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Nr. 32 Herbst 2021 Preis 3,00 €
Lisdorfer Schifferdynastie
ab S. 5
Aus der Saarstraße
ab S. 15
Mulitmedia-Seite
ab S. 51
Suche nach Ludwig Jenner
ab S. 34
Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla der Familie Welsch im Jahr 1925
Inhalt
Historisches
• Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla 4
• Die Lonsdorfer-Schifferdynastie 5
• Familie Risler und "Der Ecken" 15
• Geschichten um das Gasthaus Lorenz Kneip 22
• Kirchliches Tauschgeschäft 29
• Johann Lonsdorfer aus Lisdorf 30
• Ein Spross der großen Lisdorfer
Lonsdorfer-Familie 36
• Vor mehr als 125 Jahren -
Wehrführer der Feuerwehr Lisdorf 40
• Matthias Lonsdorfer 46
Aktuelles
• Renate Dittgen - Neues Mitglied im VHL 27
• Heimatverbunden 28
• Große FahrradKinderDemo 31
• Die Multimedia-Seite 51
Lisdorfer Mundart
• Saarlandkarte in Platt 37
• Èt és Herbscht 48
Interessantes
• Langjähriges VHL-Mitglied ist erste Regiments-
Kommandeurin in Rheine an der Ems 25
• Meine familiäre Beziehung zur Familie
Lonsdorfer in Lisdorf 32
• Gestohlene Erinnerungen zurückgeben 34
• Das grüne Band 42
• 100 Jahre Friedhof Neue Welt 44
• Warum wird die Feldstraße in Lisdorf
"Bloogass" genannt? 45
• Mutter sein - heute und vorgestern 49
• Der Löwenzahn - eine Lisdorfer Spezialität 54
Vereinsleben
• Notizen aus dem Heimatverein 39
• Lisdorfer Kulturleben wieder gestartet 56
• Rodena Heimatkundeverein Roden e.V. 58
Rätsel 21
Mitgliedernachrichten 50
Impressum
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V., Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis.
Redaktion: Georg Jungmann (verantwortlich), Herbert Germann, Heiner Groß, August Balthasar, Harald Weiler, Christine Hawner.
Fotos: Harald Weiler, Archiv VHL, privat, Anneliese Marschibois geb. Schwickert; Lektorat: Karl Schneider und Dr. Franz J. Klein.
www.heimatkunde.lisdorf.de
Druck: Krüger Druck + Verlag, Handwerkerstraße 8-10, 66663 Merzig.
Bankverbindungen: Kreissparkasse Saarlouis IBAN: DE26 5935 0110 0074 3008 80,
Vereinigte Volksbank eG Saarlouis - Losheim am See - Sulzbach/Saar IBAN: DE21 5909 2000 6721 7502 03.
Bezugspreis: 3 EUR je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos.
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion, wieder.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers.
Vorwort 3
Lisdorfer Persönlichkeiten
• Urkundenvergabe für 40 Jahre Mitgliedschaft
beim Volksbund 14
• Der Heimatkundler und Bio-Gemüsegärtner
Roman Denis 55
• Verdienstvoller Ehrenamtler Hans Podewin
verstorben 59
3
Liebe Heimatfreundinnen,
liebe Heimatfreunde,
wir nähern uns langsam wieder der Normalität. Zahlreiche Corona-Einschränkungen sind zurückgenommen worden.
Restaurant- oder Museums- und Theaterbesuche sind wieder möglich. Geimpfte oder Genesene können sich wieder
ohne Einschränkungen treffen.
Daher haben wir uns im Vorstand entschieden, erste Veranstaltungen noch in diesem Jahr durchzuführen. Der
Mundartnachmittag am 31. Oktober und die Weinprobe im Weingut Schmitt-Weber in Perl am 13. November sind
die lang ersehnten ersten„Nach-Corona-Aktivitäten“ unseres Vereins. Für das kommende Jahr planen wir nun auch
wieder einige Fahrten und Exkursionen; so wollen wir in die Biosphärenregion Bliesgau und nach Lothringen fahren,
weitere Fahrten werden folgen.
Im kommenden Jahr wird Lisdorf, das bekanntlich erstmals 911 urkundlich erwähnt wurde, sein 1111-jähriges Jubi-
läum feiern können. Erste Gespräche, wie wir das Festjahr begehen wollen, haben bereits stattgefunden. Jetzt treffen
wir uns mit den Vereinsvertretern, um alle Vereine in dieses Jubiläum mit einbinden zu können. Bereits jetzt ist vor-
gesehen, am Kirmeswochenende vom 5. bis 8. August 2022 die zentralen Feierlichkeiten zu begehen.
Mit dem vorliegenden Heimatblatt ist es uns wieder gelungen, viele interessante Artikel und Beiträge zusammenzu-
tragen, die sicherlich Ihr Interesse finden werden. Vor allem dem Thema Lisdorfer Saarschiffer haben wir den Schwer-
punkt dieser Ausgabe gewidmet. Berichte über das Treidelschiff Walhalla oder die Lisdorfer Schifferdynastie Lons-
dorfer sind ebenso interessant wie die über den Gasthof Risler und das Gasthaus Lorenz Kneip, beide in der heutigen
Saarstraße gelegen. Warum die heutige Feldstraße auch„Bloogass“ genannt wird, wollen wir ebenso beleuchten wie
einige Episoden aus der 200-jährigen Geschichte unserer Feuerwehr. Neben zahlreichen weiteren geschichtlichen
Besonderheiten haben wir auch aktuelle Themen behandelt. So beleuchtet Andrea Jacob zusammen mit ihrer Mut-
ter und Großmutter die Unterschiede„Mutter sein - vorgestern und heute“; Herbert Germann startet eine Serie, die
wir in den nächsten Ausgaben fortsetzen werden, über den richtigen Umgang mit dem Computer, und wir berichten
von unserem langjährigen Mitglied Dr. Mascha-Christine Groß, Schwiegertochter unseres Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß, die im Dienstgrad Oberfeldarzt als erste Kommandeurin des Sanitätsregiments in Rheine von der Bundesver-
teidigungsministerin persönlich im Rahmen eines Appells in Dienst gestellt wurde. Weitere interessante Berichte
über„das grüne Band“, Lisdorfer Persönlichkeiten und über eine Saarlandkarte in Platt runden diese interessante und
bunte Ausgabe des Heimatblattes ab.
Auch in dieser Ausgabe ist es uns wieder gelungen, viele Interessante Artikel und Beiträge zusammenzutragen, dazu
die sehr guten Mundartbeiträge unserer Dichterinnen Marianne Faust und Elisabeth Jacob versprechen kurzweilige
Unterhaltung.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und vor allem, bleiben Sie gesund!
Ihr
Georg Jungmann
Vorsitzender
4
4
Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla
der Familie Welsch im Jahr 1925
Von Harald Weiler
Auf dem Titelbild unserer aktuellen Ausgabe des
Heimatblattes ist das Schiff Walhalla der Schifferfami-
lie Welsch/Luxenburger als Schleppschiff abgebildet,
im Zustand des Jahres 1925. Personen von links nach
rechts: die Geschwister Victor Welsch (1907-1966),
Maria Welsch (verheiratete Kleber, 1903-1989), deren
Mutter Maria Welsch geb. Lonsdorfer (1871-1946),
Schiffseigner Jacob Welsch junior (1898-1959). Nicht
auf dem Bild sind deren Vater Jacob Welsch senior
(1867-1928), die Tochter Katharina Welsch (1900-1979,
verheiratete Schmitt, Mutter von Theresia Schmitt, ver-
heiratete Follert) und Sohn Adolf Welsch (1905-1944).
Das Foto wurde uns zur Verfügung gestellt von Katha-
rina Novaczyk (Tochter von Maria Welsch, Oftersheim)
und ist das älteste bisher bekannte Bild eines Lisdorfer
Schiffes.
Auf dem Bild links erkennt man den bordeigenen Pfer-
destall und den bei Leerfahrt demontierbaren Hebe-
kran für die schwere, aufliegende Pferdepritsche, über
die Pferde in den Stall oder an Land gebracht wurden.
Rechts ins Bild ragt der Helmstock (Ruder-Steuerhebel)
hinein; das Schiff hatte zu dieser Zeit noch kein Ru-
derhaus. Unterhalb der Personen erkennt man die
Schiffswohnung (zwei Fenster und kleine Gaube, auf
der Jacob sitzt) sowie zwischen den beiden Frauen den
Schornstein des Küchenofens.
Die Walhalla lief 1914 vom Stapel auf der Werft der Ge-
brüder „Van Geldern“ in Deest (Holland) und war von
gleicher Bauart wie die im Heimatblatt 31 beschriebe-
ne Germania der Familie Lonsdorfer: Schleppschiff mit
Stahlrumpf, Abmessungen 38,5 x 5 Meter, Ladekapazi-
tät 312 Tonnen bei 2,10 Meter Tiefgang. Erster Schiffs-
eigener war der Schiffer Josef Jacob Welsch senior
(1867-1928), verheiratet 1898 mit Maria Lonsdorfer
(1871-1946), einer Schwester der Schiffer Anton und
Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer Kirchenstraße 7.
Zweiter Eigner war dessen Sohn Jacob Welsch junior
(1898-1959), verheiratet 1950 mit Barbara geb. Amann
verw. Luxenburger (1909-1969). Nach Jacobs Tod 1959
ging das Schiff über an Barbara und nach deren Tod
1969 an Barbaras Sohn Kurt Luxenburger (1940-2021)
und dessen Ehefrau Silvia geb. Martini (*1948). Das
Schiff wurde 1962 umgerüstet zu einem Motorschiff
und 1972 verschrottet, als die Familie Luxenburger das
Motorschiff Wallhall (ohne a) erwarb.
Über das Schicksal dieses Schiffes und vieler anderer
Schiffe und Schifferfamilien werden wir berichten in ei-
ner großen Druckschrift, die der Verein für Heimatkun-
de im Herbst 2022 herausgeben wird. Dank der mus-
tergültigen Mitarbeit vieler Schifferfamilien in unserem
Raum können wir dann eine umfassende Dokumen-
tation herausgeben über einen ehemals blühenden
Berufszweig, der nach dem Tode des letzten Lisdorfer
Schiffers Kurt Luxenburger in Lisdorf erloschen ist.
Ebenso werden wir im Juli 2022 eine bebilderte Son-
derausgabe des Lisdorfer Heimatblattes herausgeben
zum früheren Güter- und Personennahverkehr im
Raum Saarlouis anlässlich des 125. Jahrestages der
Eröffnung der Kleinbahnstrecke Ensdorf-Lisdorf-Saar-
louis-Wallerfangen am 29. Juli 1897. Auch hier laufen
die redaktionellen Arbeiten mit Hochdruck.
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Nikolaus Lonsdorfer und Elisabeth geb. Werner im Jahre
1936
Die Lonsdorfer-Schifferdynastie
Die Wurzeln der Familie Lonsdorfer lassen sich zurück-
verfolgen bis in die Zeit des Saarlouiser Festungsbaues.
In der Familie gab es nicht nur Schiffer, es waren alle
Berufssparten vertreten, darunter auch der deutsche
Konsul in Kairo Nikolaus Lonsdorfer oder die Stadträtin
Mary Lonsdorfer. Der Stammbaum beginnt mit Mat-
thias Lonsdorfer (*vor 1660, +13.1.1715 Lisdorf) aus
Longstroff in Luxemburg und seiner Ehefrau Margare-
tha Holdinger (*1660 Trier, +1721 Lisdorf). Matthias
kam gegen 1680 zuerst nach Wadgassen und zog nach
der Heirat 1684 zunächst um in die Festung Saarlouis.
Dort war Matthias im Jahr 1707 für ein Jahr gewählter
Bürgermeister. Etwa 1710 zogen sie um nach Lisdorf
und dort erwarb die Familie in der heutigen Schmitt-
straße ein Grundstück. Das Paar hatte 15 Kinder (6
Jungen, 9 Mädchen), aber von den Söhnen erreichte
nur Sohn Johann das Erwachsenenalter.
Sohn Johann Lonsdorfer (1686-1758) verheiratete sich
zweimal, mit Anna Katharina Hoffmann und Katharina
Emanuel. Aus der ersten Ehe entstammte der Sohn
Johann Valentin (*1719), vh 1741 mit Margaretha Maria
Klein, aus der zweiten Ehe mit Katharina entstammte
der Sohn Ludwig Lonsdorfer (* 1747), der sich ins-
gesamt dreimal verheiratete, mit Maria Rupp, Anna
Katharina Theobald und Margaretha Rullang.
Ludwig und Valentin wurden die eigentlichen Stamm-
väter der Schifferfamilien mit dem Namen Lonsdorfer,
deren Vertreter noch heute in unserem Raum, aber
auch in Lothringen und im Elsass, in Deutschland und
Europa, sogar in Australien und in den USA wohnen.
Ludwigs Nachkommen verzweigen sich in zwei Linien,
die aus den beiden ersten Ehen resultieren:
1. Ehe mit Maria Rupp (1745-1778),
2. Ehe mit Anna Katharina Theobald (1750-1790).
Der vollständige Stammbaum der Familie wird später
in unserer geplanten Dokumentation über die Schiff-
fahrt in unserem Raum dargestellt; er ist zu umfang-
reich für diesen Beitrag.
Erstmals aktenkundig wurden die Lonsdorfers bereits
vor über 200 Jahren in einem Protokoll der franzö-
sischen Zollverwaltung in Saarlouis von 1814: laut
Protokoll wurde die Schiffseignerin Witwe Elisabeth
Longstroff mit einer Geldbuße belegt (vermutlich
wegen Schmuggels). Es handelte sich um Maria Elisa-
beth geb. Amann (1774-1856), die Witwe des Schiffers
Johann Lonsdorfer (1768-1805).
Eine weitere Spur in der Lisdorfer Geschichte hinter-
lässt die Familie Lonsdorfer mit dem Schifferkreuz an
der Ecke Groß-/Kirchenstraße, das an der vorderen lin-
ken Ecke des Hauses Großstraße 49 steht. Es wurde laut
Inschrift aus dem Jahr 1866 für verunglückte Schiffs-
leute aus Lisdorf errichtet von dem Lisdorfer Schiffer
Conrad Lonsdorfer (1823-1871) und seiner zweiten
Ehefrau Anna Daub (1828-1906), die er im Jahr 1862
ein Jahr nach dem Tode seiner ersten Ehefrau Margare-
tha Kneip (1816-1861) geheiratet hatte. Nur der untere
Teil des Denkmals ist noch original erhalten. Durch
Kriegseinwirkungen in den Jahren 1944/45 wurde der
obere Teil des Kreuzes zerstört und ist danach wieder
erneuert worden. Der genaue Hintergrund für die Er-
richtung des Denkmals ist unbekannt; Unglücksfälle in
Conrads Familie konnten wir bisher nicht ermitteln.
Die Lisdorfer Schiffer Nikolaus, Anton und Maria
Lonsdorfer begründeten drei Schifferfamilien, die über
drei Generationen Europas Wasserstraßen befuhren.
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6
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Hannelore Salm geb.
Lonsdorfer
Michael Lonsdorfer
(als Soldat in Russ-
land)
Schifferfamilie Lonsdorfer – Salm
Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937), vh. 1896 mit Eli-
sabeth Werner (1875-1960) und Anton Lonsdorfer
(1874-1965), vh. 1898 mit Maria Werner (1877-1963),
begründeten zwei große Schifferfamilien, über die wir
noch berichten werden.
Ihre Schwester Maria Lonsdorfer (1871-1946) war
verheiratet seit 1898 mit dem Schiffer Jacob Welsch
senior (1867-1928) und begründete eine weitere dritte
Schifferfamilie, deren bekanntestes Mitglied Viktor
Welsch (Saargold) war.
Anton erreichte ein hohes Alter, er überlebte seine
Geschwister Maria und Nikolaus um 19 bzw. 28 Jahre.
Alle drei stammten aus der Kirchenstraße 7 in Lisdorf.
Elisabeth und Maria Werner stammten aus Wasserbillig
und waren Schwestern. Ihre Nachfahren Erwin und Jo-
hann Anton Lonsdorfer (Rufname Hans) fuhren bis zum
Sommer 2021 noch zu Schiff. Hans hat inzwischen den
Betrieb eingestellt, sein Schiff verkauft und ist in Rente.
Über das Schicksal des Schiffers Kurt Luxenburger, ein
Stiefsohn des Schiffers Jacob Welsch junior, haben wir
bereits in Ausgabe Nr. 29 berichtet, ebenso in Aus-
gabe Nr. 31 über die Familie des Nikolaus Lonsdorfer
und den Schiffer Klaus Lonsdorfer mit seinem Schiff
Germania. Zwei weitere Mitglieder der Lonsdorfer-
Schifferfamilie haben uns ihr Leben auf einem Binnen-
schiff geschildert. Wir haben es niedergeschrieben und
berichten nun davon.
Anton Lonsdorfer und Maria geb. Werner im Sommer 1963
zur Zeit ihrer Eisernen Hochzeit (65 Jahre); Maria verstarb
drei Monate später
Zur Familie Lonsdorfer gehört auch die Schifferin
Hannelore Salm geb. Lonsdorfer, eine Enkelin der
Lisdorfer Schiffer Anton Lonsdorfer und Maria Werner.
Ihre Eltern waren:
Michael Lonsdorfer (1911-1991,
ein Sohn von Anton Lonsdorfer)
und Johanna Scheuer (1912-
1993, Bild nächste Seite).
Das Paar hatte drei Kinder:
Die Töchter Hannelore und Hei-
demarie und Sohn Hans.
• Tochter Hannelore, Schifferin
(*1939 Malstatt), vh. seit 1964
mit Horst Salm (*1941, Sohn
von Willi Salm und Sophie
Meiers aus Saarburg), wohn-
haft zurzeit in Grosblieder-
stroff.
• Tochter Heidemarie (*1943), vh. 1961 mit Elmar Wei-
des (*1939), lebt aktuell in Saarbrücken, fährt nicht zu
Schiff.
• Sohn Hans (eigentlich Johann Anton, *1953, Schiffer)
und Lebensgefährtin Ute Sparschuh (*1963) fuhren bis
zum Sommer 2021 in Nordwestdeutschland mit dem
Schiff Queen 2 und gingen dann in Völklingen in den
Ruhestand.
Michael Lonsdorfer im Jahr 1966 mit Enkelin Elisabeth Weides
vh. Scholz und Enkel Horst Michael Salm auf dem Arm, dahinter
stehend Johanna, rechts daneben Heidemarie vh. Weides und
Hannelore vh. Salm
7
7
7
7
7
7
7
Von der Schifferin Hannelore Lonsdorfer liegt uns ein
Bericht vor über ihr mehr als ein halbes Jahrhundert
währendes Leben (1953-2009) auf Binnenschiffen, den
wir nun wiedergeben:
Ihre Kindheit verbrachte sie bis
zum August 1940 in der Evakuie-
rung in Thüringen. Nach der Rück-
kehr gingen Johanna und ihre
Tochter Hannelore zu ihren Groß-
eltern Johann Scheuer und Jose-
fine geb. Acker auf die MS Aetna.
Bis nach der Geburt der Schwester
Heidemarie 1943 verblieben sie
auf dem Schiff, danach gingen sie
an Land, da wegen der zunehmen-
den Luftangriffe der Aufenthalt
auf Schiffen immer gefährlicher
wurde. Im Jahr 1944 folgte die
zweite Evakuierung in den
Raum Kassel, 1945 die
Rückkehr. Auch Vater Mi-
chael wurde bereits 1945
aus russischer Gefangen-
schaft entlassen. Die Fami-
lie wagte nach dem Krieg
einen Neuanfang mit den
Schleppschiffen Lioba und
dem Holz-Schleppschiff
Hansi und zuletzt mit dem
Schiff Caritas, bis Michael
und Johanna in Rente
gingen.
Ihre Schulzeit verbrachte Hannelore zusammen mit
vielen anderen Schifferkindern aus der Verwandt-
schaft in St. Arnual. Sie waren untergebracht bei den
Großeltern Johann und Josefine Scheuer und nicht in
einem Kinderheim. Nach der Schulentlassung 1953
ging sie auf das Schiff ihrer Eltern, damals die Hansi,
und lernte dort die ersten Grundzüge des Schiffer-
handwerks. Später, um 1956, erwarben die Eltern das
Schiff Caritas, das vorher bereits den Schiffern Karl
Momper und Friedrich Lück gehört hatte. Sie fuhr
noch mit ihren Eltern auf der Caritas, zeitweise noch
mit Cousine Wilma Scheuer. 1959 ging sie wieder an
Land zu den Großeltern.
Im Jahr 1964 heiratete sie den Schiffer Horst Salm aus
Saarburg, Sohn der Schiffer Wilhelm Salm und Sophie
Meiers aus Saarburg, und ging als Schifferin auf das
Schiff Mignon. Hannelore erwarb insgesamt sechs
Patente für Holland/Belgien, Frankreich, Deutschland,
Mittellandkanal, Mosel und Grand Canal d'Alsace, alles
abgeschlossen durch einen Erste-Hilfe-Lehrgang und
Mit Mutter Johanna
1940
Großeltern Johann Scheuer
und Josefine geb. Acker
die Funkprüfung in Frank-
reich. Damit war sie zur
Führung von Motorschiffen
unbeschränkt berechtigt
und sie steuerte selbst
Schiffe. Im Jahr 1966 wurde
Sohn Horst Michael gebo-
ren; er absolvierte eine voll-
ständige Ausbildung auf
der Schifferschule und fuhr
noch zwei Jahre auf der Mi-
gnon mit, dann orientierte
er sich jedoch anders und
ging zu den Stadtwerken
Saarbrücken.
Hannelore und Horst fuhren zuerst die Mignon (Bild
oben), die 1924 auf der Werft der Gebrüder Saar in
Rockershausen für die Schifferfamilie Werner aus
Saarburg gebaut worden war. Später kaufte Horsts
Vater Willi das Schleppschiff. Im Jahr 1964, nach der
Eheschließung, gingen die Eltern an Land und Horst
und Hannelore übernahmen das Schiff. Im ersten
Halbjahr 1965, direkt nach der Alda (erster Eigner
Adolf Welsch aus Lisdorf, +1944) unter ihrem damali-
gen Eigner Klaus Schramm, wurde das Schiff auf der
Werft Leffer in Luisenthal mit einem Kostenaufwand
von 40.000 DM modernisiert und motorisiert mit
einem Henschel-Dieselmotor mit 230 PS und Vier-
flügel-Propeller. Zusätzlich wurde der Laderaum um
30 cm erhöht. Mit den Abmessungen 39 x 5 Meter
stieg die Transportkapazität auf 250 Tonnen bei 1,80
Metern Tiefgang, bzw. 325 Tonnen bei 2,20 Metern.
Hannelore im Steuerstand
der Mignon
8
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Später erhielt die Mignon noch eine neue Schiffswoh-
nung hinter dem Laderaum,„Roof“ genannt. Bei neun
Metern Länge war die Wohnung 45 m² groß, hatte zwei
Schlafräume, ein Wohnzimmer, Küche und Bad mit WC
und auf jeder Seite drei Fenster.
Im Jahr 2000 wurde die Mignon nach Straßburg ver-
kauft, wo sie heute als Wohnschiff am Rheinufer vor
der Antwerpener Brücke liegt.
Horst und Hannelore, damals fast 60 Jahre alt, erwar-
ben kein neues Schiff mehr, sondern fuhren von 2000
bis 2009 als Setzschiffer die Fortuna.
Die Fortuna gehörte vorher Nikolaus Scheuer (1915-
1978) bis zu seinem Tode und wurde dann verkauft an
die Werft Wirotius in Hanweiler. Dort liegt die Fortuna
heute auf der Saar vor Anker
Im Jahr 2009 gingen Horst und Hannelore in Rente, Han-
nelore war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt.
Wie für viele andere Schiffer hatte auch für sie das
Schifferleben nicht nur schöne Seiten. Das unbere-
chenbare Wetter, Pech oder Unglück setzen den Schif-
fern bisweilen erheblich zu:
Strenger Frost hielt die Mignon öfter im Eis fest und
sorgte für Verdienstausfall.
Eine Kollision in Paris 1965/66 brachte einen langen
Aufenthalt auf der Werft und auch ein Defizit in der
Kasse.
Blick ins Wohnzim-
mer der Mignon,
ca. 1978
Sohn Horst Michael Salm, daneben Schulfreund Patrick
Buch auf der Mignon
MS-Fortuna; rechts auf dem Gangbord der daneben lie-
genden Queen 2 geht Nichte Elisabeth Weides
9
9
An der gefährlichen Stelle in Paris kam nicht nur die
Mignon zu Schaden. Heute ist diese Stelle entschärft
durch eine Verkehrsregelung und auch dank Bordfunk.
Ihr Bruder Hans Lonsdorfer musste mit der Caritas
durch die Mignon freigeschleppt und zur Werft in Vitry-
le-François gezogen werden, nachdem er in der Marne
auf Grund geraten war (Bild links).
Die Mignon nahm die voll beladene Caritas in Schlepp.
Die Mignon war stärker motorisiert und so konnten
beide Schiffe eine höhere Geschwindigkeit fahren (Bild
unten).
An die Zeit der Treidelschiffe erinnert das obige Gemälde:
Es zeigt Michael Lonsdorfer als Halfen (Pferdeführer) mit zwei Pferden und der Caritas als Treidelschiff im
Schlepp vor der Alten Brücke am Saarbrücker Schloss. Der Name des Schiffes ist am Bug deutlich zu erken-
nen. Maler und Datierung sind nicht mehr bekannt, das Bild ist im Eigentum von Hannelore Salm.
10
Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen
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Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen
Zur Familie der Lonsdorfers gehört die ehemalige
Berufsschifferin Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer. Sie ist
eine Enkelin der Lisdorfer Schiffer Nikolaus Lonsdorfer/
Elisabeth Werner aus der Kir-
chenstraße und eine Tochter
deren Sohnes Adolf (*1901 St.
Johann, +1977 Datteln/West-
falen). Er war seit 1933 ver-
heiratet mit Julia Pets (*1913
Dendermonde-Appels/Bel-
gisch-Flandern, +2003), der
Tochter des Schiffers Petrus
Pets aus Antwerpen und Ehe-
frau Rosalia Natalia Romijns.
Petrus war Kapitän eines
Bugsierschleppers und später
selbst Schiffseigner. 15 Jahre
nach Ende des 1. Weltkrieges
musste Julia wegen ihrer Ehe
mit einem Deutschen viel
ertragen.
Adolf und Julia hatten drei Kinder:
• Alfred, *1934 in Zelzaete (Belgien, Kanal Gent-Terneu-
zen), +2001,
• Irmgard, *1939 in Datteln, 1961, vh. Hausen, lebt aktu-
ell in Koblenz (siehe Heimatblatt Nr. 31),
• Peter, *1954 in Dendermonde, in Rente 2019, lebt in
Brake an der Weser.
Die Eltern fuhren mehrere Schiffe, darunter die Asca-
nia Nr. 1, ein Schiff aus Belgien. Der Vater fuhr damit
vorwiegend in Frankreich, Belgien und Deutschland.
Wie die meisten anderen Binnenschiffe im besetzten
Europa wurde auch die Ascania 1940 in Duisburg-Ruhr-
ort konfisziert. Die Kriegsmarine überführte sie nach
Norwegen, wo sie als Versorgungsschiff fuhr. Das Schiff
war bei Kriegsende noch intakt, es wurde in Norwe-
gen beschlagnahmt und als Kriegsbeute nach Belgien
überführt; das Schiff war damit für die Familie verloren.
Irmgard berichtet dazu:„Ich verbrachte meine frühe
Kindheit in Duisburg-Ruhrort, wo die Mutter einquar-
tiert wurde, nachdem das Schiff beschlagnahmt und
Vater Adolf zum Militär eingezogen worden war. Im
weiteren Verlauf des Krieges verbrachten wir wegen
der häufigen Bombardierungen viel Zeit im Luft-
schutzbunker. Später, nach Rückkehr des Vaters aus
dem Krieg, fuhr die Familie auf etlichen Schiffen zur
Aushilfe, bis mein Vater das Schiff Ilse als Schiffsführer
übernahm.
Auf diesem
Schiff fuhren
wir bis 1954
hauptsäch-
lich auf dem
Rhein, mit
Bims aus An-
dernach auf
Neckar und
Oberrhein.
Von 1947 bis 1954 war ich im Schifferkinderheim„Luisen-
Stephanien-Stiftung“ in Mannheim und verbrachte dort
die Schulzeit. 1954 übernahmen meine Eltern das Schiff
der Schwiegereltern, die MS Ster, wo ich mit meinen
beiden Brüdern an Bord war bis zum Jahr 1957.
Ich erhielt in
Duisburg eine
Arbeitsstelle
und ging an
Land. Doch
das Land-
leben war
nicht meins,
es zog mich
Adolf Lonsdorfer und
Julia geb. Pets
Peter Lonsdorfer
Treidelschiff Ilse 1950
Alfred, Julia Lonsdorfer geb. Pets,
Irmgard Hausen, im Jahr 1989
MS Ster, im Bild vorne
Rosalia Romijns und Petrus Pets
11
11
immer wieder
zurück zum Was-
ser, zunächst also
wieder zurück auf
die Ster. Meine
Eltern und Brüder
fuhren weiter auf
der Ster, danach
noch auf den Schiffen Ascania Nr. 2 und Ascania Nr.
3 bis zur Betriebseinstellung.
Ich selbst
heiratete
im Oktober
1961 den
Saarburger
Schiffer Erich
Hausen,
verließ die
Ster und kam
als Schifferin
auf die Eros, ein 50 x 6,60 Meter großes 500-Tonnen-
Motorschiff, das ursprünglich im Jahr 1929 als
Schleppschiff St. Joseph in Ramsdonkveer (NL) als
Kempenaar-Schiff (Schiffe mit speziellen Abmes-
sungen für die Kanäle im niederländisch-belgischen
Grenzgebiet) vom Stapel gelaufen war. Das Schiff
hatte mein Schwiegervater Friedrich Hausen im Jahr
1957 gekauft und es erhielt den Namen Eros. Später
übernahm es sein Sohn Erich Hausen als selbstständi-
ger Schiffer.
1961 wurde das Schiff in Gendt (bei Lobith nahe
Arnheim) auf 58 Meter verlängert und neu motorisiert
mit einem Deutz-Schiffsdiesel mit 435 PS, die Ladeka-
pazität stieg auf 580 Tonnen.
In der Wohnung auf dem Schiff war alles Notwendi-
ge vorhanden:
Wohnzimmer,
Schlafkammer,
Bad und WC und
eine schmale
Küche. Das Essen
wurde auf einem
Kochherd für
Holz oder Kohle
zubereitet (man
Dieselmotor Hilfsaggregat und die Druck-
luftbehälter (blaue Tanks)
beachte das Kaminrohr am Herd).
Irmgard Hausen berichtet weiter:
„Wir, also mein Erich (Bild links)
und ich (Bild rechts
unten), wir fuhren
für die Reederei
Lehnkering Montan
Transport AG und
transportierten
Kohle von Herne nach Peine.
Zurück fuhren wir mit Stahl,
Spundbohlen usw. von Peine
oder Salzgitter auf den Main,
den Neckar oder nach Hol-
land oder Belgien und von
dort mit Kies oder Futtermit-
teln zurück. Auch befuhren
wir die Mosel und später die Großschiff-
fahrtsstraße Saar, über die wir Metallschrott
zum Hafen Dillingen/Saarlouis transportier-
ten. Eigentlich haben wir alles transportiert,
egal wohin.
Die letzten Jahre transportierten wir fast nur noch
Schwerspat (Mineral des
Metallsalzes Bariumsulfat)
aus der Schwerspatgrube
Sachtleben in Dreislar
(Westerwald) von Dort-
mund nach Duisburg-
Homberg zur Firma Sacht-
leben Chemie GmbH.
Wir mussten auch erfah-
ren, dass das Schifferle-
ben nicht nur schöne Sei-
ten hat: mehrmals lagen
wir in kalten Wintern im
Eis fest oder das Schiff erlitt Schäden durch Kollisio-
nen mit anderen Schiffen, die sich bedingt durch die
langen Bremswege der Schiffe nicht ganz vermeiden
lassen. Wir hatten einen Schaden am Bug auf dem
Rhein bei Leverkusen oder im Jahr 1980 ein verbeul-
tes Heck, nachdem uns ein Frachter hinten aufge-
fahren war. Die notwendigen Reparaturen auf der
Werft bedeuteten einen Verdienstausfall, den niemand
ersetzte. Auch haben die Schiffer Respekt vor dem
Erich Hausen
Irmgard
Hausen
Im Winter 1992 in Wanne-
Eickel
12
unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und
Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr
1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland.
Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das
Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das
Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu
dieser Zeit bereits auf der
Eros und erfuhr davon erst
hinterher.
1992 war für Erich und mich
die Schifffahrt zu Ende. Die
Eros wurde verkauft und
fuhr unter ihrem neuen
Besitzer als MS Steinbeißer
weiter. Wir setzten uns in
Koblenz zur Ruhe und kauf-
ten ein Haus in Koblenz-
Güls. In dieser Zeit lernte
ich auch endlich meinen
Cousin Klaus Lonsdorfer
und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema-
ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der
Saarschifffahrt näher.
Mein Bruder Alfred blieb ledig
und starb 2001. Mein Bruder
Peter fuhr noch weiter zu
Schiff mit der Ascania, zuletzt
die dritte dieses Namens in
unserer Familie, und ging im
Jahr 2019 in Rente. Das Schiff
wurde verkauft nach Holland
und dann nach Serbien.
Peter Lonsdorfer heiratete
seine langjährige Lebensge-
fährtin Maria Darian (*1954)
und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder.
Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90
Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64.
Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit-
we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann
Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls,
dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh-
nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks.
Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine
Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein
Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus
Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan-
gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste
Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt.
UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und
so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen-
Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende.
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unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und
Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr
1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland.
Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das
Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das
Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu
dieser Zeit bereits auf der
Eros und erfuhr davon erst
hinterher.
1992 war für Erich und mich
die Schifffahrt zu Ende. Die
Eros wurde verkauft und
fuhr unter ihrem neuen
Besitzer als MS Steinbeißer
weiter. Wir setzten uns in
Koblenz zur Ruhe und kauf-
ten ein Haus in Koblenz-
Güls. In dieser Zeit lernte
ich auch endlich meinen
Cousin Klaus Lonsdorfer
und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema-
ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der
Saarschifffahrt näher.
Mein Bruder Alfred blieb ledig
und starb 2001. Mein Bruder
Peter fuhr noch weiter zu
Schiff mit der Ascania, zuletzt
die dritte dieses Namens in
unserer Familie, und ging im
Jahr 2019 in Rente. Das Schiff
wurde verkauft nach Holland
und dann nach Serbien.
Peter Lonsdorfer heiratete
seine langjährige Lebensge-
fährtin Maria Darian (*1954)
und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder.
Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90
Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64.
Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit-
we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann
Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls,
dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh-
nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks.
Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine
Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein
Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus
Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan-
gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste
Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt.
UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und
so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen-
Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende.
MS Steinbeißer
Peter Lonsdorfer und
Maria Darian
Zusammen mit dem bekannten Heimatkundler Ger-
not Karge und Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Professor der
Medizin an der Universität Straßburg, sowie dessen
Bruder André, beide Großneffen von Mary Lonsdorfer,
erforschten wir im Oktober 1995 unseren Stammbaum,
beginnend mit unserem Ahnen Matthias aus dem
luxemburgischen Longstroff bis zu meinen Großeltern
Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937) aus der Lisdorfer
Kirchenstraße und seiner Frau Elisabeth, geb. Werner
(1875-1960) aus Wasserbillig.
Ich grüße herzlichst alle Lisdorfer Leser dieser Schrift in
der Heimat meines Großvaters Nikolaus, die ich bedingt
durch das Leben auf einem Binnenschiff noch nicht oft
kennenlernen konnte. Nach 1995 kam es erstmals im
Sommer 2020 zu einer kurzen Stippvisite in Lisdorf an-
lässlich eines Besuches am Baumgrab meiner Verwand-
ten Klaus & Maria Lonsdorfer im Friedwald Saarbrücken.
Auch konnte ich noch den letzten Lisdorfer Schiffer Kurt
Luxenburger (+2021) kennenlernen, der mir vorher noch
nie begegnet war.“ Soweit der Bereicht von Irmgard
Hausen.
Zu einem großen Wie-
dersehen kam es am 6.
August 2021. Ein Redak-
tionsteam des Vereins
besuchte in Offendorf
(Elsass) das Musée de la
Batellerie (Museumsschiff
CABRO) des Vereins Cer-
cle amical des Bateliers
reunis d'Offendorf (Prä-
sident Raymond Fried-
mann). Hier kann man
ein altes Binnenschiff von
innen besichtigen und
sich ein Bild machen vom
Besuch im Kreisarchiv Saarlouis am 9. Oktober 1995,
von links nach rechts: Schiffer Klaus Lonsdorfer, Schiffer
Joseph Gless (*1942) aus Offendorf, Irmgard Hausen,
geb. Lonsdorfer, Maria Lonsdorfer, geb. Lordt, Prof. Dr.
Jean Lonsdorfer (*1939), Gernot Karge, André Lonsdorfer
(*1943, Ingenieur, USA, Bruder von Jean Lonsdorfer), Lau-
rent Lonsdorfer (*1966) Arzt, Sohn von Jean Lonsdorfer
Museumsschiff CABRO
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Leben der Berufsschiffer frühererTage. Schiffswohnung
und Motorraum sind im Originalzustand erhalten und
im Laderaum des Schiffes ist ein Schifffahrtsmuseum
eingerichtet.
Ein großartiger Empfang wurde uns dort bereitet durch
die Mannschaft der CABRO und die Gemeinde Offendorf.
Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Gelegenheit zum
Studium der Schifffahrt wurde gerne genutzt.
Hannelore und Irmgard sind doppelte Cousinen zweiten
Grades. Großväter von Hannelore und Irmgard waren die
Brüder Anton und Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer
Kirchenstraße, Großmütter waren die beiden Schwestern
Maria und Elisabeth Werner, beide aus Wasserbillig stam-
mend. Die Schifffahrt mit ihren wechselnden Routen
brachte es mit sich, dass sie sich vorher nie begegnet
waren, eine familiäre Eigenheit, die alle Schifferfamilien
kennen. Oft treffen sich Schiffer aus einer Familie nie
oder zufällig fern der Heimat oder aus wichtigem famili-
ärem Anlass.
Der Großvater von Jean war der Lisdorfer Schiffer Johann
Lonsdorfer (1871-1932), der jüngste Bruder von Johann
Adam Lonsdorfer (Gründer der Kohlenhandlung in der
Lisdorfer Provinzialstraße und Vater von Mary Lonsdor-
fer). Johann verheiratete sich im Jahre 1900 nach Saar-
burg im damals deutschen Lothringen und eröffnete
dort ebenfalls eine Kohlenhandlung. Über den Zweig
der Familie Lonsdorfer im Elsass werden wir später noch
gesondert berichten.
Von links : Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Präsident Raymond
Friedmann, Denis Hommel (Bürgermeister von Offendorf),
Paul Gless (ehemaliger Berufsschiffer), Harald Weiler
(Verein für Heimatkunde Lisdorf), Willi Salm (ehemaliger
Berufsschiffer, Saarburg/Speyer)
Die Lonsdorfers, von links: Hannelore Salm, geb. Lonsdor-
fer, Mireille und Prof. Jean Lonsdorfer, Irmgard Hausen,
geb. Lonsdorfer
Die Angaben zu diesem Bericht wurden zusammengetra-
gen von
• Harald Weiler, Vorstandsmitglied des Vereins für Heimat-
kunde Lisdorf,
• Irmgard Hausen, geb. Lonsdorfer (Koblenz), ehemalige
Berufsschifferin, Enkelin der Schiffer Nikolaus Lonsdorfer
und Elisabeth Werner,
• Hannelore Salm, geb. Lonsdorfer (Grosbliederstroff),
ehemalige Berufsschifferin,
Enkelin der Schiffer Anton
Lonsdorfer und Maria Werner,
• Prof. Dr. Jean Lonsdorfer
(Schiltigheim bei Straßburg),
• Brunhilde, geb. Weiten und
Herbert Primm. Herbert war der
letzte Vorsitzende des Verban-
des der Saarschiffer Unitas e. V.
(St. Wendel).
Herbert Primm und
Brunhilde, geb. Weiten
14
14
Heiner Groß aus
Saarlouis-Lisdorf ist
seit dem 01.01.1981
treues Mitglied beim
Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge
e.V. Da er bereits öfter
mit dem Landesver-
band Saar Kontakt
hatte, überreichte der
Landesvorsitzende
Werner Hillen ihm die
Urkunde zu 40 Jahre
Mitgliedschaft persön-
lich.
Beim Gespräch im
Wohnzimmer erzählt
Groß von seinem Vater,
der seit dem Zweiten Weltkrieg in Russland vermisst
wird. Bis heute hat der Lisdorfer die Hoffnung, dass der
Volksbund ihn findet und ihm eine letzte Ruhestätte
gibt. Vor einigen Jahren war Groß mit dem Heimatkun-
deverein Lisdorf, dessen Ehrenvorsitzender er ist, unter
Leitung des LV Saar auf den Schlachtfeldern von Ver-
dun. Die Eindrücke dieser Fahrt begleiten ihn bis heute.
Er findet: Der Frieden ist nicht selbstverständlich und
muss wertgeschätzt und täglich neu verteidigt werden.
Gerne ist Heiner Groß auch Gast bei den jährlichen
Veranstaltungen im Saarländischen Staatstheater, die
speziell für den Volksbund ausgerichtet werden. Diese
gemeinsame Treffen der Mitglieder des VDK schätzt
er sehr und motiviert dazu auch seine Mitglieder vom
Heimatkundeverein.
Mit seiner Mitgliedschaft unterstützt Heiner Groß einen
gemeinnützigen Verein, der Jugendliche sowohl durch
die Pflege von Kriegsgräbern als auch durch friedenspä-
dagogische Bildungsarbeit an historische Themen
heranführt. Wer sich mit dem Schicksal eines einzelnen
Kriegstoten beschäftigt, wird sich erst über die Ausmaße
kriegerischer Auseinandersetzungen bewusst. Jugendli-
che sollen dafür sensibilisiert werden, um sich im Heute
und Morgen aktiv für Frieden einzusetzen.
Der Volksbund dankt Heiner Groß herzlich für seine
Treue und freut sich über jedes neue Mitglied. Mehr In-
fos unter www.volksbund.de/mitgliedschaft/mitglied-
werden .
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
wurde 1919 gegründet und ist seitdem im Auftrag
der Bundesregierung für die Suche und Identifizie-
rung von deutschen Kriegstoten im Ausland sowie für
deren würdige Bestattung und den Erhalt ihrer Gräber
zuständig. Seit seiner Gründung hat er in 46 Ländern
832 Kriegsgräberstätten mit knapp 2,8 Mio. Gräbern
errichtet. Die Landesverbände im Inland organisieren
u.a. die Haus- und Straßensammlung, Friedens- und
Jugendprojekte und die Gedenkstunde am Volkstrau-
ertag. Zudem sind sie Ansprechpartner für Mitglieder
und Angehörige und unterstützen die Kommunen in
der Kriegsgräberfürsorge. Der gemeinnützige Verein
finanziert seine Arbeit zu 70 % aus privaten Geldern
und ist daher auf Mitglieds- und Spendenbeiträge
angewiesen.
Text: Amélie Zemlin-Kohlberger
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Urkundenvergabe für 40 Jahre
Mitgliedschaft beim Volksbund
Werner Hillen überreicht die Urkunde an Heiner Groß
Von August Balthasar
Das letzte Haus auf der rech-
ten Straßenseite war das
Haus des Johann Risler; das
Haus wurde im November/
Dezember 1944 von der deut-
schen Artillerie von Ensdorf
aus beschossen und zerstört.
Danach wurde das Haus von
den Nachkommen Franz
Konstroffer und Maria geb.
Risler wieder neu aufgebaut.
Es waren die Eltern von Franz-
Josef Konstroffer (+), der ver-
heiratet war mit Marie-Rose,
geb. Rohe. Marie-Rose und ihr
Sohn Sascha bewohnen das
Haus heute.
Johann Risler war Glasbläsermeister auf der Glashütte
in Wadgassen. Seine beiden Brüder Lorenz und Nickel
waren auch dort beschäftigt. Der Nickel ist noch mit
über 70 Jahren zu Fuß jeden Tag zu seiner Arbeitsstelle
nach Wadgassen gegangen und wurde für sein lebens-
langes Arbeiten dafür betrieblich besonders geehrt.
Auch in der Tageszeitung jener Tage war das nach-
zulesen. Gerne und oft haben sie die nachfolgende
Geschichte aus ihrem Leben erzählt und waren darauf
auch sehr stolz gewesen:
„Wir drei“, so sagten sie des Öfteren,„wir sind jeder für
sich zu Fuß schon ein paarmal um die Welt gelaaf (um
die Welt gelaufen)“. Die Leute im Dorf haben darüber
gelacht und geschmunzelt und niemand konnte das
so recht glauben, doch es hat wirklich gestimmt. Der
einfache Weg zu Fuß zur Arbeit von Lisdorf - Saarstraße
bis nach Wadgassen zur Glashütte beträgt ca. 6 km, das
sind 12 km je Arbeitstag, 72 km bei 6 Arbeitstagen in
der Woche. Zu ihrer Zeit vor dem 1. Weltkrieg betrug
die tägliche Arbeitszeit noch bis zu 16 Stunden je Tag
bei 6 Tagen in der Woche. Urlaub und Freizeit waren
zu dieser Zeit noch ein Fremdwort, die gab es einfach
noch nicht. Bei 51 Wochen im Jahr waren das 51x72 =
3.672 km in einem Jahr, also etwa 40.000 km (!) in elf
Jahren. Nach elf Jahren zu Fuß nach Wadgassen haben
sie also praktisch von der Wegstrecke her die Erde ein-
mal umrundet. Das haben sie zwei, drei oder vier Jahr-
zehnte gemacht und also tatsächlich die Strecke von
mehreren Erdumrundungen zurückgelegt. Später kam
dann zuerst die Eisenbahn, dann die Straßenbahn, aber
viele Arbeiter und einfache Leute konnten mangels
Geld diese Transportmittel nicht nutzen. Sie mussten,
wie man sagte,„auf Schusters Rappen“, also zu Fuß mit
abgelaufenen, ausgelatschten Schuhen, den Weg zu
ihrer Arbeit zurücklegen, von Lisdorf zum Beispiel zum
Röhrenwerk in Bous, zum Eisenwerk in Fürstenhausen,
nach Geislautern oder Dillingen, zu den Kohlegruben
nach Griesborn, Schwalbach oder Ensdorf.
Adolf Risler war der Onkel von Lorenz Risler und Bruder
Johann Risler mit Enkel Franz-Josef Konstroffer, wie
bereits in Hematblatt Nr. 31/2021 berichtet, dem späte-
ren Betreiber der Greifvogelstation„Em Ecken“.
Seinen alten Gasthof gegenüber Haus Saarstraße
30 hat er sodann an seinen Sohn, den Nicolas Risler,
genannt„da Riesennickel“, vermietet, der auch danach
das Haus von seinem Vater kaufte.
Adam Risler, genannt„da Wurscht-Adam“, ist mit 67
Jahren an einem Herzinfarkt am 15.01.1913 verstorben,
wie schon von mir im Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet.
Die Rislers selbst hatten auch einen Nachen, einen
Johann Risler,
der Glasbläser-Meister zu Lisdorf
Saarstraße Haus Nr. 38
Johann Risler
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Lorenz Risler, Bruder
Johann Risler mit Enkel
Franz-Josef Konstroffer
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Kahn, den größere Schiffe hinter sich herzogen. Diese
nannte man in Lisdorf„Anhängsel“. Es war ein rund-
bauchiger Holzkahn, der auch zum Fischfang benutzt
wurde.
Nach jedem Krieg wurde es dann immer besser, haben
die Alten gesagt. Nach dem 1. Weltkrieg kam der
12-Stunden-Arbeitstag an 6 Tagen in der Woche. Es
waren jene Zeiten, als die Lisdorfer Fabrikarbeiter sich
zu Fuß auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle machten, mit
ihren„Essen-Dibba“ (Essensbehälter) in der einen Hand
und dem Flachmann in der kleinen Brusttasche.
Frühmorgens machten sie sich auf den Weg und
wurden auch oft zu dieser Zeit von Lisdorfer Bauern
belächelt. Johann Risler war nicht nur Glasbläser auf
der Glashütte in Wadgassen, sondern auch Angehö-
riger einer alteingesessenen Fischerfamilie mit eige-
nem Kahn. Das geht hervor aus einer Festschrift des
Angelsportvereins e.V. Saarlouis-Lisdorf vom 30./31.
Mai 1970. Man konnte vom Verein besonders in den
Jahren 1905–1915 auch Erlaubnisscheine zum Fischen
mit Netzen und zum Fischfang mit Angeln auf der Saar
gegen Zahlung einer bestimmten Summe erwerben.
Ein hervorragender Kenner dieser Arten des Fischfangs
war Jean Port mit seinen Söhnen, die den Fischfang
berufsmäßig betrieben.
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Geschichten um den
Gasthof Adam Adolf Risler zu Lisdorf
Fährgasse Haus Nr. 30, Em Ecken
Erzählt von Katharina Balthasar geb. Welsch (Mutter war
geborene Kneip, *18.8.1907, +29.5.1998), wohnhaft von
Geburt an bis 1985 in der Saarstr. 33, danach bis zum
Tode bei ihrem Sohn August (II. Gartenreihe), aufgeschrie-
ben, ergänzt und erweitert von Sohn August Balthasar,
Saarlouis.
Katharina berichtet über den Gasthof Risler:
Schon vor 1900, schon lange vor der Jahrhundertwen-
de, gab es den alten Gasthof Risler. Der zweite Inhaber
war Adam Adolf Risler (1846-1913) aus Lisdorf. Der
erste Inhaber war sein Großvater, der Johann Philipp
Risler, geboren 1758, und der kam von Mühlhausen aus
dem Elsass nach Lisdorf. Diese Wirtschaft war damals
ein sehr gut gehendes Lokal,„enn richtich Goldgrouf".
Jetzt ist dieses Haus in der Saarstr. Nr. 30 bewohnt von
der Familie Rupp.
In jedem Gasthaus stand früher ein Bett zum Übernach-
ten. Das war damals so üblich. Auch meine Großmutter
„Edd rot Hannesen Maarie“ hatte schon mal ein Bett
zum Übernachten eines Gastes von gegenüber vom
Gasthof Adam Adolf Risler freigemacht. Den alten Adam
Adolf Risler, genannt der„Wurscht-Adam“, habe ich noch
gut gekannt, sagte mir meine Mutter Katharina. Der
Spitzname rührte daher, dass er als Gastwirt selbst Wurst
gemacht hat. Den alten Risler-Wirt sehe ich heute noch
vor seiner Wirtschaft, auf einem leeren Bierfass mit einer
Bierflasche in der Hand sitzen. Er hat uns Kinder„gäa
unn oft vaäppelt“ (gerne und oft gefoppt).
Etwa zwischen 1900 und 1910 hatte zur Saar hin gleich
neben unserem Haus in Lisdorf, Fährgasse Nr. 33, Adam
Adolf Risler das Grundstück mit eingezäumten Bretter-
Zaun, die schwarzen Planken genannt,„foor en Appel
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17
17
Johann Kneip, *8.8.1840
- 2. Ehe 1872 mit Maria
Luxenburger („Edd rot
Hannesen Maarie“)
unn enn Ai abkaaf“ vom
„versoffenen Dräger“; So
hieß dieser Mann, der hin-
ter unserem Haus wohnte.
Auf diesem Grundstück
hat er sich den neuen,
zweistöckigen Gasthof
Risler erbaut, jetzt Haus
Nr. 35. Der neue Gasthof
Risler lag genau gegenüber
dem alten auf der anderen
Straßenseite. Später hat sich
Adam Adolf mit Duldung
meiner Großmutter,„der rot
Hannesen Maarie“, erneut
durch einen zweistöckigen Anbau, die Gast- und Spei-
seräume vergrößert. Der Anbau war direkt auf unsere
Grundstückgrenze gesetzt.
Den alten Gasthof hat er seinem Sohn Nikolaus zu-
nächst zum Wohnen vermietet, später an Nikolaus
verkauft.
In diesem neuen Gasthof Risler wurden auch erstmals
frisch gefangene Fische aus der Saar aufgetischt: Karp-
fen, Hechte, Rotaugen, Döbel, Barsche, sogar Aale und
Salme und auch geräucherter Fisch kamen auf die Tel-
ler. Im alten Gasthof gegenüber gab es das noch nicht.
Die Offiziere der Garnisonsstadt Saarlouis gingen mit
ihren Frauen oder weiblichen Bekanntschaften auch
oft zum Fisch-Essen dorthin.
Damals waren die Inhaber des Fischereirechtes in der
Saar der Gastwirt Adam Adolf Risler und sein Schwa-
ger, der Schiffer Johann Adam Lonsdorfer, genannt„da
Deddachin“. Der war der Vater von Mary Lonsdorfer
und Gründer der Kohlen- und Baustoffhandlung, und
beide waren Mitglied im Angelsportverein.
Adam Adolf Rislers Ehefrau war Anna geb. Lonsdorfer
(1858-1908), eine Schwester von Johann Adam. An den
damaligen Fischreichtum in der Saar erinnert eine Zeile
aus dem Saarlied von Professor Jakob Ecker, vertont
vom 30er-Regimentskapellmeister Adolph Reckzeh:
„Die Saar, so silberhell und klar....“.
Für uns Buben, so erzählt vom Glasbläsermeister Johann
Risler, bestand unser Angelgerät aus einer Bohnenstan-
ge sowie weißem Zwirn und einer als Haken zurecht-
gebogenen Stecknadel, die sie sich bei meiner Mutter
besorgten, der Näherin Katharina Welsch geb. Kneip.
In 1. Ehe war Adam Adolf Risler verheiratet mit Ka-
tharina Rupp aus Neuforweiler. Sie hatte ihm vom 22.
bis zum 35. Lebensjahr insgesamt 10 Kinder zur Welt
gebracht; 8 davon sind nicht älter geworden als 1 Jahr.
17 Tage nach der Geburt des letzten Kindes, es war Ka-
tharina, ist die Mutter selbst verstorben am 11.02.1887.
Maria und Katharina, die beiden Töchter, haben die
Kinderjahre überlebt und sind groß geworden. Kathari-
na hat den Lehrer Glabus, er war Schullehrer in Lisdorf,
geheiratet. Bei ihm ging ich in die Schule. Er war unser
Klassenlehrer.
Die 2. Ehe:
Ein paar Monate später, am 02.05.1887, heiratete der
Risler Adam die Lonsdorfer Anna aus Lisdorf. Die Nach-
kommen aus dieser Ehe waren die Anna, der Johann
Adam Adolf, die Johanna Angelika Aline, die Katharina
Franziska und der Ludwig Philipp. Er ist nicht mehr aus
dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt und gilt als vermisst.
Der Adolf hat in Saarlouis zunächst Drogerist-Apo-
theker gelernt und in Saarbrücken später eine eigene
Apotheke eröffnet. Aline war mit einem Rechts- oder
Gerichtsbeamten verheiratet.
Versteigerung:
Nach dem Tod von Adam Adolf Risler 1913 kam es zu
Erbstreitigkeiten unter den Geschwistern. Es gab keine
Übereinstimmung. Der Gasthof Adam Adolf Risler,
Fährgasse 35, wurde versteigert und Lorenz Kneip,
der Bruder meiner Mutter Katharina Welsch-Kneip
(*5.12.1876, +28.1.1965), hat ihn ersteigert.
Lorenz Kneip war nun Eigentümer des Gasthofs Risler
geworden. In dieser Zeit wollte der Lorenz auch unser
Haus, das Haus meiner Großmutter („edd rot Hannesen
Maarie“, Haus Nr. 33) kaufen, um damit seinen Gasthof
erweitern zu können. Aber sie hat das nicht gewollt,
worauf er sehr verärgert war.
Es gab auch eine Schule, eine Volksschule, vor 1900
„em Ecken“. Das Haus gehörte dem Adam Adolf Risler
und der hatte es an die Gemeinde zum Schulunterricht
vermietet. 20 Schüler sollen es damals gewesen sein.
So jedenfalls hat das„Eier-Beppe“ (richtiger Name Bar-
bara Schmitt geb. Willkomm), jetzt Haus Nr. 13, früher
bewohnt von Waldemar Schmitt (+), oft erzählt,„wenn
eich dohin Käs unn Eier kaafen woa“ (dort Käse und
Eier gekauft habe).
Neben uns,„eckenaufwärts“ im Haus Nr. 31, hat„ed
Babbels Marie“ (die Babbels-Maria) gewohnt.„Ed hat
gäa gudd geß un getrunk“ (sie hat gern gut gegessen
und getrunken). Sie war ein guter Kunde im„Gasthaus
Risler“.„Foo de Durscht hat ed kän Wasser getrunk, edd
hat et Bea sehr gäa getrunk unn ed woa so dick, dass
ma mit beiden Armen nid um ed rum kumm ess. Und
so iss dat Haus ach gleich druff gang“ (für den Durst hat
sie kein Wasser getrunken, sie hat das Bier sehr gerne
getrunken und sie war so dick, dass man mit beiden
Armen nicht um sie herum gekommen ist. Und so ist
das Haus auch gleich draufgegangen).
18
18
D
Der„Emmes Pitt“, der Malermeister, hat ed nohäa kaaf
und mit seiner Frau, ed Frieda, unn da Tochter Dina
drinn gewohnt“ (Der Emmes Pitt, der Malermeister, hat
es nachher gekauft und mit seiner Frau, der Frieda, und
der Tochter Dina darin gewohnt). Über den„Emmes
Pitt“ wird später noch berichtet.
Ein Haus weiter runter zur Saar hin wohnte der alte
„Harnisch“.„Die hodden enn Stall voll Kinna“ (Die
hatten einen Stall voll Kinder).„Wenn der„besoff woa,
da hadda gäa Wetten abgeschloss, voa Bea naddirlich“
(wenn der betrunken war, dann hat er gerne Wetten
abgeschlossen, für Bier natürlich). Er wettete, dass er
mit seinen Zähnen„enn Naal“ (einen Nagel) aus einem
Holzbrett ziehen könne. Die Wette hat er natürlich
nicht gewinnen können, wenn der Nagel zu tief im
Holz gesteckt hat. Das hat uns der Senior-Schreiner-
meister aus„em Ecken“, der Hans Blasius,
sehr oft erzählt.
„Em Ecken - de Fährgass“
In der jetzigen Saarstraße war damals ein reges Trei-
ben.„Da Ecken“ war immer voller Leben, mit der
Anlegestelle für den Dillenschass oder andere Schiffe.
Oft haben wir als Kinder den Schiffern zugerufen:
„Schiffmann, werf mei Bündel raus, ich fahren nimme
mit“ /Schiffer, wirf mir mein Bündel raus, ich fahre nicht
mehr mit).
Als die Eisenbahn Saarbrücken-Trier (ca. 1860) und
später die Kleinbahn Wallerfangen-Saarlouis-Lisdorf-
Ensdorf 1897 kamen, war es allmählich mit den Schif-
fen auf der Saar und dem Treiben„em Ecken“ vorbei.
Nachdem Lorenz Kneip den„Gasthof Risler“ in Lisdorf
in der Fährgasse 35 ersteigert und selbst übernommen
hatte, gab es von 1925-1930 in Lisdorf einen„Rau-
cherclub“, der sich dann in diesem Gasthof mehr oder
weniger im Pfeifenrauchen übte. Dabei kam es des
Öfteren auch zu einem Wett-Rauchen in diesem Lokal.
Sie qualmten die Räumlichkeiten ein mit ihren Pfeifen.
Richtig lange Tonpfeifen mit Deckel, die im Sitzen auf
dem Stuhl vom Mund bis auf den Boden reichten, das
war zu dieser Zeit keine Seltenheit. So wurde im er-
weiterten Raum, im neuen Anbau des Gasthauses, um
die Wette geraucht. Mit einer bestimmten Sorte und
Menge an Tabak, für jeden gleich, wurden die langen
Tonpfeifen gestopft, dann konnte es losgehen und es
wurde um die Wette Tonpfeife geraucht. Wer zuerst
seine Pfeife leer hatte, der war der Sieger, im Gegensatz
zu heute, wo beim Wettrauchen mit einer kleinen Men-
ge Tabak die Pfeife möglichst lange glimmen soll. Aber
auch derjenige, der es danach am längsten in dem
verqualmten Raum aushielt, wurde besonders geehrt.
Nur die stärksten Naturen konnten hier durchhalten.
Nachdem nun das neue Gasthaus„Lorenz Kneip“ in
der Saarstraße 4 eröffnet und das alte Gasthaus in der
Saarstraße 35 geschlossen worden war, wechselte der
„Raucherclub Lisdorf“ über in das Gasthaus„Zum An-
ker“ von Jakob Barthel in der Saarstraße Nr. 11.
In den Gastwirtschaften im Dorf ist in früheren Zeiten
gerne mit Würfel und Karten um Geld gespielt worden.
Es wurden auch eifrig Wetten abgeschlossen, ja es kam
sogar vor, dass Schiffseigner ihre Schiffe samt Zug-
pferden beim Wetten verspielt und verloren hatten.
Das hat mir der Vater des früheren Bürgermeisters
der Stadt Saarlouis Alfred Fuß so erzählt (der Vater
stammte aus der Provinzialstraße in Lisdorf im Hador).
Er erzählte, dass im Gasthaus Breininger in der Provin-
zialstraße/Ecke Holzmühler Straße, in Lisdorf„beim
Zockerneckels-Greed“ genannt, von Schiffseignern, die
als betuchte und wohlhabende Leute galten, Wetten
abgeschlossen worden sind über Schiffe und vieles
andere mehr, auf Gewinn oder Verlust, das war früher
einmal so. Glück oder Unglück ist ein Gefühl, das man
hat, wenn alles vorbei ist.
Die Sucht und Lust zum Alkohol und die Leidenschaft
am Spiel hat viele Männer verkommen lassen. Wenn
Bier und Schnaps ihre Wirkung zeigten, dann ist auch
oft handfest zugeschlagen worden. Mit den Fäusten
(„fläschen Hämmer“) und auch harten Gegenstän-
den und so weiter... Wer da mit einem blauen Auge
davonkam, hatte Glück gehabt. Wenn es einmal ganz
schlimm zuging, also eine richtige Schlägerei in der
Wirtschaft, wenn„se sich doo vahau hann, hann se
de Dischen hochkant gestalld unn da essed doo rund
gang“. Bei einer solchen Wirtshaus-Schlägerei wurden
die Tische hochkant gestellt, um sich vor einem An-
greifer zu schützen, und dann ging es richtig los. Die
Ehefrauen kamen in das Gasthaus und wollten ihre
Männer dazu bewegen, doch nach Hause zu kommen:
„kumm doch hemm“ (komm doch nach Haus) sagte
die Frau,„de Kinna hann kään Brot fooa se essen“ (die
Kinder haben kein Brot zu essen) - darauf sagte der oft
trunkene Ehemann:„Ei Fraa, dann losse doch Kuchen
essen“ (ei liebe Frau, dann lass sie doch Kuchen essen!).
Zu dieser Zeit hatte auch der Radsportverein im alten
Gasthaus Lorenz Kneip in der Saarstraße 35,„unnen em
Ecken“, sein Vereinslokal. In der Gastwirtschaft stan-
den zwei Fahrräder; sie waren hochgebockt und fest
auf dem Boden montiert, so dass man im Vereinslokal
zum Trainieren in die Pedale treten konnte, aber auch
Wetten abschließen konnte. Unter den beiden Kon-
kurrenten wurde vereinbart, dass derjenige die Wette
gewonnen habe, der am schnellsten und am längsten
in die Pedale treten könne.
Zweimal in der Woche trafen sich die Radsportfreunde
zum Training im Vereinslokal, so erzählte mir Mar-
18
19
19
garetha Rode. Nachdem das neue Gasthaus„Lorenz
Kneip“ in der Saarstraße 4 erbaut und eröffnet worden
war, verkaufte Lorenz Kneip das alte Gasthaus an die
Schwester seiner Frau, Maria Lonsdorfer geb. Johannes.
Sodann wurde dort im alten Gasthaus ein Kolonialwa-
ren-Laden eingerichtet.
Maria Johannes wurde, wie viele verheiratete Ehe-
frauen, auch nach ihrer Hochzeit mit Adolf Lonsdorfer
immer noch mit ihrem Mädchennamen angesprochen,
also„Beim Maria Johannes hann de Leid aach vill uff
Pump kaaf“ (bei Maria Lonsdorfer geb. Johannes, ha-
ben die Leute auch viel auf Pump gekauft). Wenn das
Geld bis zum nächsten Zahltag nicht reichte, hatten die
Kunden den Geldwert der gekauften Ware anschreiben
lassen und so blieben manche säumigen Zahler lange
bei Maria„in der Kreide“ (im Notizbuch) stehen.
Die Nädasch
Die Kleider hat meine Mutter, die Katharina Welsch-
Kneip geb. 05.12.1876, selbst genäht. Sie war„Nä-
dasch" (Näherin). Nähen gelernt hatte sie bei den
Schwestern im Lisdorfer Kloster. Meine Mutter hat auch
19
Im Bild (Saarstraße bei Hochwasser 1970) sind zu sehen rechts
Haus Nr. 37 (Schreinerei Blasius), links daneben die Häuser Nr.
35 (Lebensmittel Lonsdorfer) und Nr. 33 (Elternhaus August
Balthasar).
Katharina Welsch (später ver-
heiratet mit August Balthasar
senior) und ihr Bruder Rudolf
(geb. 17.04.1906) vor dem
Küchenfenster im Innenhof des
neuen Gasthofes Risler in der
Saarstraße, damals Fährgasse.
Rudolf war auch mein Taufpate,
"mein Patt".
viele schöne Brautkleider
für die„Bauersch-Mädcha"
(junge Bäuerinnen) ange-
fertigt. Sie hat auch selbst
Nähschülerinnen angelernt.
Sportwettbewerb in Ensdorf
Das Bild aus dem Jahr 1924 zeigt Sportler des DJK Lis-
dorf, die Lisdorfer Teilnehmer und Sieger beim Staffel-
lauf zum Sport-Werbetag in Ensdorf.
Rudolf Welsch war als erster Läufer im Ziel beim Staffel-
lauf der DJK in Ensdorf, er war also der Gewinner.
Katharina Balthasar erzählt zu Rudolf Welsch:
Rudolf ist in seiner Lehr- und Dienstzeit von seinem
Elternhaus aus in
Lisdorf, der Her-
mannstraße 37, jetzt
Saarstraße 33, wo-
chentags zur Stadt
Saarlouis gelaufen.
Sein sportliches Tun
hat er lange Zeit auf-
recht erhalten.
Ein sehr guter Freund
von Rudolf war Hein-
Katharina Welsch-Kneip,
Von links nach rechts: Nr. 1 Hans Blasius senior, Nr. 2 Karl Weiß,
Nr. 3 Alois Rullang, Nr. 4 Franz (Frenne) Weiß, Nr. 5 Rudolf
Welsch, Nr. 6 Johann Lemier, Nr. 7 Willi Klutz, Nr. 8 Baptist Com-
tesse, Nr. 9 Adolf Fritz (gefallen 1944 Normandie, Vater von
Adolf, Walter und Manfred Fritz,), Nr. 10 Alois Johannes.
links Heinrich Busert, daneben
Rudolf Welsch
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20
rich Josef Busert (*19.5.1905,
+1994 Lisdorf, Großstraße
23). Heinrich war als Bäcker-
meister im Betrieb seines
Vaters Peter Josef Busert,
verheiratet mit Katharina
Schwarzenberg (*1898,
+1980) im Lebensmittel- und
Kolonialwarengeschäft tätig.
Heinrich Josef Busert war auch der Onkel von Peter Bu-
sert und Maria Sperling-Busert, die heute in dem Haus
wohnen. Sie erzählten
auch, dass ihr Onkel mu-
sikalisch talentiert gewe-
sen sei; er habe Klampfe
und Gitarre gespielt und
im Lisdorfer Gitarrenver-
ein aktiv mitmusiziert.
Zusammen haben Rudolf
und Heinrich Mitte der
dreißiger Jahre des 20. Jahr-
hunderts viele regionale
Fahrradtouren gemacht,
zum Beispiel zur Nied-
mühle bei Eimersdorf,
zum Warndtweiher, zur
Siersburg, zur Abtei Mett-
lach oder zur Klause bei
Kastel usw. und sie haben
auch viele schöne Bilder
gemacht.
Die Familie Busert
stammt ursprünglich
aus dem Dorf St. Medard
an der Mosel bei Trier,
das um das Jahr 1900 nach Trier eingemeindet wurde.
St. Medard war zu dieser Zeit ein Schifferdorf, das die
Schiffer in ihrem moselfränkischen Dialekt„Môdert“
nannten. Die Vorfahren der Familie Busert waren
Schiffsleute, kamen in der Biederzeit um 1820 nach
Lisdorf und fuhren ab Lisdorf weiter zu Schiff.
Johann Heinrich Busert wird im Bericht des Ludwig
Bauer aus dem Jahr 1898 über seine Zeit als Schiffsjun-
ge auf dem„Dillenschass“ als Besitzer eines Gemüse-
schiffes benannt und als der Mann, der ihn als Pferde-
knecht auf dem Gemüseschiff anheuerte. Das Grab von
Johann Heinrich und Maria hat sich bis heute auf dem
Lisdorfer Friedhof erhalten.
Heinrich und Rudolf, im Hinter-
grund die alte Brücke über die
Saar bei Serrig
Die Lisdorfer Schiffer der Familie Busert waren:
BUSERT Heinrich *1821 St. Medard, †1887 Bous
vh. 1856
WELSCH Katharina *1834, †1871
BUSERT Peter *1830 St. Medard, †1896 Lisdorf
vh. 1856
GANGLOFF Margaretha *1833, †1899
BUSERT Johann *1835 St. Medard
vh. 1874
BECKER Margaretha *1848
BUSERT Franz *1863
1. Ehe vh. 1888
RUPP Katharina *1866
2. Ehe vh.
GIER Gertrud *1867
BUSERTJohann Heinrich *1865, †1948
vh. 1890
BLASIUS Maria *1865, †1932
BUSERT Peter Josef *1867
vh.
HEINZEN Helene *1885.
Johann Heinrich Busert stellte als letzter nach 1900 die
Schifffahrt ein.
Beruflicher Werdegang von Rudolf Welsch (*17.4.1906)
1920-1923 Bürokauflehrling bei Rechtsanwalt
Dr. Flesch (Hohenzollernring)
1923-1928 im gleichen Betrieb tätig als Bürokauf-
mann
1928-1932 Bürobeistand im Rechtskonsulat Dr. Roth,
Saarlouis
1932-1937 Bürobeistand bei Rechtsanwalt Dr. Don-
nevert, Saarlautern
1938-1940 Justizangesteller am Amtsgericht Saarlau-
tern
1940-1945 Pionier bei der Wehrmacht
April 1945 vermisst in der Slowakei hinter Bratislava
Von links Rudolf, Dr. Flesch
und ein Angestellter
Justiz-Dienstausweis von Rudolf
21
Über den Tod meines Onkels Rudolf in der Slowakei
konnte ich (August Balthasar) Folgendes herausfinden:
Hermann Morguet, auch ein Lisdorfer aus der Wolff-
straße, Schwiegersohn der Anna Stein geb. Brittner,
heiratete nach Ende des 2. Weltkrieges Else Stein und
wohnte zusammen mit seiner Frau in Saarlouis in der
Straße der 13. Jäger. Hermann war im 2. Weltkrieg
Kraftfahrer bei der deutschen Wehrmacht. In den
letzten Kriegstagen war Hermann mit einem Lkw der
Wehrmacht auf dem Rückzug der deutschen Truppen
aus der Slowakei dabei, von uns aus gesehen etwa 80
km hinter Bratislava (Pressburg). Von hier aus schrieb
Rudolf am 17. April 1945 einen letzten Brief an seine
Familienangehörigen, der auch bei seiner Familie in
der Evakuierung in Wittelshofen (nahe Dinkelsbühl)
ankam. Hermann wollte Rudolf Welsch als Beifahrer
auf dem Sitz nach Deutschland mitnehmen. Zuvor war
jedoch ein Wehrmachtsbefehl herausgegeben worden:
„Wer ohne entsprechende Ausweispapiere die Truppe
verlässt und dabei ertappt wird, wird auf der Stelle
standrechtlich erschossen“. Rudolf hat also deshalb in
eine Mitfahrt auf dem Lkw nicht eingewilligt, dabei ist
der Konvoi nach Angaben von Hermann Morguet auf
der Rückfahrt nicht kontrolliert worden.
Die tschechischen Widerstandskämpfer hielten sich
während des 2. Weltkrieges verborgen und bekämpf-
ten in vielen Aktionen die deutschen Besatzer, die
wiederum mit brutaler Härte zurückschlugen. Trotz
hartem Vorgehen gelang es den deutschen Besatzern
nicht, den Widerstand zu brechen. Als der Widerstand
der deutschen Truppen im April und Mai 1945 nach-
ließ, rächten sich die tschechischen Widerstandskämp-
fer an den deutschen Soldaten und der deutschstäm-
migen Bevölkerung in Böhmen. Gefangene deutsche
Soldaten wurden ermordet oder als Strafgefangene
nach altem Kriegsbrauch in der Landwirtschaft oder
bei gefährlichen Arbeiten, zum Beispiel Minensuchen,
eingesetzt, so vielleicht auch Rudolf.
Nach der Weiterfahrt von Hermann Morguet hinter Bra-
tislava verliert sich Rudolfs Spur, er kehrte nicht mehr
nach Hause zurück. Nachforschungsanträge beim Ro-
ten Kreuz führten zu keinem Ergebnis. Sein letzter Brief
ist im Buch„Die Kriegsopfer der beiden Weltkriege aus
Lisdorf“ (Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf,
Autor Agnes Groß) ab Seite 330 abgedruckt.
Bei der späteren Aussöhnung zwischen Deutschland
und der Tschechoslowakei wurden die in der Kriegs-
und Nachkriegszeit begangenen Verbrechen gemein-
sam verurteilt, dieses Thema aber auch abgeschlossen
und beide Vertagspartner verzichteten auf gegenseiti-
ge Ansprüche und die weitere Verfolgung von Kriegs-
verbrechen.
Wie gut kennen wir alle unsere Heimat - speziell unser
Heimatdorf Lisdorf? Oft geht man durch die Straßen
und nimmt verschiedene Details gar nicht richtig wahr.
Wir wollen in einer neuen Rubrik„Fotorätsel“ den Blick
für diese Details schärfen und dazu animieren, mit of-
fenen Augen durchs Dorf zu gehen. Wir werden in den
nächsten Ausgaben des Heimatblattes immer wieder
Fotos aus den Straßen Lisdorfs veröffentlichen und
unsere Leser um Lösung des dazugehörigen Rätsels
bitten.
Gewinner des Rätsels unserer letzten Ausgabe ist Herr
Karl Schneider aus der Provinzialstraße. Sein Gewinn
wird in den nächsten Tagen zugestellt.
Auf dem Bild sehen wir ein Wandbild aus Fliesen von
Villeroy & Boch.
Wem ist diese Rarität aufgefallen?
Jetzt unsere Frage: In welchem Haus in Lisdorf befindet sich dieses Wandbild?
Die Lösung bitte per Karte an: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis
oder per E-Mail: heimatkunde@lisdorf.de.
Den Gewinner eines Mundartbuches geben wir in der nächsten Ausgabe bekannt.
Einsendeschluss: 20. Dezember 2021.
Das VHL-Bilderrätsel
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Geschichten um
das Gasthaus Lorenz Kneip
„Em Ecken“, (Lisdorf, Saarstraße 4)
Von August Balthasar
Lorenz Kneip (geboren am 20.02.1879), verheira-
tet 1905 mit Margaretha Johannes (geboren am
20.07.1880), hat in den Jahren 1913/14, wie von mir im
Lisdorfer Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet, das Gast-
haus Adam Risler in der Saarstraße 35, nach dem Tode
von Adam Adolf Risler ersteigert, erweitert und selbst
geführt. Danach hat er sich eine neue Gastwirtschaft
in Lisdorf in der Saarstraße 4, Anfang der 30er-Jahre,
neu bauen lassen und selbst weiter geführt. Den alten
Gasthof in der Saarstraße 35 verkaufte er an seine
Schwägerin Maria Lonsdorfer, geb. Johannes, die darin
ein Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft betrieb,
bis in die 70er-Jahre.
Lorenz Kneip war
der Bruder meiner
Großmutter Katha-
rina Welsch, geb.
Kneip, aus Lisdorf.
Seine Mutter war
die Witwe aus der
zweiten Ehe von
Johann Kneip, ein-
geheiratet im Haus
Saarstraße Nr. 19. Es
war das Haus meiner
Urgroßmutter Maria
Kneip-Luxenburger,
genannt„Edd rot
Hannesen Maarie“
(1847-1925), wie
bereits mehrmals
in den Lisdorfer
Heimatblättern
berichtet.
Bereits in den 20er-Jahren um etwa 1925-1930 hat Lo-
renz Kneip der Frau Marie Fritz, dies war die Großmut-
ter der Edith Emmes im Rosenthal, ihr altes Haus ab-
gekauft, es danach abgerissen und das neue Gasthaus
Lorenz Kneip an dieser Stelle (Saarstraße 4) gebaut.
Ebenfalls in der ersten Ausgabe der Lisdorfer Hei-
matblätter wurde von mir bereits über das Gasthaus
Lorenz Kneip
im Zusammen-
hang mit dem
Gasthaus Adam
Adolf Risler„Em
Ecken“ berichtet.
Der Lorenz war
ein tüchtiger
Wirt, er hat in
seinem neuen
Gasthaus,„seina
Wirtschaft, doo-
vooa gesorcht,
dass imma ebbes
loss wooa“ (in
seinem Gasthaus
dafür gesorgt,
dass immer et-
was los war). So
hatte er auch in
seiner Gaststu-
be das erste
Rundfunkgerät im Dorf stehen. Und wenn man wis-
sen wollte,„watt emm Dorf unn in da Welt loss woaa“
(was im Dorf und in der Welt los war),„dann kunnt ma
doohin äänen drinken geen“ (dann konnte man dorthin
einen trinken gehen - und erfuhr dort bei einem Glas
Bier die letzten Neuigkeiten).
Früher ist in den Gasthäusern viel getrunken worden,
Bier, Schnaps und so weiter. Zu einer Zeit, als noch der
Lohn täglich nach der Arbeit, später dann samstags
für die ganze Woche, dann alle 14 Tage und zuletzt für
den abgelaufenen Monat bar auf die Hand ausgezahlt
wurde, da hat es so mancher „arme Schlucker“ nicht
geschafft, sein mühsam erarbeitetes Geld ganz oder
auch nur teilweise nach Hause zu bringen. Oft sind in
der Gastwirtschaft vom Zahltag dann drei Häufchen
gemacht worden:„Äänen voo sich, äänen voo de Fraa
unn ännen voo de Wirt“ (einen für sich, einen für Frau
und Familie und einen für den Wirt). Mit dem dritten
Häuflein wurden dann die bereits aufgelaufenen Trink-
schulden bezahlt und für die Familie blieb oft leider
nur 1/3 übrig oder auch gar nichts mehr!
Das ehemalige Gasthaus Lorenz
Kneip zur NS-Zeit im damaligen
Saarlautern 4 (Bild zur Verfügung
gestellt von Manfred Kneip, einem
Enkel von Lorenz Kneip)
Gasthaus Lorenz Kneip in der ersten Nach-
kriegszeit (Bild zur Verfügung gestellt von
Manfred Kneip)
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Manche hatten oft nicht„edd Brood iwwa Naat dahem“
(das Brot nicht über Nacht zu Hause) oder„de Kinner
hodden meea Schlää wie Brood se fressen gritt“ (die
Kinder bekamen mehr Prügel als Brot zu essen) oder
es wurde gesagt„se hann em ed Brood vomm Disch
runna gehollt“ (sie hatten ihnen das Brot vom Tisch
weggenommen, das heißt übertragen, die Arbeit weg-
genommen). So manche Frau oder Mutter hat ihren
Mann am Zahltag am Arbeitsort oder am Werkstor
abgeholt und so den Lohn bis nach Hause„gerettet“.
An dem Zahltag gab es dann auch mal richtig satt zu
essen.
Lorenz Kneip war vorher beim früheren Eisenwerk in
Geislautern als Meister tätig und war, wie oben berich-
tet, anfangs Pächter und Besitzer des Gasthofes Adam
Adolf Risler in Lisdorf, Saarstraße 35. Er war auch Kreis-
vorsitzender der Gastwirtschaftsvereinigung und hat
seinen Gastwirtschaftsbetrieb im 2. Weltkrieg (1939-
1945) bis zu seinem Lebensende im November 1944
weitergeführt. Er starb überraschend im Zug während
der Fahrt in die zweite Evakuierung nach Dinkelsbühl
in Mittelfranken. Nach dem 2. Weltkrieg hat sein Sohn
Kurt Kneip diese Gastwirtschaft nebenberuflich bis
1954 weiter aufrecht erhalten.
Nach 1954 hat mir sein Sohn Manfred Kneip die Folge
der Pächter der Gastwirtschaft namentlich benannt.
Es waren
· Ignaz Burger aus Lisdorf,
· Emil Amann,
· Christa und„Bouwwi“ Freichel aus Lisdorf,
· Werner und Lilo Petto aus Dillingen,
· ein Pächter mit Familienname Kreuz, nur kurzzeitig,
· und als die letzten Pächter Gisela und Gerhard Lam-
bert.
Danach vermietete der damalige Eigentümer Siegfried
Kneip die Gasträume an den CDU-Kreisverband Saar-
louis, der darin seine Geschäftsstelle und das Wahl-
kreisbüro des ehemaligen Bundestagsabgeordneten
Peter Altmaier einrichtete.
Derzeit ist darin ein Kosmetikstudio eingerichtet: Natur
Cosmetic, Inhaberin Tina Flammersfeld.
Gasthaus Kneip um das Jahr 1970 (Bild: August Balthasar)
im Jahr 2000, hinter dem neuen Dorfbrunnen
23
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Der Lisdorfer Schützenverein ist im Jahr 1956 gegrün-
det worden und in den Jahren 1972/73 in die Schüt-
zengilde übergegangen, die heute noch besteht.
Im Jahr 1966 hat der damalige Schützenverein in sei-
nem Vereinslokal, dem Gasthaus Lorenz Kneip, für die
Ortsvereine ein Luftgewehr-Wettschießen veranstaltet
und einen Wanderpreis für drei Jahre in Gewinnfolge
gestiftet.
Die Chorgemeinschaft MGV 1859 Saarlouis-Lisdorf
hat mit fünf ihrer aktiven Sänger an dem Wettbewerb
teilgenommen. Mit 526 Ringen im Jahr 1966, 554 im
Personen im Bild von links nach rechts: Klemens Port, Willi Basti-
an(+), Manfred Fritz(+), Werner Bastian jun. (+) (kurz nach dem
Foto Unfalltod mit Auto, sein Vater Werner war ein Bruder von
Willi), Horst Klein, August Balthasar, Rolf Sperling (+) (Vorsitzen-
der), ganz rechts Rolf Dieter Kallenbrunnen
Jahr 1967 und 545 Ringen im Jahr 1968 hat die Chor-
gemeinschaft, der ich bis heute im Jahr 2021 mit 71
aktiven Sängerjahren angehöre, als beste Schützengil-
de ins Schwarze getroffen. Sie hat danach den Wander-
pokal in Form einer Schützen-Siegergedenktafel, wie
im Bild ersichtlich, für die Chorgemeinschaft Lisdorf
mit nach Hause nehmen können.
Dabei fällt mir ein altbekannter Witz ein: Der Vater kam
von der Arbeit nach Hause, die Kinder hatten Hunger,
es gab saarländische Lyoner mit Brot. Am Tisch bekam
der Vater als Oberhaupt der Familie bei der Vertei-
lung der Wurst unter der vielköpfigen kinderreichen
Familie meist als erster zu essen oder hat die Lyoner
selbst enthäutet und verteilt.„Papa“, sagte aufgeregt
der Jüngste,„Papa ich möchte auch ein Stück Lyoner
haben“. Darauf der Vater zu den Kindern:„Donnawedda
nomool, wifill Liona muss eich dann noch essen, umm
auch satt Schwaad se grien“ - Donnerwetter nochmal,
wie viel Lyoner muss ich denn noch essen, um Euch
(mit der Lyonerhaut) satt zu bekommen!
Irene Bleses wohnte früher in der Saarstraße Nr. 1, wie
bereits berichtet. Sie wohnte mit ihren Eltern gegen-
über der Gastwirtschaft von Lorenz Kneip. Sie berich-
tet:„Als junges Mädchen konnte ich Ziehharmonika
und Akkordeon spielen. Der Emmes Pitt kam oft von
der Wirtschaft gegenüber zu uns rüber und ich durfte
dann mit Einverständnis meiner Eltern im Gasthaus
Lorenz Kneip musizieren. Es wurde dabei auch viel
gesungen, viele Volkslieder wie zum Beispiel„Das Wan-
dern ist des Müllers Lust“ –„Lustig ist das Zigeunerle-
ben“ –„Beim Kronenwirt“ –„Wenn zwei gute Freunde
sind“ – usw.“
Werden Sie Mitglied im VHL
Wir sind der mitgliederstärkste heimatkundliche Verein des
Saarlandes.
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit.
Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf:
heimatkunde@lisdorf.de
25
25
Von Heiner Groß
In den vergangenen Jahren hat Frau Oberfeldarzt
Dr. Mascha-Christine Groß, Fachärztin für Allgemein-
medizin und Sanitätsoffizier der Bundeswehr, schon
mehrfach im Lisdorfer Heimatblatt über ihre bisher vier
Auslandseinsätze in Afghanistan, Mali und dem Irak
berichtet.
Seit 1999 ist sie mit Oberfeldarzt Dr. Torsten Groß,
einem Sohn unseres VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß, verheiratet. Er ist ebenfalls Sanitätsoffizier der
Bundeswehr und als Facharzt für Innere Medizin und
Pneumologie derzeit als Oberarzt im Bundeswehrkran-
kenhaus Westerstede in Niedersachsen tätig.
Gemeinsam gehören Dr. Torsten Groß und seine Ehe-
frau Dr. Mascha-Christine geb. Folz mit ihren beiden
2002 und 2008 geborenen Kindern Niklas und Anne-
marie dem Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V. (VHL)
als Mitglieder an. Obwohl sie seit 2001 berufsbedingt
im Ammerland im Nordwesten Niedersachsens woh-
nen, sind sie ihrer saarländischen Heimat weiterhin
sehr verbunden. Aus diesem Grund gehören sie, trotz
der etwa 650 km Entfernung, dem VHL als treue Mit-
glieder an und freuen sich immer wieder, wenn sie ein
neues Lisdorfer Heimatblatt erreicht.
Während Torsten glücklich und zufrieden ist mit seiner
klinischen Tätigkeit an einem großen und modernen
Krankenhaus, liebt Mascha-Christine als Fachärztin für
Allgemeinmedizin Leitungs- und Führungsaufgaben
im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Seit 2010 übt sie
entsprechende Aufgaben in verschiedenen Verwen-
dungen aus.
Nach unterschiedlichen Führungsverwendungen
und zuletzt Sachgebietsleiterin im Kommando Sa-
nitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz wurde ihr
am 29.04.2021 das Kommando über das in der Stadt
Rheine an der Ems im Münsterland im April 2020 neu
aufgestellte Sanitätsregiment 4 (SanRgt 4) übertragen.
Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ist damit die
erste Kommandeurin in der großen Theodor-Blank-
Kaserne in Rheine. Derzeit befindet sich das SanRgt 4
mit 200 Sanitätssoldatinnen und –soldaten und 190
Rekrutinnen und Rekruten noch in der Aufbauphase.
Die angestrebte Sollstärke des SanRgt 4 beträgt ca.
1000 Sanitätssoldatinnen u. –soldaten.
Sowohl in der Presse als auch im Rundfunk und
Fernsehen wurde ausführlich über dieses Ereignis in
Rheine berichtet. So berichtete die Münsterländische
Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 27. April 2021 mit
mehreren Fotos von Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine
Groß und den Überschriften„Die erste Kommandeurin
in Rheine“ und„Frau übernimmt Kommando in Rhei-
ne“. Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 24. Juni
2021 mit zwei Fotos und der Überschrift„Völklingerin
Langjähriges VHL-Mitglied
erste Regiments-Kommandeurin
in Rheine an der Ems
26
26
macht Karriere bei der Bundeswehr“. Auch der WDR
und der NDR berichteten sowohl im Rundfunk als auch
im Fernsehen über die Ernennung von Oberfeldarzt Dr.
Mascha-Christine Groß zur neuen Regimentskomman-
deurin in Rheine.
Anfang Juli berichtete die regionale Presse erneut über
das in Rheine neu aufgestellte Sanitätsregiment und
seine neue Kommandeurin. Für den 8. Juli hatte die
Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-
Karrenbauer, zum Indienststellungsappell des Sani-
tätsregiments 4 mit Übergabe der Truppenfahne sowie
dem ersten feierlichen Gelöbnis der Rekrutinnen und
Rekruten der Ausbildungskompanie geladen.
Für Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß war dies
mit viel Aufregung verbunden, denn diese Feierlich-
keiten im Beisein ihrer höchsten militärischen Vor-
gesetzten und vielen hohen Gästen und dem vorge-
schriebenen Zeremoniell sollte reibungslos ablaufen.
Außerdem war es für die neue Kommandeurin das
erste persönliche Zusammentreffen mit ihrer höchsten
Chefin, der Bundesverteidigungsministerin Annegret
Kramp-Karrenbauer, ebenfalls wie sie aus dem Saar-
land und zudem noch aus der Nachbargemeinde ihrer
Heimatstadt Völklingen stammend, aus Püttlingen.
Nach dem gelungen Aufmarsch der Abordnungen der
Kompanien des SanRgt 4, der Rekrutinnen und Rekru-
ten der Ausbildungskompanie und der Ehrenforma-
tion, die von der 4. Kompanie des Wachbataillons der
Bundeswehr aus Berlin und des Luftwaffenmusikkorps
aus Münster in Westfalen gestellt wurden, konnte
Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ihre Ehrengäs-
te begrüßen.
Das waren: Die Bundesministerin der Verteidigung An-
negret Kramp-Karrenbauer, Bundesgesundheitsminister
Jens Spahn, der nordrheinwestfälische Landesgesund-
heitsminister Karl-Josef Laumann, der Inspekteur des
Sanitätsdienstes der Bundeswehr Generaloberstabsarzt
Dr. Ulrich Baumgärtner, der Landrat des Kreises Steinfurt
Dr. Martin Sommer, der Rheiner Bürgermeister Peter
Lüttmann sowie weitere politische Größen und Vertreter
regionaler Gesundheitsbehörden.
Auch ihr Ehemann und ihre beiden Kinder aus ihrem
Wohnort Edewecht bei Oldenburg sowie ihre Mutter
Brunhilde Folz und Schwester Oberstabsarzt d.R. Dr.
Ragna Folz-Schmidt aus Völklingen waren zu diesem
besonderen Anlass nach Rheine angereist.
Die Bundesminister Annegret Kramp-Karrenbauer und
Jens Spahn sowie der Inspekteur des Sanitätsdienstes
der Bundeswehr Dr. Baumgärtner wiesen in ihren
Ansprachen darauf hin, dass der Sanitätsdienst in der
Bundeswehr weiter gestärkt werden soll. Das sei wegen
der zunehmenden Aufgaben im internationalen Kri-
senmanagement wie auch im Bereich der Landes- und
Bündnisverteidigung erforderlich. Nicht zuletzt habe der
Sanitätsdienst der Bundeswehr in der COVID-Pandemie
eine herausragende Rolle bei der zivil-militärischen
Zusammenarbeit bundesweit gespielt. Sie dankten dem
neuen SanRgt 4 für seinen Einsatz und wünschten ihm
und der neuen Kommandeurin viel Glück und Erfolg.
Entgegen den militärischen Gepflogenheiten ließ Ober-
feldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ein kleines Geschenk
ihres SanRgt 4 der Verteidigungsministerin nicht von
einer Soldatin oder einem Soldaten, sondern von ihren
Kindern überreichen, worüber sich diese sehr freute.
Der Rheiner Bürgermeister Peter Lüttmann freute sich
sehr über das Engagement der Bundeswehr in seiner
Stadt, besonders über die Aussage von Bundesministe-
rin Annegret Kramp-Karrenbauer, dass die Bundeswehr
in Rheine bleibe und mit der vorgesehenen Sollstärke
von 1000 Soldatinnen und Soldaten wieder ein großer
Standort der Bundeswehr werden soll.
Die neue Kommandeurin Oberfeldarzt Dr. Groß erläu-
terte nach Abschluss der Festlichkeiten gegenüber der
Presse ihre Vorhaben. Neben der Nachwuchsgewinnung
und der Grundausbildung der Rekrutinnen und Rekru-
ten soll eine Kompanie für den Kranken- und Verwun-
detentransport sowie deren Erstversorgung aufgebaut
und ausgebildet werden. Eine weitere Kompanie soll
ein Rettungszentrum aufbauen. Derzeit hätten sie am
Standort Rheine ein Rettungszentrum leicht. Mit dem
weiteren Aufbau ihres SanRgt 4 strebe sie ein modulares
komplettes Rettungszentrum an, so OFA Dr. Groß.
Beim Besuch ihrer hohen Gäste hatte Dr. Mascha Groß
auch Gelegenheit zu kurzen persönlichen Gesprächen
mit diesen. Beim Gespräch mit Annegret Kramp-Kar-
renbauer stellte sich heraus, dass sie am selben Völklin-
ger Gymnasium Abitur machten.
An diesem Tag wurde Oberfeldarzt Dr. Mascha-Chris-
tine Groß auch mehrfach gefragt, warum sie nach
dem Abitur zur Bundeswehr gegangen sei. Das habe
mehrere Gründe gehabt. Ihre ältere Schwester sei
ebenfalls nach ihrem Abitur als Sanitätsoffiziersanwär-
terin zur Bundeswehr gegangen, und zwar als erste
Saarländerin. Sie sei über diese, ihre Entscheidung, sehr
glücklich gewesen. Als aktive Basketballspielerin beim
SC Wacker Völklingen, der damals in der 2. Bundesliga
spielte, sei sie sportlich sehr fit gewesen, was für eine
Offiziersausbildung sehr förderlich sei. Als sie einen
„ Tag der Bundeswehr“ besuchte, habe ihre Entschei-
dung, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen, endgültig
festgestanden, so OFA Dr. Groß.
Auch nach fast 28 Jahren im Sanitätsdienst der Bun-
deswehr ist sie über ihre damalige Entscheidung froh
und glücklich.
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Renate Dittgen - Neues Mitglied im Heimatkundeverein
Geschäftsführerin der Schmelzer Bauunternehmung Dittgen
Renate Dittgen, seit 1977 Anwohnerin in der IV. Gartenreihe in Saarlouis, ist kürzlich demVHL
beigetreten. Als gebürtige Schmelzerin interessiert sie sich besonders für die Schmelzer Ge-
schichten und gehört dem sehr rührigen dortigen Heimatverein, Herausgeber der Schmelzer
Hefte, an. Seit Jahren fördert ihre Firma durch Anzeigen das Magazin zur regionalen Kultur und
Geschichte im Saarland, die„saargeschichten“, das vom HistorischenVerein für die Saargegend
e.V. und dem Landesverband der historischenVereine des Saarlandes e.V. herausgegeben wird.
BeidenVerbänden gehören wir alsVHL an.
DaRenateDittgenschonseitfast44JahrenanderNahtstellezuLisdorfwohnt,möchtesiesich
nunauchüberdieMitgliedschaftimVHLdieHistoriedesältestenStadtteilsvonSaarlouiser-
schließen.DasienebenihrerHeimatliebeundihremInteresseanderGeschichtederHeimat
eineaußergewöhnlicheVitaaufweist,möchtenwirdiese-soweitunsbekannt-nachfolgend
aufzeigen.Geboren1947inSaarlouis,absolviertesienachihremGymnasialabschlusseinUniver-
sitätsstudiumderBetriebswirtschaftslehreanderUniversitätdesSaarlandes.MitihremAbschluss
als Dipl.-KaufmannstrebtesiezunächsteinenBerufaußerhalbdesväterlichenBetriebsan.Diesen
hatteihrGroßvaterbereits1897inSchmelzgegründet.DochnachdemfrühenTodihresVaters
tratsieam01.04.1974,als27-Jährige,dieNachfolgealsGeschäftsführerinan.AlsdamalsersteFrau
ineinerFührungspositionimausschließlichvonMännerndominiertenBaugewerbemusstesiesichvonAnfanganbehaupten.
ZunächstschafftesieneueLkwundmoderneBaumaschinenan,führteeineBetriebsbuchhaltungein,begannmitderAusbil-
dungvonStraßenbauern,schufab1989andemneuenStandortinderSaarbrückerStraßeRaumfüreineständigsteigende
Mitarbeiterzahl.InderFolgeließsiedasQualitäts-undUmweltmanagementmehrfachzertifizieren.
Als junge dynamische Geschäftsführerin hatte sich Renate Dittgen schnell sowohl innerhalb als auch außerhalb ihres Betrie-
bes Respekt und Anerkennung verschafft. Schon bald hatte sich das Bauunternehmen dittgen über die Grenzen des Saar-
landes hinaus einen guten Namen im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau gemacht. Im Zuge derVergrößerung ihres Unterneh-
mens wurden Ende der Neunziger Jahre derWerkstatt- und derTransportbetrieb in eigenständige Schwestergesellschaften
ausgelagert. Damit entstand dann die dittgen-Gruppe. DemVerfasser ist aus seiner langjährigen Mitgliedschaft im Stadtrat
(1968-2009) bekannt, dass fast alle großen städtischen Straßen- und Kanalbauprojekte in Saarlouis von der Firma dittgen zur
vollsten Zufriedenheit erledigt wurden.
Am 5.12.2019 berichtete die SZ unter der Überschrift:„Renate Dittgen und die Revolution im Baugewerbe“ von ihrem 45-jäh-
rigen Jubiläum als erfolgreiche Geschäftsführerin ihres Schmelzer Unternehmens sowie der Ehrung von 16 MitarbeiterInnen
für ihre jahrzehntelange Zugehörigkeit undTreue zum Unternehmen. Renate Dittgen ist besonders stolz darauf, dass bei ihr
Mitarbeiter von der Ausbildung bis zum Ruhestand und aus zwei oder gar drei Generationen aus einer Familie beschäftigt
sind. In den 124 Jahren des Bestehens habe im Unternehmen stets eine gute familiäre Atmosphäre geherrscht. Darauf lege
sie auch künftig großenWert, so Renate Dittgen.
Für ihr langjähriges erfolgreiches Engagement als Geschäftsführerin wurde sie mehrfach ausgezeichnet, so erhielt sie im Jahr
2013 aus den Händen des jetzigen Außenministers Heiko Maas das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Um ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen und die 275 Arbeitsplätze langfristig zu sichern, hatte sich Renate Dittgen
in den letzten Jahren intensiv um eine Zukunftslösung bemüht. Da sich jedoch weder eine familiäre noch eine betriebsinter-
ne Lösung hierfür abzeichnete, entschloss sie sich zumVerkauf an die seit 88 Jahren existierende Juchem-Gruppe aus dem
rheinland-pfälzischen Niederwörresbach, die mit 383 MitarbeiterInnen ähnlich strukturiert ist wie die dittgen-Gruppe. Durch
diesen Zusammenschluss ist ein Unternehmen mit 658 Mitarbeitern entstanden, das im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau nun
Markführer im Saarland ist und auch in Rheinland-Pfalz führend ist. Alle MitarbeiterInnen der dittgen-Gruppe wurden mit
ihren bisherigen Funktionen übernommen. Auch Renate Dittgen bleibt weiterhin Geschäftsführerin der dittgen Bauunterneh-
men GmbH. Matthias Juchem, einer der Geschäftsführer der Juchem-Gruppe, wird sie in der Geschäftsführung unterstützen.
In einem Gespräch mit der SZ, über das in der Ausgabe vom 10./11.10.2020 ausführlich berichtet wurde, erklärte Renate Ditt-
gen, dass die Devise im Schmelzer Unternehmen weiterhin„dittgen bleibt dittgen“ heiße und es ihr auch weiter Spaß mache,
die dittgen-Geschäfte zu führen. An Ruhestand denke sie voerst noch nicht. Ihren Hobbys, wie ihre vier Hunde und Gartenar-
beit sowie jetzt der Heimatkunde könne sie sich auch in nächster Zeit nur eingeschränkt widmen.Wir, dieVerantwortlichen
des Heimatkundevereins Lisdorf, freuen uns, dass mit Renate Dittgen nunmehr eine beeindruckende Unternehmer-Persön-
lichkeit zu uns gehört. - HeinerGroß
27
28
Heimatverbunden
Über ganz Deutschland verteilt gibt es Mitglieder des VHL, aber auch in Frankreich und Luxemburg und sogar in
Chicago in den USA ist unser Mitglied Alexander Džaković als Arzt tätig. In nächster Zeit stellen wir Ihnen diese vor.
Nachfolgend grüßen unsere Mitglieder Margareta und Wolfgang Gebler aus Hohenstein-Trebra in Nordthüringen,
die seit nunmehr 20 Jahren Mitglieder des VHL sind. Margareta hat Lisdorfer Wurzeln.
Sie wohnen in 99755 Hohenstein-Trebra, Kreis Nordhausen im Südharzbereich in Nordthüringen, wo die Eltern von
Margareta, Oskar Kohlhase und Greta, geb. Spaniol (in Lisdorf geboren) bis nach dem 2. Weltkrieg ihr Hofgut bewirt-
schafteten. Seit 2001 besteht ein freundschaftlicher Kontakt zur Familie des jetzigen VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß. Zur Vorbereitung einer Reise des VHL nach Thüringen im Jahr 2001 besuchten Heiner und Marie-Luise Groß die
Geblers in Trebra. Seither besteht der freundschaftliche Kontakt.
Auf der Reise des VHL unter dem Motto„Auf den Spuren der Evakuierten 1939/40 in Thüringen“ mit 50 Teilnehmern
Ende Juli 2001 wurden wir von der Fam. Gebler nicht nur überaus freundschaftlich begrüßt, sondern auch fürstlich
auf ihrem großen Hofgelände bewirtet.
Margareta Gebler (79) ist die Tochter der aus Lisdorf stammenden Greta Kohlhase, geb. Spaniol, die während der
Evakuierung 1939 in Trebra ihren Mann Oskar Kohlhase
kennenlernte. 1940 wurden sie in Andernach/Rhein
von OB Alois Spaniol getraut. Er war ein Bruder von
Greta. 1941 wurde Margareta geboren. Während ihrer
Ausbildung als Krankenschwester lernte sie ihren Mann
Wolfgang in Dresden kennen. Seit ihrer Heirat wohnen
sie auf dem Hof in Trebra. Bildberichte über die VHL-
Reise 2001 sind in den Heimatblättern Nr. 4 und Nr. 28
veröffentlicht.
Das Elternhaus von Greta Spaniol in Lisdorf ist die heu-
tige Zahnarzt-Praxis von Harald Baumann.
"Worüber ich mich immer wieder wundere ist dies: es gibt
auf der Welt über dreißig Millionen Gesetze, um die zehn
Gebote durchzuführen."
Albert Schweitzer
Urwalddoktor und Friedensnobelpreisträger (1875-1965)
Margareta, geb. Kohlhase und Wolfgang Gebler anlässlich des
80. Geburtstages von Wolfgang am 20.11.2019
29
29
Von Heiner Groß
Am 10. Juni 2020 war im Lokalteil der SZ der erste
Teil einer Serie über die Geschichte der Seuchen in
der Region unter der Überschrift„Seuchen begleiten
Menschen schon lange“ veröffentlicht. Der Verfasser
Volkmar Schommer aus Beckingen-Düppenweiler ist
mir als Autor eines zweibändigen Buches über den 2.
Weltkrieg im Haustadter Tal bekannt. Da ich mich im
Zuge der Corona-Krise ebenfalls mit Seuchen in unse-
rer Heimat befasst habe, habe ich Volkmar Schommer
kontaktiert. Dabei erfuhr ich, dass er als Pensionär der
Gemeindeverwaltung Beckingen auch heimatkundlich
engagiert ist, und zwar als Vorstandsmitglied im Hei-
matkundeverein Düppenweiler. Außerdem ist er litera-
risch aktiv. So haben wir unsere Berichte über Seuchen
interessehalber ausgetauscht. Zusätzlich habe ich ihm
die letzten fünf Lisdorfer Heimatblätter zugestellt.
Volkmar Schommer erzählte mir, dass er eine größere
Arbeit über die Pfarrgeschichte von Düppenweiler
gefertigt habe, die aber noch nicht veröffentlicht sei.
Im Jahr 1765 habe die Abtei Wadgassen unter Leitung
des aus Lisdorf stammenden Abtes Michael Stein
eine kleine Kirche in Düppenweiler errichtet, die aber
bereits 1897 wieder abgerissen worden sei. Die drei
Altäre in dieser Kirche seien damals nicht eigens neu
gefertigt worden, sondern auf Vermittlung des Abtes
Michael Stein im Rahmen eines Tauschgeschäftes von
der Lisdorfer Kirche übernommen worden. Als Gegen-
leistung habe Düppenweiler Sandsteine aus einem
Steinbruch für neue Altäre in der Lisdorfer Kirche gelie-
fert, die zur gleichen Zeit ebenfalls vom Kloster Wad-
gassen gebaut wurde.
Bei den eingetauschten Altären aus Lisdorf habe es
sich um einen sehr alten Hochaltar aus Eichenholz
mit drei ausdrucksvollen Statuen in ¾ Lebensgröße
von Christus am Kreuze, Maria und Josef sowie um
zwei ebenfalls sehr alte Nebenaltäre mit den Statuen
der Mutter Gottes und des Hl. Valentinus gehandelt.
Volkmar Schommer stützt seine Schilderung über das
kirchliche Tauschgeschäft zwischen Lisdorf und Düp-
penweiler auf Ausführungen von Arnt Finkenberg in
seinem Buch„Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen-
wart (1996)“, S. 113-119. Dieser wiederum bezog sich
auf Johann Goergen und seine nicht veröffentlichte
Ortsgeschichte von Lisdorf (S. 177-181). J. Goergen
stützte seine diesbezüglichen Ausführungen auf
eine Inventuraufnahme des Lisdorfer Pfarrers Johann
Schuster vom 12.5.1847 (Pfarrarchiv Lisdorf, Akten
C-Nr. 1), in der dieser rund 80 Jahre nach Erbauung der
Lisdorfer Pfarrkirche (1764) deren Bau, Ausmaße und
Ausstattung unter Punkt 7 eingehend beschrieb. Er
führte u.a. aus:„Die alten Altäre aus der früheren Kirche
(1769 bis auf den Kirchturm abgerissen) wurden der
Kirche in Düppenweiler überlassen. Dafür lieferte Düp-
penweiler die Sandsteine aus einem Steinbruch für die
neuen Altäre, die von dem Kunsthandwerker Grauner,
Saarbrücken, gestaltet wurden.“
Der aus Lisdorf stammende Abt des Klosters Wadgas-
sen hatte beim Bau der neuen Kirche in Lisdorf im Zeit-
raum 1760/1764 keine Kosten und Mühen gescheut,
um ein schönes und großes sakrales Barock-Bauwerk
zu errichten. Das hat er offenbar in Düppenweiler nicht
getan. So führt V. Schommer in seiner Arbeit über die
Pfarrgeschichte von Düppenweiler aus:„Es ist anzuneh-
men, dass der Abt von Wadgassen im Rahmen des Kir-
chenbaus keine allzu großen Investitionen in Düppen-
weiler getätigt hat.“ Wohl auch deshalb wurde diese
kleine Kirche bereits im Jahr 1897 wieder abgerissen
und eine neue Kirche gebaut.
Kirchliches Tauschgeschäft
zwischen Lisdorf und Düppenweiler vor 255 Jahren
29
30
30
Von Heiner Groß
Der Schriftführer im Vorstand unseres Lisdorfer Hei-
matkundevereins Harald Weiler mailte mir unlängst
eine Anfrage von Gernot Karge aus Saarlouis, früher
Leiter des Kreisarchivs und auch nach seiner Pensi-
onierung weiterhin Chef-Genealoge im Landkreis
Saarlouis, nach einem am 25.01.1901 in Lisdorf gebo-
renen Vinzenz Lonsdorfer zu. Vor allem interessiere ihn,
aus welcher Lonsdorfer-Familie in Lisdorf er stamme.
Er, Gernot Karge, habe ihn nicht in seiner Genealogie
Lonsdorfer gefunden. Da Vinzenz Lonsdorfer nach
1900 geboren war, ist er aus Datenschutzgründen
nicht im Lisdorfer Einwohnerbuch von Rudolf Zenner
(†) aufgeführt.
Bei seinen Recherchen habe er festgestellt, dass Vin-
zenz Lonsdorfer als junger Mann Pianist im Lokal der
Witwe Pfeiffer in der Saarlouiser Wallstraße 13 war. Am
15.01.1925 habe er in der Schlächterstraße 7 gewohnt,
dann zwei Monate später im Hotel Rheinischer Hof in
der Adlerstraße und wieder drei Monate später in der
Schwarzochsenstraße 9/11. Seit dem 16.10.1925 habe
er wieder in Lisdorf gewohnt. Offenbar hatte Vinzenz
Lonsdorfer als junger, klavierkundiger Mann einige Zeit
seinen Lebensunterhalt als Klavierspieler in Saarlouiser
Lokalitäten verdient.
Über meine familienkundlichen Unterlagen konnte ich
einen Vinzenz Lonsdorfer nicht finden. Dann hat mir
aber Helga Spies, geb. Groß von der Holzmühle, eine
entfernte Verwandte und Mitglied unseres Heimat-
kundevereins mit einem Faible für Ahnenforschung,
Aufklärung verschafft. Vinzenz Lonsdorfer war ein Sohn
der Eheleute Josef Lonsdorfer (*1853, †1926) und Ma-
ria, geb. Klein (*1859, †1941), die in der Schmidtstraße
(Schmidtgasse) wohnten. Sie waren die Urgroßeltern
von Helga Spies mütterlicherseits. Ihre 2019 im Alter
von 91 Jahren auf der Holzmühle verstorbene Mutter
Ilse Groß war eine geborene Lonsdorfer aus Lisdorf. Ihr
Vater Alois Lonsdorfer war ein 8 Jahre älterer Bruder
des besagten Vinzenz Lonsdorfer. Dieser hat nach
seiner Verheiratung in Güdingen gewohnt, wo er auch
1976 im Alter von 75 Jahren verstorben und auf dem
dortigen Friedhof beerdigt wurde. Auch unser Senior
im VHL, der 93-jährige Rudolf Lonsdorfer, kannte Vin-
30
zenz Lonsdorfer. Bei meinen Recherchen um Vinzenz
Lonsdorfer und seine Vorfahren bin ich auf den Priester
Johann Lonsdorfer aus Lisdorf gestoßen, von dessen
Existenz mir, und auch Helga Spies, bislang nichts
bekannt war.
Die Eheleute Johann Caspar Lonsdorfer (*1814 †1881)
und Katharina geb. Klein (*1816 †1892) aus Lisdorf
hatten 13 Kinder, von denen 5 im Kindesalter starben.
Das 10. Kind war vorerwähnter Josef Lonsdorfer, der
Urgroßvater von Helga Spies. Das 6. Kind war der am
05.01.1846 in Lisdorf geborene Johann Lonsdorfer.
Nach Ablegung der Reifeprüfung studierte er am
Priesterseminar in Trier Theologie. Zum Priester wurde
er am 26.08.1871 im Hohen Dom zu Trier im Alter von
25 Jahren geweiht. Seine Kaplanszeit absolvierte er in
Koblenz. Danach war er Pastor der Pfarrei in Kesseling.
Die Gemeinde Kesseling liegt im Ahrtal und gehört
heute zur Verbandsgemeinde Altenahr im Landkreis
Ahrweiler. Ab dem 10.12.1889 war Johann Lonsdorfer
Pastor der Pfarrei Bollendorf, die im südlichsten Teil
der Eifel am Flüsschen Sauer liegt, die dort die Grenze
zum Großherzogtum Luxemburg bildet. Echternach,
die luxemburgische Grenzstadt, weltbekannt durch die
jährlich dort am Dienstag nach Pfingsten stattfindende
Springprozession, ist nur wenige Kilometer entfernt.
Die Gemeinde Bollendorf mit ihrer wald- und felsenrei-
chen Umgebung ist Luftkurort und heute Mittelpunkt
des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks. Der Ort,
der heute zum Landkreis Bitburg-Prüm gehört, bie-
tet mehrere Sehenswürdigkeiten, die auch schon, als
Johann Lonsdorfer dort Pastor war, da waren: So die
prächtige ehemalige Wasserfestung (Schloss) aus dem
17. Jahrhundert, in der heute ein großes Hotel-Restau-
rant eingerichtet ist. Im Schlosspark befindet sich ein
Vogelschutzgehege mit vielen Greifvögeln. Im be-
nachbarten Irrel liegt die bizarre„Teufelsschlucht“ und
im romantischen Tal der Prüm die weithin bekannten
Wasserfälle. Bollendorf liegt auch nur 15 Auto-Minuten
von Bitburg und eine knappe halbe Stunde von Trier
entfernt.
In diesem reizvollen Ort Bollendorf war der Lisdorfer
Johann Lonsdorfer ab dem 10.12.1889 der örtliche
Pastor. Leider nur knapp 5 Jahre, denn am 29.10.1894
ist er dort im Alter von 48 Jahren bereits verstorben.
Johann Lonsdorfer aus Lisdorf
Pastor von 1875 bis 1894 in Kesseling und Bollendorf
31
Am 02.11.1894 wurde er auf dem örtlichen Friedhof
in Bollendorf bestattet. Ob seine Grabstätte dort noch
vorhanden ist, konnte noch nicht geklärt werden.
Mit dem Priester Johann Lonsdorfer hat die Lisdorfer
Großfamilie Lonsdorfer eine weitere Persönlichkeit
hervorgebracht, dessen Leben und Wirken es weiter
aufzuhellen gilt.
Zu den angegebenen Daten von Johann Lonsdorfer
verweise ich auf das mit Unterstützung von Lisdorfer
Heimatkundlern von dem VHL-Mitglied Rudolf Zenner
aus Felsberg erstellte Werk„Die Einwohner von Lisdorf
vor 1900“, Teil 2G-Q, Seite 741, Band 23, Quellen zur
Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden
Gebieten.
31
Große FahrradKinderDemo
für sichere und bessere Radwege
Unter dem Motto„Kinder aufs Rad“ haben am Sonntag,
dem 19. September 2021, in Saarlouis rund 200 Teil-
nehmer bei einer Fahrraddemonstration sichere Stra-
ßen für alle gefordert. Alle Kinder und Jugendlichen
sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad
bewegen können. Sie forderten ein kinderfreundliches
Straßenverkehrsrecht mit geschützten, breiten Radwe-
gen an Hauptstraßen als Standard.
Für dieses positive Zukunftsbild organisierte der Allge-
meine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine FahrradKin-
derDemo, die„Kidical Mass“. Die Fahrraddemonstration
fand im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages
statt, wie die Saarbrücker Zeitung in großer Aufma-
chung am 21. September 2021 berichtete.
„Immer weniger Kinder fahren Fahrrad oder lernen es
erst spät. Der Grund dafür ist oft, dass Eltern Angst ha-
ben, dass ihre Kinder im Straßenverkehr verunglücken
könnten“, so der passionierte Radfahrer Marcel Scherf.
Initiator der Demo des ADFC in Saarlouis war der
Lisdorfer Neubürger Marcel Scherf. Auf unsere Bitte
hin stellt er sich hier kurz vor und berichtet über die
Aktion:„Ich bin mit meiner Frau und unserem Sohn vor
einem Jahr nach Lisdorf gezogen, da meine Frau in die
Zahnarztpraxis ihrer Eltern Dorothee und Harald Bau-
mann eingestiegen ist. Als ich von der bundesweiten
Kidical Mass Aktion erfahren habe, fand ich das eine
tolle Idee für Saarlouis. Radwege sind in vielen Städ-
ten Mangelware und auch in Saarlouis fallen mir viele
Verbesserungsmöglichkeiten ein.“
Wer Interesse an
der radverkehrspo-
litischen Arbeit des
ADFC und/oder an
dem regelmäßigen
Radtourenangebot
Mittwochs- und
Freitagsnachmit-
tags hat, kann
sich gerne tele-
fonisch bei Mar-
cel Scherf unter
0160/92317015
oder per Mail unter
saarlouis@adfc-
saar.de melden.
Der ADFC Saarlouis fordert ein sicheres Schulradwege-
netz bis zum Jahr 2030
Foto von Helmut Dörr ©
Marcel Scherf
Foto: privat
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  • 1. Nr. 32 Herbst 2021 Preis 3,00 € Lisdorfer Schifferdynastie ab S. 5 Aus der Saarstraße ab S. 15 Mulitmedia-Seite ab S. 51 Suche nach Ludwig Jenner ab S. 34 Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla der Familie Welsch im Jahr 1925
  • 2. Inhalt Historisches • Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla 4 • Die Lonsdorfer-Schifferdynastie 5 • Familie Risler und "Der Ecken" 15 • Geschichten um das Gasthaus Lorenz Kneip 22 • Kirchliches Tauschgeschäft 29 • Johann Lonsdorfer aus Lisdorf 30 • Ein Spross der großen Lisdorfer Lonsdorfer-Familie 36 • Vor mehr als 125 Jahren - Wehrführer der Feuerwehr Lisdorf 40 • Matthias Lonsdorfer 46 Aktuelles • Renate Dittgen - Neues Mitglied im VHL 27 • Heimatverbunden 28 • Große FahrradKinderDemo 31 • Die Multimedia-Seite 51 Lisdorfer Mundart • Saarlandkarte in Platt 37 • Èt és Herbscht 48 Interessantes • Langjähriges VHL-Mitglied ist erste Regiments- Kommandeurin in Rheine an der Ems 25 • Meine familiäre Beziehung zur Familie Lonsdorfer in Lisdorf 32 • Gestohlene Erinnerungen zurückgeben 34 • Das grüne Band 42 • 100 Jahre Friedhof Neue Welt 44 • Warum wird die Feldstraße in Lisdorf "Bloogass" genannt? 45 • Mutter sein - heute und vorgestern 49 • Der Löwenzahn - eine Lisdorfer Spezialität 54 Vereinsleben • Notizen aus dem Heimatverein 39 • Lisdorfer Kulturleben wieder gestartet 56 • Rodena Heimatkundeverein Roden e.V. 58 Rätsel 21 Mitgliedernachrichten 50 Impressum Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V., Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis. Redaktion: Georg Jungmann (verantwortlich), Herbert Germann, Heiner Groß, August Balthasar, Harald Weiler, Christine Hawner. Fotos: Harald Weiler, Archiv VHL, privat, Anneliese Marschibois geb. Schwickert; Lektorat: Karl Schneider und Dr. Franz J. Klein. www.heimatkunde.lisdorf.de Druck: Krüger Druck + Verlag, Handwerkerstraße 8-10, 66663 Merzig. Bankverbindungen: Kreissparkasse Saarlouis IBAN: DE26 5935 0110 0074 3008 80, Vereinigte Volksbank eG Saarlouis - Losheim am See - Sulzbach/Saar IBAN: DE21 5909 2000 6721 7502 03. Bezugspreis: 3 EUR je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion, wieder. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers. Vorwort 3 Lisdorfer Persönlichkeiten • Urkundenvergabe für 40 Jahre Mitgliedschaft beim Volksbund 14 • Der Heimatkundler und Bio-Gemüsegärtner Roman Denis 55 • Verdienstvoller Ehrenamtler Hans Podewin verstorben 59
  • 3. 3 Liebe Heimatfreundinnen, liebe Heimatfreunde, wir nähern uns langsam wieder der Normalität. Zahlreiche Corona-Einschränkungen sind zurückgenommen worden. Restaurant- oder Museums- und Theaterbesuche sind wieder möglich. Geimpfte oder Genesene können sich wieder ohne Einschränkungen treffen. Daher haben wir uns im Vorstand entschieden, erste Veranstaltungen noch in diesem Jahr durchzuführen. Der Mundartnachmittag am 31. Oktober und die Weinprobe im Weingut Schmitt-Weber in Perl am 13. November sind die lang ersehnten ersten„Nach-Corona-Aktivitäten“ unseres Vereins. Für das kommende Jahr planen wir nun auch wieder einige Fahrten und Exkursionen; so wollen wir in die Biosphärenregion Bliesgau und nach Lothringen fahren, weitere Fahrten werden folgen. Im kommenden Jahr wird Lisdorf, das bekanntlich erstmals 911 urkundlich erwähnt wurde, sein 1111-jähriges Jubi- läum feiern können. Erste Gespräche, wie wir das Festjahr begehen wollen, haben bereits stattgefunden. Jetzt treffen wir uns mit den Vereinsvertretern, um alle Vereine in dieses Jubiläum mit einbinden zu können. Bereits jetzt ist vor- gesehen, am Kirmeswochenende vom 5. bis 8. August 2022 die zentralen Feierlichkeiten zu begehen. Mit dem vorliegenden Heimatblatt ist es uns wieder gelungen, viele interessante Artikel und Beiträge zusammenzu- tragen, die sicherlich Ihr Interesse finden werden. Vor allem dem Thema Lisdorfer Saarschiffer haben wir den Schwer- punkt dieser Ausgabe gewidmet. Berichte über das Treidelschiff Walhalla oder die Lisdorfer Schifferdynastie Lons- dorfer sind ebenso interessant wie die über den Gasthof Risler und das Gasthaus Lorenz Kneip, beide in der heutigen Saarstraße gelegen. Warum die heutige Feldstraße auch„Bloogass“ genannt wird, wollen wir ebenso beleuchten wie einige Episoden aus der 200-jährigen Geschichte unserer Feuerwehr. Neben zahlreichen weiteren geschichtlichen Besonderheiten haben wir auch aktuelle Themen behandelt. So beleuchtet Andrea Jacob zusammen mit ihrer Mut- ter und Großmutter die Unterschiede„Mutter sein - vorgestern und heute“; Herbert Germann startet eine Serie, die wir in den nächsten Ausgaben fortsetzen werden, über den richtigen Umgang mit dem Computer, und wir berichten von unserem langjährigen Mitglied Dr. Mascha-Christine Groß, Schwiegertochter unseres Ehrenvorsitzenden Heiner Groß, die im Dienstgrad Oberfeldarzt als erste Kommandeurin des Sanitätsregiments in Rheine von der Bundesver- teidigungsministerin persönlich im Rahmen eines Appells in Dienst gestellt wurde. Weitere interessante Berichte über„das grüne Band“, Lisdorfer Persönlichkeiten und über eine Saarlandkarte in Platt runden diese interessante und bunte Ausgabe des Heimatblattes ab. Auch in dieser Ausgabe ist es uns wieder gelungen, viele Interessante Artikel und Beiträge zusammenzutragen, dazu die sehr guten Mundartbeiträge unserer Dichterinnen Marianne Faust und Elisabeth Jacob versprechen kurzweilige Unterhaltung. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und vor allem, bleiben Sie gesund! Ihr Georg Jungmann Vorsitzender
  • 4. 4 4 Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla der Familie Welsch im Jahr 1925 Von Harald Weiler Auf dem Titelbild unserer aktuellen Ausgabe des Heimatblattes ist das Schiff Walhalla der Schifferfami- lie Welsch/Luxenburger als Schleppschiff abgebildet, im Zustand des Jahres 1925. Personen von links nach rechts: die Geschwister Victor Welsch (1907-1966), Maria Welsch (verheiratete Kleber, 1903-1989), deren Mutter Maria Welsch geb. Lonsdorfer (1871-1946), Schiffseigner Jacob Welsch junior (1898-1959). Nicht auf dem Bild sind deren Vater Jacob Welsch senior (1867-1928), die Tochter Katharina Welsch (1900-1979, verheiratete Schmitt, Mutter von Theresia Schmitt, ver- heiratete Follert) und Sohn Adolf Welsch (1905-1944). Das Foto wurde uns zur Verfügung gestellt von Katha- rina Novaczyk (Tochter von Maria Welsch, Oftersheim) und ist das älteste bisher bekannte Bild eines Lisdorfer Schiffes. Auf dem Bild links erkennt man den bordeigenen Pfer- destall und den bei Leerfahrt demontierbaren Hebe- kran für die schwere, aufliegende Pferdepritsche, über die Pferde in den Stall oder an Land gebracht wurden. Rechts ins Bild ragt der Helmstock (Ruder-Steuerhebel) hinein; das Schiff hatte zu dieser Zeit noch kein Ru- derhaus. Unterhalb der Personen erkennt man die Schiffswohnung (zwei Fenster und kleine Gaube, auf der Jacob sitzt) sowie zwischen den beiden Frauen den Schornstein des Küchenofens. Die Walhalla lief 1914 vom Stapel auf der Werft der Ge- brüder „Van Geldern“ in Deest (Holland) und war von gleicher Bauart wie die im Heimatblatt 31 beschriebe- ne Germania der Familie Lonsdorfer: Schleppschiff mit Stahlrumpf, Abmessungen 38,5 x 5 Meter, Ladekapazi- tät 312 Tonnen bei 2,10 Meter Tiefgang. Erster Schiffs- eigener war der Schiffer Josef Jacob Welsch senior (1867-1928), verheiratet 1898 mit Maria Lonsdorfer (1871-1946), einer Schwester der Schiffer Anton und Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer Kirchenstraße 7. Zweiter Eigner war dessen Sohn Jacob Welsch junior (1898-1959), verheiratet 1950 mit Barbara geb. Amann verw. Luxenburger (1909-1969). Nach Jacobs Tod 1959 ging das Schiff über an Barbara und nach deren Tod 1969 an Barbaras Sohn Kurt Luxenburger (1940-2021) und dessen Ehefrau Silvia geb. Martini (*1948). Das Schiff wurde 1962 umgerüstet zu einem Motorschiff und 1972 verschrottet, als die Familie Luxenburger das Motorschiff Wallhall (ohne a) erwarb. Über das Schicksal dieses Schiffes und vieler anderer Schiffe und Schifferfamilien werden wir berichten in ei- ner großen Druckschrift, die der Verein für Heimatkun- de im Herbst 2022 herausgeben wird. Dank der mus- tergültigen Mitarbeit vieler Schifferfamilien in unserem Raum können wir dann eine umfassende Dokumen- tation herausgeben über einen ehemals blühenden Berufszweig, der nach dem Tode des letzten Lisdorfer Schiffers Kurt Luxenburger in Lisdorf erloschen ist. Ebenso werden wir im Juli 2022 eine bebilderte Son- derausgabe des Lisdorfer Heimatblattes herausgeben zum früheren Güter- und Personennahverkehr im Raum Saarlouis anlässlich des 125. Jahrestages der Eröffnung der Kleinbahnstrecke Ensdorf-Lisdorf-Saar- louis-Wallerfangen am 29. Juli 1897. Auch hier laufen die redaktionellen Arbeiten mit Hochdruck. 4
  • 5. 5 5 5 Nikolaus Lonsdorfer und Elisabeth geb. Werner im Jahre 1936 Die Lonsdorfer-Schifferdynastie Die Wurzeln der Familie Lonsdorfer lassen sich zurück- verfolgen bis in die Zeit des Saarlouiser Festungsbaues. In der Familie gab es nicht nur Schiffer, es waren alle Berufssparten vertreten, darunter auch der deutsche Konsul in Kairo Nikolaus Lonsdorfer oder die Stadträtin Mary Lonsdorfer. Der Stammbaum beginnt mit Mat- thias Lonsdorfer (*vor 1660, +13.1.1715 Lisdorf) aus Longstroff in Luxemburg und seiner Ehefrau Margare- tha Holdinger (*1660 Trier, +1721 Lisdorf). Matthias kam gegen 1680 zuerst nach Wadgassen und zog nach der Heirat 1684 zunächst um in die Festung Saarlouis. Dort war Matthias im Jahr 1707 für ein Jahr gewählter Bürgermeister. Etwa 1710 zogen sie um nach Lisdorf und dort erwarb die Familie in der heutigen Schmitt- straße ein Grundstück. Das Paar hatte 15 Kinder (6 Jungen, 9 Mädchen), aber von den Söhnen erreichte nur Sohn Johann das Erwachsenenalter. Sohn Johann Lonsdorfer (1686-1758) verheiratete sich zweimal, mit Anna Katharina Hoffmann und Katharina Emanuel. Aus der ersten Ehe entstammte der Sohn Johann Valentin (*1719), vh 1741 mit Margaretha Maria Klein, aus der zweiten Ehe mit Katharina entstammte der Sohn Ludwig Lonsdorfer (* 1747), der sich ins- gesamt dreimal verheiratete, mit Maria Rupp, Anna Katharina Theobald und Margaretha Rullang. Ludwig und Valentin wurden die eigentlichen Stamm- väter der Schifferfamilien mit dem Namen Lonsdorfer, deren Vertreter noch heute in unserem Raum, aber auch in Lothringen und im Elsass, in Deutschland und Europa, sogar in Australien und in den USA wohnen. Ludwigs Nachkommen verzweigen sich in zwei Linien, die aus den beiden ersten Ehen resultieren: 1. Ehe mit Maria Rupp (1745-1778), 2. Ehe mit Anna Katharina Theobald (1750-1790). Der vollständige Stammbaum der Familie wird später in unserer geplanten Dokumentation über die Schiff- fahrt in unserem Raum dargestellt; er ist zu umfang- reich für diesen Beitrag. Erstmals aktenkundig wurden die Lonsdorfers bereits vor über 200 Jahren in einem Protokoll der franzö- sischen Zollverwaltung in Saarlouis von 1814: laut Protokoll wurde die Schiffseignerin Witwe Elisabeth Longstroff mit einer Geldbuße belegt (vermutlich wegen Schmuggels). Es handelte sich um Maria Elisa- beth geb. Amann (1774-1856), die Witwe des Schiffers Johann Lonsdorfer (1768-1805). Eine weitere Spur in der Lisdorfer Geschichte hinter- lässt die Familie Lonsdorfer mit dem Schifferkreuz an der Ecke Groß-/Kirchenstraße, das an der vorderen lin- ken Ecke des Hauses Großstraße 49 steht. Es wurde laut Inschrift aus dem Jahr 1866 für verunglückte Schiffs- leute aus Lisdorf errichtet von dem Lisdorfer Schiffer Conrad Lonsdorfer (1823-1871) und seiner zweiten Ehefrau Anna Daub (1828-1906), die er im Jahr 1862 ein Jahr nach dem Tode seiner ersten Ehefrau Margare- tha Kneip (1816-1861) geheiratet hatte. Nur der untere Teil des Denkmals ist noch original erhalten. Durch Kriegseinwirkungen in den Jahren 1944/45 wurde der obere Teil des Kreuzes zerstört und ist danach wieder erneuert worden. Der genaue Hintergrund für die Er- richtung des Denkmals ist unbekannt; Unglücksfälle in Conrads Familie konnten wir bisher nicht ermitteln. Die Lisdorfer Schiffer Nikolaus, Anton und Maria Lonsdorfer begründeten drei Schifferfamilien, die über drei Generationen Europas Wasserstraßen befuhren.
  • 6. 6 6 6 Hannelore Salm geb. Lonsdorfer Michael Lonsdorfer (als Soldat in Russ- land) Schifferfamilie Lonsdorfer – Salm Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937), vh. 1896 mit Eli- sabeth Werner (1875-1960) und Anton Lonsdorfer (1874-1965), vh. 1898 mit Maria Werner (1877-1963), begründeten zwei große Schifferfamilien, über die wir noch berichten werden. Ihre Schwester Maria Lonsdorfer (1871-1946) war verheiratet seit 1898 mit dem Schiffer Jacob Welsch senior (1867-1928) und begründete eine weitere dritte Schifferfamilie, deren bekanntestes Mitglied Viktor Welsch (Saargold) war. Anton erreichte ein hohes Alter, er überlebte seine Geschwister Maria und Nikolaus um 19 bzw. 28 Jahre. Alle drei stammten aus der Kirchenstraße 7 in Lisdorf. Elisabeth und Maria Werner stammten aus Wasserbillig und waren Schwestern. Ihre Nachfahren Erwin und Jo- hann Anton Lonsdorfer (Rufname Hans) fuhren bis zum Sommer 2021 noch zu Schiff. Hans hat inzwischen den Betrieb eingestellt, sein Schiff verkauft und ist in Rente. Über das Schicksal des Schiffers Kurt Luxenburger, ein Stiefsohn des Schiffers Jacob Welsch junior, haben wir bereits in Ausgabe Nr. 29 berichtet, ebenso in Aus- gabe Nr. 31 über die Familie des Nikolaus Lonsdorfer und den Schiffer Klaus Lonsdorfer mit seinem Schiff Germania. Zwei weitere Mitglieder der Lonsdorfer- Schifferfamilie haben uns ihr Leben auf einem Binnen- schiff geschildert. Wir haben es niedergeschrieben und berichten nun davon. Anton Lonsdorfer und Maria geb. Werner im Sommer 1963 zur Zeit ihrer Eisernen Hochzeit (65 Jahre); Maria verstarb drei Monate später Zur Familie Lonsdorfer gehört auch die Schifferin Hannelore Salm geb. Lonsdorfer, eine Enkelin der Lisdorfer Schiffer Anton Lonsdorfer und Maria Werner. Ihre Eltern waren: Michael Lonsdorfer (1911-1991, ein Sohn von Anton Lonsdorfer) und Johanna Scheuer (1912- 1993, Bild nächste Seite). Das Paar hatte drei Kinder: Die Töchter Hannelore und Hei- demarie und Sohn Hans. • Tochter Hannelore, Schifferin (*1939 Malstatt), vh. seit 1964 mit Horst Salm (*1941, Sohn von Willi Salm und Sophie Meiers aus Saarburg), wohn- haft zurzeit in Grosblieder- stroff. • Tochter Heidemarie (*1943), vh. 1961 mit Elmar Wei- des (*1939), lebt aktuell in Saarbrücken, fährt nicht zu Schiff. • Sohn Hans (eigentlich Johann Anton, *1953, Schiffer) und Lebensgefährtin Ute Sparschuh (*1963) fuhren bis zum Sommer 2021 in Nordwestdeutschland mit dem Schiff Queen 2 und gingen dann in Völklingen in den Ruhestand. Michael Lonsdorfer im Jahr 1966 mit Enkelin Elisabeth Weides vh. Scholz und Enkel Horst Michael Salm auf dem Arm, dahinter stehend Johanna, rechts daneben Heidemarie vh. Weides und Hannelore vh. Salm
  • 7. 7 7 7 7 7 7 7 Von der Schifferin Hannelore Lonsdorfer liegt uns ein Bericht vor über ihr mehr als ein halbes Jahrhundert währendes Leben (1953-2009) auf Binnenschiffen, den wir nun wiedergeben: Ihre Kindheit verbrachte sie bis zum August 1940 in der Evakuie- rung in Thüringen. Nach der Rück- kehr gingen Johanna und ihre Tochter Hannelore zu ihren Groß- eltern Johann Scheuer und Jose- fine geb. Acker auf die MS Aetna. Bis nach der Geburt der Schwester Heidemarie 1943 verblieben sie auf dem Schiff, danach gingen sie an Land, da wegen der zunehmen- den Luftangriffe der Aufenthalt auf Schiffen immer gefährlicher wurde. Im Jahr 1944 folgte die zweite Evakuierung in den Raum Kassel, 1945 die Rückkehr. Auch Vater Mi- chael wurde bereits 1945 aus russischer Gefangen- schaft entlassen. Die Fami- lie wagte nach dem Krieg einen Neuanfang mit den Schleppschiffen Lioba und dem Holz-Schleppschiff Hansi und zuletzt mit dem Schiff Caritas, bis Michael und Johanna in Rente gingen. Ihre Schulzeit verbrachte Hannelore zusammen mit vielen anderen Schifferkindern aus der Verwandt- schaft in St. Arnual. Sie waren untergebracht bei den Großeltern Johann und Josefine Scheuer und nicht in einem Kinderheim. Nach der Schulentlassung 1953 ging sie auf das Schiff ihrer Eltern, damals die Hansi, und lernte dort die ersten Grundzüge des Schiffer- handwerks. Später, um 1956, erwarben die Eltern das Schiff Caritas, das vorher bereits den Schiffern Karl Momper und Friedrich Lück gehört hatte. Sie fuhr noch mit ihren Eltern auf der Caritas, zeitweise noch mit Cousine Wilma Scheuer. 1959 ging sie wieder an Land zu den Großeltern. Im Jahr 1964 heiratete sie den Schiffer Horst Salm aus Saarburg, Sohn der Schiffer Wilhelm Salm und Sophie Meiers aus Saarburg, und ging als Schifferin auf das Schiff Mignon. Hannelore erwarb insgesamt sechs Patente für Holland/Belgien, Frankreich, Deutschland, Mittellandkanal, Mosel und Grand Canal d'Alsace, alles abgeschlossen durch einen Erste-Hilfe-Lehrgang und Mit Mutter Johanna 1940 Großeltern Johann Scheuer und Josefine geb. Acker die Funkprüfung in Frank- reich. Damit war sie zur Führung von Motorschiffen unbeschränkt berechtigt und sie steuerte selbst Schiffe. Im Jahr 1966 wurde Sohn Horst Michael gebo- ren; er absolvierte eine voll- ständige Ausbildung auf der Schifferschule und fuhr noch zwei Jahre auf der Mi- gnon mit, dann orientierte er sich jedoch anders und ging zu den Stadtwerken Saarbrücken. Hannelore und Horst fuhren zuerst die Mignon (Bild oben), die 1924 auf der Werft der Gebrüder Saar in Rockershausen für die Schifferfamilie Werner aus Saarburg gebaut worden war. Später kaufte Horsts Vater Willi das Schleppschiff. Im Jahr 1964, nach der Eheschließung, gingen die Eltern an Land und Horst und Hannelore übernahmen das Schiff. Im ersten Halbjahr 1965, direkt nach der Alda (erster Eigner Adolf Welsch aus Lisdorf, +1944) unter ihrem damali- gen Eigner Klaus Schramm, wurde das Schiff auf der Werft Leffer in Luisenthal mit einem Kostenaufwand von 40.000 DM modernisiert und motorisiert mit einem Henschel-Dieselmotor mit 230 PS und Vier- flügel-Propeller. Zusätzlich wurde der Laderaum um 30 cm erhöht. Mit den Abmessungen 39 x 5 Meter stieg die Transportkapazität auf 250 Tonnen bei 1,80 Metern Tiefgang, bzw. 325 Tonnen bei 2,20 Metern. Hannelore im Steuerstand der Mignon
  • 8. 8 8 Später erhielt die Mignon noch eine neue Schiffswoh- nung hinter dem Laderaum,„Roof“ genannt. Bei neun Metern Länge war die Wohnung 45 m² groß, hatte zwei Schlafräume, ein Wohnzimmer, Küche und Bad mit WC und auf jeder Seite drei Fenster. Im Jahr 2000 wurde die Mignon nach Straßburg ver- kauft, wo sie heute als Wohnschiff am Rheinufer vor der Antwerpener Brücke liegt. Horst und Hannelore, damals fast 60 Jahre alt, erwar- ben kein neues Schiff mehr, sondern fuhren von 2000 bis 2009 als Setzschiffer die Fortuna. Die Fortuna gehörte vorher Nikolaus Scheuer (1915- 1978) bis zu seinem Tode und wurde dann verkauft an die Werft Wirotius in Hanweiler. Dort liegt die Fortuna heute auf der Saar vor Anker Im Jahr 2009 gingen Horst und Hannelore in Rente, Han- nelore war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt. Wie für viele andere Schiffer hatte auch für sie das Schifferleben nicht nur schöne Seiten. Das unbere- chenbare Wetter, Pech oder Unglück setzen den Schif- fern bisweilen erheblich zu: Strenger Frost hielt die Mignon öfter im Eis fest und sorgte für Verdienstausfall. Eine Kollision in Paris 1965/66 brachte einen langen Aufenthalt auf der Werft und auch ein Defizit in der Kasse. Blick ins Wohnzim- mer der Mignon, ca. 1978 Sohn Horst Michael Salm, daneben Schulfreund Patrick Buch auf der Mignon MS-Fortuna; rechts auf dem Gangbord der daneben lie- genden Queen 2 geht Nichte Elisabeth Weides
  • 9. 9 9 An der gefährlichen Stelle in Paris kam nicht nur die Mignon zu Schaden. Heute ist diese Stelle entschärft durch eine Verkehrsregelung und auch dank Bordfunk. Ihr Bruder Hans Lonsdorfer musste mit der Caritas durch die Mignon freigeschleppt und zur Werft in Vitry- le-François gezogen werden, nachdem er in der Marne auf Grund geraten war (Bild links). Die Mignon nahm die voll beladene Caritas in Schlepp. Die Mignon war stärker motorisiert und so konnten beide Schiffe eine höhere Geschwindigkeit fahren (Bild unten). An die Zeit der Treidelschiffe erinnert das obige Gemälde: Es zeigt Michael Lonsdorfer als Halfen (Pferdeführer) mit zwei Pferden und der Caritas als Treidelschiff im Schlepp vor der Alten Brücke am Saarbrücker Schloss. Der Name des Schiffes ist am Bug deutlich zu erken- nen. Maler und Datierung sind nicht mehr bekannt, das Bild ist im Eigentum von Hannelore Salm.
  • 10. 10 Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen 10 Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen Zur Familie der Lonsdorfers gehört die ehemalige Berufsschifferin Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer. Sie ist eine Enkelin der Lisdorfer Schiffer Nikolaus Lonsdorfer/ Elisabeth Werner aus der Kir- chenstraße und eine Tochter deren Sohnes Adolf (*1901 St. Johann, +1977 Datteln/West- falen). Er war seit 1933 ver- heiratet mit Julia Pets (*1913 Dendermonde-Appels/Bel- gisch-Flandern, +2003), der Tochter des Schiffers Petrus Pets aus Antwerpen und Ehe- frau Rosalia Natalia Romijns. Petrus war Kapitän eines Bugsierschleppers und später selbst Schiffseigner. 15 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges musste Julia wegen ihrer Ehe mit einem Deutschen viel ertragen. Adolf und Julia hatten drei Kinder: • Alfred, *1934 in Zelzaete (Belgien, Kanal Gent-Terneu- zen), +2001, • Irmgard, *1939 in Datteln, 1961, vh. Hausen, lebt aktu- ell in Koblenz (siehe Heimatblatt Nr. 31), • Peter, *1954 in Dendermonde, in Rente 2019, lebt in Brake an der Weser. Die Eltern fuhren mehrere Schiffe, darunter die Asca- nia Nr. 1, ein Schiff aus Belgien. Der Vater fuhr damit vorwiegend in Frankreich, Belgien und Deutschland. Wie die meisten anderen Binnenschiffe im besetzten Europa wurde auch die Ascania 1940 in Duisburg-Ruhr- ort konfisziert. Die Kriegsmarine überführte sie nach Norwegen, wo sie als Versorgungsschiff fuhr. Das Schiff war bei Kriegsende noch intakt, es wurde in Norwe- gen beschlagnahmt und als Kriegsbeute nach Belgien überführt; das Schiff war damit für die Familie verloren. Irmgard berichtet dazu:„Ich verbrachte meine frühe Kindheit in Duisburg-Ruhrort, wo die Mutter einquar- tiert wurde, nachdem das Schiff beschlagnahmt und Vater Adolf zum Militär eingezogen worden war. Im weiteren Verlauf des Krieges verbrachten wir wegen der häufigen Bombardierungen viel Zeit im Luft- schutzbunker. Später, nach Rückkehr des Vaters aus dem Krieg, fuhr die Familie auf etlichen Schiffen zur Aushilfe, bis mein Vater das Schiff Ilse als Schiffsführer übernahm. Auf diesem Schiff fuhren wir bis 1954 hauptsäch- lich auf dem Rhein, mit Bims aus An- dernach auf Neckar und Oberrhein. Von 1947 bis 1954 war ich im Schifferkinderheim„Luisen- Stephanien-Stiftung“ in Mannheim und verbrachte dort die Schulzeit. 1954 übernahmen meine Eltern das Schiff der Schwiegereltern, die MS Ster, wo ich mit meinen beiden Brüdern an Bord war bis zum Jahr 1957. Ich erhielt in Duisburg eine Arbeitsstelle und ging an Land. Doch das Land- leben war nicht meins, es zog mich Adolf Lonsdorfer und Julia geb. Pets Peter Lonsdorfer Treidelschiff Ilse 1950 Alfred, Julia Lonsdorfer geb. Pets, Irmgard Hausen, im Jahr 1989 MS Ster, im Bild vorne Rosalia Romijns und Petrus Pets
  • 11. 11 11 immer wieder zurück zum Was- ser, zunächst also wieder zurück auf die Ster. Meine Eltern und Brüder fuhren weiter auf der Ster, danach noch auf den Schiffen Ascania Nr. 2 und Ascania Nr. 3 bis zur Betriebseinstellung. Ich selbst heiratete im Oktober 1961 den Saarburger Schiffer Erich Hausen, verließ die Ster und kam als Schifferin auf die Eros, ein 50 x 6,60 Meter großes 500-Tonnen- Motorschiff, das ursprünglich im Jahr 1929 als Schleppschiff St. Joseph in Ramsdonkveer (NL) als Kempenaar-Schiff (Schiffe mit speziellen Abmes- sungen für die Kanäle im niederländisch-belgischen Grenzgebiet) vom Stapel gelaufen war. Das Schiff hatte mein Schwiegervater Friedrich Hausen im Jahr 1957 gekauft und es erhielt den Namen Eros. Später übernahm es sein Sohn Erich Hausen als selbstständi- ger Schiffer. 1961 wurde das Schiff in Gendt (bei Lobith nahe Arnheim) auf 58 Meter verlängert und neu motorisiert mit einem Deutz-Schiffsdiesel mit 435 PS, die Ladeka- pazität stieg auf 580 Tonnen. In der Wohnung auf dem Schiff war alles Notwendi- ge vorhanden: Wohnzimmer, Schlafkammer, Bad und WC und eine schmale Küche. Das Essen wurde auf einem Kochherd für Holz oder Kohle zubereitet (man Dieselmotor Hilfsaggregat und die Druck- luftbehälter (blaue Tanks) beachte das Kaminrohr am Herd). Irmgard Hausen berichtet weiter: „Wir, also mein Erich (Bild links) und ich (Bild rechts unten), wir fuhren für die Reederei Lehnkering Montan Transport AG und transportierten Kohle von Herne nach Peine. Zurück fuhren wir mit Stahl, Spundbohlen usw. von Peine oder Salzgitter auf den Main, den Neckar oder nach Hol- land oder Belgien und von dort mit Kies oder Futtermit- teln zurück. Auch befuhren wir die Mosel und später die Großschiff- fahrtsstraße Saar, über die wir Metallschrott zum Hafen Dillingen/Saarlouis transportier- ten. Eigentlich haben wir alles transportiert, egal wohin. Die letzten Jahre transportierten wir fast nur noch Schwerspat (Mineral des Metallsalzes Bariumsulfat) aus der Schwerspatgrube Sachtleben in Dreislar (Westerwald) von Dort- mund nach Duisburg- Homberg zur Firma Sacht- leben Chemie GmbH. Wir mussten auch erfah- ren, dass das Schifferle- ben nicht nur schöne Sei- ten hat: mehrmals lagen wir in kalten Wintern im Eis fest oder das Schiff erlitt Schäden durch Kollisio- nen mit anderen Schiffen, die sich bedingt durch die langen Bremswege der Schiffe nicht ganz vermeiden lassen. Wir hatten einen Schaden am Bug auf dem Rhein bei Leverkusen oder im Jahr 1980 ein verbeul- tes Heck, nachdem uns ein Frachter hinten aufge- fahren war. Die notwendigen Reparaturen auf der Werft bedeuteten einen Verdienstausfall, den niemand ersetzte. Auch haben die Schiffer Respekt vor dem Erich Hausen Irmgard Hausen Im Winter 1992 in Wanne- Eickel
  • 12. 12 unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr 1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland. Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu dieser Zeit bereits auf der Eros und erfuhr davon erst hinterher. 1992 war für Erich und mich die Schifffahrt zu Ende. Die Eros wurde verkauft und fuhr unter ihrem neuen Besitzer als MS Steinbeißer weiter. Wir setzten uns in Koblenz zur Ruhe und kauf- ten ein Haus in Koblenz- Güls. In dieser Zeit lernte ich auch endlich meinen Cousin Klaus Lonsdorfer und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema- ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der Saarschifffahrt näher. Mein Bruder Alfred blieb ledig und starb 2001. Mein Bruder Peter fuhr noch weiter zu Schiff mit der Ascania, zuletzt die dritte dieses Namens in unserer Familie, und ging im Jahr 2019 in Rente. Das Schiff wurde verkauft nach Holland und dann nach Serbien. Peter Lonsdorfer heiratete seine langjährige Lebensge- fährtin Maria Darian (*1954) und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder. Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90 Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64. Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit- we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls, dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh- nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks. Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan- gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt. UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen- Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende. 12 unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr 1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland. Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu dieser Zeit bereits auf der Eros und erfuhr davon erst hinterher. 1992 war für Erich und mich die Schifffahrt zu Ende. Die Eros wurde verkauft und fuhr unter ihrem neuen Besitzer als MS Steinbeißer weiter. Wir setzten uns in Koblenz zur Ruhe und kauf- ten ein Haus in Koblenz- Güls. In dieser Zeit lernte ich auch endlich meinen Cousin Klaus Lonsdorfer und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema- ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der Saarschifffahrt näher. Mein Bruder Alfred blieb ledig und starb 2001. Mein Bruder Peter fuhr noch weiter zu Schiff mit der Ascania, zuletzt die dritte dieses Namens in unserer Familie, und ging im Jahr 2019 in Rente. Das Schiff wurde verkauft nach Holland und dann nach Serbien. Peter Lonsdorfer heiratete seine langjährige Lebensge- fährtin Maria Darian (*1954) und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder. Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90 Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64. Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit- we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls, dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh- nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks. Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan- gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt. UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen- Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende. MS Steinbeißer Peter Lonsdorfer und Maria Darian Zusammen mit dem bekannten Heimatkundler Ger- not Karge und Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Professor der Medizin an der Universität Straßburg, sowie dessen Bruder André, beide Großneffen von Mary Lonsdorfer, erforschten wir im Oktober 1995 unseren Stammbaum, beginnend mit unserem Ahnen Matthias aus dem luxemburgischen Longstroff bis zu meinen Großeltern Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937) aus der Lisdorfer Kirchenstraße und seiner Frau Elisabeth, geb. Werner (1875-1960) aus Wasserbillig. Ich grüße herzlichst alle Lisdorfer Leser dieser Schrift in der Heimat meines Großvaters Nikolaus, die ich bedingt durch das Leben auf einem Binnenschiff noch nicht oft kennenlernen konnte. Nach 1995 kam es erstmals im Sommer 2020 zu einer kurzen Stippvisite in Lisdorf an- lässlich eines Besuches am Baumgrab meiner Verwand- ten Klaus & Maria Lonsdorfer im Friedwald Saarbrücken. Auch konnte ich noch den letzten Lisdorfer Schiffer Kurt Luxenburger (+2021) kennenlernen, der mir vorher noch nie begegnet war.“ Soweit der Bereicht von Irmgard Hausen. Zu einem großen Wie- dersehen kam es am 6. August 2021. Ein Redak- tionsteam des Vereins besuchte in Offendorf (Elsass) das Musée de la Batellerie (Museumsschiff CABRO) des Vereins Cer- cle amical des Bateliers reunis d'Offendorf (Prä- sident Raymond Fried- mann). Hier kann man ein altes Binnenschiff von innen besichtigen und sich ein Bild machen vom Besuch im Kreisarchiv Saarlouis am 9. Oktober 1995, von links nach rechts: Schiffer Klaus Lonsdorfer, Schiffer Joseph Gless (*1942) aus Offendorf, Irmgard Hausen, geb. Lonsdorfer, Maria Lonsdorfer, geb. Lordt, Prof. Dr. Jean Lonsdorfer (*1939), Gernot Karge, André Lonsdorfer (*1943, Ingenieur, USA, Bruder von Jean Lonsdorfer), Lau- rent Lonsdorfer (*1966) Arzt, Sohn von Jean Lonsdorfer Museumsschiff CABRO
  • 13. 13 13 Leben der Berufsschiffer frühererTage. Schiffswohnung und Motorraum sind im Originalzustand erhalten und im Laderaum des Schiffes ist ein Schifffahrtsmuseum eingerichtet. Ein großartiger Empfang wurde uns dort bereitet durch die Mannschaft der CABRO und die Gemeinde Offendorf. Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Gelegenheit zum Studium der Schifffahrt wurde gerne genutzt. Hannelore und Irmgard sind doppelte Cousinen zweiten Grades. Großväter von Hannelore und Irmgard waren die Brüder Anton und Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer Kirchenstraße, Großmütter waren die beiden Schwestern Maria und Elisabeth Werner, beide aus Wasserbillig stam- mend. Die Schifffahrt mit ihren wechselnden Routen brachte es mit sich, dass sie sich vorher nie begegnet waren, eine familiäre Eigenheit, die alle Schifferfamilien kennen. Oft treffen sich Schiffer aus einer Familie nie oder zufällig fern der Heimat oder aus wichtigem famili- ärem Anlass. Der Großvater von Jean war der Lisdorfer Schiffer Johann Lonsdorfer (1871-1932), der jüngste Bruder von Johann Adam Lonsdorfer (Gründer der Kohlenhandlung in der Lisdorfer Provinzialstraße und Vater von Mary Lonsdor- fer). Johann verheiratete sich im Jahre 1900 nach Saar- burg im damals deutschen Lothringen und eröffnete dort ebenfalls eine Kohlenhandlung. Über den Zweig der Familie Lonsdorfer im Elsass werden wir später noch gesondert berichten. Von links : Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Präsident Raymond Friedmann, Denis Hommel (Bürgermeister von Offendorf), Paul Gless (ehemaliger Berufsschiffer), Harald Weiler (Verein für Heimatkunde Lisdorf), Willi Salm (ehemaliger Berufsschiffer, Saarburg/Speyer) Die Lonsdorfers, von links: Hannelore Salm, geb. Lonsdor- fer, Mireille und Prof. Jean Lonsdorfer, Irmgard Hausen, geb. Lonsdorfer Die Angaben zu diesem Bericht wurden zusammengetra- gen von • Harald Weiler, Vorstandsmitglied des Vereins für Heimat- kunde Lisdorf, • Irmgard Hausen, geb. Lonsdorfer (Koblenz), ehemalige Berufsschifferin, Enkelin der Schiffer Nikolaus Lonsdorfer und Elisabeth Werner, • Hannelore Salm, geb. Lonsdorfer (Grosbliederstroff), ehemalige Berufsschifferin, Enkelin der Schiffer Anton Lonsdorfer und Maria Werner, • Prof. Dr. Jean Lonsdorfer (Schiltigheim bei Straßburg), • Brunhilde, geb. Weiten und Herbert Primm. Herbert war der letzte Vorsitzende des Verban- des der Saarschiffer Unitas e. V. (St. Wendel). Herbert Primm und Brunhilde, geb. Weiten
  • 14. 14 14 Heiner Groß aus Saarlouis-Lisdorf ist seit dem 01.01.1981 treues Mitglied beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Da er bereits öfter mit dem Landesver- band Saar Kontakt hatte, überreichte der Landesvorsitzende Werner Hillen ihm die Urkunde zu 40 Jahre Mitgliedschaft persön- lich. Beim Gespräch im Wohnzimmer erzählt Groß von seinem Vater, der seit dem Zweiten Weltkrieg in Russland vermisst wird. Bis heute hat der Lisdorfer die Hoffnung, dass der Volksbund ihn findet und ihm eine letzte Ruhestätte gibt. Vor einigen Jahren war Groß mit dem Heimatkun- deverein Lisdorf, dessen Ehrenvorsitzender er ist, unter Leitung des LV Saar auf den Schlachtfeldern von Ver- dun. Die Eindrücke dieser Fahrt begleiten ihn bis heute. Er findet: Der Frieden ist nicht selbstverständlich und muss wertgeschätzt und täglich neu verteidigt werden. Gerne ist Heiner Groß auch Gast bei den jährlichen Veranstaltungen im Saarländischen Staatstheater, die speziell für den Volksbund ausgerichtet werden. Diese gemeinsame Treffen der Mitglieder des VDK schätzt er sehr und motiviert dazu auch seine Mitglieder vom Heimatkundeverein. Mit seiner Mitgliedschaft unterstützt Heiner Groß einen gemeinnützigen Verein, der Jugendliche sowohl durch die Pflege von Kriegsgräbern als auch durch friedenspä- dagogische Bildungsarbeit an historische Themen heranführt. Wer sich mit dem Schicksal eines einzelnen Kriegstoten beschäftigt, wird sich erst über die Ausmaße kriegerischer Auseinandersetzungen bewusst. Jugendli- che sollen dafür sensibilisiert werden, um sich im Heute und Morgen aktiv für Frieden einzusetzen. Der Volksbund dankt Heiner Groß herzlich für seine Treue und freut sich über jedes neue Mitglied. Mehr In- fos unter www.volksbund.de/mitgliedschaft/mitglied- werden . Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. wurde 1919 gegründet und ist seitdem im Auftrag der Bundesregierung für die Suche und Identifizie- rung von deutschen Kriegstoten im Ausland sowie für deren würdige Bestattung und den Erhalt ihrer Gräber zuständig. Seit seiner Gründung hat er in 46 Ländern 832 Kriegsgräberstätten mit knapp 2,8 Mio. Gräbern errichtet. Die Landesverbände im Inland organisieren u.a. die Haus- und Straßensammlung, Friedens- und Jugendprojekte und die Gedenkstunde am Volkstrau- ertag. Zudem sind sie Ansprechpartner für Mitglieder und Angehörige und unterstützen die Kommunen in der Kriegsgräberfürsorge. Der gemeinnützige Verein finanziert seine Arbeit zu 70 % aus privaten Geldern und ist daher auf Mitglieds- und Spendenbeiträge angewiesen. Text: Amélie Zemlin-Kohlberger 14 Urkundenvergabe für 40 Jahre Mitgliedschaft beim Volksbund Werner Hillen überreicht die Urkunde an Heiner Groß
  • 15. Von August Balthasar Das letzte Haus auf der rech- ten Straßenseite war das Haus des Johann Risler; das Haus wurde im November/ Dezember 1944 von der deut- schen Artillerie von Ensdorf aus beschossen und zerstört. Danach wurde das Haus von den Nachkommen Franz Konstroffer und Maria geb. Risler wieder neu aufgebaut. Es waren die Eltern von Franz- Josef Konstroffer (+), der ver- heiratet war mit Marie-Rose, geb. Rohe. Marie-Rose und ihr Sohn Sascha bewohnen das Haus heute. Johann Risler war Glasbläsermeister auf der Glashütte in Wadgassen. Seine beiden Brüder Lorenz und Nickel waren auch dort beschäftigt. Der Nickel ist noch mit über 70 Jahren zu Fuß jeden Tag zu seiner Arbeitsstelle nach Wadgassen gegangen und wurde für sein lebens- langes Arbeiten dafür betrieblich besonders geehrt. Auch in der Tageszeitung jener Tage war das nach- zulesen. Gerne und oft haben sie die nachfolgende Geschichte aus ihrem Leben erzählt und waren darauf auch sehr stolz gewesen: „Wir drei“, so sagten sie des Öfteren,„wir sind jeder für sich zu Fuß schon ein paarmal um die Welt gelaaf (um die Welt gelaufen)“. Die Leute im Dorf haben darüber gelacht und geschmunzelt und niemand konnte das so recht glauben, doch es hat wirklich gestimmt. Der einfache Weg zu Fuß zur Arbeit von Lisdorf - Saarstraße bis nach Wadgassen zur Glashütte beträgt ca. 6 km, das sind 12 km je Arbeitstag, 72 km bei 6 Arbeitstagen in der Woche. Zu ihrer Zeit vor dem 1. Weltkrieg betrug die tägliche Arbeitszeit noch bis zu 16 Stunden je Tag bei 6 Tagen in der Woche. Urlaub und Freizeit waren zu dieser Zeit noch ein Fremdwort, die gab es einfach noch nicht. Bei 51 Wochen im Jahr waren das 51x72 = 3.672 km in einem Jahr, also etwa 40.000 km (!) in elf Jahren. Nach elf Jahren zu Fuß nach Wadgassen haben sie also praktisch von der Wegstrecke her die Erde ein- mal umrundet. Das haben sie zwei, drei oder vier Jahr- zehnte gemacht und also tatsächlich die Strecke von mehreren Erdumrundungen zurückgelegt. Später kam dann zuerst die Eisenbahn, dann die Straßenbahn, aber viele Arbeiter und einfache Leute konnten mangels Geld diese Transportmittel nicht nutzen. Sie mussten, wie man sagte,„auf Schusters Rappen“, also zu Fuß mit abgelaufenen, ausgelatschten Schuhen, den Weg zu ihrer Arbeit zurücklegen, von Lisdorf zum Beispiel zum Röhrenwerk in Bous, zum Eisenwerk in Fürstenhausen, nach Geislautern oder Dillingen, zu den Kohlegruben nach Griesborn, Schwalbach oder Ensdorf. Adolf Risler war der Onkel von Lorenz Risler und Bruder Johann Risler mit Enkel Franz-Josef Konstroffer, wie bereits in Hematblatt Nr. 31/2021 berichtet, dem späte- ren Betreiber der Greifvogelstation„Em Ecken“. Seinen alten Gasthof gegenüber Haus Saarstraße 30 hat er sodann an seinen Sohn, den Nicolas Risler, genannt„da Riesennickel“, vermietet, der auch danach das Haus von seinem Vater kaufte. Adam Risler, genannt„da Wurscht-Adam“, ist mit 67 Jahren an einem Herzinfarkt am 15.01.1913 verstorben, wie schon von mir im Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet. Die Rislers selbst hatten auch einen Nachen, einen Johann Risler, der Glasbläser-Meister zu Lisdorf Saarstraße Haus Nr. 38 Johann Risler 15 Lorenz Risler, Bruder Johann Risler mit Enkel Franz-Josef Konstroffer
  • 16. 16 16 Kahn, den größere Schiffe hinter sich herzogen. Diese nannte man in Lisdorf„Anhängsel“. Es war ein rund- bauchiger Holzkahn, der auch zum Fischfang benutzt wurde. Nach jedem Krieg wurde es dann immer besser, haben die Alten gesagt. Nach dem 1. Weltkrieg kam der 12-Stunden-Arbeitstag an 6 Tagen in der Woche. Es waren jene Zeiten, als die Lisdorfer Fabrikarbeiter sich zu Fuß auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle machten, mit ihren„Essen-Dibba“ (Essensbehälter) in der einen Hand und dem Flachmann in der kleinen Brusttasche. Frühmorgens machten sie sich auf den Weg und wurden auch oft zu dieser Zeit von Lisdorfer Bauern belächelt. Johann Risler war nicht nur Glasbläser auf der Glashütte in Wadgassen, sondern auch Angehö- riger einer alteingesessenen Fischerfamilie mit eige- nem Kahn. Das geht hervor aus einer Festschrift des Angelsportvereins e.V. Saarlouis-Lisdorf vom 30./31. Mai 1970. Man konnte vom Verein besonders in den Jahren 1905–1915 auch Erlaubnisscheine zum Fischen mit Netzen und zum Fischfang mit Angeln auf der Saar gegen Zahlung einer bestimmten Summe erwerben. Ein hervorragender Kenner dieser Arten des Fischfangs war Jean Port mit seinen Söhnen, die den Fischfang berufsmäßig betrieben. 16 Geschichten um den Gasthof Adam Adolf Risler zu Lisdorf Fährgasse Haus Nr. 30, Em Ecken Erzählt von Katharina Balthasar geb. Welsch (Mutter war geborene Kneip, *18.8.1907, +29.5.1998), wohnhaft von Geburt an bis 1985 in der Saarstr. 33, danach bis zum Tode bei ihrem Sohn August (II. Gartenreihe), aufgeschrie- ben, ergänzt und erweitert von Sohn August Balthasar, Saarlouis. Katharina berichtet über den Gasthof Risler: Schon vor 1900, schon lange vor der Jahrhundertwen- de, gab es den alten Gasthof Risler. Der zweite Inhaber war Adam Adolf Risler (1846-1913) aus Lisdorf. Der erste Inhaber war sein Großvater, der Johann Philipp Risler, geboren 1758, und der kam von Mühlhausen aus dem Elsass nach Lisdorf. Diese Wirtschaft war damals ein sehr gut gehendes Lokal,„enn richtich Goldgrouf". Jetzt ist dieses Haus in der Saarstr. Nr. 30 bewohnt von der Familie Rupp. In jedem Gasthaus stand früher ein Bett zum Übernach- ten. Das war damals so üblich. Auch meine Großmutter „Edd rot Hannesen Maarie“ hatte schon mal ein Bett zum Übernachten eines Gastes von gegenüber vom Gasthof Adam Adolf Risler freigemacht. Den alten Adam Adolf Risler, genannt der„Wurscht-Adam“, habe ich noch gut gekannt, sagte mir meine Mutter Katharina. Der Spitzname rührte daher, dass er als Gastwirt selbst Wurst gemacht hat. Den alten Risler-Wirt sehe ich heute noch vor seiner Wirtschaft, auf einem leeren Bierfass mit einer Bierflasche in der Hand sitzen. Er hat uns Kinder„gäa unn oft vaäppelt“ (gerne und oft gefoppt). Etwa zwischen 1900 und 1910 hatte zur Saar hin gleich neben unserem Haus in Lisdorf, Fährgasse Nr. 33, Adam Adolf Risler das Grundstück mit eingezäumten Bretter- Zaun, die schwarzen Planken genannt,„foor en Appel
  • 17. 17 17 17 Johann Kneip, *8.8.1840 - 2. Ehe 1872 mit Maria Luxenburger („Edd rot Hannesen Maarie“) unn enn Ai abkaaf“ vom „versoffenen Dräger“; So hieß dieser Mann, der hin- ter unserem Haus wohnte. Auf diesem Grundstück hat er sich den neuen, zweistöckigen Gasthof Risler erbaut, jetzt Haus Nr. 35. Der neue Gasthof Risler lag genau gegenüber dem alten auf der anderen Straßenseite. Später hat sich Adam Adolf mit Duldung meiner Großmutter,„der rot Hannesen Maarie“, erneut durch einen zweistöckigen Anbau, die Gast- und Spei- seräume vergrößert. Der Anbau war direkt auf unsere Grundstückgrenze gesetzt. Den alten Gasthof hat er seinem Sohn Nikolaus zu- nächst zum Wohnen vermietet, später an Nikolaus verkauft. In diesem neuen Gasthof Risler wurden auch erstmals frisch gefangene Fische aus der Saar aufgetischt: Karp- fen, Hechte, Rotaugen, Döbel, Barsche, sogar Aale und Salme und auch geräucherter Fisch kamen auf die Tel- ler. Im alten Gasthof gegenüber gab es das noch nicht. Die Offiziere der Garnisonsstadt Saarlouis gingen mit ihren Frauen oder weiblichen Bekanntschaften auch oft zum Fisch-Essen dorthin. Damals waren die Inhaber des Fischereirechtes in der Saar der Gastwirt Adam Adolf Risler und sein Schwa- ger, der Schiffer Johann Adam Lonsdorfer, genannt„da Deddachin“. Der war der Vater von Mary Lonsdorfer und Gründer der Kohlen- und Baustoffhandlung, und beide waren Mitglied im Angelsportverein. Adam Adolf Rislers Ehefrau war Anna geb. Lonsdorfer (1858-1908), eine Schwester von Johann Adam. An den damaligen Fischreichtum in der Saar erinnert eine Zeile aus dem Saarlied von Professor Jakob Ecker, vertont vom 30er-Regimentskapellmeister Adolph Reckzeh: „Die Saar, so silberhell und klar....“. Für uns Buben, so erzählt vom Glasbläsermeister Johann Risler, bestand unser Angelgerät aus einer Bohnenstan- ge sowie weißem Zwirn und einer als Haken zurecht- gebogenen Stecknadel, die sie sich bei meiner Mutter besorgten, der Näherin Katharina Welsch geb. Kneip. In 1. Ehe war Adam Adolf Risler verheiratet mit Ka- tharina Rupp aus Neuforweiler. Sie hatte ihm vom 22. bis zum 35. Lebensjahr insgesamt 10 Kinder zur Welt gebracht; 8 davon sind nicht älter geworden als 1 Jahr. 17 Tage nach der Geburt des letzten Kindes, es war Ka- tharina, ist die Mutter selbst verstorben am 11.02.1887. Maria und Katharina, die beiden Töchter, haben die Kinderjahre überlebt und sind groß geworden. Kathari- na hat den Lehrer Glabus, er war Schullehrer in Lisdorf, geheiratet. Bei ihm ging ich in die Schule. Er war unser Klassenlehrer. Die 2. Ehe: Ein paar Monate später, am 02.05.1887, heiratete der Risler Adam die Lonsdorfer Anna aus Lisdorf. Die Nach- kommen aus dieser Ehe waren die Anna, der Johann Adam Adolf, die Johanna Angelika Aline, die Katharina Franziska und der Ludwig Philipp. Er ist nicht mehr aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt und gilt als vermisst. Der Adolf hat in Saarlouis zunächst Drogerist-Apo- theker gelernt und in Saarbrücken später eine eigene Apotheke eröffnet. Aline war mit einem Rechts- oder Gerichtsbeamten verheiratet. Versteigerung: Nach dem Tod von Adam Adolf Risler 1913 kam es zu Erbstreitigkeiten unter den Geschwistern. Es gab keine Übereinstimmung. Der Gasthof Adam Adolf Risler, Fährgasse 35, wurde versteigert und Lorenz Kneip, der Bruder meiner Mutter Katharina Welsch-Kneip (*5.12.1876, +28.1.1965), hat ihn ersteigert. Lorenz Kneip war nun Eigentümer des Gasthofs Risler geworden. In dieser Zeit wollte der Lorenz auch unser Haus, das Haus meiner Großmutter („edd rot Hannesen Maarie“, Haus Nr. 33) kaufen, um damit seinen Gasthof erweitern zu können. Aber sie hat das nicht gewollt, worauf er sehr verärgert war. Es gab auch eine Schule, eine Volksschule, vor 1900 „em Ecken“. Das Haus gehörte dem Adam Adolf Risler und der hatte es an die Gemeinde zum Schulunterricht vermietet. 20 Schüler sollen es damals gewesen sein. So jedenfalls hat das„Eier-Beppe“ (richtiger Name Bar- bara Schmitt geb. Willkomm), jetzt Haus Nr. 13, früher bewohnt von Waldemar Schmitt (+), oft erzählt,„wenn eich dohin Käs unn Eier kaafen woa“ (dort Käse und Eier gekauft habe). Neben uns,„eckenaufwärts“ im Haus Nr. 31, hat„ed Babbels Marie“ (die Babbels-Maria) gewohnt.„Ed hat gäa gudd geß un getrunk“ (sie hat gern gut gegessen und getrunken). Sie war ein guter Kunde im„Gasthaus Risler“.„Foo de Durscht hat ed kän Wasser getrunk, edd hat et Bea sehr gäa getrunk unn ed woa so dick, dass ma mit beiden Armen nid um ed rum kumm ess. Und so iss dat Haus ach gleich druff gang“ (für den Durst hat sie kein Wasser getrunken, sie hat das Bier sehr gerne getrunken und sie war so dick, dass man mit beiden Armen nicht um sie herum gekommen ist. Und so ist das Haus auch gleich draufgegangen).
  • 18. 18 18 D Der„Emmes Pitt“, der Malermeister, hat ed nohäa kaaf und mit seiner Frau, ed Frieda, unn da Tochter Dina drinn gewohnt“ (Der Emmes Pitt, der Malermeister, hat es nachher gekauft und mit seiner Frau, der Frieda, und der Tochter Dina darin gewohnt). Über den„Emmes Pitt“ wird später noch berichtet. Ein Haus weiter runter zur Saar hin wohnte der alte „Harnisch“.„Die hodden enn Stall voll Kinna“ (Die hatten einen Stall voll Kinder).„Wenn der„besoff woa, da hadda gäa Wetten abgeschloss, voa Bea naddirlich“ (wenn der betrunken war, dann hat er gerne Wetten abgeschlossen, für Bier natürlich). Er wettete, dass er mit seinen Zähnen„enn Naal“ (einen Nagel) aus einem Holzbrett ziehen könne. Die Wette hat er natürlich nicht gewinnen können, wenn der Nagel zu tief im Holz gesteckt hat. Das hat uns der Senior-Schreiner- meister aus„em Ecken“, der Hans Blasius, sehr oft erzählt. „Em Ecken - de Fährgass“ In der jetzigen Saarstraße war damals ein reges Trei- ben.„Da Ecken“ war immer voller Leben, mit der Anlegestelle für den Dillenschass oder andere Schiffe. Oft haben wir als Kinder den Schiffern zugerufen: „Schiffmann, werf mei Bündel raus, ich fahren nimme mit“ /Schiffer, wirf mir mein Bündel raus, ich fahre nicht mehr mit). Als die Eisenbahn Saarbrücken-Trier (ca. 1860) und später die Kleinbahn Wallerfangen-Saarlouis-Lisdorf- Ensdorf 1897 kamen, war es allmählich mit den Schif- fen auf der Saar und dem Treiben„em Ecken“ vorbei. Nachdem Lorenz Kneip den„Gasthof Risler“ in Lisdorf in der Fährgasse 35 ersteigert und selbst übernommen hatte, gab es von 1925-1930 in Lisdorf einen„Rau- cherclub“, der sich dann in diesem Gasthof mehr oder weniger im Pfeifenrauchen übte. Dabei kam es des Öfteren auch zu einem Wett-Rauchen in diesem Lokal. Sie qualmten die Räumlichkeiten ein mit ihren Pfeifen. Richtig lange Tonpfeifen mit Deckel, die im Sitzen auf dem Stuhl vom Mund bis auf den Boden reichten, das war zu dieser Zeit keine Seltenheit. So wurde im er- weiterten Raum, im neuen Anbau des Gasthauses, um die Wette geraucht. Mit einer bestimmten Sorte und Menge an Tabak, für jeden gleich, wurden die langen Tonpfeifen gestopft, dann konnte es losgehen und es wurde um die Wette Tonpfeife geraucht. Wer zuerst seine Pfeife leer hatte, der war der Sieger, im Gegensatz zu heute, wo beim Wettrauchen mit einer kleinen Men- ge Tabak die Pfeife möglichst lange glimmen soll. Aber auch derjenige, der es danach am längsten in dem verqualmten Raum aushielt, wurde besonders geehrt. Nur die stärksten Naturen konnten hier durchhalten. Nachdem nun das neue Gasthaus„Lorenz Kneip“ in der Saarstraße 4 eröffnet und das alte Gasthaus in der Saarstraße 35 geschlossen worden war, wechselte der „Raucherclub Lisdorf“ über in das Gasthaus„Zum An- ker“ von Jakob Barthel in der Saarstraße Nr. 11. In den Gastwirtschaften im Dorf ist in früheren Zeiten gerne mit Würfel und Karten um Geld gespielt worden. Es wurden auch eifrig Wetten abgeschlossen, ja es kam sogar vor, dass Schiffseigner ihre Schiffe samt Zug- pferden beim Wetten verspielt und verloren hatten. Das hat mir der Vater des früheren Bürgermeisters der Stadt Saarlouis Alfred Fuß so erzählt (der Vater stammte aus der Provinzialstraße in Lisdorf im Hador). Er erzählte, dass im Gasthaus Breininger in der Provin- zialstraße/Ecke Holzmühler Straße, in Lisdorf„beim Zockerneckels-Greed“ genannt, von Schiffseignern, die als betuchte und wohlhabende Leute galten, Wetten abgeschlossen worden sind über Schiffe und vieles andere mehr, auf Gewinn oder Verlust, das war früher einmal so. Glück oder Unglück ist ein Gefühl, das man hat, wenn alles vorbei ist. Die Sucht und Lust zum Alkohol und die Leidenschaft am Spiel hat viele Männer verkommen lassen. Wenn Bier und Schnaps ihre Wirkung zeigten, dann ist auch oft handfest zugeschlagen worden. Mit den Fäusten („fläschen Hämmer“) und auch harten Gegenstän- den und so weiter... Wer da mit einem blauen Auge davonkam, hatte Glück gehabt. Wenn es einmal ganz schlimm zuging, also eine richtige Schlägerei in der Wirtschaft, wenn„se sich doo vahau hann, hann se de Dischen hochkant gestalld unn da essed doo rund gang“. Bei einer solchen Wirtshaus-Schlägerei wurden die Tische hochkant gestellt, um sich vor einem An- greifer zu schützen, und dann ging es richtig los. Die Ehefrauen kamen in das Gasthaus und wollten ihre Männer dazu bewegen, doch nach Hause zu kommen: „kumm doch hemm“ (komm doch nach Haus) sagte die Frau,„de Kinna hann kään Brot fooa se essen“ (die Kinder haben kein Brot zu essen) - darauf sagte der oft trunkene Ehemann:„Ei Fraa, dann losse doch Kuchen essen“ (ei liebe Frau, dann lass sie doch Kuchen essen!). Zu dieser Zeit hatte auch der Radsportverein im alten Gasthaus Lorenz Kneip in der Saarstraße 35,„unnen em Ecken“, sein Vereinslokal. In der Gastwirtschaft stan- den zwei Fahrräder; sie waren hochgebockt und fest auf dem Boden montiert, so dass man im Vereinslokal zum Trainieren in die Pedale treten konnte, aber auch Wetten abschließen konnte. Unter den beiden Kon- kurrenten wurde vereinbart, dass derjenige die Wette gewonnen habe, der am schnellsten und am längsten in die Pedale treten könne. Zweimal in der Woche trafen sich die Radsportfreunde zum Training im Vereinslokal, so erzählte mir Mar- 18
  • 19. 19 19 garetha Rode. Nachdem das neue Gasthaus„Lorenz Kneip“ in der Saarstraße 4 erbaut und eröffnet worden war, verkaufte Lorenz Kneip das alte Gasthaus an die Schwester seiner Frau, Maria Lonsdorfer geb. Johannes. Sodann wurde dort im alten Gasthaus ein Kolonialwa- ren-Laden eingerichtet. Maria Johannes wurde, wie viele verheiratete Ehe- frauen, auch nach ihrer Hochzeit mit Adolf Lonsdorfer immer noch mit ihrem Mädchennamen angesprochen, also„Beim Maria Johannes hann de Leid aach vill uff Pump kaaf“ (bei Maria Lonsdorfer geb. Johannes, ha- ben die Leute auch viel auf Pump gekauft). Wenn das Geld bis zum nächsten Zahltag nicht reichte, hatten die Kunden den Geldwert der gekauften Ware anschreiben lassen und so blieben manche säumigen Zahler lange bei Maria„in der Kreide“ (im Notizbuch) stehen. Die Nädasch Die Kleider hat meine Mutter, die Katharina Welsch- Kneip geb. 05.12.1876, selbst genäht. Sie war„Nä- dasch" (Näherin). Nähen gelernt hatte sie bei den Schwestern im Lisdorfer Kloster. Meine Mutter hat auch 19 Im Bild (Saarstraße bei Hochwasser 1970) sind zu sehen rechts Haus Nr. 37 (Schreinerei Blasius), links daneben die Häuser Nr. 35 (Lebensmittel Lonsdorfer) und Nr. 33 (Elternhaus August Balthasar). Katharina Welsch (später ver- heiratet mit August Balthasar senior) und ihr Bruder Rudolf (geb. 17.04.1906) vor dem Küchenfenster im Innenhof des neuen Gasthofes Risler in der Saarstraße, damals Fährgasse. Rudolf war auch mein Taufpate, "mein Patt". viele schöne Brautkleider für die„Bauersch-Mädcha" (junge Bäuerinnen) ange- fertigt. Sie hat auch selbst Nähschülerinnen angelernt. Sportwettbewerb in Ensdorf Das Bild aus dem Jahr 1924 zeigt Sportler des DJK Lis- dorf, die Lisdorfer Teilnehmer und Sieger beim Staffel- lauf zum Sport-Werbetag in Ensdorf. Rudolf Welsch war als erster Läufer im Ziel beim Staffel- lauf der DJK in Ensdorf, er war also der Gewinner. Katharina Balthasar erzählt zu Rudolf Welsch: Rudolf ist in seiner Lehr- und Dienstzeit von seinem Elternhaus aus in Lisdorf, der Her- mannstraße 37, jetzt Saarstraße 33, wo- chentags zur Stadt Saarlouis gelaufen. Sein sportliches Tun hat er lange Zeit auf- recht erhalten. Ein sehr guter Freund von Rudolf war Hein- Katharina Welsch-Kneip, Von links nach rechts: Nr. 1 Hans Blasius senior, Nr. 2 Karl Weiß, Nr. 3 Alois Rullang, Nr. 4 Franz (Frenne) Weiß, Nr. 5 Rudolf Welsch, Nr. 6 Johann Lemier, Nr. 7 Willi Klutz, Nr. 8 Baptist Com- tesse, Nr. 9 Adolf Fritz (gefallen 1944 Normandie, Vater von Adolf, Walter und Manfred Fritz,), Nr. 10 Alois Johannes. links Heinrich Busert, daneben Rudolf Welsch 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
  • 20. 20 20 20 rich Josef Busert (*19.5.1905, +1994 Lisdorf, Großstraße 23). Heinrich war als Bäcker- meister im Betrieb seines Vaters Peter Josef Busert, verheiratet mit Katharina Schwarzenberg (*1898, +1980) im Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft tätig. Heinrich Josef Busert war auch der Onkel von Peter Bu- sert und Maria Sperling-Busert, die heute in dem Haus wohnen. Sie erzählten auch, dass ihr Onkel mu- sikalisch talentiert gewe- sen sei; er habe Klampfe und Gitarre gespielt und im Lisdorfer Gitarrenver- ein aktiv mitmusiziert. Zusammen haben Rudolf und Heinrich Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahr- hunderts viele regionale Fahrradtouren gemacht, zum Beispiel zur Nied- mühle bei Eimersdorf, zum Warndtweiher, zur Siersburg, zur Abtei Mett- lach oder zur Klause bei Kastel usw. und sie haben auch viele schöne Bilder gemacht. Die Familie Busert stammt ursprünglich aus dem Dorf St. Medard an der Mosel bei Trier, das um das Jahr 1900 nach Trier eingemeindet wurde. St. Medard war zu dieser Zeit ein Schifferdorf, das die Schiffer in ihrem moselfränkischen Dialekt„Môdert“ nannten. Die Vorfahren der Familie Busert waren Schiffsleute, kamen in der Biederzeit um 1820 nach Lisdorf und fuhren ab Lisdorf weiter zu Schiff. Johann Heinrich Busert wird im Bericht des Ludwig Bauer aus dem Jahr 1898 über seine Zeit als Schiffsjun- ge auf dem„Dillenschass“ als Besitzer eines Gemüse- schiffes benannt und als der Mann, der ihn als Pferde- knecht auf dem Gemüseschiff anheuerte. Das Grab von Johann Heinrich und Maria hat sich bis heute auf dem Lisdorfer Friedhof erhalten. Heinrich und Rudolf, im Hinter- grund die alte Brücke über die Saar bei Serrig Die Lisdorfer Schiffer der Familie Busert waren: BUSERT Heinrich *1821 St. Medard, †1887 Bous vh. 1856 WELSCH Katharina *1834, †1871 BUSERT Peter *1830 St. Medard, †1896 Lisdorf vh. 1856 GANGLOFF Margaretha *1833, †1899 BUSERT Johann *1835 St. Medard vh. 1874 BECKER Margaretha *1848 BUSERT Franz *1863 1. Ehe vh. 1888 RUPP Katharina *1866 2. Ehe vh. GIER Gertrud *1867 BUSERTJohann Heinrich *1865, †1948 vh. 1890 BLASIUS Maria *1865, †1932 BUSERT Peter Josef *1867 vh. HEINZEN Helene *1885. Johann Heinrich Busert stellte als letzter nach 1900 die Schifffahrt ein. Beruflicher Werdegang von Rudolf Welsch (*17.4.1906) 1920-1923 Bürokauflehrling bei Rechtsanwalt Dr. Flesch (Hohenzollernring) 1923-1928 im gleichen Betrieb tätig als Bürokauf- mann 1928-1932 Bürobeistand im Rechtskonsulat Dr. Roth, Saarlouis 1932-1937 Bürobeistand bei Rechtsanwalt Dr. Don- nevert, Saarlautern 1938-1940 Justizangesteller am Amtsgericht Saarlau- tern 1940-1945 Pionier bei der Wehrmacht April 1945 vermisst in der Slowakei hinter Bratislava Von links Rudolf, Dr. Flesch und ein Angestellter Justiz-Dienstausweis von Rudolf
  • 21. 21 Über den Tod meines Onkels Rudolf in der Slowakei konnte ich (August Balthasar) Folgendes herausfinden: Hermann Morguet, auch ein Lisdorfer aus der Wolff- straße, Schwiegersohn der Anna Stein geb. Brittner, heiratete nach Ende des 2. Weltkrieges Else Stein und wohnte zusammen mit seiner Frau in Saarlouis in der Straße der 13. Jäger. Hermann war im 2. Weltkrieg Kraftfahrer bei der deutschen Wehrmacht. In den letzten Kriegstagen war Hermann mit einem Lkw der Wehrmacht auf dem Rückzug der deutschen Truppen aus der Slowakei dabei, von uns aus gesehen etwa 80 km hinter Bratislava (Pressburg). Von hier aus schrieb Rudolf am 17. April 1945 einen letzten Brief an seine Familienangehörigen, der auch bei seiner Familie in der Evakuierung in Wittelshofen (nahe Dinkelsbühl) ankam. Hermann wollte Rudolf Welsch als Beifahrer auf dem Sitz nach Deutschland mitnehmen. Zuvor war jedoch ein Wehrmachtsbefehl herausgegeben worden: „Wer ohne entsprechende Ausweispapiere die Truppe verlässt und dabei ertappt wird, wird auf der Stelle standrechtlich erschossen“. Rudolf hat also deshalb in eine Mitfahrt auf dem Lkw nicht eingewilligt, dabei ist der Konvoi nach Angaben von Hermann Morguet auf der Rückfahrt nicht kontrolliert worden. Die tschechischen Widerstandskämpfer hielten sich während des 2. Weltkrieges verborgen und bekämpf- ten in vielen Aktionen die deutschen Besatzer, die wiederum mit brutaler Härte zurückschlugen. Trotz hartem Vorgehen gelang es den deutschen Besatzern nicht, den Widerstand zu brechen. Als der Widerstand der deutschen Truppen im April und Mai 1945 nach- ließ, rächten sich die tschechischen Widerstandskämp- fer an den deutschen Soldaten und der deutschstäm- migen Bevölkerung in Böhmen. Gefangene deutsche Soldaten wurden ermordet oder als Strafgefangene nach altem Kriegsbrauch in der Landwirtschaft oder bei gefährlichen Arbeiten, zum Beispiel Minensuchen, eingesetzt, so vielleicht auch Rudolf. Nach der Weiterfahrt von Hermann Morguet hinter Bra- tislava verliert sich Rudolfs Spur, er kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Nachforschungsanträge beim Ro- ten Kreuz führten zu keinem Ergebnis. Sein letzter Brief ist im Buch„Die Kriegsopfer der beiden Weltkriege aus Lisdorf“ (Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Autor Agnes Groß) ab Seite 330 abgedruckt. Bei der späteren Aussöhnung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei wurden die in der Kriegs- und Nachkriegszeit begangenen Verbrechen gemein- sam verurteilt, dieses Thema aber auch abgeschlossen und beide Vertagspartner verzichteten auf gegenseiti- ge Ansprüche und die weitere Verfolgung von Kriegs- verbrechen. Wie gut kennen wir alle unsere Heimat - speziell unser Heimatdorf Lisdorf? Oft geht man durch die Straßen und nimmt verschiedene Details gar nicht richtig wahr. Wir wollen in einer neuen Rubrik„Fotorätsel“ den Blick für diese Details schärfen und dazu animieren, mit of- fenen Augen durchs Dorf zu gehen. Wir werden in den nächsten Ausgaben des Heimatblattes immer wieder Fotos aus den Straßen Lisdorfs veröffentlichen und unsere Leser um Lösung des dazugehörigen Rätsels bitten. Gewinner des Rätsels unserer letzten Ausgabe ist Herr Karl Schneider aus der Provinzialstraße. Sein Gewinn wird in den nächsten Tagen zugestellt. Auf dem Bild sehen wir ein Wandbild aus Fliesen von Villeroy & Boch. Wem ist diese Rarität aufgefallen? Jetzt unsere Frage: In welchem Haus in Lisdorf befindet sich dieses Wandbild? Die Lösung bitte per Karte an: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis oder per E-Mail: heimatkunde@lisdorf.de. Den Gewinner eines Mundartbuches geben wir in der nächsten Ausgabe bekannt. Einsendeschluss: 20. Dezember 2021. Das VHL-Bilderrätsel
  • 22. 22 22 Geschichten um das Gasthaus Lorenz Kneip „Em Ecken“, (Lisdorf, Saarstraße 4) Von August Balthasar Lorenz Kneip (geboren am 20.02.1879), verheira- tet 1905 mit Margaretha Johannes (geboren am 20.07.1880), hat in den Jahren 1913/14, wie von mir im Lisdorfer Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet, das Gast- haus Adam Risler in der Saarstraße 35, nach dem Tode von Adam Adolf Risler ersteigert, erweitert und selbst geführt. Danach hat er sich eine neue Gastwirtschaft in Lisdorf in der Saarstraße 4, Anfang der 30er-Jahre, neu bauen lassen und selbst weiter geführt. Den alten Gasthof in der Saarstraße 35 verkaufte er an seine Schwägerin Maria Lonsdorfer, geb. Johannes, die darin ein Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft betrieb, bis in die 70er-Jahre. Lorenz Kneip war der Bruder meiner Großmutter Katha- rina Welsch, geb. Kneip, aus Lisdorf. Seine Mutter war die Witwe aus der zweiten Ehe von Johann Kneip, ein- geheiratet im Haus Saarstraße Nr. 19. Es war das Haus meiner Urgroßmutter Maria Kneip-Luxenburger, genannt„Edd rot Hannesen Maarie“ (1847-1925), wie bereits mehrmals in den Lisdorfer Heimatblättern berichtet. Bereits in den 20er-Jahren um etwa 1925-1930 hat Lo- renz Kneip der Frau Marie Fritz, dies war die Großmut- ter der Edith Emmes im Rosenthal, ihr altes Haus ab- gekauft, es danach abgerissen und das neue Gasthaus Lorenz Kneip an dieser Stelle (Saarstraße 4) gebaut. Ebenfalls in der ersten Ausgabe der Lisdorfer Hei- matblätter wurde von mir bereits über das Gasthaus Lorenz Kneip im Zusammen- hang mit dem Gasthaus Adam Adolf Risler„Em Ecken“ berichtet. Der Lorenz war ein tüchtiger Wirt, er hat in seinem neuen Gasthaus,„seina Wirtschaft, doo- vooa gesorcht, dass imma ebbes loss wooa“ (in seinem Gasthaus dafür gesorgt, dass immer et- was los war). So hatte er auch in seiner Gaststu- be das erste Rundfunkgerät im Dorf stehen. Und wenn man wis- sen wollte,„watt emm Dorf unn in da Welt loss woaa“ (was im Dorf und in der Welt los war),„dann kunnt ma doohin äänen drinken geen“ (dann konnte man dorthin einen trinken gehen - und erfuhr dort bei einem Glas Bier die letzten Neuigkeiten). Früher ist in den Gasthäusern viel getrunken worden, Bier, Schnaps und so weiter. Zu einer Zeit, als noch der Lohn täglich nach der Arbeit, später dann samstags für die ganze Woche, dann alle 14 Tage und zuletzt für den abgelaufenen Monat bar auf die Hand ausgezahlt wurde, da hat es so mancher „arme Schlucker“ nicht geschafft, sein mühsam erarbeitetes Geld ganz oder auch nur teilweise nach Hause zu bringen. Oft sind in der Gastwirtschaft vom Zahltag dann drei Häufchen gemacht worden:„Äänen voo sich, äänen voo de Fraa unn ännen voo de Wirt“ (einen für sich, einen für Frau und Familie und einen für den Wirt). Mit dem dritten Häuflein wurden dann die bereits aufgelaufenen Trink- schulden bezahlt und für die Familie blieb oft leider nur 1/3 übrig oder auch gar nichts mehr! Das ehemalige Gasthaus Lorenz Kneip zur NS-Zeit im damaligen Saarlautern 4 (Bild zur Verfügung gestellt von Manfred Kneip, einem Enkel von Lorenz Kneip) Gasthaus Lorenz Kneip in der ersten Nach- kriegszeit (Bild zur Verfügung gestellt von Manfred Kneip) 22
  • 23. 23 23 Manche hatten oft nicht„edd Brood iwwa Naat dahem“ (das Brot nicht über Nacht zu Hause) oder„de Kinner hodden meea Schlää wie Brood se fressen gritt“ (die Kinder bekamen mehr Prügel als Brot zu essen) oder es wurde gesagt„se hann em ed Brood vomm Disch runna gehollt“ (sie hatten ihnen das Brot vom Tisch weggenommen, das heißt übertragen, die Arbeit weg- genommen). So manche Frau oder Mutter hat ihren Mann am Zahltag am Arbeitsort oder am Werkstor abgeholt und so den Lohn bis nach Hause„gerettet“. An dem Zahltag gab es dann auch mal richtig satt zu essen. Lorenz Kneip war vorher beim früheren Eisenwerk in Geislautern als Meister tätig und war, wie oben berich- tet, anfangs Pächter und Besitzer des Gasthofes Adam Adolf Risler in Lisdorf, Saarstraße 35. Er war auch Kreis- vorsitzender der Gastwirtschaftsvereinigung und hat seinen Gastwirtschaftsbetrieb im 2. Weltkrieg (1939- 1945) bis zu seinem Lebensende im November 1944 weitergeführt. Er starb überraschend im Zug während der Fahrt in die zweite Evakuierung nach Dinkelsbühl in Mittelfranken. Nach dem 2. Weltkrieg hat sein Sohn Kurt Kneip diese Gastwirtschaft nebenberuflich bis 1954 weiter aufrecht erhalten. Nach 1954 hat mir sein Sohn Manfred Kneip die Folge der Pächter der Gastwirtschaft namentlich benannt. Es waren · Ignaz Burger aus Lisdorf, · Emil Amann, · Christa und„Bouwwi“ Freichel aus Lisdorf, · Werner und Lilo Petto aus Dillingen, · ein Pächter mit Familienname Kreuz, nur kurzzeitig, · und als die letzten Pächter Gisela und Gerhard Lam- bert. Danach vermietete der damalige Eigentümer Siegfried Kneip die Gasträume an den CDU-Kreisverband Saar- louis, der darin seine Geschäftsstelle und das Wahl- kreisbüro des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Peter Altmaier einrichtete. Derzeit ist darin ein Kosmetikstudio eingerichtet: Natur Cosmetic, Inhaberin Tina Flammersfeld. Gasthaus Kneip um das Jahr 1970 (Bild: August Balthasar) im Jahr 2000, hinter dem neuen Dorfbrunnen 23
  • 24. 24 Der Lisdorfer Schützenverein ist im Jahr 1956 gegrün- det worden und in den Jahren 1972/73 in die Schüt- zengilde übergegangen, die heute noch besteht. Im Jahr 1966 hat der damalige Schützenverein in sei- nem Vereinslokal, dem Gasthaus Lorenz Kneip, für die Ortsvereine ein Luftgewehr-Wettschießen veranstaltet und einen Wanderpreis für drei Jahre in Gewinnfolge gestiftet. Die Chorgemeinschaft MGV 1859 Saarlouis-Lisdorf hat mit fünf ihrer aktiven Sänger an dem Wettbewerb teilgenommen. Mit 526 Ringen im Jahr 1966, 554 im Personen im Bild von links nach rechts: Klemens Port, Willi Basti- an(+), Manfred Fritz(+), Werner Bastian jun. (+) (kurz nach dem Foto Unfalltod mit Auto, sein Vater Werner war ein Bruder von Willi), Horst Klein, August Balthasar, Rolf Sperling (+) (Vorsitzen- der), ganz rechts Rolf Dieter Kallenbrunnen Jahr 1967 und 545 Ringen im Jahr 1968 hat die Chor- gemeinschaft, der ich bis heute im Jahr 2021 mit 71 aktiven Sängerjahren angehöre, als beste Schützengil- de ins Schwarze getroffen. Sie hat danach den Wander- pokal in Form einer Schützen-Siegergedenktafel, wie im Bild ersichtlich, für die Chorgemeinschaft Lisdorf mit nach Hause nehmen können. Dabei fällt mir ein altbekannter Witz ein: Der Vater kam von der Arbeit nach Hause, die Kinder hatten Hunger, es gab saarländische Lyoner mit Brot. Am Tisch bekam der Vater als Oberhaupt der Familie bei der Vertei- lung der Wurst unter der vielköpfigen kinderreichen Familie meist als erster zu essen oder hat die Lyoner selbst enthäutet und verteilt.„Papa“, sagte aufgeregt der Jüngste,„Papa ich möchte auch ein Stück Lyoner haben“. Darauf der Vater zu den Kindern:„Donnawedda nomool, wifill Liona muss eich dann noch essen, umm auch satt Schwaad se grien“ - Donnerwetter nochmal, wie viel Lyoner muss ich denn noch essen, um Euch (mit der Lyonerhaut) satt zu bekommen! Irene Bleses wohnte früher in der Saarstraße Nr. 1, wie bereits berichtet. Sie wohnte mit ihren Eltern gegen- über der Gastwirtschaft von Lorenz Kneip. Sie berich- tet:„Als junges Mädchen konnte ich Ziehharmonika und Akkordeon spielen. Der Emmes Pitt kam oft von der Wirtschaft gegenüber zu uns rüber und ich durfte dann mit Einverständnis meiner Eltern im Gasthaus Lorenz Kneip musizieren. Es wurde dabei auch viel gesungen, viele Volkslieder wie zum Beispiel„Das Wan- dern ist des Müllers Lust“ –„Lustig ist das Zigeunerle- ben“ –„Beim Kronenwirt“ –„Wenn zwei gute Freunde sind“ – usw.“ Werden Sie Mitglied im VHL Wir sind der mitgliederstärkste heimatkundliche Verein des Saarlandes. Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit. Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf: heimatkunde@lisdorf.de
  • 25. 25 25 Von Heiner Groß In den vergangenen Jahren hat Frau Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß, Fachärztin für Allgemein- medizin und Sanitätsoffizier der Bundeswehr, schon mehrfach im Lisdorfer Heimatblatt über ihre bisher vier Auslandseinsätze in Afghanistan, Mali und dem Irak berichtet. Seit 1999 ist sie mit Oberfeldarzt Dr. Torsten Groß, einem Sohn unseres VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner Groß, verheiratet. Er ist ebenfalls Sanitätsoffizier der Bundeswehr und als Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie derzeit als Oberarzt im Bundeswehrkran- kenhaus Westerstede in Niedersachsen tätig. Gemeinsam gehören Dr. Torsten Groß und seine Ehe- frau Dr. Mascha-Christine geb. Folz mit ihren beiden 2002 und 2008 geborenen Kindern Niklas und Anne- marie dem Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V. (VHL) als Mitglieder an. Obwohl sie seit 2001 berufsbedingt im Ammerland im Nordwesten Niedersachsens woh- nen, sind sie ihrer saarländischen Heimat weiterhin sehr verbunden. Aus diesem Grund gehören sie, trotz der etwa 650 km Entfernung, dem VHL als treue Mit- glieder an und freuen sich immer wieder, wenn sie ein neues Lisdorfer Heimatblatt erreicht. Während Torsten glücklich und zufrieden ist mit seiner klinischen Tätigkeit an einem großen und modernen Krankenhaus, liebt Mascha-Christine als Fachärztin für Allgemeinmedizin Leitungs- und Führungsaufgaben im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Seit 2010 übt sie entsprechende Aufgaben in verschiedenen Verwen- dungen aus. Nach unterschiedlichen Führungsverwendungen und zuletzt Sachgebietsleiterin im Kommando Sa- nitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz wurde ihr am 29.04.2021 das Kommando über das in der Stadt Rheine an der Ems im Münsterland im April 2020 neu aufgestellte Sanitätsregiment 4 (SanRgt 4) übertragen. Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ist damit die erste Kommandeurin in der großen Theodor-Blank- Kaserne in Rheine. Derzeit befindet sich das SanRgt 4 mit 200 Sanitätssoldatinnen und –soldaten und 190 Rekrutinnen und Rekruten noch in der Aufbauphase. Die angestrebte Sollstärke des SanRgt 4 beträgt ca. 1000 Sanitätssoldatinnen u. –soldaten. Sowohl in der Presse als auch im Rundfunk und Fernsehen wurde ausführlich über dieses Ereignis in Rheine berichtet. So berichtete die Münsterländische Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 27. April 2021 mit mehreren Fotos von Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß und den Überschriften„Die erste Kommandeurin in Rheine“ und„Frau übernimmt Kommando in Rhei- ne“. Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 24. Juni 2021 mit zwei Fotos und der Überschrift„Völklingerin Langjähriges VHL-Mitglied erste Regiments-Kommandeurin in Rheine an der Ems
  • 26. 26 26 macht Karriere bei der Bundeswehr“. Auch der WDR und der NDR berichteten sowohl im Rundfunk als auch im Fernsehen über die Ernennung von Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß zur neuen Regimentskomman- deurin in Rheine. Anfang Juli berichtete die regionale Presse erneut über das in Rheine neu aufgestellte Sanitätsregiment und seine neue Kommandeurin. Für den 8. Juli hatte die Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp- Karrenbauer, zum Indienststellungsappell des Sani- tätsregiments 4 mit Übergabe der Truppenfahne sowie dem ersten feierlichen Gelöbnis der Rekrutinnen und Rekruten der Ausbildungskompanie geladen. Für Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß war dies mit viel Aufregung verbunden, denn diese Feierlich- keiten im Beisein ihrer höchsten militärischen Vor- gesetzten und vielen hohen Gästen und dem vorge- schriebenen Zeremoniell sollte reibungslos ablaufen. Außerdem war es für die neue Kommandeurin das erste persönliche Zusammentreffen mit ihrer höchsten Chefin, der Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, ebenfalls wie sie aus dem Saar- land und zudem noch aus der Nachbargemeinde ihrer Heimatstadt Völklingen stammend, aus Püttlingen. Nach dem gelungen Aufmarsch der Abordnungen der Kompanien des SanRgt 4, der Rekrutinnen und Rekru- ten der Ausbildungskompanie und der Ehrenforma- tion, die von der 4. Kompanie des Wachbataillons der Bundeswehr aus Berlin und des Luftwaffenmusikkorps aus Münster in Westfalen gestellt wurden, konnte Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ihre Ehrengäs- te begrüßen. Das waren: Die Bundesministerin der Verteidigung An- negret Kramp-Karrenbauer, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der nordrheinwestfälische Landesgesund- heitsminister Karl-Josef Laumann, der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Generaloberstabsarzt Dr. Ulrich Baumgärtner, der Landrat des Kreises Steinfurt Dr. Martin Sommer, der Rheiner Bürgermeister Peter Lüttmann sowie weitere politische Größen und Vertreter regionaler Gesundheitsbehörden. Auch ihr Ehemann und ihre beiden Kinder aus ihrem Wohnort Edewecht bei Oldenburg sowie ihre Mutter Brunhilde Folz und Schwester Oberstabsarzt d.R. Dr. Ragna Folz-Schmidt aus Völklingen waren zu diesem besonderen Anlass nach Rheine angereist. Die Bundesminister Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn sowie der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Dr. Baumgärtner wiesen in ihren Ansprachen darauf hin, dass der Sanitätsdienst in der Bundeswehr weiter gestärkt werden soll. Das sei wegen der zunehmenden Aufgaben im internationalen Kri- senmanagement wie auch im Bereich der Landes- und Bündnisverteidigung erforderlich. Nicht zuletzt habe der Sanitätsdienst der Bundeswehr in der COVID-Pandemie eine herausragende Rolle bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit bundesweit gespielt. Sie dankten dem neuen SanRgt 4 für seinen Einsatz und wünschten ihm und der neuen Kommandeurin viel Glück und Erfolg. Entgegen den militärischen Gepflogenheiten ließ Ober- feldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ein kleines Geschenk ihres SanRgt 4 der Verteidigungsministerin nicht von einer Soldatin oder einem Soldaten, sondern von ihren Kindern überreichen, worüber sich diese sehr freute. Der Rheiner Bürgermeister Peter Lüttmann freute sich sehr über das Engagement der Bundeswehr in seiner Stadt, besonders über die Aussage von Bundesministe- rin Annegret Kramp-Karrenbauer, dass die Bundeswehr in Rheine bleibe und mit der vorgesehenen Sollstärke von 1000 Soldatinnen und Soldaten wieder ein großer Standort der Bundeswehr werden soll. Die neue Kommandeurin Oberfeldarzt Dr. Groß erläu- terte nach Abschluss der Festlichkeiten gegenüber der Presse ihre Vorhaben. Neben der Nachwuchsgewinnung und der Grundausbildung der Rekrutinnen und Rekru- ten soll eine Kompanie für den Kranken- und Verwun- detentransport sowie deren Erstversorgung aufgebaut und ausgebildet werden. Eine weitere Kompanie soll ein Rettungszentrum aufbauen. Derzeit hätten sie am Standort Rheine ein Rettungszentrum leicht. Mit dem weiteren Aufbau ihres SanRgt 4 strebe sie ein modulares komplettes Rettungszentrum an, so OFA Dr. Groß. Beim Besuch ihrer hohen Gäste hatte Dr. Mascha Groß auch Gelegenheit zu kurzen persönlichen Gesprächen mit diesen. Beim Gespräch mit Annegret Kramp-Kar- renbauer stellte sich heraus, dass sie am selben Völklin- ger Gymnasium Abitur machten. An diesem Tag wurde Oberfeldarzt Dr. Mascha-Chris- tine Groß auch mehrfach gefragt, warum sie nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen sei. Das habe mehrere Gründe gehabt. Ihre ältere Schwester sei ebenfalls nach ihrem Abitur als Sanitätsoffiziersanwär- terin zur Bundeswehr gegangen, und zwar als erste Saarländerin. Sie sei über diese, ihre Entscheidung, sehr glücklich gewesen. Als aktive Basketballspielerin beim SC Wacker Völklingen, der damals in der 2. Bundesliga spielte, sei sie sportlich sehr fit gewesen, was für eine Offiziersausbildung sehr förderlich sei. Als sie einen „ Tag der Bundeswehr“ besuchte, habe ihre Entschei- dung, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen, endgültig festgestanden, so OFA Dr. Groß. Auch nach fast 28 Jahren im Sanitätsdienst der Bun- deswehr ist sie über ihre damalige Entscheidung froh und glücklich.
  • 27. 27 27 27 27 27 Renate Dittgen - Neues Mitglied im Heimatkundeverein Geschäftsführerin der Schmelzer Bauunternehmung Dittgen Renate Dittgen, seit 1977 Anwohnerin in der IV. Gartenreihe in Saarlouis, ist kürzlich demVHL beigetreten. Als gebürtige Schmelzerin interessiert sie sich besonders für die Schmelzer Ge- schichten und gehört dem sehr rührigen dortigen Heimatverein, Herausgeber der Schmelzer Hefte, an. Seit Jahren fördert ihre Firma durch Anzeigen das Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte im Saarland, die„saargeschichten“, das vom HistorischenVerein für die Saargegend e.V. und dem Landesverband der historischenVereine des Saarlandes e.V. herausgegeben wird. BeidenVerbänden gehören wir alsVHL an. DaRenateDittgenschonseitfast44JahrenanderNahtstellezuLisdorfwohnt,möchtesiesich nunauchüberdieMitgliedschaftimVHLdieHistoriedesältestenStadtteilsvonSaarlouiser- schließen.DasienebenihrerHeimatliebeundihremInteresseanderGeschichtederHeimat eineaußergewöhnlicheVitaaufweist,möchtenwirdiese-soweitunsbekannt-nachfolgend aufzeigen.Geboren1947inSaarlouis,absolviertesienachihremGymnasialabschlusseinUniver- sitätsstudiumderBetriebswirtschaftslehreanderUniversitätdesSaarlandes.MitihremAbschluss als Dipl.-KaufmannstrebtesiezunächsteinenBerufaußerhalbdesväterlichenBetriebsan.Diesen hatteihrGroßvaterbereits1897inSchmelzgegründet.DochnachdemfrühenTodihresVaters tratsieam01.04.1974,als27-Jährige,dieNachfolgealsGeschäftsführerinan.AlsdamalsersteFrau ineinerFührungspositionimausschließlichvonMännerndominiertenBaugewerbemusstesiesichvonAnfanganbehaupten. ZunächstschafftesieneueLkwundmoderneBaumaschinenan,führteeineBetriebsbuchhaltungein,begannmitderAusbil- dungvonStraßenbauern,schufab1989andemneuenStandortinderSaarbrückerStraßeRaumfüreineständigsteigende Mitarbeiterzahl.InderFolgeließsiedasQualitäts-undUmweltmanagementmehrfachzertifizieren. Als junge dynamische Geschäftsführerin hatte sich Renate Dittgen schnell sowohl innerhalb als auch außerhalb ihres Betrie- bes Respekt und Anerkennung verschafft. Schon bald hatte sich das Bauunternehmen dittgen über die Grenzen des Saar- landes hinaus einen guten Namen im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau gemacht. Im Zuge derVergrößerung ihres Unterneh- mens wurden Ende der Neunziger Jahre derWerkstatt- und derTransportbetrieb in eigenständige Schwestergesellschaften ausgelagert. Damit entstand dann die dittgen-Gruppe. DemVerfasser ist aus seiner langjährigen Mitgliedschaft im Stadtrat (1968-2009) bekannt, dass fast alle großen städtischen Straßen- und Kanalbauprojekte in Saarlouis von der Firma dittgen zur vollsten Zufriedenheit erledigt wurden. Am 5.12.2019 berichtete die SZ unter der Überschrift:„Renate Dittgen und die Revolution im Baugewerbe“ von ihrem 45-jäh- rigen Jubiläum als erfolgreiche Geschäftsführerin ihres Schmelzer Unternehmens sowie der Ehrung von 16 MitarbeiterInnen für ihre jahrzehntelange Zugehörigkeit undTreue zum Unternehmen. Renate Dittgen ist besonders stolz darauf, dass bei ihr Mitarbeiter von der Ausbildung bis zum Ruhestand und aus zwei oder gar drei Generationen aus einer Familie beschäftigt sind. In den 124 Jahren des Bestehens habe im Unternehmen stets eine gute familiäre Atmosphäre geherrscht. Darauf lege sie auch künftig großenWert, so Renate Dittgen. Für ihr langjähriges erfolgreiches Engagement als Geschäftsführerin wurde sie mehrfach ausgezeichnet, so erhielt sie im Jahr 2013 aus den Händen des jetzigen Außenministers Heiko Maas das Bundesverdienstkreuz am Bande. Um ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen und die 275 Arbeitsplätze langfristig zu sichern, hatte sich Renate Dittgen in den letzten Jahren intensiv um eine Zukunftslösung bemüht. Da sich jedoch weder eine familiäre noch eine betriebsinter- ne Lösung hierfür abzeichnete, entschloss sie sich zumVerkauf an die seit 88 Jahren existierende Juchem-Gruppe aus dem rheinland-pfälzischen Niederwörresbach, die mit 383 MitarbeiterInnen ähnlich strukturiert ist wie die dittgen-Gruppe. Durch diesen Zusammenschluss ist ein Unternehmen mit 658 Mitarbeitern entstanden, das im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau nun Markführer im Saarland ist und auch in Rheinland-Pfalz führend ist. Alle MitarbeiterInnen der dittgen-Gruppe wurden mit ihren bisherigen Funktionen übernommen. Auch Renate Dittgen bleibt weiterhin Geschäftsführerin der dittgen Bauunterneh- men GmbH. Matthias Juchem, einer der Geschäftsführer der Juchem-Gruppe, wird sie in der Geschäftsführung unterstützen. In einem Gespräch mit der SZ, über das in der Ausgabe vom 10./11.10.2020 ausführlich berichtet wurde, erklärte Renate Ditt- gen, dass die Devise im Schmelzer Unternehmen weiterhin„dittgen bleibt dittgen“ heiße und es ihr auch weiter Spaß mache, die dittgen-Geschäfte zu führen. An Ruhestand denke sie voerst noch nicht. Ihren Hobbys, wie ihre vier Hunde und Gartenar- beit sowie jetzt der Heimatkunde könne sie sich auch in nächster Zeit nur eingeschränkt widmen.Wir, dieVerantwortlichen des Heimatkundevereins Lisdorf, freuen uns, dass mit Renate Dittgen nunmehr eine beeindruckende Unternehmer-Persön- lichkeit zu uns gehört. - HeinerGroß 27
  • 28. 28 Heimatverbunden Über ganz Deutschland verteilt gibt es Mitglieder des VHL, aber auch in Frankreich und Luxemburg und sogar in Chicago in den USA ist unser Mitglied Alexander Džaković als Arzt tätig. In nächster Zeit stellen wir Ihnen diese vor. Nachfolgend grüßen unsere Mitglieder Margareta und Wolfgang Gebler aus Hohenstein-Trebra in Nordthüringen, die seit nunmehr 20 Jahren Mitglieder des VHL sind. Margareta hat Lisdorfer Wurzeln. Sie wohnen in 99755 Hohenstein-Trebra, Kreis Nordhausen im Südharzbereich in Nordthüringen, wo die Eltern von Margareta, Oskar Kohlhase und Greta, geb. Spaniol (in Lisdorf geboren) bis nach dem 2. Weltkrieg ihr Hofgut bewirt- schafteten. Seit 2001 besteht ein freundschaftlicher Kontakt zur Familie des jetzigen VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner Groß. Zur Vorbereitung einer Reise des VHL nach Thüringen im Jahr 2001 besuchten Heiner und Marie-Luise Groß die Geblers in Trebra. Seither besteht der freundschaftliche Kontakt. Auf der Reise des VHL unter dem Motto„Auf den Spuren der Evakuierten 1939/40 in Thüringen“ mit 50 Teilnehmern Ende Juli 2001 wurden wir von der Fam. Gebler nicht nur überaus freundschaftlich begrüßt, sondern auch fürstlich auf ihrem großen Hofgelände bewirtet. Margareta Gebler (79) ist die Tochter der aus Lisdorf stammenden Greta Kohlhase, geb. Spaniol, die während der Evakuierung 1939 in Trebra ihren Mann Oskar Kohlhase kennenlernte. 1940 wurden sie in Andernach/Rhein von OB Alois Spaniol getraut. Er war ein Bruder von Greta. 1941 wurde Margareta geboren. Während ihrer Ausbildung als Krankenschwester lernte sie ihren Mann Wolfgang in Dresden kennen. Seit ihrer Heirat wohnen sie auf dem Hof in Trebra. Bildberichte über die VHL- Reise 2001 sind in den Heimatblättern Nr. 4 und Nr. 28 veröffentlicht. Das Elternhaus von Greta Spaniol in Lisdorf ist die heu- tige Zahnarzt-Praxis von Harald Baumann. "Worüber ich mich immer wieder wundere ist dies: es gibt auf der Welt über dreißig Millionen Gesetze, um die zehn Gebote durchzuführen." Albert Schweitzer Urwalddoktor und Friedensnobelpreisträger (1875-1965) Margareta, geb. Kohlhase und Wolfgang Gebler anlässlich des 80. Geburtstages von Wolfgang am 20.11.2019
  • 29. 29 29 Von Heiner Groß Am 10. Juni 2020 war im Lokalteil der SZ der erste Teil einer Serie über die Geschichte der Seuchen in der Region unter der Überschrift„Seuchen begleiten Menschen schon lange“ veröffentlicht. Der Verfasser Volkmar Schommer aus Beckingen-Düppenweiler ist mir als Autor eines zweibändigen Buches über den 2. Weltkrieg im Haustadter Tal bekannt. Da ich mich im Zuge der Corona-Krise ebenfalls mit Seuchen in unse- rer Heimat befasst habe, habe ich Volkmar Schommer kontaktiert. Dabei erfuhr ich, dass er als Pensionär der Gemeindeverwaltung Beckingen auch heimatkundlich engagiert ist, und zwar als Vorstandsmitglied im Hei- matkundeverein Düppenweiler. Außerdem ist er litera- risch aktiv. So haben wir unsere Berichte über Seuchen interessehalber ausgetauscht. Zusätzlich habe ich ihm die letzten fünf Lisdorfer Heimatblätter zugestellt. Volkmar Schommer erzählte mir, dass er eine größere Arbeit über die Pfarrgeschichte von Düppenweiler gefertigt habe, die aber noch nicht veröffentlicht sei. Im Jahr 1765 habe die Abtei Wadgassen unter Leitung des aus Lisdorf stammenden Abtes Michael Stein eine kleine Kirche in Düppenweiler errichtet, die aber bereits 1897 wieder abgerissen worden sei. Die drei Altäre in dieser Kirche seien damals nicht eigens neu gefertigt worden, sondern auf Vermittlung des Abtes Michael Stein im Rahmen eines Tauschgeschäftes von der Lisdorfer Kirche übernommen worden. Als Gegen- leistung habe Düppenweiler Sandsteine aus einem Steinbruch für neue Altäre in der Lisdorfer Kirche gelie- fert, die zur gleichen Zeit ebenfalls vom Kloster Wad- gassen gebaut wurde. Bei den eingetauschten Altären aus Lisdorf habe es sich um einen sehr alten Hochaltar aus Eichenholz mit drei ausdrucksvollen Statuen in ¾ Lebensgröße von Christus am Kreuze, Maria und Josef sowie um zwei ebenfalls sehr alte Nebenaltäre mit den Statuen der Mutter Gottes und des Hl. Valentinus gehandelt. Volkmar Schommer stützt seine Schilderung über das kirchliche Tauschgeschäft zwischen Lisdorf und Düp- penweiler auf Ausführungen von Arnt Finkenberg in seinem Buch„Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen- wart (1996)“, S. 113-119. Dieser wiederum bezog sich auf Johann Goergen und seine nicht veröffentlichte Ortsgeschichte von Lisdorf (S. 177-181). J. Goergen stützte seine diesbezüglichen Ausführungen auf eine Inventuraufnahme des Lisdorfer Pfarrers Johann Schuster vom 12.5.1847 (Pfarrarchiv Lisdorf, Akten C-Nr. 1), in der dieser rund 80 Jahre nach Erbauung der Lisdorfer Pfarrkirche (1764) deren Bau, Ausmaße und Ausstattung unter Punkt 7 eingehend beschrieb. Er führte u.a. aus:„Die alten Altäre aus der früheren Kirche (1769 bis auf den Kirchturm abgerissen) wurden der Kirche in Düppenweiler überlassen. Dafür lieferte Düp- penweiler die Sandsteine aus einem Steinbruch für die neuen Altäre, die von dem Kunsthandwerker Grauner, Saarbrücken, gestaltet wurden.“ Der aus Lisdorf stammende Abt des Klosters Wadgas- sen hatte beim Bau der neuen Kirche in Lisdorf im Zeit- raum 1760/1764 keine Kosten und Mühen gescheut, um ein schönes und großes sakrales Barock-Bauwerk zu errichten. Das hat er offenbar in Düppenweiler nicht getan. So führt V. Schommer in seiner Arbeit über die Pfarrgeschichte von Düppenweiler aus:„Es ist anzuneh- men, dass der Abt von Wadgassen im Rahmen des Kir- chenbaus keine allzu großen Investitionen in Düppen- weiler getätigt hat.“ Wohl auch deshalb wurde diese kleine Kirche bereits im Jahr 1897 wieder abgerissen und eine neue Kirche gebaut. Kirchliches Tauschgeschäft zwischen Lisdorf und Düppenweiler vor 255 Jahren 29
  • 30. 30 30 Von Heiner Groß Der Schriftführer im Vorstand unseres Lisdorfer Hei- matkundevereins Harald Weiler mailte mir unlängst eine Anfrage von Gernot Karge aus Saarlouis, früher Leiter des Kreisarchivs und auch nach seiner Pensi- onierung weiterhin Chef-Genealoge im Landkreis Saarlouis, nach einem am 25.01.1901 in Lisdorf gebo- renen Vinzenz Lonsdorfer zu. Vor allem interessiere ihn, aus welcher Lonsdorfer-Familie in Lisdorf er stamme. Er, Gernot Karge, habe ihn nicht in seiner Genealogie Lonsdorfer gefunden. Da Vinzenz Lonsdorfer nach 1900 geboren war, ist er aus Datenschutzgründen nicht im Lisdorfer Einwohnerbuch von Rudolf Zenner (†) aufgeführt. Bei seinen Recherchen habe er festgestellt, dass Vin- zenz Lonsdorfer als junger Mann Pianist im Lokal der Witwe Pfeiffer in der Saarlouiser Wallstraße 13 war. Am 15.01.1925 habe er in der Schlächterstraße 7 gewohnt, dann zwei Monate später im Hotel Rheinischer Hof in der Adlerstraße und wieder drei Monate später in der Schwarzochsenstraße 9/11. Seit dem 16.10.1925 habe er wieder in Lisdorf gewohnt. Offenbar hatte Vinzenz Lonsdorfer als junger, klavierkundiger Mann einige Zeit seinen Lebensunterhalt als Klavierspieler in Saarlouiser Lokalitäten verdient. Über meine familienkundlichen Unterlagen konnte ich einen Vinzenz Lonsdorfer nicht finden. Dann hat mir aber Helga Spies, geb. Groß von der Holzmühle, eine entfernte Verwandte und Mitglied unseres Heimat- kundevereins mit einem Faible für Ahnenforschung, Aufklärung verschafft. Vinzenz Lonsdorfer war ein Sohn der Eheleute Josef Lonsdorfer (*1853, †1926) und Ma- ria, geb. Klein (*1859, †1941), die in der Schmidtstraße (Schmidtgasse) wohnten. Sie waren die Urgroßeltern von Helga Spies mütterlicherseits. Ihre 2019 im Alter von 91 Jahren auf der Holzmühle verstorbene Mutter Ilse Groß war eine geborene Lonsdorfer aus Lisdorf. Ihr Vater Alois Lonsdorfer war ein 8 Jahre älterer Bruder des besagten Vinzenz Lonsdorfer. Dieser hat nach seiner Verheiratung in Güdingen gewohnt, wo er auch 1976 im Alter von 75 Jahren verstorben und auf dem dortigen Friedhof beerdigt wurde. Auch unser Senior im VHL, der 93-jährige Rudolf Lonsdorfer, kannte Vin- 30 zenz Lonsdorfer. Bei meinen Recherchen um Vinzenz Lonsdorfer und seine Vorfahren bin ich auf den Priester Johann Lonsdorfer aus Lisdorf gestoßen, von dessen Existenz mir, und auch Helga Spies, bislang nichts bekannt war. Die Eheleute Johann Caspar Lonsdorfer (*1814 †1881) und Katharina geb. Klein (*1816 †1892) aus Lisdorf hatten 13 Kinder, von denen 5 im Kindesalter starben. Das 10. Kind war vorerwähnter Josef Lonsdorfer, der Urgroßvater von Helga Spies. Das 6. Kind war der am 05.01.1846 in Lisdorf geborene Johann Lonsdorfer. Nach Ablegung der Reifeprüfung studierte er am Priesterseminar in Trier Theologie. Zum Priester wurde er am 26.08.1871 im Hohen Dom zu Trier im Alter von 25 Jahren geweiht. Seine Kaplanszeit absolvierte er in Koblenz. Danach war er Pastor der Pfarrei in Kesseling. Die Gemeinde Kesseling liegt im Ahrtal und gehört heute zur Verbandsgemeinde Altenahr im Landkreis Ahrweiler. Ab dem 10.12.1889 war Johann Lonsdorfer Pastor der Pfarrei Bollendorf, die im südlichsten Teil der Eifel am Flüsschen Sauer liegt, die dort die Grenze zum Großherzogtum Luxemburg bildet. Echternach, die luxemburgische Grenzstadt, weltbekannt durch die jährlich dort am Dienstag nach Pfingsten stattfindende Springprozession, ist nur wenige Kilometer entfernt. Die Gemeinde Bollendorf mit ihrer wald- und felsenrei- chen Umgebung ist Luftkurort und heute Mittelpunkt des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks. Der Ort, der heute zum Landkreis Bitburg-Prüm gehört, bie- tet mehrere Sehenswürdigkeiten, die auch schon, als Johann Lonsdorfer dort Pastor war, da waren: So die prächtige ehemalige Wasserfestung (Schloss) aus dem 17. Jahrhundert, in der heute ein großes Hotel-Restau- rant eingerichtet ist. Im Schlosspark befindet sich ein Vogelschutzgehege mit vielen Greifvögeln. Im be- nachbarten Irrel liegt die bizarre„Teufelsschlucht“ und im romantischen Tal der Prüm die weithin bekannten Wasserfälle. Bollendorf liegt auch nur 15 Auto-Minuten von Bitburg und eine knappe halbe Stunde von Trier entfernt. In diesem reizvollen Ort Bollendorf war der Lisdorfer Johann Lonsdorfer ab dem 10.12.1889 der örtliche Pastor. Leider nur knapp 5 Jahre, denn am 29.10.1894 ist er dort im Alter von 48 Jahren bereits verstorben. Johann Lonsdorfer aus Lisdorf Pastor von 1875 bis 1894 in Kesseling und Bollendorf
  • 31. 31 Am 02.11.1894 wurde er auf dem örtlichen Friedhof in Bollendorf bestattet. Ob seine Grabstätte dort noch vorhanden ist, konnte noch nicht geklärt werden. Mit dem Priester Johann Lonsdorfer hat die Lisdorfer Großfamilie Lonsdorfer eine weitere Persönlichkeit hervorgebracht, dessen Leben und Wirken es weiter aufzuhellen gilt. Zu den angegebenen Daten von Johann Lonsdorfer verweise ich auf das mit Unterstützung von Lisdorfer Heimatkundlern von dem VHL-Mitglied Rudolf Zenner aus Felsberg erstellte Werk„Die Einwohner von Lisdorf vor 1900“, Teil 2G-Q, Seite 741, Band 23, Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. 31 Große FahrradKinderDemo für sichere und bessere Radwege Unter dem Motto„Kinder aufs Rad“ haben am Sonntag, dem 19. September 2021, in Saarlouis rund 200 Teil- nehmer bei einer Fahrraddemonstration sichere Stra- ßen für alle gefordert. Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können. Sie forderten ein kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht mit geschützten, breiten Radwe- gen an Hauptstraßen als Standard. Für dieses positive Zukunftsbild organisierte der Allge- meine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine FahrradKin- derDemo, die„Kidical Mass“. Die Fahrraddemonstration fand im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages statt, wie die Saarbrücker Zeitung in großer Aufma- chung am 21. September 2021 berichtete. „Immer weniger Kinder fahren Fahrrad oder lernen es erst spät. Der Grund dafür ist oft, dass Eltern Angst ha- ben, dass ihre Kinder im Straßenverkehr verunglücken könnten“, so der passionierte Radfahrer Marcel Scherf. Initiator der Demo des ADFC in Saarlouis war der Lisdorfer Neubürger Marcel Scherf. Auf unsere Bitte hin stellt er sich hier kurz vor und berichtet über die Aktion:„Ich bin mit meiner Frau und unserem Sohn vor einem Jahr nach Lisdorf gezogen, da meine Frau in die Zahnarztpraxis ihrer Eltern Dorothee und Harald Bau- mann eingestiegen ist. Als ich von der bundesweiten Kidical Mass Aktion erfahren habe, fand ich das eine tolle Idee für Saarlouis. Radwege sind in vielen Städ- ten Mangelware und auch in Saarlouis fallen mir viele Verbesserungsmöglichkeiten ein.“ Wer Interesse an der radverkehrspo- litischen Arbeit des ADFC und/oder an dem regelmäßigen Radtourenangebot Mittwochs- und Freitagsnachmit- tags hat, kann sich gerne tele- fonisch bei Mar- cel Scherf unter 0160/92317015 oder per Mail unter saarlouis@adfc- saar.de melden. Der ADFC Saarlouis fordert ein sicheres Schulradwege- netz bis zum Jahr 2030 Foto von Helmut Dörr © Marcel Scherf Foto: privat