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8ixIor,lr. Süül 2OOB Sr.t5: 3,OO 6rü10
il ilt ll
Typisches Lisdorfer Bouernhqus ouf der Holzmühle
Erboui im lohre 1903, Aufnohme von 1925
lnholtsverzeichnis
Heiner Groß
Josef Rupp
Agnes Groß
Georg Groß
Heiner Groß
Erich Seidel
Hons Löw
Wollgong Mong
Heiner Groß
lmpressum:
Herousgeber:
Redoktion:
Druck:
Bonkverbindunsen:
Bezusspreis:
Vor 55 und 41 Johren geschoh Schreckliches: Die Grubenunglücke von
Ensdorf und Luisenthol
Verein der heiligen Kindheil Jesu oder Kindheit-Jesu-Verein, eine 16
löngsl vergessene religiöse Hillsorgonisotion?
lmpressionen vom 4. Moi 2003 in Lisdorf,,.., olles im grünen Bereich" I8
Menschen unserer Zeit Rektor i. R. Erich Seidel 20
Die Zeit- ein kostbores Gut 23
Petrus Schmidt ous Lisdorf, Abt der Prömonslrolenserobtei Wodgossen 27
von 1778 bis 1783
Seidenroupenzucht in Lisdorf 2A
Ausflüge, Fohrlen und Reisen mit dem Heimotkundeverein: immer 32
Verein Iü. Heimotkunde Iisdorf e. V (VHL)
Am Ginsterberg I3, 66740 SoorlouiFLisdorl
Tel.: 06831/41 694, Fox: 06831/l 28753
Heiner Groß (verontwortlich)
Georg Groß (PC-Beorbeitung), Agnes Groß, Josef Rupp, Wo fgong Mong, Werner
Noumonn, Günier Mong
Druckerei und Verlog Heinz Klein GmbH, Auf der Wies 7, 66740 Soorlouis-Lisdorf
Kreissporkosse Soorlouis (BLZ 593 501 I0), Klo.Nr.: 74-3008&0
Volksbonk Soorlouis (BtZ 593 901 00), Klo.Nr.: 14O1217629
3,00€ ie Heft, Vere;nsmitglieder erhohen es koslenlos
3
4
ein besonderes Erlebnis
Weiter oufwörts: Die Mitgliederentwicklung im Heimolkundeverein Lisdorf 34
Bildospekte ous der Arbeit des Heimotkundevereins 35
Dos vom Verein für Heimotkunde Lisdorf e. V im Juni des vergongenen Johres herousgegebene Buch
über dos Kriegsende 1944/45 in Lisdorf unter dem Titel
, Letzle Zuf I uchtsstötle : Der Felsenstol len Rose ntho l"
- Dos Kriegsende in Lisdorf -
hot londesweite Beochtung gefunden. Es istvon der Presse und dem SR gebührend vorgestelh worden.
Dos Buch konn weilerhin im BL.rchhondel und beim Herousgeber ('lel.: 06a31/41694) zum Preis von
19,80 € bezogen werden.
Nomentlich gekennzeichnete Adikel geben die Meinung des Verfossers, nicht unbedingt dor Redokiion wieder.
Nochdruck, ouch ouszugsweise, nur mil Genehmigung des Herousgebers
Tilelbild: Bouernhous der Fomilie Johonn Ecker und Morio geb. Nicolo or-rf der Holzmühle N. 6, Dos Hous
wurde 1903 von ihnen im Loihringer Eindochhofslil erbout, der seinerzeit und ouch noch spöier Iür Neubou-
len von Bouernhöusern in unserem Roum typisch wor. Die Aufnohme slomrnl ous dom Johre 1925 und zeigi
die domols bereits verwitwete Morio Ecker-Nicolo +l 872 t 1934 rnit ihren 5 Kindern v.l.n.r.: Johonn ' 1903
f 1990, Nikolous (ouf Pferd) ' 1906 t 1980, M6rio spöler verh. Groß ' 1908 t I987, Agnes spöter verh.
Mothieu 'l9l I t 1972, Heleno spörer verh. Müller' l914 t 2001.
2
Verehrte Leserinnen und Leser.
wlr hoben lhre Geduld org stropoziert. Seit der letzten Ausgobe hoben wir viel Zeit
versfreichen lossen bis zu dieser Nummer 5. Dofür hoben wir diese Ausgobe ouf
36 Seiten oufgestockt. Troizdem konnien wir die vorliegenden Beiiröge bei weiiem
nichi olle verwerten. So hoben wir für die nöchsten Ausgoben, die noch in diesem
Johr erscheinen sollen, bereits einen gewissen Vorrot on Publikolionsstoff.
Enfsprechend der bisherigen Hefte linden Sie in dieser Ausgobe wieder unierschied-
liche Themen behondelt. Den Schwerpunki bildet mit l2 Seiien der von Josef Rupp
gelieferle oulhentische Beitrog über die schrecklichen Grubenungltcke von I948 und
I962 in Ensdorl und Luisenfhol, bei denen ouch elliche lunge Lisdorfer Bergleufe unter
den vielen Opfern woren. Die Opfer ous Lisdorf woren ousnohmslos gute Bekonnie und Freunde von Josef Rupp,
mit denen er or-,f Grube Duhomel in Ensdorf zusommen orbeitete und spöter zur crube Luisenfhol wechselte.
lm vergongenen.Johr wurde dem in der lnnenstodt wohnhoften Lisdorfer Erich Seidel dos Bundesverdienst-
kreuz verliehen. Vor kurzem volendele er sein 75. Lebensjohr Beides wor für uns Veronlossuns, den Men-
schen Erich Seidel zu würdigen und ihn mit dem Beilrog ,,Die Zeii, ein kosibores cut" über seine Kindheit
und lugend in Lisdorf L.:nd seinen Kriegseinsotz o s 16jöhriger ouch selbst zu Wod kommen zu ossen.
ln einem Beitrog beschöftigi sich Wolfgong Mong mif der Seidenroupenzucht in Lisdorf, die ersrmols von pforrer
Honsen in den iohren 1832 bis 1838 zu Lehr- r,;nd Versuchszwecken in Lisdorf betrieben wurde lnd donn
rund 100 Johre spöler von Lehrer Emi Weiten in der Lisdoder Schule wieder demonsiriert wurde. Beide Ver,
suche holten keinen nochholtigen Er{olg. Sowohl der Wegzug von Pfoner Honsen noch Othaeiler ols ouch
die Versetzung von Lehrer Weiten bedeutele ieweils dos Aus {ür die Lisdorfer Seidenroupenzucht.
Der Heimoilorscher Hons Löw ous Schoffhousen sleuerte für diese Ausgobe einen hochinteressonten Ariikel
über den ous Lisdorf siornmenden Wodgosser Abt Petrus Schmidt bei. Donoch ist Abl Schmidt, wos vielen nicht
bekonni ist, om 29.12-1783 im Ater von 45 .lohren eines gewolisomen Todes gesiorben. Vermutlich wurde
er von einem oder mehreren Kloslerongehörigen ermordet. Dieser Foll belegt, doss es hinter den Klostermou-
ern nicht imrner {riedlich zuging.
Ein Bilddokument ous dem lohre 1900 über die Aufnohme eines Peter Groß (Onkel von Aqnes u. Heiner Groß)
in den Verein der heiligen Kindheil und ein von Frou Agnes Morguei"Denis zur Verfügung gestelltes Foto ous
dem Johre
,I935
veronlossten Agnes Groß der Froge nochzugehen, wos ous dieser re igiösen Orgonisofion
geworden ist. Auf den Seilen I6 und I 7 können Sie ihren Beitrog esen.
Im Mittelteil finden Sie eine von Georg Groß zusommengestellie Auswohl von Bildern von,,Lisdorf - oles im
grünen Bereich" om 4. Moi, die überwiegend von Gerhord Grosmück ous Lisdorf oufgenommen wurden.
lm Schlussteil finden Sie Berichte und ollerlei Bilder über die Fohrlen mii dem Heimotkundeverein Lisdorl seine
erf reuliche Mitgliederentwicklung und dos weitere Vereinsgeschehen.
lch hoffe, doss Sie ous dieser Poleue von unlerschiedlichen Text- und Bildbeitrögen ehaos lnteressontes für sich
enidecken und sich dorüber freLren, genouso wie wir uns über neues hisiorisches Texf- und Bildmoteriol lreu-
en. Wir sind weiterhin on ollen Bildern, Urkunden und Korten zur Vervollslöndigung unserer Archive interes-
siert. Bei uns isi in iedem Fol e gewöhrleistef, doss die historischen Zeitdokumente den nochwochsenden Ge-
nerolionen erhollen bleiben.
ln den nächslen Ausgoben werden wir uns den okiuellen heimoikundlichen Geschehnissen etwos mehr wid-
men. Dozu zdhli ouch die von dem Lisdorfer Londtogsobgeordneten Georg Jungmonn initiiede und von Her-
berl Germonn großortig orgonisierie Veronsioltung ,,Lisdorf - olles im grünen Bereich" om 4. Moi mit lon-
desweiier Resononz. Diese Gemeinschoftsveronslollung hot eindrucksvoll gezeigt, wos olles erreicht werden
konn, wenn ole on einem Slrong ziehen.
lhr Heiner Groß
Vorsitzender des Vereins für Heimolkunde Lisdorf e,V
Josef Rupp
Die schrecklichen Auswirkungen derverheerenden
Schlogwetter- r.:nd Kohlensioub-Explosion in Lui-
senthol hotJosef Rupp einige Siunden noch der Ko-
tostrophe ols Hilfswilliger ebenfolls vor Ort erlebt. Er
slühte sich oei dieser Bericlrlerslo'iur-g oulseina e,-
genen Erlebnisse und Erinnerungen sowie oufAus'
künfte von mehreren unmittelbor beteiligten ehemo-
ligen Bergleuten, denen er für ihre bereitwilligen
Bild-, Wort und Schrifibeitrcige healich donkt. Auch
die Redohion donkt diesen und Josef Rupp für die-
sen Bericht, der wieder einmolzeigt, wie gelohrvoll
der Beruf des Bergmonns isi. Die herongezogenen
schriltlichen Dorslellungen sind im Quellenver-
zeichnis om Schluss des Artikels oufgeführl.
Lossen wir nr.:nJosef Rupp berichfen:
Der schreckliche 2. Weltkrieg wor zu Ende. Über-
oll im Londe hotte dieser Wohnsinn seine Spuren
hinterlossen. ln diesem totolen Zusommenbruch
versuchien wir, eine Arbeitsslelle zu finden oder ols
Lehriunge unlerzukommen. Die Gruben der Soor
- gonz in unserer Nöhe - woren ;n iener Zeit ein
verlockendes Angebot für uns. Ein hohes Einkom-
men wurde in Auss;cht gestellt und dorüber hinous
gob es zusötzliche Lebensmihel und Zigoreiten, die
mon donn gegen olle onderen Bedorfsgüter ein-
louschen konnfe.
Als domols 14iöhriger be-
gonn ich mit vielen gleicholt-
rigen Lisdorfern, u.o. Rein-
hold Scholly, Woller und Willi
Krier, Peler Schmiit, Wolter
Denis, Arthur Stein, Willi
Jenol, Edmund Weber, Hons
und Gerhord Destruelle, Hel-
mr,;f Klein, Felix Görgen, Ed-
gor Rissler und Josef Görgen
meine erste Schicht ouf der
Grube Griesborn.
lm Rohmen unserer Ausbil-
dung durchliefen wir mehre-
re Abteilungen, bis wir donn
,,noch Unterfoge" zut
Schochtonloge,,Duhomel" in
Ensdorf verlegt wurden. Dori
trofen wir oul weitere Lisdor-
Uor 55 und 4l lahrcn gesonan Schrccfiliches:
llie Gru[enung!üclouon tnsfloü unü lülsentnal
Aus An loss des 41.
Johresloges des
schwerslen Grubenun-
glücks im soor,
löndischen Bergbou,
dem om 7. Febrt:or
I 962 in der Grube
Luisenihol 299 Berg"
leute zum Opfer fielen,
dorunler viele ous der
Stodt Soorlouis ein-
schließlich sieben Lis-
dorfer und einer gonzen Reihe ous Ensdo#, hoben
wir unser Vorsiondsmitglied im Heimotkundeverein
Lisdorf, Josef Rupp, gebeten, dorüber und ouch
über dos schwere Unglück om 23. Dezember
I948 in der Grube Dohomel in Ensdorl zu berich-
ien. ln Ensdorf woren domols 20 Opfer zu beklo-
gen, dorunier der 17-iöhrige Lisdorler Edmund
Weber, dessen Hilfsbereitschoft ihn dos Leben ge'
kostel hol und der ols,,Held von Ensdor{" in die
Bergbougeschichte eingegongen ist.
Josef Rupp wor domols Berglehrling ouf der Gru-
be in Ensdorf und zur Unglückszeit ,,ouf Uniertoge-
schichf'. Glücklicherweise wor er nichi unmiHelbor
vom Unglück betroffen.
Klossenlolo meines Ausbildunssiohrsonses mil: Lehrer Pufl (links), 2. Reihe: 3. v. 1.:
Reinhold Scholly, 5. v .: Josef Rupp, 7. v. l.: Willl lenol, Lehrer Eberhord (rechis).
4
fer Bergleute, die diesen Beruf schon lönger ous-
übten. Noch dreilöhriger Lehrzeil legien wir die
Knoppenprüfung ob.
Bei unserem löglichen Fußmorsch zur Arbeitsslel-
le und zurück hollen wir uns stels viel zu erzählen
und woren immer zu Spößen oufgelegt. So kom es
schon mol vor, doss wir bummelien und die Zeit
zur Seilfohrt knopp wurde. Donn hieß es für uns,
eine Abkürzung durch die LisdorJer Au zu nehmen.
oder neben einem mil Noturolien gefüllten Brot-
beutel ouch noch ein volles Essgeschirr, dos obli-
gotorische ,Mufterklitzie" mii dobei hotten, gob
es Probleme, weil wir donn nur eine Hond zum
Festholten frei hof1en. Dos ging nicht immer gut
ous. Fosl hotlen wir einmol dos rettende U{er der
Lisdorler Au erreichf, ols Wolters mit Zigoretten ge-
fülher Broibeutel in die Soor fiel und Richiung
Verzinkerei in Froulouiern dovon schwomm. Auf
unsere,^/utlerkrölze" konnlen wir verzichien,
nicht ober oul die Zigorelten. Schnellstens hechel-
ten wir über die Leitung, entledigien uns unserer
Kleidung und schon krouhe Woher siilvoll seinem
Depulol noch und erreichle ihn noch, ehe er un-
terging. Einige Beobochier wunderlen sich über
diese frühsommerlichen Bodef reunde.
Vor unserer töglichen Grubeneinfohrl nohmen wir
unsere Lompen in Empfong und trofen uns on-
schließend im Zechensool zum stillen Gebei. Noch
Nomensverlesung mit Einirog im Schichtenbuch
fuhren wir ein.
Das UnslüG[ uom 23. [crGm[e]1948
in dcr GflrlG lluhamcl in Eßdoil
lch orbeitete domoJs in der Vorrichtungsobfeilung
unier Abteilungssieiger Wohlwiener; mein Drittel-
führer wor der Lehrhouer Poulus ous Nolboch. Es
wor gegen I8.30 Uhr, ols wir vom Lokführer die
Ds Büd!turbß lv@ ür aiiE.
!.!.- .t, b, ro ,! !arL*'4
't.,-.
Direkl vor der Schochionloge wor eine ehemolige
Ol-Versorgungsleiiung über die Soor gesponnt, die
noch von den lnvosionsfruppen her slommle. Mii
den Füßen ouf der co. 20 cm dicken Leitung und
die Hönde om T.ogseil scnofften wi. die Überque-
rung der Soor Wenn wir iedoch Wechselwösche
REcIE
Schichtbeginn. Die Bergleuie werden vom Sieiger verlesen hier im Zechensoolom Neyscho cht der Gru be Ensdorf.
Nochrichl erhie len, soforl ouszufohren, do im vor-
getriebenen,,Ami-Sireb" ein Brond ousgebrochen
sei. Poulus, ein erfohrener öllerer Bergmonn, wor
sich der Gefohr sofori bewussl und ermohnle uns
eindringlich, die Arbeitsste le soforf zu verlossen.
Wir 17l18 iöhrigen woren ziem ich unbesorgt, so
kurz vor dem Heiligen Abend des.lohres 1948,
und zeigten keine große Eile. Zwei meiner domo,
igen Berufskollegen ous Lisdorf, Wolter Denis und
Edmund Weber, woren im direkien Bereich im
,,Ami-Stoß" beschdftigi. Hier komen die neueslen
und modernsfen Abboumoschinen zum Einsolz.
Do on diesem 23. Dezember der zustöndige Kol-
lege für die Kohlenverlodestelle fehlie, meldete sich
Wol'er Deris {reiwillig o.s E so-7. Schon immer
holte er sich gewünschi, diesen interessonten und
vielseitigen Arbeitsoblouf einmol sleuern zu dürfen.
Dozu bedurlte es großer Umsicht und Konzentro-
tion, domii om Schichtende die geförderie Kohlen-
menge ouch der iöglichen Vorgobe enisproch.
Wolter Denis sogle mir spöier: ,,Diesem Arbeits-
plofzwechsel verdonke ich mein Leben."
Um l8 Uhr wurde ich om Ver ode-Übergong on-
gerufen und gefrogt, woher die Rouchschwoden
kommen, die durch den Streb hochziehen- Um die
Ursoche klören zu können, ief ich co. 40 m weit
bis zur nächsfen Querverbindung. Dori stond ich
vor einer beißenden Rouchwolke, die sich in Rich-
lung meiner orbeilenden Komeroden forlbewegte.
lch lief sofort zurück zum Telefon und meldeie der
Konzlei des Obersleigers Schild, doss der Trons-
formolorenslond den Streb in Brond geselzi hobe.
Aul dem immer noch loufenden Förderbond logen
inzwischen keine Kohlen mehc Trotzdem ließen
mein Kollege Kreinemonn und ich dos Bond wei-
terlor.:fen in der Hoffnung, doss es möglicherwei-
se den Kollegen ols Retiungsmöglichkeit dienen
könnie, indem sie domit gegen die Weiterrichiung
den Sireb ver ießen.
Spdter zeigie sich den Reftungsmonnschofien, zu
denen ouch Hons Linsler ous Lisdorf gehörte, doss
olle Kol egen versuchl ho en, mit der Wetter-
richtung zu fliehen. Dodurch woren sie ober den
giitigen, kohlenoxydholtigen Rouchschwoden ous-
geliefert. Einer noch dem onderen broch zusom-
men oder blieb vor der retlenden Weltertüre lie-
gen, do er nicht mehr die Krofl hotle, sie zu öffnen.
Gegen 20 Uhr wor losi die gesomte Belegschoft
ousgefohren. Am Schocht trofen weitere Reflungs-
6
monnschoflen ein. Auch Minisierprcisident Johon-
nes Hoffmonn und weilere Min;sler woren gekom-
men. lnzwischen hotte ouch die Bevölkerung von
dem Unglück erfohren und Angehörige wollten in-
formierl werden.
lch selbsi mochte mich ouf den Heimweg und be-
gob mich zundchsi in dos Vereinslokol ,,Bürger-
hof", wo der Hondbo lverein 5C Soorgold Lisdorf
iogte. Als ich über dos Geschehen informierte, be-
endeie der Versommlungsleiter Johonn Pori so-
gleich die Versommlung, um sich on den Un-
glücksod zu begeben. Spöter berichlele er donn
ouf seine Arl von Mensch zu Mensch über die Ge-
schehen in unserer Soorheimol.
Unter den 20 Todesopfern befond sich ouch der
Jungbergmonn Edmund Weber ous Lisdorf. lm
Einsotz für seine bedröngien Komeroden ließ er
sein Leben im Aller von l7 lohren. Er wurde öf-
fenilich belobigt und bleibi der unvergessene
,,Held von Duhomel".
Der Bürgermeisler von Soor ouis, P 81och, schrieb
om 29. Dezember '1948:
,,Sehr seehne Farr,ilie Weber-Bostionl
,ln treuet Pflichterlüllung hoben om Vorobend des
We;hnochtsfesies 20 bßve Bergleüte bei dem trogi-
sc/ren Ung/ück ouf Grube Duhomel ihr Leben geop
fert. lhr Sohn Edmund seha* auch zu diesen bedou-
erlichen Opfern, weil er in vorbildlicher komerod-
schoft/icher Gesinnung sich um die Wornung und Rei-
lung seiner Leidensgenossen bemühte. Für diese edle
Tot musste lhr Sohn sein iunges teben hergeben und
sind Sie gerode om Weihnochlsfesle in liefe hooer
veßetzt worden. Nochdem Sie bereits im vergonge-
nen Kriege einen Soh,] ve oren hoben, hot Sre dos
Schickso/ erneut heimgesuchl und den wesenllichen
Ernöhrer der Fonilie geroubt. Wie van moßgebender
Seile bereits fesigesiel/l worden ist bringt die gonze
8evö/kerung des Soor/ondes den vom Ung/ück heim-
gesuchlen Fomi/ien innige le;/nohme entgegen. lch
dorl lhnen nach zum Ausdruck bringen, doss die ge-
somte Einwohnerscholt der Stodt Soorlouis dos hor-
le Schicksol ihrer 5 lleißigen und ollseils geochteten
Opfer besonders berühri und insbesondere die HoI
tung /hres Sohnes ein besonderes Andenken sicherl.
Nomens der Slodfgemeinde Soorlouis und ouch in
meinem e;genen Nomen übetmifile ich lhnen dos fiel-
gefihhe Beileid und wünsche, doss es ,hnen ge/ingen
möge, ohne eigene gesundheitliche und seelische
Schöden dieses schwere Los zu ertrogen.
lch wei8, doss weder schöne Worle noch wirlschofl-
liche Hille ollein ,hren großen Schmerz beseitigen
können. Keinem Menschen ober isf es gegeben, dos
diesmo/ Geschehene wieder rückgöngig zu mochen,
und so holfe ich, doss die ollseitige Achtung vor /h'
rem lolen und dos Mitgefühlder Bevö/kerr:ng ein k/e!
ner Irost in ,hrer schweren loge sein möge.
,ch versichere lhnen, slets mit Rot und Iot zu Seite zu
gez. (9loch), Bürget meistet"
Dos Bloti der Gewerkschoflsjugend des Soorlon-
des widmete ihm mehrere Seilen und führte unter
5o stor6 Edmund Weberl
Edmund Weber orbeilele om 23. Dezember als
Bondreiniger im mechonisierlen omerikonischen
Äbboustreb in der Nöhe der Kommer 3. Gegen
18.20 Uhr wor er in den Stoß zu seinen Arbeitsko,
meroden gekommen ünd noch einigen Minuten
blieb die Schütte/rutsche sfehen. Diese stei/te s,ch
outomolisch ob, wenn dos Förderbond nicht mehr
in Bewegung wor So wor es, Webet eilfe zum Te-
lefon, um fesfzuslellen, worum dos Bond stond. ]m
gleichen Momenf erhielt er den Anruf, doss er die
Komeroden ous den Kommern 2 und 3 von ihrer
Arbeil rufen sollte, do im Bremsberg Rouchschwo-
den feslgesfe/it worden seien. Et liel nun in Kom-
mer 3, teite den Kome@den das Gehörte mit und
forderte sie ouf, ihre Arbeil zu verlossen.Van Kom-
mer 3 lief er noch Kommer 2 - dre Enlfernong zwi-
schen beiden Kommern befrögt 40 Meler - um
ouch diese zu benochrichtigen. Als er diesen Auf-
trog ousgelühd hofie, begob er sich noch nicht in
Sicherheil sondern er ste/ite fest, ob die Komero-
den der Kommer 3 seinem Ruf ge[olgf woren. Do
die Leufe der betreffenden Kommer g/oubten, die
Rouchschwoden seien noch übrig von ihrem kurze
Zeit vorher dürchgelühaen khießen, hoäen sie der
Wornung des ;ungen Weber nicht die notwendige
Beochlung enigegengebrochl und woren ouf ihrer
Arbeitsste/le geblieben. €r beschwor die Arbeiter
ous Kornmer 3, sich doch sch/eunigst /n Sicherheit
zu bringen. denn die Rouchschwoden würden sichf-
bor den Bremsberg hinoufziehen- Nun horchten die
Arbeiler det Kommer 3 oul und mochten sich doF
oufhin ei/igst oul den Weg, um sich in Sicherheil zu
bringen. Do Weber festste/ite, doß sich ouch die
Kommer 2 von seinem Mohnru{ nicht holle bein-
drucken lossen, lie{ er in seinem Pflichtbewußtsein
nochmols den Eerg hinon, um Kommer 2 mil dem
efieulen Mohnrul zu besfürmen. Dos lelzle Won,
dos die Überlebenden von ihm hörten, wor: ,,lch
muss doclr meinen Aultrog erlüllen." Von diesem
Gong kehde Edmund Weber nicht mehr lebend zu-
rück. Die Anstrengungen, die er schon durch sein
mehrmo/iges Hin- und Herloufen gemochte hotle,
woren derort, doß Edmund Weber durch die Rouch-
schwoden woh, noch hindurchkom, ober vor der
relfenden Wellerlür erschöpft liegen blieb und in
den Gosen erslickte.
5o gob Edmund Weber sein leben für seine Ärbeifs-
komeroden. Ein jugendlicher Eergmonn slor6 in
P{lichterlüllung. ln den Herzen oller wird er weiter-
leben.
Auch Woller Denis ous
Lisdorf wurde {ür sein
umsichtiges Verholien
om Unglücksort und die
prözise und rechtzeiiige
Weitergobe der Einsotz-
onweisungen in der
Obersteigerkonzlei be-
lobigi. Er holte mil do-
für gesorgt, doss söml-
liche Kohlenwogen un-
verzüglich weggeröumt
wurden und die Rei-
tungswehr somil ungehinded zum Einsoiz gelon'
gen konnle. Durch seinen Einsotz konnte mit oller
Wohrscheinlichkeit noch größeres Unglück verhin-
derl werden.
Ein weiterer Zeiizeuge, der dieses Unglück miterleb-
ie, wor der Houer Edmt:nd Rullong, ebenfolls ous
Lisdorf, heute in der lnnenslodt lebend. Schon 1946
fuhr er ouf Duhomel ein, um donn spöter die Berg-
schu e zu obsolv eren urd ols Steiger tö'ig zu sein.
Bei der Koiostrophe vom23.12.1948 konnten sich
donk seiner rechtzeitigen Wornung I I Komeroden
retien- l95l ging Rullong noch Jögersfreude und
schied 1955 bei den Soorgruben ous. Donoch wur-
de er o1s Bergrevierinspektor in den Diensl der Berg-
hoheilsverwollung des Soorlondes übernommen.
Woller Denis
Hier blieb er bis zu seiner
Pensionierung und
schied ols Bergrevier-
Oberomlsrot ous. Es gibt
sicherlich nur wenige
Bergler.:le, die über eine
solche Fülle von Wissen,
Erinnerungssiücken und
Sommelobiekien verfü-
gen und sich mit dem
Beruf des Bergmonns
oLrch heule noch so ver-
bunden {ühlen wie Edmund Rullong.
Der Chef der domoligen Bergwerksgruppe Wesi.
Monsieur R. Rougel, ließ Rullong einige Wochen
noch dem Unglück zu sich kommen. Noch Zeu-
genoussogen hotte Rullong sich etwo 40 Minulen
in der Gefohrenzone ouigeholien und vorbildlich
reogiert. M. Ror"rget wörilich: ,,Normoierweise kdnn-
len Sie nichi mehr om Leben sein. Es ist e;n Wunder,
doss Sie iebend herousgekommen sind, nochdem Sie
zunöchst mit Schießmeisier Iilmont einen Erkund-
ungsgong noch unlen unlernohmen und donn noch
zwei Mdlin die Teilstecke 2 hineingelou{en sind, un
die Komeroden zu wornen. Bedouer/ich ist, doss die
Houer Glodel und Holfnonn zun geldhlichslen Zeit-
punk /hnen nicht sofotl lolglen und durch den Zeit-
verzug Glodel 120 n und Hotlmonn 190 m vor det
Weftertüre liegen b,;eben."
M. Rouget sproah seinen Donk ous für diesen Ein-
sotz und beglückwünschte Rullong zu d;eser
Reilungslol.
Der domolige Leiier des Relerotes Bergbou im
Wirtschoftministerium, Berghouptmonn Mothios
Lonsdorler (ous Lisdorl siommend), bot Anfong
1950 den Elektriker Womsboch und Rullong zu
sich. Er teilte ihnen mit, doss sie oufgrund ;hres
vorbildlichen Verholtens und der kloren Zeugen-
oussogen ols Houplzeugen für den Prozess vorge-
sehen seien. Er belobigte beide ftlr ihr vorbildliches
Verholten und beglückwünschte sie-
Hons Linsler ous Lisdorf gehörte 1948 zur domoli-
gen Grubenwehr-Refl ungstruppe. Deren Aufgobe
bestond dorin, noch wöhrend des Brondes einzu-
fohren und sich zum Unglücksori zu begeben lrotz
Gos-, Feuer- und Explosionsgefohr. Mit dem schwe-
ren Souersiof{-Tröger-Retiungsgeröt ou{ dem Rücken
golt es, Verleklen zu hel{en, Toie zu bergen und den
Brond einzudömmen. Dies olles bei großer Hitze
und beißendem Quolm. Sie wurden iedoch von
dem Gedonken getrieben: dorlworlen Komeroden
ouf Hilfe. Dieser Einsotz erslreche sich über meh-
8
rere Toge. Am 3. Mörz
1949 wurde Hons Linsler
und seine Komeorden
von der Grubenwehr für
ihren muligen Einsok ge-
donki mit den Wo.ien:
,,lch hobe die Ehre,lhnen
lüt lhten muligen, uner
schrockenen undse/6st'lo-
sen unermüdiichen Ein-
sotz ols Gtubenwehr-
monn onlösslich der Grubenbrondkoiostrophe
DUHAMEL on 23.12.1918 und den folgenden To-
gen zu grotulieren.
Die Direktion des Sfeinl<ohlenbergwerks Ensdorl /
Viktotio lnd die gesomte R6gie des Mines de io
Sorre sprechen lhnen hiermit ihren gonz besonderen
Donk ous."
Gedicht von Albetl Korn
Den Hel{ern und Reliern
Sie seizten sich ein bis zum lelzlen Monn,
die Knoppen ous wetlem zu rcllen,
sie sponnlen die öußersten Krölle on,
die Wunden und Toten zu bellen.
Sie ochteten nmmet de! slüeenden Wond,
der giftigen Gose und 8rönde,
sie suchlen die fiebernde Bruderhond,
im Serge ihr Beisiond 2u spenden.
Den Reftern sei Ehre und Donk gebrochl -
Wir k6nnen nicht ol/e sie melden:
Die Mdnner im Kompf m;t der grousigen Mocht,
die Ungenonnlen, die Helden.
Bei den Soorbergwerken ergoben sich Skukiurver-
önderungen. Neue Kohlevorkommen wurden im
Bereich der Grube Luisenlholerschlossen. Der Ener-
giemorkl bevorzugte die dortige leicht brennbore
tettkohle. Viele Belegschoftsmitglieder der Grube
Ensdorfwurden desholb noch Luisenthol verlegt. Mit
wenigen Ausnohmen komen fost olle Lisdorfer Berg-
Leute noch Luisenthol. Einige Arbeilskollegen fonden
eine neue Arbeitsslelle beim Krofiwerk Fenne.
Weger des lörgeren Anfohrtsweges ho'te'l wir uns
olle Fohrröder ongeschofft. Von Lisdorf und ouch
ous dem weileren lJmfeld, sogor ous lttersdorJ,
{uhren die Bergleute mil dem Fohrrod zum Ens-
dor{er Bohnhol. Dod wu.den die Röder in einem
,,Fohrrodschuppen" der Fomilien Osbild r-rnd lo-
kob-Hofl in der Neuslroße i I und l3 gegen ein
geringes Enlgelt in Obhut gegeben. Von Ensdorf
ging es donn mit dem Zug noch Luisenlhol.
Edmund RulLons Hons Linsler
Nochruf
Dar 23. Dezcmber 1948 wird ia der Geschichtc der Soorgrubcn nur mh
sdrmcrzliöen Empfindungcn crwöhnl wcrdcn lönnon. An dicsem Togr
rind durch dos Unglüd« ouf Grubc Duhomcl. §chwolbodrer Flö2,
20 Mitqrbeilcr von uqs ge*hicden:
Altmeyer l, Alfred Ensdorf
Becker 13, Jakob Ensdorf
Gladel, Viktor Wallerfangen
Hoffmann,Rudolf Reisbach
Jenal, Heinrich Ensdorf
. Jungmann, Johann
Jensen, Viktor
Saarwellingen
Saarwellingen
Keller, Robert Hülzweiler
Lenz, Alois Saarwellingen
Lehnert, Viktor Nalbach
Lehnert, Nikl. Beaumarais
. Mahler, Simon Fraulautern
Ney, Ernst Saarlouis
Puhl, Otto Ensdorf
Schütz2,Johann Nalbach
Schmitt, Friedr. Hülzweiler
Scholly, Vinzenz Fraulautern
Tilmont,Hermann Felsberg
Weber, Edmund Lisdorf
Weiler, Jakob Ensdorf
Mit den Hinterbliebenen, den Wilwen und Woiscn, don Eltern und Go.
schwislern slehen wir in tiefer Ergriffenheit und Trouer vor dcn Oplern
des Bcrgmonnsberufes.
Wir werdcn ihrer immer gcdenkcn.
REGIE DES MINES DE LA SARRE
8o boi n, Gencroldiroktor
U0r4llahren: llas llramauon luiscmhal mil299 0fferu
ln Luisenthol musslen wir uns mit einer neuen Ab-
boutechni( verrout mochen. Es wor Iur uns e'ne
große Umstellung, die durch die niedrige Sireb-
höhe von nur knopp einem Meler sehr erschwert
wurde und viele Kreuzschmerzen verr.:rsochh. Der
fettholiige Stoub dieser Kohle konnte noch Schich-
tende nur mii viel Mühe obgewoschen werden. Ein
weiious grö0eres Problem bestond jedoch in der
großen Explosionsgelohr. Trolz hoher Sicherheits-
moßnohmen gob es immer wieder Explosionen.
So ouch in erschreckendem Moße on diesem ver-
höngnisvollen Tog, dem
T.Februor 1962
An diesem Tog vor 41 Johren verloren ouf der Gru-
be Luisenlhol bei dem größten Grubenunglück im
soorltindischen Bergbou 299 Berg eute ihr Leben.
tin Lisdorfer Bergmonn erinnert sich:,.Es wor ge-
gen 7.45 Uhr, kurz noch Beginn der Frühschicht.
/ch befond mich noch in einem Arbeifsbüro ü6er
Tage. Plöhlich höne ich eine storke Detonotion, die
ich nichl solort einotdnen konnle. Ein Blick ous dem
Fensler :eigte nichts Ungewöhnliches. Plötzlich
stieg in einiger Entlernung leichter schworzer Rouch
ous dem Schocht/och. Eine dump{e Ahnung be-
sch/ich mich und Fossungslosigkeit überkom mich,
ols sich die Ahnung beslötigre. Spdter wurde mir
die menschliche Ohnmochl gegenüber der Notur-
gewoil bewussl und ich erschouerte vor dem Aus,
moß dieses Unglücks."
Sofort noch Eingong der ersien Meldungen wurde
der Alorm für die Houpirettungsstelle in Friedrichs-
thol or-:sgelöst. Als sich donn ober dos Ausmoß
dieser Explosion obzuzeichnen begonn, wurden
sömtliche Grubenwehren der onderen Soorgruben
ongefordert. SchlieBlich woren 28 Retiungslrupps
om Einsotzort, die sich bis zum nöchsien Tog ouf
50 Trupps erhöhten.
Auch ondere Hilfsmoßnohmen wurden gehoffen.
Do die Berichterstoftung des Rundfunks zunöchsl
ziemlich zurückholtend wor, fuhr ich noch Luisen-
ihol, um mitzuhelfen. Am Einsoizort ongekom-
men erkonnte ich iedoch sogleich, doss die Loge
sehr ernsl wor und meine Hilfe eher unongemes-
sen wor. Noch koflet Zeit mochte ich mich oLrl
den Heimweg, in Gedonken bei den Verunglück-
len, mit denen ich zum Teil 5 Johre long zusom-
t0
mengeorbeitel hotte. Mit Wolter Krier, Reinhold
Scholly ur-d Arthur Stein hotte ich sogor meine
Schulzeii verbrocht.
7 . Februor 1962:
Der schwörzeste Tog im Soor-Bergbou
Sie vetbtonnlen, ersfickfen, wurden erschiogen
oder von Exp/osionen zenissen, die 299 Eergleufe,
die om Morgen des 7. Februor 1962 im Alsboch-
Ield der Gru6e Lursenthol dem schwersten Unglück
im soorlöndischen Bergbou zum Opler fielen. Die
meislen Opfer woren ouf der Sfe//e tot. Gegen
7.50 Uhr kom es zu einer so genonnlen Sch/ogwe!
ler-Explosion, nochdem eine Melhongos-B/ose on-
gebohi worden wor. Diese Schlogwefter,Explosion
wuchs sich in eine verheerende Kohlensloub-Exp/o-
sion ous - eine kogische Verl<ettung unglücklicher
Umstönde. Nur knopp drei Dutzend von über 400
Sergleulen in den Strecken konnten sich selber rel-
len, Grubenwehren holten übet 60 Mönnet herous.
Ioge/ong sorgte,,Luisenfhol" fü die Schlogzeilen
in den deutschen Medien. Die gonze Repub/ik trou-
ene mit den Völklihgern, ous oller Weh trolen Bei-
/erds-Ie/egromme und Spenden für Hinterbliebene
ein. Die Fostnochi im Soorlond fiel nohezu ous und
viele Eergleute woren so geschocll doss sre nie
meht unler Toge fuhren oder in ondere Eerule
wechsellen. SZ 7,2,2OO2
Am Unglücksorl ,,Über. Toge" woren noch onde-
re Lisdorfer onwesend. so or.rch unser domoliger
Posior Alois Löw (sein Bruder wor domols Unfoll-
steiger ou{ der Grube Ensdorf) r..,nd Hons Lins er
ous der Großshoße 85. Als longjAhriges Mitglied
der Grubenwehr wollte er kolz seines ongeschlo-
genen Gesundheiiszustondes unbedinglzum Ein,
solz in den Schochi einfohren. Dies wurde ihm
ober verwehrf. Hons Linsler holf donn über Toge
mit bei der Versorgung der Verlelzten und Ber-
gung der To1en. Unler den Opfern erkonnte er
seinen Schwoger Rudi Hofner, und so erhie len die
Angehörigen noch in der gleichen Nocht die To-
desnochricht.
Dieses schreckiiche Unglück hotie ouch bei Hons
Linsler Spuren hinterlossen. Trotzdem wollte er wei-
lerhin Menschen in Not helfen und wor noch ioh-
relong bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsoiz,
zu elzf ols Oberbrondmeisier und Chef des
Löschbezirks Lisdo*.
Von den insgesoml 968 Mdnner der Frühschicht,
die om 7. Februor in die Grube eingefohren wo-
ren, konnten olle Bergleute ous dem Südfeld, dos
von der Explosion nicht beirolfen wor, und ein Teil
der 664 Monn im Alsbochfeld unverletzl ousfoh,
ren. Von den Retiungsmonnschoffen wurden 87
Verlelzie geborgen und in soorlöndischen Kron-
kenhöusern versorgt; drei Schwerverlelzle wurden
om 8. Februor in eine Spezio klinik noch Ludwigs,
hofen geflogen.
Dos Ausmoß ond die Schwere des Unglücks zeich-
neien sich immer deullicher ob, ols om 7. Feburor
noch I2.30 Uhr keine Lebenden mehr in dos Not-
lozoretl gebrochl wurden. Der Soorbergbou be-
klogi den Tod von 299 Bergleuten.
Unmittelbor noch dem furchtboren Unglück go i
es, die Fomilien der lot geborgenen BergLeule zu
benochrichtigen. Diese trourige ff icht wurde noch
om gleichen Tog von den Fürsorgerinnen der Gru-
be in Beg eitung von Belriebsbeomlen und Be-
triebsrolsmiigliedern übernommen. Am Toge dor-
ouf, dem 8. Februor, wurden 227 weilere Berg-
monnsfomilien von oberen Bergbeomlen besuchf,
die ihr Miigefühl oussprochen und Hilfe onboten.
Die Soorbergwerke AG mussie noch dem Unglück
festslellen:,,Mit den schwergeprüften Angehörigen
beklogen wir mil lielet Erschüllerung den Iod von
299 Bergleuten, die mitten ous ih:ner A$eit idh hin-
weggerollt wurden-"
Eine Welle der Hilfsbereitschoft und Fürsorge liel
on und suchie sich ihren Weg- Die sprichwöriliche
Verbundenheil der Kumpels zeigte sich in hohem
Moße. Den Anfong mochien die Bergleute se bst
mii ihren Bergmonnsvereinen. Vie e Ge dspenden
gingen ein. Hier zeigte sich die über lohrzehnte
gewochsene Solidoriiöt der Bergleute, die ihren
Ursprung in den bereits 1855 gegründeten St.-
Borboro-Bruderschofien f indet.
Es wor Pforrer J. A. l. Honsen, der noch seiner Ver
selzung von Lisdorf noch Ottweiler wegen der do-
moligen schlechien soziolen Verhcilinisse die,,l. Bru-
derschoft 5t. Borboro" on der Soor gründete - eine
segensreiche Vereinigung, w:e sich spöier zeigie.
ln den Togen des Unglücks, der Nol und Trouer
kom ouch Hilfe von der Bundesregierung, der Ho-
hen Behörde, den Löndern und Gemeinden in
Form von Sofortprogrommen. Auch ondere Verei-
ne und lnsiilulionen zeigten ihre Verbundenheit
durch Spenden. Selbst ous dem Auslond wurde
Hilfe ongebolen. Die Bundespost gob ersimols eine
Jugendmorkenserie herous, deren Erlöse ous den
Zuschlögen den Kindern der Bergwerksopfer zugu-
te komen. Für die Hinierbliebenen der Opfer wur-
den 200 Ferienoufentholte gespendet. Nichi zu
übersehen sind die kleinen und ofl unter persönli-
chen Opfern gebrochlen Spenden von Renfnern.
Schier endlos schien der Slrom der wohliuenden
Anlei nohme und Hilfe. Aus oller Welt gingen Bei-
leidslelegromme ein, so von Prösideni Kennedy,
Stootsprösident De Goulle, Königin Elisobeth, Kö-
nig Boudoin, Königin Julione, König Olof. Popsl
Johonnes XXlll beouftrogfe den Aposlolischen Nun-
tius, den betroffenen Fomilien seine iiefe Anteilnoh-
me ouszusprechen.
ln Leid und Not zeigi sich dos Zusommengehörig-
keiisgefühl om störksten. Um ollen Spendern wie
ouch den BekofJenen gerecht zu werden, wurde
bei der Stootskonzlei eine Berotungssielle einge-
richiei, die donn mit Einverslöndnis oller Betrofle-
nen in die,,Siiftung Bergmonnshilfe Luisenfhol"
omgewondelt wurde. Den Vorsitz übernohm Mini-
sterprösident Dr. Röder.
Die Soorbrücker Londeszeilung fossfe den Aus-
druck der gesomlen Hilfeleistung in folgendem
Solz zusommen: ,,Wenn es einen lrosl in diesen von
Irouer gelränkten Togen gibt donn isi es d;e Sol;do-
ritöt, r:,il det die Menschen dieser Zeit on diesem
Geschehen leilnehmen."
Dos führende Heimoibloti, die Soorbrücker Zei-
tung, betonte ebenfo ls in ihrem LeitorJikel die gro-
ße Solidoritdi in der Zeii dieser Koloslrophe und
schreibi: ,,Den Hinlerbliebenen ober schulden wi
mehr o/s eine leilnohme, die sich in Woden und Ge-
fühlen öußert. 4i schulden ihnen e;ne fötige Hilfe.
Die Eerg/eute seibsi geben uns hier ein Berspiel: Sie
slehen unter loge in einer von selbstloser Komerod-
scholl gelrogenen Not- und Ge{ohrengeneinscho{|,
die ein Gesetz ihrer Arbeii isl. finer konn srch oufden
onderen verlossen. Dos hol dos lurchbore Gesche-
hen des geslrigen loges wieder bewiesen. Eine eben-
so lätige Komerodschoft muss uns nil den Opfern
der Kolosfrophe verbinden, d;e einen der schwdrze-
sien Toge des Soolondes J.ennzeichnet. Die Verlelz-
len und ouch die Hinterb/iebenen der vieien Todes-
opfer müssen wissen, doss sie sich in ihrer Not ouch
ouf unr or,'f die menschliche Gemeinschoff verlossen
können, in der wir im Sooland zusannen leben-"
Am Vormittog des 10. Februor wt;rden die Opfer
des Unglücks im Pork der Grube Luisenthol für die
Trouerfeier oufgebohrt. Neben den Sörgen slon-
den Bergleute ous ollen deulschen Bergboure-
T lisdofier musstcn
amr.fe[rua11962
AUTGru[G
luisGntnal
iftle[enlassen.
HoLrer A ois Mothleu,
Llsdorf, geb. 22.I0.I 9l B
Houer Wo ier Krier,
tisdorf, seb. 31.10.1930
Hcuer Reinho d Scho ly,
Lisdorf, geb. 27.1 l.l 930
Sleiger Rudoll Ho{ner,
seb. 19.11.1925
Houer Heinrich Conde,
Lisdorf, seb. 26.10.1 923
Houer Kurt Rejped,
Ensdo.f-Lisdorf,seb. 26.05. I 927
Ho!er Arrhur Sleln,
Beoumorois-Lisdorf,
geb 03.11.1930
12
i
{
Bergleuie ho len Ehrenwoche bei ihren toten Komeroden
vieren und hielten mit brennenden Grubenlompen
Ehrenwoche bei ihren toten Berufsko legen. Eine
FLl e vo 1 Krön7en beoeckte die Sörge, die von ei-
nem schlichlen Holzkreuz überrogt wurden.
Bundesprösideni Dr. Lübke kom mii e;nem Sonder
zug zur Trouerfeier noch Luisenthol. Aus ollen deut-
schen Bergbourevieren und ous Fronkreich woren
Bergknoppen in ihren Uniformen erschienen.
Durch den Dunst des Winlermorgens, der die bei-
den Fördertürme der Grube Luisenihol koum er-
kennen ließ, broch die Sonne hindurch. Neben
den Hinterbliebenen der 299 Opfer woren ouch
viele Menschen ous der Bevölkerung zur Trouerfei-
er erschienen, schölzungsweise 5.000 Menschen.
Der Bundesprösident hielt eine longe und er-
greifende Troueronsproche. Allen Leidtrogenden
sproch er die Anteilnohme des gesomien deul-
schen Volkes ous:
,,Vor uns stehen 299 Sörge mif den Tofen der furcht-
borslen Bergwerkskotoslrophe in der Geschichte
des soor/öndischen Eergbous. Unermess/ich ist die
Trouer und der Schmerz in den Häusern dieser
Siodi und ihrer Umgebung. Nur Gott weiß, wieviel
Irdnen hier gef/ossen sind. Es giit Abschiednehmen
on den Grobern, dosWissen um die Unmög/ichkeit
eines irdischen Wiedersehens; vergeblich worlen zu
müssen, wenn die onderen von der Schichi zurück-
kehren; den Frouen und Mültern und 363 Kindern
sogen zu müssen, doss ifir Monn und Votet nie
mehr noch House kommf."
Dr Lübke donkie in dieser Slunde ollen Rellungs-
monnschofien der Gruben und des Rolen Kreuzes,
den omerikonischen und deuischen Soldoten für
ihren oufopferungsvollen und oft on die Grenzen
der physischen Krofl reichenden Einsotz bei der
Bergung der Opfer. Monchem Verlelzlen konnle
dodurch dos Leben gerettel werden.
Stellvertretend für die vielen ungenonnten Helfer,
die sich noch dem schweren Unglück zur Verfü-
gung gesiellt hotien, wurden om
,l8.
August eine
Bereitschoftsführerin und sieben Helferinnen des
Deulschen Roten Kreuzes in einer besonderen Fei-
erstunde geehrl. Sie hotlen Verletzte versorgt und
die toten Bergleufe, deren Leichen völlig ge-
schwörzl woren, gewoschen, um so die ldeniifizie-
rung zu er eichlern.
Auf Anregung des Bergmonnsvereins ,,Si. Borbo-
ro" Lisdorf goben om 25. November
,]962
der
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F
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.l >l
i;^rl
-A.:l^ü
Soorknoppenchor und die Bergkopelle Jögers,
freude im Soole Breininger in Lisdorf ein Wohl-
lötigkeitskonzert. Der Erlös dieser Veronsloltung
wor für die Ausgestoltung der Grobstötte der iöd-
lich verunglückien Bergleute ous Lisdorf bestimml.
Quellennochweis:
Schocht und Heim 8. Johrgong I962
Heimotkundliches lohrbuch des Kreises Soaiou;s I 961 -63,
Zeitschrift
"Die
Arbeit"
rechts: Ehrung von Hellerinnen des DRK
14
rr§j-: {
Bundesprösident Heinrich Lübke sproch den Leidtrogenden die Anteilnohme des gonzen deuischen
s a
--€-ffi
Ehrenmof ouf dem Friedhof in Lisdorf uum Gedenken on die 299 Toten der Grubenkotostrophe om 7.2.1962 in
luisenlhol und insbesondere die Lisdorfer Opfer
Nqchruf
Mitglieder und werden ihnen ein ehrendes AndenkenWir lrouern um unsere verstorbenen
bewo h ren.
Rudolf Germonn
Johonn Morguel
Herlo Herrmonn - Frilz
Heinrich Luxenburger
Alfred Schwind
lokob Noumonn
Emmq Welsch - Klein
Lutwin Otto
Roso Port - Morguet
. t2.08.r9r9
-'t 1.05. r 91 9
. 03.02. r 9r I
- 16.12.'t921
. 24.O2.1920
- 17.10.t923
- 12.11.193t
. 27.O1.1914
* 17.o9.1916
t 0r.02.2002
t 31.03.2002
t 2s.04.2002
t r 8.05.2002
t 12.06.2002
t 06. r 0.2002
t r 5.1 1 .2002
I 07.O2.2003
t 04.05.2003
Verein für Heimotkunde Lisdorf e.V
'15
uGrcin dfi nGiligen ffinühelt lGsu 0üG1 l(inüheit-lesrueteln
eine länust uer0essGnG ]GllglösG ffilß0lganisationf
-a r .'
""
-,1,,'' f,.2t.1tr/.r
,,,",. i . (d,',-r..ir,.,. '::,:..r,,.! .
r':.i t,. . /
Bilddokument ste lte Asnes Groß zur Ve*üguns
Zeugnis vom
,I6.
Jonuor 1900 über die Aufnohme von Peier Groß (geb. 1895, gefollen 1917 im 1.
Weltkrieg) in den Verein der hl. Kindheit in Lisdorf. Dos Motiv ist typisch für die Zeit vor I00 .lohren; dos
Originol ist in Forbe.
16
Sommlerinnen des Kindheii lesu Verein Usdod im lohre 1935 mit Koplon Künster (miite) und
Anno Sienger (link$ und Anno Klein (rechts). Foto stellie Asnes Morsuet-Denis zur Verfüsune.
Wos ist ous ihm geworden
- dem
Kind heitJesu-Verein ?
Viele öliere Leser erinnern sich besiimmt doron,
doss sie ols Kinder dem Kindheil-lesu-Verein on-
gehört hotten. Noch dem obgedruckten Bild ouf
der linken Seite bestond der Kindheit Jesu Verein
in Lisdorf bereils im Johre 1900. Domols nonnte
er sich ,,Verein der hl. Kindheit lesu". lhm gehar-
ten fost olle kotholischen Kinder bis zum Alter von
'14
bis l6 Johren on. ln Lisdorf sollen dem Verein
zeitweise mehr ols 600 Kinder ongehört hoben.
Anfong der sechziger Johre soll der Verein iedoch
seine Aklivitöten in Lisdorf eingestellt hoben.
Der Kindheit-Jesu-Verein wurde 1843 von Bischof
Ch. de Forbin Jonson von Noncy ols Gebels- und
Op{ergemeinschoft der Kinder gegründei, um dos
horJe Los chinesischer Kinder zu mildern. Seit 1849
wurde der Verein besonders zum Loskouf ofriko-
nischer Sklovenkinder eingesefzr. Ab I855 ersfreck-
ten sich die Hilfsoktionen über die gonze Welt: Un-
terstüf2ung oller Einrichtungen, die den gesunden
und kronken Kindern helfen. Bereits 1856 wurde
der Verein von Popsl Pius lX. zu einer kononischen
lnstitution, 1922 zum Pöpsilichen Werk erhoben.
Die Zenlrole ist in Poris. Aufgobe: Erziehung zum
Apostolot und proktische Missionshilfe durch tög-
liches Gebel und einen monotlichen Beifrog.
ln Deutschlond wurde dos Werk 1846 eingeführ1.
Als kirchenomtliches Missionswerk der Kirche fond
es von Aochen ous, wo die deuische Zenlrole isf,
Eingong in olle deutschen fforreien. 1962 hotte es
in Deutschlond 1,7 Millionen Mitglieder Zur glei-
chen Zeit erfolgte die lJmwondlung in dos Pcipst-
liche Missionswerk der Kinder. Bekonnteste Moß-
nohme ist die jöhrliche Sternsinger Aktion. Dos
Hillswerk gibt die Zeitschriff ,,Die Sternsinger-Mis-
sion" für Kinder und ,,Schule und Mission" für Lehr-
personen herous. Sifz des pöpstlichen Kinderhilfs-
werkes isl weiterhin Aochen.
Agnes Groß
17
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ilenschen unselfiIeit
nGnüi.R.tllchsGiüel
lm vergongenen Johr überre;chte Kultusminister.lür-
gen Schreier dem Lisdorfer Erich Seidel dos ihm vom
Bundesprösidenten verliehene Verd;enstkreuz om
Bonde des Verdienslordens der Bundesrepublik
Deuischlond. Es hondelt sich dobei !m die höchste
Auszeichnung, die die Bundesrepubllk lür besondere
Verdienste um dos Allgemeinwohl zu vergeben hof.
Minister &hreier würdigte Erich Seidel ols eine rsön.
lichkeit, die sich durch longiöhriges ehrenomtl;ches
Engogement in herousrogender Weise r.:m dos kultu-
relle und sporlliche Leben verdieni gemochi hot.
Erich Seide wurde 1928 inn Lisdorfer Ortsfeil Obsigor-
len geboren. Von 1934 bis 1938 besuchte er die
Volksschule in Lisdorf und wechselte donoch on die
Oberschule noch Soorlouis (heutiges Robert,Schu-
monn'Gymnosium). I944 wurde er ois l6 iöhriger
mil seinen Klossenkomeroden ols Flokhelfer z!rWehr-
mocht eingezogen. Kurz vor Kriegsende 1945 kom er
in Boyern in omeriksnische Kriegsgeiongenschofl und
wurde in dos berüchfigie Kriegsgefongenenloger
Bretzenheim zwlschen Bod Kreuznoch und Bingen ge-
brocht, dos die Fronzosen von den Amerikonern über- .
nohmen. Noch seiner Enllossung ous fronzösischer
Kriegsgefongenschoft setzle er seine schulische Aus-
bildung lorl und schloss doron ein Studium zum Volks,
schullehrer on. Als Lehrer und spöier sls Rektor wor
er on den Schulen Si. Borboro, Gisingen und
Ker ingen iötig, bis er l99l in den wohlverdienten Ru-
hesiond einlrol. Über viele Johre wor er doneben ols
Mentor für schulproktische Ausbildung tötig und
mochte viele Studenien der fuier"WustHo.hschule in
Soorbrücken und spöter der Pödogogischen Hoch-
schule des Soorlondes mit der Schulwirklichkeil und
Unterri(hlsoroxis verlroul. Se:t serne. PensionierrJng
bildet er on der Grundschule Kerlingen regelmößig
Kinder in Musik und Gesong ous.
Auch in der Politik wor Erich Seidel iöiig. Seiner PoF
lei, der CDU, gehort er ols engogiertes Miigl;ed seit
fost 50 Johren on. Als er in Sl. Borboro wohnte, wor
er im dorligen Gemeinderol oktiv. Mit dem Bezug ei-
nes Eigenheims im Sperberweg in Soorlouis mussle er
sein kommunoles Mondoi in Si. Borboro oufgeben.
Seit über fünf .lohrzehnien engogierl sich Erich Seidel
ehrenomilich im kirchlichen, kuliurellen ond sportli-
chen Eereich, und zwor in Si. Borboro, in Gisingen
sowie in seinem He;molort Lisdorf. Dobei liegt ihm die
Nochwuchslörderlrng besonders om Herzen, die ei-
nen großen Teil seine. Freizeil in Anspruch nimmi.
Als possionierter Musiker ist er seit Johrzehnten in der
Kirchen- und Chormusik ols Sdnger, Dirigenl, Orgo-
nisi und Vorsilzender tötig. t954 gründele er den Kir-
20
chenchor 51. Borboro, den er seilher leitei. Auch der
Kirchenchor in Gisingen steht unter seiner Leil!ng. Au-
ßerdem isl er in beiden Pforreien ols Orgonisl tölig.
Seit 1986 isi er Vorsilzender der Chorgemeinschoft
Eintrochl 1888 51. Borboro und dirigiert seit mehr ols
zwei Johrzehnlen die Lehrer-Soldoien-Sporl-Sing-
gemeinscho{l Soorlouis, d,e zu vielen Anlössen inner-
holb und oußerholb der Grof-WerderKoserne ouilritt.
Dorüber hinous engogiert s;ch Erich Seidel seit seiner
Jugend im spodlichen Bereich seines Heimotories Lis-
dorf. Zundchsl ols Spie er in der l. Fußbollmonnschoft
des SV I929 lisdorf, donn ols Aktiver io der Ahher-
renmonnschoft und seit elwo 40 Johren ols Mitglied
des Vorstondes. Von l97l bis l988worer l. Vorsil-
zender, seii 1988 ist er Ehrenvorsihender des SV I929
Lisdorf. Für sein Wirken im Sportverein Lisdorf wurde
ihm 1979 die Ehrennodel des soorländischen Fuß-
bollverbonds in Bronze und 1989 in Silber übeneichi.
8ei der Übergobe des hohen Ordens om I3. Jonuor
2002 im Vereinshous Frouloutern erkl6de Minisier
Schreier, doss Erich Seidel sich durch seine sochliche
und kompetenle Arbeil, seinen ldeolismus, seine Un-
eigennühigkeii und seine Bescheidenheii hoher Aner-
kennung und ollgemeiner Werischöizung erfreuei dles
w!rde von den vielen Teilnehmern der Feiersiunde
durch longonhollenden Beifoll bestöligl und donkbor
Aus Anloß seiner hohen Auszeichnung hoben *ir un-
ser M;tglied Erich Seidel gebeten, einen Beikog {ür
dos Lisdorler Heimotblott über seine Kindheits und
Jugenderinnerungen zu schreiben. Diese Biile hol uns
Erich Seidel erworlungsgemöß erfülh, Seinen in die-
ser Ausgobe obgedruckten Artikel hol er unter die
Uberschrift: ,,Die Zeit - ein kostbores Gol" gesetzl.
Kuz vor Vollendung seines 75. Geburlsloges om 5.
Moi diesen .lohres musste sich Erich Seidel ein künst-
liches Kniegelenk einpflonzen lossen, nochdem die
d!rch forigeschri#ene Arthrose verursochien Schmer-
zen unertröglich wurden. Seilher ist er schmerzfrei und
wieder voller Elon. Sein vielfölliges ehrenomfliches En-
gogement fÜhrl er mil sellener Bescheidenheii fort.
Erich Seidel fühlte und fi;hll sich - trotz seines iohr,
zehntelongen Engogemenls in den Gor.rortschofien
der Gemeinde Wollerlongen und seines Wohnsines in
der lnnenstodi - in seinem Herzen immer ols Llsdor-
Ier und der Lisdorfer,,Dorfgemeinschoft" verpllichlet.
So wor für ihn eine Mitgliedschofi im Verein für Hei-
motkunde Lisdorf selbstverständlich.
Wlr beglüc,<wünschen Erich Seidelzu seinefl ,,75", sei-
ner foriwöhrenden großortigen Lebensleistung und
donken ihm zugleich flr seine Verbundenheit und sei-
nen Beilrog in dieser Ausgobe.(hg)
Erich Seide o s Spielführer der L Fußbol monnschoft des SV I929 tisdorl im Johre I957.
:' .- Se del o s Voßilzender des SV 1929 L sdorf mil Vorstondsko lesen im Jubi öumsiohr 1979. Rechrs neben ihm
l--:-. :':'zender Dr. Arond.
21
A.löß ch eines Feslkomme,sesdesSVLisdorf om 10.6.1989 ehrie
A be.rwos.er, 2. Vorsifzende, des Soorlöndlschen Fußbollverbo.-
des, Erich Se del mit der Ehre.nodel, Lrmrohmr von Rei.old Rupp
( i.k, und Perer Schmifl, die ebenlol s seehrt wu,den.
den t-.hrererbond lm lohre
Lehrer in Lisdorf, donoch wie
Erich Seide ols tehrer in St. Bo,bo,o woh,erd
de, do
'ise-
L,dbeerferes,r -oLF o: I - '
dem spöleren soorlöndlschen M;nis'ei..as-
denien Dr Fro.z-losef Röde.
'1983. I von lii[s Be.nci Rucp rr:o J von inks
Erich Selde Scho rektore..
e
Erlch Seid€ bel einer Ehruns durch
Norberl Sperling (beide viele Johre
22
Erich Seidel
llie leil - ein losüares Gut
Die Bitte, meinen
Lebensweg zu be-
schreiben, vero n-
lossie mich über
Vie es nochzuden-
ken, wos stdndig
um uns und in uns
wor und ist: die
Zeit. Und wen n
mon 75 Johre ge-
worden lsl, sie ll
mon lo pido r fesl,
wie schnell die Zeit
vergongen isi.
Als Kind iummelt
mon sich in einem Meer von Zeit, besonders, wenn
mon eingebetiet ist in die Güte und Liebe von Sor-
ge lrogenden Ehern, die o les, wos sie on moteri-
elen Dingen uns goben, hort erorbeiien mussien,
und wir desho b o le Genügsomkeit in uns oufnoh-
men und donoch leblen.
Eine Menge Kinder spieLlen togtöglich im Obsigor-
ten, dem etwos obgelegenen Ortsteil von Lisdorf.
Die Nomen der Spiele sind koum übersetzbor ins
Hochdeutsche: Giesch, Bohnlouf, Schlogboll, Vö1,
kerboll, Fußboll- Alles spie te sich vor unserem
Hous (spdier Gosthous ,,Zum Rosenthol", heute An-
tiquiiöien Schirro) oder doneben oder dohinter ob.
Mileinbezogen wor die efwos gewölbte Pfoster-
slroße, ehemols Provinziolsiroße, donn Adolf-Hit-
ler-Sir, und noch 1945 wieder Provinziolstroße ge,
nonni. Auch die G eisonlogen der Stroßenbohn
Linie 5 von Soorlouis noch Wodgossen woren für
jedes Spielen kein Niemondsiond. lm Winter rodel-
len wir den Berg zwischen unserem und unserer
Tonie Hous hinob über die Houptstroße hinous.
Nohle ein Aulo oder die Stroßenbohn, wurden
Spiel und Schiittenlohrt gestoppt.
Die Winier woren noch meinem Empfinden költer
ols heute. lch erlebie öfters, doss sich die Siroßen-
bohn nur mil der Dovormonioge eines Schneepflu-
ges vorwörts bewegen konnle. An den Fenstern
der Höuser g önzten Eisblumen, denn nur die Kü-
che wor beheizbor. Am Abend legie die besorgte
Muiler uns ongewörmte Bocksieine ins Betl.
Wir spü.len keine Longeweile, iroiz fehlendem Fern-
sehen. Am Abend spiellen wir Mensch-ärgere-dich-
nicht. Nebenon wohnle meine reso ute Großmuiler,
genonnl Pooke Trout, die beim Kortenspiel um je-
den Pfennig feilschie und die uns beim,,Budicken"
(Gemüse morktfertig herrichien) einsponnte. Jeden
zweilen Tog im Sommer nohm uns der Großvoier
mii in seinen Wold.
Do störie mich doch etwos die 1934 Iür mich be-
ginnende Schulpflicht. Der Schulweg zur Volks-
schule in Lisdorf wor weil. Er mussle lroiz Slroßen-
bohn zu Fuß zurückge egi werden. Obligotorisch
wor ouch der wöchenilich zweimolige Besuch der
Schu messe um 7 Uhr. Selbsiversiöndiich wor ouch
der sonntögliche Kirchgong unier der Obhut von
Voter und Muiter
lch ging gern zur Schule, hoiien wir doch mit dem
Lehrer Weilen einen lieben, einen gütigen Lehrer,
der uns ohne Stock und Prügel Lesen, Schreiben
und Rechnen beibrochle, wos domols nichi selbst-
versiönd ich wor. 1938 überzeugie mein Klossen,
ehrer EmilWeiten meine Eliern, mich in der Ober-
schule Soorloulern (heutiges Roberi-Schumon-
Gymnosium) onzumelden.
1939 stieß unser ,,g orreicher Führer" bei der
Schoffung des ,,Großdeutschen Reiches" or.rf Wi-
derslond. Der mussie unbedingl durch Krieg ge-
brochen werden. Polen wor schnell besiegf. Wir
ober, meine Mutter und mein jüngerer Bruder Kuri
musslen mil wenigen Sochen ouf dem Ziehwogen
unser Dorf in Richtung Soorwellingen verlossen.
Mein ölterer Bruder Adolf wor oktiver So dot, mein
Voter b ieb vorersl zu House. Die ersie Übernoch'
lung gobs in Soorwellingen. Am nächslen Morgen
ging es weiler zum Bohnhof Nolboch.
Hier begonn für uns Kinder ein lolies Erlebnis, so-
ßen wir doch zum ersiem Mol in einer Eisenbohn
und betrochlelen voll Erslounen die vorbeifliizen"
den Londschoflen, wöhrend Momo bedrückt;n ei-
ner Ablei ecke soß und rotLos der Dinge horrie, die
kommen sollten. Die Fohri schien kein Ende zu
nehmen. Wir rouschlen durch Fronkfuri, Kossel,
Mogdeburg bis schließlich der Zug in einem Bohn-
hof in der Mogdeburger Börde hielt. Wir mussten
oussleigen. Die Bohnstoiion hieß Güierglück. Wir
slonden oul dem Bohnsleig mil unseren Hobselig-
keiten. Die onwesenden Abgesondten der umlie-
genden Ritlergüter loxierten uns wie ouf einem
orobischen Bosor, um herouszufinden, welche Fo-
milie o s Arbeitslrötte grl zu gebrouchen wären.
Endlich soßen wir oul einem Pferdewogen, und ob
gings zu einem Gulshof. Wir bewohnien ein Zim-
23
t,:m
" 'i'i
i"
folgende Sogkrofi Mouern noch oußen zog und
Döcher obdeckte.
Meln Bruder und ich sch iefen in besogier Nochl in
unserern Zimmer im 2. Slockwerk. Geweckt rvurde
ich durch dos Schrelen meines Bruders. Als lch die
Augen öf+neie, soh ich den kloren Nochlhimn.e
über mir. Die Zimmerdecke wor weg, dos Doch
ohne Ziegel. Wlr hetzten die Treppe runler L-lnd
wundeden uns, doss lnser Kel er schon vo er Men
schen wor. Türen und Roilöden ogenoufde Siro-
Be. Auf keinem Hous irn Obstgorten woren noci
Ziege n. Die dem Exp osionsort etwos nöher sle-
henden Boulen hoiien keine Rückwond rr-reh-. Dle
5 bewohnlen Borocken woren wie weggeb oser.
Nun begonnen wir gemeinsom mil weilerer Be-
wohnern des Obsigor-iens im seli ich von unse,em
Hous liegenden Berg elnen Stolen zu groben. Ab
ieizt wußten wir, doss es lebenswichtig v/or, be
Fliegerolorm oufzust-^hen, um die Schutzr ä LJ me
Erich Se;dei (links) mir selnen B,üdernAdolft (mlfie)und
Ku.t (rechls) im Johre 1936 vor hrem Ehernhous.
mer. Die Muller orbeilele im Hous. lch besuchte die
einklossige Volksschule. Am Nochmiltog hütete ich
die Kühe ouf der Weide. lm Herbsi ho fen wir bei
der Ernie ouf den unendlich weilen Zuckerrüben-
feldern. Ab und zu durfte ich die Pferdekutsche
lenken bis mein Voter kom, um uns noch Rüsse s-
heim zu holen, wo er Arbeii und Wohnung gefun-
den hotie. Hier seizte ich ouch den Besuch ouf der
Oberschu e forl.
Nocl de, Kopi'uloton [ronLre'chs durler *i m
Sommer 1940 wieder noch House. DerAlltog kehr-
le ein. Mein dllerer Bruder wor in Dönemork und
Nonvegen eingesefzl. lch trof meine Schulfreunde
wieder. Eine Siegesmeldong löste die ondere ob.
Am 21. Juni l94l eriönten die Fonforen im Rodio
besonders louf. Der Führer leille seinen Unierionen
mii, doss Ruß ond nunmehr der Feind Nr. 1 gewor-
den sei und vernichlei werden müsse. Konsterniert
hörle ich meinen Voter sogen: ,,.leizl isi der Krieg
verloren", eine Aussoge, die mich erslounie und
die ich erstvie spöler versiond. lm Sommer 1942
fiel dle ersie Bombe, eine Lu{tmine, gonz nohe
bei-n Obstgonen ns {reie Feld. Die Wi l.uagswe:-
se einer Luflmine log dorin, doss bei ihrer Explo-
sion ein lulileerer Roum entstond und die dodurch
24
Erich Se del ;m Johre 1942 o s Gyr.cs os'
Unvergessen bleibt ouch der erste Lufiongriff ouf
Soorloulern im lohre 1943. Wir Schüler soßen im
Keller der Oberschule. Brondbomben tro{en dos
Schulhous. ln unmiitelborer Nochborschoft bronn-
te dos Bonkhous Bickelmonn. Dos,,Union Theoter"
(Kino zwischen Kreissporkosse und Blr.:menhous
Morionl in der Lisdorfer Stroße wor durch eine
Bombevöllig zerstört. Rettungsmonnschoflen gru-
ben von der Slroße ous einen Stollen in den Kel-
ler, um Verschüttete herouszuholen.
lm Nochhinein versuche ich mich zu erinnern, wos
domols in uns, sigenllich noch Kinoern, vorgirg,
wos unsere Reoktionen woren. Die Reoklion wor
Trotz. ln unserer Noivitöt meinten wir, wenn wir die
Möglichkeit des Kömpfens erhiellen, wir es diesen
Feinden schon zeigen könnten.
So wor es fosl selbsiverstöndlich, doss wir dos.lohr
1944 sehnlichst erworteten. Wußten wir doch, doss
wir mil l5 lohren endlich eingreifen durften, um
dos Volerlond zu retlen. Es wor die noiv kindliche
Vorstellung, die r.rns durch douernde Propogondo
die eigene Unbesiegborkeil gorontierte.
lm Jonuor 1944 mussle die Uniertertio unserer
Oberschule in Völklingen ontreten. Voll Mitleid be-
lrochfelen wir unsere Klossenlomeroden des Johr-
gongs 1929, die noch nicht mil durften. Wir be-
komen Uniformen, housten in Borocken, exerzier-
ten on Kononen und durflen schießen. Somslogs
hotten wir Ausgong, durften ober nicht ins Kino,
weil wir dofür zu iung woren. Unser mililörischer
Auftrog loutete Schr..rh: der Röchlingschen Stohl-
werke. Lehrer komen morgens in unsere Slellung,
um uns zu unterrichten. Es wor eine obenreuerli,
che Ze;t.
Ein für mich unvergessener Tog ist der 20- Febru-
or I944- Mein Voter besuchle mich in unserer Slel-
lung mii dem Fohrrod. lch soh ihn zum erslen Mol
weinen. Mein Bruder, 25 Johre, olt wor gefollen.
lch erhieli Urloub. Wöhrend meines Urloubs er"
reichte die Fomilie ouch die Nochricht, doss mei-
ne beiden Vellern Josef Berdin und Ludwig Lons-
dorfer. beide erst I9 Johre, ihr Leben verloren hot-
len. Meine Muller schr;e in ih.em Leid und ver-
fluchte den Verbrecher Adolf Hiiler. ln Lisdorf be-
gegnefe mon nur noch schworz gekleldeten Frou-
en, denn fosl iede Fomilie wor vom Verlust betrof-
fen. Besonders die Frouen woren gezeichnel vom
Leid durch Verlust und der stöndigen Angsl um die
on ollen Fronien kömp{enden Ehemönner, Söhne,
Vöter und Brüder Dozu kom dos lögliche Lrnd
nöchtliche Rennen in dle Luflschutzröume und dos
dortige Worien in völliger Hilflosigkeit. So wor ich
doch froh, ols der Urloub vorbei wor und ich die-
ser erdrückenden Atmosphöre enikom, denn bei
meinen Flokfreunden konnte mon ogieren, mon
konnle sich wehren.
lm luni wurden wir noch Fronkfurt-Bobenhousen
verlegl. Hier louiete der Auftrog: Sicherung des
Flugploizes vor Tiefongriffen. Es vergingen nur
wenige Toge ohne mehr oder minder slorken Ein-
söhe. Kehrte donn Slille ein, schouten wir uns on,
ietzt doch schon l6 Johre olt. um festustellen:
,,Wir leben noch."
lm Sepfember wechselien wir mii dem dort slotio-
nierten Jogdgeschwoder noch Niddo im Vogels-
berg. Hier erleble unsere Einheil ihr schwersles
Desoster. An Heiligobend belegte uns ein gegne-
rischer Bomberverbond mil einem Bombenteppich.
Ein Zug unserer Botterie erhieh einen Volhreffer.
Wir verloren dobei eine Anzohl von Schulfreunden,
und onsioll der Weihnochtsmefte hielt ein Priester
einen Trouergotiesdiensl.
Noch dem gelungenen Übergong der Alliierten
über den Rhein bei Remogen solhe unsere Einheil
weiler noch Osten verlegl werden. Bei dem Wirr-
worr des Abmqrschs gelong es mir und 2 Freun-
den, uns obzuselzen. Noch ochl Togen woren wir
bei meiner Muller in Gerolfingen bei Dinkelsbi;hl
in Mittelfronken, wohin meine Muller evokuiert
worden wor Noch wenigen Togen erhiellen wir
schon unseren Stellungsbefehl. Als Zielpunki wor
lngo slodi ongegebenen. Wir mochten uns ouf den
Weg; zu Fuß, ouf Güterwogen. Wir folgten dem
Wehrbezirkskommondo, dos noch Augsburg ous-
gewichen wor. Mon beorderle uns dort noch Mün'
chen zu einer SS-Einheit. Wir komen spöt in der
E.;ch Seidel (rechis) o s Flokhelfer im Winier I944145
-' seinen Klossenkomeroden v.l.n.r.: Albe'l Schmitl
:-s Lisciod, Heinz Bersin und Werner Schworz, beide
25
Koserne on und verbrochten die Nocht im Koser-
nenkeller, weil ein schwerer Luftongriff München
heimsuchle. ln dieser Nocht gesionden wir uns ge-
genseitig: ,, Es ist ol es sinnlos geworden, der Krieg
ist verloren", und wir beschlossen, olies zu unler-
nehmen, um ous der Koserne zu kommen und den
Heimweg zu suchen. Es gelong uns, die Koserne
zu verlossen und so beweglen wir uns wieder nord-
wör_s der Donou zr,. Ar Tog vers_ecklen wir urs,
nochls morschierfen wir. Wir ernöhrten uns von
den Rüben, die wir ous ,,Feldmieten" ousgruben.
Aul e:1igen ongepeilter BoLernhöfen bekomen w;.
ouch eine Brotzeii.
Endlich stellien wir uns einer omerikonischen
Kompreinheit, die uns,,geföhrliche Krieger" sofort
in ein Loger schoffte. Eine 7 monoiige Odyssee be-
gonn. Wir hungeden, leblen olle Toge unter frei-
em Himme. Wir besoßen keine Decke, keinen
Montel, der uns vor Schnee, Frosl oder Regen
schüizen konnie. Wir logerlen ouf nossem, kohen,
frosligem Boden und wörrrten uns gegenseilig.
Die Amerikoner tronsporlierien uns ols Kriegsgefon,
gene ,]och Nürlberg-Longcnzenn, wo ch me r-en
Voler verpoßte, der ouch hier gefongen wor. Am 4.
Moi 1945 b'och-en sie uns nocl' Brerzenheim 7w:-
schen Bingen und Bod Kreuznoch in dos dortige
berüchligte Gefongenenloger unter freiem Himmel,
dos uns beinohe zum Verhöngnis wurde.
Dor wote_er wir 'm Sch omn . Wir wuSler rns n r-
gendwo hin zu legen. Ausgehungerle Soldoten lie-
len in den Sch omm und erlronken. Nur der Um-
stond, doss wir 3 Freunde uns gegenseitig holfen,
siützten, uns Mr.ri zusprochen, rellefe uns und ließ
uns schließlich überleben.
Jeder von uns wor bis ouf die Knochen obgemo-
geri und hoile nur noch ein Gewichl von etwo 40
Kilo. Noch der Enl ossung ous diesem Loger be-
nöligte ich ein longsomes. vorsichliges Eingewöh-
nen on geregehes Essen, um wieder holbwegs zu
Kröfien zu kommen.
Meine Erinnerungen zeigen mir immer noch dos
Bild von Pfingsien
,l945.
lm Orf Breizenheim ldu-
'eter d e Glocken. Vom Loger ous sohen wi'ver-
härmle Menschen ouf dem Weg zur Kirche. Wir
sohen wie Vergessene und hilflose Kreoluren den
Menschen noch, zweifelnd, ob wir ie wieder die-
ses freie Leben er eben dürfien.
Dos Loger Bretzenheim wurde von den Ameriko-
nern eingerichiei und spöler den Fronzosen über-
26
geben, die dor'f ihren Kriegshoss on uns ouslebien.
Viele deulsche Kriegsge{ongene sind dort elend
verendel.
lm Nochhinein dorf ich {eststellen: Ein Schukengel
begleiiele uns. Er behüiete meine Freude und
mich. Er ließ uns lrotz oller Wirren zu keiner Roh-
hei verkon-men, gonz gewiß dos E.gebris eirer
chrisilichen Erziehung im Eiternhous, die lrolz no-
iionolsoziolistischer Propogondo und Krieg ge-
prögi wor von Liebe und Achtung dern Milmen-
schen gegenüber.
Der behonde te Lebensobschniti von 1928 bis
1945, dem Johr meiner Geburt bis zum Kriegsen-
de, trmfossl zwor nur I 7 lohre. Aber insbesonde-
re d;e Jo'lre der ßinoreil .onenmirviel lörge, ,o.
ols sie toisöchlich woren. Es woren schöne lohre.
Auch die onschiießende Schu zeit in Lisdorf und
Soorloulern, wie Soorlouis domols hieß, wor für
mich e;ne überwiegend schöne Zeit.
Der oliersbedingte kurze Kriegseinsotz wor iedoch
bei nochtröglicher Betrochfirng eine obsold verlo-
rene Zeit für mich.
Heute weiß ich: Unser Verhöltnis zur Zeit hot sich
verönderi. Als Kinder hotlen wir viel Zeit. Vielleicht
besteht ouch dos oft zitierle Glück der Kindheii
dorin, doss mon sich nichl so viele Gedonken um
diese Zeit mocht. Donn entdecki mon in der lu-
gend und besonders im Erwochsenwerden in oller
Deullichkeit, doss Zeii ein kosibores und unwieder-
bring iches Gui isi. Heute weiß ich: l-.lnser Verhöli-
nis zur Zeil hol sich veröndert. Als Kinder hoäen wir
viel Zeit. Viel eicht besteht ouch dos ofl zitierte
Glück der Kindheit dorin, doss mon sich nicht so
viele Gedonken um diese Zeit mochl. Donn eni-
deckl mon in der Jugend und besonders im Er.
wochsenwerden in oller Deutiichkeit, doss Zeit ein
koslbores und unwiederbringLiches Gui ist.
Aber ouch diese Zeit geht zu Ende und mon be-
merkt: Alle Zeit, die nicht fiit dem Herzen wohr-
genommen wird, isi eine verlorene Zeil. Des-
holb gilt für mich ouch heule noch dos Wort ei-
nes Philosophen: ,,Corpe diem!", nutze den Tog,
nutze die Zeit, sie ist ein Geschenk.
Hons Löw, Schoffhousen
4al
Vom I l. Moi 1765 bis Anfong lonuor I 767 Po-
stor in Völkl;ngen. Seit I l. Jonuor 1767 Subprior
und Novizenmeisier in Wodgossen. Seit
12.10.1771 Vikor in Großbliedersdorl. Yon 1774
bis 1778 Poslor in Lisdorf und von I 778 bis Ende
I783 Abt der Prömonskotenserobtei Wodgossen.
Er slorb om 29. Dezember vermutlich eines ge-
wohsomen Todes.
Petrus Schmidt, ein umsichtiger und lrommer
Geisilicher, hochgebildel und ouch in der Seelsor-
ge erfohren, beherrschle vier Sprochen: Grie-
chisch, Loiein, Fronzösisch und Deutsch. Ein voll-
stöndiges Bi d von ihm zu erholten, ist der For"
schung noch nichi möglich, denn bis heute sind
nur wenige Dokumenfe/Unlerlogen ous seiner Re-
gierungszeil bekonnl. Eines der überlieferlen Do-
kumenie isl der hondgeschriebene Brief vom 12.
Moi 1782 on die Diözesonverwollung in Metz.
Sein Tod hot johrelong die lustizbehörden in
Bouzonville und Noncy beschdfl;gt. Der Diener,
ein Herr Weigel, wurde der Tot verdöchtigi und
ins Geföngnis noch Bouzonville gebrocht. Meh-
rere Chorherren hoben bezeugt, doss Abt Pet.us
Schmidt keines notürlichen Todes geslorben sei.
Unüblicherweise wurde er ouch noch om Todes-
ioge beerdigt, wos die Joslizbehörden ebenfolls
stulzig mochle. Es wor nömlich Bror.rch, doss ein
Abt drei Toge in der Bosiliko vor dem Houploltor
oufgebohrt wurde. Georg Boltzer, ein gr.rt infor-
rnierter Historiker, schrieb I865 in seinen hisio-
rischen Nolizen, doss Abt Peirus Schmidt om 29.
Dezember 1783 von seinen Mönchen erwürgi
und gemordei wurde. Urteile wurden verkündet,
Revisionen eingelegl, und schließlich wurde der
Diener freigesprochen. Allein dos Revisionsurleil
vom 19. Moi I 785 umfosst l0 Druckseiten. Der
Freispruch von Weigel hot ouch einen,,königli-
chen" Akzenl. Der Nochfolger von Schmidt wor
Jeon Boptisie de Bordier. Die Fomilie de Bordier
siond hoch in der Gunsl des fronzösischen Kö-
nigs. Dieser hotte in einem ultimotiv obgefossten
Schreiben den Konvenl von Wodgossen oufgefor,
dert, den Chorherrn de Bordier zum Abt zu wöh-
len. Die erfolgte Einstellung des Juslizverfohrens
wegen Mordes gehi nichi zuletzl ouch ou{ dos
Einwirken des fronzösischen Königs zurück, der
Peüus Schmidt aus lisdoil
A[t der PrämonsEiNlGnsG]altei tflaügassGn uon lIrB bis 1183
Der verdienslvolle Abt Michoel Siein, ein Sohn von
Konrod Srein, Schmied, und Anno Stein geb.
Rupp, Hebomme von Lisdorf, storb hochbetogi im
.luli i778. Der Konvent der Wodgosser Prömon-
siroienser wcihlte ols Nochfolger den ersi 40-jöh-
rigen Chorherrn Pelrus Schmidt, ebenlolls gebür,
tig ous Lisdorf. Er wor dos 4. Kind der Eheleuie
Andreos r.:nd Kothorino Schmidt. Lisdorf gehörie
domols zum Königreich Fronkreich und Pelrus
Schmidt wor f ronzösischer Slooisbürger, geboren
om 29. April 1738.
Abl Peirus Schmidl
Bei seiner Volliöhrigkeil lroi Peirus Schmidt ;n die
Prömonslrotensero blei Wodgossen ein. Die Einklei-
dung wor om 1 7. Augusi 1 760, die Proless om 15.
August l762.Am 18. September 1762wordeer
Subdiokon und om 28. Oktober desselben Johres
Diokon. Am 2. Juli 1763 erhielt er die Priesterwei-
he. Nochsiehend die weileren Stolionen ols Chor-
herr der Abtei Wodgossen:
27
seinem Günsiling weilere Schwierigkeiten ersporen
wollie.
Petrus Schmidt, ein hochgeschölzter und ongese-
hener Abt, wird in Lisdorf und Wodgossen unver-
gessen bleiben.
Zusolz der Redoklion:
Abi Petrus Schmidt wurde om 29.4.1 738 in Lisdor{
ols 4. Kind des Togelöhners Andreos Schmidl (geb.
22.2.1 7 05, gest. 6.12.1 7 67 ) und seiner Ehelrou
Koihorino geb. Schmitt ous Knorscheid (geb.
13.5.1706, gest. 21.12.1783) geboren. Seine
Toufpolen woren Peter Jocob und Anno Morio
Groß ous Lisdor{. Er kom om 29.12.1783, noch
Wolfgong Mong
Seiilenraurcnzucm in lisdoil
Auch heute spielt die Londwirtschofi in Lisdorf noch
eine bedeutende Rolle. LisdorJ isl durch den Ge-
müseonbou überoll im Soorlond bekonnt. Er hot
in Lisdorf bereiis ein mehrere Johrhundede wöh-
rende Trodit;on. Wohrscheinlich hot der Bou und
die Besiedlung der Fesiungsstodt Soorlouis den
Gemüseonbou in Lisdorf beflügelt. Es ist nochge,
wiesen, doss noch der Eesiedlung von Soorlouis
Gemüsegörtner ous Fronkreich noch Lisdorf ge-
kommen und hier seßhoft geworden sind. Soor-
louis mit seinen vielen Menschen und vor ollem
Soldoten ouf relotiv engem Roum wor ein gutes
Absotzgebiet für dos in Lisdorf erzeugfe Gemüse.
Noch und noch wurden fosl olle Aden von Gemü-
se ongeboui. Doneben ober ouch die üblichen
londwirtschofilichen Produkte, wie Getreide und
KorloJfeln. Auch die Viehholiung spielie bis einige
Johre noch dem 2. Weltkrieg in Lisdorf eine bedeu-
tende Rolle. Noch mehr verlrelen wor die Kleintier-
holiung. Fost jeder Housholt hielt Hühner und Ho-
sen. Lelzfere nichl zum Amüsement der Kinder, son-
dern zum Eigenverzehr. ln den meisien Housgörlen
stonden Obstbdume und -slröucher, die pfleglich
behondeli wurden, domit sie viele Früchle lie{erten.
Es wurde fosi olles wos möglich wor ongebout oder
geholten. Aber Seidenroupen? Mon weiß, doss sie
in Chino gezüchiet werden, hoi vielleicht ouch ge-
höri, doss in Fronkreich, bei Lyon, Seidenroupen-
zucht betrieben wird. Aber in Lisdorf?
Bereils in den Johren
,l832
bis
,l838
hot fforrer
Honsen in Lisdorf Seidenroupen gezüchlel. Der Po-
28
5 lohren ols Abi der Prömonsirolenser-Ablei Wod-
gossen, im Aller von 45 Johren ouf dubiose Art
ums Leben. Wohrscheinlich wurde er von Ablei-
Angehörigen ermordet. Seine Mutler Kothorino
storb nur 8 Toge vor ihm im Aller von 77.lohren
in Lisdorf (vgl. Rudolf Zenner ,,Die Einwohner von
Lisdorf vor 1900", Teil 3 S. 1003 Nr. 2637; der Fq-
miliennome ist dor m't,,tt" geschr'eben).
Wir donken Herrn Hons Löw, Pcidogoge, Schrift-
steller und Heimoilorscher ous Schoffhousen,
herzlich für seine Abhondlung über Abt Peirus
Schmidt. Er hof Lisdorfer ,,Wurzeln" und isl sowohl
mit Abt Michoel Stein ols ouch mit Abt Peier
Schmidt verwondt.
Die Seidenroupe beim Fressen von Moulbeerbl6ttern
(oben) und beim Einspinnen in den Kokon.
litiker, Kirchenmonn, Heimotforscher und Schul-
beomte. eine Arl Universolgenie, hol s;ch ouch be-
sonders um die Londwirlschoft verdienl gemochi,
u.o. durch Gründung einer Londwirlschoftsschule
in Lisdorf- es wor die ersle im König.eich Preußen.
Und in diesem Rohmen hot er ouch Seidenroupen
gezüchtet. Mon muss bedenken, doss selbsi heu-
te Se.de noch leuer isl. Vor 200 Johren wo sie ei'r
wohres Luxusgut. Die Chinesen konnten sie bereits
zur Zeit der Shong-Dynostie (l 766-1 122 v. Chr.),
hüiefen dos Geheimnis um ihre Herstellung ober
ols größtes Stootsgeheimnis. Ein Ageni hot die Pup-
pen der Seidenroupe donn in einem Spozierstock
versiecki ous Chino herousgeschmuggelt. Sofori
begonn mon in Europo mil Versuchen Seidenrou-
pen zu züchlen. wos ober ongesichls oft fehlender
klimotischer Bedingungen, ober ouch völliger Un-
. erntnis, nur on wenigen Slellen gelong.
J. A. l. Honsen führle ols Postor in Lisdorf von 1832-
i838 ersimols den Anbou von Moulbeerböumen und
die Seidenroupenzuchi ein.
Auch in Lisdorf wurde die Seidenroupenzucht bold
noch Pforrer Honsens Weggong noch Ottweiler
1838 oufgegeben. Genou hundert Johre donoch
wurde sie wieder eingeführt. Von den Nozis! Doss
ousgerechnet s;e es woren, hol seine Gründe. Ab-
gesehen dovon, doss Deutschlond überoll die
Nose vorn hoben mussle, es ging um Autorkie.
Dos heißt, ein Lond soll olles wos es broucht sel-
ber herstellen, domit es vom Auslond unobhöngig
isl. Nr-:n ging es bei der Seidegewinnung ober nicht
.:-o doru^i, doss die Don en erwos weniger
Reichsmork für seidene Siofle, etwo Holstücher
oder Dessous, ouszugeben hoHen, sondern dor-
um, Rohsloff für Follschirme zu gewinnen. Die Foll-
schirn':springer woren eine völlig neue Woffengot-
lung, und ouf diesem Gebiet wor Deutschlond do-
mols innovoiiv. Unser Archivor Günler Mong hot
uns zwei Artikel or.:s der Soorzeitung vom 2l.8.
1936 und vom 14.7.1939 herousgesuchl, die
ungeochlei der zeiibedinglen Ausdruckweise
höchst informotiv sind, sowohl wos die Seiden-
roopenzuchi im Aligemeinen, ols ouch speziell Lis-
dorf beireffend isi. Wir wollen beide Artikel des-
holb ungekürzt und unkorrigiert hier wiedergeben:
Abdruck ous der Soor-Zeilung vom 21.8.1936
Die Seidenroupenzucht im Kreis Soorloutern
Der ersle Versuch vgr '100 Johren
Ein Teilziel innerholb des Veriohresp/ons ist ouch die
Unobör,gigkeit vom ouslcjndischen Seidenbezug
durch die Vermehrung der Serdenroupenzr.rcht in
Deutschlond- Vorousselzung isf nofürlich genügendet
Anbou von Moulbeerpllonzen, deren Bläller der Sei-
denroupe o/s Nohrung dienen. ln der Siedlung in
Soor/oulern 2 wird eine Eeispie/onloge geschoffen,
die onregend und befruchtend wnken wnd. Auch der
deufsche Gemeindelog hot kürzlich ouf dos Anpflon-
zen von Moulbeerslröuchern oul Gemeindeonlogen
und Plötzen hingew,esen. Die Nochrroge noch iun-
gen P{lonzen hot denn ouch siork eingesefzt.
Es isl nun inleressort, zu wissen, doß schon vor hun-
dett Johren gercde in unserem Kreis durch den weii
über unsere Heimoi bekonnlen und verdienten P[or-
rer Honsen ous Lisdorf die Serdenroupen:uchf e;nge-
An 14. April I836 schrieb die Regierung in frier on
den tondrot von Soorlot)tem: ,,Aus lhrcrh Betichl ho-
ben wi mit Vergnügen enlnommen, doß der Plorrer
Honsen sich forlwdhrend Verdienste um die tondes-
kultur erwirbt." Sie genehmigle die Ueberlossung ei
nes Gemeindefe/des zum versuchsweisen,Anpf/onzen
von Moulbeetbölmen Die Gemeinde lisdorl gob
ihm ein Stück ,,Wildlond" genonnt ,,Schindkoul" von
sechs Morgen und 86 Quodrottuthen. Der Erfolg
blieb ledoch ous.
Die Nochfroge noch MoulbeerbA)men wor domols
siork. Die Regierung in Irier teilte rnl, doß die Boum-
schule in Engers o. Rrr. nicht olle Änsprüche berried!
gen und nür 9000 z'/eibis vieriöhrige Böumchen ob-
geben könnfe. Dovon erhieif der Kreis Soor/outern 375
Siück, die vom Lehrer ve deill wurden. Die Pllontungen
wurden oul Koslen der Gemeinden ongeiegt. Die Leh-
rer bekomen ein Leh,t:uch, dos Anleitung zur Pllege
der Böume und zur Behond/ung der Kokons gob.
Die Erfohrungen mil den lehrern müssen schiechl und
die Holfnung oul leichten Erwerb übertrieben gewesen
sein, denn in einem Bericht des Oberprösidenien der
RheiDprovinz on die Regierung in Betlin he;ßl es, ,die
29
^/eiterc EEiehung det Pflonzlinge ist nichl nefi den
lehrern zu über/ossen, welche zu einem so/chen Ge-
schölt wedet die Mitlel noch die Geiegenheit besif-
zen." Er regle on, die Bäune on Sfroßen, onWöldern
und Gemein de/an de teien zu p{lonzen und die
Pflonzung cler Gemeinde zu überlossen.
Es b/ieb domols bei den Anregungen undVersuchen.
Die so begeistert oufgegriffene Seidenroupenzucht
geriei bold in yergessenheit. Es feh,te on der nötigen
Sochkenntnis und on Er{ohrung- Heute wird die
Seidenroupenzuchi wieder oufgenommen und sie
muß und wird ge/ingen. (iw)
Abdruck ous der Soor'Zeifung vom 14.7.1939
lm Dienst des Vieriohresplones
Seidenroupenzucht im Stodtteil Lisdorf
Es ist bekonnl doß im Stodlteii Lisdorf dje Seiden-
raupenzucht in der Heffmonn,Görins-Schu/e vorbild,
/ich zu Anschouungs- und Anspornzwecken betrieben
wird. Aus diesem Grunde hoben wir einmo/ dieser
Schule einen Besuch obgestallet und lns von dem zu-
stcindigen tehrer; Pg. Weiien, einise inleressonle E;n,
zelheiten erzöhlen lossen.
Der im o/ten Schulhous befind/iche Filmsooldient ois
Au{bewohrungsroun fü die 2000 Roupen, die hier
vorbildlich untergebrocht sind.
Anfong Juni hot die Schule, {ür deren Rechnung die
Seidenroupenzucht betreben w,rd, von der Reichstelle
Berlin etwo 2 Gretmm Bruleier erholten. Aus diesem
Quonlum enlwicke/ten sich olsdonn etwo 2000 Rou-
pen. Die Eierse/bsisind öußerst klein und mon ist wik-
lich i;berroscht, wenn mon die Roupe, nochher in ei-
ner Größe von fosi l0 Zentimetern siehl doss solche
Exemp/ore sich dorous enhricke/n könner. Noch eh,,,o
3 Togen woren o//e ousgesch/üpf, und es begonn o/s
donn cJie Fülterung dieser k/einen Roupen mit zorten
Blöitern von Moulbeerströuchern- Die unbedingt erfor-
derlichen Mctulbeerheclen und - sfrducher werden im
Schu/gorlen gepflonzt und zwor wurde bere,ts vor 3
/ogen domii begonnen- Soionge die Roupen klein
sind, fressen sie noturgemäß weniger, noch der 2.
Hdutung obe, die Anfong Juli sfoiff;ndet müssen
schon onslöndige Zweige gebrocht werden, um die
gefrdBigen Iiere sott zu kriegen. Sie müssen fünfmo/
om Tage gelüllerl werden, und zwor morgens sehr
früh, den Tog über und ouch noch noch 20 lJhr.
Vor uns /iegen ouleinem Tisch von elwo 4 qn in meh-
reren Sch;chten übereinonder die Seidenroupen und
30
nogen on den Blötten der Moulbeerslröucher lnner-
holbweniger Minuten isl ein kleiner Ast dieser Pflonze
volistöndig kohl obgenogl, und mcln beginnt zu veF
stehen, wos sonsl Roupen Für einen Schoden on Ge-
müse und Böumen onrichten kcinnen. Wenn die Rou-
pen sich viermo/ geh.jutet hoben, sp;nren sie s;ch
ein. Die Roupen verfügen über eine Spinndrüse, ous
denen eine flüss;ge Mosse hervorquillt, und dotous
entsteht donn der ,,Kokon", und dieser bildei noch-
her die Seide. Wenn die Roupen sich zum lelzten Mol
gehöutet hoben, wid dos Feld mit Holzwolle umge-
ben, r-'m dos Herunlerfollen der Roupen zu verhin-
dern, und in dem Lisdorter Schulloll werden B Holz-
rohmen genommen. in die sich o/sdonn die Roupen
einspinnen. Die Roupen selbst wurden el,/o 2 bis 3
nol utngebetlet. Dos Feld oul den sie ruhen wid
,,Bell" genonnt. Währcnd det Höulung sch/ofen die
Roupen. 8 loge nochdem sie sich eingesponnen ho-
ben, kommt clie Emte.
Die ,,Kokons" werden gesomme/t zum Trocknen ous-
einandergebreilel und donn per ,,Eilboten" on clie so-
gen- Lorvenobiölungssielle geschickt. Dorf werden die
Lowen durch heiße Dönpre obgeföiel do unter ollen
Umsidnden vethütet weden muß, doß der Seiden-
schmetter/ing entschlüpft, weil dieser den Seidenloden
- dos Kokon - zer§ört u. donit lür die üzeugungs-
zwecke unbrouchbot machen würde. D;ese Reichslelle
sorgf notüriich von sich ous, doss nur einwondlreies
und sorgfciitig ousgesuchtes Brulmoterial erneul den
Züchtern zurverfügung geste//t w;rd. Heute ,st' dies Iest
argonisiet und ouch der Züchler broucht sich keine
Gedonken mehr über clie Abnohme zu mochen. Do,
durch doss wir unsere Rohsta{fversorgung wieder ouf
eigene FüBe slellen, wid ouch dctfür gesorgl, doß die
gonze Enle obgenammen wid und die Bezohlung er
{olgl durch die ontliche Ste//e. Für die genoue Preise
fest/iegen. ,Ar.,'s den Lorven wird dc:nn der Kokon, der
wie gesogt die Seide lie{ett, ent{ernt uncl der Abfoll
dienl nach als Hühner{ufier, so daß stornichls ve aren
geht. Auch hier gibi es 1., 2. und 3. Güte. Van de. Lis-
dorfet Zucht, die io tnit 2000 Roupen zundchst ein Ver-
such dorstei/en soilte, lonn gesogt werden, doss sre bis
N 10A Prozent ousgeschlüplt sind und daher lürs Er-
ste einen beocht/ichen Erfolg verbürgen. Wiederholt
woren ouch Schu/klossen der Oberschu/e für Jungen
mit ihren Biolagielehret do on.J ethiehen ihrcn prck-
i;schen Nolurkundeunleff ichl - Auch viele Volksgenos-
sen, die sich für die Seidenroupenzücht intercssierten,
hoben bere;ts regen Gebrouch von cler Möglichkeit
der freien Besichtigung gemocht.
Nun noch etwos über die Moulbeerctnpflonzung. Es isl
unbedingt er{orderlich, doss dieser Anpflonzung die
ersle Aulnerksonkeit zu widmen isl, /ieferl doch se-
rode sie dos Fülferungsmoteriol für die Roupen. Die
Moulbeerhecke wird om besten in Frühiotu und
Herbsl ongepllonzt, die günst;gste Zeif ist' iedoch dos
Frühiohr. Die Beslellvng nuß ober schon im Augusl des
vorheryehenden Johtes erfalgen. Die donn geliefer'ten
P{lönzchen werden im Herbst i, den Boden ge/egt und
in Frühjohr in dos für sie bestimmte Gelönde ver-
pflonzt. Tousend Slück zweiiöhrige P{lönzchen kosten
ef,r/o 40 RM. Die Londesbouernschoft gewcihrl jedoch
hier{ür einen Zuschuß von 75 RM. Eine Menge von
1 A00 Moulbeerströuchern reicht bei sechsiähr;gem
Wochslum qus, un et$/o 40 - 60 000 Rc:upen zu lüt-
lern. Bei dieser Menge von Roupen konn sich jemond
in den Monolen Juni, Juli und August, wenn er die
Zucht gestoffelt betreibf, efwo 200 - 300 RM verdie-
nen und sicheft sich somil einen schönen Nebenver-
dienst. Weirerhin trögt er mil seiner Zucht dozu bei,
doß er hilft, den Vieriohresplon zu eiüllen, indem er
durch seine Seldenroupenzuchl do{ür sorgl, dass wir
uns vom Auslond ouch ;n der Rohstoffuersorgung un-
obhangig mochen. /nsbesondere eignet sich die
Roupenzucht für funsronäre, oder sonstige tiebhober,
die ihre Freizeit gerne diesem nulzbringenden Werk
schenken- Do der Roum nicht kühl sein dorf, in wel-
chem die Roupen c:ulbewohn werden, ist iedem die
Mögiichleit gegeben, in eioem Moosordenzimmer
oder sonst einem gee;gnefem Roum, der ol/erdings
luhig und worm sein nuß. Gre//es Sonnen/ichtmu8 no-
lürlich ouch vermieden werden.
Wer sich lür diese von uns geschilderfe Roupenzucht
inleressief' mog einmol seine Schrille zur Hermonn-
Göring-Schu/e /enken und der freund/iche tehrer Wei-
ten wird ihm gern mit Ro, und Iot zur Seite stehen. Ei-
nige yoiksgenossen ous dem Stod#ei/ Lisdorf hoben
s;ch mit Rücksicht ouI dieses gule Änschouungsmole-
riol enfsch/osser, in diesem Johr mii der Beslellung von
Moulbeerpflonzen onzüfongen, domil ouch sie im
ndchsten Johr mit einer Seidenroupenzucht ouivorlen
kannen. J.P
Aus dem letzten Artikel geht hervor, doss sich die
Seidenroupenzuchi in Lisdorl noch im Versuchsslo-
dium befond. Dos Bemühen der Portei wird deut-
ich, sle or.:f eine breitere Bosis 7u slellen, sie quosi
ols Nebenerwerbslondwirtschoft zu in§lollieren.
Dozu isl es donn ober nichl mehr gekommen. Nur
ein poor Wochen nochdem derArfikel geschrieben
wurde, broch der Krieg ous, und die Lisdorfer mus-
sten erst einmol in die Evokuierung gehen. Noch der
Rückkehr ous derselben im Sommer 1940 wurden
die Versuche wieder oufgenommen und bis zur
zweilen Evokuierung 1944 weiterge{ührt. Noch dem
Krieg gob es keine Wiederoufnohme der Seiden-
roupenzucht mehr, und dieses seltsome Kopitel Lis"
dorfer Londwirtschoft geriet in Vergessenheil.
Anmerkungen:
* Hermonn-Göring Schule = heutige Professor- Ecker-
Schule. Der Schulgorten log im Bereich der Hons-
Welsch-Hoile.
Die Kürzel ,,l.P" weisen ous, doss der bekonnte Lisdor
fer Johonn Porl den om I4.7.1939 in der Soor-Zeituns
veröffentlichien Adikel verfosst hoi.
lm historischen Torbogengeböude der heuiigen Prof.-Ecker-Schule, in dem heute ouch die Heimot'
slube unlergebrocht ist, demonstrierle Lehrer Emil Weiien ob I936 die Seidenroupenzucht.
3i
AusllügG,Ia[lten und Beisen mit
dcm llGimatlundeuGrGin:
immH Gin [GsonrlGles Ellelnis!
ln den rr.:nd 6johren seines Besfehens hol der
Heimctverein LisdorJ bereils eine Vie zohl von unter-
schied ichen Veronstoliungen durchgelühd. Ein we-
sentlicher Teil dovon enfföllt ouf Ausfllge, Fohrten,
Exkr.:rsionen und Relsen in dos ln- und Auslond, von
der Holbiogestour bis zu mehrldgigen Reisen. Zu-
meist hondeli es sich um Lehrfohrten und Siudien-
reisen, doch ouch die Aspekfe Erholung und Vergnü-
gen sowie Gese ligkeii und Gemeinschoflserlebnis
werden dobei immer sepllesl.
Die Teilnehmer beurlei en die Fohrten und Reisen
mii dem Heimoik!ndeverein mil den Ailrlbulen: inler-
essonl, informoiiv, leh(eich, gul orgonisied und preis-
günstig. Dos sind wohl ouch die Gründe dofür, doss
die Reisen öußerst beliebt sind. Wie isi es sonsl zu
erk ören, doss oflmo s schon kurz noch der Bekonnt-
gobe dle Pldize bereits ousgebuchl sind. Die Vereins-
führung isl iedenfolls slolz dorouf und wird sich be-
mühen, ou{ dem eingeschlogenen Weg forlzufohren.
Ein besonderes Augenrrerk wird ou{ die Beibehollung
der oußergewöhnlichen Preisgünstigkeil gerichlei
sein. Dos erfordert zwor vielArbeit durch weitsehende
Selbstorgonlsotion und grundsälz1lche Einholung von
nehreren Angeboien bei Reise!niernehmen, Hotels,
Gosislöl1en und Touristikbüros. Doch die Erfohrung
hot gezeigt, doss sich dos ohni. Dodurch sind bisher
immer vergleichsweise günstige Reisekonditionen ftr
die Teilnehmer erzielt worden. Selbsiversidndlich wer-
den die Fohrlen und Reisen vom Verein immer zum
Se bdkoslenpreis ongeboten. Aufgrund der Gemein-
nülzigkeli isf es dem Verein nön] ich nicht gestotfet,
Gewinne zu erwir-lschofien.
Aus der Vielzohl der bisher durchge{ührten Fohr'
len sind ous dem Holbtogesbereich die Fohrfen zur
Burg Mo brouck bei Sierck, zum Europdischen
Kuiturpork Bliesbrück-Reinheim, zur Römischen Aus-
grobung Perl-Borg, zum Wellku turerbe Vö klinser
Hütle (Ausstellungen Promelheus und Leonordo do
Vinci), zum Historischen Museum in Soorbrücken
und die regeLmößigen Weinprobenfohrren noch Per
sowie dle Fohrlen des Arbeiiskrelses Mundod und
Brouchtum zu heimotkundlich interessonlen SieLlen
diesseils und ienseits der Grenze besonders beliebl.
Die bisherigen Togeslouren zu Zielen im Pfd zer
Wo d, in die Rhein- und Südpfolz, im Elsoss und zu-
leizt ln Lolhringen woren ollesoml Erfolge. Die eizle
Tour om I 7. Moi des Johres noch Verdun sließ ouf ein
unerwortet großes inieresse, weil über LisdorJ hinous.
Vielen lnteressenten mussle obgesogl werden, do die
Busp ötze schnell belegi woren. Die zohlreichen Teil-
nehmer dieser Sludienreise erlebten einen hoch-
32
informativen Tog in Verdun. Eine sehr kompelenle
deuischsprochige Führerin zeigte der Lisdorfer Grup'
pe vormiliogs über 4 Slunden long olle berühmt-be-
rüchtiglen Siellen ou{ den Schlochtfeldern um Verdun,
wo im 1. Weltkrieg, weit überwiegend im Johr 1916,
ehao 800.000 Deutsche und Fronzosen einen sinnlo-
sen Tod gestorben sind. Nirgends sonsl ouf der Welt
konn der Wohnsinn des Krieges so demonslriert wer-
den wie hier in Verdun, dos heule g ücklicheMeise die
meisibesuchie Friedensslölle der We i ist. Beim on-
sch ießenden zünftigen Picknick im Porc municlpol und
beim Koffee in onheimelnden Cofes on der Meuse
bzw. in der Altsiodt konnte mon sich von den bedrük-
kenden Erlebnissen des Vormitiogs gut erholen. Am
Nochmifiog zeigie die Stodtführereln der Gruppe die
Atslodl von Verdun, die Koihedrole Notre Donre (Bi
schofssilz) und die riesige unierirdische Zitode le, wo
neuerdings eine Bohn die Besucher über die 7km on-
ge Sirecke befördert. Den Abschluß der Fohrt bildele
ein gemeinsomes Abendessen in einem bekonnien
Ho-el-Reslou orl i1 Cre-lrwold, dos *ege' se r'"r
gulen Küche bekonnl ist und wegen seiner dem
Heimolkundeverein entgegenkommenden Preisgesto -
tung für diesen Abend zur posiiiven Gesonrtbi onz die-
ser Reise wesenf ich beitrug.
Die bisherigen Mehriogesfohrien woren o esomt
erfolgreich. So die Fohrren zur EXPO noch Honnover
und in den Horz, noch Thürinqen unter dem Mollo
,,Auf den Spuren der Evokuierten 1939/1940" n:,lt
überschwdnglichen Besuchen und Empfangen bei
Honne Müller in Werther-Schore bei Nordhousen und
Morgorete (Mutter Greto Sponiol stommte ous Lisdorf)
und Wolfgong Geb er ouf ihrem Hof in Trebro; oußer-
dem die mehrfcchen Fohrren zur Grünen Woche noch
Berlin und die Reise im vergongen Johr on dle Donou
(Regensburg, Possou), 1n die Wochou und noch Wien.
Es verstehi sich von selbsi, doss ouf ollen Touren
ein umfongreiches Besichiigungsprogromm ongebo-
ten wurde, bei den mehrtöiigen oußerdem für lnier
esslerte ein obendliches Kulturprogromm.
Für dieses Johr sind weitere Ausf üge und Fohrten
vorgesehen. Fest terminied s;nd:
- om 28. Juni (somstogs ob l3 Uhr) eine
Fohrl zum Roscheiderhof bei Trier mit obendli-
chem Abschluss in der Brouerei Merzig.
- Am t 3. Juli (sonnlogs) eine Togesfohrl noch
Speyer (Koiserdom, Hislorisches Pfolz-Museum,
Technik-Museum, Altpörtel, Domhof-Brouerei u,w.)
- Vom i3. bis 2'1, September noch Budopest
(4 Toge) und nochmols Wien (3 Toge). Diese Rei-
se ist bereits ousgebuchl.
Für die Fohri om 28. Juni, orgonisiert vom AK
Mundort und Brouchtum, nimml Werner Noumonn,
fel. 2770 o.4431285 und für die Fohrt om I 3. luli
Heiner Groß, Te . 41694 Anme dungen entgegen.
A!ßerdem können on o le Vorslondmitglieder des
Heimoikundeverein Meldungen gemocht werden.
Heiner Groß
Reisesesellschoft des Heimotkundevereins vor Schloß Bel"edere in wien om 20. Sepiember 2002.
i
I*t
,,I
Lisdorter Relsegruppe beim Plcknick in Kedonse sur Coiner lLorhr isen) om 3.okiober 2002.
it
l{eitGr aufwärts: llie llliuliGilercnuiclilung im llGimatlrundeuelcin 1isd01t
Slond om 4. Moi 2003: 541
Slond om 3l. Dezember: ?
Miigliederzohl zum 31.12.2003 erroten und
bis zum l5.l L2003 der Redokiion mitieilen.
WFr die richlge Zohl er'ö, oder d,eser o.1
nöchsten l;egt erhält einen schönen Preisl
Eegrüßung des 300. Mitglieds Doniel Hid
om 12.5.2000
Begrüßung des 350.
om 9.2.2001
Mitglieds Herbert Luxenburger
Begrüßung der Mitglieder:
375 Morio Kunzler
399 Günter Nogel
400 Gerlinde Britzen
425 Deilef Geyer
om I8.1.2002
Begrüßung der Mitglieder:
450 Anno Groß
500 Alexonder Nonnweiler
501 Anio Nonnweiler {feh t)
502 Yonnick Nonnweier
503 Vo ker Nosel
om 23.1 1.2002
34
BildaslGlilc au$ d0r ll[cit dG$ llelmaüonüeucrcins
Lisdorfer Weinkönigspoor 2002/2003
lm Rohmen der letzfen Weinprobe im Weingul Schmitt-Weber in
PeA om 14.12.2002 wöhlte die lustige Reisegesellschofi des
Heimotkundevereins in weinse iger Loune noch obsolui dernokro-
tischen Gepflogenheilen in geheimer Wohi ieweils mil großer Mehr-
heit:
Mothilde Doffö - Bommersboch zur Lisdorler Weinkönigln und Au-
gust 8o/lhosor zum Lisdorfer Weinkönig des Session 200212003.
Unser Bild zeigl dos Weinkanigspoor noch ihrer feierlichen lnthro-
nisierung.
Anlößlich der Reise zur,,Grünen wo
che" noch Ber in im Jonuor 2002 be-
suchle eine Gruppe ouch dos Reichs-
togsgeböude.
Unser Bild zeigi die Gruppe in der
Kuppel des Reichstoges.
Am Tog ,,Ales im grünen Berei.h" in
LisdorJ om 4. Moi diesen Johres wurde
in der Heimotstube eine AUsslellung von
knopp I00 hislorischen Bildern ous Lls-
dorf gezeigl.
Unser Bi d zeist die Besucher Korl
Bolzer und Monfred Comtesse im Ge-
spräch mil Helner Groß.
Die Ausstel ung isl on den Sonntogen
l..luni, '15.
Juni und 6. Juli ieweils von
14.00 Uhr bis 18.00 Uhr bei freiem
Eintrifl geöffnel-
35
A
s
H.[, fll
ttr1
Lisdorfer Pforrkirche und Schweslernhous mit Kindergoden im Johre 1958 noch einer Zeichnung von Robed
Eisenborth.
Hl. Herzen Jesu".
dessen Stelle von
Vorderonsicht des Lisdorfer Schweslernhouses mii Kindergorten der,,Dienerinner des
Noch Wegzug der Schwestern im lohre 1978 wurde dos Gebdude obgerissen und on
1979 bis 1982 ein neuer Kindergorien geboul.

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Prof. dr.dr.jakob ecker
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Lisdorfer heimatblatt 5 0001

  • 1. 8ixIor,lr. Süül 2OOB Sr.t5: 3,OO 6rü10 il ilt ll Typisches Lisdorfer Bouernhqus ouf der Holzmühle Erboui im lohre 1903, Aufnohme von 1925
  • 2. lnholtsverzeichnis Heiner Groß Josef Rupp Agnes Groß Georg Groß Heiner Groß Erich Seidel Hons Löw Wollgong Mong Heiner Groß lmpressum: Herousgeber: Redoktion: Druck: Bonkverbindunsen: Bezusspreis: Vor 55 und 41 Johren geschoh Schreckliches: Die Grubenunglücke von Ensdorf und Luisenthol Verein der heiligen Kindheil Jesu oder Kindheit-Jesu-Verein, eine 16 löngsl vergessene religiöse Hillsorgonisotion? lmpressionen vom 4. Moi 2003 in Lisdorf,,.., olles im grünen Bereich" I8 Menschen unserer Zeit Rektor i. R. Erich Seidel 20 Die Zeit- ein kostbores Gut 23 Petrus Schmidt ous Lisdorf, Abt der Prömonslrolenserobtei Wodgossen 27 von 1778 bis 1783 Seidenroupenzucht in Lisdorf 2A Ausflüge, Fohrlen und Reisen mit dem Heimotkundeverein: immer 32 Verein Iü. Heimotkunde Iisdorf e. V (VHL) Am Ginsterberg I3, 66740 SoorlouiFLisdorl Tel.: 06831/41 694, Fox: 06831/l 28753 Heiner Groß (verontwortlich) Georg Groß (PC-Beorbeitung), Agnes Groß, Josef Rupp, Wo fgong Mong, Werner Noumonn, Günier Mong Druckerei und Verlog Heinz Klein GmbH, Auf der Wies 7, 66740 Soorlouis-Lisdorf Kreissporkosse Soorlouis (BLZ 593 501 I0), Klo.Nr.: 74-3008&0 Volksbonk Soorlouis (BtZ 593 901 00), Klo.Nr.: 14O1217629 3,00€ ie Heft, Vere;nsmitglieder erhohen es koslenlos 3 4 ein besonderes Erlebnis Weiter oufwörts: Die Mitgliederentwicklung im Heimolkundeverein Lisdorf 34 Bildospekte ous der Arbeit des Heimotkundevereins 35 Dos vom Verein für Heimotkunde Lisdorf e. V im Juni des vergongenen Johres herousgegebene Buch über dos Kriegsende 1944/45 in Lisdorf unter dem Titel , Letzle Zuf I uchtsstötle : Der Felsenstol len Rose ntho l" - Dos Kriegsende in Lisdorf - hot londesweite Beochtung gefunden. Es istvon der Presse und dem SR gebührend vorgestelh worden. Dos Buch konn weilerhin im BL.rchhondel und beim Herousgeber ('lel.: 06a31/41694) zum Preis von 19,80 € bezogen werden. Nomentlich gekennzeichnete Adikel geben die Meinung des Verfossers, nicht unbedingt dor Redokiion wieder. Nochdruck, ouch ouszugsweise, nur mil Genehmigung des Herousgebers Tilelbild: Bouernhous der Fomilie Johonn Ecker und Morio geb. Nicolo or-rf der Holzmühle N. 6, Dos Hous wurde 1903 von ihnen im Loihringer Eindochhofslil erbout, der seinerzeit und ouch noch spöier Iür Neubou- len von Bouernhöusern in unserem Roum typisch wor. Die Aufnohme slomrnl ous dom Johre 1925 und zeigi die domols bereits verwitwete Morio Ecker-Nicolo +l 872 t 1934 rnit ihren 5 Kindern v.l.n.r.: Johonn ' 1903 f 1990, Nikolous (ouf Pferd) ' 1906 t 1980, M6rio spöler verh. Groß ' 1908 t I987, Agnes spöter verh. Mothieu 'l9l I t 1972, Heleno spörer verh. Müller' l914 t 2001. 2
  • 3. Verehrte Leserinnen und Leser. wlr hoben lhre Geduld org stropoziert. Seit der letzten Ausgobe hoben wir viel Zeit versfreichen lossen bis zu dieser Nummer 5. Dofür hoben wir diese Ausgobe ouf 36 Seiten oufgestockt. Troizdem konnien wir die vorliegenden Beiiröge bei weiiem nichi olle verwerten. So hoben wir für die nöchsten Ausgoben, die noch in diesem Johr erscheinen sollen, bereits einen gewissen Vorrot on Publikolionsstoff. Enfsprechend der bisherigen Hefte linden Sie in dieser Ausgobe wieder unierschied- liche Themen behondelt. Den Schwerpunki bildet mit l2 Seiien der von Josef Rupp gelieferle oulhentische Beitrog über die schrecklichen Grubenungltcke von I948 und I962 in Ensdorl und Luisenfhol, bei denen ouch elliche lunge Lisdorfer Bergleufe unter den vielen Opfern woren. Die Opfer ous Lisdorf woren ousnohmslos gute Bekonnie und Freunde von Josef Rupp, mit denen er or-,f Grube Duhomel in Ensdorf zusommen orbeitete und spöter zur crube Luisenfhol wechselte. lm vergongenen.Johr wurde dem in der lnnenstodt wohnhoften Lisdorfer Erich Seidel dos Bundesverdienst- kreuz verliehen. Vor kurzem volendele er sein 75. Lebensjohr Beides wor für uns Veronlossuns, den Men- schen Erich Seidel zu würdigen und ihn mit dem Beilrog ,,Die Zeii, ein kosibores cut" über seine Kindheit und lugend in Lisdorf L.:nd seinen Kriegseinsotz o s 16jöhriger ouch selbst zu Wod kommen zu ossen. ln einem Beitrog beschöftigi sich Wolfgong Mong mif der Seidenroupenzucht in Lisdorf, die ersrmols von pforrer Honsen in den iohren 1832 bis 1838 zu Lehr- r,;nd Versuchszwecken in Lisdorf betrieben wurde lnd donn rund 100 Johre spöler von Lehrer Emi Weiten in der Lisdoder Schule wieder demonsiriert wurde. Beide Ver, suche holten keinen nochholtigen Er{olg. Sowohl der Wegzug von Pfoner Honsen noch Othaeiler ols ouch die Versetzung von Lehrer Weiten bedeutele ieweils dos Aus {ür die Lisdorfer Seidenroupenzucht. Der Heimoilorscher Hons Löw ous Schoffhousen sleuerte für diese Ausgobe einen hochinteressonten Ariikel über den ous Lisdorf siornmenden Wodgosser Abt Petrus Schmidt bei. Donoch ist Abl Schmidt, wos vielen nicht bekonni ist, om 29.12-1783 im Ater von 45 .lohren eines gewolisomen Todes gesiorben. Vermutlich wurde er von einem oder mehreren Kloslerongehörigen ermordet. Dieser Foll belegt, doss es hinter den Klostermou- ern nicht imrner {riedlich zuging. Ein Bilddokument ous dem lohre 1900 über die Aufnohme eines Peter Groß (Onkel von Aqnes u. Heiner Groß) in den Verein der heiligen Kindheil und ein von Frou Agnes Morguei"Denis zur Verfügung gestelltes Foto ous dem Johre ,I935 veronlossten Agnes Groß der Froge nochzugehen, wos ous dieser re igiösen Orgonisofion geworden ist. Auf den Seilen I6 und I 7 können Sie ihren Beitrog esen. Im Mittelteil finden Sie eine von Georg Groß zusommengestellie Auswohl von Bildern von,,Lisdorf - oles im grünen Bereich" om 4. Moi, die überwiegend von Gerhord Grosmück ous Lisdorf oufgenommen wurden. lm Schlussteil finden Sie Berichte und ollerlei Bilder über die Fohrlen mii dem Heimotkundeverein Lisdorl seine erf reuliche Mitgliederentwicklung und dos weitere Vereinsgeschehen. lch hoffe, doss Sie ous dieser Poleue von unlerschiedlichen Text- und Bildbeitrögen ehaos lnteressontes für sich enidecken und sich dorüber freLren, genouso wie wir uns über neues hisiorisches Texf- und Bildmoteriol lreu- en. Wir sind weiterhin on ollen Bildern, Urkunden und Korten zur Vervollslöndigung unserer Archive interes- siert. Bei uns isi in iedem Fol e gewöhrleistef, doss die historischen Zeitdokumente den nochwochsenden Ge- nerolionen erhollen bleiben. ln den nächslen Ausgoben werden wir uns den okiuellen heimoikundlichen Geschehnissen etwos mehr wid- men. Dozu zdhli ouch die von dem Lisdorfer Londtogsobgeordneten Georg Jungmonn initiiede und von Her- berl Germonn großortig orgonisierie Veronsioltung ,,Lisdorf - olles im grünen Bereich" om 4. Moi mit lon- desweiier Resononz. Diese Gemeinschoftsveronslollung hot eindrucksvoll gezeigt, wos olles erreicht werden konn, wenn ole on einem Slrong ziehen. lhr Heiner Groß Vorsitzender des Vereins für Heimolkunde Lisdorf e,V
  • 4. Josef Rupp Die schrecklichen Auswirkungen derverheerenden Schlogwetter- r.:nd Kohlensioub-Explosion in Lui- senthol hotJosef Rupp einige Siunden noch der Ko- tostrophe ols Hilfswilliger ebenfolls vor Ort erlebt. Er slühte sich oei dieser Bericlrlerslo'iur-g oulseina e,- genen Erlebnisse und Erinnerungen sowie oufAus' künfte von mehreren unmittelbor beteiligten ehemo- ligen Bergleuten, denen er für ihre bereitwilligen Bild-, Wort und Schrifibeitrcige healich donkt. Auch die Redohion donkt diesen und Josef Rupp für die- sen Bericht, der wieder einmolzeigt, wie gelohrvoll der Beruf des Bergmonns isi. Die herongezogenen schriltlichen Dorslellungen sind im Quellenver- zeichnis om Schluss des Artikels oufgeführl. Lossen wir nr.:nJosef Rupp berichfen: Der schreckliche 2. Weltkrieg wor zu Ende. Über- oll im Londe hotte dieser Wohnsinn seine Spuren hinterlossen. ln diesem totolen Zusommenbruch versuchien wir, eine Arbeitsslelle zu finden oder ols Lehriunge unlerzukommen. Die Gruben der Soor - gonz in unserer Nöhe - woren ;n iener Zeit ein verlockendes Angebot für uns. Ein hohes Einkom- men wurde in Auss;cht gestellt und dorüber hinous gob es zusötzliche Lebensmihel und Zigoreiten, die mon donn gegen olle onderen Bedorfsgüter ein- louschen konnfe. Als domols 14iöhriger be- gonn ich mit vielen gleicholt- rigen Lisdorfern, u.o. Rein- hold Scholly, Woller und Willi Krier, Peler Schmiit, Wolter Denis, Arthur Stein, Willi Jenol, Edmund Weber, Hons und Gerhord Destruelle, Hel- mr,;f Klein, Felix Görgen, Ed- gor Rissler und Josef Görgen meine erste Schicht ouf der Grube Griesborn. lm Rohmen unserer Ausbil- dung durchliefen wir mehre- re Abteilungen, bis wir donn ,,noch Unterfoge" zut Schochtonloge,,Duhomel" in Ensdorf verlegt wurden. Dori trofen wir oul weitere Lisdor- Uor 55 und 4l lahrcn gesonan Schrccfiliches: llie Gru[enung!üclouon tnsfloü unü lülsentnal Aus An loss des 41. Johresloges des schwerslen Grubenun- glücks im soor, löndischen Bergbou, dem om 7. Febrt:or I 962 in der Grube Luisenihol 299 Berg" leute zum Opfer fielen, dorunler viele ous der Stodt Soorlouis ein- schließlich sieben Lis- dorfer und einer gonzen Reihe ous Ensdo#, hoben wir unser Vorsiondsmitglied im Heimotkundeverein Lisdorf, Josef Rupp, gebeten, dorüber und ouch über dos schwere Unglück om 23. Dezember I948 in der Grube Dohomel in Ensdorl zu berich- ien. ln Ensdorf woren domols 20 Opfer zu beklo- gen, dorunier der 17-iöhrige Lisdorler Edmund Weber, dessen Hilfsbereitschoft ihn dos Leben ge' kostel hol und der ols,,Held von Ensdor{" in die Bergbougeschichte eingegongen ist. Josef Rupp wor domols Berglehrling ouf der Gru- be in Ensdorf und zur Unglückszeit ,,ouf Uniertoge- schichf'. Glücklicherweise wor er nichi unmiHelbor vom Unglück betroffen. Klossenlolo meines Ausbildunssiohrsonses mil: Lehrer Pufl (links), 2. Reihe: 3. v. 1.: Reinhold Scholly, 5. v .: Josef Rupp, 7. v. l.: Willl lenol, Lehrer Eberhord (rechis). 4
  • 5. fer Bergleute, die diesen Beruf schon lönger ous- übten. Noch dreilöhriger Lehrzeil legien wir die Knoppenprüfung ob. Bei unserem löglichen Fußmorsch zur Arbeitsslel- le und zurück hollen wir uns stels viel zu erzählen und woren immer zu Spößen oufgelegt. So kom es schon mol vor, doss wir bummelien und die Zeit zur Seilfohrt knopp wurde. Donn hieß es für uns, eine Abkürzung durch die LisdorJer Au zu nehmen. oder neben einem mil Noturolien gefüllten Brot- beutel ouch noch ein volles Essgeschirr, dos obli- gotorische ,Mufterklitzie" mii dobei hotten, gob es Probleme, weil wir donn nur eine Hond zum Festholten frei hof1en. Dos ging nicht immer gut ous. Fosl hotlen wir einmol dos rettende U{er der Lisdorler Au erreichf, ols Wolters mit Zigoretten ge- fülher Broibeutel in die Soor fiel und Richiung Verzinkerei in Froulouiern dovon schwomm. Auf unsere,^/utlerkrölze" konnlen wir verzichien, nicht ober oul die Zigorelten. Schnellstens hechel- ten wir über die Leitung, entledigien uns unserer Kleidung und schon krouhe Woher siilvoll seinem Depulol noch und erreichle ihn noch, ehe er un- terging. Einige Beobochier wunderlen sich über diese frühsommerlichen Bodef reunde. Vor unserer töglichen Grubeneinfohrl nohmen wir unsere Lompen in Empfong und trofen uns on- schließend im Zechensool zum stillen Gebei. Noch Nomensverlesung mit Einirog im Schichtenbuch fuhren wir ein. Das UnslüG[ uom 23. [crGm[e]1948 in dcr GflrlG lluhamcl in Eßdoil lch orbeitete domoJs in der Vorrichtungsobfeilung unier Abteilungssieiger Wohlwiener; mein Drittel- führer wor der Lehrhouer Poulus ous Nolboch. Es wor gegen I8.30 Uhr, ols wir vom Lokführer die Ds Büd!turbß lv@ ür aiiE. !.!.- .t, b, ro ,! !arL*'4 't.,-. Direkl vor der Schochionloge wor eine ehemolige Ol-Versorgungsleiiung über die Soor gesponnt, die noch von den lnvosionsfruppen her slommle. Mii den Füßen ouf der co. 20 cm dicken Leitung und die Hönde om T.ogseil scnofften wi. die Überque- rung der Soor Wenn wir iedoch Wechselwösche REcIE Schichtbeginn. Die Bergleuie werden vom Sieiger verlesen hier im Zechensoolom Neyscho cht der Gru be Ensdorf.
  • 6. Nochrichl erhie len, soforl ouszufohren, do im vor- getriebenen,,Ami-Sireb" ein Brond ousgebrochen sei. Poulus, ein erfohrener öllerer Bergmonn, wor sich der Gefohr sofori bewussl und ermohnle uns eindringlich, die Arbeitsste le soforf zu verlossen. Wir 17l18 iöhrigen woren ziem ich unbesorgt, so kurz vor dem Heiligen Abend des.lohres 1948, und zeigten keine große Eile. Zwei meiner domo, igen Berufskollegen ous Lisdorf, Wolter Denis und Edmund Weber, woren im direkien Bereich im ,,Ami-Stoß" beschdftigi. Hier komen die neueslen und modernsfen Abboumoschinen zum Einsolz. Do on diesem 23. Dezember der zustöndige Kol- lege für die Kohlenverlodestelle fehlie, meldete sich Wol'er Deris {reiwillig o.s E so-7. Schon immer holte er sich gewünschi, diesen interessonten und vielseitigen Arbeitsoblouf einmol sleuern zu dürfen. Dozu bedurlte es großer Umsicht und Konzentro- tion, domii om Schichtende die geförderie Kohlen- menge ouch der iöglichen Vorgobe enisproch. Wolter Denis sogle mir spöier: ,,Diesem Arbeits- plofzwechsel verdonke ich mein Leben." Um l8 Uhr wurde ich om Ver ode-Übergong on- gerufen und gefrogt, woher die Rouchschwoden kommen, die durch den Streb hochziehen- Um die Ursoche klören zu können, ief ich co. 40 m weit bis zur nächsfen Querverbindung. Dori stond ich vor einer beißenden Rouchwolke, die sich in Rich- lung meiner orbeilenden Komeroden forlbewegte. lch lief sofort zurück zum Telefon und meldeie der Konzlei des Obersleigers Schild, doss der Trons- formolorenslond den Streb in Brond geselzi hobe. Aul dem immer noch loufenden Förderbond logen inzwischen keine Kohlen mehc Trotzdem ließen mein Kollege Kreinemonn und ich dos Bond wei- terlor.:fen in der Hoffnung, doss es möglicherwei- se den Kollegen ols Retiungsmöglichkeit dienen könnie, indem sie domit gegen die Weiterrichiung den Sireb ver ießen. Spdter zeigie sich den Reftungsmonnschofien, zu denen ouch Hons Linsler ous Lisdorf gehörte, doss olle Kol egen versuchl ho en, mit der Wetter- richtung zu fliehen. Dodurch woren sie ober den giitigen, kohlenoxydholtigen Rouchschwoden ous- geliefert. Einer noch dem onderen broch zusom- men oder blieb vor der retlenden Weltertüre lie- gen, do er nicht mehr die Krofl hotle, sie zu öffnen. Gegen 20 Uhr wor losi die gesomte Belegschoft ousgefohren. Am Schocht trofen weitere Reflungs- 6 monnschoflen ein. Auch Minisierprcisident Johon- nes Hoffmonn und weilere Min;sler woren gekom- men. lnzwischen hotte ouch die Bevölkerung von dem Unglück erfohren und Angehörige wollten in- formierl werden. lch selbsi mochte mich ouf den Heimweg und be- gob mich zundchsi in dos Vereinslokol ,,Bürger- hof", wo der Hondbo lverein 5C Soorgold Lisdorf iogte. Als ich über dos Geschehen informierte, be- endeie der Versommlungsleiter Johonn Pori so- gleich die Versommlung, um sich on den Un- glücksod zu begeben. Spöter berichlele er donn ouf seine Arl von Mensch zu Mensch über die Ge- schehen in unserer Soorheimol. Unter den 20 Todesopfern befond sich ouch der Jungbergmonn Edmund Weber ous Lisdorf. lm Einsotz für seine bedröngien Komeroden ließ er sein Leben im Aller von l7 lohren. Er wurde öf- fenilich belobigt und bleibi der unvergessene ,,Held von Duhomel". Der Bürgermeisler von Soor ouis, P 81och, schrieb om 29. Dezember '1948: ,,Sehr seehne Farr,ilie Weber-Bostionl ,ln treuet Pflichterlüllung hoben om Vorobend des We;hnochtsfesies 20 bßve Bergleüte bei dem trogi- sc/ren Ung/ück ouf Grube Duhomel ihr Leben geop fert. lhr Sohn Edmund seha* auch zu diesen bedou- erlichen Opfern, weil er in vorbildlicher komerod- schoft/icher Gesinnung sich um die Wornung und Rei- lung seiner Leidensgenossen bemühte. Für diese edle Tot musste lhr Sohn sein iunges teben hergeben und sind Sie gerode om Weihnochlsfesle in liefe hooer veßetzt worden. Nochdem Sie bereits im vergonge- nen Kriege einen Soh,] ve oren hoben, hot Sre dos Schickso/ erneut heimgesuchl und den wesenllichen Ernöhrer der Fonilie geroubt. Wie van moßgebender Seile bereits fesigesiel/l worden ist bringt die gonze 8evö/kerung des Soor/ondes den vom Ung/ück heim-
  • 7. gesuchlen Fomi/ien innige le;/nohme entgegen. lch dorl lhnen nach zum Ausdruck bringen, doss die ge- somte Einwohnerscholt der Stodt Soorlouis dos hor- le Schicksol ihrer 5 lleißigen und ollseils geochteten Opfer besonders berühri und insbesondere die HoI tung /hres Sohnes ein besonderes Andenken sicherl. Nomens der Slodfgemeinde Soorlouis und ouch in meinem e;genen Nomen übetmifile ich lhnen dos fiel- gefihhe Beileid und wünsche, doss es ,hnen ge/ingen möge, ohne eigene gesundheitliche und seelische Schöden dieses schwere Los zu ertrogen. lch wei8, doss weder schöne Worle noch wirlschofl- liche Hille ollein ,hren großen Schmerz beseitigen können. Keinem Menschen ober isf es gegeben, dos diesmo/ Geschehene wieder rückgöngig zu mochen, und so holfe ich, doss die ollseitige Achtung vor /h' rem lolen und dos Mitgefühlder Bevö/kerr:ng ein k/e! ner Irost in ,hrer schweren loge sein möge. ,ch versichere lhnen, slets mit Rot und Iot zu Seite zu gez. (9loch), Bürget meistet" Dos Bloti der Gewerkschoflsjugend des Soorlon- des widmete ihm mehrere Seilen und führte unter 5o stor6 Edmund Weberl Edmund Weber orbeilele om 23. Dezember als Bondreiniger im mechonisierlen omerikonischen Äbboustreb in der Nöhe der Kommer 3. Gegen 18.20 Uhr wor er in den Stoß zu seinen Arbeitsko, meroden gekommen ünd noch einigen Minuten blieb die Schütte/rutsche sfehen. Diese stei/te s,ch outomolisch ob, wenn dos Förderbond nicht mehr in Bewegung wor So wor es, Webet eilfe zum Te- lefon, um fesfzuslellen, worum dos Bond stond. ]m gleichen Momenf erhielt er den Anruf, doss er die Komeroden ous den Kommern 2 und 3 von ihrer Arbeil rufen sollte, do im Bremsberg Rouchschwo- den feslgesfe/it worden seien. Et liel nun in Kom- mer 3, teite den Kome@den das Gehörte mit und forderte sie ouf, ihre Arbeil zu verlossen.Van Kom- mer 3 lief er noch Kommer 2 - dre Enlfernong zwi- schen beiden Kommern befrögt 40 Meler - um ouch diese zu benochrichtigen. Als er diesen Auf- trog ousgelühd hofie, begob er sich noch nicht in Sicherheil sondern er ste/ite fest, ob die Komero- den der Kommer 3 seinem Ruf ge[olgf woren. Do die Leufe der betreffenden Kommer g/oubten, die Rouchschwoden seien noch übrig von ihrem kurze Zeit vorher dürchgelühaen khießen, hoäen sie der Wornung des ;ungen Weber nicht die notwendige Beochlung enigegengebrochl und woren ouf ihrer Arbeitsste/le geblieben. €r beschwor die Arbeiter ous Kornmer 3, sich doch sch/eunigst /n Sicherheit zu bringen. denn die Rouchschwoden würden sichf- bor den Bremsberg hinoufziehen- Nun horchten die Arbeiler det Kommer 3 oul und mochten sich doF oufhin ei/igst oul den Weg, um sich in Sicherheil zu bringen. Do Weber festste/ite, doß sich ouch die Kommer 2 von seinem Mohnru{ nicht holle bein- drucken lossen, lie{ er in seinem Pflichtbewußtsein nochmols den Eerg hinon, um Kommer 2 mil dem efieulen Mohnrul zu besfürmen. Dos lelzle Won, dos die Überlebenden von ihm hörten, wor: ,,lch muss doclr meinen Aultrog erlüllen." Von diesem Gong kehde Edmund Weber nicht mehr lebend zu- rück. Die Anstrengungen, die er schon durch sein mehrmo/iges Hin- und Herloufen gemochte hotle, woren derort, doß Edmund Weber durch die Rouch- schwoden woh, noch hindurchkom, ober vor der relfenden Wellerlür erschöpft liegen blieb und in den Gosen erslickte. 5o gob Edmund Weber sein leben für seine Ärbeifs- komeroden. Ein jugendlicher Eergmonn slor6 in P{lichterlüllung. ln den Herzen oller wird er weiter- leben. Auch Woller Denis ous Lisdorf wurde {ür sein umsichtiges Verholien om Unglücksort und die prözise und rechtzeiiige Weitergobe der Einsotz- onweisungen in der Obersteigerkonzlei be- lobigi. Er holte mil do- für gesorgt, doss söml- liche Kohlenwogen un- verzüglich weggeröumt wurden und die Rei- tungswehr somil ungehinded zum Einsoiz gelon' gen konnle. Durch seinen Einsotz konnte mit oller Wohrscheinlichkeit noch größeres Unglück verhin- derl werden. Ein weiterer Zeiizeuge, der dieses Unglück miterleb- ie, wor der Houer Edmt:nd Rullong, ebenfolls ous Lisdorf, heute in der lnnenslodt lebend. Schon 1946 fuhr er ouf Duhomel ein, um donn spöter die Berg- schu e zu obsolv eren urd ols Steiger tö'ig zu sein. Bei der Koiostrophe vom23.12.1948 konnten sich donk seiner rechtzeitigen Wornung I I Komeroden retien- l95l ging Rullong noch Jögersfreude und schied 1955 bei den Soorgruben ous. Donoch wur- de er o1s Bergrevierinspektor in den Diensl der Berg- hoheilsverwollung des Soorlondes übernommen. Woller Denis
  • 8. Hier blieb er bis zu seiner Pensionierung und schied ols Bergrevier- Oberomlsrot ous. Es gibt sicherlich nur wenige Bergler.:le, die über eine solche Fülle von Wissen, Erinnerungssiücken und Sommelobiekien verfü- gen und sich mit dem Beruf des Bergmonns oLrch heule noch so ver- bunden {ühlen wie Edmund Rullong. Der Chef der domoligen Bergwerksgruppe Wesi. Monsieur R. Rougel, ließ Rullong einige Wochen noch dem Unglück zu sich kommen. Noch Zeu- genoussogen hotte Rullong sich etwo 40 Minulen in der Gefohrenzone ouigeholien und vorbildlich reogiert. M. Ror"rget wörilich: ,,Normoierweise kdnn- len Sie nichi mehr om Leben sein. Es ist e;n Wunder, doss Sie iebend herousgekommen sind, nochdem Sie zunöchst mit Schießmeisier Iilmont einen Erkund- ungsgong noch unlen unlernohmen und donn noch zwei Mdlin die Teilstecke 2 hineingelou{en sind, un die Komeroden zu wornen. Bedouer/ich ist, doss die Houer Glodel und Holfnonn zun geldhlichslen Zeit- punk /hnen nicht sofotl lolglen und durch den Zeit- verzug Glodel 120 n und Hotlmonn 190 m vor det Weftertüre liegen b,;eben." M. Rouget sproah seinen Donk ous für diesen Ein- sotz und beglückwünschte Rullong zu d;eser Reilungslol. Der domolige Leiier des Relerotes Bergbou im Wirtschoftministerium, Berghouptmonn Mothios Lonsdorler (ous Lisdorl siommend), bot Anfong 1950 den Elektriker Womsboch und Rullong zu sich. Er teilte ihnen mit, doss sie oufgrund ;hres vorbildlichen Verholtens und der kloren Zeugen- oussogen ols Houplzeugen für den Prozess vorge- sehen seien. Er belobigte beide ftlr ihr vorbildliches Verholten und beglückwünschte sie- Hons Linsler ous Lisdorf gehörte 1948 zur domoli- gen Grubenwehr-Refl ungstruppe. Deren Aufgobe bestond dorin, noch wöhrend des Brondes einzu- fohren und sich zum Unglücksori zu begeben lrotz Gos-, Feuer- und Explosionsgefohr. Mit dem schwe- ren Souersiof{-Tröger-Retiungsgeröt ou{ dem Rücken golt es, Verleklen zu hel{en, Toie zu bergen und den Brond einzudömmen. Dies olles bei großer Hitze und beißendem Quolm. Sie wurden iedoch von dem Gedonken getrieben: dorlworlen Komeroden ouf Hilfe. Dieser Einsotz erslreche sich über meh- 8 rere Toge. Am 3. Mörz 1949 wurde Hons Linsler und seine Komeorden von der Grubenwehr für ihren muligen Einsok ge- donki mit den Wo.ien: ,,lch hobe die Ehre,lhnen lüt lhten muligen, uner schrockenen undse/6st'lo- sen unermüdiichen Ein- sotz ols Gtubenwehr- monn onlösslich der Grubenbrondkoiostrophe DUHAMEL on 23.12.1918 und den folgenden To- gen zu grotulieren. Die Direktion des Sfeinl<ohlenbergwerks Ensdorl / Viktotio lnd die gesomte R6gie des Mines de io Sorre sprechen lhnen hiermit ihren gonz besonderen Donk ous." Gedicht von Albetl Korn Den Hel{ern und Reliern Sie seizten sich ein bis zum lelzlen Monn, die Knoppen ous wetlem zu rcllen, sie sponnlen die öußersten Krölle on, die Wunden und Toten zu bellen. Sie ochteten nmmet de! slüeenden Wond, der giftigen Gose und 8rönde, sie suchlen die fiebernde Bruderhond, im Serge ihr Beisiond 2u spenden. Den Reftern sei Ehre und Donk gebrochl - Wir k6nnen nicht ol/e sie melden: Die Mdnner im Kompf m;t der grousigen Mocht, die Ungenonnlen, die Helden. Bei den Soorbergwerken ergoben sich Skukiurver- önderungen. Neue Kohlevorkommen wurden im Bereich der Grube Luisenlholerschlossen. Der Ener- giemorkl bevorzugte die dortige leicht brennbore tettkohle. Viele Belegschoftsmitglieder der Grube Ensdorfwurden desholb noch Luisenthol verlegt. Mit wenigen Ausnohmen komen fost olle Lisdorfer Berg- Leute noch Luisenthol. Einige Arbeilskollegen fonden eine neue Arbeitsslelle beim Krofiwerk Fenne. Weger des lörgeren Anfohrtsweges ho'te'l wir uns olle Fohrröder ongeschofft. Von Lisdorf und ouch ous dem weileren lJmfeld, sogor ous lttersdorJ, {uhren die Bergleute mil dem Fohrrod zum Ens- dor{er Bohnhol. Dod wu.den die Röder in einem ,,Fohrrodschuppen" der Fomilien Osbild r-rnd lo- kob-Hofl in der Neuslroße i I und l3 gegen ein geringes Enlgelt in Obhut gegeben. Von Ensdorf ging es donn mit dem Zug noch Luisenlhol. Edmund RulLons Hons Linsler
  • 9. Nochruf Dar 23. Dezcmber 1948 wird ia der Geschichtc der Soorgrubcn nur mh sdrmcrzliöen Empfindungcn crwöhnl wcrdcn lönnon. An dicsem Togr rind durch dos Unglüd« ouf Grubc Duhomcl. §chwolbodrer Flö2, 20 Mitqrbeilcr von uqs ge*hicden: Altmeyer l, Alfred Ensdorf Becker 13, Jakob Ensdorf Gladel, Viktor Wallerfangen Hoffmann,Rudolf Reisbach Jenal, Heinrich Ensdorf . Jungmann, Johann Jensen, Viktor Saarwellingen Saarwellingen Keller, Robert Hülzweiler Lenz, Alois Saarwellingen Lehnert, Viktor Nalbach Lehnert, Nikl. Beaumarais . Mahler, Simon Fraulautern Ney, Ernst Saarlouis Puhl, Otto Ensdorf Schütz2,Johann Nalbach Schmitt, Friedr. Hülzweiler Scholly, Vinzenz Fraulautern Tilmont,Hermann Felsberg Weber, Edmund Lisdorf Weiler, Jakob Ensdorf Mit den Hinterbliebenen, den Wilwen und Woiscn, don Eltern und Go. schwislern slehen wir in tiefer Ergriffenheit und Trouer vor dcn Oplern des Bcrgmonnsberufes. Wir werdcn ihrer immer gcdenkcn. REGIE DES MINES DE LA SARRE 8o boi n, Gencroldiroktor
  • 10. U0r4llahren: llas llramauon luiscmhal mil299 0fferu ln Luisenthol musslen wir uns mit einer neuen Ab- boutechni( verrout mochen. Es wor Iur uns e'ne große Umstellung, die durch die niedrige Sireb- höhe von nur knopp einem Meler sehr erschwert wurde und viele Kreuzschmerzen verr.:rsochh. Der fettholiige Stoub dieser Kohle konnte noch Schich- tende nur mii viel Mühe obgewoschen werden. Ein weiious grö0eres Problem bestond jedoch in der großen Explosionsgelohr. Trolz hoher Sicherheits- moßnohmen gob es immer wieder Explosionen. So ouch in erschreckendem Moße on diesem ver- höngnisvollen Tog, dem T.Februor 1962 An diesem Tog vor 41 Johren verloren ouf der Gru- be Luisenlhol bei dem größten Grubenunglück im soorltindischen Bergbou 299 Berg eute ihr Leben. tin Lisdorfer Bergmonn erinnert sich:,.Es wor ge- gen 7.45 Uhr, kurz noch Beginn der Frühschicht. /ch befond mich noch in einem Arbeifsbüro ü6er Tage. Plöhlich höne ich eine storke Detonotion, die ich nichl solort einotdnen konnle. Ein Blick ous dem Fensler :eigte nichts Ungewöhnliches. Plötzlich stieg in einiger Entlernung leichter schworzer Rouch ous dem Schocht/och. Eine dump{e Ahnung be- sch/ich mich und Fossungslosigkeit überkom mich, ols sich die Ahnung beslötigre. Spdter wurde mir die menschliche Ohnmochl gegenüber der Notur- gewoil bewussl und ich erschouerte vor dem Aus, moß dieses Unglücks." Sofort noch Eingong der ersien Meldungen wurde der Alorm für die Houpirettungsstelle in Friedrichs- thol or-:sgelöst. Als sich donn ober dos Ausmoß dieser Explosion obzuzeichnen begonn, wurden sömtliche Grubenwehren der onderen Soorgruben ongefordert. SchlieBlich woren 28 Retiungslrupps om Einsotzort, die sich bis zum nöchsien Tog ouf 50 Trupps erhöhten. Auch ondere Hilfsmoßnohmen wurden gehoffen. Do die Berichterstoftung des Rundfunks zunöchsl ziemlich zurückholtend wor, fuhr ich noch Luisen- ihol, um mitzuhelfen. Am Einsoizort ongekom- men erkonnte ich iedoch sogleich, doss die Loge sehr ernsl wor und meine Hilfe eher unongemes- sen wor. Noch koflet Zeit mochte ich mich oLrl den Heimweg, in Gedonken bei den Verunglück- len, mit denen ich zum Teil 5 Johre long zusom- t0 mengeorbeitel hotte. Mit Wolter Krier, Reinhold Scholly ur-d Arthur Stein hotte ich sogor meine Schulzeii verbrocht. 7 . Februor 1962: Der schwörzeste Tog im Soor-Bergbou Sie vetbtonnlen, ersfickfen, wurden erschiogen oder von Exp/osionen zenissen, die 299 Eergleufe, die om Morgen des 7. Februor 1962 im Alsboch- Ield der Gru6e Lursenthol dem schwersten Unglück im soorlöndischen Bergbou zum Opler fielen. Die meislen Opfer woren ouf der Sfe//e tot. Gegen 7.50 Uhr kom es zu einer so genonnlen Sch/ogwe! ler-Explosion, nochdem eine Melhongos-B/ose on- gebohi worden wor. Diese Schlogwefter,Explosion wuchs sich in eine verheerende Kohlensloub-Exp/o- sion ous - eine kogische Verl<ettung unglücklicher Umstönde. Nur knopp drei Dutzend von über 400 Sergleulen in den Strecken konnten sich selber rel- len, Grubenwehren holten übet 60 Mönnet herous. Ioge/ong sorgte,,Luisenfhol" fü die Schlogzeilen in den deutschen Medien. Die gonze Repub/ik trou- ene mit den Völklihgern, ous oller Weh trolen Bei- /erds-Ie/egromme und Spenden für Hinterbliebene ein. Die Fostnochi im Soorlond fiel nohezu ous und viele Eergleute woren so geschocll doss sre nie meht unler Toge fuhren oder in ondere Eerule wechsellen. SZ 7,2,2OO2 Am Unglücksorl ,,Über. Toge" woren noch onde- re Lisdorfer onwesend. so or.rch unser domoliger Posior Alois Löw (sein Bruder wor domols Unfoll- steiger ou{ der Grube Ensdorf) r..,nd Hons Lins er ous der Großshoße 85. Als longjAhriges Mitglied der Grubenwehr wollte er kolz seines ongeschlo- genen Gesundheiiszustondes unbedinglzum Ein, solz in den Schochi einfohren. Dies wurde ihm ober verwehrf. Hons Linsler holf donn über Toge mit bei der Versorgung der Verlelzten und Ber- gung der To1en. Unler den Opfern erkonnte er seinen Schwoger Rudi Hofner, und so erhie len die Angehörigen noch in der gleichen Nocht die To- desnochricht. Dieses schreckiiche Unglück hotie ouch bei Hons Linsler Spuren hinterlossen. Trotzdem wollte er wei- lerhin Menschen in Not helfen und wor noch ioh- relong bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsoiz, zu elzf ols Oberbrondmeisier und Chef des Löschbezirks Lisdo*.
  • 11. Von den insgesoml 968 Mdnner der Frühschicht, die om 7. Februor in die Grube eingefohren wo- ren, konnten olle Bergleute ous dem Südfeld, dos von der Explosion nicht beirolfen wor, und ein Teil der 664 Monn im Alsbochfeld unverletzl ousfoh, ren. Von den Retiungsmonnschoffen wurden 87 Verlelzie geborgen und in soorlöndischen Kron- kenhöusern versorgt; drei Schwerverlelzle wurden om 8. Februor in eine Spezio klinik noch Ludwigs, hofen geflogen. Dos Ausmoß ond die Schwere des Unglücks zeich- neien sich immer deullicher ob, ols om 7. Feburor noch I2.30 Uhr keine Lebenden mehr in dos Not- lozoretl gebrochl wurden. Der Soorbergbou be- klogi den Tod von 299 Bergleuten. Unmittelbor noch dem furchtboren Unglück go i es, die Fomilien der lot geborgenen BergLeule zu benochrichtigen. Diese trourige ff icht wurde noch om gleichen Tog von den Fürsorgerinnen der Gru- be in Beg eitung von Belriebsbeomlen und Be- triebsrolsmiigliedern übernommen. Am Toge dor- ouf, dem 8. Februor, wurden 227 weilere Berg- monnsfomilien von oberen Bergbeomlen besuchf, die ihr Miigefühl oussprochen und Hilfe onboten. Die Soorbergwerke AG mussie noch dem Unglück festslellen:,,Mit den schwergeprüften Angehörigen beklogen wir mil lielet Erschüllerung den Iod von 299 Bergleuten, die mitten ous ih:ner A$eit idh hin- weggerollt wurden-" Eine Welle der Hilfsbereitschoft und Fürsorge liel on und suchie sich ihren Weg- Die sprichwöriliche Verbundenheil der Kumpels zeigte sich in hohem Moße. Den Anfong mochien die Bergleute se bst mii ihren Bergmonnsvereinen. Vie e Ge dspenden gingen ein. Hier zeigte sich die über lohrzehnte gewochsene Solidoriiöt der Bergleute, die ihren Ursprung in den bereits 1855 gegründeten St.- Borboro-Bruderschofien f indet. Es wor Pforrer J. A. l. Honsen, der noch seiner Ver selzung von Lisdorf noch Ottweiler wegen der do- moligen schlechien soziolen Verhcilinisse die,,l. Bru- derschoft 5t. Borboro" on der Soor gründete - eine segensreiche Vereinigung, w:e sich spöier zeigie. ln den Togen des Unglücks, der Nol und Trouer kom ouch Hilfe von der Bundesregierung, der Ho- hen Behörde, den Löndern und Gemeinden in Form von Sofortprogrommen. Auch ondere Verei- ne und lnsiilulionen zeigten ihre Verbundenheit durch Spenden. Selbst ous dem Auslond wurde Hilfe ongebolen. Die Bundespost gob ersimols eine Jugendmorkenserie herous, deren Erlöse ous den Zuschlögen den Kindern der Bergwerksopfer zugu- te komen. Für die Hinierbliebenen der Opfer wur- den 200 Ferienoufentholte gespendet. Nichi zu übersehen sind die kleinen und ofl unter persönli- chen Opfern gebrochlen Spenden von Renfnern. Schier endlos schien der Slrom der wohliuenden Anlei nohme und Hilfe. Aus oller Welt gingen Bei- leidslelegromme ein, so von Prösideni Kennedy, Stootsprösident De Goulle, Königin Elisobeth, Kö- nig Boudoin, Königin Julione, König Olof. Popsl Johonnes XXlll beouftrogfe den Aposlolischen Nun- tius, den betroffenen Fomilien seine iiefe Anteilnoh- me ouszusprechen. ln Leid und Not zeigi sich dos Zusommengehörig- keiisgefühl om störksten. Um ollen Spendern wie ouch den BekofJenen gerecht zu werden, wurde bei der Stootskonzlei eine Berotungssielle einge- richiei, die donn mit Einverslöndnis oller Betrofle- nen in die,,Siiftung Bergmonnshilfe Luisenfhol" omgewondelt wurde. Den Vorsitz übernohm Mini- sterprösident Dr. Röder. Die Soorbrücker Londeszeilung fossfe den Aus- druck der gesomlen Hilfeleistung in folgendem Solz zusommen: ,,Wenn es einen lrosl in diesen von Irouer gelränkten Togen gibt donn isi es d;e Sol;do- ritöt, r:,il det die Menschen dieser Zeit on diesem Geschehen leilnehmen." Dos führende Heimoibloti, die Soorbrücker Zei- tung, betonte ebenfo ls in ihrem LeitorJikel die gro- ße Solidoritdi in der Zeii dieser Koloslrophe und schreibi: ,,Den Hinlerbliebenen ober schulden wi mehr o/s eine leilnohme, die sich in Woden und Ge- fühlen öußert. 4i schulden ihnen e;ne fötige Hilfe. Die Eerg/eute seibsi geben uns hier ein Berspiel: Sie slehen unter loge in einer von selbstloser Komerod- scholl gelrogenen Not- und Ge{ohrengeneinscho{|, die ein Gesetz ihrer Arbeii isl. finer konn srch oufden onderen verlossen. Dos hol dos lurchbore Gesche- hen des geslrigen loges wieder bewiesen. Eine eben- so lätige Komerodschoft muss uns nil den Opfern der Kolosfrophe verbinden, d;e einen der schwdrze- sien Toge des Soolondes J.ennzeichnet. Die Verlelz- len und ouch die Hinterb/iebenen der vieien Todes- opfer müssen wissen, doss sie sich in ihrer Not ouch ouf unr or,'f die menschliche Gemeinschoff verlossen können, in der wir im Sooland zusannen leben-" Am Vormittog des 10. Februor wt;rden die Opfer des Unglücks im Pork der Grube Luisenthol für die Trouerfeier oufgebohrt. Neben den Sörgen slon- den Bergleute ous ollen deulschen Bergboure-
  • 12. T lisdofier musstcn amr.fe[rua11962 AUTGru[G luisGntnal iftle[enlassen. HoLrer A ois Mothleu, Llsdorf, geb. 22.I0.I 9l B Houer Wo ier Krier, tisdorf, seb. 31.10.1930 Hcuer Reinho d Scho ly, Lisdorf, geb. 27.1 l.l 930 Sleiger Rudoll Ho{ner, seb. 19.11.1925 Houer Heinrich Conde, Lisdorf, seb. 26.10.1 923 Houer Kurt Rejped, Ensdo.f-Lisdorf,seb. 26.05. I 927 Ho!er Arrhur Sleln, Beoumorois-Lisdorf, geb 03.11.1930 12
  • 13. i { Bergleuie ho len Ehrenwoche bei ihren toten Komeroden vieren und hielten mit brennenden Grubenlompen Ehrenwoche bei ihren toten Berufsko legen. Eine FLl e vo 1 Krön7en beoeckte die Sörge, die von ei- nem schlichlen Holzkreuz überrogt wurden. Bundesprösideni Dr. Lübke kom mii e;nem Sonder zug zur Trouerfeier noch Luisenthol. Aus ollen deut- schen Bergbourevieren und ous Fronkreich woren Bergknoppen in ihren Uniformen erschienen. Durch den Dunst des Winlermorgens, der die bei- den Fördertürme der Grube Luisenihol koum er- kennen ließ, broch die Sonne hindurch. Neben den Hinterbliebenen der 299 Opfer woren ouch viele Menschen ous der Bevölkerung zur Trouerfei- er erschienen, schölzungsweise 5.000 Menschen. Der Bundesprösident hielt eine longe und er- greifende Troueronsproche. Allen Leidtrogenden sproch er die Anteilnohme des gesomien deul- schen Volkes ous: ,,Vor uns stehen 299 Sörge mif den Tofen der furcht- borslen Bergwerkskotoslrophe in der Geschichte des soor/öndischen Eergbous. Unermess/ich ist die Trouer und der Schmerz in den Häusern dieser Siodi und ihrer Umgebung. Nur Gott weiß, wieviel Irdnen hier gef/ossen sind. Es giit Abschiednehmen on den Grobern, dosWissen um die Unmög/ichkeit eines irdischen Wiedersehens; vergeblich worlen zu müssen, wenn die onderen von der Schichi zurück- kehren; den Frouen und Mültern und 363 Kindern sogen zu müssen, doss ifir Monn und Votet nie mehr noch House kommf." Dr Lübke donkie in dieser Slunde ollen Rellungs- monnschofien der Gruben und des Rolen Kreuzes, den omerikonischen und deuischen Soldoten für ihren oufopferungsvollen und oft on die Grenzen der physischen Krofl reichenden Einsotz bei der Bergung der Opfer. Monchem Verlelzlen konnle dodurch dos Leben gerettel werden. Stellvertretend für die vielen ungenonnten Helfer, die sich noch dem schweren Unglück zur Verfü- gung gesiellt hotien, wurden om ,l8. August eine Bereitschoftsführerin und sieben Helferinnen des Deulschen Roten Kreuzes in einer besonderen Fei- erstunde geehrl. Sie hotlen Verletzte versorgt und die toten Bergleufe, deren Leichen völlig ge- schwörzl woren, gewoschen, um so die ldeniifizie- rung zu er eichlern. Auf Anregung des Bergmonnsvereins ,,Si. Borbo- ro" Lisdorf goben om 25. November ,]962 der t3
  • 14. '/ F F .l >l i;^rl -A.:l^ü Soorknoppenchor und die Bergkopelle Jögers, freude im Soole Breininger in Lisdorf ein Wohl- lötigkeitskonzert. Der Erlös dieser Veronsloltung wor für die Ausgestoltung der Grobstötte der iöd- lich verunglückien Bergleute ous Lisdorf bestimml. Quellennochweis: Schocht und Heim 8. Johrgong I962 Heimotkundliches lohrbuch des Kreises Soaiou;s I 961 -63, Zeitschrift "Die Arbeit" rechts: Ehrung von Hellerinnen des DRK 14 rr§j-: { Bundesprösident Heinrich Lübke sproch den Leidtrogenden die Anteilnohme des gonzen deuischen
  • 15. s a --€-ffi Ehrenmof ouf dem Friedhof in Lisdorf uum Gedenken on die 299 Toten der Grubenkotostrophe om 7.2.1962 in luisenlhol und insbesondere die Lisdorfer Opfer Nqchruf Mitglieder und werden ihnen ein ehrendes AndenkenWir lrouern um unsere verstorbenen bewo h ren. Rudolf Germonn Johonn Morguel Herlo Herrmonn - Frilz Heinrich Luxenburger Alfred Schwind lokob Noumonn Emmq Welsch - Klein Lutwin Otto Roso Port - Morguet . t2.08.r9r9 -'t 1.05. r 91 9 . 03.02. r 9r I - 16.12.'t921 . 24.O2.1920 - 17.10.t923 - 12.11.193t . 27.O1.1914 * 17.o9.1916 t 0r.02.2002 t 31.03.2002 t 2s.04.2002 t r 8.05.2002 t 12.06.2002 t 06. r 0.2002 t r 5.1 1 .2002 I 07.O2.2003 t 04.05.2003 Verein für Heimotkunde Lisdorf e.V '15
  • 16. uGrcin dfi nGiligen ffinühelt lGsu 0üG1 l(inüheit-lesrueteln eine länust uer0essGnG ]GllglösG ffilß0lganisationf -a r .' "" -,1,,'' f,.2t.1tr/.r ,,,",. i . (d,',-r..ir,.,. '::,:..r,,.! . r':.i t,. . / Bilddokument ste lte Asnes Groß zur Ve*üguns Zeugnis vom ,I6. Jonuor 1900 über die Aufnohme von Peier Groß (geb. 1895, gefollen 1917 im 1. Weltkrieg) in den Verein der hl. Kindheit in Lisdorf. Dos Motiv ist typisch für die Zeit vor I00 .lohren; dos Originol ist in Forbe. 16
  • 17. Sommlerinnen des Kindheii lesu Verein Usdod im lohre 1935 mit Koplon Künster (miite) und Anno Sienger (link$ und Anno Klein (rechts). Foto stellie Asnes Morsuet-Denis zur Verfüsune. Wos ist ous ihm geworden - dem Kind heitJesu-Verein ? Viele öliere Leser erinnern sich besiimmt doron, doss sie ols Kinder dem Kindheil-lesu-Verein on- gehört hotten. Noch dem obgedruckten Bild ouf der linken Seite bestond der Kindheit Jesu Verein in Lisdorf bereils im Johre 1900. Domols nonnte er sich ,,Verein der hl. Kindheit lesu". lhm gehar- ten fost olle kotholischen Kinder bis zum Alter von '14 bis l6 Johren on. ln Lisdorf sollen dem Verein zeitweise mehr ols 600 Kinder ongehört hoben. Anfong der sechziger Johre soll der Verein iedoch seine Aklivitöten in Lisdorf eingestellt hoben. Der Kindheit-Jesu-Verein wurde 1843 von Bischof Ch. de Forbin Jonson von Noncy ols Gebels- und Op{ergemeinschoft der Kinder gegründei, um dos horJe Los chinesischer Kinder zu mildern. Seit 1849 wurde der Verein besonders zum Loskouf ofriko- nischer Sklovenkinder eingesefzr. Ab I855 ersfreck- ten sich die Hilfsoktionen über die gonze Welt: Un- terstüf2ung oller Einrichtungen, die den gesunden und kronken Kindern helfen. Bereits 1856 wurde der Verein von Popsl Pius lX. zu einer kononischen lnstitution, 1922 zum Pöpsilichen Werk erhoben. Die Zenlrole ist in Poris. Aufgobe: Erziehung zum Apostolot und proktische Missionshilfe durch tög- liches Gebel und einen monotlichen Beifrog. ln Deutschlond wurde dos Werk 1846 eingeführ1. Als kirchenomtliches Missionswerk der Kirche fond es von Aochen ous, wo die deuische Zenlrole isf, Eingong in olle deutschen fforreien. 1962 hotte es in Deutschlond 1,7 Millionen Mitglieder Zur glei- chen Zeit erfolgte die lJmwondlung in dos Pcipst- liche Missionswerk der Kinder. Bekonnteste Moß- nohme ist die jöhrliche Sternsinger Aktion. Dos Hillswerk gibt die Zeitschriff ,,Die Sternsinger-Mis- sion" für Kinder und ,,Schule und Mission" für Lehr- personen herous. Sifz des pöpstlichen Kinderhilfs- werkes isl weiterhin Aochen. Agnes Groß 17
  • 18. - t r4Ma ch )l gclt il h, nrr rltL,n.. ingcn . Hr,u'ul ir, ; , +[ ,"§,, [,; I ,,:*{ t8
  • 20. ilenschen unselfiIeit nGnüi.R.tllchsGiüel lm vergongenen Johr überre;chte Kultusminister.lür- gen Schreier dem Lisdorfer Erich Seidel dos ihm vom Bundesprösidenten verliehene Verd;enstkreuz om Bonde des Verdienslordens der Bundesrepublik Deuischlond. Es hondelt sich dobei !m die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepubllk lür besondere Verdienste um dos Allgemeinwohl zu vergeben hof. Minister &hreier würdigte Erich Seidel ols eine rsön. lichkeit, die sich durch longiöhriges ehrenomtl;ches Engogement in herousrogender Weise r.:m dos kultu- relle und sporlliche Leben verdieni gemochi hot. Erich Seide wurde 1928 inn Lisdorfer Ortsfeil Obsigor- len geboren. Von 1934 bis 1938 besuchte er die Volksschule in Lisdorf und wechselte donoch on die Oberschule noch Soorlouis (heutiges Robert,Schu- monn'Gymnosium). I944 wurde er ois l6 iöhriger mil seinen Klossenkomeroden ols Flokhelfer z!rWehr- mocht eingezogen. Kurz vor Kriegsende 1945 kom er in Boyern in omeriksnische Kriegsgeiongenschofl und wurde in dos berüchfigie Kriegsgefongenenloger Bretzenheim zwlschen Bod Kreuznoch und Bingen ge- brocht, dos die Fronzosen von den Amerikonern über- . nohmen. Noch seiner Enllossung ous fronzösischer Kriegsgefongenschoft setzle er seine schulische Aus- bildung lorl und schloss doron ein Studium zum Volks, schullehrer on. Als Lehrer und spöier sls Rektor wor er on den Schulen Si. Borboro, Gisingen und Ker ingen iötig, bis er l99l in den wohlverdienten Ru- hesiond einlrol. Über viele Johre wor er doneben ols Mentor für schulproktische Ausbildung tötig und mochte viele Studenien der fuier"WustHo.hschule in Soorbrücken und spöter der Pödogogischen Hoch- schule des Soorlondes mit der Schulwirklichkeil und Unterri(hlsoroxis verlroul. Se:t serne. PensionierrJng bildet er on der Grundschule Kerlingen regelmößig Kinder in Musik und Gesong ous. Auch in der Politik wor Erich Seidel iöiig. Seiner PoF lei, der CDU, gehort er ols engogiertes Miigl;ed seit fost 50 Johren on. Als er in Sl. Borboro wohnte, wor er im dorligen Gemeinderol oktiv. Mit dem Bezug ei- nes Eigenheims im Sperberweg in Soorlouis mussle er sein kommunoles Mondoi in Si. Borboro oufgeben. Seit über fünf .lohrzehnien engogierl sich Erich Seidel ehrenomilich im kirchlichen, kuliurellen ond sportli- chen Eereich, und zwor in Si. Borboro, in Gisingen sowie in seinem He;molort Lisdorf. Dobei liegt ihm die Nochwuchslörderlrng besonders om Herzen, die ei- nen großen Teil seine. Freizeil in Anspruch nimmi. Als possionierter Musiker ist er seit Johrzehnten in der Kirchen- und Chormusik ols Sdnger, Dirigenl, Orgo- nisi und Vorsilzender tötig. t954 gründele er den Kir- 20 chenchor 51. Borboro, den er seilher leitei. Auch der Kirchenchor in Gisingen steht unter seiner Leil!ng. Au- ßerdem isl er in beiden Pforreien ols Orgonisl tölig. Seit 1986 isi er Vorsilzender der Chorgemeinschoft Eintrochl 1888 51. Borboro und dirigiert seit mehr ols zwei Johrzehnlen die Lehrer-Soldoien-Sporl-Sing- gemeinscho{l Soorlouis, d,e zu vielen Anlössen inner- holb und oußerholb der Grof-WerderKoserne ouilritt. Dorüber hinous engogiert s;ch Erich Seidel seit seiner Jugend im spodlichen Bereich seines Heimotories Lis- dorf. Zundchsl ols Spie er in der l. Fußbollmonnschoft des SV I929 lisdorf, donn ols Aktiver io der Ahher- renmonnschoft und seit elwo 40 Johren ols Mitglied des Vorstondes. Von l97l bis l988worer l. Vorsil- zender, seii 1988 ist er Ehrenvorsihender des SV I929 Lisdorf. Für sein Wirken im Sportverein Lisdorf wurde ihm 1979 die Ehrennodel des soorländischen Fuß- bollverbonds in Bronze und 1989 in Silber übeneichi. 8ei der Übergobe des hohen Ordens om I3. Jonuor 2002 im Vereinshous Frouloutern erkl6de Minisier Schreier, doss Erich Seidel sich durch seine sochliche und kompetenle Arbeil, seinen ldeolismus, seine Un- eigennühigkeii und seine Bescheidenheii hoher Aner- kennung und ollgemeiner Werischöizung erfreuei dles w!rde von den vielen Teilnehmern der Feiersiunde durch longonhollenden Beifoll bestöligl und donkbor Aus Anloß seiner hohen Auszeichnung hoben *ir un- ser M;tglied Erich Seidel gebeten, einen Beikog {ür dos Lisdorler Heimotblott über seine Kindheits und Jugenderinnerungen zu schreiben. Diese Biile hol uns Erich Seidel erworlungsgemöß erfülh, Seinen in die- ser Ausgobe obgedruckten Artikel hol er unter die Uberschrift: ,,Die Zeit - ein kostbores Gol" gesetzl. Kuz vor Vollendung seines 75. Geburlsloges om 5. Moi diesen .lohres musste sich Erich Seidel ein künst- liches Kniegelenk einpflonzen lossen, nochdem die d!rch forigeschri#ene Arthrose verursochien Schmer- zen unertröglich wurden. Seilher ist er schmerzfrei und wieder voller Elon. Sein vielfölliges ehrenomfliches En- gogement fÜhrl er mil sellener Bescheidenheii fort. Erich Seidel fühlte und fi;hll sich - trotz seines iohr, zehntelongen Engogemenls in den Gor.rortschofien der Gemeinde Wollerlongen und seines Wohnsines in der lnnenstodi - in seinem Herzen immer ols Llsdor- Ier und der Lisdorfer,,Dorfgemeinschoft" verpllichlet. So wor für ihn eine Mitgliedschofi im Verein für Hei- motkunde Lisdorf selbstverständlich. Wlr beglüc,<wünschen Erich Seidelzu seinefl ,,75", sei- ner foriwöhrenden großortigen Lebensleistung und donken ihm zugleich flr seine Verbundenheit und sei- nen Beilrog in dieser Ausgobe.(hg)
  • 21. Erich Seide o s Spielführer der L Fußbol monnschoft des SV I929 tisdorl im Johre I957. :' .- Se del o s Voßilzender des SV 1929 L sdorf mil Vorstondsko lesen im Jubi öumsiohr 1979. Rechrs neben ihm l--:-. :':'zender Dr. Arond. 21
  • 22. A.löß ch eines Feslkomme,sesdesSVLisdorf om 10.6.1989 ehrie A be.rwos.er, 2. Vorsifzende, des Soorlöndlschen Fußbollverbo.- des, Erich Se del mit der Ehre.nodel, Lrmrohmr von Rei.old Rupp ( i.k, und Perer Schmifl, die ebenlol s seehrt wu,den. den t-.hrererbond lm lohre Lehrer in Lisdorf, donoch wie Erich Seide ols tehrer in St. Bo,bo,o woh,erd de, do 'ise- L,dbeerferes,r -oLF o: I - ' dem spöleren soorlöndlschen M;nis'ei..as- denien Dr Fro.z-losef Röde. '1983. I von lii[s Be.nci Rucp rr:o J von inks Erich Selde Scho rektore.. e Erlch Seid€ bel einer Ehruns durch Norberl Sperling (beide viele Johre 22
  • 23. Erich Seidel llie leil - ein losüares Gut Die Bitte, meinen Lebensweg zu be- schreiben, vero n- lossie mich über Vie es nochzuden- ken, wos stdndig um uns und in uns wor und ist: die Zeit. Und wen n mon 75 Johre ge- worden lsl, sie ll mon lo pido r fesl, wie schnell die Zeit vergongen isi. Als Kind iummelt mon sich in einem Meer von Zeit, besonders, wenn mon eingebetiet ist in die Güte und Liebe von Sor- ge lrogenden Ehern, die o les, wos sie on moteri- elen Dingen uns goben, hort erorbeiien mussien, und wir desho b o le Genügsomkeit in uns oufnoh- men und donoch leblen. Eine Menge Kinder spieLlen togtöglich im Obsigor- ten, dem etwos obgelegenen Ortsteil von Lisdorf. Die Nomen der Spiele sind koum übersetzbor ins Hochdeutsche: Giesch, Bohnlouf, Schlogboll, Vö1, kerboll, Fußboll- Alles spie te sich vor unserem Hous (spdier Gosthous ,,Zum Rosenthol", heute An- tiquiiöien Schirro) oder doneben oder dohinter ob. Mileinbezogen wor die efwos gewölbte Pfoster- slroße, ehemols Provinziolsiroße, donn Adolf-Hit- ler-Sir, und noch 1945 wieder Provinziolstroße ge, nonni. Auch die G eisonlogen der Stroßenbohn Linie 5 von Soorlouis noch Wodgossen woren für jedes Spielen kein Niemondsiond. lm Winter rodel- len wir den Berg zwischen unserem und unserer Tonie Hous hinob über die Houptstroße hinous. Nohle ein Aulo oder die Stroßenbohn, wurden Spiel und Schiittenlohrt gestoppt. Die Winier woren noch meinem Empfinden költer ols heute. lch erlebie öfters, doss sich die Siroßen- bohn nur mil der Dovormonioge eines Schneepflu- ges vorwörts bewegen konnle. An den Fenstern der Höuser g önzten Eisblumen, denn nur die Kü- che wor beheizbor. Am Abend legie die besorgte Muiler uns ongewörmte Bocksieine ins Betl. Wir spü.len keine Longeweile, iroiz fehlendem Fern- sehen. Am Abend spiellen wir Mensch-ärgere-dich- nicht. Nebenon wohnle meine reso ute Großmuiler, genonnl Pooke Trout, die beim Kortenspiel um je- den Pfennig feilschie und die uns beim,,Budicken" (Gemüse morktfertig herrichien) einsponnte. Jeden zweilen Tog im Sommer nohm uns der Großvoier mii in seinen Wold. Do störie mich doch etwos die 1934 Iür mich be- ginnende Schulpflicht. Der Schulweg zur Volks- schule in Lisdorf wor weil. Er mussle lroiz Slroßen- bohn zu Fuß zurückge egi werden. Obligotorisch wor ouch der wöchenilich zweimolige Besuch der Schu messe um 7 Uhr. Selbsiversiöndiich wor ouch der sonntögliche Kirchgong unier der Obhut von Voter und Muiter lch ging gern zur Schule, hoiien wir doch mit dem Lehrer Weilen einen lieben, einen gütigen Lehrer, der uns ohne Stock und Prügel Lesen, Schreiben und Rechnen beibrochle, wos domols nichi selbst- versiönd ich wor. 1938 überzeugie mein Klossen, ehrer EmilWeiten meine Eliern, mich in der Ober- schule Soorloulern (heutiges Roberi-Schumon- Gymnosium) onzumelden. 1939 stieß unser ,,g orreicher Führer" bei der Schoffung des ,,Großdeutschen Reiches" or.rf Wi- derslond. Der mussie unbedingl durch Krieg ge- brochen werden. Polen wor schnell besiegf. Wir ober, meine Mutter und mein jüngerer Bruder Kuri musslen mil wenigen Sochen ouf dem Ziehwogen unser Dorf in Richtung Soorwellingen verlossen. Mein ölterer Bruder Adolf wor oktiver So dot, mein Voter b ieb vorersl zu House. Die ersie Übernoch' lung gobs in Soorwellingen. Am nächslen Morgen ging es weiler zum Bohnhof Nolboch. Hier begonn für uns Kinder ein lolies Erlebnis, so- ßen wir doch zum ersiem Mol in einer Eisenbohn und betrochlelen voll Erslounen die vorbeifliizen" den Londschoflen, wöhrend Momo bedrückt;n ei- ner Ablei ecke soß und rotLos der Dinge horrie, die kommen sollten. Die Fohri schien kein Ende zu nehmen. Wir rouschlen durch Fronkfuri, Kossel, Mogdeburg bis schließlich der Zug in einem Bohn- hof in der Mogdeburger Börde hielt. Wir mussten oussleigen. Die Bohnstoiion hieß Güierglück. Wir slonden oul dem Bohnsleig mil unseren Hobselig- keiten. Die onwesenden Abgesondten der umlie- genden Ritlergüter loxierten uns wie ouf einem orobischen Bosor, um herouszufinden, welche Fo- milie o s Arbeitslrötte grl zu gebrouchen wären. Endlich soßen wir oul einem Pferdewogen, und ob gings zu einem Gulshof. Wir bewohnien ein Zim- 23
  • 24. t,:m " 'i'i i" folgende Sogkrofi Mouern noch oußen zog und Döcher obdeckte. Meln Bruder und ich sch iefen in besogier Nochl in unserern Zimmer im 2. Slockwerk. Geweckt rvurde ich durch dos Schrelen meines Bruders. Als lch die Augen öf+neie, soh ich den kloren Nochlhimn.e über mir. Die Zimmerdecke wor weg, dos Doch ohne Ziegel. Wlr hetzten die Treppe runler L-lnd wundeden uns, doss lnser Kel er schon vo er Men schen wor. Türen und Roilöden ogenoufde Siro- Be. Auf keinem Hous irn Obstgorten woren noci Ziege n. Die dem Exp osionsort etwos nöher sle- henden Boulen hoiien keine Rückwond rr-reh-. Dle 5 bewohnlen Borocken woren wie weggeb oser. Nun begonnen wir gemeinsom mil weilerer Be- wohnern des Obsigor-iens im seli ich von unse,em Hous liegenden Berg elnen Stolen zu groben. Ab ieizt wußten wir, doss es lebenswichtig v/or, be Fliegerolorm oufzust-^hen, um die Schutzr ä LJ me Erich Se;dei (links) mir selnen B,üdernAdolft (mlfie)und Ku.t (rechls) im Johre 1936 vor hrem Ehernhous. mer. Die Muller orbeilele im Hous. lch besuchte die einklossige Volksschule. Am Nochmiltog hütete ich die Kühe ouf der Weide. lm Herbsi ho fen wir bei der Ernie ouf den unendlich weilen Zuckerrüben- feldern. Ab und zu durfte ich die Pferdekutsche lenken bis mein Voter kom, um uns noch Rüsse s- heim zu holen, wo er Arbeii und Wohnung gefun- den hotie. Hier seizte ich ouch den Besuch ouf der Oberschu e forl. Nocl de, Kopi'uloton [ronLre'chs durler *i m Sommer 1940 wieder noch House. DerAlltog kehr- le ein. Mein dllerer Bruder wor in Dönemork und Nonvegen eingesefzl. lch trof meine Schulfreunde wieder. Eine Siegesmeldong löste die ondere ob. Am 21. Juni l94l eriönten die Fonforen im Rodio besonders louf. Der Führer leille seinen Unierionen mii, doss Ruß ond nunmehr der Feind Nr. 1 gewor- den sei und vernichlei werden müsse. Konsterniert hörle ich meinen Voter sogen: ,,.leizl isi der Krieg verloren", eine Aussoge, die mich erslounie und die ich erstvie spöler versiond. lm Sommer 1942 fiel dle ersie Bombe, eine Lu{tmine, gonz nohe bei-n Obstgonen ns {reie Feld. Die Wi l.uagswe:- se einer Luflmine log dorin, doss bei ihrer Explo- sion ein lulileerer Roum entstond und die dodurch 24 Erich Se del ;m Johre 1942 o s Gyr.cs os'
  • 25. Unvergessen bleibt ouch der erste Lufiongriff ouf Soorloulern im lohre 1943. Wir Schüler soßen im Keller der Oberschule. Brondbomben tro{en dos Schulhous. ln unmiitelborer Nochborschoft bronn- te dos Bonkhous Bickelmonn. Dos,,Union Theoter" (Kino zwischen Kreissporkosse und Blr.:menhous Morionl in der Lisdorfer Stroße wor durch eine Bombevöllig zerstört. Rettungsmonnschoflen gru- ben von der Slroße ous einen Stollen in den Kel- ler, um Verschüttete herouszuholen. lm Nochhinein versuche ich mich zu erinnern, wos domols in uns, sigenllich noch Kinoern, vorgirg, wos unsere Reoktionen woren. Die Reoklion wor Trotz. ln unserer Noivitöt meinten wir, wenn wir die Möglichkeit des Kömpfens erhiellen, wir es diesen Feinden schon zeigen könnten. So wor es fosl selbsiverstöndlich, doss wir dos.lohr 1944 sehnlichst erworteten. Wußten wir doch, doss wir mil l5 lohren endlich eingreifen durften, um dos Volerlond zu retlen. Es wor die noiv kindliche Vorstellung, die r.rns durch douernde Propogondo die eigene Unbesiegborkeil gorontierte. lm Jonuor 1944 mussle die Uniertertio unserer Oberschule in Völklingen ontreten. Voll Mitleid be- lrochfelen wir unsere Klossenlomeroden des Johr- gongs 1929, die noch nicht mil durften. Wir be- komen Uniformen, housten in Borocken, exerzier- ten on Kononen und durflen schießen. Somslogs hotten wir Ausgong, durften ober nicht ins Kino, weil wir dofür zu iung woren. Unser mililörischer Auftrog loutete Schr..rh: der Röchlingschen Stohl- werke. Lehrer komen morgens in unsere Slellung, um uns zu unterrichten. Es wor eine obenreuerli, che Ze;t. Ein für mich unvergessener Tog ist der 20- Febru- or I944- Mein Voter besuchle mich in unserer Slel- lung mii dem Fohrrod. lch soh ihn zum erslen Mol weinen. Mein Bruder, 25 Johre, olt wor gefollen. lch erhieli Urloub. Wöhrend meines Urloubs er" reichte die Fomilie ouch die Nochricht, doss mei- ne beiden Vellern Josef Berdin und Ludwig Lons- dorfer. beide erst I9 Johre, ihr Leben verloren hot- len. Meine Muller schr;e in ih.em Leid und ver- fluchte den Verbrecher Adolf Hiiler. ln Lisdorf be- gegnefe mon nur noch schworz gekleldeten Frou- en, denn fosl iede Fomilie wor vom Verlust betrof- fen. Besonders die Frouen woren gezeichnel vom Leid durch Verlust und der stöndigen Angsl um die on ollen Fronien kömp{enden Ehemönner, Söhne, Vöter und Brüder Dozu kom dos lögliche Lrnd nöchtliche Rennen in dle Luflschutzröume und dos dortige Worien in völliger Hilflosigkeit. So wor ich doch froh, ols der Urloub vorbei wor und ich die- ser erdrückenden Atmosphöre enikom, denn bei meinen Flokfreunden konnte mon ogieren, mon konnle sich wehren. lm luni wurden wir noch Fronkfurt-Bobenhousen verlegl. Hier louiete der Auftrog: Sicherung des Flugploizes vor Tiefongriffen. Es vergingen nur wenige Toge ohne mehr oder minder slorken Ein- söhe. Kehrte donn Slille ein, schouten wir uns on, ietzt doch schon l6 Johre olt. um festustellen: ,,Wir leben noch." lm Sepfember wechselien wir mii dem dort slotio- nierten Jogdgeschwoder noch Niddo im Vogels- berg. Hier erleble unsere Einheil ihr schwersles Desoster. An Heiligobend belegte uns ein gegne- rischer Bomberverbond mil einem Bombenteppich. Ein Zug unserer Botterie erhieh einen Volhreffer. Wir verloren dobei eine Anzohl von Schulfreunden, und onsioll der Weihnochtsmefte hielt ein Priester einen Trouergotiesdiensl. Noch dem gelungenen Übergong der Alliierten über den Rhein bei Remogen solhe unsere Einheil weiler noch Osten verlegl werden. Bei dem Wirr- worr des Abmqrschs gelong es mir und 2 Freun- den, uns obzuselzen. Noch ochl Togen woren wir bei meiner Muller in Gerolfingen bei Dinkelsbi;hl in Mittelfronken, wohin meine Muller evokuiert worden wor Noch wenigen Togen erhiellen wir schon unseren Stellungsbefehl. Als Zielpunki wor lngo slodi ongegebenen. Wir mochten uns ouf den Weg; zu Fuß, ouf Güterwogen. Wir folgten dem Wehrbezirkskommondo, dos noch Augsburg ous- gewichen wor. Mon beorderle uns dort noch Mün' chen zu einer SS-Einheit. Wir komen spöt in der E.;ch Seidel (rechis) o s Flokhelfer im Winier I944145 -' seinen Klossenkomeroden v.l.n.r.: Albe'l Schmitl :-s Lisciod, Heinz Bersin und Werner Schworz, beide 25
  • 26. Koserne on und verbrochten die Nocht im Koser- nenkeller, weil ein schwerer Luftongriff München heimsuchle. ln dieser Nocht gesionden wir uns ge- genseitig: ,, Es ist ol es sinnlos geworden, der Krieg ist verloren", und wir beschlossen, olies zu unler- nehmen, um ous der Koserne zu kommen und den Heimweg zu suchen. Es gelong uns, die Koserne zu verlossen und so beweglen wir uns wieder nord- wör_s der Donou zr,. Ar Tog vers_ecklen wir urs, nochls morschierfen wir. Wir ernöhrten uns von den Rüben, die wir ous ,,Feldmieten" ousgruben. Aul e:1igen ongepeilter BoLernhöfen bekomen w;. ouch eine Brotzeii. Endlich stellien wir uns einer omerikonischen Kompreinheit, die uns,,geföhrliche Krieger" sofort in ein Loger schoffte. Eine 7 monoiige Odyssee be- gonn. Wir hungeden, leblen olle Toge unter frei- em Himme. Wir besoßen keine Decke, keinen Montel, der uns vor Schnee, Frosl oder Regen schüizen konnie. Wir logerlen ouf nossem, kohen, frosligem Boden und wörrrten uns gegenseilig. Die Amerikoner tronsporlierien uns ols Kriegsgefon, gene ,]och Nürlberg-Longcnzenn, wo ch me r-en Voler verpoßte, der ouch hier gefongen wor. Am 4. Moi 1945 b'och-en sie uns nocl' Brerzenheim 7w:- schen Bingen und Bod Kreuznoch in dos dortige berüchligte Gefongenenloger unter freiem Himmel, dos uns beinohe zum Verhöngnis wurde. Dor wote_er wir 'm Sch omn . Wir wuSler rns n r- gendwo hin zu legen. Ausgehungerle Soldoten lie- len in den Sch omm und erlronken. Nur der Um- stond, doss wir 3 Freunde uns gegenseitig holfen, siützten, uns Mr.ri zusprochen, rellefe uns und ließ uns schließlich überleben. Jeder von uns wor bis ouf die Knochen obgemo- geri und hoile nur noch ein Gewichl von etwo 40 Kilo. Noch der Enl ossung ous diesem Loger be- nöligte ich ein longsomes. vorsichliges Eingewöh- nen on geregehes Essen, um wieder holbwegs zu Kröfien zu kommen. Meine Erinnerungen zeigen mir immer noch dos Bild von Pfingsien ,l945. lm Orf Breizenheim ldu- 'eter d e Glocken. Vom Loger ous sohen wi'ver- härmle Menschen ouf dem Weg zur Kirche. Wir sohen wie Vergessene und hilflose Kreoluren den Menschen noch, zweifelnd, ob wir ie wieder die- ses freie Leben er eben dürfien. Dos Loger Bretzenheim wurde von den Ameriko- nern eingerichiei und spöler den Fronzosen über- 26 geben, die dor'f ihren Kriegshoss on uns ouslebien. Viele deulsche Kriegsge{ongene sind dort elend verendel. lm Nochhinein dorf ich {eststellen: Ein Schukengel begleiiele uns. Er behüiete meine Freude und mich. Er ließ uns lrotz oller Wirren zu keiner Roh- hei verkon-men, gonz gewiß dos E.gebris eirer chrisilichen Erziehung im Eiternhous, die lrolz no- iionolsoziolistischer Propogondo und Krieg ge- prögi wor von Liebe und Achtung dern Milmen- schen gegenüber. Der behonde te Lebensobschniti von 1928 bis 1945, dem Johr meiner Geburt bis zum Kriegsen- de, trmfossl zwor nur I 7 lohre. Aber insbesonde- re d;e Jo'lre der ßinoreil .onenmirviel lörge, ,o. ols sie toisöchlich woren. Es woren schöne lohre. Auch die onschiießende Schu zeit in Lisdorf und Soorloulern, wie Soorlouis domols hieß, wor für mich e;ne überwiegend schöne Zeit. Der oliersbedingte kurze Kriegseinsotz wor iedoch bei nochtröglicher Betrochfirng eine obsold verlo- rene Zeit für mich. Heute weiß ich: Unser Verhöltnis zur Zeit hot sich verönderi. Als Kinder hotlen wir viel Zeit. Vielleicht besteht ouch dos oft zitierle Glück der Kindheii dorin, doss mon sich nichl so viele Gedonken um diese Zeit mocht. Donn entdecki mon in der lu- gend und besonders im Erwochsenwerden in oller Deullichkeit, doss Zeii ein kosibores und unwieder- bring iches Gui isi. Heute weiß ich: l-.lnser Verhöli- nis zur Zeil hol sich veröndert. Als Kinder hoäen wir viel Zeit. Viel eicht besteht ouch dos ofl zitierte Glück der Kindheit dorin, doss mon sich nicht so viele Gedonken um diese Zeit mochl. Donn eni- deckl mon in der Jugend und besonders im Er. wochsenwerden in oller Deutiichkeit, doss Zeit ein koslbores und unwiederbringLiches Gui ist. Aber ouch diese Zeit geht zu Ende und mon be- merkt: Alle Zeit, die nicht fiit dem Herzen wohr- genommen wird, isi eine verlorene Zeil. Des- holb gilt für mich ouch heule noch dos Wort ei- nes Philosophen: ,,Corpe diem!", nutze den Tog, nutze die Zeit, sie ist ein Geschenk.
  • 27. Hons Löw, Schoffhousen 4al Vom I l. Moi 1765 bis Anfong lonuor I 767 Po- stor in Völkl;ngen. Seit I l. Jonuor 1767 Subprior und Novizenmeisier in Wodgossen. Seit 12.10.1771 Vikor in Großbliedersdorl. Yon 1774 bis 1778 Poslor in Lisdorf und von I 778 bis Ende I783 Abt der Prömonskotenserobtei Wodgossen. Er slorb om 29. Dezember vermutlich eines ge- wohsomen Todes. Petrus Schmidt, ein umsichtiger und lrommer Geisilicher, hochgebildel und ouch in der Seelsor- ge erfohren, beherrschle vier Sprochen: Grie- chisch, Loiein, Fronzösisch und Deutsch. Ein voll- stöndiges Bi d von ihm zu erholten, ist der For" schung noch nichi möglich, denn bis heute sind nur wenige Dokumenfe/Unlerlogen ous seiner Re- gierungszeil bekonnl. Eines der überlieferlen Do- kumenie isl der hondgeschriebene Brief vom 12. Moi 1782 on die Diözesonverwollung in Metz. Sein Tod hot johrelong die lustizbehörden in Bouzonville und Noncy beschdfl;gt. Der Diener, ein Herr Weigel, wurde der Tot verdöchtigi und ins Geföngnis noch Bouzonville gebrocht. Meh- rere Chorherren hoben bezeugt, doss Abt Pet.us Schmidt keines notürlichen Todes geslorben sei. Unüblicherweise wurde er ouch noch om Todes- ioge beerdigt, wos die Joslizbehörden ebenfolls stulzig mochle. Es wor nömlich Bror.rch, doss ein Abt drei Toge in der Bosiliko vor dem Houploltor oufgebohrt wurde. Georg Boltzer, ein gr.rt infor- rnierter Historiker, schrieb I865 in seinen hisio- rischen Nolizen, doss Abt Peirus Schmidt om 29. Dezember 1783 von seinen Mönchen erwürgi und gemordei wurde. Urteile wurden verkündet, Revisionen eingelegl, und schließlich wurde der Diener freigesprochen. Allein dos Revisionsurleil vom 19. Moi I 785 umfosst l0 Druckseiten. Der Freispruch von Weigel hot ouch einen,,königli- chen" Akzenl. Der Nochfolger von Schmidt wor Jeon Boptisie de Bordier. Die Fomilie de Bordier siond hoch in der Gunsl des fronzösischen Kö- nigs. Dieser hotte in einem ultimotiv obgefossten Schreiben den Konvenl von Wodgossen oufgefor, dert, den Chorherrn de Bordier zum Abt zu wöh- len. Die erfolgte Einstellung des Juslizverfohrens wegen Mordes gehi nichi zuletzl ouch ou{ dos Einwirken des fronzösischen Königs zurück, der Peüus Schmidt aus lisdoil A[t der PrämonsEiNlGnsG]altei tflaügassGn uon lIrB bis 1183 Der verdienslvolle Abt Michoel Siein, ein Sohn von Konrod Srein, Schmied, und Anno Stein geb. Rupp, Hebomme von Lisdorf, storb hochbetogi im .luli i778. Der Konvent der Wodgosser Prömon- siroienser wcihlte ols Nochfolger den ersi 40-jöh- rigen Chorherrn Pelrus Schmidt, ebenlolls gebür, tig ous Lisdorf. Er wor dos 4. Kind der Eheleuie Andreos r.:nd Kothorino Schmidt. Lisdorf gehörie domols zum Königreich Fronkreich und Pelrus Schmidt wor f ronzösischer Slooisbürger, geboren om 29. April 1738. Abl Peirus Schmidl Bei seiner Volliöhrigkeil lroi Peirus Schmidt ;n die Prömonslrotensero blei Wodgossen ein. Die Einklei- dung wor om 1 7. Augusi 1 760, die Proless om 15. August l762.Am 18. September 1762wordeer Subdiokon und om 28. Oktober desselben Johres Diokon. Am 2. Juli 1763 erhielt er die Priesterwei- he. Nochsiehend die weileren Stolionen ols Chor- herr der Abtei Wodgossen: 27
  • 28. seinem Günsiling weilere Schwierigkeiten ersporen wollie. Petrus Schmidt, ein hochgeschölzter und ongese- hener Abt, wird in Lisdorf und Wodgossen unver- gessen bleiben. Zusolz der Redoklion: Abi Petrus Schmidt wurde om 29.4.1 738 in Lisdor{ ols 4. Kind des Togelöhners Andreos Schmidl (geb. 22.2.1 7 05, gest. 6.12.1 7 67 ) und seiner Ehelrou Koihorino geb. Schmitt ous Knorscheid (geb. 13.5.1706, gest. 21.12.1783) geboren. Seine Toufpolen woren Peter Jocob und Anno Morio Groß ous Lisdor{. Er kom om 29.12.1783, noch Wolfgong Mong Seiilenraurcnzucm in lisdoil Auch heute spielt die Londwirtschofi in Lisdorf noch eine bedeutende Rolle. LisdorJ isl durch den Ge- müseonbou überoll im Soorlond bekonnt. Er hot in Lisdorf bereiis ein mehrere Johrhundede wöh- rende Trodit;on. Wohrscheinlich hot der Bou und die Besiedlung der Fesiungsstodt Soorlouis den Gemüseonbou in Lisdorf beflügelt. Es ist nochge, wiesen, doss noch der Eesiedlung von Soorlouis Gemüsegörtner ous Fronkreich noch Lisdorf ge- kommen und hier seßhoft geworden sind. Soor- louis mit seinen vielen Menschen und vor ollem Soldoten ouf relotiv engem Roum wor ein gutes Absotzgebiet für dos in Lisdorf erzeugfe Gemüse. Noch und noch wurden fosl olle Aden von Gemü- se ongeboui. Doneben ober ouch die üblichen londwirtschofilichen Produkte, wie Getreide und KorloJfeln. Auch die Viehholiung spielie bis einige Johre noch dem 2. Weltkrieg in Lisdorf eine bedeu- tende Rolle. Noch mehr verlrelen wor die Kleintier- holiung. Fost jeder Housholt hielt Hühner und Ho- sen. Lelzfere nichl zum Amüsement der Kinder, son- dern zum Eigenverzehr. ln den meisien Housgörlen stonden Obstbdume und -slröucher, die pfleglich behondeli wurden, domit sie viele Früchle lie{erten. Es wurde fosi olles wos möglich wor ongebout oder geholten. Aber Seidenroupen? Mon weiß, doss sie in Chino gezüchiet werden, hoi vielleicht ouch ge- höri, doss in Fronkreich, bei Lyon, Seidenroupen- zucht betrieben wird. Aber in Lisdorf? Bereils in den Johren ,l832 bis ,l838 hot fforrer Honsen in Lisdorf Seidenroupen gezüchlel. Der Po- 28 5 lohren ols Abi der Prömonsirolenser-Ablei Wod- gossen, im Aller von 45 Johren ouf dubiose Art ums Leben. Wohrscheinlich wurde er von Ablei- Angehörigen ermordet. Seine Mutler Kothorino storb nur 8 Toge vor ihm im Aller von 77.lohren in Lisdorf (vgl. Rudolf Zenner ,,Die Einwohner von Lisdorf vor 1900", Teil 3 S. 1003 Nr. 2637; der Fq- miliennome ist dor m't,,tt" geschr'eben). Wir donken Herrn Hons Löw, Pcidogoge, Schrift- steller und Heimoilorscher ous Schoffhousen, herzlich für seine Abhondlung über Abt Peirus Schmidt. Er hof Lisdorfer ,,Wurzeln" und isl sowohl mit Abt Michoel Stein ols ouch mit Abt Peier Schmidt verwondt. Die Seidenroupe beim Fressen von Moulbeerbl6ttern (oben) und beim Einspinnen in den Kokon. litiker, Kirchenmonn, Heimotforscher und Schul- beomte. eine Arl Universolgenie, hol s;ch ouch be- sonders um die Londwirlschoft verdienl gemochi, u.o. durch Gründung einer Londwirlschoftsschule in Lisdorf- es wor die ersle im König.eich Preußen. Und in diesem Rohmen hot er ouch Seidenroupen gezüchtet. Mon muss bedenken, doss selbsi heu- te Se.de noch leuer isl. Vor 200 Johren wo sie ei'r wohres Luxusgut. Die Chinesen konnten sie bereits zur Zeit der Shong-Dynostie (l 766-1 122 v. Chr.),
  • 29. hüiefen dos Geheimnis um ihre Herstellung ober ols größtes Stootsgeheimnis. Ein Ageni hot die Pup- pen der Seidenroupe donn in einem Spozierstock versiecki ous Chino herousgeschmuggelt. Sofori begonn mon in Europo mil Versuchen Seidenrou- pen zu züchlen. wos ober ongesichls oft fehlender klimotischer Bedingungen, ober ouch völliger Un- . erntnis, nur on wenigen Slellen gelong. J. A. l. Honsen führle ols Postor in Lisdorf von 1832- i838 ersimols den Anbou von Moulbeerböumen und die Seidenroupenzuchi ein. Auch in Lisdorf wurde die Seidenroupenzucht bold noch Pforrer Honsens Weggong noch Ottweiler 1838 oufgegeben. Genou hundert Johre donoch wurde sie wieder eingeführt. Von den Nozis! Doss ousgerechnet s;e es woren, hol seine Gründe. Ab- gesehen dovon, doss Deutschlond überoll die Nose vorn hoben mussle, es ging um Autorkie. Dos heißt, ein Lond soll olles wos es broucht sel- ber herstellen, domit es vom Auslond unobhöngig isl. Nr-:n ging es bei der Seidegewinnung ober nicht .:-o doru^i, doss die Don en erwos weniger Reichsmork für seidene Siofle, etwo Holstücher oder Dessous, ouszugeben hoHen, sondern dor- um, Rohsloff für Follschirme zu gewinnen. Die Foll- schirn':springer woren eine völlig neue Woffengot- lung, und ouf diesem Gebiet wor Deutschlond do- mols innovoiiv. Unser Archivor Günler Mong hot uns zwei Artikel or.:s der Soorzeitung vom 2l.8. 1936 und vom 14.7.1939 herousgesuchl, die ungeochlei der zeiibedinglen Ausdruckweise höchst informotiv sind, sowohl wos die Seiden- roopenzuchi im Aligemeinen, ols ouch speziell Lis- dorf beireffend isi. Wir wollen beide Artikel des- holb ungekürzt und unkorrigiert hier wiedergeben: Abdruck ous der Soor-Zeilung vom 21.8.1936 Die Seidenroupenzucht im Kreis Soorloutern Der ersle Versuch vgr '100 Johren Ein Teilziel innerholb des Veriohresp/ons ist ouch die Unobör,gigkeit vom ouslcjndischen Seidenbezug durch die Vermehrung der Serdenroupenzr.rcht in Deutschlond- Vorousselzung isf nofürlich genügendet Anbou von Moulbeerpllonzen, deren Bläller der Sei- denroupe o/s Nohrung dienen. ln der Siedlung in Soor/oulern 2 wird eine Eeispie/onloge geschoffen, die onregend und befruchtend wnken wnd. Auch der deufsche Gemeindelog hot kürzlich ouf dos Anpflon- zen von Moulbeerslröuchern oul Gemeindeonlogen und Plötzen hingew,esen. Die Nochrroge noch iun- gen P{lonzen hot denn ouch siork eingesefzt. Es isl nun inleressort, zu wissen, doß schon vor hun- dett Johren gercde in unserem Kreis durch den weii über unsere Heimoi bekonnlen und verdienten P[or- rer Honsen ous Lisdorf die Serdenroupen:uchf e;nge- An 14. April I836 schrieb die Regierung in frier on den tondrot von Soorlot)tem: ,,Aus lhrcrh Betichl ho- ben wi mit Vergnügen enlnommen, doß der Plorrer Honsen sich forlwdhrend Verdienste um die tondes- kultur erwirbt." Sie genehmigle die Ueberlossung ei nes Gemeindefe/des zum versuchsweisen,Anpf/onzen von Moulbeetbölmen Die Gemeinde lisdorl gob ihm ein Stück ,,Wildlond" genonnt ,,Schindkoul" von sechs Morgen und 86 Quodrottuthen. Der Erfolg blieb ledoch ous. Die Nochfroge noch MoulbeerbA)men wor domols siork. Die Regierung in Irier teilte rnl, doß die Boum- schule in Engers o. Rrr. nicht olle Änsprüche berried! gen und nür 9000 z'/eibis vieriöhrige Böumchen ob- geben könnfe. Dovon erhieif der Kreis Soor/outern 375 Siück, die vom Lehrer ve deill wurden. Die Pllontungen wurden oul Koslen der Gemeinden ongeiegt. Die Leh- rer bekomen ein Leh,t:uch, dos Anleitung zur Pllege der Böume und zur Behond/ung der Kokons gob. Die Erfohrungen mil den lehrern müssen schiechl und die Holfnung oul leichten Erwerb übertrieben gewesen sein, denn in einem Bericht des Oberprösidenien der RheiDprovinz on die Regierung in Betlin he;ßl es, ,die 29
  • 30. ^/eiterc EEiehung det Pflonzlinge ist nichl nefi den lehrern zu über/ossen, welche zu einem so/chen Ge- schölt wedet die Mitlel noch die Geiegenheit besif- zen." Er regle on, die Bäune on Sfroßen, onWöldern und Gemein de/an de teien zu p{lonzen und die Pflonzung cler Gemeinde zu überlossen. Es b/ieb domols bei den Anregungen undVersuchen. Die so begeistert oufgegriffene Seidenroupenzucht geriei bold in yergessenheit. Es feh,te on der nötigen Sochkenntnis und on Er{ohrung- Heute wird die Seidenroupenzuchi wieder oufgenommen und sie muß und wird ge/ingen. (iw) Abdruck ous der Soor'Zeifung vom 14.7.1939 lm Dienst des Vieriohresplones Seidenroupenzucht im Stodtteil Lisdorf Es ist bekonnl doß im Stodlteii Lisdorf dje Seiden- raupenzucht in der Heffmonn,Görins-Schu/e vorbild, /ich zu Anschouungs- und Anspornzwecken betrieben wird. Aus diesem Grunde hoben wir einmo/ dieser Schule einen Besuch obgestallet und lns von dem zu- stcindigen tehrer; Pg. Weiien, einise inleressonle E;n, zelheiten erzöhlen lossen. Der im o/ten Schulhous befind/iche Filmsooldient ois Au{bewohrungsroun fü die 2000 Roupen, die hier vorbildlich untergebrocht sind. Anfong Juni hot die Schule, {ür deren Rechnung die Seidenroupenzucht betreben w,rd, von der Reichstelle Berlin etwo 2 Gretmm Bruleier erholten. Aus diesem Quonlum enlwicke/ten sich olsdonn etwo 2000 Rou- pen. Die Eierse/bsisind öußerst klein und mon ist wik- lich i;berroscht, wenn mon die Roupe, nochher in ei- ner Größe von fosi l0 Zentimetern siehl doss solche Exemp/ore sich dorous enhricke/n könner. Noch eh,,,o 3 Togen woren o//e ousgesch/üpf, und es begonn o/s donn cJie Fülterung dieser k/einen Roupen mit zorten Blöitern von Moulbeerströuchern- Die unbedingt erfor- derlichen Mctulbeerheclen und - sfrducher werden im Schu/gorlen gepflonzt und zwor wurde bere,ts vor 3 /ogen domii begonnen- Soionge die Roupen klein sind, fressen sie noturgemäß weniger, noch der 2. Hdutung obe, die Anfong Juli sfoiff;ndet müssen schon onslöndige Zweige gebrocht werden, um die gefrdBigen Iiere sott zu kriegen. Sie müssen fünfmo/ om Tage gelüllerl werden, und zwor morgens sehr früh, den Tog über und ouch noch noch 20 lJhr. Vor uns /iegen ouleinem Tisch von elwo 4 qn in meh- reren Sch;chten übereinonder die Seidenroupen und 30 nogen on den Blötten der Moulbeerslröucher lnner- holbweniger Minuten isl ein kleiner Ast dieser Pflonze volistöndig kohl obgenogl, und mcln beginnt zu veF stehen, wos sonsl Roupen Für einen Schoden on Ge- müse und Böumen onrichten kcinnen. Wenn die Rou- pen sich viermo/ geh.jutet hoben, sp;nren sie s;ch ein. Die Roupen verfügen über eine Spinndrüse, ous denen eine flüss;ge Mosse hervorquillt, und dotous entsteht donn der ,,Kokon", und dieser bildei noch- her die Seide. Wenn die Roupen sich zum lelzten Mol gehöutet hoben, wid dos Feld mit Holzwolle umge- ben, r-'m dos Herunlerfollen der Roupen zu verhin- dern, und in dem Lisdorter Schulloll werden B Holz- rohmen genommen. in die sich o/sdonn die Roupen einspinnen. Die Roupen selbst wurden el,/o 2 bis 3 nol utngebetlet. Dos Feld oul den sie ruhen wid ,,Bell" genonnt. Währcnd det Höulung sch/ofen die Roupen. 8 loge nochdem sie sich eingesponnen ho- ben, kommt clie Emte. Die ,,Kokons" werden gesomme/t zum Trocknen ous- einandergebreilel und donn per ,,Eilboten" on clie so- gen- Lorvenobiölungssielle geschickt. Dorf werden die Lowen durch heiße Dönpre obgeföiel do unter ollen Umsidnden vethütet weden muß, doß der Seiden- schmetter/ing entschlüpft, weil dieser den Seidenloden - dos Kokon - zer§ört u. donit lür die üzeugungs- zwecke unbrouchbot machen würde. D;ese Reichslelle sorgf notüriich von sich ous, doss nur einwondlreies und sorgfciitig ousgesuchtes Brulmoterial erneul den Züchtern zurverfügung geste//t w;rd. Heute ,st' dies Iest argonisiet und ouch der Züchler broucht sich keine Gedonken mehr über clie Abnohme zu mochen. Do, durch doss wir unsere Rohsta{fversorgung wieder ouf eigene FüBe slellen, wid ouch dctfür gesorgl, doß die gonze Enle obgenammen wid und die Bezohlung er {olgl durch die ontliche Ste//e. Für die genoue Preise fest/iegen. ,Ar.,'s den Lorven wird dc:nn der Kokon, der wie gesogt die Seide lie{ett, ent{ernt uncl der Abfoll dienl nach als Hühner{ufier, so daß stornichls ve aren geht. Auch hier gibi es 1., 2. und 3. Güte. Van de. Lis- dorfet Zucht, die io tnit 2000 Roupen zundchst ein Ver- such dorstei/en soilte, lonn gesogt werden, doss sre bis N 10A Prozent ousgeschlüplt sind und daher lürs Er- ste einen beocht/ichen Erfolg verbürgen. Wiederholt woren ouch Schu/klossen der Oberschu/e für Jungen mit ihren Biolagielehret do on.J ethiehen ihrcn prck- i;schen Nolurkundeunleff ichl - Auch viele Volksgenos- sen, die sich für die Seidenroupenzücht intercssierten, hoben bere;ts regen Gebrouch von cler Möglichkeit der freien Besichtigung gemocht. Nun noch etwos über die Moulbeerctnpflonzung. Es isl unbedingt er{orderlich, doss dieser Anpflonzung die ersle Aulnerksonkeit zu widmen isl, /ieferl doch se-
  • 31. rode sie dos Fülferungsmoteriol für die Roupen. Die Moulbeerhecke wird om besten in Frühiotu und Herbsl ongepllonzt, die günst;gste Zeif ist' iedoch dos Frühiohr. Die Beslellvng nuß ober schon im Augusl des vorheryehenden Johtes erfalgen. Die donn geliefer'ten P{lönzchen werden im Herbst i, den Boden ge/egt und in Frühjohr in dos für sie bestimmte Gelönde ver- pflonzt. Tousend Slück zweiiöhrige P{lönzchen kosten ef,r/o 40 RM. Die Londesbouernschoft gewcihrl jedoch hier{ür einen Zuschuß von 75 RM. Eine Menge von 1 A00 Moulbeerströuchern reicht bei sechsiähr;gem Wochslum qus, un et$/o 40 - 60 000 Rc:upen zu lüt- lern. Bei dieser Menge von Roupen konn sich jemond in den Monolen Juni, Juli und August, wenn er die Zucht gestoffelt betreibf, efwo 200 - 300 RM verdie- nen und sicheft sich somil einen schönen Nebenver- dienst. Weirerhin trögt er mil seiner Zucht dozu bei, doß er hilft, den Vieriohresplon zu eiüllen, indem er durch seine Seldenroupenzuchl do{ür sorgl, dass wir uns vom Auslond ouch ;n der Rohstoffuersorgung un- obhangig mochen. /nsbesondere eignet sich die Roupenzucht für funsronäre, oder sonstige tiebhober, die ihre Freizeit gerne diesem nulzbringenden Werk schenken- Do der Roum nicht kühl sein dorf, in wel- chem die Roupen c:ulbewohn werden, ist iedem die Mögiichleit gegeben, in eioem Moosordenzimmer oder sonst einem gee;gnefem Roum, der ol/erdings luhig und worm sein nuß. Gre//es Sonnen/ichtmu8 no- lürlich ouch vermieden werden. Wer sich lür diese von uns geschilderfe Roupenzucht inleressief' mog einmol seine Schrille zur Hermonn- Göring-Schu/e /enken und der freund/iche tehrer Wei- ten wird ihm gern mit Ro, und Iot zur Seite stehen. Ei- nige yoiksgenossen ous dem Stod#ei/ Lisdorf hoben s;ch mit Rücksicht ouI dieses gule Änschouungsmole- riol enfsch/osser, in diesem Johr mii der Beslellung von Moulbeerpflonzen onzüfongen, domil ouch sie im ndchsten Johr mit einer Seidenroupenzucht ouivorlen kannen. J.P Aus dem letzten Artikel geht hervor, doss sich die Seidenroupenzuchi in Lisdorl noch im Versuchsslo- dium befond. Dos Bemühen der Portei wird deut- ich, sle or.:f eine breitere Bosis 7u slellen, sie quosi ols Nebenerwerbslondwirtschoft zu in§lollieren. Dozu isl es donn ober nichl mehr gekommen. Nur ein poor Wochen nochdem derArfikel geschrieben wurde, broch der Krieg ous, und die Lisdorfer mus- sten erst einmol in die Evokuierung gehen. Noch der Rückkehr ous derselben im Sommer 1940 wurden die Versuche wieder oufgenommen und bis zur zweilen Evokuierung 1944 weiterge{ührt. Noch dem Krieg gob es keine Wiederoufnohme der Seiden- roupenzucht mehr, und dieses seltsome Kopitel Lis" dorfer Londwirtschoft geriet in Vergessenheil. Anmerkungen: * Hermonn-Göring Schule = heutige Professor- Ecker- Schule. Der Schulgorten log im Bereich der Hons- Welsch-Hoile. Die Kürzel ,,l.P" weisen ous, doss der bekonnte Lisdor fer Johonn Porl den om I4.7.1939 in der Soor-Zeituns veröffentlichien Adikel verfosst hoi. lm historischen Torbogengeböude der heuiigen Prof.-Ecker-Schule, in dem heute ouch die Heimot' slube unlergebrocht ist, demonstrierle Lehrer Emil Weiien ob I936 die Seidenroupenzucht. 3i
  • 32. AusllügG,Ia[lten und Beisen mit dcm llGimatlundeuGrGin: immH Gin [GsonrlGles Ellelnis! ln den rr.:nd 6johren seines Besfehens hol der Heimctverein LisdorJ bereils eine Vie zohl von unter- schied ichen Veronstoliungen durchgelühd. Ein we- sentlicher Teil dovon enfföllt ouf Ausfllge, Fohrten, Exkr.:rsionen und Relsen in dos ln- und Auslond, von der Holbiogestour bis zu mehrldgigen Reisen. Zu- meist hondeli es sich um Lehrfohrten und Siudien- reisen, doch ouch die Aspekfe Erholung und Vergnü- gen sowie Gese ligkeii und Gemeinschoflserlebnis werden dobei immer sepllesl. Die Teilnehmer beurlei en die Fohrten und Reisen mii dem Heimoik!ndeverein mil den Ailrlbulen: inler- essonl, informoiiv, leh(eich, gul orgonisied und preis- günstig. Dos sind wohl ouch die Gründe dofür, doss die Reisen öußerst beliebt sind. Wie isi es sonsl zu erk ören, doss oflmo s schon kurz noch der Bekonnt- gobe dle Pldize bereits ousgebuchl sind. Die Vereins- führung isl iedenfolls slolz dorouf und wird sich be- mühen, ou{ dem eingeschlogenen Weg forlzufohren. Ein besonderes Augenrrerk wird ou{ die Beibehollung der oußergewöhnlichen Preisgünstigkeil gerichlei sein. Dos erfordert zwor vielArbeit durch weitsehende Selbstorgonlsotion und grundsälz1lche Einholung von nehreren Angeboien bei Reise!niernehmen, Hotels, Gosislöl1en und Touristikbüros. Doch die Erfohrung hot gezeigt, doss sich dos ohni. Dodurch sind bisher immer vergleichsweise günstige Reisekonditionen ftr die Teilnehmer erzielt worden. Selbsiversidndlich wer- den die Fohrlen und Reisen vom Verein immer zum Se bdkoslenpreis ongeboten. Aufgrund der Gemein- nülzigkeli isf es dem Verein nön] ich nicht gestotfet, Gewinne zu erwir-lschofien. Aus der Vielzohl der bisher durchge{ührten Fohr' len sind ous dem Holbtogesbereich die Fohrfen zur Burg Mo brouck bei Sierck, zum Europdischen Kuiturpork Bliesbrück-Reinheim, zur Römischen Aus- grobung Perl-Borg, zum Wellku turerbe Vö klinser Hütle (Ausstellungen Promelheus und Leonordo do Vinci), zum Historischen Museum in Soorbrücken und die regeLmößigen Weinprobenfohrren noch Per sowie dle Fohrlen des Arbeiiskrelses Mundod und Brouchtum zu heimotkundlich interessonlen SieLlen diesseils und ienseits der Grenze besonders beliebl. Die bisherigen Togeslouren zu Zielen im Pfd zer Wo d, in die Rhein- und Südpfolz, im Elsoss und zu- leizt ln Lolhringen woren ollesoml Erfolge. Die eizle Tour om I 7. Moi des Johres noch Verdun sließ ouf ein unerwortet großes inieresse, weil über LisdorJ hinous. Vielen lnteressenten mussle obgesogl werden, do die Busp ötze schnell belegi woren. Die zohlreichen Teil- nehmer dieser Sludienreise erlebten einen hoch- 32 informativen Tog in Verdun. Eine sehr kompelenle deuischsprochige Führerin zeigte der Lisdorfer Grup' pe vormiliogs über 4 Slunden long olle berühmt-be- rüchtiglen Siellen ou{ den Schlochtfeldern um Verdun, wo im 1. Weltkrieg, weit überwiegend im Johr 1916, ehao 800.000 Deutsche und Fronzosen einen sinnlo- sen Tod gestorben sind. Nirgends sonsl ouf der Welt konn der Wohnsinn des Krieges so demonslriert wer- den wie hier in Verdun, dos heule g ücklicheMeise die meisibesuchie Friedensslölle der We i ist. Beim on- sch ießenden zünftigen Picknick im Porc municlpol und beim Koffee in onheimelnden Cofes on der Meuse bzw. in der Altsiodt konnte mon sich von den bedrük- kenden Erlebnissen des Vormitiogs gut erholen. Am Nochmifiog zeigie die Stodtführereln der Gruppe die Atslodl von Verdun, die Koihedrole Notre Donre (Bi schofssilz) und die riesige unierirdische Zitode le, wo neuerdings eine Bohn die Besucher über die 7km on- ge Sirecke befördert. Den Abschluß der Fohrt bildele ein gemeinsomes Abendessen in einem bekonnien Ho-el-Reslou orl i1 Cre-lrwold, dos *ege' se r'"r gulen Küche bekonnl ist und wegen seiner dem Heimolkundeverein entgegenkommenden Preisgesto - tung für diesen Abend zur posiiiven Gesonrtbi onz die- ser Reise wesenf ich beitrug. Die bisherigen Mehriogesfohrien woren o esomt erfolgreich. So die Fohrren zur EXPO noch Honnover und in den Horz, noch Thürinqen unter dem Mollo ,,Auf den Spuren der Evokuierten 1939/1940" n:,lt überschwdnglichen Besuchen und Empfangen bei Honne Müller in Werther-Schore bei Nordhousen und Morgorete (Mutter Greto Sponiol stommte ous Lisdorf) und Wolfgong Geb er ouf ihrem Hof in Trebro; oußer- dem die mehrfcchen Fohrren zur Grünen Woche noch Berlin und die Reise im vergongen Johr on dle Donou (Regensburg, Possou), 1n die Wochou und noch Wien. Es verstehi sich von selbsi, doss ouf ollen Touren ein umfongreiches Besichiigungsprogromm ongebo- ten wurde, bei den mehrtöiigen oußerdem für lnier esslerte ein obendliches Kulturprogromm. Für dieses Johr sind weitere Ausf üge und Fohrten vorgesehen. Fest terminied s;nd: - om 28. Juni (somstogs ob l3 Uhr) eine Fohrl zum Roscheiderhof bei Trier mit obendli- chem Abschluss in der Brouerei Merzig. - Am t 3. Juli (sonnlogs) eine Togesfohrl noch Speyer (Koiserdom, Hislorisches Pfolz-Museum, Technik-Museum, Altpörtel, Domhof-Brouerei u,w.) - Vom i3. bis 2'1, September noch Budopest (4 Toge) und nochmols Wien (3 Toge). Diese Rei- se ist bereits ousgebuchl. Für die Fohri om 28. Juni, orgonisiert vom AK Mundort und Brouchtum, nimml Werner Noumonn, fel. 2770 o.4431285 und für die Fohrt om I 3. luli Heiner Groß, Te . 41694 Anme dungen entgegen. A!ßerdem können on o le Vorslondmitglieder des Heimoikundeverein Meldungen gemocht werden. Heiner Groß
  • 33. Reisesesellschoft des Heimotkundevereins vor Schloß Bel"edere in wien om 20. Sepiember 2002. i I*t ,,I Lisdorter Relsegruppe beim Plcknick in Kedonse sur Coiner lLorhr isen) om 3.okiober 2002. it
  • 34. l{eitGr aufwärts: llie llliuliGilercnuiclilung im llGimatlrundeuelcin 1isd01t Slond om 4. Moi 2003: 541 Slond om 3l. Dezember: ? Miigliederzohl zum 31.12.2003 erroten und bis zum l5.l L2003 der Redokiion mitieilen. WFr die richlge Zohl er'ö, oder d,eser o.1 nöchsten l;egt erhält einen schönen Preisl Eegrüßung des 300. Mitglieds Doniel Hid om 12.5.2000 Begrüßung des 350. om 9.2.2001 Mitglieds Herbert Luxenburger Begrüßung der Mitglieder: 375 Morio Kunzler 399 Günter Nogel 400 Gerlinde Britzen 425 Deilef Geyer om I8.1.2002 Begrüßung der Mitglieder: 450 Anno Groß 500 Alexonder Nonnweiler 501 Anio Nonnweiler {feh t) 502 Yonnick Nonnweier 503 Vo ker Nosel om 23.1 1.2002 34
  • 35. BildaslGlilc au$ d0r ll[cit dG$ llelmaüonüeucrcins Lisdorfer Weinkönigspoor 2002/2003 lm Rohmen der letzfen Weinprobe im Weingul Schmitt-Weber in PeA om 14.12.2002 wöhlte die lustige Reisegesellschofi des Heimotkundevereins in weinse iger Loune noch obsolui dernokro- tischen Gepflogenheilen in geheimer Wohi ieweils mil großer Mehr- heit: Mothilde Doffö - Bommersboch zur Lisdorler Weinkönigln und Au- gust 8o/lhosor zum Lisdorfer Weinkönig des Session 200212003. Unser Bild zeigl dos Weinkanigspoor noch ihrer feierlichen lnthro- nisierung. Anlößlich der Reise zur,,Grünen wo che" noch Ber in im Jonuor 2002 be- suchle eine Gruppe ouch dos Reichs- togsgeböude. Unser Bild zeigi die Gruppe in der Kuppel des Reichstoges. Am Tog ,,Ales im grünen Berei.h" in LisdorJ om 4. Moi diesen Johres wurde in der Heimotstube eine AUsslellung von knopp I00 hislorischen Bildern ous Lls- dorf gezeigl. Unser Bi d zeist die Besucher Korl Bolzer und Monfred Comtesse im Ge- spräch mil Helner Groß. Die Ausstel ung isl on den Sonntogen l..luni, '15. Juni und 6. Juli ieweils von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr bei freiem Eintrifl geöffnel- 35
  • 36. A s H.[, fll ttr1 Lisdorfer Pforrkirche und Schweslernhous mit Kindergoden im Johre 1958 noch einer Zeichnung von Robed Eisenborth. Hl. Herzen Jesu". dessen Stelle von Vorderonsicht des Lisdorfer Schweslernhouses mii Kindergorten der,,Dienerinner des Noch Wegzug der Schwestern im lohre 1978 wurde dos Gebdude obgerissen und on 1979 bis 1982 ein neuer Kindergorien geboul.