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Die Rückkehr aus der Schleife

Max übersprang gleich mehrere lieblos zusammen
geschobene Betonplatten im Hinterhof und landete auf
dem frisch gebügelten Asphalt, geleitet von dem nach
Teer riechenden Gefühl heiterer Ungewissheit. Er spürte
eine Menge Kraft in seinen Gliedern, und seine
Aufmerksamkeit war hell. Doch war er in diesem
Zustand der körperlichen Spitzenleistung besonders
zerbrechlich, denn nichts verabscheute Max mehr, als
den rücksichtslosen Willen eines geltungssüchtigen
Draufgängers. Geleitet von der kindlichen Neugierde
und der arglosen Sehnsucht, horchte er in diese Welt
hinein, wobei sich sein Elan ein wenig verflüchtigte.

Mit der zwiespältigen Gewissheit seiner Mission
drängte er nun von Außen in diese zutiefst archaische
Realität der Kleingeister, Räuber und Hexen, in die er
als kleines Kind ohne erkennbaren Grund entführt
wurde. Dickfellig ihrem albernen Untergang geweiht,
bestürmte die schrecklich gelbe Sonne seine Augen, um
darin ihr tückenreiches Blendwerk einzunisten.

Balancierend auf der empfindlichen Achse seiner
eigenen Mitte zuckte ein weißer Schmetterling in einer
schattengeschnörkelten Zweiglichtung der blattkargen
Birke. Bald erstarrt auf dem Geländer eines
heruntergekommenen Schulhofes, das aus kunstvoll
verrosteten Metallrohren zusammengeschweißt schien,
flatterte er zum frisch aufpolierten Schild: „Stefan
Kakathier Gymnasium“, auf dem unten stand: „Bildung
für Realisten“. Max staunte, denn Stefan Kakathier war
sein vor kurzem verstorbener Arbeitskollege, ein
überzeugter Realist ohne jeden Skrupel. Ein
gleichnamiger Prominenter mit gleicher Gesinnung?
Unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar.

Zu seiner heiteren Gelassenheit mischte sich jedoch ein
unruhiges Gefühl hinzu, dass hier etwas nicht stimmte.
Die Unruhe steigerte sich kontinuierlich, räsonierte im
Rückenbereich mit der stumpfen Berührung ihrer
eisernen Hand und explodierte schließlich in einer
kalten Verblüffung, als Max’s Blick auf ein typisches
Wahlplakat im Stil großer Volksparteien landete, von
dem das schmerzlich vertraute Gesicht seines
ehemaligen Praktikanten grinste. Trotz der
merkwürdigen Narrenkapuze war die tückische Miene
nicht zu verkennen. „Oh Mann! Auch der noch…“
Max konnte sich nicht täuschen. Das Gesicht gehörte
zweifellos seiner beruflichen Vergangenheit.
„Hat er doch noch überlebt?“ – geisterte es in Max’s
Kopf bis ihn das Apogäum der bizarren
Überraschungskette endgültig umhaute: Auf dem Plakat
stand groß „Krypto-Faschistischer Bund“ und unten
blockte eindringlich die schnörkellose Kleinschrift im
Runenlook: „Der große Volksdesigner Tarek „Erlöser“
Daniels führt uns zum totalen Überfluss.“ Ganz am
unteren Rand purzelte ein Tick kleiner, aber breitbeinig
und unnatürlich scharf für ein Plakat ein rhetorisch
erwägender Slogan: „Seid ihr dabei, so nebenbei?“…
Max schluckte die heiße Brühe, die in seinem
mittlerweile trockenen Mund zusammenfloss, und
lehnte sich ans Geländer. Die Sinne kamen langsam
zurück und mit ihnen ein Konzept, das das Ganze
einordnen sollte:
Solange Max in der heilen Welt der Dunklen Sonne
verweilte, und noch bevor er in die Geltungschleife
zurückgeworfen wurde, um ihr Geheimnis willen,
veränderte sich die andere Welt irgendwie, wie – unklar.

Mehr Erklärung kam ihm nicht in den Sinn, es fehlten
noch weitere Beobachtungen mit ihren Zeichen und
Gestalten. Ganz tief in seiner Mitte schimmerte jedoch
eine Ahnung, wie die Welt mutieren konnte, aber keine
– warum. (Sowieso machte die letztere Frage in seinem
Leben nie einen Sinn.) Freilich erübrigte sich etwas im
Wesen der Geltungsschleife zugunsten einer
hemmungslosen Schärfe, ansonsten blieb alles beim
Alten. Oder auch nicht? Max war nun gespannt auf die
weiteren Zeichen dieser befremdlichen Metamorphose
und schaute bedachtsam in die Ferne.

Dort stach unter vielen Plakaten – es schimmerte im
Hintergrund der großen Allee beinahe ein ganzer Wald
davon – durch ihre sehnsüchtige Schlichtheit eine
durchaus herzliche Physiognomie ins Auge. Unter dem
legeren Halsband stand es in einer hochgezogenen
Helvetika gesetzt: „Union des Magischen Sozialismus
(UMAS)“. Als Slogan brillierte ein nicht weniger
schlichtes Statement: „Trenne nicht, was Ganz ist.“
Max musste telefonieren, doch lag sein Handy stromlos
in der Knietasche seiner Kargohose herum. Ohne zu
zögern, lief Max die Straße entlang, wo er eine
Telefonzelle vermutete. Tatsächlich stand sie da,
schmutziggelb wie seit Jahren schon und nun kunstvoll
von einem staubigen Lichtstreifen verziert. Als Max
sich in die immer noch klemmende Tür reinquetschte
und den sauer stinkenden Hörer abnahm, gleichzeitig
nach einem Geldstück in seiner Hosentasche suchend,
nieste die Puppe des Namenlosen Magisters glatt auf
seine Finger. Doch noch bevor Max keifen konnte,
wurde seine linke Schulter von dem eisernen Griff einer
schweren Hand überwältigt. Im metallischen Körper des
Telefons grinste verschwommen ein breites Lächeln.
Ohne sich umdrehen zu wollen äußerte sich Max mit
einem trockenen „wer da?“ und hielt kurz den Atem an.

Als es hinter seinem Rücken plötzlich quakte und
blubberte, drehte sich Max neugierig um, sah jedoch die
leere Allee mit vereinzelten Passanten. Dann quakte es
wieder und Max hörte die bekannte Stimme, deren
Urheber sich offensichtlich hinter der Bude versteckt
hielt: „Getriebefrei... Wir sind dabei! Gute Reime,
Max!“ Max war erstaunt und versuchte sich fieberhaft
daran zu erinnern, wer das Gedicht noch kennen konnte.
Er war doch eine Improvisation, inspiriert von Anta.
Obwohl… Klaro! Die ersten Strophen schrieb er noch
an seinem letzten Arbeitstag in seinem stickigen Büro,
frustriert und verbittert. Und klar, ein Ausdruck blieb
auf dem Tisch! „Tarek.. Prof?“ – rief Max, wobei er
schon fest auf den letzten tippte, denn Professor Hesslig
war bekannt für seine narrenhaften Phasen, auch
animalische Geräusche gehörten zu dessen Repertoire.

Hinter der Bude hagelte es plötzlich Schimpfwörter,
gefolgt von einem wölfischen Gejammer. Als Max nun
neugierig dahinter blickte, sah er den beinah weinenden
Professor sich neben einer rutschigen Pfütze
herumwälzend. Unfreiwillig umarmte er sein Bein:
„Oh Scheiße, Bandriss! Bitte Max, Taxi! Sorry die
blöde Begrüßung.. Oh, schnell Taxii… Biitte. Ooh!“

Als sie seit einer halben Stunde im Taxi fuhren,
nachdem sich der Alte profimäßig eine provisorische
Bandage aus seiner Krawatte anlegte, wusste Max ganz
gewiss: Der Alte war in echt gestolpert, ohne eine
Absicht. Das Gespräch entfachte sich sofort, denn es
war einiges zu klären. Nach der gescheiterten
Synchronisierung gemeinsamer Erinnerungen aus der
jüngsten Vergangenheit beschoss ihn Max mit Fragen,
obwohl ihm nicht nach Präteritum war. Einiges stimmte
in dieser Welt nicht überein, und war zu klären:

„Lebt Tarek noch?“
„Meinst du Magister Daniels? Hm… Seine Partei feiert
erstaunliche Erfolge! Aber woher kennst du ihn?“
„War er nicht mit an der Fakultät eingestellt? Als
studentische Hilfskraft?“
„Äh? Nicht dass ich wüsste. Mir ist er als Schulkamerad
meines Sohnes bekannt. Und mittlerweile als ein neu
gebackener Parteibonze halt. Schaust Du nicht fern?“
Der kühne Prof kapierte Max’s peinliche Unwissenheit
zwar kaum, reagierte fairerweise doch mit ausführlichen
Antworten, in der Hoffnung, nebenbei auch eigene
Rätsel zu lösen. Was ist dieser Max? Denn das „Genie“
war ihm immer unheimlich. Ab und zu verzerrte er
lautlos sein ohnehin markantes Gesicht – vor
Schmerzen oder aus Überdruss war Max unwichtig:

„War ich denn eingestellt?“
„Ja, aber sie haben dich weg gemobt!“ (Er kicherte.)
„Und Kakathier.. der Stefan halt?“
„War Sekretär in unsrem Büro. Kennst du nicht mehr?
Lagst du in Koma oder so?“
Max hatte keine Ahnung, was er dabei dachte, aber
seine Antworten waren sachlich und offenbarten keine
wirkliche Bewunderung. Scheinbar wusste er etwas,
doch die mittlerweile eigensinnige Gesprächsdynamik
bot Max keine Gelegenheit, es zu erfahren. Außerdem
duzte er ihn plötzlich, tat es im Institut aber nie.
„Und die Mummu-Palme?“ – fragte er mechanisch, als
spräche seine Stimme nun vollkommen autonom.
„Dekanassistentin… Ist aber vor kurzem verendet.“
„Ein Unfall?“ – fragte Max in der wieder kurz
aufgewachten Hoffnung, doch noch einen verlorenen
Faden der merkwürdig versetzten Wirklichkeit zu
finden.
„Ein Attentat. Der gewöhnliche Amokläufer. Diesmal
hat es sie halt erwischt. Wie schon viele vor ihr. Sie war
die Älteste an der Fakultät. Eine durchaus lebenskräftige
Tante. Wir sind doch im Krieg…“ – er schaute Max
traurig an. Irgendwie schien er seinerseits jede
Hoffnung aufgegeben zu haben, dass dieser Max
mindestens mit der Lage vertraut sei, er war es
offensichtlich nicht. Max erwiderte seinen Blick
sichtbar verblüfft und schwieg eine Minute lang.
„Eine Schweigeminute? War nicht nötig. Keiner auf der
Welt hat die Dame gemocht. Außerdem trank sie
zuviel.“
„Ein menschliches Leben war es trotzdem.“
Professor Hesslig schaute Max oberhalb seiner
Sonnenbrille interessiert an...
„Bist du ein Humanist?“
Max fand seine ernsthaft besorgte Stimme und den
plötzlich eindringlichen und sogar sehnsüchtigen Blick
ein wenig übertrieben:
„Tja.. Wohl eher ein magischer Sozialist.“
„UMAS?“ – respektvoll flüsterte er und wechselte das
Thema.
„Keine Ahnung. Ich bin wohl aus einer anderen
Welt…“
Der Taxifahrer tippte gewichtvoll auf die Bremse und
der Wagen blieb quietschend, aber dennoch elegant vor
dem Eingang des Krankenhauses stehen.
Schweigend half Max dem alten Vorgesetzten bis zur
Aufnahme und verschwand nach dem kargen Wechsel
der passenden Floskeln.
„Wir bleiben im Kontakt?“ – fragte Herr Hesslig wieder
heiter.
„Mit Sicherheit!“ –winkte Max freundlich und
verschwand hinter der gläsernen Tür.
„Krass!“ – konnte er nur denken, denn sein Kopf war
wie ausgesaugt. Das gelblich gebräunte Gesicht des
Professors grinste vor seinem geistigen Blick und etwas
war falsch in seiner Physiognomie. Ein seltsamer
optischer Nachgeschmack beunruhigte Max. Vielleicht
waren es schärfere Kanten oder insgesamt etwas
rattenhafte Gesichtzüge, die ihm vorher nicht
aufgefallen waren. Ein ähnlicher Teint – diese
Beobachtung wurde Max gerade bewusst – haftete
auch seltsamen Politiker-Plakaten an, sogar die
tierhaften Gesichtszüge gehörten dieser Gestalt an, wie
eine subtile Maske adelte sie sogar die zufälligen
Passanten auf eine groteske, aber nicht hässliche Art.

Auf der Bank saß ein älterer graulockiger Mann in einer
ausdruckslosen Kleidung hinter dem typischen
Cafétisch und schaute Max an. Annährend erkannte man
das Gesicht von einem Plakat, nur hier im herbstgelben
Sonnenlicht wirkte er echter. Erstaunlich, denn bei den
meisten Politikern, die Max live sah, war es umgekehrt.
Zum ersten Mal in seinem bewussten Leben wurde Max
so unvermittelt mit einem Blick konfrontiert, der
anscheinend mehr sah, als ihm lieb war. So
durchdringend konnte nur das Augenspiel eines
Menschen sein, der die Geltungsschleife für seine
einzige Lebenswelt hält, so viel Leid, Müdigkeit und
Mut strahlte er aus, alles Tugenden einer zerrissenen
Welt der Chimären. Es war kein Blick eines jenseitigen
Magisters, so ruhevoll, hermetisch und geistreich, wie
der des Alten Enya. Die kleinen Augen waren voller
tragischer Kraft eines Kampfes, der den Menschen galt,
die von Chimären befallen waren, nicht der Erkenntnis,
aber auch nicht den Dingen. Max fragte interessiert:
„Sie kennen mich nicht, oder?“

„Ich kenne Sie, Mister Max. Ihre philosophische
Sendung im Aufklärer-Kanal vor zwei Jahren.
Übrigens... sie motivierte mein Parteiprogramm. Vor
Allem Ihre Aussage, dass jede Zivilisation, die freie
Potenzialentfaltung regelt, systemisch wird. Eine
subjektorientierte Zivilisation kann nur magisch sein.“

Max wunderte sich nicht. Die Geschichte klang
plausibel, und was wirklich seine Vergangenheit war,
schien ihm mittlerweile nicht mehr wichtig. Hier wurde
der Politiker ernsthaft und sagte eindringlich:

„Sie wissen es. Die Hälfte der Welt erlag den jüngsten
Katastrophen, und zuletzt diese grausame Grippenwelle.
Bemerkenswerterweise überlebten nur Mitarbeiter
königlicher Anstalten und ihre Angehörige… Der Krieg
fängt aber erst an. Die Königin kann sich erst
verwandeln, wenn ihre Wirte statisch werden. Und
ungehemmte Verwandlung ist ihr Ziel. . Sie wissen, was
ich meine, lieber Max.“

Gerne würde er es wissen, aber nicht um jeden Preis,
denn seine Verwandlungsfähigkeit wollte er nicht
abgeben. Ohne zu fragen, verabschiedete sich Max
zerstreut mit einer passenden Geste. Der Politiker
lächelte väterlich und verschwand leicht hinkend hinter
der Theke. „Ein Wirt ist er auch noch?“ – ging eine
winzige Kerze in seinem Kopf auf bevor sie wieder
rauschend in einer hastigen Windböe krepierte.

Bald rief Max in der nächsten Telefonbude seinen alten
Kumpel aus der lokalen Radioredaktion auf seinem
Handy an.
Die Nummer stimmte sogar, denn der Typ nahm auch
sofort ab. Auch erkannte er Max. Nur stritt er jede
Verbindung zur Lokalredaktion ab, womit die
Synchronisierung der Wirklichkeiten wieder scheiterte.
Auf einmal räsonierte der Hörer mit einem leisen
dämonischen Lächeln. Nicht unsympathisch, aber
zutiefst hohl dröhnte es in dem massiven Körper des
Hörers. Nach gegenseitigen Floskeln legte Max auf.

„Gleiche Welt, andere Wirklichkeit…“ – dachte Max
und blickte getrost auf seine bewohnte Hosentasche. In
einigen Momenten piepste es mit einer verschlafenen
Stimme: „Keine Sorge Max. Solange du weg warst,
sackte die Geltungschleife wieder ab. Und sollte sie
endlich ihren Untergang erfahren, begrüßen wir die
glorreiche Königin mit unsrem lauten „Ahoi!“

Max schaute die Hosentasche betont skeptisch an.

„Erst jetzt sprichst du klar, Max. Also ich habe meinen
Grund dafür, ein Kunstwerk, an dem alle mitschöpfen,
mehr zu lieben, als ich ein menschliches Wesen jemals
begehren könnte. Das klingt für dich zu ästhetisch. Aber
Du wirst meinen Weg nie anerkennen können, denn
deine Kraft schöpft woanders.“
„Wo bin ich denn?“

„Das Reich der Königin naht, mein Lieber, und zwar
endgültig. Du wirst diese Welt nicht heben können, da
Einzelgänger keine Rolle mehr spielen, denn alle
Subjekte hier sind lediglich Attrappen Ihrer Hoheit
Walterin des Wirklichen! Es lebe die Königin!“

„Mann, du bist die eine vollkommene Nervensäge!“ –
schrie Max lautlos in seinem Kopf und flüsterte
sarkastisch: „Danke für den Kommentar, liebe
Puppe…“
„Ja-Ja… Geh zu deiner Truppe Max, sie warten ja.“
„Und Bhagyalakshmi?“
„Sie lässt nicht mehr lange auf sich warten.“
Er schaute in die Ferne und sah zu einer
überdimensionalen Statue auf, die beim längeren
Zusehen aus tausenden von dunkelgrauen Regenwolken
zusammengepresst schien. Sie leuchtete kalt mit einem
reflektierten rötlichen Licht, ganz ohne Lichtquelle, wie
ein expressionistisch entstellter Vollmond. Die im
Grunde zierliche weibliche Figur wirkte in ihrer
gewaltigen Übergroße unendlich bedrückend. Als Max
in ihr Gesicht sah, fiel er beinahe auf die Knie, weil
diese wie im Schockverfahren blitzartig zufroren. Ihre
unheimlich lebendigen Augen waren pupillenlos
schwarz. „Es lebe die Königin!“ – hallte es von überall.

Bhagyalakshmi war es. Max’s Opponent hatte Recht.
Sollte er auch, denn wirklichen Eigennutz könnte ein
Magister sowieso nicht haben, und der Namenlosere
war einer. Sein Weg war immer sein Weg, der ihn zu
Königin führte. Und Max’s Weg war nach Hause, in die
wunderbare Welt der Dunklen Sonne, fern von der
Geltungschleife mit ihren unlösbaren Rätseln und
düsteren Verwandlungen, die dazu noch zum Reich der
übermenschlichen Königin absackte, von einem
unsichtbaren Krieg befallen. Erst dort, in der heilen
Welt ohne Geltungen, fängt Max’s Lebensgeschichte
wirklich an. Max nahm die Puppe aus der Tasche und
setzte sie auf die weiß lackierte Bank: „Leb wohl,
kleiner!“ Die Puppe kreischte kurz mit Zähnchen,
aufgerüttelt vom gelben Herbstlicht, blieb aber stoisch
still: mit heroischer Miene begleiteten ihre stahlblauen
Augen den winkenden Max.

Erleichtert sprang Max wie ein geübter Ziegenbock über
die mit Wolkenbergen voll gestopften Pfützen, die sich
in einer wunderbaren Unregelmäßigkeit entlang der
alten Allee ausbreiteten. Sein einziger Plan war nun so
zu handeln, dass seine Wirkung in jeden Moment immer
mehr Chancen hat, als davor. Also keine Pläne mehr
und Agieren im letzten Moment, aber ehrliches
Handeln, denn er wusste bereits, dass sich seine Mission
weitgehend erschöpfte, und wenn diese Welt gehoben
werden kann, so wird es auch ohne ihn geschehen.

Zum Abend erreichte er das ländliche Gelände, wo sich
ein Zeltenmeer ausbreitete. Die aggressivere Luft am
Rande verflüchtigte sich, als er die Mädels erreichte. Ihr
merkwürdiges Iglu dampfte bereits volle Kanne, aber
kein Mensch schien sich für dieses Naturwunder zu
interessieren. „Manchmal ist infosomatische Magie
auch dafür gut, für kreative Ruhe zu sorgen,“ – rief Max
den Mädels bereits aus der Entfernung zu: „Also wir
treten doch auf und freuen uns auf die Reaktion. Sollten
wir in die Medien kommen, wird uns Bhagyalakshmi
selbst finden, denn diese Welt ist anders geworden, und
was auch immer sie verkörpert, sie wird es ohne uns
nicht weiter verkörpern können, sonst hat sie es hier mit
der Königin zu tun.“ – „Jawohl, Max! Alles ist bestens
geregelt. Nach dem großen Schrei treten wir spontan
auf,“ – sagte die kühne Albinofrau, die tapfere Dantanga
bereits flott auf ihren Füssen hockend, denn sie kochte
etwas Magisches. „Oh.. Auch Du bist ein Sprachgenie?“
– freute sich Max vom ganzen Herzen. „Warum nicht?“
– ihr Akzent war unwesentlich. „Also Max,“ – kam aus
dem Hinterdampf leise die Sprecherin: „Auch wir
hoffen, dass wir uns nach dem Auftritt auf die Rückkehr
vorbereiten sollten. Nur wird sie nicht so einfach sein,
denn wir brauchen hier einen anderen Antrieb…“

Es schrie gewaltig auf dem Feld, so dass die letzten
Worte kaum zu hören waren: „Na los! Wir treten auf!“ –
rief Max gelassen und die Truppe lief auf die Bühne.
Max wusste, dass er bald seine Tangakanta umarmen
wird, zu Hause, in seiner immer noch fremden
Heimatwelt, die er mittlerweile mächtig vermisste,
seiner Geburtswelt, im Licht der Dunklen Sonne.

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Dunkle Sonne, Lesung, Kapitel 8

  • 1. Die Rückkehr aus der Schleife Max übersprang gleich mehrere lieblos zusammen geschobene Betonplatten im Hinterhof und landete auf dem frisch gebügelten Asphalt, geleitet von dem nach Teer riechenden Gefühl heiterer Ungewissheit. Er spürte eine Menge Kraft in seinen Gliedern, und seine Aufmerksamkeit war hell. Doch war er in diesem Zustand der körperlichen Spitzenleistung besonders zerbrechlich, denn nichts verabscheute Max mehr, als den rücksichtslosen Willen eines geltungssüchtigen Draufgängers. Geleitet von der kindlichen Neugierde und der arglosen Sehnsucht, horchte er in diese Welt hinein, wobei sich sein Elan ein wenig verflüchtigte. Mit der zwiespältigen Gewissheit seiner Mission drängte er nun von Außen in diese zutiefst archaische Realität der Kleingeister, Räuber und Hexen, in die er als kleines Kind ohne erkennbaren Grund entführt wurde. Dickfellig ihrem albernen Untergang geweiht, bestürmte die schrecklich gelbe Sonne seine Augen, um darin ihr tückenreiches Blendwerk einzunisten. Balancierend auf der empfindlichen Achse seiner eigenen Mitte zuckte ein weißer Schmetterling in einer schattengeschnörkelten Zweiglichtung der blattkargen Birke. Bald erstarrt auf dem Geländer eines heruntergekommenen Schulhofes, das aus kunstvoll verrosteten Metallrohren zusammengeschweißt schien, flatterte er zum frisch aufpolierten Schild: „Stefan Kakathier Gymnasium“, auf dem unten stand: „Bildung
  • 2. für Realisten“. Max staunte, denn Stefan Kakathier war sein vor kurzem verstorbener Arbeitskollege, ein überzeugter Realist ohne jeden Skrupel. Ein gleichnamiger Prominenter mit gleicher Gesinnung? Unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar. Zu seiner heiteren Gelassenheit mischte sich jedoch ein unruhiges Gefühl hinzu, dass hier etwas nicht stimmte. Die Unruhe steigerte sich kontinuierlich, räsonierte im Rückenbereich mit der stumpfen Berührung ihrer eisernen Hand und explodierte schließlich in einer kalten Verblüffung, als Max’s Blick auf ein typisches Wahlplakat im Stil großer Volksparteien landete, von dem das schmerzlich vertraute Gesicht seines ehemaligen Praktikanten grinste. Trotz der merkwürdigen Narrenkapuze war die tückische Miene nicht zu verkennen. „Oh Mann! Auch der noch…“ Max konnte sich nicht täuschen. Das Gesicht gehörte zweifellos seiner beruflichen Vergangenheit. „Hat er doch noch überlebt?“ – geisterte es in Max’s Kopf bis ihn das Apogäum der bizarren Überraschungskette endgültig umhaute: Auf dem Plakat stand groß „Krypto-Faschistischer Bund“ und unten blockte eindringlich die schnörkellose Kleinschrift im Runenlook: „Der große Volksdesigner Tarek „Erlöser“ Daniels führt uns zum totalen Überfluss.“ Ganz am unteren Rand purzelte ein Tick kleiner, aber breitbeinig und unnatürlich scharf für ein Plakat ein rhetorisch erwägender Slogan: „Seid ihr dabei, so nebenbei?“…
  • 3. Max schluckte die heiße Brühe, die in seinem mittlerweile trockenen Mund zusammenfloss, und lehnte sich ans Geländer. Die Sinne kamen langsam zurück und mit ihnen ein Konzept, das das Ganze einordnen sollte: Solange Max in der heilen Welt der Dunklen Sonne verweilte, und noch bevor er in die Geltungschleife zurückgeworfen wurde, um ihr Geheimnis willen, veränderte sich die andere Welt irgendwie, wie – unklar. Mehr Erklärung kam ihm nicht in den Sinn, es fehlten noch weitere Beobachtungen mit ihren Zeichen und Gestalten. Ganz tief in seiner Mitte schimmerte jedoch eine Ahnung, wie die Welt mutieren konnte, aber keine – warum. (Sowieso machte die letztere Frage in seinem Leben nie einen Sinn.) Freilich erübrigte sich etwas im Wesen der Geltungsschleife zugunsten einer hemmungslosen Schärfe, ansonsten blieb alles beim Alten. Oder auch nicht? Max war nun gespannt auf die weiteren Zeichen dieser befremdlichen Metamorphose und schaute bedachtsam in die Ferne. Dort stach unter vielen Plakaten – es schimmerte im Hintergrund der großen Allee beinahe ein ganzer Wald davon – durch ihre sehnsüchtige Schlichtheit eine durchaus herzliche Physiognomie ins Auge. Unter dem legeren Halsband stand es in einer hochgezogenen Helvetika gesetzt: „Union des Magischen Sozialismus (UMAS)“. Als Slogan brillierte ein nicht weniger schlichtes Statement: „Trenne nicht, was Ganz ist.“
  • 4. Max musste telefonieren, doch lag sein Handy stromlos in der Knietasche seiner Kargohose herum. Ohne zu zögern, lief Max die Straße entlang, wo er eine Telefonzelle vermutete. Tatsächlich stand sie da, schmutziggelb wie seit Jahren schon und nun kunstvoll von einem staubigen Lichtstreifen verziert. Als Max sich in die immer noch klemmende Tür reinquetschte und den sauer stinkenden Hörer abnahm, gleichzeitig nach einem Geldstück in seiner Hosentasche suchend, nieste die Puppe des Namenlosen Magisters glatt auf seine Finger. Doch noch bevor Max keifen konnte, wurde seine linke Schulter von dem eisernen Griff einer schweren Hand überwältigt. Im metallischen Körper des Telefons grinste verschwommen ein breites Lächeln. Ohne sich umdrehen zu wollen äußerte sich Max mit einem trockenen „wer da?“ und hielt kurz den Atem an. Als es hinter seinem Rücken plötzlich quakte und blubberte, drehte sich Max neugierig um, sah jedoch die leere Allee mit vereinzelten Passanten. Dann quakte es wieder und Max hörte die bekannte Stimme, deren Urheber sich offensichtlich hinter der Bude versteckt hielt: „Getriebefrei... Wir sind dabei! Gute Reime, Max!“ Max war erstaunt und versuchte sich fieberhaft daran zu erinnern, wer das Gedicht noch kennen konnte. Er war doch eine Improvisation, inspiriert von Anta. Obwohl… Klaro! Die ersten Strophen schrieb er noch an seinem letzten Arbeitstag in seinem stickigen Büro, frustriert und verbittert. Und klar, ein Ausdruck blieb auf dem Tisch! „Tarek.. Prof?“ – rief Max, wobei er schon fest auf den letzten tippte, denn Professor Hesslig
  • 5. war bekannt für seine narrenhaften Phasen, auch animalische Geräusche gehörten zu dessen Repertoire. Hinter der Bude hagelte es plötzlich Schimpfwörter, gefolgt von einem wölfischen Gejammer. Als Max nun neugierig dahinter blickte, sah er den beinah weinenden Professor sich neben einer rutschigen Pfütze herumwälzend. Unfreiwillig umarmte er sein Bein: „Oh Scheiße, Bandriss! Bitte Max, Taxi! Sorry die blöde Begrüßung.. Oh, schnell Taxii… Biitte. Ooh!“ Als sie seit einer halben Stunde im Taxi fuhren, nachdem sich der Alte profimäßig eine provisorische Bandage aus seiner Krawatte anlegte, wusste Max ganz gewiss: Der Alte war in echt gestolpert, ohne eine Absicht. Das Gespräch entfachte sich sofort, denn es war einiges zu klären. Nach der gescheiterten Synchronisierung gemeinsamer Erinnerungen aus der jüngsten Vergangenheit beschoss ihn Max mit Fragen, obwohl ihm nicht nach Präteritum war. Einiges stimmte in dieser Welt nicht überein, und war zu klären: „Lebt Tarek noch?“ „Meinst du Magister Daniels? Hm… Seine Partei feiert erstaunliche Erfolge! Aber woher kennst du ihn?“ „War er nicht mit an der Fakultät eingestellt? Als studentische Hilfskraft?“ „Äh? Nicht dass ich wüsste. Mir ist er als Schulkamerad meines Sohnes bekannt. Und mittlerweile als ein neu gebackener Parteibonze halt. Schaust Du nicht fern?“
  • 6. Der kühne Prof kapierte Max’s peinliche Unwissenheit zwar kaum, reagierte fairerweise doch mit ausführlichen Antworten, in der Hoffnung, nebenbei auch eigene Rätsel zu lösen. Was ist dieser Max? Denn das „Genie“ war ihm immer unheimlich. Ab und zu verzerrte er lautlos sein ohnehin markantes Gesicht – vor Schmerzen oder aus Überdruss war Max unwichtig: „War ich denn eingestellt?“ „Ja, aber sie haben dich weg gemobt!“ (Er kicherte.) „Und Kakathier.. der Stefan halt?“ „War Sekretär in unsrem Büro. Kennst du nicht mehr? Lagst du in Koma oder so?“ Max hatte keine Ahnung, was er dabei dachte, aber seine Antworten waren sachlich und offenbarten keine wirkliche Bewunderung. Scheinbar wusste er etwas, doch die mittlerweile eigensinnige Gesprächsdynamik bot Max keine Gelegenheit, es zu erfahren. Außerdem duzte er ihn plötzlich, tat es im Institut aber nie. „Und die Mummu-Palme?“ – fragte er mechanisch, als spräche seine Stimme nun vollkommen autonom. „Dekanassistentin… Ist aber vor kurzem verendet.“ „Ein Unfall?“ – fragte Max in der wieder kurz aufgewachten Hoffnung, doch noch einen verlorenen Faden der merkwürdig versetzten Wirklichkeit zu finden. „Ein Attentat. Der gewöhnliche Amokläufer. Diesmal hat es sie halt erwischt. Wie schon viele vor ihr. Sie war die Älteste an der Fakultät. Eine durchaus lebenskräftige Tante. Wir sind doch im Krieg…“ – er schaute Max traurig an. Irgendwie schien er seinerseits jede
  • 7. Hoffnung aufgegeben zu haben, dass dieser Max mindestens mit der Lage vertraut sei, er war es offensichtlich nicht. Max erwiderte seinen Blick sichtbar verblüfft und schwieg eine Minute lang. „Eine Schweigeminute? War nicht nötig. Keiner auf der Welt hat die Dame gemocht. Außerdem trank sie zuviel.“ „Ein menschliches Leben war es trotzdem.“ Professor Hesslig schaute Max oberhalb seiner Sonnenbrille interessiert an... „Bist du ein Humanist?“ Max fand seine ernsthaft besorgte Stimme und den plötzlich eindringlichen und sogar sehnsüchtigen Blick ein wenig übertrieben: „Tja.. Wohl eher ein magischer Sozialist.“ „UMAS?“ – respektvoll flüsterte er und wechselte das Thema. „Keine Ahnung. Ich bin wohl aus einer anderen Welt…“ Der Taxifahrer tippte gewichtvoll auf die Bremse und der Wagen blieb quietschend, aber dennoch elegant vor dem Eingang des Krankenhauses stehen. Schweigend half Max dem alten Vorgesetzten bis zur Aufnahme und verschwand nach dem kargen Wechsel der passenden Floskeln. „Wir bleiben im Kontakt?“ – fragte Herr Hesslig wieder heiter. „Mit Sicherheit!“ –winkte Max freundlich und verschwand hinter der gläsernen Tür. „Krass!“ – konnte er nur denken, denn sein Kopf war wie ausgesaugt. Das gelblich gebräunte Gesicht des
  • 8. Professors grinste vor seinem geistigen Blick und etwas war falsch in seiner Physiognomie. Ein seltsamer optischer Nachgeschmack beunruhigte Max. Vielleicht waren es schärfere Kanten oder insgesamt etwas rattenhafte Gesichtzüge, die ihm vorher nicht aufgefallen waren. Ein ähnlicher Teint – diese Beobachtung wurde Max gerade bewusst – haftete auch seltsamen Politiker-Plakaten an, sogar die tierhaften Gesichtszüge gehörten dieser Gestalt an, wie eine subtile Maske adelte sie sogar die zufälligen Passanten auf eine groteske, aber nicht hässliche Art. Auf der Bank saß ein älterer graulockiger Mann in einer ausdruckslosen Kleidung hinter dem typischen Cafétisch und schaute Max an. Annährend erkannte man das Gesicht von einem Plakat, nur hier im herbstgelben Sonnenlicht wirkte er echter. Erstaunlich, denn bei den meisten Politikern, die Max live sah, war es umgekehrt. Zum ersten Mal in seinem bewussten Leben wurde Max so unvermittelt mit einem Blick konfrontiert, der anscheinend mehr sah, als ihm lieb war. So durchdringend konnte nur das Augenspiel eines Menschen sein, der die Geltungsschleife für seine einzige Lebenswelt hält, so viel Leid, Müdigkeit und Mut strahlte er aus, alles Tugenden einer zerrissenen Welt der Chimären. Es war kein Blick eines jenseitigen Magisters, so ruhevoll, hermetisch und geistreich, wie der des Alten Enya. Die kleinen Augen waren voller tragischer Kraft eines Kampfes, der den Menschen galt, die von Chimären befallen waren, nicht der Erkenntnis, aber auch nicht den Dingen. Max fragte interessiert:
  • 9. „Sie kennen mich nicht, oder?“ „Ich kenne Sie, Mister Max. Ihre philosophische Sendung im Aufklärer-Kanal vor zwei Jahren. Übrigens... sie motivierte mein Parteiprogramm. Vor Allem Ihre Aussage, dass jede Zivilisation, die freie Potenzialentfaltung regelt, systemisch wird. Eine subjektorientierte Zivilisation kann nur magisch sein.“ Max wunderte sich nicht. Die Geschichte klang plausibel, und was wirklich seine Vergangenheit war, schien ihm mittlerweile nicht mehr wichtig. Hier wurde der Politiker ernsthaft und sagte eindringlich: „Sie wissen es. Die Hälfte der Welt erlag den jüngsten Katastrophen, und zuletzt diese grausame Grippenwelle. Bemerkenswerterweise überlebten nur Mitarbeiter königlicher Anstalten und ihre Angehörige… Der Krieg fängt aber erst an. Die Königin kann sich erst verwandeln, wenn ihre Wirte statisch werden. Und ungehemmte Verwandlung ist ihr Ziel. . Sie wissen, was ich meine, lieber Max.“ Gerne würde er es wissen, aber nicht um jeden Preis, denn seine Verwandlungsfähigkeit wollte er nicht abgeben. Ohne zu fragen, verabschiedete sich Max zerstreut mit einer passenden Geste. Der Politiker lächelte väterlich und verschwand leicht hinkend hinter der Theke. „Ein Wirt ist er auch noch?“ – ging eine
  • 10. winzige Kerze in seinem Kopf auf bevor sie wieder rauschend in einer hastigen Windböe krepierte. Bald rief Max in der nächsten Telefonbude seinen alten Kumpel aus der lokalen Radioredaktion auf seinem Handy an. Die Nummer stimmte sogar, denn der Typ nahm auch sofort ab. Auch erkannte er Max. Nur stritt er jede Verbindung zur Lokalredaktion ab, womit die Synchronisierung der Wirklichkeiten wieder scheiterte. Auf einmal räsonierte der Hörer mit einem leisen dämonischen Lächeln. Nicht unsympathisch, aber zutiefst hohl dröhnte es in dem massiven Körper des Hörers. Nach gegenseitigen Floskeln legte Max auf. „Gleiche Welt, andere Wirklichkeit…“ – dachte Max und blickte getrost auf seine bewohnte Hosentasche. In einigen Momenten piepste es mit einer verschlafenen Stimme: „Keine Sorge Max. Solange du weg warst, sackte die Geltungschleife wieder ab. Und sollte sie endlich ihren Untergang erfahren, begrüßen wir die glorreiche Königin mit unsrem lauten „Ahoi!“ Max schaute die Hosentasche betont skeptisch an. „Erst jetzt sprichst du klar, Max. Also ich habe meinen Grund dafür, ein Kunstwerk, an dem alle mitschöpfen, mehr zu lieben, als ich ein menschliches Wesen jemals begehren könnte. Das klingt für dich zu ästhetisch. Aber Du wirst meinen Weg nie anerkennen können, denn deine Kraft schöpft woanders.“
  • 11. „Wo bin ich denn?“ „Das Reich der Königin naht, mein Lieber, und zwar endgültig. Du wirst diese Welt nicht heben können, da Einzelgänger keine Rolle mehr spielen, denn alle Subjekte hier sind lediglich Attrappen Ihrer Hoheit Walterin des Wirklichen! Es lebe die Königin!“ „Mann, du bist die eine vollkommene Nervensäge!“ – schrie Max lautlos in seinem Kopf und flüsterte sarkastisch: „Danke für den Kommentar, liebe Puppe…“ „Ja-Ja… Geh zu deiner Truppe Max, sie warten ja.“ „Und Bhagyalakshmi?“ „Sie lässt nicht mehr lange auf sich warten.“ Er schaute in die Ferne und sah zu einer überdimensionalen Statue auf, die beim längeren Zusehen aus tausenden von dunkelgrauen Regenwolken zusammengepresst schien. Sie leuchtete kalt mit einem reflektierten rötlichen Licht, ganz ohne Lichtquelle, wie ein expressionistisch entstellter Vollmond. Die im Grunde zierliche weibliche Figur wirkte in ihrer gewaltigen Übergroße unendlich bedrückend. Als Max in ihr Gesicht sah, fiel er beinahe auf die Knie, weil diese wie im Schockverfahren blitzartig zufroren. Ihre unheimlich lebendigen Augen waren pupillenlos schwarz. „Es lebe die Königin!“ – hallte es von überall. Bhagyalakshmi war es. Max’s Opponent hatte Recht. Sollte er auch, denn wirklichen Eigennutz könnte ein
  • 12. Magister sowieso nicht haben, und der Namenlosere war einer. Sein Weg war immer sein Weg, der ihn zu Königin führte. Und Max’s Weg war nach Hause, in die wunderbare Welt der Dunklen Sonne, fern von der Geltungschleife mit ihren unlösbaren Rätseln und düsteren Verwandlungen, die dazu noch zum Reich der übermenschlichen Königin absackte, von einem unsichtbaren Krieg befallen. Erst dort, in der heilen Welt ohne Geltungen, fängt Max’s Lebensgeschichte wirklich an. Max nahm die Puppe aus der Tasche und setzte sie auf die weiß lackierte Bank: „Leb wohl, kleiner!“ Die Puppe kreischte kurz mit Zähnchen, aufgerüttelt vom gelben Herbstlicht, blieb aber stoisch still: mit heroischer Miene begleiteten ihre stahlblauen Augen den winkenden Max. Erleichtert sprang Max wie ein geübter Ziegenbock über die mit Wolkenbergen voll gestopften Pfützen, die sich in einer wunderbaren Unregelmäßigkeit entlang der alten Allee ausbreiteten. Sein einziger Plan war nun so zu handeln, dass seine Wirkung in jeden Moment immer mehr Chancen hat, als davor. Also keine Pläne mehr und Agieren im letzten Moment, aber ehrliches Handeln, denn er wusste bereits, dass sich seine Mission weitgehend erschöpfte, und wenn diese Welt gehoben werden kann, so wird es auch ohne ihn geschehen. Zum Abend erreichte er das ländliche Gelände, wo sich ein Zeltenmeer ausbreitete. Die aggressivere Luft am Rande verflüchtigte sich, als er die Mädels erreichte. Ihr merkwürdiges Iglu dampfte bereits volle Kanne, aber
  • 13. kein Mensch schien sich für dieses Naturwunder zu interessieren. „Manchmal ist infosomatische Magie auch dafür gut, für kreative Ruhe zu sorgen,“ – rief Max den Mädels bereits aus der Entfernung zu: „Also wir treten doch auf und freuen uns auf die Reaktion. Sollten wir in die Medien kommen, wird uns Bhagyalakshmi selbst finden, denn diese Welt ist anders geworden, und was auch immer sie verkörpert, sie wird es ohne uns nicht weiter verkörpern können, sonst hat sie es hier mit der Königin zu tun.“ – „Jawohl, Max! Alles ist bestens geregelt. Nach dem großen Schrei treten wir spontan auf,“ – sagte die kühne Albinofrau, die tapfere Dantanga bereits flott auf ihren Füssen hockend, denn sie kochte etwas Magisches. „Oh.. Auch Du bist ein Sprachgenie?“ – freute sich Max vom ganzen Herzen. „Warum nicht?“ – ihr Akzent war unwesentlich. „Also Max,“ – kam aus dem Hinterdampf leise die Sprecherin: „Auch wir hoffen, dass wir uns nach dem Auftritt auf die Rückkehr vorbereiten sollten. Nur wird sie nicht so einfach sein, denn wir brauchen hier einen anderen Antrieb…“ Es schrie gewaltig auf dem Feld, so dass die letzten Worte kaum zu hören waren: „Na los! Wir treten auf!“ – rief Max gelassen und die Truppe lief auf die Bühne. Max wusste, dass er bald seine Tangakanta umarmen wird, zu Hause, in seiner immer noch fremden Heimatwelt, die er mittlerweile mächtig vermisste, seiner Geburtswelt, im Licht der Dunklen Sonne.