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In seiner Malerei und Lyrik sonst zur eschatologischen
Ästhetik (Gedichtband „Horror Vacui“ 1986) und in
Belletristik - zum scharfen Humor geneigt (Novelle „Die
Sabotage“ 2000), wird Leon Tsvasman, fundamentaler
Medienphilosoph russischer Herkunft, heute ernst:
In seinem metaphorischen FAQ zur Lage der
Zivilisation klärt er Wahrheitssuchende über das Wesen
der menschlichen Wirklichkeit und über das Trauma
und das Missverständnis im Prinzip der
menschenfeindlichen Geltungsgesellschaft auf. Es geht
auch um Homo Genius, seine Lebensenergie, um
autonome Orientierung, die Folgen der Eiszeit und das
systemische Vampirismus. Im Gegensatz zu den meisten
Lehren der Postmoderne bietet das metaphilosophische
Entwurf eine echte humanistische Vision an - die
"Wirklichkeit der Liebe", die im Gegensatz zur
etablierten "Wirklichkeit des Flow" neue Chancen
eröffnet, und ein faszinierendes Menschenbild dazu...
Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen
zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“)

Was ist unser Zeitgeist?


Was wir als Zeitgeist empfinden, ist lediglich eine Zeitnot.

Es bleibt uns nur noch eine geringe Chance auf humane Gesellschaft
und eine lebenswürdige Lebenswelt.
Diese Chance, seit Jahrtausenden als eine Sehnsucht in Visionen gehütet,
wird zugunsten einer Wirklichkeit geopfert, die – zwar auf den Menschen
als Ressource angewiesen – wesentlich menschenfeindlich ist.

Man lebt nicht würdig, solange man dem Flow nachgeht – einer Sucht, die
stets Sinn vortäuscht und deshalb abhängig macht. Der Flow ist ein
Daseinsmodus, das ein Netzwerk aus Leistung, Konsum und Leitmedien
unterhält. Er wuchert auf Kosten menschlicher Lebensenergie.

Der Flow wird zwanghaft, weil er vor der individuellen Verantwortung
hütet. Er verdichtet sich als eine Funktion des Systems, das um seine
Selbsterhaltung ringt. Er betäubt und könnte als berechtigt gelten, wenn es
nicht das Manko gäbe: Die Sucht muss fortbestehen, damit der Rausch neue
Chancen hat. Sonst fällt die von ihm durchsetzte Welt auseinander.

Der Flow steuert dein Leben. Also brauchst du weder Achtung noch
Erkenntnis. Was du erlebst, ist nur der Rausch und nicht die Lebenswelt.
Damit das Mysterium nicht endet, sollst du dich vor einem ängstigen: und
das ist, die Spielregeln zu verletzen. Vor allem sollst du dich davor hüten,
dir einen Entwurf von deiner Welt zu machen, denn darin bestünde deine
Orientierung. Wenn Du erfolgreich bist, lässt mit der dahin schwindenden
Verantwortung auch deine Aufmerksamkeit nach. Die Aussicht auf Macht
ersetzt deine Sehnsucht nach Liebe, und du opferst deinem Konsum deine
Chancen. Du verwirklichst das System, ohne selbst wirklich zu sein.

Der Flow macht abhängig, weil er zum Orientierungsersatz wird. Außerdem
ist er endlich, und wenn er aufhört, kommt die Angst.
Der Flow verbraucht die Lebensenergie der Menschen und greift ihr Wesen
an. Das größte Problem unserer Zeit besteht darin, dass eine dominante
Geisteshaltung, die kurzschlussartig die gesamte Menschheit in ihren Bann
zieht, zum perfekten Orientierungsersatz geworden ist.




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zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“)

Als Produkt, muss der Flow aufwändig erzeugt werden, und er verbraucht
Ressourcen. Sein Erzeugungsprozess hat Nebenwirkungen:
Selbstentfremdung und Zerstörung der biologischen Lebenswelt, eines
Lebensmedium, das – im Gegensatz zu jeder künstlichen - unendliches
Potenzial hat. Eine vollkommen künstliche Lebenswelt wäre eine
vollendete Ordnung, in der jede Chance des Andersseins, jede Potenzialität
und jede Nachhaltigkeit, unwiderruflich schwinden würde.
Die Folgen wären neben Orientierungslosigkeit, die zum Kulturprinzip
erhoben wird und in Zwangsverblödung ausartet, auch Armut, Kriege und
Katastrophen. Sie würden von Leitmedien ästhetisch gemacht und als
„harte Realität“ zur gemeinsamen Wirklichkeit profiliert.

Wofür brauchen wir Lebensenergie?

Wie jede Prothese, ersetzt der Flow etwas Wesentliches. Etwas, das das
Leben nicht nur erträglich, sondern herrlich machen würde, ohne
Nebenwirkungen. Wer dieses Etwas noch ahnt, wird es nie wieder gegen
einen Ersatz eintauschen wollen. Verzichtet man auf den Ersatz zugunsten
von Orientierung, behält man die Menschlichkeit, die Lebenswelt und die
Chance.

Als Kind orientiert man sich an seiner Welt. Als die eigene Suche nach dem
Weg, verkörpert Orientierung dein Wesen und verwirklicht deine Welt.
Orientierungskunst motiviert. Sie scheidet das Leben nicht von der Liebe,
die Leistung nicht von dem Sinn, den Erfolg nicht von der Chance. Wer sich
orientiert, trennt nicht, um zu erkennen und achtet, ohne abzulehnen.

Wer sich orientiert, trennt das Ziel nicht vom Weg. Wer nach dem Weg
sucht, lebt. Man liebt die Welt, die sich verwandelt. Man liebt die Chance,
das Körper, den Geist, das Anderssein in einer Welt der Welten.

Wer sich orientiert, versteht die Welt nicht als eine Beute, die man schneller
als die anderen ausplündern muss, um zu überleben. Man erkennt die Welt,
wie sie ist, als einen Raum der Räume, als Wirklichkeit der Wirklichkeiten,
in der man Chancen verkörpert.

Wer sich orientiert, versteht sich selbst nicht als Werkzeug oder Waffe, als
Opfer oder Herr, wozu man verdammt wurde, sondern als eine ganze Welt,
die Quelle aller Wirklichkeit, wozu man geboren wurde.



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Wer sich orientiert, schöpft. Orientierungskunst macht kreativ und ihr
Output lässt sich nicht als Leistung verwerten.
Wer Orientierung verliert, lebt in Angst. Wer aus Angst leistet, verwirklicht
Geltungen, weil sie Gewissheit versprechen. Geltungen desorientieren, da
sie aus Energie ihrer Schöpfer bestehen und ihre Opfer mit einem
Sinnersatz, dem Flow betäuben müssen.

Deshalb sollte man von eigenen Leistungen Abstand nehmen, so wird man
nicht zu ihrem Kraftwerk. Solange sich Menschen mit Geltungen
identifizieren, verachten sie ihr eigenes Potential und bekennen sich zu
einer ewigen Minderwertigkeit.

Die Liebe verkörpert, die Angst verwirklicht. Aus Liebe wird gelebt, aus
Angst - geleistet. Wer aus Liebe schöpft, verkörpert Leben, wer aus Angst
leistet, verwirklicht Geltungen. Aus Liebe schöpft Sensation, aus Angst -
Profanation.

In einem Land wie Deutschland wird ausschließlich Verwaltungsleistung
verwertet und Anerkennung davon abhängig, was man verwaltet.
Wissensverwalter in den Hochschulen, Krankheits- und
Behandlungsverwalter in Krankenhäusern. Wer sich selbst verwaltet, wird
beachtet und für die Geltungsverwaltung gibt es Geld, ebenfalls kumulierte
Geltung.

Das Geld verwaltet Geltungen, nicht Menschen.

Wann werden Leistungen zu Geltungen?

Orientierung wird gelebt und nicht geleistet. Sie entsteht ohne Zwang oder
Selbsttäuschung. Ihr Antrieb nennen wir Liebe. Als eine Achtung des
Wesentlichen wird sie im Aufmerksamkeitsfeld anderer Menschen zu
sinnhaften Information oder zu Dingen verdichtet. Orientierungskunst
verwirklicht Leben. Wer aus Liebe leistet, ist herrlich, und nicht verwaltbar.

Produkte entstehen hingegen auf Anfrage, sie werden konsumiert. Als
Geltungskonstrukte verwirklichen sie Macht, und ihr Antrieb ist Angst.
Konsum gehört zu Spielregeln einer kumulativen Gesellschaft, die von
Energie lebt, die sie in Geltungen anlegt. Das binäre Geldprinzip der
Marktwirtschaft spiegelt die Geltungswirklichkeit, indem er ihre
Komplexität reduziert. Der durchschnittliche Geltungsverwalter zeichnet
sich durch eine besondere Psychosomatik aus, die ihn verwaltbar macht:

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Organisationen instrumentalisieren ihn gerne als Zielgruppe.

Ihres Leidenschaftsantriebs entledigt, sind Leistungen auf externe Energien
angewiesen. So werden ihre Schöpfer als lebende Akkumulatoren
instrumentalisiert und nebenbei selbst ihrer Schöpfungskraft entledigt. Nun
verwalten sie und werden verwaltet, weil sie von ihren eigenen Geltungen
abhängig werden. Aus Schöpfern werden Vampire.

Ist unsere Zivilisation "vampirisch"?

Sie ist ein Trauma und ein Missverständnis. Vampirismus setzte sich
aufgrund einer Naturkatastrophe, der Eiszeit, durch. Das
Überlebenstrauma prägt seitdem menschliches Bewusstsein. Das
tragische Missverständnis besteht aber darin, dass ein Überlebensmodell
zum einzigen Lebensprinzip gemacht wird.

Das Wesen der Gemeinschaft besteht seitdem in einem Kraftakt.
Entstanden als ein Medium des Kräftesammelns, richtet sie die geballte
Energie gegen vermeintliche Feinde (Natur, Not, andere Menschen). Der
Kraftakt ist ein Ausnahmezustand, in dem man freiwillig seine Lebenskraft
für die Ziele der Anderen opfert. Als Folge wird sie ihrer
Orientierungsfähigkeit beraubt, wie ihr diese Energie dann fehlt.

So entstehen Geltungen, Speichermedien der Macht. Sie sind wie Banken
in einer Marktwirtschaft. Sie prägen unsere Wirklichkeit, weil sie
mittlerweile in jeder Sprache und somit in jeder Handlung versteckt sind.
Das alles wird mit biologischer Energie hochgekurbelt, einer Kraft, die sich
reproduziert und ohne Mehraufwand nachhaltig manipuliert werden kann.
Also sind Geltungen Bausteine einer künstlichen Lebenswelt, die das
Kurzschlussprinzip ausbeutet. Auch Technik ist an die menschliche Energie
gekoppelt, solange sie sich nicht autonom versorgen kann.

Zum Trauma und Missverständnis ist also noch ein Übel
hinzugekommen. Seitdem sich biologische Antriebsträger nicht autonom
orientieren können, wird in Geltungssystemen Sinn produziert. Das
befähigt Geltungssysteme zur Selbststeuerung. Als jeder sich selbst
steuernde Organismus, schützen und reproduzieren sie sich. Leider
geschieht es nicht im Sinne des Menschen als Subjekt, sondern im Sinne
des Menschen als Antrieb. Das nenne ich subjektfeindliche
Emergenz der Kurzschlusswirklichkeit.


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Ist der Potentialmensch ein neues Menschenbild?

Mittlerweile wurde ein Menschenbild, in dem Potential wichtiger ist, als
Leistung, zum Schreckgespenst der Geltungsgesellschaft, nicht zuletzt weil
Geltungsmenschen in ihrer Orientierungslosigkeit solidarisch werden.

Echte Potentialmenschen gab es nie. So alt und weise ist die Menschheit
nicht. Also ist mein Menschenbild eine Vision, die in einer vernetzten
Welt zu einer Überlebensnotwendigkeit wird. Eine Vision, die alte Kulturen
als eine Ahnung pflegten, oder sie integrierten sie in ihre Kosmologie.
Kabbala kennt Adam Kadmon, den kosmologischen Ur- und absoluten
Potenzialmenschen, auf lateinisch würde man ihn Homo Genius nennen.

Die Genies wären Potentialmenschen bevor ihre Leistungen zu Geltungen
konvertiert werden. Als Menschenbild wäre Genialität somit die
Lebensweise für alle. Klingt paradox nur solange man an die naive Realität
der Geltungsmenschen glaubt. Sie gibt es aber nicht wirklich, und im
Grunde wäre jeder ein Genie. Die Leistung eines herkömmlichen Genies
besteht vor allem darin, dass er über einen Energieüberschuss verfügt, den
er trotz der Resistenz seiner Wirklichkeit für die autonome Orientierung
verwenden kann. Man entwickelt den übermäßigen Willen, wirklich zu sein,
was in einer Geltungswelt Opfer bedeutet. In vielen Fällen erfindet man
intuitiv eine Methode, an Energie zu kommen. Viele können sie aus ihrer
eigenen Zukunft schöpfen, aber nur wenige nutzen dieses Know-how, weil
es Selbstzerstörung bedeutet. Eine andere Energiequelle ist animalischer
Natur, man könnte das entsprechende Know-how "Sexualmagie" nennen.

Für Menschen ist Potentialdenken überlebenswichtig.

Einer, der sich orientiert, lehnt einen anderen nicht ab, polarisiert nicht und
unterstützt keine subjektfeindlichen Geltungssysteme. Seine Wirkung
erhöht Chancen - die eigenen, die der anderen, seiner Welt. Und wer sich
orientiert, ist deshalb immer mehr, weil er sich über sein Potential definiert.
Das entsprechende Wirklichkeitsprinzip heißt Liebe, die alte Sehnsucht und
das einzig realistische Gesellschaftsmodell, das nachhaltig besteht. Liebe ist
jene Haltung, die das Potential achtet, die Chance. Der entsprechende
Lebensprinzip lautet: Handle stets so, dass deine Liebe wächst.




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Ist eine "Gesellschaft der Genies" das Überlebensrezept?

Man lebt, indem man sich orientiert. Ein Mensch, der seine
Orientierungskraft in Geltungen speichert, legt seine Chancen in eine
Fremdwährung an, und hat die Welt nicht verstanden. Wie
Geltungssysteme funktionieren versteht keiner, wie ein Hund nicht
begreifen muss, warum die Erde rund sein soll. Eine Gesellschaft der Liebe
ist nur ein Wirklichkeitsmodus, der seit jeher als Möglichkeit besteht, er
muss nur umgeschaltet werden.

Eine Welt der Liebe wäre komplex, aber nicht kompliziert. Für sie gelten
Wahrheiten, die wir als Sehnsüchte kennen, aber sie erscheinen uns
merkwürdig, weil wir sie im Geltungsrauch nicht begreifen: Was ein Kind
nicht versteht, hat auch für Erwachsenen keinen Sinn. Wer heilt hat Recht.

Solange Menschen zum Energielieferanten des Geltungssystems degradiert
werden, gibt es keine Subjekte, die in der Lage wären, sich autonom zu
orientieren. Eine Person darf keinen Lebensentwurf haben, weil der Sinn
ausschließlich von Geltungssystemen verwaltet wird. Eine Person bleibt
konstant, sie ist Subjektkonstanz. Denn wer sich verwandelt, hat Macht, die
Chance, Geltungen zu gestalten. Ich gestalte, also gelte ich. Ein subjektiver
Entwurf, wäre er beachtet, würde die Chancen des Systems auf das
Anderssein stören, wie ein Systementwurf deine Chancen stört. Ein System
muss Subjekte sabotieren, um zu bestehen, so werden sie zu Personen.

Auch ein Wissenschaftler agiert nach dem Geltungsprinzip, indem er
forscht, weil analytische Wissenschaft kein Erkenntnisweg, sondern ein
Regelwerk ist, eine Technologie. Ihre Mission ist, Geltungen zu
reproduzieren. Sie duldet keine Genies und bildet Geltungsverwalter aus.
Sie kennt auch keine Intellektuelle. Und wenn Geltungssysteme
subjektfeindlich werden, wird keiner Alarm schlagen. Personen können es
nicht, weil sie Systemkonstrukte sind, Subjekte gelten nicht und werden
nicht beachtet. Und trotz der steigender Sehnsucht, schaltet keiner um.




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Kann denn ein einzelnes Genie die Wahrheit erkennen?

Unsere Lebenswelt ist eine Wirkungs- und keine Evidenzwelt. "What You
See Is What You Get" ist ein romantischer Glaube, der erst von Medien
verwirklicht wird. Die Realität ist anders. Alles was Grenzen hat, wofür es
Begriffe gibt - existiert nicht einfach so, wie Naivrealisten annehmen. Alle
Objekte und Erscheinungen werden erst dann evident, wenn sie mit dem
erheblichen Energieaufwand als Geltungen konstruiert werden. Kabbala
nennt sie Clippot, die Schalen. Außer ihnen gibt es in der Welt nichts, was
Grenzen hat, alles - ein Energiefluss, mehr nicht. Aber wenn wir Energie
sagen, meinen wir ebenfalls eine Geltung, die wir uns erschaffen haben.

Geltungen werden von menschlichen Gehirnen konstruiert, damit
Menschen gemeinsam handeln können. Deshalb sind sie intersubjektive
Wahrheiten. Das menschliche Gehirn ist ein Orientierungsorgan, das
Geltungen generiert, um sie wieder zu verwerfen. Man besteht in einer
Welt, indem man laufend relative Wahrheiten erschafft. Durch das Handeln
werden Geltungen verwirklicht, so entsteht das, was wir Wirklichkeit
nennen. Problematisch wird es, wenn Geltungen nicht mehr verworfen
werden, weil sie sich verselbständigen, als Geltungs-Systeme.

Wieso scheiterten bisher alle Versuche, eine Gesellschaft der
Liebe zu etablieren?

Die Liebe ist keine Geltung, deswegen begreifen wir sie nicht. Sie ist
bestenfalls eine Ahnung, und als solche nicht verwaltbar, ein sich autonom
orientierender Mensch ist es auch nicht. Deshalb wird Liebe nie zu einem
Systemprinzip. Trotzdem verdanken wir ihr unsere Existenz, weil sie eine
Welt zusammenhält, in der es immer noch Chancen gibt.
Als Prinzip kann sich Liebe nicht gegen die macht- und wertebasierten
Geltungssysteme behaupten, aber solange sie als Sehnsucht gepflegt wird,
was den Sinn einer Kultur ausmacht, besteht die Chance, dass die
Wirklichkeit umgeschaltet werden kann. Vielleicht muss die Sehnsucht
genug Schwung aufbauen, um es zu vollziehen.

Warum konnten sich Geltungssysteme etablieren?

Die Macht ist ein einfaches Prinzip, weil unser Gehirn keine Ambivalenzen
erträgt, keine Mehrdeutigkeit. Die Quelle aller vermeidbaren Krankheiten
ist eine Lebensweise, die Ambivalenzen zulässt. Also schützt sich das

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Subjekt und überträgt in überwältigenden Ausnahmesituationen wie
Katastrophen folgenreiche Entscheidungen gerne auf die anderen, die sich
dafür spezialisiert haben, weil sie mit Geltungsvorschuss ausgestattet
werden. Die Machthabenden sind also von Ambivalenz besonders betroffen,
aber sie werden auch besonders gepflegt. Die Aufmerksamkeit macht es.

Doch auch die Machthabenden können sich nicht autonom orientieren,
solange sie ihre Mission wahrnehmen. Dieses Prinzip erzeugt jedoch
Orientierungssysteme, indem sie medialisierte Geltungen (sinngefilterte
Handlungen) mit biologischer Energie versorgen. Systeme sind
transsubjektive Organismen, die Sinn erzeugen. Da sie nicht an die primäre
Wirklichkeit gekoppelt sind, entfalten sie in unseren Augen keine Evidenz,
also man kann sie weder sehen, noch spüren noch als Subjekte erkennen.

Was hat sich seit der Eiszeit geändert?

Eine Kurzschlusswirklichkeit verdichtete sich. Alles wird eins, aber nicht als
eine Lebenswelt, sondern als eine so genannte Realität, ein
Medienkonstrukt. Geltungen werden nicht mehr von Menschen entworfen,
sondern von Leitmedien. Schon jetzt wird jeglicher Sinn in Teams
produziert, kein Forscher agiert unabhängig.
Andererseits sieht man auch ein, dass es keine wirklichen Feinde irgendwo
"außerhalb" gibt. Man integriert die Natur, die Menschen vertragen sich
vom Prinzip her, aber die Systeme nicht, weil wir mittlerweile eine
Wirklichkeit der Geltungssysteme erschaffen haben, die sich gegenseitig
bekriegen. Ich meine nicht die politischen Systeme, ihre Beschaffenheit ist
fraglich. Alle Sinnsysteme sind subjektfeindlich, weil sie Menschen
negieren, indem sie sie ihrer natürlichen Entwurfs- und Orientierungskraft
berauben.

Systemimmanente Wirklichkeiten werden gerne global. Sie gründen auf der
Macht der kumulierten Werte und haben längst ihre Eigendynamik
entfaltet. Ein System mutiert, indem es sich zunehmend zu einem
Personenorganismus mit Programm konsolidiert, das nicht die
existentiellen Interessen des Menschen deckt. Ein Mensch ohne Subjekt
braucht keine humanistische Gesellschaft mehr, ein System ohne Subjekte
kümmert sich lediglich um seine eigene Stabilität, denn seine "Zellen" sind
Geltungen, die von menschlicher Energie gespeist werden, nicht mal von
Personen als solchen.



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Sind Ökonomie und Politik denkbar, die statt mit Geltungen,
Macht und Werten mit Potential, Orientierungskunst und Liebe
arbeiten? Und kommt es zu einer Revolution?

Die Wirklichkeit der Liebe ist keine soziale Utopie, die mit Gewalt
umgesetzt wird. Im Grunde war sie als eine Parallelwelt immer schon da,
man kann damit nicht umgehen, weil sie nicht verwaltbar scheint.
Man ließ sie nur als Sehnsüchte der Genies in die Kultur einfließen, denn
Kultur ermöglicht Beziehungen, die von Sehnsüchten leben. Sie ist ein
Medium der Orientierungswahrheit.

Im Grunde lebt eine Wirtschaft von Liebe und trotz Konkurrenz um
Geltungen, Macht oder Werte, trotz Zwang und Ausbeutung. Es gab dieses
Überlebenstrauma, nach der Dinge anders verwirklicht werden, als sie
sollten. Deshalb glaubt man, dass Handeln auf Geltungen basiert, und der
Glaube wird verwirklicht und von Medien multipliziert. Das Wunder
besteht jedoch darin, dass etwa Wirtschaft trotz Geltungswirklichkeit
fruchtet. Denn sie ist nichts anderes, als ein Potentialmedium, das Chancen
auf Leben, Orientierung und Zukunft verwirklichen soll.

Was bleibt denn, wenn sich Geltungen erübrigen und Politik
keinen Sinn mehr hat?

Eine Wirklichkeit der Liebe ist keine Gesellschaft im soziologischen Sinn.
Sie ist eine Lebenswelt von Potentialmenschen, die unendlich viele
Gesellschaftsentwürfe vereint. Ihr Konsens ist von Orientierungswahrheit
und Potentialsicherung begründet. Sie ist die Entfaltung heutiger
Wirklichkeit, nur "geltungsbereinigt". Also bleiben Kultur als Medium der
Orientierungswahrheit und Wirtschaft als Medium der Potentialsicherung
bestehen.

Wie entsteht eine solche Wirklichkeit der Liebe, wenn sie bis
jetzt immer verhindert wurde?

Der Wirklichkeitsmodus wird umgeschaltet, damit Kraft, die in Geltungen
fließt, zukünftig bei ihren Urhebern bleibt und man sich als
Potentialmensch emanzipieren und als Orientierungswesen regenerieren
kann. Die Wirklichkeit der Liebe entfaltet sich, sobald man nicht mehr
Geltungen (Produkte, Parteien, Gegenstände oder entfremdete Ideen),
sondern sich selbst lebt, sich in einer Welt orientiert und zu Ende

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denkt. Der Schalthebel ist eine entsprechende Haltung, eine Denkweise.
Auch die Machthabenden und Wertebesitzer sind von subjektfeindlichen
Systemen destruktiv betroffen, also sollten sie sich auch um eine Politik
bemühen, die nicht das Subjekt in Frage stellt, sondern Geltungssysteme.

Und verhindert wurde sie nicht wirklich, nur ignoriert. Denn Evidenz-
Realismus ist ein Missverständnis, das die Welt der Geltungen, die nichts
verkörpern, außer gespeicherter Macht, Realität nennt.

Die Welt der Geltungen ist ein Konstrukt des Willens, eine voluntaristische
Blase, die ständig mit Luft versorgt wird, mit dem enormen Aufwand.
Und die eigentliche Orientierungsgewissheit, die relative und einzig
mögliche Wahrheit des Subjekts, das nach dem Weg sucht, wird
systematisch übersehen, nicht mal Wörter gibt es, die sie benennen
könnten. Nur Poesie vermag es, die Momente der Ahnung zu beschreiben.

(C) 2007-2008 Leon Tsvasman.




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               Immer weniger Menschen scheinen unsere
               gemeinsame Lebenswelt zu verstehen. Und nur
               wenige geben sich Mühe, sie zu erklären.
               Dr. Leon Tsvasman tut es. Wer sich selbständig
               orientiere, sagt der Wirklichkeitsforscher,
               beherrsche stets die relative Wahrheit und lasse
               seine Welt nicht manipulieren.
               Der aus Russland stammender Querdenker bangt
               deshalb nicht um Glaubwürdigkeit, er regt es
               lediglich an, kurz anzuhalten, sich umzuschauen,
               zu Ende zu denken. In dem Essay geht es unter
               anderem um eine bessere Welt der Menschen, die
               sich nicht über die Werte definieren, die sie in
               Geltungen anlegen, sondern real über ihr eigenes
               Potenzial, das wertvollste, was ein Mensch hat.




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Was Ist Unser Zeitgeist 2.0

  • 1. Version 2.0 In seiner Malerei und Lyrik sonst zur eschatologischen Ästhetik (Gedichtband „Horror Vacui“ 1986) und in Belletristik - zum scharfen Humor geneigt (Novelle „Die Sabotage“ 2000), wird Leon Tsvasman, fundamentaler Medienphilosoph russischer Herkunft, heute ernst: In seinem metaphorischen FAQ zur Lage der Zivilisation klärt er Wahrheitssuchende über das Wesen der menschlichen Wirklichkeit und über das Trauma und das Missverständnis im Prinzip der menschenfeindlichen Geltungsgesellschaft auf. Es geht auch um Homo Genius, seine Lebensenergie, um autonome Orientierung, die Folgen der Eiszeit und das systemische Vampirismus. Im Gegensatz zu den meisten Lehren der Postmoderne bietet das metaphilosophische Entwurf eine echte humanistische Vision an - die "Wirklichkeit der Liebe", die im Gegensatz zur etablierten "Wirklichkeit des Flow" neue Chancen eröffnet, und ein faszinierendes Menschenbild dazu...
  • 2. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Was ist unser Zeitgeist? Was wir als Zeitgeist empfinden, ist lediglich eine Zeitnot. Es bleibt uns nur noch eine geringe Chance auf humane Gesellschaft und eine lebenswürdige Lebenswelt. Diese Chance, seit Jahrtausenden als eine Sehnsucht in Visionen gehütet, wird zugunsten einer Wirklichkeit geopfert, die – zwar auf den Menschen als Ressource angewiesen – wesentlich menschenfeindlich ist. Man lebt nicht würdig, solange man dem Flow nachgeht – einer Sucht, die stets Sinn vortäuscht und deshalb abhängig macht. Der Flow ist ein Daseinsmodus, das ein Netzwerk aus Leistung, Konsum und Leitmedien unterhält. Er wuchert auf Kosten menschlicher Lebensenergie. Der Flow wird zwanghaft, weil er vor der individuellen Verantwortung hütet. Er verdichtet sich als eine Funktion des Systems, das um seine Selbsterhaltung ringt. Er betäubt und könnte als berechtigt gelten, wenn es nicht das Manko gäbe: Die Sucht muss fortbestehen, damit der Rausch neue Chancen hat. Sonst fällt die von ihm durchsetzte Welt auseinander. Der Flow steuert dein Leben. Also brauchst du weder Achtung noch Erkenntnis. Was du erlebst, ist nur der Rausch und nicht die Lebenswelt. Damit das Mysterium nicht endet, sollst du dich vor einem ängstigen: und das ist, die Spielregeln zu verletzen. Vor allem sollst du dich davor hüten, dir einen Entwurf von deiner Welt zu machen, denn darin bestünde deine Orientierung. Wenn Du erfolgreich bist, lässt mit der dahin schwindenden Verantwortung auch deine Aufmerksamkeit nach. Die Aussicht auf Macht ersetzt deine Sehnsucht nach Liebe, und du opferst deinem Konsum deine Chancen. Du verwirklichst das System, ohne selbst wirklich zu sein. Der Flow macht abhängig, weil er zum Orientierungsersatz wird. Außerdem ist er endlich, und wenn er aufhört, kommt die Angst. Der Flow verbraucht die Lebensenergie der Menschen und greift ihr Wesen an. Das größte Problem unserer Zeit besteht darin, dass eine dominante Geisteshaltung, die kurzschlussartig die gesamte Menschheit in ihren Bann zieht, zum perfekten Orientierungsersatz geworden ist. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 2
  • 3. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Als Produkt, muss der Flow aufwändig erzeugt werden, und er verbraucht Ressourcen. Sein Erzeugungsprozess hat Nebenwirkungen: Selbstentfremdung und Zerstörung der biologischen Lebenswelt, eines Lebensmedium, das – im Gegensatz zu jeder künstlichen - unendliches Potenzial hat. Eine vollkommen künstliche Lebenswelt wäre eine vollendete Ordnung, in der jede Chance des Andersseins, jede Potenzialität und jede Nachhaltigkeit, unwiderruflich schwinden würde. Die Folgen wären neben Orientierungslosigkeit, die zum Kulturprinzip erhoben wird und in Zwangsverblödung ausartet, auch Armut, Kriege und Katastrophen. Sie würden von Leitmedien ästhetisch gemacht und als „harte Realität“ zur gemeinsamen Wirklichkeit profiliert. Wofür brauchen wir Lebensenergie? Wie jede Prothese, ersetzt der Flow etwas Wesentliches. Etwas, das das Leben nicht nur erträglich, sondern herrlich machen würde, ohne Nebenwirkungen. Wer dieses Etwas noch ahnt, wird es nie wieder gegen einen Ersatz eintauschen wollen. Verzichtet man auf den Ersatz zugunsten von Orientierung, behält man die Menschlichkeit, die Lebenswelt und die Chance. Als Kind orientiert man sich an seiner Welt. Als die eigene Suche nach dem Weg, verkörpert Orientierung dein Wesen und verwirklicht deine Welt. Orientierungskunst motiviert. Sie scheidet das Leben nicht von der Liebe, die Leistung nicht von dem Sinn, den Erfolg nicht von der Chance. Wer sich orientiert, trennt nicht, um zu erkennen und achtet, ohne abzulehnen. Wer sich orientiert, trennt das Ziel nicht vom Weg. Wer nach dem Weg sucht, lebt. Man liebt die Welt, die sich verwandelt. Man liebt die Chance, das Körper, den Geist, das Anderssein in einer Welt der Welten. Wer sich orientiert, versteht die Welt nicht als eine Beute, die man schneller als die anderen ausplündern muss, um zu überleben. Man erkennt die Welt, wie sie ist, als einen Raum der Räume, als Wirklichkeit der Wirklichkeiten, in der man Chancen verkörpert. Wer sich orientiert, versteht sich selbst nicht als Werkzeug oder Waffe, als Opfer oder Herr, wozu man verdammt wurde, sondern als eine ganze Welt, die Quelle aller Wirklichkeit, wozu man geboren wurde. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 3
  • 4. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Wer sich orientiert, schöpft. Orientierungskunst macht kreativ und ihr Output lässt sich nicht als Leistung verwerten. Wer Orientierung verliert, lebt in Angst. Wer aus Angst leistet, verwirklicht Geltungen, weil sie Gewissheit versprechen. Geltungen desorientieren, da sie aus Energie ihrer Schöpfer bestehen und ihre Opfer mit einem Sinnersatz, dem Flow betäuben müssen. Deshalb sollte man von eigenen Leistungen Abstand nehmen, so wird man nicht zu ihrem Kraftwerk. Solange sich Menschen mit Geltungen identifizieren, verachten sie ihr eigenes Potential und bekennen sich zu einer ewigen Minderwertigkeit. Die Liebe verkörpert, die Angst verwirklicht. Aus Liebe wird gelebt, aus Angst - geleistet. Wer aus Liebe schöpft, verkörpert Leben, wer aus Angst leistet, verwirklicht Geltungen. Aus Liebe schöpft Sensation, aus Angst - Profanation. In einem Land wie Deutschland wird ausschließlich Verwaltungsleistung verwertet und Anerkennung davon abhängig, was man verwaltet. Wissensverwalter in den Hochschulen, Krankheits- und Behandlungsverwalter in Krankenhäusern. Wer sich selbst verwaltet, wird beachtet und für die Geltungsverwaltung gibt es Geld, ebenfalls kumulierte Geltung. Das Geld verwaltet Geltungen, nicht Menschen. Wann werden Leistungen zu Geltungen? Orientierung wird gelebt und nicht geleistet. Sie entsteht ohne Zwang oder Selbsttäuschung. Ihr Antrieb nennen wir Liebe. Als eine Achtung des Wesentlichen wird sie im Aufmerksamkeitsfeld anderer Menschen zu sinnhaften Information oder zu Dingen verdichtet. Orientierungskunst verwirklicht Leben. Wer aus Liebe leistet, ist herrlich, und nicht verwaltbar. Produkte entstehen hingegen auf Anfrage, sie werden konsumiert. Als Geltungskonstrukte verwirklichen sie Macht, und ihr Antrieb ist Angst. Konsum gehört zu Spielregeln einer kumulativen Gesellschaft, die von Energie lebt, die sie in Geltungen anlegt. Das binäre Geldprinzip der Marktwirtschaft spiegelt die Geltungswirklichkeit, indem er ihre Komplexität reduziert. Der durchschnittliche Geltungsverwalter zeichnet sich durch eine besondere Psychosomatik aus, die ihn verwaltbar macht: (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 4
  • 5. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Organisationen instrumentalisieren ihn gerne als Zielgruppe. Ihres Leidenschaftsantriebs entledigt, sind Leistungen auf externe Energien angewiesen. So werden ihre Schöpfer als lebende Akkumulatoren instrumentalisiert und nebenbei selbst ihrer Schöpfungskraft entledigt. Nun verwalten sie und werden verwaltet, weil sie von ihren eigenen Geltungen abhängig werden. Aus Schöpfern werden Vampire. Ist unsere Zivilisation "vampirisch"? Sie ist ein Trauma und ein Missverständnis. Vampirismus setzte sich aufgrund einer Naturkatastrophe, der Eiszeit, durch. Das Überlebenstrauma prägt seitdem menschliches Bewusstsein. Das tragische Missverständnis besteht aber darin, dass ein Überlebensmodell zum einzigen Lebensprinzip gemacht wird. Das Wesen der Gemeinschaft besteht seitdem in einem Kraftakt. Entstanden als ein Medium des Kräftesammelns, richtet sie die geballte Energie gegen vermeintliche Feinde (Natur, Not, andere Menschen). Der Kraftakt ist ein Ausnahmezustand, in dem man freiwillig seine Lebenskraft für die Ziele der Anderen opfert. Als Folge wird sie ihrer Orientierungsfähigkeit beraubt, wie ihr diese Energie dann fehlt. So entstehen Geltungen, Speichermedien der Macht. Sie sind wie Banken in einer Marktwirtschaft. Sie prägen unsere Wirklichkeit, weil sie mittlerweile in jeder Sprache und somit in jeder Handlung versteckt sind. Das alles wird mit biologischer Energie hochgekurbelt, einer Kraft, die sich reproduziert und ohne Mehraufwand nachhaltig manipuliert werden kann. Also sind Geltungen Bausteine einer künstlichen Lebenswelt, die das Kurzschlussprinzip ausbeutet. Auch Technik ist an die menschliche Energie gekoppelt, solange sie sich nicht autonom versorgen kann. Zum Trauma und Missverständnis ist also noch ein Übel hinzugekommen. Seitdem sich biologische Antriebsträger nicht autonom orientieren können, wird in Geltungssystemen Sinn produziert. Das befähigt Geltungssysteme zur Selbststeuerung. Als jeder sich selbst steuernde Organismus, schützen und reproduzieren sie sich. Leider geschieht es nicht im Sinne des Menschen als Subjekt, sondern im Sinne des Menschen als Antrieb. Das nenne ich subjektfeindliche Emergenz der Kurzschlusswirklichkeit. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 5
  • 6. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Ist der Potentialmensch ein neues Menschenbild? Mittlerweile wurde ein Menschenbild, in dem Potential wichtiger ist, als Leistung, zum Schreckgespenst der Geltungsgesellschaft, nicht zuletzt weil Geltungsmenschen in ihrer Orientierungslosigkeit solidarisch werden. Echte Potentialmenschen gab es nie. So alt und weise ist die Menschheit nicht. Also ist mein Menschenbild eine Vision, die in einer vernetzten Welt zu einer Überlebensnotwendigkeit wird. Eine Vision, die alte Kulturen als eine Ahnung pflegten, oder sie integrierten sie in ihre Kosmologie. Kabbala kennt Adam Kadmon, den kosmologischen Ur- und absoluten Potenzialmenschen, auf lateinisch würde man ihn Homo Genius nennen. Die Genies wären Potentialmenschen bevor ihre Leistungen zu Geltungen konvertiert werden. Als Menschenbild wäre Genialität somit die Lebensweise für alle. Klingt paradox nur solange man an die naive Realität der Geltungsmenschen glaubt. Sie gibt es aber nicht wirklich, und im Grunde wäre jeder ein Genie. Die Leistung eines herkömmlichen Genies besteht vor allem darin, dass er über einen Energieüberschuss verfügt, den er trotz der Resistenz seiner Wirklichkeit für die autonome Orientierung verwenden kann. Man entwickelt den übermäßigen Willen, wirklich zu sein, was in einer Geltungswelt Opfer bedeutet. In vielen Fällen erfindet man intuitiv eine Methode, an Energie zu kommen. Viele können sie aus ihrer eigenen Zukunft schöpfen, aber nur wenige nutzen dieses Know-how, weil es Selbstzerstörung bedeutet. Eine andere Energiequelle ist animalischer Natur, man könnte das entsprechende Know-how "Sexualmagie" nennen. Für Menschen ist Potentialdenken überlebenswichtig. Einer, der sich orientiert, lehnt einen anderen nicht ab, polarisiert nicht und unterstützt keine subjektfeindlichen Geltungssysteme. Seine Wirkung erhöht Chancen - die eigenen, die der anderen, seiner Welt. Und wer sich orientiert, ist deshalb immer mehr, weil er sich über sein Potential definiert. Das entsprechende Wirklichkeitsprinzip heißt Liebe, die alte Sehnsucht und das einzig realistische Gesellschaftsmodell, das nachhaltig besteht. Liebe ist jene Haltung, die das Potential achtet, die Chance. Der entsprechende Lebensprinzip lautet: Handle stets so, dass deine Liebe wächst. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 6
  • 7. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Ist eine "Gesellschaft der Genies" das Überlebensrezept? Man lebt, indem man sich orientiert. Ein Mensch, der seine Orientierungskraft in Geltungen speichert, legt seine Chancen in eine Fremdwährung an, und hat die Welt nicht verstanden. Wie Geltungssysteme funktionieren versteht keiner, wie ein Hund nicht begreifen muss, warum die Erde rund sein soll. Eine Gesellschaft der Liebe ist nur ein Wirklichkeitsmodus, der seit jeher als Möglichkeit besteht, er muss nur umgeschaltet werden. Eine Welt der Liebe wäre komplex, aber nicht kompliziert. Für sie gelten Wahrheiten, die wir als Sehnsüchte kennen, aber sie erscheinen uns merkwürdig, weil wir sie im Geltungsrauch nicht begreifen: Was ein Kind nicht versteht, hat auch für Erwachsenen keinen Sinn. Wer heilt hat Recht. Solange Menschen zum Energielieferanten des Geltungssystems degradiert werden, gibt es keine Subjekte, die in der Lage wären, sich autonom zu orientieren. Eine Person darf keinen Lebensentwurf haben, weil der Sinn ausschließlich von Geltungssystemen verwaltet wird. Eine Person bleibt konstant, sie ist Subjektkonstanz. Denn wer sich verwandelt, hat Macht, die Chance, Geltungen zu gestalten. Ich gestalte, also gelte ich. Ein subjektiver Entwurf, wäre er beachtet, würde die Chancen des Systems auf das Anderssein stören, wie ein Systementwurf deine Chancen stört. Ein System muss Subjekte sabotieren, um zu bestehen, so werden sie zu Personen. Auch ein Wissenschaftler agiert nach dem Geltungsprinzip, indem er forscht, weil analytische Wissenschaft kein Erkenntnisweg, sondern ein Regelwerk ist, eine Technologie. Ihre Mission ist, Geltungen zu reproduzieren. Sie duldet keine Genies und bildet Geltungsverwalter aus. Sie kennt auch keine Intellektuelle. Und wenn Geltungssysteme subjektfeindlich werden, wird keiner Alarm schlagen. Personen können es nicht, weil sie Systemkonstrukte sind, Subjekte gelten nicht und werden nicht beachtet. Und trotz der steigender Sehnsucht, schaltet keiner um. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 7
  • 8. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Kann denn ein einzelnes Genie die Wahrheit erkennen? Unsere Lebenswelt ist eine Wirkungs- und keine Evidenzwelt. "What You See Is What You Get" ist ein romantischer Glaube, der erst von Medien verwirklicht wird. Die Realität ist anders. Alles was Grenzen hat, wofür es Begriffe gibt - existiert nicht einfach so, wie Naivrealisten annehmen. Alle Objekte und Erscheinungen werden erst dann evident, wenn sie mit dem erheblichen Energieaufwand als Geltungen konstruiert werden. Kabbala nennt sie Clippot, die Schalen. Außer ihnen gibt es in der Welt nichts, was Grenzen hat, alles - ein Energiefluss, mehr nicht. Aber wenn wir Energie sagen, meinen wir ebenfalls eine Geltung, die wir uns erschaffen haben. Geltungen werden von menschlichen Gehirnen konstruiert, damit Menschen gemeinsam handeln können. Deshalb sind sie intersubjektive Wahrheiten. Das menschliche Gehirn ist ein Orientierungsorgan, das Geltungen generiert, um sie wieder zu verwerfen. Man besteht in einer Welt, indem man laufend relative Wahrheiten erschafft. Durch das Handeln werden Geltungen verwirklicht, so entsteht das, was wir Wirklichkeit nennen. Problematisch wird es, wenn Geltungen nicht mehr verworfen werden, weil sie sich verselbständigen, als Geltungs-Systeme. Wieso scheiterten bisher alle Versuche, eine Gesellschaft der Liebe zu etablieren? Die Liebe ist keine Geltung, deswegen begreifen wir sie nicht. Sie ist bestenfalls eine Ahnung, und als solche nicht verwaltbar, ein sich autonom orientierender Mensch ist es auch nicht. Deshalb wird Liebe nie zu einem Systemprinzip. Trotzdem verdanken wir ihr unsere Existenz, weil sie eine Welt zusammenhält, in der es immer noch Chancen gibt. Als Prinzip kann sich Liebe nicht gegen die macht- und wertebasierten Geltungssysteme behaupten, aber solange sie als Sehnsucht gepflegt wird, was den Sinn einer Kultur ausmacht, besteht die Chance, dass die Wirklichkeit umgeschaltet werden kann. Vielleicht muss die Sehnsucht genug Schwung aufbauen, um es zu vollziehen. Warum konnten sich Geltungssysteme etablieren? Die Macht ist ein einfaches Prinzip, weil unser Gehirn keine Ambivalenzen erträgt, keine Mehrdeutigkeit. Die Quelle aller vermeidbaren Krankheiten ist eine Lebensweise, die Ambivalenzen zulässt. Also schützt sich das (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 8
  • 9. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Subjekt und überträgt in überwältigenden Ausnahmesituationen wie Katastrophen folgenreiche Entscheidungen gerne auf die anderen, die sich dafür spezialisiert haben, weil sie mit Geltungsvorschuss ausgestattet werden. Die Machthabenden sind also von Ambivalenz besonders betroffen, aber sie werden auch besonders gepflegt. Die Aufmerksamkeit macht es. Doch auch die Machthabenden können sich nicht autonom orientieren, solange sie ihre Mission wahrnehmen. Dieses Prinzip erzeugt jedoch Orientierungssysteme, indem sie medialisierte Geltungen (sinngefilterte Handlungen) mit biologischer Energie versorgen. Systeme sind transsubjektive Organismen, die Sinn erzeugen. Da sie nicht an die primäre Wirklichkeit gekoppelt sind, entfalten sie in unseren Augen keine Evidenz, also man kann sie weder sehen, noch spüren noch als Subjekte erkennen. Was hat sich seit der Eiszeit geändert? Eine Kurzschlusswirklichkeit verdichtete sich. Alles wird eins, aber nicht als eine Lebenswelt, sondern als eine so genannte Realität, ein Medienkonstrukt. Geltungen werden nicht mehr von Menschen entworfen, sondern von Leitmedien. Schon jetzt wird jeglicher Sinn in Teams produziert, kein Forscher agiert unabhängig. Andererseits sieht man auch ein, dass es keine wirklichen Feinde irgendwo "außerhalb" gibt. Man integriert die Natur, die Menschen vertragen sich vom Prinzip her, aber die Systeme nicht, weil wir mittlerweile eine Wirklichkeit der Geltungssysteme erschaffen haben, die sich gegenseitig bekriegen. Ich meine nicht die politischen Systeme, ihre Beschaffenheit ist fraglich. Alle Sinnsysteme sind subjektfeindlich, weil sie Menschen negieren, indem sie sie ihrer natürlichen Entwurfs- und Orientierungskraft berauben. Systemimmanente Wirklichkeiten werden gerne global. Sie gründen auf der Macht der kumulierten Werte und haben längst ihre Eigendynamik entfaltet. Ein System mutiert, indem es sich zunehmend zu einem Personenorganismus mit Programm konsolidiert, das nicht die existentiellen Interessen des Menschen deckt. Ein Mensch ohne Subjekt braucht keine humanistische Gesellschaft mehr, ein System ohne Subjekte kümmert sich lediglich um seine eigene Stabilität, denn seine "Zellen" sind Geltungen, die von menschlicher Energie gespeist werden, nicht mal von Personen als solchen. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 9
  • 10. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Sind Ökonomie und Politik denkbar, die statt mit Geltungen, Macht und Werten mit Potential, Orientierungskunst und Liebe arbeiten? Und kommt es zu einer Revolution? Die Wirklichkeit der Liebe ist keine soziale Utopie, die mit Gewalt umgesetzt wird. Im Grunde war sie als eine Parallelwelt immer schon da, man kann damit nicht umgehen, weil sie nicht verwaltbar scheint. Man ließ sie nur als Sehnsüchte der Genies in die Kultur einfließen, denn Kultur ermöglicht Beziehungen, die von Sehnsüchten leben. Sie ist ein Medium der Orientierungswahrheit. Im Grunde lebt eine Wirtschaft von Liebe und trotz Konkurrenz um Geltungen, Macht oder Werte, trotz Zwang und Ausbeutung. Es gab dieses Überlebenstrauma, nach der Dinge anders verwirklicht werden, als sie sollten. Deshalb glaubt man, dass Handeln auf Geltungen basiert, und der Glaube wird verwirklicht und von Medien multipliziert. Das Wunder besteht jedoch darin, dass etwa Wirtschaft trotz Geltungswirklichkeit fruchtet. Denn sie ist nichts anderes, als ein Potentialmedium, das Chancen auf Leben, Orientierung und Zukunft verwirklichen soll. Was bleibt denn, wenn sich Geltungen erübrigen und Politik keinen Sinn mehr hat? Eine Wirklichkeit der Liebe ist keine Gesellschaft im soziologischen Sinn. Sie ist eine Lebenswelt von Potentialmenschen, die unendlich viele Gesellschaftsentwürfe vereint. Ihr Konsens ist von Orientierungswahrheit und Potentialsicherung begründet. Sie ist die Entfaltung heutiger Wirklichkeit, nur "geltungsbereinigt". Also bleiben Kultur als Medium der Orientierungswahrheit und Wirtschaft als Medium der Potentialsicherung bestehen. Wie entsteht eine solche Wirklichkeit der Liebe, wenn sie bis jetzt immer verhindert wurde? Der Wirklichkeitsmodus wird umgeschaltet, damit Kraft, die in Geltungen fließt, zukünftig bei ihren Urhebern bleibt und man sich als Potentialmensch emanzipieren und als Orientierungswesen regenerieren kann. Die Wirklichkeit der Liebe entfaltet sich, sobald man nicht mehr Geltungen (Produkte, Parteien, Gegenstände oder entfremdete Ideen), sondern sich selbst lebt, sich in einer Welt orientiert und zu Ende (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 10
  • 11. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) denkt. Der Schalthebel ist eine entsprechende Haltung, eine Denkweise. Auch die Machthabenden und Wertebesitzer sind von subjektfeindlichen Systemen destruktiv betroffen, also sollten sie sich auch um eine Politik bemühen, die nicht das Subjekt in Frage stellt, sondern Geltungssysteme. Und verhindert wurde sie nicht wirklich, nur ignoriert. Denn Evidenz- Realismus ist ein Missverständnis, das die Welt der Geltungen, die nichts verkörpern, außer gespeicherter Macht, Realität nennt. Die Welt der Geltungen ist ein Konstrukt des Willens, eine voluntaristische Blase, die ständig mit Luft versorgt wird, mit dem enormen Aufwand. Und die eigentliche Orientierungsgewissheit, die relative und einzig mögliche Wahrheit des Subjekts, das nach dem Weg sucht, wird systematisch übersehen, nicht mal Wörter gibt es, die sie benennen könnten. Nur Poesie vermag es, die Momente der Ahnung zu beschreiben. (C) 2007-2008 Leon Tsvasman. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 11
  • 12. Leon R. Tsvasman im Gespräch. Ein Interview-Entwurf zur aktuellen Zivilisationskrise: Aus „Skizzen zur Dialogisch-Aphoristischen Philosophie“ (V 1.1, teilweise veröffentlicht u.a. auf „intellectual.de“) Immer weniger Menschen scheinen unsere gemeinsame Lebenswelt zu verstehen. Und nur wenige geben sich Mühe, sie zu erklären. Dr. Leon Tsvasman tut es. Wer sich selbständig orientiere, sagt der Wirklichkeitsforscher, beherrsche stets die relative Wahrheit und lasse seine Welt nicht manipulieren. Der aus Russland stammender Querdenker bangt deshalb nicht um Glaubwürdigkeit, er regt es lediglich an, kurz anzuhalten, sich umzuschauen, zu Ende zu denken. In dem Essay geht es unter anderem um eine bessere Welt der Menschen, die sich nicht über die Werte definieren, die sie in Geltungen anlegen, sondern real über ihr eigenes Potenzial, das wertvollste, was ein Mensch hat. (c) 2008 Leon Tsvasman & intellectual.de. All rights reserved. 12