstabieren der Gene wird bald jedem wohlhabenden Heimwerker zugänglich sein. Etwa mit der schnellsten erst Anfang Oktober auf den Markt gekommenen Maschine. Eine ein- zige Person kann mit einem einzigen Vor- bereitungsschritt innert fünf Stunden 20 Millionen Bausteine entziffern. Bald jeder sein eigener Craig Venter? Die Tech- nik der Maschine stammt von 454 Life Sciences. Zu haben ist sie bei – Roche. Was früher Jahre an Arbeit kostete, kann heute in Minuten erledigt werden. Die Daten- berge wachsen dafür ins Unermessliche. WERBEN UM TALENTE. Mit Partnerschaf- ten und Übernahmen kommen grosse und kleine Firmen zu Innovationen 0oder neuen Verfahren. Roche etwa hatte sich früh die Schlüsseltechnik zur Vermehrung von Erbmolekülen, PCR und die Nutzung von Gen-Chips gesichert. Novartis weist heute über 50 meist forschungsorientierte Partnerschaften aus. Neben Geld zählt im Wettbewerb auch das Image. Novartis baut einen einmaligen Campus des Wissens in Basel und hat in Cambridge/Boston ein modernes For- schungsinstitut in Betrieb genommen. Bei- des mit grosser Entschlossenheit. Das sind Trümpfe im Werben um Talente. Die glo- bal umworbenen «High Potentials» kom-
  • 25. life sciences metrobasel report___27 men lieber, wenn Forschung zählt. In Um- fragen rangieren Novartis und Roche als mögliche Life Sciences-Arbeitgeber weit vorne in der Gunst von Forschenden. Rang 1 hält allerdings mit Vorsprung – Genentech. WARTEN AUF DIE FLUT. Obwohl immer mehrbiologischeMedikamentezugelassen sind, lässt die erwartete Flut spektakulärer Arzneien auf sich warten. Die Zahl neuer Stoffe, die auf den Markt kommen, bleibt noch relativ bescheiden. 20 bis 30 sind es pro Jahr, nur ein Viertel davon richtet sich gegen neue Ziele, stellt Mark C. Fishman, Forschungschef der Novartis und Präsident des neu gegründeten NIBR-Instituts der Firma in Boston, fest. Trotz einer Unmenge von Daten, neuen Hilfsmitteln wie Gen-Chips und Computer- programmen, müssen zuerst die Angriffs- punkte oder «Targets» identifiziert und «validiert» werden, über die Krankheiten behandelt werden können. Das kann Jahre dauern. Immer mehr Buchstaben, Wörter und Sätze der Sprache des Lebens seien zwar zugänglich, aber nach welcher Gram- matik diese Sprache arbeite, sei – so Fish- man – noch weithin rätselhaft. Man solle sich drum intensiver um die Wege küm- mern, auf denen Zellen ihre Signale wei- tergeben. Und empfiehlt, die bisher wegen fehlenden Markts vernachlässigten selte- nen Erbkrankheiten zu untersuchen, wo hohe Chancen bestehen, in Sachen Signal- wegen allgemein gültige Einsichten zu ge- winnen. ZUKUNFT SYSTEMBIOLOGIE. Nicht um- sonst erhofft man sich von der Erforschung ganzer lebender Systeme besseren Einblick auf Angriffspunkte, an denen sich eine Krankheit behandeln liesse. Doch das Zu- sammenspielsovielerPartnerkannnurmit Super-Rechnern simuliert werden. Bio- informatiker gehören drum zu den ge- suchtesten Fachleuten auf der ganzen Welt. Sie braucht auch das am Start befind- liche Basler ETH-Institut für Systembiolo- gie. Die Suche nach der Gründergruppe läuft auf Hochtouren. In metrobasel wird bald ein neues Kapitel aufgeschlagen. 07____Rangierbahnhof Muttenz. Das grosse Bahnareal ist Ausdruck hoher wirtschaftlicher Aktivität und spektakulär. metrobasel: Dank an die Partner Der metrobasel report wird künftig regelmässig ein detail- liertes Bild der Wettbewerbs- fähigkeit von metrobasel, der metropolitanen Region Basel, zeichnen. Der in dieser baz- Beilage erstmals publizierte me- trobasel report zum Thema Life Sciences BAK Basel Economics war nur möglich, weil sich eine ganze Reihe von Partnern hinter dieses Projekt gestellt haben, das der Bevölkerung und den politischen wie wirtschaftlichen Entscheidungsträgern ein schar- fes Bild der aktuellen Wettbe- werbsfähigkeit von metrobasel im Vergleich mit anderen Kon- kurrenten zeichnet. Wie schon auf Seite 5 erwähnt, waren die ersten Auftraggeber eines län- gerfristig angelegten Benchmar- kings von Life Sciences-Stand- orten die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Zürich sowie die Stadt Zürich, die Greater London Authority und die Ver- bände Interpharma, VSAC und Unia. Es sind aber bisher rund 20 Unternehmen, Verbände und Gebietskörperschaften aus der trinationalen Metropolitanregi- onBasel,diegeholfenhaben,die Projekte metrobasel report, out- look und forum zu lancieren. Wir danken unseren Partnern herzlich für die Unterstützung: >der Basler Kantonalbank für die Durchführung des ersten metrobasel bkb forums am 7. November >derBasellandschaftlichenKan- tonalbank für die Ermögli- chungdesmetrobaseloutlooks mit Analysen und Prognosen für die trinationale Metropoli- tanregionBasel,ihreBranchen und Teilregionen >und dem ETH-Studio Basel (Professoren Herzog und de Meuron sowie Emanuel Christ) für die Bebilderung des ersten metrobasel reports Es freut BAK Basel Econo- mics, dass eine Reihe namhafter Unternehmungen die Projekte metrobasel report, outlook und forum unterstützt: AHA Marke- ting und Kommunikation, Ernst & Young, EuroAirport, Genos- senschaft Migros Basel, Grand Casino Basel, MCH Messe Schweiz AG, Novartis, Pricewa- terhouseCoopers, RCC Ltd. und F. Hoffmann-La Roche AG. Verbände, die vor allem die KMU aus der trinationalen Me- tropolitanregion vertreten, sind zu einer Beteiligung eingeladen worden.Zugesagthatbereitsder Gewerbeverband Basel-Stadt.
  • 26. 28___metrobasel report interview Interview: Martin Hicklin Ab 2006 wird er als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Basel-Stadt und Baselland besonders für den Life Sciences-Standort werben. Die baz fragte nach Konzepten und Ideen. baz: Hans-Peter Wessels, Sie haben bei Ihrer Wahl zum Geschäftsführer gesagt, die Region Basel sei, was die Life Sciences betrifft, der beste Stand- ort der Welt. Bereits ein gewagter Werbespruch? Wir haben eine ganze Reihe von Life- Sciences-Firmen hier, die zu den Welt- marktleadern in ihrem Bereich zählen, nicht nur grosse Konzerne, sondern auch KMU. Allein das zeigt, dass der Standort ausgezeichnet ist. Denn sonst wäre dieser Erfolg nicht möglich. Es hat in den letzten Jahren erfolgreiche Start-ups und Spin-offs gegeben. Der Pharmabereich, aber auch verwandte Branchen wie die Bio- und die Medizinaltechnik oder die Chemie-, die Agro- und die Lebensmittelindustrie ent- wickeln sich erfolgreich. Dieser Cluster von Firmen gewinnt mehr und mehr Dynamik. Braucht es da noch eine Wirtschafts- förderung mit dem Schwerpunkt Life Sciences? Das ist wie im Spitzensport. Wenn man im Tennis die Nummer 1 ist, hört man ja nicht auf zu trainieren. Es ist eher ein An- sporn, noch besser zu werden. Das heisst, den Standort mit weiteren Firmen zu stär- ken. Wenn wir uns ausruhen, werden wir von der Konkurrenz überholt. Gerade im Bereich der High-Tech spielt die Konkur- renz global sehr stark; ein Vorsprung kann rasch verloren gehen. Wie steht es mit dem Rückhalt in Poli- tik und Bevölkerung? Der Goodwill gegenüber der Life Scien- ces-Branche im Speziellen und der Wirt- schaft im Allgemeinen ist in der Politik gross. Auch die öffentlich finanzierte Life Sciences-Forschung und -Lehre an unseren Hochschulen geniesst politische Unterstüt- zung. Die Finanzen sind allerdings knapp. Es gilt deshalb sicherzustellen, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Minde- stens ebenso wichtig: Ich habe den Ein- druck, dass die Unterstützung der Life Sciences und der Wille, eine starke Life Sciences-Region zu sein in der Bevölkerung zugenommen hat und fest verankert ist. Natürlich gibt es auch Kritik, aber diese kann ebenfalls zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen, wenn von beiden Seiten kons- truktiv mit ihr umgegangen wird. Was bringt eine Firma dazu, hierher zu ziehen? Für eine Firma muss die Grundlage zum Erfolg gegeben sein. Die Schweiz bie- tet politische Stabilität, das Bildungsni- veau ist sehr hoch, die Produktivität eben- falls. Die Verwaltung ist ein verlässlicher Partner. Die Unternehmenssteuern im in- ternationalen Vergleich bewegen sich in vernünftiger Höhe. Das alles heisst jedoch nicht, dass wir uns nicht noch in jeder Hin- sicht verbessern können und müssen. Aus- ser bei der politischen Stabilität. Dort sind wir Weltmeister. Standorte, wo die Steuern niedriger sind und Zuzüger mit Steuerrabatten gekö- dert werden, haben unbestreitbar Vorteile bei der Ansiedlung neuer Firmen. Insge- samt geht die Schweiz mit ihren Finanzen jedoch haushälterisch um. Die Unterneh- men wissen, dass sie von den Leistungen profitieren, die der Staat etwa in Bereichen wie Infrastruktur und Ausbildung erbringt. Wie steht es mit dem Arbeitsmarkt? Es gibt bei uns keine Betriebsräte. Der Arbeitsmarkt gilt im Vergleich zum europäischen Umfeld als flexibel. Ich glaube, das Beispiel Schweiz zeigt, dass man einen funktionierenden Arbeitsmarkt und gleichzeitig ein gut ausgebautes Sozi- alsystem haben kann. Das muss kein Wider- spruch sein. Die letzten zehn Jahre waren in der Schweiz wirtschaftlich nicht einfach und trotzdem funktionieren beide noch. Was spricht für die Region Basel im Speziellen? Ein wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass wir hier viele verschiedene Firmen haben, die in einem verwandten Bereich tätig sind: Pharma, Biotech, Medtech, Che- mie, Agro, Food – die Life Sciences eben. Dies schafft Synergien. Es gibt kaum sonstwo auf der Welt so viele Leute und Un- ternehmen auf so engem Raum, die mit Life Scienceszutunhaben,wieandiesemStand- ort. Das ist ein bestechender Grund hierher zukommen.NichtnurfürweitereLifeScien- ces-Firmen, sondern für alle Unternehmen, die an der Dynamik in unserer Region teil- haben und zu ihr beitragen wollen. Da dürfte auch die Konkurrenz um qua- lifiziertes Personal höher sein? Nicht nur die Konkurrenz um qualifi- ziertes Personal, auch die Konkurrenz um qualifizierte Arbeitsplätze ist höher. Faire Konkurrenz schadet nie. Im Gegenteil: Konkurrenz vor Ort trägt zum Erfolg auf dem Weltmarkt bei. Reichen die Ausbildungskapazitäten? Nur ein kleiner Teil des Personals wie Spitzenforscher(innen) oder Top-Mana- ger(innen) werden global rekrutiert. Es ist also wichtig, dass in der Region ausgezeich- nete Berufsleute ausgebildet werden. Her- vorragende Schulen und Hochschulen sind ein Muss. Von der neugebildeten Fachhoch- schule Nordwestschweiz verspreche ich mir einen Schub für den Standort. Die vier be- teiligten Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn setzen mit dem gemeinsamen Aufbau eines neuen Bereichs Life Sciences in Muttenz ein bemerkenswer- tes Zeichen. Hans-Peter Wessels, ab 2006 Wirtschaftsförderer beider Basel, über Standortwerbung «Auch die Nummer1 im Tennis muss weiter trainieren» Ab 2006 Wirtschaftsförderer beider Basel: Hans-Peter Wessels. Foto Flierl Hans-Peter Wessels, 43, ab 2006 Geschäfts- führer der Wirtschaftsförderung Basel-Stadt und Baselland, hat am Basler Biozentrum in Biochemie doktoriert und war zuletzt Geschäfts- führer des Zentrums für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Basel und der ETH Zürich (bis Ende 2005). Grossrat (SP) 1991–2000 und Feb. bis Dez. 2005, 1992– 2000 Präsident der Universitätskommission des Grossen Rates. Verheiratet, zwei Kinder.
  • 27. interview An andern grossen Life Sciences- Standorten gibt es berühmte Uni- versitäten. Die Basler Uni mit Life Sciences-Schwerpunkt ist klein – aber fein? Mit der Bereitschaft, die Universität ab 2007 gleichberechtigt mitzutragen, ermög- licht der Kanton Baselland einen grossen Schritt nach vorne. Ich schliesse mich dem Universitätsratspräsidenten Ueli Vischer an, der kürzlich in der baz gesagt hat, Qua- lität sei das Mass aller Dinge und man müsse viel Wert auf eine gute Ausbildung legen. Als kleine Universität muss die Uni Basel den Mut aufbringen, Schwerpunkte zusetzen.DieserProzessistmitderimApril 2004veröffentlichtenPortfolio-Analysedes Unirates in Gang gekommen. Grosse Hoffnungen ruhen auf dem Bas- ler ETH-Institut für Systembiologie? Bei der Systembiologie handelt es sich um ein langfristig vielversprechendes For- schungsgebiet von zentraler Bedeutung. Zudem verbessert das ETH-Institut in Basel unsere Vernetzung mit der Zürcher Hoch- schulforschung, die sehr stark ist. Die Ein- richtung darf in der Öffentlichkeit jedoch nicht als Projektionsfläche für übersteigerte Hoffnungen dienen. Das ETH-Institut ent- bindet die Universität Basel keineswegs, selber zukunftsgerichtete Initiativen in den Life Sciences zu ergreifen, wie das die ETH und die Universität Zürich tun. Sie sind grösser. Das stimmt. Aber Grösse allein ist nicht immer entscheidend. Es gibt Eliteuniver- sitäten wie Harvard oder das MIT, die ge- messen an der Studierendenzahl sehr klein sind. Gerade wenn man klein ist, ist ein ge- zielter Einsatz der Mittel absolut notwen- dig. An der Universität Basel fällt auf, dass es kostenintensive Bereiche gibt, für die sich kaum Studierende interessieren. An- dere überlaufen, sind aber massiv unterdo- tiert.DieFakultätenorientierensichnurzö- gerlich an der Nachfrage der Studierenden und den Bedürfnissen der Wirtschaft. Im Vergleich mit der sich agil bewegenden Fachhochschule erscheinen die Entschei- dungsprozesse an der Uni oft schwerfällig. Reichen die Mittel für die Wirtschaftsför- derung? Fragen Sie mich das in einem Jahr. Es stimmtzwar,dassdieMitteleherbescheiden sind im Vergleich beispielsweise mit der «Greater Zurich Area», wo sieben Kantone zusammenspannen. Aber wir haben im Life Sciences-Segment eine klare Leaderrolle und damit exzellente Voraussetzungen. Argumente statt Geld? So könnte man das sagen. Was nehmen Sie sich als Erstes vor? Ein Ziel ist sicher, die Wirtschaftsförde- rung Basel-Stadt und Baselland vor Ort be- kannter zu machen. Das mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen für eine Stelle, die von aussen Firmen anziehen sollte. Aber es ist eine notwen- dige Voraussetzung. Nur wenn die an- sässigen Unternehmen wissen, wer wir sind und was wir tun, können wir gegen aussen wirksam auftreten. Die meisten Firmen kommen ja nicht aus heiterem Himmel hierher, sondern weil bereits eine Beziehung zum Standort besteht, sei es eine Geschäftsbeziehung oder auf persön- licher Ebene. An erfolgreichen Standorten wächst die Bevölkerung, bei uns stagniert sie? Wir können ja nicht nur quantitativ, son- dern auch qualitativ wachsen. Wenn es uns gelingt, weitere attraktive Firmen hier an- zusiedeln, schlägt sich das in der Bevölke- rungsstruktur nieder. Zudem müssen wir wachsen, indem wir uns regional stärker vernetzen mit unseren Nachbarkantonen, aber auch mit unseren Partnern im Elsass und in Südbaden. «Die Region setzt alles daran, den Life Sciences- Cluster weiter zu stärken. Davon profitiert die ganze Wirtschaft.» ANZEIGE
  • 28. 30___metrobasel report autoren metrobasel steht vielen offen metrobasel ist neu als eingängige, international ausge- zeichnet kommunizierbare Marke für die trinationale Me- tropolitanregion Basel lanciert. Es freut BAK Basel Eco- nomics und seine Partner, dass sich immer mehr Re- präsentanten der Zivilgesellschaft – Bürgerinnen und Bürger – für eine starke trinatio- nale Metropolitanregion Basel und als Mittel hiezu für den Gebrauch des Brands metrobasel einsetzen wollen. PROJEKT TRANSLEARN. So wird zum Beispiel das hy- perWerk der Fachhochschule Nordwestschweiz unter dem Brand «metrobasel translearn» Projekte lancieren, in welchen auch die Arbeiten von BAK Basel Economics in den Themenfeldern internationale Wettbewerbs- fähigkeit des Life Sciences-Standortes Basel einerseits und negative Auswirkungen der politischen Fragmen- tierung der Region andererseits auf neuartige Weise an die Einwohner und Einwohnerinnen von metrobasel herangetragen werden. DieMarkemetrobaselstehtallenzurVerfügung,die sich mit Projekten an der Förderung der metropolita- nen Region Basel beteiligen wollen oder sich als Teil von metrobasel bezeichnen. Um den Schutz der Marke vor Missbrauch zu sichern, wurde eine metrobasel GmbH gegründet, an der BAK Basel Economics mehr- heitlich, als Partner Prof. Jacques Herzog und Prof. Pierre de Meuron vom ETH-Studio sowie die baz betei- ligt sind. Geschäftsführer und Ansprechperson ist Peter A. Zahn, St. Jakobsstr. 7, 4002 Basel, Postfach 2879, 061 278 99 55, peter.andreas.zahn@fromer-law.com Schriftzug zur Marke metrobasel für die metropolitane Region Basel. Autoren der metrobasel reports Christoph Koellreuter (1944) Mitbegründer, Direktor, Chefökonom und VR-Präsident von BAK Basel Economics. Studium der Volkswirtschaft an der Uni- versität Basel, wissenschaftlicher Mit- arbeiter bei der OECD, Paris, Master of Public Administration an der Queens University, Kingston, Kanada, Projektlei- ter für Konjunkturprognosen bei Prog- nos AG, Basel. 1980 Gründung der BAK Basler Arbeitsgruppe für Konjunk- turforschung als Spin-off der Universität Basel und von Prognos AG. Seit 1987 geschäftsführender Direktor und Präsi- dent des Verwaltungsrates von BAK Basel Economics. Mitglied des Verwal- tungsrates von Oxford Economic Fore- casting Ltd., Oxford, und Skandia Leben (CH) AG sowie Vorstandsmitglied der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesell- schaft Basel und der Vereinigung Bas- ler Ökonomen. Urs Müller (1957) Senior Consultant Studium an den Universitäten von Basel und Harvard, Cambridge, USA, 1981– 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei BAK, 1985–1989 Oberassistent am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum (WWZ) der Universität Basel, 1989–1996 stellvertretender Direktor von BAK, 1996–2005 Chef der Finanz- verwaltung des Kantons Basel-Stadt, seit 2005 Senior Consultant bei BAK Basel Economics; nebenamtlich seit 1998 Professor für Nationalökonomie in empirischer Wirtschaftsforschung und Public Finance an der Universität Basel. Thomas Schoder (1966) Senior Economist, Leiter Branchen- und Nachhaltigkeitsstudien Studium der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Tübingen und Freiburg im Breisgau, seit 1994 bei BAK Basel Economics. Er ist im Be- reich International Benchmarking für Branchenstudien verantwortlich und lei- tet das transnationale Interreg IIIB Nachhaltigkeits-Projekt MARS (Monito- ring Alpine Regions’ Sustainability). Branchenspezialist für die chemisch- pharmazeutische Industrie und den Life-Sciences-Sektor. Leitet seit 1996 das Projekt «Regio-Plus», seit 2001 das Projekt «Analyse und Prognose der regionalen Wirtschaftsstrukturen in der Nordwestschweiz» und seit 2005 das Projekt «metrobasel». Manuela Merki (1980) Economist Studium der Wirtschaftswissenschaf- ten an den Universitäten Basel und Lausanne. Seit 2005 arbeitet Manuela Merki bei BAK Basel Economics, vor allem im Bereich Life Sciences und Kommunikationsbranche. Sie bearbei- tet mehrere Länder im Rahmen des In- ternational Benchmark Clubs und ist Regionalverantwortliche für die Region Alsace.
  • 29. autoren 08____Obertüllingen. Blick über metrobasel. Eine attraktive Landschaft ist Voraussetzung für eine attraktive Stadt. Andreas Steffes (1976). Economist Studium des Steuerrechts an der Fachhochschule für Finanzen des Landes Nordrheinwestfalen, Nordkirchen, und der Volkswirtschaft an den Uni- versitäten Bonn und Basel. Nachdiplom-Studien im Bereich «Nachhaltigkeit». Seit 2005 als Econo- mist bei BAK Basel Economics. Seine Schwer- punkte liegen im Bereich Nachhaltigkeit, Innovati- onsfaktoren und Life Sciences. Bearbeitet meh- rere Länder im Rahmen des International Bench- mark Clubs und ist Regionalverantwortlicher für die Regionen Schwyz, Obwalden und Zug. marketing live. Art|Basel, Art|Basel|Miami Beach, BASELWORLD, Basler Weinmesse, Berufsmesse Zürich, BuchBasel, focus. technology forum, GiardinaZÜRICH, go, herbschtwaremäss, Hilsa, Holz, Igeho, ILMAC, ineltec, in_side, Lefa, mavex, MipTec, muba, powertage, staplex, Swissbau, SWISS-MOTO, Swiss Sensor Market, Swisstech, WORLDDIDAC Basel, XCHAIN, Zürcher Weinmesse, Züspa www.messe.ch ANZEIGE