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Nr. 31 Ostern 2021 Preis 3,00 €
50 Jahre LFG
ab S. 4
Zeitbomben
ab S.12
Hochwasser in Lisdorf
ab S. 19
Schifferfamilie Lonsdorfer
ab S. 38
Schifferfamilie Lonsdorfer
Inhalt
Historisches	
•	 Die Zeitbomben ticken weiter!	 12
•	 Hochwasser in Lisdorf	 19
•	 Das Haus Saarstraße Nr. 19 "em Ecken"	 24
•	 Auch in Lisdorf wurden viele Leben
	 durch Impfungen gerettet	 31
•	 Die Schifferfamilie des Nikolaus Lonsdorfer	 38
•	 Lebenslauf des Schiffes "Germania"	 41
•	 Damals: Giro d'Italia in Lisdorf	 48
Aktuelles	
• 	 50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse	 4
•	 1970 - 2020: 50 Jahre Ford-Werk Saarlouis	 7
•	 Trotz Corona-Krise - in Lisdorf tut sich was!	 10
•	Heimatverbunden	 18
•	 Nach über 50 Jahren...	 27
• 	 Der Marienbildstock in Lisdorf	 45
Lisdorfer Mundart	
• 	 Huddel mit der Schlòòferei	 36
• 	 Usa scheen Sprooch	 47
Interessantes
• 	 Friedhofskultur in Deutschland	 8
•	 Anekdoten aus der Redaktion	 17
•	 Die Greifvogelstation in Saarlouis-Lisdorf	 22
•	 Cluster, Lockdown, Shutdown	 30
•	 Neue und empfehlenswerte heimatkundliche
	Literatur	 33
•	 Gut beraten im Alter	 46
Vereinsleben	
•	 Änderungen beim Verein zur Förderung der
	 ambulanten Krankenpflege Saarlouis/Saarwel-
	 lingen e. V.	 11
•	 Generationswechsel beim SC Saargold	 44
Rätsel	21
Mitgliedernachrichten	50
Impressum
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V., Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis
Redaktion: Georg Jungmann (verantwortlich), Herbert Germann, Heiner Groß, August Balthasar, Harald Weiler, Georg Groß, Christine Hawner
Fotos: Harald Weiler, Archiv VHL, privat
www.heimatkunde.lisdorf.de
Druck: Krüger Druck + Verlag, Handwerkerstraße 8-10, 66663 Merzig
Bankverbindugen: Kreissparkasse Saarlouis IBAN: DE26 5935 0110 0074 3008 80,
Vereinigte Volksbank eG Saarlouis - Losheim am See - Sulzbach/Saar IBAN: DE21 5909 2000 6721 7502 03
Bezugspreis: 3 EUR je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion, wieder.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers
Vorwort	3
Lisdorfer Persönlichkeiten	
• 	 Ehemaliger Box-Europameister in Lisdorf	 32
• 	 Mit 90 immer noch aktiv	 35
3
Liebe Heimatfreundinnen,
liebe Heimatfreude,
…und weiter hält uns die Corona-Pandemie im Griff!
Unser normales Vereinsleben ist weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich, für unsere normalen Mitglieder, ohne
Vorstandsfunktion, praktisch zum Erliegen gekommen. Die Arbeit im geschäftsführenden Vorstand läuft zwar wei-
ter, doch haben wir immer wieder Planungen verwerfen müssen, weil es die aktuelle Corona Lage nicht zuließ. Wir
haben die Zeit genutzt, uns EDV mäßig weiter aufzurüsten, um später, wenn es wieder„normale“ Zeiten gibt, unsere
Arbeit effektiver gestalten zu können.
Wir planen zwar für das zweite Halbjahr wieder einige Veranstaltungen wie Fahrten, Exkursionen, Mundartnachmit-
tage usw., wissen aber selbst nicht, ob wir sie wie vorgesehen durchführen können. Deshalb haben wir unser Augen-
merk jetzt darauf gelegt, dieses Heimatblatt zu Ostern heraus zu bringen, damit Sie, liebe Mitglieder, wieder viele
Interessante Beiträge und Artikel zu Ostern lesen können.
Unsere LFG (Lisdorfer Frischgemüse) wurde 50 Jahre. Wir haben auf die Anfänge geschaut und die tollen Entwick-
lung dieser Genossenschaft aufgearbeitet. Mit vielen Bildern, gerade von den Grünkohlessen, lassen wir Lisdorfer
Geschichte Revue passieren. Weitere interessante geschichtliche Beiträge wie Friedhofskultur ins Deutschland, jetzt
UNESCO Weltkulturerbe, die Bombennächte in unserer Gegend in den letzte Kriegswochen mit den heute noch im
Boden schlummernden, gefährlichen Überresten, das Hochwasser in Lisdorf im Frühjahr 1970, Fortsetzung unserer
Reihe über die Lisdorfer Schifffahrtsfamilien oder den Giro d’Italia in Lisdorf werden sicher Ihr Interesse wecken.
Weitere interessante Beiträge über die Greifvogelstation im Ecken oder die Aufgabe des Marktverkaufes des Gemü-
sebetriebes Dini werden Sie sicherlich genauso interessieren wie aktuelle Beiträge über die Corona-Pandemie und
ihre Folgen in Lisdorf, neue empfehlenswerte heimatgeschichtliche Bücher oder die Tatsache, dass der einzige Box-
Europameister des Saarlandes, Manfred Kraus, mittlerweile in Lisdorf wohnt.
Sie sehen, wieder viele Interessante Artikel und dazu die sehr guten Beiträge unserer Mundart -Dichterinnen
Marianne Faust und Elisabeth Jacob, übrigens Mutter und Tochter, versprechen wieder eine kurzweilige, informative
Lektüre über Ostern.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und vor allem, bleiben Sie gesund.
Ihr
Georg Jungmann
Vorsitzender
4
50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse (LFG)
1970 – 2020
Von Heiner Groß
Die Lisdorfer Frischgemüse (LFG) wurde 1970 von zehn
Lisdorfer Gemüsebauern als Erzeuger- und Vermark-
tungsgemeinschaft gegründet. Damals gab es in
Lisdorf noch mehr als 20 hauptberufliche Gemüseer-
zeuger.
Hauptinitiatoren der Gründung waren Vinzenz Groß,
Erich Lonsdorfer und Johann Morguet. Nach längerer
Vorberatungszeit war es 1970 endlich so weit. Zehn
Gemüsebauern fanden sich als Gründungsmitglieder
zusammen, obwohl 8 genügt hätten. Der Verfasser war
als Vertrauter der Hauptinitiatoren zur Klärung von
steuerrechtlichen Fragen ebenfalls involviert. Ein präg-
nanter Name der zu gründenden Gemeinschaft war
mit„Lisdorfer Frischgemüse“ schnell gefunden.
Die Gründe für den Zusammenschluss waren folgende:
a)	 Konkurrenzdruck durch importiertes Gemüse
b)	 Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
c)	 Koordination von Erzeugung und Vertrieb
d)	 Qualitätssteigerung des erzeugten Gemüses
e)	 Anwerbung und Belieferung von Großabneh-		
	 mern, z.B. Globus, Edeka usw.
f)	 Betriebs- und arbeitswirtschaftliche Vorteile
g)	 Erzielung von besseren Preisen
h)	 Verbesserung der Wirtschaftlichkeit (Produkti
	 vität und Rentabilität)
Die Gründer der LFG in der Rechtsform der Genossen-
schaft waren folgende zehn Gemüsebauern:
–	 Gerhard, Josef und Klemens Berdin
–	 Gilbert Ecker
–	 Günter und Vinzenz Groß
–	 Fritz Klein, Provinzialstr.
–	 Erich Lonsdorfer
–	 Albert und Johann Morguet
Vinzenz Groß von der Holzmühle wurde zum haupt-
amtlichen Geschäftsführer, Erich Lonsdorfer, Inhaber
des in der Oberbruchstraße angesiedelten Gemüse-
betriebes, zum Vorsitzenden und Johann Morguet
von der Holzmühle zum stellv. Vorsitzenden gewählt.
Unmittelbar danach wurden LKW’s angeschafft und
Mitarbeiter (Verkaufsfahrer usw.) eingestellt. Die Ver-
marktung erfolgte anfänglich ausschließlich über den
Obst- und Gemüsegroßmarkt in Saarbrücken. Die täg-
liche Lieferung dorthin erfolgte gegen drei Uhr nachts,
denn schon ab vier Uhr begann dort der Verkauf an
Großhändler, Händler und Wiederverkäufer.
Mit der Zeit wurden verschiedene Kunden auch direkt
von der LFG beliefert. Die Büros der LFG befanden sich
zunächst in den Wohngebäuden von Johann Morguet
und Vinzenz Groß. 1970 wurden im Eckbereich der
Überherrner Straße und des Picarder Wegs auf der
Holzmühle mit Unterstützung der Stadt Saarlouis Bau-
grundstücke erworben, davor teilweise Eigentum von
Maria Groß-Ecker von der Holzmühle. Architekt Stef-
fen wurde mit der Planung und der Bauunternehmer
Helmut Meyer mit dem Bau eines Betriebsgebäudes
beauftragt. 1972 konnte das 1000 qm große Betriebs-
gebäude mit Halle, Kühlraum und Büros bezogen wer-
den. Die weitere Entwicklung der LFG kann als Erfolgs-
geschichte bezeichnet werden. Sie hat sich als Anbieter
von regionalem Qualitätsgemüse über die Grenzen des
Saarlandes hinaus etabliert.
4
Vinzenz Groß Erich Lonsdorfer Johann Morguet
5
Weitere Entwicklungsstationen waren:
1973 Umwandlung der Genossenschaft in eine GmbH,
um auch Handel und Zukauf betreiben und die Kun-
den ganzjährig mit einem Vollsortiment an Gemüse
beliefern zu können.
Vinzenz Groß wurde als hauptamtlicher geschäfts-
führender Gesellschafter der neuen GmbH bestätigt.
Diese Funktion hatte er über 30 Jahre inne. Neben ihm
wurde jeweils ein ehrenamtlicher Geschäftsführer aus
dem Kreis der Gemüselieferanten bestellt. Das waren in
chronologischer Reihenfolge: Erich Lonsdorfer, Erwin
Faust und bis heute wieder Thomas Lonsdorfer.
1982 kam als Gesellschafter und Gemüselieferant
Gerhard Kunzler hinzu, der danach aber wieder aus-
geschieden ist.
1983 Anbau einer Kühlhalle mit 350 qm und mit
einer Kühlung bis 5 Grad Celsius.
1984 kamen als Gesellschafter und Gemüseliefe-
ranten Erwin Faust, Alfred und Hedi Breininger und
Raimund Klein hinzu.
1995 25-jähriges Firmenjubiläum der LFG
2001 Wechsel in der hauptamtlichen Geschäftsfüh-
rung. Klemens Morguet (41), Sohn des Mitgründers
Johann Morguet, der bereits seit 1974 als Kaufmann
bei der LFG beschäftigt ist und auch seine Lehre dort
absolviert hat, wurde Geschäftsführer.
2003 Erstes großes Grünkohlessen in der Betriebshalle
der LFG gemeinsam mit dem VHL
2004 Zwei große Grünkohlessen bei der LFG gemein-
sam mit dem VHL.
2005 – 2013 Jährlich großes Grünkohlessen mit
bis zu 400 Teilnehmern, darunter viele prominente
Gäste, z. B. Ministerpräsident Peter Müller, Minister-
präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, Land-
tagspräsidenten, Minister, MdB’s, MdL’s, Landräte,
Oberbürgermeister, IHK-Präsidenten, Bankdirektoren
usw. Ab 2009 war auch die Landwirtschaftskammer
Mitveranstalter.
Leider wurde diese sehr werbewirksame Veranstal-
tung ab 2014 von der LFG wegen Arbeitsüberlas-
tungabgesagt.
50 Jahre nach der Gründung hat sich bei der LFG
einiges geändert. Von den 10 Gründungsmitgliedern
sind nur noch Günter Groß und Albert Morguet dabei,
allerdings nicht mehr als Gemüselieferanten. Sechs
Gründer sind bereits verstorben. Zwei Nachfahren von
Gründungsmitgliedern
sind noch als Gemüselie-
feranten dabei, und zwar
Thomas Lonsdorfer, Sohn
von Erich Lonsdorfer,
und Philipp Schneider,
Enkel von Günter Groß.
Außerdem sind im Jubilä-
umsjahr 2020 als Gemüse-
erzeuger und Lieferanten
noch dabei: Hedi Breinin-
ger, Frank Faust, der 2013
den Betrieb seiner Eltern
Erwin und Ulla Faust übernommen hat, und Raimund
Klein. Sie bewirtschaf-
ten eine Gemüse-
anbaufläche von rd.
100 ha, etwa soviel,
wie die 10 Gründer
im Jahr 1970 bewirt-
schaftet hatten.
In den fünf Erzeu-
gerbetrieben sind
einschließlich der
Inhaberfamilien ca.
40 Arbeitskräfte be-
schäftigt. Bei der LFG
sind derzeit 18 Arbeitskräfte in der Verwaltung, in der
Aufbereitung, im Transport und im Verkauf im Einsatz.
Das 50-jährige Betriebsjubiläum der
LFG wurde Corona bedingt im Rahmen
einer Aktionswoche vom 24. Bis 29.
August im Globus Saarlouis gefeiert.
Es gab auf einer besonderen Aktions-
fläche einen großen Infostand, an dem
sich die Kunden informieren konnten.
Zum Wochenende betreuten Mitglie-
der der LFG in grüner Kleidung, vor-
nehmlich die beiden Geschäftsführer
Klemens Morguet und Thomas Lonsdor-
fer, die Aktionsfläche mit einem Verkos-
tungsstand und einer Diavorführung über
die Produktion und Qualität des Lisdorfer
Gemüses. In allen saarländischen Globus-
Filialen wird das
Lisdorfer Gemüse
als„Gutes von
Hier“ angeboten.
Sehenswert war
die aus Salatköp-
fen gestaltete
Zahl„50“ und ein Schriftzug
aus Kräutertöpfen. Im Globus-
Restaurant wurde während der
Jubiläumswoche ein„Lisdorfer
Salatteller“ angeboten, der
5
Familie Lonsdorfer
Frank Faust
Raimund Klein
Philipp Schneider
Hedi Breininger
6
großen Zuspruch fand. Darüberhinaus warb Globus in
großen Anzeigen für das Lisdorfer Frischgemüse. Auch
andere Großkunden der LFG wie Edeka und Rewe
machten Werbung für die LFG. Das große Edeka-Ge-
schäft Schmidt in Ensdorf schaltete Anzeigen mit dem
Slogan„Wir feiern 50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse“.
Auch der Heimatkundeverein, dem alle Mitglieder der
LFG angehören, hatte die Absicht, dieses Jubiläum mit
einer Veranstaltung zu feiern, was durch den Corona-
Lockdown leider verhindert wurde. Wir gratulieren
ganz herzlich und wünschen der LFG weiterhin berufli-
chen und geschäftlichen Erfolg.
6
Klemens Morguet Thomas Lonsdorfer
Über viele Jahre hat der VHL gemeinsam mit der LFG, der Landwirtschaftskammer des SAar-
landes und dem Feldküchenteam des DRK Felsberg-Berus in der Betriebshalle der LFG ein
großes Grünkohlessen veranstaltet. Hier ein paar Impressionen.
7
Verfasser: Heiner Groß
Die Ansiedlung von Ford auf dem Röderberg in Roden
vor mehr als 50 Jahren war für unsere gesamte saarlän-
dische Heimat eine Erfolgsgeschichte. Die Saar-Region
war über 150 Jahre lang geprägt von der Kohle- und
Stahlindustrie. Als diese zunehmend kriselte, wirkte die
Ansiedlungszusage von Ford wie ein Glücksfall.
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Ford bereits
Mitte der 60iger Jahre, als die Bemühungen von Bund
(Bundeskanzler Ludwig Erhard) und Land (Minister-
präsident Franz-Josef Röder) sowie der Stadt Saarlouis
dazu führten, dass sich der US-Konzern entschied, das
in Europa vorgesehene neue Ford-Werk in Saarlouis
zu errichten. Am 16. September 1966 legte Ford-
Generaldirektor Robert C. Layton den Grundstein auf
dem 1,4 Mio. Quadratmeter großen Werksgelände auf
dem Röderberg. 1968 begannen 700 Beschäftigte mit
der Fertigung von Karosserieteilen für das Ford-Werk
in Köln und für Renault. Am 16. Januar 1970 war dann
die eigentliche Geburtsstunde von Ford Saarlouis. Das
erste Fahrzeug, ein Ford Focus, wurde vom saarländi-
schen Ministerpräsidenten vom Band gefahren. Die of-
fizielle Einweihung erfolgte dann am 11. Juni 1970. Bei
einem Festakt mit vielen Gästen, zu dem ich als junger
Stadtrat auch eingeladen war, sagte Henry Ford II, der
Enkel des Firmengründers aus den USA, dass Saarlouis
das schönste und wohl auch beste Ford-Werk sei. Man
habe sich aufgrund der günstigen geographischen
Lage im Herzen Europas für das Saarland entschieden.
„Außerdem glauben wir, dass die Schaffung neuer
Arbeitsplätze nicht nur der Bevölkerung an der Saar,
sondern auch unserem Unternehmen Nutzen bringt“,
so Henry Ford II. Das Saarlouiser Ford-Werk hat sich
seitdem zum produktivsten Ford-Standort entwickelt,
in dem über viele Jahre im Drei-Schicht-Betrieb mit
zeitweise über 8.000 Beschäftigten bisher mehr als 15
Mio. Autos gefertigt wurden. Ford Saarlouis hat damit
alle Erwartungen übertroffen und sich in unserer Saar-
heimat zu einem der größten Arbeitgeber entwickelt.
Auch viele Lisdorfer waren und sind dort beschäftigt.
Der Ford-Betriebsratsvorsitzende Markus Thal ist
übrigens seit einigen Jahren Lisdorfer und hat sich im
Ortsteil Holzmühle ein Eigenheim errichtet.
Durch die weltweite Krise in der Autobranche hat die
Erfolgsgeschichte von Ford Saarlouis einen deutlichen
Dämpfer bekommen. Ende 2018 leitete Ford weltweit
ein Umstrukturierungsprogramm ein. Bei Ford Saar-
louis wurde auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt und
1.600 Stellen abgebaut. Bis Ende 2020 sollen 12.000
Stellen in allen vier europäischen Ford-Werken (Köln,
Saarlouis, Valencia und in Rumänien) abgebaut wer-
den. Heute werden noch insgesamt 9 Ford-Modelle
hergestellt. Der Betriebsrat geht davon aus, dass es
künftig in Europa nur noch 4 Modelle sein werden.
Die Produktion des Focus in Saarlouis soll 2024 aus-
laufen. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Heute
sind in Saarlouis 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der
Betriebsrat befürchtet allerdings einen drastischen
Abbau von Arbeitsplätzen in Saarlouis, im schlimmsten
Fall die Schließung des Werkes. Das Management des
US-Konzerns in Detroit habe sich jedenfalls noch nicht
dazu geäußert, wie es nach 2024 weitergehen soll.
Das Ford-Werk Saarlouis, vor mehr als 50 Jahren ein
Glücksfall und über fast 5 Jahrzehnte eine Erfolgs-
geschichte, hat sich seit 2018 zu einem Sorgenkind
entwickelt.
7
1970 – 2020: 50 Jahre Ford-Werk Saarlouis
– Größter Arbeitgeber in unserer näheren Heimat –
Die Entwicklung von der Erfolgsgeschichte zum Sorgenkind!
8
– Auch Lisdorf mit seiner hohen Friedhofs-
kultur gibt ein positives Beispiel –
Auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission
hat die Kultusministerkonferenz die Aufnahme der
Friedhofskultur in das bundesweite Kulturerbe-
Verzeichnis beschlossen. Damit würdigt die Bundes-
republik den identitätsstiftenden, lebendigen und
vielschichtigen Wert der Friedhofskultur für unsere
Gesellschaft. Und das nicht nur in kultureller Hinsicht,
Friedhofskultur in Deutschland
jetzt immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe
8
sondern auch in sozialer und historischer oder in Bezug
auf Klimaschutz, Integration und Völkerverständigung.
„Dies ist vor allem auch eine große Anerkennung für
die über 100.000 Menschen, die sich in Deutschland
für das Friedhofswesen beruflich engagieren“, so die
antragstellende„Initiative Kulturerbe Friedhof“, zu der
sich viele Kräfte im Friedhofswesen zusammenge-
schlossen haben. Denn ausgezeichnet wurden nicht
nur die Friedhöfe an sich, sondern vor allem das, was
Menschen auf dem Friedhof tun: Trauern, Erinnern und
Gedenken einerseits sowie das Gestalten, Pflegen und
Bewahren andererseits. Den Rahmen dafür schaffen
unsere Friedhofsämter mit ihren dort Beschäftigten,
die Bestatter, Gärtner und Steinmetze, aber auch viele
Angehörige von Verstorbenen sowie ehrenamtlich
Tätige, die sich in Vereinen, z.B. in Lisdorf im Heimat-
verein, um die Friedhofskultur und den Denkmalschutz
kümmern.
Die Ernennung zum Kulturerbe sei für den Einzelnen
genauso bedeutend wie für die Gesellschaft, wie der
Direktor des Museums für Sepulkralkultur (lat. das
Grabmal oder Begräbnis betreffend) in Kassel erläutert:
„Was es bedeutet Mensch zu sein, wird in besonderer
Weise auf Friedhöfen deutlich. Wir brauchen Rituale,
um den Tod von Angehörigen zu überwinden. Alles
was Menschen auf Friedhöfen gestalten, kommt ihrer
9
persönlichen Trauer wie auch der Erinnerungskultur
zugute.“ Das mache den Ort der Toten zu einem le-
bendigen Ort. Es gehe also nicht darum, die Friedhöfe
zu mumifizieren, sondern die aktuellen Ausdrucks-
formen des Friedhofswesens in den Fokus zu rücken,
so der Direktor des Sepulkralkultur-Museums, Dr.
D. Pörschmann. Hierzu gehörten naturnahe Gestal-
tungskonzepte, moderne Gedenksteine oder Gemein-
schaftsgrabanlagen (z.B. Urnenwände). Auch wenn es
beim immateriellen Erbe der UNESCO nicht um das
Trennende von Kulturen gehe, so sei die Friedhofskul-
tur in Deutschland doch einzigartig. Die Art und Weise,
wie wir unsere Gräber als kleine Gärten der Erinnerung
individuell und oft auch selbst gestalten, sei genauso
besonders wie das Einbetten der Gräber in Parkland-
schaften, so der Friedhofsexperte Prof. Dr. Norbert
Fischer.
Durch die Ernennung zum Kulturerbe wird zugleich
auch auf die Bedrohungen der Friedhofskultur auf-
merksam gemacht. So benennt der Antrag vor allem
die Zunahme von sog. Naturbestattungen außerhalb
der Friedhöfe als Risikofaktor, aber auch Versäumnisse
im Friedhofswesen selbst. Zugleich seien aktuelle ge-
sellschaftliche Veränderungen nicht nur Gefährdung,
sondern böten auch vielfältige Chancen für die Ent-
wicklung der Friedhofskultur, so Prof. Dr. Fischer.
Die Friedhofskultur in Deutschland ist das erste imma-
terielle Erbe, das über die Freie Hansestadt Hamburg
bei der Deutschen UNESCO-Kommission eingereicht
worden ist. Über fünf Jahre lang habe sich die Initiative
für diese Anerkennung eingesetzt. Auf Wunsch der
Kommission ist der Antrag mehrfach überarbeitet wor-
den. So stand am Anfang die identitätsstiftende Kraft
der Friedhofskultur im Fokus der Bewerbung. In der
Endfassung lag der Schwerpunkt auf den lebendigen
Ausdrucksformen einer pluralistischen Gesellschaft, d.
h. aller Glaubensgemeinschaften.
Bundesweit wird sich jetzt das neu gegründete„Kura-
torium Immaterielles Erbe Friedhofskultur in Deutsch-
land“ des Erbes annehmen. Ziel ist es, die Bedeutung
der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft in der
breiten Bevölkerung zu verankern und so – im Sinne
der UNESCO – zu deren Schutz beizutragen. Ein erster
Schlüssel dazu ist die Internetseite www.kulturerbe-
friedhof.de, die umfassend über das Erbe informiert.
In Lisdorf und in den anderen Stadtteilen von Saarlouis
sowie in den meisten Orten unserer Heimat hat die
Friedhofskultur eine hohe Bedeutung. Das kann man
über das ganze Jahr auf den Friedhöfen feststellen,
besonders an Allerheiligen.
(Heiner Groß)
9
10
Eine Linde für Gerlinde
Die Frauenbeauftrage und der Frauenbeirat der Kreisstadt Saarlouis
starteten in diesem Herbst eine Baumpflanzaktion, um besondere
Frauen der Stadt für ihr wertvolles und gesamtgesellschaftliches Enga-
gement zu würdigen.
Ein erster Baum, eine Linde, wurde in Lisdorf an der Grundschule
Professor-Ecker gepflanzt. Der Platz des Baumes im dortigen Schulgar-
ten war jedoch kein Zufall. Geehrt wurde mit dieser Linde eine ganz
besondere Frau, die für die Grundschule und den Schulkindergarten
in Lisdorf eine sehr wichtige Rolle gespielt hat.
Gerlinde Ney hat fast 40 Jahre lang den Schulkindergarten mit auf-
gebaut und mit viel Engagement geleitet. Heute, 14 Jahre nachdem
sie in Rente ging, ist sie immer noch ehrenamtlich als Lesepatin an
der Schule tätig.„Darauf sind wir besonders stolz!“, bemerkte Birgit Klein, die Schulleiterin der Grundschule. Auch Sie
richtete einige Worte an Gerlinde Ney um sich bei ihr für das Engagement, das immer im Sinne der Kinder und der
Schule war, zu bedanken.„Es ist uns sehr wichtig Frauen mit ihren Lebensleistungen und als Vorbilder in das Blickfeld
der Öffentlichkeit zu bringen“, sagte Sigrid Gehl, die Frauenbeauftrage der Kreisstadt Saarlouis. Frauenbeirat und
Frauenbeauftragte wollen mit diesen Ehrungen die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Frauenförderung verei-
nen. Im Frühjahr 2021 soll eine weitere Baumpflanzaktion stattfinden.
Der Termin in der Grundschule Lisdorf wurde von Bürgermeisterin Marion Jost und Mitgliedern des Frauenbeirates
begleitet. Die Koordination mit den Grundschulen übernahm Annette Helfen. Beim Pflanzen des Baumes stand die
Grünflächenabteilung des Neuen Betriebshofes Saarlouis mit Rat und Tat zur Seite.
(Bericht Pressestelle Stadt)
Trotz Corona-Krise — in Lisdorf tut sich was!
Qualitätsprüfung für Backwaren in der Bäckerei Bernd Breininger
Jährlich führt die Bäckerinnung des Saarlandes in Verbindung mit dem Deutschen Institut für Qualitätssicherung
von Backwaren eine Qualitätsprüfung von Brot und Brötchen im Saarland durch. Anfang August fand die diesjährige
Prüfung in der Bäckerei Breininger in der Feldstraße in Lisdorf statt. Bäckermeister Bernd Breininger ist Innungsmeis-
ter im Kreis Saarlouis. Zu der Veranstaltung, die schon zum wiederholten Male in seinem Haus stattfand, konnte er
den Brotprüfer Karl-Ernst Schmalz vom deutschen Brotinstitut, den Landesinnungsmeister Hans-Jörg Kleinbauer aus
Saarbrücken sowie fünf Bäckermeister aus dem ganzen Saarland begrüßen.
Mehr als 70 Brote und Brötchen aus acht saarländischen Bäckereien wurden zur Prüfung eingereicht, darunter auch
das Flûte und das Roggen- und Mischbrot von Bäckermeister Bernd Breininger. Alle vorgelegten Backwaren wurden
von dem amtlichen Prüfer K.-E. Schmalz sorgfältig auf Aussehen, Geruch, Geschmack, Kruste, Krume und Schnittfes-
tigkeit geprüft. 33 Brote und 16 Brötchen wurden mit„sehr gut“ und 10 Brote und 7 Brötchen mit„gut“ ausgezeich-
net. Das spricht für die Qualitätsmaßstäbe unserer Bäckermeister. Bernd Breininger freute sich über die Auszeich-
nung. Sein Kommentar zum Abschluss:„Was gibt es Geileres als ein gutes Brot?“ Die Liste der prämierten Brote und
Brötchen ist auf der Homepage www.brottest.de veröffentlicht.
Heidrun Kley-Baltes öffnete ihre Gartentür in der Saarstraße
Am„Tag der offenen Gartentür“, der in diesem Jahr Corona
bedingt erst am Sonntag, 30. August, stattfand, beteiligte sich
– wir auch schon im vergangenen Jahr – die Künstlerin Heidrun
Kley-Baltes aus der Saarstraße Nr. 12. Ihr 1898 erbautes Haus
hat sie stilgerecht renoviert und ein Künstleratelier eingerichtet.
Der kleine Garten ist liebevoll und kunstvoll gestaltet mit zahlreichen Skulpturen, einem
Teich, Kieswegen und Sitzgruppen, umrahmt von Buchshecken, Rosen, Hortensien und
Stauden. Heidrun Kley-Baltes führte ihre Besucher nicht nur durch ihren schönen Garten,
sondern bewirtete sie auch mit kulinarischen Köstlichkeiten. Sie kann kontaktiert werden
unter Tel. 4877717 und www.kley-baltes.de.
Gerlinde Ney (vorne) neben der für sie gepflanzten
Linde, zusammen mit Sigrid Gehl, BM Marion Jost
und Schulleiterin Birgit Klein (v.l.n.r.)
Foto: Sophia Bonnaire
11
Der Verein zur Förderung der ambulanten Krankenpfle-
ge Saarlouis/Saarwellingen e.V. wurde im Zusammen-
hang mit der Einrichtung der kirchlichen Sozialstation
in Roden durch die katholischen und evangelischen
Kirchengemeinden in der Stadt Saarlouis und der Ge-
meinde Saarwellingen in den achtziger Jahren gegrün-
det. Ein großer Förderer beider Institutionen war da-
mals Pastor Ernst Seiwert in Lisdorf zusammen mit den
Ehrenamtlichen aus der Pfarrgemeinde. In den übrigen
Pfarreien war es ähnlich, so dass die Sozialstation in der
Donatusstraße in Roden ihre Arbeit auf breiter Ebene
aufnehmen konnte. Der Förderverein konnte einen
enormen Zulauf verzeichnen und umfasst mittlerweile
über 3000 Mitglieder.
Aufgrund dieser großen Mitgliederzahl erfolgt die Ein-
ladung zur jährlichen Mitgliederversammlung über die
Presse. In diesem Jahr musste die Mitgliederversamm-
lung aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation abge-
sagt und auf das Frühjahr 2021 verschoben werden.
Der Förderverein wird geführt von einem aus sieben
Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat. Vorsitzender
des Verwaltungsrates war bis zum 5.10.2020 Günter
Fontaine aus Saarlouis-Steinrausch, der plötzlich und
unerwartet im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Stell-
vertretender Vorsitzender ist Norbert Zell aus Lisdorf.
Weitere Verwaltungsratsmitglieder aus Lisdorf sind
Klaus Hild und Bärbel Krämer. Geschäftsführerin des
Fördervereins mit Sitz im Gebäude der Sozialstation in
der Donatusstraße 36 in Roden (Tel. 06831-919514) ist
die Lisdorferin Ilse Zell-Körner. Sie ist die Mutter unse-
rer Apothekerin und Pharmazierätin Kristina Schmadel-
Zell.
Bei der kirchlichen Sozialstation gab es unlängst
ebenfalls eine Änderung. Neben den katholischen und
evangelischen Kirchengemeinden in Saarlouis und
Saarwellingen ist auch der Caritas-Kreisverband Saar-
louis in die Trägerschaft eingestiegen. Das entlastet
die Kirchengemeinden und gewährleistet eine sichere
finanzielle Absicherung der Sozialstation.
(Heiner Groß)
Änderungen beim Verein zur Förderung der ambulanten
Krankenpflege Saarlouis/Saarwellingen e.V.
und bei der kirchlichen Sozialstation
Damit Sie im Pflegefall
zu Hause bleiben können
Finanzielle Entlastung
bei der Pflege und Betreuung
mit unserem Verbundpartner Caritas-Kirchliche Sozialstation
Werden Sie Mitglied!
Telefon: 06831-91 95-14 • www.sozialstation-saarlouis.de
E-Mail: foerderverein@sozialstation-saarlouis.de
11
Verfasser: Dr. Franz J. Klein
In den letzten Kriegsmonaten, oft mehrmals täglich,
bei Tag und bei Nacht, ertönt das schrille Geheul von
Luftschutzsirenen:
•	 Dreimal hoher Dauerton von je 12 Sekunden
mit zweimal 12 Sekunden Pause: Öffentliche Luft-
warnung (Voralarm).
•	 Eine Minute lang auf- und abschwellender Heul-
ton: Fliegeralarm.
•	 Kurzer Alarmstoß, bestehend aus zwei Heulperio-
den der Sirenen mit einer Gesamtdauer von acht
Sekunden: Akute Luftgefahr.
Wegen der unmittelbaren Gefahr war jetzt das sofor-
tige Aufsuchen der nächsten Luftschutzräume Pflicht.
Oft folgt daraufhin das laute Sperrfeuer der deutschen
Flakartillerie gegen die einfliegenden Feindflugzeuge.
•	 Die„Akute Luftgefahr“ wird aufgehoben durch das
Signal Vorentwarnung: dreimal wiederholter Dau-
erton (wie„Öffentliche Luftwarnung“).
•	 Dann hoffentlich, möglichst schnell, eine Minute
lang Dauerton: Entwarnung.
Mit dieser schrecklichen Geräuschkulisse mussten
nicht nur die Menschen in den deutschen Großstädten
leben. Auch Saarlautern, wie Saarlouis ab 1936 hieß,
blieb von 1942 bis Anfang 1945 davon nicht verschont.
Saarbrücken und sein Verschiebebahnhof galten als
wichtige Drehscheibe für deutsche Truppenbewegun-
gen und wurden deshalb im Kriegsverlauf 32 Mal aus
der Luft attackiert.
Bei einem Nachtangriff der britischen Royal Air Force
(RAF) mit 291 viermotorigen Lancaster-, Halifax- und
Stirling-Bombern auf die Stadt am 29./30. Juli 1942
scherte ein wahrscheinlich beschädigtes Bombenflug-
zeug aus der Formation aus. Es ist anzunehmen, dass
es sich um einen Notabwurf handelte, als der Brite
seine Last über Lisdorf und Umgebung ablud.
Die RAF griff dann in der Nacht vom 1./2. September
1942 Saarlautern und Dillingen gezielt an. 71 Men-
schenleben waren zu beklagen. Spätere Erkenntnisse
machten deutlich: womöglich wurden die Städte im
mittleren Saartal irrtümlich anstelle von Saarbrücken
anvisiert. Die dem Pulk vorweg fliegenden„Pfadfinder-
Maschinen“ hatten ihre Ziel-Leuchtmarkierungen, im
Volksmund„Christbäume“ genannt, falsch abgewor-
fen. Als Ursache dafür können die schwierige Nacht-
Navigation und womöglich die nicht ausreichenden
Verdunkelungsmaßnahmen in den Stadtgebieten her-
geleitet werden.
Die Zeitbomben ticken weiter!
Lisdorf ist Anfang 1945 übersät von Bomben- und
Granattrichtern.
Der Bombenschacht einer britischen Avro Lancaster wird mit
einer Luftmine und Brandbomben-Bündeln bestückt. Wikipedia
®, gemeinfrei.
12
Eine amerikanische Boeing B-17G 2 ‚Flying Fortress‘ beim
Entladen ihrer tödlichen Sprengbomben-Fracht. Wikipedia ®,
gemeinfrei.
13
Die US-amerikanische USAAF flog am Vormittag des
4. Oktober 1943 einen Angriff auf Frankfurt, Hed-
dernheim (Propellerfabrik) und die kriegswichtigen
Dunlop-Reifen-Werke in Hanau. Wegen der schlechten
Wetter- und Sichtverhältnisse im Zielgebiet drehte der
Verband ab und die B-17-Bomber änderten ihren Kurs.
Ihre Ausweichziele waren unter anderem Saargemünd,
St. Dizier (deutscher Fliegerhorst), Saarbrücken und
leider auch Saarlautern (siehe Lisdorfer Heimatblatt Nr.
30/2020, S. 28). Auf hauptsächlich freies Gelände zwi-
schen Hülzweiler, Ensdorf und Fraulautern fiel der erste
Bombenteppich. Die zweite und dritte Welle trafen die
südlichen Teile der Lisdorfer Au und der Innenstadt bis
hin zu den Gartenreihen. Zeitzeugen berichten, dass
die Kraterlandschaft in der„Gemüsekammer des Saar-
landes“ aussah wie ein„Schweizer Käse“.
Über drei Monate lang in der Frontlinie.
Die Kämpfe um die„Zitadelle von Saarlautern“ von
Anfang Dezember 1944 bis Mitte März 1945, ins-
besondere die dramatischen Ereignisse und das
Aufeinandertreffen mehrerer Infanterie-Regimenter
des XII. US-Army Corps auf die massiv ausgebauten
Verteidigungsstellungen der Wehrmacht im Bereich
Lisdorf/Ensdorf (Westwall) schildert eine Dokumen-
tation des VHL (siehe Quelle 1). Am 2. Dezember
1944 zogen sich die letzten deutschen Panzer- und
Infanterie-Verbände über die Lisdorfer Saarbrücke
zurück. Gegen 15 Uhr flog diese dann in die Luft;
unklar ist, ob durch die Bombardierung US-amerika-
nischer Jabos oder durch ein deutsches Sprengkom-
mando. Was folgte, war der wochenlange Beschuss
des jeweiligen Gegners über die Saar hinweg mit
Infanterie- und Artillerie-Waffen aller Art und beider-
seitiger Luftunterstützung mit Bordwaffen, Bomben
und Raketengeschossen.
Was war der Grund für das Verharren der Front? — In
einer letzten verzweifelten Entscheidungsschlacht,
Mitte Dezember 1944, hatte die deutsche Führung ver-
sucht, mit 600 Panzern, 1.900 Geschützen und durch
die Mobilisierung starker Infanteriereserven, eine
Wende im Kriegsverlauf herbeizuführen. Das Ziel der
erbitterten Kämpfe in den bewaldeten und unwegsa-
men Ardennen war die Rückeroberung der belgischen
Hafenstadt Antwerpen, um die westalliierten Armeen
von ihrem Nachschub abzuschneiden. Zur Planung
einer Gegenoffensive waren die von diesem massiven
letzten deutschen Aufgebot völlig überraschten Gegner
gezwungen, einen großen Teil ihrer Fronttruppen aus
unserer Region nach Nordwesten zurückzuverlagern.
Militärische Fehleinschätzungen und erhebliche Nach-
schubprobleme, vor allem beim Treibstoff, sind es
Nach dem Bombardement am 4. Oktober 1943: Unbewohnbare
Häuser am heutigen Busbahnhof, süd-westlich vom ‚Kleinen
Markt‘ in Saarlouis. Foto: Sammlung Karl Hans, Archiv VHL.
13
14
aber auf deutscher Seite, die nach etwa sechs Wochen
schließlich zum Scheitern der„Ardennen-Offensive“
führen.
Der alliierte Vormarsch an der Saar kam aber, wie
beschrieben, im Winter 1944/45 für mehrere Wochen
ins Stocken. Die Stellungskämpfe in unserer Heimat
zogen sich hin.
Überbleibsel der Kampfhandlungen
Durch das Explodieren unentdeckter Tretminen und
das Hantieren von Kindern und Jugendlichen mit
herumliegenden Handgranaten waren unmittelbar
nach dem Krieg in Lisdorf mehrere Menschenleben zu
beklagen.
Die zuständige französische Militärverwaltung listet
für Lisdorf allein im Jahr 1945 die Beseitigung von 17
Granaten unterschiedlicher Kaliber auf. Auch 25 Minen
wurden im Bereich der„Mittleren Aue“ geräumt. Selbst
Jahrzehnte später fanden sich beim Ausbau der Saar
zur Großschifffahrtsstraße in den 1970er, 1980er und
1990er-Jahren Unmengen an Gewehrmunition, Grana-
ten, Minen und sogar Fliegerbomben.
Mitte Februar 2020 stieß man bei Ausschachtungsar-
beiten zu einem Wohnhaus-Neubau in der Großstraße,
gegenüber der Einmündung zur Gloriastraße, auf zwei
noch immer scharfe amerikanische Gewehrgranaten.
Die Polizeiinspektion Saarlouis und der alarmierte
Kampfmittelbeseitigungsdienst des Saarlandes sorg-
ten für die Sicherstellung sowie die Bergung, Entschär-
fung und Vernichtung.
Die zerschossene Kuppel eines Westwallbunkers in der Marien-
burgstraße in Ensdorf. Foto: Sammlung Günter Mang, Archiv
VHL.
Die Kampfmittelbelastungskarte„Dokumentation von
Kriegsereignissen 1939-1945“ , Landesvermessungs-
amt des Saarlandes (siehe Quelle 2), vermittelt einen
Eindruck von den umfangreichen deutschen Abwehr-
stellungen rechts der Saar, den Minenfeldern Anfang
Dezember 1944 und den vielen Bomben- und Granat-
trichtern (* Durchmesser > 5 m, • Durchmesser < 5
m) in der Region.
Die Gefahr lauert immer noch im Boden
oder unter Wasser.
Werden Bebauungspläne erstellt, so wird zur Gefahren-
abwehr bei eventuellen Funden von Kriegsmunition
der Kampfmittelbeseitigungsdienst eingeschaltet. Die
Auswertung von Kriegsluftbildern kann dazu führen,
dass vor Beginn der Erdarbeiten das vorsorgliche Absu-
chen einer munitionsgefährdeten Fläche veranlasst
werden muss.
Regelmäßig berichten die Medien über Bombenfunde.
Oft ordnen die die Behörden dann, vor den Entschär-
fungs- oder sogar Sprengmaßnahmen, die Evakuie-
rung ganzer Stadtteile an.
Nicht detonierte Kampfmittel (Blindgänger) sind, mehr
als 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, ein immer
noch ernst zu nehmendes Problem. Experten schätzen,
dass etwa 20 % der von alliierten Flugzeugen abge-
worfenen Bomben Blindgänger waren. In absoluten
Zahlen entspricht dies mehr als 250.000 dieser Kriegs-
hinterlassenschaften in ganz Deutschland. Zwar konn-
ten viele in den letzten Jahren entdeckt und entschärft
werden. Mit Sicherheit liegt aber ein großer Teil von
ihnen gegenwärtig noch immer tief im Boden.
Die beschriebene Kennzeichnung der Einschlagtrichter
in Lisdorf sollte auch uns auf das nicht kalkulierbare
Gefahrenpotenzial aufmerksam machen.
Ein US-amerikanisches 155 mm GMC M12-Geschütz. Wikipedia
®, gemeinfrei.
1
4
15
Karte 6606, Teilauszug
Karte 6706, Teilauszug
Wenn man, wo auch immer, auf Bombenblindgänger
oder Waffen- und Munitionsgegenstände trifft, gilt der
eindringliche Appell:
Hände weg und sofort die Polizei verständigen!
Wer ohne die erforderliche Sachkenntnis mit Kampf-
mitteln hantiert, gefährdet sein eigenes Leben und
häufig auch das Leben anderer.
Unmittelbar nach den beiden Weltkriegen wurden
unvorstellbar große Mengen an Kampfmitteln einfach
in die Nord- und die Ostsee verklappt. Aufgrund der
fortschreitenden Korrosion der Metallummantelungen
müssen, durch das mögliche Austreten von Schadstof-
fen und Giften, zukünftig nicht unerhebliche Umwelt-
belastungen befürchtet werden.
Für die Bergung und fachgerechte Beseitigung von
Weltkriegs-Kampfmitteln teilen sich Bund und Länder
die Kosten von jährlich etwa 60 Mio. Euro.
Bereits jetzt ist absehbar, dass sich bundesweit wohl
noch weitere Generationen mit den Überresten der
beiden Weltkriege beschäftigen müssen.
15
16
Quellen:
(1)	 Verein für Heimatkunde Lisdorf (VHL) e.V.: Letzte Zufluchtstätte: Der Felsenstollen Rosenthal. Das Kriegsende in Lisdorf.
	 Eigenverlag, Saarlouis (2002).
(2)	 Dokumentation von Kriegsereignissen 1939 - 1945. Herausgeber: Minister des Innern, Landesvermessungsamt des Saarlandes 1965,
	 Ausgaben 1985/86. Ausschnitte aus den Topographischen Karten 25, Blatt 6606 und Blatt 6706, M = 1:25.000.
	 Mit freundlicher Genehmigung durch das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung, Von der Heydt 22,
	 66115 Saarbrücken.
	 Genehmigungsvermerk: Geobasisdaten, © LVGL TKA 792/2021.
Eine deutsche 8,8 cm-Flakbatterie in Feuerstellung. Wikipedia
®, gemeinfrei. Die beim Gegner gefürchtete ‚Acht-Acht‘ konnte
auch als Feldkanone und zur Panzer-Abwehr eingesetzt wer-
den. Etliche Geschütze dieses Kalibers beschossen von Ensdorf
und Bous aus die amerikanischen Stellungen auf der linken
Saarseite, was auch zu zivilen Opfern in Lisdorf führte.
17
Am Mühlenbach, hinter der Provinzialstraße Rich-
tung Bauernhof Welsch, wo heute der Mühlenbach
renaturiert wurde, spielten wir als Kinder und
fingen mit Netzen Stichlinge aus dem Bach.
Dabei fanden wir eines Tages zwei verrostete Me-
tallgegenstände, ca. 20 cm lang, zylindrisch.
Für uns Kinder sehr interessant. Wir nahmen die
beiden Fundstücke mit nach Hause und ich wollte
diese bei uns in der Werkstatt auf der Werkbank
näher betrachten und den Rost mit dem Hammer
entfernen. Gott sei Dank kam mein Vater. Er er-
kannte sofort, dass diese Metallzylinder Granaten
aus dem 2. Weltkrieg waren. Mit einem Klaps war
unser Abenteuer jäh beendet und der Minenräum-
dienst wurde verständigt.
Diese fanden noch 3 weitere Granaten in der Nähe
unseres Fundortes.
Herbert Germann
Fundstücke von früher
Als 12 /13 jährige Halbstarke stromerten wir Ende
der 1960er Jahre nach der Schule meist auf der
Werth herum. Dort bauten wir Buden und versuch-
ten im Hochsommer bei Niedrigwasser der Saar
auf die Ensdorfer Seite zu gelangen und fremdes
Revier zu erobern.
Bei einer dieser Touren fanden wir am Krippchen
(früher eine Furth durch die Saar in der Verlän-
Anekdoten aus der Redaktion
17
gerung der Prof.-Ecker-Straße) im Schlick eine
Granate aus dem 2. Weltkrieg. Für uns zwar
sehr interessant, doch wussten wir von unseren
Eltern, dass ein Montieren daran sehr gefährlich
sei.
Also beschlossen mein Freund Hans-Werner
„Alu“ Neis und ich, dass wir diese Granate zu
unserem Dorfpolizisten Schuckmehl bringen
sollten. Wir luden die Granate vorsichtig auf
den Gepäckträger des Fahrrades und fuhren
schnurstracks zum Polizeirevier im alten Schul-
gebäude. Auf dem Schulhof angekommen tru-
gen wir die Granate „vorsichtig“ in die Wache.
Als der Dorfpolizist Schuckmehl erkannte was
wir ihm da brachten, wechselte er die Gesichts-
farbe und schickte uns nach draußen. Nachdem
er einige Telefonate getätigt hatte kam auch
er raus und schärfte uns ein, dass wir das nie
wieder machen sollten. Wir konnten dann einen
riesigen Auflauf an Polizei beobachten und
erklärten jedem der herbeigeeilten Kinder, was
wir tolles gemacht hatten.
Zu Hause angekommen war es allerdings nicht
mehr so toll. Unsere „Heldentat“ hatte sich
natürlich herumgesprochen und unsere Väter
erklärten uns „sehr eindringlich und handfest“,
was alles hätte passieren können. Deshalb sam-
melten wir danach nur noch normale Patronen,
die wir im Saarbett fanden.
Georg Jungmann
"Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird,
hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird,
dann die Genugtuung, dass es dem anderen auc hnicht besser geht
und schließlich die Überraschung, dass es beiden schlechter geht."
Karl Kraus
österr. Publizist und Satiriker (1874-1936)
18
Heimat verbunden
Frau Hannelore Altmeyer, geb. Wax, jetzt wohnhaft im bayerischen Sauerlach, hat dem Verein für Heimatkunde Lis-
dorf drei Bände der Katholischen Hausbibel von Prof. Jakob Ecker aus den Jahren 1904/1905 gespendet. Die Bücher
wurden unserem stellvertretrenden Vorsitzenden Lothar Hirtz zugeschickt. Frau Altmeyer hat die antiquarischen
Bücher von Ihrer Mutter Margarete Wax, die mit Prof. Jakob Ecker verwandt war, geerbt.
Im ersten Band wird die Biblische Geschichte des Alten Testamentes Erste Hälfte von der Erschaffung der Welt bis
zum Tode Davids beschrieben.
Im zweiten Band beschreibt Prof. Ecker die Biblische Geschichte des Alten Testamentes Zweite Hälfte vom Regie-
rungsantritt Salomons bis zum Schluss der Makkabäerzeit.
Der dritte Band der 1905 erschienen ist behandelt das Neue Testament.
Wir bedanken uns bei der Spenderin und schicken liebe Grüße aus der alten Heimat nach Bayern.
Werden Sie Mitglied im VHL
Wir sind der mitgliederstärkste heimatkundliche Verein des
Saarlandes.
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit.
Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf
heimatkunde@lisdorf.de
19
Text und Fotos von August Balthasar
Das große Hochwasser im April/ Mai 1970 in
der Saarstraße
Hochwasser in Lisdorf
August Balthasar mit Tochter Petra
Hochwasser in der Großstraße an den Häusern Nr. 71–73;
der Dorfplatz war eine Insel
Ehefrau Margarethe Balthasar geb. Hans, rechts davon im
Bild Hans Lonsdorfer (heute verstorben), verheiratet mit Anni
Lonsdorfer, Provinzialstraße 116.
Ecke Schmidtschangs – Gässchen zur Saarstraße, heute Ecke
Großstraße 79 – Saarstraße
19
Elisabeth Jacob
Bevor die Saar schiffbar und begradigt wurde gab es in Lisdorf fast jedes Jahr Hochwasser. Manchmal sogar
zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Meine Großeltern wohnten in der Saarstraße. Ihr Garten grenzte an
die Saar und somit waren sie jedes Mal vom steigenden Wasser betroffen. Da sie vom Gemüsebau lebten war es
immer schmerzhaft mitansehen zu müssen, wie das Wasser sich im Garten ausbreitete. Im Frühjahr wurden die
Frühbeete (Kuschen) eingesät und die Gemüsepflanzen, wenn sie die richtige Größe hatten, in Zeitungspapier
eingepackt und verkauft. Die meisten Kunden waren Frauen aus Lisdorf, die auf den Wochenmarkt gingen um ihr
Einkommen ein wenig aufzubessern. Durch das Hochwasser waren die Pflanzen unbrauchbar, denn der Schlamm,
den das Wasser mitführte, legte sich auf die Blätter und die zarten Pflänzchen waren umgeknickt und kaputt.
Vom Garten aus musste man einige Stufen hoch gehen um in das Haus meiner Großeltern zu kommen. Oft stand
das Wasser bis zur obersten Stufe , dann war die Angst groß, dass das Wasser auch noch in die Küche läuft.
Im Jahr 1970 war die Saarstraße komplett überflutet. Das Wasser reichte bis zur Großstraße. Als Jugendliche fan-
den wir das aufregend. Wenn wir die Großeltern besuchten fuhren wir mit einem kleinen Boot zu ihrem Haus. Für
die Erwachsenen war die Sache nicht so lustig, aber auch sie machten das Beste daraus.
August Balthasar, der zu dieser Zeit noch in der Saarstraße wohnte, hat uns seine Erinnerungen in Bild und Text
zur Verfügung gestellt. Wir vom Arbeitskreis Mundart bedanken uns recht herzlich und freuen uns seine Eindrü-
cke hier zu veröffentlichen.
20
Der Hochwasserstand im April/Mai 1970 und der
Hochwasserstand zum Jahreswechsel 1947/1948 in
der Saarstraße in Lisdorf waren in meinem Elternhaus
in der Saarstraße (Bild Nr. 37) beide etwa gleich hoch
gewesen, nämlich 1 cm unterhalb der Oberkante der
Hauseingangsstufe im Erdgeschoss. Noch etwas höher,
und das Wasser der Saar hätte unsere Wohnung im Erd-
geschoss überflutet.
Die Stände dieser beiden großen Hochwasser vom
Jahreswechsel 1947/48 und April/Mai 1970 sind auf
dem großen Markt am alten Kommandantur-Gebäude
(jetzt Buchhandlung Pieper) rechts vom Haupteingang
markiert. Die Marke von 1947/48 zeigt Höchststand
von 1.05 Meter über dem Marktplatz vom 30.12.1947
an. Zusätzlich ist darüber noch die„Rekordmarke“ von
Februar 1784 markiert, die noch deutlich höher war.
Der Hochwasserstand im April/Mai 1970 und der
Hochwasserstand zum Jahreswechsel 1947/1948 in
der Saarstraße in Lisdorf waren in meinem Elternhaus
in der Saarstraße (Bild Nr. 37) beide etwa gleich hoch
gewesen, nämlich 1 cm unterhalb der Oberkante der
Hauseingangsstufe im Erdgeschoss. Noch etwas höher,
und das Wasser der Saar hätte unsere Wohnung im Erd-
geschoss überflutet.
Die Stände dieser beiden großen Hochwasser vom
Jahreswechsel 1947/48 und April/Mai 1970 sind auf
dem großen Markt am alten Kommandantur-Gebäude
(jetzt Buchhandlung Pieper) rechts vom Haupteingang
markiert. Die Marke von 1947/48 zeigt Höchststand
von 1.05 Meter über dem Marktplatz vom 30.12.1947
an. Zusätzlich ist darüber noch die„Rekordmarke“ von
Februar 1784 markiert, die noch deutlich höher war.
Die Saar bei Niedrigwasser 1964
Dieses Bild wurde im Sommer 1964 aufgenommen in
Lisdorf bei„Hof-Saar“. Das wenige Flusswasser der Saar,
links unten im Bild an der Ensdorfer Uferseite noch
zu erkennen, läuft wie ein kleines Rinnsaal dahin. Ein
solches extremes Niedrigwasser, wie es hier zu sehen
ist, gab es auch schon in früheren Jahrhunderten. Des
öfteren konnte man die Saar im Sommer im Bereich
„Hof - Saar“, jetzt am Ende der Professor-Ecker-Straße,
bei Niedrigwasser barfuss durchwaten. An dieser Stelle
der Saar waren beide Ufer abgeflacht, sodass man mit
Pferdefuhrwerken das Saarbett durchqueren konnte.
Im Hintergrund des Bildes ist das Lisdorfer Schleusen-
wehr und die Kleinbahnbrücke zu sehen. Nach dem
2. Weltkrieg wurde die gesprengte Brücke wieder neu
hergerichtet; Es war eine Eisenbahnbrücke der Klein-
bahn Wallerfangen- Saarlouis- Lisdorf - Ensdorf, die
bei Lisdorf die Saar überquerte in Richtung Bahnhof
Ensdorf.
Auf dem folgenden Foto ist die Saar mit etwas mehr
Flusswasser zu sehen. Im Hintergrund auf der Wasser-
oberfläche erkennt man viel Schaum. Es ist der Schaum
von synthetisch hergestellten Waschmitteln, den
waschaktiven Substanzen der Wasch- und Reinigungs-
mittel, die zu dieser Zeit meist noch ungeklärt in die
Saar abgeleitet wurden und nicht von selbst biologisch
abbaubar waren.
Im Bild selbst sind im Hintergrund restliche Kalk-
stein-Überbleibsel des sogenannten„Grippchen“ zu
Hochwasser 1970 in der unteren Saarstraße
rechts vorne:
Haus Nr. 37,	 Schreinerei Hans Blasius, dahinter
Haus Nr. 35,	 Lebensmittelladen Maria Lonsdorfer,dahinter
Haus Nr. 33,	 Elternhaus August Balthasar, dahinter
Haus Nr. 31,	 Haus des „Emmes Pitt“, dahinter
Haus Nr. 29,	 Haus von Katharina Kneip geb. Amann,
		 jetzt bewohnt von Familie Fritzinger
20
21
sehen. Dies war ein Niedrigwasser-Stauwehr, das den
Wasserstand der Saar im Sommer um etwa 0,5 – 0,8
Meter ansteigen lassen konnte. Es war ein aus Gau-
Kalksandstein hergestellter, quer zum Flussbett ver-
laufender, sich nach oben verjüngender und abgerun-
deter Damm, der sich von der Lisdorfer zur Ensdorfer
Uferseite hin zog in etwa ¾ Breite des Flussbettes. Der
Damm stammte aus der letzten Saar-Niedrigwasser-
Regulierung von 1879. Auch die beiden Saarufer waren
mit Kalksteinen ausgepflastert. Sie dienten der Kohle-
schifffahrt saaraufwärts von Ensdorf über Luisenthal,
Saarbrücken, Saargemünd über den Saar-Kohle-Kanal
zum Rhein-Marne-Kanal und den Schiffen saarabwärts
bis zur Mündung der Saar in die Mosel mit allgemeiner
Richtung Rotterdam als fester Weg zum Treideln. Von
Rotterdam aus gingen auch Waren aus Lisdorf in alle
Welt !
Der Badestrand an der Saar
An oder bei dem„Krippchen“ bei„Hof-Saar“, das war
bis zum Sommer 1945 für uns Kinder ein idealer Bade-
strand am Lisdorfer Ufer der Saar, ein schöner Badeort.
Hier haben wir die ersten Schwimmversuche gewagt,
für Nichtschwimmer auch oft ohne Badezeug. Und
dann zuvor mussten wir erst einmal die„Leib“ und
„Seelen- Hemdhose ausgezogen bekommen, bevor
wir ins Wasser sprangen. Gemerkt haben unserer Eltern
es dennoch an den Teerklumpen an Haut und Haa-
ren, dass wir verbotenerweise gebadet hatten. Es gab
bereits damals Verunreinigungen, die das Saarwasser
mit sich führte, insbesondere Teerklumpen, die wir
Kinder trotz eifrigem Schrubben nicht so leicht wieder
entfernen konnten.
Hier am„Krippchen“, am Badeort„Hof-Saar“, kamen
beim Ausbaggern der Saar zur Großschifffahrtsstraße
vor 1990 viele alte Eichenstämme zu Tage. Sie waren
zum Vierkant zurechtgeschlagen im Querschnitt von
etwa 40 x 40 cm und 4 – 6 Meter lang. Die mächtigen
Eichenbalken stammten aus der Zeit vor dem 16. Jahr-
hundert, als hier eine Schiffsanlegestelle war zum Ver-
laden der Lisdorfer Abgaben, insbesondere Gemüse,
für den Grundherren von Lisdorf, die Abtei Wadgassen.
Dazu ergänzt noch Schulrektor Johann Goergen in sei-
nen Lisdorfer Geschichten:„Außerdem führte von die-
ser Stelle aus eine Rampe ins Dorf. Die Rampe wurde
im Jahre 1681 angelegt“.
Der Ausbau der Saar zur Großschifffahrt-
straße
Das neue Flussbett der Saar wurde 1990/91 auf 4 Meter
vertieft, mit gelbem Sand vom Lisdorfer Berg aufgefüllt
und maschinell verfestigt.
Der Durchstich zum neuen Flussbett erfolgte am 13/14.
Juli 1991. Durch die Verkürzung des Flussbettes in der
Lisdorfer Au entstanden insgesamt 3 neuer Altarme
der Saar, 2 bei Lisdorf links und rechts der neu verleg-
ten Straße nach Ensdorf und der alte Lauf der Saar an
Ensdorf vorbei als dritter; die Altarme wurden zum
Biotop erklärt und sind heute ein kleines Paradies für
Pflanzen und Tiere. Die alte Saarbrücke wurde anschlie-
ßend abgebaut. Jeder erinnert sich noch heute an den
Das Flussbett der Saar während des Ausbaggerns, gesehen von
der alten Ensdorfer Brücke in Richtung der Lisdorfer Kirche.
Untere linke Bildecke: Das einlaufende Grundwasser, ein klei-
ner Bach, musste aus dem neuen Saarbett wieder ausgepumpt
werden
Im Vordergrund: Das neue Flussbett, rechts und links die
aufgeschotterte Dammauffüllung, die darunter mit Kunststoff-
Folie abgedichtet wurde.
Bildmitte rechts: Die neue Schiffsanlegestelle in Lisdorf, im Hin-
tergrund ist die Grundschule zu erkennen
Bildmitte am Hintergrund: Das Lisdorfer Schleusenwehr,
das bereits früher beim Bau des Ensdorfer Kraftwerkes zum
Anstauen der Saar gebaut worden war.
21
22
gewaltigen Donner, als während der Demontage die
dazu entsprechend präparierte Brücke in der Mitte
einknickte und auf dem Boden aufschlug. Die Boden-
Schlammmassen aus dem alten Saarbett wurden auf
dem Lisdorfer Berg in der großen Aushubgrube depo-
niert, aus der man den gelben Sand zum Anlegen des
neuen Saarbettes entnommen hatte. Mit dem Lehm
und dem Sandboden aus dem alten Saarbett wurde
der Hochwasserdamm entlang der Saar aufgeschüttet.
Die Saar im ihrem neuen Bett, fotografiert von der Verlade-
rampe aus für die Aushubmassen bei „Hof-Saar“.
Im Hintergrund ist noch ein mit Saarschlamm beladener Last-
kahn zu erkennen. Dieser bringt noch die letzten Erdmassen
mit vom Dammbau in der Lisdorfer Au bzw. der Herrichtung
der Saar-Altarme.
Die Greifvogelstation in Saarlouis-Lisdorf,
Saarstraße („Em Ecken“)
Von August Balthasar
Franz-Josef Konstroffer, Jahrgang 1938, hat in seinem
Garten (Hausnummer 38) in Lisdorf („Em Ecken“) im
Jahre 1973 eine Greifvogelstation für Adler und Falken
eingerichtet. Bis zum Tag seines Ablebens 2004 wurde
diese Greifvogelstation von ihm selbst angelegt, un-
terhalten und gepflegt. Noch bis zwei Monate danach
konnten sein Frau Marie-Rose und ihr Sohn Sascha
diese Greifvogelstation weiterführen. Nach dieser Zeit
hat Marie-Rose den dann 38-jährigen asiatischen Stein-
adler der Greifvogelstation in Neunkirchen übergeben.
Marie-Rose und ihr Sohn Sascha haben den Steinadler
noch zwei Jahre danach öfter besucht. Mit 40 Jahren
ist dann dieser asiatische Steinadler, wie Marie-Rose
vor Kurzem sagte, an Heimweh nach der alten Greifvo-
gelstation in Lisdorf gestorben. Diese Art von Vogel-
Tierhaltung ist heute nicht mehr erlaubt.
22
23
23
Diese Tiere in der Greifvogelstation Lisdorf wurden
in tierpflegerischen Sinne nach den Vorschriften des
Deutschen Naturschutzbundes gehalten, dem Franz
Josef Konstroffer selbst als Mitglied angehörte. Vom
staatlichen Umweltschutz und vom Umweltministe-
rium muss eine solche Greifvogelstation auch geneh-
migt sein. Bei ordnungsgemäßer Haltung erfolgt dann
auch eine Beringung der Vögel. So hatte Franz Josef
Konstroffer auch die Aufgabe des Beaufsichtigens und
Überwachens der Lisdorfer Biotope im Bereich von
IKEA und des Lisdorfer Saaraltarms übernommen.
Asiatische Steinadler, Kaiseradler, Falken, Habichte und
Bussarde waren hier auf seiner Greifvogelstation anzu-
treffen. Zum Lebensunterhalt dieser Tiere hat er selbst
Kaninchen aufgezogen und gehalten. Auch wurden
von ihm illegal gehaltene Vögel in Pflege genommen,
gesundgepflegt und wieder frei gelassen. Seine Frau
Marie-Rose war ihm dabei liebevoll behilflich.
Die Adler sind zur Beizjagd abgetragen, also ausgerich-
tet auf Raubwild wie Fuchs, Marder und Katzen. Falken
und Habichte sind abgetragen auf Niederwild wie
Hase, Kaninchen und Flugwild wie zum Beispiel Ente,
Fasan, Rebhuhn und Feldhuhn.
Franz Josef Konstroffer war auch zur Jagd mit seinen
Adlern und Falken im Jahre 1975 nach Österreich und
in die Eifel gefahren. Die ARD war auch mit dabei und
hat Aufnahmen für das Fernsehen aufgezeichnet, die
auch später gesendet wurden.
Der Steinadler wurde der freien Natur entnommen,
also nicht in einer Vogelzuchtstation ausgebrütet und
aufgezogen.
Die asiatischen Steinadler werden 40-60 Jahre alt, sie
haben eine Flügelspannweite von 2-3 Metern und ein
Lebendgewicht von 5-10 kg. Sie können mit ihren Fän-
gen, also ihren Fußkrallen, beim Zerreißen der Beute
mit einer Kraft von 60-80 kg zupacken.
Adler sind Greiftöter mit Reißharke und Schneide-
schnabel. Selbst ein ausgewachsener Schäferhund
hätte keine Chance, einem aus 100 Meter Höhe herab-
stürzenden asiatischen Steinadler zu entkommen. Mit
seinen Fängen packt er den Hund an der Schnauze und
an Ober- und Unterkiefer, um ihm dann die vordere
Brust aufzureißen und um ihn dann zu zerfleischen.
Franz Josef Konstroffer hat zu seinen Lebzeiten unbe-
wusst und vorsorglich vier Pappeln zur Beschattung
des geplanten Dorf-Festplatzes noch selbst außerhalb
seines Gartens auf dem früheren Gemüse-Verladeplatz
der Lisdorfer Gemüsebauern an den Ufern der Saar
angepflanzt. Zwei dieser vier Pappeln sind 1990 der
Saar-Erweiterung zur europäischen Groß-Schifffahrts-
straße zum Opfer gefallen. Albert Sieger, Saarstraße Nr.
19, hat diese Pappeln mit behördlicher Zustimmung
selbst gefällt, zu Feuerholz zerkleinert und in seinem
selbstgebauten Heizkessel verheizt.
Die Greifvogelstation, ein asiatischer Steinadler und Franz-Josef
Konstroffer
"Uninteressante Dinge
gibt es nicht; nur untinter-
essierte Leute"
G. K. Chesterton
engl. Schriftsteller (1874-1936)
24
Von August Balthasar
Im Bild sind zu sehen von rechts nach links: Johann
Berdin, seine beide Söhne mit Pferd: Nikolaus Berdin
(auf dem Pferd) und Jacob Berdin (vor den Pferden),
links daneben die beiden Töchter: Katharina Ber-
din (blieb ledig) und Margaretha Sieger geb. Berdin
(Mutter von Edgar und Albert Sieger). Das Bild wurde
freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Albert
Sieger, Saarstraße 19, Enkel von Johann Berdin.
Dieses Bauerhauswar eines der ältesten Häuser in der
Saarstraße und ist um die Zeit von 1928/1930 bereits
erneuert und im Jahre 1937 umgebaut worden auf
den heutigen Stand. Zu sehen ist hier dieses Haus nach
1928 und vor dem Umbau 1937.
Die alte Bausubstanz dieser Bauernhäuser stammt
aus früheren Zeiten. Das Haus war das Elternhaus
meiner Ur-Großmutter Maria Kneip geb. Luxenburger
(benannt rot Hannessen Marie, zu deutsch: dem rot-
haarigen Johannes seine Maria).
Das Haus wird jetzt bewohnt von der Familie Albert
und Brigitte Sieger, das war„da Abbels Johann“ und
seine Ehefrau„dat woaa edd Peekessen Greet“ (Johann
Berdin und seine Ehefrau Margarethe geb. Groß). Sie
hatten gegen Ende des 19. Jahrhunderts das kleine alte
Bauernhaus (damals Fährgass, heute Saarstrasse 19)
aus der Hinterlassenschaft des Jean Luxenburger –„da
rot Hannes“ – (geb. 8.12.1810 und verheiratet mit Anna
Schmitt, geb. 3.10.1809) erworben. Johann Kneip (geb.
8.8.1840) hatte 1864 in dieses Haus eingeheiratet. Sein
Elternhaus stand als letztes Haus im Hador auf der rech-
ten Seite hin zum Rosenthal und musste beim Bau der
alten B 406 in den fünfziger Jahren abgerissen werden.
Johann Kneip heiratete in erster Ehe 1864 Gertrud
Luxenburger (geb. 14.01.1841, + 17.10.1869).
Er war Gärtner in der Glasfabrik in Wadgassen. Das
Einkommen reichte aber nicht und er ist deshalb ein-
gefahren ins Bergwerk Kronprinz Friedrich-Wilhelm
in Schwalbach-Griesborn und ist dort unter Tage am
28.09.1880 tödlich verunglückt (zu dieser Zeit war er
bereits verheiratet mit Gertruds Schwester Maria).
Aus dieser ersten Ehe entstammen die Kinder
Maria Kneip (*1.7.1867 +8.1.1943) Sieblieb ledig, von
ihr wird noch berichtet, genannt„de Goode“
Johann Kneip (*18.10.1864, +1907 tödlich verunglückt
Grube La Houve Creutzwald).
Er heiratete 1891 Gertrud Stutz (*9.10.1864, +1957 mit
93 Jahren). Die beiden hatten 10 Kinder, von denen 6
vordem ersten Lebensjahr verstarben und die anderen
4 das Erwachsenenalter erreichten. Dies waren:
Josef Kneip (*1897 +1959) oo Anna Amann, Provinzi-
alstraße 91,
Ehe blieb kinderlos
Franz Kneip (*1902 +1976) oo Maria Becker (+1976)
ihr gehörte die Mühle auf der Holzmühle
Maria Kneip (*1906 +1984) oo Peter Welsch (+1964?)
Provinzialstraße 130
Die Nachkommen aus der ersten Ehe sind im Haus
Saarstraße Nr. 19 geboren worden. Johann Kneip
wurde auf dem alten Lisdorfer Friedhof auf Hof Saar
(jetzt Professor-Ecker-Straße, zu dieser Zeit existierte
dort noch kein Schulgebäude) zu Grabe getragen
(nach Aussage der Groß- und Urgroßeltern).
Zwischenzeitlich (1869-1872) hatte Gertrud und Maria
Luxenburgers Tante Anna Denis (verheiratet, kinder-
los) das Haus in der Saarstraße 33 gekauft und es ihrer
Nichte Maria übereignet mit der Auflage, die Tochter
der verstorbenen Schwester Gertrud, Maria Kneip (de
Goode), mit Wohnrecht („Widem“) ins neu erworbene
Haus mit zu übernehmen.
Das Haus Saarstraße Nr. 19 „em Ecken“
24
25
Johann Kneip und Maria Luxenburger
Zweite Ehe des Johann Kneip, oo 1872 mit Maria
Luxenburger (geb. 17.7.1847 +17.8.1925), genannt
„edd rot Hannesen Maarie“, der Schwester von Gertrud!
Folgende Nachkommen wurden im Haus Saarstraße
Nr. 33 geboren (wie in der Erstausgabe des Lisdorfer
Heimatblattes schon berichtet, in den Geschichten um
den Gasthof Risler):
Anna Kneip (*02.01.1875 +09.02.1989)
Sie ist, wie an anderer Stelle beschrieben, an den Fol-
gen eines Unfalls während einer Tanzveranstaltung
verstorben (Siehe Heimatblatt Nr. 9/S29)
Katharina Kneip (*05.12.1876 +28.01.1965) oo 1905
Peter Welsch (* 13.06.1879 +April 1947), es waren
meine Großeltern.
Lorenz Kneip (*20.02.1879 +1944) oo 1905 Margare-
tha Johannes. Lorenz war Inhaber des Gasthofes in der
Saarstraße 35, danach Besitzer des Gasthauses in der
Saarstrasse 4.
Die Nachkommen aus der zweiten Ehe mit Maria
Luxenburger, der Schwester von Gertrud Luxenburger,
sind im Haus Saarstraße Nr. 33 geboren worden.
Am 28. September 1880 ist Johann Kneip von seiner
Arbeit auf der Grube Kronprinz Friedrich-Wilhelm in
Griesborn„nimma hemm kumm“ (nicht mehr nach
Hause gekommen). Er verlor bei einem Arbeitsunfall
unter Tage sein Leben und wurde auf dem alten Lis-
dorfer Friedhof„Hof-Saar“ zu Grabe getragen. Sozial-
fürsorge nach heutigen Maßstäben kannte man noch
nicht und seine Witwe erwartete ein täglicher Kampf
ums Dasein:
„Da stand ich nun mutterseelenallein da mit den 3 Kin-
dern meiner Schwester Gertrud, 13, 14 und 16 Jahre alt
und den meinen noch dazu im Alter von 1, 4 und 5 Jahren.
Wir wussten oft nicht, wo das täglich Brot für den nächs-
ten Tag herkommen sollte. Anfangs gab es keine Rente,
danach 25 Mark im Monat für uns alle. Ein paar Jahre
später gab es für jedes Kind 3 Mark im Monat. Viel später
kam eine geringe Unfallrente dazu. Dann hatte ich 38
Mark im Monat für eine 7-köpfige Familie als Lebensun-
terhalt. Damit konnten wir nicht durchkommen. Auf dem
Lisdorfer Berg, hinter dem Sportplatz, in den Dachslö-
chern und im Taubental hatte ich Land geerbt und Kartof-
feln gesetzt. Dort wo die Kartoffeln ausblieben, da haben
wir noch Kohlrabisetzlinge dazwischen gesteckt“.
„Über Sommer hatten wir 3 Geißen (Ziegen). Eine davon
musste über den Winter gebracht werden. Im Obstgarten
(Ortsteil von Lisdorf), das war früher ein richtig schöner,
umzäunter Obstgarten mit vielen Obstbäumen und
Sträuchern, es gab dort noch keine Häuser, so durften wir
im Herbst nach der Obsternte unsere Ziegen dorthin zur
Weide führen. Das Brot für uns habe ich in der Zeit vor
dem ersten Weltkrieg selbst in unserem Steinbackofen
gebacken. „Datt hann mei Kinna nie gäaa gess“ (das
haben meine Kinder nie gerne gegessen). Und Kuchen?
Davon haben wir nur geträumt. Nach dem 1. Weltkrieg
1918 hatten wir noch Schweine dazu gehabt, dann ging
es uns nach und nach etwas besser.“
So berichtete Maria Kneip geb. Luxenburger über ihr
hartes Leben als Witwe mit 3 von der Schwester über-
nommenen Kindern und dann noch 3 eigenen Kindern
dazu. Zur Zeit des Arbeitsunfalls ihres Ehemannes
kannte man im wilhelminischen Kaiserreich unter
Bismarck noch kein Rentensystem; dieses wurde im
Jahrzehnt nach 1880 aber schrittweise eingeführt und
Maria bezog nach seiner Einführung eine kleine Wit-
wen- und Unfallrente. Bis zu ihrem 73. Lebensjahr, also
bis etwa 1920, hat„edd rot Hanessen Maarie“ so gear-
beitet und ihr Land nach und nach verkauft, 5 Jahre
danach ist sie im August 1925 verstorben.
Es war die Zeit, als man das Wasser zum Waschen und
Kochen noch selbst am Brunnen holen gehen musste,
als das Feuer noch am Boden brannte, der Suppen-
schwenktopf an der Zahnstange hin- und herschwang
und je nach Bedarf die Zahnkette mit dem Suppentopf
um mehrere Zähne höher oder tiefer verstellen konnte.
Es war die Zeit, als die Wachskerzen die dunkle Nacht
und die Spinnstube erhellten, als die kleinen Leute
noch kein Wohn-, Ess- und Badezimmer kannten. All
dies ist erst vor ein paar Generationen gewesen.
„De Kneips - Goode“, die unverheiratete Tante Maria
Kneip, geb. 01.07.1867, war die Tochter von Johann
Kneip aus der ersten Ehe mit der früh verstorbenen
Frau Gertrud und damit die Stieftochter der„rot Han-
25
26
nessen Maarie“. Sie lebte mit im gleichen Haushalt
und hatte den„Widem“, das heißt, das Wohnrecht, im
gleichen Haus, solange sie lebte, weil sie ihren Erban-
teil aus dem Haus Nr. 19 von ihrer Mutter Margaretha
dazu mit hineingebracht hatte. Ihren Lebensunterhalt
hat„de Goode“ als Tagelöhnerin auf der Mühle Reinert
in Lisdorf verdient„beim Baaia uff klään Trooh“ (beim
Müller Reinert auf Klein-Trow – so die Gewannbe-
zeichnung für das Gebiet, auf dem die Mühle stand).
Vor dem ersten Weltkrieg, also vor 1914, hat sie dort
im Tagelohn gearbeitet für 14 Groschen pro Tag; 12
Groschen, wenn das Mittagsessen in der Entlohnung
enthalten war. Die„Goode“ hat auch für die Rentner,
die ihr Geld in der damaligen Rentenauszahlungsstelle
in Ensdorf nicht abholen konnten, die Rente dort
abgeholt und ihnen für ein geringes Entgelt ins Haus
gebracht. In der Notzeit im ersten Weltkrieg ist die
„Goode“ an einem Tag zu Fuß hin und zurück ins dama-
lige deutsche Schrecklingen gegangen, das waren
insgesamt ca. 40 km, und hat dort Butter gehamstert,
nicht umsonst, sondern im Tausch gegen Wäsche und
andere Gebrauchsartikel.
„De Goode“ - „Die Good“ althochdeutsch„Mutter in
Gott“; Gott befohlen. Diese meist schon bei der Geburt,
am Geburtstag des Kindes ernannte Ersatzmutter, das
war meist eine ledig gebliebene Schwester der Mutter,
eine der Tanten des Kindes, die„Mutter in Gott“.
Das Wagnis einer jungen Frau, Mutter zu werden, war
groß. Die hohe Müttersterblichkeit, vor allem durch das
Kindbettfieber, ging einher mit einer hohen Säuglings-
und Kindersterblichkeit. Viele junge Menschen haben
das 9. Lebensjahr nicht erreicht.„De Godd-Mudda se
hat de kinna grooß gezoo“ (die Ersatzmutter, sie hat
sich der Kinder angenommen und sie aufgezogen).
„Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind, alle
zusammen in der Stube sind“. Die Großfamilie gab den
früheren Menschen den notwendigen Zusammenhalt
im Leben, die großen Verlierer waren die Waisen: nach
dem Tod der Eltern wurden sie meist, wenn kein Pate
sie übernahm oder es nicht viel zu erben gab, aus dem
Familienkreis ausgestoßen. Betroffen standen sie am
Grabe ihrer Eltern; sie standen nun da und wenn sie nie-
mand an die Hand nahm und ihnen ein neues Zuhause
gab, dann mussten sie alle Arbeit tun, die ihnen aufge-
tragen wurde. Es waren die„Höääscha–Kenna“. Schwere
Kinderarbeit galt im Mittelalter als eine alltägliche Hilfs-
arbeit, heute mit einer Sklavenarbeit vergleichbar. Erst
nach der Französischen Revolution und dem Abbau der
sozialen Gegensätze wurde es erträglicher.
Mein Elternhaus in Saarlouis-Lisdorf, Saarstraße 33, ist
seit 1870 durch den Erwerb der Tante von Maria Kneip-
Luxenburger bis heute im Jahre 2020 in der sechsten
Generation von meiner Tochter und deren Sohn in
Familienbesitz.
Wie gut kennen wir alle unsere Heimat - speziell unser
Heimatdorf Lisdorf? Oft geht man durch die Straßen
und nimmt verschiedene Details gar nicht richtig wahr.
Wir wollen in einer neuen Rubrik„Fotorätsel“ den Blick
für diese Details schärfen und dazu animieren, mit of-
fenen Augen durchs Dorf zu gehen. Wir werden in den
nächsten Ausgaben des Heimatblattes immer wieder
Fotos aus den Straßen Lisdorfs veröffentlichen und
unsere Leser um Lösung des dazugehörigen Rätsels
bitten.
Gewinner des Rätsels unserer letzten Ausgabe ist Herr
Oliver Zimmer aus dem Fischerfeld. Seinen Gewinn
haben wir bereits zugestellt.
Auf dem Bild sehen wir einen
neu installierten Tütenspen-
der, der helfen soll, unser Dort
sauber zu halten.
Wer war in den letzten Wochen
mit offene Augen spazieren
und hat den Tütenspender
entdeckt?
Jetzt unsere Frage: In welcher Straße in Lisdorf befindet sich dieser Tütenspender?
Die Lösung bitte per Karte an: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis
oder per E-Mail: heimatkunde@lisdorf.de
Den Gewinner eines Mundartbuches geben wir in der nächsten Ausgabe bekannt.
Einsendeschluss 30. Juni 2021.
Das VHL-Bilderrätsel
27
Nach über 50 Jahren und drei Generationen geht es für
den Lisdorfer Landwirtschaftsbetrieb von Familie Dini,
die vom St. Ingberter und St. Wendeler Wochenmarkt
nicht mehr wegzudenken ist, in Ruhestand. Sein Groß-
vater Johann Schmitt fuhr noch mit Pferd und Karren
um 2 Uhr morgens ins südliche Saarland, bepackt mit
frischem Gemüse aus der Lisdorfer Aue oder dem Lis-
dorfer Berg. Gerhard Dini nahm dann ab 1985 einmal
pro Woche auch den Weg nach St. Wendel zum Frucht-
markt am Dom.
Nach über 50 Jahren…
Bei Judith und Gerhard Dini begann der Markttag
bereits um 3 Uhr morgens um auf dem Saarbrücker
Großmarkt Waren, die nicht selbst angebaut wurden,
einzukaufen. Besonders beliebt waren auf den Märkten
aber natürlich die Selbsterzeugnisse, je nach Saison,
wie Bohnen, Kohlrabi, Blumenkohl, Rosenkohl,„Bett-
saicher“, bis zu 7 verschiedene Salate und vieles mehr.
Alleinstellungsmerkmale waren außerdem die selbst
gezogenen und zu wunderschönen Sträußen verarbei-
teten Bauernblumen.
27
28
Doch nicht nur die Qualität der Ware war dem Selbst-
erzeuger, der bei Minusgraden im Winter und bei 40
Grad Celsius im Sommer hinter seinem Stand die Kund-
schaft bediente, wichtig, sondern vor allem die Präsen-
tation in Form der Markstandgestaltung, sowie auch
der Kontakt zur Kundschaft. Egal ob Informationen
über die Herkunft der Produkte, die Verarbeitung in
Gerichten oder ein kurzer Plausch über Alltagsthemen
– am Marktstand Dini gab es keine Massenabfertigung.
Das sah auch die St. Ingberter Ortsvorsteherin Irene
Kaiser so:„Ich werde die unvergleichlichen Kommenta-
re, sowie die Koch- und Gartentipps, die im typischen
Saarlouiser Slang gegeben wurde, sehr vermissen.“,
sagte sie in„Die Rundschau“, dem offiziellen Meinungs-
blatt St. Ingbert. Die Bürgermeisterin verabschiedete
sich zudem am letzten Markttag des Jahres 2020 mit
einem Präsentkorb.„Sie haben zum Flair des Marktes
bedeutend beigetragen. Wir möchten sie nicht einfach
so gehen lassen.“ Für den Marktstand wurde ein Nach-
folger aus Bexbach gefunden.
Mit besonderen Aktionen hat Familie Dini (zu den
regelmäßigen Helfern hinterm Stand gehörten die
Kinder Sarah und Dustin) immer wieder den Markt
belebt. So wurde mehrmals ein schottischer Tag veran-
staltet, bei dem der Stand besonders dekoriert wurde,
auch die Männer hinterm Stand Röcke trugen und ein
befreundeter Dudelsackpfeifer für schottische Klän-
ge sorgte. Außerdem bot der Stand als Erster in der
Coronakrise, von Tochter Sarah Hussong selbst kreierte
Masken an.
Nach 50 Jahren Landwirtschaft, Marktverkauf und
12-Stunden-Tage werden die Zeiten jetzt ruhiger. Die
beiden Großeltern wollen jetzt mehr Zeit mit Kindern
und Enkeln verbringen, sowie mit ihrem Hobby als
Besucher auf verschiedenen Mittelaltermärkten im
Südwesten der Republik mit entsprechender, zeitge-
nössischer Gewandung. Der„Markt“ wird also weiter-
hin im Leben der Familie Dini präsent sein.
28
29
Aufgrund der zurzeit herrschenden Corona-Pandemie
hatte ich im Heimatblatt Nr. 30 nach Studium der
einschlägigen Literatur einen Artikel zum Thema:
„Pandemien und Epidemien in unserer Heimat – früher
und heute!“ verfasst. Daraufhin haben mich mehrere
Leser angerufen und mir ihre Anerkennung, aber auch
ihre Besorgnis über die nun schon ein Jahr andauernde
Corona-Pandemie geäußert. Bei einigen Anrufern habe
ich eine deutliche Skepsis gegenüber dem neuartigen
Coronaimpfstoff und generell gegen Impfungen fest-
gestellt. Das veranlasst mich zu diesem Artikel.
Meine Bemühungen zu erfahren, wieviele Personen
sich in Lisdorf mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert
haben und an COVID-19 verstorben sind, blieben
verständlicherweise ohne Erfolg. Aufgrund der Ein-
wohnerzahl von etwa 3.600 müssen es nach einem
statistischen Abgleich zumindest bei den Infizierten
doch eine ganze Reihe sein. Höchstwahrscheinlich sind
aber auch einige der seit März 2020 in Lisdorf Ver-
storbenen an oder mit Corona verstorben. Nachdem
inzwischen mehrere Impfstoffe –wenn auch zunächst
sehr begrenzt –zur Verfügung stehen und der von
der heimischen Mainzer Firma Biontech mit der US-
Firma Pfizer entwickelte Impfstoff derzeit hier verimpft
wird, hat sich meines Erachtens die Impfbereitschaft
deutlich erhöht. Dazu beigetragen haben sicherlich
auch die täglichen Meldungen in Funk, Fernsehen und
Presse über die weltweit vielen Infizierten und vor al-
lem die drastische Zunahme der an und mit COVID-19
Verstorbenen. In meinem oben erwähnten Artikel über
Pandemien und Epidemien, die auch unsere Heimat
und speziell auch Lisdorf in der Vergangenheit heim-
gesucht hatten, habe ich aufgezeigt, dass seitdem
wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Viruser-
krankungen zur Verfügung stehen, diese schlimmen
Erkrankungen ihren Schrecken verloren haben. Durch
die Entdeckung und den Einsatz von Impfstoffen sind
bisher weltweit viele Millionen Leben gerettet worden,
auch in unserer näheren Heimat und auch speziell in
Lisdorf haben die Schutzimpfungen in Verbindung mit
Auch in Lisdorf wurden viele Leben
durch Impfungen gerettet!
der verbesserten Hygiene viele Menschenleben geret-
tet. Das ist auch durch die Coronaschutzimpfung zu
erwarten. Es ist unverständlich, dass diese Methode zur
Verhütung einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus
noch viele Gegner und Skeptiker hat.
Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit der Imp-
fung mit dem neuartigen mRNA-Impfstoff der Firma
Biontech und Pfizer, einem sogenannten Vakzin, im
Impfzentrum Saarlouis kann ich jedem dringend emp-
fehlen, sich impfen zu lassen.
Wenn man die Geschichte des Impfens in Deutschland
verfolgt, so war sie von Anfang an eine unbestreitbare
Erfolgsgeschichte. Bereits als die deutsche Reichsre-
gierung im Jahre 1874 die Pockenimpfung zur Pflicht
erklärte, gab es dagegen Widerstand. Die Argumen-
te sind bis heute ähnlich: Impfungen seien erstens
gesundheitsschädlich oder zweitens nicht wirksam.
1869 wurden bereits Impfgegner-Organisationen in
Deutschland in Leipzig und Stuttgart gegründet. In der
Weimarer Republik hatte der Reichsbund zur Bekämp-
fung der Impfung etwa 300.000 Mitglieder. Zu dieser
Zeit wurden auch immer mal, durch mangelnde Hygi-
ene und Unkenntnis, Krankheiten auch auf bereits ein-
malig Geimpfte übertragen, auch mit Todesfällen. Das
gab den Impfgegnern und Skeptikern Auftrieb. Erst
im Verlauf des 19. Jahrhunderts erkannte man, dass
bisweilen eine Zweitimpfung nötig ist, um eine Immu-
nität zu erreichen. Seither gibt es zur Verhütung von
Infektionskrankheiten keine Alternative zur Impfung.
Das ist auch bei COVID-19 so. Glücklicherweise sind in
Rekordzeit Impfstoffe dagegen entwickelt worden und
stehen uns seit Ende des Jahres 2020 zur Verfügung,
wenn auch aufgrund des riesigen weltweiten Bedarfs
zunächst nur eingeschränkt aber wohl spätestens Mitte
des Jahres 2021 für alle. Abschließend noch einmal der
Appell an alle, die nicht Opfer der Corona-Pandemie
werden wollen: lassen Sie sich schnellstmöglich imp-
fen!
(Heiner Groß)
30
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben obige
englische Wörter mehr und mehr Einzug in unseren
alltäglichen Sprachgebrauch gehalten. Vor allem durch
Medien und Politik werden wir mit diesen Bezeichnun-
gen laufend konfrontiert. Deshalb hier einige Ausfüh-
rungen zum besseren Verständnis;
Das englische Wort„Cluster“ bedeutet u.a. eine Grup-
pe von Menschen oder eine Menschenansammlung.
Cluster bedeutet also im Zusammenhang mit Covid 19
die Vermeidung von Menschenansammlungen.
Das englische Wort„Lockdown“ bezieht sich ur-
sprünglich auf eine Absperrung bzw. Versiegelung
von Gebäuden und Bereichen. Bezogen auf Covid 19
bedeutet es die vorübergehende Schließung eines
Unternehmens oder Betriebes sowie Ausgangssperre.
Aktuell werden die beiden Wörter„Lockdown“ und
„Shutdown“ synonym genutzt für eine Einschränkung
des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftli-
chen Lebens. Das Leibnitz-Institut für Deutsche Spra-
che definiert„Lockdown“ in diesem Zusammenhang
als„Zeitraum, in dem fast alle wirtschaftlichen und ge-
sellschaftlichen Aktivitäten auf politische Anordnung
hin stillgelegt sind (z.B. zum Infektionsschutz)“.
Die am 28. Okt. 2020 beschlossenen Einschränkungen
durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und alle Minis-
terpräsidenten/innen für November 2020 umfassen ein
Verbot von„Cluster“ (Menschenansammlungen) sowie
einen eingeschränkten„Lockdown“ und„Shutdown“
(Schließung von gastronomischen Betrieben). Unab-
hängig von diesem Begriffswirrwarr bleibt zu hoffen,
dass das„Corona-Jahr 2020“ nicht mit noch drastische-
ren Einschränkungen enden wird.
(Heiner Groß)
Die englischen Wörter „Cluster, Lockdown, Shutdown“
haben seit der Corona-Pandemie Einzug
in unsere Heimat gehalten
Machen Sie sich oder einem anderen ein schönes Geschenk
Mundartbuch des Lisdorfer Vereins für Heimatkunde
Geschichten von Marianne Faust
Ein Buch mit CD (gesprochen von Marianne Faust)
Machen Sie sich oder anderen ein schönes Geschenk
Mundartbuch des Lisdorfer Vereins für Heimatkunde
Geschichten von Marianne Faust
Ein Buch mit CD
(gesprochen von Marianne Faust)
31
Zu den Einwohnern von Lisdorf zählt seit Neuestem
auch ein ehemaliger Box-Europameister, der im Jahre
2019 in Lisdorf ansässig geworden ist. Der Boxsportler
und gelernte Reklamemaler Manfred Graus, geboren
1936 in Fraulautern, begann seine sportliche Laufbahn
im Jahre 1947 im Alter von 11 Jahren in der Boxsport-
abteilung des SV 09 Fraulautern, der später noch in der
KG Saarlouis-Fraulautern eine der stärksten Amateur-
Boxstaffeln im Westen unterhielt. Neben einem Fuß-
balltraining für den Konditionsaufbau erlernte er unter
den Trainern Willi und Kurt Schleich den Faustkampf
Ehemaliger Box-Europameister in Lisdorf
und fiel bald auf als starker Rechtsausleger in der
Boxstaffel aus Fraulautern, der er bis zum 29. Lebens-
jahr im Jahre 1955 angehörte. In diesem Jahr ging er
nach Bremen und blieb dort bis zum Jahre 1958. In
den Jahren 1956-1958 wurde er dreimal saarländischer
Meister im Weltergewicht und besiegte 1956 bei einem
Länderkampf den deutschen Meister Manfred Hass
aus Niedersachsen. In den Jahren 1956-1958 beteiligte
er sich auch an den vom DABV (Deutscher Amateur-
Boxverband) ausgerichteten Titelkämpfen zwischen
den deutschen Landesverbänden und wurde dreimal
Internationaler Deutscher Meister im Weltergewicht
(63,5-67 kg). Unter anderem bezwang er in diesen
Kämpfen als Herausforderer den amtierenden Deut-
schen Meister Johann Peter aus Hamm. So mancher
Gegner machte Bekanntschaft mit seiner harten Rech-
ten und wachte auf der Matte wieder auf. Der damalige
deutsche Bundestrainer Oscar Sänger wurde auf ihn
aufmerksam und berief ihn in die deutsche National-
staffel für einen Länderkampf gegen eine polnische
Auswahl. Dort sorgte er für eine buchstäbliche„faustdi-
cke“ Überraschung, denn er punktete den amtierenden
Europameister Leszek Drogosz aus. Folglich wurde er
für die Europameisterschaft 1957 in Prag aufgestellt
und besiegte bereits in der Qualifikation zwei bekann-
te deutsche Boxer.
Auch bei den Finalkämpfen in Prag war er nicht zu
stoppen: nach drei Siegen bezwang er im Finale Leo
Potesil aus Österreich, der bereits in der dritten Run-
de kampfunfähig aus dem Ring genommen werden
Manfred Graus nach
seinem überraschenden
Sieg bei der Europa-
meisterschaft in Prag
Original-Boxhandschuhe
aus der EM-Endrunde.
Sie sind mit Pferdehaar
ausgestopft, das die
Wirkung von Schlägen
nicht dämpft, sondern
verstärkt!
31
32
musste. Damit war
der zuvor interna-
tional unbekannte
Boxamateur aus
dem Saarland Box-
Europameister im
Weltergewicht!
In den Jahren 1957
und 1958 bestritt
er als Amateur
noch vier weitere
Länderkämpfe. Im
Jahre 1958 siedel-
te er nach Köln
über, wo er bis
zum Jahre 1973
blieb. Er arbeitete
bei der Bundes-
post und wurde
Boxprofi im Mit-
telgewicht (67.5 – 73 kg). Als Profiboxer kämpfte er mit
wechselndem Erfolg, er errang Erfolge gegen bekann-
te Profiboxer dieser Zeit und musste auch Niederlagen
einstecken. Er kämpfte unter anderem gegen Gerhard
Stachowitz, nochmals gegen Leo Potesil, Stefan Redl,
gegen den englischen Meister Wally Swift und den ita-
lienischen Exweltmeister Nino Benvenuti, gegen Sugar
Boy Nando (Cuba), den späteren deutschen Meister
Hans-Dieter Schwartz und zuletzt gegen Klaus-Peter
Tombers, den er in seinem letzten Profikampf nach
Punkten besiegte.
Im Jahre 1973 beendete er altersbedingt mit 37 Jahren
seine Profilaufbahn und zog mit Ehefrau Ingrid und
seinem Sohn wieder ins Elternhaus im heimischen
Fraulautern. Bis zur Verrentung im Jahre 2000 arbei-
tete er bei den Fordwerken und widmete sich über
Jahrzehnte mit bemerkenswertem Engagement und
großem Erfolg der ehrenamtlichen Vereinsarbeit beim
SV 09 Fraulautern und bei anderen Vereinen. Ebenso
engagierte er sich weit über das normale Maß hinaus
sozial in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und politisch bei
der Sozialdemokratie in Fraulau-
tern.
In Anerkennung seiner beson-
deren Verdienste um Staat und
Mitmenschen verlieh ihm Bun-
despräsident Johannes Rau 2003
die Verdienstmedaille des Ver-
dienstordens der Bundesrepublik
Deutschland. Der Saarländische
Fußballverband bedankte sich im
Jahre 2007 mit einer Ehrenurkun-
de für seine bemerkenswerte ehrenamtliche Arbeit
und die Stadt Völklingen ehrte ihn im Jahre 2010 für
seine 10-jährige Tätigkeit als Kinderbus-Begleiter in
über 1500 Fahrten ebenfalls mit einer Dankesurkunde.
Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 75 Jahre alt.
Im Jahre 2019 verstarb seine Ehefrau Ingrid und er
suchte nach einer neuen Bleibe, er fand sie in Lisdorf in
direkter Nachbarschaft seines Sohnes.
(Harald Weiler)
Manfred Graus im Juli 2020, zum
Zeitpunkt der Niederschrift 84
Jahre jung.
Neue und empfehlenswerte
heimatkundliche Literatur
1.	 „60 Jahre Redemptoristen-Klöster Bous und Püttlingen“ (Kloster Heiligenborn)
	 Verfasser: Prof. Dr. Thomas Gergen und Norbert Sperling, 542 S.
	 Conte Verlag Saarbrücken 2020, Preis 24,90 €, ISBN 978-3-95602-220-3
2.	 „Die Saar im Fluss der Zeit“
	 Verfasser: Michael Kipp und Robby Lorenz, 216 S., Geistkirch-Verlag, Preis 24,80 €
3.	 „Das Saargebiet – Eine Reise zu den Anfängen des Saarlandes“
	 Verfasser: Michael Kipp, 184 S., Geistkirch-Verlag, Preis 24,80 €
4.	 „Die Geschichte des Saarlouiser Stadtteils Beaumarais“, Band 2
	 Verfasser: Verein für Mundart und Geschichte Beaumarais, Jürgen Baus und
	 11 weitere Autoren und Autorinnen, 332 S., Velten-Verlag Saarlouis, Preis 32,80 €
33
5.	 „Das Saarlouiser Herz, Spaziergänge in der Stadt und ihrer Umgebung“
	 Verfasser: Georg Fox, 96 S., Edition Schaumberg, Preis 20,00 €
6.	 „Saarlouis… die Stadt mit Herz“ – Touristischer Stadtführer
	 Verfasser: Volker Felten und Jürgen Baus, 104 S., Verlag Felten, Preis 4,95 €
7.	 „Das Saarland aus der Luft“
	 Verfasser: Manfred Czerwinski, 88 S. Wartburg-Verlag, Preis 25,00 €, ISBN 3-86134-420-3
8.	 „Das Saarland – Eine Bildreise“
	 Verfasser Ludwig Harig/Siegfried Layda, 96 S. Ellert und Richter Verlag, Preis 25,00 €,
	 ISBN 3-89234-678-X
9.	 „Roden – Heimat, Schicksal und Vermächtnis“
	 Verfasser: Historischer Zirkel für Roden, Autoren G. Meyer, G. Altmeyer, A Becker,
	 M. Herresthal, R. Dillschneider, F. R. Gerath, 130 S.
	 Verlag: Rodener Geschichtskreis e.V., Preis 19,50 €, ISBN 978-3-00-061232-9
10.	 „Flucht und Heimkehr – Wie Saarwellingen das Kriegsende erlebte“
	 Veröffentlichung des Archivs der Gemeinde Saarwellingen, Band 4,
	 Verfasser: mehrere, 115 S. Vertrieb: Gemeinde Saarwellingen, Rathaus,
	 kultur@saarwellingen.de, Preis 19,00 €, ISBN 978-3-933926-81-4
11.	 „For Leiw un Seel“ und „Awwei awwar!“ – Moselfränkische Geschichten und Gedichte
	 Schriftenreihe der KVHS Saarlouis, Klaus Peter Fuß und Jean-Louis Kieffer,
	 Landratsamt Saarlouis,
	 Preis je 10,00 €, ISBN 978-3-00-058654-5 bzw. ISBN 978-3-00-026545-7
12.	 „Auf dem großen Markt – Erzählungen von einem Ort an der Grenze“
	 Verfasser: Alfred Gulden, 167 S., Gollenstein Verlag Blieskastel, Preis 10,00 €,
	 ISBN 3-935731-41-8
13.	 Schriften und Bücher von Patrik H. Feltes gen. Veltz, Wadgassen
	 sowie H. Kastner und St. Klemm:
a.	 „Der Zeiten bunter Lauf 2017-2020“ Jahreswegbegleiter in Wort und Bild,
	 jeweils etwa 150 S.,
	 Herausgeber: Verein für kulturelle und geschichtliche Arbeit im Bisttal e.V., Wadgassen,
	 Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, info@kultur-geschichte-wadgassen.de, Preis je 10,00 €
b.	 „simmeliert – iwwa Weihnachten, et Enn vum Jòòa unnet Leewen“, 68 S.,
	 Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 €
c.	 „Was sich begibt – Allerhand Aufbrüche in Bildern und Texten“, 124 S.,
	 Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 €
d.	 „Zeitspiel – Vorschläge zur Verlangsamung des allmählichen Vergehens der Zeit“, 76 S.,
	 Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 €
14.	 Bücher von Karin Peter, Mundartexpertin für den Alt-Saarlouiser Dialekt
	 Die verschiedenen Bücher von ihr haben wir schon mehrfach im Lisdorfer Heimatblatt
	 vorgestellt. Ihr letztes Buch mit dem Titel „Hall dich kurrasch“ mit hochdeutscher Überset-
	 zung und CD ist weiterhin im Buchhandel erhältlich.
15.	 „Herzblut – keine Krise ist größer als Deine Chance“
	 Verfasser: David Zimmer/Eine Saarländische Erfolgsgeschichte, 159 S., Preis 24,80 €
16.	 „Vaschtesche mich?“, Wörterbuch des Alt-Saarlouiser Sprachgutes
	 Verfasser: Norbert Beuer, 175 S., Edition Brueer, Preis 13,80 €
17.	 „Grätzbeidel“ – Das Saarländische Schimpfwörterspiel
	 Verfasser: Michael Schmitz und Roland Pecher, 40 S., Anaconda-Verlag, Preis 7,95 €
18.	 „Der Versailler Vertag – Deutsch-Französische Betrachtungen“
	 Verfasser: Bernd Rauls und Verena Paul, Röhrig-Universitätsverlag, Preis 38,00 €
34
200 Jahre Feuerwehr Lisdorf – 1821 - 2021
Jubiläum kann im Jahr 2021 nicht gefeiert werden
"... vermöge der kräftigen Hülfe, welche die schleunig
herbeigekommene Spritze von Lisdorf und die zu
Saarlouis stationierte Pionier-Compagnie unter An-
führung ihrer Offiziere geleistet haben, von weniger
trauriger Folgen gewesen...", sei eine Feuersbrunst
zu Hölzweiler (dem heutigen Hülzweiler, Teil der
Gemeinde Schwalbach). So meldet es das Amts-
blatt der Regierung zu Trier (Nr. 51) vom Sonn-
abend, dem 3. November 1821.
Das Brandgeschehen vom 5. Oktober 1821 in
Hülzweiler, immerhin bedeutend genug, um im 80
km entfernten Trier im Amtsblatt der königlichen
preußischen Regierung Erwähnung zu finden,
hat einen Teil seiner Bedeutung bis heute nicht
verloren. Es handelt sich nämlich bis dato um den
ersten bekannten Einsatz einer„Lisdorfer Spritze“,
für den durch die Erwähnung im Amtsblatt eine
amtliche Beglaubigung vorliegt. Diese Erwähnung
bildet die Grundlage für das 200-jährige Jubiläum
unserer Lisdorfer Feuerwehr, die nach ihrer Exis-
tenz als„Lisdorfer Spritze“, als Feuerlösch-Compa-
gnie von Lisdorf und ab 1879 als Freiwillige Feuer-
wehr der Gemeinde Lisdorf, heute als Löschbezirk
Lisdorf ein Teil der Feuerwehr Saarlouis ist.
Anders als zum Beispiel für die Feuerwehr Saarlouis,
bzw. für ihren zentralen Löschbezirk Innenstadt,
für den ein konkretes Gründungsdatum im Jahr
1811 bekannt ist, ist ein solches für die Lisdorfer
Feuerwehr bis heute nicht nachweisbar. Die
Erwähnung im Amtsblatt von 1821 beweist aber,
dass spätestens im Oktober 1821 eine Lisdorfer
Feuerwehr bestand, die so gut ausgestattet und
ausgebildet war, dass sie sogar zur überörtlichen
Hilfe bis nach Hülzweiler angefordert werden
konnte und die dort auch noch zur„kräftigen
Hülfe“ in der Lage war. Und so ist 2021 zum„Ju-
biläumsjahr“ der Lisdorfer Feuerwehr geworden,
was mit einer deutlich über den normalen Tag der
offenen Tür hinausgehenden Veranstaltung gefei-
ert werden sollte.
Erste Planungen hierzu laufen teilweise bereits seit
mehreren Jahren und natürlich orientieren sich
diese auch am letzten groß gefeierten Jubiläum
des Löschbezirks. Damals, vom 23. bis 25. August
1996, noch unter der Führung von Hans-Joachim
Loris, heute Ehrenlöschbezirksführer und auch
Gründungsmitglied des Vereins für Heimatkunde,
wurden 175 Jahre Löschbezirk Lisdorf gefeiert.
Die Feierlichkeiten begannen freitags mit einem
Festakt in der Hans-Welsch-Halle und anschließen-
dem Zapfenstreich und endeten erst sonntags mit
einem„Südtiroler Abend“, inspiriert von der Feuer-
wehr Lüsen in Südtirol mit der seit 1971 eine enge
Freundschaft besteht. Wahre Höhepunkte waren
aber sicher auch der Festumzug der Feuerwehren
durch die Straßen von Lisdorf und der Dorfge-
meinschaftsabend unter dem Motto„Ein Dorf
feiert seine Feuerwehr“. Dass die Lisdorfer Vereine
dieses Motto ernst nahmen und„ihre“ Feuerwehr
sowohl beim Dorfgemeinschaftsabend wie auch
bei der Durchführung des 3-tägigen Festes tat-
kräftig unterstützt hatten, ist bei der Feuerwehr in
guter Erinnerung geblieben.
Nichts Geringeres als eine Jubiläumsveranstal-
tung dieser Größe stellte man sich vor, als die neu
gewählte Löschbezirksführung unter Christopher
Freichel im Frühjahr 2020 die laufenden Planungen
übernahm. Erste Absprachen innerhalb Lisdorf
wurden getroffen, umTerminkollisionen wie zum
Beispiel mit dem Lisdorf Open-Air zu vermeiden.
Darüber hinaus war mit dem Landkreis und Kreis-
brandinspektor Bernd Paul bereits von der vorheri-
gen Löschbezirksführung eine Vereinbarung getrof-
fen worden, wodurch die 200-Jahrfeier zusammen
mit dem Kreisfeuerwehrtag 2021 ausgerichtet
worden wäre. Und auch die Partnerwehren aus
Lüsen in Südtirol und Reinstorf in Niedersachsen
waren informiert, dass man sich auf ihren Besuch in
2021 freut.
Doch mit Einsetzen der Corona-Pandemie im März
34
35
Dass man mit 90 Jahren immer noch aktiv am Vereinsleben teilnehmen
kann, zeigt uns Marianne Faust.
Sie feierte im Februar ihren 90. Geburtstag. Marianne - seit 1998 Mit-
glied im Verein für Heimatkunde - Lisdorf schreibt über Jahre hinweg
Mundartgeschichten und ist mit Ihren Beiträgen immer gern gesehen
und gehört bei Veranstaltungen der Heimatvereine von Saarlouis und
Umgebung. Ihre Geschichten beruhen meistens auf wahren Begeben-
heiten aus ihrem Leben, gemischt mit Humor und einer Prise Lebens-
weisheiten. Ein Taschenbuch mit Geschichten in Mundart geschrieben
dazu eine CD gesprochen von Marianne ist seit 2018 erhältlich. Wir
kennen sie auch als Helfer bei Festen und Veranstaltungen des Vereins
(z.B. Grünkohlessen).
Wir wünschen Marianne alles Gute und vor allem Gesundheit.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem runden Geburtstag und wir hoffen das wir uns auch weiter an Mund-
artgeschichten und Gedichten von Marianne erfreuen können.
Mit 90 immer noch aktiv
2020 wendete sich auch für die Vorbereitungen
zum Feuerwehr Jubiläum das Blatt und mit Fort-
schreiten der Pandemie wurde Stück für Stück
auch die Ausrichtung einer 200-Jahrfeier in 2021
immer unwahrscheinlicher.
Nicht nur stand mehr und mehr in Frage, ob im
Sommer 2021 überhaupt Volksfeste stattfinden
können, sondern durch die besondere sicher-
heitsrelevante Bedeutung der Feuerwehren
wurde auch nahezu unvorstellbar, unter Corona
Bedingungen hunderte Feuerwehrleute aus dem
gesamten Landkreis und darüber hinaus zu Fei-
erlichkeiten und einem Festumzug zusammen-
zubringen. Unterdessen zeichnete sich auch ab,
dass es immer schwieriger wurde, Verträge für
Veranstaltungsequipment zu schließen oder zum
Beispiel Bands und Musikvereine zu engagieren,
während die internen Treffen der für Planung und
Vorbereitung gebildeten Arbeitskreise bereits
kaum noch zu organisieren waren. Wie sollte man
sich zum Beispiel in Planungsteams und Arbeits-
kreisen zusammensetzen, wenn, um Infektionsge-
schehen und Quarantänefälle in den freiwilligen
Feuerwehren zu vermeiden, Feuerwachen außer
für Einsätze strikt geschlossen sind und Sitzungen
und Dienstbesprechungen auf unbestimmte Zeit
nicht stattfinden dürfen? Zwar haben diese Regeln
und Vorgaben bisher hervorragend dazu gedient,
die Lisdorfer Feuerwehr durch die gesamte Pan-
demie hindurch vor Corona bedingten Ausfällen
und Quarantäneereignissen zu bewahren und so
zu jeder Zeit einsatzbereit zu bleiben. Die Planung
einer Jubiläumsveranstaltung, deren Ausrichtung
immer unwahrscheinlicher wurde, haben sie aber
schlicht unmöglich gemacht.
Im September 2020 wurde seitens des Löschbe-
zirks dann die Reißleine gezogen und entschie-
den, das Jubiläum nach 2022 zu verschieben. Das
war zunächst keine leichte Entscheidung, denn
dadurch geht zum Beispiel auch die Möglichkeit
der gemeinsamen Austragung mit dem Kreis-
feuerwehrtag verloren, der für 2022 bereits einer
anderen Wehr zugesagt ist. Aus heutiger Sicht hat
sich die Entscheidung als richtig erwiesen.
Christopher Freichel
Löschbezirksführer
35
36
Huddel met
da Schlòòferei 	
von Marianne Faust	
Wänn ma morjens beizeiden aus èm Bätt grawwelt, mäschdens fréija wie ma
mésst offstehn, awwa ma móss jò schon nòmmòll. Dann schiddelt ma sich
daeascht dè Armen on dè Hänn, weil sè jó émma enngeschlòòf senn.
Dann dè Bään, die móss ma aach riselln, sonscht männt ma die gäwen nét zóu
ääm geheeren. Datt sénn Awedden, vann denen hascht dè vòa zehn Jòa noch
neischt gewóscht. Als nägschdes wackelt ma dann ént Badäzemmer. Iwwa-
wech kommt ma dann am Schbiejel langes on lóut so schräägs mòll renn. Dè
aschräckscht jeden Morjen on dänkscht, wäa éss dann datt lò, dè hascht doch
am fréijen Morjen noch kään Besuch. Bis dè dann ganz vaschääkst märkscht,
dass dè datt lò jò selwa bescht.
Vann Òwens elf Aua, bis morjens moscht dè jò 2-3 mòòl an dem Schbiejel lò
langes gehn, awwa dann hascht dè jò zómm Kléck émma dè Auen halwa zóu.
Dè kannscht jò nét jedesmòòl dè Auen ganz offmachen, sonscht gaäfschde jò
nòhäa nemmä ennschlòòfen. Ma hat sowieso schon èn Bóuch newen èmm Bätt
leien, émm Fall dass èt nét klappt mét da Schlòòfarei . Dè léscht dann èn bißin,
dann schlòòfscht dè nòmmòll én. Manchmòòl lest ma dreimòòl èt änen sellwich
on am nägschden Morjen wääs ma doch neischt mä.
Am alla bäschden schlòòft ma jò voam Fernsehn. Dè leischt dann om Sofa òdda
gemiedlich ém Sessel, gutt mét da Wolldäck zóugestoppt on schlòòfscht wie én
freschgebackten Brot.
Am mäschden ärjascht dè dich jò, wenn dè émm väadel nò acht welscht èn Film
lóuen, off denen wo dè dich schon drei Daa gefráijt hascht, on èt Telefon klin-
gelt dann. Dè grawwelscht off, schlappscht an èt Telefon on moscht da dann
vann ääm èn Gespräch hallen lòssen, den dè schonn èn half Jòa nemmä gesinn
hascht. Wenn datt iwwastann és hascht dè nadialich dè Anfang vamm Film va-
passt. Egal, dè hauscht dich nòmmòll nidda én dein Läachin, awwa hascht vamm
Tuten on Blòsen kään Ahnung mä. Nò kurza Zeit fängscht dè aan énnsedusseln.
36
37
Dè geffscht äascht nòmmòll wach, wenn dè Musik kommt on sè weisen da mét
hónatt Namen wäa alles métgespillt hat. So, dann éss da Spuck remm.
Awweil dóun da dè Grääten weh on dann geht dè Wandaschaft lòss. Wenn fréija
us Eltern gesaat hann ma kannen nét schlòòfen, dann hann eich émma gedänkt,
mä wenn ma doch émm Bätt leit on macht dè Auen zóu , dann schlòòft ma
doch ach.
Haut kännt ma den Huddel. Ma brauch nua èn bissin älla sè senn, dann brauch
ääm käna mét da Scheiaport sè wenken. Awwa watt häscht dann lò alt. Däa
wo nét wéll alt genn, däa moß jòng sterwen, on datt maanen ma jò aach nét.
Léij èn Bläsur on lò èn Drangsal moss ma schonn mòll én Kaaf hollen. Wie saad
ma doch so scheen, wenn ääm morjens neischt mä weh dóut wämma offsteht,
dann éss ma dood.
Èt schänscht éss jó, wenn ma ääm bègehnt wo ma schon lang nemmä gesinn
hat. Dann dänkscht dè, Mensch, däa lò éss awwa schwäa alt genn.Wenn dè
dann hämm kommscht simmleaschde iwwa dem annan sein vagòschdaden Ge-
sicht, on dann kommscht dè droff, dass däa woméchlich datt sèllwich gedänkt
hat wie dau. Wascheinlich vazehlt däa awweil dahämm, dass a aschrock éss, wie
a deich gesinn hat. Vòa der ajenen Visasch macht dè Zeit jò aach nét halt.
Awwa jitz heeren ma off mét usa Änzarei. Solang èt us noch gutt schmackt on
ma senn noch iwwerall mét da Nas dabei, hallen ma us klään. Èt kénnt alles vill
schlémma senn. Datt lò éss noch kään Uasach fò sè änzen. Datt héwen ma us
off bis èn annamòòl.
(mf)
37
38
Maria Lonsdorfer oo 1. Ehe: unbekannt
2. Ehe mit Heinrich Grobe
*1896 Lisdorf	
+1977 Castrop-Rauxel
Beide Ehen blieben kinderlos
Nikolaus Lonsdorfer sen. oo Elisabeth Werner
1896
*1866 Lisdorf	 *1875 Wasserbillig
+1937 Lisdorf 	 +1960 Lisdorf
Das Paar fuhr ab 1910 das Schiff Germania,
dessen Lebenslauf in diesem Heft abgedruckt
ist.
Ehepaar hatte 11 Kinder, der jüngste Sohn
Alfred (1917) verstarb nach der Geburt in
Maastricht.
Bei der Angabe des Geburtsortes ist
zu beachten, dass auf einem Schiff
geborene Kinder zeitnah anzumelden
sind auf dem nächstgelegenen zu-
ständigen Amt, auch im Ausland. Bei
der ersten Gelegenheit ist Registrie-
rung zu wiederholen auf dem Stan-
desamt Wohnortes.
Die anderen Kinder waren:
Jakob Lonsdorfer oo Theodora Achtergat
*1897 Lisdorf	 *1905 Münster
+1946 Frankreich	 +1973 Hilbringen
4 Kinder
Das Paar fuhr mit der Germania, ab 1946
Theodora mit Sohn Klaus, da Jacob im Mai
1946 bei einem Minenunfall ums Leben kam.
Nikolaus Lonsdorfer jun. oo Margaretha Krämer
*1899 Cendrecourt-Sur-Saône 	 *1903 Fraulautern
+1942 Ärmelkanal 	 +1981 Duisburg
durch Seemiene
2 Kinder
Sie fuhren die Schiffe Ascania und In Undis
(=in den Wellen)
Elise (Lisa) Lonsdorfer oo Hervé Fournier
*1900 Hotem/Belg.	 *1901 Dombasle-Sur-Meurthe
+1990 Landelies/Belg.
2 Kinder
Die Schifferfamilie des
39
s Nikolaus Lonsdorfer
Adolf Lonsdorfer oo Julia Pets
1933
*1901 St.Johann 	 *1913 Dendermonde/Belg.
+1977 Datteln/Westf. 	 +2004 Koblenz
3 Kinder
Ihre 3 Kinder waren ebenfalls Schiffer und
fuhren die Schiffe Ascania Nr.1, Nr.2, Nr. 3,
llse, Ster und Eros, darüber werden wir noch
berichten.
Joseph Lonsdorfer oo PhilomenaTak
*1903 Demangevelle 	 *Maasbracht/NL
+1979 Roermond/NL
2 Kinder
Bertha Lonsdorfer oo Willem van denWyngaard
(links) 	 (rechts)
*1904 Neuves-Maisons
+1976 Maastricht/NL 	 +1961
4 Kinder
Peter Lonsdorfer oo Magdalena Schmitt
*1906 Pont a Mousson	 *1906 Lisdorf
+1974 Rotterdam	 +1991 Datteln/Westf.
Schiffsunfall
2 Kinder
Anna Maria Lonsdorfer oo Ludwig Mettlach
*1907 Artzenheim/Elsass 	 *1902 St. Johann
+1976 Saarlouis	 +1963 Lisdorf
2 Kinder
Sie waren zuerst Eigner des Schiffes Maria,
später fuhr Ludwig auf dem Motorschiff Louis
als Schiffsführer bei den Röchling-Stahlwerken.
Sie und Annas Bruder Jacob blieben als einzige
Schiffer der zweiten Lonsdorfer-Generation in
Lisdorf ansässig.
Ihre Tochter Hildegard heiratete den Dirigen-
ten des Orchestervereins Alois Schwickert.
Helene (Lena) Lonsdorfer
*1916 Flaume/Belgien
+1992 Landelies/Belgien
Blieb Zeit ihres Lebens ledig und fuhr zusam-
men mit ihrer Schwester Elise und Schwager
Herve auf deren Schiff Decide.
40
Obere Reihe von links: Irmgard Lonsdorfers Bruder Alfred, Philomena Lonsdorfer-Tak und Ehemann Josef, Irmgards Großeltern Petrus Pets und Ehe-
frau Rosalia Pets-Romijns, Bertha van denWyngaard-Lonsdorfer (EhemannWillem +Feb.1961), Margaretha Lonsdorfer-Krämer (Witwe von †Nikolaus
Lonsdorfer).
Mittlere Reihe von links: Bräutigam-Eltern Friedrich Hausen und Julia Hausen-Salm, Irmgards Bruder Peter (*1954), Brautpaar Irmgard Lonsdorfer
und Erich Hausen, Brauteltern Julia Lonsdorfer-Pets und Ehemann Adolf Lonsdorfer.
Untere Reihe von links: Klaus Lonsdorfer (Sohn von Nikolaus und Margareta Lonsdorfer), Lisa van denWyngaard, Marlene Lonsdorfer (Tochter von
Peter Lonsdorfer und Magdalena geb. Schmitt, die keine Hochzeitsgäste waren), Anita Hausen-Weber (Ehefrau von Eugen), Adolf Lonsdorfer (Sohn
von Josef und Philomena Lonsdorfer), Christine van denWyngaard, Eugen Hausen (Bruder von Erich).
Zu einem großen Familientreffen der Nachkommen des Nikolaus Lonsdorfer kam es am 5.10.1961 anlässlich einer Schifferhoch-
zeit in der Kapelle des Schifferkinderheims St. Nikolausburg in Duisburg-Ruhrort. Die Schifferin Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer
und der Schiffer Erich Hausen aus Saarburg gingen den Bund der Ehe ein.
Alle hier anwesenden Personen mit Namen Lonsdorfer
oderWyngaard sind Abkömmlinge der Schiffer Nikolaus
Lonsdorfer und ElisabethWerner aus Lisdorf/Wasserbillig,
die Braut ist eine Enkelin. Die anwesenden Personen der
Familie Salm stammen aus Saarburg, Familie Pets aus
Antwerpen.
Dank der Unterstützung durch Fr. Irmgard Hausen geb.
Lonsdorfer (Koblenz) und ihrer Cousine 2. Grades Fr. Han-
nelore Salm geb. Lonsdorfer (Großblittersdorf) sowie des
ehemaligenVorsitzenden des Saarländischen Schifferver-
bandes Herbert Primm konnten wir die Lebensgeschichte
vieler Schifferfamilien aus Lisdorf und Umgebung rekons-
truieren. Auch viele andere Berufsschiffer oder ihre An-
gehörigen halfen in beispielhafterWeise mit.Viele haben
uns auch ihre eigene Lebensgeschichte als selbständige
Berufsschiffer zur Niederschrift gegeben. In den nächsten
Heimatheften folgen deshalb weitere Beiträge.
Nach Abschluss unserer Forschungen werden wir die
Ergebnisse in einer Sonderausgabe des Heimatblattes zu-
sammenfassen zusätzlich mit einem ausführlichen Bericht
zur KleinbahnWallerfangen-Lisdorf-Ensdorf, die vor 125
Jahren am 1. September 1897 den Betrieb aufnahm.
HaraldWeiler
Heimatblatt 31
Heimatblatt 31
Heimatblatt 31
Heimatblatt 31
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Heimatblatt 31

  • 1. 1 Nr. 31 Ostern 2021 Preis 3,00 € 50 Jahre LFG ab S. 4 Zeitbomben ab S.12 Hochwasser in Lisdorf ab S. 19 Schifferfamilie Lonsdorfer ab S. 38 Schifferfamilie Lonsdorfer
  • 2. Inhalt Historisches • Die Zeitbomben ticken weiter! 12 • Hochwasser in Lisdorf 19 • Das Haus Saarstraße Nr. 19 "em Ecken" 24 • Auch in Lisdorf wurden viele Leben durch Impfungen gerettet 31 • Die Schifferfamilie des Nikolaus Lonsdorfer 38 • Lebenslauf des Schiffes "Germania" 41 • Damals: Giro d'Italia in Lisdorf 48 Aktuelles • 50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse 4 • 1970 - 2020: 50 Jahre Ford-Werk Saarlouis 7 • Trotz Corona-Krise - in Lisdorf tut sich was! 10 • Heimatverbunden 18 • Nach über 50 Jahren... 27 • Der Marienbildstock in Lisdorf 45 Lisdorfer Mundart • Huddel mit der Schlòòferei 36 • Usa scheen Sprooch 47 Interessantes • Friedhofskultur in Deutschland 8 • Anekdoten aus der Redaktion 17 • Die Greifvogelstation in Saarlouis-Lisdorf 22 • Cluster, Lockdown, Shutdown 30 • Neue und empfehlenswerte heimatkundliche Literatur 33 • Gut beraten im Alter 46 Vereinsleben • Änderungen beim Verein zur Förderung der ambulanten Krankenpflege Saarlouis/Saarwel- lingen e. V. 11 • Generationswechsel beim SC Saargold 44 Rätsel 21 Mitgliedernachrichten 50 Impressum Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V., Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis Redaktion: Georg Jungmann (verantwortlich), Herbert Germann, Heiner Groß, August Balthasar, Harald Weiler, Georg Groß, Christine Hawner Fotos: Harald Weiler, Archiv VHL, privat www.heimatkunde.lisdorf.de Druck: Krüger Druck + Verlag, Handwerkerstraße 8-10, 66663 Merzig Bankverbindugen: Kreissparkasse Saarlouis IBAN: DE26 5935 0110 0074 3008 80, Vereinigte Volksbank eG Saarlouis - Losheim am See - Sulzbach/Saar IBAN: DE21 5909 2000 6721 7502 03 Bezugspreis: 3 EUR je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion, wieder. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers Vorwort 3 Lisdorfer Persönlichkeiten • Ehemaliger Box-Europameister in Lisdorf 32 • Mit 90 immer noch aktiv 35
  • 3. 3 Liebe Heimatfreundinnen, liebe Heimatfreude, …und weiter hält uns die Corona-Pandemie im Griff! Unser normales Vereinsleben ist weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich, für unsere normalen Mitglieder, ohne Vorstandsfunktion, praktisch zum Erliegen gekommen. Die Arbeit im geschäftsführenden Vorstand läuft zwar wei- ter, doch haben wir immer wieder Planungen verwerfen müssen, weil es die aktuelle Corona Lage nicht zuließ. Wir haben die Zeit genutzt, uns EDV mäßig weiter aufzurüsten, um später, wenn es wieder„normale“ Zeiten gibt, unsere Arbeit effektiver gestalten zu können. Wir planen zwar für das zweite Halbjahr wieder einige Veranstaltungen wie Fahrten, Exkursionen, Mundartnachmit- tage usw., wissen aber selbst nicht, ob wir sie wie vorgesehen durchführen können. Deshalb haben wir unser Augen- merk jetzt darauf gelegt, dieses Heimatblatt zu Ostern heraus zu bringen, damit Sie, liebe Mitglieder, wieder viele Interessante Beiträge und Artikel zu Ostern lesen können. Unsere LFG (Lisdorfer Frischgemüse) wurde 50 Jahre. Wir haben auf die Anfänge geschaut und die tollen Entwick- lung dieser Genossenschaft aufgearbeitet. Mit vielen Bildern, gerade von den Grünkohlessen, lassen wir Lisdorfer Geschichte Revue passieren. Weitere interessante geschichtliche Beiträge wie Friedhofskultur ins Deutschland, jetzt UNESCO Weltkulturerbe, die Bombennächte in unserer Gegend in den letzte Kriegswochen mit den heute noch im Boden schlummernden, gefährlichen Überresten, das Hochwasser in Lisdorf im Frühjahr 1970, Fortsetzung unserer Reihe über die Lisdorfer Schifffahrtsfamilien oder den Giro d’Italia in Lisdorf werden sicher Ihr Interesse wecken. Weitere interessante Beiträge über die Greifvogelstation im Ecken oder die Aufgabe des Marktverkaufes des Gemü- sebetriebes Dini werden Sie sicherlich genauso interessieren wie aktuelle Beiträge über die Corona-Pandemie und ihre Folgen in Lisdorf, neue empfehlenswerte heimatgeschichtliche Bücher oder die Tatsache, dass der einzige Box- Europameister des Saarlandes, Manfred Kraus, mittlerweile in Lisdorf wohnt. Sie sehen, wieder viele Interessante Artikel und dazu die sehr guten Beiträge unserer Mundart -Dichterinnen Marianne Faust und Elisabeth Jacob, übrigens Mutter und Tochter, versprechen wieder eine kurzweilige, informative Lektüre über Ostern. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und vor allem, bleiben Sie gesund. Ihr Georg Jungmann Vorsitzender
  • 4. 4 50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse (LFG) 1970 – 2020 Von Heiner Groß Die Lisdorfer Frischgemüse (LFG) wurde 1970 von zehn Lisdorfer Gemüsebauern als Erzeuger- und Vermark- tungsgemeinschaft gegründet. Damals gab es in Lisdorf noch mehr als 20 hauptberufliche Gemüseer- zeuger. Hauptinitiatoren der Gründung waren Vinzenz Groß, Erich Lonsdorfer und Johann Morguet. Nach längerer Vorberatungszeit war es 1970 endlich so weit. Zehn Gemüsebauern fanden sich als Gründungsmitglieder zusammen, obwohl 8 genügt hätten. Der Verfasser war als Vertrauter der Hauptinitiatoren zur Klärung von steuerrechtlichen Fragen ebenfalls involviert. Ein präg- nanter Name der zu gründenden Gemeinschaft war mit„Lisdorfer Frischgemüse“ schnell gefunden. Die Gründe für den Zusammenschluss waren folgende: a) Konkurrenzdruck durch importiertes Gemüse b) Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit c) Koordination von Erzeugung und Vertrieb d) Qualitätssteigerung des erzeugten Gemüses e) Anwerbung und Belieferung von Großabneh- mern, z.B. Globus, Edeka usw. f) Betriebs- und arbeitswirtschaftliche Vorteile g) Erzielung von besseren Preisen h) Verbesserung der Wirtschaftlichkeit (Produkti vität und Rentabilität) Die Gründer der LFG in der Rechtsform der Genossen- schaft waren folgende zehn Gemüsebauern: – Gerhard, Josef und Klemens Berdin – Gilbert Ecker – Günter und Vinzenz Groß – Fritz Klein, Provinzialstr. – Erich Lonsdorfer – Albert und Johann Morguet Vinzenz Groß von der Holzmühle wurde zum haupt- amtlichen Geschäftsführer, Erich Lonsdorfer, Inhaber des in der Oberbruchstraße angesiedelten Gemüse- betriebes, zum Vorsitzenden und Johann Morguet von der Holzmühle zum stellv. Vorsitzenden gewählt. Unmittelbar danach wurden LKW’s angeschafft und Mitarbeiter (Verkaufsfahrer usw.) eingestellt. Die Ver- marktung erfolgte anfänglich ausschließlich über den Obst- und Gemüsegroßmarkt in Saarbrücken. Die täg- liche Lieferung dorthin erfolgte gegen drei Uhr nachts, denn schon ab vier Uhr begann dort der Verkauf an Großhändler, Händler und Wiederverkäufer. Mit der Zeit wurden verschiedene Kunden auch direkt von der LFG beliefert. Die Büros der LFG befanden sich zunächst in den Wohngebäuden von Johann Morguet und Vinzenz Groß. 1970 wurden im Eckbereich der Überherrner Straße und des Picarder Wegs auf der Holzmühle mit Unterstützung der Stadt Saarlouis Bau- grundstücke erworben, davor teilweise Eigentum von Maria Groß-Ecker von der Holzmühle. Architekt Stef- fen wurde mit der Planung und der Bauunternehmer Helmut Meyer mit dem Bau eines Betriebsgebäudes beauftragt. 1972 konnte das 1000 qm große Betriebs- gebäude mit Halle, Kühlraum und Büros bezogen wer- den. Die weitere Entwicklung der LFG kann als Erfolgs- geschichte bezeichnet werden. Sie hat sich als Anbieter von regionalem Qualitätsgemüse über die Grenzen des Saarlandes hinaus etabliert. 4 Vinzenz Groß Erich Lonsdorfer Johann Morguet
  • 5. 5 Weitere Entwicklungsstationen waren: 1973 Umwandlung der Genossenschaft in eine GmbH, um auch Handel und Zukauf betreiben und die Kun- den ganzjährig mit einem Vollsortiment an Gemüse beliefern zu können. Vinzenz Groß wurde als hauptamtlicher geschäfts- führender Gesellschafter der neuen GmbH bestätigt. Diese Funktion hatte er über 30 Jahre inne. Neben ihm wurde jeweils ein ehrenamtlicher Geschäftsführer aus dem Kreis der Gemüselieferanten bestellt. Das waren in chronologischer Reihenfolge: Erich Lonsdorfer, Erwin Faust und bis heute wieder Thomas Lonsdorfer. 1982 kam als Gesellschafter und Gemüselieferant Gerhard Kunzler hinzu, der danach aber wieder aus- geschieden ist. 1983 Anbau einer Kühlhalle mit 350 qm und mit einer Kühlung bis 5 Grad Celsius. 1984 kamen als Gesellschafter und Gemüseliefe- ranten Erwin Faust, Alfred und Hedi Breininger und Raimund Klein hinzu. 1995 25-jähriges Firmenjubiläum der LFG 2001 Wechsel in der hauptamtlichen Geschäftsfüh- rung. Klemens Morguet (41), Sohn des Mitgründers Johann Morguet, der bereits seit 1974 als Kaufmann bei der LFG beschäftigt ist und auch seine Lehre dort absolviert hat, wurde Geschäftsführer. 2003 Erstes großes Grünkohlessen in der Betriebshalle der LFG gemeinsam mit dem VHL 2004 Zwei große Grünkohlessen bei der LFG gemein- sam mit dem VHL. 2005 – 2013 Jährlich großes Grünkohlessen mit bis zu 400 Teilnehmern, darunter viele prominente Gäste, z. B. Ministerpräsident Peter Müller, Minister- präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, Land- tagspräsidenten, Minister, MdB’s, MdL’s, Landräte, Oberbürgermeister, IHK-Präsidenten, Bankdirektoren usw. Ab 2009 war auch die Landwirtschaftskammer Mitveranstalter. Leider wurde diese sehr werbewirksame Veranstal- tung ab 2014 von der LFG wegen Arbeitsüberlas- tungabgesagt. 50 Jahre nach der Gründung hat sich bei der LFG einiges geändert. Von den 10 Gründungsmitgliedern sind nur noch Günter Groß und Albert Morguet dabei, allerdings nicht mehr als Gemüselieferanten. Sechs Gründer sind bereits verstorben. Zwei Nachfahren von Gründungsmitgliedern sind noch als Gemüselie- feranten dabei, und zwar Thomas Lonsdorfer, Sohn von Erich Lonsdorfer, und Philipp Schneider, Enkel von Günter Groß. Außerdem sind im Jubilä- umsjahr 2020 als Gemüse- erzeuger und Lieferanten noch dabei: Hedi Breinin- ger, Frank Faust, der 2013 den Betrieb seiner Eltern Erwin und Ulla Faust übernommen hat, und Raimund Klein. Sie bewirtschaf- ten eine Gemüse- anbaufläche von rd. 100 ha, etwa soviel, wie die 10 Gründer im Jahr 1970 bewirt- schaftet hatten. In den fünf Erzeu- gerbetrieben sind einschließlich der Inhaberfamilien ca. 40 Arbeitskräfte be- schäftigt. Bei der LFG sind derzeit 18 Arbeitskräfte in der Verwaltung, in der Aufbereitung, im Transport und im Verkauf im Einsatz. Das 50-jährige Betriebsjubiläum der LFG wurde Corona bedingt im Rahmen einer Aktionswoche vom 24. Bis 29. August im Globus Saarlouis gefeiert. Es gab auf einer besonderen Aktions- fläche einen großen Infostand, an dem sich die Kunden informieren konnten. Zum Wochenende betreuten Mitglie- der der LFG in grüner Kleidung, vor- nehmlich die beiden Geschäftsführer Klemens Morguet und Thomas Lonsdor- fer, die Aktionsfläche mit einem Verkos- tungsstand und einer Diavorführung über die Produktion und Qualität des Lisdorfer Gemüses. In allen saarländischen Globus- Filialen wird das Lisdorfer Gemüse als„Gutes von Hier“ angeboten. Sehenswert war die aus Salatköp- fen gestaltete Zahl„50“ und ein Schriftzug aus Kräutertöpfen. Im Globus- Restaurant wurde während der Jubiläumswoche ein„Lisdorfer Salatteller“ angeboten, der 5 Familie Lonsdorfer Frank Faust Raimund Klein Philipp Schneider Hedi Breininger
  • 6. 6 großen Zuspruch fand. Darüberhinaus warb Globus in großen Anzeigen für das Lisdorfer Frischgemüse. Auch andere Großkunden der LFG wie Edeka und Rewe machten Werbung für die LFG. Das große Edeka-Ge- schäft Schmidt in Ensdorf schaltete Anzeigen mit dem Slogan„Wir feiern 50 Jahre Lisdorfer Frischgemüse“. Auch der Heimatkundeverein, dem alle Mitglieder der LFG angehören, hatte die Absicht, dieses Jubiläum mit einer Veranstaltung zu feiern, was durch den Corona- Lockdown leider verhindert wurde. Wir gratulieren ganz herzlich und wünschen der LFG weiterhin berufli- chen und geschäftlichen Erfolg. 6 Klemens Morguet Thomas Lonsdorfer Über viele Jahre hat der VHL gemeinsam mit der LFG, der Landwirtschaftskammer des SAar- landes und dem Feldküchenteam des DRK Felsberg-Berus in der Betriebshalle der LFG ein großes Grünkohlessen veranstaltet. Hier ein paar Impressionen.
  • 7. 7 Verfasser: Heiner Groß Die Ansiedlung von Ford auf dem Röderberg in Roden vor mehr als 50 Jahren war für unsere gesamte saarlän- dische Heimat eine Erfolgsgeschichte. Die Saar-Region war über 150 Jahre lang geprägt von der Kohle- und Stahlindustrie. Als diese zunehmend kriselte, wirkte die Ansiedlungszusage von Ford wie ein Glücksfall. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Ford bereits Mitte der 60iger Jahre, als die Bemühungen von Bund (Bundeskanzler Ludwig Erhard) und Land (Minister- präsident Franz-Josef Röder) sowie der Stadt Saarlouis dazu führten, dass sich der US-Konzern entschied, das in Europa vorgesehene neue Ford-Werk in Saarlouis zu errichten. Am 16. September 1966 legte Ford- Generaldirektor Robert C. Layton den Grundstein auf dem 1,4 Mio. Quadratmeter großen Werksgelände auf dem Röderberg. 1968 begannen 700 Beschäftigte mit der Fertigung von Karosserieteilen für das Ford-Werk in Köln und für Renault. Am 16. Januar 1970 war dann die eigentliche Geburtsstunde von Ford Saarlouis. Das erste Fahrzeug, ein Ford Focus, wurde vom saarländi- schen Ministerpräsidenten vom Band gefahren. Die of- fizielle Einweihung erfolgte dann am 11. Juni 1970. Bei einem Festakt mit vielen Gästen, zu dem ich als junger Stadtrat auch eingeladen war, sagte Henry Ford II, der Enkel des Firmengründers aus den USA, dass Saarlouis das schönste und wohl auch beste Ford-Werk sei. Man habe sich aufgrund der günstigen geographischen Lage im Herzen Europas für das Saarland entschieden. „Außerdem glauben wir, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht nur der Bevölkerung an der Saar, sondern auch unserem Unternehmen Nutzen bringt“, so Henry Ford II. Das Saarlouiser Ford-Werk hat sich seitdem zum produktivsten Ford-Standort entwickelt, in dem über viele Jahre im Drei-Schicht-Betrieb mit zeitweise über 8.000 Beschäftigten bisher mehr als 15 Mio. Autos gefertigt wurden. Ford Saarlouis hat damit alle Erwartungen übertroffen und sich in unserer Saar- heimat zu einem der größten Arbeitgeber entwickelt. Auch viele Lisdorfer waren und sind dort beschäftigt. Der Ford-Betriebsratsvorsitzende Markus Thal ist übrigens seit einigen Jahren Lisdorfer und hat sich im Ortsteil Holzmühle ein Eigenheim errichtet. Durch die weltweite Krise in der Autobranche hat die Erfolgsgeschichte von Ford Saarlouis einen deutlichen Dämpfer bekommen. Ende 2018 leitete Ford weltweit ein Umstrukturierungsprogramm ein. Bei Ford Saar- louis wurde auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt und 1.600 Stellen abgebaut. Bis Ende 2020 sollen 12.000 Stellen in allen vier europäischen Ford-Werken (Köln, Saarlouis, Valencia und in Rumänien) abgebaut wer- den. Heute werden noch insgesamt 9 Ford-Modelle hergestellt. Der Betriebsrat geht davon aus, dass es künftig in Europa nur noch 4 Modelle sein werden. Die Produktion des Focus in Saarlouis soll 2024 aus- laufen. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Heute sind in Saarlouis 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Betriebsrat befürchtet allerdings einen drastischen Abbau von Arbeitsplätzen in Saarlouis, im schlimmsten Fall die Schließung des Werkes. Das Management des US-Konzerns in Detroit habe sich jedenfalls noch nicht dazu geäußert, wie es nach 2024 weitergehen soll. Das Ford-Werk Saarlouis, vor mehr als 50 Jahren ein Glücksfall und über fast 5 Jahrzehnte eine Erfolgs- geschichte, hat sich seit 2018 zu einem Sorgenkind entwickelt. 7 1970 – 2020: 50 Jahre Ford-Werk Saarlouis – Größter Arbeitgeber in unserer näheren Heimat – Die Entwicklung von der Erfolgsgeschichte zum Sorgenkind!
  • 8. 8 – Auch Lisdorf mit seiner hohen Friedhofs- kultur gibt ein positives Beispiel – Auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission hat die Kultusministerkonferenz die Aufnahme der Friedhofskultur in das bundesweite Kulturerbe- Verzeichnis beschlossen. Damit würdigt die Bundes- republik den identitätsstiftenden, lebendigen und vielschichtigen Wert der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft. Und das nicht nur in kultureller Hinsicht, Friedhofskultur in Deutschland jetzt immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe 8 sondern auch in sozialer und historischer oder in Bezug auf Klimaschutz, Integration und Völkerverständigung. „Dies ist vor allem auch eine große Anerkennung für die über 100.000 Menschen, die sich in Deutschland für das Friedhofswesen beruflich engagieren“, so die antragstellende„Initiative Kulturerbe Friedhof“, zu der sich viele Kräfte im Friedhofswesen zusammenge- schlossen haben. Denn ausgezeichnet wurden nicht nur die Friedhöfe an sich, sondern vor allem das, was Menschen auf dem Friedhof tun: Trauern, Erinnern und Gedenken einerseits sowie das Gestalten, Pflegen und Bewahren andererseits. Den Rahmen dafür schaffen unsere Friedhofsämter mit ihren dort Beschäftigten, die Bestatter, Gärtner und Steinmetze, aber auch viele Angehörige von Verstorbenen sowie ehrenamtlich Tätige, die sich in Vereinen, z.B. in Lisdorf im Heimat- verein, um die Friedhofskultur und den Denkmalschutz kümmern. Die Ernennung zum Kulturerbe sei für den Einzelnen genauso bedeutend wie für die Gesellschaft, wie der Direktor des Museums für Sepulkralkultur (lat. das Grabmal oder Begräbnis betreffend) in Kassel erläutert: „Was es bedeutet Mensch zu sein, wird in besonderer Weise auf Friedhöfen deutlich. Wir brauchen Rituale, um den Tod von Angehörigen zu überwinden. Alles was Menschen auf Friedhöfen gestalten, kommt ihrer
  • 9. 9 persönlichen Trauer wie auch der Erinnerungskultur zugute.“ Das mache den Ort der Toten zu einem le- bendigen Ort. Es gehe also nicht darum, die Friedhöfe zu mumifizieren, sondern die aktuellen Ausdrucks- formen des Friedhofswesens in den Fokus zu rücken, so der Direktor des Sepulkralkultur-Museums, Dr. D. Pörschmann. Hierzu gehörten naturnahe Gestal- tungskonzepte, moderne Gedenksteine oder Gemein- schaftsgrabanlagen (z.B. Urnenwände). Auch wenn es beim immateriellen Erbe der UNESCO nicht um das Trennende von Kulturen gehe, so sei die Friedhofskul- tur in Deutschland doch einzigartig. Die Art und Weise, wie wir unsere Gräber als kleine Gärten der Erinnerung individuell und oft auch selbst gestalten, sei genauso besonders wie das Einbetten der Gräber in Parkland- schaften, so der Friedhofsexperte Prof. Dr. Norbert Fischer. Durch die Ernennung zum Kulturerbe wird zugleich auch auf die Bedrohungen der Friedhofskultur auf- merksam gemacht. So benennt der Antrag vor allem die Zunahme von sog. Naturbestattungen außerhalb der Friedhöfe als Risikofaktor, aber auch Versäumnisse im Friedhofswesen selbst. Zugleich seien aktuelle ge- sellschaftliche Veränderungen nicht nur Gefährdung, sondern böten auch vielfältige Chancen für die Ent- wicklung der Friedhofskultur, so Prof. Dr. Fischer. Die Friedhofskultur in Deutschland ist das erste imma- terielle Erbe, das über die Freie Hansestadt Hamburg bei der Deutschen UNESCO-Kommission eingereicht worden ist. Über fünf Jahre lang habe sich die Initiative für diese Anerkennung eingesetzt. Auf Wunsch der Kommission ist der Antrag mehrfach überarbeitet wor- den. So stand am Anfang die identitätsstiftende Kraft der Friedhofskultur im Fokus der Bewerbung. In der Endfassung lag der Schwerpunkt auf den lebendigen Ausdrucksformen einer pluralistischen Gesellschaft, d. h. aller Glaubensgemeinschaften. Bundesweit wird sich jetzt das neu gegründete„Kura- torium Immaterielles Erbe Friedhofskultur in Deutsch- land“ des Erbes annehmen. Ziel ist es, die Bedeutung der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft in der breiten Bevölkerung zu verankern und so – im Sinne der UNESCO – zu deren Schutz beizutragen. Ein erster Schlüssel dazu ist die Internetseite www.kulturerbe- friedhof.de, die umfassend über das Erbe informiert. In Lisdorf und in den anderen Stadtteilen von Saarlouis sowie in den meisten Orten unserer Heimat hat die Friedhofskultur eine hohe Bedeutung. Das kann man über das ganze Jahr auf den Friedhöfen feststellen, besonders an Allerheiligen. (Heiner Groß) 9
  • 10. 10 Eine Linde für Gerlinde Die Frauenbeauftrage und der Frauenbeirat der Kreisstadt Saarlouis starteten in diesem Herbst eine Baumpflanzaktion, um besondere Frauen der Stadt für ihr wertvolles und gesamtgesellschaftliches Enga- gement zu würdigen. Ein erster Baum, eine Linde, wurde in Lisdorf an der Grundschule Professor-Ecker gepflanzt. Der Platz des Baumes im dortigen Schulgar- ten war jedoch kein Zufall. Geehrt wurde mit dieser Linde eine ganz besondere Frau, die für die Grundschule und den Schulkindergarten in Lisdorf eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Gerlinde Ney hat fast 40 Jahre lang den Schulkindergarten mit auf- gebaut und mit viel Engagement geleitet. Heute, 14 Jahre nachdem sie in Rente ging, ist sie immer noch ehrenamtlich als Lesepatin an der Schule tätig.„Darauf sind wir besonders stolz!“, bemerkte Birgit Klein, die Schulleiterin der Grundschule. Auch Sie richtete einige Worte an Gerlinde Ney um sich bei ihr für das Engagement, das immer im Sinne der Kinder und der Schule war, zu bedanken.„Es ist uns sehr wichtig Frauen mit ihren Lebensleistungen und als Vorbilder in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu bringen“, sagte Sigrid Gehl, die Frauenbeauftrage der Kreisstadt Saarlouis. Frauenbeirat und Frauenbeauftragte wollen mit diesen Ehrungen die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Frauenförderung verei- nen. Im Frühjahr 2021 soll eine weitere Baumpflanzaktion stattfinden. Der Termin in der Grundschule Lisdorf wurde von Bürgermeisterin Marion Jost und Mitgliedern des Frauenbeirates begleitet. Die Koordination mit den Grundschulen übernahm Annette Helfen. Beim Pflanzen des Baumes stand die Grünflächenabteilung des Neuen Betriebshofes Saarlouis mit Rat und Tat zur Seite. (Bericht Pressestelle Stadt) Trotz Corona-Krise — in Lisdorf tut sich was! Qualitätsprüfung für Backwaren in der Bäckerei Bernd Breininger Jährlich führt die Bäckerinnung des Saarlandes in Verbindung mit dem Deutschen Institut für Qualitätssicherung von Backwaren eine Qualitätsprüfung von Brot und Brötchen im Saarland durch. Anfang August fand die diesjährige Prüfung in der Bäckerei Breininger in der Feldstraße in Lisdorf statt. Bäckermeister Bernd Breininger ist Innungsmeis- ter im Kreis Saarlouis. Zu der Veranstaltung, die schon zum wiederholten Male in seinem Haus stattfand, konnte er den Brotprüfer Karl-Ernst Schmalz vom deutschen Brotinstitut, den Landesinnungsmeister Hans-Jörg Kleinbauer aus Saarbrücken sowie fünf Bäckermeister aus dem ganzen Saarland begrüßen. Mehr als 70 Brote und Brötchen aus acht saarländischen Bäckereien wurden zur Prüfung eingereicht, darunter auch das Flûte und das Roggen- und Mischbrot von Bäckermeister Bernd Breininger. Alle vorgelegten Backwaren wurden von dem amtlichen Prüfer K.-E. Schmalz sorgfältig auf Aussehen, Geruch, Geschmack, Kruste, Krume und Schnittfes- tigkeit geprüft. 33 Brote und 16 Brötchen wurden mit„sehr gut“ und 10 Brote und 7 Brötchen mit„gut“ ausgezeich- net. Das spricht für die Qualitätsmaßstäbe unserer Bäckermeister. Bernd Breininger freute sich über die Auszeich- nung. Sein Kommentar zum Abschluss:„Was gibt es Geileres als ein gutes Brot?“ Die Liste der prämierten Brote und Brötchen ist auf der Homepage www.brottest.de veröffentlicht. Heidrun Kley-Baltes öffnete ihre Gartentür in der Saarstraße Am„Tag der offenen Gartentür“, der in diesem Jahr Corona bedingt erst am Sonntag, 30. August, stattfand, beteiligte sich – wir auch schon im vergangenen Jahr – die Künstlerin Heidrun Kley-Baltes aus der Saarstraße Nr. 12. Ihr 1898 erbautes Haus hat sie stilgerecht renoviert und ein Künstleratelier eingerichtet. Der kleine Garten ist liebevoll und kunstvoll gestaltet mit zahlreichen Skulpturen, einem Teich, Kieswegen und Sitzgruppen, umrahmt von Buchshecken, Rosen, Hortensien und Stauden. Heidrun Kley-Baltes führte ihre Besucher nicht nur durch ihren schönen Garten, sondern bewirtete sie auch mit kulinarischen Köstlichkeiten. Sie kann kontaktiert werden unter Tel. 4877717 und www.kley-baltes.de. Gerlinde Ney (vorne) neben der für sie gepflanzten Linde, zusammen mit Sigrid Gehl, BM Marion Jost und Schulleiterin Birgit Klein (v.l.n.r.) Foto: Sophia Bonnaire
  • 11. 11 Der Verein zur Förderung der ambulanten Krankenpfle- ge Saarlouis/Saarwellingen e.V. wurde im Zusammen- hang mit der Einrichtung der kirchlichen Sozialstation in Roden durch die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Saarlouis und der Ge- meinde Saarwellingen in den achtziger Jahren gegrün- det. Ein großer Förderer beider Institutionen war da- mals Pastor Ernst Seiwert in Lisdorf zusammen mit den Ehrenamtlichen aus der Pfarrgemeinde. In den übrigen Pfarreien war es ähnlich, so dass die Sozialstation in der Donatusstraße in Roden ihre Arbeit auf breiter Ebene aufnehmen konnte. Der Förderverein konnte einen enormen Zulauf verzeichnen und umfasst mittlerweile über 3000 Mitglieder. Aufgrund dieser großen Mitgliederzahl erfolgt die Ein- ladung zur jährlichen Mitgliederversammlung über die Presse. In diesem Jahr musste die Mitgliederversamm- lung aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation abge- sagt und auf das Frühjahr 2021 verschoben werden. Der Förderverein wird geführt von einem aus sieben Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat. Vorsitzender des Verwaltungsrates war bis zum 5.10.2020 Günter Fontaine aus Saarlouis-Steinrausch, der plötzlich und unerwartet im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Stell- vertretender Vorsitzender ist Norbert Zell aus Lisdorf. Weitere Verwaltungsratsmitglieder aus Lisdorf sind Klaus Hild und Bärbel Krämer. Geschäftsführerin des Fördervereins mit Sitz im Gebäude der Sozialstation in der Donatusstraße 36 in Roden (Tel. 06831-919514) ist die Lisdorferin Ilse Zell-Körner. Sie ist die Mutter unse- rer Apothekerin und Pharmazierätin Kristina Schmadel- Zell. Bei der kirchlichen Sozialstation gab es unlängst ebenfalls eine Änderung. Neben den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Saarlouis und Saarwellingen ist auch der Caritas-Kreisverband Saar- louis in die Trägerschaft eingestiegen. Das entlastet die Kirchengemeinden und gewährleistet eine sichere finanzielle Absicherung der Sozialstation. (Heiner Groß) Änderungen beim Verein zur Förderung der ambulanten Krankenpflege Saarlouis/Saarwellingen e.V. und bei der kirchlichen Sozialstation Damit Sie im Pflegefall zu Hause bleiben können Finanzielle Entlastung bei der Pflege und Betreuung mit unserem Verbundpartner Caritas-Kirchliche Sozialstation Werden Sie Mitglied! Telefon: 06831-91 95-14 • www.sozialstation-saarlouis.de E-Mail: foerderverein@sozialstation-saarlouis.de 11
  • 12. Verfasser: Dr. Franz J. Klein In den letzten Kriegsmonaten, oft mehrmals täglich, bei Tag und bei Nacht, ertönt das schrille Geheul von Luftschutzsirenen: • Dreimal hoher Dauerton von je 12 Sekunden mit zweimal 12 Sekunden Pause: Öffentliche Luft- warnung (Voralarm). • Eine Minute lang auf- und abschwellender Heul- ton: Fliegeralarm. • Kurzer Alarmstoß, bestehend aus zwei Heulperio- den der Sirenen mit einer Gesamtdauer von acht Sekunden: Akute Luftgefahr. Wegen der unmittelbaren Gefahr war jetzt das sofor- tige Aufsuchen der nächsten Luftschutzräume Pflicht. Oft folgt daraufhin das laute Sperrfeuer der deutschen Flakartillerie gegen die einfliegenden Feindflugzeuge. • Die„Akute Luftgefahr“ wird aufgehoben durch das Signal Vorentwarnung: dreimal wiederholter Dau- erton (wie„Öffentliche Luftwarnung“). • Dann hoffentlich, möglichst schnell, eine Minute lang Dauerton: Entwarnung. Mit dieser schrecklichen Geräuschkulisse mussten nicht nur die Menschen in den deutschen Großstädten leben. Auch Saarlautern, wie Saarlouis ab 1936 hieß, blieb von 1942 bis Anfang 1945 davon nicht verschont. Saarbrücken und sein Verschiebebahnhof galten als wichtige Drehscheibe für deutsche Truppenbewegun- gen und wurden deshalb im Kriegsverlauf 32 Mal aus der Luft attackiert. Bei einem Nachtangriff der britischen Royal Air Force (RAF) mit 291 viermotorigen Lancaster-, Halifax- und Stirling-Bombern auf die Stadt am 29./30. Juli 1942 scherte ein wahrscheinlich beschädigtes Bombenflug- zeug aus der Formation aus. Es ist anzunehmen, dass es sich um einen Notabwurf handelte, als der Brite seine Last über Lisdorf und Umgebung ablud. Die RAF griff dann in der Nacht vom 1./2. September 1942 Saarlautern und Dillingen gezielt an. 71 Men- schenleben waren zu beklagen. Spätere Erkenntnisse machten deutlich: womöglich wurden die Städte im mittleren Saartal irrtümlich anstelle von Saarbrücken anvisiert. Die dem Pulk vorweg fliegenden„Pfadfinder- Maschinen“ hatten ihre Ziel-Leuchtmarkierungen, im Volksmund„Christbäume“ genannt, falsch abgewor- fen. Als Ursache dafür können die schwierige Nacht- Navigation und womöglich die nicht ausreichenden Verdunkelungsmaßnahmen in den Stadtgebieten her- geleitet werden. Die Zeitbomben ticken weiter! Lisdorf ist Anfang 1945 übersät von Bomben- und Granattrichtern. Der Bombenschacht einer britischen Avro Lancaster wird mit einer Luftmine und Brandbomben-Bündeln bestückt. Wikipedia ®, gemeinfrei. 12 Eine amerikanische Boeing B-17G 2 ‚Flying Fortress‘ beim Entladen ihrer tödlichen Sprengbomben-Fracht. Wikipedia ®, gemeinfrei.
  • 13. 13 Die US-amerikanische USAAF flog am Vormittag des 4. Oktober 1943 einen Angriff auf Frankfurt, Hed- dernheim (Propellerfabrik) und die kriegswichtigen Dunlop-Reifen-Werke in Hanau. Wegen der schlechten Wetter- und Sichtverhältnisse im Zielgebiet drehte der Verband ab und die B-17-Bomber änderten ihren Kurs. Ihre Ausweichziele waren unter anderem Saargemünd, St. Dizier (deutscher Fliegerhorst), Saarbrücken und leider auch Saarlautern (siehe Lisdorfer Heimatblatt Nr. 30/2020, S. 28). Auf hauptsächlich freies Gelände zwi- schen Hülzweiler, Ensdorf und Fraulautern fiel der erste Bombenteppich. Die zweite und dritte Welle trafen die südlichen Teile der Lisdorfer Au und der Innenstadt bis hin zu den Gartenreihen. Zeitzeugen berichten, dass die Kraterlandschaft in der„Gemüsekammer des Saar- landes“ aussah wie ein„Schweizer Käse“. Über drei Monate lang in der Frontlinie. Die Kämpfe um die„Zitadelle von Saarlautern“ von Anfang Dezember 1944 bis Mitte März 1945, ins- besondere die dramatischen Ereignisse und das Aufeinandertreffen mehrerer Infanterie-Regimenter des XII. US-Army Corps auf die massiv ausgebauten Verteidigungsstellungen der Wehrmacht im Bereich Lisdorf/Ensdorf (Westwall) schildert eine Dokumen- tation des VHL (siehe Quelle 1). Am 2. Dezember 1944 zogen sich die letzten deutschen Panzer- und Infanterie-Verbände über die Lisdorfer Saarbrücke zurück. Gegen 15 Uhr flog diese dann in die Luft; unklar ist, ob durch die Bombardierung US-amerika- nischer Jabos oder durch ein deutsches Sprengkom- mando. Was folgte, war der wochenlange Beschuss des jeweiligen Gegners über die Saar hinweg mit Infanterie- und Artillerie-Waffen aller Art und beider- seitiger Luftunterstützung mit Bordwaffen, Bomben und Raketengeschossen. Was war der Grund für das Verharren der Front? — In einer letzten verzweifelten Entscheidungsschlacht, Mitte Dezember 1944, hatte die deutsche Führung ver- sucht, mit 600 Panzern, 1.900 Geschützen und durch die Mobilisierung starker Infanteriereserven, eine Wende im Kriegsverlauf herbeizuführen. Das Ziel der erbitterten Kämpfe in den bewaldeten und unwegsa- men Ardennen war die Rückeroberung der belgischen Hafenstadt Antwerpen, um die westalliierten Armeen von ihrem Nachschub abzuschneiden. Zur Planung einer Gegenoffensive waren die von diesem massiven letzten deutschen Aufgebot völlig überraschten Gegner gezwungen, einen großen Teil ihrer Fronttruppen aus unserer Region nach Nordwesten zurückzuverlagern. Militärische Fehleinschätzungen und erhebliche Nach- schubprobleme, vor allem beim Treibstoff, sind es Nach dem Bombardement am 4. Oktober 1943: Unbewohnbare Häuser am heutigen Busbahnhof, süd-westlich vom ‚Kleinen Markt‘ in Saarlouis. Foto: Sammlung Karl Hans, Archiv VHL. 13
  • 14. 14 aber auf deutscher Seite, die nach etwa sechs Wochen schließlich zum Scheitern der„Ardennen-Offensive“ führen. Der alliierte Vormarsch an der Saar kam aber, wie beschrieben, im Winter 1944/45 für mehrere Wochen ins Stocken. Die Stellungskämpfe in unserer Heimat zogen sich hin. Überbleibsel der Kampfhandlungen Durch das Explodieren unentdeckter Tretminen und das Hantieren von Kindern und Jugendlichen mit herumliegenden Handgranaten waren unmittelbar nach dem Krieg in Lisdorf mehrere Menschenleben zu beklagen. Die zuständige französische Militärverwaltung listet für Lisdorf allein im Jahr 1945 die Beseitigung von 17 Granaten unterschiedlicher Kaliber auf. Auch 25 Minen wurden im Bereich der„Mittleren Aue“ geräumt. Selbst Jahrzehnte später fanden sich beim Ausbau der Saar zur Großschifffahrtsstraße in den 1970er, 1980er und 1990er-Jahren Unmengen an Gewehrmunition, Grana- ten, Minen und sogar Fliegerbomben. Mitte Februar 2020 stieß man bei Ausschachtungsar- beiten zu einem Wohnhaus-Neubau in der Großstraße, gegenüber der Einmündung zur Gloriastraße, auf zwei noch immer scharfe amerikanische Gewehrgranaten. Die Polizeiinspektion Saarlouis und der alarmierte Kampfmittelbeseitigungsdienst des Saarlandes sorg- ten für die Sicherstellung sowie die Bergung, Entschär- fung und Vernichtung. Die zerschossene Kuppel eines Westwallbunkers in der Marien- burgstraße in Ensdorf. Foto: Sammlung Günter Mang, Archiv VHL. Die Kampfmittelbelastungskarte„Dokumentation von Kriegsereignissen 1939-1945“ , Landesvermessungs- amt des Saarlandes (siehe Quelle 2), vermittelt einen Eindruck von den umfangreichen deutschen Abwehr- stellungen rechts der Saar, den Minenfeldern Anfang Dezember 1944 und den vielen Bomben- und Granat- trichtern (* Durchmesser > 5 m, • Durchmesser < 5 m) in der Region. Die Gefahr lauert immer noch im Boden oder unter Wasser. Werden Bebauungspläne erstellt, so wird zur Gefahren- abwehr bei eventuellen Funden von Kriegsmunition der Kampfmittelbeseitigungsdienst eingeschaltet. Die Auswertung von Kriegsluftbildern kann dazu führen, dass vor Beginn der Erdarbeiten das vorsorgliche Absu- chen einer munitionsgefährdeten Fläche veranlasst werden muss. Regelmäßig berichten die Medien über Bombenfunde. Oft ordnen die die Behörden dann, vor den Entschär- fungs- oder sogar Sprengmaßnahmen, die Evakuie- rung ganzer Stadtteile an. Nicht detonierte Kampfmittel (Blindgänger) sind, mehr als 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, ein immer noch ernst zu nehmendes Problem. Experten schätzen, dass etwa 20 % der von alliierten Flugzeugen abge- worfenen Bomben Blindgänger waren. In absoluten Zahlen entspricht dies mehr als 250.000 dieser Kriegs- hinterlassenschaften in ganz Deutschland. Zwar konn- ten viele in den letzten Jahren entdeckt und entschärft werden. Mit Sicherheit liegt aber ein großer Teil von ihnen gegenwärtig noch immer tief im Boden. Die beschriebene Kennzeichnung der Einschlagtrichter in Lisdorf sollte auch uns auf das nicht kalkulierbare Gefahrenpotenzial aufmerksam machen. Ein US-amerikanisches 155 mm GMC M12-Geschütz. Wikipedia ®, gemeinfrei. 1 4
  • 15. 15 Karte 6606, Teilauszug Karte 6706, Teilauszug Wenn man, wo auch immer, auf Bombenblindgänger oder Waffen- und Munitionsgegenstände trifft, gilt der eindringliche Appell: Hände weg und sofort die Polizei verständigen! Wer ohne die erforderliche Sachkenntnis mit Kampf- mitteln hantiert, gefährdet sein eigenes Leben und häufig auch das Leben anderer. Unmittelbar nach den beiden Weltkriegen wurden unvorstellbar große Mengen an Kampfmitteln einfach in die Nord- und die Ostsee verklappt. Aufgrund der fortschreitenden Korrosion der Metallummantelungen müssen, durch das mögliche Austreten von Schadstof- fen und Giften, zukünftig nicht unerhebliche Umwelt- belastungen befürchtet werden. Für die Bergung und fachgerechte Beseitigung von Weltkriegs-Kampfmitteln teilen sich Bund und Länder die Kosten von jährlich etwa 60 Mio. Euro. Bereits jetzt ist absehbar, dass sich bundesweit wohl noch weitere Generationen mit den Überresten der beiden Weltkriege beschäftigen müssen. 15
  • 16. 16 Quellen: (1) Verein für Heimatkunde Lisdorf (VHL) e.V.: Letzte Zufluchtstätte: Der Felsenstollen Rosenthal. Das Kriegsende in Lisdorf. Eigenverlag, Saarlouis (2002). (2) Dokumentation von Kriegsereignissen 1939 - 1945. Herausgeber: Minister des Innern, Landesvermessungsamt des Saarlandes 1965, Ausgaben 1985/86. Ausschnitte aus den Topographischen Karten 25, Blatt 6606 und Blatt 6706, M = 1:25.000. Mit freundlicher Genehmigung durch das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung, Von der Heydt 22, 66115 Saarbrücken. Genehmigungsvermerk: Geobasisdaten, © LVGL TKA 792/2021. Eine deutsche 8,8 cm-Flakbatterie in Feuerstellung. Wikipedia ®, gemeinfrei. Die beim Gegner gefürchtete ‚Acht-Acht‘ konnte auch als Feldkanone und zur Panzer-Abwehr eingesetzt wer- den. Etliche Geschütze dieses Kalibers beschossen von Ensdorf und Bous aus die amerikanischen Stellungen auf der linken Saarseite, was auch zu zivilen Opfern in Lisdorf führte.
  • 17. 17 Am Mühlenbach, hinter der Provinzialstraße Rich- tung Bauernhof Welsch, wo heute der Mühlenbach renaturiert wurde, spielten wir als Kinder und fingen mit Netzen Stichlinge aus dem Bach. Dabei fanden wir eines Tages zwei verrostete Me- tallgegenstände, ca. 20 cm lang, zylindrisch. Für uns Kinder sehr interessant. Wir nahmen die beiden Fundstücke mit nach Hause und ich wollte diese bei uns in der Werkstatt auf der Werkbank näher betrachten und den Rost mit dem Hammer entfernen. Gott sei Dank kam mein Vater. Er er- kannte sofort, dass diese Metallzylinder Granaten aus dem 2. Weltkrieg waren. Mit einem Klaps war unser Abenteuer jäh beendet und der Minenräum- dienst wurde verständigt. Diese fanden noch 3 weitere Granaten in der Nähe unseres Fundortes. Herbert Germann Fundstücke von früher Als 12 /13 jährige Halbstarke stromerten wir Ende der 1960er Jahre nach der Schule meist auf der Werth herum. Dort bauten wir Buden und versuch- ten im Hochsommer bei Niedrigwasser der Saar auf die Ensdorfer Seite zu gelangen und fremdes Revier zu erobern. Bei einer dieser Touren fanden wir am Krippchen (früher eine Furth durch die Saar in der Verlän- Anekdoten aus der Redaktion 17 gerung der Prof.-Ecker-Straße) im Schlick eine Granate aus dem 2. Weltkrieg. Für uns zwar sehr interessant, doch wussten wir von unseren Eltern, dass ein Montieren daran sehr gefährlich sei. Also beschlossen mein Freund Hans-Werner „Alu“ Neis und ich, dass wir diese Granate zu unserem Dorfpolizisten Schuckmehl bringen sollten. Wir luden die Granate vorsichtig auf den Gepäckträger des Fahrrades und fuhren schnurstracks zum Polizeirevier im alten Schul- gebäude. Auf dem Schulhof angekommen tru- gen wir die Granate „vorsichtig“ in die Wache. Als der Dorfpolizist Schuckmehl erkannte was wir ihm da brachten, wechselte er die Gesichts- farbe und schickte uns nach draußen. Nachdem er einige Telefonate getätigt hatte kam auch er raus und schärfte uns ein, dass wir das nie wieder machen sollten. Wir konnten dann einen riesigen Auflauf an Polizei beobachten und erklärten jedem der herbeigeeilten Kinder, was wir tolles gemacht hatten. Zu Hause angekommen war es allerdings nicht mehr so toll. Unsere „Heldentat“ hatte sich natürlich herumgesprochen und unsere Väter erklärten uns „sehr eindringlich und handfest“, was alles hätte passieren können. Deshalb sam- melten wir danach nur noch normale Patronen, die wir im Saarbett fanden. Georg Jungmann "Krieg ist zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, dass es dem anderen auc hnicht besser geht und schließlich die Überraschung, dass es beiden schlechter geht." Karl Kraus österr. Publizist und Satiriker (1874-1936)
  • 18. 18 Heimat verbunden Frau Hannelore Altmeyer, geb. Wax, jetzt wohnhaft im bayerischen Sauerlach, hat dem Verein für Heimatkunde Lis- dorf drei Bände der Katholischen Hausbibel von Prof. Jakob Ecker aus den Jahren 1904/1905 gespendet. Die Bücher wurden unserem stellvertretrenden Vorsitzenden Lothar Hirtz zugeschickt. Frau Altmeyer hat die antiquarischen Bücher von Ihrer Mutter Margarete Wax, die mit Prof. Jakob Ecker verwandt war, geerbt. Im ersten Band wird die Biblische Geschichte des Alten Testamentes Erste Hälfte von der Erschaffung der Welt bis zum Tode Davids beschrieben. Im zweiten Band beschreibt Prof. Ecker die Biblische Geschichte des Alten Testamentes Zweite Hälfte vom Regie- rungsantritt Salomons bis zum Schluss der Makkabäerzeit. Der dritte Band der 1905 erschienen ist behandelt das Neue Testament. Wir bedanken uns bei der Spenderin und schicken liebe Grüße aus der alten Heimat nach Bayern. Werden Sie Mitglied im VHL Wir sind der mitgliederstärkste heimatkundliche Verein des Saarlandes. Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit. Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf heimatkunde@lisdorf.de
  • 19. 19 Text und Fotos von August Balthasar Das große Hochwasser im April/ Mai 1970 in der Saarstraße Hochwasser in Lisdorf August Balthasar mit Tochter Petra Hochwasser in der Großstraße an den Häusern Nr. 71–73; der Dorfplatz war eine Insel Ehefrau Margarethe Balthasar geb. Hans, rechts davon im Bild Hans Lonsdorfer (heute verstorben), verheiratet mit Anni Lonsdorfer, Provinzialstraße 116. Ecke Schmidtschangs – Gässchen zur Saarstraße, heute Ecke Großstraße 79 – Saarstraße 19 Elisabeth Jacob Bevor die Saar schiffbar und begradigt wurde gab es in Lisdorf fast jedes Jahr Hochwasser. Manchmal sogar zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Meine Großeltern wohnten in der Saarstraße. Ihr Garten grenzte an die Saar und somit waren sie jedes Mal vom steigenden Wasser betroffen. Da sie vom Gemüsebau lebten war es immer schmerzhaft mitansehen zu müssen, wie das Wasser sich im Garten ausbreitete. Im Frühjahr wurden die Frühbeete (Kuschen) eingesät und die Gemüsepflanzen, wenn sie die richtige Größe hatten, in Zeitungspapier eingepackt und verkauft. Die meisten Kunden waren Frauen aus Lisdorf, die auf den Wochenmarkt gingen um ihr Einkommen ein wenig aufzubessern. Durch das Hochwasser waren die Pflanzen unbrauchbar, denn der Schlamm, den das Wasser mitführte, legte sich auf die Blätter und die zarten Pflänzchen waren umgeknickt und kaputt. Vom Garten aus musste man einige Stufen hoch gehen um in das Haus meiner Großeltern zu kommen. Oft stand das Wasser bis zur obersten Stufe , dann war die Angst groß, dass das Wasser auch noch in die Küche läuft. Im Jahr 1970 war die Saarstraße komplett überflutet. Das Wasser reichte bis zur Großstraße. Als Jugendliche fan- den wir das aufregend. Wenn wir die Großeltern besuchten fuhren wir mit einem kleinen Boot zu ihrem Haus. Für die Erwachsenen war die Sache nicht so lustig, aber auch sie machten das Beste daraus. August Balthasar, der zu dieser Zeit noch in der Saarstraße wohnte, hat uns seine Erinnerungen in Bild und Text zur Verfügung gestellt. Wir vom Arbeitskreis Mundart bedanken uns recht herzlich und freuen uns seine Eindrü- cke hier zu veröffentlichen.
  • 20. 20 Der Hochwasserstand im April/Mai 1970 und der Hochwasserstand zum Jahreswechsel 1947/1948 in der Saarstraße in Lisdorf waren in meinem Elternhaus in der Saarstraße (Bild Nr. 37) beide etwa gleich hoch gewesen, nämlich 1 cm unterhalb der Oberkante der Hauseingangsstufe im Erdgeschoss. Noch etwas höher, und das Wasser der Saar hätte unsere Wohnung im Erd- geschoss überflutet. Die Stände dieser beiden großen Hochwasser vom Jahreswechsel 1947/48 und April/Mai 1970 sind auf dem großen Markt am alten Kommandantur-Gebäude (jetzt Buchhandlung Pieper) rechts vom Haupteingang markiert. Die Marke von 1947/48 zeigt Höchststand von 1.05 Meter über dem Marktplatz vom 30.12.1947 an. Zusätzlich ist darüber noch die„Rekordmarke“ von Februar 1784 markiert, die noch deutlich höher war. Der Hochwasserstand im April/Mai 1970 und der Hochwasserstand zum Jahreswechsel 1947/1948 in der Saarstraße in Lisdorf waren in meinem Elternhaus in der Saarstraße (Bild Nr. 37) beide etwa gleich hoch gewesen, nämlich 1 cm unterhalb der Oberkante der Hauseingangsstufe im Erdgeschoss. Noch etwas höher, und das Wasser der Saar hätte unsere Wohnung im Erd- geschoss überflutet. Die Stände dieser beiden großen Hochwasser vom Jahreswechsel 1947/48 und April/Mai 1970 sind auf dem großen Markt am alten Kommandantur-Gebäude (jetzt Buchhandlung Pieper) rechts vom Haupteingang markiert. Die Marke von 1947/48 zeigt Höchststand von 1.05 Meter über dem Marktplatz vom 30.12.1947 an. Zusätzlich ist darüber noch die„Rekordmarke“ von Februar 1784 markiert, die noch deutlich höher war. Die Saar bei Niedrigwasser 1964 Dieses Bild wurde im Sommer 1964 aufgenommen in Lisdorf bei„Hof-Saar“. Das wenige Flusswasser der Saar, links unten im Bild an der Ensdorfer Uferseite noch zu erkennen, läuft wie ein kleines Rinnsaal dahin. Ein solches extremes Niedrigwasser, wie es hier zu sehen ist, gab es auch schon in früheren Jahrhunderten. Des öfteren konnte man die Saar im Sommer im Bereich „Hof - Saar“, jetzt am Ende der Professor-Ecker-Straße, bei Niedrigwasser barfuss durchwaten. An dieser Stelle der Saar waren beide Ufer abgeflacht, sodass man mit Pferdefuhrwerken das Saarbett durchqueren konnte. Im Hintergrund des Bildes ist das Lisdorfer Schleusen- wehr und die Kleinbahnbrücke zu sehen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die gesprengte Brücke wieder neu hergerichtet; Es war eine Eisenbahnbrücke der Klein- bahn Wallerfangen- Saarlouis- Lisdorf - Ensdorf, die bei Lisdorf die Saar überquerte in Richtung Bahnhof Ensdorf. Auf dem folgenden Foto ist die Saar mit etwas mehr Flusswasser zu sehen. Im Hintergrund auf der Wasser- oberfläche erkennt man viel Schaum. Es ist der Schaum von synthetisch hergestellten Waschmitteln, den waschaktiven Substanzen der Wasch- und Reinigungs- mittel, die zu dieser Zeit meist noch ungeklärt in die Saar abgeleitet wurden und nicht von selbst biologisch abbaubar waren. Im Bild selbst sind im Hintergrund restliche Kalk- stein-Überbleibsel des sogenannten„Grippchen“ zu Hochwasser 1970 in der unteren Saarstraße rechts vorne: Haus Nr. 37, Schreinerei Hans Blasius, dahinter Haus Nr. 35, Lebensmittelladen Maria Lonsdorfer,dahinter Haus Nr. 33, Elternhaus August Balthasar, dahinter Haus Nr. 31, Haus des „Emmes Pitt“, dahinter Haus Nr. 29, Haus von Katharina Kneip geb. Amann, jetzt bewohnt von Familie Fritzinger 20
  • 21. 21 sehen. Dies war ein Niedrigwasser-Stauwehr, das den Wasserstand der Saar im Sommer um etwa 0,5 – 0,8 Meter ansteigen lassen konnte. Es war ein aus Gau- Kalksandstein hergestellter, quer zum Flussbett ver- laufender, sich nach oben verjüngender und abgerun- deter Damm, der sich von der Lisdorfer zur Ensdorfer Uferseite hin zog in etwa ¾ Breite des Flussbettes. Der Damm stammte aus der letzten Saar-Niedrigwasser- Regulierung von 1879. Auch die beiden Saarufer waren mit Kalksteinen ausgepflastert. Sie dienten der Kohle- schifffahrt saaraufwärts von Ensdorf über Luisenthal, Saarbrücken, Saargemünd über den Saar-Kohle-Kanal zum Rhein-Marne-Kanal und den Schiffen saarabwärts bis zur Mündung der Saar in die Mosel mit allgemeiner Richtung Rotterdam als fester Weg zum Treideln. Von Rotterdam aus gingen auch Waren aus Lisdorf in alle Welt ! Der Badestrand an der Saar An oder bei dem„Krippchen“ bei„Hof-Saar“, das war bis zum Sommer 1945 für uns Kinder ein idealer Bade- strand am Lisdorfer Ufer der Saar, ein schöner Badeort. Hier haben wir die ersten Schwimmversuche gewagt, für Nichtschwimmer auch oft ohne Badezeug. Und dann zuvor mussten wir erst einmal die„Leib“ und „Seelen- Hemdhose ausgezogen bekommen, bevor wir ins Wasser sprangen. Gemerkt haben unserer Eltern es dennoch an den Teerklumpen an Haut und Haa- ren, dass wir verbotenerweise gebadet hatten. Es gab bereits damals Verunreinigungen, die das Saarwasser mit sich führte, insbesondere Teerklumpen, die wir Kinder trotz eifrigem Schrubben nicht so leicht wieder entfernen konnten. Hier am„Krippchen“, am Badeort„Hof-Saar“, kamen beim Ausbaggern der Saar zur Großschifffahrtsstraße vor 1990 viele alte Eichenstämme zu Tage. Sie waren zum Vierkant zurechtgeschlagen im Querschnitt von etwa 40 x 40 cm und 4 – 6 Meter lang. Die mächtigen Eichenbalken stammten aus der Zeit vor dem 16. Jahr- hundert, als hier eine Schiffsanlegestelle war zum Ver- laden der Lisdorfer Abgaben, insbesondere Gemüse, für den Grundherren von Lisdorf, die Abtei Wadgassen. Dazu ergänzt noch Schulrektor Johann Goergen in sei- nen Lisdorfer Geschichten:„Außerdem führte von die- ser Stelle aus eine Rampe ins Dorf. Die Rampe wurde im Jahre 1681 angelegt“. Der Ausbau der Saar zur Großschifffahrt- straße Das neue Flussbett der Saar wurde 1990/91 auf 4 Meter vertieft, mit gelbem Sand vom Lisdorfer Berg aufgefüllt und maschinell verfestigt. Der Durchstich zum neuen Flussbett erfolgte am 13/14. Juli 1991. Durch die Verkürzung des Flussbettes in der Lisdorfer Au entstanden insgesamt 3 neuer Altarme der Saar, 2 bei Lisdorf links und rechts der neu verleg- ten Straße nach Ensdorf und der alte Lauf der Saar an Ensdorf vorbei als dritter; die Altarme wurden zum Biotop erklärt und sind heute ein kleines Paradies für Pflanzen und Tiere. Die alte Saarbrücke wurde anschlie- ßend abgebaut. Jeder erinnert sich noch heute an den Das Flussbett der Saar während des Ausbaggerns, gesehen von der alten Ensdorfer Brücke in Richtung der Lisdorfer Kirche. Untere linke Bildecke: Das einlaufende Grundwasser, ein klei- ner Bach, musste aus dem neuen Saarbett wieder ausgepumpt werden Im Vordergrund: Das neue Flussbett, rechts und links die aufgeschotterte Dammauffüllung, die darunter mit Kunststoff- Folie abgedichtet wurde. Bildmitte rechts: Die neue Schiffsanlegestelle in Lisdorf, im Hin- tergrund ist die Grundschule zu erkennen Bildmitte am Hintergrund: Das Lisdorfer Schleusenwehr, das bereits früher beim Bau des Ensdorfer Kraftwerkes zum Anstauen der Saar gebaut worden war. 21
  • 22. 22 gewaltigen Donner, als während der Demontage die dazu entsprechend präparierte Brücke in der Mitte einknickte und auf dem Boden aufschlug. Die Boden- Schlammmassen aus dem alten Saarbett wurden auf dem Lisdorfer Berg in der großen Aushubgrube depo- niert, aus der man den gelben Sand zum Anlegen des neuen Saarbettes entnommen hatte. Mit dem Lehm und dem Sandboden aus dem alten Saarbett wurde der Hochwasserdamm entlang der Saar aufgeschüttet. Die Saar im ihrem neuen Bett, fotografiert von der Verlade- rampe aus für die Aushubmassen bei „Hof-Saar“. Im Hintergrund ist noch ein mit Saarschlamm beladener Last- kahn zu erkennen. Dieser bringt noch die letzten Erdmassen mit vom Dammbau in der Lisdorfer Au bzw. der Herrichtung der Saar-Altarme. Die Greifvogelstation in Saarlouis-Lisdorf, Saarstraße („Em Ecken“) Von August Balthasar Franz-Josef Konstroffer, Jahrgang 1938, hat in seinem Garten (Hausnummer 38) in Lisdorf („Em Ecken“) im Jahre 1973 eine Greifvogelstation für Adler und Falken eingerichtet. Bis zum Tag seines Ablebens 2004 wurde diese Greifvogelstation von ihm selbst angelegt, un- terhalten und gepflegt. Noch bis zwei Monate danach konnten sein Frau Marie-Rose und ihr Sohn Sascha diese Greifvogelstation weiterführen. Nach dieser Zeit hat Marie-Rose den dann 38-jährigen asiatischen Stein- adler der Greifvogelstation in Neunkirchen übergeben. Marie-Rose und ihr Sohn Sascha haben den Steinadler noch zwei Jahre danach öfter besucht. Mit 40 Jahren ist dann dieser asiatische Steinadler, wie Marie-Rose vor Kurzem sagte, an Heimweh nach der alten Greifvo- gelstation in Lisdorf gestorben. Diese Art von Vogel- Tierhaltung ist heute nicht mehr erlaubt. 22
  • 23. 23 23 Diese Tiere in der Greifvogelstation Lisdorf wurden in tierpflegerischen Sinne nach den Vorschriften des Deutschen Naturschutzbundes gehalten, dem Franz Josef Konstroffer selbst als Mitglied angehörte. Vom staatlichen Umweltschutz und vom Umweltministe- rium muss eine solche Greifvogelstation auch geneh- migt sein. Bei ordnungsgemäßer Haltung erfolgt dann auch eine Beringung der Vögel. So hatte Franz Josef Konstroffer auch die Aufgabe des Beaufsichtigens und Überwachens der Lisdorfer Biotope im Bereich von IKEA und des Lisdorfer Saaraltarms übernommen. Asiatische Steinadler, Kaiseradler, Falken, Habichte und Bussarde waren hier auf seiner Greifvogelstation anzu- treffen. Zum Lebensunterhalt dieser Tiere hat er selbst Kaninchen aufgezogen und gehalten. Auch wurden von ihm illegal gehaltene Vögel in Pflege genommen, gesundgepflegt und wieder frei gelassen. Seine Frau Marie-Rose war ihm dabei liebevoll behilflich. Die Adler sind zur Beizjagd abgetragen, also ausgerich- tet auf Raubwild wie Fuchs, Marder und Katzen. Falken und Habichte sind abgetragen auf Niederwild wie Hase, Kaninchen und Flugwild wie zum Beispiel Ente, Fasan, Rebhuhn und Feldhuhn. Franz Josef Konstroffer war auch zur Jagd mit seinen Adlern und Falken im Jahre 1975 nach Österreich und in die Eifel gefahren. Die ARD war auch mit dabei und hat Aufnahmen für das Fernsehen aufgezeichnet, die auch später gesendet wurden. Der Steinadler wurde der freien Natur entnommen, also nicht in einer Vogelzuchtstation ausgebrütet und aufgezogen. Die asiatischen Steinadler werden 40-60 Jahre alt, sie haben eine Flügelspannweite von 2-3 Metern und ein Lebendgewicht von 5-10 kg. Sie können mit ihren Fän- gen, also ihren Fußkrallen, beim Zerreißen der Beute mit einer Kraft von 60-80 kg zupacken. Adler sind Greiftöter mit Reißharke und Schneide- schnabel. Selbst ein ausgewachsener Schäferhund hätte keine Chance, einem aus 100 Meter Höhe herab- stürzenden asiatischen Steinadler zu entkommen. Mit seinen Fängen packt er den Hund an der Schnauze und an Ober- und Unterkiefer, um ihm dann die vordere Brust aufzureißen und um ihn dann zu zerfleischen. Franz Josef Konstroffer hat zu seinen Lebzeiten unbe- wusst und vorsorglich vier Pappeln zur Beschattung des geplanten Dorf-Festplatzes noch selbst außerhalb seines Gartens auf dem früheren Gemüse-Verladeplatz der Lisdorfer Gemüsebauern an den Ufern der Saar angepflanzt. Zwei dieser vier Pappeln sind 1990 der Saar-Erweiterung zur europäischen Groß-Schifffahrts- straße zum Opfer gefallen. Albert Sieger, Saarstraße Nr. 19, hat diese Pappeln mit behördlicher Zustimmung selbst gefällt, zu Feuerholz zerkleinert und in seinem selbstgebauten Heizkessel verheizt. Die Greifvogelstation, ein asiatischer Steinadler und Franz-Josef Konstroffer "Uninteressante Dinge gibt es nicht; nur untinter- essierte Leute" G. K. Chesterton engl. Schriftsteller (1874-1936)
  • 24. 24 Von August Balthasar Im Bild sind zu sehen von rechts nach links: Johann Berdin, seine beide Söhne mit Pferd: Nikolaus Berdin (auf dem Pferd) und Jacob Berdin (vor den Pferden), links daneben die beiden Töchter: Katharina Ber- din (blieb ledig) und Margaretha Sieger geb. Berdin (Mutter von Edgar und Albert Sieger). Das Bild wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Albert Sieger, Saarstraße 19, Enkel von Johann Berdin. Dieses Bauerhauswar eines der ältesten Häuser in der Saarstraße und ist um die Zeit von 1928/1930 bereits erneuert und im Jahre 1937 umgebaut worden auf den heutigen Stand. Zu sehen ist hier dieses Haus nach 1928 und vor dem Umbau 1937. Die alte Bausubstanz dieser Bauernhäuser stammt aus früheren Zeiten. Das Haus war das Elternhaus meiner Ur-Großmutter Maria Kneip geb. Luxenburger (benannt rot Hannessen Marie, zu deutsch: dem rot- haarigen Johannes seine Maria). Das Haus wird jetzt bewohnt von der Familie Albert und Brigitte Sieger, das war„da Abbels Johann“ und seine Ehefrau„dat woaa edd Peekessen Greet“ (Johann Berdin und seine Ehefrau Margarethe geb. Groß). Sie hatten gegen Ende des 19. Jahrhunderts das kleine alte Bauernhaus (damals Fährgass, heute Saarstrasse 19) aus der Hinterlassenschaft des Jean Luxenburger –„da rot Hannes“ – (geb. 8.12.1810 und verheiratet mit Anna Schmitt, geb. 3.10.1809) erworben. Johann Kneip (geb. 8.8.1840) hatte 1864 in dieses Haus eingeheiratet. Sein Elternhaus stand als letztes Haus im Hador auf der rech- ten Seite hin zum Rosenthal und musste beim Bau der alten B 406 in den fünfziger Jahren abgerissen werden. Johann Kneip heiratete in erster Ehe 1864 Gertrud Luxenburger (geb. 14.01.1841, + 17.10.1869). Er war Gärtner in der Glasfabrik in Wadgassen. Das Einkommen reichte aber nicht und er ist deshalb ein- gefahren ins Bergwerk Kronprinz Friedrich-Wilhelm in Schwalbach-Griesborn und ist dort unter Tage am 28.09.1880 tödlich verunglückt (zu dieser Zeit war er bereits verheiratet mit Gertruds Schwester Maria). Aus dieser ersten Ehe entstammen die Kinder Maria Kneip (*1.7.1867 +8.1.1943) Sieblieb ledig, von ihr wird noch berichtet, genannt„de Goode“ Johann Kneip (*18.10.1864, +1907 tödlich verunglückt Grube La Houve Creutzwald). Er heiratete 1891 Gertrud Stutz (*9.10.1864, +1957 mit 93 Jahren). Die beiden hatten 10 Kinder, von denen 6 vordem ersten Lebensjahr verstarben und die anderen 4 das Erwachsenenalter erreichten. Dies waren: Josef Kneip (*1897 +1959) oo Anna Amann, Provinzi- alstraße 91, Ehe blieb kinderlos Franz Kneip (*1902 +1976) oo Maria Becker (+1976) ihr gehörte die Mühle auf der Holzmühle Maria Kneip (*1906 +1984) oo Peter Welsch (+1964?) Provinzialstraße 130 Die Nachkommen aus der ersten Ehe sind im Haus Saarstraße Nr. 19 geboren worden. Johann Kneip wurde auf dem alten Lisdorfer Friedhof auf Hof Saar (jetzt Professor-Ecker-Straße, zu dieser Zeit existierte dort noch kein Schulgebäude) zu Grabe getragen (nach Aussage der Groß- und Urgroßeltern). Zwischenzeitlich (1869-1872) hatte Gertrud und Maria Luxenburgers Tante Anna Denis (verheiratet, kinder- los) das Haus in der Saarstraße 33 gekauft und es ihrer Nichte Maria übereignet mit der Auflage, die Tochter der verstorbenen Schwester Gertrud, Maria Kneip (de Goode), mit Wohnrecht („Widem“) ins neu erworbene Haus mit zu übernehmen. Das Haus Saarstraße Nr. 19 „em Ecken“ 24
  • 25. 25 Johann Kneip und Maria Luxenburger Zweite Ehe des Johann Kneip, oo 1872 mit Maria Luxenburger (geb. 17.7.1847 +17.8.1925), genannt „edd rot Hannesen Maarie“, der Schwester von Gertrud! Folgende Nachkommen wurden im Haus Saarstraße Nr. 33 geboren (wie in der Erstausgabe des Lisdorfer Heimatblattes schon berichtet, in den Geschichten um den Gasthof Risler): Anna Kneip (*02.01.1875 +09.02.1989) Sie ist, wie an anderer Stelle beschrieben, an den Fol- gen eines Unfalls während einer Tanzveranstaltung verstorben (Siehe Heimatblatt Nr. 9/S29) Katharina Kneip (*05.12.1876 +28.01.1965) oo 1905 Peter Welsch (* 13.06.1879 +April 1947), es waren meine Großeltern. Lorenz Kneip (*20.02.1879 +1944) oo 1905 Margare- tha Johannes. Lorenz war Inhaber des Gasthofes in der Saarstraße 35, danach Besitzer des Gasthauses in der Saarstrasse 4. Die Nachkommen aus der zweiten Ehe mit Maria Luxenburger, der Schwester von Gertrud Luxenburger, sind im Haus Saarstraße Nr. 33 geboren worden. Am 28. September 1880 ist Johann Kneip von seiner Arbeit auf der Grube Kronprinz Friedrich-Wilhelm in Griesborn„nimma hemm kumm“ (nicht mehr nach Hause gekommen). Er verlor bei einem Arbeitsunfall unter Tage sein Leben und wurde auf dem alten Lis- dorfer Friedhof„Hof-Saar“ zu Grabe getragen. Sozial- fürsorge nach heutigen Maßstäben kannte man noch nicht und seine Witwe erwartete ein täglicher Kampf ums Dasein: „Da stand ich nun mutterseelenallein da mit den 3 Kin- dern meiner Schwester Gertrud, 13, 14 und 16 Jahre alt und den meinen noch dazu im Alter von 1, 4 und 5 Jahren. Wir wussten oft nicht, wo das täglich Brot für den nächs- ten Tag herkommen sollte. Anfangs gab es keine Rente, danach 25 Mark im Monat für uns alle. Ein paar Jahre später gab es für jedes Kind 3 Mark im Monat. Viel später kam eine geringe Unfallrente dazu. Dann hatte ich 38 Mark im Monat für eine 7-köpfige Familie als Lebensun- terhalt. Damit konnten wir nicht durchkommen. Auf dem Lisdorfer Berg, hinter dem Sportplatz, in den Dachslö- chern und im Taubental hatte ich Land geerbt und Kartof- feln gesetzt. Dort wo die Kartoffeln ausblieben, da haben wir noch Kohlrabisetzlinge dazwischen gesteckt“. „Über Sommer hatten wir 3 Geißen (Ziegen). Eine davon musste über den Winter gebracht werden. Im Obstgarten (Ortsteil von Lisdorf), das war früher ein richtig schöner, umzäunter Obstgarten mit vielen Obstbäumen und Sträuchern, es gab dort noch keine Häuser, so durften wir im Herbst nach der Obsternte unsere Ziegen dorthin zur Weide führen. Das Brot für uns habe ich in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg selbst in unserem Steinbackofen gebacken. „Datt hann mei Kinna nie gäaa gess“ (das haben meine Kinder nie gerne gegessen). Und Kuchen? Davon haben wir nur geträumt. Nach dem 1. Weltkrieg 1918 hatten wir noch Schweine dazu gehabt, dann ging es uns nach und nach etwas besser.“ So berichtete Maria Kneip geb. Luxenburger über ihr hartes Leben als Witwe mit 3 von der Schwester über- nommenen Kindern und dann noch 3 eigenen Kindern dazu. Zur Zeit des Arbeitsunfalls ihres Ehemannes kannte man im wilhelminischen Kaiserreich unter Bismarck noch kein Rentensystem; dieses wurde im Jahrzehnt nach 1880 aber schrittweise eingeführt und Maria bezog nach seiner Einführung eine kleine Wit- wen- und Unfallrente. Bis zu ihrem 73. Lebensjahr, also bis etwa 1920, hat„edd rot Hanessen Maarie“ so gear- beitet und ihr Land nach und nach verkauft, 5 Jahre danach ist sie im August 1925 verstorben. Es war die Zeit, als man das Wasser zum Waschen und Kochen noch selbst am Brunnen holen gehen musste, als das Feuer noch am Boden brannte, der Suppen- schwenktopf an der Zahnstange hin- und herschwang und je nach Bedarf die Zahnkette mit dem Suppentopf um mehrere Zähne höher oder tiefer verstellen konnte. Es war die Zeit, als die Wachskerzen die dunkle Nacht und die Spinnstube erhellten, als die kleinen Leute noch kein Wohn-, Ess- und Badezimmer kannten. All dies ist erst vor ein paar Generationen gewesen. „De Kneips - Goode“, die unverheiratete Tante Maria Kneip, geb. 01.07.1867, war die Tochter von Johann Kneip aus der ersten Ehe mit der früh verstorbenen Frau Gertrud und damit die Stieftochter der„rot Han- 25
  • 26. 26 nessen Maarie“. Sie lebte mit im gleichen Haushalt und hatte den„Widem“, das heißt, das Wohnrecht, im gleichen Haus, solange sie lebte, weil sie ihren Erban- teil aus dem Haus Nr. 19 von ihrer Mutter Margaretha dazu mit hineingebracht hatte. Ihren Lebensunterhalt hat„de Goode“ als Tagelöhnerin auf der Mühle Reinert in Lisdorf verdient„beim Baaia uff klään Trooh“ (beim Müller Reinert auf Klein-Trow – so die Gewannbe- zeichnung für das Gebiet, auf dem die Mühle stand). Vor dem ersten Weltkrieg, also vor 1914, hat sie dort im Tagelohn gearbeitet für 14 Groschen pro Tag; 12 Groschen, wenn das Mittagsessen in der Entlohnung enthalten war. Die„Goode“ hat auch für die Rentner, die ihr Geld in der damaligen Rentenauszahlungsstelle in Ensdorf nicht abholen konnten, die Rente dort abgeholt und ihnen für ein geringes Entgelt ins Haus gebracht. In der Notzeit im ersten Weltkrieg ist die „Goode“ an einem Tag zu Fuß hin und zurück ins dama- lige deutsche Schrecklingen gegangen, das waren insgesamt ca. 40 km, und hat dort Butter gehamstert, nicht umsonst, sondern im Tausch gegen Wäsche und andere Gebrauchsartikel. „De Goode“ - „Die Good“ althochdeutsch„Mutter in Gott“; Gott befohlen. Diese meist schon bei der Geburt, am Geburtstag des Kindes ernannte Ersatzmutter, das war meist eine ledig gebliebene Schwester der Mutter, eine der Tanten des Kindes, die„Mutter in Gott“. Das Wagnis einer jungen Frau, Mutter zu werden, war groß. Die hohe Müttersterblichkeit, vor allem durch das Kindbettfieber, ging einher mit einer hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit. Viele junge Menschen haben das 9. Lebensjahr nicht erreicht.„De Godd-Mudda se hat de kinna grooß gezoo“ (die Ersatzmutter, sie hat sich der Kinder angenommen und sie aufgezogen). „Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind, alle zusammen in der Stube sind“. Die Großfamilie gab den früheren Menschen den notwendigen Zusammenhalt im Leben, die großen Verlierer waren die Waisen: nach dem Tod der Eltern wurden sie meist, wenn kein Pate sie übernahm oder es nicht viel zu erben gab, aus dem Familienkreis ausgestoßen. Betroffen standen sie am Grabe ihrer Eltern; sie standen nun da und wenn sie nie- mand an die Hand nahm und ihnen ein neues Zuhause gab, dann mussten sie alle Arbeit tun, die ihnen aufge- tragen wurde. Es waren die„Höääscha–Kenna“. Schwere Kinderarbeit galt im Mittelalter als eine alltägliche Hilfs- arbeit, heute mit einer Sklavenarbeit vergleichbar. Erst nach der Französischen Revolution und dem Abbau der sozialen Gegensätze wurde es erträglicher. Mein Elternhaus in Saarlouis-Lisdorf, Saarstraße 33, ist seit 1870 durch den Erwerb der Tante von Maria Kneip- Luxenburger bis heute im Jahre 2020 in der sechsten Generation von meiner Tochter und deren Sohn in Familienbesitz. Wie gut kennen wir alle unsere Heimat - speziell unser Heimatdorf Lisdorf? Oft geht man durch die Straßen und nimmt verschiedene Details gar nicht richtig wahr. Wir wollen in einer neuen Rubrik„Fotorätsel“ den Blick für diese Details schärfen und dazu animieren, mit of- fenen Augen durchs Dorf zu gehen. Wir werden in den nächsten Ausgaben des Heimatblattes immer wieder Fotos aus den Straßen Lisdorfs veröffentlichen und unsere Leser um Lösung des dazugehörigen Rätsels bitten. Gewinner des Rätsels unserer letzten Ausgabe ist Herr Oliver Zimmer aus dem Fischerfeld. Seinen Gewinn haben wir bereits zugestellt. Auf dem Bild sehen wir einen neu installierten Tütenspen- der, der helfen soll, unser Dort sauber zu halten. Wer war in den letzten Wochen mit offene Augen spazieren und hat den Tütenspender entdeckt? Jetzt unsere Frage: In welcher Straße in Lisdorf befindet sich dieser Tütenspender? Die Lösung bitte per Karte an: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis oder per E-Mail: heimatkunde@lisdorf.de Den Gewinner eines Mundartbuches geben wir in der nächsten Ausgabe bekannt. Einsendeschluss 30. Juni 2021. Das VHL-Bilderrätsel
  • 27. 27 Nach über 50 Jahren und drei Generationen geht es für den Lisdorfer Landwirtschaftsbetrieb von Familie Dini, die vom St. Ingberter und St. Wendeler Wochenmarkt nicht mehr wegzudenken ist, in Ruhestand. Sein Groß- vater Johann Schmitt fuhr noch mit Pferd und Karren um 2 Uhr morgens ins südliche Saarland, bepackt mit frischem Gemüse aus der Lisdorfer Aue oder dem Lis- dorfer Berg. Gerhard Dini nahm dann ab 1985 einmal pro Woche auch den Weg nach St. Wendel zum Frucht- markt am Dom. Nach über 50 Jahren… Bei Judith und Gerhard Dini begann der Markttag bereits um 3 Uhr morgens um auf dem Saarbrücker Großmarkt Waren, die nicht selbst angebaut wurden, einzukaufen. Besonders beliebt waren auf den Märkten aber natürlich die Selbsterzeugnisse, je nach Saison, wie Bohnen, Kohlrabi, Blumenkohl, Rosenkohl,„Bett- saicher“, bis zu 7 verschiedene Salate und vieles mehr. Alleinstellungsmerkmale waren außerdem die selbst gezogenen und zu wunderschönen Sträußen verarbei- teten Bauernblumen. 27
  • 28. 28 Doch nicht nur die Qualität der Ware war dem Selbst- erzeuger, der bei Minusgraden im Winter und bei 40 Grad Celsius im Sommer hinter seinem Stand die Kund- schaft bediente, wichtig, sondern vor allem die Präsen- tation in Form der Markstandgestaltung, sowie auch der Kontakt zur Kundschaft. Egal ob Informationen über die Herkunft der Produkte, die Verarbeitung in Gerichten oder ein kurzer Plausch über Alltagsthemen – am Marktstand Dini gab es keine Massenabfertigung. Das sah auch die St. Ingberter Ortsvorsteherin Irene Kaiser so:„Ich werde die unvergleichlichen Kommenta- re, sowie die Koch- und Gartentipps, die im typischen Saarlouiser Slang gegeben wurde, sehr vermissen.“, sagte sie in„Die Rundschau“, dem offiziellen Meinungs- blatt St. Ingbert. Die Bürgermeisterin verabschiedete sich zudem am letzten Markttag des Jahres 2020 mit einem Präsentkorb.„Sie haben zum Flair des Marktes bedeutend beigetragen. Wir möchten sie nicht einfach so gehen lassen.“ Für den Marktstand wurde ein Nach- folger aus Bexbach gefunden. Mit besonderen Aktionen hat Familie Dini (zu den regelmäßigen Helfern hinterm Stand gehörten die Kinder Sarah und Dustin) immer wieder den Markt belebt. So wurde mehrmals ein schottischer Tag veran- staltet, bei dem der Stand besonders dekoriert wurde, auch die Männer hinterm Stand Röcke trugen und ein befreundeter Dudelsackpfeifer für schottische Klän- ge sorgte. Außerdem bot der Stand als Erster in der Coronakrise, von Tochter Sarah Hussong selbst kreierte Masken an. Nach 50 Jahren Landwirtschaft, Marktverkauf und 12-Stunden-Tage werden die Zeiten jetzt ruhiger. Die beiden Großeltern wollen jetzt mehr Zeit mit Kindern und Enkeln verbringen, sowie mit ihrem Hobby als Besucher auf verschiedenen Mittelaltermärkten im Südwesten der Republik mit entsprechender, zeitge- nössischer Gewandung. Der„Markt“ wird also weiter- hin im Leben der Familie Dini präsent sein. 28
  • 29. 29 Aufgrund der zurzeit herrschenden Corona-Pandemie hatte ich im Heimatblatt Nr. 30 nach Studium der einschlägigen Literatur einen Artikel zum Thema: „Pandemien und Epidemien in unserer Heimat – früher und heute!“ verfasst. Daraufhin haben mich mehrere Leser angerufen und mir ihre Anerkennung, aber auch ihre Besorgnis über die nun schon ein Jahr andauernde Corona-Pandemie geäußert. Bei einigen Anrufern habe ich eine deutliche Skepsis gegenüber dem neuartigen Coronaimpfstoff und generell gegen Impfungen fest- gestellt. Das veranlasst mich zu diesem Artikel. Meine Bemühungen zu erfahren, wieviele Personen sich in Lisdorf mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben und an COVID-19 verstorben sind, blieben verständlicherweise ohne Erfolg. Aufgrund der Ein- wohnerzahl von etwa 3.600 müssen es nach einem statistischen Abgleich zumindest bei den Infizierten doch eine ganze Reihe sein. Höchstwahrscheinlich sind aber auch einige der seit März 2020 in Lisdorf Ver- storbenen an oder mit Corona verstorben. Nachdem inzwischen mehrere Impfstoffe –wenn auch zunächst sehr begrenzt –zur Verfügung stehen und der von der heimischen Mainzer Firma Biontech mit der US- Firma Pfizer entwickelte Impfstoff derzeit hier verimpft wird, hat sich meines Erachtens die Impfbereitschaft deutlich erhöht. Dazu beigetragen haben sicherlich auch die täglichen Meldungen in Funk, Fernsehen und Presse über die weltweit vielen Infizierten und vor al- lem die drastische Zunahme der an und mit COVID-19 Verstorbenen. In meinem oben erwähnten Artikel über Pandemien und Epidemien, die auch unsere Heimat und speziell auch Lisdorf in der Vergangenheit heim- gesucht hatten, habe ich aufgezeigt, dass seitdem wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Viruser- krankungen zur Verfügung stehen, diese schlimmen Erkrankungen ihren Schrecken verloren haben. Durch die Entdeckung und den Einsatz von Impfstoffen sind bisher weltweit viele Millionen Leben gerettet worden, auch in unserer näheren Heimat und auch speziell in Lisdorf haben die Schutzimpfungen in Verbindung mit Auch in Lisdorf wurden viele Leben durch Impfungen gerettet! der verbesserten Hygiene viele Menschenleben geret- tet. Das ist auch durch die Coronaschutzimpfung zu erwarten. Es ist unverständlich, dass diese Methode zur Verhütung einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus noch viele Gegner und Skeptiker hat. Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit der Imp- fung mit dem neuartigen mRNA-Impfstoff der Firma Biontech und Pfizer, einem sogenannten Vakzin, im Impfzentrum Saarlouis kann ich jedem dringend emp- fehlen, sich impfen zu lassen. Wenn man die Geschichte des Impfens in Deutschland verfolgt, so war sie von Anfang an eine unbestreitbare Erfolgsgeschichte. Bereits als die deutsche Reichsre- gierung im Jahre 1874 die Pockenimpfung zur Pflicht erklärte, gab es dagegen Widerstand. Die Argumen- te sind bis heute ähnlich: Impfungen seien erstens gesundheitsschädlich oder zweitens nicht wirksam. 1869 wurden bereits Impfgegner-Organisationen in Deutschland in Leipzig und Stuttgart gegründet. In der Weimarer Republik hatte der Reichsbund zur Bekämp- fung der Impfung etwa 300.000 Mitglieder. Zu dieser Zeit wurden auch immer mal, durch mangelnde Hygi- ene und Unkenntnis, Krankheiten auch auf bereits ein- malig Geimpfte übertragen, auch mit Todesfällen. Das gab den Impfgegnern und Skeptikern Auftrieb. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts erkannte man, dass bisweilen eine Zweitimpfung nötig ist, um eine Immu- nität zu erreichen. Seither gibt es zur Verhütung von Infektionskrankheiten keine Alternative zur Impfung. Das ist auch bei COVID-19 so. Glücklicherweise sind in Rekordzeit Impfstoffe dagegen entwickelt worden und stehen uns seit Ende des Jahres 2020 zur Verfügung, wenn auch aufgrund des riesigen weltweiten Bedarfs zunächst nur eingeschränkt aber wohl spätestens Mitte des Jahres 2021 für alle. Abschließend noch einmal der Appell an alle, die nicht Opfer der Corona-Pandemie werden wollen: lassen Sie sich schnellstmöglich imp- fen! (Heiner Groß)
  • 30. 30 Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben obige englische Wörter mehr und mehr Einzug in unseren alltäglichen Sprachgebrauch gehalten. Vor allem durch Medien und Politik werden wir mit diesen Bezeichnun- gen laufend konfrontiert. Deshalb hier einige Ausfüh- rungen zum besseren Verständnis; Das englische Wort„Cluster“ bedeutet u.a. eine Grup- pe von Menschen oder eine Menschenansammlung. Cluster bedeutet also im Zusammenhang mit Covid 19 die Vermeidung von Menschenansammlungen. Das englische Wort„Lockdown“ bezieht sich ur- sprünglich auf eine Absperrung bzw. Versiegelung von Gebäuden und Bereichen. Bezogen auf Covid 19 bedeutet es die vorübergehende Schließung eines Unternehmens oder Betriebes sowie Ausgangssperre. Aktuell werden die beiden Wörter„Lockdown“ und „Shutdown“ synonym genutzt für eine Einschränkung des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftli- chen Lebens. Das Leibnitz-Institut für Deutsche Spra- che definiert„Lockdown“ in diesem Zusammenhang als„Zeitraum, in dem fast alle wirtschaftlichen und ge- sellschaftlichen Aktivitäten auf politische Anordnung hin stillgelegt sind (z.B. zum Infektionsschutz)“. Die am 28. Okt. 2020 beschlossenen Einschränkungen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und alle Minis- terpräsidenten/innen für November 2020 umfassen ein Verbot von„Cluster“ (Menschenansammlungen) sowie einen eingeschränkten„Lockdown“ und„Shutdown“ (Schließung von gastronomischen Betrieben). Unab- hängig von diesem Begriffswirrwarr bleibt zu hoffen, dass das„Corona-Jahr 2020“ nicht mit noch drastische- ren Einschränkungen enden wird. (Heiner Groß) Die englischen Wörter „Cluster, Lockdown, Shutdown“ haben seit der Corona-Pandemie Einzug in unsere Heimat gehalten Machen Sie sich oder einem anderen ein schönes Geschenk Mundartbuch des Lisdorfer Vereins für Heimatkunde Geschichten von Marianne Faust Ein Buch mit CD (gesprochen von Marianne Faust) Machen Sie sich oder anderen ein schönes Geschenk Mundartbuch des Lisdorfer Vereins für Heimatkunde Geschichten von Marianne Faust Ein Buch mit CD (gesprochen von Marianne Faust)
  • 31. 31 Zu den Einwohnern von Lisdorf zählt seit Neuestem auch ein ehemaliger Box-Europameister, der im Jahre 2019 in Lisdorf ansässig geworden ist. Der Boxsportler und gelernte Reklamemaler Manfred Graus, geboren 1936 in Fraulautern, begann seine sportliche Laufbahn im Jahre 1947 im Alter von 11 Jahren in der Boxsport- abteilung des SV 09 Fraulautern, der später noch in der KG Saarlouis-Fraulautern eine der stärksten Amateur- Boxstaffeln im Westen unterhielt. Neben einem Fuß- balltraining für den Konditionsaufbau erlernte er unter den Trainern Willi und Kurt Schleich den Faustkampf Ehemaliger Box-Europameister in Lisdorf und fiel bald auf als starker Rechtsausleger in der Boxstaffel aus Fraulautern, der er bis zum 29. Lebens- jahr im Jahre 1955 angehörte. In diesem Jahr ging er nach Bremen und blieb dort bis zum Jahre 1958. In den Jahren 1956-1958 wurde er dreimal saarländischer Meister im Weltergewicht und besiegte 1956 bei einem Länderkampf den deutschen Meister Manfred Hass aus Niedersachsen. In den Jahren 1956-1958 beteiligte er sich auch an den vom DABV (Deutscher Amateur- Boxverband) ausgerichteten Titelkämpfen zwischen den deutschen Landesverbänden und wurde dreimal Internationaler Deutscher Meister im Weltergewicht (63,5-67 kg). Unter anderem bezwang er in diesen Kämpfen als Herausforderer den amtierenden Deut- schen Meister Johann Peter aus Hamm. So mancher Gegner machte Bekanntschaft mit seiner harten Rech- ten und wachte auf der Matte wieder auf. Der damalige deutsche Bundestrainer Oscar Sänger wurde auf ihn aufmerksam und berief ihn in die deutsche National- staffel für einen Länderkampf gegen eine polnische Auswahl. Dort sorgte er für eine buchstäbliche„faustdi- cke“ Überraschung, denn er punktete den amtierenden Europameister Leszek Drogosz aus. Folglich wurde er für die Europameisterschaft 1957 in Prag aufgestellt und besiegte bereits in der Qualifikation zwei bekann- te deutsche Boxer. Auch bei den Finalkämpfen in Prag war er nicht zu stoppen: nach drei Siegen bezwang er im Finale Leo Potesil aus Österreich, der bereits in der dritten Run- de kampfunfähig aus dem Ring genommen werden Manfred Graus nach seinem überraschenden Sieg bei der Europa- meisterschaft in Prag Original-Boxhandschuhe aus der EM-Endrunde. Sie sind mit Pferdehaar ausgestopft, das die Wirkung von Schlägen nicht dämpft, sondern verstärkt! 31
  • 32. 32 musste. Damit war der zuvor interna- tional unbekannte Boxamateur aus dem Saarland Box- Europameister im Weltergewicht! In den Jahren 1957 und 1958 bestritt er als Amateur noch vier weitere Länderkämpfe. Im Jahre 1958 siedel- te er nach Köln über, wo er bis zum Jahre 1973 blieb. Er arbeitete bei der Bundes- post und wurde Boxprofi im Mit- telgewicht (67.5 – 73 kg). Als Profiboxer kämpfte er mit wechselndem Erfolg, er errang Erfolge gegen bekann- te Profiboxer dieser Zeit und musste auch Niederlagen einstecken. Er kämpfte unter anderem gegen Gerhard Stachowitz, nochmals gegen Leo Potesil, Stefan Redl, gegen den englischen Meister Wally Swift und den ita- lienischen Exweltmeister Nino Benvenuti, gegen Sugar Boy Nando (Cuba), den späteren deutschen Meister Hans-Dieter Schwartz und zuletzt gegen Klaus-Peter Tombers, den er in seinem letzten Profikampf nach Punkten besiegte. Im Jahre 1973 beendete er altersbedingt mit 37 Jahren seine Profilaufbahn und zog mit Ehefrau Ingrid und seinem Sohn wieder ins Elternhaus im heimischen Fraulautern. Bis zur Verrentung im Jahre 2000 arbei- tete er bei den Fordwerken und widmete sich über Jahrzehnte mit bemerkenswertem Engagement und großem Erfolg der ehrenamtlichen Vereinsarbeit beim SV 09 Fraulautern und bei anderen Vereinen. Ebenso engagierte er sich weit über das normale Maß hinaus sozial in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und politisch bei der Sozialdemokratie in Fraulau- tern. In Anerkennung seiner beson- deren Verdienste um Staat und Mitmenschen verlieh ihm Bun- despräsident Johannes Rau 2003 die Verdienstmedaille des Ver- dienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der Saarländische Fußballverband bedankte sich im Jahre 2007 mit einer Ehrenurkun- de für seine bemerkenswerte ehrenamtliche Arbeit und die Stadt Völklingen ehrte ihn im Jahre 2010 für seine 10-jährige Tätigkeit als Kinderbus-Begleiter in über 1500 Fahrten ebenfalls mit einer Dankesurkunde. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 75 Jahre alt. Im Jahre 2019 verstarb seine Ehefrau Ingrid und er suchte nach einer neuen Bleibe, er fand sie in Lisdorf in direkter Nachbarschaft seines Sohnes. (Harald Weiler) Manfred Graus im Juli 2020, zum Zeitpunkt der Niederschrift 84 Jahre jung. Neue und empfehlenswerte heimatkundliche Literatur 1. „60 Jahre Redemptoristen-Klöster Bous und Püttlingen“ (Kloster Heiligenborn) Verfasser: Prof. Dr. Thomas Gergen und Norbert Sperling, 542 S. Conte Verlag Saarbrücken 2020, Preis 24,90 €, ISBN 978-3-95602-220-3 2. „Die Saar im Fluss der Zeit“ Verfasser: Michael Kipp und Robby Lorenz, 216 S., Geistkirch-Verlag, Preis 24,80 € 3. „Das Saargebiet – Eine Reise zu den Anfängen des Saarlandes“ Verfasser: Michael Kipp, 184 S., Geistkirch-Verlag, Preis 24,80 € 4. „Die Geschichte des Saarlouiser Stadtteils Beaumarais“, Band 2 Verfasser: Verein für Mundart und Geschichte Beaumarais, Jürgen Baus und 11 weitere Autoren und Autorinnen, 332 S., Velten-Verlag Saarlouis, Preis 32,80 €
  • 33. 33 5. „Das Saarlouiser Herz, Spaziergänge in der Stadt und ihrer Umgebung“ Verfasser: Georg Fox, 96 S., Edition Schaumberg, Preis 20,00 € 6. „Saarlouis… die Stadt mit Herz“ – Touristischer Stadtführer Verfasser: Volker Felten und Jürgen Baus, 104 S., Verlag Felten, Preis 4,95 € 7. „Das Saarland aus der Luft“ Verfasser: Manfred Czerwinski, 88 S. Wartburg-Verlag, Preis 25,00 €, ISBN 3-86134-420-3 8. „Das Saarland – Eine Bildreise“ Verfasser Ludwig Harig/Siegfried Layda, 96 S. Ellert und Richter Verlag, Preis 25,00 €, ISBN 3-89234-678-X 9. „Roden – Heimat, Schicksal und Vermächtnis“ Verfasser: Historischer Zirkel für Roden, Autoren G. Meyer, G. Altmeyer, A Becker, M. Herresthal, R. Dillschneider, F. R. Gerath, 130 S. Verlag: Rodener Geschichtskreis e.V., Preis 19,50 €, ISBN 978-3-00-061232-9 10. „Flucht und Heimkehr – Wie Saarwellingen das Kriegsende erlebte“ Veröffentlichung des Archivs der Gemeinde Saarwellingen, Band 4, Verfasser: mehrere, 115 S. Vertrieb: Gemeinde Saarwellingen, Rathaus, kultur@saarwellingen.de, Preis 19,00 €, ISBN 978-3-933926-81-4 11. „For Leiw un Seel“ und „Awwei awwar!“ – Moselfränkische Geschichten und Gedichte Schriftenreihe der KVHS Saarlouis, Klaus Peter Fuß und Jean-Louis Kieffer, Landratsamt Saarlouis, Preis je 10,00 €, ISBN 978-3-00-058654-5 bzw. ISBN 978-3-00-026545-7 12. „Auf dem großen Markt – Erzählungen von einem Ort an der Grenze“ Verfasser: Alfred Gulden, 167 S., Gollenstein Verlag Blieskastel, Preis 10,00 €, ISBN 3-935731-41-8 13. Schriften und Bücher von Patrik H. Feltes gen. Veltz, Wadgassen sowie H. Kastner und St. Klemm: a. „Der Zeiten bunter Lauf 2017-2020“ Jahreswegbegleiter in Wort und Bild, jeweils etwa 150 S., Herausgeber: Verein für kulturelle und geschichtliche Arbeit im Bisttal e.V., Wadgassen, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, info@kultur-geschichte-wadgassen.de, Preis je 10,00 € b. „simmeliert – iwwa Weihnachten, et Enn vum Jòòa unnet Leewen“, 68 S., Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 € c. „Was sich begibt – Allerhand Aufbrüche in Bildern und Texten“, 124 S., Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 € d. „Zeitspiel – Vorschläge zur Verlangsamung des allmählichen Vergehens der Zeit“, 76 S., Edition Saarflugblätter, Friedensstr. 33, 66787 Wadgassen, www.saarflugblätter.de, Preis 10,00 € 14. Bücher von Karin Peter, Mundartexpertin für den Alt-Saarlouiser Dialekt Die verschiedenen Bücher von ihr haben wir schon mehrfach im Lisdorfer Heimatblatt vorgestellt. Ihr letztes Buch mit dem Titel „Hall dich kurrasch“ mit hochdeutscher Überset- zung und CD ist weiterhin im Buchhandel erhältlich. 15. „Herzblut – keine Krise ist größer als Deine Chance“ Verfasser: David Zimmer/Eine Saarländische Erfolgsgeschichte, 159 S., Preis 24,80 € 16. „Vaschtesche mich?“, Wörterbuch des Alt-Saarlouiser Sprachgutes Verfasser: Norbert Beuer, 175 S., Edition Brueer, Preis 13,80 € 17. „Grätzbeidel“ – Das Saarländische Schimpfwörterspiel Verfasser: Michael Schmitz und Roland Pecher, 40 S., Anaconda-Verlag, Preis 7,95 € 18. „Der Versailler Vertag – Deutsch-Französische Betrachtungen“ Verfasser: Bernd Rauls und Verena Paul, Röhrig-Universitätsverlag, Preis 38,00 €
  • 34. 34 200 Jahre Feuerwehr Lisdorf – 1821 - 2021 Jubiläum kann im Jahr 2021 nicht gefeiert werden "... vermöge der kräftigen Hülfe, welche die schleunig herbeigekommene Spritze von Lisdorf und die zu Saarlouis stationierte Pionier-Compagnie unter An- führung ihrer Offiziere geleistet haben, von weniger trauriger Folgen gewesen...", sei eine Feuersbrunst zu Hölzweiler (dem heutigen Hülzweiler, Teil der Gemeinde Schwalbach). So meldet es das Amts- blatt der Regierung zu Trier (Nr. 51) vom Sonn- abend, dem 3. November 1821. Das Brandgeschehen vom 5. Oktober 1821 in Hülzweiler, immerhin bedeutend genug, um im 80 km entfernten Trier im Amtsblatt der königlichen preußischen Regierung Erwähnung zu finden, hat einen Teil seiner Bedeutung bis heute nicht verloren. Es handelt sich nämlich bis dato um den ersten bekannten Einsatz einer„Lisdorfer Spritze“, für den durch die Erwähnung im Amtsblatt eine amtliche Beglaubigung vorliegt. Diese Erwähnung bildet die Grundlage für das 200-jährige Jubiläum unserer Lisdorfer Feuerwehr, die nach ihrer Exis- tenz als„Lisdorfer Spritze“, als Feuerlösch-Compa- gnie von Lisdorf und ab 1879 als Freiwillige Feuer- wehr der Gemeinde Lisdorf, heute als Löschbezirk Lisdorf ein Teil der Feuerwehr Saarlouis ist. Anders als zum Beispiel für die Feuerwehr Saarlouis, bzw. für ihren zentralen Löschbezirk Innenstadt, für den ein konkretes Gründungsdatum im Jahr 1811 bekannt ist, ist ein solches für die Lisdorfer Feuerwehr bis heute nicht nachweisbar. Die Erwähnung im Amtsblatt von 1821 beweist aber, dass spätestens im Oktober 1821 eine Lisdorfer Feuerwehr bestand, die so gut ausgestattet und ausgebildet war, dass sie sogar zur überörtlichen Hilfe bis nach Hülzweiler angefordert werden konnte und die dort auch noch zur„kräftigen Hülfe“ in der Lage war. Und so ist 2021 zum„Ju- biläumsjahr“ der Lisdorfer Feuerwehr geworden, was mit einer deutlich über den normalen Tag der offenen Tür hinausgehenden Veranstaltung gefei- ert werden sollte. Erste Planungen hierzu laufen teilweise bereits seit mehreren Jahren und natürlich orientieren sich diese auch am letzten groß gefeierten Jubiläum des Löschbezirks. Damals, vom 23. bis 25. August 1996, noch unter der Führung von Hans-Joachim Loris, heute Ehrenlöschbezirksführer und auch Gründungsmitglied des Vereins für Heimatkunde, wurden 175 Jahre Löschbezirk Lisdorf gefeiert. Die Feierlichkeiten begannen freitags mit einem Festakt in der Hans-Welsch-Halle und anschließen- dem Zapfenstreich und endeten erst sonntags mit einem„Südtiroler Abend“, inspiriert von der Feuer- wehr Lüsen in Südtirol mit der seit 1971 eine enge Freundschaft besteht. Wahre Höhepunkte waren aber sicher auch der Festumzug der Feuerwehren durch die Straßen von Lisdorf und der Dorfge- meinschaftsabend unter dem Motto„Ein Dorf feiert seine Feuerwehr“. Dass die Lisdorfer Vereine dieses Motto ernst nahmen und„ihre“ Feuerwehr sowohl beim Dorfgemeinschaftsabend wie auch bei der Durchführung des 3-tägigen Festes tat- kräftig unterstützt hatten, ist bei der Feuerwehr in guter Erinnerung geblieben. Nichts Geringeres als eine Jubiläumsveranstal- tung dieser Größe stellte man sich vor, als die neu gewählte Löschbezirksführung unter Christopher Freichel im Frühjahr 2020 die laufenden Planungen übernahm. Erste Absprachen innerhalb Lisdorf wurden getroffen, umTerminkollisionen wie zum Beispiel mit dem Lisdorf Open-Air zu vermeiden. Darüber hinaus war mit dem Landkreis und Kreis- brandinspektor Bernd Paul bereits von der vorheri- gen Löschbezirksführung eine Vereinbarung getrof- fen worden, wodurch die 200-Jahrfeier zusammen mit dem Kreisfeuerwehrtag 2021 ausgerichtet worden wäre. Und auch die Partnerwehren aus Lüsen in Südtirol und Reinstorf in Niedersachsen waren informiert, dass man sich auf ihren Besuch in 2021 freut. Doch mit Einsetzen der Corona-Pandemie im März 34
  • 35. 35 Dass man mit 90 Jahren immer noch aktiv am Vereinsleben teilnehmen kann, zeigt uns Marianne Faust. Sie feierte im Februar ihren 90. Geburtstag. Marianne - seit 1998 Mit- glied im Verein für Heimatkunde - Lisdorf schreibt über Jahre hinweg Mundartgeschichten und ist mit Ihren Beiträgen immer gern gesehen und gehört bei Veranstaltungen der Heimatvereine von Saarlouis und Umgebung. Ihre Geschichten beruhen meistens auf wahren Begeben- heiten aus ihrem Leben, gemischt mit Humor und einer Prise Lebens- weisheiten. Ein Taschenbuch mit Geschichten in Mundart geschrieben dazu eine CD gesprochen von Marianne ist seit 2018 erhältlich. Wir kennen sie auch als Helfer bei Festen und Veranstaltungen des Vereins (z.B. Grünkohlessen). Wir wünschen Marianne alles Gute und vor allem Gesundheit. Herzlichen Glückwunsch zu diesem runden Geburtstag und wir hoffen das wir uns auch weiter an Mund- artgeschichten und Gedichten von Marianne erfreuen können. Mit 90 immer noch aktiv 2020 wendete sich auch für die Vorbereitungen zum Feuerwehr Jubiläum das Blatt und mit Fort- schreiten der Pandemie wurde Stück für Stück auch die Ausrichtung einer 200-Jahrfeier in 2021 immer unwahrscheinlicher. Nicht nur stand mehr und mehr in Frage, ob im Sommer 2021 überhaupt Volksfeste stattfinden können, sondern durch die besondere sicher- heitsrelevante Bedeutung der Feuerwehren wurde auch nahezu unvorstellbar, unter Corona Bedingungen hunderte Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus zu Fei- erlichkeiten und einem Festumzug zusammen- zubringen. Unterdessen zeichnete sich auch ab, dass es immer schwieriger wurde, Verträge für Veranstaltungsequipment zu schließen oder zum Beispiel Bands und Musikvereine zu engagieren, während die internen Treffen der für Planung und Vorbereitung gebildeten Arbeitskreise bereits kaum noch zu organisieren waren. Wie sollte man sich zum Beispiel in Planungsteams und Arbeits- kreisen zusammensetzen, wenn, um Infektionsge- schehen und Quarantänefälle in den freiwilligen Feuerwehren zu vermeiden, Feuerwachen außer für Einsätze strikt geschlossen sind und Sitzungen und Dienstbesprechungen auf unbestimmte Zeit nicht stattfinden dürfen? Zwar haben diese Regeln und Vorgaben bisher hervorragend dazu gedient, die Lisdorfer Feuerwehr durch die gesamte Pan- demie hindurch vor Corona bedingten Ausfällen und Quarantäneereignissen zu bewahren und so zu jeder Zeit einsatzbereit zu bleiben. Die Planung einer Jubiläumsveranstaltung, deren Ausrichtung immer unwahrscheinlicher wurde, haben sie aber schlicht unmöglich gemacht. Im September 2020 wurde seitens des Löschbe- zirks dann die Reißleine gezogen und entschie- den, das Jubiläum nach 2022 zu verschieben. Das war zunächst keine leichte Entscheidung, denn dadurch geht zum Beispiel auch die Möglichkeit der gemeinsamen Austragung mit dem Kreis- feuerwehrtag verloren, der für 2022 bereits einer anderen Wehr zugesagt ist. Aus heutiger Sicht hat sich die Entscheidung als richtig erwiesen. Christopher Freichel Löschbezirksführer 35
  • 36. 36 Huddel met da Schlòòferei von Marianne Faust Wänn ma morjens beizeiden aus èm Bätt grawwelt, mäschdens fréija wie ma mésst offstehn, awwa ma móss jò schon nòmmòll. Dann schiddelt ma sich daeascht dè Armen on dè Hänn, weil sè jó émma enngeschlòòf senn. Dann dè Bään, die móss ma aach riselln, sonscht männt ma die gäwen nét zóu ääm geheeren. Datt sénn Awedden, vann denen hascht dè vòa zehn Jòa noch neischt gewóscht. Als nägschdes wackelt ma dann ént Badäzemmer. Iwwa- wech kommt ma dann am Schbiejel langes on lóut so schräägs mòll renn. Dè aschräckscht jeden Morjen on dänkscht, wäa éss dann datt lò, dè hascht doch am fréijen Morjen noch kään Besuch. Bis dè dann ganz vaschääkst märkscht, dass dè datt lò jò selwa bescht. Vann Òwens elf Aua, bis morjens moscht dè jò 2-3 mòòl an dem Schbiejel lò langes gehn, awwa dann hascht dè jò zómm Kléck émma dè Auen halwa zóu. Dè kannscht jò nét jedesmòòl dè Auen ganz offmachen, sonscht gaäfschde jò nòhäa nemmä ennschlòòfen. Ma hat sowieso schon èn Bóuch newen èmm Bätt leien, émm Fall dass èt nét klappt mét da Schlòòfarei . Dè léscht dann èn bißin, dann schlòòfscht dè nòmmòll én. Manchmòòl lest ma dreimòòl èt änen sellwich on am nägschden Morjen wääs ma doch neischt mä. Am alla bäschden schlòòft ma jò voam Fernsehn. Dè leischt dann om Sofa òdda gemiedlich ém Sessel, gutt mét da Wolldäck zóugestoppt on schlòòfscht wie én freschgebackten Brot. Am mäschden ärjascht dè dich jò, wenn dè émm väadel nò acht welscht èn Film lóuen, off denen wo dè dich schon drei Daa gefráijt hascht, on èt Telefon klin- gelt dann. Dè grawwelscht off, schlappscht an èt Telefon on moscht da dann vann ääm èn Gespräch hallen lòssen, den dè schonn èn half Jòa nemmä gesinn hascht. Wenn datt iwwastann és hascht dè nadialich dè Anfang vamm Film va- passt. Egal, dè hauscht dich nòmmòll nidda én dein Läachin, awwa hascht vamm Tuten on Blòsen kään Ahnung mä. Nò kurza Zeit fängscht dè aan énnsedusseln. 36
  • 37. 37 Dè geffscht äascht nòmmòll wach, wenn dè Musik kommt on sè weisen da mét hónatt Namen wäa alles métgespillt hat. So, dann éss da Spuck remm. Awweil dóun da dè Grääten weh on dann geht dè Wandaschaft lòss. Wenn fréija us Eltern gesaat hann ma kannen nét schlòòfen, dann hann eich émma gedänkt, mä wenn ma doch émm Bätt leit on macht dè Auen zóu , dann schlòòft ma doch ach. Haut kännt ma den Huddel. Ma brauch nua èn bissin älla sè senn, dann brauch ääm käna mét da Scheiaport sè wenken. Awwa watt häscht dann lò alt. Däa wo nét wéll alt genn, däa moß jòng sterwen, on datt maanen ma jò aach nét. Léij èn Bläsur on lò èn Drangsal moss ma schonn mòll én Kaaf hollen. Wie saad ma doch so scheen, wenn ääm morjens neischt mä weh dóut wämma offsteht, dann éss ma dood. Èt schänscht éss jó, wenn ma ääm bègehnt wo ma schon lang nemmä gesinn hat. Dann dänkscht dè, Mensch, däa lò éss awwa schwäa alt genn.Wenn dè dann hämm kommscht simmleaschde iwwa dem annan sein vagòschdaden Ge- sicht, on dann kommscht dè droff, dass däa woméchlich datt sèllwich gedänkt hat wie dau. Wascheinlich vazehlt däa awweil dahämm, dass a aschrock éss, wie a deich gesinn hat. Vòa der ajenen Visasch macht dè Zeit jò aach nét halt. Awwa jitz heeren ma off mét usa Änzarei. Solang èt us noch gutt schmackt on ma senn noch iwwerall mét da Nas dabei, hallen ma us klään. Èt kénnt alles vill schlémma senn. Datt lò éss noch kään Uasach fò sè änzen. Datt héwen ma us off bis èn annamòòl. (mf) 37
  • 38. 38 Maria Lonsdorfer oo 1. Ehe: unbekannt 2. Ehe mit Heinrich Grobe *1896 Lisdorf +1977 Castrop-Rauxel Beide Ehen blieben kinderlos Nikolaus Lonsdorfer sen. oo Elisabeth Werner 1896 *1866 Lisdorf *1875 Wasserbillig +1937 Lisdorf +1960 Lisdorf Das Paar fuhr ab 1910 das Schiff Germania, dessen Lebenslauf in diesem Heft abgedruckt ist. Ehepaar hatte 11 Kinder, der jüngste Sohn Alfred (1917) verstarb nach der Geburt in Maastricht. Bei der Angabe des Geburtsortes ist zu beachten, dass auf einem Schiff geborene Kinder zeitnah anzumelden sind auf dem nächstgelegenen zu- ständigen Amt, auch im Ausland. Bei der ersten Gelegenheit ist Registrie- rung zu wiederholen auf dem Stan- desamt Wohnortes. Die anderen Kinder waren: Jakob Lonsdorfer oo Theodora Achtergat *1897 Lisdorf *1905 Münster +1946 Frankreich +1973 Hilbringen 4 Kinder Das Paar fuhr mit der Germania, ab 1946 Theodora mit Sohn Klaus, da Jacob im Mai 1946 bei einem Minenunfall ums Leben kam. Nikolaus Lonsdorfer jun. oo Margaretha Krämer *1899 Cendrecourt-Sur-Saône *1903 Fraulautern +1942 Ärmelkanal +1981 Duisburg durch Seemiene 2 Kinder Sie fuhren die Schiffe Ascania und In Undis (=in den Wellen) Elise (Lisa) Lonsdorfer oo Hervé Fournier *1900 Hotem/Belg. *1901 Dombasle-Sur-Meurthe +1990 Landelies/Belg. 2 Kinder Die Schifferfamilie des
  • 39. 39 s Nikolaus Lonsdorfer Adolf Lonsdorfer oo Julia Pets 1933 *1901 St.Johann *1913 Dendermonde/Belg. +1977 Datteln/Westf. +2004 Koblenz 3 Kinder Ihre 3 Kinder waren ebenfalls Schiffer und fuhren die Schiffe Ascania Nr.1, Nr.2, Nr. 3, llse, Ster und Eros, darüber werden wir noch berichten. Joseph Lonsdorfer oo PhilomenaTak *1903 Demangevelle *Maasbracht/NL +1979 Roermond/NL 2 Kinder Bertha Lonsdorfer oo Willem van denWyngaard (links) (rechts) *1904 Neuves-Maisons +1976 Maastricht/NL +1961 4 Kinder Peter Lonsdorfer oo Magdalena Schmitt *1906 Pont a Mousson *1906 Lisdorf +1974 Rotterdam +1991 Datteln/Westf. Schiffsunfall 2 Kinder Anna Maria Lonsdorfer oo Ludwig Mettlach *1907 Artzenheim/Elsass *1902 St. Johann +1976 Saarlouis +1963 Lisdorf 2 Kinder Sie waren zuerst Eigner des Schiffes Maria, später fuhr Ludwig auf dem Motorschiff Louis als Schiffsführer bei den Röchling-Stahlwerken. Sie und Annas Bruder Jacob blieben als einzige Schiffer der zweiten Lonsdorfer-Generation in Lisdorf ansässig. Ihre Tochter Hildegard heiratete den Dirigen- ten des Orchestervereins Alois Schwickert. Helene (Lena) Lonsdorfer *1916 Flaume/Belgien +1992 Landelies/Belgien Blieb Zeit ihres Lebens ledig und fuhr zusam- men mit ihrer Schwester Elise und Schwager Herve auf deren Schiff Decide.
  • 40. 40 Obere Reihe von links: Irmgard Lonsdorfers Bruder Alfred, Philomena Lonsdorfer-Tak und Ehemann Josef, Irmgards Großeltern Petrus Pets und Ehe- frau Rosalia Pets-Romijns, Bertha van denWyngaard-Lonsdorfer (EhemannWillem +Feb.1961), Margaretha Lonsdorfer-Krämer (Witwe von †Nikolaus Lonsdorfer). Mittlere Reihe von links: Bräutigam-Eltern Friedrich Hausen und Julia Hausen-Salm, Irmgards Bruder Peter (*1954), Brautpaar Irmgard Lonsdorfer und Erich Hausen, Brauteltern Julia Lonsdorfer-Pets und Ehemann Adolf Lonsdorfer. Untere Reihe von links: Klaus Lonsdorfer (Sohn von Nikolaus und Margareta Lonsdorfer), Lisa van denWyngaard, Marlene Lonsdorfer (Tochter von Peter Lonsdorfer und Magdalena geb. Schmitt, die keine Hochzeitsgäste waren), Anita Hausen-Weber (Ehefrau von Eugen), Adolf Lonsdorfer (Sohn von Josef und Philomena Lonsdorfer), Christine van denWyngaard, Eugen Hausen (Bruder von Erich). Zu einem großen Familientreffen der Nachkommen des Nikolaus Lonsdorfer kam es am 5.10.1961 anlässlich einer Schifferhoch- zeit in der Kapelle des Schifferkinderheims St. Nikolausburg in Duisburg-Ruhrort. Die Schifferin Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer und der Schiffer Erich Hausen aus Saarburg gingen den Bund der Ehe ein. Alle hier anwesenden Personen mit Namen Lonsdorfer oderWyngaard sind Abkömmlinge der Schiffer Nikolaus Lonsdorfer und ElisabethWerner aus Lisdorf/Wasserbillig, die Braut ist eine Enkelin. Die anwesenden Personen der Familie Salm stammen aus Saarburg, Familie Pets aus Antwerpen. Dank der Unterstützung durch Fr. Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer (Koblenz) und ihrer Cousine 2. Grades Fr. Han- nelore Salm geb. Lonsdorfer (Großblittersdorf) sowie des ehemaligenVorsitzenden des Saarländischen Schifferver- bandes Herbert Primm konnten wir die Lebensgeschichte vieler Schifferfamilien aus Lisdorf und Umgebung rekons- truieren. Auch viele andere Berufsschiffer oder ihre An- gehörigen halfen in beispielhafterWeise mit.Viele haben uns auch ihre eigene Lebensgeschichte als selbständige Berufsschiffer zur Niederschrift gegeben. In den nächsten Heimatheften folgen deshalb weitere Beiträge. Nach Abschluss unserer Forschungen werden wir die Ergebnisse in einer Sonderausgabe des Heimatblattes zu- sammenfassen zusätzlich mit einem ausführlichen Bericht zur KleinbahnWallerfangen-Lisdorf-Ensdorf, die vor 125 Jahren am 1. September 1897 den Betrieb aufnahm. HaraldWeiler