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Inhaltsverzeichnis
Heiner Groß Vorwort 3
Agnes Groß Der „Weiße Sonntag“ hat eine lange Tradition 4
Heiner Groß Vor 110 Jahren: 3 Lisdorfer im Kreistag Saarlouis 8
Johann Port † Abdruck aus der Saar–Zeitung vom 18. August 1938 9
Heiner Groß Lebensbilder Lisdorfer Bürger Prof. Dr. Dr. Jakob Ecker, Saarlied 10
Hans Löw Barocke Gemälde in der Pfarrkirche Beaumarais 12
Heiner Groß Aus der Geschichte der Holzmühle 14
Georg Groß Schnappschüsse vom Grünkohlessen bei der LFG 15
Herbert Germann Bildreportage vom 2. Lisdorfer Grünkohlessen 16
Heiner Groß Lisdorfer Heimatkundler zur Weinprobe in Perl 18
August Balthasar Die Schiffsleute von Lisdorf 19
M. Faust/W. Naumann Beiträge zur Lisdorfer Mundart 20
Maria Roth–Weiland De gutt alt Saarbregg! 21
Arnt Finkenberg Die französische Revolution und ihre Folgen für Lisdorf 22
Arnt Finkenberg Lisdorfer Hexenverfolgungen 24
August Balthasar Deutung und Dialog über die Herkunft des Namens Breininger 25
Heiner Groß Besuch bei Franz–Josef Wein auf Schloß Schiltern 27
Wien und Budapest –die zwei bezaubernden Donaumetropolen 29
Flugreise nach Rom in die „Ewige Stadt“ 30
Impressum:
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e. V. (VHL)
Am Ginsterberg 13, 66740 Saarlouis–Lisdorf
Tel.: 06831/41694, Fax: 06831/128753
Redaktion: Heiner Groß (verantwortlich)
Georg Groß (PC–Bearbeitung), Agnes Groß, Werner Naumann, Harald Weiler
Druck: Druckerei und Verlag Heinz Klein GmbH, Auf der Wies 7, 66740 Saarlouis–Lisdorf
Bankverbindungen: Kreissparkasse Saarlouis (BLZ 593 501 10), Kto.Nr.: 74–30088–0
Volksbank Saarlouis (BLZ 593 901 00), Kto.Nr.: 1401217629
Bezugspreis: 3 Euro je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos
www.heimatkunde-lisdorf.de, e–mail: info@heimatkunde-lisdorf.de
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion wieder.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers
Einladung an alle Mitglieder, Leser und Freunde!
Samstag, 8. Mai, Fahrt nach Luxemburg (Führung), Sandweiler, Remich 22 €
Samstag, 22. Mai, Fahrt zur Landesgartenschau nach Trier 18 €
Samstag, 10. Juli, Fahrt nach Nancy und Umgebung (Führung) 25 €
19.–27. September Busreise nach Prag, Breslau, Krakau und weiteren
Orten in Südpolen, Schlesien mit großem Programm 638 €
16.–20. Oktober Flugreise nach Rom 598 €
Info und Meldungen: Tel.: 41694; 42621; 2772; 443285; 40651; siehe Seite 23, 24, 30, 32
Ihr Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V.
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in dieser Ausgabe haben wir wieder eine breite Palette
von unterschiedlichen Themen behandelt. Die heimat-
historischen Themen stehen - wie bisher immer - im
Vordergrund. Man kann es nicht oft genug wiederho-
len: Lisdorf hat eine reiche historische Vergangenheit,
die bei weitem noch nicht vollständig erforscht ist. Seit
dem Jahre 911 als Lisdorf in einer Urkunde erstmals
erwähnt wird, sind fast 1.100 Jahre vergangen. Davon
liegen noch etwa 750 Jahre weitgehend im Dunklen.
Als Redaktion dieses Blattes fühlen wir uns verpflichtet,
immer wieder auf diese Tatsache hinzuweisen und über
das Aktenkundige und Erforschte zu berichten.
So haben wir in dieser Ausgabe zwei unseres Erachtens
besonders interessante Artikel aus dem Buch unseres
Mitglieds Arnt Finkenberg aus Trier „Lisdorf von der
Steinzeit bis zur Gegenwart (1996)“, das als Band 5 in
der Reihe Geschichte der Kreisstadt Saarlouis 1997 er-
schienen ist, abgedruckt. Der eine behandelt die auch
in Lisdorf wütenden Hexenverfolgungen im Vorfeld des
30jährigen Krieges (1618 bis 1648) und der andere
die vorübergehende Abschaffung des Christentums in
Lisdorf als Folge der Französischen Revolution. Mehrere
Beiträge aus unserer neueren Geschichte ergänzen den
heimatkundlichen Teil. In dieser Ausgabe haben wir
auch wieder mehrere Beiträge von Mitgliedern über die
Lisdorfer und Saarlouiser Mundart. Zur Erhaltung und
Pflege des Kulturgutes „Mundart“ werden wir mundart-
liche Beiträge künftig regelmäßig veröffentlichen. Wir
sind uns dabei durchaus der Tatsache bewusst, dass
Mundart viel leichter und schneller über das Gehör
wahrgenommen wird als in schriftlicher Form. Das ak-
tuelle Geschehen hat in dieser Ausgabe auch wieder
einen breiten Raum.
Im Mittelteil berichten wir in einer Bildreportage von
Herbert Germann über das großartige 2. Lisdorfer
Grünkohlessen in der Halle der Lisdorfer Frischgemü-
se, das landesweite Beachtung und mit etwa 250 ge-
ladenen Teilnehmern eine überragende Besucher-
resonanz gefunden hat, die an die Grenze des räum-
lichen Fassungsvermögens geführt hat. Unter den zahl-
reichen illustren Gästen war kein geringerer als unser
Ministerpräsident Peter Müller, der als amtierender
Grünkohlkönig eine begeisternde Rede hielt. Mit dem
Grünkohlessen ist eine alte Lisdorfer Tradition wieder
belebt worden.
Einen relativ breiten Raum nehmen in dieser Ausgabe
Berichte über durchgeführte und vorgesehene Ausflü-
ge und Fahrten ein. Ein wesentlicher Teil der inzwischen
über 600 Mitglieder des Heimatkundevereins Lisdorf er-
wartet dies im Veranstaltungsangebot. Die Ausflüge
und Fahrten mit breitem kulturellen und geschichtlichen
Hintergrund sind äußerst beliebt. Dazu trägt wohl auch
bei, dass sie durch weitgehende Selbstorganisation und
Einholung von mehreren Angeboten besonders preis-
günstig angeboten werden können. Den üblichen
Überschuss wollen und dürfen wir als gemeinnütziger
Verehrte Leserinnen und Leser,
Ihr Heiner Groß
Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde
Lisdorf e.V.
Verein nicht einkalkulieren. Und die von uns engagier-
ten Reiseveranstalter müssen sich mit einer bescheide-
nen Gewinnspanne zufrieden geben.
Als besonderes Highlight unserer in nächster Zeit vor-
gesehenen Reisen kann ich die Busreise vom 19. bis
27. September über Prag nach Südpolen und Schlesi-
en anbieten. Sie ist sowohl in preislicher als auch in
programmlicher Hinsicht einmalig. Die Fahrt wird mit
einem Luxusreisebus durchgeführt und alle Hotels ge-
hören zur jeweiligen Spitzengruppe. Die „Goldene
Stadt Prag“, die frühere schlesische Hauptstadt Breslau
mit ihrer großen historischen Vergangenheit als Kultur-
und Universitätshochburg und das bezaubernde Kra-
kau als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und katholi-
scher Kirche mit Kardinals- und Bischofssitz sind einma-
lig und in unseren Regionen noch weitgehend unbe-
kannt. Daneben werden die weltbekannten Klöster
Kalvarienberg, Tschenstochau, Annaberg und Trebnitz,
wo jährlich Millionen hinpilgern, besucht. Aber auch
Bochnia als Partnerkreis von Saarlouis, das weltbe-
rühmte Salzbergwerk Wieliczka mit unterirdischer Kir-
che, die heutige Friedensstätte Auschwitz-Birkenau
(ehemaliges NS-KZ) und Wadowice, der Geburtsort des
Papstes südwestlich von Krakau sowie die Städte
Oppeln, Glatz und Hirschberg im Riesengebirge des
Sudetenlandes und die Kurorte Bad Altheide bzw. Bad
Kudowa werden auf dieser Reise besucht. Näheres
kann auf Seite 32 dieser Ausgabe nachgelesen werden.
Das Reise-Highlight des vergangenen Jahres war die
9tägige Fahrt nach Wien und Budapest mit einem
ganztätigen Besuch bei Franz-Josef Wein auf Schloss
Schiltern in der Nähe von Krems in der Wachau. Auf
den Seiten 27 bis 30 berichten wir darüber.
Jetzt, wo gerade die Berichtslegung für diese Ausgabe
zum Abschluss gebracht wird, werden die letzten orga-
nisatorischen Vorbereitungen für die 2. Auflage des
großen Lisdorfer Festes „Lisdorf...alles im grünen Be-
reich“ am Sonntag, 02. Mai 2004 getroffen. Wenn wie
im vergangenen Jahr die Witterung mitspielt, wird es
ein Open Air-Fest, wie es Lisdorf wohl noch nicht erlebt
hat. Was die Hauptorganisatoren Herbert Germann
und Georg Jungmann in mehrmonatiger Arbeit auf die
Beine gestellt haben, ist beispielhaft. In der nächsten
Ausgabe werden wir darüber ausführlich berichten.
Mir bleibt Dank zu sagen für dieses aktive Geschehen,
das danach in die Annalen eingehen und Geschichte
wird. Danken möchte ich den Mitarbeitern an dieser
Ausgabe, insbesondere Georg Groß für die mit viel
Aufwand verbundene Fertigung der druckfertigen Vor-
lage in Form einer CD.
Ich wünsche auch dieser Ausgabe wieder eine große
Leserschaft und viel Muße und Freude beim Lesen.
4
Die Osterwoche einschließlich des auf Ostern fol-
genden Sonntags, in der katholischen Kirche auch
Osteroktav genannt, hatte in der frühen Kirche eine
besondere Bedeutung. Täglich fanden Eucharistie-
feiern statt, bei denen die Neugetauften tiefer in das
Verständnis der Sakramente eingeführt wurden. Die
Täuflinge trugen während der gesamten Osterwo-
che ihre weißen Taufkleider zum Gottesdienst bis
zum Sonntag nach Ostern. Deshalb wird die Oster-
woche auch „Weiße Woche“ oder „Woche in den
weißen Kleidern“ und der Sonntag nach Ostern
„Weißer Sonntag“ genannt. Weiße Stoffe – Ausdruck
der Reinheit des Menschen nach der Taufe – sind
dabei seit dem dritten Jahrhundert bezeugt.
Im siebten Jahrhundert wurde die jährliche Tauf–
Erinnerungsfeier üblich, bei der die gesamte Ge-
meinde mit den Täuflingen des Vorjahres das
Taufgedächtnis feierte. Wegen des wechselnden
Ostertermins wurde dieses schließlich auf den
Montag nach dem Weißen Sonntag festgesetzt. Als
die Sitte der österlichen Taufe mehr und mehr ab-
nahm und zunehmend die Kinder gleich nach der
Geburt getauft wurden, verlor der Brauch an Be-
deutung. Ursprünglich war das „weiße Kleid“ mit
der Taufe verbunden.
Noch im 12. Jahrhundert empfingen die Getauf-
ten am Karsamstag ihre erste Kommunion mit Tau-
fe und Firmung. Das IV. Laterankonzil legte 1215
das Alter für den Empfang der Kommunion nicht
genau fest. Es wurde dann regional unterschied-
lich gehandhabt und schwankte zwischen dem 7.
und 14. Lebensjahr. Die Vorbereitung und Festset-
zung dieses Termins wurde den Eltern überlassen.
Wegen der von Thomas von Aquin geforderten
Andachtshaltung verlagerte sich der Termin aller-
dings in ein immer späteres Alter. So ging man
nach Vereinbarung mit dem Pfarrer an einem Fei-
ertag – meist während der österlichen Zeit – ge-
meinsam mit dem Kind zum Altar.
Um 1650 begannen sich im Rheinland die Jesui-
ten mit der Vorbereitung der Kinder auf die Erst-
kommunion zu befassen. Ihre Volksmissions-
termine wurden oft der Anlass zu feierlichen Erst-
kommunionfeiern. Später verlagerte sich das Fest
ganz in die Pfarreien, wo es vielfach schon zu ei-
ner festen Einrichtung geworden war. Als Erst-
kommuniontag wurden vor allem der Weiße Sonn-
tag und der Himmelfahrtstag üblich.
Der„WeißeSonntag“hateinelangeTradition
Agnes Groß
Im 17. Jahrhundert wurde der Weiße Sonntag zum
Tag der gemeinsamen Erstkommunion der Kinder.
Auch in evangelischen Gemeinden wurde es üb-
lich, die Konfirmation mit dem ersten Abendmahls-
gang um das Osterfest herum – oft am Palmsonn-
tag – zu feiern. Vermutlich hängt beides weniger
mit dem theologischen Gehalt der Osterfeiern als
mit bestimmten Gegebenheiten des bürgerlichen
Jahres und des Bildungswesens zusammen (Ende
des Schuljahres an Ostern). Das Dekret „Quam
singulari’’ von Papst Pius X. aus dem Jahre 1910
wünschte ein frühes Kommunionalter für die Kin-
der. In Deutschland stieß es zunächst auf heftigen
Widerstand der Eltern, bis dann später die allge-
meine feierliche Erstkommunion in das zweite oder
dritte Schuljahr und in der Regel auf den Weißen
Sonntag gelegt wurde.
In der Pfarrei St. Crispinus und Crispinianus zu Lis-
dorf ist der „Weiße Sonntag“ der Sonntag nach
Aufnahme von 1907 mit den Erstkommunikantinnen
Katharina Groß (links) und Anna Berdin, beide aus der
Machesstraße
5
gefeiert, zum Beispiel während des 1. und 2. Welt-
krieges. In der Regel werden die Kinder im dritten
Schuljahr auf dieses Ereignis vorbereitet. Soweit
feststellbar, ist der Weiße Sonntag schon seit mehr
als 100 Jahren ein fester Bestandteil im kirchlichen
Leben von Lisdorf.
In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wur-
de versucht, die Kinder jn einem früheren Alter zur
Eucharistie zu führen. Dies sollte – wann immer es
von den Kindern oder deren Eltern gewünscht wür-
de – unabhängig vom Weißen Sonntag gesche-
hen. Dieser Versuch fand jedoch bei den Eltern
keinen Zuspruch.
Die Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahr-
hunderts in Lisdorf erfolgte Verlegung der Erstkom-
munionfeier vom Weißen Sonntag auf den Pfingst-
sonntag war nur von kurzer Dauer. Im Jahre 1977
wurde sie wieder auf den Weißen Sonntag verlegt.
Mancherorts, so zum Beispiel in der Pfarrei St. Lud-
wig in Saarlouis, finden die Erstkommunionfeiern
an verschiedenen Sonntagen im Monat Mai statt.
Für die Kinder ist auch heute der Weiße Sonntag
mit der Erstkommunion ein großer Tag in ihrem
jungen Leben und ein Fest für die ganze Pfarrge-
meinde. Die Eltern kleiden ihre Kinder besonders
hübsch für diesen Tag, die Mädchen in weiße Klei-
der aus edlen Stoffen, die Jungen in schicke Anzü-
ge. In manchen Pfarreien versucht man einem
übertriebenen Kleideraufwand dadurch zu begeg-
nen, dass man die Kinder einheitlich kleidet. So
Aufnahme von 1908 mit den Erstkommunikanten Lud-
wig Klein (links) und Peter Luxenburger
Aufnahme vom Weißer Sonntag 1952 in Lisdorf
Ostern, an dem die Kinder zur Erstkommunion ge-
führt werden. Nur in wenigen Ausnahmejahren
wurde die Erstkommunion an einem anderen Tag
6
gingen in der Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis die
Kinder in den letzten Jahren mit einheitlichen wei-
ßen Kutten zur Erstkommunion. Neben den festli-
chen Kleidern gehören vor allem die langen ver-
zierten Kerzen mit Kerzentüchern zu den unent-
behrlichen Requisiten der Erstkommunion.
Bei den Kindern spielen die Geschenke eine gro-
ße Rolle. Im Gegensatz zu früher fallen diese heute
sehr üppig aus. Lange war es Sitte, daß die Erst-
kommunikanten von einem der Taufpaten die er-
ste Armbanduhr geschenkt bekamen.
Aufgrund der durch den Priestermangel veranlaß-
ten Reformen in der katholischen Kirche werden
heute in zunehmendem Maße Laien als Kateche-
ten in die Erstkommunion–Vorbereitung mitein-
bezogen. Zumeist handelt es sich um Eltern von
Erstkommunikanten.
Beim Niederschreiben dieser Zeilen wurde ich mit
Wehmut und Traurigkeit an meine Erstkommunion
vor 59 Jahren in Lisdorf erinnert. Es war der 3. Juni
1945 als wir knapp einen Monat nach Ende des
verheerenden 2. Weltkrieges von Dechant Joseph
Spengler in der notdürftig hergerichteten Lisdorfer
Pfarrkirche die erste heilige Kommunion empfan-
gen durften. Wir, das waren nur 13 Mädchen und
8 Jungen des Jahrgangs 1935/36, der insgesamt
mehr als 80 Köpfe zählte. Die anderen 60 waren
entweder noch in der Evakuierung und hatten dort
ihre Erstkommunion empfangen oder konnten
aufgrund der durch den Krieg zerrütteten Verhält-
nisse erst später ihre Erstkommunion feiern.
Bei mehreren aus meinem Jahrgang war kurz zu-
vor der Vater im Krieg gefallen, vermißt oder noch
in Kriegsgefangenschaft. Etliche von diesen säum-
ten mit ihren Müttern, Geschwistern und weiteren
Verwandten unseren Weg zur Pfarrkirche und be-
klagten schluchzend ihr Schicksal. Wir waren
einfachst gekleidet, zumeist in geliehenen oder aus
weißen Stoffresten zusammengenähten Kleidern,
überhaupt kein Vergleich zu heute. Trotzdem war
die kirchliche Erstkommunionfeier für uns etwas
ganz Großartiges, ein Lichtblick nach den Kriegs-
jahren voller Ängste und Entbehrungen.
Zur häuslichen Feier gab es etwas Kuchen, was in
den Monaten zuvor im Stollen Rosenthal und da-
nach in der Evakuierung in Überherrn ein Traum
war. Die häuslichen Feiern waren so kurz nach dem
furchtbaren Krieg bestimmt von der Gewißheit des
eigenen Überlebens, andererseits aber auch von
dem Gedenken und der Sorge um die gefallenen,
vermißten und die in Kriegsgefangenenlagern aus-
harrenden Angehörigen. Auch wir Kinder blieben
von diesen physischen Belastungen nicht verschont.
Während meiner Erstkommunionfeier habe ich –
wie viele andere auch – um meinen in russische
Kriegsgefangenschaft geratenen Vater gebetet und
Aufnahme der Erstkommunikanten 1956 mit Pastor Alois Löw vor der Mariengrotte an der Kirche in Lisdorf
7
gehofft, daß er bald wieder nach Hause kommt.
Nur 3 Monate danach erhielten wir die nieder-
schmetternde Nachricht, daß er wenige Tage nach
Kriegsende im Mai 1945 in einem Lager in Sibiri-
en gestorben sei. Am Tag meiner Erstkommunion
war er also bereits tot. Meine nun 59 Jahre zurück-
liegende Erstkommunionzeit war – wie bei so vie-
len – äußerlich geprägt von Krieg, Zerstörung,
Angst, Hunger, Entbehrungen und dem besonders
schmerzvollen Verlust des Vaters. Den „Weißen
Sonntag“, der für mich am 3. Juni 1945 war, habe
ich jedoch in guter Erinnerung behalten. Der Tag
war geprägt von der Feier in der Kirche und dem
erstmaligen Empfang der heiligen Kommunion so-
wie innigen Gebeten und Gesängen in der kirch-
lichen Gemeinschaft. Das weitgehende Fehlen von
heute üblichen Äußerlichkeiten, wie modische Klei-
dung und viele Geschenke sowie von opulentem
Essen, Getränken und Süßigkeiten wurde von uns
Erstkommunikanten nicht als besonderer Mangel
empfunden. Wir freuten uns auf und an diesem
Ehrentag und waren nach den besonders harten
letzten Kriegsmonaten voller Hoffnung, daß bald
alles wieder gut würde. Leider wurde diese Hoff-
nung in den folgenden Wochen, Monaten und Jah-
ren wiederholt getrübt oder zeitweise zunichte ge-
macht durch Meldungen vom Tod des Vaters,
Opas, Bruders oder Onkels im fernen Osten.
Die Hoffnung, die uns an unserem Weißen Sonn-
tag vermittelt wurde, ist trotz aller Rückschläge
glücklicherweise geblieben.
Aufnahme von der Erstkommunionfeier 1960 in der Pfarrkirche Lisdorf
Flugreise nach Rom
Lisdorfer Reisegruppe im Forum
Romanum.
Lesen Sie den Bericht auf Seite 30 in
dieser Ausgabe. Ausführlicher Bildbe-
richt in der nächsten Ausgabe.
8
In der Schrift „Das Kreisständehaus Saarlouis“, die
der Landkreis Saarlouis anläßlich der Renovierung
dieses ältesten und architektonisch schönsten
Dienstgebäudes der Kreisverwaltung im Jahr 1989
herausgab, sind auf Seite 9 die Mitglieder des
Kreistages – damals Abgeordnete genannt – im
Jahre 1891 aufgeführt. Diese hatten später den
Bau des Kreisständehauses beschlossen.
Es fällt auf, daß von den 27 Kreistagsabgeordne-
ten 3 aus Lisdorf waren, und zwar der Gutsbesit-
zer DU SARTZ DE VIGNEULLE, der Gutsbesit-
zer RUFF und der Gastwirt JOSEF BREININGER
(Josef Brejdasch).
A) Landrat Helfferich als Vorsitzender
B) Abgeordnete:
1. Boch, Geh. Commerz.-Rath, Mettlach
2. Boch, R., Geh. Commerz.-Rath, Wallerfangen
3. Boch, A., Fabrikdirektor, Fremersdorf
4. Du Sartz de Vigneulle, Gutsbesitzer, Lisdorf
5. Gathmann, Direktor, Dillingen
6. Ruff, Gutsbesitzer, Lisdorf
7. Vopelius, Fabrikbesitzer, Sulzbach
8. Sauer, Direktor, Fraulautern
9. Alger, Ackerer, Schwarzenholz
10. Bach, Ortsvorsteher, Diefflen
11. Breininger, Gastwirt, Lisdorf
12. Diedrichs, Forstverwalter, Linslerhof
13. Ewen, Beigeordneter, Bettingen
14. Hektor, Vorsteher, Pachten
15. Hetzler, Gastwirt, Wallerfangen
16. Johannes, Vorsteher, Gerlfangen
17. Klein, Vorsteher, Eimersdorf
18. Knobe, Vorsteher, Jabach
19. Luxenburger, Gastwirt, Bous
20. Margraf, Direktor, Hostenbach
21. Röder, Vorsteher, Dillingen
22. Schmidt, Vorsteher, Fraulautern
23. Schneider, Vorsteher, Gisingen
24. Senzig, Vorsteher, Roden
25. Staudt, Ackerer, Außen
26. Fissene, Kaufmann, Saarlouis
27. Kniesz, Geschäftsführer, Saarlouis
Der Kreistagsabgeordnete Du Sartz de Vigneulle
war nur begrenzte Zeit als Gutsbesitzer in Lisdorf
wohnhaft. In dem Lisdorfer Einwohnerbuch von
Rudolf Zenner ist er nicht nachgewiesen, so dass
er weder hier geboren noch gestorben ist.
Heiner Groß
Vor110Jahren:3LisdorferimKreistagSaarlouis
Bei dem Kreistagsabgeordneten und Gutsbesitzer
Ruff aus Lisdorf handelt es sich um den am 7. Ja-
nuar 1835 in Hechingen (Baden–Württemberg)
geborenen Friedrich Wilhelm Ruff, der als Soldat in
die Garnisonsstadt Saarlouis kam und in 1. Ehe mit
Theresia Schmitz (* 14. Januar 1833 Saarlouis, †
18. Juni 1887 in Lisdorf) und in 2. Ehe ab 1888
mit der Witwe Elisabeth Morguet geb. Louis (*17.
Dezember 1854 in Lisdorf) verheiratet war. Nach
seiner Militärzeit war Friedrich Wilhelm Ruff als
Kaufmann und Gutsbesitzer tätig. Im Jahre 1871
kaufte er den Labacher Hof bei Reisbach und kur-
ze Zeit später auch ein größeres Anwesen in der
Provinzialstraße in Lisdorf mit einem feudalem
Wohnhaus (Ruff`sche Villa). Trotz seines größeren
Besitzes Labacher Hof wohnte er mit seiner Fami-
lie in Lisdorf. Am 21. Dezember 1894 ist er im Al-
ter von knapp 60 Jahren in Lisdorf verstorben. Sein
Sohn Max aus 1. Ehe, geb. am 15. Oktober 1875
in Saarlouis, erbte sowohl den Labacher Hof in
Reisbach als auch das Anwesen in Lisdorf. 1908
verkaufte Max Ruff den Labacher Hof. Vom 1. Ok-
tober 1920 bis zum 17. Dezember 1933 war
Max Ruff Bürgermeister der damals selbstän-
digen Gemeinde Lisdorf. Er ist an diesem Tag
infolge eines Schlaganfalles im Alter von 58 Jah-
ren verstorben und wurde am 20. Dezember 1933
auf dem Alten Friedhof in Saarlouis beigesetzt.
Der Kreistagsabgeordnete Josef Breininger aus
Lisdorf war Land– und Gastwirt und Eigentümer
der „Brejdasch Wirtschaft“ an der Ecke Maches-
straße/ Kleinstraße. Er war am 27. Januar 1834 in
Lisdorf geboren und ab 1858 mit der am 9. Ok-
tober 1834 ebenfalls in Lisdorf geborenen Anna
Maria Morguet verheiratet. Aus dieser Ehe gingen
10 Kinder hervor. Seine Ehefrau ist 1895 im Alter
von knapp 61 Jahren verstorben und er 1910 im
Alter von 76 Jahren. Von 1870 bis etwa 1905 war
er in der Kommunalpolitik aktiv. Zunächst viele
Jahre im Gemeinderat Lisdorf und später auch
noch im Kreistag.
Eine ganze Reihe von Urenkeln von Josef Breinin-
ger gehört heute dem Heimatkundeverein Lisdorf
an, so Adolf Breininger, Marlies Schütz geb.
Breininger, Agnes Groß, Heiner Groß, Hilde Fritz
geb. Seidel, Irmgard Wein geb. Breininger, Alfred
Breininger, Monika Breininger geb. Franz, Margot
Hoen geb. Gangloff (Saarlouis), und Maria
Kunzler geb. Breininger (Überherrn–Bisten).
9
AbdruckausderSaar–Zeitungvom18.August1938
Verfasser Johann Port (1911– 1984)
Den Beitrag stellte unser Vereinsarchivar Günter Mang zur Verfügung.
Anmerkung der Redaktion: Am 13. Januar 1936 wurden die bisher selbständigen Gemeinden
Fraulautern, Lisdorf, Picard und Schönbruch (Beaumarais) mit der Stadt Saarlouis einschließlich Roden
zur neuen Kreisstadt Saarlautern zusammengeschlossen. Lisdorf wurde Stadtteil 4 oder Saarlautern 4.
Roden kam bereits am 1. Oktober 1907 und Neuforweiler am 1. Juli 1970 zur Stadt Saarlouis.
10
Seit der Ausgabe Nr. 6 stellen wir Ihnen bekann-
te oder auch inzwischen in Vergessenheit gerate-
ne Persönlichkeiten vor, die in Lisdorf geboren oder
hier tätig gewesen sind. Zu diesem Kreis zählen wir
die Männer und Frauen unseres Ortes, die Be-
rühmtheit erlangt haben, sich große Verdienste in
und für Lisdorf erworben haben oder deren Wir-
ken besondere Beachtung verdient. Daneben wer-
den wir auch solche vorstellen, deren Lebensweg
von außergewöhnlichen Umständen bestimmt
wurde. Die Reihenfolge, in der wir Ihnen die Per-
sonen vorstellen, stellt keine Rangfolge dar.
Prof. Dr. phil. Dr. theol. Jakob Ecker
1851 – 1912
Jakob Ecker wur-
de am 27. Febru-
ar 1851 als Sohn
des Landwirts Ni-
kolaus Ecker und
seiner Ehefrau
Barbara geb. Stutz
in Lisdorf gebo-
ren. Nach Ab-
legung des Abiturs
studierte er in
Trier, Bonn und
Löwen Theologie
und Philosophie.
Am 28. August 1875 empfing er in Trier die Prie-
sterweihe. Im Jahre 1879 promovierte er an der
Universität Bonn zum Doktor der Philosophie und
erhielt in demselben Jahr einen Lehrauftrag für
hebräische Sprachen und Exegese des Alten Testa-
mentes an der Universität in Münster/Westfalen.
Im Jahre 1886 berief ihn der damalige Trierer Bi-
schof Korum als Professor der Exegese an das
Priesterseminar nach Trier. Zum Doktor der Theo-
logie promovierte er 1895 in Freiburg im Breis-
gau. Jakob Ecker ist besonders als Verfasser einer
Haus- und Schulbibel weithin bekannt geworden.
Es erschienen von ihm 1905 die Katholische
Hausbibel, 1906 die Katholische Schulbibel, 1907
der Kommentar zur Schulbibel und 1908 die Klei-
ne Katholische Schulbibel. Seine Bibelausgaben
unterbrachen die seit Mitte des 18. Jahrhunderts
übliche Bibel–Unterweisung mit kindertümlichen
Umschreibungen und Erklärungen und boten da-
für das Gotteswort der Bibel selbst. Die Bibelaus-
gabe von Prof. Jakob Ecker fanden in den meisten
deutschen Bistümern und auch in Luxemburg eine
gute Aufnahme.
Der berühmte Gelehrte war gleichzeitig ein hervor-
ragender Übersetzer, ein Dichter von großem
Sprachgenie und ein guter Musiker. Seine Über-
setzungskunst bewies er in deutschen Bearbeitun-
gen von Werken Bonaventuras und Ludwig von
Granadas. Er veröffentlichte 1881 die deutsche
Übersetzung von Bonaventuras „Baum des Lebens
und Vollkommenheit“, 1882 „Der Jugendspiegel
im Lichte der Wahrheit“, 1889 den Gedichtband
„Knospen“, in dem sein Saarlied „Am grünen
Saum der Saar“ enthalten ist, das von Adolph
Reckzeh, dem Musikmeister des Infanterie-Regi-
ments Nr. 30 in Saarlouis, komponiert wurde und
1891 den Gedichtband „Lilien“. Während seiner
Urlaube in Lisdorf dirigierte er oft den Männerge-
sangverein 1859, der wegen Fehlens eines Kir-
chenchores damals auch den Kirchengesang
pflegte. Nachdem Hauptlehrer Ritter, der seit Grün-
dung des Männergesangvereins dessen Dirigent
war, im Jahre 1889 in den Ruhestand trat und
nach Trier übersiedelte, übernahm Jakob Ecker bis
1891 zeitweise die Dirigentschaft. Professor Dr. Dr.
Jakob Ecker starb am 17. November 1912 im Al-
ter von 61 Jahren in Trier. 26 Jahre lang formte er
als Gelehrter, Lehrer und Erzieher den Priester-
nachwuchs am Seminar in Trier. Die letzte Ruhe-
stätte fand Jakob Ecker gemäß seines in der letz-
ten Strophe des Saarliedes ausgesprochenen Wun-
sches auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde.
Lisdorf ehrte den großen Sohn durch die Benen-
nung der Schule und einer Straße nach ihm.
Lebensbilder Lisdorfer Bürger
Heiner Groß
11
Das Saarlied „Am grünen Saum der Saar“ von Jakob Ecker aus Lisdorf
12
BarockeGemäldeinderPfarrkircheBeaumarais
Am 29. März 2004 war in der Saarbrücker Zeitung
unter der Rubrik „Zurückgeblättert“ zu lesen:
„Drei Kunstwerke fast wie neu
29. März 1954: In der Dorfkirche von Beaumarais
wurden drei riesige, alte Ölgemälde gefunden, die
seit Jahrhunderten der Vergessenheit anheim ge-
fallen waren. Die Gemälde, die aus der Zeit des
Barocks stammen, gehörten wahrscheinlich zum
Besitz des alten Klosters Wadgassen. Nachdem
das Saarbrücker Modehaus Sinn die erforderlichen
Räume zur Restaurierung der stark verschmutzten
Gemälde durch den saarländischen Kunstmaler
Ernst Sonne zur Verfugung gestellt hatte, erstrah-
len jetzt „Die Legende vom Heiligen Norbert“, „Die
Anbetung der Hirten“ und „Sendung des Heiligen
Geistes“ in neuem Glanz.“
Anmerkungen zu den drei Gemälden in
der Pfarrkirche Saarlouis - Beaumarais
von Hans Löw, Schaffhausen
Im Nachgang zur französischen Revolution wurde
im September 1792 die Prämonstratenserabtei zu
Wadgassen von französischen Soldaten besetzt,
Johann Baptist Bordier, letzter Abt von Wadgassen,
floh in der Nacht zum 5.9.1792 nach Bous. Der
Fluchtweg des Abtes führte schließlich nach Prag,
wo er am 30.7.1799 starb.
Was mit anderen Abteien in Frankreich bereits ge-
schehen war, vollzog sich auch in Wadgassen: Ent-
eignung, Raub, Plünderung und Zerstörung. Die
wertvolle Inneneinrichtung der hohen Abteikirche
(noch nicht einmal 50 Jahre alt), insbesondere die
sakralen Gegenstände und Gemälde standen zum
Verkauf oder wurden schlicht und einfach geraubt
oder zerstört. So wurde ein Teil der Inneneinrichtung
nach Saarlouis gebracht und dort meistbietend ver-
kauft: Der Pastor von Waldwisse kaufte für seine
Kirche den schönen Altar mit den zwei Engeln, drei
wertvolle Gemälde von Januarius Zick kamen in die
Kirche von Beaumarais. Noch heute kann man sie
dort bewundern, ein Besuch empfiehlt sich.
Die drei großformatigen Bilder in der Pfarrkirche
zu Beaumarais beeindrucken durch ihren warmen,
verhaltenen Anruf; zart empfunden und verinner-
licht, vermitteln sie höchste Wahrheit. In ihnen liegt
eine Welt, die man draußen kaum antrifft. Sie be-
sitzen keinen Aufforderungscharakter und kaum
eine Spur von Wirklichkeit; die abgestimmten Farb-
töne und die Harmonie des Ganzen beglücken
den Beschauer. Diese Gemälde erinnern zum Teil
an Watteau, zum Teil auch an Claude Gellée. Sie
sind geschaffen zur Ehre Gottes und vornehmlich
für Menschen, die ihr „adsum“ oder „fiat“ gespro-
chen haben. Sie besitzen Meditationscharakter und
wollen keineswegs eine Idylle wiedergeben. Der
heutige Mensch, konsumorientiert und im Weltli-
chen verstrickt, findet nicht immer Zugang zu die-
sen Werken. Die moderne Kunst lebt von anderen
Vorgaben. Betrachtet man manche „Schöpfung“
von heute, so fällt auf, daß das Konstruierte, das
rein Materielle Ausrichter geistiger Betätigung sein
soll. Geist und Seele quälen sich zwangläufig, ver-
sanden im Materiellen.
Diese Andersartigkeit der modernen Kunst läßt
umsomehr den Wert der Bilder von Januarius Zick
aufleuchten. Sie weisen wohltuend auf eine andere
Welt hin. Im Wandel der Zeiten mögen sie dazu bei-
tragen, den Atem der Seele stets neu auszudrücken.
Gottes großartiges Geschenk, seine Welt schöpfe-
risch zu gestalten, hatte Januarius Zick voll Ehr-
furcht angenommen. Seine Werke zeugen davon.
Januarius Zick gehört zu den großen Malern des
deutschen Rokoko. Bekannt geworden ist er vor
allem als Freskomaler, hinterließ aber auch neben
der Monumentalmalerei ein reiches Werk von Ta-
felbildern großen und kleinen Formats. Seine Viel-
seitigkeit, die sich auf das ganze katholische Ge-
biet am Mittelrhein und in Süddeutschland erstreck-
te, seine Fähigkeit als Innenarchitekt und Organi-
sator großer kirchlicher Ausstattungen sprechen für
eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit.
Hinweis: Nach dem lothringischen Forscher Henri
Hiegel stammt das bekannte Tafelbild mit der
„Kreuzabnahme“ des Malers Januarius Zick eben-
falls aus der Abtei Wadgassen. Es befindet sich ne-
ben weiteren Tafelbildern und Kunstwerken heute in
der Nikolauskirche in Sarreguemines/ Saargemünd.
www.saar-lor-lux-alsace.de/barock/barock2.html
Vorspann, Hinweis und Angaben zu Januarius Zick
von Georg Groß
13
ZICK, Januarius (Johann Rasso Januarius), Ma-
ler und Architekt, * 6.2. 1730 (getauft) München
als Sohn des Johann Zick, † 14.11. 1797 (Ko-
blenz-) Ehrenbreitstein. – Nach der Ausbildung bei
seinem Vater und einer Maurerlehre bei Jacob
Emele in Schussenried 1745-48 setzte J.Z. seine
Tätigkeit in der väterlichen Werkstatt fort. Im Zu-
sammenhang mit der Ausstattung des Gartensaals
in der Würzburger Residenz durch Johann Z. ent-
stand 1750 das „Benediktwunder“ als frühestes er-
haltene Gemälde J. Z.s, dessen italienisierende
Malweise die Abhängigkeit vom Freskostil seines
Vaters deutlich macht. Erst in der „Auferweckung
des Lazarus“ von 1751 bediente er sich stilistischer
Mittel Rembrandts, wie vereinheitlichender Licht-
führung mit Hell-Dunkelkontrasten, Silhouetten-
figur und gesteigerter Raumtiefe. Bis Mitte der 50er
Jahre arbeitete er am Freskierungsauftrag Johann
Z.s für das Schloß Bruchsal mit; ab 1756 begab
sich der Künstler zur weiteren Ausbildung nach
Paris, wo er 1757 für 6 Supraporten des kur-
trierischen Schlosses Schönbornlust bei Koblenz
bezahlt wurde. Das Kolorit, die Komposition und
der Figurenstil in seinen derzeitigen Werken zeu-
gen von einer Auseinandersetzung mit der franzö-
sischen Malerei des Barock-Klassizismus und des
Rokokos, die entscheidend für seine Stilbildung
wurde. Dem berühmten, in Paris lebenden Kupfer-
stecher und Verleger J.G. Wille verdankte er Bezie-
hungen zum Kunstbetrieb nach Rom, Basel und
Augsburg. Im Januar 1758 ist J.Z.s Name in Ba-
sel nachgewiesen, für das gleiche Jahr wird ein
Aufenthalt in Rom angenommen, wo er unter An-
leitung von A.R. Mengs nach antiken Reliefs und
den originalen Fresken in der Galleria Farnese
gezeichnet hat. Im Herbst 1758 wurde er Mitglied
an der Kaiserl. Französischen Akademie in Augs-
burg und erwarb für das Gemälde „Merkur in der
Bildhauerwerkstatt“ den ersten Preis. 1759 erhielt
J.Z. mit den Dekorationen des Watteau-Kabinetts
im Schloß Bruchsal seinen ersten größeren Auftrag,
in dem er die Anregungen aus italienischen, nie-
derländischen und französischen Komponenten zu
einem eigenen, persönlichen Stil verschmolz. Auf-
grund der Freskierung von Schloß Engers bei Ko-
blenz 1760 wurde er vermutlich zwischen 1761
und 1763 zum kurtrierischen Hofmaler ernannt.
1762 heiratete J. Z. in Ehrenbreitstein und ließ sich
dort endgültig nieder. Ab 1774 entwarf er
Intarsienbilder für den Kunsttischler David
Roentgen. Seit den späten 70er Jahren führte der
Künstler bedeutende Freskoaufträge sowie Altarbil-
der in oberschwäbischen Kloster- und Pfarrkirchen
aus; von 1778 bis 1781 war er als Maler und In-
nenarchitekt für die Benediktinerklosterkirche.
Wiblingen tätig, 1780 malte er die Fresken der
Pfarrkirche Zell bei Riedlingen, 1782 der Pfarrkir-
che Dürrenwaldstetten, 1782/83 der Benediktiner-
klosterkirche Oberelchingen bei Ulm, 1784 der
Prämonstratenserklosterkirche Rot an der Rot. Ab
Mitte der 80er Jahre wandte sich J.Z. Aufträgen im
Kurtrierer und Kurmainzer Gebiet zu: 1785 betä-
tigte er sich als Freskant im Schloß zu Koblenz,
1786 in St. Ignaz und der Domprobstei in Mainz
sowie in der Augustinerklosterkirche in Triefenstein,
1787 im Akademiesaal des Schlosses zu Main,
1790 in der Hofkirche in Koblenz, für die er auch
ein Altarblatt anfertigte. 1792/93 übernahm er in
Frankfurt im Palais Schweitzer und im sog. Russi-
schen Hof Dekorationsaufträge. - J.Z. zählt zu den
bedeutendsten deutschen Malern des späten Ba-
rock. Berühmt wurde er vor allem aufgrund der
Freskierung und Ausstattung einiger oberschwäb-
ischen Klosterkirchen, von denen die Klosterkirche
Wiblingen sein Hauptwerk darstellt. Die themati-
sche Spannweite seiner Tafelbilder reicht von Dar-
stellungen aus der Heilsgeschichte über Rokoko-
allegorien, Historienbilder, Genrestücke bis hin
zum bürgerlichen Portrait. Während die Fresken in
der Tradition des Spätbarock - Illusionismus verhaf-
ten blieben, spiegeln die späten Tafelbilder im hel-
len, kühlen Kolorit und plastischer Modellierung
der Figuren rokokohaften Stil mit frühklassizis-
tischen Tendenzen wider.
Biographisch–Bibliographisches Kirchenlexikon
Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Januarius Zick, Selbstbildnis um 1761, Main-
fränkisches Museum, Würzburg
14
Heiner Groß
AusderGeschichtederHolzmühle
Wenn man heute von der Holzmühle spricht, dann
meint man damit den Lisdorfer Ortsteil Holzmühle,
der sich seit etwa 35 Jahren durch das Neubauge-
biet Holzmühle und neuerdings durch die Bebau-
ung im Bereich der Neue–Welt–Straße wesentlich
vergrößert hat. Die alte Holzmühle existiert bereits
seit mehr als 700 Jahren und ihre Geschichte und
ihr Name sind untrennbar mit der Mühle namens
Holzmühle verbunden.
Die Mühle namens Holzmühle mahlte nicht etwa
Holz, sondern war wie die später durch das Klo-
ster Wadgassen gegründete Neumühle am Anfang
des Weilers Holzmühle von Lisdorf aus gesehen
eine Getreidemühle.
Es ist davon auszugehen, dass im Bereich des heu-
tigen Ortsteils Holzmühle vor etwa 800 Jahren ein
weitgehend geschlossenes Waldgebiet war. Wie
damals üblich, sind Mühlen ausschließlich an Bä-
chen und kleineren Flüssen zum Antrieb eines
Wasser– oder Mühlenrades errichtet worden. So
war es auch der Fall bei der hier in Rede stehen-
den Mühle. Sie wurde an dem aus Neuforweiler
kommenden Bach, dem späteren Mühlenbach,
mitten im Wald (Holz) errichtet und hat ihren Na-
men von dem sie umgebenden Holz erhalten. Von
der Holzmühle hat der später nach und nach ent-
standene Weiler den Namen übernommen.
Die Holzmühle erscheint schon urkundlich in den
Jahren 1329 und 1350. So in dem Vertrage zwi-
schen dem Abt von Wadgassen und dem
Heneguin Velter von Rimiring, wodurch unter an-
derem der Abt das Land an der Dodenbach unter-
halb Lisdorf und nahe der Holzmühle erhält. Im
Jahre 1610 hatte sie der Müller von Lisdorf als
abteiliche Bannmühle in Erbpacht für 28 Quart
Roggen und 36 Liter Öl. Zudem hatte der Abt nach
einer Urkunde des Friedensrichters aus Saarlouis
noch eine Ölmühle bei Beaumarais.
Am 18. Juli 1680 überläßt der Abt seine freie
Mühle, genannt Holzmühle, dem Zimmermeister
Johann Amman gegen eine Abgabe von 15 Quart
Getreide und 15 Quart Mischfrucht nebst einem
fetten Schwein zu 100 Pfund.
Bei dem Festungsbau der Stadt Saarlouis wurde
auch das gegen die Holzmühle und Beaumarais
gelegene Bruch, das sogenannte „Mättelbruch“,
einst mit einem großen Eichen- und Buchenwald
bestanden, abgeholzt.
Späterhin hatte die Holzmühle noch mehrere Besit-
zer und Pächter. So erscheint im Jahre 1798 der in
Lisdorf wohnende Eigentümer von Grundstücken im
Bereich der Holzmühle, Peter Kanne, und klagt in
einem Prozeß gegen die Bürgerin Gertrud Hector,
Witwe Senzig, wegen der durch die Mühle ver-
ursachten häufigen Überschwemmungen. Als Sach-
verständigen hatte die letztere einen gewissen Pe-
ter Dimmel, Peter Kanne den damals sehr bekann-
ten Architekten Franz Gannal. Auch an der hi-
storischen Vergangenheit um die Kämpfe der Fe-
stung von Saarlouis hatte die Holzmühle einen An-
teil, als in den Kämpfen im Januar des Jahres 1815
preußische Husaren die Mühle besetzten und da-
durch die Mehlversorgung der französischen Fe-
stung Saarlouis empfindlich störten. Während der
französischen Festungszeit von Saarlouis (1680–
1815) belieferte die Holzmühle, neben anderen
Mühlen, überwiegend die Festung Saarlouis.
Später war die Holzmühle, die zeitweise die Be-
zeichnung „Johannismühle“ führte, im Besitz der in
unserem Raum bekannten Müller–Familie Senzig.
Letzter Inhaber der Mühle war bis Anfang der
sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, also bis
vor etwa 40 Jahren, der gelernte Müller Herbert
Senzig, der heute dem Vorstand des Vereins für
Heimatkunde Lisdorf e.V. angehört. Aufgrund der
damaligen Mühlenstrukturreform wurde der Be-
trieb der Mühle eingestellt und das Anwesen von
den Brüdern Herbert und Richard Senzig zu Wohn-
gebäuden umgebaut.
17. Holzmühler Fest am 19./20. Juni
1988 wurde es erstmals gefeiert, das Holz-
mühler Fest als typisches Dorffest. In diesem
Jahr steigt die 17. Auflage unter der Linde in-
mitten der historischen Holzmühle. Was zu-
nächst als Dorffest mit Bekannten, Freunden
und Verwandten konzipiert war, hat sich inzwi-
schen zu einem Fest von weit überörtlicher Be-
deutung entwickelt. Die Idee dazu hatte der lei-
der viel zufrüh verstorbene Josef Amann unter-
stützt von den Familien Morguet, Beck,
Maschke, Klein u.a., die seither für den Erfolg
des Festes sorgen.
15
SchnappschüssevomGrünkohlessenbeiderLFG
Ministerpräsident Peter Müller und Oberbür-
germeister Hans–Joachim Fontaine macht der
Grünkohlgenuss sichtlich Spaß
Die zahlreichen Teilnehmer saßen dicht ge-
drängt und lauschten aufmerksam den Wor-
ten der Grünkohl–Sachverständigen
Pastor Anton Heidger und Gilbert Ecker von
der LFG im angeregten Gespräch. Gerhard
Kunzler lässt es sich schon schmecken.
Bauernverbandspräsident Klaus Fontaine,
Kreisvorsitzende Croon, MD König vom Um-
weltministerium und Kammrdirektor Schmeer
mundet es ebenfalls
18
LisdorferHeimatkundlerzurWeinprobeinPerl
Heiner Groß
Der Heimatkundeverein Lisdorf führt
in regelmäßiger Folge Weinproben im
saarländischen Weinbaugebiet in Perl
an der Obermosel durch. Sie finden
vornehmlich an Samstagabenden in
den Weingütern Schmitt–Weber in
Oberperl und Petgen in Sehndorf statt.
Zu diesen Winzern bestehen freund-
schaftliche Kontakte. Der gute Wein
und das ansprechende Ambiente in
diesen Häusern wissen die Teilnehmer
an diesen Weinproben in geselliger
Runde zu schätzen.
Die Weinprobenfahrten per Bus nach
Perl mit jeweils 30–50 Teilnehmern sind
zu einem nicht mehr wegzudenkenden
Bestandteil der geselligen Veranstaltun-
gen des Heimatkundevereins gewor-
den. Daran können neben den Mitglie-
dern des Vereins auch sonstige Interes-
sierte teilnehmen, die Freude am kulti-
vierten Weingenuss in geselliger Atmo-
sphäre haben. Dass die Teilnehmer im-
mer viel Spaß an diesen Abenden ha-
ben, zeigen die Bilder auf dieser Seite.
Aufgrund einer spontanen Idee, die
vor Jahren während einer Weinprobe
in weinseliger Stimmung geboren wur-
de, wird seither einmal im Jahr aus
der jeweiligen Weinprobengesellschaft
ein Lisdorfer Weinkönigspaar gewählt.
Bei der letzten Weinprobe am 10. Ja-
nuar dieses Jahres wurden für die Ses-
sion 2004/05 Sabine Weyand–
Amann zur neuen Lisdorfer Weinköni-
gin gewählt und August Balthasar als
Weinkönig bestätigt.
Die beiden oberen Bilder zeigen das
Weinkönigspaar nach seiner „feierli-
chen Inthronisierung“ mit Thomas
Schmitt vom Weingut Schmitt–Weber
beziehungsweise Doris Freichel und
Maria Scholly vom Heimatkundever-
ein Lisdorf. Die beiden unteren Bilder
zeigen einige der Teilnehmer während
der Weinprobe. Die nächste Weinpro-
be findet im Zeitraum Oktober –De-
zember 2004 statt.
19
Das Wegekreuz von
Lisdorf an der Ecke
Groß– Kirchenstraße,
das an der vorderen
linken Ecke des Hau-
ses Großstraße 49
steht, ist, so wie mir
die Inschrift bekundet,
1876 für verunglück-
te Schiffsleute von Lis-
dorf errichtet worden.
Familienangehörige
von Conrad Lons-
dorfer und Anna
Daub haben dieses
Wegekreuz herstellen
und errichten lassen.
In seiner ursprüngli-
chen Art ist nur der
untere Teil, der Sockel des Wegekreuzes, erhalten
geblieben, so wie mir Maria Jungmann geb. Klein
von diesem Wegekreuz an ihrem Elternhaus be-
richtete. Durch Kriegseinwirkungen in den Jahren
1944/45 wurde der obere Teil des Kreuzes zerstört
und ist danach wieder erneuert worden. Dieses
Kreuz erinnert daran, welches reges Schifferleben
in den vergangenen Jahrhunderten im Ort Lisdorf
vorhanden war. Lassen wir zu diesem Thema den
früheren Rektor der Lisdorfer Schule Johnn
Goergen (*1898 †1976) zu Wort kommen:
„Der lebhafte Schiffsverkehr auf der Saar und der
Fischreichtum, besonders im toten Arm bei Lisdorf,
wirkten entscheidend auf die Entwicklung des Schif-
fer– und Fischerberufes in Lisdorf hin, sodass beim
Erneuerungsbau der Pfarrkirche Lisdorf 1764 die
Statue des Schiffspatrons, des hl. Hubertus, einen
Ehrenplatz auf einem Seitenaltar gefunden hatte“
…und weiter: „Holz aus den Vogesen, der Pfalz und
den Saarwäldern wurde in den Jahren um 1466
von Händlern aus Friesland zu Flößen zusammen
gebunden und auf dem Wasserwege bis nach Hol-
land geleitet. Flussschiffer beförderten mittels
Treidelbetrieb mit Pferdezug in flach gebauten Käh-
nen mit geringem Tiefgang Salz, Getreide, Wolle
und Häute. Ab etwa 1600 auch Kohle, Glas, Ruß,
Pech oder Teer flussabwärts und brachten als Rück-
fracht Kolonialwaren, Färb– und Gerbstoffe, Wein,
Torf und besonders Erze von der Lahn mit zurück in
ihre Heimathäfen. Aufgrund dieses starken Verkehrs
entwickelten sich die Orte an der Saar kräftig; Lis-
DieSchiffsleutevonLisdorf
August Balthasar
dorf zählte danach um etwa 1500 zu den volkreich-
sten Orten der Umgebung“. Nach Schuldirektor
Goergen hat Heimatkundler Liebertz (Waller-
fangen) angegeben: „ für die Zeit von 1500–1600
in Lisdorf 40 Feuerstellen, 14 in Fraulautern, 10 in
Hülzweiler, 8 in Saarwellingen, 4 in Griesborn, 3 in
Ensdorf“; und weiter nach Rektor Goergen: „ Nach
einem Bericht des Landrates in Saarlouis an die kö-
nigliche Bezirksregierung in Trier im Jahre 1901
wurden trotz tiefgehenden Strukturwandels in Lisdorf
noch 12 berufsständige Schiffer gezählt“.
Nach den Kriegswirren 1945 waren in der Kirchen-
straße Nr. 3 in Lisdorf, dem Haus des bekannten
Schiffers und Sportlers Viktor Welsch, „se hodden
kään Hämm me gehadt“ (Sie hatten kein Zuhau-
se mehr gehabt), so Theo Follert und seine Frau
Thea geb. Welsch, bis zu 30 Schiffsleute mit Fami-
lien untergebracht. Die Häuser dieser Schiffsleute
in Saarbrücken waren zerbombt oder sonst irgend-
wie zerstört durch Kriegseinwirkungen.
Zurück noch einmal zum Schiffsmann Viktor Welsch
und seinem Schiff, der „Saargold“, das den beiden
heute selbständigen Lisdorfer Sportvereinen „SC
Saargold Saarlouis–Lisdorf“ (Handball) und „SV
1929 Saarlouis–Lisdorf“ (Fußball) damals als
Namenspatron diente. Viktor Welsch (gestorben
am 28.07.1967) war nicht nur ein tüchtiger Schiffs-
mann, gern und leidenschaftlich war er auch in
seinen jungen Jahren ein aktiver Fußballer. 1945/
46 hat er bei einer von der französischen Besat-
zungsmacht vorgeschriebenen Umstrukturierung
der Lisdorfer Sportvereine den Vereinsvorsitz über-
nommen. Zu dieser Zeit nach dem Krieg 1945/46,
als noch jede Art selbständiger bzw. freiwilliger
Vereinstätigkeit durch die französische Zwangsver-
waltung verboten war, durfte es nur einen Verein
für den ganzen Ort geben, in dem alle kultur- und
sporttreibenden Vereine eingebunden waren. Den
Vorsitz dieses Vereins durfte nur ein „Antifaschist“,
ein Gegner der vorherigen Regierung, also ein
„Antinazist“, führen. Dies war Schiffsmann Viktor
Welsch. lm Mai 1952 erfolgte die Auflösung der
zwangsbedingten Vereinsvereinigung und Viktor
Welsch konnte sich wieder uneingeschränkt seinem
Beruf als Schiffer widmen.
20
Vazehlches
von Marianne Faust
Wie mia Kenna woren, hodden ma emma us
Amusemma, wenn de älla Leit Rängelcha onn
Spichten van freija vazehlt hann.
Weil enn jedem Haus domols enn Stall voll Kenna
dahemm woren, ess ett manchmoll so’n bißin
drenna onn driwwa gang. Doo dofan gäf ich gäa
ebbes vazehlen.
Doo hann doo zou der Zeit emoll so’n Häad
Trawanten dee ganzen Mettach off da Gass ge-
spillt. Ett woren Kenna aus da ganz Nobaschaft.
Wie ett angefonk hat duschda se genn, hat da
Schang von newendran sein Bagasch renn gerouf:
„Kommen dabba renn, ett langkt foo haut. Gleich
laudett Betglock, onn de Maam hat ett Nadessen
omm Desch.“
Honga hodden se jo al,l onn et hat sich känna
vannen zwaimol häschen geloss. Wie se renn
komm senn, hann se sich all meßten en daa
Wäschschossel waschen.
Onn doo nonana all Marsch an de Desch. Off da
langk Bank hann se all en Reih on Glied gesetzt,
Backen wie de Kirschen on hann ia Quellkromban
onn de Brockel vadreckt.
Wie se fertich woren, hatt da Papa gesaat: „So
aweil gebet onn de helzernen Berg roff onn ge-
schloof.“ Awwa äna vannen wollt sich nett ausdoun
lossen, on ent Bett wollt a Patu ach nett.
Doo hatt da Papa iwan geschennt: „ Watt ess haut
mett dem Fräggat loo loss? Watt senn datt loo
dann foo Spirenzcha?“ Doo hat der Klään an-
gefonk se greischen onn hat bedreppst gesaat:
„Onkel Schang foo watt derf eich dann haut nett
hemm gehn, eich benn joo ganett aua.“
Mett gess hat der Klään jo gäa. Wäschen hott joo
aach noch gang. Awwa schlofen gehn, dat wollda
dahemm. Bei den traurijen Funseln, woo de Leit
freija hodden, hann se sich joo selwa gegrault.
Watt en Wonna, wenn se Owens de eijenen Kenna
nett kannt hann. Onn se hann se bestemmt ach
nett jeden Owend nogezehlt.
„Usa Sprooch“
von Werner Naumann
Die Alden hann se us vaerood.
Van ewijen Zeiden es se iwwaliwad.
Se hann se aan us weidagenn.
Gereift en honnaden van Johren.
Usa Sprooch
G’was wie en Baam, däa Reng newen Reng leiht.
Greßa word es se wie en Bach, däa zomm Fluß
wird.
Generatsjonen hann metg’holf, datt so word es wie
se word es.
Wort foa Wort es dazoukomm bes se so woa.
Usa Sprooch
Gud on schlecht Zeiden had se iwwalefd.
Alles had se iwwastann.
Awwa haud, haud had se de Kränk.
Vill hallen se sogaa schon foa dod.
Usa Sprooch
All schwedsen se wie die Feinen dahemm em
Glotzkaschden.
Vill senn neme se ke.ihn se en de Mund se hollen.
Foa domm wirren die g’hall die haud noch so
schwedsen.
Z’reck g’blief soll se senn.
Usa Sprooch
Dabei geht neischd ohne se.
Datt es en ald Kuldua.
Se es änni van usen Wurzeln – on en ganz dicki
On bes riwwa bei de Noban wast se.
Usa Sprooch
Ohne se wären ma net datt watt ma haud senn.
On an usa Kenna mossen ma se weida genn.
Die sollen doch wessden wo se häa stammen.
On do dafo brauchen se se so nedich wie’t tächlich
Brot.
Usa Sprooch
Mia derfen se deswechen aach net valieren.
Onn do dafoa mossen ma se aach hejen on flejen
on aach jeden Daach schwedsen.
Usa gud ald Sprooch!
BeiträgezurLisdorferMundart
21
Wie Städt haut senn, dat ohne Hohn
Ess jede stolz off Dradition.
Nett nur Vergangnes sich besehn!
Em Geischt, soll alles offerstehn.
So kommt die Erinnerung, all zereck,
Ma denk nur an uus gutt alt Breck.
Die Immer noch steht von frieren Johr
Un watt dazwischen schon alles wohr.
Datt well ich verzeelen auch innem Reim,
So watt geht mol, en de Geschichte ein.
In meiner Jugend, do wor et noch schehn,
Do konnt ma noch richtig spazieren gehn.
Autos woren noch nett modern,
Ma hott gar keen Drang vor en de Fern!
„De Welt, die leit jo vor em Haus“
Saat de Oma, un guckte zum Fenschter raus.
Un Sonndags ging ma die enselvig Streck,
Von der Wohnung bis zu der alten Saarbreck.
De ganze Weg, do muscht ma faschten,
Im Stadtgarten driwwe, do kunnt ma raaschten.
Do wor en Wirtschaft, un vill tamm-tamm,
Dat wor fir de Leit, dat wollten die hann.
Eich vor ganz froh, wenn mei Papa gesaat,
Et gefft nett lang haut iwwerlaat.
Machen aich fertig ,die Sonn scheint scheen,
Dass ma kennen spazieren gehn!
Alles hat sich in Stoot geworf,
Denn ach Leit vom Noberschdorf,
Senn komm, in unser kleene Stadt,
Die so en scheene Namen hat.
Off der Breck, do wor en Betrieb,
Do senn se all gär stehen blief.
Von owen ronner konnt ma gucken,
On ach gutt in at Wasser spucken.
Eich selwer hot emma vill Brotmiffelcher,
Die woren geminnst for de Saar-Fischelcher.
Ün die senn im Wasser dann immer gesprung,
Iss mol wieder, so en Miffelchen komm.
Grad unna der Breck, do konnt ma gesinn,
Do woren ach Leit em Wasser drinn.
Jung un alt, un gross un kleen,
Senn in der Badbox versammelt geween.
Nett all die, konnten do schon schwimmen,
Ma hat jo noch neischt gewuscht, vom trimmen.
Hat ähner em Wasser gedräht un gepatscht,
Do hann se von der Breck erunner geklatscht.
Am liebste bliew ma do imma stehn,
Awer die Grossen wollten doch weidergehn.
Vom letschte Krieg domols, en Veteran,
Erhot am Been, e Holzbeen dran.
Der hat emma off seim Stielchen gehockt,
Un so em Orgelkaschten Teen entlockt.
Aich braucht meinen Papa nett lang se froon,
Der hat em emmer ebbes en sei Metz gedoon.
Er hot am Enn von der Breck gehuckt
Do hat sich manch eener vorbeigedruckt.
Wer vor den arm Mann neischt hott iwerich,
Der es ganz stikum vorbeigeschlich.
So Leit gab et enuna, die gefft et noch heit,
Awwer sunscht wor et en ruhige Zeit.
Doch off emol wor et aus mit der Ruh,
Iwerallworendie Läden zu!
Kään Minsch am Fenschter, kään Kennergeschrei,
Alles wor off emol vorbei.
Uuser Breck, die stand verlassen.
Ach die konnt et garnett fassen,
Datt schon nomol Krieg sollt senn,
En unsrer scheenen Heimat drenn.
Statt frohe Leit, un fröhlich lachen,
Hat se geheert de Bomben krachen.
Manch braver Landser kam iwwer de Breck,
Nur triwwer, awer nett meh zereck.
So hat sich Johr an Johr gereit.
Et ess nett besser genn, die Zeit.
Erscht wie die Stadt ball ganz am Enn,
Do hat et endlich Ruh jetz genn.
Die Schäden hat ma offnotiert,
Die Breck wor ach schwer demoliert.
So langsam senn die Leit ach kumm,
Denn et vor nomol alles romm.
Ma bat geschafft, on offgabaut,
Vill scheener ess jetzt alles haut.
Uuser Breck steht noch an der selwig Stell,
Bei der Naad, erstrahlt se jetz ganz hell.
Ach am Daach, do dun ma se ehren,
Ma well ihr en scheene Aussicht bescheeren.
Se ess uus gut Stick, etsoll ihr neischt fehlen,
Denn vieles kann uuser Breck verzehlen.
Sie steht noch do, wenn mir nimi senn,
Un all dat, kommt dann enn de Cronik renn.
Eine Hommage in Mundart–Reimversen an die alte Saarbrücke
in Saarlouis
von Maria Roth–Weiland, Saarlouis, Mitglied des VHL
De gutt alt Saarbregg!
22
Nach der Einführung des „Kultes der Vernunft“ an-
stelle des Christentums und einer neuen Zeitrech-
nung im Mai 1794 begann die letzte Phase des
Terrors der Revolution. An deren Ende „fraß“ die
Revolution ihre eigenen „Kinder“: Am 27./28. Juli
1794 wurde Robespierre, der „Unbestechliche“,
durch die Vereinigung aller Gegengruppen im
Konvent gestürzt, verhaftet und mit 21 seiner An-
hänger hingerichtet. Kurz darauf wurden das
Revolutionstribunal und die politischen Clubs in
Paris geschlossen. In der Folge einigten sich die
politischen Gruppierungen auf eine neue Verfas-
sung, an deren Spitze fünf Direktoren – das „Di-
rektorium“ – standen. Die beiden Kammern der Le-
gislative, „der Rat der Alten“ (250 Mitglieder) und
der „Rat der 500“, wurden nach indirektem Zen-
suswahlrecht gewählt. Das Besitzbürgertum sah
seine Ziele verwirklicht, Luxus– und Vergnügungs-
sucht der Pariser Gesellschaft formten den Mode-
stil des „Directoire“. Die Zeit des Terrors war vor-
bei, doch die „Abschaffung“ des Christentums
blieb vorerst bestehen. In den seit Jahrhunderten
strenggläubigen Landgemeinden wie in Lisdorf,
bedeutete dies einen radikalen Einschnitt in das
tägliche Leben, von dem jeder Pfarrangehörige
persönlich betroffen wurde. Die Kirche wurde
geschlossen, das Inventar gestohlen oder ver-
brannt, das Pfarrhaus neben der Kirche zu-
nächst verpachtet und schließlich (1797) an
den Saarlouiser Bürger Casper Besson ver-
kauft. Bereits 1794 wurde die Marienkapelle
in der Nähe der Kapellenmühle an den Saar-
louiser Claudius Rosat auf Abbruch für 3.000
Francs verkauft. Auch von den Friedhöfen wur-
den die Kreuze und alle christlichen Symbole ent-
fernt. Auf Anordnung der Saarbrücker Kantonats-
verwaltung wurde den Geistlichen die Mitwirkung
an Beerdigungen ebenso untersagt, wie das Ge-
bet und der Gesang den Gläubigen. Die Bestat-
tungen galten als rein bürgerlicher Akt und so
wurde auch der Lisdorfer Lehrer Theobald, zu
Lebzeiten ein begeisterter und guter Sänger, 1794
ohne Gebet und Gesang zur letzten Ruhe gebet-
tet. Die Geistlichen mußten sich verstecken und
konnten ihre Seelsorgertätigkeit nur unter Lebens-
gefahr im Verborgenen ausüben. Nur Geistliche,
die den geforderten Eid auf die Verfassung ableg-
ten, konnten sich wenigstens in den ersten Revolu-
tionsjahren noch als „Administrator“ (Verwalter)
halten. Auch in Saarlouis wurde die „Göttin der
Vernunft“, dargestellt als Frau mit einem zerbro-
chenen Kreuz zu ihren Füßen, von nun an anstel-
le des christlichen Gottes verehrt. Die christlichen
Feiertage wurden abgeschafft und anstelle des
gregorianischen Kalenders wurde der Revolutions-
kalender als Zeiteinteilung eingeführt. Gezählt
wurde ab 1792 nach den Jahren der Republik.
Das Jahr bestand aus 12 Monaten zu 30 Tagen
und zusätzlichen fünf Ergänzungstagen (in Schalt-
jahren sechs). Jeder Monat war eingeteilt in drei
Wochen zu je zehn Tagen. Monate und Tage erhiel-
ten neue Namen. Neben dem 14. Juli wurde
auch der Tag der Göttin der Feldfrüchte,
Ceres, feierlich begangen. Ochsen mit ver-
goldeten Hörnern zogen einen vergoldeten
Pflug von Saarlouis aus auf das Feld vor dem
französischen Tor auf Lisdorfer Bann, dort
wurden alle Phasen der Saat und Ernte sym-
bolisch dargestellt und anschließend ein gro-
ßes Volksfest mit Gesang und Tanz gefeiert.
Der letzte vorrevolutionäre Pfarrer in Lisdorf,
Pastor Johann Lutz, ein gebürtiger Trierer, wirk-
te von 1785 bis 1791 in der heimischen Pfarrei.
Da er nicht bereit war den seit 1790 geforderten
Treueeid auf die neue Verfassung abzulegen, wur-
de seine Pfarrei 1791 als „vakant“ erklärt. Lutz
wohnte noch ein Jahr lang in Lisdorf und emigrier-
te Mitte des Jahres 1792 nach Trier. Seine letzte
nachvollziehbare Amtshandlung, die Bescheini-
gung eines Sterbeaktes, stammt vom 4. Oktober
1791. Sein Nachfolger als Pfarrer in der Pfarrei
Lisdorf–Ensdorf wurde Pastor Halstroff, der – ob-
wohl er den Treueeid leistete – nur kurz, bis Ende
1792, sein Amt ausübte. Nach dem Verbot der
Ausübung des christlichen Kultes, der Schließung
der Kirche und der Verpachtung des Pfarrhauses
entzog er sich der drohenden Verhaftung ebenfalls
durch Emigration. Halstroff starb später in Frau-
lautern, wo er ab 1810 die Pfarrstelle innehatte.
Spätestens ab Mitte des Jahres 1794, gab es
in Lisdorf bis 1798 keine ordentliche Seelsor-
ge mehr. Jedoch übten in der näheren Umgebung
einige ehemalige Klostergeistliche, die nicht geflo-
hen waren, heimlich und nachts im Verborgenen,
seelsorgerische Funktionen aus. So brachten wäh-
rend dieser Zeit viele Lisdorfer ihre Kinder nach
Wallerfangen zur Taufe, wo ein Priester namens
Printz das Sakrament spendete. Auch der gebür-
tige Lisdorfer Johann Neubecker, ein ehema-
liger Mönch des Klosters Wadgassen, der bis
zur Revolution Pastor in Bous gewesen war, arbei-
Arnt Finkenberg
Die französischeRevolutionundihre FolgenfürLisdorf
23
tete im Geheimen in seiner alten Pfarrei weiter und
taufte in den Jahren 1794 – 1798 insgesamt 104
Kinder aus Lisdorf und Ensdorf. Aus dem Jahr
1797 sind ebenfalls Taufen und Trauungen von
Lisdorfer und Ensdorfer Pfarrangehörigen in
Beaumarais nachzuweisen. In Saarlouis übten die
ehemaligen Pater Jean Stein (Augustiner) und
Conrad Bechel (Kapuziner) Seelsorgerdienste aus.
Pfarrer Stein war es auch, der von 1798 an wie-
der als Priester die Verwaltung der Pfarrei Lisdorf–
Ensdorf sowie der Nachbarpfarreien übernahm.
Aus den Tauf–, Ehe– und Sterberegistern der
Jahre 1798 – 1801 geht hervor, daß ab 1799
auch wieder kirchliche Beerdigungen auf dem
Lisdorfer Friedhof stattfanden, die Kirche wie-
der für Gottesdienste genutzt wurde und zu-
mindest stillschweigend von offizieller Seite
die Ausübung des christlichen Kultes toleriert
wurde. Dies scheint deshalb bemerkenswert, da
das Abkommen zwischen Frankreich und dem Va-
tikan, das Konkordat vom 15. Juli 1801, erst zwei
Jahre später abgeschlossen wurde. Das Konkordat
besaß bis 1905 Gültigkeit und band den Klerus in
seinen Bestimmungen, wie der Ernennung der Bi-
schöfe und der staatlichen Besoldung der Priester,
die überdies einen Treueeid leisten mußten, sehr
eng an den Staat. Offiziell wurde das Christentum
sogar erst im April des Jahres 1803 wieder einge-
führt. An dieser Entwicklung zeigt sich sehr ein-
drucksvoll, wie stark jahrhundertealte Sitten, Ge-
bräuche und Gewohnheiten – zumal, wenn sie sich
auf die Aspekte des menschlichen Glaubens bezie-
hen – in der Bevölkerung verankert sind und wie
schwer und politisch unklug es ist, zu versuchen,
durch Druck von außen, mit Hilfe von Gesetzen
und Verboten, diese Überzeugung zu ändern.
Nachfolger von Pfarrer Stein wurde ein alter Be-
kannter, Pastor Johann Lutz, der von den Bestim-
mungen der Amnestiegesetze für Angehörige des
geistlichen Standes profitierte und von 1802 bis
1804 wieder die Geschicke der Pfarrei leitete. Je-
doch fand er völlig andere Bedingungen vor als
bei seiner ersten Tätigkeit in Lisdorf. Die Kirche war
ausgeplündert, das Pfarrhaus verkauft, die klöster-
liche Oberherrschaft vorbei und die Einkünfte ge-
ringer. In seine kurze Amtszeit fallen zwei erwäh-
nenswerte Begebenheiten: Zum einen der erste
Bischofsbesuch in Saarlouis seit 20 Jahren durch
Bischof Francois Bienaime von Metz, der die Fir-
mung erteilte und zum anderen die große Dank-
prozession vom 16.April 1804 am Jahrestag der
Wiedereinführung des christlichen Kultes. Unter
seinem Nachfolger, dem Pastor Johann Jakob
Goby, wurde an Maria Himmelfahrt 1804 der
erste nachrevolutionäre Kirchenrat in Lisdorf
konstituiert. Die sechs Mitglieder Bernhard
Fritz, Philipp Dondon (oder Dou-Dou) Johann
Becker, Sebastian Denis, Jakob Hau und An-
ton Morguet (Bürgermeister von Lisdorf) ver-
sprachen, „ ... die Rechte der Kirche zu wahren,
das Eigentum und allen Grundbesitz und alle Gü-
ter wohl zu verwalten, auch jene, welche sie von
irgend jemand in gutem Glauben unter irgendei-
nem Titel erhält.“
Abdruck aus „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen-
wart (1996)“, Verfasser Arnt Finkenberg
Abfahrt ist am Samstag, dem 22. Mai, um 9.00
Uhr am Feuerwehrgerätehaus in Lisdorf. Auf
dem Gartenschaugelände hat jeder Fahrtteilnehmer
bis 17.30 Zeit und Muse – allein oder in der Gruppe
– sich die verschiedenen Blumenschauen, Ausstel-
lungen und Bereiche der Gartenschau in Ruhe an-
zusehen. Am 22.05 finden auf dem Gelände der
Gartenschau mehrere Veranstaltungen statt. U.a.
findet von 11.00–17.00 Uhr eine Live Übertragung
von SWR4 statt und um 14.00 Uhr spielt das RWE
Unterhaltungsorchester auf der Wasserbühne Me-
lodien aus Operetten, Musicals und Filmen. Außer-
dem finden an diesem Tag verschiedene Sonder-
schauen (Duftnoten, Der Kräutergarten, Kirchen-
garten usw.) statt.
Auf dem 48 ha großen Gelände bieten Restaurants,
Cafes und ein Biergarten die Möglichkeit für eine
kleinere oder auch größere Ruhepause während
des Rundganges.
Spätestens um 18.00 Uhr fahren wir wieder zurück
in Richtung Lisdorf. Natürlich nicht ohne noch ein-
mal einzukehren. Einkehr machen wir in der Bau-
ernstube auf dem Pellinger Hof in Gerlfangen. Hier
besteht die Möglichkeit zu einem preiswerten
Abendessen. Wenn es die Zeit erlaubt, werden wir
dort auch noch eine kleine Mundartlesung haben.
Abfahrt ist um 21.15 Uhr, damit wir pünktlich um
22.00 Uhr wieder in Lisdorf sein werden.
Für Fahrt und Eintritt sind 18 Euro zu entrich-
ten. Zu der Fahrt sind alle Mitglieder und
Freunde des Vereins für Heimatkunde Lisdorf
e.V. herzlich eingeladen.
Anmeldungen sind ab sofort möglich an den
Vorsitzenden des Arbeitskreises, Werner
Naumann, Tel. 06831/ 2770 und an Maria
Scholly, Tel. 06821/42621und bei allen Mit-
gliedern des Arbeitskreises.
DerArbeitskreisMundartundBrauchtumfährtindiesemJahrzurLandesgartenschaunachTrier
24
Arnt Finkenberg
Auch in der Lisdorfer Geschichte sind vier Fälle von
Hexenverfolgungen bekannt. So wurden im Jahr
1594 zwei Frauen mit den Namen „Schoentgen“
und „Kleinen Lehn“ von dem Hochgericht Wad-
gassen zum Tode verurteilt und auf der Richtstätte
„de Spurk les Wadgassen“ (Galgen) südlich des
Geißberger Hofes hingerichtet.
Anhand des Prozesses aus dem Jahr 1619/1620
gegen den wegen Zauberei Angeklagten Augustin
Mattheis, der vor dem Hochgericht Lisdorf-Ensdorf
durchgeführt wurde, soll kurz der Verlauf einer
solchen Verhandlung geschildert werden.
Prozeßort war in diesem Fall das Haus des Abts
von Wadgassen in Wallerfangen, der Gerichtsort
das Hochgericht Lisdorf–Ensdorf, das zu diesem
Zweck nach Wallerfangen reisen mußte und sich
folgendermaßen zusammensetzte: Der Meyer und
vier Schöffen aus Lisdorf, ein Amtsprocurator des
Abts, ein Tabellion (Notar) und ein Gerichtsschrei-
ber, sowie der Rentmeister, der für die finanziellen
Fragen, wie die Kosten und Unterbringung bzw.
Verpflegung des Angeklagten zuständig war. Au-
gustin Mattheiß wurde beschuldigt durch Zauberei
den Tod drei seiner Söhne mitverursacht zu haben.
Darüberhinaus sollte er verantwortlich sein für den
Tod von sechs Pferden und vier Stück Rindvieh ei-
nes Nachbarn. Außerdem wurde er angeklagt we-
gen Anstiftung zu einem Mord („Mordstiftung“) an
seiner ehemaligen Geliebten, der „Decker Lena“.
Der umfangreiche Prozeß erstreckte sich über mehr
als fünf Monate bis in den April 1620. Die zahlrei-
chen belastenden Zeugenaussagen prangerten al-
lerdings fast ausschließlich den lockeren Lebens-
wandel des Angeklagten und seine zahlreichen
Liebschaften an, als daß sie den Tathergang bzw.
die Beweggründe aufhellten. Folgerichtig erklärte
sich der Angeklagte in allen Punkten für nicht
schuldig. Daraufhin wurde Augustin Mattheiß
mehrmals zur Folter „aufgezogen“. Dabei wurde er
Lisdorfer Hexenverfolgungen
auf eine Leiter gelegt und an seinen auf dem Rük-
ken gefesselten Händen ein Strick befestigt, der
über eine an der Decke der Folterkammer ange-
brachte Rolle lief. Dann wurde er soweit in die
Höhe gezogen, daß er gerade noch mit den Ze-
hen den Boden berührte, und so eine Zeitlang
hängen gelassen. Da er bei dieser „gelinden Art“
von Folter kein Geständnis ablegte, wurde er wei-
ter in die Höhe gezogen, dieses Mal aber so hoch,
daß er nicht mehr den Boden berührte und das
ganze Körpergewicht an den nach hinten gebo-
genen Schultergelenken lastete. Trotz furchtbarer
Schmerzen und obwohl diese Folter ungefähr eine
dreiviertel Stunde andauerte, bestritt Mattheiß wei-
terhin die Tat, sodaß seine Peiniger sich darauf
verständigten, an einem anderen Tag mit dieser Art
der „Vernehmung“ fortzufahren. An dieser Stelle
brechen die Aufzeichnungen ab. Mattheiß, der
angekündigt hatte lieber zerrissen zu werden, als
eine nicht begangene Tat zu gestehen, ist vermut-
lich infolge der Folterungen verstorben. Der Wahr-
heitsfindung war aus richterlicher Sicht damit ge-
nüge getan. Festzuhalten bleibt, daß in den mei-
sten Fällen die Folter zum erwünschten Geständ-
nis rührte. Der Geständige wurde verurteilt, erdros-
selt und der Leichnam verbrannt.
Aus dem Jahr 1623 wird von einem 14jährigen
Jungen aus Lisdorf berichtet, der wegen Zauberei
auf Anordnung des Gerichts in Wallerfangen
ausgepeitscht worden ist.
Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges, indem
weite Landstriche an der Saar nahezu entvölkert
wurden, beendeten die Hexenverfolgungen in der
Saarregion vorerst. Nach Labouvie, fehlte es vie-
lerorts „ ... einfach an Personal, Geldern, Zeugen
oder gar Angeklagten ... .“
Abdruck aus „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen-
wart (1996)“, Verfasser Arnt Finkenberg
Tagesfahrten des Heimatkundevereins nach Luxemburg und Nancy
Am Samstag, 8. Mai 2004, ab 7.30 Uhr mit einem Luxus–Reisebus der Firma Geraldy nach Luxem-
burg, Echternach und Remich.Teilnahmegebühr einschl. Stadtführung in Luxenburg 22 Euro.
Am Samstag,10. Juli 2004, ab 7.30 Uhr mit einem Luxus–Reisebus der Firma Müllenbach über Metz
nach Nancy. Teilnahmegebühr einschl. Stadtführung: 25 Euro
verbindliche Anmeldungen: Tel: 06831/ 41694; 42621; 2770; 443285 oder 40651
25
Im Folgenden beschäftige
ich mich mit dem Namen
Breininger und Peter
Breininger von der Holz-
mühle. Peter ist ebenfalls
Mitglied im Lisdorfer Ver-
ein für Heimatkunde und
aktiv tätig im Vorstand als
Leiter der Arbeitsgruppe „
Familien– Ahnenforsch-
ung und Genealogie“.
Sein ganzes Leben lang ist er schon auf der Suche
nach der Herkunft und den Wurzeln seines
Familiennamens und wird stets von neuen Entdek-
kungen über seine Herkunft, über seine Vorfahren
mit dem Namen Breininger überrascht. Vor einiger
Zeit hatte ich mir ein Buch von ihm ausgeliehen über
eine deutsche Wappen– Bildersammlung, der He-
raldik. Als ich es ihm zurückbrachte, haben wir ei-
nige Stunden zusammen gesessen und uns wieder
über die Herkunft seines Familiennamens Breininger
unterhalten. Die Breiningers in Lisdorf sind, wenn
man ein paar Jahrhunderte zurückgeht, alle mehr
oder weniger miteinander verwandt, so sagte Peter
zu mir. Dabei habe ich, August Balthasar, den Pe-
ter gefragt, woher kommt der Name Breininger?
August: Sag mal Peter, welche Namensdeutung
kannst Du deinem Namen Breininger wohl geben?
Peter: Mein Familienname kommt aus dem alt-
hochdeutschen Wort „Prein“, heute sagen wir dazu
Hirse. „Prein“ war vor 1000 – 2000 Jahren ein
Hauptnahrungsmittel der Menschen. Später wurde
Prein allgemein als Hirse bezeichnet. Das Saatgut
der Frühzeit, das war das Ur–Einkorn. Mit ihm
begann die Nutzung der großkörnigen Gräser.
Emmer, Roggentrespe, Dinkel und andere Ge-
treidesorten folgten ihnen nach. Die Fähigkeit des
Entspelzens und Zerreibens der Körner zur Mehl-
gewinnung haben eine lebenswichtige Ernähr-
ungsgrundlage des Menschen mit sich gebracht.
August: Hirse, ganz oder gerieben, von Hand ge-
schrotet und zu Brei gekocht; zu dieser Suppe wur-
de auch Kraut, Grünpflanzen, Krauter (getrocknet),
gegebenenfalls auch Milch dazu gegeben. Gewür-
ze, Fleisch und Salz, wenn vorrätig, das waren
wertvolle Zutaten und wurden beigemischt. So
könnte man den Namen „Breininger“ als „Sup-
pen–,, oder „Breimacher“ schon deuten.
Deutung und Dialog über die Herkunft des Namens Breininger
August Balthasar
Peter: Ja, vom „Suppe ma-
chen – vom Breikochen“, so
lässt sich mein Familienna-
me natürlicherweise schon
herleiten.
August: In deinem Famili-
ennamen steckt noch die
Endung „–ing oder –inger“,
was hat es mit dieser En-
dung wohl auf sich, wo
kann sie wohl herkommen?
Peter: ,,–ingen, –fingen, –dorf“ wie zum Beispiel
in Beckingen, Dillingen, Ittersdorf usw., das sind
Endungen für Ortsnamen aus fränkischer Zeit.
August: Die „Frennky“ (so benannt von den Grie-
chen vor ca. 2000 Jahren) – die „Fränkis – die
Franken“, so nannten sich die Freien, die nach der
Römerzeit, während und nach der Völkerwande-
rung, durch die freien Lande zogen, sich überall an
den Orten niederließen und sesshaft wurden, an
denen es ihnen gefiel und an denen man Weide-
land fand für das Vieh. Von dem „Frennky“, von
deren Art und Weise, wie sie sich untereinander
verständlich machten, ihr Sprechen, ihre Mundart,
ihr Platt, ihr Sprechen auf dem „platten Land“. Das
Platt, das war die Ursprache der Landmenschen,
„doo bischd de platt“ (da bist du sprachlos). Der
Dialekt, die Muttersprache, das sprachliche Erbe,
das Mosel– oder Rheinfränkische Sprechen, das
haben wir von ihnen auch mitbekommen.
Peter: Hirsebrot war ein wertvolles Brot, ein Gras-
brot mit kleinen Samenkörnern, wenn überhaupt
ausreichend vorhanden und Lisdorfer Fischgemüse
gab es ganz bestimmt noch nicht. Die Samenkör-
ner wurden anfänglich mit Hilfe zweier in den
Händen gehaltener Steine, den Reib - Hand-
mahlsteinen, zerkleinert und zerrieben (geschrotet),
zu Mehl verarbeitet, mit Wasser zu einem Teig ver-
mengt und auf heißen Steinen gebacken; so ent-
stand daraus ein Fladenbrot.
August: Die römischen Garnisonen hatten schon
ihre Handmühlen dabei, an jeden Söldner wurde
als Tages–Marschverpflegung 1 kg Weizen verteilt.
Mit dem Übergang zum Getreideanbau sind auch
die ersten wasserradgetriebenen Mahlsteine, also
Mühlen, in Verbindung zu bringen. Im 3. Band der
Peter BreiningerAugust Balthasar
26
Mitgliederstruktur des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V.
Stand 15.02.2004
Saarländischen Volkskunde zu den Jahrestagun-
gen 1996 und 1997 ist dazu nachzulesen, dass:
„Schon 31 vor Christus ein römischer Militär–
Gerätebauer namens „Polio Vitruvius“ unter Cae-
sar und Augustus (*) nach erdachten Plänen eines
Griechen das Mahlen von Getreide „mit Wasser
und Steinen“ umsetzen konnte. Im Saarland im
Kreis Merzig ist testamentarisch im Jahre 634 n.
Chr. die Mühle eines merowingischen Edelmannes
„ Adalgise Grimo“ erwähnt.
Peter: Das Suppe–Kochen über einer offenen Feu-
erstelle, über der der Kessel oder der eiserne Sup-
pentopf an einer Kette hing und hin und her
schwankte, dürfte für seinen Herrn die Arbeit der
Breininger gewesen sein. Und wenn die Suppe
schneller kochen oder erwärmt werden musste,
konnte man den Topf ein Kettenglied oder einen
Zahn tiefer hängen, also einen „Zahn zulegen“.
August: Breininger, das waren also diejenigen, die
für ihre Herrschaften „Prein“, also „Brei-Suppe“
kochen konnten, es durften oder es machen mus-
sten. Und wenn dann die Breikocher einen Orts-
wechsel vornahmen und gefragt wurden „wo
kommst du denn her oder was kannst du ma-
chen?“, dann waren es die „Breininger“. Dazu fällt
mir noch ein frühmittelalterlicher Brauch ein: „Wes
Brot (Suppe) ich ess, dess Lied ich sing“; Also konn-
ten die Breinigers früherer Zeiten auch schon gut
singen! Dieser symbolische Spruch besagte also
früher, dass die Dienerschaft immer eine gute Mie-
ne zum bösen Spiel zu machen hatte. Heute wird
der Spruch noch mehr im übertragenen Sinne ge-
nutzt, denn heute bedeutet es mehr: „Wessen Geld
ich bekomme, dessen Meinung ich vertrete“.
Peter: „Jitz reicht ed awwa „jetzt reicht es mir aber“
– sagte er zu mir.
August: Und mir reicht es auch mit meinen Ge-
schichten „vann Leischdrow unn vann de
Leischdrowwa Leid“
(*) Anmerkung: Mit dem Begriff „Caesar“ ist hier
wohl der designierte Nachfolger des Octavianus
Augustus aus dem römischen Sprachgebrauch
gemeint und nicht die Person Julius Caesar, denn
dieser wurde bekanntlich bereits im Jahre 44 vor
Christus ermordet.
1. Gesamtzahl der Mitglieder 580
1.1 Natürliche Personen 579
1.2 Juristische Personen 1
2. Wohnsitz der Mitglieder
2.1 in Lisdorf wohnen 355 = 61 %
2.2 außerh. von Lisdorf wohnen 225 = 39 %
3. Mitglieder nach Geschlecht
3.1 Männlich 267 = 46 %
3.2 Weiblich 312 = 54 %
3.3 Organisation 1
4. Altersstruktur der Mitglieder
4.1 bis 20 Jahre 57 = 10 %
4.2 von 21 bis 30 Jahre 37 = 7 %
4.3 von 31 bis 40 Jahre 51 = 9 %
4.4 von 41 bis 50 Jahre 83 = 14 %
4.5 von 51 bis 60 Jahre 106 = 18 %
4.6 von 61 bis 70 Jahre 151 = 26 %
4.7 von 71 bis 80 Jahre 66 = 11%
4.8 über 80 Jahre 28 = 5 %
(Aufgestellt von Werner Naumann am 15. März 2004,
Stellv. Vorsitzender des VHL)
27
Heiner Groß
BesuchbeiFranz–JosefWeinaufSchloßSchiltern
Seit mehr als 10 Jahren leitet Franz–Josef Wein aus
Lisdorf die international bekannte Meisterschule für
Floristen auf Schloß Schiltern in der Gemeinde
Langenlois in Niederösterreich. Langenlois ist als
größte Weinbaugemeinde von Österreich bekannt.
Sie liegt nur wenige Kilometer nördlich von Krems
an der Donau; weilweit bekannt ist die romantische
Gegend als Wachau. Um von Langenlois zum
Ortsteil Schiltern mit seinem Schloß zu gelangen,
muss man einige Kilometer durch ein großes Wald-
gebiet fahren. Schiltern liegt am Rande des soge-
nannten Waldviertels. Mit diesen wenigen Sätzen
dürfte die geographische Lage der Wirkungsstätte
von Franz–Josef Wein ausreichend beschrieben
sein. Die Gegend von Schiltern ist mit Naturgütern
gesegnet und reizt zum Besuchen.
Der Hauptgrund für den Heimatkunde-
verein Lisdorf im Rahmen ei- ner Reise nach
Österreich und Ungarn im September des vergan-
genen Jahres auch auf Schloß Schiltern zu fahren,
war aber, Franz–Josef Wein an seiner Wirkungs-
stätte zu erleben und mit ihm und vielen weiteren
Gästen das 10–jährige Jubiläum der Meisterschule
für Floristik und sein dortiges 10–jähriges Dienst-
jubiläum zu feiern. Franz-Josef Wein hat die Schu-
le auf Schloß Schiltern im Jahre 1993 maßgeblich
mit aufgebaut. Sie ist in der Trägerschaft des nie-
derösterreichischen Floristik–Verbandes.
Als wir am Sonntag, dem 14. September 2003,
uns frühmorgens von unserem Hotel in Wels aus
auf den Weg zum Schloß Schiltern machten, hat-
ten wir bestimmte Erwartungen. Von den über 60
Reiseteilnehmern, darunter auch das Ehepaar
Grewelge aus Saarbrücken, in deren Blumenhaus
am Theater Franz–Josef Wein seine Berufsausbil-
dung als Florist absolvierte, kannte nur Irmgard
Wein, die Mutter von Franz–Josef, Schiltern.
Um es gleich vorweg zu sagen: Bereits nach den
ersten Eindrücken waren unsere Erwartungen weit
übertroffen. Das Äußere der historischen Schloßan-
lage ist eher bescheiden, aber gut erhalten. Wenn
man durch das Schloßtor in das Innere der Ge-
bäulichkeiten und den großen Innenhof des Schlos-
ses gelangt, stellt sich eine anheimelnde und anzie-
hende Atmosphäre ein. Im Innenhof waren an die-
sem Wochenende Getränke– und Essensstände und
Sitzgelegenheiten aufgestellt, damit die vielen Fest-
gäste aus nah und fern beköstigt werden konnten.
Neben dem 10–jährigen Jubiläum war an diesem
Wochenende auf Schloß Schiltern auch der einjäh-
rige Meisterlehrgang mit der Abschlußprüfung zu
Ende gegangen. Aus diesem Anlass waren auch die
Angehörigen, Freunde und Bekannten der Absol-
venten sowie die Meister der früheren Jahre gela-
den. Und offenbar waren viele aus unterschiedli-
chen Ländern gekommen. Immer wieder konnten
herzliche Begrüßungen zwischen jungen
Leuten und Franz-Josef Wein beobach-
tet werden. Unschwer war zu erkennen,
dass es sich um ehemalige Absolventen
handelte, die sich freuten, ihren Meister
auf Schloß Schiltern wieder zu treffen.
Das war auch ein Indiz für das offenbar
herzliche Klima, das zwischen Lehrenden
und Lernenden auf Schloß Schiltern
herrscht. Im Mittelpunkt des Interesses
der Festbesucher standen zwei Ausstel-
lungen: Das war einmal die Ausstellung
mit den floralen Meisterarbeiten, die zuvor von ei-
ner Kommission bewertet worden waren, und eine
Ausstellung von Kränzen und Grabgebinden, bes-
ser gesagt von wahren Kunstwerken, die die Besu-
cher in Staunen und Entzücken versetzten.
Franz–Josef Wein, der an diesem Tag durch das
Festprogramm und die riesige Besucherresonanz
stark gefordert war, nahm sich trotzdem Zeit für
seine Lisdorfer. Im Innenhof des Schlosses be-
grüsste er die große Lisdorfer Reisegruppe und
freute sich dabei sichtlich, dass mit dem Heimat-
kundeverein, dem er auch angehöre, erstmals ein
Lisdorfer Verein ihn an seiner 10–jährigen Wirk-
ungsstätte besuche.
Heiner Groß, derVHL–Vorsitzende und Leiter der
Reisegruppe, dankte Franz–Josef Wein für die Ein-
ladung und gratulierte zum Jubiläum, wobei er als
bescheidenes Gastgeschenk ein neues Werk über
28
die saarländische Heimat überreichte. Er sprach
Franz-Josef Wein namens der gesamten Reise-
gruppe Hochachtung und besondere Anerkennung
für sein verantwortungsvolles un zugleich künstleri-
sches Schaffen auf Schloß Schil-
tern aus und schloß mit den
Worten: lieber Franz–Josef,
wir sind als Lisdorfer stolz auf
dich. Das wurde von den über
100 Zuhörern !! mit kräftigem
Beifall untermauert.
Anschließend lud uns Franz–
Josef Wein zu einem Umtrunk
und einer durch ihn geleitetem
Führung durch die Ausstellung
der floralen Meisterarbeiten
ein. Der mehrstündige Rund-
gang war sowohl eine Augen–
als auch ein Ohrenschmaus.
Nicht nur die besonderen Krea-
tionen, die viel Experimentierfreude der
jungen Meister–Floristen zeigten, brach-
te uns zum Entzücken, sondern die Aus-
führungen von Franz-Josef Wein zu je-
der ausgestellten Meisterarbeit mit einer
sehr einfühlsamen Vorstellung und
Würdigung der jeweils anwesenden
Meisterfloristen steigerten das Ganze zu
einer „floralen Sin(n)fonie“. Hier war
der in Fachkreisen weltweit bekannte
Topflorist Franz–Josef Wein voll und
ganz in seinem Element. Mit seinen ge-
fühlvollen Worten ließ er das Betrachten
der Meisterwerke zu einer Verzaube-
rung der Sinne werden. Nach diesem
„floralem Feuerwerk“ fiel der Abschied
von Franz–Josef Wein und Schloß Schiltern nicht
leicht. Nicht nur bei seiner Mutter Irmgard und
seiner früheren Saarbrücker Lehrherrin Rene
Grewelge flossen dabei Tränen.
Dieser Tag bei Franz–Josef Wein auf
Schloß Schiltern war ein besonderes
Highlight auf unserer Reise durch
Österreich und Ungarn, darüber wa-
ren sich alle einig.
Lisdorfer Gruppe mit Franz–Josef Wein vor dem Schloßeingang
Franz–Josef Wein im Trachtenanzug (ein
Geschenk von Schülerinnen) im Ge-
spräch mit Lisdorfer Freunden
Fotos: Agnes Groß und Waltraud Fritz
29
WienundBudapest–
diezweibezauberndenDonaumetropolen
Heiner Groß
Bereits im Jahre 2002 führte die große Jahresreise
des Heimatkundevereins Lisdorf an die Donau mit
Endziel Wien. Davor waren Regensburg, Passau,
Waldkirchen, Schärding, Wels, Steyr, die Wachau
mit Stift Melk und Krems Stationen. Nach Meinung
einiger Reiseteilnehmer war die Zeit für Wien zu
kurz bemessen. Da ohnehin Ungarn, eines der
EU–Beitrittsländer am 1. Mai 2004, auf dem Plan
für 2003 stand, wurde die Reise auf neun Tage
aufgestockt und Wien wieder mit eingeplant. Trotz
der relativ langen Reise meldeten sich 64 Teilneh-
mer. Allerdings war die Reise mit Halbpension in
zentral gelegenen 4–Sterne –Hotels und einem
supermodernen 2 Stock Bus der Firma Krakau–
Reisen aus Bitburg mit 559 Euro außergewöhnlich
günstig. Erstes Tagesziel nach einer längeren Pause
in Passau war Wels in Österreich. Von dort wurde
nach der ersten Nacht nach einer schönen Fahrt
durch die Wachau das 190 km entfernte Schloß
Schiltern nördlich der Donau und der Stadt Krems
angesteuert. Über den Besuch bei Franz–Josef
Wein auf Schloß Schiltern ist an anderer Stelle in
dieser Ausgabe ausführlich berichtet. Von Schiltern
führte die Reise an Wien vorbei in das 330 km
entfernte Budapest. Am Grenzübergang Nickels-
dorf mussten mehrere Teilnehmer zurückbleiben,
da ihre Pässe abgelaufen waren und die ungari-
schen Grenzbeamten die Einreise trotz eifrigen
Bemühens der Reiseleitung verweigerten. Die Be-
treffenden mussten per Taxi nach Wien zurückfah-
ren und konnten erst nach Ausstellung von Ersatz-
pässen durch die deutsche Botschaft in Wien mit
dem Zug nach Budapest nachkommen.
In Budapest logierten wir im Grand Hotel Hungaria
in der historischen Rakozcistraße am Zentralbahnhof.
Sowohl das Frühstücksbuffet als auch das Abendes-
sen ließen nichts zu wünschen übrig. Zum Abendes-
sen und auch danach spielte eine Kapelle feurige
Csardas–Musik und Wiener Operettenweisen.
Unter Führung eines perfekt deutsch sprechenden
ungarischen Reiseführers namens Ference wurden
in Budapest fast alle berühmten Sehenswürdigkei-
ten besichtigt, so unter anderem Parlament, Burg,
Fischerbastei, Matthiaskirche, Heldenplatz. Eine
Lichterfahrt durch das nächtliche Budapest mit den
festlich angestrahlten Sehenswürdigkeiten und eine
abendliche Schiffsfahrt auf der Donau standen
ebenfalls auf dem Programm. Einige Teilnehmer
besuchten abend sein großes Folklorekonzert im
Donaupalast, andere besuchten in der Budaer
Redoute ein Operettenkonzert mit guter Besetzung.
Auch das Umfeld von Budapest wurde bei dieser
Reise erkundet. Ein Ausflug führte in das Donau-
knie nach Esztergom, die frühere Krönungsstadt
der ungarischen Könige an der Donau, die dort die
Grenze zur Slowakei bildet; dort wurde die impo-
sante Burg, die nicht minder imposante Kathedrale
mit dem Domschatz und die romantische Altstadt
besichtigt. Auf der Rückfahrt nach Budapest wur-
de das verträumte Szentendre mit seinen vielen
Künstlerlokalen, Vinotheken und Museen besucht.
Noch heute schwärmen einige von der schönen At-
mosphäre in Szentendre. Ein anderer Ausflug führ-
te uns in die Puszta bei Kescekement mit Folklore,
Reitervorführungen und einer Kutschfahrt.
Viel zu schnell war der Zeitpunkt des Abschieds von
Budapest gekommen. Auf der Rückreise nach Wien
wurde dem als Weltkulturerbe ausgezeichnetem
Kloster Pannonhalma ein Besuch mit Führung ab-
gestattet, ehe es nach einer äußerlichen Besichti-
gung des Schlosses Esterhazy in Fertöd am Neu-
siedler See über den Grenzübergang Klingenbach
wieder nach Österreich ging.
In Wien war das zentral gelegene Hotel Favorita
unser Quartier. Eine ganztägige Stadtrundfahrt
führte zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten
der Donaumetropole. Unsere örtliche Reiseführerin
legte bei ihren Ausführungen besonderen Wert auf
den geschichtlichen Hintergrund der jeweiligen
Monumente. Das war eine nette Geste an uns als
Heimatkundler. Ein Tag in Wien stand den Reise-
teilnehmern weitgehend zur freien Verfügung, der
zum Besuch der spanischen Hofreitschule oder
Auf dem Heldenplatz in Budapest
30
zum Shopping beziehungsweise einem Bummel
mit Einkehr in das Kaffee Sacher oder in ein an-
deres Kaffeehaus genutzt wurde.
Eine mehrstündige Führung durch das Schloß
Schönbrunn, in dem unter anderem Kaiserin Elisa-
beth, besser bekannt unter ihrem Kosenamen Sissi,
residierte, gehörte zu unserem Pflichtprogramm.
Was wäre ein Besuch in Wien ohne ein Abend in
einem Heurigen–Lokal und ein Konzertabend in der
Hofburg. Am vorletzten Tag in Wien erlebten wir
einen stimmungsvollen Abend im historischen „Al-
ten Presshaus“ in Grinzing. Die Lisdorfer tanzten
Bei einem Ausflug in die Puszta Fotos: Agnes Groß, Waltaud Fritz
zum Höhepunkt auf den Tischen, angeführt von
Irmgard Wein, die offenbar an diesem Abend von
allen orthopädischen Problemen befreit war. Einen
stimmungsvollen Abend anderer Art erlebten wir
am letzten Tag bei einem großen Strauß– und Mo-
zart–Konzert in der Wiener Hofburg. In guter Stim-
mung brachten uns Fahrer Johann und seine Ehe-
frau, die als eifrige Bordhostesse fungierte, mit ih-
rem Superbus über 880 km sicher und bequem von
Wien nach Lisdorf. Diese Reise wird sicherlich auf-
grund der vielen Erlebnisse und Eindrücke bei al-
len Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben.
Flugreise nach Rom in die „Ewige Stadt“
Rom war vom 1. bis 4. April 2004 das Ziel der ersten Flugreise des
Heimatkundevereins Lisdorf. Bei vielen Reiseveranstaltern wurden zuvor
Angebote eingeholt. Die Entscheidung fiel letztlich auf einen Linienflug
mit der Luxair. Für den Aufenthalt in Rom hatten wir ein Spezialreisebüro
in Köln engagiert. Dadurch erreichten wir einen Reisepreis, der um etwa
35–40 % günstiger war als vergleichbare Angebote.
Am 1. April brachte uns ein Bus zum Flughafen Luxemburg. Um 7
Uhr startete dort die Linienmaschine (eine Embrayer) nach Rom. Kurz
vor 9 Uhr waren wir bereits auf dem Internationalen Airport Leonardo
da Vinci in Rom–Fiumicino. Dort wurden wir von unserer Reiseführerin
erwartet. Claudia Hensold, so ihr Name, ist Kunsthistorikerin und
stammt aus München, lebt aber schon seit mehr als 30 Jahren in Itali-
en. Mit ihr waren wir bestens bedient. Zudem stand uns durch Vermitt-
lung von Ennio Fiore aus Saarlouis mit der Sprachstudentin Valeria
Lemma aus seiner Heimatstadt Rocca Priora bei Rom eine hübsche Dol-
metscherin zur Verfügung.
Bei der Landung in Rom regnete es in Strömen, aber bereits beim Bus-
transfer zum Hotel, einem 4 Sterne–Haus im Zentrum nahe des Haupt-
bahnhofs Termini, hatte das Regnen aufgehört und die Sonne kam her-
vor. Während der folgenden Tage hatten wir stets Sonnenschein und ideale
Temperaturen für das umfangreiche Besichtigungsprogramm in Rom.
Dies begann bereits am 1.Tag um 11 Uhr mit einer mehrstündigen
Führung unter dem Motto „Römische Basiliken und barocker Glanz“. Am
späten Nachmittag kehrten wir mit der U–Bahn, in Rom „Metropolitana“
genannt, etwas erschöpft in unser Hotel zurück. Nach dem gemeinsa-
men Abendessen begaben sich die meisten nach diesem anstrengenden
1. Tag zur Nachtruhe; nur wenige aus unserer Gruppe lauschten noch
der Musik des Hotelpianisten oder genossen in der Hotelbar noch einen
oder mehrere „Absacker“.
Am 2. Tag stand ganztägig der Vatikan mit dem Petersplatz, der Peters-
kirche sowie den Vatikanischen Museen einschließlich der von Michel-
angelo gestalteten Sixtinischen Kapelle auf dem Programm. Einige bestie-
gen die Peterskuppel, von wo sich ein beeindruckender Rundblick bietet.
Den Abschluss bildet ein Besuch auf der wirklich schönen Piazza Navona.
Der 3. Tag wurde weitgehend dem antiken Rom mit Kapitol, Kolosse-
um, Forum Romanum, Palatin, Circus Maximus und weiteren antiken
Stätten gewidmet. Aber auch der Piazza Vennezia mit dem mächtigen
Denkmal Viktor Emanuels II. am Fuß des Kapitols, das Pantheon, der
Trevi–Brunnen, die Spanische Treppe, die Engelsburg sowie der herrliche
Piazza Popolo, um nur einige zu nennen, wurden besucht. Shopping in
den unzähligen Geschäften und Boutiquen auf dem Corso und in der Via
Condotti war natürlich auch angesagt.
Dass in Rom mit seinem Nebeneinander von historischen Monumen-
ten und quirliger Lebendigkeit in modernen Gebäuden, von religiösem
Empfinden und lässiger Fröhlichkeit auch Lebenskräfte geweckt werden
können, zeigte sich am letzten Abend, als ein Teil der Reisegruppe trotz
des anstrengenden Tagesprogrammes bis spät in die Nacht in froher
Stimmung in einem römischen Lokal weilte. Der Sonntagvormittag war
zur freien Verfügung. Nach dem Frühstück am Buffet, das für römische
Verhältnisse – wie an den Vortagen – recht üppig war, wurden Messen
in den umliegenden Kirchen besucht, einige fuhren zum Lateran, ande-
re wiederum zur Piazza Popolo. Nur ganz Wenige machten sich trotz
Bombendrohung, großräumiger Absperrung des Petersplatzes und schar-
fer Sicherheitskontrollen auf den Weg zum Petersplatz, wo von 9 bis etwa
12 Uhr vom Papst die Palmsonntagsmesse mit großer Palmsegnung im
Freien gefeiert wurde. Trotz der Widrigkeiten waren etwa 50–60.000
Gläubige aus aller Welt zum Petersplatz gekommen und feierten mit dem
Papst und seinen Kardinälen die weltweit direkt übertragene Messe. Für
die Unannehmlichkeiten wurden die wenigen Lisdorfer Unverzagten mit
dem päpstlichen Segen und vom Papst gesegneten Palmzweigen entschä-
digt. Dem Verfasser war es gegen einen geringen Obolus gelungen, für
alle Reiseteilnehmer vom Papst gesegnete Palmzweige zu ergattern und
ins Hotel zu befördern.
Nach dem Mittagessen wurden wir am frühen Nachmittag zum Flug-
hafen befördert. Dort starteten wir kurz nach 16 Uhr mit einer Boeing zum
Heimflug und landeten wohlbehalten um 18 Uhr in Luxemburg. Unser
Transferbus der Firma Jobs stand schon bereit und kurz vor 20 Uhr war
mit der Ankunft in Lisdorf die interessante Kurzreise nach Rom zu Ende.
Aufgrund des großen Interesses an dieser Flugreise ist vor-
gesehen, in den Herbstferien (Zeitraum 9.–24. Oktober) eine
Wiederholung, allerdings 5 Tage, zum gleichgünstigen Preis
durchzuführen. Anmeldungen werden bereits unter Tel.:
06831/41694 entgegen genommen.
31
Wir gratulieren
Für 90 Jahre
20. Jaunar Frau Margareta Rode, An der Kapellenmühle 2
02. Februar Herr Eduard Franz, Kreuzstraße 20
24. Februar Frau Berta Ecker, Provinzialstr. 115
Für 91 Jahre
26. März Frau Elisabeth Müller, An der Kapellenmühle 19
14. April Frau Erna Willkomm, Gatterstraße 14
Für 92 Jahre
18. Januar Herr Wilhelm Bohr, Provinzialstr. 42
26. Januar Herr Erhard Ecker, Provinzialstr. 115
14. Februar Frau Berta Maurer, Altenheim Saarlouis, früher Provinzialstr. 102
19. März Herr Reinhold Rupp, Großstr. 3
Für 93 Jahre
5. Januar Frau Rosa Groß, Gloriastr. 1
9. Januar Frau Margareta Amann, Feldstr. 24
Wir wünschen allen Jubilaren auf ihrem weiteren Lebensweg Gottes reichen Segen.
Nachruf
Wir trauern um unsere verstorbenen Mitglieder und werden ihnen ein ehrendes
Andenken bewahren.
Jean–Pierre Breininger, Dudelange/Lux. * 22.11.1928 † Nov. 2003
Maria Müller geb. Barthel * 23.05.1913 † 18.12.2003
Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V.
Heimatheft nr 7_neu

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  • 1.
  • 2. 2 Inhaltsverzeichnis Heiner Groß Vorwort 3 Agnes Groß Der „Weiße Sonntag“ hat eine lange Tradition 4 Heiner Groß Vor 110 Jahren: 3 Lisdorfer im Kreistag Saarlouis 8 Johann Port † Abdruck aus der Saar–Zeitung vom 18. August 1938 9 Heiner Groß Lebensbilder Lisdorfer Bürger Prof. Dr. Dr. Jakob Ecker, Saarlied 10 Hans Löw Barocke Gemälde in der Pfarrkirche Beaumarais 12 Heiner Groß Aus der Geschichte der Holzmühle 14 Georg Groß Schnappschüsse vom Grünkohlessen bei der LFG 15 Herbert Germann Bildreportage vom 2. Lisdorfer Grünkohlessen 16 Heiner Groß Lisdorfer Heimatkundler zur Weinprobe in Perl 18 August Balthasar Die Schiffsleute von Lisdorf 19 M. Faust/W. Naumann Beiträge zur Lisdorfer Mundart 20 Maria Roth–Weiland De gutt alt Saarbregg! 21 Arnt Finkenberg Die französische Revolution und ihre Folgen für Lisdorf 22 Arnt Finkenberg Lisdorfer Hexenverfolgungen 24 August Balthasar Deutung und Dialog über die Herkunft des Namens Breininger 25 Heiner Groß Besuch bei Franz–Josef Wein auf Schloß Schiltern 27 Wien und Budapest –die zwei bezaubernden Donaumetropolen 29 Flugreise nach Rom in die „Ewige Stadt“ 30 Impressum: Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e. V. (VHL) Am Ginsterberg 13, 66740 Saarlouis–Lisdorf Tel.: 06831/41694, Fax: 06831/128753 Redaktion: Heiner Groß (verantwortlich) Georg Groß (PC–Bearbeitung), Agnes Groß, Werner Naumann, Harald Weiler Druck: Druckerei und Verlag Heinz Klein GmbH, Auf der Wies 7, 66740 Saarlouis–Lisdorf Bankverbindungen: Kreissparkasse Saarlouis (BLZ 593 501 10), Kto.Nr.: 74–30088–0 Volksbank Saarlouis (BLZ 593 901 00), Kto.Nr.: 1401217629 Bezugspreis: 3 Euro je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos www.heimatkunde-lisdorf.de, e–mail: info@heimatkunde-lisdorf.de Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion wieder. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers Einladung an alle Mitglieder, Leser und Freunde! Samstag, 8. Mai, Fahrt nach Luxemburg (Führung), Sandweiler, Remich 22 € Samstag, 22. Mai, Fahrt zur Landesgartenschau nach Trier 18 € Samstag, 10. Juli, Fahrt nach Nancy und Umgebung (Führung) 25 € 19.–27. September Busreise nach Prag, Breslau, Krakau und weiteren Orten in Südpolen, Schlesien mit großem Programm 638 € 16.–20. Oktober Flugreise nach Rom 598 € Info und Meldungen: Tel.: 41694; 42621; 2772; 443285; 40651; siehe Seite 23, 24, 30, 32 Ihr Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V.
  • 3. 3 in dieser Ausgabe haben wir wieder eine breite Palette von unterschiedlichen Themen behandelt. Die heimat- historischen Themen stehen - wie bisher immer - im Vordergrund. Man kann es nicht oft genug wiederho- len: Lisdorf hat eine reiche historische Vergangenheit, die bei weitem noch nicht vollständig erforscht ist. Seit dem Jahre 911 als Lisdorf in einer Urkunde erstmals erwähnt wird, sind fast 1.100 Jahre vergangen. Davon liegen noch etwa 750 Jahre weitgehend im Dunklen. Als Redaktion dieses Blattes fühlen wir uns verpflichtet, immer wieder auf diese Tatsache hinzuweisen und über das Aktenkundige und Erforschte zu berichten. So haben wir in dieser Ausgabe zwei unseres Erachtens besonders interessante Artikel aus dem Buch unseres Mitglieds Arnt Finkenberg aus Trier „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegenwart (1996)“, das als Band 5 in der Reihe Geschichte der Kreisstadt Saarlouis 1997 er- schienen ist, abgedruckt. Der eine behandelt die auch in Lisdorf wütenden Hexenverfolgungen im Vorfeld des 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) und der andere die vorübergehende Abschaffung des Christentums in Lisdorf als Folge der Französischen Revolution. Mehrere Beiträge aus unserer neueren Geschichte ergänzen den heimatkundlichen Teil. In dieser Ausgabe haben wir auch wieder mehrere Beiträge von Mitgliedern über die Lisdorfer und Saarlouiser Mundart. Zur Erhaltung und Pflege des Kulturgutes „Mundart“ werden wir mundart- liche Beiträge künftig regelmäßig veröffentlichen. Wir sind uns dabei durchaus der Tatsache bewusst, dass Mundart viel leichter und schneller über das Gehör wahrgenommen wird als in schriftlicher Form. Das ak- tuelle Geschehen hat in dieser Ausgabe auch wieder einen breiten Raum. Im Mittelteil berichten wir in einer Bildreportage von Herbert Germann über das großartige 2. Lisdorfer Grünkohlessen in der Halle der Lisdorfer Frischgemü- se, das landesweite Beachtung und mit etwa 250 ge- ladenen Teilnehmern eine überragende Besucher- resonanz gefunden hat, die an die Grenze des räum- lichen Fassungsvermögens geführt hat. Unter den zahl- reichen illustren Gästen war kein geringerer als unser Ministerpräsident Peter Müller, der als amtierender Grünkohlkönig eine begeisternde Rede hielt. Mit dem Grünkohlessen ist eine alte Lisdorfer Tradition wieder belebt worden. Einen relativ breiten Raum nehmen in dieser Ausgabe Berichte über durchgeführte und vorgesehene Ausflü- ge und Fahrten ein. Ein wesentlicher Teil der inzwischen über 600 Mitglieder des Heimatkundevereins Lisdorf er- wartet dies im Veranstaltungsangebot. Die Ausflüge und Fahrten mit breitem kulturellen und geschichtlichen Hintergrund sind äußerst beliebt. Dazu trägt wohl auch bei, dass sie durch weitgehende Selbstorganisation und Einholung von mehreren Angeboten besonders preis- günstig angeboten werden können. Den üblichen Überschuss wollen und dürfen wir als gemeinnütziger Verehrte Leserinnen und Leser, Ihr Heiner Groß Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V. Verein nicht einkalkulieren. Und die von uns engagier- ten Reiseveranstalter müssen sich mit einer bescheide- nen Gewinnspanne zufrieden geben. Als besonderes Highlight unserer in nächster Zeit vor- gesehenen Reisen kann ich die Busreise vom 19. bis 27. September über Prag nach Südpolen und Schlesi- en anbieten. Sie ist sowohl in preislicher als auch in programmlicher Hinsicht einmalig. Die Fahrt wird mit einem Luxusreisebus durchgeführt und alle Hotels ge- hören zur jeweiligen Spitzengruppe. Die „Goldene Stadt Prag“, die frühere schlesische Hauptstadt Breslau mit ihrer großen historischen Vergangenheit als Kultur- und Universitätshochburg und das bezaubernde Kra- kau als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und katholi- scher Kirche mit Kardinals- und Bischofssitz sind einma- lig und in unseren Regionen noch weitgehend unbe- kannt. Daneben werden die weltbekannten Klöster Kalvarienberg, Tschenstochau, Annaberg und Trebnitz, wo jährlich Millionen hinpilgern, besucht. Aber auch Bochnia als Partnerkreis von Saarlouis, das weltbe- rühmte Salzbergwerk Wieliczka mit unterirdischer Kir- che, die heutige Friedensstätte Auschwitz-Birkenau (ehemaliges NS-KZ) und Wadowice, der Geburtsort des Papstes südwestlich von Krakau sowie die Städte Oppeln, Glatz und Hirschberg im Riesengebirge des Sudetenlandes und die Kurorte Bad Altheide bzw. Bad Kudowa werden auf dieser Reise besucht. Näheres kann auf Seite 32 dieser Ausgabe nachgelesen werden. Das Reise-Highlight des vergangenen Jahres war die 9tägige Fahrt nach Wien und Budapest mit einem ganztätigen Besuch bei Franz-Josef Wein auf Schloss Schiltern in der Nähe von Krems in der Wachau. Auf den Seiten 27 bis 30 berichten wir darüber. Jetzt, wo gerade die Berichtslegung für diese Ausgabe zum Abschluss gebracht wird, werden die letzten orga- nisatorischen Vorbereitungen für die 2. Auflage des großen Lisdorfer Festes „Lisdorf...alles im grünen Be- reich“ am Sonntag, 02. Mai 2004 getroffen. Wenn wie im vergangenen Jahr die Witterung mitspielt, wird es ein Open Air-Fest, wie es Lisdorf wohl noch nicht erlebt hat. Was die Hauptorganisatoren Herbert Germann und Georg Jungmann in mehrmonatiger Arbeit auf die Beine gestellt haben, ist beispielhaft. In der nächsten Ausgabe werden wir darüber ausführlich berichten. Mir bleibt Dank zu sagen für dieses aktive Geschehen, das danach in die Annalen eingehen und Geschichte wird. Danken möchte ich den Mitarbeitern an dieser Ausgabe, insbesondere Georg Groß für die mit viel Aufwand verbundene Fertigung der druckfertigen Vor- lage in Form einer CD. Ich wünsche auch dieser Ausgabe wieder eine große Leserschaft und viel Muße und Freude beim Lesen.
  • 4. 4 Die Osterwoche einschließlich des auf Ostern fol- genden Sonntags, in der katholischen Kirche auch Osteroktav genannt, hatte in der frühen Kirche eine besondere Bedeutung. Täglich fanden Eucharistie- feiern statt, bei denen die Neugetauften tiefer in das Verständnis der Sakramente eingeführt wurden. Die Täuflinge trugen während der gesamten Osterwo- che ihre weißen Taufkleider zum Gottesdienst bis zum Sonntag nach Ostern. Deshalb wird die Oster- woche auch „Weiße Woche“ oder „Woche in den weißen Kleidern“ und der Sonntag nach Ostern „Weißer Sonntag“ genannt. Weiße Stoffe – Ausdruck der Reinheit des Menschen nach der Taufe – sind dabei seit dem dritten Jahrhundert bezeugt. Im siebten Jahrhundert wurde die jährliche Tauf– Erinnerungsfeier üblich, bei der die gesamte Ge- meinde mit den Täuflingen des Vorjahres das Taufgedächtnis feierte. Wegen des wechselnden Ostertermins wurde dieses schließlich auf den Montag nach dem Weißen Sonntag festgesetzt. Als die Sitte der österlichen Taufe mehr und mehr ab- nahm und zunehmend die Kinder gleich nach der Geburt getauft wurden, verlor der Brauch an Be- deutung. Ursprünglich war das „weiße Kleid“ mit der Taufe verbunden. Noch im 12. Jahrhundert empfingen die Getauf- ten am Karsamstag ihre erste Kommunion mit Tau- fe und Firmung. Das IV. Laterankonzil legte 1215 das Alter für den Empfang der Kommunion nicht genau fest. Es wurde dann regional unterschied- lich gehandhabt und schwankte zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr. Die Vorbereitung und Festset- zung dieses Termins wurde den Eltern überlassen. Wegen der von Thomas von Aquin geforderten Andachtshaltung verlagerte sich der Termin aller- dings in ein immer späteres Alter. So ging man nach Vereinbarung mit dem Pfarrer an einem Fei- ertag – meist während der österlichen Zeit – ge- meinsam mit dem Kind zum Altar. Um 1650 begannen sich im Rheinland die Jesui- ten mit der Vorbereitung der Kinder auf die Erst- kommunion zu befassen. Ihre Volksmissions- termine wurden oft der Anlass zu feierlichen Erst- kommunionfeiern. Später verlagerte sich das Fest ganz in die Pfarreien, wo es vielfach schon zu ei- ner festen Einrichtung geworden war. Als Erst- kommuniontag wurden vor allem der Weiße Sonn- tag und der Himmelfahrtstag üblich. Der„WeißeSonntag“hateinelangeTradition Agnes Groß Im 17. Jahrhundert wurde der Weiße Sonntag zum Tag der gemeinsamen Erstkommunion der Kinder. Auch in evangelischen Gemeinden wurde es üb- lich, die Konfirmation mit dem ersten Abendmahls- gang um das Osterfest herum – oft am Palmsonn- tag – zu feiern. Vermutlich hängt beides weniger mit dem theologischen Gehalt der Osterfeiern als mit bestimmten Gegebenheiten des bürgerlichen Jahres und des Bildungswesens zusammen (Ende des Schuljahres an Ostern). Das Dekret „Quam singulari’’ von Papst Pius X. aus dem Jahre 1910 wünschte ein frühes Kommunionalter für die Kin- der. In Deutschland stieß es zunächst auf heftigen Widerstand der Eltern, bis dann später die allge- meine feierliche Erstkommunion in das zweite oder dritte Schuljahr und in der Regel auf den Weißen Sonntag gelegt wurde. In der Pfarrei St. Crispinus und Crispinianus zu Lis- dorf ist der „Weiße Sonntag“ der Sonntag nach Aufnahme von 1907 mit den Erstkommunikantinnen Katharina Groß (links) und Anna Berdin, beide aus der Machesstraße
  • 5. 5 gefeiert, zum Beispiel während des 1. und 2. Welt- krieges. In der Regel werden die Kinder im dritten Schuljahr auf dieses Ereignis vorbereitet. Soweit feststellbar, ist der Weiße Sonntag schon seit mehr als 100 Jahren ein fester Bestandteil im kirchlichen Leben von Lisdorf. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wur- de versucht, die Kinder jn einem früheren Alter zur Eucharistie zu führen. Dies sollte – wann immer es von den Kindern oder deren Eltern gewünscht wür- de – unabhängig vom Weißen Sonntag gesche- hen. Dieser Versuch fand jedoch bei den Eltern keinen Zuspruch. Die Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahr- hunderts in Lisdorf erfolgte Verlegung der Erstkom- munionfeier vom Weißen Sonntag auf den Pfingst- sonntag war nur von kurzer Dauer. Im Jahre 1977 wurde sie wieder auf den Weißen Sonntag verlegt. Mancherorts, so zum Beispiel in der Pfarrei St. Lud- wig in Saarlouis, finden die Erstkommunionfeiern an verschiedenen Sonntagen im Monat Mai statt. Für die Kinder ist auch heute der Weiße Sonntag mit der Erstkommunion ein großer Tag in ihrem jungen Leben und ein Fest für die ganze Pfarrge- meinde. Die Eltern kleiden ihre Kinder besonders hübsch für diesen Tag, die Mädchen in weiße Klei- der aus edlen Stoffen, die Jungen in schicke Anzü- ge. In manchen Pfarreien versucht man einem übertriebenen Kleideraufwand dadurch zu begeg- nen, dass man die Kinder einheitlich kleidet. So Aufnahme von 1908 mit den Erstkommunikanten Lud- wig Klein (links) und Peter Luxenburger Aufnahme vom Weißer Sonntag 1952 in Lisdorf Ostern, an dem die Kinder zur Erstkommunion ge- führt werden. Nur in wenigen Ausnahmejahren wurde die Erstkommunion an einem anderen Tag
  • 6. 6 gingen in der Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis die Kinder in den letzten Jahren mit einheitlichen wei- ßen Kutten zur Erstkommunion. Neben den festli- chen Kleidern gehören vor allem die langen ver- zierten Kerzen mit Kerzentüchern zu den unent- behrlichen Requisiten der Erstkommunion. Bei den Kindern spielen die Geschenke eine gro- ße Rolle. Im Gegensatz zu früher fallen diese heute sehr üppig aus. Lange war es Sitte, daß die Erst- kommunikanten von einem der Taufpaten die er- ste Armbanduhr geschenkt bekamen. Aufgrund der durch den Priestermangel veranlaß- ten Reformen in der katholischen Kirche werden heute in zunehmendem Maße Laien als Kateche- ten in die Erstkommunion–Vorbereitung mitein- bezogen. Zumeist handelt es sich um Eltern von Erstkommunikanten. Beim Niederschreiben dieser Zeilen wurde ich mit Wehmut und Traurigkeit an meine Erstkommunion vor 59 Jahren in Lisdorf erinnert. Es war der 3. Juni 1945 als wir knapp einen Monat nach Ende des verheerenden 2. Weltkrieges von Dechant Joseph Spengler in der notdürftig hergerichteten Lisdorfer Pfarrkirche die erste heilige Kommunion empfan- gen durften. Wir, das waren nur 13 Mädchen und 8 Jungen des Jahrgangs 1935/36, der insgesamt mehr als 80 Köpfe zählte. Die anderen 60 waren entweder noch in der Evakuierung und hatten dort ihre Erstkommunion empfangen oder konnten aufgrund der durch den Krieg zerrütteten Verhält- nisse erst später ihre Erstkommunion feiern. Bei mehreren aus meinem Jahrgang war kurz zu- vor der Vater im Krieg gefallen, vermißt oder noch in Kriegsgefangenschaft. Etliche von diesen säum- ten mit ihren Müttern, Geschwistern und weiteren Verwandten unseren Weg zur Pfarrkirche und be- klagten schluchzend ihr Schicksal. Wir waren einfachst gekleidet, zumeist in geliehenen oder aus weißen Stoffresten zusammengenähten Kleidern, überhaupt kein Vergleich zu heute. Trotzdem war die kirchliche Erstkommunionfeier für uns etwas ganz Großartiges, ein Lichtblick nach den Kriegs- jahren voller Ängste und Entbehrungen. Zur häuslichen Feier gab es etwas Kuchen, was in den Monaten zuvor im Stollen Rosenthal und da- nach in der Evakuierung in Überherrn ein Traum war. Die häuslichen Feiern waren so kurz nach dem furchtbaren Krieg bestimmt von der Gewißheit des eigenen Überlebens, andererseits aber auch von dem Gedenken und der Sorge um die gefallenen, vermißten und die in Kriegsgefangenenlagern aus- harrenden Angehörigen. Auch wir Kinder blieben von diesen physischen Belastungen nicht verschont. Während meiner Erstkommunionfeier habe ich – wie viele andere auch – um meinen in russische Kriegsgefangenschaft geratenen Vater gebetet und Aufnahme der Erstkommunikanten 1956 mit Pastor Alois Löw vor der Mariengrotte an der Kirche in Lisdorf
  • 7. 7 gehofft, daß er bald wieder nach Hause kommt. Nur 3 Monate danach erhielten wir die nieder- schmetternde Nachricht, daß er wenige Tage nach Kriegsende im Mai 1945 in einem Lager in Sibiri- en gestorben sei. Am Tag meiner Erstkommunion war er also bereits tot. Meine nun 59 Jahre zurück- liegende Erstkommunionzeit war – wie bei so vie- len – äußerlich geprägt von Krieg, Zerstörung, Angst, Hunger, Entbehrungen und dem besonders schmerzvollen Verlust des Vaters. Den „Weißen Sonntag“, der für mich am 3. Juni 1945 war, habe ich jedoch in guter Erinnerung behalten. Der Tag war geprägt von der Feier in der Kirche und dem erstmaligen Empfang der heiligen Kommunion so- wie innigen Gebeten und Gesängen in der kirch- lichen Gemeinschaft. Das weitgehende Fehlen von heute üblichen Äußerlichkeiten, wie modische Klei- dung und viele Geschenke sowie von opulentem Essen, Getränken und Süßigkeiten wurde von uns Erstkommunikanten nicht als besonderer Mangel empfunden. Wir freuten uns auf und an diesem Ehrentag und waren nach den besonders harten letzten Kriegsmonaten voller Hoffnung, daß bald alles wieder gut würde. Leider wurde diese Hoff- nung in den folgenden Wochen, Monaten und Jah- ren wiederholt getrübt oder zeitweise zunichte ge- macht durch Meldungen vom Tod des Vaters, Opas, Bruders oder Onkels im fernen Osten. Die Hoffnung, die uns an unserem Weißen Sonn- tag vermittelt wurde, ist trotz aller Rückschläge glücklicherweise geblieben. Aufnahme von der Erstkommunionfeier 1960 in der Pfarrkirche Lisdorf Flugreise nach Rom Lisdorfer Reisegruppe im Forum Romanum. Lesen Sie den Bericht auf Seite 30 in dieser Ausgabe. Ausführlicher Bildbe- richt in der nächsten Ausgabe.
  • 8. 8 In der Schrift „Das Kreisständehaus Saarlouis“, die der Landkreis Saarlouis anläßlich der Renovierung dieses ältesten und architektonisch schönsten Dienstgebäudes der Kreisverwaltung im Jahr 1989 herausgab, sind auf Seite 9 die Mitglieder des Kreistages – damals Abgeordnete genannt – im Jahre 1891 aufgeführt. Diese hatten später den Bau des Kreisständehauses beschlossen. Es fällt auf, daß von den 27 Kreistagsabgeordne- ten 3 aus Lisdorf waren, und zwar der Gutsbesit- zer DU SARTZ DE VIGNEULLE, der Gutsbesit- zer RUFF und der Gastwirt JOSEF BREININGER (Josef Brejdasch). A) Landrat Helfferich als Vorsitzender B) Abgeordnete: 1. Boch, Geh. Commerz.-Rath, Mettlach 2. Boch, R., Geh. Commerz.-Rath, Wallerfangen 3. Boch, A., Fabrikdirektor, Fremersdorf 4. Du Sartz de Vigneulle, Gutsbesitzer, Lisdorf 5. Gathmann, Direktor, Dillingen 6. Ruff, Gutsbesitzer, Lisdorf 7. Vopelius, Fabrikbesitzer, Sulzbach 8. Sauer, Direktor, Fraulautern 9. Alger, Ackerer, Schwarzenholz 10. Bach, Ortsvorsteher, Diefflen 11. Breininger, Gastwirt, Lisdorf 12. Diedrichs, Forstverwalter, Linslerhof 13. Ewen, Beigeordneter, Bettingen 14. Hektor, Vorsteher, Pachten 15. Hetzler, Gastwirt, Wallerfangen 16. Johannes, Vorsteher, Gerlfangen 17. Klein, Vorsteher, Eimersdorf 18. Knobe, Vorsteher, Jabach 19. Luxenburger, Gastwirt, Bous 20. Margraf, Direktor, Hostenbach 21. Röder, Vorsteher, Dillingen 22. Schmidt, Vorsteher, Fraulautern 23. Schneider, Vorsteher, Gisingen 24. Senzig, Vorsteher, Roden 25. Staudt, Ackerer, Außen 26. Fissene, Kaufmann, Saarlouis 27. Kniesz, Geschäftsführer, Saarlouis Der Kreistagsabgeordnete Du Sartz de Vigneulle war nur begrenzte Zeit als Gutsbesitzer in Lisdorf wohnhaft. In dem Lisdorfer Einwohnerbuch von Rudolf Zenner ist er nicht nachgewiesen, so dass er weder hier geboren noch gestorben ist. Heiner Groß Vor110Jahren:3LisdorferimKreistagSaarlouis Bei dem Kreistagsabgeordneten und Gutsbesitzer Ruff aus Lisdorf handelt es sich um den am 7. Ja- nuar 1835 in Hechingen (Baden–Württemberg) geborenen Friedrich Wilhelm Ruff, der als Soldat in die Garnisonsstadt Saarlouis kam und in 1. Ehe mit Theresia Schmitz (* 14. Januar 1833 Saarlouis, † 18. Juni 1887 in Lisdorf) und in 2. Ehe ab 1888 mit der Witwe Elisabeth Morguet geb. Louis (*17. Dezember 1854 in Lisdorf) verheiratet war. Nach seiner Militärzeit war Friedrich Wilhelm Ruff als Kaufmann und Gutsbesitzer tätig. Im Jahre 1871 kaufte er den Labacher Hof bei Reisbach und kur- ze Zeit später auch ein größeres Anwesen in der Provinzialstraße in Lisdorf mit einem feudalem Wohnhaus (Ruff`sche Villa). Trotz seines größeren Besitzes Labacher Hof wohnte er mit seiner Fami- lie in Lisdorf. Am 21. Dezember 1894 ist er im Al- ter von knapp 60 Jahren in Lisdorf verstorben. Sein Sohn Max aus 1. Ehe, geb. am 15. Oktober 1875 in Saarlouis, erbte sowohl den Labacher Hof in Reisbach als auch das Anwesen in Lisdorf. 1908 verkaufte Max Ruff den Labacher Hof. Vom 1. Ok- tober 1920 bis zum 17. Dezember 1933 war Max Ruff Bürgermeister der damals selbstän- digen Gemeinde Lisdorf. Er ist an diesem Tag infolge eines Schlaganfalles im Alter von 58 Jah- ren verstorben und wurde am 20. Dezember 1933 auf dem Alten Friedhof in Saarlouis beigesetzt. Der Kreistagsabgeordnete Josef Breininger aus Lisdorf war Land– und Gastwirt und Eigentümer der „Brejdasch Wirtschaft“ an der Ecke Maches- straße/ Kleinstraße. Er war am 27. Januar 1834 in Lisdorf geboren und ab 1858 mit der am 9. Ok- tober 1834 ebenfalls in Lisdorf geborenen Anna Maria Morguet verheiratet. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor. Seine Ehefrau ist 1895 im Alter von knapp 61 Jahren verstorben und er 1910 im Alter von 76 Jahren. Von 1870 bis etwa 1905 war er in der Kommunalpolitik aktiv. Zunächst viele Jahre im Gemeinderat Lisdorf und später auch noch im Kreistag. Eine ganze Reihe von Urenkeln von Josef Breinin- ger gehört heute dem Heimatkundeverein Lisdorf an, so Adolf Breininger, Marlies Schütz geb. Breininger, Agnes Groß, Heiner Groß, Hilde Fritz geb. Seidel, Irmgard Wein geb. Breininger, Alfred Breininger, Monika Breininger geb. Franz, Margot Hoen geb. Gangloff (Saarlouis), und Maria Kunzler geb. Breininger (Überherrn–Bisten).
  • 9. 9 AbdruckausderSaar–Zeitungvom18.August1938 Verfasser Johann Port (1911– 1984) Den Beitrag stellte unser Vereinsarchivar Günter Mang zur Verfügung. Anmerkung der Redaktion: Am 13. Januar 1936 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Fraulautern, Lisdorf, Picard und Schönbruch (Beaumarais) mit der Stadt Saarlouis einschließlich Roden zur neuen Kreisstadt Saarlautern zusammengeschlossen. Lisdorf wurde Stadtteil 4 oder Saarlautern 4. Roden kam bereits am 1. Oktober 1907 und Neuforweiler am 1. Juli 1970 zur Stadt Saarlouis.
  • 10. 10 Seit der Ausgabe Nr. 6 stellen wir Ihnen bekann- te oder auch inzwischen in Vergessenheit gerate- ne Persönlichkeiten vor, die in Lisdorf geboren oder hier tätig gewesen sind. Zu diesem Kreis zählen wir die Männer und Frauen unseres Ortes, die Be- rühmtheit erlangt haben, sich große Verdienste in und für Lisdorf erworben haben oder deren Wir- ken besondere Beachtung verdient. Daneben wer- den wir auch solche vorstellen, deren Lebensweg von außergewöhnlichen Umständen bestimmt wurde. Die Reihenfolge, in der wir Ihnen die Per- sonen vorstellen, stellt keine Rangfolge dar. Prof. Dr. phil. Dr. theol. Jakob Ecker 1851 – 1912 Jakob Ecker wur- de am 27. Febru- ar 1851 als Sohn des Landwirts Ni- kolaus Ecker und seiner Ehefrau Barbara geb. Stutz in Lisdorf gebo- ren. Nach Ab- legung des Abiturs studierte er in Trier, Bonn und Löwen Theologie und Philosophie. Am 28. August 1875 empfing er in Trier die Prie- sterweihe. Im Jahre 1879 promovierte er an der Universität Bonn zum Doktor der Philosophie und erhielt in demselben Jahr einen Lehrauftrag für hebräische Sprachen und Exegese des Alten Testa- mentes an der Universität in Münster/Westfalen. Im Jahre 1886 berief ihn der damalige Trierer Bi- schof Korum als Professor der Exegese an das Priesterseminar nach Trier. Zum Doktor der Theo- logie promovierte er 1895 in Freiburg im Breis- gau. Jakob Ecker ist besonders als Verfasser einer Haus- und Schulbibel weithin bekannt geworden. Es erschienen von ihm 1905 die Katholische Hausbibel, 1906 die Katholische Schulbibel, 1907 der Kommentar zur Schulbibel und 1908 die Klei- ne Katholische Schulbibel. Seine Bibelausgaben unterbrachen die seit Mitte des 18. Jahrhunderts übliche Bibel–Unterweisung mit kindertümlichen Umschreibungen und Erklärungen und boten da- für das Gotteswort der Bibel selbst. Die Bibelaus- gabe von Prof. Jakob Ecker fanden in den meisten deutschen Bistümern und auch in Luxemburg eine gute Aufnahme. Der berühmte Gelehrte war gleichzeitig ein hervor- ragender Übersetzer, ein Dichter von großem Sprachgenie und ein guter Musiker. Seine Über- setzungskunst bewies er in deutschen Bearbeitun- gen von Werken Bonaventuras und Ludwig von Granadas. Er veröffentlichte 1881 die deutsche Übersetzung von Bonaventuras „Baum des Lebens und Vollkommenheit“, 1882 „Der Jugendspiegel im Lichte der Wahrheit“, 1889 den Gedichtband „Knospen“, in dem sein Saarlied „Am grünen Saum der Saar“ enthalten ist, das von Adolph Reckzeh, dem Musikmeister des Infanterie-Regi- ments Nr. 30 in Saarlouis, komponiert wurde und 1891 den Gedichtband „Lilien“. Während seiner Urlaube in Lisdorf dirigierte er oft den Männerge- sangverein 1859, der wegen Fehlens eines Kir- chenchores damals auch den Kirchengesang pflegte. Nachdem Hauptlehrer Ritter, der seit Grün- dung des Männergesangvereins dessen Dirigent war, im Jahre 1889 in den Ruhestand trat und nach Trier übersiedelte, übernahm Jakob Ecker bis 1891 zeitweise die Dirigentschaft. Professor Dr. Dr. Jakob Ecker starb am 17. November 1912 im Al- ter von 61 Jahren in Trier. 26 Jahre lang formte er als Gelehrter, Lehrer und Erzieher den Priester- nachwuchs am Seminar in Trier. Die letzte Ruhe- stätte fand Jakob Ecker gemäß seines in der letz- ten Strophe des Saarliedes ausgesprochenen Wun- sches auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde. Lisdorf ehrte den großen Sohn durch die Benen- nung der Schule und einer Straße nach ihm. Lebensbilder Lisdorfer Bürger Heiner Groß
  • 11. 11 Das Saarlied „Am grünen Saum der Saar“ von Jakob Ecker aus Lisdorf
  • 12. 12 BarockeGemäldeinderPfarrkircheBeaumarais Am 29. März 2004 war in der Saarbrücker Zeitung unter der Rubrik „Zurückgeblättert“ zu lesen: „Drei Kunstwerke fast wie neu 29. März 1954: In der Dorfkirche von Beaumarais wurden drei riesige, alte Ölgemälde gefunden, die seit Jahrhunderten der Vergessenheit anheim ge- fallen waren. Die Gemälde, die aus der Zeit des Barocks stammen, gehörten wahrscheinlich zum Besitz des alten Klosters Wadgassen. Nachdem das Saarbrücker Modehaus Sinn die erforderlichen Räume zur Restaurierung der stark verschmutzten Gemälde durch den saarländischen Kunstmaler Ernst Sonne zur Verfugung gestellt hatte, erstrah- len jetzt „Die Legende vom Heiligen Norbert“, „Die Anbetung der Hirten“ und „Sendung des Heiligen Geistes“ in neuem Glanz.“ Anmerkungen zu den drei Gemälden in der Pfarrkirche Saarlouis - Beaumarais von Hans Löw, Schaffhausen Im Nachgang zur französischen Revolution wurde im September 1792 die Prämonstratenserabtei zu Wadgassen von französischen Soldaten besetzt, Johann Baptist Bordier, letzter Abt von Wadgassen, floh in der Nacht zum 5.9.1792 nach Bous. Der Fluchtweg des Abtes führte schließlich nach Prag, wo er am 30.7.1799 starb. Was mit anderen Abteien in Frankreich bereits ge- schehen war, vollzog sich auch in Wadgassen: Ent- eignung, Raub, Plünderung und Zerstörung. Die wertvolle Inneneinrichtung der hohen Abteikirche (noch nicht einmal 50 Jahre alt), insbesondere die sakralen Gegenstände und Gemälde standen zum Verkauf oder wurden schlicht und einfach geraubt oder zerstört. So wurde ein Teil der Inneneinrichtung nach Saarlouis gebracht und dort meistbietend ver- kauft: Der Pastor von Waldwisse kaufte für seine Kirche den schönen Altar mit den zwei Engeln, drei wertvolle Gemälde von Januarius Zick kamen in die Kirche von Beaumarais. Noch heute kann man sie dort bewundern, ein Besuch empfiehlt sich. Die drei großformatigen Bilder in der Pfarrkirche zu Beaumarais beeindrucken durch ihren warmen, verhaltenen Anruf; zart empfunden und verinner- licht, vermitteln sie höchste Wahrheit. In ihnen liegt eine Welt, die man draußen kaum antrifft. Sie be- sitzen keinen Aufforderungscharakter und kaum eine Spur von Wirklichkeit; die abgestimmten Farb- töne und die Harmonie des Ganzen beglücken den Beschauer. Diese Gemälde erinnern zum Teil an Watteau, zum Teil auch an Claude Gellée. Sie sind geschaffen zur Ehre Gottes und vornehmlich für Menschen, die ihr „adsum“ oder „fiat“ gespro- chen haben. Sie besitzen Meditationscharakter und wollen keineswegs eine Idylle wiedergeben. Der heutige Mensch, konsumorientiert und im Weltli- chen verstrickt, findet nicht immer Zugang zu die- sen Werken. Die moderne Kunst lebt von anderen Vorgaben. Betrachtet man manche „Schöpfung“ von heute, so fällt auf, daß das Konstruierte, das rein Materielle Ausrichter geistiger Betätigung sein soll. Geist und Seele quälen sich zwangläufig, ver- sanden im Materiellen. Diese Andersartigkeit der modernen Kunst läßt umsomehr den Wert der Bilder von Januarius Zick aufleuchten. Sie weisen wohltuend auf eine andere Welt hin. Im Wandel der Zeiten mögen sie dazu bei- tragen, den Atem der Seele stets neu auszudrücken. Gottes großartiges Geschenk, seine Welt schöpfe- risch zu gestalten, hatte Januarius Zick voll Ehr- furcht angenommen. Seine Werke zeugen davon. Januarius Zick gehört zu den großen Malern des deutschen Rokoko. Bekannt geworden ist er vor allem als Freskomaler, hinterließ aber auch neben der Monumentalmalerei ein reiches Werk von Ta- felbildern großen und kleinen Formats. Seine Viel- seitigkeit, die sich auf das ganze katholische Ge- biet am Mittelrhein und in Süddeutschland erstreck- te, seine Fähigkeit als Innenarchitekt und Organi- sator großer kirchlicher Ausstattungen sprechen für eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit. Hinweis: Nach dem lothringischen Forscher Henri Hiegel stammt das bekannte Tafelbild mit der „Kreuzabnahme“ des Malers Januarius Zick eben- falls aus der Abtei Wadgassen. Es befindet sich ne- ben weiteren Tafelbildern und Kunstwerken heute in der Nikolauskirche in Sarreguemines/ Saargemünd. www.saar-lor-lux-alsace.de/barock/barock2.html Vorspann, Hinweis und Angaben zu Januarius Zick von Georg Groß
  • 13. 13 ZICK, Januarius (Johann Rasso Januarius), Ma- ler und Architekt, * 6.2. 1730 (getauft) München als Sohn des Johann Zick, † 14.11. 1797 (Ko- blenz-) Ehrenbreitstein. – Nach der Ausbildung bei seinem Vater und einer Maurerlehre bei Jacob Emele in Schussenried 1745-48 setzte J.Z. seine Tätigkeit in der väterlichen Werkstatt fort. Im Zu- sammenhang mit der Ausstattung des Gartensaals in der Würzburger Residenz durch Johann Z. ent- stand 1750 das „Benediktwunder“ als frühestes er- haltene Gemälde J. Z.s, dessen italienisierende Malweise die Abhängigkeit vom Freskostil seines Vaters deutlich macht. Erst in der „Auferweckung des Lazarus“ von 1751 bediente er sich stilistischer Mittel Rembrandts, wie vereinheitlichender Licht- führung mit Hell-Dunkelkontrasten, Silhouetten- figur und gesteigerter Raumtiefe. Bis Mitte der 50er Jahre arbeitete er am Freskierungsauftrag Johann Z.s für das Schloß Bruchsal mit; ab 1756 begab sich der Künstler zur weiteren Ausbildung nach Paris, wo er 1757 für 6 Supraporten des kur- trierischen Schlosses Schönbornlust bei Koblenz bezahlt wurde. Das Kolorit, die Komposition und der Figurenstil in seinen derzeitigen Werken zeu- gen von einer Auseinandersetzung mit der franzö- sischen Malerei des Barock-Klassizismus und des Rokokos, die entscheidend für seine Stilbildung wurde. Dem berühmten, in Paris lebenden Kupfer- stecher und Verleger J.G. Wille verdankte er Bezie- hungen zum Kunstbetrieb nach Rom, Basel und Augsburg. Im Januar 1758 ist J.Z.s Name in Ba- sel nachgewiesen, für das gleiche Jahr wird ein Aufenthalt in Rom angenommen, wo er unter An- leitung von A.R. Mengs nach antiken Reliefs und den originalen Fresken in der Galleria Farnese gezeichnet hat. Im Herbst 1758 wurde er Mitglied an der Kaiserl. Französischen Akademie in Augs- burg und erwarb für das Gemälde „Merkur in der Bildhauerwerkstatt“ den ersten Preis. 1759 erhielt J.Z. mit den Dekorationen des Watteau-Kabinetts im Schloß Bruchsal seinen ersten größeren Auftrag, in dem er die Anregungen aus italienischen, nie- derländischen und französischen Komponenten zu einem eigenen, persönlichen Stil verschmolz. Auf- grund der Freskierung von Schloß Engers bei Ko- blenz 1760 wurde er vermutlich zwischen 1761 und 1763 zum kurtrierischen Hofmaler ernannt. 1762 heiratete J. Z. in Ehrenbreitstein und ließ sich dort endgültig nieder. Ab 1774 entwarf er Intarsienbilder für den Kunsttischler David Roentgen. Seit den späten 70er Jahren führte der Künstler bedeutende Freskoaufträge sowie Altarbil- der in oberschwäbischen Kloster- und Pfarrkirchen aus; von 1778 bis 1781 war er als Maler und In- nenarchitekt für die Benediktinerklosterkirche. Wiblingen tätig, 1780 malte er die Fresken der Pfarrkirche Zell bei Riedlingen, 1782 der Pfarrkir- che Dürrenwaldstetten, 1782/83 der Benediktiner- klosterkirche Oberelchingen bei Ulm, 1784 der Prämonstratenserklosterkirche Rot an der Rot. Ab Mitte der 80er Jahre wandte sich J.Z. Aufträgen im Kurtrierer und Kurmainzer Gebiet zu: 1785 betä- tigte er sich als Freskant im Schloß zu Koblenz, 1786 in St. Ignaz und der Domprobstei in Mainz sowie in der Augustinerklosterkirche in Triefenstein, 1787 im Akademiesaal des Schlosses zu Main, 1790 in der Hofkirche in Koblenz, für die er auch ein Altarblatt anfertigte. 1792/93 übernahm er in Frankfurt im Palais Schweitzer und im sog. Russi- schen Hof Dekorationsaufträge. - J.Z. zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern des späten Ba- rock. Berühmt wurde er vor allem aufgrund der Freskierung und Ausstattung einiger oberschwäb- ischen Klosterkirchen, von denen die Klosterkirche Wiblingen sein Hauptwerk darstellt. Die themati- sche Spannweite seiner Tafelbilder reicht von Dar- stellungen aus der Heilsgeschichte über Rokoko- allegorien, Historienbilder, Genrestücke bis hin zum bürgerlichen Portrait. Während die Fresken in der Tradition des Spätbarock - Illusionismus verhaf- ten blieben, spiegeln die späten Tafelbilder im hel- len, kühlen Kolorit und plastischer Modellierung der Figuren rokokohaften Stil mit frühklassizis- tischen Tendenzen wider. Biographisch–Bibliographisches Kirchenlexikon Verlag Traugott Bautz www.bautz.de/bbkl Januarius Zick, Selbstbildnis um 1761, Main- fränkisches Museum, Würzburg
  • 14. 14 Heiner Groß AusderGeschichtederHolzmühle Wenn man heute von der Holzmühle spricht, dann meint man damit den Lisdorfer Ortsteil Holzmühle, der sich seit etwa 35 Jahren durch das Neubauge- biet Holzmühle und neuerdings durch die Bebau- ung im Bereich der Neue–Welt–Straße wesentlich vergrößert hat. Die alte Holzmühle existiert bereits seit mehr als 700 Jahren und ihre Geschichte und ihr Name sind untrennbar mit der Mühle namens Holzmühle verbunden. Die Mühle namens Holzmühle mahlte nicht etwa Holz, sondern war wie die später durch das Klo- ster Wadgassen gegründete Neumühle am Anfang des Weilers Holzmühle von Lisdorf aus gesehen eine Getreidemühle. Es ist davon auszugehen, dass im Bereich des heu- tigen Ortsteils Holzmühle vor etwa 800 Jahren ein weitgehend geschlossenes Waldgebiet war. Wie damals üblich, sind Mühlen ausschließlich an Bä- chen und kleineren Flüssen zum Antrieb eines Wasser– oder Mühlenrades errichtet worden. So war es auch der Fall bei der hier in Rede stehen- den Mühle. Sie wurde an dem aus Neuforweiler kommenden Bach, dem späteren Mühlenbach, mitten im Wald (Holz) errichtet und hat ihren Na- men von dem sie umgebenden Holz erhalten. Von der Holzmühle hat der später nach und nach ent- standene Weiler den Namen übernommen. Die Holzmühle erscheint schon urkundlich in den Jahren 1329 und 1350. So in dem Vertrage zwi- schen dem Abt von Wadgassen und dem Heneguin Velter von Rimiring, wodurch unter an- derem der Abt das Land an der Dodenbach unter- halb Lisdorf und nahe der Holzmühle erhält. Im Jahre 1610 hatte sie der Müller von Lisdorf als abteiliche Bannmühle in Erbpacht für 28 Quart Roggen und 36 Liter Öl. Zudem hatte der Abt nach einer Urkunde des Friedensrichters aus Saarlouis noch eine Ölmühle bei Beaumarais. Am 18. Juli 1680 überläßt der Abt seine freie Mühle, genannt Holzmühle, dem Zimmermeister Johann Amman gegen eine Abgabe von 15 Quart Getreide und 15 Quart Mischfrucht nebst einem fetten Schwein zu 100 Pfund. Bei dem Festungsbau der Stadt Saarlouis wurde auch das gegen die Holzmühle und Beaumarais gelegene Bruch, das sogenannte „Mättelbruch“, einst mit einem großen Eichen- und Buchenwald bestanden, abgeholzt. Späterhin hatte die Holzmühle noch mehrere Besit- zer und Pächter. So erscheint im Jahre 1798 der in Lisdorf wohnende Eigentümer von Grundstücken im Bereich der Holzmühle, Peter Kanne, und klagt in einem Prozeß gegen die Bürgerin Gertrud Hector, Witwe Senzig, wegen der durch die Mühle ver- ursachten häufigen Überschwemmungen. Als Sach- verständigen hatte die letztere einen gewissen Pe- ter Dimmel, Peter Kanne den damals sehr bekann- ten Architekten Franz Gannal. Auch an der hi- storischen Vergangenheit um die Kämpfe der Fe- stung von Saarlouis hatte die Holzmühle einen An- teil, als in den Kämpfen im Januar des Jahres 1815 preußische Husaren die Mühle besetzten und da- durch die Mehlversorgung der französischen Fe- stung Saarlouis empfindlich störten. Während der französischen Festungszeit von Saarlouis (1680– 1815) belieferte die Holzmühle, neben anderen Mühlen, überwiegend die Festung Saarlouis. Später war die Holzmühle, die zeitweise die Be- zeichnung „Johannismühle“ führte, im Besitz der in unserem Raum bekannten Müller–Familie Senzig. Letzter Inhaber der Mühle war bis Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, also bis vor etwa 40 Jahren, der gelernte Müller Herbert Senzig, der heute dem Vorstand des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V. angehört. Aufgrund der damaligen Mühlenstrukturreform wurde der Be- trieb der Mühle eingestellt und das Anwesen von den Brüdern Herbert und Richard Senzig zu Wohn- gebäuden umgebaut. 17. Holzmühler Fest am 19./20. Juni 1988 wurde es erstmals gefeiert, das Holz- mühler Fest als typisches Dorffest. In diesem Jahr steigt die 17. Auflage unter der Linde in- mitten der historischen Holzmühle. Was zu- nächst als Dorffest mit Bekannten, Freunden und Verwandten konzipiert war, hat sich inzwi- schen zu einem Fest von weit überörtlicher Be- deutung entwickelt. Die Idee dazu hatte der lei- der viel zufrüh verstorbene Josef Amann unter- stützt von den Familien Morguet, Beck, Maschke, Klein u.a., die seither für den Erfolg des Festes sorgen.
  • 15. 15 SchnappschüssevomGrünkohlessenbeiderLFG Ministerpräsident Peter Müller und Oberbür- germeister Hans–Joachim Fontaine macht der Grünkohlgenuss sichtlich Spaß Die zahlreichen Teilnehmer saßen dicht ge- drängt und lauschten aufmerksam den Wor- ten der Grünkohl–Sachverständigen Pastor Anton Heidger und Gilbert Ecker von der LFG im angeregten Gespräch. Gerhard Kunzler lässt es sich schon schmecken. Bauernverbandspräsident Klaus Fontaine, Kreisvorsitzende Croon, MD König vom Um- weltministerium und Kammrdirektor Schmeer mundet es ebenfalls
  • 16.
  • 17. 18 LisdorferHeimatkundlerzurWeinprobeinPerl Heiner Groß Der Heimatkundeverein Lisdorf führt in regelmäßiger Folge Weinproben im saarländischen Weinbaugebiet in Perl an der Obermosel durch. Sie finden vornehmlich an Samstagabenden in den Weingütern Schmitt–Weber in Oberperl und Petgen in Sehndorf statt. Zu diesen Winzern bestehen freund- schaftliche Kontakte. Der gute Wein und das ansprechende Ambiente in diesen Häusern wissen die Teilnehmer an diesen Weinproben in geselliger Runde zu schätzen. Die Weinprobenfahrten per Bus nach Perl mit jeweils 30–50 Teilnehmern sind zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der geselligen Veranstaltun- gen des Heimatkundevereins gewor- den. Daran können neben den Mitglie- dern des Vereins auch sonstige Interes- sierte teilnehmen, die Freude am kulti- vierten Weingenuss in geselliger Atmo- sphäre haben. Dass die Teilnehmer im- mer viel Spaß an diesen Abenden ha- ben, zeigen die Bilder auf dieser Seite. Aufgrund einer spontanen Idee, die vor Jahren während einer Weinprobe in weinseliger Stimmung geboren wur- de, wird seither einmal im Jahr aus der jeweiligen Weinprobengesellschaft ein Lisdorfer Weinkönigspaar gewählt. Bei der letzten Weinprobe am 10. Ja- nuar dieses Jahres wurden für die Ses- sion 2004/05 Sabine Weyand– Amann zur neuen Lisdorfer Weinköni- gin gewählt und August Balthasar als Weinkönig bestätigt. Die beiden oberen Bilder zeigen das Weinkönigspaar nach seiner „feierli- chen Inthronisierung“ mit Thomas Schmitt vom Weingut Schmitt–Weber beziehungsweise Doris Freichel und Maria Scholly vom Heimatkundever- ein Lisdorf. Die beiden unteren Bilder zeigen einige der Teilnehmer während der Weinprobe. Die nächste Weinpro- be findet im Zeitraum Oktober –De- zember 2004 statt.
  • 18. 19 Das Wegekreuz von Lisdorf an der Ecke Groß– Kirchenstraße, das an der vorderen linken Ecke des Hau- ses Großstraße 49 steht, ist, so wie mir die Inschrift bekundet, 1876 für verunglück- te Schiffsleute von Lis- dorf errichtet worden. Familienangehörige von Conrad Lons- dorfer und Anna Daub haben dieses Wegekreuz herstellen und errichten lassen. In seiner ursprüngli- chen Art ist nur der untere Teil, der Sockel des Wegekreuzes, erhalten geblieben, so wie mir Maria Jungmann geb. Klein von diesem Wegekreuz an ihrem Elternhaus be- richtete. Durch Kriegseinwirkungen in den Jahren 1944/45 wurde der obere Teil des Kreuzes zerstört und ist danach wieder erneuert worden. Dieses Kreuz erinnert daran, welches reges Schifferleben in den vergangenen Jahrhunderten im Ort Lisdorf vorhanden war. Lassen wir zu diesem Thema den früheren Rektor der Lisdorfer Schule Johnn Goergen (*1898 †1976) zu Wort kommen: „Der lebhafte Schiffsverkehr auf der Saar und der Fischreichtum, besonders im toten Arm bei Lisdorf, wirkten entscheidend auf die Entwicklung des Schif- fer– und Fischerberufes in Lisdorf hin, sodass beim Erneuerungsbau der Pfarrkirche Lisdorf 1764 die Statue des Schiffspatrons, des hl. Hubertus, einen Ehrenplatz auf einem Seitenaltar gefunden hatte“ …und weiter: „Holz aus den Vogesen, der Pfalz und den Saarwäldern wurde in den Jahren um 1466 von Händlern aus Friesland zu Flößen zusammen gebunden und auf dem Wasserwege bis nach Hol- land geleitet. Flussschiffer beförderten mittels Treidelbetrieb mit Pferdezug in flach gebauten Käh- nen mit geringem Tiefgang Salz, Getreide, Wolle und Häute. Ab etwa 1600 auch Kohle, Glas, Ruß, Pech oder Teer flussabwärts und brachten als Rück- fracht Kolonialwaren, Färb– und Gerbstoffe, Wein, Torf und besonders Erze von der Lahn mit zurück in ihre Heimathäfen. Aufgrund dieses starken Verkehrs entwickelten sich die Orte an der Saar kräftig; Lis- DieSchiffsleutevonLisdorf August Balthasar dorf zählte danach um etwa 1500 zu den volkreich- sten Orten der Umgebung“. Nach Schuldirektor Goergen hat Heimatkundler Liebertz (Waller- fangen) angegeben: „ für die Zeit von 1500–1600 in Lisdorf 40 Feuerstellen, 14 in Fraulautern, 10 in Hülzweiler, 8 in Saarwellingen, 4 in Griesborn, 3 in Ensdorf“; und weiter nach Rektor Goergen: „ Nach einem Bericht des Landrates in Saarlouis an die kö- nigliche Bezirksregierung in Trier im Jahre 1901 wurden trotz tiefgehenden Strukturwandels in Lisdorf noch 12 berufsständige Schiffer gezählt“. Nach den Kriegswirren 1945 waren in der Kirchen- straße Nr. 3 in Lisdorf, dem Haus des bekannten Schiffers und Sportlers Viktor Welsch, „se hodden kään Hämm me gehadt“ (Sie hatten kein Zuhau- se mehr gehabt), so Theo Follert und seine Frau Thea geb. Welsch, bis zu 30 Schiffsleute mit Fami- lien untergebracht. Die Häuser dieser Schiffsleute in Saarbrücken waren zerbombt oder sonst irgend- wie zerstört durch Kriegseinwirkungen. Zurück noch einmal zum Schiffsmann Viktor Welsch und seinem Schiff, der „Saargold“, das den beiden heute selbständigen Lisdorfer Sportvereinen „SC Saargold Saarlouis–Lisdorf“ (Handball) und „SV 1929 Saarlouis–Lisdorf“ (Fußball) damals als Namenspatron diente. Viktor Welsch (gestorben am 28.07.1967) war nicht nur ein tüchtiger Schiffs- mann, gern und leidenschaftlich war er auch in seinen jungen Jahren ein aktiver Fußballer. 1945/ 46 hat er bei einer von der französischen Besat- zungsmacht vorgeschriebenen Umstrukturierung der Lisdorfer Sportvereine den Vereinsvorsitz über- nommen. Zu dieser Zeit nach dem Krieg 1945/46, als noch jede Art selbständiger bzw. freiwilliger Vereinstätigkeit durch die französische Zwangsver- waltung verboten war, durfte es nur einen Verein für den ganzen Ort geben, in dem alle kultur- und sporttreibenden Vereine eingebunden waren. Den Vorsitz dieses Vereins durfte nur ein „Antifaschist“, ein Gegner der vorherigen Regierung, also ein „Antinazist“, führen. Dies war Schiffsmann Viktor Welsch. lm Mai 1952 erfolgte die Auflösung der zwangsbedingten Vereinsvereinigung und Viktor Welsch konnte sich wieder uneingeschränkt seinem Beruf als Schiffer widmen.
  • 19. 20 Vazehlches von Marianne Faust Wie mia Kenna woren, hodden ma emma us Amusemma, wenn de älla Leit Rängelcha onn Spichten van freija vazehlt hann. Weil enn jedem Haus domols enn Stall voll Kenna dahemm woren, ess ett manchmoll so’n bißin drenna onn driwwa gang. Doo dofan gäf ich gäa ebbes vazehlen. Doo hann doo zou der Zeit emoll so’n Häad Trawanten dee ganzen Mettach off da Gass ge- spillt. Ett woren Kenna aus da ganz Nobaschaft. Wie ett angefonk hat duschda se genn, hat da Schang von newendran sein Bagasch renn gerouf: „Kommen dabba renn, ett langkt foo haut. Gleich laudett Betglock, onn de Maam hat ett Nadessen omm Desch.“ Honga hodden se jo al,l onn et hat sich känna vannen zwaimol häschen geloss. Wie se renn komm senn, hann se sich all meßten en daa Wäschschossel waschen. Onn doo nonana all Marsch an de Desch. Off da langk Bank hann se all en Reih on Glied gesetzt, Backen wie de Kirschen on hann ia Quellkromban onn de Brockel vadreckt. Wie se fertich woren, hatt da Papa gesaat: „So aweil gebet onn de helzernen Berg roff onn ge- schloof.“ Awwa äna vannen wollt sich nett ausdoun lossen, on ent Bett wollt a Patu ach nett. Doo hatt da Papa iwan geschennt: „ Watt ess haut mett dem Fräggat loo loss? Watt senn datt loo dann foo Spirenzcha?“ Doo hat der Klään an- gefonk se greischen onn hat bedreppst gesaat: „Onkel Schang foo watt derf eich dann haut nett hemm gehn, eich benn joo ganett aua.“ Mett gess hat der Klään jo gäa. Wäschen hott joo aach noch gang. Awwa schlofen gehn, dat wollda dahemm. Bei den traurijen Funseln, woo de Leit freija hodden, hann se sich joo selwa gegrault. Watt en Wonna, wenn se Owens de eijenen Kenna nett kannt hann. Onn se hann se bestemmt ach nett jeden Owend nogezehlt. „Usa Sprooch“ von Werner Naumann Die Alden hann se us vaerood. Van ewijen Zeiden es se iwwaliwad. Se hann se aan us weidagenn. Gereift en honnaden van Johren. Usa Sprooch G’was wie en Baam, däa Reng newen Reng leiht. Greßa word es se wie en Bach, däa zomm Fluß wird. Generatsjonen hann metg’holf, datt so word es wie se word es. Wort foa Wort es dazoukomm bes se so woa. Usa Sprooch Gud on schlecht Zeiden had se iwwalefd. Alles had se iwwastann. Awwa haud, haud had se de Kränk. Vill hallen se sogaa schon foa dod. Usa Sprooch All schwedsen se wie die Feinen dahemm em Glotzkaschden. Vill senn neme se ke.ihn se en de Mund se hollen. Foa domm wirren die g’hall die haud noch so schwedsen. Z’reck g’blief soll se senn. Usa Sprooch Dabei geht neischd ohne se. Datt es en ald Kuldua. Se es änni van usen Wurzeln – on en ganz dicki On bes riwwa bei de Noban wast se. Usa Sprooch Ohne se wären ma net datt watt ma haud senn. On an usa Kenna mossen ma se weida genn. Die sollen doch wessden wo se häa stammen. On do dafo brauchen se se so nedich wie’t tächlich Brot. Usa Sprooch Mia derfen se deswechen aach net valieren. Onn do dafoa mossen ma se aach hejen on flejen on aach jeden Daach schwedsen. Usa gud ald Sprooch! BeiträgezurLisdorferMundart
  • 20. 21 Wie Städt haut senn, dat ohne Hohn Ess jede stolz off Dradition. Nett nur Vergangnes sich besehn! Em Geischt, soll alles offerstehn. So kommt die Erinnerung, all zereck, Ma denk nur an uus gutt alt Breck. Die Immer noch steht von frieren Johr Un watt dazwischen schon alles wohr. Datt well ich verzeelen auch innem Reim, So watt geht mol, en de Geschichte ein. In meiner Jugend, do wor et noch schehn, Do konnt ma noch richtig spazieren gehn. Autos woren noch nett modern, Ma hott gar keen Drang vor en de Fern! „De Welt, die leit jo vor em Haus“ Saat de Oma, un guckte zum Fenschter raus. Un Sonndags ging ma die enselvig Streck, Von der Wohnung bis zu der alten Saarbreck. De ganze Weg, do muscht ma faschten, Im Stadtgarten driwwe, do kunnt ma raaschten. Do wor en Wirtschaft, un vill tamm-tamm, Dat wor fir de Leit, dat wollten die hann. Eich vor ganz froh, wenn mei Papa gesaat, Et gefft nett lang haut iwwerlaat. Machen aich fertig ,die Sonn scheint scheen, Dass ma kennen spazieren gehn! Alles hat sich in Stoot geworf, Denn ach Leit vom Noberschdorf, Senn komm, in unser kleene Stadt, Die so en scheene Namen hat. Off der Breck, do wor en Betrieb, Do senn se all gär stehen blief. Von owen ronner konnt ma gucken, On ach gutt in at Wasser spucken. Eich selwer hot emma vill Brotmiffelcher, Die woren geminnst for de Saar-Fischelcher. Ün die senn im Wasser dann immer gesprung, Iss mol wieder, so en Miffelchen komm. Grad unna der Breck, do konnt ma gesinn, Do woren ach Leit em Wasser drinn. Jung un alt, un gross un kleen, Senn in der Badbox versammelt geween. Nett all die, konnten do schon schwimmen, Ma hat jo noch neischt gewuscht, vom trimmen. Hat ähner em Wasser gedräht un gepatscht, Do hann se von der Breck erunner geklatscht. Am liebste bliew ma do imma stehn, Awer die Grossen wollten doch weidergehn. Vom letschte Krieg domols, en Veteran, Erhot am Been, e Holzbeen dran. Der hat emma off seim Stielchen gehockt, Un so em Orgelkaschten Teen entlockt. Aich braucht meinen Papa nett lang se froon, Der hat em emmer ebbes en sei Metz gedoon. Er hot am Enn von der Breck gehuckt Do hat sich manch eener vorbeigedruckt. Wer vor den arm Mann neischt hott iwerich, Der es ganz stikum vorbeigeschlich. So Leit gab et enuna, die gefft et noch heit, Awwer sunscht wor et en ruhige Zeit. Doch off emol wor et aus mit der Ruh, Iwerallworendie Läden zu! Kään Minsch am Fenschter, kään Kennergeschrei, Alles wor off emol vorbei. Uuser Breck, die stand verlassen. Ach die konnt et garnett fassen, Datt schon nomol Krieg sollt senn, En unsrer scheenen Heimat drenn. Statt frohe Leit, un fröhlich lachen, Hat se geheert de Bomben krachen. Manch braver Landser kam iwwer de Breck, Nur triwwer, awer nett meh zereck. So hat sich Johr an Johr gereit. Et ess nett besser genn, die Zeit. Erscht wie die Stadt ball ganz am Enn, Do hat et endlich Ruh jetz genn. Die Schäden hat ma offnotiert, Die Breck wor ach schwer demoliert. So langsam senn die Leit ach kumm, Denn et vor nomol alles romm. Ma bat geschafft, on offgabaut, Vill scheener ess jetzt alles haut. Uuser Breck steht noch an der selwig Stell, Bei der Naad, erstrahlt se jetz ganz hell. Ach am Daach, do dun ma se ehren, Ma well ihr en scheene Aussicht bescheeren. Se ess uus gut Stick, etsoll ihr neischt fehlen, Denn vieles kann uuser Breck verzehlen. Sie steht noch do, wenn mir nimi senn, Un all dat, kommt dann enn de Cronik renn. Eine Hommage in Mundart–Reimversen an die alte Saarbrücke in Saarlouis von Maria Roth–Weiland, Saarlouis, Mitglied des VHL De gutt alt Saarbregg!
  • 21. 22 Nach der Einführung des „Kultes der Vernunft“ an- stelle des Christentums und einer neuen Zeitrech- nung im Mai 1794 begann die letzte Phase des Terrors der Revolution. An deren Ende „fraß“ die Revolution ihre eigenen „Kinder“: Am 27./28. Juli 1794 wurde Robespierre, der „Unbestechliche“, durch die Vereinigung aller Gegengruppen im Konvent gestürzt, verhaftet und mit 21 seiner An- hänger hingerichtet. Kurz darauf wurden das Revolutionstribunal und die politischen Clubs in Paris geschlossen. In der Folge einigten sich die politischen Gruppierungen auf eine neue Verfas- sung, an deren Spitze fünf Direktoren – das „Di- rektorium“ – standen. Die beiden Kammern der Le- gislative, „der Rat der Alten“ (250 Mitglieder) und der „Rat der 500“, wurden nach indirektem Zen- suswahlrecht gewählt. Das Besitzbürgertum sah seine Ziele verwirklicht, Luxus– und Vergnügungs- sucht der Pariser Gesellschaft formten den Mode- stil des „Directoire“. Die Zeit des Terrors war vor- bei, doch die „Abschaffung“ des Christentums blieb vorerst bestehen. In den seit Jahrhunderten strenggläubigen Landgemeinden wie in Lisdorf, bedeutete dies einen radikalen Einschnitt in das tägliche Leben, von dem jeder Pfarrangehörige persönlich betroffen wurde. Die Kirche wurde geschlossen, das Inventar gestohlen oder ver- brannt, das Pfarrhaus neben der Kirche zu- nächst verpachtet und schließlich (1797) an den Saarlouiser Bürger Casper Besson ver- kauft. Bereits 1794 wurde die Marienkapelle in der Nähe der Kapellenmühle an den Saar- louiser Claudius Rosat auf Abbruch für 3.000 Francs verkauft. Auch von den Friedhöfen wur- den die Kreuze und alle christlichen Symbole ent- fernt. Auf Anordnung der Saarbrücker Kantonats- verwaltung wurde den Geistlichen die Mitwirkung an Beerdigungen ebenso untersagt, wie das Ge- bet und der Gesang den Gläubigen. Die Bestat- tungen galten als rein bürgerlicher Akt und so wurde auch der Lisdorfer Lehrer Theobald, zu Lebzeiten ein begeisterter und guter Sänger, 1794 ohne Gebet und Gesang zur letzten Ruhe gebet- tet. Die Geistlichen mußten sich verstecken und konnten ihre Seelsorgertätigkeit nur unter Lebens- gefahr im Verborgenen ausüben. Nur Geistliche, die den geforderten Eid auf die Verfassung ableg- ten, konnten sich wenigstens in den ersten Revolu- tionsjahren noch als „Administrator“ (Verwalter) halten. Auch in Saarlouis wurde die „Göttin der Vernunft“, dargestellt als Frau mit einem zerbro- chenen Kreuz zu ihren Füßen, von nun an anstel- le des christlichen Gottes verehrt. Die christlichen Feiertage wurden abgeschafft und anstelle des gregorianischen Kalenders wurde der Revolutions- kalender als Zeiteinteilung eingeführt. Gezählt wurde ab 1792 nach den Jahren der Republik. Das Jahr bestand aus 12 Monaten zu 30 Tagen und zusätzlichen fünf Ergänzungstagen (in Schalt- jahren sechs). Jeder Monat war eingeteilt in drei Wochen zu je zehn Tagen. Monate und Tage erhiel- ten neue Namen. Neben dem 14. Juli wurde auch der Tag der Göttin der Feldfrüchte, Ceres, feierlich begangen. Ochsen mit ver- goldeten Hörnern zogen einen vergoldeten Pflug von Saarlouis aus auf das Feld vor dem französischen Tor auf Lisdorfer Bann, dort wurden alle Phasen der Saat und Ernte sym- bolisch dargestellt und anschließend ein gro- ßes Volksfest mit Gesang und Tanz gefeiert. Der letzte vorrevolutionäre Pfarrer in Lisdorf, Pastor Johann Lutz, ein gebürtiger Trierer, wirk- te von 1785 bis 1791 in der heimischen Pfarrei. Da er nicht bereit war den seit 1790 geforderten Treueeid auf die neue Verfassung abzulegen, wur- de seine Pfarrei 1791 als „vakant“ erklärt. Lutz wohnte noch ein Jahr lang in Lisdorf und emigrier- te Mitte des Jahres 1792 nach Trier. Seine letzte nachvollziehbare Amtshandlung, die Bescheini- gung eines Sterbeaktes, stammt vom 4. Oktober 1791. Sein Nachfolger als Pfarrer in der Pfarrei Lisdorf–Ensdorf wurde Pastor Halstroff, der – ob- wohl er den Treueeid leistete – nur kurz, bis Ende 1792, sein Amt ausübte. Nach dem Verbot der Ausübung des christlichen Kultes, der Schließung der Kirche und der Verpachtung des Pfarrhauses entzog er sich der drohenden Verhaftung ebenfalls durch Emigration. Halstroff starb später in Frau- lautern, wo er ab 1810 die Pfarrstelle innehatte. Spätestens ab Mitte des Jahres 1794, gab es in Lisdorf bis 1798 keine ordentliche Seelsor- ge mehr. Jedoch übten in der näheren Umgebung einige ehemalige Klostergeistliche, die nicht geflo- hen waren, heimlich und nachts im Verborgenen, seelsorgerische Funktionen aus. So brachten wäh- rend dieser Zeit viele Lisdorfer ihre Kinder nach Wallerfangen zur Taufe, wo ein Priester namens Printz das Sakrament spendete. Auch der gebür- tige Lisdorfer Johann Neubecker, ein ehema- liger Mönch des Klosters Wadgassen, der bis zur Revolution Pastor in Bous gewesen war, arbei- Arnt Finkenberg Die französischeRevolutionundihre FolgenfürLisdorf
  • 22. 23 tete im Geheimen in seiner alten Pfarrei weiter und taufte in den Jahren 1794 – 1798 insgesamt 104 Kinder aus Lisdorf und Ensdorf. Aus dem Jahr 1797 sind ebenfalls Taufen und Trauungen von Lisdorfer und Ensdorfer Pfarrangehörigen in Beaumarais nachzuweisen. In Saarlouis übten die ehemaligen Pater Jean Stein (Augustiner) und Conrad Bechel (Kapuziner) Seelsorgerdienste aus. Pfarrer Stein war es auch, der von 1798 an wie- der als Priester die Verwaltung der Pfarrei Lisdorf– Ensdorf sowie der Nachbarpfarreien übernahm. Aus den Tauf–, Ehe– und Sterberegistern der Jahre 1798 – 1801 geht hervor, daß ab 1799 auch wieder kirchliche Beerdigungen auf dem Lisdorfer Friedhof stattfanden, die Kirche wie- der für Gottesdienste genutzt wurde und zu- mindest stillschweigend von offizieller Seite die Ausübung des christlichen Kultes toleriert wurde. Dies scheint deshalb bemerkenswert, da das Abkommen zwischen Frankreich und dem Va- tikan, das Konkordat vom 15. Juli 1801, erst zwei Jahre später abgeschlossen wurde. Das Konkordat besaß bis 1905 Gültigkeit und band den Klerus in seinen Bestimmungen, wie der Ernennung der Bi- schöfe und der staatlichen Besoldung der Priester, die überdies einen Treueeid leisten mußten, sehr eng an den Staat. Offiziell wurde das Christentum sogar erst im April des Jahres 1803 wieder einge- führt. An dieser Entwicklung zeigt sich sehr ein- drucksvoll, wie stark jahrhundertealte Sitten, Ge- bräuche und Gewohnheiten – zumal, wenn sie sich auf die Aspekte des menschlichen Glaubens bezie- hen – in der Bevölkerung verankert sind und wie schwer und politisch unklug es ist, zu versuchen, durch Druck von außen, mit Hilfe von Gesetzen und Verboten, diese Überzeugung zu ändern. Nachfolger von Pfarrer Stein wurde ein alter Be- kannter, Pastor Johann Lutz, der von den Bestim- mungen der Amnestiegesetze für Angehörige des geistlichen Standes profitierte und von 1802 bis 1804 wieder die Geschicke der Pfarrei leitete. Je- doch fand er völlig andere Bedingungen vor als bei seiner ersten Tätigkeit in Lisdorf. Die Kirche war ausgeplündert, das Pfarrhaus verkauft, die klöster- liche Oberherrschaft vorbei und die Einkünfte ge- ringer. In seine kurze Amtszeit fallen zwei erwäh- nenswerte Begebenheiten: Zum einen der erste Bischofsbesuch in Saarlouis seit 20 Jahren durch Bischof Francois Bienaime von Metz, der die Fir- mung erteilte und zum anderen die große Dank- prozession vom 16.April 1804 am Jahrestag der Wiedereinführung des christlichen Kultes. Unter seinem Nachfolger, dem Pastor Johann Jakob Goby, wurde an Maria Himmelfahrt 1804 der erste nachrevolutionäre Kirchenrat in Lisdorf konstituiert. Die sechs Mitglieder Bernhard Fritz, Philipp Dondon (oder Dou-Dou) Johann Becker, Sebastian Denis, Jakob Hau und An- ton Morguet (Bürgermeister von Lisdorf) ver- sprachen, „ ... die Rechte der Kirche zu wahren, das Eigentum und allen Grundbesitz und alle Gü- ter wohl zu verwalten, auch jene, welche sie von irgend jemand in gutem Glauben unter irgendei- nem Titel erhält.“ Abdruck aus „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen- wart (1996)“, Verfasser Arnt Finkenberg Abfahrt ist am Samstag, dem 22. Mai, um 9.00 Uhr am Feuerwehrgerätehaus in Lisdorf. Auf dem Gartenschaugelände hat jeder Fahrtteilnehmer bis 17.30 Zeit und Muse – allein oder in der Gruppe – sich die verschiedenen Blumenschauen, Ausstel- lungen und Bereiche der Gartenschau in Ruhe an- zusehen. Am 22.05 finden auf dem Gelände der Gartenschau mehrere Veranstaltungen statt. U.a. findet von 11.00–17.00 Uhr eine Live Übertragung von SWR4 statt und um 14.00 Uhr spielt das RWE Unterhaltungsorchester auf der Wasserbühne Me- lodien aus Operetten, Musicals und Filmen. Außer- dem finden an diesem Tag verschiedene Sonder- schauen (Duftnoten, Der Kräutergarten, Kirchen- garten usw.) statt. Auf dem 48 ha großen Gelände bieten Restaurants, Cafes und ein Biergarten die Möglichkeit für eine kleinere oder auch größere Ruhepause während des Rundganges. Spätestens um 18.00 Uhr fahren wir wieder zurück in Richtung Lisdorf. Natürlich nicht ohne noch ein- mal einzukehren. Einkehr machen wir in der Bau- ernstube auf dem Pellinger Hof in Gerlfangen. Hier besteht die Möglichkeit zu einem preiswerten Abendessen. Wenn es die Zeit erlaubt, werden wir dort auch noch eine kleine Mundartlesung haben. Abfahrt ist um 21.15 Uhr, damit wir pünktlich um 22.00 Uhr wieder in Lisdorf sein werden. Für Fahrt und Eintritt sind 18 Euro zu entrich- ten. Zu der Fahrt sind alle Mitglieder und Freunde des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V. herzlich eingeladen. Anmeldungen sind ab sofort möglich an den Vorsitzenden des Arbeitskreises, Werner Naumann, Tel. 06831/ 2770 und an Maria Scholly, Tel. 06821/42621und bei allen Mit- gliedern des Arbeitskreises. DerArbeitskreisMundartundBrauchtumfährtindiesemJahrzurLandesgartenschaunachTrier
  • 23. 24 Arnt Finkenberg Auch in der Lisdorfer Geschichte sind vier Fälle von Hexenverfolgungen bekannt. So wurden im Jahr 1594 zwei Frauen mit den Namen „Schoentgen“ und „Kleinen Lehn“ von dem Hochgericht Wad- gassen zum Tode verurteilt und auf der Richtstätte „de Spurk les Wadgassen“ (Galgen) südlich des Geißberger Hofes hingerichtet. Anhand des Prozesses aus dem Jahr 1619/1620 gegen den wegen Zauberei Angeklagten Augustin Mattheis, der vor dem Hochgericht Lisdorf-Ensdorf durchgeführt wurde, soll kurz der Verlauf einer solchen Verhandlung geschildert werden. Prozeßort war in diesem Fall das Haus des Abts von Wadgassen in Wallerfangen, der Gerichtsort das Hochgericht Lisdorf–Ensdorf, das zu diesem Zweck nach Wallerfangen reisen mußte und sich folgendermaßen zusammensetzte: Der Meyer und vier Schöffen aus Lisdorf, ein Amtsprocurator des Abts, ein Tabellion (Notar) und ein Gerichtsschrei- ber, sowie der Rentmeister, der für die finanziellen Fragen, wie die Kosten und Unterbringung bzw. Verpflegung des Angeklagten zuständig war. Au- gustin Mattheiß wurde beschuldigt durch Zauberei den Tod drei seiner Söhne mitverursacht zu haben. Darüberhinaus sollte er verantwortlich sein für den Tod von sechs Pferden und vier Stück Rindvieh ei- nes Nachbarn. Außerdem wurde er angeklagt we- gen Anstiftung zu einem Mord („Mordstiftung“) an seiner ehemaligen Geliebten, der „Decker Lena“. Der umfangreiche Prozeß erstreckte sich über mehr als fünf Monate bis in den April 1620. Die zahlrei- chen belastenden Zeugenaussagen prangerten al- lerdings fast ausschließlich den lockeren Lebens- wandel des Angeklagten und seine zahlreichen Liebschaften an, als daß sie den Tathergang bzw. die Beweggründe aufhellten. Folgerichtig erklärte sich der Angeklagte in allen Punkten für nicht schuldig. Daraufhin wurde Augustin Mattheiß mehrmals zur Folter „aufgezogen“. Dabei wurde er Lisdorfer Hexenverfolgungen auf eine Leiter gelegt und an seinen auf dem Rük- ken gefesselten Händen ein Strick befestigt, der über eine an der Decke der Folterkammer ange- brachte Rolle lief. Dann wurde er soweit in die Höhe gezogen, daß er gerade noch mit den Ze- hen den Boden berührte, und so eine Zeitlang hängen gelassen. Da er bei dieser „gelinden Art“ von Folter kein Geständnis ablegte, wurde er wei- ter in die Höhe gezogen, dieses Mal aber so hoch, daß er nicht mehr den Boden berührte und das ganze Körpergewicht an den nach hinten gebo- genen Schultergelenken lastete. Trotz furchtbarer Schmerzen und obwohl diese Folter ungefähr eine dreiviertel Stunde andauerte, bestritt Mattheiß wei- terhin die Tat, sodaß seine Peiniger sich darauf verständigten, an einem anderen Tag mit dieser Art der „Vernehmung“ fortzufahren. An dieser Stelle brechen die Aufzeichnungen ab. Mattheiß, der angekündigt hatte lieber zerrissen zu werden, als eine nicht begangene Tat zu gestehen, ist vermut- lich infolge der Folterungen verstorben. Der Wahr- heitsfindung war aus richterlicher Sicht damit ge- nüge getan. Festzuhalten bleibt, daß in den mei- sten Fällen die Folter zum erwünschten Geständ- nis rührte. Der Geständige wurde verurteilt, erdros- selt und der Leichnam verbrannt. Aus dem Jahr 1623 wird von einem 14jährigen Jungen aus Lisdorf berichtet, der wegen Zauberei auf Anordnung des Gerichts in Wallerfangen ausgepeitscht worden ist. Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges, indem weite Landstriche an der Saar nahezu entvölkert wurden, beendeten die Hexenverfolgungen in der Saarregion vorerst. Nach Labouvie, fehlte es vie- lerorts „ ... einfach an Personal, Geldern, Zeugen oder gar Angeklagten ... .“ Abdruck aus „Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen- wart (1996)“, Verfasser Arnt Finkenberg Tagesfahrten des Heimatkundevereins nach Luxemburg und Nancy Am Samstag, 8. Mai 2004, ab 7.30 Uhr mit einem Luxus–Reisebus der Firma Geraldy nach Luxem- burg, Echternach und Remich.Teilnahmegebühr einschl. Stadtführung in Luxenburg 22 Euro. Am Samstag,10. Juli 2004, ab 7.30 Uhr mit einem Luxus–Reisebus der Firma Müllenbach über Metz nach Nancy. Teilnahmegebühr einschl. Stadtführung: 25 Euro verbindliche Anmeldungen: Tel: 06831/ 41694; 42621; 2770; 443285 oder 40651
  • 24. 25 Im Folgenden beschäftige ich mich mit dem Namen Breininger und Peter Breininger von der Holz- mühle. Peter ist ebenfalls Mitglied im Lisdorfer Ver- ein für Heimatkunde und aktiv tätig im Vorstand als Leiter der Arbeitsgruppe „ Familien– Ahnenforsch- ung und Genealogie“. Sein ganzes Leben lang ist er schon auf der Suche nach der Herkunft und den Wurzeln seines Familiennamens und wird stets von neuen Entdek- kungen über seine Herkunft, über seine Vorfahren mit dem Namen Breininger überrascht. Vor einiger Zeit hatte ich mir ein Buch von ihm ausgeliehen über eine deutsche Wappen– Bildersammlung, der He- raldik. Als ich es ihm zurückbrachte, haben wir ei- nige Stunden zusammen gesessen und uns wieder über die Herkunft seines Familiennamens Breininger unterhalten. Die Breiningers in Lisdorf sind, wenn man ein paar Jahrhunderte zurückgeht, alle mehr oder weniger miteinander verwandt, so sagte Peter zu mir. Dabei habe ich, August Balthasar, den Pe- ter gefragt, woher kommt der Name Breininger? August: Sag mal Peter, welche Namensdeutung kannst Du deinem Namen Breininger wohl geben? Peter: Mein Familienname kommt aus dem alt- hochdeutschen Wort „Prein“, heute sagen wir dazu Hirse. „Prein“ war vor 1000 – 2000 Jahren ein Hauptnahrungsmittel der Menschen. Später wurde Prein allgemein als Hirse bezeichnet. Das Saatgut der Frühzeit, das war das Ur–Einkorn. Mit ihm begann die Nutzung der großkörnigen Gräser. Emmer, Roggentrespe, Dinkel und andere Ge- treidesorten folgten ihnen nach. Die Fähigkeit des Entspelzens und Zerreibens der Körner zur Mehl- gewinnung haben eine lebenswichtige Ernähr- ungsgrundlage des Menschen mit sich gebracht. August: Hirse, ganz oder gerieben, von Hand ge- schrotet und zu Brei gekocht; zu dieser Suppe wur- de auch Kraut, Grünpflanzen, Krauter (getrocknet), gegebenenfalls auch Milch dazu gegeben. Gewür- ze, Fleisch und Salz, wenn vorrätig, das waren wertvolle Zutaten und wurden beigemischt. So könnte man den Namen „Breininger“ als „Sup- pen–,, oder „Breimacher“ schon deuten. Deutung und Dialog über die Herkunft des Namens Breininger August Balthasar Peter: Ja, vom „Suppe ma- chen – vom Breikochen“, so lässt sich mein Familienna- me natürlicherweise schon herleiten. August: In deinem Famili- ennamen steckt noch die Endung „–ing oder –inger“, was hat es mit dieser En- dung wohl auf sich, wo kann sie wohl herkommen? Peter: ,,–ingen, –fingen, –dorf“ wie zum Beispiel in Beckingen, Dillingen, Ittersdorf usw., das sind Endungen für Ortsnamen aus fränkischer Zeit. August: Die „Frennky“ (so benannt von den Grie- chen vor ca. 2000 Jahren) – die „Fränkis – die Franken“, so nannten sich die Freien, die nach der Römerzeit, während und nach der Völkerwande- rung, durch die freien Lande zogen, sich überall an den Orten niederließen und sesshaft wurden, an denen es ihnen gefiel und an denen man Weide- land fand für das Vieh. Von dem „Frennky“, von deren Art und Weise, wie sie sich untereinander verständlich machten, ihr Sprechen, ihre Mundart, ihr Platt, ihr Sprechen auf dem „platten Land“. Das Platt, das war die Ursprache der Landmenschen, „doo bischd de platt“ (da bist du sprachlos). Der Dialekt, die Muttersprache, das sprachliche Erbe, das Mosel– oder Rheinfränkische Sprechen, das haben wir von ihnen auch mitbekommen. Peter: Hirsebrot war ein wertvolles Brot, ein Gras- brot mit kleinen Samenkörnern, wenn überhaupt ausreichend vorhanden und Lisdorfer Fischgemüse gab es ganz bestimmt noch nicht. Die Samenkör- ner wurden anfänglich mit Hilfe zweier in den Händen gehaltener Steine, den Reib - Hand- mahlsteinen, zerkleinert und zerrieben (geschrotet), zu Mehl verarbeitet, mit Wasser zu einem Teig ver- mengt und auf heißen Steinen gebacken; so ent- stand daraus ein Fladenbrot. August: Die römischen Garnisonen hatten schon ihre Handmühlen dabei, an jeden Söldner wurde als Tages–Marschverpflegung 1 kg Weizen verteilt. Mit dem Übergang zum Getreideanbau sind auch die ersten wasserradgetriebenen Mahlsteine, also Mühlen, in Verbindung zu bringen. Im 3. Band der Peter BreiningerAugust Balthasar
  • 25. 26 Mitgliederstruktur des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V. Stand 15.02.2004 Saarländischen Volkskunde zu den Jahrestagun- gen 1996 und 1997 ist dazu nachzulesen, dass: „Schon 31 vor Christus ein römischer Militär– Gerätebauer namens „Polio Vitruvius“ unter Cae- sar und Augustus (*) nach erdachten Plänen eines Griechen das Mahlen von Getreide „mit Wasser und Steinen“ umsetzen konnte. Im Saarland im Kreis Merzig ist testamentarisch im Jahre 634 n. Chr. die Mühle eines merowingischen Edelmannes „ Adalgise Grimo“ erwähnt. Peter: Das Suppe–Kochen über einer offenen Feu- erstelle, über der der Kessel oder der eiserne Sup- pentopf an einer Kette hing und hin und her schwankte, dürfte für seinen Herrn die Arbeit der Breininger gewesen sein. Und wenn die Suppe schneller kochen oder erwärmt werden musste, konnte man den Topf ein Kettenglied oder einen Zahn tiefer hängen, also einen „Zahn zulegen“. August: Breininger, das waren also diejenigen, die für ihre Herrschaften „Prein“, also „Brei-Suppe“ kochen konnten, es durften oder es machen mus- sten. Und wenn dann die Breikocher einen Orts- wechsel vornahmen und gefragt wurden „wo kommst du denn her oder was kannst du ma- chen?“, dann waren es die „Breininger“. Dazu fällt mir noch ein frühmittelalterlicher Brauch ein: „Wes Brot (Suppe) ich ess, dess Lied ich sing“; Also konn- ten die Breinigers früherer Zeiten auch schon gut singen! Dieser symbolische Spruch besagte also früher, dass die Dienerschaft immer eine gute Mie- ne zum bösen Spiel zu machen hatte. Heute wird der Spruch noch mehr im übertragenen Sinne ge- nutzt, denn heute bedeutet es mehr: „Wessen Geld ich bekomme, dessen Meinung ich vertrete“. Peter: „Jitz reicht ed awwa „jetzt reicht es mir aber“ – sagte er zu mir. August: Und mir reicht es auch mit meinen Ge- schichten „vann Leischdrow unn vann de Leischdrowwa Leid“ (*) Anmerkung: Mit dem Begriff „Caesar“ ist hier wohl der designierte Nachfolger des Octavianus Augustus aus dem römischen Sprachgebrauch gemeint und nicht die Person Julius Caesar, denn dieser wurde bekanntlich bereits im Jahre 44 vor Christus ermordet. 1. Gesamtzahl der Mitglieder 580 1.1 Natürliche Personen 579 1.2 Juristische Personen 1 2. Wohnsitz der Mitglieder 2.1 in Lisdorf wohnen 355 = 61 % 2.2 außerh. von Lisdorf wohnen 225 = 39 % 3. Mitglieder nach Geschlecht 3.1 Männlich 267 = 46 % 3.2 Weiblich 312 = 54 % 3.3 Organisation 1 4. Altersstruktur der Mitglieder 4.1 bis 20 Jahre 57 = 10 % 4.2 von 21 bis 30 Jahre 37 = 7 % 4.3 von 31 bis 40 Jahre 51 = 9 % 4.4 von 41 bis 50 Jahre 83 = 14 % 4.5 von 51 bis 60 Jahre 106 = 18 % 4.6 von 61 bis 70 Jahre 151 = 26 % 4.7 von 71 bis 80 Jahre 66 = 11% 4.8 über 80 Jahre 28 = 5 % (Aufgestellt von Werner Naumann am 15. März 2004, Stellv. Vorsitzender des VHL)
  • 26. 27 Heiner Groß BesuchbeiFranz–JosefWeinaufSchloßSchiltern Seit mehr als 10 Jahren leitet Franz–Josef Wein aus Lisdorf die international bekannte Meisterschule für Floristen auf Schloß Schiltern in der Gemeinde Langenlois in Niederösterreich. Langenlois ist als größte Weinbaugemeinde von Österreich bekannt. Sie liegt nur wenige Kilometer nördlich von Krems an der Donau; weilweit bekannt ist die romantische Gegend als Wachau. Um von Langenlois zum Ortsteil Schiltern mit seinem Schloß zu gelangen, muss man einige Kilometer durch ein großes Wald- gebiet fahren. Schiltern liegt am Rande des soge- nannten Waldviertels. Mit diesen wenigen Sätzen dürfte die geographische Lage der Wirkungsstätte von Franz–Josef Wein ausreichend beschrieben sein. Die Gegend von Schiltern ist mit Naturgütern gesegnet und reizt zum Besuchen. Der Hauptgrund für den Heimatkunde- verein Lisdorf im Rahmen ei- ner Reise nach Österreich und Ungarn im September des vergan- genen Jahres auch auf Schloß Schiltern zu fahren, war aber, Franz–Josef Wein an seiner Wirkungs- stätte zu erleben und mit ihm und vielen weiteren Gästen das 10–jährige Jubiläum der Meisterschule für Floristik und sein dortiges 10–jähriges Dienst- jubiläum zu feiern. Franz-Josef Wein hat die Schu- le auf Schloß Schiltern im Jahre 1993 maßgeblich mit aufgebaut. Sie ist in der Trägerschaft des nie- derösterreichischen Floristik–Verbandes. Als wir am Sonntag, dem 14. September 2003, uns frühmorgens von unserem Hotel in Wels aus auf den Weg zum Schloß Schiltern machten, hat- ten wir bestimmte Erwartungen. Von den über 60 Reiseteilnehmern, darunter auch das Ehepaar Grewelge aus Saarbrücken, in deren Blumenhaus am Theater Franz–Josef Wein seine Berufsausbil- dung als Florist absolvierte, kannte nur Irmgard Wein, die Mutter von Franz–Josef, Schiltern. Um es gleich vorweg zu sagen: Bereits nach den ersten Eindrücken waren unsere Erwartungen weit übertroffen. Das Äußere der historischen Schloßan- lage ist eher bescheiden, aber gut erhalten. Wenn man durch das Schloßtor in das Innere der Ge- bäulichkeiten und den großen Innenhof des Schlos- ses gelangt, stellt sich eine anheimelnde und anzie- hende Atmosphäre ein. Im Innenhof waren an die- sem Wochenende Getränke– und Essensstände und Sitzgelegenheiten aufgestellt, damit die vielen Fest- gäste aus nah und fern beköstigt werden konnten. Neben dem 10–jährigen Jubiläum war an diesem Wochenende auf Schloß Schiltern auch der einjäh- rige Meisterlehrgang mit der Abschlußprüfung zu Ende gegangen. Aus diesem Anlass waren auch die Angehörigen, Freunde und Bekannten der Absol- venten sowie die Meister der früheren Jahre gela- den. Und offenbar waren viele aus unterschiedli- chen Ländern gekommen. Immer wieder konnten herzliche Begrüßungen zwischen jungen Leuten und Franz-Josef Wein beobach- tet werden. Unschwer war zu erkennen, dass es sich um ehemalige Absolventen handelte, die sich freuten, ihren Meister auf Schloß Schiltern wieder zu treffen. Das war auch ein Indiz für das offenbar herzliche Klima, das zwischen Lehrenden und Lernenden auf Schloß Schiltern herrscht. Im Mittelpunkt des Interesses der Festbesucher standen zwei Ausstel- lungen: Das war einmal die Ausstellung mit den floralen Meisterarbeiten, die zuvor von ei- ner Kommission bewertet worden waren, und eine Ausstellung von Kränzen und Grabgebinden, bes- ser gesagt von wahren Kunstwerken, die die Besu- cher in Staunen und Entzücken versetzten. Franz–Josef Wein, der an diesem Tag durch das Festprogramm und die riesige Besucherresonanz stark gefordert war, nahm sich trotzdem Zeit für seine Lisdorfer. Im Innenhof des Schlosses be- grüsste er die große Lisdorfer Reisegruppe und freute sich dabei sichtlich, dass mit dem Heimat- kundeverein, dem er auch angehöre, erstmals ein Lisdorfer Verein ihn an seiner 10–jährigen Wirk- ungsstätte besuche. Heiner Groß, derVHL–Vorsitzende und Leiter der Reisegruppe, dankte Franz–Josef Wein für die Ein- ladung und gratulierte zum Jubiläum, wobei er als bescheidenes Gastgeschenk ein neues Werk über
  • 27. 28 die saarländische Heimat überreichte. Er sprach Franz-Josef Wein namens der gesamten Reise- gruppe Hochachtung und besondere Anerkennung für sein verantwortungsvolles un zugleich künstleri- sches Schaffen auf Schloß Schil- tern aus und schloß mit den Worten: lieber Franz–Josef, wir sind als Lisdorfer stolz auf dich. Das wurde von den über 100 Zuhörern !! mit kräftigem Beifall untermauert. Anschließend lud uns Franz– Josef Wein zu einem Umtrunk und einer durch ihn geleitetem Führung durch die Ausstellung der floralen Meisterarbeiten ein. Der mehrstündige Rund- gang war sowohl eine Augen– als auch ein Ohrenschmaus. Nicht nur die besonderen Krea- tionen, die viel Experimentierfreude der jungen Meister–Floristen zeigten, brach- te uns zum Entzücken, sondern die Aus- führungen von Franz-Josef Wein zu je- der ausgestellten Meisterarbeit mit einer sehr einfühlsamen Vorstellung und Würdigung der jeweils anwesenden Meisterfloristen steigerten das Ganze zu einer „floralen Sin(n)fonie“. Hier war der in Fachkreisen weltweit bekannte Topflorist Franz–Josef Wein voll und ganz in seinem Element. Mit seinen ge- fühlvollen Worten ließ er das Betrachten der Meisterwerke zu einer Verzaube- rung der Sinne werden. Nach diesem „floralem Feuerwerk“ fiel der Abschied von Franz–Josef Wein und Schloß Schiltern nicht leicht. Nicht nur bei seiner Mutter Irmgard und seiner früheren Saarbrücker Lehrherrin Rene Grewelge flossen dabei Tränen. Dieser Tag bei Franz–Josef Wein auf Schloß Schiltern war ein besonderes Highlight auf unserer Reise durch Österreich und Ungarn, darüber wa- ren sich alle einig. Lisdorfer Gruppe mit Franz–Josef Wein vor dem Schloßeingang Franz–Josef Wein im Trachtenanzug (ein Geschenk von Schülerinnen) im Ge- spräch mit Lisdorfer Freunden Fotos: Agnes Groß und Waltraud Fritz
  • 28. 29 WienundBudapest– diezweibezauberndenDonaumetropolen Heiner Groß Bereits im Jahre 2002 führte die große Jahresreise des Heimatkundevereins Lisdorf an die Donau mit Endziel Wien. Davor waren Regensburg, Passau, Waldkirchen, Schärding, Wels, Steyr, die Wachau mit Stift Melk und Krems Stationen. Nach Meinung einiger Reiseteilnehmer war die Zeit für Wien zu kurz bemessen. Da ohnehin Ungarn, eines der EU–Beitrittsländer am 1. Mai 2004, auf dem Plan für 2003 stand, wurde die Reise auf neun Tage aufgestockt und Wien wieder mit eingeplant. Trotz der relativ langen Reise meldeten sich 64 Teilneh- mer. Allerdings war die Reise mit Halbpension in zentral gelegenen 4–Sterne –Hotels und einem supermodernen 2 Stock Bus der Firma Krakau– Reisen aus Bitburg mit 559 Euro außergewöhnlich günstig. Erstes Tagesziel nach einer längeren Pause in Passau war Wels in Österreich. Von dort wurde nach der ersten Nacht nach einer schönen Fahrt durch die Wachau das 190 km entfernte Schloß Schiltern nördlich der Donau und der Stadt Krems angesteuert. Über den Besuch bei Franz–Josef Wein auf Schloß Schiltern ist an anderer Stelle in dieser Ausgabe ausführlich berichtet. Von Schiltern führte die Reise an Wien vorbei in das 330 km entfernte Budapest. Am Grenzübergang Nickels- dorf mussten mehrere Teilnehmer zurückbleiben, da ihre Pässe abgelaufen waren und die ungari- schen Grenzbeamten die Einreise trotz eifrigen Bemühens der Reiseleitung verweigerten. Die Be- treffenden mussten per Taxi nach Wien zurückfah- ren und konnten erst nach Ausstellung von Ersatz- pässen durch die deutsche Botschaft in Wien mit dem Zug nach Budapest nachkommen. In Budapest logierten wir im Grand Hotel Hungaria in der historischen Rakozcistraße am Zentralbahnhof. Sowohl das Frühstücksbuffet als auch das Abendes- sen ließen nichts zu wünschen übrig. Zum Abendes- sen und auch danach spielte eine Kapelle feurige Csardas–Musik und Wiener Operettenweisen. Unter Führung eines perfekt deutsch sprechenden ungarischen Reiseführers namens Ference wurden in Budapest fast alle berühmten Sehenswürdigkei- ten besichtigt, so unter anderem Parlament, Burg, Fischerbastei, Matthiaskirche, Heldenplatz. Eine Lichterfahrt durch das nächtliche Budapest mit den festlich angestrahlten Sehenswürdigkeiten und eine abendliche Schiffsfahrt auf der Donau standen ebenfalls auf dem Programm. Einige Teilnehmer besuchten abend sein großes Folklorekonzert im Donaupalast, andere besuchten in der Budaer Redoute ein Operettenkonzert mit guter Besetzung. Auch das Umfeld von Budapest wurde bei dieser Reise erkundet. Ein Ausflug führte in das Donau- knie nach Esztergom, die frühere Krönungsstadt der ungarischen Könige an der Donau, die dort die Grenze zur Slowakei bildet; dort wurde die impo- sante Burg, die nicht minder imposante Kathedrale mit dem Domschatz und die romantische Altstadt besichtigt. Auf der Rückfahrt nach Budapest wur- de das verträumte Szentendre mit seinen vielen Künstlerlokalen, Vinotheken und Museen besucht. Noch heute schwärmen einige von der schönen At- mosphäre in Szentendre. Ein anderer Ausflug führ- te uns in die Puszta bei Kescekement mit Folklore, Reitervorführungen und einer Kutschfahrt. Viel zu schnell war der Zeitpunkt des Abschieds von Budapest gekommen. Auf der Rückreise nach Wien wurde dem als Weltkulturerbe ausgezeichnetem Kloster Pannonhalma ein Besuch mit Führung ab- gestattet, ehe es nach einer äußerlichen Besichti- gung des Schlosses Esterhazy in Fertöd am Neu- siedler See über den Grenzübergang Klingenbach wieder nach Österreich ging. In Wien war das zentral gelegene Hotel Favorita unser Quartier. Eine ganztägige Stadtrundfahrt führte zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Donaumetropole. Unsere örtliche Reiseführerin legte bei ihren Ausführungen besonderen Wert auf den geschichtlichen Hintergrund der jeweiligen Monumente. Das war eine nette Geste an uns als Heimatkundler. Ein Tag in Wien stand den Reise- teilnehmern weitgehend zur freien Verfügung, der zum Besuch der spanischen Hofreitschule oder Auf dem Heldenplatz in Budapest
  • 29. 30 zum Shopping beziehungsweise einem Bummel mit Einkehr in das Kaffee Sacher oder in ein an- deres Kaffeehaus genutzt wurde. Eine mehrstündige Führung durch das Schloß Schönbrunn, in dem unter anderem Kaiserin Elisa- beth, besser bekannt unter ihrem Kosenamen Sissi, residierte, gehörte zu unserem Pflichtprogramm. Was wäre ein Besuch in Wien ohne ein Abend in einem Heurigen–Lokal und ein Konzertabend in der Hofburg. Am vorletzten Tag in Wien erlebten wir einen stimmungsvollen Abend im historischen „Al- ten Presshaus“ in Grinzing. Die Lisdorfer tanzten Bei einem Ausflug in die Puszta Fotos: Agnes Groß, Waltaud Fritz zum Höhepunkt auf den Tischen, angeführt von Irmgard Wein, die offenbar an diesem Abend von allen orthopädischen Problemen befreit war. Einen stimmungsvollen Abend anderer Art erlebten wir am letzten Tag bei einem großen Strauß– und Mo- zart–Konzert in der Wiener Hofburg. In guter Stim- mung brachten uns Fahrer Johann und seine Ehe- frau, die als eifrige Bordhostesse fungierte, mit ih- rem Superbus über 880 km sicher und bequem von Wien nach Lisdorf. Diese Reise wird sicherlich auf- grund der vielen Erlebnisse und Eindrücke bei al- len Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. Flugreise nach Rom in die „Ewige Stadt“ Rom war vom 1. bis 4. April 2004 das Ziel der ersten Flugreise des Heimatkundevereins Lisdorf. Bei vielen Reiseveranstaltern wurden zuvor Angebote eingeholt. Die Entscheidung fiel letztlich auf einen Linienflug mit der Luxair. Für den Aufenthalt in Rom hatten wir ein Spezialreisebüro in Köln engagiert. Dadurch erreichten wir einen Reisepreis, der um etwa 35–40 % günstiger war als vergleichbare Angebote. Am 1. April brachte uns ein Bus zum Flughafen Luxemburg. Um 7 Uhr startete dort die Linienmaschine (eine Embrayer) nach Rom. Kurz vor 9 Uhr waren wir bereits auf dem Internationalen Airport Leonardo da Vinci in Rom–Fiumicino. Dort wurden wir von unserer Reiseführerin erwartet. Claudia Hensold, so ihr Name, ist Kunsthistorikerin und stammt aus München, lebt aber schon seit mehr als 30 Jahren in Itali- en. Mit ihr waren wir bestens bedient. Zudem stand uns durch Vermitt- lung von Ennio Fiore aus Saarlouis mit der Sprachstudentin Valeria Lemma aus seiner Heimatstadt Rocca Priora bei Rom eine hübsche Dol- metscherin zur Verfügung. Bei der Landung in Rom regnete es in Strömen, aber bereits beim Bus- transfer zum Hotel, einem 4 Sterne–Haus im Zentrum nahe des Haupt- bahnhofs Termini, hatte das Regnen aufgehört und die Sonne kam her- vor. Während der folgenden Tage hatten wir stets Sonnenschein und ideale Temperaturen für das umfangreiche Besichtigungsprogramm in Rom. Dies begann bereits am 1.Tag um 11 Uhr mit einer mehrstündigen Führung unter dem Motto „Römische Basiliken und barocker Glanz“. Am späten Nachmittag kehrten wir mit der U–Bahn, in Rom „Metropolitana“ genannt, etwas erschöpft in unser Hotel zurück. Nach dem gemeinsa- men Abendessen begaben sich die meisten nach diesem anstrengenden 1. Tag zur Nachtruhe; nur wenige aus unserer Gruppe lauschten noch der Musik des Hotelpianisten oder genossen in der Hotelbar noch einen oder mehrere „Absacker“. Am 2. Tag stand ganztägig der Vatikan mit dem Petersplatz, der Peters- kirche sowie den Vatikanischen Museen einschließlich der von Michel- angelo gestalteten Sixtinischen Kapelle auf dem Programm. Einige bestie- gen die Peterskuppel, von wo sich ein beeindruckender Rundblick bietet. Den Abschluss bildet ein Besuch auf der wirklich schönen Piazza Navona. Der 3. Tag wurde weitgehend dem antiken Rom mit Kapitol, Kolosse- um, Forum Romanum, Palatin, Circus Maximus und weiteren antiken Stätten gewidmet. Aber auch der Piazza Vennezia mit dem mächtigen Denkmal Viktor Emanuels II. am Fuß des Kapitols, das Pantheon, der Trevi–Brunnen, die Spanische Treppe, die Engelsburg sowie der herrliche Piazza Popolo, um nur einige zu nennen, wurden besucht. Shopping in den unzähligen Geschäften und Boutiquen auf dem Corso und in der Via Condotti war natürlich auch angesagt. Dass in Rom mit seinem Nebeneinander von historischen Monumen- ten und quirliger Lebendigkeit in modernen Gebäuden, von religiösem Empfinden und lässiger Fröhlichkeit auch Lebenskräfte geweckt werden können, zeigte sich am letzten Abend, als ein Teil der Reisegruppe trotz des anstrengenden Tagesprogrammes bis spät in die Nacht in froher Stimmung in einem römischen Lokal weilte. Der Sonntagvormittag war zur freien Verfügung. Nach dem Frühstück am Buffet, das für römische Verhältnisse – wie an den Vortagen – recht üppig war, wurden Messen in den umliegenden Kirchen besucht, einige fuhren zum Lateran, ande- re wiederum zur Piazza Popolo. Nur ganz Wenige machten sich trotz Bombendrohung, großräumiger Absperrung des Petersplatzes und schar- fer Sicherheitskontrollen auf den Weg zum Petersplatz, wo von 9 bis etwa 12 Uhr vom Papst die Palmsonntagsmesse mit großer Palmsegnung im Freien gefeiert wurde. Trotz der Widrigkeiten waren etwa 50–60.000 Gläubige aus aller Welt zum Petersplatz gekommen und feierten mit dem Papst und seinen Kardinälen die weltweit direkt übertragene Messe. Für die Unannehmlichkeiten wurden die wenigen Lisdorfer Unverzagten mit dem päpstlichen Segen und vom Papst gesegneten Palmzweigen entschä- digt. Dem Verfasser war es gegen einen geringen Obolus gelungen, für alle Reiseteilnehmer vom Papst gesegnete Palmzweige zu ergattern und ins Hotel zu befördern. Nach dem Mittagessen wurden wir am frühen Nachmittag zum Flug- hafen befördert. Dort starteten wir kurz nach 16 Uhr mit einer Boeing zum Heimflug und landeten wohlbehalten um 18 Uhr in Luxemburg. Unser Transferbus der Firma Jobs stand schon bereit und kurz vor 20 Uhr war mit der Ankunft in Lisdorf die interessante Kurzreise nach Rom zu Ende. Aufgrund des großen Interesses an dieser Flugreise ist vor- gesehen, in den Herbstferien (Zeitraum 9.–24. Oktober) eine Wiederholung, allerdings 5 Tage, zum gleichgünstigen Preis durchzuführen. Anmeldungen werden bereits unter Tel.: 06831/41694 entgegen genommen.
  • 30. 31 Wir gratulieren Für 90 Jahre 20. Jaunar Frau Margareta Rode, An der Kapellenmühle 2 02. Februar Herr Eduard Franz, Kreuzstraße 20 24. Februar Frau Berta Ecker, Provinzialstr. 115 Für 91 Jahre 26. März Frau Elisabeth Müller, An der Kapellenmühle 19 14. April Frau Erna Willkomm, Gatterstraße 14 Für 92 Jahre 18. Januar Herr Wilhelm Bohr, Provinzialstr. 42 26. Januar Herr Erhard Ecker, Provinzialstr. 115 14. Februar Frau Berta Maurer, Altenheim Saarlouis, früher Provinzialstr. 102 19. März Herr Reinhold Rupp, Großstr. 3 Für 93 Jahre 5. Januar Frau Rosa Groß, Gloriastr. 1 9. Januar Frau Margareta Amann, Feldstr. 24 Wir wünschen allen Jubilaren auf ihrem weiteren Lebensweg Gottes reichen Segen. Nachruf Wir trauern um unsere verstorbenen Mitglieder und werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Jean–Pierre Breininger, Dudelange/Lux. * 22.11.1928 † Nov. 2003 Maria Müller geb. Barthel * 23.05.1913 † 18.12.2003 Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V.