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Competence Book Nr. 7 
ERP Kompakt 
Enterprise Ressource Planning für eine integrierte Ökonomie
Einleitung Grundlagen Anwendungen & 
Lösungsbausteine 
5 Editorial Volker Schnittler 
ERP 2020 
Zukunft, aber keine 
Science Fiction 
6 Grußwort Frank Naujoks 
Gerüstet für den Wettbewerb 
von morgen 
7 Grußwort Otto Schell 
ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit 
um Zukunftsfähigkeit 
8 Grußwort Thorsten Reuper 
ERP der Zukunft - die Zukunft 
des ERP hat gerade erst 
begonnen 
9 Grußwort Manfred Deues 
Maximale 
Prozesstransparenz 
10 Zahlen kompakt 
Infografik ERP 
14 Statements 
Statements zu ERP 
20 ERP 2020 I 
Roundtable zu ERP 2020 
28 ERP 2020 II 
Die ERP 2020-Initiative des 
VDMA vorgestellt 
31 ERP 2020 III 
21 Thesen für das 
ERP der Zukunft 
36 ERP Auswahl 
Die Zeit ist reif: Ein neues 
ERP-Auswahlverfahren 
41 ERP Einführung I 
So vermeiden Sie 
Stolperfallen bei der 
ERP-Einführung 
43 ERP Einführung II 
ERP-Systeme einführen: 
In drei Phasen zum Erfolg 
46 Wandlungsfähigkeit 
Mehr Wandlungsfähigkeit 
dank moderner ERP 
48 ERP Trends I 
Vier Megatrends fordern 
die gesamte IT-Industrie 
52 ERP Trends II 
ERP Trends 2014 
57 ERP 2020 IV 
Eine Einführung zu den 
ERP-2020-Reports 
59 ERP 2020 V 
Mobility, Connectivity, 
Usability: Empirie zur 
Trilogie der ERP 2020 
65 Mobility 
Das Büro in der Westentasche 
Business-Software wird mobil 
67 Cloud 
ERP in der Cloud 
Zwei Trends zeichnen sich ab 
69 Usability 
ERP 2020 und Industrie 4.0 
Usability - next steps 
71 Herausforderungen 
Herausforderung 
Prozessoptimierung 
74 Integration 
Vorteile einer ERP/MES-Integration 
76 Internationalisierung 
Wie ERP-Systeme 
internationale Geschäftspro-zesse 
unterstützen 
79 Fertiger 
ERP für Einzel- und 
Auftragsfertiger 
4 Unser Kompetenz-Netzwerk 
Partner des 
Competence Books 
INHALT 
2 Competence Book - ERP
Case Studies & 
Produktinformationen 
Branchenübersicht 
85 Kumavision 
ERP-Lösung KUMAVISION 
factory für Förderanlagen im 
Bergbau 
88 Asseco 
Maschinenring Österreich: 
Ring frei für APplus 
90 Microsoft 
Mit Dynamics AX 2012 
schlank in die Zukunft 
92 Cosmo Consult 
Integrierte Module statt 
Individualprogrammierung 
95 Asseco 
Der Weltmarktführer für 
Luftpumpen und 
Schutzbleche ist mit APplus 
für die Zukunft gerüstet 
97 ams.Solution AG 
Wachstum organisieren 
101 COSMO CONSULT AG 
Ein Partner für alle Fälle 
104 ams.Solution AG 
Auf Draht bei Aumann 
106 Diverse Branchen 
Weitere Case Studies und 
Produktinformationen unse-rer 
Partner 
112 Informationsquellen 
114 Unternehmen 
119 Experten 
126 Glossar 
Impressum 
Verantwortlich für das Competence Book i.S. des 
TDG: 
Geschäftsadresse: 
NetSkill AG 
Salierring 43 
50677 Köln 
Tel.: 0221 / 716 144 0 
E-Mail: info@netskill.de 
Vorstand: 
Dr. Winfried Felser 
Aufsichtsratsvorsitzender: 
Michael Felser 
Amtsgericht Köln 
HRB 58503 
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: 
DE209010121 
Projektleitung: 
Maximilian Herzogenrath 
Layout & Design: 
Martina Mittermüller 
Quellenangabe Inhaltsverzeichnis: 
© Copyright 2013 NetSkill AG - alle Rechte 
vorbehalten. 
INHALT 
Competence Book - ERP 3
PARTNER - SPONSOREN DES COMPETENCE BOOKS 
Partner des Competence Books ERP 
4 Competence Book - ERP
EDITORIAL 
ERP 2020: 
Zukunft, aber keine Science-Fiction 
ERP-Lösungen gehören seit vielen 
Jahren zum Standard in Wirt-schaftsunternehmen. 
Die Umfra-gen 
innerhalb des Maschinen- und Anla-genbaus, 
die der VDMA alle zwei Jahre zu 
IT-Systemen durchführt zeigen, dass fast 
100% der Unternehmen derartige Lösun-gen 
einsetzen. 
Der hohe Grad an Rationalisierung und 
Prozessbeschleunigung, der mit dem Ein-satz 
dieser Systeme gewonnen wurde, wird 
als selbstverständlich hingenommen und 
damit kaum mehr beachtet. Tatsächlich 
ist ERP heute eine Selbstverständlichkeit, 
allerdings eine Selbstverständlichkeit mit 
großem Potential. Nicht umsonst arbeiten 
tagaus tagein Hunderte von Mitarbeitern 
in den einschlägigen Softwarehäusern da-ran, 
diese Lösungen weiter zu entwickeln 
und zu verbessern. 
Um den oben genannten Sachverhalt 
mehr in das Bewusstsein der Nutzer zu 
rücken und nahe liegende Entwicklungen 
aufzuzeigen, hat der VDMA die Kampa-gne 
ERP 2020 gestartet. Einerseits geht 
es darum, dass das Nutzenpotential, wel-ches 
die Unternehmen durch die Bezah-lung 
der Lizenzgebühren erwerben, auch 
bei den Nutzern ankommt. Dies gelingt 
nur, wenn auch die aktuellen Versionen 
der Softwareprodukte eingesetzt und ihre 
funktionalen Potenziale auch tatsächlich 
für eine zukunftsfähige Wertschöpfung 
genutzt werden. Kommen veraltete Re-lease- 
Stände zum Einsatz oder werden 
neue Chancen bzw. Opportunitäten nicht 
genutzt, kann man in diesem Sinne schon 
von Verschwendung sprechen! 
Zum anderen kommt derzeit grundlegend 
Bewegung in das Thema ERP. Wie beim 
Wechsel von ASCII-basierten Terminals 
zu Windows basierten Client-Server- Lö-sungen 
stehen wir heute wieder vor einem 
Paradigmenwechsel. Dieser wird sich je-doch 
weit dynamischer und rascher voll-ziehen 
als der Vorgenannte. 
Getrieben vom Megatrend der Mobilität, 
die in mehr und mehr Arbeitsbereichen 
gefordert wird, und von modernen End-geräten, 
mit denen die nächste Nutzerge-neration 
völlig neue Kommunikationsge-wohnheiten 
entwickelt hat, wird nun auch 
ERP mobil, vernetzt und in der Anwen-dung 
ergonomischer, im Sinne von Ein-fachheit 
und Benutzerführung. Nicht nur 
die Generation Y bevorzugt eine andere 
„work life balance“, welche eine flexiblere 
und mobile Erbringung ihres Leistungs-beitrags 
für das Unternehmen ermög-licht. 
Auch in anderen Bereichen ist das 
ortsungebundene Arbeiten unaufhaltsam 
auf dem Vormarsch. Dies geht heute weit 
über die klassischen Außendienstberei-che 
wie Vertrieb oder Kundendienst und 
Service hinaus. Eine moderne Industrie-nation 
kann es sich schlicht nicht leisten, 
ihre Mitarbeiterinnen, welche gut aus-gebildet 
und motiviert maßgeblich zum 
wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen 
beitragen, einfach ziehen zu lassen, wenn 
diese sich vorübergehend dafür entschei-den, 
ihre Familie in den Mittelpunkt ih-res 
Lebens zu stellen. Vielmehr müssen 
technische und organisatorische Voraus-setzungen 
dafür geschaffen werden, die-se 
Mitarbeiterinnen über moderne und 
sichere Homeoffice Arbeitsplätze an ihre 
Unternehmen zu binden. 
Es lohnt sich also, sich dem Thema ERP 
wieder etwas intensiver zuzuwenden und 
das vorliegende Competence Book wird 
Zum Autor Volker Schnittler: 
Seit Oktober 2001 ist Volker Schnittler 
als Referent für kaufmännische Unter-nehmenssoftware 
wie ERP, PPS, MES 
und Variantenkonfigurationslösungen 
bei der Abteilung Informatik des VDMA 
beschäftigt. Dort leitet er u. a. auch 
den PPS-Anwender/Anbieter-Dialog 
und ist Mitglied im Forschungsbeirat 
des fir (Aachen). 
sicherlich seinen Anteil daran haben, Er-kenntnisse 
zu stiften und wichtige Ent-wicklungstendenzen 
zu verdeutlichen. 
Dabei wünsche ich recht viel Erfolg! 
Ihr Volker Schnittler 
Fachreferent kaufmännische Unterneh-menssoftware, 
VDMA - Informatik 
Competence Book - ERP 5
GRUSSWORT - MICROSOFT DEUTSCHLAND GMBH 
Gerüstet für den Wett-bewerb 
von morgen 
Sehr geehrte Leser, 
die deutsche Fertigungsindustrie genießt weltweit einen 
exzellenten Ruf. Viele „Hidden Champions“ dominieren 
aus Deutschland heraus den Weltmarkt mit ihren hochspe-zialisierten 
Angeboten. Für den Erfolg ausschlaggebend ist 
neben der Ausgangsidee die stetige Verbesserung, das Of-fensein 
für Neues sowie eine ausgeprägte Spezialisierung 
und Fokussierung. Dabei helfen integrierte ERP-Systeme, 
weltweit einheitliche Prozesse umzusetzen. 
Veränderungen müssen im unternehmerischen Alltag 
gestaltet werden und idealerweise wird man selbst zum 
Trendsetter. Themen wie Globalisierung, Internet der Din-ge 
aber auch ein effizienter Materialeinsatz treiben die Fer-tigungsindustrie 
seit Jahren um und setzen Rahmenbedin-gungen, 
in denen erfolgreiche Unternehmen agieren und 
gestalten. 
Fragt man heute Fertiger nach den Treibern für ihre IT-In-vestitionen 
ertönt der Dreiklang aus erhöhter Produktivi-tät, 
reduzierten Kosten und verbesserten Geschäftsprozes-sen. 
Zwar sind die kurzfristigen ökonomischen Aussichten 
eher unsicher, doch langfristiges profitables Wachstum 
basiert auf weltweit integrierten Wertschöpfungsketten, 
die in der Lage sind, sich schnell ändernden Bedingungen 
anzupassen. Für Fertigungsunternehmen bedeutet dies, 
dass sie ihre weltweiten Aktivitäten weiter ausbauen müs-sen 
bei gleichzeitiger Prozessstandardisierung über Lan-desgrenzen 
hinweg. Dabei spielen Themen wie Cloud, Big 
Data, Social Business und Mobility für die Konzeption von 
IT-Systemen zunehmend eine wettbewerbsentscheidende 
Rolle und müssen durch ERP- und CRM-Lösungen abge-bildet 
werden. 
Die nächste Welle an Produktivitätsverbesserungen wird 
nicht in kleinen Schritten ablaufen. Vielmehr erwarten 
Fertigungsunternehmen von ihren IT-Investitionen in 
moderne IT-Infrastruktur deutliche Produktivitätsverbes-serungen 
in sehr kurzer Zeit. Microsoft beispielsweise lie-fert 
dazu die Plattform-Technologie, damit Anwender eine 
IT-infrastruktur bestehend aus Server, Sharepoint, Lync, 
Office 365, CRM und natürlich Dynamics ERP aus einem 
Guss erhalten. Das Ganze ergänzt um das tiefe Branchen-wissen 
der Partner lässt Anwender sehr gut gerüstet in den 
Wettbewerb von morgen ziehen. 
Ihr 
Frank Naujoks 
Zum Autor Frank Naujoks: 
Frank Naujoks arbeitet seit April 2013 bei Microsoft und verantwortet als Pro-duktmanager 
Microsoft Dynamics AX. Der ehemalige Analyst, mit Stationen bei 
META Group, Hewson Group, IDC und i2s, hat einen Abschluss als Diplom-Kauf-mann 
der Universität zu Köln. 
6 Competence Book - ERP
GRUSSWORT - DSAG E. V. 
ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit um 
Zukunftsfähigkeit 
Die Standardisierung von Prozessen, die Redu-zierung 
von Systemen, die Harmonisierung von 
Stammdaten oder die Compliance sind wohl die 
meist genannten Themen der letzten Jahre, im Zusam-menhang 
mit einem Business Case für die Einführung 
eines ERP-Systems wie beispielsweise SAP. Hier steht die 
Effizienz der Strukturen und Systeme im Vordergrund. 
Die Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile aber 
geändert. Neue Technologien erlauben nahezu unbe-grenzte 
Möglichkeiten in der Datenauswertung und (fast) 
real-time Prozesse eröffnen erweiterte Spielräume für 
die Prozessintegration auch in der Maschine-zu-Maschi-ne- 
Kommunikation. Da rein aus Anwendersicht die Ver-arbeitung 
großer Datenmengen kaum mehr eine Rolle 
spielt, ergeben sich weitere Felder für integrative Ansätze, 
wie zum Beispiel Simulationsmodelle, die im Bereich der 
Prototypen eingesetzt werden. Hinzu kommen Bereiche 
wie Mobility und Cloud. Hierbei ist festzustellen, dass die 
Grenzen mobiler Anwendungen oder der Nutzen bzw. der 
Einstieg in die Cloud noch nicht in dem Maße greifbar 
sind, um ganzheitliche Entscheidungen über entsprechen-de 
Projekte treffen zu können. 
In dem Zusammenhang wird die Frage zu beantworten 
sein, wie sich die neuen Technologien nicht nur auf die 
ERP-Systeme, sondern letztlich auf das gesamte Unter-nehmen 
und seine Zukunftsfähigkeit auswirken. Auf der 
Suche nach einer entsprechenden Antwort beschäftigen 
sich viele Unternehmen derzeit noch sehr mit Konsolidie-rungs- 
oder Harmonisierungsprojekten, um ihre gewach-senen 
Strukturen zu vereinfachen. Das heißt, momentan 
wird viel getestet und versucht, punktuell die auftretenden 
Probleme zu lösen. 
Das entspricht aber nicht unbedingt dem ERP-Gedanken. 
Hier stehen letztendlich die Standardisierung und vor al-lem 
die Integration im Vordergrund. Die damit verbunde-nen 
Aufgaben zu meistern, führt bei vielen Unternehmen 
zu einem Wettlauf gegen die Zeit, um die Vorteile von „real 
time“-Anwendungen wettbewerbstechnisch nutzen zu 
können. 
Die Herausforderungen für den ERP-Markt liegen damit 
klar auf der Hand: Die Hersteller müssen ihren Kunden 
eine Strategie aufzeigen, wie die Produkte weiterentwi-ckelt 
werden, ohne dass sie ihre Integrationsstärke und 
Compliance verlieren. Zudem müssen die Lösungen ohne 
große technische und finanzielle Aufwände in die beste-henden 
IT-Landschaften einzubinden sein, um den gestie-genen 
Business-Anforderungen gerecht zu werden. Auf 
dieser Basis könnte dann auch der Wettlauf mit der Zeit 
um die Zukunftsfähigkeit gewonnen werden. 
Diese Entwicklung entscheidend zu beeinflussen und da-bei 
als Stimme der Anwender zu agieren ist Aufgabe der 
DSAG. Hierfür hat sich der Vorstand entsprechend aufge-stellt. 
Zum Autor Otto Schell: 
Seit 2008 ist Otto Schell in der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. 
ehrenamtlicher Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse, Ressort Branchen. Daneben 
leitet er u.a. den Arbeitskreis Globalisierung und ist aktiv in diversen DSAG/SAP-Gre-mien 
sowie im internationalen Umfeld der SAP-Anwendergruppen. 
Otto Schell leitet als SAP Business Process Manager das EMEA SAP Business CCoE 
eines globalen Automobilherstellers. In dieser Rolle ist er in globalen und regionalen 
Transformation/SAP-Initiativen vertreten und mit dem Aufbau der SAP CCoEs vertraut. 
Competence Book - ERP 7
GRUSSWORT - ASSECO SOLUTIONS AG 
ERP der Zukunft 
die Zukunft des ERP hat gerade erst begonnen 
Liebe Leserinnen und Leser, 
aktuelle Prognosen für die zukünftige Entwicklung von ERP 
konfrontieren uns mit Schlagwörtern wie „Multisite“, „Mobili-ty“, 
„Usability“, „Cloud“ sowie allen voran „Industrie 4.0“. Einige 
dieser Konzepte sind bereits heute weit verbreitet, etwa „Cloud 
Computing“, welches sich auch zunehmend im Geschäftsbereich 
großer Beliebtheit erfreut. Andere Trends hingegen werden als 
Goldener Weg proklamiert, obwohl die Umsetzung in der Reali-tät 
tendenziell noch in den Kinderschuhen steckt – so etwa bei 
Industrie 4.0. Dennoch wird oft der Anschein erweckt, Unter-nehmen 
müssten ihre Produktionsabläufe so schnell wie möglich 
auf die dezentrale Vernetzung umstellen, um zukunftsfähig zu 
bleiben – besser heute noch als morgen. 
Auch politisch wird das Thema aktuell heiß diskutiert. Der Vor-teil 
einer solchen medialen Aufmerksamkeit liegt dabei auf der 
Hand: Sie schafft Bewusstsein, einschließlich der technischen 
und organisatorischen Herausforderungen, die dem Konzept zu-grunde 
liegen und denen auch wir ERP-Hersteller auf die eine 
oder andere Weise gerecht werden müssen. Allen voran zählen 
hierzu natürlich die Sicherheitsaspekte, wie der Schutz solcher 
Systeme vor Spionage und Manipulation. Zudem tun sich Kon-zeptfragen 
auf: Wie viel Dezentralität ist wünschenswert? Wie 
viel Autonomie ist für die vernetzten Maschinen wirklich sinn-voll? 
Fragen wie diese müssen geklärt werden, doch wäre es ver-messen 
und unrealistisch, schon heute oder morgen mit umfas-senden 
Lösungen aufwarten zu wollen. Denn diese benötigen 
Zeit – und viele wertvolle Schlüsse werden wir erst aus der Erfah-rung 
ziehen können. 
Um eine gute Grundlage hierfür zu schaffen, sind ERP-Hersteller 
allerdings bereits heute gefordert, diese Entwicklung aktiv mit-zugestalten 
– denn ihre Produkte beeinflussen die Effizienz und 
Wirtschaftlichkeit von Unternehmen in zentraler Weise und bil-den 
so den Kern der geschäftlichen Prozesse. Noch befinden wir 
uns am Anfang dieser Entwicklung, und dies gibt uns die Chance, 
die Fortentwicklung des Konzepts von Anfang an aktiv zum Po-sitiven 
mitzugestalten. Die Zukunft bleibt also spannend – denn 
für ERP hat sie gerade erst begonnen. 
Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine informative Lek-türe. 
Herzliche Grüße Ihr Thorsten Reuper 
Zu Thorsten Reuper: 
Seit mehr als dreißig Jahren in der IT-Branche tätig, ist 
Thorsten Reuper ein besonders versierter Mann mit einem 
umfassenden technischen Hintergrund, der weitreichen-de 
Erfahrungen in verschiedenen renommierten Unter-nehmen 
vorweisen kann. Erklärtes Ziel des technischen 
Verantwortlichen ist die konsequent verfolgte, strategisch 
ausgerichtete Produktentwicklung mit gezielten Funkti-onserweiterungen 
und einem besonderen Augenmerk auf 
die Ergonomie der Software. Dies soll insbesondere durch 
eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kun-den 
und Interessenten realisiert werden. 
8 Competence Book - ERP
GRUSSWORT - AMS.SOLUTION AG 
Maximale Prozesstransparenz 
Sehr geehrte Leser, 
Einzel- und Auftragsfertiger haben eine harte Nuss zu kna-cken. 
Ohne dass ihnen alle Detailinformationen vorliegen, 
müssen sie mehrmonatige, zum Teil mehrjährige Aufträge 
sicher organisieren. Hierbei ist höchste Präzision geboten: 
Angesichts sechs- bis achtstelliger Investitionssummen 
bergen selbst kleinere Planungsfehler ein erhebliches Ge-fahrenpotenzial. 
In den vergangenen 25 Jahren haben wir uns daher aus-schließlich 
mit der Frage beschäftigt, wie Einzelfertiger 
aus dem Anlagen-, Werkzeug- und Sondermaschinenbau, 
dem Stahl- und Metallbau, der Innenausstattung und der 
Werftenindustrie ihr komplexes Projektgeschäft wettbe-werbsfähig 
managen. Die Quintessenz unserer Erfahrun-gen: 
Je höher die Prozesstransparenz ist, desto wirtschaft-licher 
lassen sich knapper werdende Ressourcen zuteilen, 
desto sicherer die immer enger gesetzten Liefertermine 
halten und desto umfassender die ständig steigenden Kun-denwünsche 
erfüllen. 
Als Beratungs- und Standardsoftware-Spezialist für die 
Prozessoptimierung von Einzel-, Auftrags- und Varian-tenfertigern 
sind wir das einzige europaweit tätige Unter-nehmen, 
das mit dieser ausschließlichen Fokussierung 
am Markt ist. Inzwischen erschließen beinahe 500 Un-ternehmen 
signifikante Wettbewerbsvorteile mit unserer 
Gesamtlösung, dem integrierten Auftragsmanagement-system 
ams.erp, das alle Geschäftsbereiche vollständig 
vernetzt. Angefangen bei Marketing und Vertrieb inklusi-ve 
Kalkulation reicht die Prozessunterstützung über Kon-struktion, 
Fertigung und Beschaffung bis zu Auslieferung, 
Montage und Service Management. 
Unabhängige Marktbeobachter bestätigen, dass unser 
Portfolio die Anforderungen des Zielmarkts besonders 
gut erfüllt. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie das Ge-schäft 
der Einzel- und Auftragsfertiger. Eine ganze Reihe 
davon zeigen die beiden anschließenden Kundenberichte. 
In ihrem Zentrum stehen die Automatisierungsspezialis-ten 
Aumann aus Espelkamp und Hahn Automation aus 
Rheinböllen. Beide Einzelfertiger nutzen die Transparenz 
unserer Lösungen, um ihr anspruchsvolles Projektgeschäft 
wirtschaftlich und terminsicher zu steuern. Zudem zeigen 
die Texte, wie sich die Anwender fortwährend neue Vortei-le 
im härter werdenden Wettbewerb verschaffen. 
Eine spannende Lektüre wünscht, 
Manfred Deues, Vorstand ams.Solution AG 
Zum Autor Manfred Deues: 
Manfred Deues ist seit mehr als 30 Jahren in der IT-Bran-che 
tätig. 1997 ist der gelernte Bankkaufmann und studier-te 
Betriebswirt (EDV/Organisation) als geschäftsführender 
Gesellschafter in die hinrichts+müller GmbH eingetreten. 
In dieser Funktion war er verantwortlich für die Bereiche 
Vertrieb, Marketing und Verwaltung. 2010 erfolgte die Um-firmierung 
der hinrichts+müller GmbH in die ams.Solution 
AG, dessen Vorstand er seit Gründung angehört. Im glei-chen 
Jahr ernannte ihn der Europäische Wirtschaftssenat 
zum Wirtschaftssenator. In diesen Zeitraum fällt auch die 
Einrichtung des Instituts für Einzelfertiger (ife), dessen In-itiator 
und Mitbegründer Manfred Deues ist. 
Competence Book - ERP 9
INFOGRAFIK 
Infografik ERP 
ERP-Tops und -Flops1 
Top 5 
Flop 5 
Neue User-Interfaces müssen sich an 
mobiles Arbeiten anpassen 
Bedarf an umfassender Informationsver-fügbarkeit 
enorm gestiegen 
Informationsaustausch nimmt zu, da 
Austauschsfrequenz kurzzyklischer 
ERP müssen auf unterschiedlichen 
Endgeräte jederzeit/überall verfügbar sein 
Keine 1-System-Lösung, 
Multi-System-Landschaft 
Qualitätsstandards für Einführung von ERP 
zur Bewertung Anbieter 
Bedienung von ERP intuitiv und ohne 
Schulung möglich 
Einige wenige standardisierte Datenmodelle 
von wenigen Anbietern vorgegeben 
Arbeiten mit gleichen Werkzeugen wie im 
Privatbereich (BYOD, ...) 
Strukturierte Verfahren zur 
Nutzenbewertung von ERP-Systemen 
Gründe für ERP-Projekte3 
50,7% Altsystem nicht mehr leistungsfähig genug 
22,5% Schlechte Durchgängigkeit / Übersicht 
12,7 % Firmenwachstum 
8,5 % Flexible Organisationsentwicklung 
5,6% Sonstiges 
10 Competence Book - ERP
INFOGRAFIK 
Top 5 Auswahlkriterien von ERP-Software5 
65% 48% 33% 28% 28% 
Top 5 Optimierungsbedarf bei ERP-Software4 
89% 
Prozesse schneller und 
effizienter machen 
80% 
Prozesse verschlan-ken 
und vereinfachen 
62% 
Die Agilität / Anpas-sungsfähigkeit 
der 
Prozesse erhöhen 
61% 
Kundenzufriedenheit 
mit der Auftragsab-wicklung 
verbessern 
61% 
Transparenz der 
Geschäftsprozesse 
erhöhen 
Ziele eines ERP-Projektes3 
Effizientere Auftragsab-wicklung 
Einheitlich integrierte 
IT-Landschaft 
Überblick / Aktuelle 
Daten 
Optimierung der Ge-schäftsprozesse 
Transparenz 
Modernisierung 
32,4% 
26,8% 
25,4% 
23,9% 
16,9% 
16,9% 
Probleme bei ERP-Projekten3 
Zeitüberschreitung 
Aufwändige Mitarbei-terschulungen 
Nicht definierte Unter-nehmensprozesse 
Widerstände im Haus 
Probleme bei der 
Datenintegration 
Schnittstellenprob-leme 
21,1% 
14,1% 
11,3% 
9,9% 
9,9% 
5,6% 
Funktionalität Flexibilität SW KMU-Eignung / 
Praktikabilität 
Kosten / Nutzen Fachkompetenz & 
Auftreten 
Competence Book - ERP 11
INFOGRAFIK 
Top 5 Nutzen von ERP-Systemen6 
Top 5 Formate für überbetrieblichen Datenaustausch 
bei ERP-Systemen6 
Erfolgsfaktoren für ERP-Projekte3 
26,8% 
Guter Support 
14,1% 
Gute Planung / Know 
How 
11,3% 
Beratungsleistungen 
des ERP-Anbieters 
5,6% 
Gute Schulungen 
5,6% 
Geringer Implemen-tierungsaufwand 
4,2% 
Transparenz 
Unterstützung von mobilen Plattformen durch ERP-Produkte5 
34% 27% 15% 13% 5% 6% 
Anzahl unterstützter 
Mobilplattformen 
0 1 2 3 4 5 
55% 51% 
40% 38% 36% 
Prozesse schnell & 
einfach 
Informationen 
schnell & einfach 
Information korrekt & 
nützlich 
Rückverfolgbarkeit 
von Informationen 
Durchgängige Pro-zess- 
Unterstützung 
59% 
EDIFACT 
21% 
DATANORM 
19% 
ODETTE 
17% 
VDA-FS 
13% 
ANSI X 12 
12 Competence Book - ERP
INFOGRAFIK 
Welche mobilen Plattformen 
werden durch ERP-Produkte 
unterstützt?5 
Windows Mobile-basierte 
Geräte 
IPhone 
IPad 
Android-basierte Geräte 
(Google) 
Palm WebOS basierte Geräte 
Blackberry 
66% 
32% 
31% 
23% 
15% 
14% 
Quellen: 
(1) http://www.competence-site.de/downloads/45/32/i_file_1134046/21_thesen_erp_2020_final.pdf 
(2) http://www.competence-site.de/usability/ERP2020-Usability-als-Erfolgsfaktor 
(3) Gronau 
(4) http://www.computerwoche.de/i/detail/artikel/2537779/1/946381/EL_1367850380368342367536/ 
(5) http://www.competence-site.de/erp-standardsoftware/Karsten-Sontow-zu-Mobility-der-ERP-2020 
(6) http://www.competence-site.de/erp-standardsoftware/ERP-2020-Connectivity 
(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Enterprise-Resource-Planning 
Gründe für die 
Systemauswahl3 
Funktionalität 
Branchen-/ Mittelstands-lösung 
Umfangreiches Modulan-gebot 
/ Erweiterbarkeit 
Preis-Leistungs-Ver-hältnis 
Positive Erfahrungen mit 
Anbieter 
29,6% 
28,2% 
26,8% 
26,8% 
22,5% 
Competence Book - ERP 13
STATEMENTS 
Statements zu ERP 
Wir sind uns sicher, dass ERP 
auch weiterhin im Mittelpunkt 
des unternehmerischen IT-Ge-füges 
Die Frage nach der Bedeutung 
eines ERP-Systems in der nahen 
Zukunft lässt sich nicht so ein-fach 
beantworten.2 
ERP-Systeme werden in der Zukunft 
DIE zentralen Steuerungseinheiten 
– insbesondere in mittelständischen 
Betrieben – sein.3 
Eine wesentliche Herausforderung 
des ERP-Systems der Zukunft: die 
punktgenaue, aber gleichzeitig 
einfache Verfügbarkeit von Infor-mationen. 
Bedeutung ERP 
Ohne das vielgerühmte Backbone ERP wird es 
nicht gehen – die Daten sollen ja verlässlich 
sein und für alle Beteiligten gleich.4 
Ich würde prognostizieren, dass es Systeme mit dem heutigen Zu-schnitt 
gar nicht mehr geben wird, weitergedacht führt das unwei-gerlich 
zu einem anderen ERP-Begriff als wir ihn heute kennen.2 
Wir sind auf den Weg in eine Appisierung der Anwen-dungs- 
Der Trend – wie schon seit längerer Zeit 
zu beobachten – geht dabei klar zu zen-tralen, 
integriert arbeitenden Systemen, 
die in der Lage sind, alle Unternehmens-prozesse 
zu verknüpfen, zu steuern und 
entsprechend abzubilden.3 
Zukunft 
ERP 
Die Anforderungen 
an das ERP-Sys-tem 
werden künf-tig 
weitaus an-spruchsvoller 
sein 
als dies bisher der 
Fall war.1 
stehen wird.1 
1 
Workloads.4 
14 Competence Book - ERP
STATEMENTS 
Es wird immer mehr zur Selbstverständ-lichkeit, 
über die mobilen Geräte nicht nur 
jederzeit im Unternehmen vorgehaltene 
Daten abzurufen, sondern auch Informa-tionen 
zurückzugeben.1 
Die „neue Generation“ von Mitarbeitern, die 
in die Unternehmen kommen, nutzen bereits 
heute vor allem im privaten Bereich bereits 
alle erdenklichen mobilen Geräte.1 
Devices ziehen in den 
Shopfloor ein und es 
werden andere Möglich-keiten 
der Interaktion mit 
der Software selbst, aber 
auch mit den beteiligten 
Menschen und genutz-ten 
Maschinen, möglich.2 
Mobility & 
Usability 
Für eine All- und Jederzeit-Verfüg-barkeit 
müssen mobile Geräte durch-gängig 
Einzug im Unternehmen er-halten, 
denn sie gewährleisten die 
Wir gehen davon aus, 
dass das Tablet auch im 
Geschäftsleben seinen 
Siegeszug antreten und 
das Notebook in abseh-barer 
Zeit verdrängen 
wird.1 
Professionelle Mobilität wird zu-künftig 
einen noch höheren Stel-lenwert 
einnehmen, als dies be-reits 
heute der Fall ist.3 
Die innerbetriebliche und unternehmens-übergreifende 
Kollaboration sind seit langer 
Zeit die Top-Themen bei der Implementie-rung 
von ERP- und MES-Systemen.2 
Connectivity, Daten 
& Kollaboration 
Um die Aufgabenstellung „Kommunikation und Kollaboration“ zu-friedenstellend 
auszuführen, bedarf es auch zukünftig eines noch 
umfangreicheren Datenaustausches zwischen den Unternehmen.3 
Konnektivität.1 
Dieser Konnektivitäts-Ent-wicklung 
kann sich kein 
Anbieter entziehen – es 
bleibt die Frage, ob für 
den Anwender daraus ein 
Technologie-Zoo entsteht 
oder eine möglichst ho-mogene 
Applikationsland-schaft. 
Hier wird es aus 
Anbietersicht noch Konso-lidierungswellen 
geben.4 
Competence Book - ERP 15
STATEMENTS 
Agile Produktionssysteme erfordern in 
gleichem Maße agile Softwaresysteme 
zur Planung, Simulation und Steuerung 
der Herstellungsprozesse (Internet der 
Services).2 
Das ERP-System wird zu-künftig 
wie auch heute 
schon als der „große Res-sourcenvorhalter 
hier für 
eine Planungs- und Steue-rungshoheit 
verantwortlich 
sein.3 
ERP-Funktionen 
& Architekturen 
Die Zukunft wird hybrid sein – und der Kunde kann wählen, ob er die Systeme on-Premise 
oder On-Demand oder teils-teils betreiben wird.4 
Reuper, Thorsten3 
thorsten.reuper@asseco.de 
Chief Technology Officer (CTO) 
Asseco Solutions GmbH 
Das ERP der Zukunft wird ein hochinteg-riertes 
Gesamtsystem sein, das anwen-derorientiert 
ausgerichtet ist und über 
eine hohes Maß und Flexibilität und Mo-bilität 
verfügt.1 
Quellen: 
1: Patrick Siegmung, mesonic software gmbh 
2: Karl Tröger, PSIPENTA Software Systems GmbH 
Siegmund, Patrick1 
psiegmund@mesonic.com 
Geschäftsführer Deutschland 
mesonic software gmbh 
Naujoks, Frank4 
Frank.Naujoks@microsoft.com 
Product Marketing Manager Dynamics AX 
Microsoft Deutschland GmbH 
Tröger, Karl2 
KTroeger@psipenta.de 
Leiter Produktmanagement ERP 
PSIPENTA Software Systems GmbH 
Quellen: 
3: Thorsten Reuper, Asseco Solutions GmbH 
4: Frank Naujoks, Microsoft Deutschland GmbH 
16 Competence Book - ERP
Competence Book - ERP 17
GRUNDLAGEN
Einleitung Grundlagen Anwendungen & 
Lösungsbausteine 
5 Editorial Volker Schnittler 
ERP 2020 
Zukunft, aber keine 
Science Fiction 
6 Grußwort Frank Naujoks 
Gerüstet für den Wettbewerb 
von morgen 
7 Grußwort Otto Schell 
ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit 
um Zukunftsfähigkeit 
8 Grußwort Thorsten Reuper 
ERP der Zukunft - die Zukunft 
des ERP hat gerade erst 
begonnen 
9 Grußwort Manfred Deues 
Maximale 
Prozesstransparenz 
10 Zahlen kompakt 
Infografik ERP 
14 Statements 
Statements zu ERP 
20 ERP 2020 I 
Roundtable zu ERP 2020 
28 ERP 2020 II 
Die ERP 2020-Initiative des 
VDMA vorgestellt 
31 ERP 2020 III 
21 Thesen für das 
ERP der Zukunft 
36 ERP Auswahl 
Die Zeit ist reif: Ein neues 
ERP-Auswahlverfahren 
41 ERP Einführung I 
So vermeiden Sie 
Stolperfallen bei der 
ERP-Einführung 
43 ERP Einführung II 
ERP-Systeme einführen: 
In drei Phasen zum Erfolg 
46 Wandlungsfähigkeit 
Mehr Wandlungsfähigkeit 
dank moderner ERP 
48 ERP Trends I 
Vier Megatrends fordern 
die gesamte IT-Industrie 
52 ERP Trends II 
ERP Trends 2014 
57 ERP 2020 IV 
Eine Einführung zu den 
ERP-2020-Reports 
59 ERP 2020 V 
Mobility, Connectivity, 
Usability: Empirie zur 
Trilogie der ERP 2020 
65 Mobility 
Das Büro in der Westentasche 
Business-Software wird mobil 
67 Cloud 
ERP in der Cloud 
Zwei Trends zeichnen sich ab 
69 Usability 
ERP 2020 und Industrie 4.0 
Usability - next steps 
71 Herausforderungen 
Herausforderung 
Prozessoptimierung 
74 Integration 
Vorteile einer ERP/MES-Integration 
76 Internationalisierung 
Wie ERP-Systeme 
internationale Geschäftspro-zesse 
unterstützen 
79 Fertiger 
ERP für Einzel- und 
Auftragsfertiger 
4 Unser Kompetenz-Netzwerk 
Partner des 
Competence Books 
INHALT 
Competence Book - ERP 19
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
Delphi-Roundtable ERP 2020 
Commodity oder Zentrale für eine mobile, nutzerzentrierte 
und kollaborative Ökonomie? 
Auszug aus dem Roundtable mit Experten von Microsoft, PSIPENTA, Asseco, mesonic. COSMO Consult 
„Wir sind uns sicher, dass ERP 
auch weiterhin im Mittelpunkt 
des unternehmerischen IT-Ge-füges 
stehen wird“ - Patrick Siegmund 
Mobilität, Usability, Connectivity, Industrie 4.0, Enter-prise 
2.0, … - eine Vielzahl von Begrifflichkeiten ste-hen 
für die Zukunft von Ökonomie und Technologie. 
Und wo steht das ERP-System in Zukunft bzw. wo sollte es im 
Jahr 2020 stehen? Das ist die zentrale Frage, die sich die VD-MA- 
Initiative ERP-2020 stellt und wir freuen uns, dass wir ge-meinsam 
und mit Unterstützung von Trovarit und dem RWTH 
Aachen /FIR führende Köpfe der Branche zur Zukunft des ERP 
befragen können. Dabei konnte bereits die Studie ERP-2020 
des FIR im Auftrag des VDMA zentrale Erkenntnisse durch die 
Befragung der Anwendung gewinnen und die auch wichtigs-ten 
Trends (Mobilität, Usaibility, Connectivity) identifizieren. 
In diesem Roundtable geht es daher darum, zusam-men 
mit den führenden Köpfen der Branche die-se 
Perspektiven zu vertiefen und zu konkretisieren! 
Bedeutung ERP-Systeme im Jahr 2020 - Commodity 
oder Zentrale? 
Mobilität, Usability, Connectivity, Kollaboration, Indust-rie 
4.0, Enterprise 2.0 … - eine Vielzahl von Begrifflichkei-ten 
stehen für die Zukunft von Ökonomie und Technologie. 
Werden damit andere Systeme (z.B. CRM, Social Software) 
in den Mittelpunkt des Interesses rücken oder erfordert ge-rade 
eine mobile, nutzerzentrierte, vernetzte und kollabo-rative 
Ökonomie die Integration durch zentrale ERP-Syste-me 
mehr denn je? Wie wichtig ist also Ihrer Meinung nach 
das ERP-System der Zukunft („2020“)? 
Patrick Siegmund 
Wir sind uns sicher, dass ERP auch weiterhin im Mittelpunkt 
des unternehmerischen IT-Gefüges stehen wird. Allerdings wer-den 
die Anforderungen an das ERP-System künftig weitaus an-spruchsvoller 
sein als dies bisher der Fall war. 
Gerade wirklich integrierte Systeme (z.B. ERP und CRM) werden 
mehr und mehr die Unternehmen erobern. Schon seit einigen 
Jahren zeichnet sich ab, dass Insellösungen immer häufiger durch 
integrierte Lösungen ersetzt werden. Denn nur Systeme, die auf 
ein- und dieselbe Datenbank zugreifen, können die notwendigen 
Informationen für den Anwender bedarfsgerecht zusammenstel-len 
- und zwar so, dass diese Informationen alle Unternehmens-und 
Geschäftsbereiche umfassen. 
Hier liegt eine wesentliche Herausforderung des ERP-Systems 
der Zukunft: die punktgenaue, aber gleichzeitig einfache Verfüg-barkeit 
von Informationen. Umfangreiche Datenmengen müssen 
sich heute genauso wie in Zukunft jederzeit und an jedem Ort 
heranziehen sowie be- bzw. verarbeiten lassen, damit die Unter-nehmen 
sie sowohl für operative als auch für strategische Ent-scheidungen 
optimal nutzen können. 
Integrierte und zentrale ERP-Systeme werden künftig das Herz 
im Kreislauf der IT-Landschaft darstellen und damit weiterhin als 
zentrales Organ im Unternehmen fungieren. 
Uwe Bergmann 
Wichtige den je zuvor. Man kann jedoch das ERP System nicht 
einzeln betrachten, sondern nur als Teil einer ganzheitlichen 
Unternehmenssoftware. Das ERP System bildet dabei die Zen-trale 
in der die Unternehmensprozesse abgebildet werden. Was 
sich ändert ist die Art und Weise wie wir mit den Systemen ar-beiten 
oder wie wir auf Daten und Informationen zugreifen. ERP 
Systeme müssen sich stärker den Nutzern anpassen. Die Arbeits-welt 
wird mobiler, flexibler, individueller und internationaler, 
20 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
Zu Thorsten Reuper: 
Seit mehr als dreißig Jahren in der IT-Branche tätig, ist Thorsten Reuper ein be-sonders 
versierter Mann mit einem umfassenden technischen Hintergrund, der 
weitreichende Erfahrungen in verschiedenen renommierten Unternehmen vor-weisen 
kann. Erklärtes Ziel des technischen Verantwortlichen ist die konsequent 
verfolgte, strategisch ausgerichtete Produktentwicklung mit gezielten Funktions-erweiterungen 
und einem besonderen Augenmerk auf die Ergonomie der Soft-ware. 
Dies soll insbesondere durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenar-beit 
mit Kunden und Interessenten realisiert werden. 
„ERP-Systeme werden in der Zukunft DIE 
zentralen Steuerungseinheiten – insbeson-dere 
in mittelständischen Betrieben – sein.“ 
- Thorsten Reuper 
gleichzeitig wachsen die Datenmengen 
und die Komplexität von Prozessen und 
Zusammenhängen. Moderne Unterneh-menssoftware 
muss flexibel nutzbar, ein-fach 
bedienbar und auf verschieden End-geräten, 
überall verfügbar sein. 
Karl Tröger 
Die Frage nach der Bedeutung eines 
ERP-Systems in der nahen Zukunft lässt 
sich nicht so einfach beantworten. Wer-den 
heutige Lösungen und zukunftsori-entierte 
Ansätze weitergedacht führt das 
unweigerlich zu einem anderen ERP-Be-griff 
als wir ihn heute kennen. 
Ich würde prognostizieren, dass es Sys-teme 
mit dem heutigen Zuschnitt gar 
nicht mehr geben wird. Vielleicht noch 
nicht im Jahr 2020. Doch schon heute 
haben wir Schwierigkeiten, die System-grenzen 
von ERP und MES und weiteren 
Bausteinen einer Unternehmenssoftware 
voneinander abzugrenzen. Die erwartete 
zunehmende Autonomie der Planungs-einheiten 
erfordert weiterentwickeltere 
Kommunikationslösungen zur Integrati-on 
dieser autonomen Einheiten. Meiner 
Meinung nach steht noch nicht fest, ob 
es eine zentrale oder viele miteinander 
kommunizierende Intelligenzen in den 
Unternehmen geben wird. 
Der ungebrochene Drang nach der Mobi-lisierung 
der Geschäftsprozesse führt zu 
einem neuen Verständnis insbesondere 
von Usability und Connectivity. Informa-tionen 
müssen sicher und jederzeit ver-fügbar 
sein und zielgenau dem Anwender 
präsentiert werden. 
Social Media Komponenten werden eine 
größere Rolle als heute spielen. Dabei 
geht es allerdings nicht um Informations-austausch 
wie wir ihn aus dem privaten 
Bereich kennen sondern um die Förde-rung 
der Zusammenarbeit von Menschen 
zur Lösung von Aufgabenstellungen im 
Produktionsumfeld. Die Konsolidierung 
und Verfügbarmachung von „gemein-schaftlichem“ 
Wissen steht ganz deutlich 
im Vordergrund. 
Thorsten Reuper 
Nachdem sich der Einsatz von Anwen-dungssoftware 
zur Unterstützung der 
Ressourcenplanung bereits in den ver-gangenen 
Jahren zu einem immer be-deutsamer 
werdenden Faktor für den Er-folg 
eines Unternehmens entwickelt hat, 
werden ERP-Systeme in der Zukunft DIE 
zentralen Steuerungseinheiten – insbe-sondere 
in mittelständischen Betrieben – 
sein. Der Trend – wie schon seit längerer 
Zeit zu beobachten – geht dabei klar zu 
zentralen, integriert arbeitenden Syste-men, 
die in der Lage sind, alle Unterneh-mensprozesse 
zu verknüpfen, zu steuern 
und entsprechend abzubilden. Insellö-sungen, 
die – zum Beispiel auf Basis von 
Webservices – nicht integriert werden 
können, werden dann zunehmend eine 
aussterbende Spezies darstellen. 
Frank Naujoks 
Wir sind auf den Weg in eine Appisie-rung 
der Anwendungs-Workloads. Ge-nehmigungen 
können via Smartphone 
erteilt werden, genauso wie Umsatzana- 
Competence Book - ERP 21
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
Zu Frank Naujoks: 
Frank Naujoks arbeitet seit April 2013 bei Microsoft und 
verantwortet als Produktmanager Microsoft Dynamics AX. 
Der ehemalige Analyst, mit Stationen bei META Group, 
Hewson Group, IDC und i2s, hat einen Abschluss als Dip-lom- 
Kaufmann der Universität zu Köln. 
lysen mal eben auf dem Tablet durchgeführt werden. Auch nur 
kurzfristig genutzte Apps werden programmiert, um bestimm-te, 
eher kleinteilige Aufgaben zu erfüllen. Aber idealerweise 
greifen die Apps auf eine einheitliche Datenbasis zurück – es 
müssen also keine Diskussionen mehr über den Ursprung der 
Datenquelle und deren Vertrauenswürdigkeit geführt werden, 
weil die Informationen für alle gleich sind. 
Die Aufgabe der Anbieter wird es sein, die Systeme so auszu-gestalten, 
dass das Zusammenspiel von unterschiedlichen 
Anwendungen einwandfrei funktioniert und das bspw. Apps 
schnell erstellt werden können. 
Ohne das vielgerühmte Backbone ERP wird es nicht gehen – die 
Daten sollen ja verlässlich sein und für alle Beteiligten gleich. 
ERP-Trends/Treiber bis 2020 – Mobility und Usability! 
In der ERP-2020-Studie war ein Ergebnis besonders klar: 
ERP-Systeme müssen 2020 auf unterschiedlichen Endge-räten 
jederzeit und überall verfügbar sein und neue User 
Interfaces müssen sich an dieses neue mobile Arbeiten an-passen. 
Was sind für Sie die wichtigsten Entwicklungen, die das 
Thema Mobilität treiben, und was sind die wichtigsten mo-bilen 
Anwendungsszenarien und -prozesse, wenn wir Rich-tung 
2020 blicken? Welche Anforderungen ergeben sich 
dabei für die Usability? Werden wir z.B. mit den gleichen 
Werkzeugen wie im Privatbereich arbeiten (BYOD) und die 
Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne Schulung 
möglich sein? Was also bedeutet für Sie und ihr Unterneh-men 
die neue Nutzerzentrierung konkret? 
Thorsten Reuper 
Professionelle Mobilität wird zukünftig einen noch höheren 
Stellenwert einnehmen, als dies bereits heute der Fall ist. Sich 
immer stärker verändernde Arbeitswelten machen eine wach-sende 
Anpassung der Technologie sowohl innerhalb eines Un-ternehmens 
– etwa im Bereich mobiler Prozesssteuerung, Lager, 
Wareneingang (z.B. durch mobile Endgeräte) – als auch extern 
– etwa durch mobile Prozessfreigabe, Workflowsteuerung oder 
Informationstransfers – notwendig. 
Frank Naujoks 
Die Intelligenz der Systeme wird sich zunehmend unterhalb der 
Benutzeroberfläche abspielen – ganz schulungslos wird wahr-scheinlich 
ein Power-user nicht auskommen, aber eine Bedie-nungsvereinfachung 
ist die letzten Jahre schon deutlich zu beob-achten. 
Beispielsweise auch durch den Einsatz von Touch-Devices 
und Voice- oder Gestensteuerung. 
BYOD birgt die Gefahr der Security und Administrierbarkeit für 
die Unternehmen wieder ins Aufmerksamkeitsfeld zurück. Sup-portunterstützung 
ist auch ein Thema – hier werdena sich noch 
einzelne Modelle je nach Unternehmen herausbilden, was tole-riert 
wird und was nicht. 
Mobilität wird sehr stark getrieben durch Endgeräteverfügbar-keit, 
Netzabdeckung und Usability der Software / Apps. Hier ist 
HTML5 sicherlich das Mittel der Wahl, da die unterschiedlichen 
Devices und Betriebssysteme sonst zu teuer zu unterhalten sind. 
Zu berücksichtigen ist eine Anpassung bspw. der Zeilenabstände 
von Anwendungen , je nachdem ob es ein Laptop oder ein Tab-let 
/ Smartphone ist. Hier steigen die Anforderungen an die Pro-grammierer 
mit der Vielzahl der Gerätetypen deutlich an. 
Patrick Siegmund 
Die „neue Generation“ von Mitarbeitern, die in die Unterneh-men 
kommen, nutzen bereits heute vor allem im privaten Be-reich 
bereits alle erdenklichen mobilen Geräte. Das ist einer von 
mehreren Gründen, warum das mobile Arbeiten Einzug in die 
Unternehmen erhalten hat und dies in Zukunft weiter verstärkt 
tun wird. 
Es wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit, über die mobilen 
Geräte nicht nur jederzeit im Unternehmen vorgehaltene Daten 
abzurufen, sondern auch Informationen zurückzugeben. Bereits 
heute sind die Anfänge, z.B. mit dem mobilen Erfassen von An- 
22 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
geboten und Aufträgen oder der Annahme und Abwicklung von 
Serviceaufträgen vor Ort, getan. Künftig jedoch werden Anwen-der 
alle erdenklichen Funktionalitäten einer integrierten Unter-nehmenslösung 
von ERP und CRM mobil nutzen wollen. Und 
genau das erfordert wiederum eine punktuelle und anwendero-rientierte 
Darstellung und Nutzung von Daten und Funktionen. 
Wir gehen davon aus, dass das Tablet auch im Geschäftsleben 
seinen Siegeszug antreten und das Notebook in absehbarer Zeit 
verdrängen wird. Eine klare Aufforderung an die ERP-Hersteller 
besteht darin, die mobilen Lösungen für diese Endgeräte derart 
benutzerfreundlich und selbsterklärend zu gestalten, dass für 
ihre Anwendung kein zusätzlicher Schulungsaufwand entsteht. 
Die Herausforderung liegt schon in der vorgelagerten Analyse 
und Organisation der ERP-Lösung, denn vorab muss die Daten-verfügbarkeit 
sowie der Prozessverlauf geklärt werden: Welche 
Daten und Funktionen stehen einem Anwender in welcher Form 
zur Verfügung? 
Für die sogenannten „Key-User“ der Fachabteilungen im Unter-nehmen, 
z.B. in der Buchhaltung oder der Auftragsverwaltung, 
werden aber sicher durch die immer komplexer werdenden An-wendungen 
gesonderte Schulungsmaßnahmen unumgänglich 
bleiben. 
Uwe Bergmann 
Der generelle Trend zum flexibleren und mobileren Arbeiten 
macht vor der Nut-zung von einem ERP-System nicht halt. Die 
Gesellschaft und das Nutzerverhalten verändern sich. Heute 
hat jeder bereits ein Smartphone oder ein Tablet, ausschließlich 
oder als Ergänzung zum PC oder Notebook. Selbstverständlich 
wird die Nutzungserfahrung im privaten Bereich die Erwartun-gen 
im geschäftlichen Bereich beeinflussen und umgekehrt. Die 
Bedingung der Systeme muss vor allem intuitiv und einfach sein. 
Mit unserem Leitbild „Business Software für Menschen“ stellen 
wir den Menschen in den Mittelpunkt, um Systeme zu schaffen 
die sich optimal an den Bedürfnissen und Rollen der Menschen 
orientieren die mit der Software arbeiten. 
Karl Tröger 
Die Umweltbedingungen in der Produktion und die Einsatzbedin-gungen 
für die genutzte Software werden sich mit der fortschreiten-den 
Definition und Umsetzung der Konzepte im Zusammenhang 
mit dem Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ massiv ändern. Neue und 
mobile Devices ziehen in den Shopfloor ein und es werden andere 
Möglichkeiten der Interaktion mit der Software selbst, aber auch 
mit den beteiligten Menschen und genutzten Maschinen, möglich. 
Begrenzte Bildschirmgrößen und der Wunsch nach einer größeren 
Effizienz bei der Benutzung der Software zwingen zu einer Reduk-tion 
der Inhalte auf das Wesentliche und Wichtige zur Lösung der 
gestellten Aufgaben. Die zielgerichtete Präsentation von Informati-onen 
und Daten (Eingeweihte kennen den Unterschied) hängt von 
mehreren Faktoren ab: der Rolle im Prozess und der Organisation, 
den gegebenen Hilfsmitteln und Werkzeugen, der zum aktuellen 
Zu Patrick Siegmund: 
Bereits seit Kindertagen lebt der studierte Volljurist Patrick 
Siegmund familiär mit der mesonic software gmbh. Bevor 
der 41-jährige 2011 ebenso beruflich zu mesonic stieß, 
war er u.a. für Unternehmen im Bereich ePayment, Cont-ent 
Providing sowie Rechtehandel tätig. 
Als Geschäftsführer der mesonic software gmbh in 
Deutschland steht Patrick Siegmund für die konsequen-te 
und zukunftsorientierte Weiterführung der mittlerweile 
30-jährigen mesonic-Tradition. 
Zeitpunkt gestellten Aufgabe, dem Standort und nicht zuletzt vom 
sozialen Umfeld. Gerade die sozialen Aspekte werden eine immer 
größere Rolle spielen. Die Förderung der Zusammenarbeit der 
Menschen im Produktionsprozess und das Teilen von Wissen zur 
Lösung der Aufgaben wird eine massive Steigerung der Effizienz 
mit sich bringen. 
Die Individualisierbarkeit und Personalisierung der Interakti-onsschnittstelle 
stellt eine wichtige Komponente dar. Es muss 
zukünftig noch einfacher sein, aufgabenorientierte User-Interfa-ces 
zu gestalten. Der vermeintliche Widerspruch zwischen Indi-vidualität 
(Anwenderbezug) und Uniformität (Standard) muss 
aufgelöst werden. ERP- und MES-Systeme müssen zukünftig als 
Assistenzsystem und Tutor der Anwender zu verstehen. 
Competence Book - ERP 23
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
und wie unterstützen Sie 
die Zunahme an Kommunikation und 
Kollaboration innerhalb von und zwi-schen 
Unternehmen? 
Uwe Bergmann 
Als Microsoft Dynamics Partner verfügen 
wir nicht nur über die ERP Funktionali-täten 
sondern über das gesamte Lösungs-portfolio 
von Microsoft. Die Integration 
von Microsoft Office, Exchange, Share- 
Point sowie Power BI oder auch Office 
365 in das ERP System bietet bereits 
heute die Möglichkeit mit strukturierten 
und unstrukturierten Daten in flexiblen 
Teams zu arbeiten. Die integrierten Ge-samtlösungen 
sind zudem in der Cloud 
verfügbar. 
Karl Tröger 
Die innerbetriebliche und unternehmen-sübergreifende 
Kollaboration sind seit 
langer Zeit die Top-Themen bei der Im-plementierung 
von ERP- und MES-Sys-temen. 
Die mit der zunehmenden Ar-beitsteilung 
einhergehende Zerlegung 
klassischer Wertschöpfungsketten erfor-dert 
effiziente Methoden der Zusammen-arbeit. 
Die steigende Vorleistungsquote 
im Verhältnis zur eigenen Wertschöp-fung 
in der deutschen Industrie belegt 
diesen Trend. 
PSIPENTA unterstützt beide Formen 
der Zusammenarbeit. Gemeinsam mit 
Kunden erarbeitet und ständig weiter 
verfeinert bietet PSIPENTA eine konfigu-rierbare 
Mehrwerksteuerung an. Das Ge-samtunternehmen 
kann so als logistische 
Einheit aus einem Guss agieren. Wesent-liche 
Stammdaten (Master Data) stehen 
jederzeit und ohne aufwändige Synchro-nisationsvorgänge 
allen Einheiten zur 
Verfügung. Vorkonfigurierte Prozesse 
erleichtern die Einbindung neuer Stand-orte 
in das interne Wertschöpfungsnetz-werk. 
Das zentrale Systemkonzept erlei-chert 
zudem die Administration. 
Die unternehmensübergreifende Kolla-boration 
wird auf unterschiedliche Weise 
unterstützt. Zum Einen sind besonders 
in der Automobilindustrie etablierte 
und standardisierte Kommunikations-wege 
und Protokolle verfügbar (EDI). 
Zum Anderen steht mit der myOpenfac-tory- 
Plattform eine weitere Lösung zur 
unternehmensübergreifenden Kommu-nikation 
zur Verfügung. Viele der füh-renden 
ERP-Systeme bieten Adapter zur 
Verbindung mit der Plattform an. Dar-über 
hinaus kann myOpenFactory viele 
Standardformate (z.B. openTrans, EAN-COM, 
OCI, …) verarbeiten. 
All diese Möglichkeiten werden in Zu-kunft 
nicht mehr ausreichen, um den 
Anforderungen der Industrie zu genügen. 
Zunehmende Autonomie und kleiner 
werdende Planungseinheiten erfordern 
noch flexiblere Gestaltungsmöglichkei-ten 
der Wertschöpfungsketten. Die dy-namische 
Zusammenarbeit in wechseln-den 
Wertschöpfungsnetzwerken (eine 
der Grundideen im Zusammenhang mit 
Industrie 4.0) benötigt andere Lösungen 
Zum Autor Karl M. Tröger: 
Karl Tröger, Leiter Product Marketing, verantwortet die strategische Ausrichtung 
des Produktportfolios bei der PSI AG. Auf Basis seiner nationalen und internatio-nalen 
Stationen in der Fertigungsindustrie, stellt er heute das Bindeglied zwischen 
Kunden, Markt, Wissenschaft und dem Software-Engineering dar. Seine Erfahrun-gen 
sammelte er als Senior Product Engineer bei einem kanadisch-israelischen 
Konzern, als IT-Projektleiter sowie später als Leiter der Produktentwicklung für 
ERP-Lösungen innerhalb der PSI AG. 
Aktuell arbeitet die PSIPENTA an einer 
komplett neuen Oberfläche und einem 
modernen Interaktionsdesign. Im Vor-dergrund 
stehen dabei die Vereinfachung 
der Nutzung und die deutlich erleichterte 
Personalisierung. Die strenge Orientie-rung 
an Aufgaben und Prozessen soll die 
Effizienz bei der Bedienung der Systeme 
nachhaltig steigern. In Zusammenarbeit 
mit der Usergroup werden Prozessanaly-sen 
durchgeführt. Das Ziel dieser Analy-sen 
ist die Ermittlung von Best Practices 
für unterschiedliche Branchen und Fer-tigungstypologien. 
Diese Best Practices 
fließen in das visuelle und das Interakti-onsdesign 
ein. 
ERP-Trends/Treiber bis 2020 – 
Connectivity, Daten und Kollabora-tion! 
Die ERP-2020-Studie zeigte auch, dass 
ERP-Anwender eine Konnektivität im 
doppelten Sinne erwarten. Zum einen 
ist die Daten-/Informations-Konnek-tivität 
im Sinne einer umfassenden 
Informationsverfügbarkeit wesentlich. 
Zum anderen erfordert die „neue“ Öko-nomie 
auch ein mehr an Kommunika-tion 
und Kollaboration. 
Auch diese Anwender-Anforderungen 
erfordern konkrete Lösungskonzepte 
der ERP-Anbieter. Wie gelingt die All-und 
Jederzeit-Verfügbarkeit von (zum 
Teil sicher auch unstrukturierten) In-formationen 
24 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
zur Unterstützung der Zusammenarbeit. 
Die Synchronisation aller (ggf. temporär) 
beteiligten Parteien in diesen Netzwer-ken 
hinsichtlich technologischer und 
kommerzieller Informationen in Echtzeit 
wird einer der wesentlichen Faktoren für 
den Erfolg dieser Konzepte sein. Zur Lö-sung 
dieser Aufgabenstellungen werden 
neue bzw. weiterentwickelte Kommuni-kationsmöglichkeiten 
benötigt. Cloud 
Computing kann dabei die Integration 
und Synchronisation technologisch un-terstützen. 
Insofern geht es nicht nur 
um Connectivity an sich sondern zuneh-mend 
um Konzepte zur Steigerung der 
„Kollaborations-Produktivität“. 
Thorsten Reuper 
Um die Aufgabenstellung „Kommunikati-on 
und Kollaboration“ zufriedenstellend 
auszuführen, bedarf es auch zukünftig 
eines noch umfangreicheren Datenaus-tausches 
zwischen den Unternehmen, 
wie z.B. zwischen Kunde und Lieferant. 
Wir unterstützen und verfügen hier über 
eigene Lösungen – und dies in Verbin-dung 
mit Unternehmen, die sich auf das 
Routing und Mapping zwischen Kun-de 
und Lieferant (Bestellung/Auftrag) 
spezialisiert haben. Innerhalb eines Un-ternehmens 
werden Werk-zu-Werk-Be-ziehungen 
ebenfalls durch unsere Stan-dardfunktionen 
unterstützt. 
Frank Naujoks 
Cloud und Big Data sind da sicherlich die 
Treiber für eine Vernetzung und Sicht-barmachung 
von Zusammenhängen. 
Yammer bietet sich als Kommunikations-plattform 
innerhalb des Unternehmens 
und in geschlossenen Communities an, 
Microsoft Social Listening bringt die 
Meinung außerhalb des Unternehmens 
nach innen. Die Kunst wird es sein, aus 
all den Informationssilos ein Gesamtbild 
zusammenzusetzen. Hinzu kommen 
dann noch Integrationspunkte in die Of-fice 
Welt, Mail, aber auch die Einbindung 
von Geodaten, Wetter etc. 
Hinzu kommen, bspw. aus Daten-schutz- 
Gründen, Private Cloud-Anfor-derungen 
zur Kommunikation innerhalb 
und außerhalb des Unternehmens. 
Dieser Konnektivitäts-Entwicklung kann 
sich kein Anbieter entziehen – es bleibt 
die Frage, ob für den Anwender daraus 
ein Technologie-Zoo entsteht oder eine 
möglichst homogene Applikationsland-schaft. 
Hier wird es aus Anbietersicht 
noch Konsolidierungswellen geben. 
Patrick Siegmund 
Für eine All- und Jederzeit-Verfügbarkeit 
müssen mobile Geräte wie Smartphones 
und Tablets durchgängig Einzug im Un-ternehmen 
erhalten, denn sie gewähr-leisten 
die Konnektivität. Voraussetzung 
hierfür ist jedoch die mobile Nutzbarkeit 
der ERP-Systeme, sei es durch brows-erbasierte 
Oberflächen – wie wir sie für 
unsere WinLine-Programme bereits seit 
geraumer Zeit anbieten - oder aber in 
Zukunft durch echte App-Anwendun-gen. 
Dabei sind verschiedene Varianten 
vorstellbar, z.B. eine App je Unterneh-mensbereich 
bzw. Funktionsbereich der 
ERP-Lösung oder auch die Umsetzung 
rein rollenbasierter Apps. In einigen Teil-bereichen 
haben wir die echte mobile 
Nutzbarkeit unserer Business-Software 
bereits umgesetzt, weitere werden folgen. 
Die Kommunikation innerhalb der Un-ternehmen 
ist mit modernen ERP-Lö-sungen 
(idealerweise mit integrierten 
CRM-Funktionen) bereits heute möglich. 
Wir realisieren dies in unseren Program-men 
durch die eigenständige Umsetzung 
individueller Unternehmensprozesse 
mit Hilfe eines integrierten Tools für das 
Workflowmanagement. Damit kann ein 
durchgängiger Kommunikationsfluss, 
z.B. durch die automatisierte Weitergabe 
von Informationen und Daten, erreicht 
werden - sowohl innerbetrieblich als 
auch im Austausch mit anderen Unter-nehmen. 
Man denke hierbei nur an typi-sche 
Abläufe bei der Serviceabwicklung 
oder an die Weiterleitung von Belegvor-gängen 
wie Aufträge und Rechnungen. 
Auch eine Kommunikation über social 
media-Kanäle sollte nicht unterschätzt 
werden. Die „Generation Y“ nutzt die-se 
Medien heute bereits stark im priva-ten 
Bereich, so dass davon ausgegangen 
werden kann, dass die Bedeutung dieser 
Medien auch für die geschäftliche Kom-munikation 
zunehmen wird. Aus diesem 
Grund ist eine Integration von Social-Me-dia 
in unsere WinLine ERP-Programme 
vorgesehen. 
ERP-Funktionen und Architekturen 
für das Jahr 2020?! 
Neben den bisher genannten nichtfunk-tionalen 
Anforderungen an ERP-Sys-teme 
der Zukunft (Mobility, Usability, 
Connectivity) werden sich potenziell bis 
2020 aber auch die Planungslogik und 
die Systemarchitektur der Systeme wei-terentwickeln. 
Welche Veränderungen erwarten Sie 
persönlich noch im Bereich Ressourcen-planung 
und Systemarchitektur? Bleibt 
alles im wesentlich planersich beim Al-ten? 
Werden ERP-Systeme mehr oder 
weniger an Planung in einer kollabora- 
„Die innerbetriebliche und unternehmensübergreifende Kollabora-tion 
sind seit langer Zeit die Top-Themen bei der Implementierung 
von ERP- und MES-Systemen.“ - Karl Tröger 
Competence Book - ERP 25
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
tiven Planungs-Architektur übernehmen? Welche Rolle spielt 
der Mensch in diesen Szenarien? Und wie gelingt die archi-tektonische 
Zukunftsfähigkeit am besten? Setzen wir auf 
das eine integrierte Gesamtsystem oder die prozessvernetzte 
Multi-System-Landschaft? 
Frank Naujoks 
Die Zukunft wird hybrid sein – und der Kunde kann wählen, ob 
er die Systeme on-Premise oder On-Demand oder teils-teils be-treiben 
wird. Diese Wahlfreihet wird in den nächsten Jahren die 
Diskussion bei der Entscheidung für die IT-Ökosysteme domi-nieren 
und bringt dem Kunden die Freiheit, nach Bedarf seine 
Entscheidungen zu treffen und auch zu ändern. 
Planungskomponenten werden durch predictive Analytics Sys-teme 
immer weiter die Anwendungen erobern. Dabei wird die 
Intelligenz zunehmend hinter die Benutzeroberfläche verlagert 
– und die Anforderungen an den normalen Anwender werden 
sinken. Umgekehrt werden die Anforderungen an bestimmte 
Personenkreise immer höher werden – die für die Intelligenz 
der Systeme zu sorgen haben. 
Patrick Siegmund 
Für uns ist ein ganz klarer Trend erkennbar: Das ERP der Zu-kunft 
wird ein hochintegriertes Gesamtsystem sein, das anwen-derorientiert 
ausgerichtet ist und über eine hohes Maß und 
Flexibilität und Mobilität verfügt. Dabei werden künftig nicht 
nur die bisher als üblich verstandenen Unternehmensressour-cen, 
wie z.B. Adressen, Produkte, Mitarbeiter und Maschinen 
im ERP-System vorgehalten. Flexibel gestaltbare Anwendungen 
und Prozesse ermöglichen es den Unternehmen, alle erdenkli-chen 
Ressourcen zu verwalten, zu planen und entsprechende 
Prozesse zu automatisieren. Als Beispiele seien hier unter ande-rem 
die Organisation von Verträgen, Räumlichkeiten oder des 
Fuhrparks genannt. Und dies alles mit dem Ziel, mit Hilfe einer 
zentralen Verwaltung und einer optimierten Prozessautomati-sierung 
sowohl erhebliche Einsparungen in Bezug auf den Zeit-und 
Kostenaufwand als auch Umsatzsteigerungen zu erzielen. 
Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die immer umfang-reicher 
und komplexer werdenden Systeme für den Einzelnen 
auch anwendbar bleiben. Dies kann durch eine Optimierung 
und Automatisierung der Prozessorganisation sowie durch die 
punktuell und anwenderspezifische Bereitstellung von Teilbe-reichen 
oder sogar nur einzelnen Funktionen einer ERP-Kom-plettlösung 
realisiert werden. 
Ebenso wichtig wird es sein, unabhängig vom Ort und einge-setzten 
Device (Desktop, Tablet, Smartphone und künftige 
Endgeräte), Zugriff auf alle Anwendungsbereiche zu haben. Um 
dies zu gewährleisten, glauben wir, dass sich als Standard der 
Zukunft die Weiterentwicklung von HTML5 herauskristallisie-ren 
wird. 
Thorsten Reuper 
Das ERP-System wird zukünftig wie auch heute schon als der 
„große Ressourcenvorhalter und -planer“ agieren. Jedoch wer-den 
zukünftig vermehrt die flexiblen APS/MES-Systeme hier 
für eine Planungs- und Steuerungshoheit verantwortlich sein 
und dies natürlich prozessvernetzt mit dem ERP-System. Daher 
kann man bei einer guten Integration dieser Komponenten auch 
beruhigt von einem „integrierten Gesamtsystem“ sprechen. Ich 
selbst sehe den Mensch zukünftig unter ERP 2020 noch aktiver 
als „Bediener“ und „Kontrolleur“. 
Karl Tröger 
Agile Produktionssysteme erfordern in gleichem Maße agile 
Softwaresysteme zur Planung, Simulation und Steuerung der 
Herstellungsprozesse (Internet der Services). Heutige zent-ralistisch 
geprägte Konzepte werden mit der fortschreitenden 
Entwicklung der CPS durch smarte und hochauflösende de-zentrale 
Systeme ersetzt (werden müssen). Die vorherige Si-mulation 
von Produktionssituationen und die Ableitung von 
optimierten Szenarios in mehr und mehr autonomen Einheiten 
wird eine Steigerung der Effizienz zukünftiger Produktionspro-zesse 
bewirken. Die produktionsnahe IT wird mit der Automa-tisierungsebene 
verschmelzen. 
Hochauflösende Produktionsregelungssysteme benutzen rie-sige 
Datenmengen von hochentwickelten Sensoren zur Be-urteilung 
der tatsächlichen Situation. Die Daten und daraus 
gewonnen Informationen müssen unter Berücksichtigung des 
gegebenen Kontext aufbereitet werden und dienen der zielge-richteten 
Beeinflussung der aktuellen Produktionsparameter. 
Es geht nicht mehr nur um die Etablierung eines Berichtswe-sens 
und die Beurteilung einer Situation quasi „post mortem“. 
Die erhobenen Daten (Big Data) steuern den Prozess und un-terstützen 
bei der Ausregelung von Störungen in Echtzeit. 
Meiner Auffassung nach wird es kein integriertes Gesamtsystem 
geben. Die Landschaft wird genauso komplex bleiben wie sie 
heute ist oder sogar komplexer werden. Neue Aufgabenstellun-gen 
erfordern neue oder weiterentwickelte Lösungsbausteine. 
Die Integration aller Systeme oder Lösungsbausteine bekommt 
in diesem Zusammenhang einen ganz anderen Stellenwert. 
Der Mensch wird nicht verdrängt, ganz im Gegenteil – seine Be-dürfnisse 
müssen in Zukunft viel stärker bei der Planung von 
Unternehmen berücksichtigt werden. Das Eco-System „Indust-rie 
4.0“ besteht eben nicht nur aus „Smart factories“ und intel-ligenten 
die Produktion steuernden Produkten mit Gedächtnis. 
Es geht darum, den Menschen hochwertige und kreative Arbeit 
verrichten zu lassen und ihm die Möglichkeit zur Ausbalancie-rung 
des Lebens zwischen Arbeit und Freizeit zu geben. Genau-so 
flexibel wie die von Menschen beherrschten Produktionssys-teme 
der Zukunft. 
26 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE 
Uwe Bergmann 
Diese nichtfunktionalen Anforderungen 
haben natürlich auch einen direkten Effekt 
auf die funktionalen Anforderungen und 
die Systemarchitektur. Wenn Ressourcen 
mobiler, flexibler und internationaler ein-gesetzt 
werden oder auch verfügbar sind, 
hat dies auch einen Einfluss auf die Planung 
von Ressourcen. ERP Systeme der Zukunft 
müssen intelligente Lösungen zur Optimie-rung 
des Ressourceneinsatzes schaffen. Bei 
der Systemarchitektur besteht die gleiche 
Herausforderung. Systeme müssen überall 
verfügbar und skalierbar sein um den Men-schen 
in Ihren Rollen, Aufgaben und Ent-scheidungen 
eine optimale Unterstützung 
zu bieten. 
Zu Uwe Bergmann: 
Geschäftsführer COSMO CONSULT GmbH und Vorstandsvorsitzender der 
COSMO CONSULT AG 
„Wir Schaffen Software-Lösungen die 
dem Menschen bei seiner täglichen 
Arbeit optimal unterstützt.“ - Uwe Bergmann 
Competence Book - ERP 27
GRUNDLAGEN - ERP 2020-INITIATIVE 
Die ERP 2020-Initiative des VDMA – 
Zukunftsfähige ERP-Lösungen durch den Dialog von Anbieter 
und Anwendern 
Autor: Volker Schnittler, Fachreferent kaufmännische Unternehmenssoftware, VDMA - Informatik 
Seit fast 40 Jahren begleitet und berät der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagen-bau 
e.V.) seine Mitgliedsunternehmen bei der Auswahl und Einführung von PPS und ERP. Der 
Fachverband Software im VDMA ist mit über 340 Mitgliedsunternehmen aus der IT-Branche die 
Nummer 2 in Deutschland. Rund 70 dieser Mitgliedsunternehmen befassen sich in ihren Produk-ten 
und Dienstleistungen mit ERP. Dabei profitieren die Mitgliedsunternehmen des VDMA davon, 
dass sich im Verband Anwender und Anbieter von IT-Lösungen gegenüberstehen. Vor diesem Hin-tergrund 
hat der VDMA die Kampagne ERP-2020 gestartet, um auch für ERP-Systeme den Dialog 
zwischen IT-Anbietern und -Anwendern zum beidseitigen Nutzen zu fördern. Wir freuen uns sehr, 
dass Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA und Koordinator der Kampagne ERP-2020, uns 
kompetent Auskunft über die Kampagne und die Zukunft der ERP-Systeme gibt! 
Der Fachverband Software im 
VDMA vorgestellt 
Wenige wissen, dass der Fachverband 
Software die Nummer 2 bei den Soft-wareverbänden 
in Deutschland ist. 
Tatsächlich versammelt der VDMA 
(Verband Deutscher Maschinen- und 
Anlagenbau e.V.) in seinem Fachver-band 
Software über 340 der wichtigs-ten 
IT-Unternehmen Deutschlands 
und profitiert zusätzlich vor allem da-von, 
dass sich im Verband Anwender 
und Anbieter von IT-Lösungen gegen-überstehen. 
Wie kam es zur Gründung des Fach-verbands 
Software im VDMA? Was 
erwarten Ihre Mitglieder vom Fachver-band? 
Was sind aktuell Ihre wichtigs-ten 
Aktivitäten? 
Volker Schnittler: 
Der Fachverband Software wurde vor über 
einem Jahrzehnt gegründet. Hintergrund 
war die Erkenntnis, dass sich der Maschi-nen- 
und Anlagenbau auch mit seinen 
wichtigen Komponenten- und Dienstleis-tungszulieferern 
vernetzen muss. Dazu 
gehören neben den Lieferanten von Au-tomatisierungskomponenten 
natürlich 
auch die Lieferanten von Softwarelösun-gen. 
Da heute weder Maschinen noch 
Geschäftsprozesse in Unternehmen ohne 
die permanente Unterstützung von Soft-ware 
denkbar sind, reicht die Palette von 
Mitgliedsunternehmen im Fachverband 
Software natürlich von Anbietern von 
Steuerungssoftware bis hin zur Anwen-dungssoftware. 
Je nach Ausprägung dieses Softwareange-bots 
entwickelt sich hierbei ein partner-schaftlicher 
und nutzenorientierter Dia-log 
zwischen Anwendern und Anbietern 
der jeweiligen Softwarelösungen. Somit 
sehen wir es als die wichtigste Aufgabe an, 
für diesen Dialog eine Plattform zu lie-fern, 
auf der sich Anwender und Anbieter 
begegnen und zum beiderseitigen Nutzen 
austauschen können. 
28 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN- ERP 2020-INITIATIVE 
VDMA-Initiative ERP 2020 
Sie haben im vergangenen Jahr die 
Kampagne ERP-2020 gestartet. Wel-che 
Unternehmen beteiligen sich am 
Dialog zwischen Anwendern und An-bietern? 
Was sind die Ziele dieser Kam-pagne 
und welche Maßnahmen konn-ten 
bereits realisiert werden? 
Volker Schnittler: 
Es sind natürlich vor allem die rund 70 
Mitgliedsunternehmen im Fachverband 
Software, die Produkte und Dienstleistun-gen 
rund um ERP anbieten. Auf der ande-ren 
Seite aber genauso die Anwender von 
ERP. Der VDMA unterstützt ja bereits seit 
fast vier Jahrzehnten seine Mitgliedsunter-nehmen 
bei der Systemauswahl, zunächst 
bei PPS und heute natürlich bei ERP. 
Wenn Sie sich vor Augen führen, dass wir 
die IT-Leiter aus rund 150 Unternehmen 
in einem Fachkreis Infortmatik informell 
organisiert haben oder dass durchschnitt-lich 
einmal pro Woche eine Anfrage eines 
Mitgliedsunternehmens bezüglich einer 
ERP-Auswahl bei mir eingeht, können Sie 
sich ein Bild vom Potential diese Themas 
machen. 
ERP ist in den Unternehmen des Ma-schinen- 
und Anlagenbaus zur Selbstver-ständlichkeit 
geworden. Eine Commodi-ty 
wie der Strom, der aus der Steckdose 
kommt. Es ist jedoch eine Commodity mit 
viel Potential, die sich ständig verändert 
und verbessert. 
Weil ERP so selbstverständlich genutzt, 
aber als unverzichtbares Rückgrat sämt-licher 
kaufmännischer Geschäftspro-zesse 
heute im Unternehmen so wenig 
im Bewusstsein ist und sich gleichzeitig 
nachhaltig und umfangreich verändern 
muss und wird, haben wir im VDMA die 
Kampagne ERP 2020 gestartet. Wir wol-len 
Potentiale und Möglichkeiten zu noch 
intensiverer Nutzung für höheren Un-ternehmenserfolg 
genauso aufzeigen wie 
zukünftige Anforderungen der Nutzer aus 
unserer Branche, dem Maschinen- und 
Anlagenbau, um die Hersteller der Syste-me 
zu motivieren, diese zum Nutzen der 
Anwender weiter zu entwickeln. 
Wir haben in den vergangenen Tagen intensive und sehr interessante Gespräche zu ei-nem 
nachhaltigen Engagement auf der CeBIT geführt. Dabei haben wir folgende Vor-stellungen 
für die kommende CeBIT entwickelt: 
• Der VDMA wird auf der CeBIT mit einem Informationsstand vertreten sein. 
• Wir werden weiterhin versuchen, einen Gemeinschaftsstand für Mitgliedsunter-nehmen 
auf der CeBIT zu organisieren. Voraussetzung dafür ist, dass wir mindes-tens 
6 interessierte Mitgliedsunternehmen finden. 
• Wir werden das gesamte ERP Forum, das von Trovarit organisiert und betrieben 
wird unter dem Titel „ERP 2020“ fahren. 
• Inhaltlich werden wir Anbieter einladen, zu Ihrer Roadmap ERP 2020 usability, mo-bility 
und connectivity auf dem ERP 2020 Forum Stellung zu nehmen. Dazu stehen 
wir in diesem Zusammenhang für alle Anbieter offen, natürlich auch für diejenigen, 
welche ihre Systeme in anderen Branchen als dem Maschinen- und Anlagenbau 
anbieten. 
• Wir planen außerdem „ERP 2020 Guided Tours“, die sich auch auf die oben genann-ten 
Themen beziehen sollen und den Messebesuchern einen Einblick verschaffen 
sollen, was die Anbieter bereits hinsichtlich usability, mobility und connectivity 
zeigen können. 
• Wir wollen die ERP-Anbieter, die wir erreichen und die auf die CeBIT gehen wol-len, 
thematisch eng einbinden und dazu zu einem „Task Force“ Termin zum VDMA 
nach Frankfurt einladen. 
• Wir werden mit den CeBIT Studio Mittelstand abstimmen, wie wir die Themen, 
die wir im Zusammenhang mit ERP 2020 diskutieren, auch auf dieser Plattform 
anbieten können. 
Zum Autor Volker Schnittler: 
Seit Oktober 2001 ist Volker 
Schnittler als Referent für kauf-männische 
Unternehmenssoft-ware 
wie ERP, PPS, MES und 
Variantenkonfigurationslösun-gen 
bei der Abteilung Informa-tik 
des VDMA beschäftigt. Dort 
leitet er u. a. auch den PPS-An-wender/ 
Anbieter-Dialog und ist 
Mitglied im Forschungsbeirat 
des fir (Aachen). 
Competence Book - ERP 29
GRUNDLAGEN - ERP 2020-INITIATIVE 
Ergebnisse der Umfrage ERP-2020? 
U.a. wurde eine Umfrage bei Anwendern und Anbietern zum 
Thema ERP-2020 gestartet. Drei Themen-Schwerpunkte 
haben sich dabei heraus kristallisiert. Können Sie diese The-men- 
Schwerpunkte skizzieren? Was sind die Treiber hinter 
diesen Themen/ Trends? Wie gut sind die ERP-Anbieter auf 
diese Themen vorbereitet? 
Volker Schnittler: 
In der Tat haben wir drei Schwerpunktthemen aus unseren Be-fragungen 
identifiziert, die eng miteinander zusammen hängen 
und die wir als erstes adressiert haben. Es handelt sich hierbei 
um die Themen mobility, usability und connectivity. Dabei ist die 
Mobilität, das ortsungebundene Arbeiten, das für immer mehr 
Mitarbeiter aus Unternehmen maßgeblich wird, natürlich der 
Treiber. Nicht nur der Vertrieb und der Service arbeiten heute au-ßerhalb 
des Unternehmens, auch viele Mitarbeiterinnen, die sich 
vorübergehend für eine Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes 
in Richtung der Familie entscheiden, wollen und müssen wir mit 
ihrer Kompetenz für unsere Unternehmen erhalten. Also müssen 
diese Möglichkeiten erhalten bleiben, um auch von externer Stel-le 
weiterhin zum Erfolg der Untenehmen beitragen zu können. 
Mit der Mobilität kommen natürlich moderne Endgeräte ins 
Spiel, die sich von ihrer Oberflächengestaltung und Ergonomie 
an ganz anderen Maßstäben orientieren als die Windows orien-tierte 
Vorgängergeneration. Durch die Verfügbarkeit von Smart-phones 
und Tablets und den dadurch erzeugten Marktdruck 
kommen die Hersteller von ERP an diesen Tendenzen natürlich 
nicht mehr vorbei. 
Schließlich ist da noch das Thema der connectivity, der Mögich-keit 
sich überall und jederzeit mit den Unternehmensoftwaresys-temen 
verbinden zu können. Ohne diese Möglichkeit macht Mo-bilität 
wenig Sinn. 
Wir konnten auf einer Veranstaltung, auf der die führenden Her-steller 
von ERP ihre Entwicklungsroadmap zu diesen Themen 
beim VDMA vorgestellt haben, durchaus beobachten, dass die 
Anbieter da bislang unterschiedlich weit gekommen sind. Wich-tiger 
war jedoch, dass sie alle die richtige Roadmap im Kopf ha-ben 
und die Entwicklungstendenzen richtig deuten. 
Pläne ERP-2020 für 2014? 
Im Jahr 2014 planen Sie eine Vielzahl von Maßnahmen, u.a. 
eine Hausmesse, bei der ERP-Anbieter konkrete Lösungs-anforderungen 
umsetzen müssen. Zudem sind Sie auf den 
wichtigen IT-Messen präsent. Was ist dort jeweils im Detail 
geplant? 
Volker Schnittler: 
Auf unserer ERP 2020 Hausmesse, die am 14. Mai 2014 in Flörs-heim 
bei Frankfurt stattfindet, werden wir an ein bewährtes 
Veranstaltungsformat anknüpfen. Dies besteht darin, dass alle 
vertretenen Anbieter eine Aufgabenstellung vorgegeben bekom-men, 
die sie dann auf ihren Messeständen mit ihren Software-lösungen 
abbilden müssen. In diesem Jahr wird das ein Szenario 
aus dem Bereich Servicemanagement sein, das unsere Themen 
mobility, usability und connectivity genauso adressiert wie zahl-reiche 
funktionale Verbesserungen im Serviceprozess. Die Besu-cher 
der Hausmesse kennen dieses Szenario und können so die 
Systeme gut miteinander vergleichen und sich über die jeweilige 
Lösungsphilosophie den gezeigten Produkten annähern. 
Neben unserer eigenen ERP 2020 Hausmesse werden wir noch 
auf der CeBIT vertreten sein. Was wir dort planen, habe ich weiter 
oben beschrieben. Auf der Hannover Messe sind wir ideeller Trä-ger 
der Leitmesse Digital Factory und betreiben seit vielen Jahren 
einen Gemeinschaftsstand für die Mitgliedsunternehmen des 
Fachverbandes Software. Ein weiteres Highlight ist unsere 2-tä-gige 
Tagung zu MES, die wir im Auftrag der Messe gemeinsam 
mit dem VDI, NAMUR und dem ZVEI ausrichten. Auch mit den 
Aachener ERP-Tagen des FIR gibt es eine jahrelange Zusammen-arbeit. 
Dort bieten wir eine Erfahrungsaustauschveranstaltung 
zu Lösungen aus dem Variantenmanagement für Mitgliedsun-ternehmen 
des VDMA und Unternehmen aus dem Cluster Pro-duktion 
in NRW an. Auf der Messe IT & Business, deren ideeller 
Träger ebenfalls der Fachverband Software ist, werden wir unter 
anderem unseren traditionellen VDMA IT-Leiter Treff anbieten, 
sowie unsere Business Intelligence Tagung und eine Veranstal-tung 
rund um CRM. 
„ERP ist in den Unternehmen des Maschinen- und 
Anlagenbaus zur Selbstverständlichkeit geworden. 
[...] Es ist jedoch eine Commodity mit viel Potential, 
die sich ständig verändert und verbessert“ - Volker Schnittler 
30 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 
ERP 2020 - 21 Thesen 
für das ERP der Zukunft 
Im Rahmen der gemeinsamen Initiative „ERP 2020 – Roadmap in die Zukunft“ des Verbands 
Deutscher Maschinen‐ und Anlagenbau e.V. (VDMA), der Trovarit AG und des FIR an der 
RWTH Aachen, sollen zukünftige Entwicklungen und Trends im Bereich ERP‐Systeme, 
Enterprise-Resource-Planning, untersucht, in Zusammenarbeit mit der Industrie validiert 
und anschließend publiziert werden. Hierbei stehen der Nutzen und das Potenzial dieser 
Softwarelösungen im Betrachtungsfokus. 
AUTOREN: Dipl.-Wirt.-Ing. Dennis Schiemann, Aachen und Dominik Frey M.Sc., Aachen 
Aus der gemeinsamen Betrachtung der vierten industriel-len 
Revolution und der globalen wachsenden Relevanz 
von ERP-Systemen resultiert die Notwendigkeit die Ent-wicklung 
dieser Branche in den kommenden Jahren zu beleuch-ten. 
Das Ergebnis einer Roadmap in die Zukunft bis zum Jahr 
Diese kennzeichnet sich durch eine Auswahl an Themenberei-chen, 
welche die Schnittmenge aus Industrie 4.0 und dem ERP-Markt 
bilden, dargestellt in Abbildung 1. Neben einer Identifi-kation 
der relevanten Themenbereiche des ERP-Marktes durch 
Erfahrungskompetenz der drei Expertenhäuser erfolgte die um-fragebasierte 
Validierung durch Anwender und Anbieter unter 
anderem auf den Aachener ERP-Tagen. Ein Anwender-Anbieter 
Dialog bildete beim VDMA in Frankfurt einen zentralen Teil des 
Vorhabens ab. Die Themenbereiche definieren sich wie folgt: 
Mobility wird verstanden als die Fähigkeit jederzeit, überall und 
mit jedem beliebigen Gerät auf Applikationen und Informatio-nen 
einer Unternehmenssoftware zugreifen zu können. 
Connectivity ist die Fähigkeit von ERP, mit unterschiedlichen 
Systemen über Schnittstellen zu kommunizieren. 
Collaboration steht für die Zusammenarbeit und Kommunika-tion 
von Menschen und Organisationen über Grenzen, Systeme, 
Zeitzonen und geographische Entfernungen hinweg. 
Funktionalität und Anpassbarkeit bietet anforderungsge-rechte 
Methoden und Verfahren für die Lösung volatiler Anfor-derungen 
sowie der Veränderung von Geschäftsprozesslogik in 
den Unternehmenssoftwaresystemen. 
Ressourcenplanung beinhaltet die autonome Entscheidungs-findung 
unter der Bedingung schwindender Ressourcenverfüg-barkeit 
Dienstleistungsmethoden und –qualität zeichnet sich durch 
messbare Qualitätsstandards und nachvollziehbare Nutzen-bewertung 
sowie standardisierte Leistungsverzeichnisse für 
ERP-Dienstleistungen aus. 
Usability umfasst die Handhabbarkeit, die Benutzbarkeit von 
Systemen und die Softwareergonomie. 
Zum Autor Dennis Schiemann: 
Dennis Schiemann studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau 
und Vertiefungsrichtung Produktionstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen 
Hochschule (RWTH) Aachen. Derzeit promoviert er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am 
Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen im Bereich Produktions-management 
und arbeitet dort zudem als Projektingenieur in zahlreichen Forschungs- und 
Industrieprojekten. Seine fachlichen Schwerpunktthemen am FIR liegen im Prozess- und Auf-tragsmanagement 
sowie in der ERP-Auswahl. 
2020 ist die Initiative ERP 2020. 
Competence Book - ERP 31
GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 
Abbildung 1: Themenbereiche der Initiative ERP 2020 (Bilder: © Fotolia) 
Neben der Identifikation der Themenbereiche wurden Thesen 
formuliert und Zukunftsszenarien daraus abgeleitet. Insbeson-dere 
die Themen Mobility, Connectivity und Usability weisen in 
ihren Ausprägungen große Schnittmengen auf. Eine Top-These 
und die damit verbundenen Herausforderungen spiegelt dies wider. 
2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf 
mobilen Geräten, das User-Interface an die neuen Anforde-rungen 
angepasst haben. 
Die sich hieraus ergebenden Herausforderungen zeigen sich be-sonders 
im Bereich Connectivity, Mobility und Usability. Bei dem 
Arbeiten auf mobilen Geräten existieren heutzutage noch viele 
Defizite. Die Usability stellt dabei eine zentrale Voraussetzung 
für Mobility dar und ist heutzutage nicht gegeben. Usability gilt 
hierbei insbesondere unter dem Aspekt der Komplexitätsbe-herrschung 
und nicht ausschließlich unter der Benutzerfreund-lichkeit. 
Die Gestaltung von mobilen ERP-Lösungen muss voll-ständig 
anders aussehen als die bekannten User Interfaces, was 
neben den geräteadäquaten Sichten auch entsprechende Funk-tionalitäten 
beinhaltet. Durch die fehlenden Anwendungsfälle 
in diesem Bereich sind vielfach auch zusätzliche Investitionen 
seitens der Geschäftsführung gehemmt. 
Das resultierende Zukunftsszenario zeichnet sich dadurch aus, 
dass die Usability im Sinne der Komplexitätsbeherrschung an-gepasst 
wird. Das mobile ERP erkennt automatisch auf welchem 
Mobile Device es benutzt wird und passt automatisch dessen In-terface 
und Funktionsumfang an die Größe bzw. das Handling 
des Mobile Device an. Hierbei muss abhängig vom User auch der 
Bedienvorgang differenziert werden. Der Low-Level-User benö-tigt 
keine Schulungen, da die genutzten Funktionalitäten intu-itiv 
bedienbar sind. Power-User benötigt weiterhin Schulungen 
im System, da dieser die Wirkungszusammenhänge kennen und 
die Hintergründe überblicken muss. Für die Mitarbeiter in den 
Unternehmen führt dies sowohl in der IT als auch in den Fachab-teilungen 
zu der Notwendigkeit prozessorientiert zu denken und 
entsprechendes Know-How aufzubauen. In den Unternehmen 
werden somit zukünftig noch stärker die Qualifikationsprofile 
der Anwender differenziert. Anwender mit Prozessverantwor-tung 
brauchen speziell ausgebildete Fähigkeiten. Anwender mit 
geringerem Qualifikationsstandard werden noch stärker geführt 
werden müssen. 
Fazit 
Insgesamt führt die Analyse der Thesen zur Notwendigkeit von 
zentralen Entwicklungen im ERP-Umfeld. Die Qualifikations-profile 
der einzelnen Anwender werden stärker unterschieden 
und die Software wird darauf abgestimmt. Es liegen zukünftig 
differenzierte Prozessmodelle sowohl für zentrale als auch für 
regional verteilte Prozesse vor. Diese bilden die Entscheidungs-grundlage 
für Integration und die Diversifizierung von ERP-Sys-temen. 
Um dies zu nutzen ist eine zeitliche, örtliche und ge-räteunabhängige, 
konstante Verfügbarkeit die Voraussetzung. 
Ubiquitäres Internet bildet die Grundlage für echtzeitfähige, 
mobile Kommunikationstechniken. 
32 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 
Abbildung 2: Verknüpfung von Ressourcenplanung und –steuerung mit IuK-Technologien 
Als Antwort auf die Frage „Was muss man tun um erfolgreich 
zu sein?“ wurden die Verknüpfung der Ressourcenplanung 
und –steuerung mit den Informations- und Kommunikations 
(IuK)-Technologien identifiziert und in Abbildung 2 dargestellt. 
Hierbei gewinnt die Integration in Form von Schnittstellen-Stan-dards 
an Bedeutung. Diese müssen zunehmend ausgebaut wer-den. 
„Offlinefähige Onlinesysteme“, welche synchronisiert und 
je nach Sicherheitsbedarf und Connectivity-Möglichkeiten ska-liert 
werden können, bilden ein technologisches Standbein. Die 
Usability muss neben der Softwareergonomie und der Benutzer-freundlichkeit 
als Aspekt der Komplexitätsbeherrschung ausge-baut 
werden. Dies gewinnt auch dadurch an Bedeutung, dass die 
Komplexitätsreduzierung für den Anwender in der Regel zu ei-ner 
Komplexitätssteigerung in der IT führt. Um die Komplexität 
der Systemlandschaften zu beherrschen, braucht es neue Metho-den 
und Ansätze zum Management der Applikationslandschaft. 
Die weiteren Aktivitäten der Initiative ERP 2020 werden unter 
anderem auf den 21. Aachener ERP-Tagen vom 03.06.-05.06.2014 
unter dem Motto „ERP-Potenziale demonstrieren“ präsentiert. 
Details zu den 21 Thesen finden Sie in Abbildung 3. 
Kontaktdaten: 
Dipl.-Wirt.-Ing. Dennis Schiemann 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Produktionsmanagement 
Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH Aachen 
Pontdriesch 14/16 
D-52062 Aachen 
Tel: +49 241 47705-425 
Fax: +49 241 47705-199 
Dennis.Schiemann@fir.rwth-aachen.de 
www.fir.rwth-aachen.de 
Zum Autor Dominik Frey: 
Dominik Frey studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau und 
Vertiefungsrichtung Produktionstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen 
Hochschule (RWTH) Aachen. Derzeit promoviert er als wissenschaftlicher Mitarbeiter 
am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen im Bereich Pro-duktionsmanagement 
und arbeitet dort zudem als Projektingenieur in zahlreichen For-schungs- 
und Industrieprojekten. Seine fachlichen Schwerpunktthemen am FIR liegen in 
der Produktionsplanung sowie in der ERP-Auswahl. 
Competence Book - ERP 33
GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 
1. Mobility / Usability 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 1 In 2020 sind aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der 
wachsenden Internationalisierung neue Arbeitsformen und -modelle notwendig. 
Daher müssen ERP-Systeme in Zukunft auf unterschiedlichen Endgeräten 
jederzeit und überall verfügbar sein. 2,27 4 
These 2 2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf mobilen 
Geräten, das User-Interface an die neuen Anforderungen angepasst haben. 2,43 1 
These 3 2020 muss das Arbeiten im ERP-System mit den gleichen Werkzeugen 
wie im Privatbereich erfolgen („Bring your own device“ bzw. Verknüpfung von 
Social Media mit Business Netzwerken). 1,39 17 
These 4 2020 ist die Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne 
Schulungsaufwand möglich. 1,32 19 
2. Connectivity / Daten 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 5 2020 wird der Bedarf an zeitnaher und räumlich uneingeschränkter 
Informationsverfügbarkeit enorm gestiegen sein. 2,39 2 
These 6 2020 wird es einige wenige quasi-standardisierte Datenmodelle geben, 
die von wenigen Anbietern vorgegeben und von allen anderen Anbietern 
eingesetzt bzw. verwendet werden. 1,34 19 
These 7 In 2020 wird die Datenkommunikation zwischen unterschiedlichen 
Systemen durch standardisierte Datenformate erleichtert. 1,79 12 
These 8 2020 ist eine Verzahnung aller Planungsebenen, von der Ebene der 
Supply Chain bis zur produzierenden Maschinenebene, inklusive eines 
einheitlichen Austausches mit entsprechenden Datenformaten und 
Softwaresystemen für die Ressourcenplanung Industriestandard. 1,53 15 
3. Kooperation / Collaboration 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 9 In 2020 entstehen beim Arbeiten mit ERP-Systemen ohne die 
Verwendung von bereichsübergreifenden Kooperations-Werkzeugen gravierende 
Wettbewerbsnachteile (u.a. Produktivitätsverluste). 2,16 6 
These 10 In 2020 nimmt der Informationsaustausch massiv zu, da die 
Austauschfrequenz kurzzyklischer ist. 2,30 3 
These 11 In 2020 ist der Informationsaustausch unstrukturierter, da die Anzahl 
der Beteiligten an weltweiten Standorten zunimmt. 1,84 10 
These 12 2020 sind zentrale Plattformen zur Zusammenarbeit zwischen rechtlich 
eigenständigen Unternehmen ein elementarer Faktor für die 
Wettbewerbsfähigkeit im globalisierten Umfeld. 2,02 8 
4. Ressourcenplanung 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 13 2020 ist der Mitarbeiter stärker in die autonome Entscheidungsfindung 
eingebunden. Hierfür sind neuartige Informationsdarstellungsformen und - 
bereitstellungsformen zur Entscheidungsunterstützung notwendig. 1,68 14 
These 14 2020 sind Energieeffizienz und -flexibilität unter der Bedingung 
schwindender Verfügbarkeit von energetischen Ressourcen ein zentraler Aspekt 
der Ressourcenplanung. 2,11 7 
5. Funktionalität / Architektur 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 15 2020 ermöglichen neue Architekturen wie bspw. Service-orientierte 
Architekturen (SoA) eine Entkopplung von Programm- und Ausführungslogik, 
wodurch die Flexibilität der ERP-Systeme gesteigert wird (die Prozessschicht 
wird die dirigierende Schicht). 1,80 11 
These 16 In 2020 wird die Vergangenheit gezeigt haben, dass es eine vollständige 
Integration im Sinne einer "1-System-Landschaft" (Monolith) nicht gibt und 
auch zukünftig nicht geben wird. 2,20 5 
34 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 
6. Dienstleistungsmethoden / -qualität 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 17 2020 wird es Qualitätsstandards für die Einführung von ERP-Systemen 
geben, an denen der Anbieter anhand von qualitativen sowie quantitativen 
Kriterien beurteilt werden kann. 1,28 21 
These 18 2020 wird das Dienstleistungsangebot von ERP-Anbietern in hohem 
Maße standardisiert und modularisiert sein (Leistungsverzeichnisse). 1,41 17 
These 19 2020 gibt es strukturierte Verfahren zur Nutzenbewertung von ERP-Systemen, 
die zusätzlich das Aufzeigen von Handlungspotenzialen ermöglichen. 1,51 16 
These 20 2020 werden die Kosten für IT und ERP-Systeme aufgrund erhöhtem 
Administrations- und Komplexitätsaufwand gestiegen sein. 1,92 9 
These 21 2020 wird die IT-Abteilung sehr viel stärker das unternehmensspezifische 
Prozessmanagement verantworten. 1,71 13 
7. Top-Five 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 2 
2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf mobilen 
Geräten, das User-Interface an die neuen Anforderungen angepasst haben. 2,43 1 
These 5 
2020 wird der Bedarf an zeitnaher und räumlich uneingeschränkter 
Informationsverfügbarkeit enorm gestiegen sein. 2,39 2 
These 10 
In 2020 nimmt der Informationsaustausch massiv zu, da die 
Austauschfrequenz kurzzyklischer ist. 2,30 3 
These 1 
In 2020 sind aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der 
wachsenden Internationalisierung neue Arbeitsformen und -modelle notwendig. 
Daher müssen ERP-Systeme in Zukunft auf unterschiedlichen Endgeräten 
jederzeit und überall verfügbar sein. 2,27 4 
These 16 
In 2020 wird die Vergangenheit gezeigt haben, dass es eine vollständige 
Integration im Sinne einer "1-System-Landschaft" (Monolith) nicht gibt und 
auch zukünftig nicht geben wird. 2,20 5 
Botschaft: Innovationen in den Dimensionen Mobility (1), Usability (2), Connectivity (5, 10), Architektur (16) 
8. Flop-Five 
Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking 
These 17 
2020 wird es Qualitätsstandards für die Einführung von ERP-Systemen 
geben, an denen der Anbieter anhand von qualitativen sowie quantitativen 
Kriterien beurteilt werden kann. 1,28 21 
These 4 
2020 ist die Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne 
Schulungsaufwand möglich. 1,32 20 
These 6 
2020 wird es einige wenige quasi-standardisierte Datenmodelle geben, 
die von wenigen Anbietern vorgegeben und von allen anderen Anbietern 
eingesetzt bzw. verwendet werden. 1,34 19 
These 3 
2020 muss das Arbeiten im ERP-System mit den gleichen Werkzeugen 
wie im Privatbereich erfolgen („Bring your own device“ bzw. Verknüpfung von 
Social Media mit Business Netzwerken). 1,39 18 
These 18 2020 wird das Dienstleistungsangebot von ERP-Anbietern in hohem 
Maße standardisiert und modularisiert sein (Leistungsverzeichnisse). 1,41 17 
Botschaft: Aber keine Wunder bei Mobility (3), Usability (4), Connectivity (6), Dienstleistung (17, 18) 
Erläuterungen zur Zustimmung 
Trifft gar nicht zu 0,00 
Trifft weniger zu 1,00 
Trifft überwiegend zu 2,00 
Trifft vollkommen zu 3,00 
Trifft im Durchschnitt eher gar nicht / weniger zu < 1,4 
Trifft im Durchschnitt eher überwiegend / vollkommen zu > 1,6 
Abbildung 3: ERP 2020 - Auswertung der 21 Thesen 
Competence Book - ERP 35
GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN 
Die Zeit ist reif: Ein neues 
ERP-Auswahlverfahren 
Seit etwa 20 Jahren werden nach scheinbar bewährten Prinzipien ERP-Auswahlverfahren 
durchgeführt. Zahlreiche Berater haben sich etabliert und schwören auf die jeweils von ihnen 
favorisierte Art, ein neues ERP-System für ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung 
auszuwählen. Doch die Annahmen, unter denen früher Auswahlverfahren durchgeführt wur-den, 
lassen sich kaum noch halten. Immer mehr Probleme treten mit Versprechungen auf, die 
von den Anbietern in der Auswahlphase gegeben werden und die dann zu erheblichen Kosten-und 
Zeitüberschreitungen in der Einführungsphase führen, weil sie sich als nicht stichhaltig 
erwiesen haben. 
AUTOR: Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau, Center for Enterprise Research, Universität Potsdam 
Abb. 1: Probleme im Auswahlverfahren 
Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Potsdam 
Consulting, die im Rahmen ihrer Prozess- und Stra-tegieberatung 
auch zahlreiche ERP-Auswahlprozesse 
begleitet hat, hat das Center for Enterprise Research an 
der Universität Potsdam nun einen neuen ERP-Auswahlprozess 
entwickelt, der die zahlreichen Fehler der Vergangenheit vermei-det 
und zudem wesentlich besser als früher an die individuellen 
Bedürfnisse der Unternehmen anpassbar ist, die ein ERP-System 
suchen. 
Probleme im Auswahlverfahren 
Als falsch hat sich erwiesen, bereits ohne Kenntnis des Zielsys-tems 
eine Sollprozessgestaltung anzustoßen, ebenso falsch ist es, 
eine komplette Modellierung des derzeitigen - und vermutlich 
bald abzulösenden - Ist-Zustandes vor-zunehmen. In beiden Fäl-len 
wird hoher Aufwand verursacht, obwohl Timing und Ergeb-nisnutzen 
nicht stimmen. 
Um sich ein Bild vom Anbieter und seinem System zu machen, 
sind Präsentationen in der Auswahlphase unerlässlich. Um nicht 
in wenig sinnvolle Standardpräsentationen des Anbieters hin-einzulaufen, 
müssen knappe Szenarien aus den wichtigsten Un-ternehmensbereichen 
konzipiert werden, die Stammdaten und 
auswahlentscheidende Funktionen des Systems miteinander ver-knüpfen. 
Bei Zeitknappheit im Bereich der Anforderungsanalyse 
besteht die Gefahr, die falschen Aspekte zu Szenarien zu verdich-ten. 
Da jedes Unternehmen und jede Organisation anders ist, lau-fen 
Auswahlverfahren, die ausschließlich auf internetbasierten 
Merkmalslisten mit Tausenden von Einträgen basieren, häufig in 
die falsche Richtung: Hier gewinnt meist das funktionsstärkste 
System, nicht aber das am besten passende. 
36 Competence Book - ERP
GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN 
Allerdings erkennen die führenden Mitarbeiter der Kunden die-se 
und andere Probleme der Auswahlphase häufig nicht. Die so 
genannte „ERP-Reife“ der Unternehmen bestimmt sehr stark 
die Notwendigkeit einzelner Schritte im Auswahlprozess. Die 
ERP-Reife wird auf der Basis mehrerer Aspekte individuell ermit-telt, 
u.a.: 
• Gibt es eine (aktuelle) Prozessdokumentation und entspre-chen 
die tatsächlichen Abläufe zumindest grob dieser Do-kumentation? 
• Wird schon prozessorientiert gearbeitet (abteilungsüber-greifend 
und auf die Erzielung eines Wertes für einen Kun-den 
hin)? 
• Besteht ein Bewusstsein für die Bedeutung des Stammda-tenmanagements 
und existiert sogar ein Prozess, mit dem 
die Qualität der Stammdaten sichergestellt wird? 
• Existieren Support- und Wartungsstrukturen, sowohl auf 
Anbieterseite als auch unternehmensintern (Key User)? 
• Sind Erfahrungen mit ERP-Systemen vorhanden oder wird 
bisher überwiegend mit Tabellenkalkulationen und Text-programmen 
gearbeitet? 
• Wie qualifiziert sind die beteiligten Mitarbeiter zu ERP-Sys-temen? 
• Gibt es eine IT-Strategie, die ggf. sogar in die Unternehmens-strategie 
und das Geschäftsmodell eingebettet ist? 
Jedes „Nein“ auf eine dieser Fragen führt zu einem anderen Zu-schnitt 
des Auswahlprozesses. Auch die Einschätzung der Kun-den 
zu den präsentierten Systemen ist bei mangelnder Erfahrung 
mit ERP-Systemen weniger stark zu gewichten als bei ERP-erfah-renen 
Benutzern. So wird beispielsweise bei mangelnder Erfahrung 
die Usability eines ERP-Systems nicht sachlich beurteilt, sondern aus-schließlich 
danach, wie sehr die präsentierten Oberflächen bekann-ten 
Office-Produkten ähneln. Solche Bewertungen sind kaum für das 
Treffen einer Auswahlentscheidung verwendbar. 
Gerade bei Unternehmen, die zum ersten Mal ein ERP-System 
auswählen, lassen sich kaum A-Anforderungen generieren, die 
zur Differenzierung von Anbie-tern geeignet sind. Weil noch kei-ne 
ausgereiften Datenstrukturen oder Prozessabläufe existieren, 
kommen tatsächlich viele marktverfügbare ERP-Systeme für das 
suchende Unternehmen infrage. Es muss also neben den diffe-renzierenden 
A-Anforderungen im Auswahlprojekt unbedingt 
weitere Kriterien geben, nach denen Anbieter differenziert wer-den 
können. Dies können sein: 
• Auszeichnungen unabhängiger Gremien 
• Unabhängige Informationen über den Anbieter, etwa in se-riösen 
Fach-medien 
• Veröffentlichte Anwenderberichte aus der gleichen Branche 
(„Success Stories“) 
• Präsenz der Anbieter in der Fachöffentlichkeit 
Gelegentlich kommt es zu Irritationen, weil dem Kunden des 
Auswahlberaters nicht genau präsent ist, welche Beraterleistun-gen 
er tatsächlich eingekauft hat. Insbesondere bei - an sich wün-schenswerten 
- Festpreisangeboten - neigen Führungskräfte des 
ERP-suchenden Unternehmens dazu, weitere Leistungen einzu-fordern, 
obwohl diese weder der Sicherstellung des Auswahlziels 
dienen noch derzeit erforderlich sind. Diese Irritationen müssen 
im Vorfeld durch ein eindeutiges Angebot, ggf. mit bereits vorher 
erkennbaren Erweiterungs- und Kürzungsoptionen, ausgeräumt 
werden. 
Obwohl die Beschreibungen der zu präsentierenden Szenari-en 
bereits Antworten auf die wichtigste Vertriebsfrage liefern 
(„Was ist dem Kunden besonders wichtig = wo hat er derzeit die 
Zum Autor Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau: 
Norbert Gronau gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, die nicht nur Brücken 
zwischen Wissenschaft und Praxis bauen, sondern diese auch mehrmals täglich 
überqueren. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Electronic 
Government an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Direktor des dort 
angesiedelten Centers for Enterprise Research. Unter der Leitung von Professor 
Gronau forschen über 30 Mitarbeiter zur integrierten Gestaltung von Geschäfts-prozessen 
und Unternehmenssoftware wie etwa ERP-Systemen sowie zu den 
Grundlagen von Wissen, Lernen und Bilden. 
Professor Gronau ist ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Technik-wissenschaften 
und Gründungsherausgeber der Fachzeitschriften ERP Manage-ment 
und PRODUCTIVITY Management (früher PPS Management). 
Gemeinsam mit der von ihm initiierten Potsdam Consulting Group hat er mehre-re 
Bundesministerien, Länder und Kommunen, Großunternehmen wie Lufthansa 
Technik, Roche Diagnostics, Robert Bosch und IKEA, aber auch Mittelständler 
wie Bahlsen, OKE, Waskönig&Walter, Hofmann Menü und viele andere beraten. 
Competence Book - ERP 37
GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN 
Abb. 2: Ziele der ERP-Auswahl 
meisten Probleme“), bereiten sich einige 
ERP-Anbieter nur unzureichend auf die 
Kundenpräsentation vor. Offenbar ist den 
Anbietern nicht klar, dass ein schlechter 
Eindruck in einer Kundenpräsentation die 
Chancen, den Auftrag zu gewinnen, nahe-zu 
vollständig ruiniert. 
ERP-Auswahlverfahren werden in der Re-gel 
nicht aufgrund langfristiger strategi-scher 
Planungen durchgeführt, sondern 
weil der Schmerz aufgrund der unzurei-chenden 
Leistungen der gegenwärtig ein-gesetzten 
Systeme unerträglich geworden 
ist. Nachdem sich der Kunde - endlich 
- entschieden hat, ein neues ERP-System 
einzuführen, steht „nur noch“ der Aus-wahlprozess 
zwischen ihm und der Er-reichung 
seines Zieles. Daher kommt es 
vor, dass der Kunde das Auswahlverfahren 
unter erheblichen Zeitdruck setzt. Ein 
guter Auswahlprozess gerät nicht unter 
Zeitdruck, zumal der Zeitbedarf in der 
Auswahlphase wesentlich vom Antwort-verhalten 
der Anbieter beeinflusst wird. 
Während Auswahlberater den Markt, die 
Systeme und (hoffentlich) deren Tech-nologie 
gut kennen und diese Aspekte in 
die Auswahl einfließen lassen, basiert die 
Einschätzung des Kunden weitgehend auf 
seinem Bauchgefühl. Das führt dazu, dass 
der Kunde seine Auswahlentscheidung 
nach anderen Kriterien trifft als der Bera-ter. 
Ein Auswahlverfahren muss erklären, 
wie der Berater zu seiner Einschätzung 
gelangt ist. 
Anforderungen an ein zeitgemäßes 
ERP-Auswahlverfahren 
Wichtigstes Ziel des Auswahlverfahrens 
ist es, das „richtige“, zum suchenden Kun-den 
jetzt und in Zukunft passende System 
auszuwählen. Bestandteil dieses Ziels ist 
es auch, den „richtigen“, ebenso passenden 
Anbieter auszusuchen. Gerade bei System-häusern, 
die Branchenlösungen auf der 
Basis von Sage, Microsoft oder SAP anbie-ten, 
ist dies ein wichtiges Teilziel, denn die 
Branchenkenntnisse der Systemhäuser un-terscheiden 
sich erheblich. 
Die Entscheidung über ein neues 
ERP-System muss auch wirtschaftliche Er-wägungen 
mit berücksichtigen. Auswahl-verfahren, 
die Betriebskosten oder den 
betriebswirtschaftlichen Nutzen eines 
neuen Systems nicht einbeziehen, enthal-ten 
dem Kunden wertvolle entscheidungs-relevante 
Informationen vor. 
Der Auswahlprozess muss zügig durch-geführt 
werden, da sich sonst zwischen 
Festlegung der auswahlrelevanten Anfor-derungen 
und Umsetzung dieser in einem 
neuen ERP-System zu viele Veränderungen 
bei Produktspektrum, Organisation und 
Prozessen ergeben könnten, die die Ein-führungsdauer 
verlängern und verteuern. 
Wirtschaftlich ist ein Auswahlprozess, wenn 
er sich auf die wesentlichen Anforderungen 
des Kunden an das neue ERP-System be-schränkt 
und nicht alle mög-lichen und 
wünschenswerten Analysen voranstellt. 
Dazu müssen vor allem die individuellen 
gegenwärtigen und zukünftigen Bedarfe des 
Kunden erkannt werden. Neben der Abfrage 
aller Führungskräfte und der Verwendung 
standardisierter Checklisten sind weitere 
Instrumente einzusetzen. 
Das Auswahlverfahren muss zwingend an 
den jeweiligen ERP-Reifegrad des Kunden 
angepasst werden. Erfahrene Berater nut-zen 
dazu eine Checkliste, die eine schnelle 
Einordnung des Kunden in ein Reifegrad-modell 
ermöglichen. 
Um Anforderungen aufzunehmen, Be-denken 
zu erkennen und die Ergebnisse 
des Entscheidungsprozesses in der Orga-nisation 
zu verankern, sind Führungskräf-te 
und Key User unbedingt zu beteiligen. 
Die Beteiligung kann in Mitentscheidung, 
Mitwirkung oder Information bestehen, je 
nach gelebter Kultur im Anwenderunter-nehmen. 
Es ist erforderlich, dass der Kunde das 
Auswahlergebnis und sein Zustandekom-men 
nachvollziehen kann. Da es sich bei 
Auswahlverfahren um multikriterielle 
Mehrpersonenentscheidungen handelt, 
die im Falle einer Realisierung erhebliche 
Bindungswirkung für die Organisation 
entfalten, muss die Nachvoll-ziehbarkeit 
gegeben sein. 
Vorgehensmodell der ERP-Auswahl 
Das auf den vorstehend beschriebenen 
Überlegungen basierende Auswahlver-fahren 
von Potsdam Consulting und dem 
Center for Enterprise Research ist in Abb. 
3 dargestellt. 
In einer der eigentlichen ERP-Auswahl 
vorgelagerten Phase wird das Vorge-hensmodell 
an die Belange des jeweili-gen 
Kunden angepasst. Dazu wird der 
ERP-Reifegrad des Kunden ermittelt, die 
Zielsetzung, die mit dem ERP-Projekt ver- 
38 Competence Book - ERP
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  • 1. Competence Book Nr. 7 ERP Kompakt Enterprise Ressource Planning für eine integrierte Ökonomie
  • 2. Einleitung Grundlagen Anwendungen & Lösungsbausteine 5 Editorial Volker Schnittler ERP 2020 Zukunft, aber keine Science Fiction 6 Grußwort Frank Naujoks Gerüstet für den Wettbewerb von morgen 7 Grußwort Otto Schell ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit um Zukunftsfähigkeit 8 Grußwort Thorsten Reuper ERP der Zukunft - die Zukunft des ERP hat gerade erst begonnen 9 Grußwort Manfred Deues Maximale Prozesstransparenz 10 Zahlen kompakt Infografik ERP 14 Statements Statements zu ERP 20 ERP 2020 I Roundtable zu ERP 2020 28 ERP 2020 II Die ERP 2020-Initiative des VDMA vorgestellt 31 ERP 2020 III 21 Thesen für das ERP der Zukunft 36 ERP Auswahl Die Zeit ist reif: Ein neues ERP-Auswahlverfahren 41 ERP Einführung I So vermeiden Sie Stolperfallen bei der ERP-Einführung 43 ERP Einführung II ERP-Systeme einführen: In drei Phasen zum Erfolg 46 Wandlungsfähigkeit Mehr Wandlungsfähigkeit dank moderner ERP 48 ERP Trends I Vier Megatrends fordern die gesamte IT-Industrie 52 ERP Trends II ERP Trends 2014 57 ERP 2020 IV Eine Einführung zu den ERP-2020-Reports 59 ERP 2020 V Mobility, Connectivity, Usability: Empirie zur Trilogie der ERP 2020 65 Mobility Das Büro in der Westentasche Business-Software wird mobil 67 Cloud ERP in der Cloud Zwei Trends zeichnen sich ab 69 Usability ERP 2020 und Industrie 4.0 Usability - next steps 71 Herausforderungen Herausforderung Prozessoptimierung 74 Integration Vorteile einer ERP/MES-Integration 76 Internationalisierung Wie ERP-Systeme internationale Geschäftspro-zesse unterstützen 79 Fertiger ERP für Einzel- und Auftragsfertiger 4 Unser Kompetenz-Netzwerk Partner des Competence Books INHALT 2 Competence Book - ERP
  • 3. Case Studies & Produktinformationen Branchenübersicht 85 Kumavision ERP-Lösung KUMAVISION factory für Förderanlagen im Bergbau 88 Asseco Maschinenring Österreich: Ring frei für APplus 90 Microsoft Mit Dynamics AX 2012 schlank in die Zukunft 92 Cosmo Consult Integrierte Module statt Individualprogrammierung 95 Asseco Der Weltmarktführer für Luftpumpen und Schutzbleche ist mit APplus für die Zukunft gerüstet 97 ams.Solution AG Wachstum organisieren 101 COSMO CONSULT AG Ein Partner für alle Fälle 104 ams.Solution AG Auf Draht bei Aumann 106 Diverse Branchen Weitere Case Studies und Produktinformationen unse-rer Partner 112 Informationsquellen 114 Unternehmen 119 Experten 126 Glossar Impressum Verantwortlich für das Competence Book i.S. des TDG: Geschäftsadresse: NetSkill AG Salierring 43 50677 Köln Tel.: 0221 / 716 144 0 E-Mail: info@netskill.de Vorstand: Dr. Winfried Felser Aufsichtsratsvorsitzender: Michael Felser Amtsgericht Köln HRB 58503 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE209010121 Projektleitung: Maximilian Herzogenrath Layout & Design: Martina Mittermüller Quellenangabe Inhaltsverzeichnis: © Copyright 2013 NetSkill AG - alle Rechte vorbehalten. INHALT Competence Book - ERP 3
  • 4. PARTNER - SPONSOREN DES COMPETENCE BOOKS Partner des Competence Books ERP 4 Competence Book - ERP
  • 5. EDITORIAL ERP 2020: Zukunft, aber keine Science-Fiction ERP-Lösungen gehören seit vielen Jahren zum Standard in Wirt-schaftsunternehmen. Die Umfra-gen innerhalb des Maschinen- und Anla-genbaus, die der VDMA alle zwei Jahre zu IT-Systemen durchführt zeigen, dass fast 100% der Unternehmen derartige Lösun-gen einsetzen. Der hohe Grad an Rationalisierung und Prozessbeschleunigung, der mit dem Ein-satz dieser Systeme gewonnen wurde, wird als selbstverständlich hingenommen und damit kaum mehr beachtet. Tatsächlich ist ERP heute eine Selbstverständlichkeit, allerdings eine Selbstverständlichkeit mit großem Potential. Nicht umsonst arbeiten tagaus tagein Hunderte von Mitarbeitern in den einschlägigen Softwarehäusern da-ran, diese Lösungen weiter zu entwickeln und zu verbessern. Um den oben genannten Sachverhalt mehr in das Bewusstsein der Nutzer zu rücken und nahe liegende Entwicklungen aufzuzeigen, hat der VDMA die Kampa-gne ERP 2020 gestartet. Einerseits geht es darum, dass das Nutzenpotential, wel-ches die Unternehmen durch die Bezah-lung der Lizenzgebühren erwerben, auch bei den Nutzern ankommt. Dies gelingt nur, wenn auch die aktuellen Versionen der Softwareprodukte eingesetzt und ihre funktionalen Potenziale auch tatsächlich für eine zukunftsfähige Wertschöpfung genutzt werden. Kommen veraltete Re-lease- Stände zum Einsatz oder werden neue Chancen bzw. Opportunitäten nicht genutzt, kann man in diesem Sinne schon von Verschwendung sprechen! Zum anderen kommt derzeit grundlegend Bewegung in das Thema ERP. Wie beim Wechsel von ASCII-basierten Terminals zu Windows basierten Client-Server- Lö-sungen stehen wir heute wieder vor einem Paradigmenwechsel. Dieser wird sich je-doch weit dynamischer und rascher voll-ziehen als der Vorgenannte. Getrieben vom Megatrend der Mobilität, die in mehr und mehr Arbeitsbereichen gefordert wird, und von modernen End-geräten, mit denen die nächste Nutzerge-neration völlig neue Kommunikationsge-wohnheiten entwickelt hat, wird nun auch ERP mobil, vernetzt und in der Anwen-dung ergonomischer, im Sinne von Ein-fachheit und Benutzerführung. Nicht nur die Generation Y bevorzugt eine andere „work life balance“, welche eine flexiblere und mobile Erbringung ihres Leistungs-beitrags für das Unternehmen ermög-licht. Auch in anderen Bereichen ist das ortsungebundene Arbeiten unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Dies geht heute weit über die klassischen Außendienstberei-che wie Vertrieb oder Kundendienst und Service hinaus. Eine moderne Industrie-nation kann es sich schlicht nicht leisten, ihre Mitarbeiterinnen, welche gut aus-gebildet und motiviert maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beitragen, einfach ziehen zu lassen, wenn diese sich vorübergehend dafür entschei-den, ihre Familie in den Mittelpunkt ih-res Lebens zu stellen. Vielmehr müssen technische und organisatorische Voraus-setzungen dafür geschaffen werden, die-se Mitarbeiterinnen über moderne und sichere Homeoffice Arbeitsplätze an ihre Unternehmen zu binden. Es lohnt sich also, sich dem Thema ERP wieder etwas intensiver zuzuwenden und das vorliegende Competence Book wird Zum Autor Volker Schnittler: Seit Oktober 2001 ist Volker Schnittler als Referent für kaufmännische Unter-nehmenssoftware wie ERP, PPS, MES und Variantenkonfigurationslösungen bei der Abteilung Informatik des VDMA beschäftigt. Dort leitet er u. a. auch den PPS-Anwender/Anbieter-Dialog und ist Mitglied im Forschungsbeirat des fir (Aachen). sicherlich seinen Anteil daran haben, Er-kenntnisse zu stiften und wichtige Ent-wicklungstendenzen zu verdeutlichen. Dabei wünsche ich recht viel Erfolg! Ihr Volker Schnittler Fachreferent kaufmännische Unterneh-menssoftware, VDMA - Informatik Competence Book - ERP 5
  • 6. GRUSSWORT - MICROSOFT DEUTSCHLAND GMBH Gerüstet für den Wett-bewerb von morgen Sehr geehrte Leser, die deutsche Fertigungsindustrie genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Viele „Hidden Champions“ dominieren aus Deutschland heraus den Weltmarkt mit ihren hochspe-zialisierten Angeboten. Für den Erfolg ausschlaggebend ist neben der Ausgangsidee die stetige Verbesserung, das Of-fensein für Neues sowie eine ausgeprägte Spezialisierung und Fokussierung. Dabei helfen integrierte ERP-Systeme, weltweit einheitliche Prozesse umzusetzen. Veränderungen müssen im unternehmerischen Alltag gestaltet werden und idealerweise wird man selbst zum Trendsetter. Themen wie Globalisierung, Internet der Din-ge aber auch ein effizienter Materialeinsatz treiben die Fer-tigungsindustrie seit Jahren um und setzen Rahmenbedin-gungen, in denen erfolgreiche Unternehmen agieren und gestalten. Fragt man heute Fertiger nach den Treibern für ihre IT-In-vestitionen ertönt der Dreiklang aus erhöhter Produktivi-tät, reduzierten Kosten und verbesserten Geschäftsprozes-sen. Zwar sind die kurzfristigen ökonomischen Aussichten eher unsicher, doch langfristiges profitables Wachstum basiert auf weltweit integrierten Wertschöpfungsketten, die in der Lage sind, sich schnell ändernden Bedingungen anzupassen. Für Fertigungsunternehmen bedeutet dies, dass sie ihre weltweiten Aktivitäten weiter ausbauen müs-sen bei gleichzeitiger Prozessstandardisierung über Lan-desgrenzen hinweg. Dabei spielen Themen wie Cloud, Big Data, Social Business und Mobility für die Konzeption von IT-Systemen zunehmend eine wettbewerbsentscheidende Rolle und müssen durch ERP- und CRM-Lösungen abge-bildet werden. Die nächste Welle an Produktivitätsverbesserungen wird nicht in kleinen Schritten ablaufen. Vielmehr erwarten Fertigungsunternehmen von ihren IT-Investitionen in moderne IT-Infrastruktur deutliche Produktivitätsverbes-serungen in sehr kurzer Zeit. Microsoft beispielsweise lie-fert dazu die Plattform-Technologie, damit Anwender eine IT-infrastruktur bestehend aus Server, Sharepoint, Lync, Office 365, CRM und natürlich Dynamics ERP aus einem Guss erhalten. Das Ganze ergänzt um das tiefe Branchen-wissen der Partner lässt Anwender sehr gut gerüstet in den Wettbewerb von morgen ziehen. Ihr Frank Naujoks Zum Autor Frank Naujoks: Frank Naujoks arbeitet seit April 2013 bei Microsoft und verantwortet als Pro-duktmanager Microsoft Dynamics AX. Der ehemalige Analyst, mit Stationen bei META Group, Hewson Group, IDC und i2s, hat einen Abschluss als Diplom-Kauf-mann der Universität zu Köln. 6 Competence Book - ERP
  • 7. GRUSSWORT - DSAG E. V. ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit um Zukunftsfähigkeit Die Standardisierung von Prozessen, die Redu-zierung von Systemen, die Harmonisierung von Stammdaten oder die Compliance sind wohl die meist genannten Themen der letzten Jahre, im Zusam-menhang mit einem Business Case für die Einführung eines ERP-Systems wie beispielsweise SAP. Hier steht die Effizienz der Strukturen und Systeme im Vordergrund. Die Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile aber geändert. Neue Technologien erlauben nahezu unbe-grenzte Möglichkeiten in der Datenauswertung und (fast) real-time Prozesse eröffnen erweiterte Spielräume für die Prozessintegration auch in der Maschine-zu-Maschi-ne- Kommunikation. Da rein aus Anwendersicht die Ver-arbeitung großer Datenmengen kaum mehr eine Rolle spielt, ergeben sich weitere Felder für integrative Ansätze, wie zum Beispiel Simulationsmodelle, die im Bereich der Prototypen eingesetzt werden. Hinzu kommen Bereiche wie Mobility und Cloud. Hierbei ist festzustellen, dass die Grenzen mobiler Anwendungen oder der Nutzen bzw. der Einstieg in die Cloud noch nicht in dem Maße greifbar sind, um ganzheitliche Entscheidungen über entsprechen-de Projekte treffen zu können. In dem Zusammenhang wird die Frage zu beantworten sein, wie sich die neuen Technologien nicht nur auf die ERP-Systeme, sondern letztlich auf das gesamte Unter-nehmen und seine Zukunftsfähigkeit auswirken. Auf der Suche nach einer entsprechenden Antwort beschäftigen sich viele Unternehmen derzeit noch sehr mit Konsolidie-rungs- oder Harmonisierungsprojekten, um ihre gewach-senen Strukturen zu vereinfachen. Das heißt, momentan wird viel getestet und versucht, punktuell die auftretenden Probleme zu lösen. Das entspricht aber nicht unbedingt dem ERP-Gedanken. Hier stehen letztendlich die Standardisierung und vor al-lem die Integration im Vordergrund. Die damit verbunde-nen Aufgaben zu meistern, führt bei vielen Unternehmen zu einem Wettlauf gegen die Zeit, um die Vorteile von „real time“-Anwendungen wettbewerbstechnisch nutzen zu können. Die Herausforderungen für den ERP-Markt liegen damit klar auf der Hand: Die Hersteller müssen ihren Kunden eine Strategie aufzeigen, wie die Produkte weiterentwi-ckelt werden, ohne dass sie ihre Integrationsstärke und Compliance verlieren. Zudem müssen die Lösungen ohne große technische und finanzielle Aufwände in die beste-henden IT-Landschaften einzubinden sein, um den gestie-genen Business-Anforderungen gerecht zu werden. Auf dieser Basis könnte dann auch der Wettlauf mit der Zeit um die Zukunftsfähigkeit gewonnen werden. Diese Entwicklung entscheidend zu beeinflussen und da-bei als Stimme der Anwender zu agieren ist Aufgabe der DSAG. Hierfür hat sich der Vorstand entsprechend aufge-stellt. Zum Autor Otto Schell: Seit 2008 ist Otto Schell in der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. ehrenamtlicher Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse, Ressort Branchen. Daneben leitet er u.a. den Arbeitskreis Globalisierung und ist aktiv in diversen DSAG/SAP-Gre-mien sowie im internationalen Umfeld der SAP-Anwendergruppen. Otto Schell leitet als SAP Business Process Manager das EMEA SAP Business CCoE eines globalen Automobilherstellers. In dieser Rolle ist er in globalen und regionalen Transformation/SAP-Initiativen vertreten und mit dem Aufbau der SAP CCoEs vertraut. Competence Book - ERP 7
  • 8. GRUSSWORT - ASSECO SOLUTIONS AG ERP der Zukunft die Zukunft des ERP hat gerade erst begonnen Liebe Leserinnen und Leser, aktuelle Prognosen für die zukünftige Entwicklung von ERP konfrontieren uns mit Schlagwörtern wie „Multisite“, „Mobili-ty“, „Usability“, „Cloud“ sowie allen voran „Industrie 4.0“. Einige dieser Konzepte sind bereits heute weit verbreitet, etwa „Cloud Computing“, welches sich auch zunehmend im Geschäftsbereich großer Beliebtheit erfreut. Andere Trends hingegen werden als Goldener Weg proklamiert, obwohl die Umsetzung in der Reali-tät tendenziell noch in den Kinderschuhen steckt – so etwa bei Industrie 4.0. Dennoch wird oft der Anschein erweckt, Unter-nehmen müssten ihre Produktionsabläufe so schnell wie möglich auf die dezentrale Vernetzung umstellen, um zukunftsfähig zu bleiben – besser heute noch als morgen. Auch politisch wird das Thema aktuell heiß diskutiert. Der Vor-teil einer solchen medialen Aufmerksamkeit liegt dabei auf der Hand: Sie schafft Bewusstsein, einschließlich der technischen und organisatorischen Herausforderungen, die dem Konzept zu-grunde liegen und denen auch wir ERP-Hersteller auf die eine oder andere Weise gerecht werden müssen. Allen voran zählen hierzu natürlich die Sicherheitsaspekte, wie der Schutz solcher Systeme vor Spionage und Manipulation. Zudem tun sich Kon-zeptfragen auf: Wie viel Dezentralität ist wünschenswert? Wie viel Autonomie ist für die vernetzten Maschinen wirklich sinn-voll? Fragen wie diese müssen geklärt werden, doch wäre es ver-messen und unrealistisch, schon heute oder morgen mit umfas-senden Lösungen aufwarten zu wollen. Denn diese benötigen Zeit – und viele wertvolle Schlüsse werden wir erst aus der Erfah-rung ziehen können. Um eine gute Grundlage hierfür zu schaffen, sind ERP-Hersteller allerdings bereits heute gefordert, diese Entwicklung aktiv mit-zugestalten – denn ihre Produkte beeinflussen die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Unternehmen in zentraler Weise und bil-den so den Kern der geschäftlichen Prozesse. Noch befinden wir uns am Anfang dieser Entwicklung, und dies gibt uns die Chance, die Fortentwicklung des Konzepts von Anfang an aktiv zum Po-sitiven mitzugestalten. Die Zukunft bleibt also spannend – denn für ERP hat sie gerade erst begonnen. Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine informative Lek-türe. Herzliche Grüße Ihr Thorsten Reuper Zu Thorsten Reuper: Seit mehr als dreißig Jahren in der IT-Branche tätig, ist Thorsten Reuper ein besonders versierter Mann mit einem umfassenden technischen Hintergrund, der weitreichen-de Erfahrungen in verschiedenen renommierten Unter-nehmen vorweisen kann. Erklärtes Ziel des technischen Verantwortlichen ist die konsequent verfolgte, strategisch ausgerichtete Produktentwicklung mit gezielten Funkti-onserweiterungen und einem besonderen Augenmerk auf die Ergonomie der Software. Dies soll insbesondere durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kun-den und Interessenten realisiert werden. 8 Competence Book - ERP
  • 9. GRUSSWORT - AMS.SOLUTION AG Maximale Prozesstransparenz Sehr geehrte Leser, Einzel- und Auftragsfertiger haben eine harte Nuss zu kna-cken. Ohne dass ihnen alle Detailinformationen vorliegen, müssen sie mehrmonatige, zum Teil mehrjährige Aufträge sicher organisieren. Hierbei ist höchste Präzision geboten: Angesichts sechs- bis achtstelliger Investitionssummen bergen selbst kleinere Planungsfehler ein erhebliches Ge-fahrenpotenzial. In den vergangenen 25 Jahren haben wir uns daher aus-schließlich mit der Frage beschäftigt, wie Einzelfertiger aus dem Anlagen-, Werkzeug- und Sondermaschinenbau, dem Stahl- und Metallbau, der Innenausstattung und der Werftenindustrie ihr komplexes Projektgeschäft wettbe-werbsfähig managen. Die Quintessenz unserer Erfahrun-gen: Je höher die Prozesstransparenz ist, desto wirtschaft-licher lassen sich knapper werdende Ressourcen zuteilen, desto sicherer die immer enger gesetzten Liefertermine halten und desto umfassender die ständig steigenden Kun-denwünsche erfüllen. Als Beratungs- und Standardsoftware-Spezialist für die Prozessoptimierung von Einzel-, Auftrags- und Varian-tenfertigern sind wir das einzige europaweit tätige Unter-nehmen, das mit dieser ausschließlichen Fokussierung am Markt ist. Inzwischen erschließen beinahe 500 Un-ternehmen signifikante Wettbewerbsvorteile mit unserer Gesamtlösung, dem integrierten Auftragsmanagement-system ams.erp, das alle Geschäftsbereiche vollständig vernetzt. Angefangen bei Marketing und Vertrieb inklusi-ve Kalkulation reicht die Prozessunterstützung über Kon-struktion, Fertigung und Beschaffung bis zu Auslieferung, Montage und Service Management. Unabhängige Marktbeobachter bestätigen, dass unser Portfolio die Anforderungen des Zielmarkts besonders gut erfüllt. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie das Ge-schäft der Einzel- und Auftragsfertiger. Eine ganze Reihe davon zeigen die beiden anschließenden Kundenberichte. In ihrem Zentrum stehen die Automatisierungsspezialis-ten Aumann aus Espelkamp und Hahn Automation aus Rheinböllen. Beide Einzelfertiger nutzen die Transparenz unserer Lösungen, um ihr anspruchsvolles Projektgeschäft wirtschaftlich und terminsicher zu steuern. Zudem zeigen die Texte, wie sich die Anwender fortwährend neue Vortei-le im härter werdenden Wettbewerb verschaffen. Eine spannende Lektüre wünscht, Manfred Deues, Vorstand ams.Solution AG Zum Autor Manfred Deues: Manfred Deues ist seit mehr als 30 Jahren in der IT-Bran-che tätig. 1997 ist der gelernte Bankkaufmann und studier-te Betriebswirt (EDV/Organisation) als geschäftsführender Gesellschafter in die hinrichts+müller GmbH eingetreten. In dieser Funktion war er verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Verwaltung. 2010 erfolgte die Um-firmierung der hinrichts+müller GmbH in die ams.Solution AG, dessen Vorstand er seit Gründung angehört. Im glei-chen Jahr ernannte ihn der Europäische Wirtschaftssenat zum Wirtschaftssenator. In diesen Zeitraum fällt auch die Einrichtung des Instituts für Einzelfertiger (ife), dessen In-itiator und Mitbegründer Manfred Deues ist. Competence Book - ERP 9
  • 10. INFOGRAFIK Infografik ERP ERP-Tops und -Flops1 Top 5 Flop 5 Neue User-Interfaces müssen sich an mobiles Arbeiten anpassen Bedarf an umfassender Informationsver-fügbarkeit enorm gestiegen Informationsaustausch nimmt zu, da Austauschsfrequenz kurzzyklischer ERP müssen auf unterschiedlichen Endgeräte jederzeit/überall verfügbar sein Keine 1-System-Lösung, Multi-System-Landschaft Qualitätsstandards für Einführung von ERP zur Bewertung Anbieter Bedienung von ERP intuitiv und ohne Schulung möglich Einige wenige standardisierte Datenmodelle von wenigen Anbietern vorgegeben Arbeiten mit gleichen Werkzeugen wie im Privatbereich (BYOD, ...) Strukturierte Verfahren zur Nutzenbewertung von ERP-Systemen Gründe für ERP-Projekte3 50,7% Altsystem nicht mehr leistungsfähig genug 22,5% Schlechte Durchgängigkeit / Übersicht 12,7 % Firmenwachstum 8,5 % Flexible Organisationsentwicklung 5,6% Sonstiges 10 Competence Book - ERP
  • 11. INFOGRAFIK Top 5 Auswahlkriterien von ERP-Software5 65% 48% 33% 28% 28% Top 5 Optimierungsbedarf bei ERP-Software4 89% Prozesse schneller und effizienter machen 80% Prozesse verschlan-ken und vereinfachen 62% Die Agilität / Anpas-sungsfähigkeit der Prozesse erhöhen 61% Kundenzufriedenheit mit der Auftragsab-wicklung verbessern 61% Transparenz der Geschäftsprozesse erhöhen Ziele eines ERP-Projektes3 Effizientere Auftragsab-wicklung Einheitlich integrierte IT-Landschaft Überblick / Aktuelle Daten Optimierung der Ge-schäftsprozesse Transparenz Modernisierung 32,4% 26,8% 25,4% 23,9% 16,9% 16,9% Probleme bei ERP-Projekten3 Zeitüberschreitung Aufwändige Mitarbei-terschulungen Nicht definierte Unter-nehmensprozesse Widerstände im Haus Probleme bei der Datenintegration Schnittstellenprob-leme 21,1% 14,1% 11,3% 9,9% 9,9% 5,6% Funktionalität Flexibilität SW KMU-Eignung / Praktikabilität Kosten / Nutzen Fachkompetenz & Auftreten Competence Book - ERP 11
  • 12. INFOGRAFIK Top 5 Nutzen von ERP-Systemen6 Top 5 Formate für überbetrieblichen Datenaustausch bei ERP-Systemen6 Erfolgsfaktoren für ERP-Projekte3 26,8% Guter Support 14,1% Gute Planung / Know How 11,3% Beratungsleistungen des ERP-Anbieters 5,6% Gute Schulungen 5,6% Geringer Implemen-tierungsaufwand 4,2% Transparenz Unterstützung von mobilen Plattformen durch ERP-Produkte5 34% 27% 15% 13% 5% 6% Anzahl unterstützter Mobilplattformen 0 1 2 3 4 5 55% 51% 40% 38% 36% Prozesse schnell & einfach Informationen schnell & einfach Information korrekt & nützlich Rückverfolgbarkeit von Informationen Durchgängige Pro-zess- Unterstützung 59% EDIFACT 21% DATANORM 19% ODETTE 17% VDA-FS 13% ANSI X 12 12 Competence Book - ERP
  • 13. INFOGRAFIK Welche mobilen Plattformen werden durch ERP-Produkte unterstützt?5 Windows Mobile-basierte Geräte IPhone IPad Android-basierte Geräte (Google) Palm WebOS basierte Geräte Blackberry 66% 32% 31% 23% 15% 14% Quellen: (1) http://www.competence-site.de/downloads/45/32/i_file_1134046/21_thesen_erp_2020_final.pdf (2) http://www.competence-site.de/usability/ERP2020-Usability-als-Erfolgsfaktor (3) Gronau (4) http://www.computerwoche.de/i/detail/artikel/2537779/1/946381/EL_1367850380368342367536/ (5) http://www.competence-site.de/erp-standardsoftware/Karsten-Sontow-zu-Mobility-der-ERP-2020 (6) http://www.competence-site.de/erp-standardsoftware/ERP-2020-Connectivity (7) http://de.wikipedia.org/wiki/Enterprise-Resource-Planning Gründe für die Systemauswahl3 Funktionalität Branchen-/ Mittelstands-lösung Umfangreiches Modulan-gebot / Erweiterbarkeit Preis-Leistungs-Ver-hältnis Positive Erfahrungen mit Anbieter 29,6% 28,2% 26,8% 26,8% 22,5% Competence Book - ERP 13
  • 14. STATEMENTS Statements zu ERP Wir sind uns sicher, dass ERP auch weiterhin im Mittelpunkt des unternehmerischen IT-Ge-füges Die Frage nach der Bedeutung eines ERP-Systems in der nahen Zukunft lässt sich nicht so ein-fach beantworten.2 ERP-Systeme werden in der Zukunft DIE zentralen Steuerungseinheiten – insbesondere in mittelständischen Betrieben – sein.3 Eine wesentliche Herausforderung des ERP-Systems der Zukunft: die punktgenaue, aber gleichzeitig einfache Verfügbarkeit von Infor-mationen. Bedeutung ERP Ohne das vielgerühmte Backbone ERP wird es nicht gehen – die Daten sollen ja verlässlich sein und für alle Beteiligten gleich.4 Ich würde prognostizieren, dass es Systeme mit dem heutigen Zu-schnitt gar nicht mehr geben wird, weitergedacht führt das unwei-gerlich zu einem anderen ERP-Begriff als wir ihn heute kennen.2 Wir sind auf den Weg in eine Appisierung der Anwen-dungs- Der Trend – wie schon seit längerer Zeit zu beobachten – geht dabei klar zu zen-tralen, integriert arbeitenden Systemen, die in der Lage sind, alle Unternehmens-prozesse zu verknüpfen, zu steuern und entsprechend abzubilden.3 Zukunft ERP Die Anforderungen an das ERP-Sys-tem werden künf-tig weitaus an-spruchsvoller sein als dies bisher der Fall war.1 stehen wird.1 1 Workloads.4 14 Competence Book - ERP
  • 15. STATEMENTS Es wird immer mehr zur Selbstverständ-lichkeit, über die mobilen Geräte nicht nur jederzeit im Unternehmen vorgehaltene Daten abzurufen, sondern auch Informa-tionen zurückzugeben.1 Die „neue Generation“ von Mitarbeitern, die in die Unternehmen kommen, nutzen bereits heute vor allem im privaten Bereich bereits alle erdenklichen mobilen Geräte.1 Devices ziehen in den Shopfloor ein und es werden andere Möglich-keiten der Interaktion mit der Software selbst, aber auch mit den beteiligten Menschen und genutz-ten Maschinen, möglich.2 Mobility & Usability Für eine All- und Jederzeit-Verfüg-barkeit müssen mobile Geräte durch-gängig Einzug im Unternehmen er-halten, denn sie gewährleisten die Wir gehen davon aus, dass das Tablet auch im Geschäftsleben seinen Siegeszug antreten und das Notebook in abseh-barer Zeit verdrängen wird.1 Professionelle Mobilität wird zu-künftig einen noch höheren Stel-lenwert einnehmen, als dies be-reits heute der Fall ist.3 Die innerbetriebliche und unternehmens-übergreifende Kollaboration sind seit langer Zeit die Top-Themen bei der Implementie-rung von ERP- und MES-Systemen.2 Connectivity, Daten & Kollaboration Um die Aufgabenstellung „Kommunikation und Kollaboration“ zu-friedenstellend auszuführen, bedarf es auch zukünftig eines noch umfangreicheren Datenaustausches zwischen den Unternehmen.3 Konnektivität.1 Dieser Konnektivitäts-Ent-wicklung kann sich kein Anbieter entziehen – es bleibt die Frage, ob für den Anwender daraus ein Technologie-Zoo entsteht oder eine möglichst ho-mogene Applikationsland-schaft. Hier wird es aus Anbietersicht noch Konso-lidierungswellen geben.4 Competence Book - ERP 15
  • 16. STATEMENTS Agile Produktionssysteme erfordern in gleichem Maße agile Softwaresysteme zur Planung, Simulation und Steuerung der Herstellungsprozesse (Internet der Services).2 Das ERP-System wird zu-künftig wie auch heute schon als der „große Res-sourcenvorhalter hier für eine Planungs- und Steue-rungshoheit verantwortlich sein.3 ERP-Funktionen & Architekturen Die Zukunft wird hybrid sein – und der Kunde kann wählen, ob er die Systeme on-Premise oder On-Demand oder teils-teils betreiben wird.4 Reuper, Thorsten3 thorsten.reuper@asseco.de Chief Technology Officer (CTO) Asseco Solutions GmbH Das ERP der Zukunft wird ein hochinteg-riertes Gesamtsystem sein, das anwen-derorientiert ausgerichtet ist und über eine hohes Maß und Flexibilität und Mo-bilität verfügt.1 Quellen: 1: Patrick Siegmung, mesonic software gmbh 2: Karl Tröger, PSIPENTA Software Systems GmbH Siegmund, Patrick1 psiegmund@mesonic.com Geschäftsführer Deutschland mesonic software gmbh Naujoks, Frank4 Frank.Naujoks@microsoft.com Product Marketing Manager Dynamics AX Microsoft Deutschland GmbH Tröger, Karl2 KTroeger@psipenta.de Leiter Produktmanagement ERP PSIPENTA Software Systems GmbH Quellen: 3: Thorsten Reuper, Asseco Solutions GmbH 4: Frank Naujoks, Microsoft Deutschland GmbH 16 Competence Book - ERP
  • 19. Einleitung Grundlagen Anwendungen & Lösungsbausteine 5 Editorial Volker Schnittler ERP 2020 Zukunft, aber keine Science Fiction 6 Grußwort Frank Naujoks Gerüstet für den Wettbewerb von morgen 7 Grußwort Otto Schell ERP: Ein Wettlauf mit der Zeit um Zukunftsfähigkeit 8 Grußwort Thorsten Reuper ERP der Zukunft - die Zukunft des ERP hat gerade erst begonnen 9 Grußwort Manfred Deues Maximale Prozesstransparenz 10 Zahlen kompakt Infografik ERP 14 Statements Statements zu ERP 20 ERP 2020 I Roundtable zu ERP 2020 28 ERP 2020 II Die ERP 2020-Initiative des VDMA vorgestellt 31 ERP 2020 III 21 Thesen für das ERP der Zukunft 36 ERP Auswahl Die Zeit ist reif: Ein neues ERP-Auswahlverfahren 41 ERP Einführung I So vermeiden Sie Stolperfallen bei der ERP-Einführung 43 ERP Einführung II ERP-Systeme einführen: In drei Phasen zum Erfolg 46 Wandlungsfähigkeit Mehr Wandlungsfähigkeit dank moderner ERP 48 ERP Trends I Vier Megatrends fordern die gesamte IT-Industrie 52 ERP Trends II ERP Trends 2014 57 ERP 2020 IV Eine Einführung zu den ERP-2020-Reports 59 ERP 2020 V Mobility, Connectivity, Usability: Empirie zur Trilogie der ERP 2020 65 Mobility Das Büro in der Westentasche Business-Software wird mobil 67 Cloud ERP in der Cloud Zwei Trends zeichnen sich ab 69 Usability ERP 2020 und Industrie 4.0 Usability - next steps 71 Herausforderungen Herausforderung Prozessoptimierung 74 Integration Vorteile einer ERP/MES-Integration 76 Internationalisierung Wie ERP-Systeme internationale Geschäftspro-zesse unterstützen 79 Fertiger ERP für Einzel- und Auftragsfertiger 4 Unser Kompetenz-Netzwerk Partner des Competence Books INHALT Competence Book - ERP 19
  • 20. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE Delphi-Roundtable ERP 2020 Commodity oder Zentrale für eine mobile, nutzerzentrierte und kollaborative Ökonomie? Auszug aus dem Roundtable mit Experten von Microsoft, PSIPENTA, Asseco, mesonic. COSMO Consult „Wir sind uns sicher, dass ERP auch weiterhin im Mittelpunkt des unternehmerischen IT-Ge-füges stehen wird“ - Patrick Siegmund Mobilität, Usability, Connectivity, Industrie 4.0, Enter-prise 2.0, … - eine Vielzahl von Begrifflichkeiten ste-hen für die Zukunft von Ökonomie und Technologie. Und wo steht das ERP-System in Zukunft bzw. wo sollte es im Jahr 2020 stehen? Das ist die zentrale Frage, die sich die VD-MA- Initiative ERP-2020 stellt und wir freuen uns, dass wir ge-meinsam und mit Unterstützung von Trovarit und dem RWTH Aachen /FIR führende Köpfe der Branche zur Zukunft des ERP befragen können. Dabei konnte bereits die Studie ERP-2020 des FIR im Auftrag des VDMA zentrale Erkenntnisse durch die Befragung der Anwendung gewinnen und die auch wichtigs-ten Trends (Mobilität, Usaibility, Connectivity) identifizieren. In diesem Roundtable geht es daher darum, zusam-men mit den führenden Köpfen der Branche die-se Perspektiven zu vertiefen und zu konkretisieren! Bedeutung ERP-Systeme im Jahr 2020 - Commodity oder Zentrale? Mobilität, Usability, Connectivity, Kollaboration, Indust-rie 4.0, Enterprise 2.0 … - eine Vielzahl von Begrifflichkei-ten stehen für die Zukunft von Ökonomie und Technologie. Werden damit andere Systeme (z.B. CRM, Social Software) in den Mittelpunkt des Interesses rücken oder erfordert ge-rade eine mobile, nutzerzentrierte, vernetzte und kollabo-rative Ökonomie die Integration durch zentrale ERP-Syste-me mehr denn je? Wie wichtig ist also Ihrer Meinung nach das ERP-System der Zukunft („2020“)? Patrick Siegmund Wir sind uns sicher, dass ERP auch weiterhin im Mittelpunkt des unternehmerischen IT-Gefüges stehen wird. Allerdings wer-den die Anforderungen an das ERP-System künftig weitaus an-spruchsvoller sein als dies bisher der Fall war. Gerade wirklich integrierte Systeme (z.B. ERP und CRM) werden mehr und mehr die Unternehmen erobern. Schon seit einigen Jahren zeichnet sich ab, dass Insellösungen immer häufiger durch integrierte Lösungen ersetzt werden. Denn nur Systeme, die auf ein- und dieselbe Datenbank zugreifen, können die notwendigen Informationen für den Anwender bedarfsgerecht zusammenstel-len - und zwar so, dass diese Informationen alle Unternehmens-und Geschäftsbereiche umfassen. Hier liegt eine wesentliche Herausforderung des ERP-Systems der Zukunft: die punktgenaue, aber gleichzeitig einfache Verfüg-barkeit von Informationen. Umfangreiche Datenmengen müssen sich heute genauso wie in Zukunft jederzeit und an jedem Ort heranziehen sowie be- bzw. verarbeiten lassen, damit die Unter-nehmen sie sowohl für operative als auch für strategische Ent-scheidungen optimal nutzen können. Integrierte und zentrale ERP-Systeme werden künftig das Herz im Kreislauf der IT-Landschaft darstellen und damit weiterhin als zentrales Organ im Unternehmen fungieren. Uwe Bergmann Wichtige den je zuvor. Man kann jedoch das ERP System nicht einzeln betrachten, sondern nur als Teil einer ganzheitlichen Unternehmenssoftware. Das ERP System bildet dabei die Zen-trale in der die Unternehmensprozesse abgebildet werden. Was sich ändert ist die Art und Weise wie wir mit den Systemen ar-beiten oder wie wir auf Daten und Informationen zugreifen. ERP Systeme müssen sich stärker den Nutzern anpassen. Die Arbeits-welt wird mobiler, flexibler, individueller und internationaler, 20 Competence Book - ERP
  • 21. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE Zu Thorsten Reuper: Seit mehr als dreißig Jahren in der IT-Branche tätig, ist Thorsten Reuper ein be-sonders versierter Mann mit einem umfassenden technischen Hintergrund, der weitreichende Erfahrungen in verschiedenen renommierten Unternehmen vor-weisen kann. Erklärtes Ziel des technischen Verantwortlichen ist die konsequent verfolgte, strategisch ausgerichtete Produktentwicklung mit gezielten Funktions-erweiterungen und einem besonderen Augenmerk auf die Ergonomie der Soft-ware. Dies soll insbesondere durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenar-beit mit Kunden und Interessenten realisiert werden. „ERP-Systeme werden in der Zukunft DIE zentralen Steuerungseinheiten – insbeson-dere in mittelständischen Betrieben – sein.“ - Thorsten Reuper gleichzeitig wachsen die Datenmengen und die Komplexität von Prozessen und Zusammenhängen. Moderne Unterneh-menssoftware muss flexibel nutzbar, ein-fach bedienbar und auf verschieden End-geräten, überall verfügbar sein. Karl Tröger Die Frage nach der Bedeutung eines ERP-Systems in der nahen Zukunft lässt sich nicht so einfach beantworten. Wer-den heutige Lösungen und zukunftsori-entierte Ansätze weitergedacht führt das unweigerlich zu einem anderen ERP-Be-griff als wir ihn heute kennen. Ich würde prognostizieren, dass es Sys-teme mit dem heutigen Zuschnitt gar nicht mehr geben wird. Vielleicht noch nicht im Jahr 2020. Doch schon heute haben wir Schwierigkeiten, die System-grenzen von ERP und MES und weiteren Bausteinen einer Unternehmenssoftware voneinander abzugrenzen. Die erwartete zunehmende Autonomie der Planungs-einheiten erfordert weiterentwickeltere Kommunikationslösungen zur Integrati-on dieser autonomen Einheiten. Meiner Meinung nach steht noch nicht fest, ob es eine zentrale oder viele miteinander kommunizierende Intelligenzen in den Unternehmen geben wird. Der ungebrochene Drang nach der Mobi-lisierung der Geschäftsprozesse führt zu einem neuen Verständnis insbesondere von Usability und Connectivity. Informa-tionen müssen sicher und jederzeit ver-fügbar sein und zielgenau dem Anwender präsentiert werden. Social Media Komponenten werden eine größere Rolle als heute spielen. Dabei geht es allerdings nicht um Informations-austausch wie wir ihn aus dem privaten Bereich kennen sondern um die Förde-rung der Zusammenarbeit von Menschen zur Lösung von Aufgabenstellungen im Produktionsumfeld. Die Konsolidierung und Verfügbarmachung von „gemein-schaftlichem“ Wissen steht ganz deutlich im Vordergrund. Thorsten Reuper Nachdem sich der Einsatz von Anwen-dungssoftware zur Unterstützung der Ressourcenplanung bereits in den ver-gangenen Jahren zu einem immer be-deutsamer werdenden Faktor für den Er-folg eines Unternehmens entwickelt hat, werden ERP-Systeme in der Zukunft DIE zentralen Steuerungseinheiten – insbe-sondere in mittelständischen Betrieben – sein. Der Trend – wie schon seit längerer Zeit zu beobachten – geht dabei klar zu zentralen, integriert arbeitenden Syste-men, die in der Lage sind, alle Unterneh-mensprozesse zu verknüpfen, zu steuern und entsprechend abzubilden. Insellö-sungen, die – zum Beispiel auf Basis von Webservices – nicht integriert werden können, werden dann zunehmend eine aussterbende Spezies darstellen. Frank Naujoks Wir sind auf den Weg in eine Appisie-rung der Anwendungs-Workloads. Ge-nehmigungen können via Smartphone erteilt werden, genauso wie Umsatzana- Competence Book - ERP 21
  • 22. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE Zu Frank Naujoks: Frank Naujoks arbeitet seit April 2013 bei Microsoft und verantwortet als Produktmanager Microsoft Dynamics AX. Der ehemalige Analyst, mit Stationen bei META Group, Hewson Group, IDC und i2s, hat einen Abschluss als Dip-lom- Kaufmann der Universität zu Köln. lysen mal eben auf dem Tablet durchgeführt werden. Auch nur kurzfristig genutzte Apps werden programmiert, um bestimm-te, eher kleinteilige Aufgaben zu erfüllen. Aber idealerweise greifen die Apps auf eine einheitliche Datenbasis zurück – es müssen also keine Diskussionen mehr über den Ursprung der Datenquelle und deren Vertrauenswürdigkeit geführt werden, weil die Informationen für alle gleich sind. Die Aufgabe der Anbieter wird es sein, die Systeme so auszu-gestalten, dass das Zusammenspiel von unterschiedlichen Anwendungen einwandfrei funktioniert und das bspw. Apps schnell erstellt werden können. Ohne das vielgerühmte Backbone ERP wird es nicht gehen – die Daten sollen ja verlässlich sein und für alle Beteiligten gleich. ERP-Trends/Treiber bis 2020 – Mobility und Usability! In der ERP-2020-Studie war ein Ergebnis besonders klar: ERP-Systeme müssen 2020 auf unterschiedlichen Endge-räten jederzeit und überall verfügbar sein und neue User Interfaces müssen sich an dieses neue mobile Arbeiten an-passen. Was sind für Sie die wichtigsten Entwicklungen, die das Thema Mobilität treiben, und was sind die wichtigsten mo-bilen Anwendungsszenarien und -prozesse, wenn wir Rich-tung 2020 blicken? Welche Anforderungen ergeben sich dabei für die Usability? Werden wir z.B. mit den gleichen Werkzeugen wie im Privatbereich arbeiten (BYOD) und die Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne Schulung möglich sein? Was also bedeutet für Sie und ihr Unterneh-men die neue Nutzerzentrierung konkret? Thorsten Reuper Professionelle Mobilität wird zukünftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen, als dies bereits heute der Fall ist. Sich immer stärker verändernde Arbeitswelten machen eine wach-sende Anpassung der Technologie sowohl innerhalb eines Un-ternehmens – etwa im Bereich mobiler Prozesssteuerung, Lager, Wareneingang (z.B. durch mobile Endgeräte) – als auch extern – etwa durch mobile Prozessfreigabe, Workflowsteuerung oder Informationstransfers – notwendig. Frank Naujoks Die Intelligenz der Systeme wird sich zunehmend unterhalb der Benutzeroberfläche abspielen – ganz schulungslos wird wahr-scheinlich ein Power-user nicht auskommen, aber eine Bedie-nungsvereinfachung ist die letzten Jahre schon deutlich zu beob-achten. Beispielsweise auch durch den Einsatz von Touch-Devices und Voice- oder Gestensteuerung. BYOD birgt die Gefahr der Security und Administrierbarkeit für die Unternehmen wieder ins Aufmerksamkeitsfeld zurück. Sup-portunterstützung ist auch ein Thema – hier werdena sich noch einzelne Modelle je nach Unternehmen herausbilden, was tole-riert wird und was nicht. Mobilität wird sehr stark getrieben durch Endgeräteverfügbar-keit, Netzabdeckung und Usability der Software / Apps. Hier ist HTML5 sicherlich das Mittel der Wahl, da die unterschiedlichen Devices und Betriebssysteme sonst zu teuer zu unterhalten sind. Zu berücksichtigen ist eine Anpassung bspw. der Zeilenabstände von Anwendungen , je nachdem ob es ein Laptop oder ein Tab-let / Smartphone ist. Hier steigen die Anforderungen an die Pro-grammierer mit der Vielzahl der Gerätetypen deutlich an. Patrick Siegmund Die „neue Generation“ von Mitarbeitern, die in die Unterneh-men kommen, nutzen bereits heute vor allem im privaten Be-reich bereits alle erdenklichen mobilen Geräte. Das ist einer von mehreren Gründen, warum das mobile Arbeiten Einzug in die Unternehmen erhalten hat und dies in Zukunft weiter verstärkt tun wird. Es wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit, über die mobilen Geräte nicht nur jederzeit im Unternehmen vorgehaltene Daten abzurufen, sondern auch Informationen zurückzugeben. Bereits heute sind die Anfänge, z.B. mit dem mobilen Erfassen von An- 22 Competence Book - ERP
  • 23. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE geboten und Aufträgen oder der Annahme und Abwicklung von Serviceaufträgen vor Ort, getan. Künftig jedoch werden Anwen-der alle erdenklichen Funktionalitäten einer integrierten Unter-nehmenslösung von ERP und CRM mobil nutzen wollen. Und genau das erfordert wiederum eine punktuelle und anwendero-rientierte Darstellung und Nutzung von Daten und Funktionen. Wir gehen davon aus, dass das Tablet auch im Geschäftsleben seinen Siegeszug antreten und das Notebook in absehbarer Zeit verdrängen wird. Eine klare Aufforderung an die ERP-Hersteller besteht darin, die mobilen Lösungen für diese Endgeräte derart benutzerfreundlich und selbsterklärend zu gestalten, dass für ihre Anwendung kein zusätzlicher Schulungsaufwand entsteht. Die Herausforderung liegt schon in der vorgelagerten Analyse und Organisation der ERP-Lösung, denn vorab muss die Daten-verfügbarkeit sowie der Prozessverlauf geklärt werden: Welche Daten und Funktionen stehen einem Anwender in welcher Form zur Verfügung? Für die sogenannten „Key-User“ der Fachabteilungen im Unter-nehmen, z.B. in der Buchhaltung oder der Auftragsverwaltung, werden aber sicher durch die immer komplexer werdenden An-wendungen gesonderte Schulungsmaßnahmen unumgänglich bleiben. Uwe Bergmann Der generelle Trend zum flexibleren und mobileren Arbeiten macht vor der Nut-zung von einem ERP-System nicht halt. Die Gesellschaft und das Nutzerverhalten verändern sich. Heute hat jeder bereits ein Smartphone oder ein Tablet, ausschließlich oder als Ergänzung zum PC oder Notebook. Selbstverständlich wird die Nutzungserfahrung im privaten Bereich die Erwartun-gen im geschäftlichen Bereich beeinflussen und umgekehrt. Die Bedingung der Systeme muss vor allem intuitiv und einfach sein. Mit unserem Leitbild „Business Software für Menschen“ stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt, um Systeme zu schaffen die sich optimal an den Bedürfnissen und Rollen der Menschen orientieren die mit der Software arbeiten. Karl Tröger Die Umweltbedingungen in der Produktion und die Einsatzbedin-gungen für die genutzte Software werden sich mit der fortschreiten-den Definition und Umsetzung der Konzepte im Zusammenhang mit dem Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ massiv ändern. Neue und mobile Devices ziehen in den Shopfloor ein und es werden andere Möglichkeiten der Interaktion mit der Software selbst, aber auch mit den beteiligten Menschen und genutzten Maschinen, möglich. Begrenzte Bildschirmgrößen und der Wunsch nach einer größeren Effizienz bei der Benutzung der Software zwingen zu einer Reduk-tion der Inhalte auf das Wesentliche und Wichtige zur Lösung der gestellten Aufgaben. Die zielgerichtete Präsentation von Informati-onen und Daten (Eingeweihte kennen den Unterschied) hängt von mehreren Faktoren ab: der Rolle im Prozess und der Organisation, den gegebenen Hilfsmitteln und Werkzeugen, der zum aktuellen Zu Patrick Siegmund: Bereits seit Kindertagen lebt der studierte Volljurist Patrick Siegmund familiär mit der mesonic software gmbh. Bevor der 41-jährige 2011 ebenso beruflich zu mesonic stieß, war er u.a. für Unternehmen im Bereich ePayment, Cont-ent Providing sowie Rechtehandel tätig. Als Geschäftsführer der mesonic software gmbh in Deutschland steht Patrick Siegmund für die konsequen-te und zukunftsorientierte Weiterführung der mittlerweile 30-jährigen mesonic-Tradition. Zeitpunkt gestellten Aufgabe, dem Standort und nicht zuletzt vom sozialen Umfeld. Gerade die sozialen Aspekte werden eine immer größere Rolle spielen. Die Förderung der Zusammenarbeit der Menschen im Produktionsprozess und das Teilen von Wissen zur Lösung der Aufgaben wird eine massive Steigerung der Effizienz mit sich bringen. Die Individualisierbarkeit und Personalisierung der Interakti-onsschnittstelle stellt eine wichtige Komponente dar. Es muss zukünftig noch einfacher sein, aufgabenorientierte User-Interfa-ces zu gestalten. Der vermeintliche Widerspruch zwischen Indi-vidualität (Anwenderbezug) und Uniformität (Standard) muss aufgelöst werden. ERP- und MES-Systeme müssen zukünftig als Assistenzsystem und Tutor der Anwender zu verstehen. Competence Book - ERP 23
  • 24. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE und wie unterstützen Sie die Zunahme an Kommunikation und Kollaboration innerhalb von und zwi-schen Unternehmen? Uwe Bergmann Als Microsoft Dynamics Partner verfügen wir nicht nur über die ERP Funktionali-täten sondern über das gesamte Lösungs-portfolio von Microsoft. Die Integration von Microsoft Office, Exchange, Share- Point sowie Power BI oder auch Office 365 in das ERP System bietet bereits heute die Möglichkeit mit strukturierten und unstrukturierten Daten in flexiblen Teams zu arbeiten. Die integrierten Ge-samtlösungen sind zudem in der Cloud verfügbar. Karl Tröger Die innerbetriebliche und unternehmen-sübergreifende Kollaboration sind seit langer Zeit die Top-Themen bei der Im-plementierung von ERP- und MES-Sys-temen. Die mit der zunehmenden Ar-beitsteilung einhergehende Zerlegung klassischer Wertschöpfungsketten erfor-dert effiziente Methoden der Zusammen-arbeit. Die steigende Vorleistungsquote im Verhältnis zur eigenen Wertschöp-fung in der deutschen Industrie belegt diesen Trend. PSIPENTA unterstützt beide Formen der Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Kunden erarbeitet und ständig weiter verfeinert bietet PSIPENTA eine konfigu-rierbare Mehrwerksteuerung an. Das Ge-samtunternehmen kann so als logistische Einheit aus einem Guss agieren. Wesent-liche Stammdaten (Master Data) stehen jederzeit und ohne aufwändige Synchro-nisationsvorgänge allen Einheiten zur Verfügung. Vorkonfigurierte Prozesse erleichtern die Einbindung neuer Stand-orte in das interne Wertschöpfungsnetz-werk. Das zentrale Systemkonzept erlei-chert zudem die Administration. Die unternehmensübergreifende Kolla-boration wird auf unterschiedliche Weise unterstützt. Zum Einen sind besonders in der Automobilindustrie etablierte und standardisierte Kommunikations-wege und Protokolle verfügbar (EDI). Zum Anderen steht mit der myOpenfac-tory- Plattform eine weitere Lösung zur unternehmensübergreifenden Kommu-nikation zur Verfügung. Viele der füh-renden ERP-Systeme bieten Adapter zur Verbindung mit der Plattform an. Dar-über hinaus kann myOpenFactory viele Standardformate (z.B. openTrans, EAN-COM, OCI, …) verarbeiten. All diese Möglichkeiten werden in Zu-kunft nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen der Industrie zu genügen. Zunehmende Autonomie und kleiner werdende Planungseinheiten erfordern noch flexiblere Gestaltungsmöglichkei-ten der Wertschöpfungsketten. Die dy-namische Zusammenarbeit in wechseln-den Wertschöpfungsnetzwerken (eine der Grundideen im Zusammenhang mit Industrie 4.0) benötigt andere Lösungen Zum Autor Karl M. Tröger: Karl Tröger, Leiter Product Marketing, verantwortet die strategische Ausrichtung des Produktportfolios bei der PSI AG. Auf Basis seiner nationalen und internatio-nalen Stationen in der Fertigungsindustrie, stellt er heute das Bindeglied zwischen Kunden, Markt, Wissenschaft und dem Software-Engineering dar. Seine Erfahrun-gen sammelte er als Senior Product Engineer bei einem kanadisch-israelischen Konzern, als IT-Projektleiter sowie später als Leiter der Produktentwicklung für ERP-Lösungen innerhalb der PSI AG. Aktuell arbeitet die PSIPENTA an einer komplett neuen Oberfläche und einem modernen Interaktionsdesign. Im Vor-dergrund stehen dabei die Vereinfachung der Nutzung und die deutlich erleichterte Personalisierung. Die strenge Orientie-rung an Aufgaben und Prozessen soll die Effizienz bei der Bedienung der Systeme nachhaltig steigern. In Zusammenarbeit mit der Usergroup werden Prozessanaly-sen durchgeführt. Das Ziel dieser Analy-sen ist die Ermittlung von Best Practices für unterschiedliche Branchen und Fer-tigungstypologien. Diese Best Practices fließen in das visuelle und das Interakti-onsdesign ein. ERP-Trends/Treiber bis 2020 – Connectivity, Daten und Kollabora-tion! Die ERP-2020-Studie zeigte auch, dass ERP-Anwender eine Konnektivität im doppelten Sinne erwarten. Zum einen ist die Daten-/Informations-Konnek-tivität im Sinne einer umfassenden Informationsverfügbarkeit wesentlich. Zum anderen erfordert die „neue“ Öko-nomie auch ein mehr an Kommunika-tion und Kollaboration. Auch diese Anwender-Anforderungen erfordern konkrete Lösungskonzepte der ERP-Anbieter. Wie gelingt die All-und Jederzeit-Verfügbarkeit von (zum Teil sicher auch unstrukturierten) In-formationen 24 Competence Book - ERP
  • 25. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE zur Unterstützung der Zusammenarbeit. Die Synchronisation aller (ggf. temporär) beteiligten Parteien in diesen Netzwer-ken hinsichtlich technologischer und kommerzieller Informationen in Echtzeit wird einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg dieser Konzepte sein. Zur Lö-sung dieser Aufgabenstellungen werden neue bzw. weiterentwickelte Kommuni-kationsmöglichkeiten benötigt. Cloud Computing kann dabei die Integration und Synchronisation technologisch un-terstützen. Insofern geht es nicht nur um Connectivity an sich sondern zuneh-mend um Konzepte zur Steigerung der „Kollaborations-Produktivität“. Thorsten Reuper Um die Aufgabenstellung „Kommunikati-on und Kollaboration“ zufriedenstellend auszuführen, bedarf es auch zukünftig eines noch umfangreicheren Datenaus-tausches zwischen den Unternehmen, wie z.B. zwischen Kunde und Lieferant. Wir unterstützen und verfügen hier über eigene Lösungen – und dies in Verbin-dung mit Unternehmen, die sich auf das Routing und Mapping zwischen Kun-de und Lieferant (Bestellung/Auftrag) spezialisiert haben. Innerhalb eines Un-ternehmens werden Werk-zu-Werk-Be-ziehungen ebenfalls durch unsere Stan-dardfunktionen unterstützt. Frank Naujoks Cloud und Big Data sind da sicherlich die Treiber für eine Vernetzung und Sicht-barmachung von Zusammenhängen. Yammer bietet sich als Kommunikations-plattform innerhalb des Unternehmens und in geschlossenen Communities an, Microsoft Social Listening bringt die Meinung außerhalb des Unternehmens nach innen. Die Kunst wird es sein, aus all den Informationssilos ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Hinzu kommen dann noch Integrationspunkte in die Of-fice Welt, Mail, aber auch die Einbindung von Geodaten, Wetter etc. Hinzu kommen, bspw. aus Daten-schutz- Gründen, Private Cloud-Anfor-derungen zur Kommunikation innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Dieser Konnektivitäts-Entwicklung kann sich kein Anbieter entziehen – es bleibt die Frage, ob für den Anwender daraus ein Technologie-Zoo entsteht oder eine möglichst homogene Applikationsland-schaft. Hier wird es aus Anbietersicht noch Konsolidierungswellen geben. Patrick Siegmund Für eine All- und Jederzeit-Verfügbarkeit müssen mobile Geräte wie Smartphones und Tablets durchgängig Einzug im Un-ternehmen erhalten, denn sie gewähr-leisten die Konnektivität. Voraussetzung hierfür ist jedoch die mobile Nutzbarkeit der ERP-Systeme, sei es durch brows-erbasierte Oberflächen – wie wir sie für unsere WinLine-Programme bereits seit geraumer Zeit anbieten - oder aber in Zukunft durch echte App-Anwendun-gen. Dabei sind verschiedene Varianten vorstellbar, z.B. eine App je Unterneh-mensbereich bzw. Funktionsbereich der ERP-Lösung oder auch die Umsetzung rein rollenbasierter Apps. In einigen Teil-bereichen haben wir die echte mobile Nutzbarkeit unserer Business-Software bereits umgesetzt, weitere werden folgen. Die Kommunikation innerhalb der Un-ternehmen ist mit modernen ERP-Lö-sungen (idealerweise mit integrierten CRM-Funktionen) bereits heute möglich. Wir realisieren dies in unseren Program-men durch die eigenständige Umsetzung individueller Unternehmensprozesse mit Hilfe eines integrierten Tools für das Workflowmanagement. Damit kann ein durchgängiger Kommunikationsfluss, z.B. durch die automatisierte Weitergabe von Informationen und Daten, erreicht werden - sowohl innerbetrieblich als auch im Austausch mit anderen Unter-nehmen. Man denke hierbei nur an typi-sche Abläufe bei der Serviceabwicklung oder an die Weiterleitung von Belegvor-gängen wie Aufträge und Rechnungen. Auch eine Kommunikation über social media-Kanäle sollte nicht unterschätzt werden. Die „Generation Y“ nutzt die-se Medien heute bereits stark im priva-ten Bereich, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Bedeutung dieser Medien auch für die geschäftliche Kom-munikation zunehmen wird. Aus diesem Grund ist eine Integration von Social-Me-dia in unsere WinLine ERP-Programme vorgesehen. ERP-Funktionen und Architekturen für das Jahr 2020?! Neben den bisher genannten nichtfunk-tionalen Anforderungen an ERP-Sys-teme der Zukunft (Mobility, Usability, Connectivity) werden sich potenziell bis 2020 aber auch die Planungslogik und die Systemarchitektur der Systeme wei-terentwickeln. Welche Veränderungen erwarten Sie persönlich noch im Bereich Ressourcen-planung und Systemarchitektur? Bleibt alles im wesentlich planersich beim Al-ten? Werden ERP-Systeme mehr oder weniger an Planung in einer kollabora- „Die innerbetriebliche und unternehmensübergreifende Kollabora-tion sind seit langer Zeit die Top-Themen bei der Implementierung von ERP- und MES-Systemen.“ - Karl Tröger Competence Book - ERP 25
  • 26. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE tiven Planungs-Architektur übernehmen? Welche Rolle spielt der Mensch in diesen Szenarien? Und wie gelingt die archi-tektonische Zukunftsfähigkeit am besten? Setzen wir auf das eine integrierte Gesamtsystem oder die prozessvernetzte Multi-System-Landschaft? Frank Naujoks Die Zukunft wird hybrid sein – und der Kunde kann wählen, ob er die Systeme on-Premise oder On-Demand oder teils-teils be-treiben wird. Diese Wahlfreihet wird in den nächsten Jahren die Diskussion bei der Entscheidung für die IT-Ökosysteme domi-nieren und bringt dem Kunden die Freiheit, nach Bedarf seine Entscheidungen zu treffen und auch zu ändern. Planungskomponenten werden durch predictive Analytics Sys-teme immer weiter die Anwendungen erobern. Dabei wird die Intelligenz zunehmend hinter die Benutzeroberfläche verlagert – und die Anforderungen an den normalen Anwender werden sinken. Umgekehrt werden die Anforderungen an bestimmte Personenkreise immer höher werden – die für die Intelligenz der Systeme zu sorgen haben. Patrick Siegmund Für uns ist ein ganz klarer Trend erkennbar: Das ERP der Zu-kunft wird ein hochintegriertes Gesamtsystem sein, das anwen-derorientiert ausgerichtet ist und über eine hohes Maß und Flexibilität und Mobilität verfügt. Dabei werden künftig nicht nur die bisher als üblich verstandenen Unternehmensressour-cen, wie z.B. Adressen, Produkte, Mitarbeiter und Maschinen im ERP-System vorgehalten. Flexibel gestaltbare Anwendungen und Prozesse ermöglichen es den Unternehmen, alle erdenkli-chen Ressourcen zu verwalten, zu planen und entsprechende Prozesse zu automatisieren. Als Beispiele seien hier unter ande-rem die Organisation von Verträgen, Räumlichkeiten oder des Fuhrparks genannt. Und dies alles mit dem Ziel, mit Hilfe einer zentralen Verwaltung und einer optimierten Prozessautomati-sierung sowohl erhebliche Einsparungen in Bezug auf den Zeit-und Kostenaufwand als auch Umsatzsteigerungen zu erzielen. Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass die immer umfang-reicher und komplexer werdenden Systeme für den Einzelnen auch anwendbar bleiben. Dies kann durch eine Optimierung und Automatisierung der Prozessorganisation sowie durch die punktuell und anwenderspezifische Bereitstellung von Teilbe-reichen oder sogar nur einzelnen Funktionen einer ERP-Kom-plettlösung realisiert werden. Ebenso wichtig wird es sein, unabhängig vom Ort und einge-setzten Device (Desktop, Tablet, Smartphone und künftige Endgeräte), Zugriff auf alle Anwendungsbereiche zu haben. Um dies zu gewährleisten, glauben wir, dass sich als Standard der Zukunft die Weiterentwicklung von HTML5 herauskristallisie-ren wird. Thorsten Reuper Das ERP-System wird zukünftig wie auch heute schon als der „große Ressourcenvorhalter und -planer“ agieren. Jedoch wer-den zukünftig vermehrt die flexiblen APS/MES-Systeme hier für eine Planungs- und Steuerungshoheit verantwortlich sein und dies natürlich prozessvernetzt mit dem ERP-System. Daher kann man bei einer guten Integration dieser Komponenten auch beruhigt von einem „integrierten Gesamtsystem“ sprechen. Ich selbst sehe den Mensch zukünftig unter ERP 2020 noch aktiver als „Bediener“ und „Kontrolleur“. Karl Tröger Agile Produktionssysteme erfordern in gleichem Maße agile Softwaresysteme zur Planung, Simulation und Steuerung der Herstellungsprozesse (Internet der Services). Heutige zent-ralistisch geprägte Konzepte werden mit der fortschreitenden Entwicklung der CPS durch smarte und hochauflösende de-zentrale Systeme ersetzt (werden müssen). Die vorherige Si-mulation von Produktionssituationen und die Ableitung von optimierten Szenarios in mehr und mehr autonomen Einheiten wird eine Steigerung der Effizienz zukünftiger Produktionspro-zesse bewirken. Die produktionsnahe IT wird mit der Automa-tisierungsebene verschmelzen. Hochauflösende Produktionsregelungssysteme benutzen rie-sige Datenmengen von hochentwickelten Sensoren zur Be-urteilung der tatsächlichen Situation. Die Daten und daraus gewonnen Informationen müssen unter Berücksichtigung des gegebenen Kontext aufbereitet werden und dienen der zielge-richteten Beeinflussung der aktuellen Produktionsparameter. Es geht nicht mehr nur um die Etablierung eines Berichtswe-sens und die Beurteilung einer Situation quasi „post mortem“. Die erhobenen Daten (Big Data) steuern den Prozess und un-terstützen bei der Ausregelung von Störungen in Echtzeit. Meiner Auffassung nach wird es kein integriertes Gesamtsystem geben. Die Landschaft wird genauso komplex bleiben wie sie heute ist oder sogar komplexer werden. Neue Aufgabenstellun-gen erfordern neue oder weiterentwickelte Lösungsbausteine. Die Integration aller Systeme oder Lösungsbausteine bekommt in diesem Zusammenhang einen ganz anderen Stellenwert. Der Mensch wird nicht verdrängt, ganz im Gegenteil – seine Be-dürfnisse müssen in Zukunft viel stärker bei der Planung von Unternehmen berücksichtigt werden. Das Eco-System „Indust-rie 4.0“ besteht eben nicht nur aus „Smart factories“ und intel-ligenten die Produktion steuernden Produkten mit Gedächtnis. Es geht darum, den Menschen hochwertige und kreative Arbeit verrichten zu lassen und ihm die Möglichkeit zur Ausbalancie-rung des Lebens zwischen Arbeit und Freizeit zu geben. Genau-so flexibel wie die von Menschen beherrschten Produktionssys-teme der Zukunft. 26 Competence Book - ERP
  • 27. GRUNDLAGEN - VIRTUAL ROUNDTABLE Uwe Bergmann Diese nichtfunktionalen Anforderungen haben natürlich auch einen direkten Effekt auf die funktionalen Anforderungen und die Systemarchitektur. Wenn Ressourcen mobiler, flexibler und internationaler ein-gesetzt werden oder auch verfügbar sind, hat dies auch einen Einfluss auf die Planung von Ressourcen. ERP Systeme der Zukunft müssen intelligente Lösungen zur Optimie-rung des Ressourceneinsatzes schaffen. Bei der Systemarchitektur besteht die gleiche Herausforderung. Systeme müssen überall verfügbar und skalierbar sein um den Men-schen in Ihren Rollen, Aufgaben und Ent-scheidungen eine optimale Unterstützung zu bieten. Zu Uwe Bergmann: Geschäftsführer COSMO CONSULT GmbH und Vorstandsvorsitzender der COSMO CONSULT AG „Wir Schaffen Software-Lösungen die dem Menschen bei seiner täglichen Arbeit optimal unterstützt.“ - Uwe Bergmann Competence Book - ERP 27
  • 28. GRUNDLAGEN - ERP 2020-INITIATIVE Die ERP 2020-Initiative des VDMA – Zukunftsfähige ERP-Lösungen durch den Dialog von Anbieter und Anwendern Autor: Volker Schnittler, Fachreferent kaufmännische Unternehmenssoftware, VDMA - Informatik Seit fast 40 Jahren begleitet und berät der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagen-bau e.V.) seine Mitgliedsunternehmen bei der Auswahl und Einführung von PPS und ERP. Der Fachverband Software im VDMA ist mit über 340 Mitgliedsunternehmen aus der IT-Branche die Nummer 2 in Deutschland. Rund 70 dieser Mitgliedsunternehmen befassen sich in ihren Produk-ten und Dienstleistungen mit ERP. Dabei profitieren die Mitgliedsunternehmen des VDMA davon, dass sich im Verband Anwender und Anbieter von IT-Lösungen gegenüberstehen. Vor diesem Hin-tergrund hat der VDMA die Kampagne ERP-2020 gestartet, um auch für ERP-Systeme den Dialog zwischen IT-Anbietern und -Anwendern zum beidseitigen Nutzen zu fördern. Wir freuen uns sehr, dass Volker Schnittler, Fachreferent beim VDMA und Koordinator der Kampagne ERP-2020, uns kompetent Auskunft über die Kampagne und die Zukunft der ERP-Systeme gibt! Der Fachverband Software im VDMA vorgestellt Wenige wissen, dass der Fachverband Software die Nummer 2 bei den Soft-wareverbänden in Deutschland ist. Tatsächlich versammelt der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.) in seinem Fachver-band Software über 340 der wichtigs-ten IT-Unternehmen Deutschlands und profitiert zusätzlich vor allem da-von, dass sich im Verband Anwender und Anbieter von IT-Lösungen gegen-überstehen. Wie kam es zur Gründung des Fach-verbands Software im VDMA? Was erwarten Ihre Mitglieder vom Fachver-band? Was sind aktuell Ihre wichtigs-ten Aktivitäten? Volker Schnittler: Der Fachverband Software wurde vor über einem Jahrzehnt gegründet. Hintergrund war die Erkenntnis, dass sich der Maschi-nen- und Anlagenbau auch mit seinen wichtigen Komponenten- und Dienstleis-tungszulieferern vernetzen muss. Dazu gehören neben den Lieferanten von Au-tomatisierungskomponenten natürlich auch die Lieferanten von Softwarelösun-gen. Da heute weder Maschinen noch Geschäftsprozesse in Unternehmen ohne die permanente Unterstützung von Soft-ware denkbar sind, reicht die Palette von Mitgliedsunternehmen im Fachverband Software natürlich von Anbietern von Steuerungssoftware bis hin zur Anwen-dungssoftware. Je nach Ausprägung dieses Softwareange-bots entwickelt sich hierbei ein partner-schaftlicher und nutzenorientierter Dia-log zwischen Anwendern und Anbietern der jeweiligen Softwarelösungen. Somit sehen wir es als die wichtigste Aufgabe an, für diesen Dialog eine Plattform zu lie-fern, auf der sich Anwender und Anbieter begegnen und zum beiderseitigen Nutzen austauschen können. 28 Competence Book - ERP
  • 29. GRUNDLAGEN- ERP 2020-INITIATIVE VDMA-Initiative ERP 2020 Sie haben im vergangenen Jahr die Kampagne ERP-2020 gestartet. Wel-che Unternehmen beteiligen sich am Dialog zwischen Anwendern und An-bietern? Was sind die Ziele dieser Kam-pagne und welche Maßnahmen konn-ten bereits realisiert werden? Volker Schnittler: Es sind natürlich vor allem die rund 70 Mitgliedsunternehmen im Fachverband Software, die Produkte und Dienstleistun-gen rund um ERP anbieten. Auf der ande-ren Seite aber genauso die Anwender von ERP. Der VDMA unterstützt ja bereits seit fast vier Jahrzehnten seine Mitgliedsunter-nehmen bei der Systemauswahl, zunächst bei PPS und heute natürlich bei ERP. Wenn Sie sich vor Augen führen, dass wir die IT-Leiter aus rund 150 Unternehmen in einem Fachkreis Infortmatik informell organisiert haben oder dass durchschnitt-lich einmal pro Woche eine Anfrage eines Mitgliedsunternehmens bezüglich einer ERP-Auswahl bei mir eingeht, können Sie sich ein Bild vom Potential diese Themas machen. ERP ist in den Unternehmen des Ma-schinen- und Anlagenbaus zur Selbstver-ständlichkeit geworden. Eine Commodi-ty wie der Strom, der aus der Steckdose kommt. Es ist jedoch eine Commodity mit viel Potential, die sich ständig verändert und verbessert. Weil ERP so selbstverständlich genutzt, aber als unverzichtbares Rückgrat sämt-licher kaufmännischer Geschäftspro-zesse heute im Unternehmen so wenig im Bewusstsein ist und sich gleichzeitig nachhaltig und umfangreich verändern muss und wird, haben wir im VDMA die Kampagne ERP 2020 gestartet. Wir wol-len Potentiale und Möglichkeiten zu noch intensiverer Nutzung für höheren Un-ternehmenserfolg genauso aufzeigen wie zukünftige Anforderungen der Nutzer aus unserer Branche, dem Maschinen- und Anlagenbau, um die Hersteller der Syste-me zu motivieren, diese zum Nutzen der Anwender weiter zu entwickeln. Wir haben in den vergangenen Tagen intensive und sehr interessante Gespräche zu ei-nem nachhaltigen Engagement auf der CeBIT geführt. Dabei haben wir folgende Vor-stellungen für die kommende CeBIT entwickelt: • Der VDMA wird auf der CeBIT mit einem Informationsstand vertreten sein. • Wir werden weiterhin versuchen, einen Gemeinschaftsstand für Mitgliedsunter-nehmen auf der CeBIT zu organisieren. Voraussetzung dafür ist, dass wir mindes-tens 6 interessierte Mitgliedsunternehmen finden. • Wir werden das gesamte ERP Forum, das von Trovarit organisiert und betrieben wird unter dem Titel „ERP 2020“ fahren. • Inhaltlich werden wir Anbieter einladen, zu Ihrer Roadmap ERP 2020 usability, mo-bility und connectivity auf dem ERP 2020 Forum Stellung zu nehmen. Dazu stehen wir in diesem Zusammenhang für alle Anbieter offen, natürlich auch für diejenigen, welche ihre Systeme in anderen Branchen als dem Maschinen- und Anlagenbau anbieten. • Wir planen außerdem „ERP 2020 Guided Tours“, die sich auch auf die oben genann-ten Themen beziehen sollen und den Messebesuchern einen Einblick verschaffen sollen, was die Anbieter bereits hinsichtlich usability, mobility und connectivity zeigen können. • Wir wollen die ERP-Anbieter, die wir erreichen und die auf die CeBIT gehen wol-len, thematisch eng einbinden und dazu zu einem „Task Force“ Termin zum VDMA nach Frankfurt einladen. • Wir werden mit den CeBIT Studio Mittelstand abstimmen, wie wir die Themen, die wir im Zusammenhang mit ERP 2020 diskutieren, auch auf dieser Plattform anbieten können. Zum Autor Volker Schnittler: Seit Oktober 2001 ist Volker Schnittler als Referent für kauf-männische Unternehmenssoft-ware wie ERP, PPS, MES und Variantenkonfigurationslösun-gen bei der Abteilung Informa-tik des VDMA beschäftigt. Dort leitet er u. a. auch den PPS-An-wender/ Anbieter-Dialog und ist Mitglied im Forschungsbeirat des fir (Aachen). Competence Book - ERP 29
  • 30. GRUNDLAGEN - ERP 2020-INITIATIVE Ergebnisse der Umfrage ERP-2020? U.a. wurde eine Umfrage bei Anwendern und Anbietern zum Thema ERP-2020 gestartet. Drei Themen-Schwerpunkte haben sich dabei heraus kristallisiert. Können Sie diese The-men- Schwerpunkte skizzieren? Was sind die Treiber hinter diesen Themen/ Trends? Wie gut sind die ERP-Anbieter auf diese Themen vorbereitet? Volker Schnittler: In der Tat haben wir drei Schwerpunktthemen aus unseren Be-fragungen identifiziert, die eng miteinander zusammen hängen und die wir als erstes adressiert haben. Es handelt sich hierbei um die Themen mobility, usability und connectivity. Dabei ist die Mobilität, das ortsungebundene Arbeiten, das für immer mehr Mitarbeiter aus Unternehmen maßgeblich wird, natürlich der Treiber. Nicht nur der Vertrieb und der Service arbeiten heute au-ßerhalb des Unternehmens, auch viele Mitarbeiterinnen, die sich vorübergehend für eine Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes in Richtung der Familie entscheiden, wollen und müssen wir mit ihrer Kompetenz für unsere Unternehmen erhalten. Also müssen diese Möglichkeiten erhalten bleiben, um auch von externer Stel-le weiterhin zum Erfolg der Untenehmen beitragen zu können. Mit der Mobilität kommen natürlich moderne Endgeräte ins Spiel, die sich von ihrer Oberflächengestaltung und Ergonomie an ganz anderen Maßstäben orientieren als die Windows orien-tierte Vorgängergeneration. Durch die Verfügbarkeit von Smart-phones und Tablets und den dadurch erzeugten Marktdruck kommen die Hersteller von ERP an diesen Tendenzen natürlich nicht mehr vorbei. Schließlich ist da noch das Thema der connectivity, der Mögich-keit sich überall und jederzeit mit den Unternehmensoftwaresys-temen verbinden zu können. Ohne diese Möglichkeit macht Mo-bilität wenig Sinn. Wir konnten auf einer Veranstaltung, auf der die führenden Her-steller von ERP ihre Entwicklungsroadmap zu diesen Themen beim VDMA vorgestellt haben, durchaus beobachten, dass die Anbieter da bislang unterschiedlich weit gekommen sind. Wich-tiger war jedoch, dass sie alle die richtige Roadmap im Kopf ha-ben und die Entwicklungstendenzen richtig deuten. Pläne ERP-2020 für 2014? Im Jahr 2014 planen Sie eine Vielzahl von Maßnahmen, u.a. eine Hausmesse, bei der ERP-Anbieter konkrete Lösungs-anforderungen umsetzen müssen. Zudem sind Sie auf den wichtigen IT-Messen präsent. Was ist dort jeweils im Detail geplant? Volker Schnittler: Auf unserer ERP 2020 Hausmesse, die am 14. Mai 2014 in Flörs-heim bei Frankfurt stattfindet, werden wir an ein bewährtes Veranstaltungsformat anknüpfen. Dies besteht darin, dass alle vertretenen Anbieter eine Aufgabenstellung vorgegeben bekom-men, die sie dann auf ihren Messeständen mit ihren Software-lösungen abbilden müssen. In diesem Jahr wird das ein Szenario aus dem Bereich Servicemanagement sein, das unsere Themen mobility, usability und connectivity genauso adressiert wie zahl-reiche funktionale Verbesserungen im Serviceprozess. Die Besu-cher der Hausmesse kennen dieses Szenario und können so die Systeme gut miteinander vergleichen und sich über die jeweilige Lösungsphilosophie den gezeigten Produkten annähern. Neben unserer eigenen ERP 2020 Hausmesse werden wir noch auf der CeBIT vertreten sein. Was wir dort planen, habe ich weiter oben beschrieben. Auf der Hannover Messe sind wir ideeller Trä-ger der Leitmesse Digital Factory und betreiben seit vielen Jahren einen Gemeinschaftsstand für die Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes Software. Ein weiteres Highlight ist unsere 2-tä-gige Tagung zu MES, die wir im Auftrag der Messe gemeinsam mit dem VDI, NAMUR und dem ZVEI ausrichten. Auch mit den Aachener ERP-Tagen des FIR gibt es eine jahrelange Zusammen-arbeit. Dort bieten wir eine Erfahrungsaustauschveranstaltung zu Lösungen aus dem Variantenmanagement für Mitgliedsun-ternehmen des VDMA und Unternehmen aus dem Cluster Pro-duktion in NRW an. Auf der Messe IT & Business, deren ideeller Träger ebenfalls der Fachverband Software ist, werden wir unter anderem unseren traditionellen VDMA IT-Leiter Treff anbieten, sowie unsere Business Intelligence Tagung und eine Veranstal-tung rund um CRM. „ERP ist in den Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zur Selbstverständlichkeit geworden. [...] Es ist jedoch eine Commodity mit viel Potential, die sich ständig verändert und verbessert“ - Volker Schnittler 30 Competence Book - ERP
  • 31. GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT ERP 2020 - 21 Thesen für das ERP der Zukunft Im Rahmen der gemeinsamen Initiative „ERP 2020 – Roadmap in die Zukunft“ des Verbands Deutscher Maschinen‐ und Anlagenbau e.V. (VDMA), der Trovarit AG und des FIR an der RWTH Aachen, sollen zukünftige Entwicklungen und Trends im Bereich ERP‐Systeme, Enterprise-Resource-Planning, untersucht, in Zusammenarbeit mit der Industrie validiert und anschließend publiziert werden. Hierbei stehen der Nutzen und das Potenzial dieser Softwarelösungen im Betrachtungsfokus. AUTOREN: Dipl.-Wirt.-Ing. Dennis Schiemann, Aachen und Dominik Frey M.Sc., Aachen Aus der gemeinsamen Betrachtung der vierten industriel-len Revolution und der globalen wachsenden Relevanz von ERP-Systemen resultiert die Notwendigkeit die Ent-wicklung dieser Branche in den kommenden Jahren zu beleuch-ten. Das Ergebnis einer Roadmap in die Zukunft bis zum Jahr Diese kennzeichnet sich durch eine Auswahl an Themenberei-chen, welche die Schnittmenge aus Industrie 4.0 und dem ERP-Markt bilden, dargestellt in Abbildung 1. Neben einer Identifi-kation der relevanten Themenbereiche des ERP-Marktes durch Erfahrungskompetenz der drei Expertenhäuser erfolgte die um-fragebasierte Validierung durch Anwender und Anbieter unter anderem auf den Aachener ERP-Tagen. Ein Anwender-Anbieter Dialog bildete beim VDMA in Frankfurt einen zentralen Teil des Vorhabens ab. Die Themenbereiche definieren sich wie folgt: Mobility wird verstanden als die Fähigkeit jederzeit, überall und mit jedem beliebigen Gerät auf Applikationen und Informatio-nen einer Unternehmenssoftware zugreifen zu können. Connectivity ist die Fähigkeit von ERP, mit unterschiedlichen Systemen über Schnittstellen zu kommunizieren. Collaboration steht für die Zusammenarbeit und Kommunika-tion von Menschen und Organisationen über Grenzen, Systeme, Zeitzonen und geographische Entfernungen hinweg. Funktionalität und Anpassbarkeit bietet anforderungsge-rechte Methoden und Verfahren für die Lösung volatiler Anfor-derungen sowie der Veränderung von Geschäftsprozesslogik in den Unternehmenssoftwaresystemen. Ressourcenplanung beinhaltet die autonome Entscheidungs-findung unter der Bedingung schwindender Ressourcenverfüg-barkeit Dienstleistungsmethoden und –qualität zeichnet sich durch messbare Qualitätsstandards und nachvollziehbare Nutzen-bewertung sowie standardisierte Leistungsverzeichnisse für ERP-Dienstleistungen aus. Usability umfasst die Handhabbarkeit, die Benutzbarkeit von Systemen und die Softwareergonomie. Zum Autor Dennis Schiemann: Dennis Schiemann studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau und Vertiefungsrichtung Produktionstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Derzeit promoviert er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen im Bereich Produktions-management und arbeitet dort zudem als Projektingenieur in zahlreichen Forschungs- und Industrieprojekten. Seine fachlichen Schwerpunktthemen am FIR liegen im Prozess- und Auf-tragsmanagement sowie in der ERP-Auswahl. 2020 ist die Initiative ERP 2020. Competence Book - ERP 31
  • 32. GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT Abbildung 1: Themenbereiche der Initiative ERP 2020 (Bilder: © Fotolia) Neben der Identifikation der Themenbereiche wurden Thesen formuliert und Zukunftsszenarien daraus abgeleitet. Insbeson-dere die Themen Mobility, Connectivity und Usability weisen in ihren Ausprägungen große Schnittmengen auf. Eine Top-These und die damit verbundenen Herausforderungen spiegelt dies wider. 2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf mobilen Geräten, das User-Interface an die neuen Anforde-rungen angepasst haben. Die sich hieraus ergebenden Herausforderungen zeigen sich be-sonders im Bereich Connectivity, Mobility und Usability. Bei dem Arbeiten auf mobilen Geräten existieren heutzutage noch viele Defizite. Die Usability stellt dabei eine zentrale Voraussetzung für Mobility dar und ist heutzutage nicht gegeben. Usability gilt hierbei insbesondere unter dem Aspekt der Komplexitätsbe-herrschung und nicht ausschließlich unter der Benutzerfreund-lichkeit. Die Gestaltung von mobilen ERP-Lösungen muss voll-ständig anders aussehen als die bekannten User Interfaces, was neben den geräteadäquaten Sichten auch entsprechende Funk-tionalitäten beinhaltet. Durch die fehlenden Anwendungsfälle in diesem Bereich sind vielfach auch zusätzliche Investitionen seitens der Geschäftsführung gehemmt. Das resultierende Zukunftsszenario zeichnet sich dadurch aus, dass die Usability im Sinne der Komplexitätsbeherrschung an-gepasst wird. Das mobile ERP erkennt automatisch auf welchem Mobile Device es benutzt wird und passt automatisch dessen In-terface und Funktionsumfang an die Größe bzw. das Handling des Mobile Device an. Hierbei muss abhängig vom User auch der Bedienvorgang differenziert werden. Der Low-Level-User benö-tigt keine Schulungen, da die genutzten Funktionalitäten intu-itiv bedienbar sind. Power-User benötigt weiterhin Schulungen im System, da dieser die Wirkungszusammenhänge kennen und die Hintergründe überblicken muss. Für die Mitarbeiter in den Unternehmen führt dies sowohl in der IT als auch in den Fachab-teilungen zu der Notwendigkeit prozessorientiert zu denken und entsprechendes Know-How aufzubauen. In den Unternehmen werden somit zukünftig noch stärker die Qualifikationsprofile der Anwender differenziert. Anwender mit Prozessverantwor-tung brauchen speziell ausgebildete Fähigkeiten. Anwender mit geringerem Qualifikationsstandard werden noch stärker geführt werden müssen. Fazit Insgesamt führt die Analyse der Thesen zur Notwendigkeit von zentralen Entwicklungen im ERP-Umfeld. Die Qualifikations-profile der einzelnen Anwender werden stärker unterschieden und die Software wird darauf abgestimmt. Es liegen zukünftig differenzierte Prozessmodelle sowohl für zentrale als auch für regional verteilte Prozesse vor. Diese bilden die Entscheidungs-grundlage für Integration und die Diversifizierung von ERP-Sys-temen. Um dies zu nutzen ist eine zeitliche, örtliche und ge-räteunabhängige, konstante Verfügbarkeit die Voraussetzung. Ubiquitäres Internet bildet die Grundlage für echtzeitfähige, mobile Kommunikationstechniken. 32 Competence Book - ERP
  • 33. GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT Abbildung 2: Verknüpfung von Ressourcenplanung und –steuerung mit IuK-Technologien Als Antwort auf die Frage „Was muss man tun um erfolgreich zu sein?“ wurden die Verknüpfung der Ressourcenplanung und –steuerung mit den Informations- und Kommunikations (IuK)-Technologien identifiziert und in Abbildung 2 dargestellt. Hierbei gewinnt die Integration in Form von Schnittstellen-Stan-dards an Bedeutung. Diese müssen zunehmend ausgebaut wer-den. „Offlinefähige Onlinesysteme“, welche synchronisiert und je nach Sicherheitsbedarf und Connectivity-Möglichkeiten ska-liert werden können, bilden ein technologisches Standbein. Die Usability muss neben der Softwareergonomie und der Benutzer-freundlichkeit als Aspekt der Komplexitätsbeherrschung ausge-baut werden. Dies gewinnt auch dadurch an Bedeutung, dass die Komplexitätsreduzierung für den Anwender in der Regel zu ei-ner Komplexitätssteigerung in der IT führt. Um die Komplexität der Systemlandschaften zu beherrschen, braucht es neue Metho-den und Ansätze zum Management der Applikationslandschaft. Die weiteren Aktivitäten der Initiative ERP 2020 werden unter anderem auf den 21. Aachener ERP-Tagen vom 03.06.-05.06.2014 unter dem Motto „ERP-Potenziale demonstrieren“ präsentiert. Details zu den 21 Thesen finden Sie in Abbildung 3. Kontaktdaten: Dipl.-Wirt.-Ing. Dennis Schiemann Wissenschaftlicher Mitarbeiter Produktionsmanagement Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH Aachen Pontdriesch 14/16 D-52062 Aachen Tel: +49 241 47705-425 Fax: +49 241 47705-199 Dennis.Schiemann@fir.rwth-aachen.de www.fir.rwth-aachen.de Zum Autor Dominik Frey: Dominik Frey studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau und Vertiefungsrichtung Produktionstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Derzeit promoviert er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen im Bereich Pro-duktionsmanagement und arbeitet dort zudem als Projektingenieur in zahlreichen For-schungs- und Industrieprojekten. Seine fachlichen Schwerpunktthemen am FIR liegen in der Produktionsplanung sowie in der ERP-Auswahl. Competence Book - ERP 33
  • 34. GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 1. Mobility / Usability Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 1 In 2020 sind aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der wachsenden Internationalisierung neue Arbeitsformen und -modelle notwendig. Daher müssen ERP-Systeme in Zukunft auf unterschiedlichen Endgeräten jederzeit und überall verfügbar sein. 2,27 4 These 2 2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf mobilen Geräten, das User-Interface an die neuen Anforderungen angepasst haben. 2,43 1 These 3 2020 muss das Arbeiten im ERP-System mit den gleichen Werkzeugen wie im Privatbereich erfolgen („Bring your own device“ bzw. Verknüpfung von Social Media mit Business Netzwerken). 1,39 17 These 4 2020 ist die Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne Schulungsaufwand möglich. 1,32 19 2. Connectivity / Daten Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 5 2020 wird der Bedarf an zeitnaher und räumlich uneingeschränkter Informationsverfügbarkeit enorm gestiegen sein. 2,39 2 These 6 2020 wird es einige wenige quasi-standardisierte Datenmodelle geben, die von wenigen Anbietern vorgegeben und von allen anderen Anbietern eingesetzt bzw. verwendet werden. 1,34 19 These 7 In 2020 wird die Datenkommunikation zwischen unterschiedlichen Systemen durch standardisierte Datenformate erleichtert. 1,79 12 These 8 2020 ist eine Verzahnung aller Planungsebenen, von der Ebene der Supply Chain bis zur produzierenden Maschinenebene, inklusive eines einheitlichen Austausches mit entsprechenden Datenformaten und Softwaresystemen für die Ressourcenplanung Industriestandard. 1,53 15 3. Kooperation / Collaboration Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 9 In 2020 entstehen beim Arbeiten mit ERP-Systemen ohne die Verwendung von bereichsübergreifenden Kooperations-Werkzeugen gravierende Wettbewerbsnachteile (u.a. Produktivitätsverluste). 2,16 6 These 10 In 2020 nimmt der Informationsaustausch massiv zu, da die Austauschfrequenz kurzzyklischer ist. 2,30 3 These 11 In 2020 ist der Informationsaustausch unstrukturierter, da die Anzahl der Beteiligten an weltweiten Standorten zunimmt. 1,84 10 These 12 2020 sind zentrale Plattformen zur Zusammenarbeit zwischen rechtlich eigenständigen Unternehmen ein elementarer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit im globalisierten Umfeld. 2,02 8 4. Ressourcenplanung Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 13 2020 ist der Mitarbeiter stärker in die autonome Entscheidungsfindung eingebunden. Hierfür sind neuartige Informationsdarstellungsformen und - bereitstellungsformen zur Entscheidungsunterstützung notwendig. 1,68 14 These 14 2020 sind Energieeffizienz und -flexibilität unter der Bedingung schwindender Verfügbarkeit von energetischen Ressourcen ein zentraler Aspekt der Ressourcenplanung. 2,11 7 5. Funktionalität / Architektur Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 15 2020 ermöglichen neue Architekturen wie bspw. Service-orientierte Architekturen (SoA) eine Entkopplung von Programm- und Ausführungslogik, wodurch die Flexibilität der ERP-Systeme gesteigert wird (die Prozessschicht wird die dirigierende Schicht). 1,80 11 These 16 In 2020 wird die Vergangenheit gezeigt haben, dass es eine vollständige Integration im Sinne einer "1-System-Landschaft" (Monolith) nicht gibt und auch zukünftig nicht geben wird. 2,20 5 34 Competence Book - ERP
  • 35. GRUNDLAGEN - THESEN FÜR DAS ERP DER ZUKUNFT 6. Dienstleistungsmethoden / -qualität Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 17 2020 wird es Qualitätsstandards für die Einführung von ERP-Systemen geben, an denen der Anbieter anhand von qualitativen sowie quantitativen Kriterien beurteilt werden kann. 1,28 21 These 18 2020 wird das Dienstleistungsangebot von ERP-Anbietern in hohem Maße standardisiert und modularisiert sein (Leistungsverzeichnisse). 1,41 17 These 19 2020 gibt es strukturierte Verfahren zur Nutzenbewertung von ERP-Systemen, die zusätzlich das Aufzeigen von Handlungspotenzialen ermöglichen. 1,51 16 These 20 2020 werden die Kosten für IT und ERP-Systeme aufgrund erhöhtem Administrations- und Komplexitätsaufwand gestiegen sein. 1,92 9 These 21 2020 wird die IT-Abteilung sehr viel stärker das unternehmensspezifische Prozessmanagement verantworten. 1,71 13 7. Top-Five Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 2 2020 muss sich, durch die Arbeit mit ERP-Systemen auf mobilen Geräten, das User-Interface an die neuen Anforderungen angepasst haben. 2,43 1 These 5 2020 wird der Bedarf an zeitnaher und räumlich uneingeschränkter Informationsverfügbarkeit enorm gestiegen sein. 2,39 2 These 10 In 2020 nimmt der Informationsaustausch massiv zu, da die Austauschfrequenz kurzzyklischer ist. 2,30 3 These 1 In 2020 sind aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der wachsenden Internationalisierung neue Arbeitsformen und -modelle notwendig. Daher müssen ERP-Systeme in Zukunft auf unterschiedlichen Endgeräten jederzeit und überall verfügbar sein. 2,27 4 These 16 In 2020 wird die Vergangenheit gezeigt haben, dass es eine vollständige Integration im Sinne einer "1-System-Landschaft" (Monolith) nicht gibt und auch zukünftig nicht geben wird. 2,20 5 Botschaft: Innovationen in den Dimensionen Mobility (1), Usability (2), Connectivity (5, 10), Architektur (16) 8. Flop-Five Thesen Perspektiven 2020 Zustimmung Ranking These 17 2020 wird es Qualitätsstandards für die Einführung von ERP-Systemen geben, an denen der Anbieter anhand von qualitativen sowie quantitativen Kriterien beurteilt werden kann. 1,28 21 These 4 2020 ist die Bedienung von ERP-Systemen intuitiv und ohne Schulungsaufwand möglich. 1,32 20 These 6 2020 wird es einige wenige quasi-standardisierte Datenmodelle geben, die von wenigen Anbietern vorgegeben und von allen anderen Anbietern eingesetzt bzw. verwendet werden. 1,34 19 These 3 2020 muss das Arbeiten im ERP-System mit den gleichen Werkzeugen wie im Privatbereich erfolgen („Bring your own device“ bzw. Verknüpfung von Social Media mit Business Netzwerken). 1,39 18 These 18 2020 wird das Dienstleistungsangebot von ERP-Anbietern in hohem Maße standardisiert und modularisiert sein (Leistungsverzeichnisse). 1,41 17 Botschaft: Aber keine Wunder bei Mobility (3), Usability (4), Connectivity (6), Dienstleistung (17, 18) Erläuterungen zur Zustimmung Trifft gar nicht zu 0,00 Trifft weniger zu 1,00 Trifft überwiegend zu 2,00 Trifft vollkommen zu 3,00 Trifft im Durchschnitt eher gar nicht / weniger zu < 1,4 Trifft im Durchschnitt eher überwiegend / vollkommen zu > 1,6 Abbildung 3: ERP 2020 - Auswertung der 21 Thesen Competence Book - ERP 35
  • 36. GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN Die Zeit ist reif: Ein neues ERP-Auswahlverfahren Seit etwa 20 Jahren werden nach scheinbar bewährten Prinzipien ERP-Auswahlverfahren durchgeführt. Zahlreiche Berater haben sich etabliert und schwören auf die jeweils von ihnen favorisierte Art, ein neues ERP-System für ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung auszuwählen. Doch die Annahmen, unter denen früher Auswahlverfahren durchgeführt wur-den, lassen sich kaum noch halten. Immer mehr Probleme treten mit Versprechungen auf, die von den Anbietern in der Auswahlphase gegeben werden und die dann zu erheblichen Kosten-und Zeitüberschreitungen in der Einführungsphase führen, weil sie sich als nicht stichhaltig erwiesen haben. AUTOR: Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau, Center for Enterprise Research, Universität Potsdam Abb. 1: Probleme im Auswahlverfahren Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Potsdam Consulting, die im Rahmen ihrer Prozess- und Stra-tegieberatung auch zahlreiche ERP-Auswahlprozesse begleitet hat, hat das Center for Enterprise Research an der Universität Potsdam nun einen neuen ERP-Auswahlprozess entwickelt, der die zahlreichen Fehler der Vergangenheit vermei-det und zudem wesentlich besser als früher an die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen anpassbar ist, die ein ERP-System suchen. Probleme im Auswahlverfahren Als falsch hat sich erwiesen, bereits ohne Kenntnis des Zielsys-tems eine Sollprozessgestaltung anzustoßen, ebenso falsch ist es, eine komplette Modellierung des derzeitigen - und vermutlich bald abzulösenden - Ist-Zustandes vor-zunehmen. In beiden Fäl-len wird hoher Aufwand verursacht, obwohl Timing und Ergeb-nisnutzen nicht stimmen. Um sich ein Bild vom Anbieter und seinem System zu machen, sind Präsentationen in der Auswahlphase unerlässlich. Um nicht in wenig sinnvolle Standardpräsentationen des Anbieters hin-einzulaufen, müssen knappe Szenarien aus den wichtigsten Un-ternehmensbereichen konzipiert werden, die Stammdaten und auswahlentscheidende Funktionen des Systems miteinander ver-knüpfen. Bei Zeitknappheit im Bereich der Anforderungsanalyse besteht die Gefahr, die falschen Aspekte zu Szenarien zu verdich-ten. Da jedes Unternehmen und jede Organisation anders ist, lau-fen Auswahlverfahren, die ausschließlich auf internetbasierten Merkmalslisten mit Tausenden von Einträgen basieren, häufig in die falsche Richtung: Hier gewinnt meist das funktionsstärkste System, nicht aber das am besten passende. 36 Competence Book - ERP
  • 37. GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN Allerdings erkennen die führenden Mitarbeiter der Kunden die-se und andere Probleme der Auswahlphase häufig nicht. Die so genannte „ERP-Reife“ der Unternehmen bestimmt sehr stark die Notwendigkeit einzelner Schritte im Auswahlprozess. Die ERP-Reife wird auf der Basis mehrerer Aspekte individuell ermit-telt, u.a.: • Gibt es eine (aktuelle) Prozessdokumentation und entspre-chen die tatsächlichen Abläufe zumindest grob dieser Do-kumentation? • Wird schon prozessorientiert gearbeitet (abteilungsüber-greifend und auf die Erzielung eines Wertes für einen Kun-den hin)? • Besteht ein Bewusstsein für die Bedeutung des Stammda-tenmanagements und existiert sogar ein Prozess, mit dem die Qualität der Stammdaten sichergestellt wird? • Existieren Support- und Wartungsstrukturen, sowohl auf Anbieterseite als auch unternehmensintern (Key User)? • Sind Erfahrungen mit ERP-Systemen vorhanden oder wird bisher überwiegend mit Tabellenkalkulationen und Text-programmen gearbeitet? • Wie qualifiziert sind die beteiligten Mitarbeiter zu ERP-Sys-temen? • Gibt es eine IT-Strategie, die ggf. sogar in die Unternehmens-strategie und das Geschäftsmodell eingebettet ist? Jedes „Nein“ auf eine dieser Fragen führt zu einem anderen Zu-schnitt des Auswahlprozesses. Auch die Einschätzung der Kun-den zu den präsentierten Systemen ist bei mangelnder Erfahrung mit ERP-Systemen weniger stark zu gewichten als bei ERP-erfah-renen Benutzern. So wird beispielsweise bei mangelnder Erfahrung die Usability eines ERP-Systems nicht sachlich beurteilt, sondern aus-schließlich danach, wie sehr die präsentierten Oberflächen bekann-ten Office-Produkten ähneln. Solche Bewertungen sind kaum für das Treffen einer Auswahlentscheidung verwendbar. Gerade bei Unternehmen, die zum ersten Mal ein ERP-System auswählen, lassen sich kaum A-Anforderungen generieren, die zur Differenzierung von Anbie-tern geeignet sind. Weil noch kei-ne ausgereiften Datenstrukturen oder Prozessabläufe existieren, kommen tatsächlich viele marktverfügbare ERP-Systeme für das suchende Unternehmen infrage. Es muss also neben den diffe-renzierenden A-Anforderungen im Auswahlprojekt unbedingt weitere Kriterien geben, nach denen Anbieter differenziert wer-den können. Dies können sein: • Auszeichnungen unabhängiger Gremien • Unabhängige Informationen über den Anbieter, etwa in se-riösen Fach-medien • Veröffentlichte Anwenderberichte aus der gleichen Branche („Success Stories“) • Präsenz der Anbieter in der Fachöffentlichkeit Gelegentlich kommt es zu Irritationen, weil dem Kunden des Auswahlberaters nicht genau präsent ist, welche Beraterleistun-gen er tatsächlich eingekauft hat. Insbesondere bei - an sich wün-schenswerten - Festpreisangeboten - neigen Führungskräfte des ERP-suchenden Unternehmens dazu, weitere Leistungen einzu-fordern, obwohl diese weder der Sicherstellung des Auswahlziels dienen noch derzeit erforderlich sind. Diese Irritationen müssen im Vorfeld durch ein eindeutiges Angebot, ggf. mit bereits vorher erkennbaren Erweiterungs- und Kürzungsoptionen, ausgeräumt werden. Obwohl die Beschreibungen der zu präsentierenden Szenari-en bereits Antworten auf die wichtigste Vertriebsfrage liefern („Was ist dem Kunden besonders wichtig = wo hat er derzeit die Zum Autor Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau: Norbert Gronau gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, die nicht nur Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis bauen, sondern diese auch mehrmals täglich überqueren. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Direktor des dort angesiedelten Centers for Enterprise Research. Unter der Leitung von Professor Gronau forschen über 30 Mitarbeiter zur integrierten Gestaltung von Geschäfts-prozessen und Unternehmenssoftware wie etwa ERP-Systemen sowie zu den Grundlagen von Wissen, Lernen und Bilden. Professor Gronau ist ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Technik-wissenschaften und Gründungsherausgeber der Fachzeitschriften ERP Manage-ment und PRODUCTIVITY Management (früher PPS Management). Gemeinsam mit der von ihm initiierten Potsdam Consulting Group hat er mehre-re Bundesministerien, Länder und Kommunen, Großunternehmen wie Lufthansa Technik, Roche Diagnostics, Robert Bosch und IKEA, aber auch Mittelständler wie Bahlsen, OKE, Waskönig&Walter, Hofmann Menü und viele andere beraten. Competence Book - ERP 37
  • 38. GRUNDLAGEN - EIN NEUES ERP-AUSWAHLVERFAHREN Abb. 2: Ziele der ERP-Auswahl meisten Probleme“), bereiten sich einige ERP-Anbieter nur unzureichend auf die Kundenpräsentation vor. Offenbar ist den Anbietern nicht klar, dass ein schlechter Eindruck in einer Kundenpräsentation die Chancen, den Auftrag zu gewinnen, nahe-zu vollständig ruiniert. ERP-Auswahlverfahren werden in der Re-gel nicht aufgrund langfristiger strategi-scher Planungen durchgeführt, sondern weil der Schmerz aufgrund der unzurei-chenden Leistungen der gegenwärtig ein-gesetzten Systeme unerträglich geworden ist. Nachdem sich der Kunde - endlich - entschieden hat, ein neues ERP-System einzuführen, steht „nur noch“ der Aus-wahlprozess zwischen ihm und der Er-reichung seines Zieles. Daher kommt es vor, dass der Kunde das Auswahlverfahren unter erheblichen Zeitdruck setzt. Ein guter Auswahlprozess gerät nicht unter Zeitdruck, zumal der Zeitbedarf in der Auswahlphase wesentlich vom Antwort-verhalten der Anbieter beeinflusst wird. Während Auswahlberater den Markt, die Systeme und (hoffentlich) deren Tech-nologie gut kennen und diese Aspekte in die Auswahl einfließen lassen, basiert die Einschätzung des Kunden weitgehend auf seinem Bauchgefühl. Das führt dazu, dass der Kunde seine Auswahlentscheidung nach anderen Kriterien trifft als der Bera-ter. Ein Auswahlverfahren muss erklären, wie der Berater zu seiner Einschätzung gelangt ist. Anforderungen an ein zeitgemäßes ERP-Auswahlverfahren Wichtigstes Ziel des Auswahlverfahrens ist es, das „richtige“, zum suchenden Kun-den jetzt und in Zukunft passende System auszuwählen. Bestandteil dieses Ziels ist es auch, den „richtigen“, ebenso passenden Anbieter auszusuchen. Gerade bei System-häusern, die Branchenlösungen auf der Basis von Sage, Microsoft oder SAP anbie-ten, ist dies ein wichtiges Teilziel, denn die Branchenkenntnisse der Systemhäuser un-terscheiden sich erheblich. Die Entscheidung über ein neues ERP-System muss auch wirtschaftliche Er-wägungen mit berücksichtigen. Auswahl-verfahren, die Betriebskosten oder den betriebswirtschaftlichen Nutzen eines neuen Systems nicht einbeziehen, enthal-ten dem Kunden wertvolle entscheidungs-relevante Informationen vor. Der Auswahlprozess muss zügig durch-geführt werden, da sich sonst zwischen Festlegung der auswahlrelevanten Anfor-derungen und Umsetzung dieser in einem neuen ERP-System zu viele Veränderungen bei Produktspektrum, Organisation und Prozessen ergeben könnten, die die Ein-führungsdauer verlängern und verteuern. Wirtschaftlich ist ein Auswahlprozess, wenn er sich auf die wesentlichen Anforderungen des Kunden an das neue ERP-System be-schränkt und nicht alle mög-lichen und wünschenswerten Analysen voranstellt. Dazu müssen vor allem die individuellen gegenwärtigen und zukünftigen Bedarfe des Kunden erkannt werden. Neben der Abfrage aller Führungskräfte und der Verwendung standardisierter Checklisten sind weitere Instrumente einzusetzen. Das Auswahlverfahren muss zwingend an den jeweiligen ERP-Reifegrad des Kunden angepasst werden. Erfahrene Berater nut-zen dazu eine Checkliste, die eine schnelle Einordnung des Kunden in ein Reifegrad-modell ermöglichen. Um Anforderungen aufzunehmen, Be-denken zu erkennen und die Ergebnisse des Entscheidungsprozesses in der Orga-nisation zu verankern, sind Führungskräf-te und Key User unbedingt zu beteiligen. Die Beteiligung kann in Mitentscheidung, Mitwirkung oder Information bestehen, je nach gelebter Kultur im Anwenderunter-nehmen. Es ist erforderlich, dass der Kunde das Auswahlergebnis und sein Zustandekom-men nachvollziehen kann. Da es sich bei Auswahlverfahren um multikriterielle Mehrpersonenentscheidungen handelt, die im Falle einer Realisierung erhebliche Bindungswirkung für die Organisation entfalten, muss die Nachvoll-ziehbarkeit gegeben sein. Vorgehensmodell der ERP-Auswahl Das auf den vorstehend beschriebenen Überlegungen basierende Auswahlver-fahren von Potsdam Consulting und dem Center for Enterprise Research ist in Abb. 3 dargestellt. In einer der eigentlichen ERP-Auswahl vorgelagerten Phase wird das Vorge-hensmodell an die Belange des jeweili-gen Kunden angepasst. Dazu wird der ERP-Reifegrad des Kunden ermittelt, die Zielsetzung, die mit dem ERP-Projekt ver- 38 Competence Book - ERP